Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 32

Anuvāka 1 Die Opferspruch-Formeln der Devayajyā (Götterverehrung) beim Darśapūrṇamāsa und ihre Deutung, bis zum Sviṣṭakṛt und den Ājyapa-Göttern.

agnīṣomābhyāṃ yajñaś cakṣuṣmān iti

„Durch Agni und Soma sei das Opfer mit Augen begabt“ –

agnīṣomau vai yajñasya cakṣuṣī

Agni und Soma sind fürwahr die beiden Augen des Opfers.

yajñasyaiva cakṣuṣā cakṣur ātman dhatte

Mit dem Auge des Opfers legt er ein Auge in sich selbst.

cakṣuṣmān bhavati ya evaṃ veda

Mit Augen begabt wird, wer dies weiß.

agnir annasyānnapatir iti

„Agni ist der Herr der Speise“ –

agnir vai devānām annādas

Agni ist fürwahr der Speiseesser der Götter.

sa enaṃ manuṣyeṣv annādyaṃ prāpayati

Er verschafft ihm unter den Menschen Speisegenuss.

annādo bhavati ya evaṃ veda

Speiseesser wird, wer dies weiß.

dabdhir asy adabdho bhūyāsam amuṃ dabheyam iti

„Du bist Schädigung; unversehrt möge ich sein; jenen möge ich schädigen“ –

etayā vai dabdhyā devā asurān adabhnuvan

Mit dieser Schädigung schädigten die Götter die Asuras.

tayaiva bhrātṛvyaṃ dabhnoti

Durch sie schädigt er den Rivalen.

nainaṃ dipsan dabhnoti ya evaṃ veda

Den, der dies weiß, schädigt keiner, der (ihm) schaden will.

agnīṣomau vṛtrahaṇā iti

„Agni und Soma, ihr Vṛtra-Töter“ –

agnīṣomābhyāṃ vai vīryeṇendro vṛtram ahan

Mit Agni und Soma, mit Heldenkraft, erschlug Indra den Vṛtra.

tābhyām eva bhrātṛvyam̐ stṛṇute

Durch sie beide wirft er den Rivalen nieder.

indrāgnyor ahaṃ devayajyayaujasvān vīryāvān bhūyāsam iti

„Durch die Götterverehrung von Indra und Agni möge ich kraftvoll und heldenkräftig werden“ –

ojo vai vīryam indrāgnī

Kraft und Heldenkraft sind fürwahr Indra und Agni.

oja eva vīryam ātman dhatte

Kraft und Heldenkraft legt er in sich selbst.

indrasyāhaṃ devayajyayendriyāvān bhūyāsam iti

„Durch die Götterverehrung Indras möge ich mit Indra-Kraft begabt werden“ –

indriyaṃ vā indras

Indra ist fürwahr die Indra-Kraft (indriya).

indriyam evātmandhatte ‖

Die Indra-Kraft legt er in sich selbst.

mahendrasyāhaṃ devayajyayā jemānaṃ bhūmānaṃ gameyam iti

„Durch die Götterverehrung des Mahendra möge ich zu Sieg und Fülle gelangen“ –

jemānam eva bhūmānam upaiti

zu Sieg und Fülle gelangt er.

indrasyāhaṃ vimṛdhasya devayajyayāsapatno bhūyāsam iti

„Durch die Götterverehrung Indras, des Feindezerschmetterers, möge ich ohne Nebenbuhler werden“ –

asapatna eva bhavati

ohne Nebenbuhler wird er.

indrasyāham indriyāvato devayajyayā paśumān bhūyāsam iti

„Durch die Götterverehrung des mit Indra-Kraft begabten Indra möge ich viehreich werden“ –

indriyaṃ vai paśavaḥ

Indra-Kraft ist fürwahr das Vieh.

paśūn evātman dhatte

Vieh legt er in sich selbst.

sarasvatyā ahaṃ devayajyayā vācam annādyaṃ puṣeyam iti

„Durch die Götterverehrung der Sarasvatī möge ich Rede und Speisegenuss gedeihen lassen“ –

vāg vai sarasvatī

Die Rede ist fürwahr Sarasvatī.

vācaivānnādyam avarunddhe

Durch die Rede gewinnt er den Speisegenuss.

pūṣṇo 'haṃ devayajyayā puṣṭimān paśumān bhūyāsam iti

„Durch die Götterverehrung des Pūṣan möge ich wohlgenährt und viehreich werden“ –

purṣṭir vai pūṣā

Gedeihen ist fürwahr Pūṣan [Anm.: Lesung „purṣṭir“, wohl Schreibfehler für „puṣṭir“].

adityā ahaṃ devayajyayā pratiṣṭhāṃ gameyam iti

„Durch die Götterverehrung der Aditi möge ich zum Halt gelangen“ –

asyām eva pratitiṣṭhati ‖

In ihr findet er Halt.

viśveṣām ahaṃ devānāṃ devayajyayā prāṇānām̐ sāyujyaṃ gameyam iti

„Durch die Götterverehrung aller Götter möge ich zur Gemeinschaft mit den Lebenshauchen gelangen“ –

prāṇānām eva sāyujyaṃ gacchati

zur Gemeinschaft mit den Lebenshauchen gelangt er.

dyāvāpṛthivyor ahaṃ devayajyayā prajaniṣīya prajayā paśubhir iti

„Durch die Götterverehrung von Himmel und Erde möge ich mit Nachkommen und Vieh gezeugt (fruchtbar) werden“ –

agner aham̐ sviṣṭakṛto devayajyayāyuḥ pratiṣṭhāṃ gameyam iti

„Durch die Götterverehrung des Agni Sviṣṭakṛt [Anm.: „der das Wohlgeopferte macht“] möge ich zu Lebensdauer und Halt gelangen“ –

āyur evātman dhatte

Lebensdauer legt er in sich selbst.

prati yajñena tiṣṭhati yo devatāś ca yajñaṃ ca yajñe tarpayitavyān veda

Beim Opfer steht fest, wer weiß, dass Götter und Opfer im Opfer zu sättigen sind.

tṛpyati prajayā paśubhir

Er wird gesättigt an Nachkommen und Vieh,

upainam̐ somapītho namati

und der Somatrunk neigt sich zu ihm.

etarhi vai sarvā devatā yarhi sviṣṭakṛt

Alle Gottheiten sind fürwahr dann (zugegen), wenn (die Spende an) Sviṣṭakṛt (erfolgt).

etarhi hy enās sarvās saṃyajati

Denn dann verehrt er sie alle zusammen.

eṣa khalu vāva pratyakṣaṃ yajño yat sviṣṭakṛt

Dies ist wahrlich das sichtbare Opfer, was Sviṣṭakṛt ist.

atītṛpad yajñe yajñam iti

„Er hat im Opfer das Opfer gesättigt“ –

devatāś caivaitad yajñaṃ ca yajñe tarpayati

so sättigt er die Götter und das Opfer im Opfer.

tṛpyati prajayā paśubhir

Er wird gesättigt an Nachkommen und Vieh,

upainam̐ somapītho namati

und der Somatrunk neigt sich zu ihm.

ayāḍ agnir agneḥ priyā dhāmānīti

„Agni hat verehrt Agnis liebe Stätten“ –

brahmavarcasaṃ tenāvarunddhe

Brahmaglanz gewinnt er dadurch.

somasyāyāṭ priyā dhāmānīti

„(Agni) hat verehrt Somas liebe Stätten“ –

agnīṣomayor ayāṭ priyā dhāmānīty upām̐śu

„(Agni) hat verehrt der beiden, Agnis und Somas, liebe Stätten“ – leise (spricht er dies).

aniruktaṃ tenāvarunddhe

Das Unausgesprochene gewinnt er dadurch.

agnīṣomayor ayāṭ priyā dhāmānīty uccair

„(Agni) hat verehrt der beiden, Agnis und Somas, liebe Stätten“ – laut.

niruktaṃ tena

Das Ausgesprochene (gewinnt er) dadurch.

aniruktaṃ ca vā idaṃ niruktaṃ ca

Dies (All) ist fürwahr Unausgesprochenes und Ausgesprochenes.

tasyaivobhayasyāvaruddhyai

Zur Gewinnung eben dieses beiden.

atho śuṣkaharite evāvarunddhe

Und zugleich gewinnt er das Trockene und das Grüne.

yad vai śuṣkaṃ tad āgneyaṃ yad dharitaṃ tat saumyam

Was trocken ist, das gehört zu Agni; was grün ist, das gehört zu Soma.

śuṣkaṃ ca vā idam̐ haritaṃ ca

Dies (All) ist fürwahr Trockenes und Grünes.

tasyaivobhayasyāvaruddhyai

Zur Gewinnung eben dieses beiden.

devānām ājyapānām ayāṭ priyā dhāmānīti

„(Agni) hat verehrt der Ājyapa-Götter [Anm.: „Schmelzbutter-Trinker“] liebe Stätten“ –

prayājānuyājā vai devā ājyapās

Die Vor- und Nachopfer (Prayāja, Anuyāja) sind fürwahr die Götter, die Ājyapa.

te 'syobhaye prītā yajñe bhavanti ‖

Diese beiden, erfreut, sind ihm beim Opfer (gnädig).