Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 3

Adhyāya 4 Das Gastopfer (Ātithya) für König Soma, die Zwischen-Weihe, der Tanūnaptra-Bund und die Upasad-Opfer

Br.1: Das Ātithya (Gastopfer) für den gekauften König Soma als „Haupt des Opfers“; Debatte über den rechten Zeitpunkt des Ergreifens der Opfergaben beim Empfang eines Gastes; Zuteilung der Versmaße (Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī) an die einzelnen Ātithya-Anteile; Symbolik der Ritualgeräte (neun-scherbiger Opferkuchen, Kārṣmarya-Einfassungsscheite, Pferdehaar-Streubüschel als Rest des zum Pferd gewordenen, geflohenen Opfers); die Feuererzeugung durch Reiben mit dem Urvaśī-Purūravas-Āyu-Mythos als Deutung der beiden Reibhölzer. Br.2: Mythos vom Zerfall der Götter in vier Gruppen und ihrer Rettung durch Vereinigung im Glanz Indras; der Tanūnaptra-Bund als gegenseitiges Wahrheitsgelübde der Götter (Ursprung des Tanūnaptra-Opfers); Deutung des Windes als Bote zwischen Menschen-Sinn und Göttern; Identifikation Indras mit der glühenden Sonne; Ursprung des Sāman aus dem Bund der Götter. Br.3: Die Zwischen-Weihe (Avāntara-Dīkṣā) als Sühne für den Götter-Wetteifer, vollzogen durch Haut-Wandlung mittels Agni; Mythos von den durch Rakṣas bedrohten Göttern, die Agnis Gestalt annehmen; Stärkung (Āpyāyana) des Königs Soma mit den Madantī-Wassern; Vṛtra-Soma-Identifikation und der Ursprung der Soma-Pflanze aus dem Gebirge (nach Śvetaketu Auddālaki); der Yūpa-Verhüllungs-Mythos vom durch die Götter vor den Menschen verborgenen Opfer-Honig; Prastara-Versteck-Ritus als Sühne für die verkehrte südliche Stärkungs-Reihenfolge. Br.4 (letzte Brāhmaṇa dieses Adhyāya): Die Upasad-Opfer als Nacken des Opfers (Pravargya als Haupt); der Mythos vom Burgenkampf zwischen Göttern und Asuras (eiserne/silberne/goldene Burg) als Grundlegung des Upasad-Ritus; Ghee als Vajra-Waffe; Vajra-Symbolik von Agni (Spitze)/Soma (Schaft)/Viṣṇu (Knauf) und ihre Jahres-Zeitmaß-Entsprechung (Tag/Nacht/Zwischenzeit); die drei/sechs/zwölf/vierundzwanzig Upasad-Zählungen als Jahreszeiten-/Monats-/Halbmonats-Symbolik; „zunehmende“ und „abnehmende“ Vrata-Milchmengen der Upasad-Tage. Damit ist Adhyāya 4 vollständig.

śiro vai yajñasyātithyaṃ bāhū prāyaṇīyodayanīyau | abhito vai śiro bāhū bhavatastasmādabhita ātithyamete haviṣī bhavataḥ prāyaṇīyaścodayanīyaśca

Das Gastopfer (Ātithya) ist wahrlich das Haupt des Opfers, die Prāyaṇīya- und Udayanīya-Opfergüsse sind seine beiden Arme. Denn die Arme befinden sich zu beiden Seiten des Hauptes; deshalb liegen diese beiden Opfergaben, das Prāyaṇīya und das Udayanīya, zu beiden Seiten des Gastopfers.

atha yasmādātithyaṃ nāma | atithirvā eṣa etasyāgacati yatsomaḥ krītastasmā etadyathā rājñe vā brāhmaṇāya vā mahokṣaṃ vā mahājaṃ vā pacettadaha mānuṣaṃ havirdevānāmevamasmā etadātithyaṃ karoti

Nun, weshalb es „Gastopfer“ (Ātithya) heißt: Dieser (Soma) kommt ja als Gast zu ihm, sobald Soma gekauft ist; für ihn bereitet man dies, so wie man für einen König oder einen Brahmanen einen großen Ochsen oder einen großen Ziegenbock kochen würde – das ist eine menschliche Speise für die Götter; ebenso bereitet man ihm dieses Gastopfer.

tadāhuḥ | pūrvo 'tītya gṛhṇīyāditi yatra vā arhantamāgataṃ nāpacāyanti krudhyati vai sa tatra tathā hāpacito bhavati

Dazu sagt man: Man solle (die Opfergaben) ergreifen, nachdem man dem Ankommenden zuvorgekommen ist [Anm.: „pūrvo 'tītya“ – unsichere ritualtechnische Wendung, etwa „vorausgehend/zuvorkommend“]. Denn wo man einen ankommenden Verehrungswürdigen nicht ehrt, dort zürnt er; so bliebe er dort ungeehrt.

tadvā anyatara eva vimuktaḥ syāt | anyataro 'vimukto 'tha gṛhṇīyātsa yadanyataro vimuktastenāgato yadvanyataro 'vimuktastenāpacitaḥ

Dabei sei nur einer (der beiden Zugtiere) ausgespannt, der andere nicht ausgespannt; dann solle man (die Opfergaben) ergreifen. Dass der eine ausgespannt ist – dadurch gilt er (der Gast) als angekommen; dass der andere nicht ausgespannt ist – dadurch ist ihm die Ehre erwiesen.

tadu tathā na kuryāt vimucyaiva prapādya gṛhṇīyādyathā vai devānāṃ caraṇaṃ tadvā anu manuṣyāṇāṃ tasmānmānuṣe yāvanna vimuñcate naivāsmai tāvadudakaṃ haranti nāpacitiṃ kurvantyanāgato hi sa tāvadbhavatyatha yadaiva vimuñcate 'thāsmā udakaṃ harantyathāpacitiṃ kurvanti tarhi hi sa āgato bhavati tasmādvimucyaiva prapādya gṛhṇīyāt

Doch so solle man es nicht tun. Man solle vielmehr erst ganz ausspannen und dann (die Opfergaben) darbringen und ergreifen. Denn wie es der Brauch der Götter ist, so folgt ihm der Brauch der Menschen. Deshalb: Solange man bei den Menschen (den Wagen eines Gastes) nicht ausspannt, trägt man ihm noch kein Wasser und erweist ihm keine Ehre – denn solange gilt er noch als nicht angekommen. Sobald man aber (ganz) ausspannt, trägt man ihm Wasser und erweist ihm Ehre – dann nämlich gilt er als angekommen. Deshalb solle man erst ganz ausspannen und (die Gabe) darbringen, dann (die Opfergaben) ergreifen.

sa vai saṃtvaramāṇa iva gṛhṇīyāt | tathā hāpacito bhavati tatpatnyanvārabhate paryuhyamāṇaṃ vai yajamāno 'nvārabhate 'thātra patnyubhayata evaitanmithunenānvārabhete yatra vā arhannāgacati sarvagṛhyā iva vai tatra ceṣṭanti tathā hāpacito bhavati

Er solle sie gleichsam eilig ergreifen; sonst wird er (der Gast) nicht geehrt. Dabei berührt ihn die Gattin (des Opferherrn) mit an; denn während (der König Soma) umhergeführt wird, berührt ihn der Opferherr mit an; dabei berühren ihn auf beiden Seiten Gattin und Opferherr gemeinsam als Paar mit an. Denn wo ein Würdiger ankommt, dort ist gleichsam das ganze Haus in Bewegung; so wird er geehrt.

sa vā anyenaiva tato yajuṣā gṛhṇīyāt | yeno cānyāni havīṃṣyekaṃ vā eṣa bhāgaṃ krīyamāṇo 'bhikrīyate candasāmeva rājyāya candasāṃ sāmrājyāya tasya candāṃsyabhitaḥ sācayāni yathā rājño 'rājāno rājakṛtaḥ sūtagrāmaṇya evamasya candāṃsyabhitaḥ sācayāni

Er solle sie aber mit demselben Opferspruch ergreifen, mit dem (man auch) die anderen Opfergaben ergreift. Denn dieser (Soma) wird, während er gekauft wird, nur als ein einziger Anteil gekauft – zur Königsherrschaft der Versmaße, zur Oberherrschaft der Versmaße; deshalb sind ihm die Versmaße zu beiden Seiten Begleiter, so wie einem König nicht-königliche, vom König eingesetzte Begleiter – Wagenlenker, Dorfvorsteher – zur Seite stehen; ebenso sind ihm die Versmaße zu beiden Seiten Begleiter.

na vai tadavakalpate | yaccandobhya iti kevalaṃ gṛhṇīyādyatra vā arhate pacanti tadabhitaḥ sācayo 'nvābhaktā bhavantyarājāno rājakṛtaḥ sūtagrāmaṇyastasmādyatraivaitasyai gṛhṇīyāttadeva candāṃsyanvābhajet

Das taugt aber nicht, dass man nur mit (der Formel) „für die Versmaße“ allein ergriffe. Denn wo man für einen Würdigen (das Mahl) kocht, da sind ihm ringsum Begleiter zugeteilt – nicht-königliche, vom König eingesetzte, Wagenlenker und Dorfvorsteher. Deshalb solle man, wo immer man für ihn (die Opfergabe) ergreift, eben dort auch die Versmaße mit zuteilen.

sa gṛhṇāti | agnestanūrasi viṣṇave tvetyagnirvai gāyatrī tadgāyatrīmanvābhajati

Er ergreift (die Opfergabe) mit den Worten: „Du bist der Leib Agnis, für Viṣṇu bist du!“ Agni ist ja die Gāyatrī; damit teilt er ihr die Gāyatrī zu.

somasya tanūrasi viṣṇave tveti | kṣatraṃ vai somaḥ kṣatraṃ triṣṭuptattriṣṭubhamanvābhajati

„Du bist der Leib Somas, für Viṣṇu bist du!“ Soma ist ja die Kṣatra-Macht, und die Triṣṭubh ist die Kṣatra-Macht; damit teilt er ihm die Triṣṭubh zu.

atitherātithyamasi viṣṇave tveti | so 'syoddhāro yathā śreṣṭhasyoddhāra evamasyaiṣa ṛte candobhyaḥ

„Du bist das Gastopfer des Gastes, für Viṣṇu bist du!“ Das ist dessen Sonderanteil, so wie es der Sonderanteil des Vorzüglichsten ist; ebenso ist dies sein Anteil, unabhängig von den Versmaßen.

śyenāya tvā somabhṛte viṣṇave tveti | tadgāyatrīmanvābhajati sā yadgāyatrī śyeno bhūtvā divaḥ somamāharattena sā śyenaḥ somabhṛttenaivaināmetadvīryeṇa dvitīyamanvābhajati

„Dich, dem Falken, dem Soma-Träger, für Viṣṇu bist du!“ Damit teilt er ihm wieder die Gāyatrī zu. Weil die Gāyatrī, zum Falken geworden, den Soma vom Himmel holte, deshalb ist sie „die den Soma tragende Falkin“; eben mit dieser Kraftleistung teilt er ihm sie ein zweites Mal zu.

agnaye tvā rāyaspoṣade viṣṇave tveti | paśavo vai rāyaspoṣaḥ paśavo jagatī tajjagatīmanvābhajati

„Dich, für Agni, den Mehrer des Wohlstands, für Viṣṇu bist du!“ Vieh ist ja der Mehrer des Wohlstands, und Vieh ist die Jagatī; damit teilt er ihm die Jagatī zu.

atha yatpañca kṛtvo gṛhṇāti | saṃvatsarasammito vai yajñaḥ pañca vā ṛtavaḥ saṃvatsarasya tam pañcabhirāpnoti tasmātpañca kṛtvo gṛhṇātyatha yadviṣṇave tvā viṣnave tveti gṛhṇāti viṣṇave hi gṛhṇāti yo yajñāya gṛhṇāti

Nun, dass er fünfmal ergreift: Das Opfer ist dem Jahr gleichgesetzt, und fünf sind die Jahreszeiten des Jahres; damit erlangt er es durch die fünf Griffe vollständig. Deshalb ergreift er fünfmal. Und dass er mit „für Viṣṇu bist du, für Viṣṇu bist du“ ergreift: Wer für das Opfer ergreift, der ergreift ja für Viṣṇu.

navakapālaḥ puroḍāśo bhavati | śiro vai yajñasyātithyaṃ navākṣarā vai gāyatryaṣṭau tāni yānyanvāha praṇavo navamaḥ pūrvārdho vai yajñasya gāyatrī pūrvārdhe eṣa yajñasya tasmānnavakapālaḥ puroḍāśo bhavati

Der Opferkuchen wird auf neun Scherben gebacken. Das Gastopfer ist ja das Haupt des Opfers; aus neun Silben besteht die Gāyatrī – acht sind es, die man dabei hinzu-rezitiert, der Praṇava (Om) ist die neunte. Die Gāyatrī ist ja die erste Hälfte des Opfers, und in der ersten Hälfte des Opfers steht dieses (Gastopfer); deshalb wird der Opferkuchen auf neun Scherben gebacken.

kārṣmaryamayāḥ paridhayaḥ | devā ha vā etaṃ vanaspatiṣu rākṣoghnaṃ dadṛśuryatkārṣmaryaṃ śiro vai yajñasyātithyaṃ neciro yajñasya nāṣṭrā rakṣāṃsi hinasanniti tasmātkārṣmaryamayāḥ paridhayo bhavanti

Die Einfassungsscheite sind aus Kārṣmarya-Holz. Die Götter erkannten nämlich unter den Bäumen dieses Kārṣmarya-Holz als das Rakṣas-tötende, (mit dem Gedanken): „Die Rakṣas sollen dem Haupt des Opfers, dem Gastopfer, nicht mit dem Stachelstock [Anm.: „aṣṭrā“ – unsichere Lesart, wörtl. Treibstock] schaden.“ Deshalb sind die Einfassungsscheite aus Kārṣmarya-Holz.

āśvavālaḥ prastaraḥ | yajño ha devebhyo 'pacakrāma so 'śvo bhūtvā parāṅāvavarta tasya devā anuhāya vālānabhipedustānālulupustānālupya sārdhaṃ saṃnyāsustata etā oṣadhayaḥ samabhavanyadaśvavālāḥ śiro vai yajñasyātithyaṃ jaghanārdho vālā ubhayata evaitadyajñam parigṛhṇāti yadāśvavālāḥ prastaro bhavati

Das Streubüschel (Prastara) besteht aus Pferdehaaren. Das Opfer war einst den Göttern entwichen; es wurde zu einem Pferd und wandte sich fliehend ab. Die Götter verfolgten es und ergriffen seine Haare, rissen sie ihm aus, und nachdem sie sie ausgerissen hatten, legten sie sie zusammen (mit anderem) nieder; daraus entstanden diese Pflanzen. Das Gastopfer ist ja das Haupt des Opfers, die Pferdehaare sind dessen hintere Hälfte; so umfasst dies (das Streubüschel) das Opfer von beiden Seiten, da das Streubüschel aus Pferdehaaren besteht.

aikṣavyau vidhṛtī | nedbarhiśca prastaraśca saṃlubhyāta ityathotpūyājyaṃ sarvāṇyeva caturgṛhītānyājyāni gṛhṇāti na hyatrānuyājā bhavanti

Die beiden Vidhṛti-Halter sind aus Zuckerrohr, (mit dem Gedanken): „Damit sich Opferstreu (Barhis) und Streubüschel (Prastara) nicht miteinander vermengen.“ Dann, nachdem er das Ghee gereinigt hat, ergreift er alle Ghee-Portionen mit vier Griffen; denn hierbei gibt es keine Anuyāja-Nachopfer.

āsādya havīṃṣyagnim manthati | śiro vai yajñasyātithyaṃ janayanti vā enametadyanmanthanti śīrṣato vā agre jāyamāno jāyate śīrṣata evaitadagre yajñaṃ janayatyagnirvai sarvā devatā agnau hi sarvābhyo devatābhyo juhvati śiro vai yajñasyātithyaṃ śīrṣata evaitadyajñaṃ sarvābhirdevatābhiḥ samardhayati tasmādagnim manthati

Nachdem er die Opfergaben niedergestellt hat, reibt er Agni (das Feuer). Das Gastopfer ist ja das Haupt des Opfers; man erzeugt es also, indem man das Feuer reibt. Denn wer geboren wird, wird zuerst mit dem Kopf voran geboren; so erzeugt er dieses Opfer damit zuerst vom Haupt her. Agni ist ja alle Gottheiten, denn in Agni opfert man für alle Gottheiten; das Gastopfer ist ja das Haupt des Opfers – so lässt er das Opfer eben vom Haupt her mit allen Gottheiten gedeihen. Deshalb reibt er Agni.

so 'dhimanthanaṃ śakalamādatte | agnerjanitramasītyatra hyagnirjāyate tasmādāhāgnerjanitramasīti

Er nimmt das obere Reibholz mit den Worten: „Du bist der Erzeuger Agnis.“ Denn hierin wird Agni geboren; deshalb spricht er: „Du bist der Erzeuger Agnis.“

atha darbhataruṇake nidadhāti | vṛṣaṇau stha iti tadyāvevemau striyai sākaṃjāvetāvevaitau

Dann legt er zwei junge Darbha-Grasbüschel nieder mit den Worten: „Ihr beide seid die Hoden.“ Denn diese beiden sind es ja, die zusammen mit der Frau erzeugen [Anm.: „sākaṃjau“ – unsichere Lesart, wörtl. etwa „gemeinsam erzeugend“; Bezug auf die Zeugungssymbolik des Feuerreibens].

athādharāraṇiṃ nidadhāti | urvaśyasītyathottarāraṇyājyavilāpanīmupaspṛśatyāyurasīti tāmabhinidadhāti purūravā asītyurvaśī vā apsarāḥ purūravāḥ patiratha yattasmānmithunādajāyata tadāyurevamevaiṣa etasmanmithunādyajñaṃ janayatyathāhāgnaye mathyamānāyānubrūhīti

Dann legt er das untere Reibholz nieder mit den Worten: „Du bist Urvaśī.“ Dann berührt er mit dem oberen Reibholz das Ghee-Rührgerät [Anm.: „ājyavilāpanī“ – unsichere Lesart] mit den Worten: „Du bist Āyu“; er legt es darauf mit den Worten: „Du bist Purūravas.“ Denn Urvaśī war eine Apsaras, Purūravas ihr Gatte; und was aus diesem Paar geboren wurde, das war Āyu. Ebenso erzeugt er aus diesem Paar (den Reibhölzern) das Opfer. Dann spricht er zum Agnīdh-Priester: „Rezitiere zum sich Drehenden!“

sa manthati | gāyatreṇa tvā candasā manthāmi traiṣṭubhena tvā candasā manthāmi jāgatena tvā candasā mānthāmīti taṃ vai candobhireva manthati candāṃsi mathyamānāyānvāha candāṃsyevaitadyajñamanvāyātayati yathāmumādityaṃ raśmayo jātāyānubrūhītyāha yadā jāyate prahriyamāṇāyetyanupraharan

Er reibt (das Feuer) mit den Worten: „Mit dem Gāyatrī-Versmaß reibe ich dich, mit dem Triṣṭubh-Versmaß reibe ich dich, mit dem Jagatī-Versmaß reibe ich dich.“ Damit reibt er es eben mit den Versmaßen; er rezitiert die Versmaße, während es gerieben wird, und lässt damit die Versmaße eben dem Opfer nachfolgen, so wie jener Sonne die Strahlen (folgen). „Rezitiere für den Geborenen!“, spricht er, wenn es (das Feuer) geboren wird; „Für den, dem (die Gabe) dargebracht wird!“ [Anm.: „prahriyamāṇāya“ – unsichere Lesart], (spricht er) beim Nachopfern.

so 'nupraharati | bhavataṃ naḥ samanasau sacetasāvarepasau mā yajñaṃ hiṃsiṣṭam mā yajñapatiṃ jātavedasau śivau bhavatamadya na iti śāntimevābhyāmetadvadati yathā nānyo 'nyaṃ hiṃsyātām

Er opfert nach mit den Worten: „Seid uns gleichgesinnt, gleichbewusst, makellos, ihr beiden Jātavedas; schadet nicht dem Opfer, schadet nicht dem Opferherrn; seid uns heute beide gnädig!“ Damit spricht er ihnen beiden eben Frieden zu, damit nicht einer den anderen schädige.

atha sruveṇopahatyājyam | agnimabhijuhotyagnāvagniścarati praviṣṭa ṛṣīṇām putro abhiśastipāvā sa naḥ syonaḥ suyajā yajeha devebhyo havyaṃ sadamaprayucantsvāhetyāhutyai vā etamajījanata tametayāhutyāpraiṣīttasmādevamabhijuhoti

Dann, nachdem er mit dem Sruva-Löffel das Ghee aufgerührt hat, opfert er es in Agni nach mit den Worten: „In Agni wandelt Agni, eingetreten, der Söhne der Ṛṣis, der vor Verwünschung Schützende; er sei uns heilsam, ein guter Opferer; opfere hier den Göttern die Opfergabe, ohne nachzulassen, Svāhā!“ Denn mit einer Opferspende hat man ihn (Agni) erzeugt, mit eben dieser Opferspende hat man ihn ausgesandt; deshalb opfert man so nach.

tadiḍāntam bhavati | nānuyājānyajanti śiro vai yajñasyātithyam pūrvārdho vai śiraḥ pūrvārdhamevaitadyajñasyābhisaṃskaroti sa yaddhānuyājānyajedyathā śīrṣataḥ paryāhṛtya pādau pratidadhyādevaṃ tattasmādiḍāntaṃ bhavati nānuyājānyajanti

Damit endet es mit der Iḍā-Spende; man opfert keine Anuyāja-Nachopfer. Das Gastopfer ist ja das Haupt des Opfers, und die erste Hälfte ist ja das Haupt; damit bereitet er eben die erste Hälfte des Opfers zu. Würde er dennoch die Anuyājas opfern, so wäre das, wie wenn man vom Haupt her die Füße herbeiholte und sie (an dessen Stelle) einsetzte. Deshalb endet es mit der Iḍā; man opfert keine Anuyājas.

ātithyena vai devā iṣṭvā | tāntsamadavindatte caturdhā vyadravannanyo 'nyasya śriyā atiṣṭhamānā agnirvasubhiḥ somo rudrairvaruṇa ādityairindro marudbhirbṛhaspatirviśvairdevairityu haika āhurete ha tveva te viśve devā ye te caturdhā vyadravaṃstānvidrutānasurarakṣānyanuvyaveyuḥ

Als die Götter mit dem Gastopfer geopfert hatten, ergriff sie ein Wetteifer [Anm.: „samada“ – unsichere Lesart, etwa „gegenseitiger Rausch/Wetteifer“]; sie liefen in vier Richtungen auseinander, da keiner beim Glanz des anderen verweilen wollte: Agni mit den Vasus, Soma mit den Rudras, Varuṇa mit den Ādityas, Indra mit den Maruts, Bṛhaspati mit den Viśve Devas — so sagen manche. Andere aber sagen: Eben diese Viśve Devas waren es, die sich in vier Richtungen zerstreuten; und die Asuras und Rakṣas verfolgten sie, als sie so zerstreut waren.

te 'viduḥ | pāpīyāṃso vai bhavāmo 'surarakṣasāni vai no 'nuvyavāgurdviṣadbhyo vai radhyāmo hanta saṃjānāmahā ekasya śriyai tiṣṭhāmahā iti ta indrasya śriyā atiṣṭhanta tasmādāhurindraḥ sarvā devatā indraśreṣṭhā devā iti

Sie erkannten: „Wir werden schwächer; die Asuras und Rakṣas verfolgen uns; wir unterliegen den Feinden. Wohlan, lasst uns einig werden und beim Glanz eines Einzigen verweilen!“ Da verweilten sie beim Glanz Indras. Deshalb sagt man: „Indra ist alle Gottheiten“ und „die Götter haben Indra als den Vorzüglichsten“.

tasmādu ha na svā ṛtīyeran | ya eṣām parastarāmiva bhavati sa enānanuvyavaiti te priyaṃ dviṣatāṃ kurvanti dviṣadbhyo radhyanti tasmānna 'rtīyerantsa yo haivaṃ vidvānna 'rtīyate 'priyaṃ dviṣatāṃ karoti na dvipadbhyo radhyati tasmānna 'rtīyeta

Deshalb solle man die eigenen (Verwandten/Stammesgenossen) nicht befehden. Wer von ihnen sich gleichsam über die anderen erhebt, der verfolgt sie damit; dadurch tun sie den Feinden einen Gefallen und unterliegen den Feinden; deshalb solle man sie nicht befehden. Wer, dies wissend, die Seinen nicht befehdet, der tut den Feinden keinen Gefallen und unterliegt nicht den Feinden; deshalb solle man sie nicht befehden.

te hocuḥ | hantedaṃ tathā karavāmahai yathā na idamāpradivamevājaryamasaditi

Sie sprachen: „Wohlan, lasst uns dies so einrichten, dass dieses (unser Bündnis) für immer, bis zum Himmel reichend [Anm.: „āpradivam“ – unsichere Lesart], unveraltert bestehen bleibe.“

te devāḥ | juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadadire te hocuretena naḥ sa nānāsadetena viṣvaṅyo na etadatikrāmāditi kasyopadraṣṭuriti tanūnaptureva śākvarasyeti yo vā ayam eṣa tanūnapācākvaraḥ so 'yam prajānāmupadraṣṭā praviṣṭastāvimau prāṇodānau

Die Götter bekundeten gemeinsam ihre genehmen Leiber, die lieben Wohnstätten [Anm.: feststehende Formel des Tanūnaptra-Bundesritus]. Sie sprachen: „Dadurch soll er (unser Bund) uns nicht auseinanderfallen [Anm.: „nānāsat“ unsicher]; dadurch soll keiner von uns dies übertreten.“ — „Wessen Aufseher soll das sein?“ — „Eben des mächtigen Tanūnaptar (Selbst-Erzeugers).“ Denn dieser Tanūnaptar, der Mächtige, das ist eben der in die Geschöpfe eingedrungene Aufseher; das sind diese beiden, der Einatem und der Ausatem.

tasmādāhuḥ | mano devā manuṣyasyājānantīti manasā saṃkalpayati tatprāṇamapipadyate prāṇo vātaṃ vāto devebhya ācaṣṭe yathā puruṣasya manaḥ

Deshalb sagt man: „Die Götter kennen den Sinn des Menschen.“ Denn er fasst mit dem Sinn einen Entschluss; dieser gelangt zum Atem, der Atem zum Wind, der Wind meldet es den Göttern — so, wie es im Sinn des Menschen ist.

tasmādetadṛṣiṇābhyanūktam | manasā saṃkalpayati tadvātamapigacati vāto devebhya ācaṣṭe yathā puruṣa te mana iti

Deshalb ist dies von einem Ṛṣi in einem Vers ausgesprochen worden: „Er fasst mit dem Sinn einen Entschluss; dieser gelangt zum Wind; der Wind meldet es den Göttern, was, o Mensch, in deinem Sinn ist.“

te devāḥ | juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadadire te hocuretena naḥ sa nānāsadetena viṣvaṅyo na etadatikrāmāditi taddevā apyetarhi nātikrāmanti ke hi syuryadatikrāmeyuranṛtaṃ hi vadeyurekaṃ ha vai devā vrataṃ caranti satyameva tasmādeṣāṃ jitamanapajayyaṃ tasmādyaśa evaṃ ha vā asya jitamanapajayyamevaṃ yaśo bhavati ya evaṃ vidvāntsatyaṃ vadati tadetattānūnaptraṃ nidānena

Die Götter bekundeten gemeinsam ihre genehmen Leiber, die lieben Wohnstätten. Sie sprachen: „Dadurch soll er uns nicht auseinanderfallen; dadurch soll keiner von uns dies übertreten.“ Auch jetzt noch übertreten die Götter dies nicht — denn was wären sie, wenn sie es überträten? Sie würden ja Unwahrheit reden. Die Götter befolgen nur ein einziges Gelübde: eben die Wahrheit; deshalb ist ihr Sieg unbesiegbar, deshalb ihr Ruhm. Ebenso wird auch der Sieg dessen unbesiegbar, und ebenso sein Ruhm, der, dies wissend, die Wahrheit spricht. Das ist dieses Tanūnaptra (Selbstbund-Opfer) seinem Ursprung nach.

te devāḥ | juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadadire 'thaita ājyānyeva gṛhṇānā juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadyante tasmādu ha na sarveṇeva samabhyaveyānnenme juṣṭāstanvaḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samabhyavāyāniti yeno ha samabhyaveyānnāsmai druhyedidaṃ hyāhurna satānunaptriṇe drogdhavyamiti

Die Götter bekundeten gemeinsam ihre genehmen Leiber, die lieben Wohnstätten. Und diese (Priester) bekunden nun, während sie eben die Ghee-Portionen ergreifen, gemeinsam ihre genehmen Leiber, die lieben Wohnstätten. Deshalb solle man sich nicht mit jedem Beliebigen dazu versammeln, mit dem Gedanken: „Nicht mit jedem sollen meine genehmen Leiber, die lieben Wohnstätten, gemeinsam versammelt sein.“ Wem gegenüber man sich so versammelt hat, dem soll man nichts Böses tun; denn man sagt: „Dem, mit dem man den Selbstbund geschlossen hat, darf man nichts Böses zufügen.“

athāto gṛhṇātyeva | āpataye tvā paripataye gṛhṇāmīti yo vā ayam pavata eṣa ā ca patati pari ca patatyetasmā u hi gṛhṇāti tasmādāhāpataye tvā paripataye gṛhṇāmīti

Dabei ergreift er (die Ghee-Portion) mit den Worten: „Dich ergreife ich für den Herbeiflug und den Rundflug.“ Denn dieser (Wind), der da weht, fliegt heran und fliegt rings umher; für eben diesen ergreift er die Gabe; deshalb spricht er: „Dich ergreife ich für den Herbeiflug und den Rundflug.“

tanūnaptre śākvarāyeti | yo vā ayam pavata eṣa tanūtaptā śākvara etasmā u hi gṛhṇāti tasmādāha tanūnaptre śākvarāyeti

„Für den mächtigen Tanūnaptar!“ Denn dieser Wind, der da weht, ist der Tanūnaptar [Anm.: hier wortspielerisch von „tanū-tapta“, „den Leib erhitzend“, gedeutet], der Mächtige; für eben diesen ergreift er die Gabe; deshalb spricht er: „Für den mächtigen Tanūnaptar!“

śakvana ojiṣṭhāyeti | eṣa vai śakvaujiṣṭha etasmā u hi gṛhṇāti tasmādāha śakvana ojiṣṭhāyeti

„Für den Kraftvollsten des Mächtigen!“ Denn dieser ist ja der Kraftvollste des Mächtigen; für eben diesen ergreift er die Gabe; deshalb spricht er: „Für den Kraftvollsten des Mächtigen!“

athātaḥ samavamṛśantyeva | etaddha devā bhūyaḥ samāmira itthaṃ naḥ so 'muthāsadyo na etadatikrāmāditi tatho evaita etatsamamanta itthaṃ naḥ so 'muthāsadyo na etadatikrāmāditi

Dann berühren sie (die Priester) sich dabei gegenseitig [Anm.: „samavamṛśanti“, technischer Begriff des gemeinsamen Handauflegens]. Dies haben die Götter einst wiederholt gemeinsam vollzogen, mit dem Gedanken: „So sei er uns fest, damit keiner von uns dies übertrete.“ Ebenso vollziehen es auch diese hier gemeinsam, mit dem Gedanken: „So sei er uns fest, damit keiner von uns dies übertrete.“

te samavamṛśanti | anādhṛṣṭamasyanādhṛṣyaṃ devānāmoja ityanādhṛṣṭā hi devā āsannanādhṛṣyāḥ saha santaḥ samānaṃ vadantaḥ samānaṃ dadhrāṇā devānāmoja iti devānāṃ vai juṣṭāstanvaḥ priyāṇi dhāmānyanabhiśastyabhiśastipā anabhiśastenyamiti sarvāṃ hi devā abhiśastiṃ tīrṇā añjasā satyamupageṣamiti satyaṃ vadāni medamatikramiṣamityevaitadāha svite mā dhā iti svite hi taddevā ātmānamadadhat a yatsatyamavadanyatsatyamakurvastasmādāha svite mā dhā iti

Sie berühren einander mit den Worten: „Unangreifbar ist dieser (Bund), unangreifbar die Kraft der Götter.“ Denn die Götter waren unangreifbar, unangreifbar, solange sie beieinander waren, Gleiches redend, Gleiches festhaltend — (das ist) „die Kraft der Götter“. „Genehm sind die Leiber, lieb die Wohnstätten der Götter, nicht-verwünschbar, vor Verwünschung schützend; nicht-verwünschbar sollen sie mir sein“ — denn alle Götter haben jede Verwünschung geradewegs überwunden. „Der Wahrheit will ich nahekommen, Wahrheit will ich reden, sie nicht übertreten“ — so spricht er eben dies. „In das Lichte [Anm.: „svite“ – unsichere Lesart, wörtl. etwa „ins Weiße/Reine“] setze mich“ — denn in diesen (Bereich) haben sich die Götter selbst gesetzt, weil sie, was Wahrheit war, redeten und was Wahrheit war, taten; deshalb spricht er: „In das Lichte setze mich.“

atha yāstaddevāḥ | juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadadire tadindre saṃnyadadhataiṣa vā indro ya eṣa tapati na ha vā eṣo 'gre tatāpa yathā haivaidamanyatkṛṣṇamevaṃ haivāsa tenaivaitadvīryeṇa tapati tasmādyadi bahavo dīkṣerangṛhapataya eva vratamabhyutsicya prayaceyuḥ sa hi teṣāmindrabhājanam bhavati yadyu dakṣiṇāvatā dīkṣeta yajamānāyaiva vratamabhyutsicya prayaceyuridaṃ hyāhurindro yajamāna iti

Nun, was jene genehmen Leiber, jene lieben Wohnstätten waren, die die Götter da gemeinsam bekundet hatten — das legten sie in Indra nieder. Dieser (die Sonne) ist nämlich Indra, der da glüht; er glühte anfangs nicht; wie dieses (Gestirn) sonst dunkel [Anm.: „kṛṣṇam“ – unsicher, evtl. Bezug auf ungeglühte, „schwarze“ Materie] war, ebenso war auch er; eben mit dieser Kraftleistung glüht er nun. Deshalb: Wenn viele sich weihen sollten, sollen nur die Hausväter [Anm.: hier wohl der Opferherr selbst] das Gelübdeopfer übergießen und darreichen; denn er wird dadurch ihr Indra-Anteil. Wenn aber nur einer, der Priesterlohn gibt, sich weiht, sollen sie es eben dem Opferherrn allein übergießen und darreichen; denn man sagt: „Der Opferherr ist Indra.“

atha yāstaddevāḥ | juṣṭāstanūḥ priyāṇi dhāmāni sārdhaṃ samavadadire tatsārdhaṃ saṃjaghne tatsāmābhavattasmādāhuḥ satyaṃ sāma devajaṃ sāmeti

Nun, was jene genehmen Leiber, jene lieben Wohnstätten waren, die die Götter da gemeinsam bekundet hatten — das schlug sich zusammen [Anm.: „sārdhaṃ saṃjaghne“ – unsichere Lesart]; daraus wurde das Sāman (der Gesang). Deshalb sagt man: „Wahrheit ist das Sāman, ein von den Göttern erzeugtes Sāman.“

ātithyena vai devā iṣṭvā | tāntsamadavindatte tānūnaptraiḥ samaśāmyaṃsta etasya prāyaścittimaicanyadanyo 'nyam pāpamavadannāha purāvabhṛthātpunardīkṣāmavākalpayaṃsta etāmavāntarāṃ dīkṣāmapaśyan

Als die Götter mit dem Gastopfer geopfert hatten, ergriff sie ein Wetteifer; durch die Tanūnaptra-Bünde beruhigten sie sich wieder. Sie suchten für dies eine Sühne, weil sie einander Böses gesagt hatten. Sie sagten: „Vor dem Abwaschungsopfer (Avabhṛtha) dürfen wir keine erneute Weihe ansetzen.“ Da erblickten sie diese Zwischen-Weihe (Avāntara-Dīkṣā).

te 'gninaiva tvacaṃ vipalyāṅgayanta | tapo vā agnistapo dīkṣā tadavāntarāṃ dīkṣāmupāyaṃstadyadavāntarāṃ dīkṣāmupāyaṃstasmādavāntaradīkṣā saṃtarāmaṅgulīrāñcanta saṃtarām mekhalām paryastāmevaināmetatsatīm paryāsyanta tatho evaiṣa etadyadataḥ prācīnamavratyaṃ vā karotyavratyam vā vadati tasyaivaitatprāyaścittiṃ kurute

Sie ließen mit eben dem Feuer ihre Haut sich wandeln [Anm.: „tvacaṃ vipalyāṅgayanta“ – unsichere technische Wendung des Reinigungsritus]. Agni ist ja die Glut, und die Glut ist die Weihe; damit gingen sie zur Zwischen-Weihe über. Weil sie zur Zwischen-Weihe übergingen, heißt sie „Zwischen-Weihe“. Sie zogen ihre Finger fester durch die Gürtelschnur [Anm.: „aṅgulīrāñcanta“ unsicher], sie umgürteten sich fester mit der schon umgelegten Mekhalā, obwohl diese schon (am Körper) war. Ebenso tut auch er (der Opferherr) dies: Wenn er vor diesem Punkt etwas dem Gelübde Widersprechendes tut oder sagt, so vollzieht er eben dafür diese Sühne.

so 'gninaiva tvacaṃ vipalyaṅgayate | tapo vā agnistapo dīkṣā tadavāntarāṃ dīkṣāmupaiti saṃtarāmaṅgulīracate saṃtarām mekhalām paryastāmevaināmetatsatīm paryasyate prajāmu haiva taddevā upāyan

Er wandelt mit eben dem Feuer seine Haut. Agni ist ja die Glut, und die Glut ist die Weihe; damit geht er zur Zwischen-Weihe über. Er zieht seine Finger fester durch die Gürtelschnur, er umgürtet sich fester mit der schon umgelegten Mekhalā, obwohl sie schon da ist. Und zur Nachkommenschaft eben gingen damit die Götter über.

te 'gninaiva tvaca vipalyāṅgayanta | agnirvai mithunasya kartā prajanayitā tatprajāmupāyantsaṃtarāmaṅgulīrāñcanta saṃtarām mekhalāṃ tatprajāmātmannakurvata tatho evaiṣa etatprajāmevopaiti

Sie ließen mit eben dem Feuer ihre Haut sich wandeln. Agni ist ja der Schöpfer, der Erzeuger des Zeugungspaares; damit gingen sie zur Nachkommenschaft über. Sie zogen ihre Finger fester durch die Gürtelschnur, sie umgürteten sich fester mit der Mekhalā; damit schufen sie sich die Nachkommenschaft in sich selbst. Ebenso geht auch er damit eben zur Nachkommenschaft über.

so 'gninaiva tvacaṃ vipalyaṅgayate | agnirvai mithunasya kartā prajanayitā tatprajāmupaiti saṃtarāmaṅgulīracate saṃtarām mekhalāṃ tatprajāmātmankurute

Er wandelt mit eben dem Feuer seine Haut. Agni ist ja der Schöpfer, der Erzeuger des Zeugungspaares; damit geht er zur Nachkommenschaft über. Er zieht seine Finger fester durch die Gürtelschnur, umgürtet sich fester mit der Mekhalā; damit schafft er sich die Nachkommenschaft in sich selbst.

devānāmu ha sma dīkṣitānām | yaḥ samiddhāro vā svādhyāyaṃ vā visṛjate taṃ ha smetarasyaivetaraṃ rūpeṇetarasyetaramasurarakṣasāni jighāṃsanti te ha pāpaṃ vadanta upasameyuriti vai māṃ tvamacikīrṣīriti mājighāṃsīrityagnirhaiva tathā nānyamuvādāgniṃ tathā nānyaḥ

Bei den geweihten Göttern war es so: Wenn einer (beim Ritual) laut rief [Anm.: „samiddhāraḥ“ unsicher, evtl. Bezug auf lautes Feueranfachen] oder sein Selbststudium unterbrach, dann suchten die Asuras und Rakṣas den einen unter der Gestalt des anderen, den anderen unter der Gestalt des einen zu töten. Damit sie einander nicht Böses antäten, (sprachen sie zueinander): „Wolltest du mir das antun? Töte mich nicht!“ Aber nur zu Agni sprach keiner so, und Agni sprach so zu keinem anderen.

te hocuḥ | apītthaṃ tvāmagne 'vādiṣūriti naivāhamanyaṃ na māmanya iti

Sie sprachen: „Haben sie so auch zu dir, Agni, gesprochen?“ — „Weder habe ich so zu einem anderen gesprochen, noch hat ein anderer so zu mir gesprochen.“

te 'viduḥ | ayaṃ vai no virakṣastamo 'syaiva rūpamasāma tena rakṣāṃsyatimokṣyāmahe tena svargaṃ lokaṃ samaśnuviṣyāmaha iti te 'gnireva rūpamabhavaṃstena rakṣāṃsyatyamucyanta tena svargaṃ lokaṃ samāśnuvata tatho evaiṣa etadagnereva rūpam bhavati tena rakṣāṃsyatimucyate tena svargaṃ lokaṃ samaśnute sa vai samidhamevābhyādadhadavāntaradīkṣāmupaiti

Sie erkannten: „Dieser (Agni) ist ja unter uns der am meisten Rakṣas-Abwehrende; lasst uns eben seine Gestalt annehmen — dadurch werden wir den Rakṣas entrinnen, dadurch werden wir die Himmelswelt erlangen.“ Da nahmen sie eben die Gestalt Agnis an; dadurch entrannen sie den Rakṣas, dadurch erlangten sie die Himmelswelt. Ebenso nimmt auch er eben die Gestalt Agnis an; dadurch entrinnt er den Rakṣas, dadurch erlangt er die Himmelswelt. Indem er ein Brennscheit auflegt, geht er zur Zwischen-Weihe über.

sa samidhamabhyādadhāti | agne vratapāstve vratapā ityagnirhi devānāṃ vratapatistasmādāhāgne vratapāstve vratapā iti yā tava tanūriyaṃ sā mayi yo mama tanūreṣā sā tvayi saha nau vratapate vratānīti tadagninā tvacaṃ vipalyaṅgayate 'nu me dīkṣāṃ dīkṣāpatirmanyatāmanu tapastapaspatiriti tadavāntarāṃ dīkṣāmupaiti saṃtarāmaṅgulīracate saṃtarām mekhalām paryastāmevaitatsatīm paryasyate

Er legt ein Brennscheit auf mit den Worten: „Agni, Hüter des Gelübdes, du bist der Hüter des Gelübdes! Dein Leib ist der, der in mir ist; mein Leib ist der, der in dir ist; gemeinsam seien, o Herr des Gelübdes, unsere Gelübde.“ Denn Agni ist ja der Herr des Gelübdes der Götter, deshalb spricht er so. Damit wandelt er mit dem Feuer seine Haut. „Der Herr der Weihe stimme meiner Weihe zu, der Herr der Glut der Glut“ — damit geht er zur Zwischen-Weihe über. Er zieht seine Finger fester durch die Gürtelschnur, umgürtet sich fester mit der schon umgelegten Mekhalā, obwohl sie schon da ist.

athainamato madantībhirupacaranti | tapo vā agnistapo madantyastasmādenam madantībhirupacaranti

Dann bedienen sie ihn (Soma) von da an mit den Madantī-Wassern [Anm.: die „Berauschenden“, zur Besprengung/Stärkung des Soma bestimmte Wasser]. Agni ist ja die Glut, und die Madantī-Wasser sind die Glut; deshalb bedienen sie ihn mit den Madantī-Wassern.

atha madantībhirupaspṛśya | rājānamāpyāyayanti tadyanmadantīrupaspṛśya rājānamāpyāyayanti vajro vā ājyaṃ retaḥ somo nedvajreṇājyena retaḥ somaṃ hinasāmeti tasmānmadantīrupaspṛśya rājānamāpyāyayanti

Dann, nachdem sie die Madantī-Wasser berührt haben, stärken sie den König (Soma). Dass sie so verfahren: Das Ghee ist die Vajra-Waffe, Soma der Same [Anm.: unsichere symbolische Gleichsetzung]; mit dem Gedanken, dass sie nicht mit der Vajra-Waffe, dem Ghee, den Samen, den Soma, schädigen, stärken sie, nachdem sie die Madantī-Wasser berührt haben, den König.

tadāhuḥ | yasmā etadāpyāyanaṃ kriyata ātithyaṃ somāya tamevāgra āpyāyayeyurathāvāntaradīkṣāmatha tānūnaptrāṇīti tadu tathā na kuryādyajñasya vā evaṃ karmātra vā enāntsamadavindatte saṃśamameva pūrvamupāyannathāvāntaradīkṣāmathāpyāyanam

Dazu sagt man: Man solle zuerst denjenigen stärken, für den diese Stärkung als Gastopfer für Soma vollzogen wird, dann erst die Zwischen-Weihe, dann die Tanūnaptra-Riten. Doch so solle man es nicht tun; so verlangt es vielmehr der Ablauf des Opfers selbst [Anm.: unsichere Deutung der Begründung]: Hier ergriff sie (die Götter) ja zuerst der Wetteifer; zuerst gingen sie zur gegenseitigen Beruhigung über, dann zur Zwischen-Weihe, dann zur Stärkung.

tadyadāpyāyayanti | devo vai somo divi hi somo vṛtro vai soma āsīttasyaitacarīraṃ yadgirayo yadaśmānastadeṣośānā nāmauṣadhirjāyata iti ha smāha śvetaketurauddālakistāmetadāhṛtyābhiṣuṇvanti tāṃ dīkṣopasadbhistānūnaptrairāpyāyanena somaṃ kurvantīti tatho evaināmeṣa etaddīkṣopasadbhistānūnaptrairāpyāyanena somaṃ karoti

Dass sie ihn stärken: Soma ist ein Gott, denn Soma ist im Himmel; Vṛtra aber war ebenfalls Soma. Dessen Leib sind die Berge, sind die Felsen; daraus wächst die Pflanze namens Eśānā [Anm.: Pflanzenname unsicher], so pflegte Śvetaketu Auddālaki zu sagen. Diese holt man herbei und presst sie aus; man macht sie durch Weihe, Upasad-Riten, Tanūnaptra-Riten und Stärkung zu Soma — so sagt man. Ebenso macht auch er sie durch Weihe, Upasad-Riten, Tanūnaptra-Riten und Stärkung zu Soma.

madhu sāraghamiti vā āhuḥ | yajño ha vai madhu sāraghamathaita eva saragho madhukṛto yadṛtvijastadyathā madhu madhukṛta āpyāyayeyurevamevaitadyajñamāpyāyayanti

„Von Bienen stammender Honig“, so sagt man auch. Das Opfer ist ja der von Bienen stammende Honig; und eben diese Opferpriester sind die honigmachenden Bienen. So wie Bienen den Honig anreichern, ebenso stärken sie damit das Opfer.

yajñena vai devāḥ | imāṃ jitiṃ jigyuryaiṣāmiyaṃ jitiste hocuḥ kathaṃ na idam manuṣyairanabhyārohyaṃ syāditi te yajñasya rasaṃ dhītvā yathā madhu madhukṛto nirdhayeyurviduhya yajñaṃ yūpena yopayitvā tiro 'bhavannatha yadenenāyopayaṃstasmādyūpo nāma

Mit dem Opfer errangen die Götter diesen Sieg, der ja ihr Sieg ist. Sie sprachen: „Wie könnte dies für die Menschen unerreichbar sein?“ Sie schüttelten den Saft des Opfers heraus [Anm.: „dhītvā“ unsicher], so wie Bienen den Honig herausschütteln, und nachdem sie ihn so abgemolken hatten, verhüllten sie das Opfer mit dem Opferpfahl (Yūpa) und wurden dadurch unsichtbar. Und weil sie es damit „verhüllten“ (ayopayan), deshalb heißt er „Yūpa“ [Anm.: volksetymologisches Wortspiel].

tadvā ṛṣīṇāmanuśrutamāsa | te yajñaṃ samabharanyathāyaṃ yajñaḥ sambhṛta evaṃ vā eṣa yajñaṃ sambharati yo dīkṣate vāgvai yajñastadyadevātra yajñasya nirdhītaṃ yadvidugdhaṃ tadevaitatpunarāpyāyayati

Dies war den Ṛṣis überliefert: Sie fügten das Opfer wieder zusammen. So wie dieses Opfer damals zusammengefügt wurde, ebenso fügt es auch der zusammen, der sich weiht. Die Rede ist ja das Opfer; und was hierbei vom Opfer herausgeschüttelt, was abgemolken war, das stärkt er nun eben von neuem wieder an.

te vai ṣaḍbhūtvāpyāyayanti | ṣaḍvā ṛtava ṛtava evaitadbhūtvāpyāyayanti

Zu sechst stärken sie ihn. Sechs sind ja die Jahreszeiten; als die Jahreszeiten eben stärken sie ihn damit.

ta āpyāyayanti | aṃśuraṃśuṣṭe deva somāpyāyatāmiti tadasyāṃśumaṃśumevāpyāyayantīndrāyaikadhanavida itīndro vai yajñasya devatā tasmādāhendrāyetyekadhanavida iti śataṃśataṃ ha sma vā eṣa devānpratyekaika evāṃśurekadhanānāpyāyate daśadaśa vā tubhyamindraḥ pyāyatāmā tvamindrāya pyāyasvetīndro vai yajñasya devatā sā yaiva yajñasya devatā tāmevaitadāpyāyayatyā tvamindrāya pyāyasveti tadetasminnāpyāyanaṃ dadhātyāpyāyayāsmāntsakhīntsanyā medhayeti sa yatsanoti tattadāha yatsanyetyatha yadanubrūte tadu tadāha yanmaghayeti svasti te deva soma satyāmaśīyetyekā vā eteṣāmāśīrbhavatyṛtvijāṃ ca yajamānasya ca yajñasyodṛcaṃ gacemeti yajñasyodṛcaṃ gacānītyevaitadāha

Sie stärken ihn mit den Worten: „Trieb um Trieb, o Gott Soma, sollst du gestärkt werden!“ Damit stärken sie eben Trieb um Trieb an ihm. „Für Indra, den Finder des einheitlichen Kampfgutes!“ [Anm.: „ekadhanavid“ unsicher] — Indra ist ja die Gottheit des Opfers, deshalb spricht er so. Hundert um hundert stärkt sich gleichsam jeder einzelne Trieb je einzeln an [Anm.: unsichere Zahlensymbolik], oder je zehn um zehn: „Für dich soll Indra stark werden; du sollst für Indra stark werden!“ Indra ist ja die Gottheit des Opfers; eben diese Gottheit des Opfers stärkt er damit. Damit legt er diesem die Stärkung bei: „Stärke uns Genossen mit weiterem Gewinn!“ [Anm.: „sanyā medhayā“ unsicher]. Was er dabei „gewinnt“ (san-), das eben spricht er mit „sanyā“; und was er nachrezitiert, das eben spricht er mit „maghayā“ (mit Gabe). „Heil sei dir, Gott Soma; mögest du wahre Erfüllung erlangen!“ — das ist der einzige Segenswunsch von diesen, der den Priestern wie dem Opferherrn gilt. „Zum Aufschwung des Opfers mögen wir gelangen!“, „Zum Aufschwung des Opfers lass uns gelangen!“ — eben dies spricht er damit.

atha prastare nihnuvate | uttarataupacāro vai yajño 'thaitaddakṣiṇevānvityāpyāyayantyagnirvai yajñastadyajñam pṛṣṭhataḥ kurvanti tanmithyākurvanti devebhya āvṛścyante yajño vai prastarastadyajñam punarārabhante tasyo haiṣā prāyaścittistatho haiṣāmetanna mithyākṛtam bhavati na devebhya āvṛścyante tasmātprastare nihnuvate

Dann verstecken sie (etwas) im Streubüschel (Prastara). Die Bedienung des Opfers erfolgt eigentlich von Norden her; hier aber stärken sie gleichsam von Süden her nachträglich. Agni ist ja das Opfer; damit machen sie das Opfer gleichsam zu einer Rückseite [Anm.: „pṛṣṭhataḥ“, wörtl. „von hinten“], machen es verkehrt — dadurch werden sie von den Göttern abgeschnitten. Das Streubüschel ist ja das Opfer; damit nehmen sie das Opfer wieder auf. Das ist dafür die Sühne, und so wird bei ihnen nichts verkehrt getan, und sie werden nicht von den Göttern abgeschnitten. Deshalb verstecken sie (etwas) im Streubüschel.

tadāhuḥ | akte nihnuvīrānanaktā ityanakte haiva nihnuvīrannanupraharaṇaṃ hyevāktasya

Dazu sagt man: Man solle verstecken, solange (der Ghee-Guss) noch ungesalbt [Anm.: „akta“, wörtl. „gesalbt/beträufelt“] ist, nicht nachdem er gesalbt wurde. Man solle also nur verstecken, solange er ungesalbt ist; denn für das Gesalbte gibt es ja kein weiteres Nachopfern.

te nihnuvate | eṣṭā rāyaḥ preṣe bhagāya ṛtamṛtavādibhya iti satyaṃ satyavādibhya ityaivaitadāha namo dyāvāpṛthivībhyāmiti tadābhyāṃ dyāvāpṛthivībhyāṃ nihnuvate yayoridaṃ sarvamadhi

Sie verstecken es mit den Worten: „Erwünschter Reichtum, zum Antrieb, zum Anteil; Wahrheit (ṛta) den Wahrheitsrednern!“ — „Wahrheit (satya) den Wahrheitsrednern!“, spricht er dabei eben — „Verehrung Himmel und Erde!“ Damit verstecken sie es vor eben diesen beiden, Himmel und Erde, in denen ja dies alles (enthalten) ist.

athāha samullupya prastaram | agnīnmadantyāpāiti madantītyagnīdāha tābhirehītyuparyuparyagnimatiharati sa yannānupraharatyetena hyata ūrdhvānyahāni pracariṣyanbhavatyatha yaduparyuparyagnimatiharati tadevāsyānuprahṛtabhājanam bhavati tamagnīdhe prayacati tamagnīnnidadhāti

Dann spricht er, nachdem er das Streubüschel aufgenommen hat [Anm.: „samullupya“ unsicher]: „Zu den Feuern (geht) das Madantī-Wasser!“ — „Madantī!“, spricht der Agnīdh-Priester. „Komm mit ihnen her!“ Er trägt es wiederholt oberhalb der Feuer vorbei. Dass er es dabei nicht (mit dem Guss) nachopfert: dadurch wird er (der Opferherr) die kommenden Tage hindurch weiter fortschreiten. Und dass er es wiederholt oberhalb der Feuer vorbeiträgt: eben das wird sein Anteilgefäß für das Nachopfer. Er reicht es dem Agnīdh-Priester; dieser legt es zu den Feuern nieder.

grīvā vai yajñasyopasadaḥ śiraḥ pravargyaḥ | tasmādyadi pravargyavānbhavati pravargyeṇa pracaryāthopasadbhiḥ pracaranti tadgrīvāḥ pratidadhāti

Die Upasad-Opfer sind der Nacken des Opfers, der Pravargya ist das Haupt. Deshalb: Wenn man den Pravargya vollzieht, opfert man zuerst mit dem Pravargya, dann mit den Upasads; damit setzt er den Nacken wieder an das Haupt.

tadyāḥ pūrvāhṇe 'nuvākyā bhavanti | tā aparāhṇe yājyā yā yājyāstā anuvākyāstadvyatiṣajati tasmādimāni grīvāṇām parvāṇi vyatiṣaktānīmānyasthīni

Die Formeln, die am Vormittag die Anuvākyā (Einladungsformel) sind, sind am Nachmittag die Yājyā (Opferformel); und die Formeln, die die Yājyā waren, sind dann die Anuvākyā. Damit verschränkt er sie. Deshalb sind diese Wirbel des Nackens miteinander verschränkt, diese Knochen.

devāśca vā asurāśca | ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire tato 'surā eṣu lokeṣu puraścakrire 'yasmayīmevāsmiṃloke rajatāmantarikṣe hariṇīṃ divi

Die Götter und die Asuras, beide Prajāpati-Sprösslinge, wetteiferten miteinander. Da errichteten sich die Asuras Burgen in diesen Welten: eine eiserne auf dieser Erde, eine silberne im Luftraum, eine goldfarbene im Himmel.

tadvai devā aspṛṇvata | ta etābhirupasadbhirupāsīdaṃstadyadupāsīdaṃstasmādupasado nāma te puraḥ prābhindannimāṃlokānprājayaṃstasmādāhurupasadā puraṃ jayantīti yadahopāsate tenemām mānuṣīm puraṃ jayanti

Da wurden die Götter begierig [Anm.: „aspṛṇvata“ – unsichere Lesart]. Sie näherten sich diesen (Burgen) mit den Upasad-Opfern; und weil sie sich näherten (upa-ās-), deshalb heißen sie „Upasad“. Sie zerbrachen ihnen die Burgen und eroberten diese Welten; deshalb sagt man: „Durch das Upasad erobert man eine Burg.“ Wenn man Tag für Tag sich naht, erobert man damit diese menschliche Burg.

etābhirvai devā upasadbhiḥ | puraḥ prābhindannimāṃlokānprājayaṃstatho evaiṣa etannāhaivāsmā asmiṃloke kaścana puraḥ kuruta imānevaitallokānprabhinattīmāṃlokānprajayati tasmādupasadbhiryajate

Mit eben diesen Upasad-Opfern zerbrachen die Götter die Burgen und eroberten diese Welten. Ebenso tut auch er es: Ihm errichtet zwar in dieser Welt niemand Burgen, doch er zerbricht eben damit diese Welten und erobert diese Welten. Deshalb opfert man mit den Upasads.

tā vā ājyahaviṣo bhavanti | vajro vā ājyametena vai devā vajreṇājyena puraḥ prābhindannimāṃlokānprājayaṃstatho evaiṣa etena vajreṇājyenemāṃlokānprabhinattīmāṃlokānprajayati tasmādājyahaviṣo bhavanti

Diese Upasad-Opfer bestehen aus Ghee-Opfergaben. Das Ghee ist ja die Vajra-Waffe; mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Ghee, zerbrachen die Götter die Burgen und eroberten diese Welten. Ebenso zerbricht auch er mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Ghee, diese Welten und erobert diese Welten. Deshalb bestehen sie aus Ghee-Opfergaben.

sa vā aṣṭau kṛtvo juhvāṃ gṛhṇāti | caturupabhṛtyatho itarathāhuścatureva kṛtvo juhvāṃ gṛhṇīyādaṣṭau kṛtva upabhṛtīti

Er ergreift (das Ghee) achtmal mit dem Juhū-Löffel, viermal mit dem Upabhṛt-Löffel. Andere aber sagen: Man solle nur viermal mit dem Juhū, achtmal mit dem Upabhṛt ergreifen.

sa vā aṣṭāveva kṛtvo juhvāṃ gṛhṇāti | caturupabhṛti tadvajramabhibhāraṃ karoti tena vajreṇābhibhāreṇemāṃlokānprabhinattīmāṃlokānprajayati

Er ergreift es achtmal mit dem Juhū, viermal mit dem Upabhṛt; damit macht er das Ghee zu einer überwältigenden Vajra-Waffe. Mit eben dieser überwältigenden Vajra-Waffe zerbricht er diese Welten und erobert diese Welten.

agnīṣomau vai devānāṃ sayujau | tābhyāṃ sārdhaṃ gṛhṇāti viṣṇava ekākine 'nyataramevāghāramāghārayati yaṃ sruveṇa pratikrāmati vā uttaramāghāramāghāryābhijityā abhijayānīti tasmādanyataramevāghāramāghārayati yaṃ sruveṇa

Agni und Soma sind ja die Verbündeten der Götter; mit ihnen beiden zusammen ergreift er das Ghee. Für Viṣṇu, den Alleinstehenden, gießt er nur einen einzigen Begießungsguss aus, den er mit dem Sruva-Löffel wieder aufnimmt [Anm.: „pratikrāmati“ unsicher], oder den letzten Guss, mit den Worten: „Nachdem ich den Begießungsguss ausgegossen habe, will ich durch Überwältigung siegen.“ Deshalb gießt er nur einen einzigen Begießungsguss aus, den er mit dem Sruva-Löffel nimmt.

athāśrāvya na hotāram pravṛṇīte | sīda hotarityevāhopaviśati hotā hotṛṣadana upaviśya prasauti prasūto 'dhvaryuḥ srucāvādatte

Dann, nach dem Āśrāvya-Ruf, wählt er den Hotṛ-Priester nicht erneut aus, sondern spricht nur: „Setz dich, Hotṛ!“ Da setzt sich dieser. Der Hotṛ setzt sich auf seinen Sitz und gibt den Anstoß; nachdem er den Anstoß erhalten hat, nimmt der Adhvaryu die beiden Opferlöffel.

sa āhātikrāmannagnaye 'nubrūhīti | āśrāvyāhāgniṃ yajeti vaṣaṭkṛte juhoti

Er spricht, indem er (den vorigen Schritt) überspringt [Anm.: „atikrāman“]: „Rezitiere für Agni!“ Nach dem Āśrāvya-Ruf spricht er: „Opfere dem Agni!“ Nach dem Vaṣaṭ-Ruf opfert er.

athāha somāyānubrūhīti | āśrāvyāha somaṃ yajeti vaṣaṭkṛte juhoti

Dann spricht er: „Rezitiere für Soma!“ Nach dem Āśrāvya-Ruf spricht er: „Opfere dem Soma!“ Nach dem Vaṣaṭ-Ruf opfert er.

atha yadupabhṛtyājyam bhavati | tatsamānayamāna āha viṣṇave 'nubrūhītyāśrāvyāha viṣṇuṃ yajeti vaṣaṭkṛte juhoti

Dann, während er das im Upabhṛt-Löffel befindliche Ghee zusammenführt, spricht er: „Rezitiere für Viṣṇu!“ Nach dem Āśrāvya-Ruf spricht er: „Opfere dem Viṣṇu!“ Nach dem Vaṣaṭ-Ruf opfert er.

sa yatsamānatra tiṣṭhanjuhoti | na yathedam pracarantsaṃcaratyabhijityā abhijayānītyatha yadetā devatā yajati vajramevaitatsaṃskarotyagnimanīkaṃ somaṃ śalpaṃ viṣṇuṃ kulmalaṃ

Dass er, an derselben Stelle stehend, opfert: nicht so, wie er sonst umherschreitend das Opfer vollzieht — mit dem Gedanken: „Durch Überwältigung will ich siegen.“ Und dass er diesen drei Gottheiten opfert: damit bereitet er eben die Vajra-Waffe zu — Agni als die Spitze, Soma als den Schaft [Anm.: „śalpa“ unsicher], Viṣṇu als den Knauf [Anm.: „kulmala“ unsicher].

saṃvatsaro hi vajraḥ | agnirvā ahaḥ somo rātriratha yadantareṇa tadviṣṇuretadvai pariplavamānaṃ saṃvatsaraṃ karoti

Denn die Vajra-Waffe ist das Jahr. Agni ist ja der Tag, Soma die Nacht, und was dazwischen liegt, das ist Viṣṇu; eben damit macht er das Jahr zu einem stetig Umlaufenden.

saṃvatsaro vajraḥ | etena vai devāḥ saṃvatsareṇa vajreṇa puraḥ prābhindannimāṃlokānprājayaṃstatho evaiṣa etena saṃvatsareṇa vajreṇemāṃlokānprabhinattīmāṃlokānprajayati tasmādetā devatā yajati

Das Jahr ist die Vajra-Waffe. Mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Jahr, zerbrachen die Götter die Burgen und eroberten diese Welten. Ebenso zerbricht auch er mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Jahr, diese Welten und erobert diese Welten. Deshalb opfert er diesen Gottheiten.

sa vai tisra upasada upeyāt | trayo vā ṛtavaḥ saṃvatsarasya saṃvatsarasyaivaitadrūpaṃ kriyate saṃvatsaramevaitatsaṃskaroti dvirekayā pracarati dvirekayā

Er solle drei Upasad-Tage begehen. Drei sind ja die Jahreszeiten des Jahres; damit wird eben die Gestalt des Jahres hergestellt, damit bereitet er eben das Jahr zu. Er vollzieht das Opfer zweimal mit der einen, zweimal mit der anderen (Formel) [Anm.: „dvirekayā“ – unsichere ritualtechnische Wendung].

tāḥ ṣaṭsampadyante | ṣaḍvā ṛtavaḥ saṃvatsarasya saṃvatsarasyaivaitadrūpaṃ kriyate saṃvatsaramevaitatsaṃskaroti

Diese ergeben sechs. Sechs sind ja die Jahreszeiten des Jahres; damit wird eben die Gestalt des Jahres hergestellt, damit bereitet er eben das Jahr zu.

yadyu dvādaśopasada upeyāt | dvādaśa vai māsāḥ saṃvatsarasya saṃvatsarasyaivaitadrūpaṃ kriyate saṃvatsaramevaitatsaṃskaroti dvirekayā pracarati dvirekayā

Wenn er aber zwölf Upasad-Tage begehen sollte: Zwölf sind ja die Monate des Jahres; damit wird eben die Gestalt des Jahres hergestellt, damit bereitet er eben das Jahr zu. Er vollzieht das Opfer zweimal mit der einen, zweimal mit der anderen Formel.

tāścaturviṃśatiḥ sampadyante | caturviṃśatirvai saṃvatsarasyārdhamāsāḥ saṃvatsarasyaivaitadrūpaṃ kriyate saṃvatsaramevaitatsaṃskaroti

Diese ergeben vierundzwanzig. Vierundzwanzig sind ja die Halbmonate des Jahres; damit wird eben die Gestalt des Jahres hergestellt, damit bereitet er eben das Jahr zu.

sa yatsāyamprātaḥ pracarati | tathā hyeva sampatsampadyate sa yatpūrvāhṇe pracarati tajjayatyatha yadaparāhṇe pracarati sujitamasadityatha yajjuhotīdaṃ vai puraṃ yudyanti tāṃ jitvā svāṃ satīṃ prapadyante

Dass er das Opfer abends und morgens vollzieht: so eben kommt die Übereinstimmung zustande. Dass er es am Vormittag vollzieht, damit erringt er den Sieg; und dass er es am Nachmittag vollzieht, geschieht mit dem Gedanken: „Es soll ein gut errungener Sieg sein.“ Und dass er dann opfert: Diese Burg bekämpfen sie; nachdem sie sie erobert haben, treten sie in ihren eigenen Besitz ein, der nun ihnen selbst gehört.

sa yatpracarati tadyudhyatyatha yatsaṃtiṣṭhate tajjayatyathayajjuhoti svāmevaitatsatīm prapadyate

Dass er umherschreitend das Opfer vollzieht, damit kämpft er; und dass er dann zum Stillstand kommt, damit erringt er den Sieg; und dass er dann opfert, damit tritt er eben in seinen eigenen Besitz ein.

sa juhoti | yayā dvirekasyāhnaḥ pracariṣyanbhavati yā te agne 'yaḥśayā tanūrvarṣiṣṭhā gahvareṣṭhā ugraṃ vaco apāvadhīttveṣaṃ vaco apāvadhītsvāhetyevaṃrūpā hi sāsīdayasmayī hi sāsīt

Er opfert mit der Formel, mit der er den einen Tag zweimal vollziehen wird [Anm.: unsichere ritualtechnische Konstruktion]: „Dein Leib, o Agni, der im Eisen ruht, der höchste, der in der Tiefe wohnende — er hat die gewaltige Stimme weggeschlagen, er hat die glänzende Stimme weggeschlagen, Svāhā!“ — denn so gestaltet war sie, eisern war sie ja.

atha juhoti | yayā dvirekasyāhnaḥ pracariṣyanbhavati yā te agne rajaḥśayā tanūrvarṣiṣṭhā gahvareṣṭhā ugraṃ vaco apāvadhīttveṣaṃ vaco apāvadhītsvāhetyevaṃrūpā hi sāsīdrajatā hi sāsīt

Dann opfert er mit der Formel, mit der er den einen Tag zweimal vollziehen wird: „Dein Leib, o Agni, der im Silberglanz [Anm.: „rajaḥśayā“, hier auf „rajata“, Silber, bezogen] ruht, der höchste, der in der Tiefe wohnende — er hat die gewaltige Stimme weggeschlagen, er hat die glänzende Stimme weggeschlagen, Svāhā!“ — denn so gestaltet war sie, silbern war sie ja.

atha juhoti | yayādvirekasyāhnaḥ pracariṣyanbhavati yā te agne hariśayā tanūrvarṣiṣṭhā ugraṃ vaco apāvadhīttveṣaṃ vaco apāvadhītsvāhetyevaṃrūpā hi sāsīddhariṇī hi sāsīdyadyu dvādaśopasada upeyāccaturahamekayā pracareccaturahamekayā

Dann opfert er mit der Formel, mit der er den einen Tag zweimal vollziehen wird: „Dein Leib, o Agni, der im Goldglanz ruht, der höchste — er hat die gewaltige Stimme weggeschlagen, er hat die glänzende Stimme weggeschlagen, Svāhā!“ — denn so gestaltet war sie, goldfarben war sie ja. Wenn er aber zwölf Upasad-Tage begehen sollte, solle er vier Tage mit der einen Formel, vier Tage mit der nächsten vollziehen.

athāto vratopasadāmeva | paraurvīrvā anyā upasadaḥ paro 'hvīranyāḥ sa yāsāmekam prathamāhaṃ dogdhyatha dvāvatha trīṃstāḥ paraurvīratha yāsāṃ trīnprathamāhaṃ dogdhyatha dvāvathaikaṃ tāḥ paro 'hvīryā vai paro 'hvīstāḥ paraurvīryāḥ paraurvīstāḥ paro 'hvīḥ

Nun, was die Vrata-Milch der Upasads betrifft: Die einen Upasads sind „zunehmend“ [Anm.: „paraurvī“, unsichere Lesart], die anderen „abnehmend“ [„paro 'hvī“]. Diejenigen, bei denen man am ersten Tag eine Kuh melkt, dann zwei, dann drei — das sind die „zunehmenden“. Diejenigen, bei denen man am ersten Tag drei melkt, dann zwei, dann eine — das sind die „abnehmenden“. Die „abnehmenden“ sind zugleich die „zunehmenden“, und die „zunehmenden“ sind die „abnehmenden“ [Anm.: paradoxe Schlussformel, unsicher gedeutet].

tapasā vai lokaṃ jayanti | tadasyaitatparaḥ para eva varīyastapo bhavati paraḥparaḥ śreyāṃsaṃ lokaṃ jayati vasīyānu haivāsmiṃloke bhavati ya evaṃ vidvānparo 'hvīrupasada upaiti tasmādu paro 'hvīrevopasada upeyādyadyu dvādaśopasada upeyāttrīṃścaturahaṃ dohayeddvau caturahamekaṃ caturaham

Durch Glut (Tapas) erobert man die Welt. Dabei wird für ihn immer weiter die Glut noch größer, und immer weiter erobert er eine bessere Welt; und reicher wird er auch in dieser Welt, wer, dies wissend, die „abnehmenden“ Upasads begeht. Deshalb solle man eben die „abnehmenden“ Upasads begehen. Wenn man aber zwölf Upasad-Tage begehen sollte, solle man vier Tage drei Kühe melken lassen, vier Tage zwei, vier Tage eine.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks