Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Neuntes Kāṇḍa

Adhyāya 5 Das Milch-Gelübde zur Wiedererlangung der Unsterblichkeit, der Wahrheit-Unwahrheit-Mythos von Göttern und Asuras und der Ursprung der Samiṣṭayajus-Formeln, die Devikā-Opfergaben und die Dhātṛ-Kosmologie, sowie die Śāṇḍilya-Kāvaṣeya-Lehrgespräche zur Sühne und zur „Weltlosigkeit“ der Priester

athātaḥ payovratatāyai | payovrato dīkṣitaḥ syāddevebhyo ha vā amṛtamapacakrāma

Nun denn, zum Milch-Gelübde: der Geweihte soll das Milch-Gelübde einhalten – die Unsterblichkeit war ja den Göttern entwichen.

te hocuḥ | śrameṇa tapasedamanvicāmeti tacrameṇa tapasānvaicaṃste dīkṣitvā payovratā abhavannetadvai tapo yo dīkṣitvā payovrato 'sattasya ghoṣamāśuśruvuḥ

Sie sagten: „Mit Anstrengung, mit Askese wollen wir dem nachforschen“ – mit Anstrengung, mit Askese forschten sie dem nach; geweiht, wurden sie zu Milch-Gelübde-Haltern – dies eben ist Askese: dass einer, geweiht, das Milch-Gelübde hält; dessen Widerhall vernahmen sie.

te hocuḥ | nedīyo vai bhavati bhūyastapa upāyāmeti te trīntstanānupeyustatparādadṛśuḥ

Sie sagten: „Es kommt ja näher; lasst uns noch mehr Askese auf uns nehmen“ – sie näherten sich drei Zitzen; die sahen sie dann wieder entschwinden.

te hocuḥ | nedīyo vai bhavati bhūyastapa upāyāmeti te dvau stanā upeyustannedīyasaḥ parādadṛśuḥ

Sie sagten: „Es kommt ja näher; lasst uns noch mehr Askese auf uns nehmen“ – sie näherten sich zwei Zitzen; die sahen sie näher entschwinden.

te hocuḥ | nedīyo vai bhavati bhūyastapa upāyāmeti ta ekaṃ stanamupeyustadadhijagāma na tvabhipattuṃ śekuḥ

Sie sagten: „Es kommt ja näher; lasst uns noch mehr Askese auf uns nehmen“ – sie näherten sich einer Zitze; die erreichten sie, konnten sie aber nicht fassen.

te hocuḥ adhi vā aganna tvabhipattuṃ śaknumaḥ sarvaṃ tapa upāyāmeti ta upavasathe 'nāśakamupeyuretadvai sarvaṃ tapo yadanāśakastasmādupavasathe nāśnīyāt

Sie sagten: „Wir sind zwar herangekommen, können es aber nicht fassen; lasst uns die vollständige Askese auf uns nehmen“ – sie nahmen am Upavasatha-Tag das Fasten auf sich – dies eben ist die vollständige Askese: das Fasten; deshalb soll man am Upavasatha-Tag nicht essen.

tatprātarabhipadya | abhiṣutyāgnāvajuhavustadagnāvamṛtamadadhuḥ sarveṣāmu haiṣa devānāmātmā yadagnistadyadagnāvamṛtamadadhustadātmannamṛtamadadhata tato devā amṛtā abhavan

Am Morgen, nachdem sie dorthin gelangt waren, pressten sie und opferten in den Agni – damit legten sie die Unsterblichkeit in den Agni. Dieser Agni ist ja aller Götter Selbst; dass sie die Unsterblichkeit in den Agni legten, damit legten sie die Unsterblichkeit in ihr eigenes Selbst; daraufhin wurden die Götter unsterblich.

tadyattadamṛtaṃ somaḥ saḥ | tadadyāpi yajamānaḥ śrameṇa tapasānvicati sa dīkṣitvā payovrato bhavatyetadvai tapo yo dīkṣitvā payovrato 'sattasya ghoṣamāśṛṇotītyahe kraya iti

Was nun jene Unsterblichkeit war, das ist der Soma. So forscht auch heute noch der Opferer mit Anstrengung, mit Askese danach; geweiht, wird er zum Milch-Gelübde-Halter – dies eben ist Askese: dass einer, geweiht, das Milch-Gelübde hält; dessen Widerhall vernimmt er [Anm.: „ahe kraya“, wohl ein Ausruf beim Soma-Kauf, Bedeutung unsicher].

sa trīntstanānupaiti | tatparāpaśyati sa dvau stanā upaiti tannedīyasaḥ parāpaśyati sa ekaṃ stanamupaiti tadadhigacati na tvabhipattuṃ śaknoti sa upavasathe 'nāśakamupaityetadvai sarvaṃ tapo yadanāśakastasmādupavasathe nāśnīyāt

Er nähert sich drei Zitzen; die sieht er entschwinden. Er nähert sich zwei Zitzen; die sieht er näher entschwinden. Er nähert sich einer Zitze; die erreicht er, kann sie aber nicht fassen. Er nimmt am Upavasatha-Tag das Fasten auf sich – dies eben ist die vollständige Askese: das Fasten; deshalb soll man am Upavasatha-Tag nicht essen.

tatprātarabhipadya | abhiṣutyāgnau juhoti tadagnāvamṛtaṃ dadhātyatha bhakṣayati tadātmannamṛtaṃ dhatte so 'mṛto bhavatyetadvai manuṣyasyāmṛtatvaṃ yatsarvamāyureti tatho hānenātmanā sarvamāyureti

Am Morgen, nachdem er dorthin gelangt ist, presst er und opfert in den Agni – damit legt er die Unsterblichkeit in den Agni. Dann genießt er davon – damit legt er die Unsterblichkeit in sein Selbst; er wird unsterblich. Dies eben ist die Unsterblichkeit des Menschen: dass er sein volles Lebensalter erreicht; so erreicht er eben mit diesem Selbst sein volles Lebensalter.

agnau hutvātha bhakṣayati | daivo vā asyaiṣa ātmā mānuṣo 'yaṃ devā u vā agre 'tha manuṣyāstasmādagnau hutvātha bhakṣayati

Nachdem er in den Agni geopfert hat, genießt er dann davon – dieses ist ja sein göttliches Selbst, dieses das menschliche; zuerst sind ja die Götter, dann die Menschen; deshalb genießt er, nachdem er in den Agni geopfert hat, dann davon.

athātaḥ samiṣṭayajuṣāmeva mīmāṃsā | devāścāsurāścobhaye prājāpatyāḥ prajāpateḥ piturdāyamupeyurvācameva satyānṛte satyaṃ caivānṛtaṃ ca ta ubhaya eva satyamavadannubhaye 'nṛtaṃ te ha sadṛśaṃ vadantaḥ sadṛśā evāsuḥ

Nun denn, eine Untersuchung zu den Samiṣṭayajus-Formeln, den Sammel-Opferformeln: Götter und Asuras, beide Nachkommen Prajāpatis, traten das Erbe ihres Vaters Prajāpati an – nämlich die Rede selbst, sowohl Wahrheit als auch Unwahrheit. Beide sprachen Wahrheit, beide sprachen Unwahrheit; da sie Gleiches sprachen, waren sie einander gleich.

te devā utsṛjyānṛtam | satyamanvālebhire 'surā u hotsṛjya satyamanṛtamanvālebhire

Die Götter, die Unwahrheit verwerfend, hielten an der Wahrheit fest; die Asuras aber, die Wahrheit verwerfend, hielten an der Unwahrheit fest.

taddhedaṃ satyamīkṣāṃ cakre | yadasureṣvāsa devā vā utsṛjyānṛtaṃ satyamanvālapsata hanta tadayānīti taddevānājagāma

Da überlegte diese Wahrheit, die noch bei den Asuras war: „Die Götter haben, die Unwahrheit verwerfend, an der Wahrheit festgehalten – wohlan, dorthin will ich gehen!“ – da kam sie zu den Göttern.

anṛtamu hekṣāṃ cakre | yaddeveṣvāsāsurā vā utsṛjya satyamanṛtamanvālapsata hanta tadayānīti tadasurānājagāma

Und die Unwahrheit, die noch bei den Göttern war, überlegte: „Die Asuras haben, die Wahrheit verwerfend, an der Unwahrheit festgehalten – wohlan, dorthin will ich gehen!“ – da kam sie zu den Asuras.

te devāḥ | sarvaṃ satyamavadantsarvamasurā anṛtaṃ te devā āsakti satyaṃ vadanta aiṣāvīratarā ivāsuranāḍhyatarā iva tasmādu haitadya āsakti satyaṃ vadatyaiṣāvīratara ivaiva bhavatyanāḍhyatara iva sa ha tvevāntato bhavati devā hyevāntato 'bhavan

Die Götter sprachen alles Wahrheit, die Asuras alles Unwahrheit. Die Götter, die die Wahrheit stockend [Anm.: āsakti, wörtl. etwa „haftend, stockend“] sprachen, erschienen dadurch gleichsam weniger mannhaft, gleichsam ärmer; deshalb wird auch heute noch, wer die Wahrheit stockend spricht, gleichsam weniger mannhaft, gleichsam ärmer; doch erst am Ende wird er es, denn auch die Götter wurden es erst am Ende.

atha hāsurāḥ | āsaktyanṛtaṃ vadanta ūṣa iva pipisurāḍhyā ivāsustasmādu haitadya āsaktyanṛtaṃ vadatyūṣa ivaiva pisyatyāḍhya iva bhavati parā ha tvevāntato bhavati parā hyasurā abhavan

Die Asuras nun, die die Unwahrheit stockend sprachen, schwollen an wie salzhaltiges Land, erschienen wie Reiche – deshalb schwillt auch heute noch, wer die Unwahrheit stockend spricht, an wie salzhaltiges Land, erscheint wie ein Reicher; doch erst am Ende geht er unter, denn auch die Asuras gingen erst am Ende unter.

tadyattatsatyam | trayī sā vidyā te devā abruvanyajñaṃ kṛtvedaṃ satyaṃ tanavāmahā iti

Was nun jene Wahrheit war, das ist die dreifache Wissenschaft, Trayī Vidyā. Die Götter sagten: „Lasst uns, das Opfer vollzogen habend, diese Wahrheit ausdehnen!“

te dīkṣaṇīyāṃ niravapan | tadu hāsurā anububudhire yajñaṃ vai kṛtvā taddevāḥ satyaṃ tanvate preta tadāhariṣyāmo yadasmākaṃ tatreti tasya samiṣṭayajurahutamāsāthājagmustasmāttasya yajñasya samiṣṭayajurna juhvati te devā asurānpratidṛśya samullupya yajñamanyatkartuṃ dadhrire 'nyadvai kurvantīti punaḥ preyuḥ

Sie schütteten die Dīkṣaṇīya-Opfergabe hin. Auch das merkten die Asuras: „Die Götter dehnen ja, das Opfer vollziehend, die Wahrheit aus – geht hin, wir werden uns dort holen, was uns gehört!“ – dessen Samiṣṭayajus-Formel war noch nicht geopfert, als sie ankamen; deshalb opfert man bei diesem Opfer die Samiṣṭayajus-Formel nicht. Die Götter, die Asuras erblickend und ihnen die Sache entreißend, beschlossen, das Opfer anders zu vollziehen – mit dem Gedanken „sie werden es ja anders machen“ zogen sie erneut weiter.

teṣu preteṣu | prāyaṇīyam niravapaṃstadu hāsurā anveva bubudhire tasya śamyoruktamāsāthājagmustasmātsa yajñaḥ śamyvantaste devā asurānpratidṛśya mamullupya yajñamanyadeva kartuṃ dadhrire 'nyadvai kurvantīti punareva preyuḥ

Als sie weitergezogen waren, schütteten sie die Prāyaṇīya-Opfergabe hin. Auch das merkten die Asuras; dessen Śamyā-Pflock-Formel war bereits gesprochen, als sie ankamen; deshalb hat jenes Opfer die Śamyā-Formel. Die Götter, die Asuras erblickend und entreißend, beschlossen, das Opfer nochmals anders zu vollziehen – mit dem Gedanken „sie werden es ja anders machen“ zogen sie erneut weiter.

teṣu preteṣu | rājānaṃ krītvā paryuhyāthāsmā ātithyaṃ havirniravapaṃstadu hāsurā anveva bubudhire tasyeḍopahūtāsāthājagmustasmātsa yajña iḍāntaste devā asurānpratidṛśya samullupya yajñamanyadeva kartuṃ dadhrire 'nyadvai kurvantīti punareva preyuḥ

Als sie weitergezogen waren, kauften sie den König Soma, führten ihn im Umzug herum und schütteten für ihn die Gastopfer-Gabe, das Ātithya, hin. Auch das merkten die Asuras; dessen Iḍā-Anrufung war bereits ausgerufen, als sie ankamen; deshalb endet jenes Opfer mit der Iḍā. Die Götter, die Asuras erblickend und entreißend, beschlossen, das Opfer nochmals anders zu vollziehen – zogen sie erneut weiter.

teṣu preteṣu | upasado 'tanvata te tisra eva sāmidhenīranūcya devatā evāyajanna prayājānnānuyājānubhayato yajñasyodasādayanbhūyiṣṭhaṃ hi tatrātvaranta tasmādupasatsu tisra eva sāmidhenīranūcya devatā eva yajati na prayājānnānuyājānubhayato yajñasyotsādayati

Als sie weitergezogen waren, dehnten sie die Upasad-Riten aus. Sie opferten, nachdem sie nur drei Samidhenī-Verse hergesagt hatten, direkt den Gottheiten, ohne Vor- und Nachopfer; sie ließen die Opfer auf beiden Seiten aus, denn dort eilten sie besonders. Deshalb sagt man bei den Upasads nur drei Samidhenī-Verse her und opfert direkt den Gottheiten, ohne Vor- und Nachopfer; man lässt die Opfer auf beiden Seiten aus.

ta upavasathe 'gnīṣomīyam paśumālebhire | tadu hāsurā anveva bubudhire tasya samiṣṭayajūṃṣyahutānyāsurathājagmustasmāttasya paśoḥ samiṣṭayajūṃṣi na juhvati te devā asurānpra

Am Upavasatha-Tag ergriffen sie das Agnīṣomīya-Opfertier. Auch das merkten die Asuras; dessen Samiṣṭayajus-Formeln waren noch nicht geopfert, als sie ankamen; deshalb opfert man bei diesem Tier die Samiṣṭayajus-Formeln nicht. Die Götter erblickten die Asuras [Anm.: Satz im Quelltext abgebrochen, sinngemäß analog den vorigen Einheiten zu ergänzen].

teṣu preteṣu | prātaḥ prātaḥsavanamatanvata tadu hāsurā anveva bubudhire tasyaitāvatkṛtamāsa yāvatprātaḥsavanamathājagmuste devā asurānpra

Als sie weitergezogen waren, dehnten sie die Morgenpressung aus. Auch das merkten die Asuras; nur so viel war vollbracht, wie die Morgenpressung reicht, als sie ankamen. Die Götter erblickten die Asuras [Anm.: Formel im Quelltext abgekürzt, sinngemäß ergänzt] und entrissen ihnen die Sache, beschlossen, das Opfer nochmals anders zu vollziehen, und zogen erneut weiter.

teṣu preteṣu | mādhyandinaṃ savanamatanvata tadu hāsurā anveva bubudhire tasyaitāvatkṛtamāsa yāvanmādhyandinamathājagmuste devā asurānpra

Als sie weitergezogen waren, dehnten sie die Mittagspressung aus. Auch das merkten die Asuras; nur so viel war vollbracht, wie die Mittagspressung reicht, als sie ankamen. Die Götter erblickten die Asuras [Anm.: Formel abgekürzt, sinngemäß ergänzt] und entrissen ihnen die Sache, beschlossen, das Opfer nochmals anders zu vollziehen, und zogen erneut weiter.

teṣu pretaṣu | savanīyena paśunācaraṃstadu hāsurā anveva bubudhire tasyaitāvatkṛtamāsa yāvadetasya paśoḥ kriyate 'thājagmuste devā asurānpra

Als sie weitergezogen waren, verfuhren sie mit dem Pressungs-Opfertier. Auch das merkten die Asuras; nur so viel war vollbracht, wie für dieses Tier getan wird, als sie ankamen. Die Götter erblickten die Asuras [Anm.: Formel abgekürzt, sinngemäß ergänzt] und entrissen ihnen die Sache, beschlossen, das Opfer nochmals anders zu vollziehen, und zogen erneut weiter.

teṣu preteṣu | tṛtīyasavanamatanvata tatsamasthāpayanyatsamasthāpayaṃstatsarvaṃ satyamāpnuvaṃstato 'surā apapupruvire tato devā abhavanparāsurā bhavatyātmanā parāsya dviṣanbhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda

Als sie weitergezogen waren, dehnten sie die dritte Pressung aus. Sie brachten sie zum Abschluss; nachdem sie diesen Abschluss herbeigeführt hatten, erlangten sie die ganze Wahrheit; da wurden die Asuras hinweggefegt, da gewannen die Götter die Oberhand. Von selbst wird der Asura besiegt; ebenso wird der hassende Rivale von selbst besiegt für den, der so weiß.

te devā abruvan | ye na ime yajñāḥ sāmisaṃsthitā yānimānvijahato 'gāmopa tajjānīta yathemāntsaṃsthāpayāmeti te 'bruvaṃścetayadhvamiti citimicateti vāva tadabruvaṃstadicata yathemānyajñāntsaṃsthāpayāmeti

Die Götter sagten: „Diese unsere Opfer, die noch nicht zum Abschluss gekommen sind, die wir unterwegs zurückgelassen haben – lasst uns herausfinden, wie wir diese zum Abschluss bringen!“ Sie sagten: „Erkennt!“ [Anm.: cetayadhvam, Wortspiel mit citi „Schichtung“ und icata „sucht“] – eben „erkennt“ sagten sie im Sinne von „sucht“ – das eben sagten sie: sucht, wie wir diese Opfer zum Abschluss bringen.

te cetayamānāḥ | etāni samiṣṭayajūṃṣyapaśyaṃstānyajuhavustairetānyajñāntsamasthāpayanyatsamasthāpayaṃ stasmātsaṃsthitayajūṃṣyatha yatsamayajaṃstasmātsamiṣṭayajūṃṣi

Sie, suchend, sahen diese Samiṣṭayajus-Formeln; sie opferten sie, und brachten damit diese Opfer zum Abschluss. Dass sie sie zum Abschluss brachten: deshalb Abschluss-Formeln; und dass sie gemeinsam opferten: deshalb Sammel-Opferformeln, Samiṣṭayajus.

te vā ete nava yajñāḥ | navaitāni samiṣṭayajūṃṣi tadyadetāni juhotyetānevaitadyajñāntsaṃsthāpayatyubhayāni juhotyadhvarasya cāgneścādhvarasya pūrvāṇyathāgnestasyokto bandhuḥ

Diese sind ja die neun Opfer; neun sind diese Samiṣṭayajus-Formeln. Dass er diese opfert, damit bringt er eben diese Opfer zum Abschluss. Er opfert beide Arten: die vor dem Opferfeuer und vor dem Agni-Altar, und dann die nach dem Agni-Altar – dessen Bedeutung ist bereits genannt.

dve agnerjuhoti | dvipādyajamāno yajamāno 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivaitadyajñaṃ saṃsthāpayatīṣṭo yajño bhṛgubhiriṣṭo agnirāhutaḥ pipartu na iti

Zwei opfert er für Agni – zweifüßig ist der Opferer, der Opferer ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß bringt er dieses Opfer eben damit zum Abschluss. „Verehrt ist das Opfer von den Bhṛgus, verehrt ist Agni; dargebracht, möge er uns erfüllen“.

tānyubhayānyekādaśa sampadyante | ekādaśākṣarā triṣṭubvīryaṃ triṣṭubvīryamevaitadyajñamabhisampādayati

Beide zusammen ergeben elf – elfsilbig ist die Triṣṭubh, Manneskraft ist die Triṣṭubh; damit stattet er dieses Opfer eben mit Triṣṭubh-Manneskraft aus.

yadvevaikādaśa | ekādaśākṣarā vai triṣṭuptraiṣṭhubha indra indro yajñasyātmendro devatā tadya eva yajñasyātmā yā devatā tasminnevaitadyajñamantataḥ pratiṣṭhāpayati

Und dass es elf sind: elfsilbig ist ja die Triṣṭubh, triṣṭubhisch ist Indra; Indra ist das Selbst des Opfers, Indra die Gottheit. Eben in dem, was zugleich das Selbst des Opfers und dessen Gottheit ist, gründet er damit dieses Opfer am Ende fest.

samiṣṭayajūṃṣi hutvāvabhṛthaṃ yanti | avabhṛthādudetyodayanīyena caritvānūbandhyasya paśupuroḍāśamanu devikānāṃ havīṃṣi nirvapati

Nachdem sie die Samiṣṭayajus-Formeln geopfert haben, gehen sie zum abschließenden Reinigungsbad, dem Avabhṛtha. Er steigt aus dem Avabhṛtha auf und opfert, nachdem er mit der Udayanīya-Opferung verfahren ist, im Anschluss an den Opferkuchen des Anubandhya-Opfertiers die Devikā-Opfergaben.

etadvai prajāpatiḥ | prāpya rāddhvevāmanyata sa dikṣu pratiṣṭhāyedaṃ sarvaṃ dadhadvidadhadatiṣṭhadyaddadhadvidadhadatiṣṭhattasmāddhātā tathaivaitadyajamāno dikṣu pratiṣṭhāyedaṃ sarvaṃ dadhadvidadhattiṣṭhati

Dieser eben, Prajāpati, betrachtete sich, nachdem er dies erlangt hatte, als gleichsam vollendet. In den Himmelsrichtungen gegründet, stand er da, all dies ordnend und einrichtend; dass er ordnend und einrichtend dastand: deshalb der Ordner, Dhātṛ. Ebenso steht auch hier dieser Opferer, in den Himmelsrichtungen gegründet, all dies ordnend und einrichtend da.

yadvevaitāni havīṃṣi nirvapati | diśa eṣo 'gnistā u evāmūḥ purastāddarbhastambaṃ ca logeṣṭakāścopadadhāti tāḥ prāṇabhṛtaḥ prathamāyāṃ citau sarvaiva dvitīyā sarvā tṛtīyā sarvā caturthyatha pañcamyai citerasapatnā nākasadaḥ pañcacūḍāstā ūrdhvā utkrāmantya āyaṃstābhyaḥ prajāpatirabibhetsarvaṃ vā idamimāḥ parācyo 'tyeṣyantīti tā dhātā bhūtvā paryagacattāsu pratyatiṣṭhat

Und dass er diese Opfergaben darbringt: dieser Agni ist ja die Himmelsrichtungen, und eben diese hier sind jene. Davor legt er ein Darbha-Grasbüschel und die Wollziegel [Anm.: logeṣṭakāḥ, Bedeutung unsicher] hin – dies sind die Atemträger-Ziegel; auf der ersten Schicht ganz, auf der zweiten ganz, auf der dritten ganz, auf der vierten ebenso; für die fünfte Schicht aber die rivalenlosen Himmelssitzenden, die Nākasad-Ziegel, fünfschöpfig [Anm.: pañcacūḍa, Bedeutung unsicher]. Diese kamen, aufwärts steigend; vor ihnen fürchtete sich Prajāpati, mit dem Gedanken: „All dies – diese hier werden fortgehend über mich hinausgehen!“ Er umging sie, zum Ordner, Dhātṛ, geworden, und trat unter ihnen fest auf.

sa yaḥ sa dhātāsau sa ādityaḥ | atha yattaddiśām paramaṃ krāntametattadyasminneṣa etatpratiṣṭhitastapati

Der, der der Dhātṛ ist, das ist jener Āditya, die Sonne. Und was der äußerste Bereich der Himmelsrichtungen ist, das ist das, worin diese, die Sonne, fest gegründet, glüht.

sa yaḥ sa dhātāyameva sa dhātraḥ | dvādaśakapālaḥ puroḍāśo dvādaśakapālo dvādaśa māsāḥ saṃvatsaraḥ saṃvatsaraḥ prajāpatiḥ prajāpatirdhātātha yattaddiśām paramaṃ krāntametāni tāni pūrvāṇi havīṃṣyanumatyai carūrākāyai caruḥ sinīvālyai caruḥ kuhvyai carustadyadetāni nirvapati yadeva taddiśām paramaṃ krāntaṃ tasminnevainametatpratiṣṭhāpayati taṃ sarvaṃ juhotyetasyaiva kṛtsnatāyai

Der, der der Dhātṛ ist, dieser hier ist eben selbst der Dhātṛ, der Ordner. Der zwölfteilige Opferkuchen – zwölf sind die Monate, das Jahr; das Jahr ist Prajāpati, Prajāpati ist der Dhātṛ. Und was der äußerste Bereich der Himmelsrichtungen ist: das sind jene vorangehenden Opfergaben, ein Grützeopfer für Anumati, ein Grützeopfer für Rākā, ein Grützeopfer für Sinīvālī, ein Grützeopfer für Kuhū. Dass er diese hinschüttet: eben in jenem äußersten Bereich der Himmelsrichtungen gründet er dies damit; er opfert es ganz, um dessen Vollständigkeit willen.

tā vā etā devyaḥ | diśo hyetāścandāṃsi vai diśaścandāṃsi devyo 'thaiṣa kaḥ prajāpatistadyaddevyaśca kaśca tasmāddevikāḥ pañca bhavanti pañca hi diśaḥ

Diese sind ja jene Göttinnen – denn diese sind die Himmelsrichtungen; die Himmelsrichtungen sind die Versmaße, die Versmaße sind Göttinnen. Und dieser „Ka“ [„Wer?“, ein Name Prajāpatis] ist Prajāpati. Dass es sowohl Göttinnen als auch „Ka“ gibt: deshalb Devikās. Fünf sind es, denn fünf sind die Himmelsrichtungen.

tadāhuḥ | naitāni havīṃṣi nirvapennedatirecayānīti tāni vai nirvapedeva kāmebhyo vā etāni havīṃṣi nirupyante na vai kāmānāmatiriktamasti yadvai kiṃ ca paśupuroḍāśamanu havirnirupyate paśāveva sa madhyato medho dhīyata ubhayāni nirvapatyadhvarasya cāgneścādhvarasya pūrvamathāgnestasyokto bandhuruccaiḥ paśupuroḍāśo bhavatyupāṃśvetānīṣṭirhyanubrūhi preṣyeti paśupuroḍāśasyāhānubrūhi yajetyeteṣāmiṣṭirhi samānaḥ sviṣṭakṛtsamānīḍā

Dazu sagen sie: „Man solle diese Opfergaben nicht darbringen, damit man nicht übermäßig mache“ – man soll sie aber wohl darbringen; denn diese Opfergaben werden ja für die Wünsche dargebracht, und es gibt nichts, was über die Wünsche hinausginge. Was nun auch immer im Anschluss an den Tier-Opferkuchen als Opfergabe dargebracht wird: in das Tier eben wird das Fett in der Mitte hineingelegt; beide Arten bringt er dar, die vor dem Opferfeuer und vor dem Agni-Altar, und dann die, die nach dem Agni-Altar kommen – dessen Bedeutung ist bereits genannt. Laut ist der Tier-Opferkuchen, leise diese hier – denn eine bloße Zusatz-Opferhandlung ist dies ja. „Sprich die Anrufung, entsende!“ – gilt für den Tier-Opferkuchen; „Sprich, opfere!“ – für diese hier; denn deren Darbringung ist dieselbe. Derselbe ist der Sviṣṭakṛt-Schlussguss, dieselbe die Anrufungsformel [Anm.: Satz im Quelltext hier abgebrochen].

tasya vā etasya paśoḥ | juhvati samiṣṭayajūṃṣyabhyavayanti hṛdayaśūlenāvabhṛthaṃ saṃsthā hyeṣa paśurhṛdayaśūlena caritvā

Für dieses Opfertier: sie opfern die Samiṣṭayajus-Formeln; sie steigen mit dem Herz-Bratspieß zum Avabhṛtha-Bad hinab – denn dieses Opfertier ist ja der Abschluss; nachdem sie mit dem Herz-Bratspieß verfahren sind.

pratyetya vaiśvakarmaṇāni juhoti | viśvāni karmaṇyayamagnistānyasyātra sarvāṇi karmāṇi kṛtāni bhavanti tānyetatprīṇāti tāni haviṣā devatāṃ karoti yasyai vai devatāyai havirgṛhyate sā devatā na sā yasyai na gṛhyate 'tho viśvakarmāyamagnistamevaitatprīṇāti

Zurückgekehrt opfert er die Vaiśvakarmaṇa-Formeln, die dem Viśvakarman gehörigen – dieser Agni ist ja alle Werke; alle diese seine Werke werden hier vollbracht; die befriedigt er damit. Damit macht er durch die Opfergabe die Gottheit: für welche Gottheit die Opfergabe genommen wird, die ist die Gottheit, nicht die, für welche sie nicht genommen wird. Auch ist dieser Agni der Viśvakarman; eben diesen befriedigt er damit.

yadveva vaiśvakarmaṇāni juhoti | prāyaṇaṃ ca hāgnerudayanaṃ ca sāvitrāṇi prāyaṇaṃ vaiśvakarmaṇānyudayanaṃ sa yatsāvitrāṇyeva juhuyānna vaiśvakarmaṇāni yathā prāyaṇameva kuryānnodayanaṃ tādṛktadatha yadvaiśvakarmaṇānyeva juhuyānna sāvitrāṇi yathodayanameva kuryānna prāyaṇaṃ tādṛktadubhayāni juhoti prāyaṇaṃ ca tadudayanaṃcakaroti

Und dass er die Vaiśvakarmaṇa-Formeln opfert: sie sind ja der Aufbruch und die Ankunft des Agni. Die Sāvitra-Formeln sind der Aufbruch, die Vaiśvakarmaṇa-Formeln die Ankunft. Würde er nur die Sāvitra-Formeln opfern, nicht die Vaiśvakarmaṇa-Formeln, so wäre das, als machte er nur den Aufbruch und nicht die Ankunft – so wäre es unvollständig. Würde er aber nur die Vaiśvakarmaṇa-Formeln opfern, nicht die Sāvitra-Formeln, so wäre das, als machte er nur die Ankunft und nicht den Aufbruch – so wäre es unvollständig. Er opfert beide – damit macht er sowohl den Aufbruch als auch die Ankunft.

aṣṭāvasūni bhavanti | evamimāni tadyathā prāyaṇaṃtathodayanam karotisvāhākāro 'mīṣāṃ navamo bhavatyevameṣāṃ tadyathā prāyaṇaṃ tathodayanaṃ karotyāhutiramīṣāṃ daśamī bhavatyevameṣāṃ tadyathā prāyaṇaṃ tathodayanaṃ karoti saṃtatāṃ tatrāhutiṃ juhoti reto vai tatra yajño retaso 'vicedāya sruveṇeha svāhākāram niruktaṃ hi reto jāta bhavati

Acht sind die Vasu-Formeln – so machen diese, wie den Aufbruch, so die Ankunft. Der Svāhā-Ruf ist der neunte von diesen; so machen diese, wie den Aufbruch, so die Ankunft. Die Opfergabe ist die zehnte von diesen; so machen diese, wie den Aufbruch, so die Ankunft. Dort opfert er einen ununterbrochenen Opferguss – denn das Opfer ist dort ja Same; damit der Same nicht abreiße, opfert er dort mit dem Sruva-Löffel den Svāhā-Ruf – denn geboren wird der Same erst offenbar.

yadākūtāt | samasusroddhṛdo vā manaso vā sambhṛtaṃ cakṣuṣo vetyetasmāddhyetatsarvasmādagre karma samabhavattadanu preta sukṛtāmu lokaṃ yatra ṛṣayo jagmuḥ prathamajāḥ purāṇā ityamūnetadṛṣīnāha

„Aus der Absicht floss es zusammen, sei es aus dem Herzen, sei es aus dem Denken, sei es aus dem Auge zusammengebracht“ – denn aus all diesem eben entstand zuerst die Handlung; „geh danach hin zur Welt der Rechtschaffenen, wohin die Ṛṣis gingen, die Erstgeborenen, die Uralten“ – damit meint er eben jene Ṛṣis.

etaṃ sadhastha | pari te dadāmīti svargo vai lokaḥ sadhasthastadenaṃ svargāya lokāya paridadāti yamāvahācevadhiṃ jātavedāḥ anvāgantā yajñapatirvo atra taṃ sma jānīta parame vyomanniti yathaiva yajustathā bandhuḥ

„Diese Versammlungsstätte übergebe ich dir“ – die Svarga-Welt ist ja die Versammlungsstätte; damit übergibt er ihn der Svarga-Welt. „Den du, o Jātavedas, als Schatz hierher getragen hast – der Opferherr wird ihm nachfolgend hierher gelangen; erkennt ihn hier, im höchsten Firmament“ – so wie eben die Opferformel lautet, so ist deren Bedeutung.

etaṃ jānātha | parame vyomandevāḥ sadhasthā vida rūpamasya yadāgacātpathibhirdevayānairiṣṭāpūrte kṛṇavathāvirasmā iti yathaiva yajustathā bandhurudbudhyasvāgne yena vahasīti tayorakto bandhuḥ

„Erkennt diesen, o Götter, im höchsten Firmament, an den Versammlungsstätten; erkennt seine Gestalt, wenn er auf den von den Göttern begangenen Pfaden herankommt; macht ihm die Frucht von Opfer und Spende, Iṣṭāpūrta, offenbar“ – so wie eben die Opferformel lautet, so ist deren Bedeutung. „Erwache, o Agni, mit dem, womit du trägst“ – das ist die Bedeutung von jener.

prastareṇa paridhinā | srucā vedyā ca barhiṣā ṛcemaṃ yajñaṃ no naya svardeveṣu gantava ityetairno yajñasya rūpaiḥ svargaṃ lokaṃ gamayetyetat

„Mit dem Streubündel, mit dem Umfriedungsstab, mit dem Opferlöffel, mit der Altarstätte und mit dem Barhis-Streu, o Ṛc-Vers, führe dieses unser Opfer – wir wollen zu den Göttern in die Svarga-Welt gelangen“ – mit diesen Gestalten unseres Opfers möge er uns zur Svarga-Welt gelangen lassen – das ist damit gemeint.

yaddattaṃ yatparādānam | yatpūrtaṃ yāśca dakṣiṇāḥ tadagnirvaiśvakarmaṇaḥ svardeveṣu no dadhaditi yaccaiva samprati dadno yaccāsamprati tanno 'yamagnirvaiśvakarmaṇaḥ svarge loke dadhātvityetat

„Was gegeben wurde, was fortgegeben wurde, was als Spende, und was als Priestergaben – das möge uns Agni Vaiśvakarmaṇa bei den Göttern in der Svarga-Welt niederlegen“ – sowohl was jetzt gegeben wird als auch was jetzt nicht gegeben wird – das möge uns dieser Agni Vaiśvakarmaṇa in der Svarga-Welt niederlegen – das ist damit gemeint.

yatra dhārā anapetāḥ | madhorghṛtasya ca yāḥ tadagnirvaiśvakarmaṇaḥ svardeveṣu ṇo dadhaditi yathaiva yajustathā bandhuḥ

„Wo die ununterbrochenen Ströme von Honig und von Schmalz sind – dorthin möge uns Agni Vaiśvakarmaṇa bei den Göttern in der Svarga-Welt niederlegen“ – so wie eben die Opferformel lautet, so ist deren Bedeutung.

aṣṭau vaiśvakarmaṇāni juhoti | aṣṭākṣarā gāyatrī gāyatro 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainametadannena prīṇāti

Acht Vaiśvakarmaṇa-Formeln opfert er – achtsilbig ist die Gāyatrī, gāyatrisch ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß eben befriedigt er ihn damit mit dieser Speise.

vaiśvakarmaṇāni hutvā nāma karoti | yadā vai sarvaḥ kṛtsno jāto bhavatyatha nāma kurvantyatra vā eṣa sarvaḥ kṛtsno jāto bhavati

Nachdem er die Vaiśvakarmaṇa-Formeln geopfert hat, vollzieht er die Namensgebung – denn wenn einer ganz vollständig geboren ist, dann vollzieht man die Namensgebung; auch hier ist dieser Agni nun ganz vollständig geboren.

nāma kṛtvāthainamupatiṣṭhate | sarveṇa vā eṣa etamātmanā cinoti sa yadetāmatrātmanaḥ paridāṃ na vadetātra haivāsyaiṣa ātmānaṃ vṛñcītātha yadetāmatrātmanaḥ paridām vadate tayo hāsyaiṣa ātmānaṃ na vṛṅkte ye agnayaḥ pāñcajanyā asyām pṛthivyāmadhi teṣāmasi tvamuttamaḥ pra no jīvātave suveti ye ke cāgnayaḥ pañcacitikā asyām pṛthivyāmadhi teṣāmasi tvaṃ sattamaḥ pro asmānjīvanāya suvetyetadanuṣṭubhā vāgvā anuṣṭubvāgu sarvāṇi candāṃsi sarvairevāsmā etaccandobhirnihnuta upasthāyāgniṃ samārohya nirmathyodavasānīyayā yajate

Nachdem er die Namensgebung vollzogen hat, tritt er dann zu ihm heran – mit seinem ganzen Selbst schichtet er ihn ja damit auf. Würde er hier diese Formel zum Schutz seiner selbst nicht sprechen, so würde er sich hier eben sein eigenes Selbst schmälern; spricht er aber hier diese Formel zum Schutz seiner selbst, so schmälert er sich dadurch sein eigenes Selbst nicht. „Von den Agnis, die den fünf Völkern gehören, auf dieser Erde, bist du der höchste – treibe uns an zum Leben!“ „Von welchen Agnis auch immer, den fünfschichtigen, auf dieser Erde, bist du der beste – treibe uns an zu unserem Leben!“ – dies geschieht mit der Anuṣṭubh – die Rede ist ja die Anuṣṭubh, die Rede sind alle Versmaße; mit all diesen Versmaßen eben verhüllt er ihm dies damit. Nachdem er so herangetreten ist, den Agni-Altar bestiegen, das Feuer durch Reibung entzündet hat, opfert er mit der abschließenden Niederlassungs-Opferung, der Udavasānīyā.

atha maitrāvaruṇyā payasyayā yajate | devatrā vā eṣa bhavati ya etatkarma karoti daivamvetanmithunaṃ yanmitrāvaruṇau sa yadetayāniṣṭvā mānuṣyāṃ caretpratyavarohaḥ sa yathā daivaḥ sanmānuṣaḥ syāttādṛktadatha yadetayā maitrāvaruṇyā payasyayā yajate daivamevaitanmithunamupaityetayeṣṭvā kāmaṃ yathāpratirūpaṃ caret

Dann opfert er mit der Maitrāvaruṇī-Milchopferung – wer diese Handlung vollzieht, gelangt ja in die göttliche Sphäre; göttlich ist ja dieses Paar, nämlich Mitra und Varuṇa. Würde er, nachdem er damit geopfert hat, auf menschliche Weise weiterverfahren, so wäre das ein Rückschritt; damit es so wäre, wie wenn ein Göttlicher zu einem Menschlichen würde, so wäre das. Dass er aber mit dieser Maitrāvaruṇī-Milchopferung opfert: damit gelangt er eben in eben dieses göttliche Paar hinein; nachdem er damit geopfert hat, mag er dann nach Belieben verfahren, wie es sich geziemt.

yadvevaitayā maitrāvaruṇyā payasyayā yajate | prajāpatervisrastādretaḥ parāpatattaṃ yatra devāḥ samaskurvaṃstadasminnetayā maitrāvaruṇyā payasyayā reto 'dadhustathaivāsminnayametaddadhāti

Und dass er mit dieser Maitrāvaruṇī-Milchopferung opfert: aus dem sich auflösenden Prajāpati fiel Same ab; wo die Götter ihn dann wiederherstellten, dort legten sie mit dieser Maitrāvaruṇī-Milchopferung den Samen in ihn hinein; ebenso legt ihn auch hier dieser Agni jetzt in ihn hinein.

sa yaḥ sa prajāpatirvyasraṃsata | ayameva sa yo 'yamagniścīyate 'tha yadasmāttadretaḥ parāpatadeṣā sā payasyā maitrāvaruṇī bhavati prāṇodānau vai mitrāvaruṇau prāṇodānā u vai retaḥ siktaṃ vikurutaḥ payasyā bhavati payo hi reto yajño bhavati yajño hyeva yajñasya reta upāṃśu bhavatyupāṃśu hi retaḥ sicyate 'ntato bhavatyantato hi reto dhīyate

Der, der jener Prajāpati war, der sich auflöste: das ist eben dieser hier, der als dieser Agni geschichtet wird; und was von ihm da als Same abfiel, das wird eben diese Maitrāvaruṇī-Milchopferung. Atemhauch und Ausatem sind ja Mitra und Varuṇa; Atemhauch und Ausatem verwandeln ja den ausgestoßenen Samen zu Milch, denn Milch ist ja verwandelter Same. Das Opfer wird dazu, denn das Opfer ist ja eben der Same des Opfers. Das Upāṃśu-Opfer wird dazu, denn heimlich, upāṃśu, wird ja der Same ausgegossen. Am Ende wird er niedergelegt, denn am Ende wird ja der Same hineingelegt.

tasyai vājinena caranti | tasmindakṣiṇāṃ dadhāti tūparau mithunau dadyādityabhyājñāyenaiva manya iti ha smāha māhitthiḥ sravatyu haiṣāgnicita āhutiḥ somāhutiryāmaniṣṭake juhoti

Für diese Opferhandlung verfahren sie mit dem Vājina-Kraftspeise-Opfer – dabei setzt er eine Dakṣiṇā-Priestergabe fest: „er möge ein Paar Jungochsen geben“ – dies wird gesagt im Sinne allgemeiner Zustimmung – „so meine ich es“, sagte Māhitthi. Diese Opfergabe dessen, dessen Feueraltar geschichtet ist, verrinnt, wenn er sie auf den Yāma-Ziegel opfert [Anm.: Bedeutung der Einzelheiten unsicher].

sa svayamātṛṇā evopadadhīta | ime vai lokāḥ svayamātṛṇā ima u lokā eṣo 'gniścitaḥ

Er soll den Svayamātṛṇā-Ziegel, den Selbstdurchbohrten, darauflegen – diese Welten sind ja der Svayamātṛṇā; diese Welten, auch das, ist dieser aufgeschichtete Agni.

ṛtavyā evopadadhīta | saṃvatsaro vā ṛtavyāḥ saṃvatsara eṣo 'gniścitaḥ

Er soll den Jahreszeiten-Ziegel, den Ṛtavyā, darauflegen – das Jahr ist ja der Ṛtavyā-Ziegel; das Jahr, auch das, ist dieser aufgeschichtete Agni.

viśvajyotiṣa evopadadhīta | etā vai devatā viśvajyotiṣa etā u devatā eṣo 'gniścitaḥ

Er soll die Allglanz-Ziegel, die Viśvajyotis, darauflegen – diese Gottheiten sind ja der Viśvajyotis; diese Gottheiten, auch das, ist dieser aufgeschichtete Agni.

punaścitimevopadadhīta | punaryajño haiṣa uttarā haiṣā devayajyā punaryajñamevaitadupadhatta uttarāmeva devayajyāmupa hainam punaryajño na tathā kuryādyo vāva cite 'gnirnidhīyate tāmeveṣṭakāmeṣa sarvo 'gnirabhisampadyate tadyadagnau juhoti tadevāsya yathā sarvasmiñcāṇḍile 'gnau saṃcite pakṣapucavatyāhutayo hutāḥ syurevamasyaitā āhutayo hutā bhavanti

Er soll nur die Neu-Schichtung, den Punaściti, darauflegen – dies ist ja das Neu-Opfer, dies die höhere Götteropferung; damit legt er eben nur das Neu-Opfer hin, tritt er eben nur mit der höheren Götteropferung an ihn heran. Ein volles Neu-Opfer soll man nicht so vollziehen; vielmehr wird eben der Ziegel, auf dem der geschichtete Agni zuletzt niedergelegt wird, zum ganzen Agni schlechthin. Dass er in den Agni opfert, das ist eben sein Ersatz dafür – so wie, wenn der ganze aufgehäufte Agni geschichtet ist, die dort geopferten Opfergüsse gleichsam beschwingt und geschwänzt [Anm.: pakṣapucavatī, Bedeutung unsicher] wären, so werden diese seine Opfergüsse vollständig dargebracht.

sarvāṇi vā eṣa bhūtāni | sarvāndevāngarbho bhavati yo 'gniṃ bhibharti sa yo 'saṃvatsarabhṛtaṃ cinuta etāni ha sa sarvāṇi bhūtāni garbham bhūtaṃ nirhate yo nveva mānuṣaṃ garbhaṃ nirhanti tannveva paricakṣate 'tha kiṃ ya etaṃ devo hyeṣa nāsaṃvatsarabhṛtasya 'rtvijā bhavitavyamiti ha smāha vātsyo nedasya devaretasasya nirhaṇyamānasya medyasānīti

Wer den Agni trägt, wird ja zum Keim aller Wesen, aller Götter. Wer aber einen nicht ein volles Jahr getragenen Agni aufschichtet, der tötet damit gleichsam diese, alle Wesen, als zum Wesen gewordenen Keim – ebenso nennt man es ja auch, wenn einer einen menschlichen Keim abtötet. Was aber gilt für den, dem dieser so getragene Agni gehört? Denn dieser ist ja ein Gott. „Man müsse nicht Opferpriester eines nicht ein Jahr lang Getragenen sein“, so pflegte Vātsya zu sagen, „damit ich nicht an dem göttlichen Samen dessen teilhabe, der da getötet wird“.

ṣaṇmāsyamantamaṃ cinvītetyāhuḥ | ṣaṇmāsyā vā antamā garbhā jātā jīvantīti sa yadyasaṃvatsarabhṛte mahadukthaṃ śaṃsedṛgaśītīḥ śaṃsedasarvaṃ vai tadyadasaṃvatsarabhṛto 'sarvaṃ tadyadṛgaśītayo vikṛṣṭaṃ tvenaṃ sa bhūyo vikarṣedyadi caiva saṃvatsarabhṛtaḥ syādyadi cāsaṃvatsarabhṛtaḥ sarvameva mahadukthaṃ śaṃset

Man solle mindestens einen sechs Monate getragenen Agni aufschichten, sagen sie – denn sechs Monate alte Keime, geboren, leben ja. Würde er für einen nicht ein Jahr lang Getragenen das Mahaduktha, die große Lobrede, hersagen, so sollte er nur die Ṛgaśīti, die Achtzig-Verse-Reihe, hersagen – unvollständig ist ja das Opfer eines nicht ein Jahr lang Getragenen; unvollständig aber ist auch, dass er die Ṛgaśīti hersagt – damit würde er ihn nur unvollständig herausziehen. Ob er nun ein Jahr lang getragen ist oder nicht ein Jahr lang getragen ist, er solle das ganze Mahaduktha hersagen.

atha ha śāṇḍilyāyanaḥ prācyāṃ jagāma | taṃ ha daiyāmpātiruvāca śāṇḍilyāyana kathamagniścetavyo glāyāmo 'ha saṃvatsarabhṛtāyāgnimu cikīṣāmaha iti

Nun zog Śāṇḍilyāyana einst in den Osten. Da sprach Daivyaṃpāti zu ihm: „Śāṇḍilyāyana, wie soll der Feueraltar geschichtet werden? Wir werden müde; wir möchten den Feueraltar für einen nicht ein Jahr lang Getragenen errichten.“

sa hovāca | kāmaṃ nvā enaṃ sa cinvīta yena purā saṃvatsaram bhṛtaḥ syāttaṃ hyeva tam bhṛtaṃ santaṃ cinuta iti

Da sprach er: „Nach Belieben mag er ihn wohl aufschichten, aber nur für den, der zuvor schon ein Jahr lang getragen war; denn eben diesen, den bereits Getragenen, schichtet er ja auf.“

kāmamvevainaṃ sa cinvīta | yaḥ saṃvatsaramabhiṣaviṣyantsyādeṣa vā enaṃ pratyakṣamannena bibhartyetābhirāhutibhiḥ

Nach Belieben mag ihn der aufschichten, der ein Jahr lang pressen will – dieser trägt ihn ja sichtbar, mit Speise, durch diese Opfergüsse.

kāmamvevainaṃ sa cinvīta | yaḥ saṃvatsaramagnihotraṃ juhuyāadbibharti vā enameṣa yo 'gnihotraṃ juhoti

Nach Belieben mag ihn der aufschichten, der ein Jahr lang das Agnihotra darbringen will – denn wer das Agnihotra darbringt, trägt ihn ja.

kāmamvevainaṃ sa cinvīta | yaḥ saṃvatsaraṃ jātaḥ syātprāṇo vā agnistametadbibhartyatha ha vai retaḥ siktam prāṇo 'nvavarohati tadvindate tadyajjātaṃ-jātaṃ vindate tasmājjātavedāstasmādapyevaṃvitkāmaṃ sadyobhṛtaṃ cinvīta yadu ha vā evaṃvitpibati vā pāyayati vā tadevāsya yathā sarvasmiñcāṇḍile 'gnau saṃcite pakṣapucavatyāhutayo hutāḥ syurevamasyaitā āhutayo hutā bhavanti

Nach Belieben mag ihn der aufschichten, der ein Jahr lang geboren, am Leben, war – der Atemhauch ist ja Agni; der trägt ihn eben. Wenn nämlich der Same ausgegossen ist, steigt der Atemhauch in ihn hinab, findet ihn; dass er ihn bei jeder Geburt findet – deshalb Jātavedas, der „das Gewordene Wissende“. Deshalb mag auch, wer so weiß, nach Belieben einen nur sogleich, von Geburt an, getragenen Agni aufschichten. Denn was ein solcher Wissender trinkt oder zu trinken gibt, das ist eben sein Ersatz dafür – so wie, wenn der ganze aufgehäufte Agni geschichtet ist, die dort geopferten Opfergüsse gleichsam beschwingt und geschwänzt wären, so werden diese seine Opfergüsse dargebracht.

indra etattsarptaccamapaṣyat nyūnasyāptyā atiriktyai vyṛddhasya samṛddhyā atha ha vā īśvaro 'gniṃ citvā kiṃciddauritamāpattorvi vā hvalitoryadvā yadā ha vā etacyāparṇaḥ sāyakāyanaḥ śuśrāvātha haitatkarmopadadharṣa

Indra sah dies alles [Anm.: Satzanfang im Quelltext beschädigt/unsicher] – zur Ergänzung des zu Wenigen, zur Übertreffung des Übermäßigen, zur Wiederherstellung des Missratenen. Wenn nun ein Meister, nachdem er den Agni geschichtet hat, irgendeinen Fehler begangen hat oder abgeirrt oder abgewichen ist – als Cyāparṇa Sāyakāyana davon hörte, da wagte er diese Handlung.

saiṣā trayasya samṛddhiḥ | agneḥ samṛddhiryo 'gniṃ cinute tasya samṛddhiryo 'gniṃ cinoti tasya samṛddhiḥ

Dies ist die Gedeihung des Dreifachen – die Gedeihung des Agni: wer den Agni errichtet, dessen ist die Gedeihung; wer den Agni aufschichtet, dessen ist die Gedeihung.

tadyadetenopatiṣṭhate | yadevāsyātra vidvānvāvidvāti vā recayati na vābhyāpayati tadevāsyaitena sarvamāptam bhavati yadasya kiṃ cānāptaṃ ya u tasyāmanuṣṭubhyṛci kāmo 'traiva tamāpnotyathā etasmādevaitatkarmaṇo rakṣāṃsi nāṣṭrā apahanti no hainamanuvyāhāriṇa stṛṇvate tasmādapyevaṃvitkāmam parasmā agniṃ cinuyādīśvaro ha śreyānbhavitoḥ

Dass er sich nun mit diesem Ritus naht: was auch immer er hier, sei es wissend, sei es unwissend, ausgelassen hat oder nicht hinzugefügt hat, das alles wird ihm damit vollständig erlangt, was auch immer an ihm unerlangt war; und welcher Wunsch für ihn in diesem Anuṣṭubh-Vers liegt, den erlangt er eben dort. Von da an schlagen die Unholde ihn durch diese Handlung nicht mit Verderben [Anm.: nāṣṭrā, Bedeutung unsicher], noch überwältigen ihn die Verleumder. Deshalb mag auch, wer so weiß, aus Wunsch für einen anderen den Agni errichten, obgleich ein Meister eigentlich dessen nicht bedürfen sollte.

vārtrahatyāya śavase | sahadānum puruhūta kṣiyantamiti vārtraghnībhyām prathamābhyāmupatiṣṭata etadvai devā vṛtram pāpmānaṃ hatvāpahatapāpmāna etatkarmākurvata tathaivaitadyajamāno vṛtram pāpmānaṃ hatvāpahatapāpmaitatkarma kurute

„Zur Vṛtra-Tötungs-Kraft, samt Sahadānu, o Vielgerufener, den Wohnenden“ – mit den beiden Vṛtra-tötenden, den ersten, naht er sich – damit vollzogen ja die Götter, nachdem sie Vṛtra, das Übel, getötet hatten, als vom Übel Befreite, diese Handlung; ebenso vollzieht auch hier dieser Opferer, nachdem er Vṛtra, das Übel, getötet hat, als vom Übel Befreiter, diese Handlung.

vi na indra mṛdho jahi | mṛgo na bhīmaḥ kucaro giriṣṭhā iti vaimṛdhībhyāṃ dvitīyābhyāmetadvai devā mṛdhaḥ pāpmānaṃ hatvāpahatapāpmāna etatkarmākurvata tathaivaitadyajamāno mṛdhaḥ pāpmānaṃ hatvāpahatapāpmaitatkarma kurute

„Zerschlage uns, o Indra, die Verächter, wie ein furchtbares, umherstreifendes, bergbewohnendes Wildtier“ – mit den beiden Mṛdha-zerschlagenden, den zweiten, naht er sich – damit vollzogen ja die Götter, nachdem sie die Mṛdhas, das Übel, getötet hatten, als vom Übel Befreite, diese Handlung; ebenso vollzieht auch hier dieser Opferer, nachdem er die Mṛdhas, das Übel, getötet hat, als vom Übel Befreiter, diese Handlung.

vaiśvānaro na ūtaye | pṛṣṭo divi pṛṣṭo agniḥ pṛthivyāmiti vaiśvānarībhyāṃ tṛtīyābhyāmetadvai devā vaiśvānareṇa pāpmānaṃ dagdhvāpahatapāpmāna etatkarmākurvata tathaivaitadyajamāno vaiśvānareṇa pāpmānaṃ dagdhvāpahatapāpmaitatkarma kurute

„Vaiśvānara zu unserem Beistand, befragt im Himmel, befragt Agni auf Erden“ – mit den beiden Vaiśvānara-Versen, den dritten, naht er sich – damit vollzogen ja die Götter, nachdem sie durch Vaiśvānara das Übel verbrannt hatten, als vom Übel Befreite, diese Handlung; ebenso vollzieht auch hier dieser Opferer, nachdem er durch Vaiśvānara das Übel verbrannt hat, als vom Übel Befreiter, diese Handlung.

aśyāma ta kāmamagne tavotīti | ekayā kāmavatyaitadvai devāḥ pāpmānamapahatyaikayā kāmavatyaikadhāntataḥ sarvānkāmānātmannakurvata tathaivaitadyajamānaḥ ṣaḍṛcena pāpmānamapahatyaikayā kāmavatyekadhāntataḥ sarvānkāmānātmankurute

„Deinen Wunsch möchten wir erlangen, o Agni, mit deiner Hilfe“ – mit dem einen wunscherfüllenden Vers – damit vertrieben ja die Götter das Übel und legten sich mit dem einen wunscherfüllenden Vers am Ende, in eins vereint, alle Wünsche in ihr Selbst hinein; ebenso vertreibt auch hier dieser Opferer mit dem sechsversigen Spruch das Übel und legt sich mit dem einen wunscherfüllenden Vers am Ende, in eins vereint, alle Wünsche in sein Selbst hinein.

saptarcam bhavati | saptacitiko 'gniḥ sapta 'rtavaḥ sapta diśaḥ sapta devalokāḥ sapta stomāḥ sapta pṛṣṭhāni sapta candāṃsi sapta grābhyāḥ paśavaḥ saptāraṇyāḥ sapta śorṣanprāṇā yatkiṃ ca saptavidhamadhidevatamadhyātmaṃ tadenena sarvamāpnoti tā anuṣṭubhamabhisampadyante vāgvā anuṣṭubvācaivāsya tadāpnoti yadasya kiṃ cānāptam

Siebenversig ist dieser Spruch – siebenschichtig ist Agni, sieben sind die Jahreszeiten, sieben die Himmelsrichtungen, sieben die Götterwelten, sieben die Stomas, sieben die Pṛṣṭha-Gesänge, sieben die Versmaße, sieben die zahmen Tiere, sieben die wilden Tiere, sieben im Kopf die Atemkräfte – was auch immer siebenfach ist, sei es auf die Gottheiten, sei es auf das Selbst bezogen, das alles erlangt er damit. Diese Verse gehen in die Anuṣṭubh über – die Rede ist ja die Anuṣṭubh; durch die Rede eben erlangt er damit, was auch immer an ihm unerlangt ist.

aṣṭarcenopatiṣṭhetetyu haika āhuḥ | vayaṃ te adya rarimā hi kāmamiti dvitīyayā kāmavatyā sapta pūrvāstadaṣṭāvaṣṭākṣaro gāyatrī gāyatro 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivāsya tadāpnoti yadasya kiṃ cānāptamatho evaṃ samaṃ devate bhajete iti na tathā kuryādetā vāva saptāṣṭāvanuṣṭubho bhavanti sa yo 'ṣṭarce kāmo 'traiva tamāpnoti

Manche nun sagen: man solle sich mit einem achtversigen Spruch nähern – „Wir haben dir heute wahrlich den Wunsch gewährt“ – mit dem zweiten wunscherfüllenden Vers, zu den sieben vorigen hinzu; das macht acht; achtsilbig ist die Gāyatrī, gāyatrisch ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß erlangt er damit eben, was auch immer an ihm unerlangt ist. Und manche sagen: „so würden die beiden Gottheiten gleichermaßen teilhaben“ – so solle man aber nicht tun; diese sind ja sieben-und-acht, zusammen Anuṣṭubh-Gruppen; welcher Wunsch im achten Vers liegt, den erlangt er eben dort.

aindrāgnībhirupatiṣṭhate | aindrāgno 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvatraivāsya tadāpnoti yadasya kiṃ cānāptamindrāgnī vai sarve devāḥ sarvadevatyo 'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivāsya tadāpnoti yadasya kiṃ cānāptam

Mit den Indra-Agni-Versen naht er sich – indra-agnisch ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß erlangt er damit eben, was auch immer an ihm unerlangt ist. Indra und Agni sind ja alle Götter; allgöttlich ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß erlangt er damit, was auch immer an ihm unerlangt ist.

taddhaike | karmaṇaḥ karmaṇa evaitām pratipadaṃ kurvate 'pahatapāpmāna etatkarma karavāmahā iti purīṣavatīṃ citiṃ kṛtvopatiṣṭhetetyu haika āhustatra hi sā sarvā kṛtsnā bhavatīti sa yathā kāmayeta tathā kuryāditi nu cayanasyāthāto 'cayanasya

Dabei vollziehen manche dies bei jeder einzelnen Handlung als wiederkehrende Übung – mit dem Gedanken „lasst uns, vom Übel befreit, diese Handlung vollziehen“. Manche aber sagen, man solle sich erst nähern, nachdem man die Purīṣa-bedeckte Schicht hergestellt hat – denn dort erst wird sie ganz vollständig. Er mag tun, wie er es wünscht. So viel nun zur vollen Aufschichtung; nun aber im Folgenden zur Nicht-Aufschichtung.

trayo ha vai samudrāḥ | agniryajuṣām mahāvrataṃ sāmnām mahadukthamṛcāṃ sa ya etāni parasmai karotyetānha sa samudrāñcoṣayate tāñcuṣyato 'nvasya candāṃsi śuṣyanti candāṃsyanu loko lokamanvātmātmānamanu prajā paśavaḥ sa ha śvaḥ śva eva pāpīyānbhavati ya etāni parasmai karoti

Drei sind ja die Ozeane: Agni der Ozean der Yajus-Formeln, das Mahāvrata der Ozean der Sāman-Gesänge, das Mahaduktha der Ozean der Ṛc-Verse. Wer diese für einen anderen vollzieht, der lässt eben diese Ozeane vertrocknen; wenn sie vertrocknen, vertrocknen im Gefolge seine Versmaße; im Gefolge der Versmaße seine Welt; im Gefolge der Welt sein Selbst; im Gefolge des Selbst seine Nachkommenschaft, sein Vieh. Er wird Tag für Tag eben immer schlechter, wer diese für einen anderen vollzieht.

atha ya etānyakṛtvā | pasmā api sarvairanyairyajñakratubhiryājayedetebhyo haivāsya samudrebhyaścandāṃsi punarāpyāyante candāṃsyanu loko lokamanvātmātmānamanu prajā paśavaḥ sa ha śvaḥ śva eva śreyānbhavati ya etāni parasmai na karotyathaiṣa ha vā asya daivo 'mṛta ātmā sa ya etāni parasmai karotyetaṃ ha sa daivamātmānam parasmai prayacatyatha śuṣka eva sthāṇuḥ pariśiṣyate

Wer aber diese nicht für einen anderen vollzieht, sondern sich von allen anderen Opferriten für sich opfern lässt, dem schwellen eben aus diesen Ozeanen die Versmaße wieder an; im Gefolge der Versmaße die Welt; im Gefolge der Welt das Selbst; im Gefolge des Selbst die Nachkommenschaft, das Vieh. Er wird Tag für Tag eben immer besser, wer diese nicht für einen anderen vollzieht. Nun ist dies eben sein göttliches, unsterbliches Selbst: wer diese für einen anderen vollzieht, der gibt eben dieses sein göttliches Selbst an den anderen weg; dann bleibt nur ein vertrockneter Baumstumpf von ihm übrig.

taddhaike | kṛtvā kurvate vā prati vā kārayanta eṣā prāyaścittiriti na tathā kuryādyathā śuṣkaṃ sthāṇumudakenābhiṣiñcetādṛktatpūyedvā vai sa vi vā mrityennaitasya prāyaścittirastītyeva vidyāt

Dabei tun manche, die es getan haben, es im Gegenzug selbst wieder oder lassen es sich zur Sühne tun – mit dem Gedanken „dies sei die Sühnehandlung“ – so solle man aber nicht tun; das wäre, wie wenn man einen vertrockneten Baumstumpf mit Wasser besprengte – er würde dabei faulen oder auseinanderfallen; man solle vielmehr wissen, dass es dafür keine Sühne gibt.

atha ha smāha śāṇḍilyaḥ | turo ha kāvaṣeyaḥ kārotyāṃ devebhyo 'gniṃ cikāya taṃ ha devāḥ papracurmune yadalokyāmagnicityāmāhuratha kasmādacaiṣīriti

Nun pflegte Śāṇḍilya zu sagen: Tura, der Sohn des Kavaṣa, errichtete zu Kārotī [Anm.: Ortsname unsicher] den Agni für die Götter. Da fragten ihn die Götter: „O Weiser, da du sagst, die Feueraltar-Errichtung sei welt-los – warum hast du sie dann unternommen?“

sa hovāca | kiṃ nu lokyaṃ kimalokyamātmā vai yajñasya yajamāno 'ṅgānyṛtvijo yatra vā ātmā tadaṅgāni yatro aṅgāni tadātmā yadi vā ṛtvijo 'lokā bhavantyaloka u tarhi yajamāna ubhaye hi samānalokā bhavanti dakṣiṇāsu tveva na saṃvaditavyaṃ saṃvādenaiva 'rtvijo 'lokā iti

Da sprach er: „Was ist denn welthaft, was weltlos? Der Opferer ist ja das Selbst des Opfers, die Opferpriester seine Glieder; wo das Selbst ist, dort sind die Glieder; wo die Glieder sind, dort ist das Selbst. Wenn die Priester weltlos sind, dann ist auch der Opferer weltlos; denn beide haben ja dieselbe Welt gemeinsam. Nur bei den Priestergaben, den Dakṣiṇās, sollte man dem nicht zustimmen – nur aus bloßer Übereinkunft heißt es: die Priester sind weltlos.“

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