Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Neuntes Kāṇḍa

Adhyāya 1 Das Śatarudriya-Opfer: die hundertköpfige Rudra-Gestalt aus Prajāpatis Zorn, ihre Besänftigung durch Speise, Wasserbesprengung und Frosch-Fortziehung, und die abschließende Sāman-Besingung der unsterblichen Ziegel

athātaḥ śatarudriyaṃ juhoti | atraiṣa sarvo 'gniḥ saṃskṛtaḥ sa eṣo 'tra rudro devatā tasmindevā etadamṛtaṃ rūpamuttamamadadhuḥ sa eṣo 'tra dīpyamāno 'tiṣṭhadannamicamānastasmāddevā abibhayuryadvai no 'yaṃ na hiṃsyāditi

Nun opfert er hierauf das Śatarudriya, das Hundert-Rudra-Opfer – hier ist ja dieser ganze Agni zubereitet; dieser ist hier die Gottheit Rudra; in ihn legten die Götter diese unsterbliche, höchste Gestalt hinein; dieser stand hier leuchtend, nach Speise verlangend; deshalb fürchteten sich die Götter: „Dass dieser uns doch nicht verletze!“

te 'bruvan | annamasmai sambharāma tenainaṃ śamayāmeti tasmā etadannaṃ samabharañcāntadevatyaṃ tenainamaśamayaṃstadyadetam devametenāśamayaṃstasmācāntadevatyaṃ śāntadevatyaṃ ha vai tacatarudriyamityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devāstathaivāsminnayametadamṛtaṃ rūpamuttamaṃ dadhāti sa eṣo 'tra dīpyamānastiṣṭhatyannamicamānastasmā etadannaṃ sambharati śāntadevatyaṃ tenainaṃ śamayati

Sie sprachen: „Lasst uns ihm Speise zusammentragen, damit besänftigen wir ihn!“ Da trugen sie ihm diese Speise zusammen, die Śāntadevatya, die die Gottheit Besänftigende; damit besänftigten sie ihn. Dass sie diesen Gott damit besänftigten, deshalb heißt sie Śāntadevatya; man nennt sie zwar verhüllt Śatarudriya, denn die Götter lieben das Verhüllte. Ebenso legt hier dieser in diesen diese unsterbliche, höchste Gestalt hinein; dieser steht hier leuchtend, nach Speise verlangend; deshalb trägt er ihm diese Speise zusammen, die die Gottheit Besänftigende; damit besänftigt er ihn.

jartilairjuhoti | jāyata eṣa etadyaccīyate sa eṣa sarvasmā annāya jāyata ubhayamvetadannaṃ yajjartilā yacca grāmyaṃ yaccāraṇyaṃ yadaha tilāstena grāmyaṃ yadakṛṣṭe pacyante tenāraṇyamubhayenaivainametadannena prīṇāti grāmyeṇa cāraṇyena ca

Er opfert mit wilden Sesamkörnern – dieser wird ja geboren, indem er da geschichtet wird; dieser wird für alle Speise geboren. Diese Speise ist ja beiderlei: was Jartila, Wildsesam, ist, ist sowohl dörflich als auch wild; denn was Sesamkörner sind, dadurch ist sie dörflich, was auf unbestelltem Land reift, dadurch ist sie wild; mit beidem zusammen befriedigt er ihn mit dieser Speise, der dörflichen und der wilden.

arkaparṇena juhoti | annamarko 'nnenaivainametatprīṇāti

Er opfert mit einem Arka-Blatt – der Arka ist Speise; eben mit Speise befriedigt er ihn damit.

pariśritsu juhoti | agnaya ete yatpariśritastatho hāsyaitā agnimatyevāhutayo hutā bhavanti

Er opfert in die Pariśrit-Umgüsse [Anm.: pariśrit bezeichnet hier wohl mit Flüssigkeit umgossene Ziegel oder Gefäße im Ritual; genaue Bedeutung unsicher] – diese Pariśrits sind ja Feuer; somit sind diese seine Opfergüsse eben feuerhaltige Opfergüsse, die dargebracht werden.

yadvevaitacatarudriyaṃ juhoti | prajāpatervisrastāddevatā udakrāmaṃstameka eva devo nājahānmanyureva so 'tinnantarvitato 'tiṣṭhatso 'rodīttasya yānyaśrūṇi prāskandaṃstānyasminmanyau pratyatiṣṭhantsa eva śataśīrṣā rudraḥ samabhavatsahasrākṣaḥ śateṣudhiratha yā anyā vipruṣo 'pataṃstā asaṃkhyātā sahasrāṇīmāṃlokānanuprāviśaṃstadyadruditātsamadrudrāḥ so 'yaṃ śataśīrṣā rudraḥ sahasrākṣaḥ śateṣudhiradhijyadhanvā pratihitāyī bhīṣayamāṇo 'tiṣṭhadannamicamānastasmāddevā abibhayuḥ

Dass er nun dieses Śatarudriya opfert: als aus dem hinschwindenden Prajāpati die Gottheiten fortgingen, verließ ihn ein einziger Gott nicht – eben der Zorn. Dieser stand da, übermäßig ausgespannt, und weinte; die Tränen, die ihm da entfielen, traten in eben diesen Zorn ein; so wurde er eben zum hundertköpfigen Rudra, dem tausendäugigen, mit hundert Köchern; die anderen Tropfen aber, die abfielen, diese unzählbaren Tausende, drangen in diese Welten ein. Dass sie da weinten (arudat), davon heißen sie zusammengesetzt Rudras [Anm.: volksetymologische Deutung von rudra aus rud-, weinen]. So ist dieser hundertköpfige Rudra, der tausendäugige, mit hundert Köchern, mit gespanntem Bogen, mit angelegtem Pfeil, drohend dastehend, nach Speise verlangend; deshalb fürchteten sich die Götter.

te prjāpatimabruvan | asmādvai bibhīmo yadvai no 'yaṃ na hiṃsyāditi so 'bravīdannamasmai sambharata tenainaṃ śamayateti tasmā etadannaṃ samabharañcatarudriyaṃ tenainamaśamayaṃstadyadetaṃ śataśīrṣāṇāṃ rudrametenāśamayaṃstasmācatadyadetaṃ śataśīrṣāṇāṃ rudrametenāśamayaṃstasmācataśīrṣarudraśamanīyaṃ śataśīrṣarudraśamanīyaṃ ha vai tacatarudriyamityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devāstathaivāsmā ayametadannaṃ sambharati śatarudriyaṃ tenainaṃ śamayati

Sie sprachen zu Prajāpati: „Vor diesem fürchten wir uns, dass er uns doch nicht verletze!“ Er sprach: „Tragt ihm Speise zusammen, damit besänftigt ihn!“ Da trugen sie ihm diese Speise zusammen, das Śatarudriya, das den Hundertköpfigen-Rudra-Besänftigende; damit besänftigten sie ihn. Dass sie damit diesen hundertköpfigen Rudra besänftigten, deshalb heißt es Śataśīrṣarudraśamanīya, das den hundertköpfigen Rudra Besänftigende; man nennt es zwar verhüllt Śatarudriya, denn die Götter lieben das Verhüllte. Ebenso trägt ihm hier dieser diese Speise zusammen, das Śatarudriya; damit besänftigt er ihn.

gavedhukāsaktubhirjuhoti | yatra vai sā devatā visrastāśayattato gavedhukāḥ samabhavantsvenaivainametadbhāgena svena rasena prīṇāti

Er opfert mit Gavedhukā-Mehl – wo diese Gottheit hinschwindend lag, daraus entstanden die Gavedhukā-Gräser; eben mit dessen eigenem Anteil, mit dessen eigenem Saft befriedigt er ihn.

arkaparṇena juhoti | etasya vai devasyāśayādarkaḥ samabhavatsvenaivainametadbhāgena svena rasena prīṇāti

Er opfert mit einem Arka-Blatt – aus dem Lager dieses Gottes entstand ja der Arka; eben mit dessen eigenem Anteil, mit dessen eigenem Saft befriedigt er ihn.

pariśritsu juhoti | lomāni vai pariśrito na vai lomasu viṣaṃ na kiṃ cana hinastyuttarārdhe 'gnerudaṅ tiṣṭhanjuhotyetasyāṃ ha diśyetasya devasya gṛhāḥ svāyāmevainametaddiśi prīṇāti svāyāṃ diśyavayajate

Er opfert in die Pariśrits – die Pariśrits sind ja die Haare; in den Haaren ist kein Gift, es verletzt nichts. In der nördlichen Hälfte des Feuers stehend, nach Norden gewandt, opfert er; in dieser Richtung sind ja die Häuser dieses Gottes; eben in seiner eigenen Richtung befriedigt er ihn damit; in seiner eigenen Richtung opfert er ihm ab.

sa vai jānudaghne prathamaṃ svāhākaroti | adha-iva vai tadyajjānudaghnamadha iva tadyadayaṃ lokastadya imaṃ lokaṃ rudrāḥ prāviśaṃstāṃstatprīṇāti

Er spricht zuerst Svāhā kniehoch – kniehoch ist ja gleichsam unten; diese Welt ist ja gleichsam unten; damit befriedigt er diejenigen Rudras, die in diese Welt eingedrungen sind.

atha nābhidaghne | madhyamiva vai tadyannābhidaghnam madhyamivāntarikṣalokastadye 'ntarikṣalokaṃ rudrāḥ prāviśaṃstāṃstatprīṇāti

Dann nabelhoch – nabelhoch ist ja gleichsam die Mitte; die Luftwelt ist gleichsam die Mitte; damit befriedigt er diejenigen Rudras, die in die Luftwelt eingedrungen sind.

atha mukhadaghna | uparīva vai tadyanmukhadaghnamuparīva tadyadasau lokastadye 'muṃ lokaṃ rudrāḥ prāviśaṃstāṃstatprīṇāti svāhākāreṇānnaṃ vai svāhākāro 'nnenaivainānetatprīṇāti

Dann mundhoch – mundhoch ist ja gleichsam oben; jene Welt ist gleichsam oben; damit befriedigt er diejenigen Rudras, die in jene Welt eingedrungen sind. Mit dem Svāhā-Ruf – Svāhā ist ja Speise; eben mit Speise befriedigt er sie damit.

namaste rudra manyava iti | ya evāsmintso 'ntarmanyurvitato 'tiṣṭhattasmā etannamaskarotyuto ta iṣave namo bāhubhyāmuta te nama itīṣvā ca hi bāhubhyāṃ ca bhīṣayamāṇo 'tiṣṭhat

„Verehrung sei dir, Rudra, dem Zorn!“ – der Zorn, der in ihm innerlich ausgespannt dastand, ihm erweist er damit diese Verehrung. Und „Verehrung sei deinem Pfeil, und Verehrung deinen Armen!“ – denn er stand ja mit Pfeil und mit Armen drohend da.

sa eṣa kṣatraṃ devaḥ | yaḥ sa śataśīrṣā samabhavadviśa ima itare ye vipruṅbhyaḥ samabhavaṃstasmā etasmai kṣatrāyaitā viśa etam purastāduddhāramudaharanya eṣa prathamo 'nuvākastenainamaprīṇaṃstathaivāsmā ayametam purastāduddhāramuddharati tenainam prīṇāti tasmādeṣa ekadevatyo bhavati raudra etaṃ hyetena prīṇāti

Dieser ist ja der Adelsgott – der, der jener Hundertköpfige wurde, die anderen hier, die aus den Tropfen entstanden, sind die Untertanen. Für diesen Adelsgott tragen ihm nun diese Untertanen diesen vorderen Abschnitt vor, nämlich diese erste Anuvāka-Sektion; damit befriedigten sie ihn. Ebenso trägt ihm hier dieser diesen vorderen Abschnitt vor; damit befriedigt er ihn. Deshalb ist dieser Abschnitt einer einzigen Gottheit geweiht, dem Raudra; denn eben damit befriedigt er ihn.

caturdaśaitāni yajūṃṣi bhavanti | trayodaśa māsāḥ saṃvatsaraḥ prajāpatiścaturdaśaḥ prajāpatiragniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainametadannena prīṇāti namo nama iti yajño vai namo yajñenaivainametannamaskāreṇa namasyati tasmādu ha nāyajñiyam brūyānnamasta iti yathā hainam brūyādyajñasta iti tādṛktat

Vierzehn sind diese Yajus-Sprüche – dreizehn Monate macht das Jahr, als vierzehnter Prajāpati; Prajāpati ist Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit befriedigt er ihn mit dieser Speise. Verehrung, Verehrung – Verehrung ist ja das Opfer; eben mit dem Opfer als Verehrungsgruß erweist er ihm damit Verehrung. Deshalb soll man nicht zu einem Nicht-Opferkundigen sagen: Verehrung sei dir; denn das wäre ihm ebenso gesagt, als sagte man: Das Opfer sei dir – so ist es gleichbedeutend.

atha dvandvibhyo juhoti | namo 'muṣmai cāmuṣmai ceti tadyathā vai brūyādasau tvaṃ ca na eṣa ca mā hiṃsiṣṭamityevametadāha natarāṃ hi vidita āmantrito hinasti

Dann opfert er den Paaren – Verehrung sei jenem und jenem – das ist, als würde man sagen: Jener du und dieser, verletzt uns nicht; so eben sagt er das damit; denn ein Angesprochener, der erkannt ist, verletzt umso weniger.

namo hiraṇyabāhave | senānye diśāṃ ca pataye nama ityeṣa eva hiraṇyabāhuḥ senānīreṣa diśām patistadyatkiṃ cātraikadevatyametameva tena prīṇāti kṣatrameva tadviśyapibhāgaṃ karoti tasmādyadviśastasminkṣatriyo 'pibhāgo 'tha yā asaṃkhyātā sahasrāṇīmāṃlokānanuprāviśannetāstā devatā yābhya etajjuhoti

Verehrung dem Goldarmigen, dem Heerführer, und Verehrung dem Herrn der Richtungen – eben dieser ist der Goldarmige, der Heerführer, dieser der Herr der Richtungen; was da auch immer einer einzigen Gottheit geweiht ist, eben damit befriedigt er ihn. Damit macht er den Adel zum Mitanteilhaber der Untertanen; deshalb hat unter den Untertanen der Kṣatriya einen Mitanteil. Die unzählbaren Tausende aber, die in diese Welten eingedrungen sind – das sind die Gottheiten, denen er dies opfert.

atha jātebhyo juhoti | etāni ha jātānyete rudrā anupraviviśuryatra yatraite tadevainānetatprīṇātyatho evaṃ haitāni rudrāṇāṃ jātāni devānāṃ vai vidhāmanu manuṣyāstasmādu hemāni manuṣyāṇāṃ jātāni yathājātamevainānetatprīṇāti

Dann opfert er den Geschlechtern – diese Rudras sind ja in diese Geschlechter eingedrungen, wo auch immer sie sind; eben damit befriedigt er sie. Und so sind dies eben die Geschlechter der Rudras; die Menschen folgen ja der Ordnung der Götter; deshalb sind dies auch die Geschlechter der Menschen; eben nach dem jeweiligen Geschlecht befriedigt er sie damit.

teṣāṃ vā ubhayatonamaskārā anye | 'nyataratonamaskārā anye te ha te ghoratarā aśāntatarā ya ubhayatonamaskārā ubhayata evainānetadyajñena namaskāreṇa śamayati

Von diesen Formeln sind manche mit beiderseitiger Verehrungsbezeichnung, andere mit einseitiger [Anm.: Bezug vermutlich auf Formeln mit zweifachem gegenüber einfachem namaḥ; genaue Struktur der zugrundeliegenden Mantras hier nicht im Einzelnen nachvollzogen]; jene sind die schrecklicheren, die weniger besänftigten, die die beiderseitige Verehrung erhalten; von beiden Seiten besänftigt er sie eben damit durch das Opfer, die Verehrung.

sa vā aśītyāṃ ca svāhākaroti | prathame cānuvāke 'thāśītyāmathāśītyāṃ ca yāni cordhvāni yajūṃṣyāvatānebhyo 'nnamaśītayo 'nnenaivainānetatprīṇāti

Er spricht Svāhā bei der Achtzig und bei dem ersten Anuvāka, ferner bei der Achtzig, und bei den Yajus-Sprüchen, die oberhalb dieser Achtzig stehen [Anm.: Satzstruktur im Quelltext verkürzt/unklar, sinngemäß rekonstruiert]; für die entspannten Bogen bringt er Speise dar; die Achtziger-Formeln sind Speise; eben mit Speise befriedigt er sie damit.

athaitāni yajūṃṣi japati | namo vaḥ kirikebhya ityetaddhāsya pratijñātatamaṃ dhāma yathā priyo vā putro hṛdayaṃ vā tasmādyatraitasmāddevācaṅketa tadetābhirvyāhṛtibhirjuhuyādupa haivaitasya devasya priyaṃ dhāma gacati tatho hainameṣa devo na hinasti

Dann murmelt er diese Yajus-Sprüche: Verehrung euch, den Kirikas [Anm.: kirika unklarer Begriff, evtl. eine Klasse von Rudra-Begleitwesen] – dies ist ja seine allervertrauteste Stätte, wie ein lieber Sohn oder das Herz; deshalb, wo immer man von diesem Gott Gefahr erwartet, da soll man mit diesen Vyāhṛti-Rufen opfern; dann geht man eben zur lieben Stätte dieses Gottes hin; so verletzt einen dieser Gott nicht.

namo vaḥ kirikebhya iti | ete hīdaṃ sarvaṃ kurvanti devānāṃ hṛdayebhya ityagnirvāyurāditya etāni ha tāni devānāṃ hṛdayāni namo vicinvatkebhya ityete hīdaṃ sarvaṃ vicinvanti namo vikṣiṇatkebhya ityete vai taṃ vikṣiṇanti yaṃ vicikṣīṣanti nama ānirhatebhya ityete hyebhyo lokebhyo 'nirhatāḥ

Verehrung euch, den Kirikas – diese bewirken ja dies alles. Den Herzen der Götter – Agni, Vāyu, Āditya, das sind eben diese Herzen der Götter. Verehrung den Ausscheidenden – diese scheiden ja dies alles aus. Verehrung den Zerstörenden – diese zerstören ja den, den sie zerstören wollen. Verehrung den Unvertriebenen – diese sind ja aus diesen Welten nicht vertrieben.

athottārāṇi japati | drāpe andhasaspata ityeṣa vai drāpireṣa vai taṃ drā payati yaṃ didrāpayiṣatyandhasaspata iti somasya pata ityetaddaridra nīlalohiteti nāmāni cāsyaitāni rūpāṇi ca nāmagrāhamevainametatprīṇātyāsām prajānāmeṣām paśūnām mā bhermā roṅno ca naḥ kiṃ canāmamaditi yathaiva yajustathā bandhuḥ

Dann murmelt er die weiteren Sprüche: O Drāpi, Herr des Andhas [Anm.: drāpi, daridra, nīlalohita sind Rudra-Beinamen aus dem Śatarudriya-Hymnus; die im Text angedeutete Etymologie ist volksetymologisch, nicht philologisch gesichert] – dieser ist ja der Drāpi, dieser lässt ja den fliehen, den er fliehen lassen will. Herr des Andhas – das heißt Herr des Soma. O Daridra, Blauroter – dies sind seine Namen und dies seine Gestalten; eben namentlich benennend befriedigt er ihn damit. Diesen Geschöpfen, diesem Vieh fürchte dich nicht, und uns schade nicht, und nichts von uns werde krank – wie eben der Yajus-Spruch lautet, so ist auch seine Bedeutung.

sa eṣa kṣatraṃ devaḥ | tasmā etasmai kṣatrāyaitā viśo 'mum purastāduddhāramudaharanyo 'sau prathamo 'nuvāko 'thāsmā etamupariṣṭāduddhāramudaharaṃstenainamaprīṇaṃstathaivāsmā ayametamupariṣṭāduddhāramuddharati tenainam prīṇāti tasmādapyeṣa ekadevatyo bhavati raudra evaitaṃ hyevaitenaprīṇāti

Dieser ist ja der Adelsgott. Für diesen Adelsgott tragen ihm nun diese Untertanen jenen vorderen Abschnitt vor, das ist jener erste Anuvāka; dann trugen sie ihm diesen oberen Abschnitt vor; damit befriedigten sie ihn. Ebenso trägt ihm hier dieser diesen oberen Abschnitt vor; damit befriedigt er ihn. Deshalb ist auch dieser Abschnitt einer einzigen Gottheit geweiht, dem Raudra; denn eben damit befriedigt er ihn.

saptaitāni yajūṃṣi bhavanti | saptacitiko 'gniḥ sapta 'rtavaḥ saṃvatsaraḥ saṃvatsaro 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainametadannena prīṇāti tānyubhayānyekaviṃśatiḥ sampadyante dvādaśa māsāḥ pañca 'rtavastraya ime lokā asāvāditya ekaviṃśa etāmabhisampadam

Sieben sind diese Yajus-Sprüche – siebenschichtig ist Agni, sieben Jahreszeiten macht das Jahr, das Jahr ist Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit befriedigt er ihn mit dieser Speise. Beide zusammen ergeben einundzwanzig: zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne als Einundzwanzigster – dies ist ihre Zusammenkunft.

athāvatānānjuhoti | etadvā enāndevā etenānnena prītvāthaiṣāmetairavatānairdhanūṃṣyavātanvaṃstathaivainānayametadetenānnena prītvāthaiṣāmetairavatānairdhanūṃṣyavatanoti na hyavatatena dhanuṣā kaṃ cana hinasti

Dann opfert er den Entspannten – nachdem die Götter diese mit dieser Speise befriedigt hatten, entspannten sie danach mit diesen Entspannungs-Formeln ihre Bogen; ebenso entspannt hier dieser, nachdem er sie mit dieser Speise befriedigt hat, danach mit diesen Entspannungs-Formeln ihre Bogen; denn mit entspanntem Bogen verletzt man niemanden.

tadvai sahasrayojana iti | etaddha paramaṃ dūraṃ yatsahasrayojanaṃ tadyadeva paramaṃ dūraṃ tadevaiṣāmetaddhanūṃṣyavatanoti

In tausend Meilen – das ist ja die äußerste Ferne, die tausend Meilen; eben in diese äußerste Ferne entspannt er damit deren Bogen.

yadvevāha sahasrayojana iti | ayamagniḥ sahasrayojanaṃ na hyetasmāditi netyanyatparamasti tadyadagnau juhoti tadevaiṣāṃ sahasrayojane dhanūṃṣyavatanoti

Dass er nun tausend Meilen sagt: dieser Agni ist ja die tausend Meilen; denn es gibt nichts Entfernteres als diesen. Dass er in den Agni opfert, damit entspannt er eben deren Bogen in den tausend Meilen.

asaṃkhyātā sahasrāṇi | asmiṃnmahatyarṇava iti yatra-yatra te tadevaiṣāmetaddhanūṃṣyavatanoti

In diesem großen Ozean der unzählbaren Tausende – wo auch immer diese sind, eben dort entspannt er damit ihre Bogen.

daśaitānavatānānjuhoti | daśākṣarā virāḍvirāḍagnirdaśa diśo diśo 'gnirdaśa prāṇāḥ prāṇā agniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivaiṣāmetaddhanūṃṣyavatanoti

Zehn dieser Entspannungs-Formeln opfert er – zehnsilbig ist die Virāj, Virāj ist Agni; zehn sind die Richtungen, die Richtungen sind Agni; zehn sind die Atemkräfte, die Atemkräfte sind Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit entspannt er deren Bogen.

atha pratyavarohānjuhoti | etadvā etadimāṃlokānita ūrdhvo rohati sa sa parāṅiva roha iyamu vai pratiṣṭhā te devā imām pratiṣṭhāmabhipratyāyaṃstathaivaitadyajamāva imām pratiṣṭhāmabhipratyaiti

Dann opfert er die Zurücksteigungen – dies ist ja der, der von diesen Welten aufwärts steigt; er steigt gleichsam rückwärtsgewandt [Anm.: parāṅ iva roha unklar, sinngemäß gedeutet]; dies ist ja der Halt; zu diesem Halt kehrten die Götter zurück; ebenso kehrt hier dieser Opferer zu diesem Halt zurück.

yadveva pratyavarohati | etadvā enānetatprīṇannanvavaiti tata evaitadātmānamapoddharate jāvātvai tathā hānenātmanā sarvamāyureti

Dass er nun zurücksteigt: indem er sie damit befriedigt, steigt er ihnen nach hinab; von da an zieht er damit sein Selbst wieder heraus; denn lebend erreicht er so mit eben diesem Selbst das volle Lebensalter.

yadveva pratyavarohati | etadvā etadetānrudrānita ūrdhvānprīṇāti tānpunaramuto 'rvācaḥ

Dass er nun zurücksteigt: damit befriedigt er eben diese Rudras, die von hier aufwärts gegangen sind; diese bringt er von dort wieder hierher zurück.

nano 'stu rudrebhyo ye divīti | tadye 'muṣmiṃloke rudrāstebhya etannamaskaroti yeṣāṃ varṣamiṣava iti varṣaṃ ha teṣāmiṣavā varṣeṇa ha te hiṃsanti yaṃ jihiṃsiṣanti

Verehrung sei den Rudras, die im Himmel sind – den Rudras, die in jener Welt sind, erweist er damit diese Verehrung; deren Pfeil der Regen ist – deren Pfeil ist ja der Regen; mit Regen verletzen sie ja den, den sie verletzen wollen.

namo 'stu rudrebhyo ye 'ntarikṣa iti | tadye 'ntarikṣaloke rudrāstebhya etannamaskaroti yeṣāṃ vāta iṣava iti vāto ha teṣāmiṣavo vātena ha te hiṃsanti yaṃ jihiṃsiṣanti

Verehrung sei den Rudras, die in der Luftwelt sind – den Rudras, die in der Luftwelt sind, erweist er damit diese Verehrung; deren Pfeil der Wind ist – deren Pfeil ist ja der Wind; mit Wind verletzen sie ja den, den sie verletzen wollen.

namo 'stu rudrebhyo ye pṛthivyāmiti | tadye 'smiṃloke rudrāstebhya etannamaskaroti yeṣāmannamiṣava ityannaṃ ha teṣāmiṣavo 'nnena ha te hiṃsanti yaṃ jihiṃsiṣanti

Verehrung sei den Rudras, die auf der Erde sind – den Rudras, die in dieser Welt sind, erweist er damit diese Verehrung; deren Pfeil die Speise ist – deren Pfeil ist ja die Speise; mit Speise verletzen sie ja den, den sie verletzen wollen.

tebhyo daśa prācīḥ | daśa dakṣiṇā daśa pratīcīrdaśodīcīrdaśordhvā iti daśākṣarā virāḍvirāḍagnirdaśa diśo diśo 'gnirdaśa prāṇāḥ prāṇā agniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainānetadannena prīṇāti

Ihnen zehn im Osten, zehn im Süden, zehn im Westen, zehn im Norden, zehn nach oben – zehnsilbig ist die Virāj, Virāj ist Agni; zehn sind die Richtungen, die Richtungen sind Agni; zehn sind die Atemkräfte, die Atemkräfte sind Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit befriedigt er sie mit dieser Speise.

yadvevāha daśa-daśeti | daśa vā añjaleraṅgulayo diśi-diśyevaibhya etadañjaliṃ karoti tasmādu haitadbhīto 'ñjaliṃ karoti tebhyo namo astviti tebhya eva namaskaroti te no mṛḍayantviti ta evāsmai mṛḍayanti te yaṃ dviṣmo yaśca no dveṣṭi tameṣāṃ jambhe dadhma iti yameva dveṣṭi yaścainaṃ dveṣṭi tameṣāṃ jambhe dadhātyamumeṣāṃ jambhe dadhāmīti ha brūyādyaṃ dviṣyāttato 'ha tasminna punarastyapi tannādriyeta svayaṃnirdiṣṭo hyeva sa yamevaṃviddveṣṭi

Dass er nun zehn und zehn sagt: zehn sind ja die Finger der zusammengelegten Hände; in jeder einzelnen Richtung macht er ihnen damit diese Handfaltung; deshalb faltet man aus Furcht davor die Hände. Verehrung sei ihnen – eben ihnen erweist er damit Verehrung. Sie mögen uns gnädig sein – eben diese sind ihm dann gnädig. Den, den wir hassen, und wer uns hasst, den legen wir in ihren Rachen – eben den, den er hasst, und wer ihn hasst, den legt er in ihren Rachen; diesen und jenen lege ich in ihren Rachen, so soll er sagen von dem, den er hasst; danach ist der nicht mehr, auch das soll man nicht weiter beachten [Anm.: Satzstruktur an dieser Stelle schwer fassbar, sinngemäß rekonstruiert]; denn von selbst ist der ja gezeichnet, den ein so Wissender hasst.

triṣkṛtvaḥ pratyavarohati | trivṛdagniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainānetadannena prīṇāti svāhākāreṇānnaṃ vai svāhākāro 'nnenaivainānetatprīṇāti tririti ūrdhvo rohati tatṣaṭ tasyokto bandhuḥ

Dreimal steigt er zurück – dreifach ist Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit befriedigt er sie mit dieser Speise. Mit dem Svāhā-Ruf – Svāhā ist ja Speise; eben mit Speise befriedigt er sie damit. Dreimal – dreimal steigt er aufwärts, das macht sechs [Anm.: Bezug auf dreimaliges Auf- und Absteigen unsicher]; dessen Verknüpfung ist bereits genannt.

yadveva triṣkṛtvaḥ pratyavarohati | trirhi kṛtva ūrdhvo rohati tadyāvatkṛtva ūrdhvo rohati tāvatkṛtvaḥ pratyavarohati

Dass er nun dreimal zurücksteigt: dreimal steigt er ja aufwärts; wie oft er aufwärts steigt, ebenso oft steigt er zurück.

atha tadarkaparṇaṃ cātvāle prāsyati | etadvā enenaitadraudraṃ karma karoti tadetadaśāntaṃ tadetattiraḥ karoti nedidamaśāntaṃ kaścidabhitiṣṭhāttannenddhinasaditi tasmāccātvāle yadveva cātvāle 'gnireṣa yaccātvālastatho hainadeṣo 'gniḥ saṃdahatyathātaḥ sampadeva

Dann wirft er dieses Arka-Blatt in die Cātvāla-Grube – damit vollzieht er ja diese Rudra-Handlung; dieses Blatt ist unbesänftigt; er macht es damit beiseite, damit niemand dieses Unbesänftigte berühre und es ihn dann verletze; deshalb in die Cātvāla-Grube. Und dass in der Cātvāla-Grube eben Feuer ist, was die Cātvāla-Grube ist – so verbrennt eben dieses Feuer es. Nun folgt hierauf die Entsprechungslehre.

tadāhuḥ | kathamasyaitacatarudriyaṃ saṃvatsaramagnimāpnoti kathaṃ saṃvatsareṇāgninā sampadyata iti ṣaṣṭiśca ha vai trīṇi ca śatānyetacatarudriyamatha triṃśadatha pañcatriṃśattato yāni ṣaṣṭiśca trīṇi ca śatāni tāvanti saṃvatsarasyāhāni tatsaṃvatsarasyāhānyāpnotyatha yāni triṃśattraṃśanmāsasya rātrayastanmāsasya rātrīrāpnoti tadubhayāni saṃvatsarasyāhorātrāṇyāpnotyatha yāni pañcatriṃśatsa trayodaśo māsaḥ sa ātmā triṃśadātmā pratiṣṭhā dve prāṇā dve śira eva pañcatriṃśametāvānvai saṃvatsara evamu hāsyaitacatarudriyaṃ saṃvatsaramagnimāpnotyevaṃ saṃvatsareṇāgninā sampadyata etāvatsa u vai śāṇḍile 'gnau madhyato yajuṣmatya iṣṭakā upadhīyante 'gnayo haite pṛthagyadetā iṣṭakā evamu hāsyaite 'gnayaḥ pṛthakśatarudriyeṇābhihutā bhavanti

Da sagt man: Wie erreicht dieses Śatarudriya den Agni, das Jahr? Wie kommt es mit dem Agni, dem Jahr, zur Übereinstimmung? Dreihundertsechzig ist ja dieses Śatarudriya, dazu dreißig, dazu fünfunddreißig. Von diesen dreihundertsechzig sind so viele die Tage des Jahres; damit erreicht es die Tage des Jahres. Und die dreißig sind die Nächte des Monats; damit erreicht es die Nächte des Monats. Beides zusammen erreicht es damit die Tag-und-Nächte des Jahres. Und die fünfunddreißig: das ist der dreizehnte Monat, das ist das Selbst; dreißig sind der Halt, zwei die Atemkräfte, zwei das Haupt – eben fünfunddreißig; so viel ist ja das Jahr. So erreicht eben dieses Śatarudriya den Agni, das Jahr; so kommt es mit dem Agni, dem Jahr, zur Übereinstimmung. Eben so viele mit Yajus-Formeln versehene Ziegel werden ja in der Mitte auf dem Śāṇḍila-Feuer aufgeschichtet; diese sind ja je für sich Feuer, da diese Ziegel dies sind; so werden eben diese Feuer je für sich durch das Śatarudriya beopfert.

tadāhuḥ | kathamasyaitacatarudriyam mahadukthamāpnoti katham mahatokthena sampadyata iti yānyamūni pañcaviṃśatiryajūṃṣyabhito 'śītīḥ sa pañcaviṃśa ātmā yatra vā ātmā tadeva śirastatpakṣapucānyatha yā aśītayaḥ saivāśītīnāmāptiraśītibhirhi mahadukthamākhyāyate 'tha yadūrdhvamaśītibhyo yadevādo mahata ukthasyordhvamaśītibhya etadasya tadevamu hāsyaitacatarudriyam mahadukthamāpnotyevam mahatokthena sampadyate

Da sagt man: Wie erreicht dieses Śatarudriya das Mahaduktha, das Große Lied? Wie kommt es mit dem Mahaduktha zur Übereinstimmung? Die fünfundzwanzig Yajus-Sprüche, die die Achtziger-Formeln umgeben, das ist das fünfundzwanzigfache Selbst; wo eben das Selbst ist, das ist eben das Haupt, das sind die Flügel und der Schwanz. Und die Achtziger-Formeln, das ist eben die Erlangung der Achtziger; denn durch Achtziger wird das Mahaduktha bezeichnet. Und was oberhalb der Achtziger liegt, das entspricht dem, was jenseits, oberhalb der Achtziger, vom Mahaduktha liegt; eben dies ist es. So erreicht eben dieses Śatarudriya das Mahaduktha; so kommt es mit dem Mahaduktha zur Übereinstimmung.

athainamataḥ pariṣiścati | etadvā enaṃ devāḥ śatarudriyeṇa śamayitvāthainametadbhūya evāśamayaṃstathaivainamevametacatarudriyeṇa śamayitvāthainametadbhūya eva śamayati

Dann besprengt er ihn hierauf ringsum – nachdem die Götter ihn mit dem Śatarudriya besänftigt hatten, besänftigten sie ihn damit nochmals; ebenso besänftigt hier dieser ihn, nachdem er ihn mit dem Śatarudriya besänftigt hat, damit nochmals.

adbhiḥ pariṣiñcati | śāntirvā āpaḥ śamayatyevainametatsarvataḥ pariṣiñcati sarvata evainametacamayati triṣkṛtvaḥ pariṣiñcati trivṛdagniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainametacamayati

Er besprengt ihn mit Wasser – Wasser ist ja Besänftigung; eben damit besänftigt er ihn. Von allen Seiten besprengt er ihn; von allen Seiten besänftigt er ihn eben damit. Dreimal besprengt er ihn – dreifach ist Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit besänftigt er ihn.

yadvevainam pariṣiñcati | ime vai lokā eṣo 'gnirimāṃstallokānadbhiḥ paritanoti samudreṇa haināṃstatparitanoti sarvatastasmādimāṃlokāntsarvataḥ samudraḥ paryeti dakṣiṇāvṛttasmādimāṃlokāndakṣiṇāvṛtsamudraḥ paryeti

Dass er ihn nun besprengt: diese Welten sind ja dieser Agni; diese Welten umgibt er damit mit Wasser; mit dem Meer umgibt er sie damit von allen Seiten; deshalb umkreist das Meer diese Welten von allen Seiten. Rechtsherum gewendet geschieht das; deshalb umkreist das Meer diese Welten rechtsherum gewendet.

agnītpariṣiñcati | agnireṣa yadāgnīdhro no vā ātmātmānaṃ hinastyahiṃsāyā aśmano 'dhyaśmano hyāpaḥ prabhavanti nikakṣānnikakṣāddhyāpaḥ prabhavanti dakṣiṇānnikakṣāddakṣiṇāddhi nikakṣādāpaḥ prabhavanti

Er besprengt ihn ausgehend vom Āgnīdhra-Feuer – dieses ist ja Agni; das eigene Selbst verletzt ja nicht das eigene Selbst, zur Vermeidung von Verletzung. Vom Stein her, denn vom Stein entspringt ja das Wasser; vom Nikakṣa her, denn vom Nikakṣa entspringt ja das Wasser [Anm.: nikakṣa, wohl ein Randstein am Feueraltar, genaue Bedeutung unsicher]; vom südlichen Nikakṣa her, denn vom südlichen Nikakṣa entspringt ja das Wasser.

aśmannūrjam parvate śiśriyāṇāmiti | aśmani vā eṣorkparvateṣu śritā yadāpo 'dbhya oṣadhībhyo vanaspatibhyo adhi sambhṛtam paya ityetasmāddhyetatsarvasmādadhi sambhṛtam payastāṃ na iṣamūrjaṃ dhatta marutaḥ saṃrarāṇā iti maruto vai varṣasyeśate 'śmaṃste kṣuditi nidadhāti tadaśmani kṣudhaṃ dadhāti tasmādaśmānādyo 'tho sthiro vā aśmā sthirā kṣutsthira eva tatsthiraṃ dadhāti mayi ta ūrgityapādatte tadātmannūrjaṃ dhatte tathā dvitīyaṃ tathā tṛtīyam

O Stein, du, in dem die Kraft auf dem Felsen ruht [Anm.: die Mantra-Deutung dieser Einheit ist im Quelltext stark verdichtet und im Einzelnen unsicher rekonstruiert] – im Stein ruht ja diese Kraft auf den Felsen, da das aus dem Wasser, aus den Kräutern, aus den Bäumen zusammengetragene Fett stammt; denn von all diesem stammt dieses zusammengetragene Fett. Gebt uns Labung und Kraft, ihr Maruts, die freigebig Spendenden – die Maruts herrschen ja über den Regen. Auf dem Stein sei dein Hunger – das spricht er, während er den Stein niederlegt; damit legt er den Hunger in den Stein. Deshalb dient der Stein zum Essen; und der Stein ist ja fest, fest ist der Hunger; eben das Feste legt er damit fest. Mir gib deine Kraft – das spricht er, indem er sie sich nimmt; damit legt er die Kraft in sich selbst hinein. Ebenso beim zweiten, ebenso beim dritten Stein.

nidhāyodaharaṇaṃ trirvipalyayate | etadvā enametallaghūyatīva yadenaṃ samantam paryeti tasmā evaitannihnute 'hiṃsāyai

Nachdem er ihn niedergelegt hat, dreht er das Schöpfgefäß dreimal um – dies wird ihm gleichsam leichter, wenn man ihn ringsum umgeht; eben deshalb verbirgt er dies, zur Vermeidung von Verletzung.

yadveva vipalyayate | etadvā enametadanvavaiti tata evaitadātmānamapoddharate jīvātvai tatho hānenātmanā sarvamāyureti

Dass er nun umdreht: damit folgt er ihm ja nach; von da an zieht er damit sein Selbst wieder heraus; denn lebend erreicht er so mit eben diesem Selbst das volle Lebensalter.

trirvipalyayate | trirhi kṛtvaḥ paryeti tadyāvatkṛtvaḥ paryeti tāvatkṛtvo vipalyayate

Dreimal dreht er um – dreimal umkreist er ja; wie oft er umkreist, ebenso oft dreht er um.

atha tamaśmānamudaharaṇe 'vadhāya | etāṃ diśaṃ harantyeṣā vai nairṛtī diṅnairṛtyāmeva taddiśi śucaṃ dadhāti

Dann, nachdem er diesen Stein auf das Schöpfgefäß gelegt hat, tragen sie ihn in diese Richtung – dies ist ja die Nairṛti-Richtung; eben in die Nairṛti-Richtung legt er damit den Kummer.

etadvā enaṃ devāḥ | śatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvāthāsyaitena śucam pāpmānamapāghnaṃstathaivainamayametacatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvāthāsyaitena śucam pāpmānamapahanti

Nachdem die Götter ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt hatten, schlugen sie damit dessen Kummer, das Übel, fort; ebenso schlägt hier dieser, nachdem er ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt hat, damit dessen Kummer, das Übel, fort.

bāhyenāgniṃ harati | ime vai lokā eṣo 'gnirebhyastallokebhyo bahirdhā śucaṃ dadhāti bahirvedīyaṃ vai vedirasyai tadbahirdhā śucaṃ dadhāti

Er trägt den Stein außerhalb des Feuers vorbei – diese Welten sind ja dieser Agni; außerhalb dieser Welten legt er damit den Kummer. Außerhalb des Vedi-Altarraums – denn der Vedi ist dies; außerhalb davon legt er damit den Kummer.

sa vederdakṣiṇāyāṃ śroṇau | prāṅ tiṣṭhandakṣiṇā nirasyati yaṃ dviṣmastaṃ te śugṛcatviti yameva dveṣṭi tamasya śugṛcatyamuṃ te śugṛcatviti ha brūyādyaṃ dviṣyāttato ha tasminna punarastyapi tannādriyeta svayaṃnirdiṣṭo hyeva sa yamevaṃviddveṣṭi yadi na bhidyeta bhittavai brūyādyadā hyeva sa bhidyate 'tha taṃ śugṛcati yaṃ dveṣṭyapratīkṣamāyantyapratīkṣameva tacucam pāpmānaṃ jahati

An der südlichen Hüfte des Vedi, nach Osten stehend, wirft er ihn nach Süden fort: „Wen wir hassen, den treffe der Kummer!“ – eben den, den er hasst, trifft damit der Kummer; „Jenen treffe der Kummer!“, so soll er sagen von dem, den er hasst; danach ist der nicht mehr, auch das soll man nicht weiter beachten; denn von selbst ist der ja gezeichnet, den ein so Wissender hasst. Wenn der Stein nicht zerbricht, soll er sagen: „Er möge zerbrechen!“; denn erst wenn er zerbricht, trifft er den, den er hasst, ohne Erwartung ankommend; ohne Erwartung eben lässt er den Kummer, das Übel, fahren.

pratyetyeṣṭakā dhenūḥ kurute | etadvā enaṃ devāḥ śatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvā śucamasya pāpmānamapahatya pratyetyeṣṭakā dhenūrakurvata tathaivainamayametacatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvā śucamasya pāpmānamapahatya pratyetyeṣṭakā dhenūḥ kurute

Nach der Rückkehr macht er die Ziegel zu Kühen – nachdem die Götter ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt und dessen Kummer, das Übel, fortgeschlagen hatten, machten sie nach der Rückkehr die Ziegel zu Kühen; ebenso macht hier dieser, nachdem er ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt und dessen Kummer, das Übel, fortgeschlagen hat, nach der Rückkehr die Ziegel zu Kühen.

āsīnaḥ kurvītetyu haika āhuḥ | āsīno vai dhenuṃ dogdhīti tiṣṭhaṃstveva kurvīteme vai lokā eṣo 'gnistiṣṭhantīva vā ime lokā atho tiṣṭhanvai vīryavattaraḥ

Sitzend soll er es tun, so sagen manche – denn sitzend melkt man ja eine Kuh. Stehend jedoch soll er es tun – diese Welten sind ja dieser Agni; diese Welten stehen gleichsam; und stehend ist man auch kraftvoller.

udaṅ prāṅ tiṣṭhan | purastādvā eṣā pratīcī yajamānaṃ dhenurupatiṣṭhate dakṣiṇato vai pratīcīṃ dhenuṃ tiṣṭhantīsupasīdanti

Nach Norden gewandt, nach Osten stehend – von vorn her tritt ja diese Kuh, nach Westen gewandt, dem Opferer entgegen; denn von Süden her nähert man sich der nach Westen gewandten, stehenden Kuh.

sa yatrābhyāpnoti | tadabhimṛśyaitadyajurjapatīmā me agna iṣṭakā dhenavaḥ santvityagnirhaitāsāṃ dhenukaraṇasyeṣṭe tasmādetāvatīnāṃ devatānāmagnimevāmantrayata ekā ca daśa cāntaśca parārdhaścetyeṣa hāvarārdhyo bhūmā yadekā ca daśa cātha haiṣa parārdhyo bhūmā yadantaśca parārdhaścāvarārdhataścaivainā etatparārdhataśca parigṛhya devā dhenūrukurvata tathaivainā ayametadavarārdhataścaiva parārdhataśca parigṛhya dhenūḥ kurute tasmādapi nādriyeta bahvīḥ kartumamutra vā eṣa etā brahmaṇā yajuṣā bahvīḥ kurute 'tha yatsaṃtanoti kāmāneva tatsaṃtanoti

Wo er den ersten Ziegel erreicht, dort betastet er ihn und murmelt diesen Yajus-Spruch: „Diese meine Ziegel, o Agni, sollen Kühe sein!“ – denn Agni verfügt ja über deren Kuh-Werdung; deshalb wendet er sich, obwohl es so viele Gottheiten sind, eben an Agni allein. Eine und zehn und die innersten und die äußersten [Anm.: die genaue arithmetische Bedeutung dieser Zählung bleibt im Quelltext unklar] – dies ist die diesseitige Fülle, nämlich eine und zehn; und dies ist die jenseitige Fülle, nämlich die innersten und die äußersten; von der diesseitigen wie von der jenseitigen Seite her fassend machten die Götter damit diese zu Kühen; ebenso macht hier dieser Opferer, von der diesseitigen wie von der jenseitigen Seite her fassend, diese zu Kühen. Deshalb soll man sich auch nicht scheuen, viele zu machen; denn dort macht man diese durch das Brahman, den Yajus-Spruch, zu vielen; und was er ausdehnt, das dehnt er eben nach Wunsch aus.

yadveveṣṭakā dhenūḥ kurute | vāgvā ayamagnirvācā hi citaḥ sa yadāhaikā ca daśa cāntaśca parārdhaśceti vāgvā ekā vāgdaśa vāganto vākparārdho vācameva taddevā dhenumakurvata tathaivaitadyajamāno vācameva dhenuṃ kurute 'tha yatsaṃtanoti vācameva tatsaṃtanotyetā me agna iṣṭakā dhenavaḥ santvamutrāmuṣmiṃloka ityetadvā enā asmiṃloke dhenūḥ kurute 'thainā etadamuṣmiṃloke dhenūḥ kurute tatho hainametā ubhayorlokayorbhuñjantyasmiṃścāmuṣmiṃśca

Dass er nun die Ziegel zu Kühen macht: dieser Agni ist ja die Rede, denn er ist ja durch die Rede geschichtet; wenn er sagt: Eine und zehn und die innersten und die äußersten, so ist die Rede die Eine, die Rede die Zehn, die Rede das Ende, die Rede die äußerste; eben zur Rede machten die Götter damit die Kuh; ebenso macht hier dieser Opferer eben zur Rede die Kuh; und was er ausdehnt, das dehnt er eben zur Rede aus. Diese meine Ziegel, o Agni, sollen Kühe sein, dort und in jener Welt – damit macht er sie zu Kühen in dieser Welt; und damit macht er sie zu Kühen in jener Welt; so nützen sie ihm eben in beiden Welten, in dieser und in jener.

ṛtava stheti | ṛtavo hyetā ṛtāvṛdha iti satyavṛdha ityetadṛtuṣvā stha ṛtāvṛdha ityahorātrāṇi vā iṣṭakā ṛtuṣu vā ahorātrāṇi tiṣṭhanti ghṛtaścuto madhuścuta iti tadenā ghṛtaścutaśca madhuścutaśca kurute

Ihr seid die Jahreszeiten – diese sind ja die Jahreszeiten. Wahrheitsmehrende – das heißt: In den Jahreszeiten seid ihr, die Wahrheit Mehrende. Die Ziegel sind ja die Tag-und-Nächte; in den Jahreszeiten stehen ja die Tag-und-Nächte. Von Schmalz triefend, von Honig triefend – damit macht er sie von Schmalz und von Honig triefend.

virājo nāmeti | etadvai devā etā iṣṭakā nāmabhirupāhvayanti yathā-yathainā etadācakṣate tā enānabhyupāvartantātha lokampṛṇā eva parācyastasthurahitanāmnyo nimemihatyastā virājo nāmākurvata tā enānabhyupāvartanta tasmāddaśa-daśeṣṭakā upadhāya lokampṛṇayābhimantrayate tadenā virāvaḥ kurute daśākṣarā hi virāṭ kāmadudhā akṣīyamāṇā iti tadenāḥ kāmadudhā akṣīyamāṇāḥ kurute

Virāj mit Namen – diese Ziegel rufen die Götter ja mit Namen an; so wie man sie da benennt, so kommen sie einem entgegen [Anm.: der mythologische Hintergrund dieser Passage ist im Quelltext knapp angedeutet und nicht sicher rekonstruierbar]. Nun standen die Lokampṛṇā-Ziegel abgewandt, ohne wohltuenden Namen, harnend; diese machten sie zu Virāj mit Namen, da kamen sie ihnen entgegen; deshalb legt er, nachdem er je zehn Ziegel hingelegt hat, mit der Lokampṛṇā-Formel an; damit macht er sie zu Virāj-Ziegeln, denn zehnsilbig ist die Virāj. Wünsche melkend, unerschöpflich – damit macht er sie wunschmelkend, unerschöpflich.

athainaṃ vikarṣati | maṇḍūkenāvakayā vetasaśākhayaitadvā enaṃ devāḥ śatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvā śucamasya pāpmānamapahatyāthainametadbhūya evāśamayaṃstathaivainamayametacatarudriyeṇa cādbhiśca śamayitvā śucamasya pāpmānamahatyāthainametadbhūya eva śamayati sarvato vikarṣati sarvata evainametacamayati

Dann zieht er ihn mit einem Frosch, mit Avakā-Wasserpflanze, mit einem Vetasa-Zweig fort – nachdem die Götter ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt und dessen Kummer, das Übel, fortgeschlagen hatten, besänftigten sie ihn damit nochmals; ebenso besänftigt hier dieser ihn, nachdem er ihn mit dem Śatarudriya und mit Wasser besänftigt und dessen Kummer, das Übel, fortgeschlagen hat, damit nochmals. Von allen Seiten zieht er fort; von allen Seiten besänftigt er ihn eben damit.

yadvevainaṃ vikarṣati | etadvai yatraitam prāṇā ṛṣayo 'gre 'gniṃ samaskurvaṃstamadbhiravokṣaṃstā āpaḥ samaskandaṃste maṇḍūkā abhavan

Dass er ihn nun fortzieht: als die Atem-Ṛṣis diesen Agni am Anfang zubereiteten, da besprengten sie ihn mit Wasser; dieses Wasser gerann; daraus wurden die Frösche.

tāḥ prajāpatimabruvan | yadvai naḥ kamabhūdavāktadagāditi so 'bravīdeṣa va etasya vanaspatirvettviti vettu saṃvettu so 'ha vai taṃ vetasa ityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devā atha yadabruvannavāṅtaḥ kamagāditi tā avākkā abhavannavākkā ha vai tā avakā ityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devāstā haitāstrayya āpo yanmaṇḍūko 'vakā vetasaśākhaitābhirevainametattrayībhiradbhiḥ śamayati

Diese sprachen zu Prajāpati: „Was uns Freude war, das ist herabwärts gegangen.“ Da sprach er: „Dieser Baum soll es für euch wissen!“ – er wisse, er wisse wohl – dies eben nennt man verhüllt Vetasa [Anm.: volksetymologische Deutung von vetasa aus vid-, wissen; unsicher], denn die Götter lieben das Verhüllte. Und dass sie sprachen: „Sprachlos ist gegangen, was uns Freude war“ – diese wurden sprachlos; sprachlos eben nennt man sie verhüllt Avakā, denn die Götter lieben das Verhüllte. Dies sind also diese drei Wasserwesen: der Frosch, die Avakā-Pflanze, der Vetasa-Zweig; eben mit diesen dreien besänftigt er ihn damit durch das Wasser.

yadvevainaṃ vikarṣati | jāyata eṣa etadyaccīyate sa eṣa sarvasmā annāya jāyate sarvamvetadannaṃ yanmaṇḍūko 'vakā vetasaśākhā paśavaśca hyetā āpaśca vanaspatayaśca sarveṇai vainametadannena prīṇāti

Dass er ihn nun fortzieht: dieser wird ja geboren, indem er da geschichtet wird; dieser wird für alle Speise geboren; alles das ist ja Speise, was Frosch, Avakā, Vetasa-Zweig ist, denn diese sind sowohl Getier als auch Wasser als auch Bäume; mit allem zusammen befriedigt er ihn damit mit dieser Speise.

maṇḍūkena paśūnām | tasmānmaṇḍūkaḥ paśūnāmanupajīvanīyatamo yātayāmā hi so 'vakābhirapāṃ tasmādavakā apāmanupajīvanīyatamā yātayāmnyo hi tā vetasena vanaspatīnāṃ tasmādvetaso vanaspatīnāmanupajīvanīyatamo yātayāmā hi saḥ

Mit dem Frosch von den Getieren; deshalb ist der Frosch unter den Getieren am wenigsten zum Lebensunterhalt geeignet, denn er ist verbraucht. Mit den Avakā-Pflanzen von den Wassern; deshalb ist die Avakā unter den Wassern am wenigsten zum Lebensunterhalt geeignet, denn sie ist verbraucht. Mit dem Vetasa von den Bäumen; deshalb ist der Vetasa unter den Bäumen am wenigsten zum Lebensunterhalt geeignet, denn er ist verbraucht.

tāni vaṃśe prabadhya | dakṣiṇārdhenāgnerantareṇa pariśritaḥ prāgagre vikarṣati samudrasya tvāvakayāgne parivyayāmasi pāvako asmabhyaṃ śivo bhaveti samudriyābhistvādbhiḥ śamayāma ityetat

Nachdem er diese an einem Rohrstab befestigt hat, zieht er sie durch die südliche Hälfte, zwischen dem Feuer und den Pariśrits hindurch, mit der Spitze nach Osten gerichtet, fort: „Mit der Avakā des Meeres umhüllen wir dich, o Agni; sei uns, dem Läuternden, gnädig!“ – damit ist gemeint: Mit dem Meereswasser besänftigen wir dich.

atha jaghanārdhenodak | himasya tvā jarāyuṇāgne parivyayāmasi pāvako asmabhyaṃ śivo bhaveti yadvai śītasya praśītaṃ taddhimasya jarāyu śītasya tvā praśītena śamayāma ityetat

Dann durch die hintere Hälfte nach Norden: „Mit der Hülle des Schnees umhüllen wir dich, o Agni; sei uns, dem Läuternden, gnädig!“ – was vom Kalten das Kälteste ist, das ist die Hülle des Schnees; damit ist gemeint: Mit dem Kältesten des Kalten besänftigen wir dich.

athottarārdhena prāk | upa jmannupa vetase 'vatara nadīṣvā agne pittamapāmasi maṇḍūki tābhirāgahi semaṃ no yajñam pāvakavarṇaṃ śivaṃ kṛdhīti yathaiva yajustathā bandhuḥ

Dann durch die nördliche Hälfte nach Osten fort: „Steig herab zur Erde, zum Vetasa hin; in den Flüssen, o Agni, haben wir die Galle des Frosches [Anm.: pittam apām asi maṇḍūki grammatisch und inhaltlich unklar, sinngemäß wiedergegeben]; komm mit diesen herbei; mache dieses unser Opfer läuterungsfarben und gnädig!“ – wie eben der Yajus-Spruch lautet, so ist auch seine Bedeutung.

atha pūrvārdhena dakṣiṇā | apāmidaṃ nyayanaṃ samudrasya niveśanam anyāṃste asmattapantu hetayaḥ pāvako asmabhyaṃ śivo bhaveti yathaiva yajustathā bandhurityagre vikarṣatyatheti athetyatheti taddakṣiṇāvṛttaddhi devatrā

Dann durch die vordere Hälfte nach Süden: „Dies ist der Abfluss der Wasser, die Einmündung des Meeres; andere sollen deine Geschosse von uns fern glühen lassen; sei uns, dem Läuternden, gnädig!“ – wie eben der Yajus-Spruch lautet, so ist auch seine Bedeutung. So zieht er ihn zuerst nach vorn, dann so, dann so, dann so – rechtsherum gewendet geschieht dies, denn dies ist ja die Richtung der Götter.

ātmānamagre vikarṣati | ātmā hyevāgre sambhavataḥ sambhavatyatha dakṣiṇam pakṣamatha pucamathottaraṃ taddakṣiṇāvṛttaddhi devatrā

Zuerst zieht er den Rumpf fort – zuerst entsteht ja das Selbst beim Werden; dann den rechten Flügel, dann den Schwanz, dann den nördlichen Flügel – rechtsherum gewendet geschieht dies, denn dies ist ja die Richtung der Götter.

abhyātmam pakṣapucāni vikarṣati | abhyātmameva tacāntiṃ dhatte purastādarvākparastādeva tadarvācīṃ śāntiṃ dhatte 'gne pāvaka rociṣeti dakṣiṇam pakṣaṃ sa naḥ pāvaka dīdiva iti pucam pāvakayā yaścitayantyā kṛpetyuttaram pāvakam pāvakamiti yadvai śivaṃ śāntaṃ tatpāvakaṃ śamayatyevainametat

Zum Rumpf hin zieht er die Flügel und den Schwanz fort – damit legt er die Besänftigung zum Rumpf hin; von vorn nach hinten, so legt er damit die vorwärts gerichtete Besänftigung. O Agni, du Läuternder, mit deinem Glanz – bei dem rechten Flügel; Sei uns, Läuternder, leuchtend – bei dem Schwanz; Mit der läuternden, erhellenden Gestalt – bei dem nördlichen Flügel. Läuternd, läuternd – was gnädig, was besänftigt ist, das ist läuternd; eben damit besänftigt er ihn.

saptabhirvikarṣati | saptacitiko 'gniḥ sapta 'rtavaḥ saṃvatsaraḥ saṃvatsaro 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainametadvikarṣati taṃ vaṃśamutkarenyasya

Mit sieben Sprüchen zieht er ihn fort – siebenschichtig ist Agni, sieben Jahreszeiten macht das Jahr, das Jahr ist Agni; so groß Agni ist, so groß sein Maß, eben damit zieht er ihn fort. Diesen Rohrstab wirft er auf den Kehrichthaufen.

athainaṃ sāmabhiḥ parigāyati | atraiṣa sarvo 'gniḥ saṃskṛtastasmindevā etadamṛtaṃ rūpamuttamamadadhustathaivāsminnayametadamṛtaṃ rūpamuttamaṃ dadhāti sāmāni bhavanti prāṇā vai sāmānyamṛtamu vai prāṇā amṛtamevāsminnetadrūpamuttamaṃ dadhāti sarvataḥ parigāyati sarvata evāsminnetadamṛtaṃ rūpamuttamaṃ dadhāti

Dann umsingt er ihn mit Sāman-Gesängen – hier ist ja dieser ganze Agni zubereitet; in ihn legten die Götter diese unsterbliche, höchste Gestalt hinein; ebenso legt hier dieser in ihn diese unsterbliche, höchste Gestalt hinein. Sāman-Gesänge werden es ja; die Sāman-Gesänge sind ja die Atemkräfte, und die Atemkräfte sind Unsterblichkeit; eben Unsterblichkeit legt er damit in ihn als diese höchste Gestalt hinein. Von allen Seiten umsingt er ihn; von allen Seiten legt er eben damit diese unsterbliche, höchste Gestalt in ihn hinein.

yadvevainaṃ sāmabhiḥ parigāyati | etadvai devā akāmayantānasthikamimamamṛtamātmānaṃ kurvīmahīti te 'bruvannupa tajjānīta yathemamātmānamanasthikamamṛtaṃ karavāmahā iti te 'bruvaṃścetayadhvamiti citimicateti vāva tadabruvaṃstadicata yathemamātmānamanasthikamamṛtaṃ karavāmahā iti

Dass er ihn nun mit Sāman-Gesängen umsingt: die Götter wünschten sich ja: „Möchten wir doch dieses Selbst knochenlos, unsterblich machen!“ Sie sprachen: „Findet das heraus, wie wir dieses Selbst knochenlos, unsterblich machen können!“ Sie sprachen: „Werdet aufmerksam!“ [Anm.: Wortspiel citi/icata, Aufmerksamkeit/Suchen, im Original angedeutet] – eben damit sprachen sie: „Sucht das, wie wir dieses Selbst knochenlos, unsterblich machen können!“

te cetayamānāḥ | etāni sāmānyapaśyaṃstairenam paryagāyaṃstairetamātmānamanasthikamamṛtamakurvata tathaivaitadyajamāno yadenaṃ sāmabhiḥ parigāyatyetamevaitadātmānamanasthikamamṛtaṃ kurute sarvataḥ parigāyati sarvata evaitadetamātmānamanasthikamamṛtaṃ kurute tiṣṭhangāyati tiṣṭhantīva vā ime lokā atho tiṣṭhanvai vīryavattaro hiṅkṛtya gāyati tatra hi sarvaṃ kṛtsnaṃ sāma bhavati

Sie, so aufmerksam geworden, sahen diese Sāman-Gesänge; mit diesen umsangen sie ihn; damit machten sie dieses Selbst knochenlos, unsterblich; ebenso macht hier dieser Opferer, wenn er ihn mit Sāman-Gesängen umsingt, eben dieses Selbst knochenlos, unsterblich. Von allen Seiten umsingt er ihn; von allen Seiten macht er damit eben dieses Selbst knochenlos, unsterblich. Stehend singt er – diese Welten stehen ja gleichsam; und stehend ist man auch kraftvoller. Mit einem Hiṅkāra-Ruf beginnend singt er, denn darin besteht der ganze, vollständige Sāman-Gesang.

gāyatram purastādgāyati | agnirvai gāyatramagnimevāsyaitaciraḥ karotyatho śira evāsyaitadanasthikamamṛtaṃ karoti

Den Gāyatra-Sāman singt er vorn – Agni ist ja der Gāyatra; eben zu Agni macht er damit dessen Haupt; und eben zum Haupt macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

rathantaraṃ dakṣiṇe pakṣe | iyaṃ vai rathantaramiyamu vā eṣāṃ lokānāṃ rasatamo 'syāṃ hīme sarve rasā rasaṃtamaṃ ha vai tadrathantaramityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devā imāmevāsyaitaddakṣiṇam pakṣaṃ karotyatho dakṣiṇamevāsyaitatpakṣamanasthikamamṛtaṃ karoti

Den Rathantara-Sāman singt er am rechten Flügel – diese Erde ist ja der Rathantara; und diese ist ja der saftreichste dieser Welten, denn in ihr sind ja alle Säfte; das Saftreichste nennt man verhüllt Rathantara, denn die Götter lieben das Verhüllte. Eben zu dieser Erde macht er damit dessen rechten Flügel; und eben zum rechten Flügel macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

bṛhaduttare pakṣe | dyaurvai bṛhaddyaurhi barhiṣṭhā divamevāsyaitaduttaram pakṣaṃ karotyatho uttaramevāsyaitatpakṣamanasthikamamṛtaṃ karoti

Den Bṛhat-Sāman singt er am nördlichen Flügel – der Himmel ist ja der Bṛhat, denn der Himmel ist der Größte; eben zum Himmel macht er damit dessen nördlichen Flügel; und eben zum nördlichen Flügel macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

vāmadevyamātman | prāṇo vai vāmadevyaṃ vāyuru prāṇaḥ sarveṣāmu haiṣa devānāmātmā yadvāyurvāyumevāsyaitadātmānaṃ karotyatho ātmānamevāsyaitadanasthikamamṛtaṃ karoti

Den Vāmadevya-Sāman singt er beim Rumpf – die Atemkraft ist ja der Vāmadevya; Vāyu ist die Atemkraft; und Vāyu ist ja das Selbst aller Götter; eben zu Vāyu macht er damit dessen Selbst; und eben zum Selbst macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

yajñāyajñiyam pucam | candramā vai yajñāyajñiyaṃ yo hi kaśca yajñaḥ saṃtiṣṭhata etameva tasyāhutīnāṃ raso 'pyeti tadyadetaṃ yajño-yajño 'pyeti tasmāccandramā yajñāyajñiyaṃ candramasamevāsyaitatpucaṃ karotyatho pucamevāsyaitadanasthikamamṛtaṃ karoti

Den Yajñāyajñīya-Sāman singt er beim Schwanz – der Mond ist ja der Yajñāyajñīya, denn welches Opfer auch immer vollendet wird, zu diesem geht eben der Saft seiner Opfergüsse ein; dass da jedes einzelne Opfer dahin eingeht, deshalb ist der Mond der Yajñāyajñīya; eben zum Mond macht er damit dessen Schwanz; und eben zum Schwanz macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

atha prajāpaterhṛdayaṃ gāyati | asau vā ādityo hṛdayaṃ ślakṣṇa eṣa ślakṣṇaṃ hṛdayam parimaṇḍala eṣa parimaṇḍalaṃ hṛdayamātmangāyatyātmanhi hṛdayaṃ nikakṣe nikakṣe hi hṛdayaṃ dakṣiṇe nikakṣe 'to hi hṛdayaṃ nedīya ādityamevāsyaitaddhṛdayaṃ karotyatho hṛdayamevāsyaitadanasthikamamṛtaṃ karoti

Dann singt er das Herz des Prajāpati – jene Sonne ist ja das Herz; diese ist glatt, glatt ist das Herz; diese ist kreisrund, kreisrund ist das Herz. Beim Rumpf singt er, denn im Rumpf ist ja das Herz; am Nikakṣa, denn am Nikakṣa ist ja das Herz; am südlichen Nikakṣa, denn von dort her ist ja das Herz näher. Eben zu Āditya macht er damit dessen Herz; und eben zum Herzen macht er damit dieses Knochenlose, Unsterbliche.

prajāsu ca prajāpatau ca gāyati | tadyatprajāsu gāyati tatprajāsu hṛdayaṃ dadhātyatha yatprajāpatau gāyati tadagnau hṛdayaṃ dadhāti

Er singt sowohl bei den Geschöpfen als auch bei Prajāpati; dass er bei den Geschöpfen singt, damit legt er das Herz in die Geschöpfe; und dass er bei Prajāpati singt, damit legt er das Herz in Agni.

yadveva prajāsu ca prajāpatau ca gāyati | ayaṃ vā agniḥ prajāśca prajāpatiśca tadyadagnau gāyati tadeva prajāsu ca prajāpatau ca hṛdayaṃ dadhāti

Dass er nun sowohl bei den Geschöpfen als auch bei Prajāpati singt: dieser Agni ist ja sowohl die Geschöpfe als auch Prajāpati; dass er bei Agni singt, damit legt er eben das Herz sowohl in die Geschöpfe als auch in Prajāpati.

tā haitā amṛteṣṭakāḥ | tāuttamā upadadhātyamṛtaṃ tadasya sarvasyottamaṃ dadhāti tasmādasya sarvasyāmṛtamuttamaṃ nānyo 'dhvaryorgāyediṣṭakā vā etā vicito ha syādyadanyo 'dhvaryorgāyet

Dies sind also diese unsterblichen Ziegel; diese legt er zuoberst hin; die Unsterblichkeit legt er damit als das Oberste von diesem ganzen hinein; deshalb ist die Unsterblichkeit das Oberste von diesem ganzen. Kein anderer als der Adhvaryu soll singen; denn diese Ziegel wären ja auseinandergefallen, wenn ein anderer als der Adhvaryu sänge.

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