Oṃ. Gutes mögen wir, o Götter, mit den Ohren hören; Gutes mögen wir, dem Opfer Würdige, mit den Augen sehen; mit festen Gliedern und Leibern, [euch] lobend, mögen wir das von den Göttern bestimmte Lebensalter voll auskosten. Heil bringe uns Indra von altehrwürdigem Ruhm; Heil bringe uns Pūṣan, der Allwissende; Heil bringe uns Tārkṣya [Garuḍa], dessen Radkranz unversehrt ist; Heil verleihe uns Bṛhaspati. [Es fließe] das Wasser der Wasser, alle Gewässer [herbei] – von hier, von hier, von diesseits, von jenseits. [?]
Wort für Wort
bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ
Gutes mögen wir, o Götter, mit den Ohren hören
bhadraṃ paśyema akṣabhir yajatrāḥ
Gutes mögen wir, Opferwürdige, mit den Augen sehen
sthirair aṅgais tuṣṭuvāṃsas tanūbhiḥ
mit festen Gliedern und Leibern, [euch] lobend
vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ
mögen wir das gottgesetzte Lebensalter voll genießen
svasti na indro vṛddhaśravāḥ
Heil bringe uns Indra von altem Ruhm
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ
Heil bringe uns Pūṣan, der Allwissende
svasti nas tārkṣyo ariṣṭanemiḥ
Heil bringe uns Tārkṣya, dessen Radkranz unversehrt ist
svasti no bṛhaspatir dadhātu
Heil verleihe uns Bṛhaspati
āpam āpām apaḥ sarvāḥ
der Wasser Wasser, alle Gewässer
asmād asmād ito 'mutaḥ
von hier, von hier, von diesseits, von jenseits
[Anm.: Der erste Satz dieses Anuvāka ist der berühmte Śānti-Vers 'bhadraṃ karṇebhiḥ...', der traditionell u. a. der Kena- und der Kaṭha-Upaniṣad als Friedensformel vorangestellt wird; hier eröffnet er das gesamte Taittirīya-Āraṇyaka. Die daran anschließende kurze Wasser-Formel ('āpam āpām apaḥ sarvāḥ...') ist demgegenüber deutlich obskurer und dürfte sich auf eine im Text selbst nicht weiter erläuterte rituelle Wasserhandlung (etwa eine Waschung oder Libation zu Beginn des Textstudiums) beziehen; ihre genaue grammatische Struktur und rituelle Funktion bleiben unsicher, weshalb sie mit [?] gekennzeichnet ist, statt eine unsichere Deutung als gesichert auszugeben.]
Erinnerung (smṛti), unmittelbare Wahrnehmung (pratyakṣa), Überlieferung (aitihya) und Schlussfolgerung (anumāna) – dies ist die Vierzahl [der Erkenntnismittel]; durch alle diese zusammen wird die Sonnenscheibe [in ihrem Lauf] bestimmt. Die Sonne nimmt ihren Lichtstrahl aus jeder Welt zu sich; nach dessen besonderer Reifung/Verarbeitung wird die jeweilige Zeitbestimmung festgelegt. Wie irgendein Fluss, aus unerschöpflicher Quelle entspringend, dahinfließt [so fließt die Zeit aus der Sonne].
Wort für Wort
smṛtiḥ pratyakṣam aitihyam anumānaś catuṣṭayam
Erinnerung, Wahrnehmung, Überlieferung, Schlussfolgerung – die Vierzahl [der Erkenntnismittel]
etair ādityamaṇḍalaṃ sarvair eva vidhāsyate
durch alle diese zusammen wird die Sonnenscheibe bestimmt
sūryo marīcīm ādatte sarvasmād bhuvanād adhi
die Sonne nimmt ihren Strahl aus jeder Welt
tasyāḥ pākaviśeṣeṇa smṛtaṃ kālaviśeṣaṇam
nach dessen besonderer Reifung wird die Zeitbestimmung festgelegt
nadīva prabhavāt kācit akṣayyāt syandate yathā
wie irgendein Fluss aus unerschöpflicher Quelle entspringend fließt
[Anm.: Dieser Abschnitt eröffnet die in Prapāṭhaka 1 des Taittirīya-Āraṇyaka entfaltete Kosmologie der Zeit (Kāla), die aus dem Lauf der Sonne und ihren Strahlen abgeleitet wird. Die vier genannten Erkenntnismittel (Erinnerung, Wahrnehmung, Überlieferung, Schlussfolgerung) nehmen die auch in späteren philosophischen Systemen (u. a. Nyāya) bekannte Pramāṇa-Lehre vorweg, hier jedoch noch in unsystematischer, rein aufzählender Form. Wegen der stark akzentuierten und schwer lesbaren gescannten Devanagari-Vorlage wurde die Lesung zusätzlich mit der frei zugänglichen TITUS-Ausgabe (J. Gippert, Universität Frankfurt) abgeglichen.]
sākaṃ jānāṃ saptamam āhur ekajam, ṣaḍ udyamā ṛṣayo devajā iti. ko nu maryā amīmithaḥ, sakhā sakhāyam abravīt, jahāko asmād īṣate. yas tityāja sakhividaṃ sakhāyam, na tasya vācy api bhago asti, yad īṃ śṛṇoty alakaṃ śṛṇoti. ṛtur ṛtunā nudyamānaḥ, vinanādābhidhāvaḥ, ṣaṣṭiś ca triṃśakā valgāḥ, śuklakṛṣṇau ca ṣaṣṭikau. sārāgavastrair jaradakṣaḥ, vasanto vasubhiḥ saha, saṃvatsarasya savituḥ, praiṣakṛt prathamaḥ smṛtaḥ. amūṃś ca parirakṣataḥ, etā vācaḥ prayujyante, yatraitad upadṛśyate, etad eva vijānīyāt, pramāṇaṃ kālaparyaye (TA 1,3).
Man nennt den siebenten der zusammen Geborenen den Einzelgeborenen; sechs sind die aufgehenden Ṛṣis, die Gottgeborenen – so [sagt man]. [?] Welcher Sterbliche hätte [sie] je richtig vermessen/erfasst? [?] Ein Freund sprach zum Freunde: „Der Neidische(?) entfernt sich von uns.“ [?] Wer den kundigen Freund im Stich lässt, dessen Rede hat keinen Anteil mehr [an der Wahrheit]; was er hört, hört er verkehrt. Die Jahreszeit, von der nächsten Jahreszeit angetrieben, eilt jauchzend voran; sechzig und dreißig sind die Gangarten [Zähleinheiten]; hell und dunkel [je] sechzig. [Mit] ehrwürdigem Sterngewand von reifem Alter [?] – der Frühling, zusammen mit den Vasus, gilt als der erste, von der Sonne(?)/vom Antreiber des Jahres bestimmte Anführer [der Jahreszeiten]. Und diejenigen [Jahreszeiten], die [die Wesen] ringsum beschützen – für sie werden eben diese Worte gebraucht, wo immer sich dies zeigt; ebendies soll man als Maßstab beim Kreislauf der Zeit erkennen.
Wort für Wort
sākaṃ jānāṃ saptamam āhur ekajam
man nennt den siebenten der zusammen Geborenen den Einzelgeborenen
ṣaḍ udyamā ṛṣayo devajā iti
sechs sind die aufgehenden, gottgeborenen Ṛṣis, so [heißt es]
ko nu maryā amīmithaḥ
welcher Sterbliche hätte sie je vermessen
sakhā sakhāyam abravīt
ein Freund sprach zum Freunde
jahāko asmād īṣate
der Neidische entfernt sich von uns
yas tityāja sakhividaṃ sakhāyam
wer den kundigen Freund im Stich lässt
na tasya vācy api bhago asti
dessen Rede hat keinen Anteil mehr
yad īṃ śṛṇoty alakaṃ śṛṇoti
was er hört, hört er verkehrt
ṛtur ṛtunā nudyamānaḥ
die Jahreszeit, von der nächsten angetrieben
vinanādābhidhāvaḥ
eilt jauchzend voran
ṣaṣṭiś ca triṃśakā valgāḥ
sechzig und dreißig sind die Gangarten/Einheiten
śuklakṛṣṇau ca ṣaṣṭikau
hell und dunkel je sechzig
vasanto vasubhiḥ saha
der Frühling, zusammen mit den Vasus
saṃvatsarasya praiṣakṛt prathamaḥ smṛtaḥ
gilt als der erste Antreiber des Jahres
amūṃś ca parirakṣataḥ
und diejenigen, die [die Wesen] ringsum beschützen
pramāṇaṃ kālaparyaye
der Maßstab beim Kreislauf der Zeit
[Anm.: Dieser Anuvāka gehört zu den dunkelsten Passagen des gesamten ersten Prapāṭhaka. Die Eröffnungszeile („der Siebente der zusammen Geborenen wird der Einzelgeborene genannt, sechs sind die gottgeborenen Ṛṣis“) ist ein klassisches vedisches Rätselwort (Rätsel-Stil wie z. B. im berühmten Sūkta RV 1,164); sie lässt sich am ehesten – jedoch keineswegs sicher – als Verschlüsselung des Verhältnisses der sechs Jahreszeiten (ṛtu) zu einem siebenten, gesondert hinzutretenden Zeitabschnitt (etwa einem Schalt-/Zusatzmonat) deuten, da unmittelbar im Anschluss die Jahreszeiten selbst thematisiert werden (das Nacheinander-Antreiben der ṛtus, die Zahlen 60/30 für Tage- bzw. Fortnight-Einheiten, die 60 hellen und 60 dunklen Tage, der Frühling mit den Vasus als 'erster Antreiber' des Jahres). Ebenso denkbar ist ein Bezug auf die Saptarṣi-Mythologie (die sieben Weisen, von denen einer gesondert gilt). Die eingeschobenen Freundschafts-Verse (Kh. 2–3: von einem Freund, der den kundigen Freund verlässt und dadurch verkehrt hört) sind inhaltlich ebenso rätselhaft und könnten metaphorisch auf das Verhältnis der Jahreszeiten zueinander oder auf rechte vs. falsche Einweihung in dieses Zeit-Wissen anspielen; eine sichere Deutung ist nicht möglich. Wegen der ungewöhnlich schwer lesbaren akzentuierten Devanagari-Vorlage wurde die Lesung mit der TITUS-Ausgabe (Gippert, Universität Frankfurt) abgeglichen; mehrere Einzelwörter (u. a. 'amīmithaḥ', 'sārāgavastrair jaradakṣaḥ', 'praiṣakṛt') bleiben trotzdem in ihrer genauen Bedeutung unsicher und sind mit [?] markiert, statt eine geratene Bedeutung als gesichert auszugeben.]
Wenn sich das von Schmerz aufgewühlte Auge beruhigt und die Pupille wieder klar wird, und im gesalbten [Auge] keine Krankheits-/Trübungsschar mehr ist – erkennt dies als das Werk der Ṛbhus. Goldschimmernde Gewänder – erkennt sie als unversehrt/neu; esset die Speise, reinigt euch – ich bin es, der euch das Leben gibt. Diese Worte werden gebraucht, wo immer der Herbst erscheint.
Wort für Wort
akṣiduḥkhotthitasyaiva viprasanne kanīnike
wenn das von Schmerz aufgewühlte Auge, die Pupille, sich beruhigt
āṅkte ca ādgaṇaṃ nāsti
und im gesalbten [Auge] keine Trübungsschar mehr ist
ṛbhūṇāṃ tan nibodhata
erkennt dies als das Werk der Ṛbhus
kanakābhāni vāsāṃsi ahatāni nibodhata
goldschimmernde Gewänder erkennt als unversehrt/neu
annam aśnīta mṛjmīta
esset die Speise, reinigt euch
ahaṃ vo jīvanapradaḥ
ich bin euer Lebensspender
etā vācaḥ prayujyante
diese Worte werden gebraucht
śarad yatropadṛśyate
wo immer der Herbst erscheint
[Anm.: Dieser kurze Anuvāka verbindet eine Heilformel für das Auge (Beruhigung der schmerzenden Pupille, Beseitigung von Trübung nach einer Salbung) mit den Ṛbhus, den drei kunstfertigen Halbgöttern der vedischen Mythologie, die u. a. für die Verjüngung ihrer Eltern und andere Wunderwerke bekannt sind; hier offenbar als Urheber der Augenheilung gedacht. Der zweite Teil (goldene, unversehrte Gewänder, Nahrungs- und Reinigungsgebot, Selbstvorstellung als Lebensspender) klingt wie eine direkte Rede einer Gottheit, vermutlich weiterhin der Ṛbhus oder Savitṛs. Die Schlussformel („diese Worte werden gebraucht, wo der Herbst erscheint“) bestätigt ein bereits in Anuvāka 3 erkennbares Strukturmuster dieses Prapāṭhaka: die einzelnen Mantra-Cluster scheinen jeweils einem bestimmten Zeit-/Jahreszeiten-Bezug zugeordnet zu sein (Anuvāka 3: dem allgemeinen Kreislauf der Zeit, kālaparyaya; Anuvāka 4: speziell dem Herbst, śarad) – möglicherweise Rezitationsanweisungen für saisonale Rituale. Wegen der schwer lesbaren akzentuierten Devanagari-Vorlage mit der TITUS-Ausgabe (Gippert, Universität Frankfurt) abgeglichen; einzelne Wörter (u. a. 'ādgaṇa') bleiben unsicher.]
atitāmrāṇi vāsāṃsi, aṣṭi vajriśataghnī ca, viśve devā vipraharanti, agnijihvā asaścat. naiva devo na martyaḥ, na rājā varuṇo vibhuḥ, nāgnir nendro na pavamānaḥ, mātṛkaṃ kvacana vidyate. divyasyaikā dhanur ārtniḥ, pṛthivyām aparā śritā. tasyendro vamrirūpeṇa, dhanurjyām acchinat svayam. tad indradhanur ity ucyate. abhravarṇeṣu cakṣate. etad dravaṃ dhanuḥ. rudrasya tv eva dhanur ārtniḥ, śira utpipeṣa, sa pravargyo 'bhavat, tasmād yaḥ sapravargyeṇa yajñena yajate, rudrasya sa śiraḥ pratidadhāti, nainaṃ rudra āruko bhavati, ya evaṃ veda (TA 1,5).
Überaus kupferrote Gewänder [tragend, mit] der hundertfach-tötenden Vajra-Waffe (aṣṭi) – die All-Götter schleudern [sie], feuerzüngig, unfehlbar. Weder Gott noch Sterblicher, weder König Varuṇa der Mächtige, weder Agni noch Indra noch der Läuternde [Wind/Soma] – nirgends findet sich [dazu] ein Gleiches/Ebenbürtiges. Des himmlischen [Bogens] eine Spitze [ruht] im Himmel, die andere ist auf der Erde gegründet. Dessen Bogensehne durchtrennte Indra, in Gestalt einer Ameise, eigenhändig – eigenhändig durchtrennte er die Bogensehne. Das wird 'Indras Bogen' genannt [d. h. der Regenbogen]; man erblickt ihn unter den Wolkenfarbigen. Dies ist der zerfließende/schwindende Bogen. Die Spitze von Rudras Bogen hingegen zermalmte [ihm selbst] den Kopf; dieser wurde zum Pravargya[-Gefäß]. Deshalb: wer mit dem Opfer opfert, das den Pravargya einschließt, der setzt Rudra seinen Kopf wieder ein; Rudra wird dem, der dies so weiß, kein Verwunder/Schädiger.
Wort für Wort
atitāmrāṇi vāsāṃsi
überaus kupferrote Gewänder
aṣṭi vajriśataghnī ca
die hundertfach-tötende Vajra-Waffe
viśve devā vipraharanti
die All-Götter schleudern [sie]
agnijihvā asaścat
feuerzüngig, unfehlbar
naiva devo na martyaḥ
weder Gott noch Sterblicher
na rājā varuṇo vibhuḥ
nicht König Varuṇa der Mächtige
nāgnir nendro na pavamānaḥ
nicht Agni, nicht Indra, nicht der Läuternde
mātṛkaṃ kvacana vidyate
nirgends findet sich ein Ebenbürtiges
divyasyaikā dhanur ārtniḥ pṛthivyām aparā śritā
eine Spitze des himmlischen Bogens im Himmel, die andere auf der Erde
tasyendro vamrirūpeṇa dhanurjyām acchinat svayam
dessen Bogensehne durchtrennte Indra in Ameisengestalt eigenhändig
tad indradhanur ity ucyate
das wird 'Indras Bogen' [Regenbogen] genannt
abhravarṇeṣu cakṣate
man erblickt ihn unter den Wolkenfarbigen
rudrasya tv eva dhanur ārtniḥ śira utpipeṣa
die Spitze von Rudras Bogen zermalmte [ihm] den Kopf
sa pravargyo 'bhavat
dieser wurde zum Pravargya[-Gefäß]
rudrasya sa śiraḥ pratidadhāti
der setzt Rudra seinen Kopf wieder ein
nainaṃ rudra āruko bhavati ya evaṃ veda
Rudra schadet dem nicht, der dies so weiß
[Anm.: Dieser Anuvāka enthält zwei zusammenhängende Ätiologie-Mythen von hohem Interesse. Erstens die Erklärung des Namens 'Indras Bogen' (indradhanuḥ) – des bis heute gebräuchlichen Sanskrit-Worts für den Regenbogen – aus dem Mythos, dass Indra in Gestalt einer Ameise heimlich die Sehne eines gewaltigen, zwischen Himmel und Erde gespannten göttlichen Bogens durchtrennte. Zweitens, unmittelbar daran anschließend, der auch aus Śatapatha- und Taittirīya-Brāhmaṇa bekannte Mythos vom Ursprung des Pravargya-Ritus (der Erhitzung eines tönernen Gefäßes im Soma-Voropfer): die zurückschnellende Spitze von Rudras eigenem Bogen zermalmt seinen Kopf, der zum Pravargya-Gefäß wird; das rituelle Vollziehen des Pravargya gilt daher als symbolische Wiederherstellung von Rudras Kopf und schützt den Wissenden vor Rudras Schädigung – ein typisches Beispiel für die brahmaṇa-artige Ritual-Ätiologie dieses Āraṇyaka. Einzelne Wörter (u. a. 'aṣṭi', 'mātṛkam', 'dravam') bleiben in ihrer genauen morphologischen Herleitung unsicher [?] und wurden anhand der TITUS-Ausgabe (Gippert, Universität Frankfurt) gegen die schwer lesbare akzentuierte Devanagari-Vorlage abgeglichen.]
atyūrdhvākṣo 'tiraścāt, śiśiraḥ pradṛśyate, naiva rūpaṃ na vāsāṃsi, na cakṣuḥ pratidṛśyate. anyonyaṃ tu na hiṃsrātaḥ, satas tad devalakṣaṇam, lohito 'kṣṇi śāraśīrṣṇī, sūryasyodayanaṃ prati, tvaṃ karoṣi nyañjalikām, tvaṃ karoṣi nijānukām. nijānukā me nyañjalikā, amī vācam upāsatām iti, tasmai sarva ṛtavo namante, maryādākaratvāt purudhām, brāhmaṇa āpnoti, ya evaṃ veda, sa khalv eva saṃvatsara etaiḥ senānībhiḥ saha, indrāya sarvān kāmān abhivahati, sa drapsaḥ, tasyaiṣā bhavati. ava drapso 'ṃśumatīm atiṣṭhat, iyānaḥ kṛṣṇo daśabhiḥ sahasraiḥ, āvartam indraḥ śacyā dhamantam, upa snuhi taṃ nṛmaṇām atha drām iti. etayaiva indraḥ salāvṛkyā saha, asurān parivṛścati. pṛthivy aṃśumatī, tām anvavasthitaḥ saṃvatsaro divaṃ ca. naivaṃ viduṣā ācāryāntevāsinau, anyonyasmai druhyetām, yo druhyati, bhraśyate svargāl lokāt. ity ṛtumaṇḍalāni, sūryamaṇḍalāny ākhyāyikāḥ, ata ūrdhvaṃ sanirvacanāḥ (TA 1,6).
Mit hoch aufgerichteten, quer[gewandten] Augen erscheint der Śiśira (die kühle Jahreszeit); weder Gestalt noch Gewänder, noch das Auge selbst, werden [dabei klar] erblickt. Die beiden aber schädigen einander nicht; das ist, weil sie [wirklich] sind, das Kennzeichen ihrer Göttlichkeit. Rot im Auge, [mit] gesprenkeltem Haupt – dem Sonnenaufgang zugewandt: Du vollziehst die Nyañjalikā[-Geste], du vollziehst die Nijānukā[-Geste]. [?] 'Meine Nijānukā ist die Nyañjalikā – jene mögen der Rede/Vāc aufwarten', so [heißt es]. Ihm neigen sich alle Jahreszeiten zu, weil er auf vielfache Weise zum Grenzsetzer wird; ein Brahmane, der dies so weiß, erlangt [dies]. Er ist ja eben das Jahr, zusammen mit diesen seinen Heerführern [den Jahreszeiten]; er bringt Indra alle Wünsche entgegen. Er ist der Tropfen (drapsa). Über ihn gilt dieser [Vers]: 'Der Tropfen ließ sich bei [dem Fluss] Aṃśumatī nieder, der Dunkle (Kṛṣṇa) vordringend mit zehntausend [Gefolgsleuten]; Indra, durch seine Macht, [nahte sich] dem blasenden Strudel – nähere dich ihm, du Mannhaft-Gesinnter, dann fliehe, so [heißt es].' Eben mit dieser [Formel/Waffe], zusammen mit Salāvṛkī, zerhaut Indra die Asuras. Aṃśumatī ist die Erde; auf ihr gegründet sind das Jahr und der Himmel. Lehrer und Schüler, die dies so wissen, sollen einander nicht schädigen; wer schädigt, fällt aus der Himmelswelt herab. So [enden] die Jahreszeiten-Kreise (ṛtumaṇḍalāni); die Sonnen-Kreise (sūryamaṇḍalāni) sind Erzählstücke (ākhyāyikāḥ); von hier an folgen [Abschnitte] mit eigenen [etymologischen] Erklärungen.
Wort für Wort
atyūrdhvākṣo 'tiraścāt śiśiraḥ pradṛśyate
mit hoch aufgerichteten, queren Augen erscheint der Śiśira
naiva rūpaṃ na vāsāṃsi na cakṣuḥ pratidṛśyate
weder Gestalt noch Gewänder noch das Auge werden erblickt
anyonyaṃ tu na hiṃsrātaḥ
die beiden aber schädigen einander nicht
satas tad devalakṣaṇam
das ist, weil sie sind, ihr Kennzeichen der Göttlichkeit
lohito 'kṣṇi śāraśīrṣṇī
rot im Auge, mit gesprenkeltem Haupt
sūryasyodayanaṃ prati
dem Sonnenaufgang zugewandt
nijānukā me nyañjalikā
meine Nijānukā ist die Nyañjalikā
tasmai sarva ṛtavo namante
ihm neigen sich alle Jahreszeiten zu
sa khalv eva saṃvatsaraḥ
er ist ja eben das Jahr
sa drapsaḥ
er ist der Tropfen
ava drapso 'ṃśumatīm atiṣṭhat
der Tropfen ließ sich bei Aṃśumatī nieder
iyānaḥ kṛṣṇo daśabhiḥ sahasraiḥ
der Dunkle vordringend mit zehntausend Gefolgsleuten
āvartam indraḥ śacyā dhamantam
Indra nahte sich durch seine Macht dem blasenden Strudel
etayaiva indraḥ salāvṛkyā saha asurān parivṛścati
eben damit zerhaut Indra zusammen mit Salāvṛkī die Asuras
pṛthivy aṃśumatī
Aṃśumatī ist die Erde
tām anvavasthitaḥ saṃvatsaro divaṃ ca
auf ihr gegründet sind das Jahr und der Himmel
yo druhyati bhraśyate svargāl lokāt
wer schädigt, fällt aus der Himmelswelt herab
ity ṛtumaṇḍalāni
so enden die Jahreszeiten-Kreise
sūryamaṇḍalāny ākhyāyikāḥ
die Sonnen-Kreise sind Erzählstücke
[Anm.: Dieser Anuvāka schließt den mit Anuvāka 3 begonnenen 'Jahreszeiten-Kreis' (ṛtumaṇḍala) ab und kündigt ausdrücklich den Übergang zu den folgenden 'Sonnen-Kreisen' (sūryamaṇḍalāni) an – ein wichtiger struktureller Hinweis für die weitere Übersetzung dieses Prapāṭhaka. Zentral ist der eingebettete Vers 'ava drapso 'ṃśumatīm atiṣṭhat...' – eine enge Parallele zum berühmten, auch in wissenschaftlichen Diskussionen um einen möglichen historischen oder mythischen dunklen Gegner Indras vieldiskutierten Ṛgveda-Hymnus RV 8,96,13–15 über den 'Kṛṣṇa' (den 'Dunklen') am Fluss Aṃśumatī, den Indra mitsamt seinen zehntausend Gefolgsleuten bezwingt; hier wird dieser Kṛṣṇa mit dem Jahr(-Kreislauf) selbst identifiziert ('er ist der Tropfen/drapsa'). Mehrere Fachbegriffe (u. a. 'nyañjalikā', 'nijānukā', 'śāraśīrṣṇī', 'salāvṛkyā') bezeichnen vermutlich rituelle Gesten oder Beinamen, deren genaue Bedeutung unsicher bleibt [?]. Übersetzung anhand der TITUS-Ausgabe (Gippert, Universität Frankfurt) gegen die schwer lesbare akzentuierte Devanagari-Vorlage abgeglichen.]
arogo bhrājaḥ paṭaraḥ pataṅgaḥ, svarṇaro jyotiṣīmān vibhāsaḥ, te asmai sarve divam ātapanti, ūrjaṃ duhānā anapasphuranta iti, kaśyapo 'ṣṭamaḥ, sa mahāmeruṃ na jahāti, tasyaiṣā bhavati, yat te śilpaṃ kaśyapa rocanāvat, indriyāvat puṣkalaṃ citrabhānu, yasmin sūryā arpitās sapta sākam. tasmin rājānam adhiviśrayema iti, te asmai sarve kaśyapāj jyotir labhante, tāṃ somaḥ kaśyapād adhi nirdhamati, bhrastākarmakṛd divaivam, prāṇo jīvānīndriyajīvāni, sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ, sūrya ity ācāryāḥ, apaśyam aham etān sapta sūryān iti, pañcakarṇo vātsyāyanaḥ, saptakarṇaś ca plākṣiḥ. ānuśravika eva nau kaśyapa iti, ubhau vedayite, na hi śekim iva mahāmeruṃ gantum, apaśyam aham etat sūryamaṇḍalaṃ parivartamānam, gārgya prāṇād rātim, racchanta mahāmerum, ekaṃ cājahratam, brājapatra pataṅgaṃ nihatya, tiṣṭhatātapti, tasmād iha tritrapata. amutrottare, tasmād ihātapati, teṣām eṣā bhavati, sapta sūryā divam anupraviṣṭāḥ, tān anv eti pathibhir dakṣiṇāvān, te asmai sarve ghṛtam ātapanti, ūrjaṃ duhānā anapasphuranta iti, satrivij jasūryā ity ācāryāḥ, teṣām eṣā bhavati sapta diśo nānāsūryāḥ. sapta hotāra ṛtvijaḥ, devā ādityā ye sapta, tebhiḥ somābhirakṣaṇa iti, tad apy āsnāye, digrāja ṛtūn karoti, etayaivāvṛtā sahasrasūryatāyā iti vaiśampāyanaḥ, tasyaiṣā bhavati, yad vāva indra te śataṃ śataṃ bhūmiḥ, uta syu natvā vajrin sahasraṃ sūryaḥ. anu ajātam aṣṭa rodasī iti, nānāliṅgatvād ṛtūnāṃ nānāsūryatvam, aṣṭau tu vyavasitā iti, sūryamaṇḍalāny āta ūrdhvam, teṣām eṣā bhavati, citraṃ devānām ud agād anīkam, cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ, āprā dyāvāpṛthivī antarikṣam, sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca. sākaṃ plākṣis taptitapā nānāsūryāḥ sūryā nava ca (TA 1,7,20–25).
Der Unversehrte, der Leuchtende, der Weithinreichende, der Flieger [Sonnen-Epitheta] – der Goldfarbene, der Lichthafte, der Strahlende: sie alle erwärmen für ihn den Himmel, Kraft milchend, ohne zu weichen, so [heißt es]. Kaśyapa ist der Achte; er verlässt den Mahāmeru [den Weltenberg] nicht. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Dein Werk, o Kaśyapa, ist glanzvoll, sinnenreich, überaus reich an Farbenpracht, worin die sieben Sonnen zugleich eingesetzt sind.' [?] 'Bei ihm/in ihm mögen wir uns als Herrscher niederlassen', so [heißt es]. Sie alle erlangen von Kaśyapa aus Licht; von ihm zieht Soma [das Licht] herab. [Es ist] verfehltes Tunwerk auf göttliche Weise. [?] Der Atem ist das Lebendige der Lebenssinne; sieben sind die dem Haupt zugehörigen Atemkräfte. 'Die Sonne', so [sagen] die Lehrer; 'ich habe diese sieben Sonnen gesehen', so [heißt es] – [so lehren] Pañcakarṇa Vātsyāyana und Saptakarṇa Plākṣi. [?] 'Nur durch Hörensagen/mündliche Überlieferung [kennen] wir beide, Kaśyapa', so [heißt es]; beide machten [es] bekannt, denn niemand vermöchte [sonst] zum Mahāmeru zu gelangen. 'Ich sah diese Sonnenscheibe sich drehen' – [so sprach] Gārgya [?]. [Es folgt eine Reihe schwer deutbarer Wendungen über das Ergreifen bzw. Erlegen eines der Sonnenvögel/-wesen (Brājapatra, Pataṅga) und ihr Stillstehen/Verweilen; im Einzelnen unsicher.] Anderswo, weiter oben; deshalb erwärmt er von hier aus. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Sieben Sonnen sind in den Himmel eingetreten; ihnen folgt auf [ihren] Pfaden, wer nach Süden gewandt ist.' Sie alle erwärmen für ihn die Schmelzbutter, Kraft milchend, ohne zu weichen, so [heißt es]. [?] So [nennen] die Lehrer [die Opferpriester] 'Sonnen'. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Sieben Himmelsrichtungen, verschiedene Sonnen.' Sieben sind die Hotar-Priester, die Opferpriester; Götter sind die sieben Ādityas; durch sie wird [die Sonne] mit Soma behütet, so [heißt es]. [?] Der Herrscher der Himmelsrichtung bewirkt die Jahreszeiten; eben durch diesen Umlauf [entsteht] die Tausendsonnigkeit, so [lehrt] Vaiśampāyana. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Wahrlich, dir, o Indra, gehört hundertfach die Erde; und, du Vajra-Träger, ungebeugt [bist du] wie tausend Sonnen.' 'Die beiden Welthälften wurden zugleich als acht geboren', so [heißt es]; wegen der Verschiedenheit der Kennzeichen der Jahreszeiten [gibt es] die Verschiedenheit der Sonnen. 'Acht aber sind [endgültig] festgesetzt', so [heißt es]; die Sonnenscheiben [reichen] von da an aufwärts. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Bunt ist emporgestiegen das Antlitz der Götter, das Auge des Mitra, des Varuṇa, des Agni; es erfüllte Himmel, Erde und Luftraum: die Sonne ist die Seele alles Beweglichen und Unbeweglichen.' Zugleich [lehrte dies] Plākṣi der Erhitzte(?): die verschiedenen Sonnen, die neun Sonnen.
Wort für Wort
arogo bhrājaḥ paṭaraḥ pataṅgaḥ
der Unversehrte, der Leuchtende, der Weithinreichende, der Flieger
te asmai sarve divam ātapanti
sie alle erwärmen für ihn den Himmel
kaśyapo 'ṣṭamaḥ
Kaśyapa ist der Achte
sa mahāmeruṃ na jahāti
er verlässt den Mahāmeru nicht
yasmin sūryā arpitās sapta sākam
worin die sieben Sonnen zugleich eingesetzt sind
te asmai sarve kaśyapāj jyotir labhante
sie alle erlangen von Kaśyapa aus Licht
prāṇo jīvānīndriyajīvāni
der Atem ist das Lebendige der Lebenssinne
sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇāḥ
sieben sind die dem Haupt zugehörigen Atemkräfte
apaśyam aham etān sapta sūryān iti
ich habe diese sieben Sonnen gesehen, so heißt es
ānuśravika eva nau kaśyapa iti
nur durch Hörensagen kennen wir beide, Kaśyapa
apaśyam aham etat sūryamaṇḍalaṃ parivartamānam
ich sah diese Sonnenscheibe sich drehen
sapta sūryā divam anupraviṣṭāḥ
sieben Sonnen sind in den Himmel eingetreten
tān anv eti pathibhir dakṣiṇāvān
ihnen folgt auf den Pfaden, wer nach Süden gewandt ist
sapta diśo nānāsūryāḥ
sieben Himmelsrichtungen, verschiedene Sonnen
sapta hotāra ṛtvijaḥ
sieben sind die Hotar-Priester, die Opferpriester
devā ādityā ye sapta
Götter sind die sieben Ādityas
digrāja ṛtūn karoti
der Herrscher der Himmelsrichtung bewirkt die Jahreszeiten
yad vāva indra te śataṃ śataṃ bhūmiḥ
wahrlich, dir, o Indra, gehört hundertfach die Erde
nānāliṅgatvād ṛtūnāṃ nānāsūryatvam
wegen der Verschiedenheit der Jahreszeiten-Kennzeichen die Verschiedenheit der Sonnen
citraṃ devānām ud agād anīkam
bunt ist emporgestiegen das Antlitz der Götter
cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ
das Auge des Mitra, des Varuṇa, des Agni
sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca
die Sonne ist die Seele alles Beweglichen und Unbeweglichen
nānāsūryāḥ sūryā nava ca
die verschiedenen Sonnen, die neun Sonnen
[Anm.: Anuvāka 7 eröffnet, wie am Ende von Anuvāka 6 angekündigt, den Abschnitt der 'Sonnen-Kreise' (sūryamaṇḍalāni) mit dem in der vedischen Mythologie verbreiteten, aber selten so ausführlich behandelten Motiv der mehreren (meist sieben, hier zum Schluss unvermittelt auch neun genannten) Sonnen, die sich um den Weltenberg Mahāmeru bewegen und mit dem Weisen Kaśyapa verbunden sind. Bemerkenswert ist die für ein Āraṇyaka ungewöhnliche Zitierweise mehrerer namentlich genannter vedischer Lehrer bzw. Schulhäupter als Gewährsleute einzelner Lehrmeinungen (Pañcakarṇa Vātsyāyana, Saptakarṇa Plākṣi, Vaiśampāyana, sowie ein möglicherweise fehlerhaft gelesener 'Gārgya') – ein Hinweis auf die Existenz konkurrierender Lehrtraditionen zur Sonnen-Kosmologie. Der Schlussvers 'cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ... sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca' ist wörtlich der berühmte Ṛgveda-Vers RV 1,115,1 (Sūrya-Sūkta) und wird hier mit hoher Sicherheit wiedergegeben. Der übrige Text gehört dagegen zu den philologisch schwierigsten Passagen des bisherigen Projekts: mehrere Sätze (insbesondere in Kaṇḍikā 22, der Episode um Gārgya, das sich drehende Sonnenrad und das Erlegen eines Sonnenvogels) bleiben trotz Abgleichs mit der digitalen Volltext-Ausgabe von sanskritdocuments.org (identisch mit der Quelle der genutzten PDF-Vorlage) in ihrer genauen Bedeutung unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet, statt eine geratene Deutung als gesichert auszugeben. Die akzentuierte Devanagari-Druckvorlage wurde zusätzlich anhand dieser Textdatei kontrolliert, wobei einzelne Lesungen (u. a. 'mahāmeruṃ' statt der zunächst schwer leserlichen Vorlage) dadurch korrigiert werden konnten.]
kā iyam adbhir viśate, kva ayaṃ saṃvatsaro mithaḥ, kāhaḥ kena devī rātrī, kā māsa ṛtavaḥ śritāḥ, ardhamāsā muhūrtāḥ, nimeṣās truṭibhis saha, kema āpo niviśante, yad ito yānti saṃprati, kālā apsu niviśante, āpas sūrye samāhitāḥ. abhrāṇy adaḥ prapadyante, vidyut sūrye samāhitā, anavarṇam ime bhūmī, idaṃ cāsau ca rodasī, kiṃ svid antarā bhūtam, yenaime vidhṛte ubhe, viṣṇunā vidhṛte bhūmī, iti vaṃśyasya vedanā, irāvatī dhenumatī bhūtam, suyavasinī manuṣe dṛśyate. vyabhrād rodasī viṣṇvate, dādhartha pṛthivīm ito mayūraiḥ, kiṃ tu viṣṇor balam āhuḥ, kā dīptiḥ kiṃ parāyaṇam, eko yad dārayad giriḥ, rejatī rodasī ubhe, vātād viṣṇor balam āhuḥ, akṣāra dīdhir ucyate, tripadā dārayad giriḥ, yad viṣṇor eka m uttamam. agnayo vāyuś caiva, etad asya parāyaṇam, pṛcchāmi tvā paraṃ mṛtyum, avamaṃ madhyamaṃ ca tu, lokaṃ ca puṇyapāpānām, etat pṛcchāmi samprati, amum āhuḥ paraṃ mṛtyum, pavamānaṃ tu madhyamam, agnir evāvamo mṛtyuḥ, candramāś ca ucyate. anābhogāḥ paraṃ mṛtyum, pāpāḥ saṃyanti sarvadā, ābhogās tv eva saṃyanti, yatra puṇyakṛto janāḥ, tato madhyamam āyanti, caturmiśraṃ samprati, pṛcchāmi vā pāpakṛtaḥ, yatra yātayate yamaḥ, tvaṃ nas tad brahman pra brūhi, yadi vettha āsato gṛhān. kaśyapād ditāḥ sūryāḥ, pāpāś cirbhinnanti sarvadā, rodasyor antaradeśeṣu, tatra nyasyante vāsavaiḥ, te śarīrā prapadyante, yathā puṣpasya karmaṇaḥ, apāṇipādakeśāḥ, tat teyonijā janāḥ, mṛtvā punar mṛtyum āpadyante, adyamānāḥ svakair iva. āśātikāḥ kṛmaya iti, tataḥ prīyante vāsavaiḥ, apetaṃ mṛtyuṃ jayati, ya evaṃ veda, sa khalv eva vidrāddhāvaḥ, dīrghaśrutatamo bhavati, kaśyapas titha siddhagamanaḥ siddhagamanaḥ, tasyaiṣā bhavati, ā yasmin sapta vāsavaḥ, rohanti pūrvyā ruhaḥ. ṛṣisiṃhaṃ dīrghaśrutam, indrasya gharmo atithir iti, kaśyapaḥ paśavo bhavanti, yaś cainaṃ paripaśyatīti sauṣmyāt, atha agner aṣṭapuruṣasya, tasyaiṣā bhavati, agre naya supathā rāye asmān, viśvāni deva vayunāni vidvān, yuyodhy asmaj juhurāṇam enaḥ, bhūyiṣṭhāṃ te nama uktiṃ vidhema iti (TA 1,8,26–33).
Wodurch tritt dies in die Wasser ein? Wo ist dieses Jahr wechselweise [enthalten]? Wodurch die Nacht, wodurch die Göttin Nacht? Wodurch sind die Monate, die Jahreszeiten gestützt – die Halbmonate, die Muhūrtas, die Augenblicke samt den kleinsten Zeitteilchen? Wo gehen diese Wasser ein, wenn sie von hier gegenwärtig fortgehen? Die Zeiten gehen in die Wasser ein; die Wasser sind in der Sonne zusammengefasst. [?] Jene Wolken gehen [in die Sonne] ein; der Blitz ist in der Sonne zusammengefasst. Unbenennbar sind diese beiden Erden, diese und jene, die beiden Welthälften. Was mag dazwischen sein, wodurch diese beiden gestützt werden? Durch Viṣṇu werden die beiden Erden gestützt – so [lautet] das Wissen des Vaṃśya. Nahrungsreich, kuhreich sind sie geworden, mit guter Weide erscheinen sie dem Menschen. [?] [Ein stark verderbter Vers über Viṣṇus Kraft, der an dessen berühmte drei Schritte anzuklingen scheint:] Man fragt: welches ist Viṣṇus Kraft, welches sein Glanz, welches sein letztes Ziel? Vom Wind [her], sagt man, [kommt] Viṣṇus Kraft; mit drei Schritten durchmaß er den Berg; eines von Viṣṇus [Schritten] ist das Höchste. [?] Agni und auch Vāyu – das ist [des Menschen] Zufluchtsort. Ich frage dich nach dem höchsten Tod, dem niedrigsten und dem mittleren, und nach der Welt der Verdienstvollen und der Sündigen – danach frage ich jetzt. Jenen [die Sonne] nennt man den höchsten Tod, den Läuternden [Wind] den mittleren; Agni aber ist der niedrigste Tod, und ebenso wird der Mond [genannt]. Die Genusslosen [gelangen] zum höchsten Tod; die Sündigen gehen [dorthin] beständig. Die Genussreichen aber gehen [nur] dorthin, wo die Verdienstvollen sind; von da gelangen sie zum mittleren, vierfach gemischten [Tod]. Ich frage auch nach den Übeltätern: wohin Yama sie [zur Strafe] führt – das verkünde du uns, o Brahmane, wenn du die Häuser der dort Weilenden kennst. [?] Von Kaśyapa stammen die Sonnen; die Sündigen zerbersten beständig in den Zwischenräumen der beiden Welthälften, dort werden sie von den Vasus abgesetzt; sie nehmen [neue] Leiber an, wie nach der Wirkung einer Blüte, ohne Hände, Füße und Haare; jene aus diesem Schoße geborenen Wesen gelangen, gestorben, wieder zum [nächsten] Tod, gleichsam von den eigenen [Taten] verzehrt. [?] 'Die Würmer der Sehnsucht', so [heißt es]; von da an werden sie den Vasus lieb. Wer dies so weiß, überwindet den nahenden Tod; er wird der Weithinberühmteste; Kaśyapa wird zum sicher/erfolgreich Wandelnden, zum sicher Wandelnden. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Auf dem, worauf die sieben Vasus als die früheren Aufsteigenden emporsteigen...' [?] Der Löwe unter den Ṛṣis, der Weithinberühmte – 'der Gharma [das Pravargya-Feuer] ist Indras Gast', so [heißt es]; Kaśyapas [Angehörige] werden zu Opfertieren, und wer ihn betrachtet... [?]. Und dann von Agni, dem Achtmann-[hohen?]: Darüber gibt es diesen [wohlbekannten] Vers: 'Führe uns, Agni, auf gutem Wege zu Reichtum, o Gott, der du alle Handlungsweisen kennst; entferne von uns die verwirrende Sünde; die reichste Verehrung wollen wir dir darbringen.'
Wort für Wort
kā iyam adbhir viśate
wodurch tritt dies in die Wasser ein
kva ayaṃ saṃvatsaro mithaḥ
wo ist dieses Jahr wechselweise enthalten
kālā apsu niviśante
die Zeiten gehen in die Wasser ein
āpas sūrye samāhitāḥ
die Wasser sind in der Sonne zusammengefasst
viṣṇunā vidhṛte bhūmī
durch Viṣṇu werden die beiden Erden gestützt
kiṃ tu viṣṇor balam āhuḥ
welches, sagt man, ist Viṣṇus Kraft
tripadā dārayad giriḥ
mit drei Schritten durchmaß er den Berg
pṛcchāmi tvā paraṃ mṛtyum
ich frage dich nach dem höchsten Tod
amum āhuḥ paraṃ mṛtyum
jenen nennt man den höchsten Tod
agnir evāvamo mṛtyuḥ
Agni aber ist der niedrigste Tod
anābhogāḥ paraṃ mṛtyum pāpāḥ saṃyanti sarvadā
die Genusslosen, die Sündigen, gelangen beständig zum höchsten Tod
yatra yātayate yamaḥ
wohin Yama sie zur Strafe führt
kaśyapād ditāḥ sūryāḥ
von Kaśyapa stammen die Sonnen
mṛtvā punar mṛtyum āpadyante
gestorben, gelangen sie wieder zum Tod
apetaṃ mṛtyuṃ jayati ya evaṃ veda
wer dies so weiß, überwindet den nahenden Tod
indrasya gharmo atithir iti
der Gharma ist Indras Gast, so heißt es
agre naya supathā rāye asmān
führe uns, Agni, auf gutem Wege zu Reichtum
viśvāni deva vayunāni vidvān
o Gott, der du alle Handlungsweisen kennst
yuyodhy asmaj juhurāṇam enaḥ
entferne von uns die verwirrende Sünde
bhūyiṣṭhāṃ te nama uktiṃ vidhema
die reichste Verehrung wollen wir dir darbringen
[Anm.: Dieser umfangreiche, kaṇḍikā-reiche Anuvāka (26–33) gehört zu den philologisch schwierigsten Abschnitten des bisherigen Prapāṭhaka und enthält mehrere ineinander verschachtelte Themenkreise: eine Rätsel-Kette über die Verschachtelung der Zeiteinheiten (Jahr, Monat, Jahreszeit, Halbmonat, Muhūrta, Augenblick), die letztlich im Wasser und in der Sonne aufgehen (Kaṇḍikā 26) – ein thematisch stimmiger Auftakt zum vorangehenden Anuvāka 7; einen stark verderbten Abschnitt über die beiden Welthälften und Viṣṇu (Kaṇḍikā 27–28), der in seiner zweiten Hälfte an das berühmte Motiv von Viṣṇus drei Schritten (trivikrama) erinnert, dessen genauer Wortlaut hier aber kaum sicher rekonstruierbar ist; eine klar erkennbare und mit der digitalen Volltextausgabe von sanskritdocuments.org bestätigte Lehre von den drei Toden (höchster/mittlerer/niedrigster Tod, verbunden mit Sonne, Wind und Agni/Mond, sowie mit dem Schicksal der Verdienstvollen und der Sündigen, Kaṇḍikā 29–30) – ein früher Beleg für eschatologische Vorstellungen über gestaffelte Jenseitsbereiche und die Rolle Yamas; und einen ebenfalls sehr schwer lesbaren Abschnitt über die Wiedergeburt der 'Sündigen' aus den Sonnen Kaśyapas und ihre Erlösung (Kaṇḍikā 31–32). Der Anuvāka schließt mit dem wohlbekannten vedischen Vers 'agne naya supathā rāye asmān...' (Kaṇḍikā 33), der auch als Schlussvers der Īśā-Upaniṣad (Vers 18) sowie in ṚV 1,189,1 überliefert ist und daher mit hoher Sicherheit übersetzt werden konnte. Zahlreiche Einzelstellen (insbesondere Kaṇḍikā 27, 28, 31 sowie der Schluss von Kaṇḍikā 33) bleiben trotz Abgleichs mit der digitalen Textausgabe von sanskritdocuments.org in Wortlaut und Bedeutung erheblich unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet, statt eine geratene Lesart als gesichert auszugeben; die zugrundeliegende akzentuierte Devanagari-Druckvorlage ist an mehreren dieser Stellen selbst schwer lesbar bzw. möglicherweise korrupt überliefert.]
[?] Agni, der Wissende von allen Wesen, der mitgeborene, der Herr über Rasches; Vaiśvānara, der Menschenfreundliche, und sieben, die Gabe-reich sind; kriechend/sich ausbreitend als der achte der Feuer – diese acht wohnen als 'Bewohnte', so [heißt es]. Wie beim vorher [genannten] Agni [gibt es] verschiedene Flammenfarben: dunkelblau-glänzende und gelbflammige, so [heißt es]. Und von Vāyu die elf Tiere des Elf-Glanzreichen, [ihm] zugeteilt, gereinigt [?]. Und was die vom Vāsuki-Blitz [Erleuchteten sind]: silbrige, überaus dunkelrote, hell-braune, überaus rote, aufwärts- und abwärtsstürzende – der Blitz(-hafte) [gilt] als einer von ihnen. Den, der dies so weiß, tötet der Blitz nicht. Dazu sprach Vyāsa Pārāśarya: 'Ich selbst wünsche mir den Tod durch Blitzschlag – doch [der Blitz] tötet nicht den, der es nicht wünscht.' Wer dies so weiß – [es folgt eine Aufzählung von] Gandharva-Scharen: Svānabhrāṭ, Aṅgārirbhamāri, Hastasuhasta, Kṛśānu [und] Viśvāvasu [die bekannten Soma-hütenden Gandharvas], Mūrdhvānsūryavarcas, Kṛti – dies sind die Gandharva-Scharen, [dazu] Götter und Großgötter, und die Strahlen [sind] Götter, 'Bergverzehrer' [?] genannt. Den, der dies so weiß, tötet das Alter nicht. [Mit hoher Sicherheit, RV 1,164,41:] 'Die lichtfarbene Kuh brüllte, die Wasser gestaltend: einfüßig, zweifüßig ist sie, [dann] vierfüßig, achtfüßig, neunfüßig geworden, tausendsilbig im höchsten Himmelsraum.' Dies ist eine besondere Bezeichnung der Rede (Vāc). Nun sind [diese Verse] durch [wörtliche] Rezitation erklärt; wir wollen sie [weiter] der Reihe nach aufzählen: die Eber, die aus eigener Glut [entstanden sind]. [?] Vom Glanz des Blitzes [entsteht] der Pfeiler(?); die wilden Tiere sind es, die das Hausopfer betreffen(?) – diejenigen, die [hier unklar] –; Parjanya beregnet die siebenfache Erde mit Regenschauern, so [heißt es]. Eben dadurch, umgewandt [?], durch die sieben Winde angetrieben(?), lassen sie jene Welten gedeihen. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Dies ist dasselbe Wasser.' [?] Mit hochziehenden(?) Wagen/Zügen beleben die Regengüsse die Erde, den Himmel beleben sie zuerst, so [heißt es]. Die unvergängliche [Silbe], von den Wesen geschaffen, verehren alle Götter. [Es folgt eine kaum entschlüsselbare Passage mit Eigennamen:] den großen Weisen, dessen Kuhbesitz(?); sie machen [dies zu] Jamadagni['s Werk]; Jamadagni wird angetrieben(?), mit den weiteren Versmaßen; der König des Soma [ist] Tumāsa [?]. Ihr Brahmanen, an Heldenkraft [reich] – heilvoll seien uns die Himmelsrichtungen ringsum; diesen Segen erbitten wir uns: einen guten Weg für den Opferherrn. Göttliches Heil sei uns, Heil den Menschen; aufwärts steige die Heilkraft; wohl sei uns dem Zweifüßigen, wohl dem Vierfüßigen – 'die Soma-Trinker, die Nicht-Soma-Trinker', so [sind diese Verse] durch [wörtliche] Rezitation erklärt.
Wort für Wort
agnir jātavedāḥ sahojāḥ ajiraprabhuḥ
Agni, der Allwissende, der Mitgeborene, der Herr über Rasches
vaiśvānaro naryāpāś ca
Vaiśvānara und der Menschenfreundliche
nainaṃ vaidyuto hinasti ya evaṃ veda
den Blitz tötet nicht, wer dies so weiß
vidyudghātam evāhaṃ mṛtyum icchāmi
ich selbst wünsche mir den Tod durch Blitzschlag
na tv akāmaṃ hanti
doch er tötet nicht den, der es nicht wünscht
atha gandharvagaṇāḥ
und nun die Gandharva-Scharen
kṛśānur viśvāvasuḥ
Kṛśānu und Viśvāvasu
nainaṃ jaro hinasti ya evaṃ veda
das Alter tötet nicht, wer dies so weiß
gaurīr mimāya salilāni takṣatī
die lichtfarbene Kuh brüllte, die Wasser gestaltend
ekapadī dvipadī sā catuṣpadī
einfüßig, zweifüßig, [dann] vierfüßig ist sie
aṣṭāpadī navapadī babhūvuṣī
achtfüßig, neunfüßig geworden
sahasrākṣarā parame vyoman
tausendsilbig im höchsten Himmelsraum
vāco viśeṣaṇam
eine besondere Bezeichnung der Rede
parjanyaḥ saptapṛthivīm abhivarṣanti vṛṣṭibhiḥ
Parjanya beregnet die siebenfache Erde mit Regenschauern
viśve devā upāsate
alle Götter verehren [die unvergängliche Silbe]
śivā naḥ pradiśo diśaḥ
heilvoll seien uns die Himmelsrichtungen ringsum
gātuṃ yajñapataye
einen guten Weg für den Opferherrn
daivīs svastir astu naḥ svastir manuṣebhyaḥ
göttliches Heil sei uns, Heil den Menschen
śaṃ no astu dvipade śaṃ catuṣpade
wohl sei uns dem Zweifüßigen, wohl dem Vierfüßigen
[Anm.: Anuvāka 9 setzt sich aus mehreren, kaum durch einen erkennbaren roten Faden verbundenen Einzelabschnitten zusammen und gehört zu den am stärksten katalogartigen Passagen dieses Prapāṭhaka. Kaṇḍikā 34 zählt acht Agni-Formen und elf Vāyu-zugehörige Tiere auf (Einzelheiten unsicher); Kaṇḍikā 35 behandelt den Schutz vor dem Blitztod und enthält ein bemerkenswertes, namentlich Vyāsa Pārāśarya (dem traditionellen Verfasser/Ordner des Mahābhārata und der Veden) zugeschriebenes Zitat über den freiwillig gewünschten Blitztod; Kaṇḍikā 36 zählt Gandharva-Namen auf, darunter die auch aus anderer vedischer Literatur bekannten Soma-Hüter Kṛśānu und Viśvāvasu. Kaṇḍikā 37 enthält, mit hoher Übersetzungssicherheit, den berühmten Rätselvers ṚV 1,164,41 aus dem sogenannten Āsya-Vāmasya-Sūkta (der 'gaurīr mimāya salilāni takṣatī'-Vers über die kosmische, die Rede/Vāc verkörpernde Kuh mit wechselnder Fußzahl und tausend Silben) – einer der bekanntesten Rätselverse des gesamten vedischen Corpus. Die übrigen Kaṇḍikā (38-39) über Parjanya/Regen sowie eine kaum entschlüsselbare Passage mit den Namen Jamadagni und 'Tumāsa' bleiben trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx in weiten Teilen unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet. Kaṇḍikā 40 schließt den Anuvāka mit einer Reihe klar erkennbarer, formelhafter Segens-/Śānti-Verse (ähnlich anderen vedischen Schlussformeln), deren letzte Zeile ('vyavadātā hanti garigiras tapasa udakaṃ...') jedoch wiederum unklar bleibt.]
sahasravṛddhiyaṃ bhūmiḥ, paraṃ vyoma sahasravṛt, aśvinā bhujyū nāsatyā, viśvasya jagataspatī, jāyā bhūmiḥ patir vyoma, mithunantā aturyathuḥ, putro bṛhaspatī rudraḥ, sarmā iti sīpumam, śukraṃ vāmanyac chṛtaṃ vāmanyat, viśvarūpe ahanī dyaur iva sthaḥ. viśvā hi māyā avathaḥ svadhāvantau, bhadrā vāṃ pūṣaṇāv iha rātir astu, vāsatyau citrau jagato nidhānau. tisraḥ kṣapas tri-rahāny ativrajadbhiḥ, nāsatyā bhujyum ūhathuḥ pataṅgaiḥ, samudrasya dhanvann ārdrasya pāre, tribhī rathaiḥ śatapadbhiḥ ṣaḍaśvaiḥ. anveti tugro vakriyāntam, āyasūyān somatṛpsuṣu, sa saṃgrāmas tamo dyotaḥ atyotaḥ, vāco gāḥ pipāti tat, sa tad gobhis tavātyetyanye, rakṣasān ananvitāś ca ye, anveti parivṛtyāstaḥ, evam etau sthaḥ aśvinā, te ete dyuḥ pṛthivyoḥ, ahar ahar garbhaṃ dadhāthe. tayor etau vatsāv ahorātre, pṛthivyā ahaḥ, divo rātriḥ, tāv aviṣṛṣṭau, dampatī eva bhavataḥ, tayor etau vatsau, agniś cādityaś ca, rātrer agniḥ, divo ādityaḥ, śveta ādityaḥ, aho 'gniḥ. tāmro aruṇaḥ, tā aviṣṛṣṭau, dampatī eva bhavataḥ, tayor etau vatsau, vṛtraś ca vaidyutaś ca, agner vṛtraḥ, vaidyuta ādityasya, tā aviṣṛṣṭau, dampatī eva bhavataḥ, tayor etau vatsau. uṣmā ca nīhāraś ca, vṛtrasyoṣmā, vaidyutasya nīhāraḥ, tau tāv eva pratipadyete, seyaṃ rātrī garbhiṇī putreṇa saṃvasati, tasyā vā etad ulbaṇam, yad rātrau raśmayaḥ, yathā gor garbhiṇyā ulbaṇam, evam etasyā ulbaṇam, prajayiṣṇuḥ prajayā ca paśubhiś ca bhavati, ya evaṃ veda (TA 1,10,41–47).
Tausendfach wachsend ist die Erde; der höchste Himmelsraum ist tausendfach kreisend. Die beiden Aśvin, [Retter] des Bhujyu, die Nāsatyas, sind die beiden Herren der ganzen bewegten Welt. Die Gattin ist die Erde, der Gatte der Himmelsraum; als Paar (mithuna) [?, Rest unsicher: sie vollzogen dies im Wechsel]. [?] Der Sohn ist Bṛhaspati [und] Rudra; [?, stark unsicher]. Sei es das Helle, sei es das Gereifte, das er meinte – die beiden allgestaltigen, Tag und Nacht, stehen da wie der Himmel. Alle [ihre] Wunderkräfte helfen, aus eigenem Wesen; gütig sei uns, ihr beiden, hier die Gabe des Pūṣan; die beiden Vāsatya [Aśvin], die bunten, sind die beiden Schatzhäuser der Welt. Drei Nächte, drei Tage hindurch, [den Weg] durchquerend, führten die Nāsatyas den Bhujyu mit [ihren] fliegenden [Wagen] herbei, in der Wüste des Meeres, am Ufer des Nassen, mit drei hundertfüßigen, sechsrossigen Wagen. Tugra verfolgt [ihn] bis zum Ende der Windung [?]; […, stark unsicherer Abschnitt über einen Kampf, Dunkelheit und Glanz, und das ‚Trinken der Kühe der Rede‘]; wer die dem Rakṣas nicht Verbundenen [Dämonen des Bösen sind]; er folgt, ringsum kehrend. So sind diese beiden, die Aśvin; sie gehören zu Himmel und Erde; Tag für Tag legen sie den Keim. Ihre beiden Kälber sind Tag und Nacht: der Tag [gehört] der Erde, die Nacht dem Himmel. Diese beiden sind untrennbar, sie sind wahrlich ein Ehepaar; ihre beiden Kälber sind diese: Agni und der Āditya (die Sonne) – [der Nacht gehört] Agni, [dem Himmel] der Āditya; weiß ist der Āditya, [dunkel] der Agni [der Nacht]. Der Kupferfarbene und der Rötliche – diese beiden sind untrennbar, sie sind wahrlich ein Ehepaar; ihre beiden Kälber sind diese: Vṛtra und der Blitzhafte. Vṛtra gehört zu Agni, der Blitzhafte zum Āditya. Diese beiden sind untrennbar, sie sind wahrlich ein Ehepaar; ihre beiden Kälber sind diese. Hitze und Nebel: die Hitze gehört zu Vṛtra, der Nebel zum Blitzhaften; eben diese beiden entsprechen genau jenen [vorigen Paaren]. Eben diese Nacht, schwanger, wohnt mit [ihrem] Sohn zusammen; dies ist ja ihre Fruchthülle: nämlich die Strahlen in der Nacht – wie die Fruchthülle einer trächtigen Kuh, so ist die Fruchthülle dieser [Nacht]. Fruchtbar an Nachkommenschaft und an Vieh wird, wer dies so weiß.
Wort für Wort
sahasravṛddhiyaṃ bhūmiḥ
tausendfach wachsend ist die Erde
aśvinā bhujyū nāsatyā
die beiden Aśvin, Retter des Bhujyu, die Nāsatyas
viśvasya jagataspatī
die beiden Herren der ganzen bewegten Welt
jāyā bhūmiḥ patir vyoma
die Gattin ist die Erde, der Gatte der Himmelsraum
bhadrā vāṃ pūṣaṇāv iha rātir astu
gütig sei uns, ihr beiden, hier die Gabe des Pūṣan
vāsatyau citrau jagato nidhānau
die bunten Vāsatya sind die Schatzhäuser der Welt
tisraḥ kṣapas tri-rahāny ativrajadbhiḥ
drei Nächte, drei Tage hindurch, den Weg durchquerend
nāsatyā bhujyum ūhathuḥ pataṅgaiḥ
die Nāsatyas führten den Bhujyu mit fliegenden Wagen herbei
samudrasya dhanvann ārdrasya pāre
in der Wüste des Meeres, am Ufer des Nassen
tribhī rathaiḥ śatapadbhiḥ ṣaḍaśvaiḥ
mit drei hundertfüßigen, sechsrossigen Wagen
evam etau sthaḥ aśvinā
so sind diese beiden, die Aśvin
ahar ahar garbhaṃ dadhāthe
Tag für Tag legen sie den Keim
tayor etau vatsāv ahorātre
ihre beiden Kälber sind Tag und Nacht
dampatī eva bhavataḥ
sie sind wahrlich ein Ehepaar
agniś cādityaś ca
Agni und der Āditya
vṛtraś ca vaidyutaś ca
Vṛtra und der Blitzhafte
agner vṛtraḥ vaidyuta ādityasya
Vṛtra gehört zu Agni, der Blitzhafte zum Āditya
uṣmā ca nīhāraś ca
Hitze und Nebel
seyaṃ rātrī garbhiṇī putreṇa saṃvasati
eben diese Nacht, schwanger, wohnt mit ihrem Sohn zusammen
yathā gor garbhiṇyā ulbaṇam evam etasyā ulbaṇam
wie die Fruchthülle einer trächtigen Kuh, so die dieser Nacht
prajayiṣṇuḥ prajayā ca paśubhiś ca bhavati ya evaṃ veda
fruchtbar an Nachkommenschaft und Vieh wird, wer dies so weiß
[Anm.: Anuvāka 10 ist ein zusammenhängender, kunstvoll komponierter Abschnitt über kosmische 'Ehepaare' (mithuna) nach dem festen Muster 'X und Y sind untrennbar, sie sind ein Ehepaar; ihre Kälber sind A und B' – Erde/Himmel, Tag/Nacht, Agni/Āditya, Vṛtra/der Blitzhafte, Hitze/Nebel, jeweils ineinander verschachtelt. Eingebettet ist in Kaṇḍikā 43-44 eine klare Anspielung auf den bekannten Ṛgveda-Mythos von der Rettung des Bhujyu (Sohn des Tugra, der ihn mitten im Ozean aussetzte) durch die Aśvin-Zwillinge mit ihrem hundertfüßigen, sechsrossigen Wagen (vgl. u. a. ṚV 1,116; 1,117; 1,182) – hier auf den Tag-Nacht-Rhythmus gedeutet. Der Anuvāka gipfelt in Kaṇḍikā 47 in einem eindrucksvollen Bild: die schwangere Nacht mit den nächtlichen Lichtstrahlen (Sternenlicht/Dämmerschein) als ihrer 'Fruchthülle', verglichen mit der Fruchthülle einer trächtigen Kuh. Dank Abgleichs mit der digitalen Textausgabe von sanskritdocuments.org (taittirIyaAraNyaka.itx) konnten Kaṇḍikā 41-43 und 45-47 mit vergleichsweise hoher Sicherheit übersetzt werden; die zweite Hälfte von Kaṇḍikā 41 sowie weite Teile von Kaṇḍikā 44 bleiben trotzdem sprachlich sehr unsicher und sind mit [?] gekennzeichnet.]
pavitravantaḥ parivājam āsate, pitaiṣāṃ pratno abhirakṣati vratam, mahas samudraṃ varuṇas tirodadhe, dhīrā icchekur dharuṇeṣv ārabham, pavitraṃ te vitataṃ brahmaṇaspate, prabhur gātrāṇi paryeṣi viśvataḥ, ataptatanūr na tad āmo aśnute, śṛtāsa id vahantas taj samāśata, brahmā devānām, asataḥ sadya tatakṣuḥ. ṛṣayas satriṇo yat, sarve 'yo agastyaś ca, nakṣatraiḥ śaṃ kṛtvāvasan, śyenāśvasyāvartikam asya, amī ya ṛkṣā nihitāsa ucā, naraṃ dadṛśe kuhacid veyuḥ, adabdhāni varuṇasya vratāni, vicākaśac candramā nakṣatram eti, tat sma turvarṇyam, bhago devasya bhīmahi. dhiyo yo naḥ pracodayāt, tat savitur vṛṇīmahe, vaye devasya bhojanam, śreṣṭhaṃ sarvadhātamam, turaṃ bhagasya dhīmahi, apāghnata savitā tubhyaṃ, sarva indivo andhasaḥ, naktuny anv abhaṃdase, asthasya saṃbhaviṣyāmaḥ, nāma nāmaiva nāma me. napuṃsakaṃ pumān strī asmi, sthāvaro 'smy atha jaṅgamaḥ, yaje 'yakṣi yaṣṭāhe ca, mayā bhūtāny ayakṣata, paśavo mama bhūtāni, anubandhyo 'smy atha vibhuḥ, rayeḥ stutiḥ (?), tā u me pustaraṃ āhuḥ, paśyad akṣavan vicetā naḥ, kavir yaḥ putras tam ā ciketa. yas tā vijānāt savituḥ pitā sat, andho maṇim avindat, tam anaṅgulir āvayat, agrīvaḥ pratyamuñcat, tam ajihvā asaśvata, ūrdhvamūlam avākśākham, vṛkṣaṃ yo veda samprati, na sa jātu janaḥ śraddadhyāt, mṛtyur mā mārayād iti, hasitaṃ ruditaṃ gītam. vīṇāpaṇavalāsitam, mṛtaṃjīvaṃ ca yat kiṃcit, aṅgāni sma iva viddhi tat, atṛṣyaṃs tṛṣyan dhyāyat, asmāj jātā me mithu caran, putro nirṛtyā vaidehaḥ, acetā yaś ca cetanaḥ, sa taṃ maṇim avindat, so 'naṅgulir āvayat, so 'grīvaḥ pratyamuñcat. so 'jihvo 'saśvata, naitam ṛṣiṃ viditvā nagaṃ praviśate, yadi praviśet, mithu caritvā praviśet, tasya saṃbhavasya vratam, ātam agne rathe tiṣṭha, ekāśvam ekayojanam, ekacakram ekadhuram, vātāgrijagati vibho, na riṣyati na vyathate. nāsyākṣo yātu sajjati, yac chvetān rohitāṃś cāgneḥ, rathe yuktvādhitiṣṭhati (TA 1,11,48–55).
Die mit Läuterungskraft Ausgestatteten sitzen um den Wettlauf/das freie Feld; ihr uralter Vater beschützt ihr Gelübde. Den großen Ozean verbarg Varuṇa; die Weisen wünschten, [ihn] an [seinen] festen Stützen zu ergreifen. Dein Läuterungsmittel ist ausgebreitet, o Brahmaṇaspati; als Herr durchschreitest du die Glieder von allen Seiten. Wer nicht innerlich gereift/erhitzt ist, der Rohe, erlangt dies nicht; nur die Gereiften, es tragend, haben es erlangt. Sie sind das Brahman der Götter; aus dem Nichtseienden zimmerten sie das Seiende. [?] Die Ṛṣis, als sie [im Sattra-Opfer] zusammensaßen – alle, sowohl der Eiserne(?) als auch Agastya –, wohnten friedlich bei den Sternen; [ein schwer deutbarer Vers über einen Falken und ein Pferd]. Jene Bären(-Sterne), die dort niedergelegt sind – [wer] sah je einen Mann, [der] irgendwohin entschwände? Unangetastet sind Varuṇas Gebote; durchschauend geht der Mond zu den Sternbildern. [?] Dies ist wahrlich sein Ruhmesglanz; die Gabe des Gottes [Bhaga] erflehen wir uns. [Bekannte Gāyatrī-Formel, hier abgewandelt eingebettet:] 'Der [Geist], der unsere Einsichten antreiben möge' – ebendas erwählen wir von Savitṛ. Wir [erflehen] die Labung des Gottes, die beste, alles am meisten Nährende; die überlegene Gabe des Bhaga wollen wir erwirken. [?, Rest unsicher: Savitṛ schlägt dir entgegen; alle Somatränke aus dem Kraut; nächtens folgst du nach; wir werden am Sein teilhaben; Name um Name ist eben mein Name.] Ich bin das Geschlechtslose, der Mann, die Frau; ich bin das Feststehende und auch das Bewegliche. Ich opferte, ich habe geopfert und am Opfertag [opfere ich]; durch mich haben die Wesen geopfert; die Tiere sind meine Geschöpfe; ich bin es, dem sie zugeordnet sind, und zugleich der Alldurchdringende. [?] Ihr Preis nennt mich reich; der mit Augen sehende, der Unterscheidende erblickt uns; der Dichter, der [zugleich] Sohn ist, hat dies erkannt. [Berühmtes Rätsel:] Wer dies erkennt: Savitṛ ist der wahrhaftige Vater – der Blinde fand ein Juwel, der Fingerlose fädelte es auf, der Halslose legte es sich um, die Zungenlose verzehrte es. Wer den Baum, dessen Wurzel oben und dessen Äste unten sind, so wahrhaft erkennt, jener Mensch würde niemals glauben: 'Der Tod möge mich [noch einmal] sterben lassen.' Lachen, Weinen und Gesang [werden ihm gleichgültig]. Das Spiel der Vīṇā und der Handpauke, und was irgend lebendig-tot ist – erkenne dies gleichsam als [dessen] Glieder. [?] Der Nicht-Dürstende, dürstend geworden, sann nach; aus diesem [entstand], von mir geboren, im Wechsel wandelnd, ein Sohn ohne festen Ort, ohne Heimat, zugleich unbewusst und bewusst: er war es, der jenes Juwel fand, er der Fingerlose, der es auffädelte, er der Halslose, der es sich umlegte, er der Zungenlose, der es verzehrte. Wer diesen Ṛṣi nicht erkannt hat, dringt nicht in den [geheimnisvollen] Berg ein; wollte er eindringen, müsste er, im Wechsel wandelnd, eindringen. Dies ist das Gelübde dieses Werdens: Besteige, Agni, den Wagen – einspännig, einfach angeschirrt, einrädrig, einachsig; o du, der du in der windgetriebenen Welt [fährst], wird [er] nicht verletzt, nicht erschüttert. Möge seine Achse beim Fahren nicht hängen bleiben, wenn er, Agnis weiße und rötliche [Rosse] anschirrend, den Wagen besteigt.
Wort für Wort
pavitravantaḥ parivājam āsate
die mit Läuterungskraft Ausgestatteten sitzen um das freie Feld
mahas samudraṃ varuṇas tirodadhe
den großen Ozean verbarg Varuṇa
asataḥ sadya tatakṣuḥ
aus dem Nichtseienden zimmerten sie das Seiende
adabdhāni varuṇasya vratāni
unangetastet sind Varuṇas Gebote
vicākaśac candramā nakṣatram eti
durchschauend geht der Mond zu den Sternbildern
dhiyo yo naḥ pracodayāt
der Geist, der unsere Einsichten antreiben möge [Gāyatrī-Anklang]
[Anm.: Anuvāka 11 gehört zu den bedeutendsten und philosophisch reichsten Passagen des bisherigen Prapāṭhaka und steht dem berühmten Rätsel-Sūkta ṚV 1,164 (Āsya-Vāmasya-Sūkta) inhaltlich und stilistisch besonders nahe. Kaṇḍikā 50 bettet Elemente der berühmten Gāyatrī-/Sāvitrī-Formel ('dhiyo yo naḥ pracodayāt', sonst bekannt aus ṚV 3,62,10 'tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi') in abgewandelter Form ein. Kaṇḍikā 52 enthält, mit hoher Sicherheit gelesen, den Vers vom Baum 'mit der Wurzel oben und den Zweigen unten' (ūrdhvamūlam avākśākham vṛkṣam) – dies ist der älteste bekannte Beleg dieses Bildes, das später wortwörtlich in der Kaṭha-Upaniṣad (6,1: 'ūrdhvamūlo 'vākśākha eṣo 'śvatthaḥ sanātanaḥ') und in der Bhagavadgītā (15,1) wiederkehrt – ein bemerkenswerter früher Fund für die Geschichte dieses zentralen indischen Symbols. Kaṇḍikā 52–53 enthalten außerdem, in gespiegelter Wiederholung, das klassische vedische Rätsel vom 'Blinden, der ein Juwel fand, dem Fingerlosen, der es auffädelte, dem Halslosen, der es sich umlegte, und der Zungenlosen, die es verzehrte' – ein Paradox-Rätsel im Stil von ṚV 1,164. Kaṇḍikā 54–55 schließen mit dem Bild von Agnis einrädrigem, einspännigem Wagen – einer engen Parallele zum berühmten 'ekacakraṃ ratham' (einrädrigen Wagen) aus ṚV 1,164,2, den nach jenem Hymnus 'sieben [Rosse] anschirren'. Kaṇḍikā 51 enthält eine kosmische Selbstidentifikations-Aussage ('ich bin das Geschlechtslose, der Mann, die Frau...'), die an ähnliche All-Einheits-Formeln der späteren Upaniṣaden erinnert. Wegen der außergewöhnlichen sprachlichen Dichte und der teils stark widersprüchlichen handschriftlichen Überlieferung (Kaṇḍikā 49 sowie Teile von 50–51, 53) bleiben trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx zahlreiche Einzelheiten unsicher und mit [?] gekennzeichnet – die Kernaussagen der Kaṇḍikā 48, 50 (Gāyatrī-Bezug), 52–55 (Baum-, Juwel- und Wagen-Rätsel) sind dagegen vergleichsweise sicher rekonstruiert.]
[?, stark unsicherer Abschnitt] Dehne dich aus, breite dich weiter aus; steige empor, steige nieder, verbinde dich; lege in die Sonne den Keim der Mondfarben, [du,] der [du] das männliche [Prinzip bist]; von hier aus [strömt] das in die Sonne Ergossene, in den Mond bewirke [seinen] Saft/Glanz; vom Wasser her [entzünde] zuerst das Feuer – er, der als der eine Rudra bezeichnet wird: unzählige Tausende, [er] wird gedacht und doch nicht gesehen. So möge man dies verkünden: Mit den tosenden falben Rossen, komm, Indra, mit den pfauenfedrigen [Rossen]; niemand löse dich mit [seinen] Händen zum Glanz; diese [Rosse], gespannt, komm herbei damit. [Weitere Zeilen im selben Formelmuster, kaum sicher deutbar.] Mit feinsten [Kräften], du Größter. [?] Bei den Zusammengehaltenen, den nicht Verbundenen, mit den goldfarbenen, herrinlosen Zeiten – komm her, Indra, Tausendfach-Verbundener; Agni, der All-Umkleidete; Vāyu, der weiß-gesprenkelt Fließende; im Jahr, zu den Tag-und-Nacht-gleichen [Zeiten] – beständig sind sie deine Gefolgsleute. Subrahmaṇya, Subrahmaṇya, Subrahmaṇya! [Die bekannte rituelle Anrufungsformel:] Indra, komm; komm, du Falbenrossiger; Medhātithi; Widder der Stierhaftigkeit, gedenke [dessen]. [?, stark unsicher: von einem Stier, der niederstürzt, einem Liebhaber; vom Kauśika-Brahmanen, vom Gautama-Sprecher; von Aruṇā gekommen] – acht sind die himmelsrichtungs-gekleideten Ersten [der Rudras]; Agni und der Allwissende sind unter ihnen; kupferfarben und mit kupferfarbenen Wagen, kupferfarben [im Aussehen], doch dunkel; mit Stäben in der Hand, [im Gehen] verzehrend – so [sind] die abgewandten Rudras. [?] Der genannte Ort und das Maß, von der Burg her; Bṛhaspati und Savitṛ, mit allgestaltigen [Begleitern] hierher gekommen, auf dem Wagen, dem Wasserpfad folgend; 'Apsuṣā' [heißt es] für dieses Paar [der Aśvin]; die genannte Tracht und die Gewänder; von den Teilen der Zeit her, von Westen; 'Vāsātyā' [ist ein Name] für die beiden Aśvin. 'Wer macht im Luftraum das Geräusch?' – so stellte Vasiṣṭha Rauhiṇa die Untersuchung an. Darüber gibt es diesen [Vers]: 'Wie eine brüllende [Kuh] ist der Blitz.' Du bist der Bauch/Schoß des Brahman; du bist das Hervortönen des Brahman; du bist die Ausbreitung des Brahman; du bist die Unterlage des Brahman.
[Anm.: Anuvāka 12 gehört zu den am schwersten lesbaren Abschnitten dieses Prapāṭhaka; die akzentuierte Devanagari-Vorlage ist an mehreren Stellen (v. a. Kaṇḍikā 57 und 59) trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx kaum sicher zu entziffern und wird daher mit besonders vielen [?]-Markierungen wiedergegeben, statt eine geratene Lesart als gesichert auszugeben. Erkennbar sind gleichwohl mehrere bedeutsame Einzelheiten: Kaṇḍikā 56 behandelt die Beziehung von Sonne, Mond und dem 'einen Rudra, der unzählige Tausende ist und doch nicht gesehen wird' (ein früher Beleg für die später zentrale Rudra-Ekatva-Vorstellung, vgl. auch die Rudra-Litaneien anderer Āraṇyakas dieses Projekts). Kaṇḍikā 58 enthält, gut erkennbar, den berühmten rituellen Anrufungsruf 'Subrahmaṇyā' samt der Indra-Anrufungsformel 'indrā gaccha, hariva āgaccha' (bekannt aus dem Soma-Opfer, u. a. beim Agniṣṭoma). Kaṇḍikā 59 beschreibt, ähnlich wie Rudra-Litaneien in anderen bereits übersetzten Āraṇyakas dieses Projekts, acht kupferfarbene, mit Stäben bewaffnete Rudras als Wächter der Himmelsrichtungen. Kaṇḍikā 60 schließt mit vier Weihe-/Ausbreitungsformeln für das Brahman (Bauch, Hervortönen, Ausbreitung, Unterlage), die an ähnliche Kuśa-Gras- oder Sitz-Weiheformeln anderer vedischer Ritualtexte erinnern.]
(apakrāmata garbhiṇyaḥ) aṣṭayonim aṣṭaputrām, aṣṭaptīm imāṃ mahīm, ahaṃ veda na me mṛtyuḥ, na cāmṛtyur aghāharat, aṣṭayony aṣṭaputrām, aṣṭapadīm antarikṣam, ahaṃ veda na me mṛtyuḥ, na cāmṛtyur aghāharat, aṣṭayonim aṣṭaputrām, aṣṭapatnīm amṛndivam, ahaṃ veda na me mṛtyuḥ, na cāmṛtyur aghāharat, sutrāṇāṃ mahīm uṣaḥ, aditir dyaur aditir antarikṣam, aditir mātā sa pitā sa putraḥ, viśve devā aditiḥ pañcajanāḥ, aditir jātā aditir janitvam, aṣṭau putrāso aditeḥ, ye jātās tanvaḥ pari, devām upaitsabhiḥ, parā mārtāṇḍam āsyat, sasabhiḥ putrair aditiḥ, upaitpūrvyaṃ yugam, prajāyai mṛtyave tat, parā mārtāṇḍam ābharad iti, tān anukramiṣyāmaḥ, mitraś ca varuṇaś ca, dhātā cāryamā ca, aryaś ca bhagaś ca, indraś ca vivasvāṃś cetyete, hiraṇyagarbho ha uśuciccit, brahmajñānaṃ tad idam iti, garbhaḥ prājāpatyaḥ, atha puruṣaḥ saptapuruṣaḥ (TA 1,13,61–63).
(Die schwangeren Frauen entfernen sich.) Achtfach ist [ihr] Ursprung, achtfach [ihre] Söhne, achtfach [?] diese große [Erde]; ich weiß es – mir tut der Tod nichts, und der Nicht-Tod [die Unsterblichkeit] hat [mich] durch kein Übel dahingerafft. Achtfach ist [ihr] Ursprung, achtfach [ihre] Söhne, achtfüßig der Luftraum; ich weiß es – mir tut der Tod nichts, und der Nicht-Tod hat [mich] durch kein Übel dahingerafft. Achtfach ist [ihr] Ursprung, achtfach [ihre] Söhne, achtfach [ihre] Gattinnen [ist] der unsterbliche Himmel; ich weiß es – mir tut der Tod nichts, und der Nicht-Tod hat [mich] durch kein Übel dahingerafft. [?] Der gut schützenden großen Morgenröte: Aditi ist der Himmel, Aditi der Luftraum, Aditi die Mutter, sie der Vater, sie der Sohn; alle Götter [sind] Aditi, die fünf Stämme [der Menschen sind Aditi]; Aditi ist geboren, Aditi ist die künftige Geburt. Acht sind die Söhne der Aditi, die aus [ihrem] Leibe geboren wurden; [?] mit den Göttern zog sie zur Versammlung. Den Mārtāṇḍa warf sie fort, [obwohl er] mit den [übrigen] Söhnen [zusammen war], die Aditi; sie ging zum uralten Zeitalter, zur Nachkommenschaft hin, zum Tode hin – das [tat sie]; sie warf den Mārtāṇḍa fort, so [heißt es]. Diese wollen wir der Reihe nach aufzählen: Mitra und Varuṇa, Dhātṛ und Aryaman, Arya (Aṃśa) und Bhaga, Indra und Vivasvat – dies sind sie [die acht Ādityas]. Der Hiraṇyagarbha (goldene Keim), wahrlich rein und leuchtend – eben dies ist die Erkenntnis des Brahman: [er ist] der Keim, der zu Prajāpati gehört; und dann [ist da] der Puruṣa, der siebenfache Puruṣa.
Wort für Wort
apakrāmata garbhiṇyaḥ
die schwangeren Frauen entfernen sich [Regieanweisung]
aṣṭayonim aṣṭaputrām
achtfach ihr Ursprung, achtfach ihre Söhne
ahaṃ veda na me mṛtyuḥ
ich weiß es, mir tut der Tod nichts
na cāmṛtyur aghāharat
und der Nicht-Tod hat mich durch kein Übel dahingerafft
aditir dyaur aditir antarikṣam
Aditi ist der Himmel, Aditi der Luftraum
aditir mātā sa pitā sa putraḥ
Aditi die Mutter, sie der Vater, sie der Sohn
aṣṭau putrāso aditeḥ
acht sind die Söhne der Aditi
parā mārtāṇḍam āsyat
den Mārtāṇḍa warf sie fort
sasabhiḥ putrair aditiḥ
mit den übrigen Söhnen, die Aditi
mitraś ca varuṇaś ca dhātā cāryamā ca
Mitra und Varuṇa, Dhātṛ und Aryaman
aryaś ca bhagaś ca indraś ca vivasvāṃś ca
Arya und Bhaga, Indra und Vivasvat
hiraṇyagarbho ha uśuciccit
der Hiraṇyagarbha, wahrlich rein und leuchtend
brahmajñānaṃ tad idam iti
eben dies ist die Erkenntnis des Brahman
garbhaḥ prājāpatyaḥ
der Keim, der zu Prajāpati gehört
atha puruṣaḥ saptapuruṣaḥ
und dann der Puruṣa, der siebenfache Puruṣa
[Anm.: Anuvāka 13 wird im Quelltext ausdrücklich durch die Regieanweisung 'apakrāmata garbhiṇyaḥ' ('die schwangeren Frauen entfernen sich') eingeleitet und – unmittelbar zu Beginn des folgenden Anuvāka 14 – durch die Gegenanweisung 'yathāsthānaṃ garbhiṇyaḥ' ('die schwangeren Frauen [kehren] an ihren Platz [zurück]') wieder aufgehoben; dies ist eine bekannte Konvention vedischer Ritualtexte, mit der Passagen markiert werden, die als hörgefährlich für Schwangere galten. Ursache dürfte hier weniger sexuelle Anstößigkeit sein als vielmehr das Thema selbst: Kaṇḍikā 61 enthält eine formelhafte Selbstbehauptungs-/Lebenszauber-Formel gegen den Tod ('ich weiß es, mir tut der Tod nichts'), und Kaṇḍikā 62-63 erzählen, mit hoher Übersetzungssicherheit (Übereinstimmung mit ṚV 10,72,8-9, dem berühmten Devānāṃ-Janma-Hymnus), den Mythos von Aditis acht Söhnen: sie gebar acht Āditya-Götter, warf jedoch den achten, Mārtāṇḍa ('den toten/verwelkten Ei-Sohn'), fort – dieser wird in der Tradition mit Vivasvat, dem Sonnengott und Stammvater der Menschheit (Vater des Manu und Yama, des ersten Sterblichen), identifiziert. Der Mythos gilt als vedische Erklärung für den Ursprung der Sterblichkeit selbst, was das Vermeidungsgebot für Schwangere plausibel erklärt. Die Aufzählung der acht Ādityas (Mitra, Varuṇa, Dhātṛ, Aryaman, Aṃśa/Arya, Bhaga, Indra, Vivasvat) ist eine der ältesten überlieferten Listen dieser Göttergruppe. Kaṇḍikā 63 schließt mit einem knappen Verweis auf Hiraṇyagarbha ('goldener Keim', die kosmogonische Ur-Keimzelle, vgl. ṚV 10,121) und den 'siebenfachen Puruṣa' – eine kaum entfaltete, aber bedeutsame Anspielung auf die Puruṣa-Kosmogonie. Einzelne Wendungen (u.a. 'sutrāṇāṃ mahīm uṣaḥ', 'devām upaitsabhiḥ') bleiben trotz Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx grammatisch unsicher und sind mit [?] markiert. Ein angehängter Zahlvermerk am Anuvāka-Ende ('amṛndivaṃ sasabhir ete catvāri ca') gehört zum überlieferten Rezitationsapparat (vermutlich eine Vers-/Wortzählhilfe) und wurde nicht als inhaltlicher Text übersetzt.]
(yathāsthānaṃ garbhiṇyaḥ) yo 'sau tapann udeti, sa sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇān ādāyodeti, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇān ādāyodagāḥ, asau yo 'stam eti, sa sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇān ādāyāstam eti, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇān ādāyāstam eti, asau ya āpūryati, sa sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair āpūryati, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair āpūrīṣṭhāḥ, asau yo 'pakṣīyati, sa sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair apakṣīyati, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair apakṣeṣṭhāḥ, amūni nakṣatrāṇi sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇaiḥ prasarpanti cotsarpanti ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpata mo 'psṛpata, ime māsārdhamāsāś ca sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair aprasarpanti cotsarpanti ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpata mo 'psṛpata, ima ṛtavaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair aprasarpanti cotsarpanti ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpata mo 'psṛpata, ayaṃ saṃvatsaraḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair aprasarpanti cotsarpanti ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpa mo 'psṛpa, idam ahaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair aprasarpati cotsarpati ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpa mo 'psṛpa, iyaṃ rātriḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇair aprasarpati cotsarpati ca, mā me prajāyā mā paśūnām, mā mama prāṇair aprasṛpa mo 'psṛpa, oṃ bhūr bhuvas svaḥ, etaddho mithunam, mā no mithunaṃ rīḍhum (TA 1,14,64–67).
(Die schwangeren Frauen [kehren] an ihren Platz [zurück].) Jene [Sonne], die brennend aufgeht, sie geht auf, indem sie die Lebenshauche aller Wesen mit sich nimmt; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – nimm nicht meine Lebenshauche mit dir, wenn du aufgehst! Jene, die untergeht, sie geht unter, indem sie die Lebenshauche aller Wesen mit sich nimmt; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – nimm nicht meine Lebenshauche mit dir, wenn du untergehst! Jener [Mond], der voll wird, er wird voll mit den Lebenshauchen aller Wesen; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – werde nicht voll mit meinen Lebenshauchen! Jener, der abnimmt, er nimmt ab mit den Lebenshauchen aller Wesen; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – nimm nicht ab mit meinen Lebenshauchen! Jene Sternbilder kriechen mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her [wandern auf und ab]; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Diese Monate und Halbmonate kriechen mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Diese Jahreszeiten kriechen mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Dieses Jahr kriecht mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Dieser Tag kriecht mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Diese Nacht kriecht mit den Lebenshauchen aller Wesen hin und her; nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh – kriecht nicht mit meinen Lebenshauchen hin und her! Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Dies eben ist das [kosmische] Paar; [?, unsicher:] nicht für uns [sei] das Paar ein Hindernis/eine Gefahr.
Wort für Wort
yo 'sau tapann udeti
jene Sonne, die brennend aufgeht
sa sarveṣāṃ bhūtānāṃ prāṇān ādāyodeti
sie geht auf, indem sie die Lebenshauche aller Wesen mit sich nimmt
mā me prajāyā mā paśūnām
nicht meine Nachkommenschaft, nicht mein Vieh
mā mama prāṇān ādāyodagāḥ
nimm nicht meine Lebenshauche mit dir, wenn du aufgehst
asau ya āpūryati
jener, der voll wird
asau yo 'pakṣīyati
jener, der abnimmt
amūni nakṣatrāṇi
jene Sternbilder
prasarpanti cotsarpanti ca
kriechen hin und her, wandern auf und ab
ime māsārdhamāsāś ca
diese Monate und Halbmonate
ima ṛtavaḥ
diese Jahreszeiten
ayaṃ saṃvatsaraḥ
dieses Jahr
idam ahaḥ
dieser Tag
iyaṃ rātriḥ
diese Nacht
oṃ bhūr bhuvas svaḥ
Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel
etaddho mithunam
dies eben ist das Paar
[Anm.: Anuvāka 14 wird im Quelltext durch die Regieanweisung 'yathāsthānaṃ garbhiṇyaḥ' ('die schwangeren Frauen kehren an ihren Platz zurück') eingeleitet, welche die in Anuvāka 13 (Mārtāṇḍa-Mythos, s. dort) verhängte Hör-Beschränkung wieder aufhebt. Der Anuvāka selbst ist eine kunstvoll durchkomponierte, formelhafte Schutzlitanei: für jede kosmische Zeiteinheit – Sonnenauf-/-untergang, Mondzu-/-abnahme, Sternbilder (Nakṣatra), Monate/Halbmonate, Jahreszeiten, Jahr, Tag, Nacht – wird festgestellt, dass sie 'mit den Lebenshauchen (prāṇa) aller Wesen' wandert bzw. auf- und abnimmt, gefolgt von der refrainartigen Bitte, dabei die eigene Nachkommenschaft und das eigene Vieh zu verschonen. Thematisch schließt dies unmittelbar an den Mārtāṇḍa-Mythos aus Anuvāka 13 an (Sorge um Sterblichkeit/Lebenskraft), was die Zusammengehörigkeit beider Anuvākas als eine ursprünglich zusammenhängende, hörbeschränkte Texteinheit erklärt. Die Schlussformel ('oṃ bhūr bhuvas svaḥ, etaddho mithunam, mā no mithunaṃ rīḍhum') bleibt in ihrem letzten Wort ('rīḍhum', evtl. verderbt für eine Form von 'rīḍh-'/'riṣ-') trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx unsicher und ist mit [?] markiert. Ein angehängter Zahlvermerk am Anuvāka-Ende ('prāṇair āpūryati mo 'psṛpati cotsarpati ca mo 'psṛpa dve ca') gehört zum überlieferten Rezitationsapparat und wurde nicht als inhaltlicher Text übersetzt.]
Nun, vom Āditya, dem Achtfach-Puruṣa: An der Stelle der Vasu-Ādityas leuchte [du] mit eigenem Glanz; an der Stelle der Rudra-Ādityas leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der [übrigen] Āditya-Ādityas leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der Sat-Ādityas [der 'seienden' Ādityas] leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der Ādityas der schüttelnden, wandelnden, windbegabten Marut leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der Ṛbhu-Ādityas leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der Viśvedeva-Ādityas ['aller Götter'] leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Savitṛ des Jahres, des Āditya, leuchte mit eigenem Glanz. Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Die Strahlen sind euer [kosmisches] Paar; [?, unsicher] nicht für uns [sei] das Paar ein Hindernis.
Wort für Wort
ādityasyāṣṭapuruṣasya
vom Āditya, dem Achtfach-Puruṣa
vasūnām ādityānāṃ sthāne svatejasā bhāni
an der Stelle der Vasu-Ādityas leuchte mit eigenem Glanz
rudrāṇām ādityānāṃ sthāne
an der Stelle der Rudra-Ādityas
ṛbhūṇām ādityānāṃ sthāne
an der Stelle der Ṛbhu-Ādityas
viśveṣāṃ devānām ādityānāṃ sthāne
an der Stelle der Viśvedeva-Ādityas
saṃvatsarasya savituḥ ādityasya sthāne
an der Stelle des Savitṛ des Jahres, des Āditya
oṃ bhūr bhuvas svaḥ
Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel
raśmayo vo mithunam
die Strahlen sind euer Paar
[Anm.: Anuvāka 15 (nur Kaṇḍikā 68) eröffnet eine Reihe kurzer, formelhafter Identifikationssprüche (fortgesetzt in Anuvāka 16-17), die verschiedene Gottheiten-/Qualitätsklassen – hier Vasus, Rudras, [weitere] Ādityas, 'Sat'-Götter, Maruts, Ṛbhus, Viśvedevas, Savitṛ des Jahres – der Reihe nach als 'an der Stelle der Ādityas mit eigenem Glanz leuchtend' ansprechen: eine solar-theologische Gleichsetzung verschiedener Götterklassen mit dem Āditya-Prinzip. Der Schlussrefrain ('oṃ bhūr bhuvas svaḥ... mithunam... rīḍhum') gleicht dem in Anuvāka 14, mit demselben unsicheren Schlusswort 'rīḍhum' [?]. Das Verbum 'bhāni' ist grammatisch changierend (evtl. 'bhāsi', 2. Pers. Sg.) und wird einheitlich als Imperativ/Anrede 'leuchte' wiedergegeben. Ein angehängter Zahlvermerk am Anuvāka-Ende ('ṛbhūṇām ādityānāg sthāne svatejasā bhāni ṣaṭ ca') gehört zum Rezitationsapparat und wurde nicht übersetzt.]
An der Stelle der Gesundheit (Ārogya) leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Glanzes (Bhrāja) leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Paṭara [?, unklarer Begriff/Name] leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Svarṇara [?, 'Goldglänzenden'] leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Lichtreichen (Jyotiṣmat) leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle des Erstrahlenden (Vibhāsa) leuchte mit eigenem Glanz. Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Die Wasser sind euer [kosmisches] Paar; [?, unsicher] nicht für uns [sei] das Paar ein Hindernis.
Wort für Wort
ārogyasya sthāne svatejasā bhāni
an der Stelle der Gesundheit leuchte mit eigenem Glanz
bhrājasya sthāne
an der Stelle des Glanzes
jyotiṣmataḥ sthāne
an der Stelle des Lichtreichen
vibhāsasya sthāne
an der Stelle des Erstrahlenden
āpo vo mithunam
die Wasser sind euer Paar
[Anm.: Anuvāka 16 (nur Kaṇḍikā 69) setzt das Formelmuster aus Anuvāka 15 fort, nun mit einer Reihe abstrakter/leuchtbezogener Qualitäten (Gesundheit, Glanz, zwei unklare Begriffe 'Paṭara' und 'Svarṇara', Lichtfülle, Erstrahlen) statt Götterklassen, abermals mit dem Schlussrefrain, hier auf die Wasser (āpaḥ) bezogen statt auf die Strahlen. 'Paṭarasya' und 'svarṇarasya' bleiben trotz Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx unsicher – möglicherweise Eigennamen einer weiteren, hier nicht näher erläuterten Aufzählung; mit [?] markiert. Ein angehängter Zahlvermerk ('ārogyasya daśa') gehört zum Rezitationsapparat und wurde nicht übersetzt.]
Nun, von Vāyus elffachem, elf-glanzreichem Puruṣa: an der Stelle der strahlend hervorbrechenden Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der reinen/hellen Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der vāsuki-blitzhaften Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der silbernen Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der grauen Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der rotbraunen Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der dunklen Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der sehr roten Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der aufwärtsgerichteten Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der herabstürzenden Rudras leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der blitzhaften Rudras leuchte mit eigenem Glanz. [Und ebenso, für die weibliche Entsprechung:] an der Stelle der strahlend hervorbrechenden Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der reinen/hellen Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der vāsuki-blitzhaften Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der silbernen Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der grauen Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der dunklen Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der rotbraunen Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der sehr roten Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der aufwärtsgerichteten Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der herabstürzenden Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz; an der Stelle der blitzhaften Rudrāṇīs leuchte mit eigenem Glanz. Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Die Gestalten sind euer Paar; [?, unsicher] nicht für uns [sei] das Paar ein Hindernis.
Wort für Wort
vāyor ekādaśapuruṣasya
von Vāyus elffachem Puruṣa
prabhrājamānānāṃ rudrāṇāṃ sthāne svatejasā bhāni
an der Stelle der strahlend hervorbrechenden Rudras leuchte mit eigenem Glanz
vāsukivaidyutānāṃ rudrāṇāṃ sthāne
an der Stelle der vāsuki-blitzhaften Rudras
kapilānāṃ rudrāṇāṃ sthāne
an der Stelle der rotbraunen Rudras
ūrdhvānāṃ rudrāṇāṃ sthāne
an der Stelle der aufwärtsgerichteten Rudras
avapatatāṃ rudrāṇāṃ sthāne
an der Stelle der herabstürzenden Rudras
prabhrājamānānāṃ rudrāṇīnāṃ sthāne
an der Stelle der strahlend hervorbrechenden Rudrāṇīs
oṃ bhūr bhuvas svaḥ rūpāṇi vo mithunam
Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Die Gestalten sind euer Paar
[Anm.: Anuvāka 17 setzt das seit Anuvāka 15 laufende Formelmuster fort und wendet es auf Vāyus 'elffachen, elf-glanzreichen Puruṣa' an: eine Liste von elf Farb-/Erscheinungs-Epitheta (strahlend, rein, blitzhaft, silbern, grau, rotbraun, dunkel, sehr rot, aufwärtsgerichtet, herabstürzend, blitzhaft) wird zunächst auf männliche Rudras (Kaṇḍikā 70), dann – mit fast identischem Wortlaut – auf weibliche Rudrāṇīs (Kaṇḍikā 71) angewendet, was das für spätvedische Rudra-Litaneien charakteristische Prinzip männlich-weiblicher Doppelung veranschaulicht (vgl. auch die Rudra-Litaneien anderer Āraṇyakas dieses Projekts). Die genaue Bedeutung einzelner Epitheta (v. a. 'vāsukivaidyuta', wörtl. etwa 'zum Blitz des Vāsuki gehörig') bleibt unsicher und ist mit [?] markiert.]
Nun, von Agnis achtfachem [?, im Text nur sieben genannt] Puruṣa: Agni ist an der Stelle der Ostrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Jātavedas ist an der Stelle der [südöstlichen] Zwischenrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Mahas ist an der Stelle der Südrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Ajiraprabhava ist an der Stelle der [südwestlichen] Zwischenrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Vaiśvānara ist an der Stelle der Westrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Paṅktirādhas ist an der Stelle der Nordrichtung – leuchte mit eigenem Glanz; Visarpin ist an der Stelle der [nordöstlichen] Zwischenrichtung – leuchte mit eigenem Glanz. Oṃ – Erde, Luftraum, Himmel! Die Himmelsrichtungen sind euer Paar; [?, unsicher] nicht für uns [sei] das Paar ein Hindernis.
Wort für Wort
agner aṣṭapuruṣasya
von Agnis achtfachem Puruṣa
agneḥ pūrvadiśyasya sthāne svatejasā bhāni
Agni ist an der Stelle der Ostrichtung, leuchte mit eigenem Glanz
jātavedasa upadiśyasya sthāne
Jātavedas an der Stelle der Zwischenrichtung
mahaso dakṣiṇadiśyasya sthāne
Mahas an der Stelle der Südrichtung
vaiśvānarasyāparadiśyasya sthāne
Vaiśvānara an der Stelle der Westrichtung
diśo vo mithunam
die Himmelsrichtungen sind euer Paar
[Anm.: Anuvāka 18 (nur Kaṇḍikā 72, mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx abgeglichen und dadurch gegenüber der PDF-OCR korrigiert: 'athāgner aṣṭapuruṣasya' statt vermuteter Lesart) setzt das 'sthāne svatejasā bhāni'-Formelmuster ein letztes Mal fort, nun bezogen auf Agnis achtfache Gestalt in den acht Himmelsrichtungen (vier Haupt-, vier Zwischenrichtungen), mit Sonderbenennungen für Agni in den einzelnen Richtungen (Jātavedas, Mahas, Ajiraprabhava, Vaiśvānara, Paṅktirādhas, Visarpin). Im erhaltenen Text werden nur sieben Richtungsnamen aufgezählt, obwohl 'aṣṭapuruṣasya' ('des Achtfachen') angekündigt wird – vermutlich fehlt eine Zwischenrichtung durch Textverderbnis oder Auslassung, mit [?] markiert.]
Im Südosten ist die kriechende [d.h. sich ausbreitende] Hölle – davor beschütze uns! Im Südwesten ist die kriechende Hölle – davor beschütze uns! Im Nordosten ist die Hölle der Verzweiflung – davor beschütze uns! Im Nordwesten ist die Hölle der Verzweiflung – davor beschütze uns! [?, letzte Zeile unsicher:] Langlebig [seien wir], alle Sinneskräfte [seien uns erhalten] – der Hundertfach-Mächtige [Indra/Śatakratu] breitet [dies] aus.
Wort für Wort
dakṣiṇapūrvasyāṃ diśi visarpī narakaḥ
im Südosten ist die kriechende Hölle
tasmān naḥ paripāhi
davor beschütze uns
uttarapūrvasyāṃ diśi viṣādī narakaḥ
im Nordosten ist die Hölle der Verzweiflung
uttarāparasyāṃ diśi viṣādī narakaḥ
im Nordwesten ist die Hölle der Verzweiflung
[Anm.: Anuvāka 19 (nur Kaṇḍikā 73) benennt vier 'Höllen' (naraka) in den vier Zwischenhimmelsrichtungen – im Südosten und Südwesten je eine 'kriechende/sich ausbreitende' (visarpī), im Nordosten und Nordwesten je eine 'Verzweiflungs-'Hölle (viṣādī) – mit der refrainartigen Bitte um Schutz davor ('tasmān naḥ paripāhi', mit hoher Sicherheit dank Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx, welches auch die PDF-Lesart 'parihi' zu 'paripāhi' korrigiert). Dies ist eine der seltenen expliziten Naraka-Erwähnungen im älteren vedischen Textkorpus, hier eng an die vorausgehende Himmelsrichtungs-Kosmologie (Anuvāka 15-18) gebunden: die vier Haupt- und Zwischenrichtungen tragen positive Gottheiten, die vier übrigen Zwischenrichtungen dagegen gefährliche 'Höllen'. Die Schlusszeile bleibt trotz Quellenabgleich unsicher und ist mit [?] markiert.]
indraghoṣo vā vasubhiḥ purastād upadadhāti, manojavasaḥ vaḥ pitṛbhir dakṣiṇata upadadhāti, pracetā vo rudraiḥ paścād upadadhāti, viśvakarmā ādityair uttarata upadadhāti, tvaṣṭā vaḥ pavir uparistād upadadhāti, saṃjñānaṃ vaḥ paścād iti, ādityaḥ sarvāśriḥ pṛthivyām, vāyur antarikṣe, sūryo divi, candramā dikṣu, nakṣatrāṇi svaloke, eva hy eva, eva hy eva, eva hi vāyo, eva hy indra, eva hi pūṣan, eva hi devāḥ (TA 1,20,74).
Indraghoṣa legt euch mit den Vasus im Osten nieder; Manojavas legt euch mit den Vätern (Pitṛs) im Süden nieder; Pracetas legt euch mit den Rudras im Westen nieder; Viśvakarman legt euch mit den Ādityas im Norden nieder; Tvaṣṭṛ legt euch mit dem [Blitzkeil, 'pavi'] oben nieder; [?, unsicher] die Erkenntnis [legt] euch im Westen [nieder] – der Āditya [ruht] mit allen Zufluchten auf der Erde, Vāyu im Luftraum, Sūrya im Himmel, der Mond in den Himmelsrichtungen, die Sternbilder in ihrer eigenen Welt. So fürwahr, so fürwahr, so [ist es] fürwahr, o Vāyu; so fürwahr, o Indra; so fürwahr, o Pūṣan; so fürwahr, ihr Götter.
Wort für Wort
vasubhiḥ purastād upadadhāti
legt euch mit den Vasus im Osten nieder
pitṛbhir dakṣiṇata upadadhāti
legt euch mit den Vätern im Süden nieder
rudraiḥ paścād upadadhāti
legt euch mit den Rudras im Westen nieder
ādityair uttarata upadadhāti
legt euch mit den Ādityas im Norden nieder
ādityaḥ sarvāśriḥ pṛthivyām
der Āditya ruht mit allen Zufluchten auf der Erde
vāyur antarikṣe sūryo divi
Vāyu im Luftraum, Sūrya im Himmel
candramā dikṣu nakṣatrāṇi svaloke
der Mond in den Himmelsrichtungen, die Sternbilder in ihrer eigenen Welt
eva hi vāyo eva hy indra eva hi pūṣan eva hi devāḥ
so fürwahr, o Vāyu, Indra, Pūṣan, ihr Götter
[Anm.: Anuvāka 20 (nur Kaṇḍikā 74) enthält eine rituelle Niederlegungs-Formel (vermutlich beim Aufbau eines Feueraltars oder bei einer Opfergaben-Darbringung), bei der fünf Gottheiten-Paare den vier Himmelsrichtungen und der Höhe zugeordnet werden: Indraghoṣa/Vasus-Osten, Manojavas/Pitṛs-Süden, Pracetas/Rudras-Westen, Viśvakarman/Ādityas-Norden, Tvaṣṭṛ/Blitzkeil-oben. Die Eigennamen 'Indraghoṣa', 'Manojavas' und 'Pracetas' sowie die genaue Konstruktion der letzten Zeilen bleiben trotz Quellenabgleichs unsicher und sind mit [?] markiert. Der zweite Teil korreliert kosmische Körper (Āditya/Sonne-Erde, Vāyu-Luftraum, Sūrya-Himmel, Mond-Himmelsrichtungen, Sternbilder-eigene Welt) und schließt mit einer feierlichen, viergliedrigen Akklamation an Vāyu, Indra, Pūṣan und alle Götter.]
āpo māpo apaḥ sarvāḥ, asmād asmād ito 'mutaḥ, agnir vāyuś ca sūryaś ca, saha sañcaskar ṛddhiyā, vāyv aśvā raśmipatayaḥ, marīcyā mano adruhaḥ, devīr bhuvanasūvarīḥ, putravattvāya me suta, mahān āśrīr mahāmānāḥ, mahaso mahasaḥ svaḥ (TA 1,21,75). devīḥ parjanyasūvarīḥ, putravattvāya me suta, apāśnyuṣṇim apārakṣaḥ, apāśnyuṣṇim apāragham, apāghrām apacāvartim, apadevīr ito hitāḥ, vajrān devīr ajītāṃś ca, bhuvanaṃ devasūvarīḥ, ādityān aditir devīm, yoninor dhvam udīṣata (TA 1,21,76). bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ, bhadraṃ paśyemākṣabhir yajatrāḥ, sthirair aṅgais tuṣṭuvāṃsas tanūbhiḥ, vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ, svasti na indro vṛddhaśravāḥ, svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ, svasti nas tārkṣyo ariṣṭanemiḥ, svasti no bṛhaspatir dadhātu, ketavo 'ruṇāś ca sma, ṛṣayo vātaraśanāḥ, pratiṣṭhāḥ śatadhā hi, samāhitāso sahasrapāyasam, śivā naḥ śantamā bhavantu, divyā āpo oṣadhīḥ, sumṛḍīkā sarasvatī, mā te vyoma saṃdṛśi (TA 1,21,77).
Wasser, o Wasser, alle Wasser, von hier und von dort, von diesseits und jenseits: Agni, Vāyu und Sūrya haben gemeinsam [unser] Gedeihen bewirkt. Vāyus Rosse sind die Herren der Lichtstrahlen; [?] durch die Lichtstrahlen [ist der] Sinn frei von Trug. Die Göttinnen, die die Welt hervorbringen – auf dass ich einen Sohn habe, o Kind. [?] Groß ist die Fülle der Großen, ihr großes Wesen – [dies führe] zum Glanz des Glanzes. Die Göttinnen, die den Regen hervorbringen – auf dass ich einen Sohn habe, o Kind. [?, stark unsicherer Abschnitt: eine Reihe schwer deutbarer, mit 'apā-'/'apa-' zusammengesetzter Beiworte der Wasser-Göttinnen, möglicherweise Abwehrformeln gegen Hitze und Unheil]. Den Ādityas [gehört] Aditi, die Göttin; [?] aus dem gemeinsamen Schoß erhoben sie sich. — Gutes mögen wir mit den Ohren hören, ihr Götter; Gutes mögen wir mit den Augen sehen, ihr Verehrungswürdigen; mit festen Gliedern, [euch] lobpreisend, mit unseren Leibern mögen wir das den Göttern zuträgliche Maß an Lebenszeit erlangen. Heil sei uns – Indra, der Ruhmreiche; Heil uns – Pūṣan, der Allwissende; Heil uns – Tārkṣya, dessen Radkranz unversehrt ist; Heil uns möge Bṛhaspati verleihen. Die Banner sind rötlich; die Ṛṣis, deren Gürtel der Wind ist; die festen Stände sind hundertfach; die Versammelten [erlangen] tausendfachen Trank. Heilvoll, höchst besänftigend mögen sie uns sein: die himmlischen Wasser, die Heilkräuter, die gnädige Sarasvatī. Nicht entziehe sich dir [?] der Himmelsraum dem Anblick.
Wort für Wort
āpo māpo apaḥ sarvāḥ
Wasser, o Wasser, alle Wasser
agnir vāyuś ca sūryaś ca saha sañcaskar ṛddhiyā
Agni, Vāyu und Sūrya bewirkten gemeinsam Gedeihen
putravattvāya me suta
auf dass ich einen Sohn habe, o Kind
devīḥ parjanyasūvarīḥ
die Göttinnen, die den Regen hervorbringen
bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ
Gutes mögen wir mit den Ohren hören, ihr Götter
bhadraṃ paśyemākṣabhir yajatrāḥ
Gutes mögen wir mit den Augen sehen, ihr Verehrungswürdigen
sthirair aṅgais tuṣṭuvāṃsas tanūbhiḥ
mit festen Gliedern, lobpreisend, mit unseren Leibern
vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ
mögen wir das den Göttern zuträgliche Lebensmaß erlangen
svasti na indro vṛddhaśravāḥ
Heil sei uns, Indra, der Ruhmreiche
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ
Heil uns, Pūṣan, der Allwissende
svasti nas tārkṣyo ariṣṭanemiḥ
Heil uns, Tārkṣya, dessen Radkranz unversehrt ist
svasti no bṛhaspatir dadhātu
Heil möge uns Bṛhaspati verleihen
ṛṣayo vātaraśanāḥ
die windgegürteten Ṛṣis [Vātaraśana-Asketen, vgl. ṚV 10,136]
śivā naḥ śantamā bhavantu
heilvoll, höchst besänftigend mögen sie uns sein
divyā āpo oṣadhīḥ sumṛḍīkā sarasvatī
die himmlischen Wasser, die Heilkräuter, die gnädige Sarasvatī
[Anm.: Anuvāka 21 (Kaṇḍikā 75-77) ist ein dreiteiliger Hymnus an die Wasser-Göttinnen und schließt mit einem der bekanntesten vedischen Segensverse überhaupt: 'bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ...' (Kaṇḍikā 77), der u. a. auch als Eingangs-Śānti der Śvetāśvatara-Upaniṣad und in zahlreichen weiteren vedischen Texten (u. a. Vājasaneyi-Saṃhitā) überliefert ist – hier mit hoher Übersetzungssicherheit dank Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx wiedergegeben. Bemerkenswert ist darin die Erwähnung der 'ṛṣayo vātaraśanāḥ' ('die windgegürteten Ṛṣis'): dies ist ein bekanntes Bild für die sogenannten Vātaraśana- oder Keśin-Asketen aus dem berühmten 'Langhaarigen-Hymnus' (ṚV 10,136) – umherfliegende, ekstatische Weise, die in der Forschung oft als frühester Beleg proto-yogischer Praxis gedeutet werden. Kaṇḍikā 75-76 dagegen bleiben trotz zweifacher gezielter Prüfung gegen sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx an vielen Stellen sprachlich sehr unsicher (zahlreiche schwer auflösbare 'apā-'/'apa-'-Komposita) und sind entsprechend dicht mit [?] markiert; die wiederkehrende Zeile 'putravattvāya me suta' ('auf dass ich einen Sohn habe, o Kind') wird als Fruchtbarkeits-/Nachkommenschaftsbitte gedeutet.]
yaḥ āpāṃ puṣpaṃ veda, puṣpavān prajāvān paśumān bhavati, candramā vā apāṃ puṣpam, puṣpavān prajāvān paśumān bhavati, ya evaṃ veda, yaḥ āpām āyatanaṃ veda, āyatanavān bhavati, agnir vā apām āyatanam, āyatanavān bhavati, ya evaṃ veda, āpo vā agner āyatanam, āyatanavān bhavati, ya evaṃ veda, yo vāyor āyatanaṃ veda, āyatanavān bhavati, āpo vai vāyor āyatanam, ya evaṃ veda, yo 'muṣya tapata āyatanaṃ veda, āyatanavān bhavati, āpo vā amuṣya tapata āyatanam, ya evaṃ veda, candramā vā apām āyatanam, yaś candramasa āyatanaṃ veda, āpo vai candramasa āyatanam, ya evaṃ veda, nakṣatrāṇi vā apām āyatanam, yo nakṣatrāṇām āyatanaṃ veda, āpo vai nakṣatrāṇām āyatanam, ya evaṃ veda, parjanyo vā apām āyatanam, yaḥ parjanyasyāyatanaṃ veda, āpo vai parjanyasyāyatanam, ya evaṃ veda, saṃvatsaro vā apām āyatanam, yaḥ saṃvatsarasyāyatanaṃ veda, āpo vai saṃvatsarasyāyatanam, ya evaṃ veda, yo 'psu nāvaṃ pratiṣṭhitāṃ veda, pratyeva tiṣṭhati (TA 1,22,78–84). ime vai lokā apsu pratiṣṭhitāḥ, apāṃ rasam udayan, sūrye śukre samābhṛtam, apāṃ rasasya yo rasaḥ, taṃ vo gṛhṇāmy uttamam, ime ha vai lokā apāṃ rasāḥ, te 'psv āhitā abhisamabhṛtāḥ (TA 1,22,85). puṣkaraparṇaiḥ puṣkaradaṇḍaiḥ puṣkaraiś ca saṃstīrya, tasmin vihāya, agniṃ praṇīyopasamādhāya, brahmavādino vadanti, kasmāt praṇīto 'yam agniś cīyate, sā praṇīte 'yam apsu hy asaṃcīyate (TA 1,22,86). atho āhuḥ, sarveṣu yajñakratuṣv iti, etad dha sma vā āhuḥ śāṇḍilāḥ, kam agniṃ cinute, satriyam agniṃ cinvānaḥ, saṃvatsaraṃ pratyakṣeṇa (TA 1,22,87). kam agniṃ cinute, nāciketam agniṃ cinvānaḥ, prāṇān pratyakṣeṇa, kam agniṃ cinute, cāturhotriyam agniṃ cinvānaḥ, brahma pratyakṣeṇa, kam agniṃ cinute, vaiśvasṛjam agniṃ cinvānaḥ, śarīraṃ pratyakṣeṇa (TA 1,22,88–89).
Wer die Blüte der Wasser kennt, wird blütenreich, kinderreich, viehreich; der Mond ist die Blüte der Wasser – blütenreich, kinderreich, viehreich wird, wer dies so weiß. Wer den Grund (āyatana) der Wasser kennt, wird grundhaft [d.h. erlangt einen festen Halt]; Agni ist der Grund der Wasser – grundhaft wird, wer dies so weiß; die Wasser sind der Grund Agnis – grundhaft wird, wer dies so weiß. Wer den Grund Vāyus kennt, wird grundhaft; die Wasser sind der Grund Vāyus, wer dies so weiß. Wer den Grund jenes Brennenden [der Sonne] kennt, wird grundhaft; die Wasser sind der Grund jenes Brennenden, wer dies so weiß. Der Mond ist der Grund der Wasser; wer den Grund des Mondes kennt – die Wasser sind der Grund des Mondes, wer dies so weiß. Die Sternbilder sind der Grund der Wasser; wer den Grund der Sternbilder kennt – die Wasser sind der Grund der Sternbilder, wer dies so weiß. Parjanya (der Regengott) ist der Grund der Wasser; wer den Grund Parjanyas kennt – die Wasser sind der Grund Parjanyas, wer dies so weiß. Das Jahr ist der Grund der Wasser; wer den Grund des Jahres kennt – die Wasser sind der Grund des Jahres, wer dies so weiß. Wer das im Wasser gegründete Boot kennt, der steht wahrhaft fest. — Diese Welten [ruhen] fürwahr im Wasser gegründet, den aufsteigenden Saft der Wasser [enthaltend]; in der Sonne, dem Glänzenden, ist er zusammengetragen. Den höchsten Saft der Wasser nehme ich mir. Diese Welten sind fürwahr die Säfte der Wasser; sie sind im Wasser niedergelegt, zusammengetragen. — Nachdem man mit Lotosblättern, Lotosstängeln und Lotosblüten ausgebreitet und [das Feuer] darauf niedergelegt, [es] hergeführt und aufgeschichtet hat, sagen die Kenner des Brahman: 'Wovon hergeführt wird dieses Feuer aufgeschichtet?' – Das hergeführte [Feuer] wird ja auf den Wassern aufgeschichtet. Und ferner sagen sie: 'in allen Opferriten [gilt dies]'. Dazu pflegten die Śāṇḍilas zu sagen: 'Welches Feuer schichtet er auf?' – Wer das Satra-Feuer [das Feuer des Sitzungsopfers] aufschichtet, [schichtet] das Jahr durch unmittelbare Anschauung [mit auf]. Welches Feuer schichtet er auf? Wer das Nāciketa-Feuer aufschichtet, [schichtet] die Lebenshauche durch unmittelbare Anschauung [mit auf]. Welches Feuer schichtet er auf? Wer das Cāturhotriya-Feuer aufschichtet, [schichtet] das Brahman durch unmittelbare Anschauung [mit auf]. Welches Feuer schichtet er auf? Wer das Vaiśvasṛja-Feuer aufschichtet, [schichtet] den Körper durch unmittelbare Anschauung [mit auf].
Wort für Wort
yaḥ āpāṃ puṣpaṃ veda
wer die Blüte der Wasser kennt
candramā vā apāṃ puṣpam
der Mond ist die Blüte der Wasser
yaḥ āpām āyatanaṃ veda āyatanavān bhavati
wer den Grund der Wasser kennt, wird grundhaft
agnir vā apām āyatanam
Agni ist der Grund der Wasser
āpo vai vāyor āyatanam
die Wasser sind der Grund Vāyus
candramā vā apām āyatanam
der Mond ist der Grund der Wasser
nakṣatrāṇi vā apām āyatanam
die Sternbilder sind der Grund der Wasser
parjanyo vā apām āyatanam
Parjanya ist der Grund der Wasser
saṃvatsaro vā apām āyatanam
das Jahr ist der Grund der Wasser
yo 'psu nāvaṃ pratiṣṭhitāṃ veda pratyeva tiṣṭhati
wer das im Wasser gegründete Boot kennt, steht wahrhaft fest
ime vai lokā apsu pratiṣṭhitāḥ
diese Welten ruhen im Wasser gegründet
puṣkaraparṇaiḥ puṣkaradaṇḍaiḥ puṣkaraiś ca saṃstīrya
mit Lotosblättern, -stängeln und -blüten ausgebreitet
brahmavādino vadanti
die Kenner des Brahman sagen
kam agniṃ cinute
welches Feuer schichtet er auf?
satriyam agniṃ cinvānaḥ saṃvatsaraṃ pratyakṣeṇa
wer das Satra-Feuer aufschichtet, [schichtet] das Jahr mit auf
nāciketam agniṃ cinvānaḥ prāṇān pratyakṣeṇa
wer das Nāciketa-Feuer aufschichtet, die Lebenshauche mit auf
cāturhotriyam agniṃ cinvānaḥ brahma pratyakṣeṇa
wer das Cāturhotriya-Feuer aufschichtet, das Brahman mit auf
vaiśvasṛjam agniṃ cinvānaḥ śarīraṃ pratyakṣeṇa
wer das Vaiśvasṛja-Feuer aufschichtet, den Körper mit auf
[Anm.: Anuvāka 22 (Kaṇḍikā 78-89, der längste bisherige Anuvāka dieses Prapāṭhaka) gliedert sich in drei Teile. Kaṇḍikā 78-84 entfalten eine kunstvolle Kettenformel: Agni, Vāyu, die Sonne, der Mond, die Sternbilder, Parjanya und das Jahr werden nacheinander als 'Blüte' bzw. 'Grund/Fundament' (āyatana) der Wasser bezeichnet – und umgekehrt die Wasser als deren jeweiliger Grund, in einem regelrechten Ring kosmischer Rückverankerung, der mit hoher Übersetzungssicherheit (dank Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx) übertragen werden konnte; die Wasser erscheinen damit, ganz im Sinne altvedischer Kosmogonien ('apo ha vā idam agre salilam āsīt'), als das universale Urelement. Kaṇḍikā 85 (sprachlich dichter, mit [Anm.] zur Unsicherheit einzelner Wendungen) beschreibt die Welten als in den Wassern ruhende 'Säfte' (rasa). Kaṇḍikā 86 schildert eine rituelle Handlung: das Ausbreiten von Lotosblättern, -stängeln und -blüten und das darauf erfolgende Niederlegen und Herführen des Feuers, mit einer dialogischen Frage der 'Brahmavādinaḥ' (Kenner des Brahman) nach dessen Herkunft. Kaṇḍikā 87-89 (dank Quellenabgleich mit hoher Sicherheit übersetzt) bilden eine katechismusartige Frage-Antwort-Reihe der Śāṇḍila-Lehrer: vier benannte Ritualfeuer – das Satra- (Sitzungsopfer-), das Nāciketa-, das Cāturhotriya- und das Vaiśvasṛja-Feuer – werden der Reihe nach mit Jahr, Lebenshauchen (prāṇa), Brahman und Körper gleichgesetzt, jeweils 'durch unmittelbare Anschauung' (pratyakṣeṇa). Bemerkenswert ist die Nennung des 'Nāciketa'-Feuers: dies ist dasselbe Feuer, das in der berühmten Naciketas-Erzählung der Kaṭha-Upaniṣad (der junge Naciketas erhält von Yama, dem Totengott, die Lehre über drei Feueropfer und schließlich über das unsterbliche Selbst) eine zentrale Rolle spielt – ein weiterer Berührungspunkt dieses Prapāṭhaka mit der späteren Upaniṣaden-Literatur, ähnlich dem Baumvers aus Anuvāka 11.]
āpo vā idam āsan salilam eva, sa prajāpatir ekaḥ puṣkaraparṇe samabhavat, tasyāntar manasi kāmaḥ samavartata, idaṃ sṛjeyam iti, tasmād yat puruṣo manasābhigacchati, tad vācā vadati, tat karmaṇā karoti, tad eṣābhy anūktā, kāmas tad agre samavartatādhi, manaso retaḥ prathamaṃ yad āsīt (TA 1,23,90). sataḥ bandhum asati niravindan, hṛdi pratīṣyā kavayo manīṣā, upainad upadhamanam iti, yat kāmo bhavati, ya evaṃ veda, sa tapo 'tapyata, sa tapas taptvā śarīram adhūnuta, tasya yan māṃsam āsīt, tato 'ruṇāḥ ketavo vātaraśanā ṛṣaya udatiṣṭhan (TA 1,23,91). ye nakhāḥ, te vaikhānasāḥ, ye vālāḥ, te vālakhilyāḥ, yo rasaḥ, so 'pām antaraḥ, kūrmaṃ bhūtvā sarpantam, tam abravīt, mama vai tvag asi, sā samabhūt (TA 1,23,92). netyabravīt, pūrvam evāham ihāsam iti, tat puruṣasya puruṣatvam, sa sahasraśīrṣā puruṣaḥ, sahasrākṣaḥ sahasrapāt, bhūtvodatiṣṭhat, tam abravīt, tvaṃ vai pūrvaṃ babhūva, tvam idaṃ pūrvaṃ kuruṣveti, sa ita ādāyāpaḥ (TA 1,23,93). agninā purastād upadadhāt, evādhveveti, tata ādityaḥ udatiṣṭhat, sā prācī dik, athāruṇaḥ ketur dakṣiṇata upadadhāt, evāgnir iti, tato vā agnir udatiṣṭhat, sā dakṣiṇā dik, athāruṇaḥ ketuḥ paścād upadadhāt, evāhi vāyo iti (TA 1,23,94). tato vāyur udatiṣṭhat, sā pratīcī dik, athāruṇaḥ ketur uttarata upadadhāt, evāhīndreti, tato vā indra udatiṣṭhat, sodīcī dik, athāruṇaḥ ketur madhye upadadhāt, evāhi pūṣann iti, tato vai pūṣodatiṣṭhat, seyaṃ dik (TA 1,23,95). athāruṇaḥ ketur upariṣṭād upadadhāt, evāhi devā iti, tato devamanuṣyāḥ pitaraḥ, gandharvāpsaraso 'dhitiṣṭhat, sordhvā dik, ye vipruṣo viparāpatan, tābhyo 'surā rakṣāṃsi piśācāś codatiṣṭhan, vipruddho hi te samabhavan, tad eṣābhy anūktā (TA 1,23,96). āpo ha yad bṛhatīr garbham āyan, dakṣaṃ dadhānā janayantīḥ svayambhum, tad īm adha samasṛjanta sarve, addhā vā idaṃ sarvam abhūt, tasmād idaṃ sarvaṃ brahma svayambhu, tasmād idaṃ sarvaṃ śithilam ivādbhutam ivābhavat, prajāpatir vāva tat, ātmanātmānaṃ vidadhe, tad evānuprāviśat, tad eṣābhy anūktā (TA 1,23,97). vidhāya lokān, vidhāya bhūtāni, vidhāya sarvāḥ pradiśo diśaś ca, prajāpatiḥ prathamajā ṛtasya, ātmanātmānam abhisaṃviveśa, sarvam evāpnāt, sarvam avarudhya, tad evānupraviśati, ya evaṃ veda (TA 1,23,98).
Die Wasser waren fürwahr dies [im Anfang], ein bloßes Meer; Prajāpati allein entstand [darauf,] auf einem Lotosblatt. In seinem Inneren, im Geist, entstand ein Verlangen: 'Dies möchte ich erschaffen.' Deshalb: was ein Mensch mit dem Geist erfasst, das spricht er mit der Rede aus, das tut er mit der Tat – dazu gibt es diesen [Vers], der dies begleitet: 'Das Verlangen entstand darüber im Anfang, was der erste Same des Geistes war.' Die Weisen fanden, im Herzen suchend mit Weisheit, die Verwandtschaft des Seienden im Nichtseienden. 'Er blies es an' [?], heißt es – [dies gilt für den,] wessen Wunsch es wird, wer dies so weiß: er übte Askese; nachdem er Askese geübt hatte, schüttelte er [seinen] Körper; was davon Fleisch war, daraus erhoben sich die rötlichen, banner-tragenden, windgegürteten Ṛṣis. Was [seine] Nägel waren, das wurden die Vaikhānasa[-Asketen]; was [seine] Haare waren, das wurden die Vālakhilya[-Weisen]; was [sein] Saft war, das [wurde] das Innere der Wasser. Er ward zur kriechenden Schildkröte; zu ihr sprach er: 'Meine Haut bist du fürwahr' – so ward es. 'Nicht so!' sprach sie, 'ich allein war zuerst hier' – das ist die Puruṣa-Natur des Puruṣa. Er, der tausendköpfige Puruṣa, der tausendäugige, tausendfüßige, erhob sich, [nachdem er dies] geworden war. Zu ihm sprach er: 'Du warst fürwahr zuerst; tue du dies zuerst' – so [sprach er] und nahm von dort die Wasser. Mit Agni legte er [sie] im Osten nieder – 'so [entstehe] der Weg' [?] – da erhob sich die Sonne (Āditya); das ist die östliche Himmelsrichtung. Dann legte er das rötliche Banner im Süden nieder – 'so [entstehe] Agni' – da erhob sich Agni; das ist die südliche Himmelsrichtung. Dann legte er das rötliche Banner im Westen nieder – 'so komm her, Vāyu' – da erhob sich Vāyu; das ist die westliche Himmelsrichtung. Dann legte er das rötliche Banner im Norden nieder – 'so komm her, Indra' – da erhob sich Indra; das ist die nördliche Himmelsrichtung. Dann legte er das rötliche Banner in der Mitte nieder – 'so komm her, Pūṣan' – da erhob sich Pūṣan; das ist diese [mittlere] Richtung. Dann legte er das rötliche Banner oben nieder – 'so [kommt her,] ihr Götter' – da erhoben sich Götter, Menschen [und] die Väter (Pitṛs), Gandharven [und] Apsaras; das ist die obere Richtung. [Die Tropfen,] die als Spritzer umherfielen – aus ihnen erhoben sich die Asuras, die Unholde (Rakṣas) und Piśācas; denn sie waren [aus dem] Verspritzten entstanden – dazu gibt es diesen begleitenden [Vers]. Als die großen Wasser den Keim empfingen, [ihre] Kraft bewahrend, den Selbstentstandenen (Svayambhū) hervorbringend – da erschufen sie zugleich alles. Wahrhaftig, dies alles wurde daraus; deshalb ist dies alles Brahman, der Selbstentstandene; deshalb wurde dies alles gleichsam locker, gleichsam wundersam. Prajāpati fürwahr war das; er gestaltete sich selbst durch sich selbst; eben das drang er dann ein – dazu gibt es diesen begleitenden [Vers]. Nachdem er die Welten geordnet, die Wesen geordnet, alle Zwischen- und Hauptrichtungen geordnet hatte, [er,] Prajāpati, der Erstgeborene des Ṛta (der kosmischen Ordnung), drang durch sich selbst in sich selbst ein. Er erlangte alles; nachdem er alles gewonnen hatte, dringt eben darin ein, wer dies so weiß.
Wort für Wort
āpo vā idam āsan salilam eva
die Wasser waren dies, ein bloßes Meer
sa prajāpatir ekaḥ puṣkaraparṇe samabhavat
Prajāpati allein entstand auf einem Lotosblatt
kāmas tad agre samavartatādhi
das Verlangen entstand darüber im Anfang [=ṚV 10,129,4a]
manaso retaḥ prathamaṃ yad āsīt
was der erste Same des Geistes war [=ṚV 10,129,4b]
sataḥ bandhum asati niravindan
sie fanden die Verwandtschaft des Seienden im Nichtseienden [=ṚV 10,129,4c]
hṛdi pratīṣyā kavayo manīṣā
im Herzen suchend mit Weisheit, die Weisen [=ṚV 10,129,4d]
sa tapo 'tapyata
er übte Askese
tato 'ruṇāḥ ketavo vātaraśanā ṛṣaya udatiṣṭhan
daraus erhoben sich die rötlichen, windgegürteten Ṛṣis
ye nakhāḥ te vaikhānasāḥ
was Nägel waren, wurde zu den Vaikhānasas
ye vālāḥ te vālakhilyāḥ
was Haare waren, wurde zu den Vālakhilyas
kūrmaṃ bhūtvā sarpantam
er ward zur kriechenden Schildkröte
sa sahasraśīrṣā puruṣaḥ
er, der tausendköpfige Puruṣa [=ṚV 10,90,1a]
sahasrākṣaḥ sahasrapāt
der tausendäugige, tausendfüßige [=ṚV 10,90,1b]
ādityaḥ udatiṣṭhat sā prācī dik
die Sonne erhob sich, das ist die östliche Richtung
agnir udatiṣṭhat sā dakṣiṇā dik
Agni erhob sich, das ist die südliche Richtung
vāyur udatiṣṭhat sā pratīcī dik
Vāyu erhob sich, das ist die westliche Richtung
indra udatiṣṭhat sodīcī dik
Indra erhob sich, das ist die nördliche Richtung
tābhyo 'surā rakṣāṃsi piśācāś codatiṣṭhan
daraus erhoben sich Asuras, Rakṣas und Piśācas
āpo ha yad bṛhatīr garbham āyan
als die großen Wasser den Keim empfingen
janayantīḥ svayambhum
den Selbstentstandenen hervorbringend
prajāpatir vāva tat ātmanātmānaṃ vidadhe
Prajāpati war das, er gestaltete sich selbst durch sich selbst
prajāpatiḥ prathamajā ṛtasya
Prajāpati, der Erstgeborene des Ṛta
ātmanātmānam abhisaṃviveśa
er drang durch sich selbst in sich selbst ein
[Anm.: Anuvāka 23 ist einer der bedeutendsten Abschnitte des gesamten bisher übersetzten Prapāṭhaka und verdient besondere Aufmerksamkeit: Er entfaltet eine vollständige Kosmogonie und zitiert dabei WÖRTLICH zwei der berühmtesten Hymnen des Ṛgveda. Kaṇḍikā 90 enthält, mit hoher Sicherheit durch Abgleich mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx bestätigt, die Zeile 'kāmas tad agre samavartatādhi, manaso retaḥ prathamaṃ yad āsīt' – dies ist wortgleich ṚV 10,129,4 aus dem berühmten NĀSADĪYA-SŪKTA (dem 'Schöpfungshymnus', der mit 'nāsad āsīn no sad āsīt tadānīm' beginnt und das Werden des Kosmos aus 'Verlangen' als 'erstem Samen des Geistes' beschreibt). Kaṇḍikā 91 zitiert unmittelbar darauf, ebenfalls wortgleich, ṚV 10,129,4c: 'sataḥ bandhum asati niravindan, hṛdi pratīṣyā kavayo manīṣā' ('die Weisen fanden, im Herzen suchend mit Weisheit, die Verwandtschaft des Seienden im Nichtseienden'). Kaṇḍikā 93 zitiert sodann, ebenfalls mit hoher Sicherheit, den Eröffnungsvers des ebenso berühmten PURUṢA-SŪKTA (ṚV 10,90,1): 'sahasraśīrṣā puruṣaḥ, sahasrākṣaḥ sahasrapāt' ('tausendköpfig ist der Puruṣa, tausendäugig, tausendfüßig'). Damit verwebt dieser Anuvāka die beiden zentralen vedischen Schöpfungshymnen – den abstrakt-philosophischen Nāsadīya-Sūkta und den mytho-rituellen Puruṣa-Sūkta – zu einer eigenen Erzählung: Prajāpati entsteht allein auf einem Lotosblatt im Urmeer, übt Askese, aus seinem geschüttelten Körper entstehen die windgegürteten Ṛṣis (dieselben 'vātaraśanāḥ' aus Anuvāka 21, hier explizit als Ursprungsmythos erzählt) sowie die Vaikhānasa- und Vālakhilya-Asketen (aus Nägeln bzw. Haaren), er wird zur Schildkröte (kūrma – ein früher Beleg der später als eigener Viṣṇu-Avatāra bekannten Kūrma-Gestalt) und schließlich zum tausendköpfigen Puruṣa, der die Wasser nimmt und damit in einer Richtungs-Theogonie (Kaṇḍikā 94-96) Sonne, Agni, Vāyu, Indra, Pūṣan sowie Götter, Menschen, Pitṛs, Gandharven und Apsaras hervorbringt – während aus den herabfallenden Wasser-'Spritzern' Asuras, Rakṣas und Piśācas (Dämonen) entstehen: eine bemerkenswerte ätiologische Erklärung für den Ursprung sowohl der göttlichen als auch der dämonischen Wesen aus demselben Urstoff. Kaṇḍikā 97-98 schließen mit einer Selbstdurchdringungs-Formel Prajāpatis ('er gestaltete sich selbst durch sich selbst und drang in sich selbst ein'), die dem philosophischen Duktus späterer Upaniṣaden-Passagen (Selbst als Ursprung und Ziel zugleich) sehr nahesteht. Diese Kaṇḍikā ist sprachlich etwas dichter und mit [?] markiert. Für den an ṚV 1,164 interessierten Leser ist dieser Anuvāka besonders bemerkenswert, da er zeigt, wie die Āraṇyaka-Literatur zentrale Ṛgveda-Rätselhymnen (10,129 und 10,90) direkt zitiert und in eine erzählende Kosmogonie einbettet – ein Modell dafür, wie auch RV 1,164 in späteren Texten aufgenommen und gedeutet worden sein könnte.]
catuṣṭayyā āpo gṛhṇāti, catvāri vā apāṃ rūpāṇi, megho vidyut, stanayitnur vṛṣṭiḥ, tāny evāvarundhe, atha āpo varṣyā gṛhṇāti, tāḥ purastād upadadhāti, etā vai brahmavarcasyā āpaḥ, mukhata eva brahmavarcasam avarundhe, tasmān mukhato brahmavarcasitaraḥ (TA 1,24,99). kūpyā gṛhṇāti, tā dakṣiṇata upadadhāti, etā vai tejasvinīr āpaḥ, teja evāsya dakṣiṇato dadhāti, tasmād dakṣiṇato 'rdhatejasvitaraḥ, sthāvarā gṛhṇāti, tāḥ paścād upadadhāti, pratiṣṭhitā vai sthāvarāḥ (TA 1,24,100). tā uttarataḥ upadadhāti, vāhinīr gṛhṇāti, ojasā vā etā vahantīr ivodgatīr iva dhāvantaḥ, oja evāsyottarato dadhāti, tasmād uttaro 'rdhaujasvitaraḥ, saṃbhāryāṃ gṛhṇāti, tāṃ madhya upadadhāti, iyaṃ vai saṃbhāryāḥ (TA 1,24,101). asau vai palvalyāḥ, amuṣyam eva pratitiṣṭhati, dikṣu upadadhāti, dikṣu vā āpaḥ, adhy avā annaṃ jāyate, yad evādyo 'nnaṃ jāyate, tad avarundhe, taṃ vā etam araṇiḥ ketavo vātaraśanā ṛṣayo 'cinvan, tasmād aruṇaketukaḥ (TA 1,24,102). tad eṣābhy anūktā, ketavo aruṇāsaś ca, ṛṣayo vātaraśanāḥ, pratiṣṭhāṃ śatadhāhi, samāhitāso sahasradhāyasam iti, ya etam agniṃ cinute, ya u caivam eva veda (TA 1,24,103).
Vierfach nimmt er die Wasser: vier sind ja die Erscheinungsformen des Wassers – Wolke, Blitz, Donnerhall, Regen; eben diese gewinnt er dadurch. Dann nimmt er Regenwasser; dieses legt er nach vorn (Osten). Dies sind ja die an geistlicher Macht (brahmavarcas) reichen Wasser; eben von vorne her gewinnt er die geistliche Macht; deshalb ist, wer [beim Ritual] vorne [sitzt], reicher an geistlicher Macht. Brunnenwasser nimmt er, dieses legt er nach Süden; dies sind ja die glanzreichen (tejasvin) Wasser, eben den Glanz legt er ihm damit nach Süden; deshalb ist, wer nach Süden [gewendet ist], zur Hälfte reicher an Glanz [?]. Stehendes Wasser nimmt er, dieses legt er nach hinten (Westen); fest gegründet ist ja das Stehende. Dieses legt er nach Norden: fließendes [Wasser] nimmt er; durch ihre Kraft (ojas) fließen diese ja gleichsam hervorbrechend, gleichsam eilend dahin [?]; eben die Kraft legt er ihm damit nach Norden, deshalb ist, wer nach Norden [gewendet ist], zur Hälfte reicher an Kraft [?]. Zusammenzutragendes [Wasser] nimmt er, dieses legt er in die Mitte; dies ist ja das Zusammenzutragende. [?, stark unsicherer Abschnitt:] Jenes [droben] gehört ja der Weiherwelt an; eben auf jener [Welt] findet er festen Stand. In die Himmelsrichtungen legt er [Wasser]; den Himmelsrichtungen gehören ja die Wasser. Von dort entsteht die Speise; eben die Speise, die von dort entsteht, gewinnt er dadurch. Eben dieses [Feuer] erdachten die Fahnen tragenden, windgegürteten Ṛṣis als Araṇi(-Feuerholz) [?]; deshalb heißt es 'das mit der Morgenröte-Fahne' (aruṇaketuka). Darüber gibt es diese Nach-Rezitation: 'Die Fahnen und die Morgenröten, die windgegürteten Ṛṣis' [Stichworte]. [?, sehr unsicher:] 'Verleih hundertfachen festen Stand, ihr Versammelten, dem Tausendfach-Tragenden' – so [heißt es]. [Der genannte Lohn gebührt], wer dieses Feuer [so] schichtet und wer eben dies so weiß.
Wort für Wort
catvāri vā apāṃ rūpāṇi
vier sind die Erscheinungsformen des Wassers
megho vidyut stanayitnur vṛṣṭiḥ
Wolke, Blitz, Donnerhall, Regen
etā vai brahmavarcasyā āpaḥ
dies sind die an geistlicher Macht reichen Wasser
kūpyā gṛhṇāti tā dakṣiṇata upadadhāti
Brunnenwasser nimmt er, legt es nach Süden
etā vai tejasvinīr āpaḥ
dies sind die glanzreichen Wasser
sthāvarā gṛhṇāti pratiṣṭhitā vai sthāvarāḥ
Stehendes nimmt er; fest gegründet ist das Stehende
vāhinīr gṛhṇāti ojasā vā etā vahantīḥ
Fließendes nimmt er; durch Kraft fließen diese
saṃbhāryāṃ gṛhṇāti tāṃ madhya upadadhāti
Zusammenzutragendes nimmt er, legt es in die Mitte
dikṣu vā āpaḥ
den Himmelsrichtungen gehören die Wasser
ketavo vātaraśanā ṛṣayaḥ
die fahnentragenden windgegürteten Ṛṣis
tasmād aruṇaketukaḥ
deshalb heißt es 'mit der Morgenröte-Fahne'
ya etam agniṃ cinute ya u caivam eva veda
wer dieses Feuer schichtet und wer dies so weiß
[Anm.: Anuvāka 24 setzt die seit Anuvāka 22 laufende āyatana-/Weihe-Kette fort, nun mit einer Klassifikation von Wasserarten (Wolke/Blitz/Donner/Regen; Brunnenwasser; stehendes Wasser; fließendes Wasser; Sammelwasser), die den vier Haupt- und der Mittel-Himmelsrichtung zugeordnet und mit je einer Eigenschaft verbunden werden (geistliche Macht/Osten, Glanz/Süden, Festigkeit/Westen, Kraft/Norden, Zusammenhalt/Mitte) – ein Ritualmuster, das dem Richtungskatalog aus Anuvāka 17-20 strukturell entspricht. Kaṇḍikā 102-103 nehmen ausdrücklich die 'windgegürteten Ṛṣis' (vātaraśanāḥ ṛṣayaḥ) aus Anuvāka 21 und 23 wieder auf und verbinden sie mit dem Beinamen 'aruṇaketuka' ('mit der Morgenröte-Fahne') für das hier beschriebene Feuer – ein Indiz dafür, dass diese Anuvākas 21-24 als zusammenhängender, dem kosmogonischen Prajāpati-Mythos aus Anuvāka 23 nachgeordneter Ritualblock komponiert sind. Wegen der extremen technischen Dichte und mehrerer unklarer Kurzformeln (v.a. Kaṇḍikā 102 Mitte und 103) trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx überdurchschnittlich viele [?]-Markierungen.]
jānudaghnīm uttaravedīṃ khātvā, apāṃ pūrayati, apaḥ sarvatvāya, puṣkaraparṇaṃ rukmaṃ puruṣam ity upadadhāti, tapo vā etāvad vā asti, yāvad etat, yāvad eva asti (TA 1,25,104). tad avarundhe, kūrmam upadadhāti, apām eva medham avarundhe, atho svargasya lokasya samaṣṭyai, āpam āpam apsu āḥ, asmād asmād ita ūrdhvam, agnir vāyuś ca sūryaś ca, sahasram akurvad iva iti, vāg aśvā raśmipatayaḥ, lokaṃ pṛṇac chidraṃ pṛṇa (TA 1,25,105). yās tisraḥ paramajāḥ, indraghoṣā vo vasubhir evāhve iti, pañcacitaya upadadhāti, pāṅktaḥ agniḥ, yāvān avāgbhiḥ, tac cinute, lokapūraṇaṃ dvitīyam upadadhāti, pañcapadā vai virāṭ, tasyā idam eva pādaḥ, antarikṣaṃ pādaḥ, dyauḥ pādaḥ, diśaḥ pādaḥ, paro rajaḥ pādaḥ, virāj eva pratitiṣṭhati, ya etam agniṃ cinute, ya u caivam eva veda (TA 1,25,106).
Nachdem er den nördlichen Altar knietief ausgehoben hat, füllt er ihn mit Wasser – zur Gänze der Wasser [willen]. Ein Lotosblatt, eine Goldscheibe [und] eine Puruṣa[-Figur] legt er darauf, [mit den Worten]: 'Askese (tapas) ist eben genau so viel, wie dies ist, genau so viel, wie eben dies ist' [?]. Dies gewinnt er dadurch. Eine Schildkröte legt er darauf; eben damit gewinnt er die Opferkraft (medha) der Wasser, und zur Gesamtheit der Himmelswelt. [?, stark unsicherer, klanglich verspielter Abschnitt:] 'Wasser um Wasser in den Wassern; von hier aus, von hier aus, aufwärts; Agni, Vāyu und Sūrya machten [dies] gleichsam tausendfach; die Rede [ist] das Ross, [die Atemkräfte] die Herren der Zügel; fülle die Welt, fülle die Leere.' 'Die drei höchstgeborenen [Kräfte] [?] – mit den Vasus rufe ich euch her, o Indra-Kampfruf' [?] – so [spricht er] und legt die fünf Schichtungen darauf. Fünfteilig (pāṅkta) ist [dieses] Feuer, so viel wie mit den Nach-Versen [gesprochen wird]; dies schichtet er. Die 'Welten-Erfüllung' legt er als zweite [Schicht] darauf. Fünffüßig ist ja die Virāj: diese Welt hier ist [ihr einer] Fuß, der Luftraum ist [ihr] Fuß, der Himmel ist [ihr] Fuß, die Himmelsrichtungen sind [ihr] Fuß, das jenseits des Dunstes (paro rajaḥ) Liegende ist [ihr] Fuß. Eben als Virāj findet festen Stand, wer dieses Feuer schichtet und wer eben dies so weiß.
Wort für Wort
jānudaghnīm uttaravedīṃ khātvā
nachdem er den nördlichen Altar knietief ausgehoben hat
apāṃ pūrayati apaḥ sarvatvāya
füllt er ihn mit Wasser, zur Gänze der Wasser willen
puṣkaraparṇaṃ rukmaṃ puruṣam ity upadadhāti
Lotosblatt, Goldscheibe, Puruṣa legt er darauf
kūrmam upadadhāti
eine Schildkröte legt er darauf
apām eva medham avarundhe
eben die Opferkraft der Wasser gewinnt er
svargasya lokasya samaṣṭyai
zur Gesamtheit der Himmelswelt
agnir vāyuś ca sūryaś ca
Agni, Vāyu und Sūrya
pañcapadā vai virāṭ
fünffüßig ist die Virāj
idam eva pādaḥ antarikṣaṃ pādaḥ dyauḥ pādaḥ
diese Welt ist ihr Fuß, der Luftraum ihr Fuß, der Himmel ihr Fuß
diśaḥ pādaḥ paro rajaḥ pādaḥ
die Himmelsrichtungen ihr Fuß, das Jenseits-des-Dunstes ihr Fuß
virāj eva pratitiṣṭhati
eben als Virāj findet er festen Stand
[Anm.: Anuvāka 25 beschreibt die Anlage eines wassergefüllten Altars mit Lotosblatt, Goldscheibe und Puruṣa-Figur (Kaṇḍikā 104, dieselbe Symboltrias wie u.a. im Śatapatha-Brāhmaṇa-Agnicayana) sowie das Auflegen einer Schildkröte (Kaṇḍikā 105) – ein bekanntes Motiv des vedischen Feueraltarbaus, bei dem die Schildkröte kosmologisch für den Weltengrund/das Amphibische zwischen Wasser und Land steht (vgl. das Kūrma-Motiv bereits in Anuvāka 23). Kaṇḍikā 105 enthält einen stark klangspielerischen, kaum sicher deutbaren Formelabschnitt, der trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx überwiegend mit [?] gekennzeichnet werden muss. Bemerkenswert ist der Schluss in Kaṇḍikā 106: die Beschreibung der Virāj als FÜNFFÜSSIG (diese Welt, Luftraum, Himmel, Himmelsrichtungen, 'das jenseits des Dunstes') – eine auffällige Variante zu dem vierteiligen/dreiviertel-Schema des Puruṣa-Sūkta (ṚV 10,90,3f.: 'drei Viertel des Puruṣa sind im Himmel, ein Viertel wurde wieder hier'), das in Anuvāka 23 bereits wörtlich zitiert wurde – hier auf eine fünfgliedrige Kosmographie erweitert, mit dem 'Überdunst-Bereich' (paro rajaḥ) als zusätzlichem, transzendentem fünften Glied.]
agniṃ praṇīya upasamādhāya, tam abhita etā abhīṣṭakā upadadhāti, agnihotre darśapūrṇamāsayoḥ, paśubandhe cāturmāsyeṣu, atha āhuḥ sarveṣu yajñakratuṣu, atha ha smāha āruṇiḥ svayambhuḥ, sāviteḥ sarvo 'gniś cinvan, nānā vā eteṣāṃ vīryāṇi, kam agniṃ cinute (TA 1,26,107). sātriyam agniṃ cinvānaḥ kam agniṃ cinute, cāturhotriyam agniṃ cinvānaḥ kam agniṃ cinute, nāciketam agniṃ cinvānaḥ kam agniṃ cinute, vaiśvasṛjam agniṃ cinvānaḥ kam agniṃ cinute (TA 1,26,108). upānuvākyam āśum agniṃ cinvānaḥ kam agniṃ cinute, imam āruṇaketum agniṃ cinvann iti, vṛṣā vā agniḥ, vṛṣṇā saha ā spardhayet, hanyetāsya yajñaḥ, tasmān nānupaśyet, sottaravedāgniṃ śriśrīyate, prajākāmaś cinvīta (TA 1,26,109). prājāpatyo vā eṣo 'gniḥ, prājāpatyāḥ prajāḥ, prajāvān bhavati, ya evaṃ veda (TA 1,26,110). vṛṣṭikāmaś cinvīta, āpo vai vṛṣṭiḥ, parjanyo varṣuko bhavati, ya evaṃ veda, āmayāvī cinvīta, āpo vai bheṣajam, bheṣajam evāsmai karoti, sarvam āyur eti, amīvāṃ cikṣīṣan cinvīta, vajro vā āpaḥ (TA 1,26,111). vajreṇa bhrātṛvyebhyaḥ praharati, stṛṇuta enam, tejaskāmo yaśaskāmaḥ, brahmavarcasakāmaḥ svargakāmaś cinvīta, etāvad vā asti yāvad etat yāvad eva asti, tad avarundhe, tasyaitad ṛtaṃ, varṣī na dhāvet (TA 1,26,112). amṛtaṃ vā āpaḥ, amṛtasyānantaratyai, na apsu mūtrapurīṣaṃ kuryāt, na niṣṭhīvet, na vivasano 'sya snāyāt, guhyo vā eṣo 'gniḥ, etasyāgner anatidāhāya, na puṣkaraparṇāni hiraṇyaṃ vā apidhitseta, etasyāgner anavāroghāya, na kūrmasyāśnīyāt, nodakasyodakatvenaiva madanti [?] bhavanti, adbhya utthitā āpaḥ, ya etam agniṃ cinute, ya u caivam eva veda (TA 1,26,113). cinute cinute prajākāmaś cinvīta, ya evaṃ veda, āpo dhāved aśnīyāc catvāri ca.
Nachdem er das Feuer hergeführt und sorgfältig aufgeschichtet hat, legt er ringsherum diese Weihsteine (abhīṣṭakā): beim Agnihotra, bei Neu- und Vollmondopfer, beim Tieropfer, bei den Cāturmāsya-Opfern, und, wie man sagt, bei allen Opferriten. Dazu sagte einst Āruṇi Svayambhū: 'Jedes Feuer, das man nach Savitṛs [Vorbild] schichtet – verschieden sind ja deren Kraftwirkungen –, welches Feuer schichtet man [dabei eigentlich]?' [Es folgt ein Katalog der Feuer-Typen, jeweils mit derselben Frage:] Wer das Sāttriya-Feuer schichtet – welches Feuer schichtet er? Wer das Cāturhotriya-Feuer schichtet – welches Feuer schichtet er? Wer das NĀCIKETA-Feuer schichtet – welches Feuer schichtet er? [dasselbe Feuer, das aus der berühmten Naciketas-Erzählung der Kaṭha-Upaniṣad bekannt ist, hier bereits zum zweiten Mal in diesem Werk genannt, vgl. Anuvāka 22]. Wer das Vaiśvasṛja-Feuer schichtet – welches Feuer schichtet er? Wer das Upānuvākya-Āśu-Feuer schichtet – welches Feuer schichtet er? '[Wer sagt:] Ich schichte dieses Āruṇaketu-Feuer' [begeht einen Fehler]: denn ein Bulle ist ja das Feuer; mit einem Bullen sollte man nicht [in dieser Weise] wetteifern [wollen] – sein Opfer würde vernichtet; deshalb sollte man [diesen Namen] nicht [so unbedacht] gebrauchen. Wer sich Nachkommenschaft wünscht, schichte das Feuer, indem er es dem Altarfeuer angleicht: denn dieses Feuer gehört ja Prajāpati; Prajāpatis [Wesen] sind die Geschöpfe; nachkommenreich wird, wer dies so weiß. Wer sich Regen wünscht, schichte [das Feuer so]: Wasser ist ja der Regen; ein Regenspender wird Parjanya [ihm], wer dies so weiß. Wer krank ist, schichte [es so]: Wasser ist ja das Heilmittel; eben ein Heilmittel bewirkt es ihm, [und] er erlangt die volle Lebensspanne. Wer eine Krankheit [von sich] abwenden will, schichte [es so]: der Donnerkeil ist ja das Wasser; mit dem Donnerkeil schlägt er die Nebenbuhler/Krankheitsdämonen. Man streue [Gras o.ä.] für dieses [Feuer] aus. Wer nach Glanz, nach Ruhm, nach geistlicher Macht, nach der Himmelswelt verlangt, schichte [es so]: 'Genau so viel ist es, wie dies ist, genau so viel, wie eben dies ist' – dies gewinnt er dadurch; ihm gehört diese Wahrheit (ṛta); ein Regen-[Wolke] soll [ihm] nicht davonlaufen [?]. Unsterblich sind ja die Wasser – zur Erlangung der Unsterblichkeit [pflegt man Regeln]: man soll nicht in die Wasser urinieren oder Kot lassen, nicht hineinspucken, nicht unbekleidet darin baden; geheimnisvoll ist ja dieses Feuer – damit man es nicht [durch Unachtsamkeit] übermäßig entfacht [?], soll man Lotosblätter oder Gold nicht darin verbergen wollen – damit dieses Feuer nicht [durch heimliche Handlungen] geschwächt wird [?]; man soll keine Schildkröte essen; denn nicht durch das bloße Wasser-Sein werden die Wasser [zu Freude]bringenden [?] – aus den Wassern erhoben sind [ja] die Wasser [des Opfers]. [Der genannte Lohn gebührt], wer dieses Feuer schichtet und wer eben dies so weiß. Immer wieder schichtet, wer sich Nachkommenschaft wünscht, wer dies so weiß; er gewinne/genieße die Wasser – vier[fach] [gilt dies].
Wort für Wort
agniṃ praṇīya upasamādhāya
nachdem er das Feuer hergeführt und aufgeschichtet hat
āruṇiḥ svayambhūḥ
Āruṇi Svayambhū [Lehrer-Name]
nānā vā eteṣāṃ vīryāṇi
verschieden sind ihre Kraftwirkungen
kam agniṃ cinute
welches Feuer schichtet er? [wiederkehrende Frage]
sātriyam agniṃ cinvānaḥ
wer das Sāttriya-Feuer schichtet
nāciketam agniṃ cinvānaḥ
wer das Nāciketa-Feuer schichtet [=das Feuer aus der Kaṭha-Up.]
vaiśvasṛjam agniṃ cinvānaḥ
wer das Vaiśvasṛja-Feuer schichtet
vṛṣā vā agniḥ
ein Bulle ist das Feuer
prājāpatyo vā eṣo 'gniḥ prajāvān bhavati
dieses Feuer gehört Prajāpati; nachkommenreich wird [wer dies weiß]
vṛṣṭikāmaś cinvīta āpo vai vṛṣṭiḥ
wer Regen wünscht, schichte es: Wasser ist der Regen
āmayāvī cinvīta āpo vai bheṣajam
wer krank ist, schichte es: Wasser ist das Heilmittel
vajro vā āpaḥ vajreṇa bhrātṛvyebhyaḥ praharati
der Donnerkeil ist das Wasser; damit schlägt er die Nebenbuhler
amṛtaṃ vā āpaḥ
unsterblich sind die Wasser
na apsu mūtrapurīṣaṃ kuryāt na niṣṭhīvet
man soll nicht ins Wasser urinieren/koten oder hineinspucken
na kūrmasyāśnīyāt
man soll keine Schildkröte essen
ya etam agniṃ cinute ya u caivam eva veda
wer dieses Feuer schichtet und wer dies so weiß
[Anm.: Anuvāka 26 ist ein Katalog verschiedener benannter Feuer-Typen (Sāttriya, Cāturhotriya, Nāciketa, Vaiśvasṛja, Upānuvākya-Āśu, Āruṇaketu – letzteres aus Anuvāka 24 bekannt), jeweils mit Wunsch-Frucht-Zuordnungen (Nachkommenschaft/Prajāpati, Regen/Parjanya, Heilung, Abwehr von Nebenbuhlern/Krankheit, Glanz/Ruhm/geistliche Macht/Himmelswelt) nach dem in diesem Prapāṭhaka wiederkehrenden Kāmya-Schema (vgl. bereits Anuvāka 22). Bemerkenswert ist die ERNEUTE Nennung des NĀCIKETA-FEUERS in Kaṇḍikā 108 – desselben Feuers, das der Kaṭha-Upaniṣad zufolge Naciketas von Yama als dritte Gabe erbat und das ihn den Weg zum Unsterblichkeitswissen lehrte; seine zweifache Erwähnung in diesem Prapāṭhaka (hier und in Anuvāka 22) unterstreicht die enge Verzahnung des Taittirīya-Āraṇyaka-Ritualwissens mit der später eigenständig überlieferten Naciketas-Erzählung. Kaṇḍikā 113 schließt mit einer Reihe von Reinheits-/Tabuvorschriften rund um das Ritualwasser (kein Urinieren/Spucken/nacktes Baden darin, kein Verbergen von Lotosblatt oder Gold, kein Schildkrötenverzehr) – Vorschriften, die an ähnliche Reinheitsregeln anderer vedischer Ritualtexte erinnern. Wegen mehrerer stark klangspielerischer, kaum sicher deutbarer Kurzformeln (v.a. gegen Ende von Kaṇḍikā 109, 112 und 113) trotz Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx zahlreiche [?]-Markierungen.]
imānukaṃ bhuvanā sīṣadhema, indraś ca viśve ca devāḥ, yajñaś ca nas tvaṃ ca prajāḥ, ādityair indraḥ saha sīṣadhātu, ādityair indraḥ sagaṇo marudbhiḥ, asmākaṃ bhūtv itā tanūnām, āpravasva prapravasva, āṇḍī bhava ja mā muhuḥ, sukhād indur duḥkhanidhanām, pratimuñcasva svāṃ puram (TA 1,27,114). marīcayaḥ svāyambhuvāḥ, ye śarīrāṇy akalpayan, te te dehaṃ kalpayantu, mā ca te khyā sma tīriṣat, uttiṣṭhata mā svapta, agnim icchadhvaṃ bhāratāḥ, rājñaḥ somasya tṛptāsaḥ, sūryeṇa sayujoṣasaḥ, yuvā suvāsāḥ, aṣṭacakrā navadvārā (TA 1,27,115). devānāṃ pūr ayodhyā, tasyā hiraṇmayaḥ kośaḥ, svargo loko jyotiṣāvṛtaḥ, yo vai tāṃ brahmāṇaṃ veda amṛtenāvṛtāṃ purīm, tasmai brahma ca brahmā ca, āyuḥ kīrtiṃ prajāṃ dadhuḥ, vibhrājamānā hiraṇmayī, yaśasā saṃpravṛttā, pura hiraṇmayī brahma (TA 1,27,116). viveśāparājitā [?], parāṅ ety ajyāmayī [?], parāṅ ety anāśakī [?], iha cāmutra vidvān devāsurān abhayān [?], yat kumārī mandrayate [?], yad ghoṣad aprativṛttā [?], ariṣṭaṃ yat kiṃcid bhiyate [?], agnis tad anv eti, aśṛtāsaḥ śṛtasadhnaḥ [?] (TA 1,27,117). yajvāno ye 'py ayajvanaḥ [?], svayaṃto nāpy akṣete [?], indram agnim aśre ye viduḥ [?], sikatā iva saṃvindi [?], raśmibhis samudīritāḥ [?], asmāc chlokād amuṣmāc ca, ṛṣibhir adatyubhiḥ apetavīta vica sarpatāṃ tataḥ [?], ye 'tra stha purāṇā ye ca nūtanāḥ, ahobhir draṣṭubhir yaktam [?] (TA 1,27,118). me astu sa hy evāsmi sanātanam, iti nāko brahmaśravo rāyo dhanam, putrān āpo devīr ihāhitā (TA 1,27,119).
Mögen wir diese Welten durchqueren – Indra und alle Götter; das Opfer und du und die Geschöpfe [seien uns hold]. Mit den Ādityas möge Indra [uns] beistehen; mit den Ādityas, mit der Schar der Marut sei Indra unserer eigenen Leiber [Schutz]. [?, unsicher:] Ziehe fort, ziehe [wieder] fort; werde zum [schützenden] Ei, o Geborener, wanke nicht; vom Glück [führe fort] das leidvolle Ende – lege dir wieder deine eigene Burg (puram) an. Die selbstentstandenen Marīcis, die [einst] die Leiber gestalteten – sie mögen [wieder] den Leib gestalten; und nicht soll [dein Glanz, o Sterblicher] [?] vergehen. Erhebt euch, schlaft nicht, sucht das Feuer auf, ihr Bhāratas! Gesättigt vom König Soma, vereint mit der Sonne, mit den Morgenröten, jung, schön gekleidet – achträdrig, neuntorig [ist die Burg]: die unbezwingbare Burg der Götter. Ihre Hülle ist golden, [sie ist] die Himmelswelt, vom Licht umhüllt. Wer sie, das Brahman – die von Unsterblichkeit umhüllte Burg –, so kennt, dem verleihen Brahman [das neutrische Prinzip] und Brahmā [der Schöpfergott] Lebenskraft, Ruhm und Nachkommenschaft: erstrahlend, golden, an Ruhm sich ausbreitend – die goldene Burg ist das Brahman. [?, ab hier stark unsicherer, philologisch kaum gesichert zu deutender Abschnitt, trotz Recherche nicht verlässlich cross-verifizierbar:] Die Unbesiegte trat ein [?]; sie entweicht als die Krankheitsfreie [?], sie entweicht als die Hungerfreie [?]; hier wie dort wisse man [sich] vor Göttern und Dämonen furchtlos [?]. Was ein Mädchen ertönen lässt [?], was durch Lärm nicht abgewehrt wird [?], welches Unheil auch immer gefürchtet wird [?] – dem folgt Agni nach [d. h. Agni wehrt es ab]. [?] Die Opfernden wie auch die Nicht-Opfernden [?] ... die mit Indra [und] Agni vertraut sind [?] ... wie Sandkörner vereint, von den Strahlen aufgerichtet [?] ... aus dieser und jener Welt [?] ... die [einst] hier waren, die alten wie auch die neuen [?]. Mein sei dies, denn eben ich bin dieses ewige [Wesen] – so [heißt es]: das Firmament, Brahman-Ruhm, Reichtum, Vermögen, Söhne, die Wasser [als] Göttinnen sind hier niedergelegt.
Wort für Wort
imānukaṃ bhuvanā sīṣadhema
mögen wir diese Welten durchqueren
indraś ca viśve ca devāḥ
Indra und alle Götter
ādityair indraḥ sagaṇo marudbhiḥ
mit den Ādityas, Indra mit der Schar der Marut
pratimuñcasva svāṃ puram
lege dir wieder deine eigene Burg an
marīcayaḥ svāyambhuvāḥ
die selbstentstandenen Marīcis
ye śarīrāṇy akalpayan te te dehaṃ kalpayantu
die die Leiber gestalteten, mögen [wieder] den Leib gestalten
uttiṣṭhata mā svapta agnim icchadhvaṃ bhāratāḥ
erhebt euch, schlaft nicht, sucht das Feuer, ihr Bhāratas
aṣṭacakrā navadvārā
achträdrig, neuntorig [die Leib-Burg]
devānāṃ pūr ayodhyā
die unbezwingbare Burg der Götter
tasyā hiraṇmayaḥ kośaḥ
ihre Hülle ist golden
svargo loko jyotiṣāvṛtaḥ
die Himmelswelt, vom Licht umhüllt
yo vai tāṃ brahmāṇaṃ veda
wer sie, das Brahman, so kennt
āyuḥ kīrtiṃ prajāṃ dadhuḥ
sie verleihen Lebenskraft, Ruhm und Nachkommenschaft
pura hiraṇmayī brahma
die goldene Burg ist das Brahman
agnis tad anv eti
dem folgt Agni nach [wehrt es ab]
me astu sa hy evāsmi sanātanam
mein sei dies, denn eben ich bin dieses ewige Wesen
putrān āpo devīr ihāhitā
Söhne, die Wasser als Göttinnen, sind hier niedergelegt
[Anm.: Anuvāka 27 enthält in Kaṇḍikā 115-116 eine der bekanntesten vedischen Leib-als-Stadt-Metaphern: 'aṣṭacakrā navadvārā devānāṃ pūr ayodhyā' ('achträdrig, neuntorig ist die unbezwingbare Burg der Götter') – wörtlich (bis auf geringe Varianten) auch in Atharvaveda 10,2,31 belegt, wo dieselbe Formel den menschlichen Körper beschreibt; das Wort 'ayodhyā' bedeutet hier schlicht 'unbezwingbar' und bezeichnet noch nicht die spätere Stadt Rāmas. Das Bild vom Körper als vielgetoriger, lichtumhüllter Burg mit goldener Hülle (hiraṇmayaḥ kośaḥ) kehrt in ähnlicher Form in der Kaṭha-Upaniṣad (2,2,1: 'die Stadt mit elf Toren') und in Bhagavadgītā 5,13 ('nava-dvāre pure dehin', 'der Verkörperte in der neuntorigen Stadt') wieder – ein bemerkenswertes frühes Zeugnis dieser später einflussreichen Metapher. Kaṇḍikā 117-118 sind trotz intensiven Abgleichs mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx (das an dieser Stelle keine verlässlich abrufbare Gegenprüfung mehr lieferte) sprachlich außergewöhnlich unsicher und werden daher überwiegend mit [?] wiedergegeben, um kein geratenes Verständnis als gesichert auszugeben; der grobe thematische Rahmen (Schutz vor Unheil/Krankheit/Furcht, Agni als Abwehrer, Opfernde und Nicht-Opfernde) lässt sich noch erahnen. Kaṇḍikā 119 schließt mit einer Art Anspruchsformel ('mein sei dies ewige Wesen') und der Niederlegung von Himmel, Brahman-Ruhm, Reichtum, Söhnen und den Wasser-Göttinnen.]
viśīrṇīṃ gṛdhraśīrṣāś ca, apeto nirṛtiḥ haṭhaḥ, nijahvaṃ śabalodaram, sa tān vācyayāya saha, agne nāśaya saṃdṛśaḥ, īrṣyāyuye bubhukṣāṃ, manyuṃ kṛtyāś ca dīdhire, rathena kiṃśukāvatā, agne nāśaya saṃdṛśaḥ (TA 1,28,120).
[?, stark unsicherer Beschwörungsvers, dessen genauer Sinn trotz Recherche nicht gesichert werden konnte:] Die Zerzauste (Viśīrṇī) und die Geierköpfigen [Dämonen] – fern sei die gewaltsame Nirṛti [die Unheilsgöttin]; die Zunge einziehend, scheckbäuchig [?] – diese [Mächte] treibe er mit lauter Stimme zusammen fort: 'Agni, vernichte die bösen Blicke!' Eifersucht und Hungergier, Zorn und Zaubersprüche haben sie ersonnen [?], mit dem kiṃśuka-geschmückten Wagen [?]: 'Agni, vernichte die bösen Blicke!'
Wort für Wort
viśīrṇīṃ gṛdhraśīrṣāś ca
die Zerzauste und die Geierköpfigen
apeto nirṛtiḥ haṭhaḥ
fern sei die gewaltsame Nirṛti
agne nāśaya saṃdṛśaḥ
Agni, vernichte die bösen Blicke! [Refrain]
īrṣyāyuye bubhukṣāṃ manyuṃ kṛtyāś ca dīdhire
Eifersucht, Hungergier, Zorn und Zaubersprüche haben sie ersonnen
[Anm.: Anuvāka 28 besteht aus nur einer einzigen, sehr kurzen Kaṇḍikā – wie schon mehrere frühere Anuvākas dieses Prapāṭhaka (15, 16, 19, 20). Es handelt sich erkennbar um einen apotropäischen Beschwörungsvers gegen feindliche/dämonische Mächte (genannt werden eine 'Viśīrṇī' genannte Unheilsgestalt, geierköpfige Wesen und die Unheilsgöttin Nirṛti), mit dem refrainartig wiederholten, gut gesicherten Kernsatz 'agne nāśaya saṃdṛśaḥ' ('Agni, vernichte die bösen Blicke') als Abwehrformel gegen den 'bösen Blick'. Der übrige Wortlaut ist trotz Abgleichsversuchen mit sanskritdocuments.org/taittirIyaAraNyaka.itx (das an dieser Stelle keine verlässliche Gegenprüfung mehr lieferte, vermutlich wegen der Dateigröße) sprachlich außergewöhnlich schwer zu entziffern und wird daher überwiegend mit [?] wiedergegeben, um keine geratene Lesart als gesichert auszugeben.]
parjanyāya pragāyata, divaḥ putrāya mīḍhuṣe, sa no yavasam icchatu, idaṃ vacaḥ parjanyāya svarāje, hṛdo asvanaran tṛdyota, mayobhur vāto viśvakṛṣṭayaḥ santv asme, supippalā oṣadhīr devagopāḥ, yo garbham oṣadhīnām, gavāṃ kṛṇoty arvatām, yo garbham oṣadhīnāṃ puruṣīṇām (TA 1,29,121).
Singt dem Parjanya zu, dem regenspendenden Sohn des Himmels; er möge uns Weideland gewähren. Dies [sei das] Wort für den selbstherrschenden Parjanya. [?, unsicher:] Aus dem Herzen ertönend, durchglänzend [?] – wohltuend sei uns der Wind, [wohltuend] allen Völkern; wohlfrüchtig seien die von den Göttern behüteten Kräuter – er, der den Keim der Kräuter, der Rinder, der Rosse bewirkt, der den Keim der Kräuter [und] der Menschen bewirkt.
Wort für Wort
parjanyāya pragāyata
singt dem Parjanya zu
divaḥ putrāya mīḍhuṣe
dem regenspendenden Sohn des Himmels
sa no yavasam icchatu
er möge uns Weideland gewähren
mayobhur vāto viśvakṛṣṭayaḥ santv asme
wohltuend sei uns der Wind, allen Völkern
supippalā oṣadhīr devagopāḥ
wohlfrüchtig die von den Göttern behüteten Kräuter
yo garbham oṣadhīnāṃ puruṣīṇām
der den Keim der Kräuter und der Menschen bewirkt
[Anm.: Anuvāka 29 besteht ebenfalls aus nur einer Kaṇḍikā und enthält mit 'parjanyāya pragāyata divaḥ putrāya mīḍhuṣe' den Beginn eines auch aus dem Ṛgveda bekannten Parjanya-Verstyps (vgl. ṚV 7,102,1: 'parjanyāya pragāyata divaḥ putrāya mīḷhuṣe'), hier als Segensformel für Regen, Weideland, Wind und das Gedeihen von Pflanzen-, Rinder-, Pferde- und Menschen-Nachwuchs verwendet – thematisch eng verwandt mit dem vorausgehenden Wasser-/Regen-Komplex der Anuvākas 22-26. Der Mittelteil (Kaṇḍikā-Mitte) bleibt trotz Abgleichsversuchen sprachlich unsicher und ist mit [?] markiert.]
punar mām aitv indriyam, punar āyuḥ, punar brāhmaṇam aitu mā, punar draviṇam aitu mā, yan me ud reta pṛthivīm askān, yad oṣadhīṣv apy asṛg āpaḥ, idaṃ tat punar ādade, dīrghāyuṣtvāya varcase, yan me retaḥ prasicyate, yan ma ājāyate punaḥ, tena mām amṛtaṃ kuru, tena suprajasaṃ kuru (TA 1,30,122).
Wieder möge zu mir die Sinneskraft (indriya) kommen, wieder die Lebensspanne; wieder möge das Brahman[-Wissen] zu mir kommen, wieder der Besitz (draviṇa) zu mir kommen. Was von meinem Samen zur Erde herabfiel, was in die Kräuter [und] Wasser [geriet] – dies nehme ich wieder auf, zu langem Leben und zu Glanz. Was von meinem Samen ausgegossen wird, was von mir wieder geboren wird – dadurch mache mich unsterblich, dadurch mache mich reich an Nachkommenschaft.
Wort für Wort
punar mām aitv indriyam
wieder möge zu mir die Sinneskraft kommen
punar āyuḥ
wieder die Lebensspanne
punar brāhmaṇam aitu mā
wieder möge das Brahman-Wissen zu mir kommen
yan me ud reta pṛthivīm askān
was von meinem Samen zur Erde herabfiel
idaṃ tat punar ādade dīrghāyuṣtvāya varcase
dies nehme ich wieder auf, zu langem Leben und Glanz
tena mām amṛtaṃ kuru
dadurch mache mich unsterblich
tena suprajasaṃ kuru
dadurch mache mich reich an Nachkommenschaft
[Anm.: Anuvāka 30, wieder nur eine Kaṇḍikā, ist eine klar verständliche Rückgewinnungs-/Sühneformel (prāyaścitta) für verlorene Lebenskraft und Samen: der Sprecher erbittet die Rückkehr von Sinneskraft, Lebensspanne, Brahman-Wissen und Besitz sowie die symbolische Wiederaufnahme des in Erde, Kräuter und Wasser verströmten eigenen Samens, verbunden mit der Bitte um langes Leben, Glanz, Unsterblichkeit und reiche Nachkommenschaft. Ein inhaltlich und sprachlich vergleichsweise klarer, gut lesbarer Vers innerhalb dieses insgesamt sehr dichten Kaṇḍikā-Abschnitts.]
adbhyas tiro 'jāyata, tava vaiśravaṇa smadā [?], tirodhehi sapatnān, ye 'po 'śnanti kecana, tvāśīṃ māyāṃ vaiśravaṇa [?], rathaḥ sahasrabandhuram, puraś cakraṃ sahasrākṣam, āsthāyāyāhi no balim, yasmai bhūtāni balim āvahanti, dhanaṃ cāvo hastihiraṇyāśnāt [?] (TA 1,31,123). āsāṃ sumatiṃ yajñiyasya, śriyaṃ bibhrato 'nnamukhīṃ virājam, sudarśanaṃ ca krodhaṃ ca, maināgaṃ ca mahāgire, sattadghrāṭāragamantā [?], sa hāryantaraṃ tava, iti mantrāḥ, kalpota ūrdhvam [?], yadi baliṃ haret, hiraṇyanābhe vitudaye kauberāyaṇaṃ baliḥ (TA 1,31,124). sarvabhūtādhipataye nama iti, atha baliṃ hṛtvopatiṣṭheta, kṣatraṃ kṣatraṃ vaiśravaṇaḥ, brāhmaṇā vayaṃ gussaḥ [?], namas te astu mā mā hiṃsīḥ, asmāt tvayi ṣyac chamad iti [?], tam agnim ādāpayeta [?], yasmiṃs tat karma prayuñjīta, tirodhā bhūḥ, tirodhā bhuvaḥ (TA 1,31,125). tirodhāḥ svaḥ, tirodhā bhūrbhuvaḥsvaḥ, sarveṣāṃ lokānām ādhipatye sīdati, atha tam agnim indhīta yasmiṃs tat karma prayuñjīta, tirodhā bhūḥ svāhā, tirodhā bhuvaḥ svāhā, tirodhāḥ svaḥ svāhā, tirodhā bhūrbhuvaḥsvaḥ svāhā, yasminn asya kāle sarvā āhutīr hutā bhaveyuḥ (TA 1,31,126). api brāhmaṇam ukhīnāḥ [?], tasminn ahaḥ kāle prayuñjīta, paraḥ sutajanād api, māṃsaṃ pramādāt tam āpyapeyeta [?], sarvārthāḥ sidhyante, ya evaṃ veda, kṣudhyann idam ajānatām, sarvārthā na sidhyante, yas te vighātuko bhrātā, mama antarhṛdi śritaḥ (TA 1,31,127). tasmā imam apra-piṇḍaṃ juhomi [?], samarthātmā vijānīta, mayi svāhā, rājādhirājāya, prasahyasāhine, namo vayaṃ vaiśravaṇāya kurmahe, sa me kāmān kāmakāmāya mahyam, kāmeśvaro vaiśravaṇo dadātu, kuberāya vaiśravaṇāya, mahārājāya namaḥ, ketavo 'ruṇāsāḥ ṛṣayo vātaraśanāḥ, pratiṣṭhāḥ śatadhāhi, samāhitāso sahasradhāyasam, śivā naḥ śantamā bhavantu, divyā āpa oṣadhayaḥ, sumṛḍīkā sarasvatī, mā te vyoma saṃdṛśi (TA 1,31,128).
[?, dieser gesamte Anuvāka ist eine an Vaiśravaṇa (Kubera) gerichtete Opfer- und Schutzformel, deren Wortlaut trotz Bemühungen um Gegenprüfung an mehreren Stellen unsicher bleibt:] Aus den Wassern entstand die Verhüllung; dir, o Vaiśravaṇa, [sei sie gegeben]; verhülle die Nebenbuhler, alle, die irgendwie am Wasser zehren. Deine Zauberkraft, o Vaiśravaṇa – dein Wagen [ist] tausendfach verbunden, deine Burg [hat] ein tausendäugiges Rad; komm herbei und nimm unsere Opfergabe (bali) an, du, dem die Wesen [von jeher] Opfergaben darbringen; Reichtum [gewähre uns], vom Elefanten- und Goldverzehrenden [her, d. h. aus überreicher Quelle]. Ihre [der genannten Mächte] Wohlwollen für den Opferwürdigen – [er,] der Glanz trägt, mit speisereichem Antlitz, die Virāj; Sudarśana [Viṣṇus Diskus] und Krodha; und Maināga, den großen Berg [– der bekannte, aus späterer Erzählung, z. B. der Hanumān-Episode des Rāmāyaṇa, geflügelte Berg, der einst allein Zuflucht bot]. [?, unsicher] Diese Sprüche [gelten], sofern man die Opfergabe darbringen will: am goldnabligen [Ort] Vitudaya sei die Kubera-Opfergabe. 'Homage dem Herrn aller Wesen' – [so spreche man,] wenn man die Opfergabe dargebracht hat und [beim Feuer] steht: 'der Kriegermacht, der Kriegermacht [gilt] Vaiśravaṇa; wir Brahmanen [sind die Seinen] [?]; Verehrung sei dir, verletze uns nicht, [halte] von uns fern, was dir [zusteht] [?]'. Man entzünde jenes Feuer, in dem man dieses Werk vollzieht: 'Verhüllt sei die Erde, verhüllt sei der Luftraum, verhüllt der Himmel, verhüllt Erde-Luftraum-Himmel' – mit svāhā [für jede Stufe] –, auf dass zu jener Zeit alle Opferspenden dargebracht seien. [?, Kaṇḍikā 127 sehr unsicher, thematisch offenbar eine zeitliche/rituelle Reinheitsvorschrift mit einer rätselhaften persönlichen Schlusswendung:] ...alle Ziele gelingen dem, der dies so weiß; wer dies nicht kennt, dem gelingen, hungernd, die Ziele nicht; dein verderblicher Bruder [?] wohnt in meinem Herzen. Diesem [Vaiśravaṇa] opfere ich diese [Gabe] [?]; der seiner selbst mächtige Geist erkenne [dies]: mir [gilt] svāhā, dem König der Könige, dem gewaltsam Bezwingenden; wir erweisen Vaiśravaṇa Verehrung. Er, der Herr der Wünsche, Vaiśravaṇa, gewähre mir, dem nach Wünschen Verlangenden, meine Wünsche; dem Kubera Vaiśravaṇa, dem Großkönig, Verehrung. Die fahnentragenden, morgenrötlichen, windgegürteten Ṛṣis [erneut, vgl. Anuvāka 21/23f.] – verleihe hundertfachen festen Stand, den Versammelten das Tausendfach-Tragende; gütig und höchst wohltuend seien uns die himmlischen Wasser [und] Kräuter, gütig sei Sarasvatī; nicht sei dir der Himmel [als Unheilszeichen] sichtbar.
Wort für Wort
vaiśravaṇa
Vaiśravaṇa [= Kubera, Gott des Reichtums, Wächter des Nordens]
rathaḥ sahasrabandhuram puraś cakraṃ sahasrākṣam
sein Wagen tausendfach verbunden, seine Burg tausendäugig im Rad
āsthāyāyāhi no balim
komm herbei und nimm unsere Opfergabe an
sudarśanaṃ ca krodhaṃ ca
Sudarśana [Viṣṇus Diskus] und Krodha
maināgaṃ ca mahāgire
und Maināga, den großen Berg
sarvabhūtādhipataye namaḥ
Homage dem Herrn aller Wesen
kṣatraṃ kṣatraṃ vaiśravaṇaḥ
der Kriegermacht gilt Vaiśravaṇa
tirodhā bhūḥ tirodhā bhuvaḥ tirodhāḥ svaḥ
verhüllt sei Erde, Luftraum, Himmel
sarvārthāḥ sidhyante ya evaṃ veda
alle Ziele gelingen dem, der dies so weiß
namo vayaṃ vaiśravaṇāya kurmahe
wir erweisen Vaiśravaṇa Verehrung
kāmeśvaro vaiśravaṇo dadātu
der Herr der Wünsche, Vaiśravaṇa, gewähre [mir]
kuberāya vaiśravaṇāya mahārājāya namaḥ
dem Kubera Vaiśravaṇa, dem Großkönig, Verehrung
ketavo 'ruṇāsāḥ ṛṣayo vātaraśanāḥ
die fahnentragenden, morgenrötlichen, windgegürteten Ṛṣis
mā te vyoma saṃdṛśi
nicht sei dir der Himmel als Unheilszeichen sichtbar
[Anm.: Anuvāka 31 ist eine zusammenhängende, an Vaiśravaṇa/Kubera (den Gott des Reichtums und Wächter der Nordrichtung) gerichtete Bali-Opferformel mit den Beinamen Rājādhirāja ('König der Könige'), Kāmeśvara ('Herr der Wünsche') und Mahārāja. Bemerkenswert ist die Nennung des Berges Maināga (Kaṇḍikā 124) – jenes Berges, der in der späteren Rāmāyaṇa-Tradition als einziger Berg dem fliegenden Hanumān Rast anbietet, weil er einst selbst vor Indras Flügel-Abschlagen ins Meer gerettet wurde – hier offenbar bereits als bekannte kosmographische Größe vorausgesetzt. Ebenfalls bemerkenswert: die 'fahnentragenden, windgegürteten Ṛṣis' (ketavo 'ruṇāsāḥ ṛṣayo vātaraśanāḥ) aus Anuvāka 21/23/24 kehren hier ein weiteres Mal wieder, was die enge Verzahnung dieses gesamten Ritualblocks (Anuvāka 21-31) bestätigt. Der Text ist an mehreren Stellen (besonders Kaṇḍikā 123-124 und 127) trotz Bemühungen um Gegenprüfung sprachlich sehr unsicher und wird entsprechend mit [?] gekennzeichnet.]
Ein Jahr lang, oder [wenigstens] zwei Monate, soll man dieses Gelübde einhalten – die Vorschrift in Kürze; die besondere Regel dabei: dreimal täglich das Wasser berühren, [nur] zur vierten Tageszeit essen und trinken, oder Tag für Tag von erbetteltem [Almosen] leben, das Feuer mit Feigenbaum-Brennholz pflegen; 'wieder [kehre] zu mir die freundliche Sinneskraft' – mit diesem Anuvāka [der Rückgewinnungsformel aus Anuvāka 30] soll man [das Ritual] mit herausgehobenem, geläutertem Dickmilch-Opfer vollziehen. [?, Kaṇḍikā 130 unsicher:] Opferspenden (brahmahoma) an Agni, Vāyu, Sūrya, Brahman, Prajāpati, den Mond, die Mondhäuser, die Jahreszeiten, das Jahr, Varuṇa [und] Āruṇa; [dazu] die Pravargya-Anweisung; man sei zufrieden im Wald, nachdem man 'bhadraṃ karṇebhiḥ' zweimal rezitiert hat. Nachdem man mit den Mahānāmnī-Versen das Wasser berührt hat, gebe man es zu trinken: 'gütig und höchst wohltuend sei uns' – so erlangt der Weise die gütige Erde [?]; ebenso am Neu-/Vollmondtag [ist] eine Kuh die Priestergabe, [dazu] ein leinenes Gewand für das Zusammensein [?]; oder, nach Vermögen, vollziehe man so die tägliche Rezitation (svādhyāya) gemäß dem Dharma; man sei zufrieden im Wald – heilig wird der Asket, heilig wird der Asket. [Es folgt die feierliche Schluss-Śānti des gesamten ersten Prapāṭhaka:] Gutes mögen wir mit den Ohren hören, ihr Götter; Gutes mögen wir mit den Augen sehen, ihr Verehrungswürdigen; mit festen Gliedern und Leibern euch lobpreisend, mögen wir die den Göttern zugemessene Lebenszeit erreichen. Heil uns gewähre Indra von altem Ruhm; Heil uns Tārkṣya, dessen Radkranz unversehrt ist; Heil uns verleihe Bṛhaspati. Oṃ. Friede, Friede, Friede.
Wort für Wort
saṃvatsaram etad vrataṃ caret
ein Jahr lang soll man dieses Gelübde einhalten
triṣavaṇam udakopasparśī
dreimal täglich das Wasser berührend
cāturthakālapānabhakṣaḥ syāt
er soll [nur] zur vierten Tageszeit essen und trinken
audumbarībhiḥ samidbhir agniṃ paricaret
mit Feigenbaum-Brennholz soll er das Feuer pflegen
agnaye vāyave sūryāya brahmaṇe prajāpataye
an Agni, Vāyu, Sūrya, Brahman, Prajāpati
candramase nakṣatrebhyaḥ ṛtubhyaḥ saṃvatsarāya
an den Mond, die Mondhäuser, die Jahreszeiten, das Jahr
bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ
Gutes mögen wir mit den Ohren hören, ihr Götter
bhadraṃ paśyema akṣabhir yajatrāḥ
Gutes mögen wir mit den Augen sehen, ihr Verehrungswürdigen
sthirair aṅgais tuṣṭuvāṃsas tanūbhiḥ
mit festen Gliedern und Leibern euch lobpreisend
vyaśema devahitaṃ yad āyuḥ
mögen wir die den Göttern zugemessene Lebenszeit erreichen
svasti na indro vṛddhaśravāḥ
Heil uns gewähre Indra von altem Ruhm
svasti nas tārkṣyo ariṣṭanemiḥ
Heil uns Tārkṣya, dessen Radkranz unversehrt ist
svasti no bṛhaspatir dadhātu
Heil uns verleihe Bṛhaspati
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ
Oṃ. Friede, Friede, Friede
tapasvī puṇyo bhavati
heilig wird der Asket [Schlussformel, doppelt]
[Anm.: Mit Anuvāka 32 (Kaṇḍikā 129-131) endet der GESAMTE ERSTE PRAPĀṬHAKA (Praśna 1) des Taittirīya-Āraṇyaka – ein bedeutender struktureller Meilenstein: 32 Anuvākas, 131 Kaṇḍikās sind damit vollständig übersetzt. Kaṇḍikā 129-131 enthalten abschließende asketische Observanz-Regeln (ein- bis zweimonatiges bzw. einjähriges Gelübde mit dreimaligem Wasserberühren, beschränkter Nahrungsaufnahme, Bettelspeise, Feigenholz-Feuerpflege) sowie eine Reihe von Opferspenden an die großen kosmischen Mächte. Der Prapāṭhaka schließt mit der berühmten Śānti-Strophe 'bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ' – demselben Vers, der bereits als Zitat innerhalb des Wasser-Göttinnen-Hymnus in Anuvāka 21 auftauchte und der, in identischer Form, die Eingangsinvokation der Śvetāśvatara-Upaniṣad bildet: ein Beleg dafür, dass dieser Schluss-Śāntipāṭha als feste liturgische Formel across mehrere vedische Texte hinweg zirkulierte. Mit dem Ende von Prapāṭhaka 1 beginnt im Quelltext unmittelbar Prapāṭhaka 2 mit einer eigenen kurzen Eingangsinvokation und der berühmten Sura-Asura-Erzählung vom Ursprung der heiligen Schnur (yajñopavīta) – dies wird als eigenes, neues Kapitel (Prapāṭhaka 2) fortgesetzt.]