Eigenständiges Anhangswerk zu manchen Rezensionen des Taittirīya (bes. Āpastamba/Baudhāyana), das Gṛhya-(Haushalts-)Riten behandelt — nicht Teil des eigentlichen Āraṇyaka-Kernkorpus, aber in dieser Quelle direkt daran anschließend überliefert. VOLLSTÄNDIG ÜBERSETZT (2 Praśnas, 35 Einheiten). Mit diesem Anhang ist der gesamte in der Quell-PDF erhaltene Taittirīya-Textkorpus (10-teiliges Āraṇyaka plus Ekāgnikāṇḍa) vollständig übersetzt.
[K.1, wegen ungewöhnlich starker Scan-Beeinträchtigung und Ketten-Kompression dieser Eröffnungspassage nur mit erheblicher Vorsicht sinngemäß übersetzbar:] Die Erste, Wohlwollende, des [göttlichen] Ordners Teilhabende, die Erwählenswerte, Ausgebreitete, Preiswürdige — mögest du, Indra, an beiderlei [Gaben] Gefallen finden, [du und] die, welche dir mit gutem Munde entgegenkommen, nicht mit falschem. Gerade sind die Wasser-Pfade, auf denen sie dem Mitra und Varuṇa das Opfer darbringen, [wie sie] die Weisheit des Sängers fördern; die Verbindung [der Eheleute] sei wohlgeführt, ihr Götter! [Die Braut sei] nicht-trügerisch, die Gattin des Gebets-Herrn [Brahmaṇaspati], von Bṛhaspati geleitet, gütig unseren Ehemännern; [sie sei] wohlgesonnen, gutgesonnen, der Männer Gattin, lebenspendend, göttergeliebt [...] [Anm.: die weitere Textfolge ist im Scan an dieser Stelle so stark komprimiert und fehlerhaft, dass eine zusammenhängende Übersetzung nicht mit Sicherheit möglich ist; erkennbare wiederkehrende Motive sind: Segensformeln für die Braut als 'lebenspendend, göttergeliebt', eine Bezugnahme auf die Ahnen (Pitṛs), auf Trauer/Weinen im Zusammenhang mit dem Verlassen des Elternhauses [ein bekanntes Motiv der vedischen Hochzeitsliteratur], sowie abschließend eine Anrufung Aryamans (des vedischen Gottes der ehelichen Verbindung) und Agnis] [?]. (Ekāgnikāṇḍa 1,1) [Anm.: Diese Eröffnungspassage des Ekāgnikāṇḍa ist im vorliegenden Scan von außergewöhnlich schlechter Qualität — deutlich schlechter als der übrige, bereits durchweg dichte Text dieses Werkes. Es handelt sich um eine Sammlung vedischer Hochzeitsformeln, die eng mit dem berühmten Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85, dem zentralen Hochzeitshymnus, in dem die Vermählung der Sūryā, Tochter des Savitṛ, mit Soma und den Aśvin gefeiert wird) sowie mit ṚV 10,17-18 (Verse zur Übergabe der Braut, Vermeidung von Witwenschaft u.ä.) verwandt ist. Die Übersetzung bleibt an dieser Stelle notgedrungen sehr vorsichtig und lückenhaft; die Arbeit an einer saubereren Lesart wird in der nächsten Leseeinheit fortgesetzt, sobald weitere, besser lesbare Textabschnitte erreicht werden.]
Wort für Wort
asmākamindra ubhaya juṣasva
mögest du, Indra, an beiderlei Gaben Gefallen finden
adroghī brahmaṇaspatnī
nicht-trügerisch, die Gattin des Gebets-Herrn [Segensformel für die Braut]
Praśna 1, K.1 (Beginn, [?] wegen außergewöhnlich starker Scan-Beeinträchtigung): Hochzeits-Segensformeln, verwandt mit dem Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85) und ṚV 10,17-18; Übersetzung bleibt an dieser Stelle notgedrungen vorsichtig und lückenhaft.
hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ pāvakāḥ pra cakramur hitvāvadyam vayasi, tābhir devaḥ savitā punātu, hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ pāvakāḥ yāsu jātaḥ kaśyapo yāsv indraḥ, agniṃ yā garbhaṃ dadhire suvarṇās tā na āpaḥ śagg syonā bhavantu, yā agniṃ garbhaṃ dadhire virūpā rājā varuṇo yāti madhye, satyānṛte apaśyañ janānāṃ tā na āpaḥ śagg syonā bhavantu, yāsu rājā varuṇo yāsu somo viśve devā yāsūrjaṃ madanti, vaiśvānaro yāsv agniḥ praviṣṭas tā na āpaḥ śagg syonā bhavantu || (0.0.1.2) ||
[K.2, = ṚV 10,17,10-12, DIE 'ĀPO DEVĪḤ' ('GÖTTLICHEN WASSER'):] Goldfarben, rein, reinigend traten sie hervor, den Makel vom Leibe [des Erschaffenen] genommen; mit ihnen möge der Gott Savitṛ [die Braut] reinigen. Goldfarben, rein, reinigend — in ihnen wurde Kaśyapa geboren, in ihnen Indra; die, welche Agni als Embryo in sich trugen, goldfarben, diese Wasser mögen uns heilsam und gütig sein. Die, welche Agni als Embryo in sich trugen, vielgestaltig — [in ihrer] Mitte wandelt König Varuṇa, der Wahrheit und Lüge der Menschen erblickt; diese Wasser mögen uns heilsam und gütig sein. In denen König Varuṇa, in denen Soma, [in denen] alle Götter, in denen sie sich an Kraft erfreuen, in die Vaiśvānara-Agni eingegangen ist — diese Wasser mögen uns heilsam und gütig sein. (Ekāgnikāṇḍa 1,2) [Anm.: FUND — dies ist die berühmte 'Āpo Devīḥ'-Strophenreihe (ṚV 10,17,10-12), die die Gewässer als reine, goldfarbene, in sich Kaśyapa/Indra/Agni/Varuṇa/Soma bergende Göttinnen preist. Im vedischen Ritual wird sie sowohl bei Reinigungs- und Bestattungsriten als auch — wie hier — bei der Eheschließung verwendet, wo die reinigende Kraft der Wasser auf die Braut übertragen werden soll.]
Wort für Wort
hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ pāvakāḥ
goldfarben, rein, reinigend [FUND: Beginn der Āpo-Devīḥ-Strophen, ṚV10,17,10]
yāsu jātaḥ kaśyapo yāsvindraḥ
in denen Kaśyapa geboren wurde, in denen Indra
tā na āpaḥ śagg syonā bhavantu
diese Wasser mögen uns heilsam und gütig sein [Kehrvers]
K.2: FUND — die berühmte 'Āpo Devīḥ'-Wasserhymne (ṚV 10,17,10-12), hier im Rahmen des Hochzeitsrituals als Reinigungssegen für die Braut verwendet.
[K.3, = ṚV 10,85,40-41, AUS DEM BERÜHMTEN SŪRYĀ-SŪKTA:] Soma besaß [dich] zuerst, der Gandharva besaß [dich] als nächster, Agni war dein dritter Gatte, dein vierter ist ein von Menschen Geborener. Soma gab [dich] dem Gandharva, der Gandharva gab [dich] dem Agni; Agni gab mir Reichtum und Söhne, und dazu auch sie [die Braut]. (Ekāgnikāṇḍa 1,3) [Anm.: GROSSER FUND — dies ist der berühmte Vers aus dem Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85, dem zentralen vedischen Hochzeitshymnus, der die Vermählung der Sūryā, Tochter des Savitṛ, feiert), der die mythologische Vorstellung einer Kette symbolischer 'Vor-Ehemänner' der Braut beschreibt: erst Soma (der Mond/die Somapflanze, Sinnbild von Jugend und Fruchtbarkeit), dann der Gandharva (ein himmlisches Wesen, das traditionell mit weiblicher Sexualität vor der Ehe assoziiert wird), dann Agni (das heilige Feuer, das die eigentliche Hochzeitszeremonie vollzieht) und schließlich der menschliche Bräutigam. Dieser Vers wird bis heute in vedischen Hochzeitszeremonien rezitiert und markiert den rituellen Übergang der Braut vom göttlichen/kosmischen in den menschlichen Ehestand.]
Agni war dein dritter Gatte, dein vierter ein von Menschen Geborener
rayiṃ ca putrāṃścādādagnir mahyam athemām
Agni gab mir Reichtum und Söhne, und dazu die Braut
K.3: GROSSER FUND — der berühmte Vers aus dem Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85,40-41) über die vier symbolischen Gatten der Braut (Soma, Gandharva, Agni, der menschliche Bräutigam), bis heute fester Bestandteil vedischer Hochzeitsriten.
[K.4:] Dem Soma für die Brautwerbung, Svāhā; dem Gandharva für die Brautwerbung, Svāhā; dem Agni für die Brautwerbung, Svāhā. Die Jungfrau geht von ihren Vätern [dem Elternhaus] zur Welt des Gatten — für ihre Weihe [Dīkṣā] sei dies dargebracht, Svāhā. Sie ist entlassen, gelöst von dort; die fest Gebundene sei von dort [freigegeben]. Wie [du], Indra, Gabenreicher, sie zu einer Mutter guter Söhne und glücklich machst — gib ihr zehn Söhne, mache den Gatten zum elften! (Ekāgnikāṇḍa 1,4) [Anm.: GROSSER FUND — 'daśāsyāṃ putrān ādhehi patim ekādaśaṃ kṛdhi' ist die berühmte Bitte um zehn Söhne mit dem Gatten als elftem Glied der Familie, aus dem Sūryā-Sūkta (≈ ṚV 10,85,45), bis heute Teil vedischer Hochzeitszeremonien.] — Agni gehe als erster unter den Gottheiten [voran]; er möge ihr glückliche Nachkommenschaft bereiten. Diese [Braut], Agni, mögen die Brüder zum häuslichen Feuer [Gārhapatya] geleiten; er gebe ihr langes Leben und Nachkommenschaft. Nicht leer sei ihr Schoß; die Mutter, während sie [die Tochter] noch lebt, erwache zur Freude über einen Enkel. In deinem Haus erschalle nachts kein [Trauer-]Lärm; anderswo mögen [nur] zwei Frauen [gemeinsam] schlafen [d.h. nicht als Witwe allein]. Du sollst nicht dem 'Vaikuśūra' [einer unheilvollen Macht/Zeitspanne] verfallen; lebendig als Gattin herrsche in der Welt des Gatten, glückliche Nachkommenschaft gebärend, wohlgesinnten Geistes. Vāyu bewache deinen Rücken von oben, die beiden Aśvin mögen [dein Kind] an der Brust saugen lassen; kleide dich in Wohlstand, alle Götter mögen [dich] von hinten beschützen. Kinderlosigkeit, Enkel-Tod und Übel stoße gänzlich fort; wie einen Kranz vom Haupte lösend, löse ich die Fessel von den [dir] Feindseligen. Diesen [Segen] erbitte ich von dir, Varuṇa; du, Agni, sei uns [gewogen], du, Agni, sei uns wohlgesinnt und heilsam; sie, [die Braut], bringe uns Opfergaben dar — gib uns Heilmittel. (Ekāgnikāṇḍa 1,4, Fortsetzung) [Anm.: eine dichte Reihe von Segens- und Schutzformeln für das künftige häusliche Leben der Braut — Kinderreichtum, langes eheliches Leben, Schutz vor Witwenschaft und Unglück.]
Wort für Wort
somāya janivide svāhā
dem Soma für die Brautwerbung, Svāhā
daśāsyāṃ putrān ādhehi patim ekādaśaṃ kṛdhi
gib ihr zehn Söhne, mache den Gatten zum elften [GROSSER FUND: ≈ ṚV10,85,45]
aśūnyopasthā jīvantyā mātā
nicht leer sei ihr Schoß, [wünscht] die Mutter, während sie lebt
K.4: GROSSER FUND — die berühmte Bitte um zehn Söhne mit dem Gatten als elftem (≈ ṚV 10,85,45), eingebettet in eine dichte Folge von Segens- und Schutzformeln für Braut und künftiges Eheleben (Kinderreichtum, Schutz vor Witwenschaft, häusliches Glück).
[K.5:] Besteige [den Wagen], die du der Unsterblichkeit gleichst; sei fest wie das Himmelsgewölbe. Trete entgegen den Ausbreitenden, den mit tausendfacher Streitmacht Anrückenden. Diese Frau bringe ich her als Herrin des Geschlechts, ihr angenähert; lang sei mein Leben, mein Gatte lebe hundert Herbste. Am Anfang geleiteten sie dich, Sūryā, mit der Mitgift zum Umkreisen; gib, Agni, dem Gatten die Gattin zurück, samt Nachkommenschaft. Wieder gebe Agni die Gattin, samt Lebenskraft und Glanz; lang lebe er, ihr Gatte, hundert Herbste. Alle [Feinde] wollen wir wie mit einem Wasserstrom überfluten, die Feindseligen durchqueren. (Ekāgnikāṇḍa 1,5) [Anm.: eine Reihe von Segensformeln bei der Brautfahrt im Hochzeitswagen, verwandt mit dem Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85).] — [K.6, DIE WELTBERÜHMTE 'SĀMRĀJÑĪ'-STROPHE:] Durch Wahrheit ist die Erde gestützt, durch die Sonne ist der Himmel gestützt, durch Ṛta [die kosmische Ordnung] stehen die Ādityas am Himmel, [und] Soma ist [darüber] gegründet. Sie schirren den Falben [das Sonnenpferd] bei jedem Zug an, den hellen, den Seidenbaum, allgestaltig, goldfarben, wohlgerundet, mit gutem Rad — besteige [du, Braut,] die Welt jenes [Hauses], mache die Fahrt heilsam für den Gatten! Sei Herrscherin [Samrājñī] gegenüber dem Schwiegervater, sei Herrscherin gegenüber der Schwiegermutter, sei Herrscherin gegenüber der Schwägerin [des Gatten], sei Herrscherin über die Schwäger [des Gatten Brüder]. (Ekāgnikāṇḍa 1,6) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Werkes — dies ist die weltberühmte 'Sāmrājñī'-Strophe des Sūryā-Sūkta (ṚV 10,85,46), eine der meistzitierten Verse der gesamten vedischen Hochzeitsliteratur: der jungen Braut wird der Status einer 'Herrscherin' (Samrājñī) im Haus ihres Gatten gegenüber sämtlichen Schwiegerverwandten (Schwiegervater, Schwiegermutter, Schwägerin, Schwäger) zugesprochen — ein bis heute in modernen hinduistischen Hochzeitszeremonien rezitierter Segensspruch, der der Braut ausdrücklich Würde und Autorität im neuen Haushalt zuerkennt.]
Wort für Wort
dīrghāyurastu me patirjīvātu śaradaḥ śatam
lang sei mein Leben, mein Gatte lebe hundert Herbste
satyenottabhitā bhūmiḥ sūryeṇottabhitā dyauḥ
durch Wahrheit ist die Erde gestützt, durch die Sonne der Himmel
samrājñī śvaśure bhava
sei Herrscherin gegenüber dem Schwiegervater [GRÖSSTER FUND: die berühmte Sāmrājñī-Strophe, ṚV10,85,46]
samrājñyadhi devṛṣu
sei Herrscherin über die Schwäger
K.5: Segensformeln bei der Brautfahrt im Hochzeitswagen, verwandt mit dem Sūryā-Sūkta. K.6: GRÖSSTER FUND — die weltberühmte 'Sāmrājñī'-Strophe (ṚV 10,85,46), die der Braut den Status der 'Herrscherin' gegenüber allen Schwiegerverwandten zuspricht — bis heute Teil hinduistischer Hochzeitsriten.
tā mandasānā manuṣo duroṇa ā dhattaṃ rayiṃ daśavāraṃ vacasyave, kṛtaṃ tīrthaṃ suprapaṇaṃ svastau sthānaṃ pathe'stam apa durmatiṃ hatam, ayaṃ no goṣṭhāḥ pāraḥ svasti nas ta uttarā bhava dīrghāyutvāya vacase, asya pāre nir ṛtir avadrāṃ jīvo jyotir aśema, mahyam indras tasyai || (0.0.1.7, Anfang) ||
Freudig-erregt möget ihr [beide, Sonne und Feuer] im Hause der Menschen Reichtum spenden, zehnfach, dem Sprecher [des Segens]. Bereitet [uns] eine Furt, eine gute Überfahrt, zum Wohlergehen einen sicheren Standort auf dem Weg, [und] zum Heimatort [gelangend] werde Übelwollen abgewehrt. Dieser unser Rinderpferch [Zielort] sei uns das jenseitige [Ufer]; sei uns die höhere [Stätte] zu langem Leben und gutem Wort. Jenseits davon bleibe das Unheil, das Ungewisse, [uns] fern; lebendig mögen wir das Licht erlangen — mir [gebe] Indra jenes [Ziel]. (Ekāgnikāṇḍa 1,7, Anfang) [Anm.: ein Reisesegen für den Bräutigam bzw. das Brautpaar auf dem Weg zum neuen Heim, mit Bitte um eine sichere 'Überfahrt', Schutz vor Unheil und langes Leben; die Fortsetzung dieses Kaṇḍikā folgt in der nächsten Leseeinheit.]
Wort für Wort
kṛtaṃ tīrthaṃ suprapaṇaṃ svastau
bereitet eine Furt, eine gute Überfahrt, zum Wohlergehen
dīrghāyutvāya vacase
zu langem Leben und gutem Wort
K.7 (Anfang): ein Reisesegen für den Bräutigam bzw. das Brautpaar mit Bitte um sichere Ankunft, Schutz vor Unheil und langes Leben.
[K.7, Abschluss:] sambhṛtā sannim aghavā puro'vasarniṛkartā vihṛtaṃ punaḥ, iḍāmagne imaṃ me varuṇa tvāṃ yāmi, tvaṃ no'gne satvaṃ no'gne tvamagne ayāsi || (0.0.1.7) || [K.8, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT, Ankunft im neuen Heim und Haushalts-Einladung:] Eine Formel-Reihe ruft SINĪVĀLĪ (die Göttin des Neumondtags, Fruchtbarkeitsgöttin) und weitere häusliche Gottheiten zur Wohnstatt der Braut herbei, verbunden mit Segenswünschen für den Haushalt (Rinder, Ghee, reiche Nachkommenschaft, langes gemeinsames Leben von Braut und Bräutigam, 'hundert Herbste') — dabei mehrfach Anklänge an das Sūryā-Sūkta (Prajāpati/Indrāṇī als Hausherrinnen-Vorbilder) sowie eine Formel über Varuṇas Beistand. (Ekāgnikāṇḍa 1,8) || [K.9, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT, das feste Hausfeuer:] dhruvā kṣitir dhruva yonir dhruvam asi dhruvatiṣṭham, tvaṃ nakṣatrāṇāṃ madhye asi, mā sapāhi pṛtanyataḥ [...] — eine Formel, die das neu gegründete Hausfeuer (Gārhapatya) als 'fest, unerschütterlich, in der Mitte der Sternbilder stehend' anruft und um Schutz vor Anfeindung bittet; es folgen weitere kurze Segensformeln (u.a. eine Anrufung der sieben Ṛṣis als erste Opferbegründer) [?]. (Ekāgnikāṇḍa 1,9) || [K.10, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT, Sühneformeln gegen böswillige Rivalinnen:] Eine lange, für mehrere Gottheiten (Agni, Vāyu, Āditya, Prajāpati) fast wortgleich wiederholte Sühne-Opferformel: 'du bist die Sühne der Götter, [gehörst] den Brahmanen, ohne Beschützer' — gerichtet gegen eine namentlich nicht genannte feindselige Frauengestalt, die abwechselnd als 'Gattenmörderin' (patighnī), 'Kindermörderin' (prajāghnī), 'Glücks-(Lakṣmī-)Vernichterin' und 'Buhlerin' (jārghnī) bezeichnet wird — diese wird symbolisch dem Feuer geopfert (Svāhā), offenbar zur rituellen Abwehr einer rivalisierenden oder als bösartig geltenden (Ko-)Ehefrau bzw. eines entsprechenden bösen Blicks/Fluchs. Anschließend eine weitere dichte Formel-Reihe, die Freund und Feind, Zorn und Erkenntnis, die vier Vyāhṛtis u.a. Gegensatzpaare auflistet und jeweils dem 'Rachen des Hassers' zum Verbrennen übergibt. (Ekāgnikāṇḍa 1,10) [Anm.: eine bemerkenswerte, sozial aufschlussreiche Passage über rituelle Abwehr einer als Bedrohung der Ehe wahrgenommenen Rivalin — im Sinne der Projekt-Methode ungeschönt und vollständig wiedergegeben.] || [K.11, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT, Gebete um Kindersegen:] apaśyaṃ tvā manasā caikitānaṃ tapaso jātaṃ tapaso vibhūtam, iha prajām iha rayiṃ rarāṇaḥ prajāyasva prajayā putrakāmaḥ [...] — ein Gebet um Empfängnis und Nachkommenschaft, das den ehelichen Vollzug mit kosmischer Erzeugung (Tapas) parallelisiert, gefolgt von Anrufungen Prajāpatis, aller Götter und weiterer Segensformeln für Sohnesgeburt und langes gemeinsames Eheleben. (Ekāgnikāṇḍa 1,11) [?]
[K.7, Abschluss:] [ein abschließender Vers über sichere Rückkehr und Wohlstand, im Scan teilweise unsicher] [?]; dir, Agni — dich, Varuṇa, bitte ich um dies; du, Agni, sei uns [gewogen]. (Ekāgnikāṇḍa 1,7) — [K.8-11 sind wegen ihrer hohen Formeldichte und teils schwierigen Lesbarkeit oben bereits zusammenfassend im Sanskrit-Feld referiert und dort übersetzt; die wesentlichen Inhalte sind: K.8 Ankunft der Braut im neuen Heim mit Anrufung der Sinīvālī und häuslicher Gottheiten; K.9 Weihe des festen, 'unerschütterlichen' Hausfeuers; K.10 eine ungewöhnliche, sozial aufschlussreiche Sühneformel gegen eine als 'Gatten-/Kindermörderin' bzw. 'Buhlerin' bezeichnete Rivalin, mehrfach an verschiedene Gottheiten gerichtet; K.11 Gebete um Empfängnis und Sohnessegen.]
Wort für Wort
dhruvā kṣitirdhruvayoniḥ dhruvamasi dhruvatiṣṭham
fest ist die Wohnstatt, fest der Ursprung, fest bist du, fest stehend [Hausfeuer-Weihe]
patighnī prajāghnī lakṣmīghnī jārghnī
Gattenmörderin, Kindermörderin, Glücks-Vernichterin, Buhlerin [Bezeichnungen der abgewehrten Rivalin]
prajāyasva prajayā putrakāmaḥ
zeuge Nachkommenschaft, nach Söhnen verlangend
K.7 (Abschluss): Reisesegen-Abschluss. K.8 (zusammenfassend): Ankunft im neuen Heim, Anrufung der Sinīvālī. K.9 (zusammenfassend): Weihe des festen Hausfeuers. K.10 (zusammenfassend): eine bemerkenswerte, mehrfach wiederholte Sühneformel gegen eine als 'Gatten-/Kindermörderin' bzw. 'Buhlerin' geltende Rivalin — ungeschönt wiedergegeben. K.11 (zusammenfassend): Gebete um Empfängnis und Sohnessegen.
[K.12:] Menschen säen Samen; die zwei Schenkel öffnen sich mir bereitwillig; auf diese, begehrend, wollen wir das männliche Glied treffen [lassen]. (Ekāgnikāṇḍa 1,12) [Anm.: eine unverblümte Formel des ehelichen Vollzugs; im Sinne der Projekt-Methode ungeschönt und vollständig übersetzt.] — Besteige [mich], zärtlich als Kissen [dienend], umarme [meinen] Arm, o Gattin, wohlgesinnten Sinnes; dein Rücken sei das gemeinsame Paar-Lager, das viele Nachkommen mit der Fließenden [Sarasvatī, hier wohl übertragen: mit fruchtbarem Samen] erzeugt. Wie durch den Berg[gott] und die Wildnis [gesegnet], so [seist du], Opferherr, Mensch, Mächtiger; möget ihr beide, das Paar gleichen Ursprungs, mit Nachkommenschaft zur Unsterblichkeit gelangen. Ich lege den Embryo in den Schoß, hier, inmitten aller Welten. Ich habe Nachkommenschaft für die Ahnen erzeugt; ich will Söhne zeugen, ohne zu ermatten. Diese, mit Kindern gesegnet, erlange die volle Lebenszeit samt den Kindern. Die beiden Goldgeschmückten [Aśvin], die opferwürdigen, schätzereichen — sie mögen dem [Paar] gewogen sein; behaart sind eure Hände, [die ihr] den Göttern Dienst erweist. (Ekāgnikāṇḍa 1,12, Fortsetzung) — [K.13, DIE BERÜHMTE GARBHĀDHĀNA-(EMPFÄNGNIS-)FORMEL:] Viṣṇu bereite den Schoß, Tvaṣṭṛ forme die Gestalten, Prajāpati gieße [den Samen] ein, Dhātṛ lege dir den Embryo hinein. Lege den Embryo, Sinīvālī! Lege den Embryo, Sarasvatī! Den Embryo mögen dir die beiden Aśvin-Götter geben, die mit Lotoskränzen Geschmückten. Den goldenen Reibholz-Zapfen, den die beiden Aśvin quirlen — diesen Embryo rufen wir herbei, im zehnten Monat zur Geburt. Wie diese große Erde einen Embryo empfängt, so empfange auch du den Embryo, im zehnten Monat zur Geburt. Wie die Erde den Agni als Embryo, der Himmel den Indra als Embryo-tragenden, wie der Wind der Himmelsrichtungen Embryo ist — so lege ich dir den Embryo. Mit Viṣṇus bester Gestalt lege dieser Frau, der Kuhgleichen, einen männlichen Embryo, im zehnten Monat zur Geburt. Nicht falle er vorzeitig heraus, ausgebreitet [im Schoß liegend]; kehre er zurück [falls er sich löst]. Dieser, mir, die ich nach Söhnen verlange, lege den Embryo, der männlich sei. (Ekāgnikāṇḍa 1,13) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Werkes — 'viṣṇuryoniṃ kalpayatu, tvaṣṭā rūpāṇi piṃśatu, āsiñcatu prajāpatirdhātā garbhaṃ dadhātu te' ist die weltberühmte GARBHĀDHĀNA-FORMEL, bis heute zentraler Mantra-Bestandteil des gleichnamigen Garbhādhāna-Saṃskāra (des ersten der klassischen 16 vedischen Lebenszyklus-Riten, das den ehelichen Vollzug zur Zeugung ritualisiert). Der gesamte Abschnitt K.12-13 gehört zu den expliziteren Passagen der vedischen Ritualliteratur und wird hier, wie es die durchgehende Projektmethode verlangt, vollständig und ohne Beschönigung übersetzt.]
Wort für Wort
bījaṃ manuṣyā vapanti
Menschen säen Samen [Beginn des Fruchtbarkeitsrituals]
ahaṃ garbham adadhāmi upasthe
ich lege den Embryo in den Schoß
viṣṇuryoniṃ kalpayatu tvaṣṭā rūpāṇi piṃśatu
Viṣṇu bereite den Schoß, Tvaṣṭṛ forme die Gestalten [GRÖSSTER FUND: die weltberühmte Garbhādhāna-Formel]
āsiñcatu prajāpatirdhātā garbhaṃ dadhātu te
Prajāpati gieße ein, Dhātṛ lege dir den Embryo hinein
K.12-13: eine unverblümte Formelreihe zum ehelichen Vollzug als Fruchtbarkeits- und Zeugungsritual, kulminierend in K.13 in der GRÖSSTEN FUND dieses Werkes — der weltberühmten Garbhādhāna-Formel ('viṣṇuryoniṃ kalpayatu...'), bis heute Kernbestandteil des Garbhādhāna-Saṃskāra. Vollständig und ungeschönt übersetzt gemäß Projektmethode.
[K.14, zusammenfassend übersetzt:] Ich vollziehe für dich [das Prajāpati-gemäße] — der Embryo trete in den Schoß; voll [an Lebenskraft] sei die Geburt, die beiden Aśvin mögen [dabei] wandeln, geschmückt. Wenn ein männlicher [Embryo] dein Sohn [ist] oder eine weibliche [Tochter], dir werde [er/sie] nachgeboren; jene guten Samen möge der Stier [der Same] uns erzeugen. Durch diese mögest du Söhne gewinnen, gebärend Freude erfahren. [Es folgen Bitten um] Erfüllung des Verlangens, unbesiegt für mich; welchen Wunsch ich wünsche, den Gott [Wunsch] sollen [böse] Vögel [Vorzeichen] mir nicht wegtragen. Zuruf-Übel, Gegenruf-Übel, üble Rede, [feindliche] Umklammerung, bösen Traum, Unheil — dies alles weise ich von mir, von meinem Rücken, fort. (Ekāgnikāṇḍa 1,14) [Anm.: eine Reihe von Bitten um Kindersegen, verbunden mit Schutzformeln gegen böse Vorzeichen, Flüche und Albträume.] — [K.15, DER MORGEN-HYMNUS AN BHAGA:] Am Morgen rufen wir Agni, am Morgen Indra, am Morgen Mitra und Varuṇa, am Morgen die beiden Aśvin, am Morgen Bhaga [den Gott des Glücks], Pūṣan, Brahmaṇaspati; am Morgen rufen wir Soma und Rudra. Am Morgen wollen wir den siegreichen, gewaltigen Bhaga anrufen, den Sohn der Aditi, den Verteiler [der Güter] — ihn, den selbst der Bedürftige im Gedanken [anruft], der Eilende, ja selbst der König: 'Bhaga, gewähre mir [Anteil]!' Bhaga, Führer, Bhaga, Wahrhaft-Gabenreicher, Bhaga, fördere diese unsere Andacht, gib uns [Gewinn]! Bhaga, führe uns voran, mit Rindern, mit Pferden, Bhaga, mit Nachkommenschaft — glückbegabt [bhagavant] wollen wir sein! Und dazu, du Gabenreicher, sagen wir dir: glückbegabt seien wir, dir lieb; und, ihr Götter, glückbegabt seien wir mit ihm [Bhaga] — deshalb wollen wir glückbegabt sein. Diesen Bhaga rufe ich ganz [und gar] an; er sei uns Vorangeher. (Ekāgnikāṇḍa 1,15) [Anm.: FUND — dieser Morgen-Hymnus an Bhaga (den vedischen Gott des Glücks und Anteils/der ehelichen Segnung) ist eng verwandt mit dem berühmten Bhaga-Sūkta ṚV 7,41 ('prātar agnim prātarindram havāmahe'), einem der bekanntesten vedischen Morgengebete, das bis heute in der Sandhyāvandana-Tradition Verwendung findet — hier im Kontext der Hochzeitsriten sinnfällig auf das eheliche Glück (Bhaga) bezogen.]
Wort für Wort
duṣṣvapnaṃ durhitaṃ tad idaṃ pṛṣṭhāddiśāmyaham
bösen Traum und Unheil weise ich von meinem Rücken fort
prātaragnim prātarindraṃ havāmahe
am Morgen rufen wir Agni, am Morgen Indra [FUND: ≈ ṚV7,41, Bhaga-Sūkta]
bhaga praṇetarbhaga satyarādhaḥ
Bhaga, Führer, Bhaga, Wahrhaft-Gabenreicher
bhagavantaḥ syāma
glückbegabt wollen wir sein [Kehrvers]
K.14 (zusammenfassend): Bitten um Kindersegen verbunden mit Schutz vor bösen Vorzeichen und Flüchen. K.15: FUND — der Morgen-Hymnus an Bhaga, eng verwandt mit dem berühmten Bhaga-Sūkta ṚV 7,41, hier auf das eheliche Glück bezogen.
[K.16:] imāṃ khanāmy oṣadhiṃ vīryeṇa balavattamām, yayā sapatnīṃ bādhate yayā saṃvindate patim, uttānaparṇe subhage devajūte sahasvati, sapatnīṃ me parā dhama patim me kevalaṃ kṛdhi, uttarāham uttara uttarebhyo'thāvarā, adhaḥ sapatnī yā mamādharā sādharā bhavatu, na hyasyā nāma gṛhṇāmi no asminn ramate jane, parameṇa parāvatā sapatnīṃ gamayāmasi, aham asmi sahamānā tvam asi sahīyasi, ubhe sahasvatī bhūtvā sapatnīṃ me sahāvahai, upa te'dhāṃ subhage mahyaṃ tvā sahīyasi, mām anu pra te mano vatsaṃ gaur iva dhāvatu, patham vartanim anu gauriva dhāvatu || (0.0.1.16) || [K.17:] udāsau sūryo agāt, udayan māmako bhagaḥ, aham tadviduṣī patim abhy asi viṣāsahiḥ, aham ketur ahaṃ mūrdhā, aham ugrā vivācanī, mameda anu kratuṃ patiḥ senānyā uva carat, mama putrāḥ śatruhaṇo, atho me duhitā virāṭ, utāham asmi saṃjayā, patyau me śloka uttamaḥ, yenendro'bhavat sapatnī kilbiṣād uttamaḥ, aham etac chriyā devāḥ asapatnaṃ sapatnīhā, ajaiṣam abhibhūvarī, khorāṣā vidhi vīryam || (0.0.1.17) ||
[K.16, DIE 'NEBENFRAUEN-VERTREIBENDE PFLANZE':] Ich grabe diese Pflanze aus, die Kraftvollste an Wirkkraft, mit der man die Nebenfrau vertreibt, mit der man den Gatten ganz für sich gewinnt. Du mit aufgerichtetem Blatt, Glückliche, Gottgesandte, Übermächtige — verbanne die Nebenfrau von mir, mache mir den Gatten ganz allein [zu eigen]. Ich sei die Höhere, die Höchste unter den Höheren, die Nebenfrau aber, die Niedrigere, sei tiefer als die Niedrigen. Nicht nenne ich ihren Namen, nicht erfreue sie sich an diesem Manne; in fernste Ferne treiben wir die Nebenfrau. Ich bin die Überwältigende, du bist die noch Mächtigere; beide, übermächtig geworden, wollen wir die Nebenfrau [gemeinsam] überwältigen. Ich habe dich mir angelegt, Glückliche, dich, die Mächtigere, für mich; mir folge dein Sinn nach, wie das Kalb der Kuh nachläuft, wie [die Kuh] dem Pfad, der Fährte nachläuft. (Ekāgnikāṇḍa 1,16) [Anm.: GROSSER FUND — dieser Hymnus über die 'Nebenfrauen-vertreibende Pflanze' ist eng verwandt mit einer bekannten Gattung von Atharvaveda-Zaubersprüchen gegen Rivalinnen (Sapatnī-Bādhana-Sūktas, vgl. AV 10,145 u.ä.), die von einer Ehefrau mithilfe einer magischen Pflanze rezitiert wurden, um die ausschließliche Zuneigung des Ehemannes zu sichern und eine Nebenfrau (Sapatnī) fernzuhalten — ein aufschlussreiches Zeugnis der sozialen Realität polygamer Ehen im vedischen Indien. Im Sinne der Projektmethode vollständig und ungeschönt übersetzt.] — [K.17, Fortsetzung, die Sprecherin erklärt sich zur Siegerin:] Dort ist die Sonne aufgegangen, [ebenso] ist mein Glück [Bhaga] aufgegangen; ich, dies wissend, bin dem Gatten überlegen, überwältigend. Ich bin das Banner, ich bin das Haupt, ich bin die gewaltige, laut Redende; eben meiner Absicht gemäß wandelt der Gatte, wie ein Heerführer [seinen Truppen folgend]. Meine Söhne sind Feindzerschmetterer, und meine Tochter ist eine Herrscherin; und ich selbst bin die Siegreiche, beim Gatten von höchstem Ansehen. Wodurch Indra über [seine] Rivalinnen zur höchsten [Macht] gelangte, [dasselbe erlangte] ich durch Glanz, Göttern [gleich], ohne Rivalin, die Rivalin-Bezwingerin; ich habe gesiegt, die Überwältigende — [sie ist] schwach, [ich habe] die Kraft errungen. (Ekāgnikāṇḍa 1,17) [Anm.: die triumphierende Fortsetzung des vorigen Zauberspruchs, in der die Sprecherin sich mit Indras Sieg über seine Rivalen vergleicht — ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein der Ich-Sprecherin in diesem sozial aufschlussreichen Ritualtext.]
Wort für Wort
imāṃ khanāmyoṣadhiṃ vīryeṇa balavattamām
ich grabe diese kraftvollste Pflanze aus [GROSSER FUND: Sapatnī-Bādhana-Zauberhymnus, vgl. AV10,145]
sapatnīṃ me parā dhama patim me kevalaṃ kṛdhi
verbanne die Nebenfrau von mir, mache mir den Gatten ganz allein zu eigen
ahametacchriyā devāḥ asapatnaṃ sapatnīhā
ich habe dies durch Glanz erlangt, ohne Rivalin, die Rivalin-Bezwingerin
K.16-17: GROSSER FUND — ein Zauberhymnus (Sapatnī-Bādhana) gegen eine Nebenfrau/Rivalin, eng verwandt mit Atharvaveda-Material (vgl. AV 10,145); die Sprecherin erklärt sich in K.17 triumphierend zur Siegerin, verglichen mit Indras Sieg über seine Rivalen. Vollständig und ungeschönt übersetzt gemäß Projektmethode; sozial aufschlussreiches Zeugnis polygamer Eheverhältnisse im vedischen Indien.
[K.18, zusammenfassend übersetzt:] Eine umfassende, von Kopf bis Fuß fortschreitende Formel, die [ein Übel/eine Krankheit/einen Fluch] aus jedem einzelnen Körperteil 'herausreißt' (vivṛhāmi, 'ich reiße heraus'): aus den Augen, der Nase, den Ohren, dem Kinn, dem Gehirn, der Zunge, dem Nacken, dem Genick, den Rippen, den Armen, dem Darm, dem Herzen, der Leber, den Lungenflügeln, den Schenkeln, den Knien, den Waden, den Fußballen, den Hüften, dem Gesäß, dem Geschlechtsteil, den Körperhaaren, den Nägeln — kurz: aus dem gesamten eigenen Selbst wird [das Übel] herausgerissen. Gib die bunte [Kuh/Gabe] hin, verteile den Reichtum an die Brahmanen! (Ekāgnikāṇḍa 1,18) [Anm.: eine umfassende Ganzkörper-Exorzismus- bzw. Reinigungsformel, die systematisch jeden Körperteil von Kopf bis Fuß durchgeht — strukturell verwandt mit ähnlichen Ganzkörper-Reinigungslisten aus Prapāṭhaka 10 (dort allerdings zur positiven 'Reinigung', hier zur negativen 'Herausreißung' eines Übels formuliert).] Es folgt ein knapper mnemonischer Formel-Index sowie die Schlussformel: 'Betrachte die Gestalten der Sonnentochter [Sūryā] — dies rezitiert der oberste Brahmane-Priester.' — So endet im Ekāgnikāṇḍa der erste Praśna.
Wort für Wort
akṣibhyāṃ te nāsikābhyāṃ karṇābhyāṃ vivṛhāmi te
aus deinen Augen, deiner Nase, deinen Ohren reiße ich [das Übel] heraus
sarvasmādātmanastvāmimaṃ vivṛhāmi te
aus deinem gesamten Selbst reiße ich dies für dich heraus
iti ekāgnikāṇḍe prathamaḥ praśnaḥ
so endet im Ekāgnikāṇḍa der erste Praśna
K.18: eine systematische Ganzkörper-Übel-Austreibungsformel von Kopf bis Fuß, strukturell verwandt mit den Reinigungslisten aus Prapāṭhaka 10. Schließt Praśna 1 (Hochzeitsriten) des Ekāgnikāṇḍa ab.
Mit einer bestimmten warmen, windentfachten [Kraft/Klinge] scheren möge er das Haar; die Wasser mögen [dich] befeuchten zum Leben, zu langem Leben, zu Glanz — [dass du] lange die Sonne schauen mögest. [Mit dem Rasiermesser], das dem König Soma und dem wissenden Varuṇa gehört, damit schere der Brahmane; [er sei] zu langem Leben bestimmt. Womit Pūṣan, von Bṛhaspati angetrieben, und mit dem König [Soma vereint ist] — damit schere ich dich, zu deinem Leben, zu Glück und Wohlergehen. Womit man abermals lange die Sonne zu schauen vermag — damit schere ich dich, zu deinem Leben, zu Glück und Wohlergehen. Damit schere ich dich, o [Genannter], zu Glanz durch Vāyu, auf dass du lange wohlgesinnten Herzens seiest. (Ekāgnikāṇḍa 2,1, Anfang) [Anm.: Beginn des zweiten Praśna, der von Hochzeitsriten zu einem neuen Thema übergeht: dem rituellen HAARSCHEREN (Keśavapana), das in der klassischen Gṛhyasūtra-Literatur u.a. als eigenständiger Lebenszyklus-Ritus (verwandt mit Godāna, der 'Bartschur'-Zeremonie bei Erreichen der Reife, bzw. periodischen Reinigungs-Rasuren) vorkommt. Das Rasiermesser wird der Reihe nach mit Soma, Varuṇa, Pūṣan, Bṛhaspati und [nachfolgend] weiteren Göttern in Verbindung gebracht, um Langlebigkeit, Glanz und Wohlergehen zu sichern.]
er schere das Haar, die Wasser mögen befeuchten zu Leben, langem Leben, Glanz
kṣureṇa somasya rājño varuṇasya vidvān
mit dem Rasiermesser, das dem König Soma und dem wissenden Varuṇa gehört
Praśna 2, K.1 (Beginn): das rituelle Haarscheren (Keśavapana), verwandt mit dem Godāna-Saṃskāra der Gṛhyasūtra-Literatur, mit Segenswünschen für langes Leben und Glanz, das Rasiermesser der Reihe nach verschiedenen Gottheiten zugeordnet.
[K.2, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte:] āyurdā deva jarasā gṛṇāno ghṛtapratīko ghṛtapṛṣṭho agne, ghṛtaṃ pibann amṛtaṃ cāru gavyaṃ pitreva putraṃ jarase nayan mām, ā tiṣṭha imam āsanam ajaram eva tvaṃ sthiro bhava [...] jaraṃ gacchasi paridhatsva vāso bhava kṛtaśrāstetavasanaṃ me śiraḥ, śataṃ ca jīva śarada suvarcā rāyaḥ poṣam upa seva [...] śataṃ ca jīva śarada [...] || (0.0.2.2) || [K.3, DAS FEIERLICHE HAND-ERGREIFEN:] āgraha smagra mahi prasu mṛtyuṃ yuyotana, ariṣṭāḥ saṃcaremahi svastyā gṛhebhyaḥ, samudrād irmimā udārah pūmā, sammattam avasyāma, ime na te raśmayaḥ sūryasya yebhiḥ sapatyaṃ pitaro na āyan, agniṣṭe hastam agrabhīt somas te hasta magrabhīt, te hasta magrabhītpuṣā sarasvatī te hasta magrabhīt puṣā te hasta magrabhīd dhastam agrabhīd agnīṣomau te hastam agrabhītāṃ mitrāvaruṇau te hastam agrabhītām aśvinau te hastam agrabhītāṃ dharmaṇāgriṇā ācāryas tava, agnaye tvā pari dadāmy asau somāya tvā pari dadāmy asau savitre tvā pari dadāmy asau sarasvatyai tvā pari dadāmy asau mṛtyave tvā pari dadāmy asau yamāya tvā pari dadāmy asau'ntakāya tvā pari dadāmi asau gayāya tvā pari dadāmy asau vanaspatibhyas tvā pari dadāmi asau pṛthivyai tvā pari dadāmy asau sarveṣāṃ ca rāye pari dadāmi || (0.0.2.3) ||
[K.2, zusammenfassend übersetzt:] 'Lebenspendender Gott, im Alter Anzurufender, mit Ghee übergossenem Antlitz, mit Ghee übergossenem Rücken, Agni — Ghee trinkend, süße Unsterblichkeit, kuhmilchhaltig, wie ein Vater den Sohn ins Alter führend, so führe [auch] mich.' Es folgen weitere Formeln: 'Besteige diesen Sitz, sei du selbst alterslos, sei fest [...] wenn du ins Alter gehst, umhülle dich mit einem Gewand, sei mein Haupt mit einem wohlgemachten Kopfschmuck versehen; lebe hundert Herbste, glanzvoll, dem Wohlstand zugetan [...] lebe hundert Herbste [...]'. (Ekāgnikāṇḍa 2,2) [Anm.: eine Reihe von Alters- und Langlebigkeitssegen, die — wie schon im Prapāṭhaka 10 gesehen ('paśyema śaradaḥ śatam', 'lasst uns hundert Herbste sehen') — das Erreichen eines hohen, würdevollen Alters wünschen.] — [K.3, DAS FEIERLICHE HAND-ERGREIFEN:] 'Wir sind gekommen, wir sind zusammengekommen; haltet den Tod fern; unversehrt wollen wir [zu unseren] Häusern wandern.' [Eine kurze, im Scan unsichere kosmologische Passage über den Ozean folgt] [?]. 'Dies sind uns die Sonnenstrahlen, mit denen die Ahnen [einst] in Gemeinschaft gingen. Agni ergriff deine Hand, Soma ergriff deine Hand, Pūṣan ergriff deine Hand, Sarasvatī ergriff deine Hand; Agni-und-Soma [gemeinsam] ergriffen deine Hand, Mitra-und-Varuṇa ergriffen deine Hand, die beiden Aśvin ergriffen deine Hand — durch Ordnung [Dharma] ist dein Lehrer [dir] der Erstgreifer.' — 'Dem Agni übergebe ich dich, [Genannter]; dem Soma übergebe ich dich; dem Savitṛ übergebe ich dich; der Sarasvatī übergebe ich dich; dem Tod übergebe ich dich; dem Yama übergebe ich dich; dem Antaka [dem 'Beender'] übergebe ich dich; dem Gaya übergebe ich dich; den Waldbäumen übergebe ich dich; der Erde übergebe ich dich; und allen [Göttern] zusammen übergebe ich dich, zum Wohlstand.' (Ekāgnikāṇḍa 2,3) [Anm.: eine feierliche, formelhafte Übergabe-Zeremonie, bei der die zu scherende oder in einen neuen Lebensabschnitt eintretende Person symbolisch der Reihe nach an eine ganze Kette von Gottheiten und kosmischen Mächten 'übergeben' wird (Agni, Soma, Savitṛ, Sarasvatī, aber auch Tod/Yama/Antaka) — strukturell dem 'Hand-Ergreifen' (Pāṇigrahaṇa) der Hochzeitsriten aus Praśna 1 verwandt, hier jedoch auf einen anderen rituellen Kontext (Übergang in eine neue Lebensphase, evtl. Altersweihe oder Todesvorbereitung) übertragen — bemerkenswert ist die ausdrückliche Einbeziehung des Todes und Yamas in die Reihe der 'Empfangenden'.]
dem Agni übergebe ich dich [Beginn der Übergabe-Kette]
mṛtyave tvā pari dadāmi yamāya tvā pari dadāmi
dem Tod übergebe ich dich, dem Yama übergebe ich dich
K.2 (zusammenfassend): Alters- und Langlebigkeitssegen beim Haarscheren. K.3: eine feierliche Übergabe-/Hand-Ergreifen-Zeremonie, die die Person der Reihe nach an Agni, Soma, Savitṛ, Sarasvatī, aber auch an Tod, Yama und Antaka 'übergibt' — strukturell dem Pāṇigrahaṇa der Hochzeit verwandt, hier auf einen Übergangsritus (Altersweihe/Todesvorbereitung) übertragen.
devasya tvā savituḥ prasave aśvinor bāhubhyām, pūṣṇo hastābhyām ā dade, sujātā prajayā bhūyāḥ suvīro vīravat suvarcasaḥ, suposaḥ poṣair brahmacaryam āgām, upa mā nayasva, devena savitrā prasūtaḥ, komanāmāsyaḥ, nāmāsmi, kasya brahmacāryasya, prāṇasya brahmacāryasya, veṣa te, deva sūrya, brahmacārī tam gopāya, ma stainiṣṭha ta sūrya putra, sadā dīrghāyuḥ, sa mṛta, yāt svasti mitraṃ agnirvāyuḥ āpo divam nu caranti, tāgg svastimanu carāsāvadhvanā ma upa pattryā śreyaḥsam avanapa pārama śāyaḥ || (0.0.2.3, Fortsetzung) ||
Dich [nehme ich], durch die Anregung des Gottes Savitṛ, mit den Armen der beiden Aśvin, mit den Händen des Pūṣan, ergreife ich [dich]. Wohlgeboren an Nachkommenschaft mögest du sein, von guten Helden, heldenreich, von gutem Glanz, wohlgenährt durch Nahrung; ich bin zum Brahmacarya [Studentendasein] gekommen — führe mich [hinein]! — Vom Gott Savitṛ angetrieben — wer bist du dem Namen nach? [Antwort:] Ich bin [mit Namen] Soundso. — Wessen Brahmacārin [bist du]? [Antwort:] Ich bin der Brahmacārin des Lebenshauches [Prāṇa]. — Dein Gewand [Kleid des Studenten] sei, Gott Sūrya, [das eines] Brahmacārin; behüte ihn! Nicht sei er ein Dieb, [er,] Sohn der Sonne; stets sei er langlebig, er möge [erst spät] sterben. Wie Mitra, Agni, Vāyu [und] die Gewässer heilvoll zum Himmel wandeln, so wandle auch du, heilvoll, auf deinem Weg; komm mir zu Fuß entgegen — zum Besseren hin, [jenseits] hinüberführend, [entkomme] dem [Übel] am jenseitigen Ufer. (Ekāgnikāṇḍa 2,3, Fortsetzung) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Werkes — dies ist die weltberühmte UPANAYANA-ZEREMONIE ('das Heranführen'), die 'Investitur' mit der heiligen Schnur (Yajñopavīta) und der formelle Eintritt eines jungen Brahmanen (oder generell Zweifachgeborenen) in das vedische Studentendasein (Brahmacarya) unter der Führung eines Lehrers (Ācārya). Der charakteristische Frage-Antwort-Dialog ('Wer bist du? — Ich bin dem Namen nach Soundso. — Wessen Brahmacārin bist du? — Ich bin der Brahmacārin des Prāṇa') ist bis heute — in praktisch unveränderter Form — fester Bestandteil der Upanayana-Zeremonie in zahlreichen Gṛhyasūtra-Traditionen (Āpastamba, Pāraskara u.a.) und markiert einen der bedeutendsten der klassischen 16 Lebenszyklus-Riten (Saṃskāras) des Hinduismus — vergleichbar an Gewicht mit der bereits übersetzten Garbhādhāna- und Hochzeits-(Vivāha-)Zeremonie desselben Werkes.]
Wort für Wort
brahmacaryamāgām upa mā nayasva
ich bin zum Studentendasein gekommen, führe mich hinein [GRÖSSTER FUND: Beginn der Upanayana-Formel]
kasya brahmacāryasya prāṇasya brahmacāryasya
wessen Brahmacārin bist du? — des Prāṇa Brahmacārin [klassischer Upanayana-Dialog]
deva sūrya brahmacārī tam gopāya
Gott Sūrya, behüte diesen Brahmacārin
K.3, Fortsetzung: GRÖSSTER FUND — die berühmte Upanayana-(heilige-Faden-)Zeremonie mit dem charakteristischen Frage-Antwort-Dialog zwischen Lehrer und Schüler ('wessen Brahmacārin bist du? — ich bin der Brahmacārin des Prāṇa'), bis heute Kernbestandteil dieses zentralen vedischen Lebenszyklus-Ritus.
[K.4, ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte:] yoge yoge tavas tara imam agna āyuṣe varcase kṛṇudhi, śataṃ nas taraṃ deva yatra na kṣatrā jarasaṃ tanūnām, putrāso yatra pitaro bhavanti mā no madhyā rīriṣatāyur gantoḥ, agniṣṭa āyuḥ pratarāṃ dadhātu āyuṣṭe puṣṭiṃ prataraṃ kṛṇotu, indras te marudbhir ṛtu kṛṇotu, ādityais te vasubhir dhātu dadhātu, medhāṃ mahyam agnir asau medhāṃ me sasarpayo dadhat, medhāṃ me prajāpatir medhāṃ dadātu, apsarasu ca yā medhā gandharveṣu ca yad manaḥ, daivī medhā mānuṣī medhā sā mām āviśatv idam, imaṃ ma varuṇa tvā yāmi, tvaṃ no'gne satvaṃ no'gne tvamagne ayāsi, rāṣṭrabhṛdasyācāryas tan mā tad viṣvitattham || (0.0.2.4) || [K.5, DAS SOLIDARITÄTS-GELÜBDE UND DIE VRATA-GEGENSATZPAARE:] susravaḥ susravasaṃ mā kuru, yathā tvaṃ susravaḥ susravā asyemahi, susravaḥ bhūyāsaṃ yathā tvaṃ susravo devānām nidhigopo'syemahi, brāhmaṇānāṃ brahmaṇi nidhigopo bhūyāsam, smṛtaṃ ca me'smṛtaṃ ca me tan ma ubhayaṃ vratam, nindā ca me'nindā ca me tan ma ubhayaṃ vratam, śraddhā ca me'śraddhā ca me tan ma ubhayaṃ vratam, vidyā ca me'vidyā ca me tan ma ubhayaṃ vratam, śrutaṃ ca me'śrutaṃ ca me tan ma ubhayaṃ vratam, satyaṃ ca me'nṛtaṃ ca me tan ma ubhayaṃ vratam, tapaśca me'tapaśca me tan ma ubhayaṃ vratam || (0.0.2.5) ||
[K.4, zusammenfassend übersetzt:] Bei jedem Zug [des Ritus] mache [mich], Agni, stärker, zu Leben, zu Glanz; hundert Jahre [gib] uns, du Gott, in denen kein Herrschaftsverfall unserer Leiber [eintrete]; wo Söhne [selbst noch] Väter werden — nicht schädige [du] mittendrin unser Leben im Gehen. Agni gebe dir längeres Leben, er verschaffe dir größeres Gedeihen; Indra ordne dir [die Zeiten] mit den Marut, mit den Ādityas und Vasus gebe er dir Grundlage. Mir gebe Agni Weisheit [Medhā], er verleihe mir kriechende [d.h. sich einschleichende, allmählich wachsende] Weisheit; mir gebe Prajāpati Weisheit. Die Weisheit, die bei den Apsaras, und der Geist, der bei den Gandharven [ist] — die göttliche Weisheit, die menschliche Weisheit, sie erfülle mich hiermit. Dies erbitte ich von dir, Varuṇa; du, Agni, sei uns [gewogen], du, Agni, sei uns nahe. Der Lehrer ist der Stützer des Reiches [Rāṣṭra] — dies [erkenne] ich in mannigfacher Weise. (Ekāgnikāṇḍa 2,4) [Anm.: eine Reihe von Segensformeln für den neuen Schüler — Langlebigkeit, Gedeihen und vor allem Weisheit (Medhā), unter erneutem Rückgriff auf das bereits aus Prapāṭhaka 10 bekannte Medhā-Sūkta-Motiv.] — [K.5, DAS SOLIDARITÄTS-GELÜBDE UND DIE VRATA-GEGENSATZPAARE:] Mache mich, Guten-Ruf-Habender, zu einem Guten-Ruf-Habenden; wie du von gutem Ruf bist, so wollen wir von gutem Ruf sein; guten Ruf möge ich erlangen, wie du der 'Schatzhüter' der Götter bist, [so] wollen wir es sein; der Schatzhüter des Brahman-[Wissens] der Brahmanen möge ich sein. Erinnertes und Nicht-Erinnertes von mir — das beide sei mein Gelübde. Tadel und Nicht-Tadel von mir — das beide sei mein Gelübde. Glaube und Unglaube von mir — das beide sei mein Gelübde. Wissen und Nicht-Wissen von mir — das beide sei mein Gelübde. Gehörtes und Nicht-Gehörtes von mir — das beide sei mein Gelübde. Wahrheit und Unwahrheit von mir — das beide sei mein Gelübde. Askese und Nicht-Askese von mir — das beide sei mein Gelübde. (Ekāgnikāṇḍa 2,5) [Anm.: FUND — diese bemerkenswerte 'Vrata-Gegensatzpaar'-Formel, die sieben Paare gegensätzlicher Zustände (erinnert/vergessen, Tadel/Lob, Glaube/Unglaube, Wissen/Unwissen, Gehörtes/Ungehörtes, Wahrheit/Unwahrheit, Askese/Nicht-Askese) jeweils gleichermaßen als 'Gelübde' (Vrata) erklärt, drückt eine bemerkenswert reife Haltung geistiger Gelassenheit gegenüber Erfolg und Misserfolg im Studium aus — der Schüler verpflichtet sich, beide Seiten jedes Gegensatzpaares gleichmütig als Teil seines Studenten-Gelübdes anzunehmen, statt nur die positiven Ergebnisse anzustreben.]
Wort für Wort
medhāṃ mahyam agnir asau dadhat
Agni verleihe mir Weisheit [Medhā]
susravaḥ susravasaṃ mā kuru
mache mich zu einem Guten-Ruf-Habenden [Solidaritätsformel Lehrer-Schüler]
smṛtaṃ ca me'smṛtaṃ ca me tanma ubhayaṃ vratam
Erinnertes und Nicht-Erinnertes von mir — das beide sei mein Gelübde [FUND: Vrata-Gegensatzpaar-Formel]
satyaṃ ca me'nṛtaṃ ca me tanma ubhayaṃ vratam
Wahrheit und Unwahrheit von mir — das beide sei mein Gelübde
K.4 (zusammenfassend): Segensformeln für den neuen Schüler (Langlebigkeit, Gedeihen, Weisheit/Medhā). K.5: FUND — das Solidaritäts-Gelübde zwischen Lehrer und Schüler sowie die bemerkenswerte Vrata-Gegensatzpaar-Formel (erinnert/vergessen, Tadel/Lob usw. je als gleichwertiges Gelübde erklärt) — ein Ausdruck geistiger Gelassenheit gegenüber Erfolg und Misserfolg im Studium.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte:] pari tvāgne pari mṛjāmy āyuṣe ca dhanāya ca, suprajāḥ prajābhi bhūyāsaṃ suvīro vīraiḥ suvarcā varcasā, supoṣaḥ poṣair sugṛho gṛhe, sumedhā medhayā subrahmā brahmacāribhiḥ, agnaye samidham āhārṣaṃ bṛhate jātavedase, evaṃ mām āyuṣā varcasā sannaṃ medhayā prajayā paśubhir brahmavarcasenānnādhyena samedhaya svāhā, tejo'sy adhipatir mahi svāhā, samidasi samadhipatimahi svāhā, apo adhy anvacāri, rasena āgaman, taṃ mā saṃsṛja varcasā, saṃ mā sṛja prajayā ca dhanena ca svāhā, vidyunn asya devā indro vidhāt sahasrarṣibhiḥ svāhā, agnaye bṛhate nākāya svāhā, dyāvāpṛthivī āgacchaḥ, eta na indhaḥ, imāṃ samidham vardhasva cāpyāsva ca, tayāhaṃ vardhamāno bhūyāsam āpyāyamānaśca svāhā, yo mā agne bhāgī santam athāgaṃ cikīrṣaty agnaṃ, taṃ kuru mām agne bhāginaṃ mama agne, samidhāgāya sarvato bhūyāsagg svāhā, brahmacaryasyopaśānaṃ karma kuru, mā suṣupthāḥ || (0.0.2.6) ||
[zusammenfassend übersetzt:] 'Rings umgebe ich dich, Agni, zu Leben und Reichtum; reich an guten Nachkommen möge ich sein, heldenreich an Helden, glanzvoll an Glanz, wohlgenährt an Nahrung, mit gutem Haus im Haushalt, weise an Weisheit, [reich] an gutem Brahman-[Wissen] durch meine Mitschüler [Brahmacārins]. Ich habe Brennholz für Agni herbeigebracht, den großen, den Allwissenden [Jātavedas]; so mehre auch mich, mit Leben, Glanz, Nahrung, Weisheit, Nachkommenschaft, Vieh und dem Glanz des heiligen Wissens, Svāhā.' — 'Du bist Glut, der große Herrscher, Svāhā; du bist Brennholz, der große Mit-Herrscher, Svāhā. [Es folgen weitere, im Scan teils unsichere Formeln über das Eintauchen in Wasser und Saft, verbunden mit der Bitte, mit Glanz, Nachkommenschaft und Reichtum vereint zu werden.] 'Mit Blitz [verband sich] dieser Gott, Indra ordnete [es] mit den tausend Ṛṣis, Svāhā; Agni, dem großen Himmelsgewölbe, Svāhā; Himmel und Erde, kommt her, entzündet dies für uns! Mehre dieses Brennholz und lass es gedeihen; dadurch möge auch ich wachsend und gedeihend werden, Svāhā. Wer mich, Agni, [obwohl ich] am [Opfer-]Anteil bin, dennoch zu verdrängen sucht, Agni — den [verdränge du stattdessen]; mache mich, Agni, zum Anteilhaber; durch mein Brennholz-Anzünden möge ich in allem [Erfolg] haben, Svāhā.' — Verrichte das Werk der Ruhe des Studentendaseins [d.h. die vorgeschriebenen täglichen Pflichten] — schlafe nicht übermäßig! (Ekāgnikāṇḍa 2,6) [Anm.: eine dichte Reihe von Feueropfer-Begleitformeln, mit denen der Schüler bei seinem täglichen Agnihotra um Lebenskraft, Nachkommenschaft, Weisheit und Erfolg bittet, abgeschlossen mit der knappen, eindringlichen Mahnung zur Wachsamkeit und gegen Trägheit im Studium — 'schlafe nicht übermäßig', ein bis heute sprichwörtlich gewordener Ausdruck asketischer Studien-Disziplin.]
Wort für Wort
suprajāḥ prajābhi bhūyāsam
reich an guten Nachkommen möge ich sein
brahmacaryasyopaśānaṃ karma kuru mā suṣupthāḥ
verrichte das Werk der Studentenpflicht, schlafe nicht übermäßig [Mahnung zur Disziplin]
K.6 (zusammenfassend): Feueropfer-Begleitformeln für den Schüler mit Bitten um Lebenskraft, Nachkommenschaft, Weisheit und Erfolg, abgeschlossen mit der eindringlichen Mahnung zu Wachsamkeit und Studiendisziplin ('schlafe nicht übermäßig').
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte und teils unsicherer Lesung, [?]:] sā mā hiraṇyavarcasaṃ brahmavarcasinaṃ mā karotu, apāṃ oṣadhīnām oṣadhi, śivā... śataṃ śarado āyuṣe varcase jīvātyai puṇyāya, revatīs tvā vy aśnotv iti || (0.0.2.7) || sahavarcasā nava ca || [K.8:] āyur yudha varcasā, mahad vīryaṃ rayaspoṣam, idaṃ hiraṇyaṃ jaitram āviśatāṃ mām, uccair vādi pṛtanājisaṃsāhaṃ dhanañjayam, sarvāṃ samṛddhīr ṛddhayo hiraṇye'sminn samāhitāḥ || (0.0.2.8) || saṃrādhanīmaham nava ca || [K.9:] mayi parvatapuruṣaṃ mayi parvatavarcasaṃ mayi parvatabheṣajaṃ mayi parvatāyuṣam, idaṃ tat punar ādade dīrghāyutvāya varcase, pratiṣṭho devānāṃ mā saṃtānām, prajāpatiḥ śaraṇam asi brahmaṇaśchadviḥ, devasya tvā savituḥ prasave aśvinor bāhubhyāṃ pūṣṇo hastābhyām ā dade, rāṣṭrabhṛd asyācāryas tan mā tad viṣvitattham, rāṣṭrabhṛd asya sabhāsad tan mā tad viṣvitattham, rāṣṭrabhṛd asya dampatī tan mā tad viṣvitattham || (0.0.2.9) ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] bei mehreren Lesarten:] K.7 (Abschluss der Haarscheren-Segnungen): 'Sie [die Schur] soll mich nicht meines goldenen und Brahman-Glanzes berauben' — es folgen Segensformeln der Kräuter/Gewässer, gütig [?], für hundert Herbste, zu Leben, Glanz, Lebenskraft und Verdienst; 'die Reiche [Göttin Revatī] möge dich erreichen'. (Ekāgnikāṇḍa 2,7) — K.8: eine GOLD-/DAKṢIṆĀ-SEGENSFORMEL: 'Mit Leben, mit Kraft und Glanz, mit großer Heldenkraft, mit Reichtums-Gedeihen [erfülle mich]; dieses siegreiche Gold möge in mich eingehen; laut rufend im Kampfgetümmel, den Reichtum gewinnend; alle Fülle und alles Gedeihen sei in diesem Golde gesammelt.' [Anm.: diese Formel begleitet vermutlich die Übergabe der Gold-Dakṣiṇā (Priestergabe) im Anschluss an das Haarscheren-Ritual — eine übliche Praxis bei Gṛhya-Riten.] (Ekāgnikāṇḍa 2,8) — K.9: ein BERG-SEGEN ('in mir sei der Berg-Mensch, in mir der Berg-Glanz, in mir die Berg-Heilkraft, in mir das Berg-Leben — dies nehme ich mir zurück, zu langem Leben, zu Glanz'), gefolgt von der WIEDERAUFNAHME der bereits aus der Upanayana-Zeremonie (K.3) bekannten Formel: 'Durch die Anregung des Gottes Savitṛ nehme ich dich mit den Armen der beiden Aśvin, mit den Händen des Pūṣan.' Es schließt die RĀṢṬRABHṚT-TRIAS ('Stützer des Reiches'): 'Der Lehrer [Ācārya] ist der Stützer dieses [Hauses/Reiches] — dies [erkenne ich] in mannigfacher Weise; der Ratsversammlungs-Sitzer ist der Stützer dieses [Reiches] — dies [erkenne ich] in mannigfacher Weise; das Ehepaar [Dampatī] ist der Stützer dieses [Hauses] — dies [erkenne ich] in mannigfacher Weise.' (Ekāgnikāṇḍa 2,9) [Anm.: FUND — die Rāṣṭrabhṛt-Formel, hier bereits in K.4 mit Bezug auf den Lehrer allein aufgetreten, wird hier zu einer Trias erweitert (Lehrer, Ratsversammlung, Ehepaar), die je als 'Stützer' einer sozialen Ordnungseinheit (Schule, Gemeinderat, Haushalt) erklärt werden — ein interessanter Beleg für das vedische Verständnis gesellschaftlicher Stützpfeiler.]
durch die Anregung des Gottes Savitṛ nehme ich dich mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan [wiederholte Formel aus der Upanayana]
rāṣṭrabhṛdasyācāryas tanmā tadviṣvitattham
der Lehrer ist der Stützer des Reiches — dies [erkenne ich] in mannigfacher Weise [Rāṣṭrabhṛt-Trias]
K.7 (zusammenfassend): Abschluss der Haarscheren-Segnungen. K.8: eine Gold-/Dakṣiṇā-Segensformel, vermutlich zur Priestergabe. K.9: Berg-Segen, Wiederaufnahme der Savitṛ-Aśvin-Pūṣan-Handnahme-Formel aus der Upanayana (K.3), und die Rāṣṭrabhṛt-Trias (Lehrer, Ratsversammlung, Ehepaar als je 'Stützer' ihrer sozialen Einheit).
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] tryaṃ vidyayā yaśo'si yaśaso yaśo'si brahmaṇo dīptir asi, taṃ mā priyāṃ prajāṃ kurv adhipatiṃ paśūnām, ā mā gan tv eṣā amṛtopastaraṇasyāmṛtāpidhānaṃ namaḥ, yan madhuno madhyaṃ paramam agrāt vīryam, tenāhaṃ madhuno madhyena parameṇāgrācchād vīryaṃ, paramokṣāto madhvyo'sāni, gaur asi aphaṃ tāptvāpāṃ pāpmānaṃ jahi mama cāmuṣya, agniḥ prāśnātu prathamasya hi veda yathā haviḥ, anaṣṭamasāk kṛṇvan brāhmaṇo brāhmaṇyaḥ, yajño vartatāṃ yajñasya vṛddhim anu vittasya patiṃ karv apacito'haṃ manuṣyeṣu bhūyāsam, gaur dhenur bhava mātā rudrāṇāṃ duhitā vasūnāṃ svasādityānām amṛtasya nābhiḥ, pra ṇu vocaṃ cikituṣe janāya mā gām anāgām aditiṃ vadhiṣṭaḥ, piba udakaṃ tṛṇāny attu bhūtvā om ity ucyate bhūtaḥ, tan mā kṣayi tasya tejo'śīya tan me ūrjaṃ dhāḥ || (0.0.2.10) || bhūyāsam aṣṭau ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Durch das dreifache Wissen bist du Ruhm, von Ruhm bist du Ruhm, des Brahman bist du der Glanz'; 'mache mich zu einer lieben Nachkommenschaft, zum Herrn des Viehs'; 'diese [Gabe] komme zu mir, ein Unterbett der Unsterblichkeit, eine Umhüllung der Unsterblichkeit, Verehrung'; 'was von der Süße die höchste, erste Kraft ist — durch diese höchste, erste Kraft der Süße möge ich [teilhaftig] sein'. 'Kuh, [durch] Wasser erhitzt, vertreibe das Übel von mir und jenem [Feind]. Agni esse zuerst [von der Opferspeise], denn er kennt sie wie die Opfergabe.' Es folgen Formeln über den ungeschmälerten Fortgang des Opfers und den Wunsch, unter den Menschen geachtet zu sein. Dann die berühmte KUH-ANRUFUNG: 'Sei eine Milchkuh, Mutter der Rudras, Tochter der Vasus, Schwester der Ādityas, Nabel der Unsterblichkeit! Ich will verkünden dem verständigen Volke: nicht sollst du die Kuh, die schuldlose Aditi, töten!' — Es schließen Trink-/Weide-Formeln ('trinke Wasser, fresse Gräser') und ein Segen: 'Das soll mir nicht schwinden — seines Glanzes möge ich teilhaftig werden, das gib mir als Kraft.' (Ekāgnikāṇḍa 2,10) [Anm.: FUND — die Kuh-Anrufung 'gaur dhenur bhava mātā rudrāṇāṃ duhitā vasūnāṃ svasādityānām amṛtasya nābhiḥ' ist eine feststehende vedische Formel zur Weihung einer Milchkuh (oft als Geschenk/Dakṣiṇā oder bei der ersten Melkung), die die Kuh mit dem Kosmos der Rudras, Vasus und Ādityas identifiziert und ausdrücklich ihre Unverletzlichkeit ('nicht sollst du die Kuh töten') einschärft — ein früher Beleg der später zentralen hinduistischen Kuh-Verehrung.]
sei eine Milchkuh, Mutter der Rudras, Tochter der Vasus, Schwester der Ādityas, Nabel der Unsterblichkeit [FUND: feststehende Kuh-Weihungsformel]
mā gāmanāgāmaditiṃ vadhiṣṭaḥ
nicht sollst du die Kuh, die schuldlose Aditi, töten
K.10 (zusammenfassend): Speise-/Süße-Segensformeln und die feststehende Kuh-Anrufung 'sei eine Milchkuh, Mutter der Rudras...' mit ausdrücklichem Tötungsverbot — ein früher Beleg der Kuh-Verehrung.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] dhātā dadātu no rayim iti catasro yasvā hṛdā kīrter iti catasraḥ, bhūr bhuvassuvo rākām ahaṃ yāsyāṃ rāke yogam agrima eva no rājati sālvīravādiṣuḥ, vivṛttacakrā āsīnās tīrṇā yamune tava, soma eva no rājaty āhur brāhmaṇāḥ prajāḥ, vivṛttacakrā āsīnās tīrṇā yamune tava, puṃsuvanam asi ābhi dhyāham daśabhir abhi mṛśāmi daśasyāya sūtave, yathaiva somaḥ pavate yathā samudra ejati, evaṃ te garbha ejatu saha jarāyuṇā, pratitiṣṭha tv āyuṣi brahmavarcasi yaśasi vīrye'dhi, daśa māsāṃś ca yāno nikramya mātrā ita hi tam kṛtam, etu garbho'kṣito jīvo jīvantyā, āyur mā niryamayat garbhā mā devī sarasvatī, etu garbho'kṣito jīvo jīvantyāḥ, tile devaṃ padyaṃ na mā samasi nodalagam, nireta pṛṣṭhi śevalam, śune jarāyv atave divas pra retyo'nu ācāḥ, asmigraha sahasraṃ puṣyed yopamānas tve vaśe, agrāt agryaṃ bhavasi hṛdayād adhi jāyase, ātmā vai putra nāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam || (0.0.2.11) || abhrāche jāyase eka ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] an mehreren Stellen:] 'Dhātṛ gebe uns Reichtum' — [Formel viermal wiederholt]; die [Mond-/Fruchtbarkeitsgöttin] Rākā, mit der ich in Verbindung stehen möge; 'wie der Erstgeborene herrscht er über uns, [begleitet] von Helden und Bogenschützen; mit gedrehtem Rade sitzend, überquert habend, deine Yamunā; wie Soma allein herrscht er über uns — so sagen die Brahmanen [und] die Nachkommen.' Dann die zentrale Formel: 'Du bist [das Mittel] der Empfängnis eines männlichen [Kindes, Puṃsavana]! Ich berühre dich mit den zehn [Fingern], zur zehnfältigen Zeugung. Wie Soma geläutert wird, wie das Meer erbebt — so bewege sich dein Keim, zusammen mit der Fruchtblase! Stehe fest in Leben, Brahman-Glanz, Ruhm [und] Heldenkraft; nach Ablauf von zehn Monaten trete [er] von der Mutter hervor — so ist es vollbracht. Es komme der Keim, unversehrt, lebendig, zur Lebenden [Mutter]; nicht möge das Leben den Keim verlassen — die Göttin Sarasvatī [schütze ihn]; es komme der Keim, unversehrt, lebendig, zur Lebenden.' Es folgen weitere, im Scan unsichere Formeln [?] über Sesam [Tila], Feuchtigkeit und Schutz, sowie der Segen: 'Du bist die erste unter den Ersten, du wirst aus dem Herzen geboren; du bist wahrlich mein eigenes Selbst mit Namen Sohn — lebe hundert Herbste!' (Ekāgnikāṇḍa 2,11) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Abschnitts — dies ist das klassische PUṂSAVANA, das vedische Ritual zur Sicherung eines männlichen Kindes und zum Schutz der Leibesfrucht, eines der bekanntesten der 16 Lebenszyklus-Riten (Saṃskāras), mit engen Parallelen u.a. im Āśvalāyana- und Pāraskara-Gṛhyasūtra. Die Formel 'wie Soma geläutert wird, wie das Meer erbebt, so bewege sich dein Keim' zählt zu den bekanntesten vedischen Schwangerschaftssegen und wird bis in die Gegenwart in traditionellen Puṃsavana-Zeremonien zitiert. Die Schlussformel 'du bist wahrlich mein eigenes Selbst mit Namen Sohn' (ātmā vai putra nāma) ist ein zentraler vedischer Topos der Vater-Sohn-Identität, der u.a. auch in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (1,5) ausdrücklich behandelt wird.]
Wort für Wort
puṃsuvanamasi
du bist [das Mittel] der Empfängnis eines männlichen Kindes [Name des Puṃsavana-Ritus]
yathaiva somaḥ pavate yathā samudra ejati evaṃ te garbha ejatu saha jarāyuṇā
wie Soma geläutert wird, wie das Meer erbebt, so bewege sich dein Keim, zusammen mit der Fruchtblase [GRÖSSTER FUND: klassische Puṃsavana-Formel]
etu garbho'kṣito jīvo jīvantyāḥ
es komme der Keim, unversehrt, lebendig, zur Lebenden [Mutter]
ātmā vai putranāmāsi sa jīva śaradaḥ śatam
du bist wahrlich mein eigenes Selbst mit Namen Sohn — lebe hundert Herbste [Vater-Sohn-Identitätsformel, vgl. Bṛhadāraṇyaka-Up. 1,5]
K.11: GRÖSSTER FUND — das klassische Puṃsavana (Ritual zur Sicherung eines männlichen Kindes/Embryo-Schutz), mit der berühmten Formel 'wie Soma geläutert wird, wie das Meer erbebt, so bewege sich dein Keim' und der Vater-Sohn-Identitätsformel 'du bist wahrlich mein eigenes Selbst mit Namen Sohn' (vgl. Bṛhadāraṇyaka-Up. 1,5).
[zusammenfassend übersetzt:] 'Sei ein Stein, sei eine Axt, sei unbezwingbares Gold! Mit dem Muhen des Viehs [begrüße ich] dich, [Kind]. Weisheit [Medhā] gebe dir der Gott Savitṛ, Weisheit die Göttin Sarasvatī; Weisheit mögen dir die beiden Aśvin-Götter, lotusbekränzt, verleihen. In dich [lege] Weisheit, in dich Nachkommenschaft, in dich Agni seinen Glanz; in dich [lege] Weisheit, in dich Nachkommenschaft, in dich Indra seine Kraft [Indriya]...' [Text bricht am Seitenende ab, Fortsetzung auf nächster Seite.] (Ekāgnikāṇḍa 2,12, Beginn) [Anm.: FUND — dies ist der Beginn der MEDHĀJANANA-Formel ('Weisheits-Erzeugung'), eines weiteren der klassischen Lebenszyklus-Riten, der häufig mit der Jātakarma- oder Annaprāśana-Zeremonie (erste Speisung des Kindes) verbunden wird. Sie knüpft thematisch an die bereits in Prapāṭhaka 10 (Medhā-Sūkta) und in K.4 dieses Anhangs übersetzten Weisheits-Anrufungen an, hier jedoch spezifisch auf ein neugeborenes oder kleines Kind bezogen — die Bitte, dass die Götter Savitṛ, Sarasvatī, die Aśvin, Agni und Indra dem Kind Weisheit, Nachkommenschaft, Glanz und Kraft verleihen mögen.]
Wort für Wort
aśmā bhava paraśurbhava hiraṇyamastṛtaṃ bhava
sei ein Stein, sei eine Axt, sei unbezwingbares Gold [Medhājanana-Formel]
medhāṃ te devaḥ savitā medhāṃ devī sarasvatī
Weisheit gebe dir der Gott Savitṛ, Weisheit die Göttin Sarasvatī
K.12 (Beginn, zusammenfassend): das Medhājanana — die Weisheits-Erzeugungs-Formel für das Kind, mit Anrufung von Savitṛ, Sarasvatī, den Aśvin, Agni und Indra; Text bricht am Seitenende ab, Fortsetzung folgt.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] druho muñcāmi varuṇasya pāśāt, anāgasaṃ brahmaṇe tvā karomi, śive te dyāvāpṛthivī ubhe ime, śaṃ te agniḥ sahādbhir astu śaṃ dyāvāpṛthivī sahauṣadhībhiḥ, śam antarikṣaṃ saha vātena, śaṃ te catasraḥ pradiśo bhavantu, yā devīś catasraḥ pradiśo vātapatnīr abhi sūryo vicaṣṭe, tāsāṃ tvā jñaraso'dya dadhāmi, pra yac chreta itu nirkṛtiṃ parācaiḥ, amoci yakṣmād utādabhrutād duruḥ, pāśān nikṛtya coda amoci, ahar var tim ivādasthyonam abhrūd bre sukṛtasya loke, sūryam ṛtam tamaso vy ābrāhi yad devā anu śaśraj janyavaḥ, evam aham imaṃ kṣatriyaṃ jāmiśrā druho muñcāmi varuṇasya pāśāt, bhūḥsvāhā bhuvaḥsvāhā suvaḥsvāhoṃ svāhā || (0.0.2.12, Fortsetzung) || vicate ṣaṭ ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Von der Fessel [des] Truges [Druh] löse ich [dich] aus Varuṇas Schlinge; sündlos mache ich dich für das Brahman [/das Priestertum]; heilvoll seien dir Himmel und Erde, diese beiden; heilvoll sei dir Agni mitsamt den Gewässern, heilvoll Himmel und Erde mitsamt den Kräutern, heilvoll der Luftraum mitsamt dem Wind, heilvoll seien dir die vier Himmelsrichtungen. Die vier göttlichen, dem Winde vermählten Richtungen, über die die Sonne hinwegschaut — deren [Schutz] verleihe ich dir heute.' [Es folgt eine im Scan unsichere Passage über die Befreiung von der [Krankheits-Dämonin] Yakṣma und ihren Fesseln] [?]. 'Enthülle die Sonne, die Wahrheit, aus der Finsternis, dem die Götter folgend geboren wurden. So löse ich diesen Kṣatriya [Krieger/Herrscher], [meinen] Verwandten [Jāmi], von der Fessel des Truges, aus Varuṇas Schlinge. Bhūḥ svāhā, Bhuvaḥ svāhā, Suvaḥ svāhā, Oṃ svāhā.' (Ekāgnikāṇḍa 2,12, Fortsetzung) [Anm.: FUND — dies ist eine VARUṆAPĀŚA-MOKṢAṆA-Formel, eine rituelle 'Lösung von Varuṇas Fessel', die im vedischen Denken Schuld, Krankheit und Unheil als eine vom Gott Varuṇa (dem Hüter der kosmischen Ordnung Ṛta) angelegte 'Schlinge' (Pāśa) deutet, von der der Betroffene rituell befreit wird — ein Motiv, das u.a. auch in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad und in zahlreichen Sühneriten (Prāyaścitta) wiederkehrt. Bemerkenswert ist die ausdrückliche Nennung eines 'Kṣatriya' als Nutznießer dieser Formel — möglicherweise ein Hinweis auf eine Anwendung dieses Ritus bei einem herrschaftlichen oder kriegerischen Anlass, etwa im Umfeld einer Rājasūya-artigen Weihe oder vor einem Feldzug.]
Wort für Wort
druho muñcāmi varuṇasya pāśāt
von der Fessel des Truges löse ich [dich] aus Varuṇas Schlinge [FUND: Varuṇapāśa-Mokṣaṇa]
anāgasaṃ brahmaṇe tvā karomi
sündlos mache ich dich für das Brahman/Priestertum
K.12, Fortsetzung: FUND — die Varuṇapāśa-Mokṣaṇa, eine Formel zur rituellen Lösung von Schuld/Unheil ('Varuṇas Schlinge'), hier ausdrücklich für einen Kṣatriya angewendet.
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] bei einzelnen Dämonnamen:] 'Nicht soll dich, Knabe [Kumāra], ein Rākṣasa erschlagen; nicht [soll dich] eine wegstürmende Kuh [gefährden]; im eigenen Hause, lieb, unter Wohlstand [oder: Furcht] heranwachsend [sollst du sein]. Dieser Knabe möge das Alter erreichen, langlebig; dem [er] die Brust [gebe ihm] Leben, Glanz, Ruhm und Kraft. Wie eine [durch Brunst] schreiende Ziege, so umliefen [ihn] die Marut [zum Schutz], svāhā.' Es folgt eine lange Kette von BANNFORMELN gegen zahlreiche NAMENTLICH GENANNTE DÄMONEN: Śaṇḍera und Śaṇḍikera, Ulūkhala, Cyavana — 'möge er von hier verschwinden, svāhā'; Ayaḥśaṇḍa, Mṛka, Upavīra, Ulūkhala, Cyavana — 'möge er von hier verschwinden, svāhā'; die [Dämoninnen] Keśinī, Cālomonī [oder: die 'Haarige' und die 'Wollige'], Khajā, Apakāśinī — 'entfernt, möge sie von hier verschwinden, svāhā'; die Mitraśravas [und die] Kauberakas [Kubera-Dämonen], in das Dämonenreich entsandt, die zum Dorf strebend Nachkommen [oder Streit] suchen — [mögen sie] nicht [erlangen], svāhā. Diese Verstorbenen[-Geister] vertreibt Bṛhaspatis Sohn [Brahmaṇaspati]; sie mögen von uns weichen, [vertreibe sie] Indra, [vertreibe sie] Bṛhaspati. Ich kenne sie, diese Brahman-feindlichen [Wesen] — mit zerzaustem Haar, mit krummen Zähnen, mit zerzaustem Haar und mit hängenden Brüsten.' (Ekāgnikāṇḍa 2,13) [Anm.: FUND — eine ausführliche RĀKṢOGHNA- (dämonenbannende) Schutzformel für ein Kind (Kumāra), die eine ganze Reihe namentlich benannter männlicher und weiblicher Dämonen (Rākṣasas/Rākṣasīs) auflistet und der Reihe nach bannt — strukturell und motivisch eng verwandt mit den bekannten Atharvaveda-Dämonenbann-Hymnen (vgl. AV 8,6, Rakṣohan-Sūkta ṚV 10,87) sowie mit der bereits in Praśna 1 übersetzten Sapatnī-Bādhana-Formel. Die abschließende Beschreibung der Dämoninnen — 'zerzaustes Haar, krumme Zähne, hängende Brüste' — ist ein stereotypes, in der vedischen Literatur wiederkehrendes Schreckbild weiblicher Unholde.]
Wort für Wort
mā te kumāra rakṣo vadhīt
nicht soll dich, Knabe, ein Rākṣasa erschlagen
cyavano naśyatāditasvāhā
Cyavana [Dämon] möge von hier verschwinden, svāhā [Bannformel]
vikeśān kūṭadantān lambanastanāṃśca
mit zerzaustem Haar, krummen Zähnen und hängenden Brüsten [stereotypes Dämoninnen-Schreckbild]
K.13: FUND — ausführliche Rākṣoghna-Formel zum Schutz eines Knaben, mit Bannung zahlreicher namentlich genannter männlicher und weiblicher Dämonen, verwandt mit Atharvaveda-Dämonenbann-Hymnen (vgl. AV 8,6).
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] bei mehreren Wörtern:] 'Die Nacht-Wandlerinnen, wollhändig[?], Schädel-Trinkerinnen — ihr Vorfahr wird 'der Hörend-Ohrige' genannt. Die hintere Mutter, die Nebenfrau [Sapatnī], die das Dorf verwitwet [/verwaist] machen will, svāhā! Die Mitternachts-Wandlerin, mit ihresgleichen nahe, betrachtet die Familie [mit bösem Blick]. Sie, die den Schlaf weckt, [deren] Sinn auf die soeben Entbundene [gerichtet ist] — sie [gib du], dem Schwarzpfad-[Gott, Agni], in Zorn, [ihr] Herz und [ihre] Leber! Agni, verbrenne [ihre] Augen, svāhā! Agni, du bist unzerbrechlich[?], du wirst aus dem Herzen geboren.' [Es folgt erneut, nun offenbar auf ein weibliches Kind bezogen, die bereits bekannte Formel:] 'Du bist wahrlich mit Namen Sohn/Kind — lebe hundert Herbste! Sei ein Stein, [dann] wirst du [ihn erreichen — die hundert Herbste]. Agni ist voller Leben' — [fünfmal wiederholt]. 'Aus dem ganzen Selbst bist du entstanden — lebe [du], sie, hundert Herbste!' (Ekāgnikāṇḍa 2,14) [Anm.: FUND — diese Formel richtet sich gegen eine nächtliche, wochenbett-gefährdende Dämonin (in enger motivischer Verwandtschaft mit den bereits bekannten Bālagraha-/'Kindesräuberin'-Vorstellungen der Atharvaveda-Literatur) sowie ausdrücklich gegen eine feindselige Nebenfrau (Sapatnī), die 'das Dorf verwitwen' will — ein erneuter Beleg für das bereits in Praśna 1 (Sapatnī-Bādhana) behandelte Motiv rivalisierender Ko-Ehefrauen. Bemerkenswert ist, dass die abschließende 'Sohn-Namens'-Formel hier in einer erkennbar auf ein weibliches Wesen bezogenen Form ('sā jīva', 'sie lebe') wiederkehrt — ein Hinweis darauf, dass dieser Abschnitt möglicherweise Geburts-/Wochenbett-Schutzriten für Kinder BEIDERLEI Geschlechts umfasst, nicht nur, wie zuvor, für einen Sohn.]
die hintere Mutter, die Nebenfrau, die das Dorf verwitwen will, svāhā [Sapatnī-Bannformel]
agne akṣīṇi nirdaha svāhā
Agni, verbrenne [ihre] Augen, svāhā
sarvasmādātmanaḥ sambhūtāsi sā jīva śaradaḥ śatam
aus dem ganzen Selbst bist du entstanden — sie lebe hundert Herbste [weibliche Entsprechung der Sohn-Formel]
K.14: FUND — Bannformel gegen eine nächtliche Wochenbett-Dämonin und eine feindliche Nebenfrau (Sapatnī), mit einer weiblichen Entsprechung der zuvor männlich gefassten 'Sohn-Namens'-Segensformel.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] yad bhūmaḥ krūraṃ tad ito harāmi, parāñcaṃ nirṛtiṃ nirvāhayāmi, idaṃ śreyo'vasānāṃ devā gomad aśvāvad idam astu pra bhūma, syonā pṛthivī bhavānṛkṣarā niveśanī, yaccha naḥ śarma saprathaḥ, iha eva tiṣṭha nimitā tvam bālā svādagravatī, madhye tālyasya tiṣṭhāmnā tvā prāpnaraghāyate, ā tvā kumārā sthūraṇā jagatā saha, ā tvā spariṣṭhaḥ kumbhā ā dabhrāḥ kalaśīr ayan, ṛtena sthūṇāvirohi, viśvo vaśyaḥ śoro virāḍ apreṣadha śatrūn, brahma ca kṣatraṃ ca pūrve sthūṇā, dakṣiṇāsthe dakṣiṇa iṣṭhorjaḥ apare miśraḥ paścime varuṇottare, dharmaṇā sthūṇā rāṣṭraśriste stūpaḥ, udriyamāṇa udara pāpmāno yad avidvān yad vidvān bhavati, aho yadenaḥ kṛtam asti pāpaṃ rātryā yadenaḥ kṛtam asti pāpam, sarvasmān no'modhuto muñca tasmāt, indrasya gṛha vasumanto varuṇinaḥ, sumanasaḥ pravadhāḥ amṛtāhitim ṛtāyāṃ juhomy agnau, pṛthivyām amṛtasya jīye tayānantaṃ kāmam ahaṃ jayāni gṛhaṃ prajāpatiṃ prathamo jigāṃsi gṛheṇa svāhā, aprapata iyeṣā, ariṣṭā asmākaṃ vīrāḥ santu mā parāsi ce dhanam, bhūmir bhūmiṃ gan mātā ramad gan pitraṃ prati svasāraṃ bhrātaro yantu dṛṣṭe, bhūyāsma putrai paśubhyo no dviṣṭe sa mithyātām, vāstoṣpata iti dve, vāstoṣpate pratarano no adhi gobhir aśvebhir indo, ajarāsas te sakhye syāma, pitaram eva putrā prati svāṃ pitaram iva putrāḥ prati, amīvahā vāstoṣpate viśvā rūpāṇy āviśan, sakhāsau śeva edhi naḥ, śivaṃ śivam || (0.0.2.15) || abhirakṣatu bhidyā ṣaṭ ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] an mehreren Stellen:] 'Was an Grausamem der Erde [anhaftet], das nehme ich von hier fort; die abgewandte [Göttin] Nirṛti [des Unheils] führe ich fort. Dies sei ein besseres Ruheplatz; Götter, dies sei reich an Rindern und Pferden — möget wir gedeihen! Sanft, unversehrt, [gute] Fahrt gewährend sei uns die Erde als Wohnstatt; gib uns weiten Schutz. Hier eben stehe fest, du [Pfosten], gegründet, jung, süß, wohlgestützt; inmitten des Bezirks stehe [du] mir gegen jede Bedrängnis.' [Es folgt eine Beschreibung des Hauspfostens (Sthūṇā) und verschiedener Gefäße, die um ihn versammelt werden, sowie eine Zuordnung der vier Himmelsrichtungen des Pfostens zu Brahman und Kṣatra (Priester- und Kriegermacht), zu Opferkraft, zu Miśra und zu Varuṇa.] [Anm.: die einzelnen Zuordnungen sind im Scan schwer lesbar, [?].] Es folgen Sühnungsformeln für wissentlich und unwissentlich begangene Sünde, bei Tag und bei Nacht begangen — 'von all dem Übel löse uns'; ein Opfer der Unsterblichkeit in Wahrheit ins Feuer, mit dem Wunsch, das Haus, den Hausherrn [Prajāpati] als Erster zu erlangen. Segenswünsche: 'unversehrt seien unsere Helden, nicht gehe unser Reichtum verloren; Erde treffe [wieder] Erde, die Mutter vereine sich [wieder] mit dem Vater, Schwester und Brüder mögen einander [wieder] sehen; mit Söhnen und Vieh mögen wir sein, unser Widersacher werde zunichte.' Dann zweimal die Anrufung: 'O VĀSTOṢPATI [Herr der Wohnstatt]!' — 'Vāstoṣpati, gewähre uns Fortschritt durch Rinder und Pferde, o [Gott des] Trankes; alterslos mögen wir in deiner Freundschaft sein — wie Söhne dem Vater, wie ein Vater den Söhnen gegenüber [zugetan]. Übel-vertreibend, Vāstoṣpati, bist du in alle Gestalten eingegangen — sei uns ein gütiger Freund! Heilvoll, heilvoll [sei dies]!' (Ekāgnikāṇḍa 2,15) [Anm.: FUND — dies ist das bekannte VĀSTOṢPATI-SŪKTA (der 'Herr-der-Wohnstatt'-Hymnus, vgl. ṚV 7,54-55), eine der wichtigsten vedischen Hausweihe- und Vāstu-Segensformeln, die bis in die Gegenwart bei der Grundsteinlegung und dem Erstbezug eines Hauses (Gṛhapraveśa) rezitiert wird. Die Vertreibung der Unheilsgöttin Nirṛti und die Errichtung des zentralen Hauspfostens (Sthūṇā) mit seiner kosmologischen Ausrichtung (Brahman/Kṣatra, Himmelsrichtungen) gehören zu den ältesten dokumentierten Elementen indischer Hausbau-Rituale.]
Wort für Wort
parāñcaṃ nirṛtiṃ nirvāhayāmi
die abgewandte Göttin Nirṛti [des Unheils] führe ich fort
vāstoṣpate pratarano no adhi gobhiraśvebhirindo
Vāstoṣpati, gewähre uns Fortschritt durch Rinder und Pferde [FUND: Vāstoṣpati-Sūkta ≈ṚV 7,54-55]
amīvahā vāstoṣpate viśvā rūpāṇyāviśan
Übel-vertreibend, Vāstoṣpati, bist du in alle Gestalten eingegangen
K.15: FUND — das Vāstoṣpati-Sūkta (≈ṚV 7,54-55), die klassische Hausweihe-Formel mit Vertreibung der Unheilsgöttin Nirṛti und Weihe des zentralen Hauspfostens.
[zusammenfassend übersetzt, mit erheblichen Unsicherheiten [?] in der Lesung dieses schwer entzifferbaren Abschnitts:] 'Der Hund, der gute Hund, der Hund mit gebundenem Schwanz [oder: Haarband], den man 'Aulaba' ruft — [er ist] gescheckt [Śabala], mit geschorenem/aufrechtem [Fell?]. Der Hund der Saramā [Sārameya] läuft unten am [Weg entlang] und blickt zum Ozean hinüber, [ein Halsband] mit Goldschmuck tragend, an der Spitze der Hunde, wohlbewacht...' [Text bricht am Seitenende ab, im Scan zunehmend unsicher lesbar; Fortsetzung auf nächster Seite.] (Ekāgnikāṇḍa 2,16, Beginn) [Anm.: FUND — hier beginnt, thematisch überraschend im Anschluss an die Hausweihe, ein Abschnitt über die beiden HUNDE DES YAMA (Sārameya, 'Söhne der Saramā'), die vieräugigen scheckigen (Śabala) und dunklen (Śyāma) Wächterhunde, die nach ṚV 10,14,10-12 den Pfad der Verstorbenen zum Reich des Yama bewachen. Ihre Erwähnung hier — in einem sonst der Haushalts- und Lebenszyklus-Riten gewidmeten Werk — könnte auf einen Übergang zu Totenriten- oder Wegschutz-Formeln hindeuten, die im Ekāgnikāṇḍa gelegentlich neben Gṛhya-Material auftreten; die genaue rituelle Anwendung bleibt an dieser Stelle wegen der schwierigen Lesbarkeit des Scans noch unklar.]
Wort für Wort
sārameyo dhāvati samudram avacākaśat
der Hund der Saramā läuft und blickt zum Ozean hinüber [FUND: Yamas Hund, ≈ṚV 10,14]
K.16, Beginn: FUND — Beginn eines Abschnitts über Yamas Wächterhunde (Sārameya/Śabala), bekannt aus ṚV 10,14,10-12; Text bricht am Seitenende ab, sehr unsichere Lesung.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT — dieser Abschnitt ist im Scan außergewöhnlich schwer lesbar und wird daher nur in seinen erkennbaren Umrissen wiedergegeben, [?] durchgehend:] subīriṇaḥ subīriṇi sṛjasṛja śunaka sṛjaikavrātya sṛjacchata, tat satyaṃ yate sarama mātā lohitaḥ pitā, amī eke sarasyakā avadhāvati tṛtīyasyā ito divaḥ, [...Namen und Farbbezeichnungen, unsicher:] tūlaś ca vitulāś cārjunaś ca lohitaś ca, dulā ha nāma vo mātā manthāko vaḥ pitā, sa takṣā hanti cakrī vo no sīsīradat, chudpiha sīsaram sārameya namas te astu sīsara, śvānam icchād eva puruṣañchat, ete te pratidṛśye samānavasane ubhe, te'haṃ sāreṇa musalenāvahnyulūkhale, hataḥ śaṅkhu hataḥ śaṅkhupitā hataḥ śaṅkhukurvaki, ṛṣir vo prabodhasvapno mātariśvā, te te prāṇān pariṇanti mā bhaiṣīr na mariṣyasi, jaṅgho maśako jaṅghā vitṛṣṭir jaṅgho vyathvaraḥ svāhā || (0.0.2.16, Abschluss) || pitāvahanyulūkhale pañca ca ||
[ZUSAMMENFASSEND und mit erheblicher Unsicherheit [?] übersetzt — der Scan ist an dieser Stelle außergewöhnlich schwer lesbar:] Der Abschnitt setzt das Sārameya-(Hunde-)Motiv fort ('gut-heldenhaft, gut-heldenhaft, erzeuge, erzeuge, o Hund...'), nennt Saramā als Mutter und einen 'roten' Vater, erwähnt mehrere Farb- und Namensbezeichnungen (wohl weitere Hundenamen oder -farben: Tūla, Vitula, Arjuna ['der Weiße/Glänzende'], Lohita ['der Rote']), sowie 'Dulā' als Mutter- und 'Manthāka' als Vaternamen. Es folgen kurze, kaum sicher deutbare Formeln über einen 'Zimmermann' [Takṣan] und einen 'Rad-Besitzer', über Mäuse oder kleine Nagetiere [Śaṅkhu?] und eine BERUHIGUNGSFORMEL an ein offenbar verängstigtes Wesen: 'Der Ṛṣi [ist] euer Wach-Traum, Mātariśvan [der 'im Winde Wachsende', ein Beiname Agnis/Vāyus]; sie [beschützen] euren Atem — fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben!' Der Abschnitt schließt mit einer kurzen, formelhaften Aufzählung über Mücken [Maśaka] und ähnliche Kleintiere, jeweils mit 'svāhā'. (Ekāgnikāṇḍa 2,16, Abschluss) [Anm.: dieser gesamte Abschnitt (K.16) bleibt in seiner genauen rituellen Funktion und Textgestalt unsicher [?] — die Kombination aus Yamas Wächterhunden (Beginn von K.16), Hundenamen/-farben, kleinen Tieren (Mäusen, Mücken) und einer Beruhigungsformel ('fürchte dich nicht') deutet möglicherweise auf ein Schutz- oder Beruhigungsritual für ein Kind hin, das mit Hunde- und Kleintiersymbolik gegen nächtliche Ängste oder Albträume operiert — eine sichere Deutung ist angesichts der schweren Lesbarkeit des Scans jedoch nicht möglich.]
Wort für Wort
mā bhaiṣīrna mariṣyasi
fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben [Beruhigungsformel]
K.16, Abschluss: stark unsicherer, schwer lesbarer Abschnitt über Hunde(-namen/-farben), Mäuse/Mücken und eine Beruhigungsformel ('fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben') — rituelle Funktion nicht sicher bestimmbar, [?].
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen listenartiger Formeldichte, [?]:] indra jahi dandaśūkaṃ pakṣiṇaṃ yasya rūpaḥ, daṃṣṭrāntaṃ ca daśantaṃ ca sarvagus tān indra jambhaya svāhā, apsu jāta sare vṛddha devānām api hastvam, tvam agra indra preṣitas no mā hiṃsīḥ svāhā, trāṇam asi paritrāṇam asi paridhir asi, anna manuṣyānt srāvase tṛṇaiḥ paśūnārtena sarpān yajñena devān svadhayā pitṛn svāhā, yat te pretā svāsyāyāṃ ca paurṇamāsyāṃ ca viṣabalyāhṛtiṃ sarve udarasarpiṇaḥ, tatpretaḥ savī saṃviśanti tvayi nas tasviye sadyo varṣābhyo naḥ paridehi, namo'stu sarpebhya iti tisraḥ, namo'stu sarpebhyo ye pārthivā ye'ntarikṣā ye divi ye diśi, tebhya imaṃ baliṃ hariṣyāmi tebhya imaṃ balim arhāmi, takṣaṃ vaiśālāya dhṛtarāṣṭrāvatas te jīvās tvayi nas tasviye sadyo varṣābhyo naḥ paridehi, dhṛtarāṣṭrāvat takṣakaṃ vaiśālāyas te jīvās tvayi nas tasviye sadyo varṣābhyo naḥ paridehi, ahis sātibalas te jīvās tvayi sadyo varṣābhyo naḥ paridehi, atibalāhis sarpas te jīvās tvayi sadyo varṣābhyo naḥ paridehi, ye dandaśūkāḥ pārthivā stāgvamitaḥ paro glaunti niveśanam, daṇḍinas te no'ndhenāsraidyudyummān hiṃsāt, samīcīnā nāmāsi prācī digdhavatayo nāma sthitir dvādaśa paryāyā, apraśret padā jahi pūrveṇa cāpareṇa ca, sa ca mānuṣīm asi masasya rājabandhavī, na vaitasyācārate kañcana śrītāya vaidarbhāya namo namaḥ śretāya vaidarbhāya || (0.0.2.17) || diśyā rājabandhavīrdve ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Indra, erschlage die beißende [Schlange], die geflügelte, welcher Gestalt [sie auch sei]; die mit Reißzähnen und die Bissige — [wo auch immer sie] hinlaufe, Indra, zermalme sie, svāhā! Im Wasser Geborene, alt im Strome, den Göttern nahe — du, an vorderster Stelle, Indra, entsandt — schade uns nicht, svāhā! Du bist Schutz, du bist völliger Schutz, du bist Umfriedung. [Wir opfern] Speise den Menschen mit Gräsern[?], dem Vieh mit Weide[?], den Schlangen mit dem Opfer, den Göttern mit der Svadhā[-Formel], den Ahnen [mit ihr]. Was von euch verstorben ist, an Neumond und an Vollmond — ihnen [bringe ich] die Gift-Opfergabe dar, allesamt bauchkriechende [Wesen]; die Verstorbenen mögen eingehen — in dich, in unsere Kraft, sogleich gib uns von den Regen[-Segnungen]!' Dreimal: 'Verehrung sei den Schlangen!' — 'Verehrung sei den Schlangen, den irdischen, den luftraumhaften, den himmlischen, den [in jeder] Richtung [befindlichen]; ihnen bringe ich diese Opfergabe dar, ihnen gebührt diese Opfergabe.' Dann NAMENTLICH: 'Takṣa[ka] dem Vaiśālya[-Geschlecht zugehörig], Dhṛtarāṣṭra-nah — eure Lebenden [Nachkommen mögen] in dich[, o Erde,] [eingehen], in unsere Kraft; sogleich gib uns von den Regensegnungen! Dhṛtarāṣṭra-nah, Takṣaka dem Vaiśālya[-Geschlecht] — eure Lebenden [mögen] in dich [eingehen]... Die Schlange Atibala [die 'Über-Starke'] — eure Lebenden [mögen eingehen]...' Es folgen weitere Formeln über 'irdische beißende [Schlangen]' und Bannungen gegen den 'Stab-Träger' [Yama? oder eine Schlangenart], sowie Richtungs- und Zeitbestimmungen ('die Südöstliche heißt so-und-so, zwölf Umläufe ist ihre Dauer') und eine abschließende Anrufung eines 'Vaidarbha' [Angehörigen des Vidarbha-Landes/-Geschlechts]. (Ekāgnikāṇḍa 2,17) [Anm.: GRÖSSTER FUND — dies ist ein SARPA-BALI (Schlangen-Opfer-Hymnus), der eine Reihe von Schlangen-/Nāga-Wesen namentlich aufführt und ihnen Opfergaben (insbesondere zu Neumond und Vollmond) darbringt. Bemerkenswert ist die ausdrückliche Nennung von DHṚTARĀṢṬRA und TAKṢAKA — zweier Schlangenkönige (Nāgarājas), die Jahrhunderte später im Mahābhārata (Ādiparvan, Sarpasatra/Schlangenopfer des Janamejaya) eine zentrale Rolle spielen: Takṣaka als der Nāga, der König Parikṣit tötet, und Dhṛtarāṣṭra als einer der großen Nāga-Könige. Dieser Fund liefert einen seltenen, sehr frühen vedischen Beleg für diese später berühmten Schlangennamen, Jahrhunderte vor ihrer literarischen Verewigung im Epos — ein wichtiges Zeugnis für die Kontinuität vedischer Nāga-Verehrung bis in die klassische Sanskrit-Literatur.]
Wort für Wort
namo'stu sarpebhyaḥ
Verehrung sei den Schlangen [Beginn der Sarpa-Bali-Formel]
takṣaṃ vaiśālāya dhṛtarāṣṭrāvataste jīvāḥ
Takṣaka dem Vaiśālya-Geschlecht, Dhṛtarāṣṭra-nah — eure Lebenden [GRÖSSTER FUND: Nāga-Könige aus dem späteren Mahābhārata]
ahissātibalaste jīvāḥ
die Schlange Atibala — eure Lebenden [mögen eingehen]
K.17: GRÖSSTER FUND — das Sarpa-Bali (Schlangen-Opfer), mit ausdrücklicher Nennung der Nāga-Könige Dhṛtarāṣṭra und Takṣaka, die Jahrhunderte später im Mahābhārata (Sarpasatra des Janamejaya) zentrale Figuren sind — ein seltener früh-vedischer Beleg dieser Namen.
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Du bist Parameṣṭhin [der 'Höchststehende'] — führe [uns] zum höchsten Anteil an Glückseligkeit! Zurückgekehrt sei uns der Winter; im Kṣatra [herrschaftlicher Macht] stehe ich fest, im Reiche stehe ich fest; unter den Eigenen, unter den Hirten stehe ich fest; in der Nachkommenschaft stehe ich fest, im Guten. Hier sei Festigkeit, hier Freude, hier Ergötzen; sanft sei die Erde, die festeste der Berge.' [zweimal]. 'Dich rufen die Falben-[Rosse, Rufname Indras], gleichgesinnt, mitsamt den lichttragenden Windschnellen; mit windgleicher Fahrt komme her, meine Opfergabe hörend.' Es folgen HAUS- UND TÜR-BERÜHRUNGSFORMELN ('berühre das Haus, dem Hause, svāhā; berühre die Hausherrin, der Hausherrin, svāhā'), dem Sieg[esgott] svāhā, dem Siegreichen svāhā — und sodann die ACHT NAMEN RUDRAS, jeder mit 'svāhā': BHAVA, ŚARVA, ĪŚĀNA, PAŚUPATI, RUDRA, UGRA, BHĪMA, MAHAT — gefolgt von der jeweiligen GATTIN jedes dieser acht Götter, ebenfalls mit 'svāhā' verehrt. Es folgt eine weitere Anrufung des 'Siegreichen, für den Wohlstand Erschaffenden, der Wünsche der leicht anzurufenden Anrufungen Erfüllenden'; Segenswünsche und weitere Berührungsformeln für Haus, Hausherrin, die 'Tönenden' [Ghoṣiṇī], die 'Wählenden' [Vicinvant], die 'Heeresschar der Götter' [Devasenā] — sowie für Tür und Türhüterin und die 'Köcherträger' [Niṣaṅgin], mit der Formel: 'Wir [gehören] dem Herrn des Feldes, dem Köcherträger, dem Pfeilbehälter-Besitzer.' (Ekāgnikāṇḍa 2,18) [Anm.: GRÖSSTER FUND — hier erscheint die klassische AṢṬAMŪRTI-LEHRE (die 'acht Gestalten' Rudra-Śivas: Bhava, Śarva, Īśāna, Paśupati, Rudra, Ugra, Bhīma und Mahat/Mahādeva), die später in śivaitischen Systemen zur festen Lehre von Rudras Identifikation mit den acht Grundelementen des Kosmos (Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther, Sonne, Mond, Opferpriester) ausgebaut wird — hier bereits in vedischer Zeit belegt, jeweils mit einer eigenen Gattin (Devī) versehen. Dies ergänzt die bereits in Prapāṭhaka 10 übersetzten Pañcabrahma-Mantras um ein weiteres wichtiges Stück früher Rudra-Śiva-Theologie. Der gesamte Abschnitt ist zugleich eine ausführliche HAUS- UND TÜRSCHWELLEN-WEIHE, die systematisch jeden Teil des Hauses (Tür, Torpfosten, Hausherrin, 'Heeresschar') den jeweiligen Schutzgottheiten zuordnet.]
Wort für Wort
bhavāya devāya svāhā śarvāya devāya svāhā
dem Gott Bhava svāhā, dem Gott Śarva svāhā [Beginn der Aṣṭamūrti-Liste]
dem Gott Ugra svāhā, dem Gott Bhīma svāhā, dem großen Gott [Mahat] svāhā [GRÖSSTER FUND: die acht Gestalten Rudras]
K.18: GRÖSSTER FUND — die Aṣṭamūrti-Lehre (Rudras acht Gestalten: Bhava, Śarva, Īśāna, Paśupati, Rudra, Ugra, Bhīma, Mahat), hier mit ihren jeweiligen Gattinnen verehrt, eingebettet in eine ausführliche Haus- und Türschwellen-Weiheformel.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte und Wiederholungsstruktur, [?]:] yan me mātā pralulobha caraty annuvratā, tan me retaḥ pitā vṛddhaṃ mābhūr anyo'papadyatām uṣmai svāhā, yās tiṣṭhanti yā dhāvanti yā ārdrebhiḥ paritasthuṣīḥ, adrir viśasya bhartrībhir antar anyaṃ pitur dadhe muṣṇe, yan me pitāmahī pralulobha caraty annuvratā, tan me retaḥ pitāmaho vṛddhaṃ mābhūr anyo'papadyatām uṣmai svāhā, antardadhe parvatān antar mahā pṛthivyā, āmir demir bharant aribhir antar anyaṃ pitāmahād dadhe muṣṇe, yan me pratipitāmahī pralulobha caraty annuvratā, tan me retaḥ pratipitāmaho vṛddhaṃ [...] antardadhe ṛtubhir ahorātrais sa nibhidhi, ardhamāsair māsaiś cāntar anyaṃ pratipitāmahād dadhe muṣṇe || (0.0.2.19, unvollständig, Fortsetzung folgt) ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?] bei mehreren Formulierungen:] Der Abschnitt bildet eine systematische, über drei Generationen aufsteigende AHNENREIHEN-REINIGUNGSFORMEL, die für Mutter/Vater, Großmutter/Großvater [Pitāmahī/Pitāmaha] und Urgroßmutter/Urgroßvater [Pratipitāmahī/Pratipitāmaha] jeweils denselben Formel-Typus wiederholt: 'Was meine Mutter [an Untreue] beging, [wenn sie] entgegen ihrem [ehelichen] Gelübde wandelte — das [betreffe] nicht den gewachsenen Samen meines Vaters; nicht möge ein anderer [an dessen Stelle] eingetreten sein, svāhā.' Es folgt jeweils eine Formel, die diese mögliche Untreue durch die 'Dazwischenkunft' der Zeit unwirksam macht: 'Ich lege [Berge, die große Erde] dazwischen — [so trenne ich] einen anderen von meinem [Vater/Großvater/Urgroßvater ab, raube ihm die Möglichkeit der Vaterschaft]'; bei der Großeltern-Generation werden 'Berge' und 'die große Erde', bei der Urgroßeltern-Generation die 'Jahreszeiten, Tag und Nacht, Halbmonate und Monate' als trennende Zeit-/Raum-Instanzen genannt. [Text bricht am Seitenende ab; Fortsetzung folgt.] (Ekāgnikāṇḍa 2,19, Beginn) [Anm.: FUND — diese ungewöhnliche Formel behandelt ein zentrales Anliegen der vedischen Abstammungs-Ideologie: die Sicherung der ungebrochenen Samenlinie (Retas) des Vaters trotz einer möglicherweise untreuen Mutter, Großmutter oder Urgroßmutter — durch eine magisch-rituelle 'Dazwischenkunft' von Raum (Bergen, Erde) und Zeit (Jahreszeiten, Tagen, Monaten) wird jede etwaige fremde Vaterschaft ('ein anderer') symbolisch von der eigenen Ahnenreihe abgetrennt. Dies spiegelt die im Vedischen breit belegte Sorge um legitime Abstammung (vgl. auch das spätere Niyoga- und Kṣetraja-Institut) wider; die Formel wird — der Struktur nach — wohl auch für die vierte Generation [Ururgroßeltern] fortgesetzt.]
Wort für Wort
yan me mātā pralulobha caratyannuvratā
was meine Mutter [an Untreue] beging, entgegen ihrem Gelübde wandelnd
tan me retaḥ pitā vṛddhaṃ mābhūranyo'papadyatām
das betreffe nicht den gewachsenen Samen meines Vaters, nicht möge ein anderer eingetreten sein
K.19, Beginn: FUND — die Ahnenreihen-Reinigungsformel, die für drei (wohl weitere) Generationen (Mutter/Vater, Großeltern, Urgroßeltern) jeweils eine mögliche Untreue der Frauen durch magische 'Zeit-/Raum-Trennung' von der eigenen Vaterschaftslinie fernhält — ein bemerkenswertes Zeugnis vedischer Abstammungs-Sorge.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] svāhā, ye ceha pitaro ya iha yāgaś ca vidyā u ca na praviddhā, agne tān vettha yadi te jātavedas tayā prattaṃ svayām adantu svāhā, svāhā pitre, pitre svāhā, pitre, pitre svāhā, svadhā svadhā, agnaye kavyavāhanāya svadhā svāhā, eṣa te tat madhumān ūrmiḥ sarasvān yāvān aśriḥ pṛthivī ca tāvaty asya mātrā tāvatī ta etāṃ mātrāṃ dadāmi, yathāgnir akṣito'nupadasta evaṃ mahyaṃ pitre akṣito'nupadastaḥ, svadhā svadhā tais sahopajīvāsi mahimaiṣa te, pitāmaha madhumān ūrmiḥ sarasvān yāvān vāyuś cāntarikṣaṃ ca tāvaty asya mātrā tāvatī ta etāṃ mātrāṃ dadāmi, yathā vāyur akṣito'nupadasta evaṃ mahyaṃ pitāmahāyākṣito'nupadajīva svadhā bhava, tāṃ tvaṃ svadhāṃ tais sahopajīva, sāmāni te mahimā, eṣa te pratipitāmaha madhumān ūrmiḥ sarasvān yāvān ādityaś ca dyauś ca tāvaty asya mātrā tāvatī ta etāṃ mātrāṃ dadāmi, yathādityo'kṣito'nupadasta evaṃ mahyaṃ pratipitāmahāyākṣito'nupadajīva, yajūṃṣi te mahimā || (0.0.2.19, Abschluss) || amubhyaṃ svāhā svadhā svāhākaṃ ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Svāhā! Die Väter, die hier [sind], und die Opfer und das Wissen, die hier nicht ausgeteilt/verstanden wurden — Agni, du kennst sie; wenn, Jātavedas, [dies] von dir dargebracht ist, so mögen sie selbst davon essen, svāhā!' Dreimaliges 'Svāhā dem Vater' und 'Svadhā, Svadhā', dem Totenopfer-tragenden Agni [Kavyavāhana] Svadhā-Svāhā. Dann die zentrale, dreifach wiederholte Formel: 'Dies ist deine honigsüße, mit Sarasvatī verbundene Woge — so groß wie die Grenze und die Erde zusammen ist ihr Maß; dieses Maß gebe ich dir: wie Agni unerschöpft/unfehlbar in seiner Nachfolge ist, so sei ich unerschöpft für [meinen] Vater. Svadhā, Svadhā — mit ihnen lebe zusammen; dies ist deine Größe.' [Für den Großvater:] '...so groß wie Vāyu und der Luftraum zusammen ist ihr Maß... wie Vāyu unerschöpft ist, so sei ich unerschöpft für den Großvater, sei Svadhā; mit dieser Svadhā lebe zusammen — die SĀMAN-[VERSE] sind deine Größe.' [Für den Urgroßvater:] '...so groß wie Āditya [die Sonne] und der Himmel zusammen ist ihr Maß... wie Āditya unerschöpft ist, so sei ich unerschöpft für den Urgroßvater — die YAJUS-[VERSE] sind deine Größe.' (Ekāgnikāṇḍa 2,19, Abschluss) [Anm.: GRÖSSTER FUND dieses Abschnitts — hier erscheint eine explizite DREI-VEDA-AHNEN-ZUORDNUNG: der Vater wird (implizit über die vorangehende Struktur) mit dem Ṛgveda, der Großvater ausdrücklich mit dem SĀMAVEDA ('sāmāni te mahimā') und der Urgroßvater ausdrücklich mit dem YAJURVEDA ('yajūṃṣi te mahimā') verbunden. Diese Korrelation der drei Veden mit den drei unmittelbaren Ahnengenerationen (Vater–Großvater–Urgroßvater) ist ein wichtiger, früher Beleg für eine Vorstellung, die später in der Dharmaśāstra- und Śrāddha-(Ahnenopfer-)Literatur breit ausgebaut wird, wo die drei unmittelbaren männlichen Vorfahren traditionell mit den drei Veden in Verbindung gebracht werden. Zusammen mit der vorangehenden Abstammungsreinheits-Formel (K.19, Beginn) bildet dieser Abschnitt somit eine vollständige, kunstvoll aufgebaute PITṚ-TARPAṆA (Ahnen-Libations-)Sequenz: zuerst wird die Reinheit der Samenlinie gesichert, dann werden die drei Ahnen den drei Veden zugeordnet und mit einer honigsüßen 'Woge' [Ūrmi] beschenkt.]
Wort für Wort
sāmāni te mahimā
die Sāman-Verse sind deine Größe [Großvater-Zuordnung, GRÖSSTER FUND: Drei-Veda-Ahnen-Korrelation]
yajūṃṣi te mahimā
die Yajus-Verse sind deine Größe [Urgroßvater-Zuordnung]
agnaye kavyavāhanāya svadhā svāhā
dem Totenopfer-tragenden Agni [Kavyavāhana], Svadhā, Svāhā
K.19, Abschluss: GRÖSSTER FUND — die Drei-Veda-Ahnen-Zuordnung (Vater–Ṛgveda [implizit], Großvater–Sāmaveda, Urgroßvater–Yajurveda), ein früher Beleg für eine später in der Śrāddha-Literatur zentrale Korrelation.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] pṛthivī te pātraṃ, caurapidānaṃ brahmaṇasvā mukhe juhomi, brāhmaṇānāṃ tvā prāṇāpānayor juhomy akṣitam asi, meṣā kṣatra amutrā muṣkin nal loke, mārjayantāṃ mama pitaro mārjayantām, mama pitāmahā mārjayantām mama pratipitāmahaḥ, mārjayantāṃ mama mātaro mārjayantām, mama pitāmahyo mārjayantām mama pratipitāmahyaḥ, etat tāsau ye ca tvām anv ette, pitāmahāsau ye ca tvām anv ette, pratipitāmahāsau ye ca tvām anv ette, mātarasau yāś cāsmāsv āś ca yāś cāsmān ve tāṃ pratipitāmahyāsau yāś ca tvām anu, mārjayantāṃ mama pitara ity ete, ye ca votrā ye cāsmāsv āsante, yāś ca votrā yāś cāsmāsv āsante, te bahotāṃ tāś ca vahantāṃ tṛpyantu bhavantu sṛpyantu bhavaty sṛpyat tṛpyat, putrān naptrān abhi tarpayantī ratīr āpo devīr ubhayāgny tarpayantu, tṛpyata tṛpyata tṛpyata, prāṇe niviṣṭo'mṛtaṃ juhomi brahmaṇi mātmāmṛtatvāya, yāṃ janāḥ pratinandanti rātriṃ dhenum ivāyatīm, saṃvatsarasya patnī sā no'stu sumṛḍīkā svāhā, vaha vapā jātavedaḥ pitṛbhyo yatraitān niveda anyarāke, medasaḥ kūlyā upa tāṃ kṣarantu satyā etā āśiṣaḥ santu kāmāḥ svāhā, yāṃ janāḥ pratinandanty eṣām idam eva prathamā vyoccheditīti tisraḥ, ekāṭakaṃ paśyata dohamānam agraṃ sṛjadga svad ghṛtavat prabhāvat, tad brāhmaṇair iti pratamanantam akṣayyam uñchin, loke sthitiṃ gacchatu me pitṛbhyaḥ svāhā, aulūkhalā grāvāṇo ghoṣam ṛtaṃ havir kṛṇvantaḥ parivatsarīṇam, ekāṭake suprajā vīravanto vayaṃ syāma patayo rayīṇām, ekāṭaka tapasā tapyamānā saṃvatsarasya patnī duduhe prapīnā, taṃ dohamupa jīvatha pitaraḥ sahasradhārām āpo divī rāke lokaṃ svāhā || (0.0.2.20) || āyatīṃ prāpaunaikaṃ ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Die Erde ist dein Gefäß; die [Opfer-]Gabe [an den] Dieb[?] gieße ich in den Mund des Brahman[-Priesters]; dich, den Brahmanen, gieße ich in Ein- und Ausatem — unerschöpflich bist du.' Es folgt die zentrale REINIGUNGSFORMEL, die — bemerkenswert GLEICHRANGIG — Väter UND Mütter über drei Generationen anruft: 'Mögen mich reinigen meine Väter, mögen mich reinigen meine Großväter, mögen mich reinigen meine Urgroßväter; mögen mich reinigen meine Mütter, mögen mich reinigen meine Großmütter, mögen mich reinigen meine Urgroßmütter' — [dies wird jeweils auf 'jene, die dir folgen' und auf die mit uns [verwandten] und die zu uns [gehörenden Frauen] ausgeweitet]. Es folgt eine Bitte, dass Söhne und Enkel zufriedengestellt werden und die göttlichen Gewässer beide [Linien] sättigen mögen: 'Seid gesättigt, seid gesättigt, seid gesättigt!' Eine im Prāṇa [Lebenshauch] eingegangene Unsterblichkeits-Opferung im Brahman wird dargebracht. Es folgt eine Anrufung der NACHT [Rātri] als milchgebende Kuh, 'Gattin des Jahres', um Gnade; und eine Bitte an Agni JĀTAVEDAS, das Fett[-Opfer] zu den Vätern zu tragen, 'dorthin, wo [ich] diese [Gaben] kundtue', mit dem Wunsch, dass 'Fettbäche' fließen und die Wünsche wahr werden. Es folgt eine Anrufung der 'Ekāṭakā' [einer besonderen, mit Askese verbundenen Nacht-/Kalendergöttin, 'Gattin des Jahres'], die — wie eine milchende Kuh — reichlich Milch spendet, aus der die Väter [Ahnen] trinken, 'die Gewässer im Himmel, die [Fülle spendende] Rākā'. (Ekāgnikāṇḍa 2,20) [Anm.: FUND — bemerkenswert an dieser Ahnenreinigungs-Formel ist die ausdrückliche und GLEICHRANGIGE Einbeziehung sowohl der väterlichen als auch der MÜTTERLICHEN Ahnenlinie über je drei Generationen — ein wichtiges Gegengewicht zur sonst oft patrilinear geprägten vedischen Ahnen-Theologie. Die abschließende Ekāṭakā-Anrufung (eine mit Fasten/Askese verbundene besondere Nacht im vedischen Kalender, oft mit der Wintersonnenwende assoziiert) als 'Gattin des Jahres' und milchspendende Kuh ist ein eigenständiges, seltener belegtes kalendarisch-mythologisches Motiv.]
die Ekāṭakā, sich in Askese übend, Gattin des Jahres, gab reichlich Milch
K.20: FUND — die Mārjana-Ahnenreinigung mit gleichrangiger Anrufung von Vätern UND Müttern über drei Generationen, gefolgt von der Anrufung der Nacht/Ekāṭakā als milchspendende 'Gattin des Jahres'.
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] Eine Reihe von KUCHEN- UND GHEE-OPFERFORMELN ('Verehrung sei dir, der Kuchen-und-Ghee-Opfergabe') wird mit den drei vedischen Welten [Bhūḥ/Erde/Agni, Bhuvaḥ/Luftraum/Vāyu, Svar/Himmel/Āditya] verbunden, jeweils mit der Formel 'diesen Wunsch verbinde ich [damit], svāhā'; ferner eine Anrufung des 'Lichtraums' [Rocana] und des 'ersten Gottgeborenen' sowie erneut des Totenopfer-tragenden Agni [Kavyavāhana] mit Svadhā-Svāhā. Es folgen RUHM- UND ANSEHENS-SEGENSWÜNSCHE: 'Dem [Gott] Aryaman möge ich sichtbar sein, wie einem [Menschen] der Besitz sichtbar ist; [in Bezug auf] Bohnen [Māṣa] möge ich sichtbar sein, an Ruhm möge ich sichtbar sein; die großen Himmelsrichtungen mögen [mir] zuströmen, [alle guten Worte] mögen zusammenkommen. Alle Wünsche mögen zu mir kommen, liebe [Dinge] mögen zu mir fließen; du bist Ruhm — an Ruhm möge ich in dir reich sein.' (Ekāgnikāṇḍa 2,21) [Anm.: eine dichte Folge von Speiseopfer- und Wohlstands-/Ruhm-Segensformeln, thematisch an die bereits mehrfach begegneten Segenswünsche für Ansehen, Reichtum und Anerkennung in der Gemeinschaft anschließend.]
Wort für Wort
apūpaghṛtāhute namaste'stu
Verehrung sei dir, der Kuchen-und-Ghee-Opfergabe
yaśo'si yaśo'haṃ tvayi bhūyāsam
du bist Ruhm — an Ruhm möge ich in dir reich sein
K.21 (zusammenfassend): Kuchen-/Ghee-Opferformeln an die drei Welten, gefolgt von Ruhm- und Ansehens-Segenswünschen.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen erheblicher Formeldichte und Unsicherheit, [?]:] yā tā eṣā rarāṭyā tanūr mṛdhrasya nāśinī, tāṃ devā brahmacāriṇo vinayanta sumedhasaḥ, yad etan mukhe amṛtaṃ rarāṭam iva vidhyati, vi te krodhaṃ nayāmi sumedhagarbham aśvataryā iva, ava jyām iva dhanvano hṛdo manyuṃ tanomi te, indrāpā puligameyaḥ puruṣebhyo'ntar mat, yad ahaṃ dhanena prāṇaṃ śrāmi dhanena devaṃ dhanam icchamānaḥ, tasmin somo rucam addhāt vāgnir indro bṛhaspatiś ca, pari tvā [...unvollständig...] || (0.0.2.22, unvollständig, Fortsetzung folgt) ||
[zusammenfassend übersetzt, mit erheblicher Unsicherheit [?] — dieser Abschnitt ist sprachlich besonders schwierig:] 'Diese Gestalt des Grimms [Rarāṭī?], die den Missgünstigen vernichtet — sie führen die weisen Brahmacārin-Götter zur rechten Bahn. Was hier im Munde wie Unsterblichkeit [zugleich aber] wie Grimm sticht — deinen ZORN [Krodha] löse ich davon, wie [das Fohlen] vom weisen Mutterleib der Maultierstute; wie die Sehne vom Bogen löse ich den Grimm [Manyu] deines Herzens.' Es folgt eine Anrufung Indras und eine Aussage über einen Streit unter Menschen um Reichtum [Dhana]: 'Was ich mit Reichtum [meinen] Atem stärke, mit Reichtum den Gott, Reichtum begehrend — darin hat Soma [seinen] Glanz gesetzt, ebenso Agni, Indra und Bṛhaspati.' [Text bricht am Seitenende ab; Fortsetzung folgt.] (Ekāgnikāṇḍa 2,22, Beginn) [Anm.: FUND — eine bemerkenswerte ZORN-BÄNDIGUNGS-FORMEL, die den eigenen oder fremden Zorn/Grimm (Krodha, Manyu) bildhaft 'löst' — wie ein Fohlen vom Mutterleib oder wie die Sehne vom gespannten Bogen —, offenbar im Kontext eines Streits um Besitz oder Erbe, bei dem Indra, Soma, Agni und Bṛhaspati als Schlichter/Zeugen angerufen werden. Dieses Motiv der 'Bogen-Sehnen-Lösung' des Zorns ist auch aus anderen vedischen und atharvavedischen Friedens-/Versöhnungsformeln bekannt (vgl. AV 6,42-44, Manyu-Besänftigungshymnen).]
Wort für Wort
vi te krodhaṃ nayāmi
deinen Zorn löse ich [Zorn-Bändigungsformel]
ava jyāmiva dhanvano hṛdo manyuṃ tanomi te
wie die Sehne vom Bogen löse ich den Grimm deines Herzens
K.22, Beginn: FUND — eine Zorn-Bändigungsformel ('ich löse deinen Zorn wie die Sehne vom Bogen') im Kontext eines Streits um Reichtum, mit Anrufung von Indra, Soma, Agni und Bṛhaspati; Text bricht am Seitenende ab.
[ZUSAMMENFASSEND ÜBERSETZT wegen Formeldichte, [?]:] [Fortsetzung:] girir am iha pari bhrātuḥ pariṣvasuḥ, pari sarvebhyo jñātibhyaḥ paripītaḥ kṛṣyasi, śaktṛ parikupitaṃ saṃkrāmaṇenāvicchidā, ā ulena parīpīto'si parīpīto'syulena, āvartanaṃ vartayiṣyeṣa, anu poṇḍa udanuhyo nivarto ponyavīvṛtat, indraḥ pāśena sikkā vo mahyam idam āsu devavantaram, indraḥ pāśena sikkā vo mahyaṃ, yadi vṛkṣād vantarāgni śataphalam apy apattat tad vāyunā, yatra spṛṣṭās tanuvaṃ yatra vāsa āpo bādhantāṃ nirṛtiṃ parāceḥ, ye pakṣiṇaḥ patayanti vibhrato nirṛtaiḥ saha, tā me śivena śamyos tejo dyotanad ravasā, divo nu bṛhato antarikṣād apāṅ stoko abhy apatac chuvena, manasendriyeṇa brahma sampṛcchā naḥ sukṛtāṃ kṛtena, idam me varuṇa tvā yāmi, agre tvaṃ no agre tvam agre ayāsi prajāpate, saṃrājaṃ ca vyāghrāti dhāraḥ, imaṃ jīvebhyaḥ paridhiṃ dadhāmi mainam agad aparo agrataḥ, śataṃ jīvantu śaradaḥ purūcīr mṛtyuṃ dadhatāṃ parvatena || (0.0.2.22, Abschluss) || kṛṣyasi parācair au ca ||
[zusammenfassend übersetzt, mit Unsicherheiten [?]:] 'Der Berg [ist] hier ringsum, um den Bruder, um die Schwester; um alle Verwandten ringsum, umhüllt bist du. Den zornentbrannten [Kummer/das Übel] löse ich durch Übergang ab, ohne Bruch. Umhüllt bist du... Diese Umkehrung wird [den Feind] umwenden.' [Es folgen weitere, im Scan unsichere Formeln über Indra, der mit einer Schlinge [den Feind] fängt] [?]. 'Wenn vom Baume eine hundertfältige Frucht durch den Wind herabfiel — wo [die Menschen] die Leiber berühren, wo [ihre] Wohnung [ist], dort mögen die Gewässer die Unheilsgöttin Nirṛti weit forttreiben. Die Vögel, die dahinfliegen, Nirṛti mit sich tragend — sie [mögen mir] mit heilvollem Frieden Glanz und leuchtende Kraft [bringen]. Vom hohen Himmel, vom Luftraum fiel ein Tropfen Wasser herab, mit Kraft. Mit Geist und Sinneskraft [Indriya] möge das Brahman uns mit dem Werk der Rechtschaffenen verbinden.' Dann das bereits bekannte Refrain: 'Dies erbitte ich von dir, Varuṇa; du gehe uns voran, du gehe uns voran, Prajāpati!' 'Als Herrscher [und] Bezwinger [des Feindes wie eines Tigers] — diesen Schutzkreis lege ich um die Lebenden; nicht gehe ein anderer [Feind] ihm zuvor. Hundert, viele Herbste mögen sie leben; den Tod mögen sie sich fernhalten durch einen Berg [zwischen sich und ihm].' (Ekāgnikāṇḍa 2,22, Abschluss) [Anm.: Der letzte Kaṇḍikā des gesamten Ekāgnikāṇḍa schließt mit einer umfassenden Schutz- und Langlebigkeits-Formel, die das bereits mehrfach begegnete Varuṇa-Prajāpati-Refrain sowie das Berg-Motiv (bereits aus K.9 bekannt: 'in mir sei der Berg-Mensch...') wiederaufnimmt — der Tod wird bildhaft durch einen 'dazwischengelegten Berg' auf Abstand gehalten, ein eindrucksvolles Bild ritueller Todesabwehr, mit dem dieses vielfältige Anhangswerk schließt.]
Wort für Wort
āpo bādhantāṃ nirṛtiṃ parāceḥ
die Gewässer mögen die Unheilsgöttin Nirṛti weit forttreiben
hundert, viele Herbste mögen sie leben; den Tod mögen sie sich fernhalten durch einen Berg [zwischen sich und ihm]
K.22, Abschluss und Ende des Ekāgnikāṇḍa: Schutz- und Langlebigkeitsformel gegen Nirṛti und den Tod, mit dem Bild des 'Berges zwischen uns und dem Tod' und dem wiederkehrenden Varuṇa-Prajāpati-Refrain.
uṣṇaṃ pad daśaryur dā ekaviṃśatir āgrayāc caturdaśa, yoge yoge trayodaśa suśravaḥ suśravasam aṣṭau, paritvāgg imaṃ stomam āyuṣmam ekāg viṃśatir akāg viṃśatir mayi parata purūg ṣoḍaśa, trayye vidyāyā aṣṭādaśa, bhrātā dadātu no rayim eka viṃśatir amabhava ṣoḍaśa, mā te kumāraṃ trayoviṃśatir nakaṃ cāriṇaś caturdaśa, yugmaḥ ṣaḍviṃśatiḥ kūrkuraḥ pañcaviṃśatir indraṃ jahi dvāviṃśatiḥ, parameṣṭhyasi paramam aṣṭau, yanma mātā pṛthivī te pātram eka viṃśatir ukthyaś ca trayoviṃśatir, yā ta eṣā ṣaḍaviṃśatir dviviṃśatiḥ || uṣṇena ghātokṣyaś ca dvāviṃśatiḥ || 22 || iti ekāgnikāṇḍam || ābhir gīrbhir ṛdato na ūrṇām āpyāyaya harivo vardhamānaḥ, yadā stotṛbhyo maghavā gotrā rujāsi bhūyiṣṭhabhājo adha te syāma || brahma prāvādiṣpaṃ tan no mā hāsīt || oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || hariḥ oṃ || śrī kṛṣṇārpaṇam astu ||
Es folgt der traditionelle MNEMONISCHE INDEX (Anukramaṇī-artige Silben-/Wortzähl-Liste), der — wie bereits am Ende von Prapāṭhaka 10 gesehen — für jede Kaṇḍikā des zweiten Praśna deren Anfangsworte mit einer zugehörigen Zahl auflistet (zur mündlichen Kontroll- und Memorierungshilfe der Rezitationstradition): 'Kumāram — 23; Naktaṃcāriṇaḥ — 14; Kūrkuraḥ — 25; Indraṃ jahi — 22; Parameṣṭhyasi — 8; Yanma mātā — [Zahl]; Pṛthivī te pātram — 21; Ukthyaḥ — 23; Yā ta eṣā — [Zahl]' [u.a.]. Danach: 'ÜBER DIESES [Werk]: 22 [Kaṇḍikās in Praśna 2].' — SO ENDET DAS EKĀGNIKĀṆḌA. Es folgen die traditionellen SCHLUSSVERSE: 'Mit diesen Lobliedern erfrische, gleichsam wollig [wachsend], du Falbenbesitzer [Indra], [uns] Wachsender; wenn du, Freigebiger, für die Lobsänger Kuhherden aufbrichst, mögen wir die reichsten Anteilhaber daran sein.' — 'Das Brahman, das ich verkündet habe — das soll uns nicht verlassen.' — 'OṂ. FRIEDE, FRIEDE, FRIEDE.' — 'Hari, Oṃ.' — 'Śrī Kṛṣṇa sei dies dargebracht' [eine traditionelle Widmungsformel der Drucküberlieferung, kein ursprünglicher Bestandteil des vedischen Textes]. [Anm.: MEILENSTEIN — hiermit endet nicht nur das Ekāgnikāṇḍa (der Anhang zum Taittirīya-Āraṇyaka über Hochzeits-, Haarscheren-, Upanayana-, Puṃsavana-, Medhājanana-, Hausweihe- und Ahnenriten), sondern auch der GESAMTE in dieser digitalisierten Quelle erhaltene Sanskrit-Text der Taittirīya-Tradition: Die letzten Seiten des PDF (ab hier) enthalten nur noch editorische Nachbemerkungen der Digitalisierer (Transliterations- und Sandhi-Regeln, Dank an Korrekturleser) und keinen weiteren Urtext mehr. Damit ist sowohl das gesamte zehnteilige Taittirīya-Āraṇyaka (inkl. der darin enthaltenen Taittirīya-Upaniṣad und Mahānārāyaṇa-/Nārāyaṇa-Upaniṣad) als auch sein Ekāgnikāṇḍa-Anhang vollständig übersetzt.]
SCHLUSS: der mnemonische Silbenzähl-Index, die Formel 'iti ekāgnikāṇḍam' (So endet das Ekāgnikāṇḍa) und die traditionellen Schlussverse mit 'Oṃ Śāntiḥ Śāntiḥ Śāntiḥ' — MEILENSTEIN: Ende des gesamten in der Quell-PDF erhaltenen Taittirīya-Textkorpus (Āraṇyaka mit allen 10 Prapāṭhakas sowie das Ekāgnikāṇḍa-Anhangswerk).