Adhyāya 7
Der Opferpfahl (Yūpa): Errichtung, Weihe und Symbolik
Damit ist Adhyāya 7 vollständig (64 Kaṇḍikās). Br.1: Opferpfahl-Grube, Aufrichten mit Viṣṇu-Formeln, kosmologische Höhenschichtung. Br.2: Elfer-Yūpa-Reihe mit Beipfahl, Aufrichtungsreihenfolge, Gattinnen-Pfahl. Br.3: Mythos vom Widerstand der Tiere gegen das Opfer, Feuerreiben-Demonstration zur Besänftigung, Anschirrungs-Formeln. Br.4: Anbinden mit der Schlinge der Wahrheit, Reinigungsformeln (Wasser/Pflanzen/Eltern-Zustimmung), Salbung des Opfertiers, Doppel-Aufruf der Hotṛ-Priester, Schluss-Formel über die Trennung von Gaben und Leib (Schutz des Opferers vor Agnis Feuer).
Er nimmt die Grabschaufel: „Im Antrieb des Gottes Savitṛ nehme ich dich, mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan – du bist weiblich.“ Dieselbe Verbindung wie bei jenem Spruch [Anm.: Bezug auf eine frühere, wortgleiche Formel]: Die Grabschaufel ist ja weiblich, deshalb sagt er: „du bist weiblich“.
Dann umreißt er die Grube: „Hiermit schneide ich den Rakṣas die Kehlen ab.“ Die Grabschaufel ist ja der Vajra; mit diesem Vajra schneidet er eben den messerlosen Rakṣas die Kehlen ab.
Dann gräbt er: Er wirft den Aushub nach Osten hin auf; mit dem oberen Erdreich zusammen gräbt er die Grube aus. Vorn hinein legt er den Opferpfahl mit der Spitze nach Osten; ebenso viele Barhis-Halme legt er obendrauf; genau darüber legt er den Yūpa-Span; vorn seitlich legt er das Caṣāla-Kronstück bei. Dann werden die Besprengungswässer mit Gerste versehen – das ist dieselbe Verbindung wie zuvor.
sa yavānāvapati | yavo 'si yavayāsmaddveṣo yavayārātīriti nātra tirohitamivāstyatha prokṣatyeko vai prokṣaṇasya bandhurmedhyamevaitatkaroti
Er streut Gerste hinein: „Du bist Gerste, wehre unseren Hass ab, wehre den Geiz ab!“ – darin liegt nichts Verborgenes. Dann besprengt er – einheitlich ist ja die Verbindung des Besprengens – damit macht er es eben rein.
sa prokṣati | dive tvāntarikṣāya tvā pṛthivyai tveti vajro vai yūpa eṣāṃ lokānāmabhiguptyā eṣāṃ tvā lokānāmabhiguptyai prokṣāmītyevaitadāha
Er besprengt: „Dich für den Himmel, dich für das Luftreich, dich für die Erde“ – der Opferpfahl ist ja der Vajra, zum Schutz dieser Welten; „dich besprenge ich zum Schutz dieser Welten“ – so meint er damit eben.
atha yāḥ prokṣaṇyaḥ pariśiṣyante | tā avaṭe 'vanayati śundhantāṃ lokāḥ pitṛṣadanā iti pitṛdevatyo vai kūpaḥ khātastamevaitanmedhyaṃ karoti
Was an Besprengungswasser übrigbleibt, das gießt er in die Grube: „Rein sollen werden die Welten, die Sitze der Väter!“ – die gegrabene Grube gehört ja den Vätern als Gottheit; damit macht er sie eben rein.
Dann streut er das Barhis-Gras aus, mit der Spitze nach Osten und nach Norden: „Du bist der Sitz der Väter“ – denn was da eingegraben ist, das gehört ja der Väter-Gottheit; so wie das Eingegrabene in den Pflanzen bemessen wäre, ebenso wird es in diesen Pflanzen bemessen [Anm.: Übersetzung unsicher].
atha yūpaśakalam prāsyati | tejo ha vā etadvanaspatīnāṃ yadbāhyāśakalastasmādyadā bāhyāśakalamapatakṣṇuvantyatha śuṣyanti tejo hyeṣāmetattadyadyūpaśakalam prāsyati satejasam minavānīti tadyadeṣa eva bhavati nānya eṣa hi yajuṣkṛto medhyastasmādyūpaśakalam prāsyati
Dann wirft er den Yūpa-Span in die Grube: Die äußere Splitterrinde der Bäume ist ja ihre Kraft; deshalb, wenn man die äußere Rinde abschlägt, vertrocknen sie – das ist ja ihre Kraft. Dass er den Yūpa-Span hineinwirft (denkt er): „Ich will ihn mit seiner Kraft bemessen“ [Anm.: Übersetzung unsicher] – damit bleibt es eben derselbe Baum, kein anderer; denn dieser Span allein ist durch die heiligen Sprüche geweiht, rein. Deshalb wirft er den Yūpa-Span hinein.
Er wirft ihn hinein: „Du bist die Vorangehende, die gut Eingehende der Aufrichtenden“ [Anm.: Bedeutung unsicher] – vorn wird ja dieser Span von diesem Pfahl abgeschlagen; deshalb sagt er: „Du bist die Vorangehende, die gut Eingehende der Aufrichtenden.“ „Über dessen Erkenntnis hinweg wirst du stehen“ – über ihm steht er ja; deshalb sagt er: „Über dessen Erkenntnis hinweg wirst du stehen“.
Dann rührt er mit dem Sruva-Löffel das Schmalz um und opfert es in die Grube: „Damit nicht von unten her die messerlosen Rakṣas aufstehen!“ – das Schmalz ist ja der Vajra; damit hält er eben mit dem Vajra die messerlosen Rakṣas fern; so stehen von unten her die messerlosen Rakṣas nicht auf. Dann geht er vorn herum und salbt, nach Norden gewandt sitzend, den Opferpfahl. Er spricht: „Sprich nach für den Opferpfahl, dem das Schmalz gebracht wird“.
so 'nakti | devastvā savitā madhvānaktviti savitā vai devānām prasavitā yajamāno vā eṣa nidānena yadyūpaḥ sarvaṃ vā idam madhu yadidaṃ kiṃ ca tadenamanena sarveṇa saṃsparśayati tadasmai savitā prasavitā prasauti tasmādāha devastvā savitā madhvānaktviti
Er salbt: „Der Gott Savitṛ salbe dich mit Honig!“ – Savitṛ ist ja der Antreiber der Götter; der Opferer selbst ist durch die Verbindung gleich diesem Opferpfahl. Alles, was hier existiert, ist ja Honig; damit lässt er ihn mit diesem Ganzen in Berührung kommen; damit treibt ihn Savitṛ, der Antreiber, an. Deshalb sagt er: „Der Gott Savitṛ salbe dich mit Honig!“
Dann steckt er das Caṣāla-Kronstück, nachdem er es beiderseits zurückgezogen hat, auf: „Für dich, von den guten Frucht-Pflanzen“ – das ist ja gleichsam eine Frucht [pippala], die in der Mitte zusammengefasst erscheint; quer ist ja diese Frucht am Baum angesetzt. Was hier gleichsam eine Verbindung ist, gleichsam quer eingeschoben, das eben macht er hierbei; deshalb erscheint es in der Mitte zusammengefasst [Anm.: Übersetzung dieser Kaṇḍikā insgesamt unsicher].
Er salbt den innersten Teil der Agniṣṭhā [Anm.: „Feuer-Standort“, Teil des Pfahls, Bedeutung genauer unsicher] – der Opferer ist ja gleichsam der Saft der Agniṣṭhā, das Schmalz ist Saft; damit salbt er eben mit dem Saft den Opferer. Deshalb salbt er den innersten Teil der Agniṣṭhā. Dann berührt er ringsum das Umwicklungsband. Dann spricht er: „Sprich nach für den Pfahl, der aufgerichtet wird“.
sa ucriyati | dyāmagreṇāspṛkṣa āntarikṣam madhyenāprāḥ pṛthivīmupareṇādṛṃhīriti vajro vai yūpa eṣāṃ lokānāmabhijityai tena vajreṇemāṃlokāntspṛṇuta ebhyo lokebhyaḥ sapatnānnirbhajati
Er wird aufgerichtet: „Mit der Spitze hast du den Himmel berührt, mit der Mitte hast du das Luftreich erfüllt, mit dem unteren Teil hast du dich in der Erde befestigt“ – der Opferpfahl ist ja der Vajra, zum Sieg über diese Welten; mit diesem Vajra gewinnt er sich diese Welten, scheidet aus diesen Welten die Nebenbuhler aus.
Dann bemisst er ihn: „Deine Stätten, zu denen zu gelangen wir begehren, wo die Kühe sind, reich an Hörnern, unermüdlich – dort erschien jenes höchste Schreitmaß des weitschreitenden Viṣṇu, reichlich“ [Anm.: freie Wiedergabe des Verses] – mit diesem Triṣṭubh-Vers bemisst er ihn; das Triṣṭubh-Versmaß ist der Vajra, der Opferpfahl ist der Vajra; deshalb bemisst er ihn mit dem Triṣṭubh-Vers.
sampratyagnimagniṣṭām minoti | yajamāno vā agniṣṭhāgniru vai yajñaḥ sa yadagneragniṣṭhāṃ hvalayeddhvaleddha yajñādyajamānastasmātsampratyagnimagniṣṭhām minotyatha paryūhatyatha paryṛṣatyathāpa upaninayati
Dann bemisst er die Agniṣṭhā genau nach dem Feuer aus [Anm.: Sinn unsicher]: Der Opferer ist ja die Agniṣṭhā, Agni ist ja das Opfer; wenn er die Agniṣṭhā vom Feuer abweichen ließe, würde der Opferer vom Opfer abweichen. Deshalb bemisst er die Agniṣṭhā genau nach dem Feuer aus. Dann streicht er ringsherum, dann besprengt er ringsherum, dann leitet er Wasser darüber.
Dann lässt er, nachdem er so an den Pfahl herangetreten ist, sprechen: „Betrachtet die Taten Viṣṇus, aus denen er die Gelübde erschaute – Indras Gefährte und Freund.“ Wer den Opferpfahl aufgerichtet hat, der hat gleichsam einen Vajra abgeschossen; „betrachtet Viṣṇus Sieg“ – das meint er damit eben, wenn er spricht: „Betrachtet die Taten Viṣṇus, aus denen er die Gelübde erschaute – Indras Gefährte und Freund“ – Indra ist ja die Gottheit des Opfers, der Opferpfahl gehört Viṣṇu; damit macht er ihn mit Indra verbunden. Deshalb sagt er: „Indras Gefährte und Freund“.
Dann blickt er zum Caṣāla-Kronstück empor: „Jenes höchste Schreitmaß Viṣṇus erblicken die Weisen allzeit, wie ein am Himmel ausgespanntes Auge.“ Wer den Opferpfahl aufgerichtet hat, der hat gleichsam einen Vajra abgeschossen; „diesen Sieg Viṣṇus betrachtet“ – das meint er damit eben, wenn er spricht: „Jenes höchste Schreitmaß Viṣṇus erblicken die Weisen allzeit, wie ein am Himmel ausgespanntes Auge“.
Dann umwickelt er ihn: Um ihn nicht bloßzustellen, umwickelt er ihn eben; deshalb umwickelt er genau hier – genau hier befindet sich ja diese Kleidung; damit legt er eben Speise in ihn hinein, genau hier findet ja diese Speise Halt. Deshalb umwickelt er genau hier.
Er umwickelt ihn dreifach: Dreifach ist ja die Speise – die Herden sind Speise, Vater und Mutter sind Speise, und was aus ihnen geboren wird, das ist das Dritte; deshalb umwickelt er ihn dreifach.
sa parivyayati | parivīrasi pari tvā daivīrviśo vyayantām parīmaṃ yajamānaṃ rāyo manuṣyāṇāmiti tadyajamānāyāśiṣamāśāste yadāha parīmaṃ yajamānaṃ rāyo manuṣyāṇāmiti
Er umwickelt ihn: „Du bist der Umwickelte; die göttlichen Stämme mögen dich umwickeln; die Reichtümer der Menschen mögen diesen Opferer umwickeln.“ Damit erbittet er für den Opferer einen Segenswunsch, wenn er spricht: „Die Reichtümer der Menschen mögen diesen Opferer umwickeln“.
Dann vergräbt er den Yūpa-Span: „Du bist der Sohn des Himmels“ – das ist ja seine Nachkommenschaft. Wenn es daher eine Elfer-Reihe von Opferpfählen gäbe, sollte man jeweils den eigenen Span zum jeweils eigenen Pfahl vergraben, ohne Vertauschung; dann entsteht diesem Opferer eine ungetrübte, folgsame Nachkommenschaft. Wer aber vertauscht vergräbt, nicht jeweils den eigenen, dem entsteht eine getrübte, unfolgsame Nachkommenschaft; deshalb soll man jeweils den eigenen Span vergraben, ohne Vertauschung.
Dies wird gleichsam zum Aufstieg zur Himmelswelt gemacht: vom Yūpa-Span (empor) zum Umwicklungsband, vom Umwicklungsband zum Yūpa-Span, vom Yūpa-Span zum Caṣāla-Kronstück – vom Caṣāla-Kronstück erreicht man die Himmelswelt.
Weshalb er (der Yūpa-Span) „Svaru“ heißt: Von diesem Pfahl wird er ja abgeschlagen; so ist dies gleichsam sein eigenes Ableiten [sva + aru]; deshalb heißt er „Svaru“.
tasya yannikhātam | tena pitṛlokaṃ jayatyatha yadūrdhvaṃ nikhātādā raśanāyai tena manuṣyalokaṃ jayatyatha yadūrdhvaṃ raśanāyā ā caṣālāttena devalokaṃ jayatyatha yadūrdhvaṃ caṣālāddvyaṅgulaṃ vā tryaṅgulaṃ vā sādhyā iti devāstena teṣāṃ lokaṃ jayati saloko vai sādhyairdevairbhavati ya evametadveda
Was von ihm eingegraben ist, damit gewinnt er die Väterwelt; was oberhalb des Eingegrabenen bis zum Umwicklungsband ist, damit gewinnt er die Menschenwelt; was oberhalb des Umwicklungsbandes bis zum Caṣāla-Kronstück ist, damit gewinnt er die Götterwelt; was oberhalb des Caṣāla-Kronstücks, zwei oder drei Fingerbreit, ist – das gehört den Sādhya-Göttern –, damit gewinnt er deren Welt. Denselben Weltraum wie die Sādhya-Götter erlangt, wer dies so weiß.
taṃ vai pūrvārdhe minoti | vajro vai yūpo vajro daṇḍaḥ pūrvārdhaṃ vai daṇḍasyābhipadya praharati pūrvārdha eṣa yajñasya tasmātpūrvārdhe minoti
In der ersten Hälfte des Tages bemisst er ihn: Der Opferpfahl ist ja der Vajra, der Vajra ein Stab; in der ersten Hälfte des Stockes trifft man ja beim Zuschlagen; er ist die erste Hälfte des Opfers; deshalb bemisst er ihn in der ersten Hälfte des Tages.
yajñena vai devāḥ | imāṃ jitiṃ jigyuryaiṣāmiyaṃ jitiste hocuḥ kathaṃ na idam manuṣyairanabhyārohyaṃ syāditi te yajñasya rasaṃ dhītvā yathā madhu madhukṛto nirdhayeyurviduhya yajñaṃ yūpena yopayitvā tiro 'bhavannatha yadenenāyopayaṃstasmādyūpo nāma purastādvai prajñā purastānmanojavastasmātpūrvārdhe minoti
Mit dem Opfer gewannen die Götter jenen Sieg, den sie gewannen. Sie sagten: „Wie können wir es bewirken, dass dieses Opfer den Menschen unzugänglich bleibt?“ Sie saugten den Saft des Opfers aus, so wie Honig-Sammler den Honig aussaugen, und, nachdem sie ihn ausgemolken hatten, verbargen sie das Opfer mit dem Opferpfahl und wurden unsichtbar [Anm.: Parallel-Mythos zur zuvor erzählten Yūpa-Verbergungs-Geschichte]. Weil sie es damit verbargen, deshalb heißt er „Yūpa“. Vorn ist ja die Erkenntnis, vorn die Geistesschnelligkeit; deshalb bemisst er ihn in der ersten Hälfte des Tages.
sa vā aṣṭāśrirbhavati | aṣṭākṣarā vai gāyatrī pūrvārdho vai yajñasya gāyatrī pūrvārdhe eṣa yajñasya tasmādaṣṭāśrirbhavati
Er ist achtkantig: Achtsilbig ist ja das Gāyatrī-Versmaß, das Gāyatrī ist die erste Hälfte des Opfers – dies ist die erste Hälfte des Opfers – deshalb ist er achtkantig.
taṃ ha smaitaṃ devā anupraharanti | yathedamapyetarhyeke 'nupraharantīti devā akurvanniti tato rakṣāṃsi yajñamanūdapibanta
Diesen Opferpfahl schlugen einst die Götter mit an [Anm.: anupraharanti, Bedeutung unsicher] – so wie es auch heutzutage noch manche tun – das taten die Götter; da tranken die Rakṣas vom Opfer heimlich mit.
te devā adhvaryumabruvan | yūpaśakalameva juhudhi tadahaiṣa svagākṛto bhaviṣyati tatho rakṣāṃsi yajñaṃ nānūtpāsyante 'yaṃ vai vajra udyata iti
Da sprachen die Götter zum Adhvaryu: „Opfere nur den Yūpa-Span; dadurch wird er gleichsam ‚mit dem eigenen Anteil versehen‘ sein, so werden die Rakṣas vom Opfer nicht mehr mittrinken – denn dies ist ja der erhobene Vajra“.
so 'dhvaryuḥ | yūpaśakalamevājuhottadahaiṣa svagākṛta āsīttatho rakṣāṃsi yajñaṃ nānūdapibantāyaṃ vai vajra udyata iti
Da opferte der Adhvaryu nur den Yūpa-Span; dadurch wurde er gleichsam mit dem eigenen Anteil versehen, so tranken die Rakṣas vom Opfer nicht mehr mit – denn dies ist ja der erhobene Vajra.
tatho evaiṣa etat | yūpaśakalameva juhoti tadahaiṣa svagākṛto bhavati tatho rakṣāṃsi yajñaṃ nānūtpibante 'yaṃ vai vajra udyata iti sa juhoti divaṃ te dhūmo gacatu svarjyotih pṛthivīm bhasmanāpṛṇa svāheti 3.7.2.
Ebenso opfert nun auch dieser Opferer nur den Yūpa-Span; dadurch wird er gleichsam mit dem eigenen Anteil versehen, so trinken die Rakṣas vom Opfer nicht mehr mit – denn dies ist ja der erhobene Vajra. Er opfert: „Zum Himmel gehe dein Rauch, zum Lichtreich dein Glanz; die Erde erfülle mit Asche. Svāhā!“
So groß wie die Vedi ist, so groß ist die Erde. Die Opferpfähle sind ja Vajras; damit gewinnt er sich eben diese Erde mit diesen Vajras, scheidet aus ihr die Nebenbuhler aus. Deshalb gibt es eine Elfer-Reihe von Opferpfählen; es gibt einen zwölften, zurechtgehauenen Beipfahl; den legt er südlich bei. Dass es einen zwölften Beipfahl gibt –
devā ha vai yajñaṃ tanvānāḥ | te 'surarakṣasebhya āsaṅgādbibhayāṃ cakrustadya eta ucritā yatheṣurastā tayā vai stṛṇute vā na vā stṛṇute yathā daṇḍaḥ prahṛtastena vai stṛṇute vā na vā stṛṇute 'tha ya eṣa dvādaśa upaśayo bhavati yatheṣurāyatānastā yathodyatamaprahṛtamevameṣa vajra udyato dakṣiṇato nāṣṭrāṇāṃ rakṣasāmapahatyai tasmāddvādaśa upaśayo bhavati
– die Götter fürchteten sich einst, während sie das Opfer webten, vor einem Überfall von Seiten der Asuras und Rakṣas: Diese aufgerichteten Pfähle sind ja wie ein abgeschossener Pfeil – mit ihm trifft man, oder man trifft nicht; so wie ein geschleuderter Stock – mit ihm trifft man, oder man trifft nicht. Dieser zwölfte Beipfahl aber ist wie ein gespannter, noch nicht abgeschossener Pfeil, wie das Erhobene, noch nicht Geschleuderte – ebenso ist dieser Vajra im Süden erhoben, zur Abwehr der messerlosen Rakṣas. Deshalb gibt es einen zwölften Beipfahl.
taṃ nidadhāti | eṣa te pṛthivyāṃ loka āraṇyaste paśuriti paśuśca vai yūpaśca tadasmā āraṇyameva paśūnāmanudiśati teno eṣa paśumānbhavati tadvayaṃ yūpaikādaśinyai sammayanamāhuḥ śvaḥsutyāyai ha nvevaike samminvanti prakubratāyai caiva śvaḥsutyāyai yūpam minvantītyu ca
Er legt ihn nieder: „Dies ist dein Platz auf der Erde, das Waldtier ist dein Opfertier“ – der Opferpfahl ist ja auch ein Opfertier; damit weist er ihm eben das wilde Tier unter den Tieren zu; dadurch wird er mit wilden Tieren versehen. Dies nennen wir das „Zusammenfügen“ für die Elfer-Reihe der Opferpfähle. Manche fügen es allerdings erst für den Vor-Presstag zusammen, und für den Vor-Presstag bemessen sie – anderen zufolge – den Opferpfahl erst „bei fortschreitendem Tag“ [Anm.: prakubratā, Bedeutung unsicher].
tadu tathā na kuryāt | agniṣṭhamevocrayedidaṃ vai yūpamucrityādhvaryurā parivyayaṇānnānvarjatyaparivītā vā eta etāṃ rātriṃ vasanti sā nveva paricakṣā paśave vai yūpamucrayanti prātarvai paśūnālabhante tasmādu prātarevocrayet
Das soll man aber nicht so machen; man soll vielmehr nur den Agniṣṭhā-Pfahl aufrichten. Nachdem der Adhvaryu diesen Opferpfahl aufgerichtet hat, entfernt er sich nicht vom Umwicklungsband; unumwickelt nämlich würden diese Pfähle sonst diese Nacht übernachten – das gilt als eine Art Tadel. Für das Opfertier richtet man ja den Opferpfahl auf; am Morgen ergreift man ja die Opfertiere; deshalb soll man ihn eben am Morgen aufrichten.
sa ya uttaro 'gniṣṭhātsyāt | tamevāgra ucrayedatha dakṣiṇamathottaraṃ dakṣiṇārdhyamuttamaṃ tathodīcī bhavati
Welcher Pfahl nördlich von der Agniṣṭhā wäre, den soll man zuerst aufrichten, dann den südlichen, dann den nördlichen von der südlichen Hälfte, zuletzt den am weitesten nördlich Reichenden – so verläuft es nach Norden.
Andere aber sagen: Man soll zuerst den südlichen Pfahl von der Agniṣṭhā aus aufrichten, dann den nördlichen, dann den südlichen von der nördlichen Hälfte, zuletzt den am weitesten nördlich Gelegenen – so vollende sich für ihn die Handlung gleichsam nach Norden hin.
sa yo varṣiṣṭhaḥ sa dakṣiṇārdhyaḥ syāt | atha hrasīyānatha hrasīyānuttarārdhyo hrasiṣṭhastathodīcī bhavati
Welcher Pfahl der größte wäre, der soll auf der südlichen Hälfte stehen, dann ein kleinerer, dann ein noch kleinerer; auf der nördlichen Hälfte steht der kleinste – so verläuft es nach Norden.
Dann richten sie für die Gattinnen den Gattinnen-Pfahl auf: Zur Ganzheit eben wird der Gattinnen-Pfahl aufgerichtet. Dazu ergreift man ein dem Tvaṣṭṛ geweihtes Opfertier; Tvaṣṭṛ ist es ja, der den ausgespritzten Samen umgestaltet; damit gestaltet eben dieser Ritus diesen ausgespritzten Samen um. Es ist ein Widder mit Hodensack; er ist ja der Erzeuger, weil er ein Widder-mit-Hodensack ist, deshalb ist es ein Widder-mit-Hodensack. Diesen soll man nicht bis zum Ende durchführen; man soll ihn vielmehr, nachdem man ihn ums Feuer geführt hat, freilassen. Denn würde man ihn bis zum Ende durchführen, käme man ja an das Ende der Nachkommenschaft; damit entließe man die Nachkommenschaft aus der Existenz. Deshalb soll man ihn nicht bis zum Ende durchführen, sondern ihn, nachdem man ihn ums Feuer geführt hat, freilassen.
paśuśca vai yūpaśca | na vā ṛte yūpātpaśumālabhante kadā cana tadyattathā na ha vā etasmā agre paśavaścakṣamire yadannamabhiviṣyanyathedamannam bhūtā yathā haivāyaṃ dvipātpuruṣa ucrita evaṃ haiva dvipāda ucritāśceruḥ
Sowohl das Opfertier als auch der Opferpfahl (gehören zusammen): Man ergreift ja niemals ein Opfertier ohne den Opferpfahl. Dass es sich so verhält: Einst wollten die Tiere sich das nicht gefallen lassen, als man sie zur Speise machen wollte – so wie sie eben zur Speise wurden. So wie dieser zweifüßige Mensch als Opferpfahl aufgerichtet wird, so gingen einst zweifüßige Wesen als aufgerichtete Pfähle umher [Anm.: Übersetzung des mythologischen Bildes unsicher].
tato devā etaṃ vajraṃ dadṛśuḥ | yadyūpaṃ tamuciśriyustasmādbhīṣā prāvlīyanta tataścatuṣpādā abhavaṃstato 'nnamabhavanyathedamannam bhūtā etasmai hi vā ete 'tiṣṭhanta tasmādyūpa eva paśumālabhante narte yūpātkadā cana
Da erblickten die Götter diesen Vajra, nämlich den Opferpfahl; den richteten sie auf. Deshalb versteckten sich die Tiere aus Furcht; darauf wurden sie vierfüßig, darauf wurden sie zur Speise, so wie sie eben zur Speise wurden – denn sie hatten sich ja diesem Pfahl widersetzt. Deshalb ergreift man das Opfertier nur beim Opferpfahl, niemals ohne den Opferpfahl.
athopākṛtya paśum | agnim mathitvā niyunakti tadyattathā na ha vā etasmā agre paśavaścakṣamire yaddhavirabhaviṣyanyathainānidaṃ havirbhūtānagnau juhvati tāndevā upanirurudhusta upaniruddhā nopāveyuḥ
Dann, nachdem er das Opfertier herangeführt hat, reibt er das Feuer und schirrt es an. Dass es sich so verhält: Einst wollten die Tiere sich das nicht gefallen lassen, als sie zur Opfergabe werden sollten, so wie sie jetzt eben als Opfergabe gewordene Tiere ins Feuer geopfert werden. Die Götter schlossen sie ein, doch eingeschlossen gingen sie dennoch nicht heran.
te hocuḥ | na vā ime 'sya yāmaṃ viduryadagnau havirjuhvati naitām pratiṣṭhāmuparudhyaiva paśūnagnim mathitvāgnāvagniṃ juhavāma te vediṣyantyeṣa vai kila haviṣo yāma eṣā pratiṣṭhāgnau vai kila havirjuhvatīti tato 'bhyavaiṣyanti tato rātamanasa ālambhāya bhaviṣyantīti
Da sprachen sie (die Götter): „Sie kennen ja nicht diesen Weg, dass man die Opfergabe ins Feuer opfert, nicht diesen festen Grund. Lasst uns, nachdem wir die Tiere eingeschlossen haben, das Feuer reiben und Feuer ins Feuer opfern; dann werden sie erkennen: ‚Dies ist wahrlich der Weg der Opfergabe, dies der feste Grund – man opfert wahrlich die Opfergabe ins Feuer!‘ Dann werden sie sich fügen, dann werden sie willig gestimmt zum Ergreifen bereit sein.“
ta uparudhyaiva paśūn | agnim mathitvāgnāvagnimajuhuvuste 'vidureṣa vai kila haviṣo yāma eṣā pratiṣṭhāgnau vai kila havirjuhvatīti tato 'bhyavāyaṃstato rātamanasa ālambhāyābhavan
Nachdem sie also die Tiere eingeschlossen hatten, rieben sie das Feuer und opferten Feuer ins Feuer; da erkannten diese: „Dies ist wahrlich der Weg der Opfergabe, dies der feste Grund – man opfert wahrlich die Opfergabe ins Feuer!“ Da fügten sie sich, da wurden sie willig gestimmt zum Ergreifen bereit.
tatho evaiṣa etat | uparudhyaiva paśumagnim mathitvāgnāvagniṃ juhoti sa vedaiṣa vai kila haviṣo yāma eṣā pratiṣṭhāgnau vai kila havirjuhvatīti tato 'bhyavaiti tato rātamanā ālambhāya bhavati tasmādupākṛtya paśumagnim mathitvā niyunakti
Ebenso macht es nun auch dieser Opferer: Nachdem er das Opfertier eingeschlossen hat, reibt er das Feuer und opfert Feuer ins Feuer; dieses Tier erkennt: „Dies ist wahrlich der Weg der Opfergabe, dies der feste Grund – man opfert wahrlich die Opfergabe ins Feuer!“ Da fügt es sich, da wird es willig gestimmt zum Ergreifen bereit. Deshalb reibt er, nachdem er das Opfertier herangeführt hat, das Feuer und schirrt es an.
Dazu sagen manche: Man solle das Tier nicht eigens heranführen und das Feuer nicht eigens reiben, sondern nur das Halfter nehmen, geradewegs herantreten, es anreden und dann erst anschirren. Das soll man aber nicht so machen; wer es abweichend von der Regel tun wollte, der möge es so tun – deshalb soll man eben dem oben beschriebenen Vorgehen folgen.
Er nimmt das Gras: „Du bist der Beistehende“ – ein Zweiter steht ja bei; deshalb sagt er: „Du bist der Beistehende.“ „Zu den Göttern hin habe ich die göttlichen Stämme vorwärtsgetrieben“ – göttliche Untertanen sind ja diese Tiere, da sie den Göttern zur Verfügung standen [Anm.: Übersetzung des letzten Satzteils unsicher] – das meint er damit eben, wenn er spricht: „Zu den Göttern hin habe ich die göttlichen Stämme vorwärtsgetrieben.“
deva tvaṣṭarvasu rameti | tvaṣṭā vai paśūnāmīṣṭe paśavo vasu tānetaddevā atiṣṭhamānāṃstvaṣṭāramabruvannupanimadeti yadāha deva tvaṣṭarvasu rameti
„Gott Tvaṣṭṛ, erfreue dich am Gut!“ – Tvaṣṭṛ herrscht ja über die Tiere, die Tiere sind das Gut. Als sich diese Tiere widersetzten, sprachen die Götter zu Tvaṣṭṛ: „Beschwichtige sie!“ – das meint er damit, wenn er spricht: „Gott Tvaṣṭṛ, erfreue dich am Gut!“
havyā te svadantāmiti | yadā vā eta etasmā adhriyanta yaddhavirabhaviṣyaṃstasmādāha havyā te svadantāmiti
„Die Opfergaben mögen dir schmackhaft sein!“ – als sich diese Tiere einst nicht darein fügten, zur Opfergabe zu werden, deshalb sagt er: „Die Opfergaben mögen dir schmackhaft sein!“
„Ihr Reichen, erfreut euch!“ – reich, mit Vieh gesegnet, sind ja die Tiere, deshalb sagt er: „Ihr Reichen, erfreut euch!“ „O Bṛhaspati, halte sie mit dem heiligen Wort fest, das Gut!“ – das heilige Wort ist ja Bṛhaspati, die Tiere sind das Gut. Als sich diese Tiere widersetzten, umgaben die Götter sie eben mit dem heiligen Wort von oben her, und sie kamen nicht darüber hinweg; ebenso umgibt auch dieser Opferer sie jetzt eben mit dem heiligen Wort von oben her, und sie kommen nicht darüber hinweg. Deshalb sagt er: „O Bṛhaspati, halte sie mit dem heiligen Wort fest, das Gut!“ Nachdem er eine Schlinge gemacht hat, legt er sie an; danach folgt nun die Beschreibung des Anschirrens selbst.
Nachdem er eine Schlinge gemacht hat, legt er sie an: „Dich, Gottgabe, binde ich mit der Schlinge der Wahrheit an“ – dieser Strick gehört ja Varuṇa; damit bindet er ihn eben an die Schlinge der Wahrheit; so verletzt ihn dieser Varuṇa-Strick nicht.
„Der Mensch möge dich bezwingen“ – einst wagte ja der Mensch nicht, es zu bezwingen; dadurch aber, dass er es mit der Schlinge der Wahrheit als Gottgabe anbindet, bezwingt es nun der Mensch. Deshalb sagt er: „Der Mensch möge dich bezwingen“.
Dann schirrt er an: „Im Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan, schirre ich dich, den Agni und Soma Wohlgefälligen, an“ – so wie er dort, wenn er die Opfergabe für eine Gottheit ergreift, sie ihr zuweist, ebenso weist er es hier den beiden Gottheiten zu. Dann besprengt er – einheitlich ist ja die Verbindung des Besprengens – damit macht er es eben rein.
sa prokṣati | adbhyastvauṣadhībhya iti tadyata eva sambhavati tata evaitanmedhyaṃ karotīdaṃ hi yadā varṣatyathauṣadhayo jāyanta oṣadhīrjagdhvāpaḥ pītvā tata eṣa rasaḥ sambhavati rasādreto retasaḥ paśavastadyata eva sambhavati yataśca jāyate tata evaitanmedhyaṃ karoti
Er besprengt: „Für dich von den Wassern, für dich von den Pflanzen“ – damit macht er es eben rein von dem her, woraus es entsteht. Wenn es nämlich regnet, dann entstehen die Pflanzen; nachdem es Pflanzen gefressen und Wasser getrunken hat, entsteht daraus der Saft, aus dem Saft der Same, aus dem Samen die Tiere. Also macht er es rein von dem her, woraus es entsteht und aus dem es geboren wird.
anu tvā mātā manyatāmanu piteti | sa hi mātuścādhi pituśca jāyate tadyata eva jāyate tata evaitanmedhyaṃ karotyanu bhrātā sagarbhyo 'nu sakhā sayūthya iti sa yatte janma tena tvānumatamārabha ityevaitadāhāgnīṣomābhyāṃ tvā juṣṭam prokṣāmīti tadyābhyāṃ devatābhyāmārabhate tābhyām medhyaṃ karoti
„Zustimmen möge dir die Mutter, zustimmen der Vater“ – es wird ja von einer Mutter und einem Vater geboren; also macht er es rein von dem her, wovon es geboren wird. „Zustimmen möge der leibliche Bruder, zustimmen der Herdengenosse-Freund“ – „mit welcher Geburt du geboren bist, mit deren Zustimmung ergreife ich dich“ – das meint er damit eben. „Dich, den Agni und Soma Wohlgefälligen, besprenge ich“ – damit macht er es rein von den beiden Gottheiten her, mit denen er beginnt.
Dann umfasst er es: „Du bist der Sprössling der Wasser“ – damit macht er es von innen her rein. Dann besprengt er es von unten: „Die göttlichen Wasser sollen es schmackhaft machen; auch wenn es schon gefressen ist, bleibt es doch eine Gottgabe“ – damit macht er es von allen Seiten rein.
Dann spricht er: „Sprich nach für das Feuer, das entfacht wird.“ Nachdem er den oberen Angussstreifen mit den beiden Angussstreifen der Opferlöffel in Berührung gebracht hat, geht er um die beiden Opferlöffel herum und salbt mit dem Juhū-Löffel das Opfertier: Der obere Angussstreifen ist ja das Haupt des Opfers; das Opfertier hier ist ja das Opfer selbst; damit setzt er dem Opfer eben das Haupt auf. Deshalb salbt er mit dem Juhū-Löffel das Opfertier.
sa lalāṭe samanakti | saṃ te prāṇo vātena gacatāmiti samaṅgāni yajatrairityaṃsayoḥ saṃ yajñapatirāśiṣeti śroṇyoḥ sa yasmai kāmāya paśumālabhante tatprāpnuhītyevaitadāha
Er salbt es an der Stirn: „Dein Atem vereinige sich mit dem Wind“; „deine Glieder mit den Opferwürdigen“ – an beiden Schultern; „der Opferherr vereinige sich mit dem Segenswunsch“ – an beiden Hüften. Damit meint er: „Wofür auch immer man das Opfertier ergreift, das mögest du erlangen“.
idaṃ vai paśoḥ saṃjñapyamānasya | prāṇo vātamapipadyate tatprāpnuhi yatte prāṇo vātamapipadyātā ityevaitadāha samaṅgāni yajatrairityaṅgairvā asya yajante tatprāpnuhi yatte 'ṅgairyajāntā ityevaitadāha sa yajñapatirāśiṣeti yajamānasya vā etenāśiṣamāśāste tatprāpnuhi yattvayā yajamānāyāśiṣamāśāsāntā ityevaitadāha sādayati srucāvatha pravarāyāśrāvayati so 'sāveva bandhuḥ
Dies bedeutet: Wenn das Opfertier zur Ruhe gebracht wird, geht sein Atem in den Wind ein – „das mögest du erlangen, dass dein Atem in den Wind eingehe“ – das meint er damit eben. „Glieder mit den Opferwürdigen“ – mit seinen Gliedern opfert man ja – „das mögest du erlangen, dass man mit deinen Gliedern opfere“ – das meint er damit eben. „Der Opferherr mit dem Segenswunsch“ – für den Opferer erbittet man ja mit diesem Opfer einen Segenswunsch – „das mögest du erlangen, dass man für den Opferer durch dich einen Segenswunsch erbitte“ – das meint er damit eben. Er setzt die beiden Opferlöffel nieder. Dann lässt er zum Voropfer aufrufen – das ist dieselbe Verbindung wie zuvor.
Dann lässt er ein zweites Mal aufrufen: Zwei Hotṛ-Priester gibt es ja hier; der eine ruft für den Maitrāvaruṇa-Priester auf, den anderen aber wählt er für den Opferer selbst aus: „Agni ist der Vorangehende der göttlichen Stämme“ – Agni ist ja das Antlitz der Götter, deshalb sagt er: „Agni ist der Vorangehende der göttlichen Stämme“; „dieser Opferer ist der Vorangehende der Menschen“ – denn er gehört ja zu der Hälfte, in der er opfert, deshalb sagt er: „Dieser Opferer ist der Vorangehende der Menschen“. „Für beide möge das Gārhapatya-Feuer ungestört brennen, zwei Winter lang“ – „unversehrt sollen die Gārhapatya-Feuer beider hundert Jahre lang bestehen“ – das meint er damit eben.
„Die Gaben vereinigend, doch die Leiber nicht vereinigend“ [Anm.: rādhāṃsi „Gaben, Gedeihen“, tanū „Leib“] – „nur die Gaben mögt ihr beide vereinigen, nicht auch die Leiber“ – das meint er damit eben. Würden die beiden nämlich auch die Leiber vereinigen, würde Agni den Opferer wohl verbrennen. Was er ins Feuer opfert, das reicht er ja Agni dar; und was auch immer die Ritvij-Priester hier für den Opferer als Segenswunsch erbitten, das lässt Agni ihm vollständig gedeihen. Damit vereinigen sich eben die Gaben, nicht aber die Leiber. Deshalb sagt er: „Die Gaben vereinigend, doch die Leiber nicht vereinigend“.