Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 32

Anuvāka 6 Das Ergreifen des Ājya-Schöpfbechers mit den Fünferformeln, Deutung der Veda-Besen (veda), Ort des Opferfeuers und Abwehr der Opferzerstörer.

devāñ janam agan yajña iti

„Zu den Göttern, zu den Leuten ist das Opfer gegangen“ –

janaṃ vā etad yajñasyaiti yat skandati

Zu den Leuten geht fürwahr das vom Opfer, was herausspritzt.

janād eva yajñasyāśiṣam avarunddhe

Von den Leuten gewinnt er den Wunsch des Opfers.

pañcānāṃ tvā vātānāṃ dhartrāya gṛhṇāmīti

„Ich ergreife dich zur Stützung der fünf Winde“ –

ayaṃ vāva yaḥ pavate sa yajñaḥ

Der hier weht, der ist wahrlich das Opfer.

yajñam evāsmai gṛhṇāti

Das Opfer ergreift er für ihn.

pañcānāṃ tvā salilānāṃ dhartrāya gṛhṇāmīti

„Ich ergreife dich zur Stützung der fünf Fluten“ –

paśavo vai salilam

Das Vieh ist fürwahr die Flut.

paśūn evāsmai gṛhṇāti

Das Vieh ergreift er für ihn.

pañcānāṃ tvā pṛṣṭhānāṃ dhartrāya gṛhṇāmīti

„Ich ergreife dich zur Stützung der fünf Pṛṣṭha-Sāmans“ –

yajño vai pṛṣṭhāni

Das Opfer sind fürwahr die Pṛṣṭhas.

yajñam evāsmai gṛhṇāti

Das Opfer ergreift er für ihn.

etena vai darśapūrṇamāsau pṛṣṭhavantau

Dadurch sind Neu- und Vollmondopfer (Darśapūrṇamāsa) mit Pṛṣṭhas versehen.

pañcānāṃ tvā diśāṃ dhartrāya gṛhṇāmīti

„Ich ergreife dich zur Stützung der fünf Himmelsrichtungen“ –

pañca vai diśas

Fünf sind fürwahr die Himmelsrichtungen.

diśa evāsmai gṛhṇāti

Die Himmelsrichtungen ergreift er für ihn.

sarvā diśo 'bhijayati

Alle Himmelsrichtungen besiegt er.

sarvā asya diśo 'bhijitā bhavanti

Alle Himmelsrichtungen sind ihm besiegt.

pañcānāṃ tvā pañcajanānāṃ dhartrāya gṛhṇāmīti ‖

„Ich ergreife dich zur Stützung der fünf Stämme“ –

chandām̐si vai pañca pañcajanās

Die Metren sind fürwahr die fünf Stämme.

upainaṃ yajño namati

Das Opfer neigt sich zu ihm.

bhūr asmākam̐ havyaṃ devānām āśiṣo yajamānasyeti

„Gedeihen für uns, die Opfergabe für die Götter, die Wünsche für den Opferherrn“ –

bhūtim evātmane gṛhṇāti havyaṃ devebhya āśiṣo yajamānasya

Gedeihen ergreift er für sich selbst, die Opfergabe für die Götter, die Wünsche für den Opferherrn.

caros tvā pañcabilasya dhartrāya gṛhṇāmīti

„Ich ergreife dich zur Stützung des Caru mit fünf Öffnungen“ [Anm.: caru = Kessel/Kochtopf] –

ime lokāś caruḥ pañcabilas

Diese Welten sind der Caru mit fünf Öffnungen.

imān evāsmai lokān gṛhṇāti

Diese Welten ergreift er für ihn.

dhāmāsi priyaṃ devānām anādhṛṣṭaṃ devayajanam iti

„Du bist die Stätte, die liebe der Götter, unangreifbar, die Götteropferstätte“ –

prajñāta ājyagrahaḥ pathāgāt

Der bekannte Ājya-Schöpfbecher (graha) ist auf dem (rechten) Weg gegangen [?].

nāsmād yajño hūrchati ya evaṃ veda

Von dem, der dies weiß, kommt das Opfer nicht ab.

yajño vai devebhyo 'pākrāmat

Das Opfer entwich fürwahr den Göttern.

taṃ vedenānvavindan

Sie fanden es mit dem Veda-Besen (veda) wieder.

tad vedasya vedatvam

Das ist das Wesen des veda als „Findenden“.

yajñasyānuvittyai

(geschieht) zum Wiederfinden des Opfers.

strī vai vediḥ pumān vedas

Die Vedi (Altarfläche) ist weiblich, der veda männlich.

yad vedena vedim̐ saṃmārṣṭi

Dass er mit dem veda die Vedi abkehrt,

prajāpater vā etāni śmaśrūṇi yad vedas

Prajāpatis Barthaare sind fürwahr diese: der veda.

yāṃ patnīṃ kāmayeta putraṃ vindeteti tasyā upastha āsyet

Von welcher Gattin man wünscht: „Er möge einen Sohn finden“, in deren Schoß soll man ihn (den veda) hinlegen [?].

śiro vā etad yajñasya yat puroḍāśaḥ

Das Haupt des Opfers ist fürwahr der Reiskuchen (puroḍāśa).

yad vedena puroḍāśam̐ samunmārṣṭi

Dass er mit dem veda den Reiskuchen abstreicht,

yajñasya sarvatvāya

(geschieht) zur Ganzheit des Opfers.

oṣadhayo vai vedaḥ

Die Pflanzen sind fürwahr der veda.

eṣa paśūnāṃ goṣṭho yad antarāgnī

Dies ist der Viehstall des Viehs, was zwischen den beiden Feuern (liegt).

yad vedam antarāgnī stṛṇāti

Dass er den veda zwischen den beiden Feuern ausbreitet,

sva eva goṣṭhe bhrātṛvyasya paśūn vṛṅkte

damit nimmt er dem Rivalen das Vieh in den eigenen Stall weg.

duranuvedo vā amutra yajñas

Schwer wiederzufinden ist fürwahr das Opfer dort (im Jenseits).

yajñasyānuvittyai

(geschieht) zum Wiederfinden des Opfers.

vi vā etad yajñaś chidyate yad ardhamāse'rdhamāse sam̐sthāṃ gacchati

Das Opfer wird fürwahr abgeschnitten, dass es in jedem Halbmonat zum Abschluss kommt.

yat saṃtatam āhavanīyāt stṛṇāti

Dass er ihn ununterbrochen vom Āhavanīya (Feuer) her ausbreitet,

yajñam eva saṃtanoti

damit setzt er das Opfer fort.

tam̐ saṃtatam uttare 'rdhamāsa ālabhate ‖

Dieses fortgesetzte (Opfer) fasst er im folgenden Halbmonat an.

yajñahano vai devā yajñamuṣas santi

Es gibt fürwahr Götter, die das Opfer zerstören und das Opfer stehlen.

ta eṣu lokeṣv āsata ādadānā vimathnānā yo dadāti yo yajate tasya

Sie sitzen in diesen Welten, nehmend, zerreibend, (den Anteil) dessen, der gibt, der opfert.

ye devā yajñahano yajñamuṣaḥ pṛthivyām adhyāsata iti

„Die Götter, die Opferzerstörer, Opferdiebe, die auf der Erde sitzen“ –

ya eva pṛthivyāṃ yajñahanaś ca yajñamuṣuś ca devās tān atītyāntarikṣaṃ gacchati

Er geht an den auf der Erde weilenden opferzerstörenden und opferdiebischen Göttern vorbei zum Luftraum.

gacchema sukṛto vayam iti

„Wir wollen als Wohltäter (dorthin) gelangen“ –

ye devā yajñahano yajñamuṣo 'ntarikṣe 'dhyāsata iti

„Die Götter, die Opferzerstörer, Opferdiebe, die im Luftraum sitzen“ –

ya evāntarikṣe yajñahanaś ca yajñamuṣaś ca devās tān atītya divaṃ gacchati

Er geht an den im Luftraum weilenden opferzerstörenden und opferdiebischen Göttern vorbei zum Himmel.

gacchema sukṛto vayam iti

„Wir wollen als Wohltäter (dorthin) gelangen“ –

ye devā yajñahano yajñamuṣo divy adhyāsata iti

„Die Götter, die Opferzerstörer, Opferdiebe, die im Himmel sitzen“ –

ya eva divi yajñahanaś ca yajñamuṣaś ca devās tān atītya svargaṃ lokaṃ gacchati

Er geht an den im Himmel weilenden opferzerstörenden und opferdiebischen Göttern vorbei zur himmlischen Welt.

gacchema sukṛto vayam iti

„Wir wollen als Wohltäter (dorthin) gelangen“ –

gomām̐ agne 'vimām̐ aśvī yajña iti

„Reich an Rindern, Schafen, Rossen sei das Opfer, Agni“ –

gomantam evāvimantam aśvinaṃ yajñaṃ kurute

ein Opfer mit Rindern, Schafen und Rossen macht er.

nṛvatsakhā sadam id apramṛṣya iti

„Mit Männern als Freunden, stets unvergesslich“ –

nṛvatsakhā hy eṣa sadam id apramṛṣyas

Denn dies (Opfer) hat Männer zu Freunden, ist stets unvergesslich.

iḍāvām̐ eṣo asura prajāvān iti

„Dieser hat Iḍā, o Herr, hat Nachkommen“ –

dīrgho rayiḥ pṛthubudhnas sabhāvān iti

„Lang sei der Reichtum, breitgegründet, mit Versammlung begabt“ –

agne vratapate vratam acāriṣam iti

„Agni, Herr des Gelübdes, ich habe das Gelübde geübt“ –

agnir vai devānāṃ vratapatir

Agni ist fürwahr der Gelübdeherr der Götter.

vratapataya eva vratam̐ saṃprayacchati ‖

Dem Gelübdeherrn überreicht er das Gelübde.