Adhyāya 5
Vermessung der Vedi, Errichtung der Uttaravedi und der Havirdhāna-Wagenschuppen: Puruṣa-Symbolik, Aṅgiras-Āditya-Mythos, Vāc-Löwin-Mythos und die Uparava-Gruben
Br.1: Vermessung von Vedi und Uttaravedi mittels Pflock-Schritten und Versmaß-Symbolik (Virāj/Bṛhatī/Gāyatrī); der Mythos vom Wettstreit zwischen Aṅgiras und Ādityas um das Opfer, der Sadyaḥkrī-Sofort-Kaufhandlung und die Ablehnung der Rede (Vāc) als Priesterlohn zugunsten der Sonne; der Vāc-Löwin-Mythos (die zornige Rede wird zur Löwin, wandert zwischen Göttern und Asuras, wendet sich schließlich den Göttern zu); Anlage des Cātvāla (Aschengrube) und rituelle Errichtung/Besprengung/Besandung der Uttaravedi als weiblich personifizierter Altar. Br.2: Herbeitragen des Feuers von der Antaḥpāta-Markierung zur Uttaravedi; die vier Richtungs-Schutzformeln (Indraghoṣa/Pracetas/Manojavas/Viśvakarman mit Vasus/Rudras/Vätern/Ādityas); Entlassung des Vāc-Löwinnen-Grimms mit dem übrigen Besprengungswasser (auch als Verwünschungsformel gegen Feinde nutzbar); weitere Löwin-Güsse für Brahman/Kṣatra/Nachkommenschaft/Wohlstand und die Götter-Herbeirufung; Einfassungsscheite und Agnis Körper-Zutaten (Pītudāru-Holz als Leib, Gulgulu-Harz als Fleisch, Sugandhitejana als Geruch); die Stier-Haarquaste als Erinnerung an Agnis nächtlichen Aufenthalt zwischen den Hörnern. Br.3: Der Mensch (Puruṣa) als Maß und Urbild des Opfers, dessen Teile den Bauten der Opferstätte entsprechen (Havirdhāna=Haupt, Āhavanīya=Mund, Yūpa=Schopf, Sadas=Bauch); Bau der beiden Havirdhāna-Wagenschuppen aus zusammengedrehten Rädern; das Sāvitra-Antriebsopfer mit dem Yoking-Spruch „yuñjate manaḥ“; die Prozession der Gattin des Opferherrn mit Gold-Niederlegung und den Viṣṇu-Trivikrama-Versen; Aufstellung und Vertäuung der Havirdhāna-Wagen mit ausführlicher Viṣṇu-Körperteil-Symbolik (Schädeldach, Stirn, Kiefergelenke, Naht). Br.4 (letzte Brāhmaṇa dieses Adhyāya): Die Uparava-Gruben als Kopf-Öffnungen des Opfer-Puruṣa; der Mythos vom Vergraben und Wiederausgraben asurischer Zauberformeln (Kṛtyā/Valaga) durch die Götter als Vorbild für apotropäische Grabungsformeln gegen Rivalen; Berührungs-Dialog von Adhvaryu und Opferherrn zwischen den Gruben; Presssteine (Grāvāṇaḥ) und Adhiṣavaṇa-Bretter als Zähne und Kiefer, Zunge des personifizierten Opfers. Damit ist Adhyāya 5 vollständig, und das „Haupt des Opfers“ (Havirdhāna-Komplex) ist zubereitet.
Von diesem höchsten „Pfosten-König“ [Anm.: „sthūṇārāja“ – technischer Bezeichnungsausdruck für einen zuvor errichteten Bezugspfosten] der vorderen (östlichen) Hälfte aus schreitet er nach Osten drei Schritte; dort schlägt er den Pflock ein. Das ist der „innere Setzpunkt“ (Antaḥpāta).
tasmānmadhyamācaṅkoḥ | prāṅ ṣaṭtriṃśataṃ vikramānprakrāmati tacaṅku nihanti sa pūrvārdhaḥ
Von der Mitte dieses Pflocks aus schreitet er nach Osten sechsunddreißig Schritte; dort schlägt er den Pflock ein. Das ist die vordere (östliche) Hälfte.
Von der Mitte dieses Pflocks aus schreitet er nach Norden zwölf Schritte; dort schlägt er den Pflock ein. Das ist die linke (nördliche) Schulter. Das ist das Maß der Vedi (des Altars).
atha yattriṃśadvikramā paścādbhavati | triṃśadakṣarā vai virāḍvirājā vai devā asmiṃloke pratyatiṣṭhaṃstatho evaiṣa etadvirājaivāsmiṃloke pratitiṣṭhati
Dass die Vedi hinten (im Westen) dreißig Schritte breit ist: Aus dreißig Silben besteht ja das Virāj-Versmaß; mit der Virāj fanden die Götter in dieser Welt festen Halt. Ebenso findet auch er eben mit der Virāj in dieser Welt festen Halt.
atha yatṣaṭtriṃśadvikramā prācī bhavati | ṣaṭtriṃśadakṣarā vai bṛhatī bṛhatyā vai devāḥ svargaṃ lokaṃ samāśnuvata tatho evaiṣa etadbṛhatyaiva svargaṃ lokaṃ samaśnute so 'sya divyāhavanīyo bhavati
Dass die Vedi vorn (im Osten) sechsunddreißig Schritte breit ist: Aus sechsunddreißig Silben besteht ja die Bṛhatī; mit der Bṛhatī erlangten die Götter die Himmelswelt. Ebenso erlangt auch er eben mit der Bṛhatī die Himmelswelt. Das Feuer wird ihm zum himmlischen Āhavanīya-Feuer.
atha yaccaturviṃśativikramā purastādbhavati | caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī pūrvārdho vai yajñasya gāyatrī pūrvārdhe eṣa yajñasya tasmāccaturviṃśativikramā purastādbhavatyeṣā mātrā vedeḥ
Dass sie vorn vierundzwanzig Schritte (in der Tiefe) hat: Aus vierundzwanzig Silben besteht ja die Gāyatrī; die Gāyatrī ist die erste Hälfte des Opfers, und in der ersten Hälfte des Opfers steht dieses (Vorderteil); deshalb hat sie vorn vierundzwanzig Schritte. Das ist das Maß der Vedi.
Dass sie hinten breiter ist: „Hinten breiter, mit breiten Hüften“, so preist man ja eine Frau; und dass sie eben hinten breiter ist, damit schafft er die Zeugungskraft eher hinten. Deshalb werden von dieser Art der Zeugung diese Geschöpfe gezeugt.
Diese nördliche Vedi (Uttaravedi) ist ja die Nase des Opfers. Und weil man sie nördlich der Vedi aufschüttet, heißt sie deshalb „Uttaravedi“ (Nördlicher Altar).
dvayyo ha vā idamagre prajā āsuḥ | ādityāścaivāṅgirasaśca tato 'ṅgirasaḥ pūrve yajñaṃ samabharaṃste yajñaṃ sambhṛtyocuragnimimāṃ naḥ śvaḥsutyāmādityebhyaḥ prabrūhyanena no yajñena yājayateti
Zweierlei Geschöpfe gab es einst zuvor: die Ādityas und die Aṅgiras. Von ihnen brachten die Aṅgiras zuerst das Opfer zusammen. Nachdem sie das Opfer zusammengebracht hatten, sprachen sie: „Agni, verkünde dies den Ādityas für die morgige Somapressung; lass uns mit diesem Opfer opfern!“
te hocuḥ | na vā anyena yajñādapakramaṇamastyantarāmeva sutyāṃ dhriyāmahā iti te yajñaṃ saṃjahruste yajñaṃ sambhṛtyocuḥ śvaḥsutyāṃ vai tvamasmabhyamagne prāvoco 'tha vayamadyasutyāmeva tubhyam prabrūmo 'ṅgirobhyaśca teṣāṃ nastvaṃ hotāsīti
Sie sprachen: „Es gibt kein Zurückweichen vom Opfer aus einem anderen Grund; lasst uns die Pressung lieber mitten (im Vollzug) anhalten.“ Da rissen sie das Opfer an sich. Nachdem sie das Opfer zusammengebracht hatten, sprachen sie: „Du, Agni, hast uns die morgige Somapressung angekündigt; nun aber verkünden wir dir die heutige Somapressung selbst, und (verkünden sie) den Aṅgiras; du sollst unser Hotṛ für sie sein.“
te 'nyameva pratiprajighyuḥ | aṅgiraso 'ca te hāpyaṅgiraso 'gnaye 'nvāgatya cukrudhuriva kathaṃ nu no dūtaścaranna pratyādṛthā iti
Sie (die Ādityas) schickten daraufhin einen anderen zurück. Die Aṅgiras aber näherten sich auch Agni und wurden gleichsam zornig: „Wie konntest du, unser umherziehender Bote, uns nicht zurückmelden?“
sa hovāca | anindyā vai māvṛṣata so nindyairvṛto nāśakamapakramitumiti tasmādu hānindyasya vṛto nāpakrāmetta etena sadyaḥkriyāṅgirasa ādityānayājayantsa sadyaḥkrīḥ
Da sprach er (Agni): „Untadelige haben mich für sich gewählt; von Tadellosen umworben, konnte ich mich nicht zurückziehen.“ Deshalb solle man sich, von einem Untadeligen umworben, nicht zurückziehen. Damit ließen die Aṅgiras durch diese Sofort-Handlung die Ādityas opfern; das ist die „Sofort-Kaufhandlung“ (Sadyaḥkrī).
tebhyo vācaṃ dakṣiṇāmānayan | tāṃ na pratyagṛhṇanhāsyāmahe yadi pratigrahīṣyāma iti tadu tadyajñasya karma na vyamucyata yaddākṣiṇamāsīt
Ihnen (den Ādityas) brachte man die Rede (Vāc) als Priesterlohn dar. Sie nahmen sie nicht an, mit dem Gedanken: „Wir würden an Ansehen verlieren, wenn wir sie annähmen.“ Da löste sich das letzte, den Priesterlohn betreffende Werk des Opfers nicht vollständig ab.
athaibhyaḥ sūryaṃ dakṣiṇāmānayan | tam pratyagṛhṇaṃstasmādu ha smāhuraṅgiraso vayaṃ vā ārtvijīnāḥ smo vayaṃ dakṣiṇīyā api vā asmābhireṣa pratigṛhīto ya eṣa tapatīti tasmātsadyaḥkriyo 'śvaḥ śveto dakṣiṇā
Dann brachte man ihnen die Sonne als Priesterlohn dar. Diese nahmen sie an. Deshalb pflegen die Aṅgiras zu sagen: „Wir sind es, die dem Priesteramt zukommen, wir sind priesterlohn-würdig; von uns wurde ja dieser hier, der da glüht, angenommen.“ Deshalb ist bei der Sofort-Kaufhandlung ein weißes Pferd der Priesterlohn.
tasya rukmaḥ purastādbhavati | tadetasya rūpaṃ kriyate ya eṣa tapati yadyaśvaṃ śvetaṃ na vindedapi gaureva śvetaḥ syāttasya rukmaḥ purastādbhavati tadetasya rūpaṃ kriyate ya eṣa tapati
Vor diesem befindet sich eine Goldscheibe (Rukma). Damit wird eben die Gestalt dessen hergestellt, der da glüht. Sollte man kein weißes Pferd finden, so sei es wenigstens ein weißliches Rind; vor diesem befindet sich dann eine Goldscheibe. Damit wird eben die Gestalt dessen hergestellt, der da glüht.
Ihnen zürnte darauf die Rede (Vāc): „Womit ist dieser hier besser als ich, mit welcher Verwandtschaft, dass sie ihn angenommen haben, nicht mich?“ Sie entwich ihnen und wandelte zwischen beiden, den Göttern und den Asuras, umher [Anm.: „sayat“ unsicher], indem sie, zur Löwin geworden, Beute ergreifend, umherzog. Ihr näherten sich sowohl die Götter (offen) als auch die Asuras (heimlich). Agni allein war der Bote der Götter, zugleich aber, „zusammen mit den Rakṣas“, der Bote der Asuras und Rakṣas [Anm.: unsichere Deutung dieser Doppelrolle Agnis].
Sie sprach, als sie sich den Göttern zuwenden wollte: „Wenn ich mich euch zuwende, was hätte ich davon?“ — „Dir wird zuerst die Opferspende Agnis zuteilwerden.“ Da sprach sie zu den Göttern: „Welchen Segenswunsch auch immer ihr mit mir äußern werdet, der wird euch allen ganz in Erfüllung gehen.“ So wandte sie sich den Göttern zu.
Dass er, während Agni schon getragen wird, die Uttaravedi begießt: Weil die Götter damals zu ihr gesagt hatten „Dir wird zuerst die Opferspende Agnis zuteilwerden“, deshalb erhält sie eben so zuerst die Opferspende Agnis, denn sie ist ja, dem Ursprung nach, die Vāc. Und dass er die Uttaravedi aufschüttet, geschieht zur völligen Vollständigkeit des Opfers; denn die Rede ist ja das Opfer, und diese Uttaravedi ist eben die Rede.
tāṃ vai yugaśamyena vimimīte | yugena yatra haranti śamyayā yato haranti yugaśamyena vai yogyaṃ yuñjanti sā yadevādaḥ siṃhī bhūtvāśāntevācarattadevaināmetadyajñe yunakti
Er misst sie mit dem Joch und dem Pflock ab. Mit dem Joch misst man, wohin man Lasten trägt; mit dem Pflock, von wo man sie trägt. Mit dem Joch und dem Pflock schirrt man ja das Zugtier an. Dass sie damals als Löwin umherwandelte: damit schirrt er sie nun eben für das Opfer an.
Deshalb solle man einen bereits zurückgenommenen Priesterlohn nicht wieder annehmen; sonst schädigt sie ihn, zur Löwin geworden. Man solle ihn auch nicht für sich behalten [Anm.: „amā kurvīta“ unsicher]; sonst schädigt sie ihn ebenso. Man solle ihn auch keinem anderen geben, denn damit würde man das Opfer außerhalb seiner selbst vollziehen. Deshalb solle man ihn dem geben, der ihm, mag er auch gleichsam gering sein, dennoch ein Verwandter gleichen Standes ist. Gibt er ihm so, dann schädigt sie ihn, zur Löwin geworden, nicht; und gibt er den Lohn einem Verwandten gleichen Standes, dann vollzieht er das Opfer nicht außerhalb seiner selbst. Das ist der feste Grund für den zurückgenommenen Priesterlohn.
Dann nimmt er den Pflock und das Sphya-Schwert. Von diesem im vorderen Teil befindlichen Pflock aus schreitet er nach Westen drei Schritte; dort umzeichnet er den Cātvāla (die Aschengrube). Das ist das Maß des Cātvāla; es gibt hierfür aber kein festes Maß — wo immer er selbst es im Sinn für richtig hält, jenseits des Erdaushubs [Anm.: „agreṇotkaram“ unsicher], dort solle er den Cātvāla umzeichnen.
sa vedyantāt | udīcīṃ śamyāṃ nidadhāti sa parilikhati taptāyanī me 'sītīmāmevaitadāhāsyāṃ hitapta eti
Er legt den Pflock vom Rand des Altars aus nördlich davon nieder und zeichnet dann mit den Worten: „Du bist mein glühender Gang.“ Damit sagt er eben von dieser Grube: „In ihr wird geglüht.“
atha purastāt | udīcīṃ śamyāṃ nidadhāti sa parilikhati vittāyanī me 'sītīmāmevaitadāhāsyāṃ hi vividāna eti
Dann legt er den Pflock von vorn her nördlich davon nieder und zeichnet dann mit den Worten: „Du bist mein gefundener Gang.“ Damit sagt er eben von dieser: „In ihr wird gefunden.“
athānuvedyantam | prācīṃ śamyāṃ nidadhāti sa parilikhatyavatānmā nāthitāditīmāmevaitadāha yatra nāthaitanmāvatāditi
Dann legt er den Pflock am weiteren Rand des Altars entlang östlich davon nieder und zeichnet dann mit den Worten: „Hilf mir, wenn ich in Not bin!“ Damit sagt er eben von dieser: „Wo Not ist, dort hilf mir!“
athottarataḥ | prācīṃ śamyāṃ nidadhāti sa parilikhatyavatānmā vyathitāditīmāmevaitadāha yatra vyathaitanmāvatāditi
Dann legt er von Norden her den Pflock östlich davon nieder und zeichnet dann mit den Worten: „Hilf mir, wenn ich in Bedrängnis bin!“ Damit sagt er eben von dieser: „Wo Bedrängnis ist, dort hilf mir!“
atha harati | yatra harati tadagnīdupasīdati sa vā agnīnāmeva nāmāni gṛhṇanharati yānvā amūndevā agre 'gnīnhotrāya prāvṛṇata te prādhanvaṃsta imā eva pṛthivīrupāsarpannimāmahaiva dve asyāḥ pare tenaivaitānnidānena harati
Dann trägt er Erde heraus. Wo er sie herausträgt, dort tritt der Agnīdh-Priester heran. Er trägt sie, indem er nur die Namen der Feuer nennt [Anm.: unsichere Deutung dieser Handlung]. Denn die Feuer, die die Götter einst zuerst für das Priesteramt erwählten, liefen davon; eben diesen Erden hier näherten sie sich — dieser hier und den beiden anderen jenseits von ihr. Eben aus diesem Grund trägt er sie so heraus.
sa praharati videdagnirnabho nāmāgne aṅgira āyunā nāmnehīti sa yatprādhanvaṃstadāyurdadhāti tatsamīrayati yo syām pṛthivyāmasīti yo 'syām pṛthivyāmasīti hṛtvā nidadhāti yatte 'nādhṛṣṭaṃ nāma yajñiyaṃ tena tvādadha iti yatte 'nādhṛṣṭaṃ rakṣobhirnāma yajñiyaṃ tena tvādadha ityevaitadāhānu tvā devavītaya iti caturthaṃ harati devebhyastvā juṣṭāṃ harāmītyevaitadāha tāṃ vai catuḥsrakteścātvālāddhrati catasro vai diśaḥ sarvābhya evaināmetaddigbhyo harati
Er wirft sie hin mit den Worten: „Vidat-Agni, mit Namen Nabhas [Anm.: unsicher]; Agni, Aṅgiras, komm mit dem Namen Āyu her!“ Dass sie damals davonliefen: damit legt er ihnen Āyu (Lebenskraft) bei, das bringt er in Bewegung. „Der du auf dieser Erde bist“ — mit diesen Worten hebt er sie auf und legt sie nieder: „Mit deinem unangreifbaren, opferwürdigen Namen lege ich dich nieder; mit deinem vor den Rakṣas unangreifbaren, opferwürdigen Namen lege ich dich nieder.“ Damit spricht er: „Dir zum Göttermahl!“ Zum vierten Mal trägt er sie mit den Worten: „Dich, den Göttern genehm, trage ich.“ Er trägt sie vom vierzackigen Cātvāla; vier sind ja die Himmelsrichtungen — aus allen diesen Richtungen trägt er sie.
Dann schichtet er sie rundum auf mit den Worten: „Du bist eine Löwin, eine Rivalen-Bezwingerin; werde für die Götter tauglich!“ Dass sie damals als Löwin umherwandelte: eben das spricht er damit aus, wenn er „du bist eine Löwin“ sagt. „Rivalen-Bezwingerin“: „Mit dir wollen wir unsere Rivalen schwächer machen“, das eben spricht er damit. „Werde für die Götter tauglich!“: Da die Uttaravedi ja eine Frau ist, macht er sie damit eben für die Götter tauglich.
tāṃ vai yugamātrīṃ vā sarvataḥ karoti | yajamānasya vā daśadaśa padāni daśākṣarā vai virāḍvāgvai virāḍvāgyajño madhye nābhikāmiva karoti samānatrāsīno vyāghārayāṇīti
Er macht sie ringsum ein Joch breit — oder je zehn Fußspannen des Opferherrn breit. Aus zehn Silben besteht ja die Virāj, und die Virāj ist die Rede; die Rede ist das Opfer. In der Mitte macht er sie gleichsam zu einem Nabel, mit dem Gedanken: „An derselben Stelle sitzend will ich (das Wasser) ausgießen.“
Er besprengt sie mit Wasser. Dass sie damals als Löwin umherwandelte, und dass das Wasser beruhigend ist: mit Wasser besänftigt er sie. Da die Uttaravedi ja eine Frau ist, spornt er sie damit eben für die Götter an. Deshalb besprengt er sie mit Wasser.
Er besprengt sie mit den Worten: „Du bist eine Löwin, eine Rivalen-Bezwingerin; reinige dich für die Götter!“ Dann bestreut er sie mit Sand. Der Sand ist gleichsam ein Schmuck, denn Sand glänzt gleichsam; dies ist ja die Asche Agni Vaiśvānaras. Weil man auf sie Agni setzen wird, schadet ihr Agni deshalb dann nicht mehr. Deshalb bestreut er sie mit Sand. Er bestreut sie weiter mit den Worten: „Du bist eine Löwin, eine Rivalen-Bezwingerin; schmücke dich für die Götter!“ Dann bedeckt er sie. So bedeckt bleibt sie diese Nacht.
Er legt das Brennholz (Idhma) auf. Sie bereiten die Upayamanī-Handgriffe vor. Er stellt das Ghee ans Feuer, reinigt den Sruva- und den Sruc-Löffel; dann, nachdem er das Ghee gereinigt hat, ergreift er es mit fünf Griffen, sobald das Brennholz entflammt ist.
Dann, während sie das Brennholz emporheben, heben sie es mit der Upayamanī-Formel empor. Dann spricht er: „Rezitiere für Agni, dem es dargebracht wird!“ — „Mit einer Sphya-Breite trage es nach!“ — „Ich trage es nach“, spricht der Pratiprasthātṛ-Priester, mit einer Sphya-Breite, von der Mitte jenes Pflocks aus, der sich im hinteren Teil der Vedi befindet. Dass hierbei durch den „inneren Setzpunkt“ etwas von der Vedi des Gārhapatya-Feuers abgetrennt wird — eben das verbindet er damit wieder.
taddhaike | ottaravederanūdāyanti tadu tathā na kuryādaivaitasmānmadhyamācaṅkoranūdeyātta āyantyāgacantyuttaravedim
Manche tragen dies bis zur Uttaravedi nach. Doch so solle man es nicht tun; man solle es vielmehr eben von der Mitte jenes Pflocks aus nachtragen. Sie kommen dann zur Uttaravedi.
prokṣaṇīradhvaryurādatte | sa purastādevāgre prokṣatyudaṅ tiṣṭhannindraghoṣastvā vasubhiḥ purastātpātvitīndraghoṣastvā vasubhiḥ purastādgopāyatvityevaitadāha
Der Adhvaryu nimmt das Besprengungswasser. Er besprengt zuerst von vorn, nach Norden gewandt stehend, mit den Worten: „Indraghoṣa soll dich mit den Vasus von vorn schützen!“ Damit sagt er eben: „Indraghoṣa soll dich mit den Vasus von vorn behüten.“
Dann besprengt er von hinten mit den Worten: „Pracetas soll dich mit den Rudras von hinten schützen!“ Damit sagt er eben: „Pracetas soll dich mit den Rudras von hinten behüten.“
Dann besprengt er von Süden mit den Worten: „Manojavas soll dich mit den Vätern von Süden schützen!“ Damit sagt er eben: „Manojavas soll dich mit den Vätern von Süden behüten.“
Dann besprengt er von Norden mit den Worten: „Viśvakarman soll dich mit den Ādityas von Norden schützen!“ Damit sagt er eben: „Viśvakarman soll dich mit den Ādityas von Norden behüten.“
Was dann an Besprengungswasser übrig bleibt: das trägt er hinab zur rechten der beiden vorderen Ecken, draußen außerhalb der Bahirvedi, mit den Worten: „Dieses erhitzte Wasser entlasse ich vom Opfer nach außen.“ Dass sie damals als Löwin umherwandelte: eben diesen ihren Grimm entlässt er damit vom Opfer nach außen. Will er niemanden verwünschen, geschieht dies so; will er aber jemanden verwünschen, solle er die Richtung angeben: „Dieses erhitzte Wasser entlasse ich gegen jenen.“ Damit trifft er ihn mit diesem Grimm, und jener geht, brennend, in jene andere Welt.
Dass er, während Agni schon getragen wird, die Uttaravedi begießt: Weil die Götter damals zu ihr gesagt hatten „Dir wird zuerst die Opferspende Agnis zuteilwerden“, deshalb erhält sie eben so zuerst die Opferspende Agnis. Und weil sie zu den Göttern gesagt hatte: „Welchen Segenswunsch auch immer ihr mit mir äußern werdet, der wird euch allen ganz in Erfüllung gehen“ — mit ihr sprechen hier die Priester für den Opferherrn einen Segenswunsch aus, und dieser geht für ihn ganz in Erfüllung.
Indem er hierbei eines tut, tut er zweierlei: nämlich dass er die Uttaravedi begießt, und dass dabei in deren Mitte gleichsam eine Nabel-Vertiefung entsteht — nämlich bei der rechten der beiden vorderen Ecken.
tasyāmāghārayati | siṃhyasi svāhetyathāparayoruttarasyāṃ siṃhyasyādityavaniḥ svāhetyathāparayordakṣiṇasyāṃ siṃhyasi brahmavaniḥ kṣatravaniḥ svāheti bahvī vai yajuḥṣvāśīstadbrahma ca kṣatraṃ cāśāsta ubhe vīrye
Auf diese gießt er mit den Worten: „Du bist eine Löwin, Svāhā!“ Dann auf die nördliche der beiden anderen: „Du bist eine Löwin, eine Sonnenglanz-Gewinnerin [Anm.: „ādityavani“ unsicher], Svāhā!“ Dann auf die südliche der beiden anderen: „Du bist eine Löwin, eine Brahman-Gewinnerin, eine Kṣatra-Gewinnerin, Svāhā!“ Reichlich ist ja der Segenswunsch in den Opfersprüchen; damit erbittet er beide Kraftarten, Brahman und Kṣatra.
Dann auf die nördliche der beiden vorderen: „Du bist eine Löwin, eine Gute-Nachkommenschaft-Gewinnerin, eine Wohlstands-Mehrung-Gewinnerin, Svāhā!“ Damit erbittet er Nachkommenschaft. Wenn er „gute Nachkommenschaft gewinnend“ und „Wohlstandsmehrung gewinnend“ sagt: Fülle ist ja der Wohlstandsmehrer; damit erbittet er Fülle.
Dann gießt er in die Mitte mit den Worten: „Du bist eine Löwin, bringe die Götter herbei, für den Opferherrn, Svāhā!“ Damit bringt er die Götter für den Opferherrn herbei. Dann hebt er den Sruc-Löffel empor mit den Worten: „Für die Wesen bist du.“ Nachkommenschaft sind ja die Wesen; „für die Nachkommenschaft bist du“ — das eben spricht er damit.
Dann legt er die Einfassungsscheite an mit den Worten: „Du bist fest, festige die Erde!“ — den mittleren; „Du bist von festem Wohnsitz, festige den Luftraum!“ — den südlichen; „Du bist von unerschütterlichem Wohnsitz, festige den Himmel!“ — den nördlichen. „Du bist der Bodensatz Agnis“ — mit diesen Worten streut er die Zutaten hinein. Dass es Zutaten gibt, geschieht zur völligen Vollständigkeit Agnis selbst.
Sein Körper ist ja das Pītudāru-Holz. Dass die Einfassungsscheite aus Pītudāru-Holz sind: damit stärkt er ihn eben durch den Körper, macht ihn vollständig.
Sein Geruch ist ja das Sugandhitejana [Anm.: eine wohlriechende Substanz]. Dass Sugandhitejana beigefügt wird: damit stärkt er ihn eben durch den Geruch, macht ihn vollständig.
Dass es für den Stier eine Haarquaste gibt: Zwischen den beiden Hörnern des Stiers verbrachte Agni einst eine Nacht, mit dem Gedanken: „Was von Agni hier zurückgeblieben ist, das soll auch hier sein“ — deshalb gibt es für den Stier eine Haarquaste. Deshalb solle man die nehmen, die dem Kopf am nächsten ist; sollte man diese nicht finden, so nehme man wenigstens irgendeine. Dass es dann noch weitere Einfassungsscheite gibt: geschieht eben zum Schutz, denn gleichsam von fern nähern sich ihm die weiter hinten liegenden Scheite.
puruṣo vai yajñaḥ | puruṣastena yajño yadenam puruṣastanuta eṣa vai tāyamāno yāvāneva puruṣastāvānvidhīyate tasmātpuruṣo yajñaḥ
Der Mensch (Puruṣa) ist ja das Opfer. Durch den Menschen ist das Opfer Opfer, weil ihn der Mensch ausbreitet; dieses Opfer wird nämlich, während es ausgebreitet wird, gerade in dem Maße angeordnet, wie der Mensch groß ist. Deshalb ist der Mensch das Opfer.
Das Havirdhāna (der Soma-Wagenschuppen) ist eben sein Haupt, der Gottheit nach Viṣṇu zugehörig. Und weil sich in ihm der Soma befindet — Soma ist ja die Opfergabe der Götter — deshalb heißt es „Havirdhāna“ (Opfergaben-Behälter).
Der Sadas (die Priesterhalle) ist eben sein Bauch. Deshalb isst man im Sadas; denn was man auch immer isst, das findet ja seinen Halt eben im Bauch. Und weil sich in ihm die Viśve Devas niedersetzten, deshalb heißt er „Sadas“ (Sitz). Eben in ihm sitzen auch diese Brahmanen aus allen Priestergeschlechtern.
Und diese beiden Feuer, die hinter den Hauptfeuern liegen, sind eben seine beiden Füße. Dieses Opfer wird, während es ausgebreitet wird, gerade in dem Maße angeordnet, wie der Mensch groß ist. Deshalb ist der Mensch das Opfer.
Das Havirdhāna hat auf beiden Seiten eine Tür, der Sadas hat auf beiden Seiten eine Tür. Deshalb tritt dieser Mensch, nachdem er sich innerlich gereinigt hat [Anm.: „āntaṃ saṃtṛṇaḥ“ unsicher], gesalbt, vor das Havirdhāna.
Nachdem sie beide zusammengedreht sind, legt man das Cadis-Verbindungsstück [Anm.: unsichere Wagenbauteil-Bezeichnung] darauf. Sollte man kein Cadis finden, bindet man ein cadis-großes Brett fest. Man umgibt es an der Stirnseite mit den beiden Seitenwänden [Anm.: „ucrāyī“ unsicher]; hinten legt man das Cadis nochmals darauf, oder ein cadis-großes Brett.
Dann tritt er wieder vor, nimmt das Ghee mit vier Griffen und opfert das Sāvitra-Opfer zum Antrieb, mit dem Gedanken: „Savitṛ ist ja der Antreiber der Götter; von Savitṛ angetrieben wollen wir das Opfer ausbreiten.“ Deshalb opfert er das Sāvitra.
sa juhoti | yuñjate mana uta yuñjate dhiya iti manasā ca vai vācā ca yajñaṃ tanvate sa yadāha yuñjate mana iti tanmano yunaktyuta yuñjate dhiya iti tadvācaṃ yunakti dhiyādhiyā hyetayā manuṣyā jujyūṣantyanūkteneva prakāmodyeneva gāthābhiriva tābhyāṃ yuktābhyāṃ yajñaṃ tanvate
Er opfert mit den Worten: „Sie schirren den Sinn an, und sie schirren die Einsicht an“ — denn mit dem Sinn und mit der Rede breitet man das Opfer aus. Wenn er sagt „sie schirren den Sinn an“, schirrt er damit den Sinn an; „und sie schirren die Einsicht an“, damit schirrt er die Rede an. Denn mit dieser Einsicht wollen die Menschen das Opfer hervorbringen, gleichsam durch Rezitiertes, gleichsam nach eigenem Wunsch [Anm.: „prakāmodyena“ unsicher], gleichsam durch Gesänge; mit diesen beiden, angeschirrt, breiten sie das Opfer aus.
viprā viprasya bṛhato vipaścita iti | ye vai brāhmaṇāḥ śuśruvāṃso 'nūcānāste viprāstānevaitadabhyāha bṛhato vipaścita iti yajño vai bṛhanvipaścidyajñamevaitadabhyāha vi hotrā dadhe vayunāvideka iditi vi hi hotrā dadhate yajñaṃ tanvānā mahī devasya savituḥ pariṣṭutiḥ svāheti tatsāvitram prasavāya juhoti
„Der Begeisterte des begeisterten, hohen, weisen Gottes“ — die Brahmanen, die die Veden gehört haben und rezitieren, sind ja die „Begeisterten“; eben diese meint er damit. „Des hohen, weisen“ — das Opfer ist ja hoch und weise; eben das Opfer meint er damit. „Sie ordneten die Opferhandlungen verschiedenartig an, sie, die die rechten Zeiten kennen“ — denn verschiedenartig ordnen sie ja, das Opfer ausbreitend, die Opferhandlungen an. „Groß ist das Lob des Gottes Savitṛ, Svāhā!“ Damit opfert er das Sāvitra zum Antrieb.
Dann nimmt er ein zweites Mal das Ghee mit vier Griffen und tritt hinaus. Durch die südliche Tür lassen sie die Gattin hinaustreten. Er legt am südlichen Radweg des südlichen Havirdhāna Gold nieder und opfert mit den Worten: „Dies hier durchschritt Viṣṇu; dreifach setzte er seinen Fuß, zusammengefügt in dessen Staub, Svāhā!“ Er bringt der Gattin den Opferrest in die Hand, er salbt ihr die Achsel-Stelle [Anm.: „sākṣasya saṃtāpam“ unsicher] mit den Worten: „Bei den Gott-Vernommenen, mögt ihr unter den Göttern erschallen!“ Er reicht dies dem Pratiprasthātṛ-Priester; sie führen den Sruc-Löffel, das Ghee-Rührgerät und die Gattin an beiden hinteren Feuern vorbei.
Nachdem der Pratiprasthātṛ-Priester das Ghee mit vier Griffen genommen hat, legt er am südlichen Radweg des nördlichen Havirdhāna Gold nieder und opfert mit den Worten: „Reich an Kraft, reich an Kühen wäret ihr, gute Weide gewährend, dem Menschen wohlgesinnt; ihr stütztet auseinander Himmel und Erde, o Viṣṇu-Paar; ihr hieltet die Erde ringsum fest mit Pflöcken, Svāhā!“ Er bringt der Gattin den Opferrest in die Hand, er salbt ihr die Achsel-Stelle mit den Worten: „Bei den Gott-Vernommenen, mögt ihr unter den Göttern erschallen!“ Dass er so opfert, hat folgenden Grund:
devā ha vai yajñaṃ tanvānāḥ | te 'surarakṣasebhya āsaṅgādbibhayāṃ cakrurvajro vā ājya ta etena vajreṇājyena dakṣiṇato nāṣṭrā rakṣāṃsyavāghnaṃstathaiṣāṃ niyānaṃ nānvavāyaṃstatho evaiṣa etena vajreṇājyena dakṣiṇato nāṣṭrā rakṣāṃsyavahanti tathāsya niyānaṃ nānvayanti tadyadvaiṣṇavībhyāmṛgbhyāṃ juhoti vaiṣṇavaṃ hi havirdhānam
Die Götter, während sie das Opfer ausbreiteten, fürchteten sich vor den Asuras und Rakṣas wegen möglicher Anhaftung. Das Ghee ist ja die Vajra-Waffe; mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Ghee, schlugen sie von Süden her mit dem Stachelstock die Rakṣas weg, sodass diese ihnen nicht auf der Spur folgen konnten. Ebenso schlägt auch er mit eben dieser Vajra-Waffe, dem Ghee, von Süden her mit dem Stachelstock die Rakṣas weg, sodass sie ihm nicht auf der Spur folgen. Dass er mit den beiden Viṣṇu-Versen opfert: das Havirdhāna ist ja Viṣṇu zugehörig.
Dass er der Gattin die Achsel-Stelle salbt: damit wird eben die Zeugung bewirkt. Denn wenn Frau und Mann in Erregung erhitzt sind, dann wird der Same ausgegossen, und daraus wird gezeugt. Er salbt nach außen gerichtet, denn nach außen wird ja der Same ausgegossen. Dann spricht er, während die beiden Havirdhāna-Wagen fortbewegt werden: „Rezitiere!“
Dann lässt er rezitieren: „Nach Osten vorwärts geht, das Opfer bereitend“ — das Opfer (Adhvara) ist ja das Opfer selbst; „nach Osten vorwärts geht, das Opfer bereitend“, das eben spricht er damit aus. „Führt das Opfer aufwärts, weicht nicht ab!“ — „Führt dieses Opfer aufwärts zur Götterwelt“, das eben spricht er damit aus, wenn er „weicht nicht ab“ sagt. Damit erbittet er ihm Fehlerlosigkeit. Sie sollen es gleichsam fest zusammenfassend voranbewegen, sodass sie es nicht loslassen — denn dämonisch wäre diese Rede an der Achse, damit hier nicht eine dämonische Rede erklinge, falls sie es doch losließen.
Falls dies geschieht, solle man Folgendes rezitieren lassen: „Zu eurem eigenen Kuhstall sprecht, ihr beiden göttlichen Torpfosten; nicht sollt ihr die Lebenskraft wegjammern, nicht die Nachkommenschaft wegjammern.“ Das ist dafür die Sühne.
Dazu sagt man: Man solle von der Uttaravedi nach Westen drei Schritte gehen; dort solle man die beiden Havirdhāna-Wagen aufstellen. Das sei das Maß für ihre Entfernung. Es gibt hierfür aber kein festes Maß; wo immer man selbst es im Sinn für richtig hält — weder unmittelbar dort noch fern davon — dort solle man sie aufstellen.
te abhimantrayate | atra ramethāṃ varṣmanpṛthivyā iti varṣma hyetatpṛthivyai bhavati divi hyasyāhavanīyo bhavati nabhyasthe karoti taddhi kṣemasya rūpam
Er bespricht sie mit den Worten: „Hier möget ihr ruhen, an der Erhebung der Erde!“ Denn dies ist ja die Erhebung der Erde, denn im Himmel befindet sich ja sein Āhavanīya-Feuer. In der Nabel-Mitte platziert er es; denn das ist die Gestalt der Sicherheit.
Dann umschreitet der Adhvaryu von Norden her und stützt das südliche Havirdhāna mit den Worten: „Nun will ich die heldenhaften Taten Viṣṇus verkünden, der die irdischen Räume ausgemessen hat, der den oberen Wohnsitz stützte, weit ausschreitend, dreifach, der Weitschreitende — für Viṣṇu bist du!“ Damit schlägt er den Stützpfahl auf der anderen Seite ein, dort, wo der Wagen von Menschenhand bewegt wird.
Dann stützt der Pratiprasthātṛ-Priester das nördliche Havirdhāna mit den Worten: „Sei es vom Himmel, o Viṣṇu, sei es von der Erde, sei es vom großen, weiten Luftraum her, o Viṣṇu — fülle uns mit Gut aus beiden Händen, reiche es dar, von rechts und von links — für Viṣṇu bist du!“ Damit schlägt er den Stützpfahl auf der anderen Seite ein, dort, wo er von Menschenhand bewegt wird. Dass sie mit den Viṣṇu-Opfersprüchen bedienen: das Havirdhāna ist ja Viṣṇu zugehörig.
Dann berührt er das mittlere Cadis-Stück und lässt rezitieren: „Dies preist man an Viṣṇu ob seiner Heldentat, furchtbar wie ein wildes Tier, umherstreifend, auf den Bergen wohnend; in dessen drei weiten Schritten alle Wesen wohnen.“ Dies hier ist eben sein Schädeldach, dieses, das oben liegt; denn darüber wohnen ja gleichsam die anderen Schädeldächer. Deshalb spricht er „sie wohnen darüber“.
Dann berührt er die Stirnseite und lässt rezitieren: „Viṣṇus Stirn bist du.“ Das ist eben seine Stirn. Dann berührt er die Seitenwände und lässt rezitieren: „Ihr seid Viṣṇus Kiefergelenke [Anm.: „śnaptra“ unsicher].“ Das sind eben seine beiden Kieferwinkel. Und was hier hinten das Cadis-Stück ist: das ist eben sein hinteres Schädeldach.
atha laspūjanyā spandyayā prasīvyati | viṣṇoḥ syūrasītyatha granthiṃ karoti viṣṇordhruvo 'sīti nedvyaṃvapadyātā iti tam prakṛte karmanviṣyati tatho hādhvaryuṃ vā yajamānaṃ vā grāho na vindati tanniṣṭhitamabhimṛśati vaiṣṇavamasīti vaiṣṇavaṃ hi havirdhānam
Dann näht er ihn mit dem Laspūjanī-Bindfaden [Anm.: unsichere Bezeichnung] zusammen mit den Worten: „Du bist Viṣṇus Naht.“ Dann macht er einen Knoten mit den Worten: „Du bist Viṣṇus fester Halt, damit es nicht auseinanderfalle.“ Er knüpft diesen Knoten, während die Bauarbeit noch andauert [Anm.: unsichere Konstruktion]; so ergreift kein Verhängnis weder den Adhvaryu noch den Opferherrn. Er berührt es, nachdem es fertiggestellt ist, mit den Worten: „Du bist Viṣṇu zugehörig“ — denn das Havirdhāna ist ja Viṣṇu zugehörig.
dvayaṃ vā abhyuparavāḥ khāyante | śiro vai yajñasya havirdhānaṃ tadya ime śīrṣaścatvāraḥ kūpā imāvaha dvāvimau dvau tānevaitatkaroti tasmāduparavān khanati
Zweierlei Uparava-Gruben werden gegraben. Das Havirdhāna ist ja das Haupt des Opfers; und diese vier Kopf-Öffnungen [Anm.: „śīrṣaścatvāraḥ kūpāḥ“ – unsichere Deutung, evtl. Bezug auf Ohren/Nasenlöcher] — diese beiden hier und jene beiden dort — eben diese schafft er damit. Deshalb gräbt er die Uparava-Gruben.
Die Götter und die Asuras, beide Prajāpati-Sprösslinge, wetteiferten miteinander. Da vergruben die Asuras in diesen Welten Zauberformeln und Verwünschungen, mit dem Gedanken: „So wollen wir doch die Götter überwältigen.“
tadvai devā aspṛṇvata | ta etaiḥ kṛtyā valagānudakhananyadā vai kṛtyāmutkhanantyatha sālasā moghā bhavati tatho evaiṣa etadyadyasmā atra kaściddviṣanbhrātṛvyaḥ kṛtyāṃ valagānnikhanati tānevaitadutkirati tasmāduparavān khanati sa dakṣiṇasya havirdhānasyādho 'dhaḥ praugaṃ khanati
Da wurden die Götter begierig. Sie gruben diese Zauberformeln und Verwünschungen wieder aus. Wenn man eine Zauberformel ausgräbt, wird sie kraftlos und wirkungslos. Ebenso gräbt auch er dies aus, wenn irgendein feindseliger Rivale ihm hier Zauberformeln und Verwünschungen vergraben hat. Deshalb gräbt er die Uparava-Gruben. Er gräbt sie unterhalb des südlichen Havirdhāna, vorn in Richtung der Deichsel.
Er nimmt die Grabschaufel mit den Worten: „Auf Antrieb des Gottes Savitṛ nehme ich dich, mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan; du bist weiblich.“ Verwandt ist dieser Formel [Anm.: unsichere Deutung]; denn diese Grabschaufel ist ja weiblich, deshalb spricht er „du bist weiblich“.
Er umzeichnet sie im Abstand von einer Spanne mit den Worten: „Hiermit schneide ich die Nacken der Rakṣas ab.“ Die Grabschaufel ist ja die Vajra-Waffe; mit eben dieser Vajra-Waffe schneidet er mit dem Stachelstock die Nacken der Rakṣas ab.
Von diesen beiden vorderen solle man zuerst die südliche umzeichnen, dann die nördliche der beiden hinteren, dann die südliche der beiden hinteren, dann die nördliche der beiden vorderen.
atho itarathāhuḥ | aparayorevāgra uttaram parilikhedatha pūrvayordakṣiṇamathāparayordakṣiṇamatha pūrvayoruttaramityatho api samīca eva parilikhedetaṃ tvevottamam parilikhedya eṣa pūrvayoruttaro bhavati
Andere aber sagen: Man solle zuerst die nördliche der beiden hinteren umzeichnen, dann die südliche der beiden vorderen, dann die südliche der beiden hinteren, dann die nördliche der beiden vorderen. Oder man könne sie auch einfach der Reihe nach umzeichnen; nur solle man diese eine zuletzt umzeichnen, die die nördliche der beiden vorderen ist.
In der gleichen Reihenfolge, in der sie umzeichnet wurden, gräbt er sie auch aus, mit den Worten: „Du bist groß, von großem Fluss.“ Damit lobpreist er sie eben, macht sie eben groß. Wenn er sagt „du bist groß, von großem Fluss“: „Sprich eine erhabene Rede für Indra“ — Indra ist ja die Gottheit des Opfers; das Havirdhāna ist Viṣṇu zugehörig, damit macht er es Indra-zugehörig. Deshalb spricht er „sprich eine erhabene Rede für Indra“.
„Rakṣas-tötend, Verwünschungs-tötend“ — denn diese Gruben werden ja zur Tötung der Rakṣas und Verwünschungen gegraben. „Viṣṇu-zugehörig“ — denn Viṣṇu-zugehörig ist ja die Rede im Havirdhāna.
In der gleichen Reihenfolge, wie sie ausgegraben wurden, schaufelt er sie auch wieder zu, mit den Worten: „Hiermit grabe ich jene Verwünschung aus, die mir ein Fremder oder ein Amtsgenosse vergraben hat.“ Sei es ein Fremder oder ein Amtsgenosse, der einem Zauberformeln und Verwünschungen vergräbt — eben diese gräbt er damit aus.
„Hiermit grabe ich jene Verwünschung aus, die mir ein Gleichgestellter oder ein Nicht-Gleichgestellter vergraben hat.“ Sei es ein Gleichgestellter oder ein Nicht-Gleichgestellter, der Zauberformeln und Verwünschungen vergräbt — eben diese gräbt er damit aus.
„Hiermit grabe ich jene Verwünschung aus, die mir ein Verwandter oder ein Nicht-Verwandter vergraben hat.“ Sei es ein Verwandter oder ein Nicht-Verwandter, der Zauberformeln und Verwünschungen vergräbt — eben diese gräbt er damit aus.
„Hiermit grabe ich jene Verwünschung aus, die mir ein Stammesgenosse oder ein Nicht-Stammesgenosse vergraben hat.“ Sei es ein Stammesgenosse oder ein Nicht-Stammesgenosse, der Zauberformeln und Verwünschungen vergräbt — eben diese gräbt er damit aus. „Ich grabe die Zauberformel aus“ — zuletzt schüttet er die Erde aus; damit gräbt er die Zauberformel aus.
Man solle sie armlang graben. Dies ist ja eine Grenze; mit eben dieser Grenze verwirrt er die Zauberformel. Man verbindet sie schräg miteinander; sollte man es nicht schräg verbinden können, auch einfach der Reihe nach. Deshalb sind diese Öffnungen [Anm.: „prāṇāḥ“, hier übertragen auf die Kopf-Öffnungen] weiter voneinander verbunden.
In der gleichen Reihenfolge, wie sie ausgegraben wurden, berührt er sie auch segnend mit den Worten: „Du bist Svarāj (Selbstherrscher), ein Rivalen-Töter; du bist Satrarāj, ein Missgunst-Töter; du bist Janarāj, ein Rakṣas-Töter; du bist Sarvarāj, ein Feind-Töter.“ Das ist ein Segenswunsch für diese Handlung; eben diesen Segenswunsch erbittet er damit.
Dann berühren einander der Adhvaryu und der Opferherr. Bei der südlichen der beiden vorderen Gruben steht der Adhvaryu, bei der nördlichen der beiden hinteren der Opferherr. Der Adhvaryu fragt: „Opferherr, wie steht es hier?“ — „Gut“, antwortet dieser. „Das sei uns gemeinsam“, spricht der Adhvaryu leise.
Dann steht der Adhvaryu bei der südlichen der beiden hinteren Gruben, bei der nördlichen der beiden vorderen der Opferherr. Er fragt: „Adhvaryu, wie steht es hier?“ — „Gut“, antwortet dieser. „Das sei mir“, spricht der Opferherr. Dass sie einander so berühren, macht sie eben zu Verbündeten der Sinnes-Öffnungen; deshalb sind diese Öffnungen weiter miteinander verbunden. Und dass er, gefragt, „gut“ antwortet: damit spricht er eben Wohlklingendes für die menschliche Rede. Deshalb antwortet er, gefragt, „gut“. Dann besprengt er sie; denn einzig ist der Sinn der Besprengung — damit macht er sie eben rein und opfertauglich.
sa prokṣati | rakṣohaṇo vo valagahana iti rakṣohaṇo hyete valagahano hyete prokṣāmi vaiṣṇavāniti vaiṣṇavā hyete
Er besprengt mit den Worten: „Rakṣas-tötend seid ihr, Verwünschungs-tötend“ — denn Rakṣas-tötend sind ja diese, Verwünschungs-tötend sind sie. „Ich besprenge die Viṣṇu-zugehörigen“ — denn Viṣṇu-zugehörig sind sie ja.
Was dann an Besprengungswasser übrig bleibt, gießt er in die Gruben. Damit legt er eben das Wasser hinein, das auch in den Öffnungen des Menschen ist; deshalb ist in diesen Öffnungen dieses Wasser.
so 'vanayati | rakṣohaṇo vo valagahano 'vanayāmi vaiṣṇavānityatha barhīṃṣi prācīnāgrāṇi codīcīnāgrāṇi cāvastṛṇāti tadyānīmāni prāṇeṣu lomāni tānyevaitaddadhāti tasmādeṣu prāṇeṣvimāni lomāni
Er gießt es mit den Worten: „Rakṣas-tötend, Verwünschungs-tötend gieße ich euch, Viṣṇu-zugehörige.“ Dann breitet er Opferstreu darüber, mit den Spitzen nach Osten und nach Norden gerichtet. Damit legt er eben die Haare hinein, die auch in den Öffnungen des Menschen sind; deshalb sind in diesen Öffnungen diese Haare.
so 'vastṛṇāti | rakṣohaṇo vo valagahano 'vastṛṇāmi vaiṣṇavānityatha barhīṃṣi tanūnīvopariṣṭātpracādayati keśā haivāsyaite
Er breitet mit den Worten: „Rakṣas-tötend, Verwünschungs-tötend breite ich für euch aus, Viṣṇu-zugehörige.“ Dann streut er darüber Opferstreu, wie Körperhaare [Anm.: „tanūnīva“ unsicher]. Das sind eben ihre Kopfhaare.
Dann legt er die beiden Adhiṣavaṇa-Presshölzer darauf mit den Worten: „Rakṣas-tötend, Verwünschungs-tötend lege ich euch beide darauf, Viṣṇu-zugehörige.“ Das sind eben ihre beiden Kiefer. Dann drückt er sie ringsum fest mit den Worten: „Rakṣas-tötend, Verwünschungs-tötend drücke ich euch beide ringsum fest, Viṣṇu-zugehörige.“ Damit macht er sie fest, nicht locker.
Dann ist das dritte Adhiṣavaṇa-Brett rundum beschnitten, ganz gerötet. Das ist eben seine Zunge; dass es ganz gerötet ist: denn diese Zunge ist ja gleichsam gerötet. Damit legt er es nieder mit den Worten: „Du bist Viṣṇu-zugehörig“ — denn dies ist ja Viṣṇu-zugehörig.
Dann bringt er die Presssteine heran. Seine Zähne sind eben die Presssteine; dass man mit den Presssteinen presst, ist so, wie wenn man mit den Zähnen kauen würde. Damit legt er sie nieder mit den Worten: „Ihr seid Viṣṇu-zugehörig“ — denn Viṣṇu-zugehörig sind sie ja. Damit ist nun das Haupt des Opfers vollständig zubereitet.