Quellen der Menschheit

Taittirīya-Āraṇyaka

Kapitel 9: taittirīyāraṇyakam · navamaḥ praśnaḥ · bhṛguvallī Prapāṭhaka 9 (vollständig): Bhṛguvallī der Taittirīya-Upaniṣad — der Bhṛgu-Varuṇa-Dialog, die vier Speise-Gelübde, 'aham annam' (TA 9,1–10)

Die BHṚGUVALLĪ (Prapāṭhaka 9, 10 Anuvākas/Kaṇḍikās) ist nun vollständig übersetzt — UND DAMIT IST DIE GESAMTE TAITTIRĪYA-UPANIṢAD (Prapāṭhaka 7 Śīkṣāvallī, Prapāṭhaka 8 Brahmānandavallī, Prapāṭhaka 9 Bhṛguvallī) VOLLSTÄNDIG ÜBERSETZT. Inhaltlicher Bogen: Anuvāka 1-5 (K.1-5) der berühmte BHṚGU-VARUṆA-DIALOG, in dem Bhṛgu durch wiederholte Askese eigenständig dieselbe Pañcakośa-Stufenfolge (Nahrung-Lebensatem-Denken-Erkenntnis-Wonne) erarbeitet, die in der Brahmānandavallī bereits als fertige Lehre dargestellt wurde. Anuvāka 6 (K.6) schließt mit der Wonne als höchster Stufe. Anuvāka 7-10 (K.7-10) die berühmten VIER SPEISE-GELÜBDE (Nahrung nicht schmähen, nicht zurückweisen, reichlich bereiten, Gastfreundschaft gegenüber jedem Ankömmling üben), die Körperteil-Begriffszuordnungen (kṣema, yogakṣema, karma, gati, vimukti u.a.), und (GROSSER FUND) das weltberühmte SCHLUSSLIED 'aham annam, ahamannādaḥ, ahamannamannamadantamādmi' — eine der radikalsten All-Einheits-Aussagen der gesamten Sanskrit-Literatur. METHODEN-HINWEIS: wie bei allen Werken dieses Projekts ausschließlich aus dem Sanskrit-Original übersetzt, ohne bestehende Übersetzungen zu konsultieren, trotz der außerordentlichen Bekanntheit dieses Textes; die itx-Gegenprüfung über sanskritdocuments.org blieb unzuverlässig. Als letzter Abschnitt dieses Āraṇyaka folgt nun die MAHĀNĀRĀYAṆA-/NĀRĀYAṆA-UPANIṢAD (Prapāṭhaka 10), deren Eröffnungsverse ('ambhasya pāre bhuvanasya madhye...') bereits sichtbar sind.

oṃ saha nāvavatu, saha nau bhunaktu, saha vīryaṃ karavāvahai, tejasvi nāvadhītam astu mā vidviṣāvahai, oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || [K.1:] bhṛgurvai vāruṇiḥ, varuṇaṃ pitaram upasasāra, adhīhi bhagavo brahmeti, tasmā etat provāca, annaṃ prāṇaṃ cakṣuḥ śrotraṃ mano vācam iti, taṃ hovāca, yato vā imāni bhūtāni jāyante, yena jātāni jīvanti, yat prayanty abhisaṃviśanti, tad vijijñāsasva, tad brahmeti, sa tapo'tapyata, sa tapastaptvā || (0.9.1.1) || [K.2:] annaṃ brahmeti vyajānāt, annāddhyeva khalvimāni bhūtāni jāyante, annena jātāni jīvanti, annaṃ prayanty abhisaṃviśantīti, tad vijñāya, punareva varuṇaṃ pitaram upasasāra, adhīhi bhagavo brahmeti, taṃ hovāca, tapasā brahma vijijñāsasva, tapo brahmeti, sa tapo'tapyata, sa tapastaptvā || (0.9.2.2) || [K.3:] prāṇo brahmeti vyajānāt, prāṇāddhyeva khalvimāni bhūtāni jāyante, prāṇena jātāni jīvanti, prāṇaṃ prayanty abhisaṃviśantīti, tad vijñāya, punareva varuṇaṃ pitaram upasasāra, adhīhi bhagavo brahmeti, taṃ hovāca, tapasā brahma vijijñāsasva, tapo brahmeti, sa tapo'tapyata, sa tapastaptvā || (0.9.3.3) || [K.4:] mano brahmeti vyajānāt, manaso hyeva khalvimāni bhūtāni jāyante, manasā jātāni jīvanti, manaḥ prayanty abhisaṃviśantīti, tad vijñāya, punareva varuṇaṃ pitaram upasasāra, adhīhi bhagavo brahmeti, taṃ hovāca, tapasā brahma vijijñāsasva, tapo brahmeti, sa tapo'tapyata, sa tapastaptvā || (0.9.4.4) || [K.5:] vijñānaṃ brahmeti vyajānāt, vijñānāddhyeva khalvimāni bhūtāni jāyante, vijñānena jātāni jīvanti, vijñānaṃ prayanty abhisaṃviśantīti, tad vijñāya, punareva varuṇaṃ pitaram upasasāra, adhīhi bhagavo brahmeti, taṃ hovāca, tapasā brahma vijijñāsasva, tapo brahmeti, sa tapo'tapyata, sa tapastaptvā || (0.9.5.5) ||

Oṃ. Gemeinsam möge er uns beide schützen. Gemeinsam möge er uns beide nähren. Gemeinsam wollen wir [unsere] Kraft erweisen. Kraftvoll sei unser gemeinsames Studium. Wir wollen einander nicht hassen. Oṃ. Friede, Friede, Friede. — [K.1, DER BERÜHMTE BHṚGU-VARUṆA-DIALOG:] Bhṛgu, der Sohn Varuṇas, näherte sich seinem Vater Varuṇa [und sprach]: 'Lehre mich, Verehrter, das Brahman.' Diesem verkündete er dies: Nahrung, Lebensatem, Auge, Ohr, Denken, Sprache. Zu ihm sprach er: 'Wovon fürwahr diese Wesen geboren werden, wodurch sie, geboren, leben, wohin sie beim Vergehen eingehen — das suche zu erkennen. Das ist Brahman.' Er übte Askese (tapas). Askese geübt habend, (TA 9,1,1) [K.2:] erkannte er: 'Die Nahrung ist Brahman.' Denn aus Nahrung fürwahr werden diese Wesen geboren; durch Nahrung, geboren, leben sie; zur Nahrung gehen sie ein, wenn sie vergehen. Dies erkannt habend, näherte er sich wiederum seinem Vater Varuṇa [und sprach]: 'Lehre mich, Verehrter, das Brahman.' Zu ihm sprach er: 'Durch Askese suche das Brahman zu erkennen. Askese ist Brahman.' Er übte Askese. Askese geübt habend, (TA 9,2,2) [K.3:] erkannte er: 'Der Lebensatem (prāṇa) ist Brahman.' Denn aus dem Lebensatem fürwahr werden diese Wesen geboren; durch den Lebensatem, geboren, leben sie; zum Lebensatem gehen sie ein, wenn sie vergehen. Dies erkannt habend, näherte er sich wiederum seinem Vater Varuṇa ... 'Durch Askese suche das Brahman zu erkennen. Askese ist Brahman.' Er übte Askese. (TA 9,3,3) [K.4:] erkannte er: 'Das Denken (manas) ist Brahman.' Denn aus dem Denken fürwahr werden diese Wesen geboren; durch das Denken, geboren, leben sie; zum Denken gehen sie ein, wenn sie vergehen. ... (TA 9,4,4) [K.5:] erkannte er: 'Die Erkenntnis (vijñāna) ist Brahman.' Denn aus der Erkenntnis fürwahr werden diese Wesen geboren; durch die Erkenntnis, geboren, leben sie; zur Erkenntnis gehen sie ein, wenn sie vergehen. Dies erkannt habend, näherte er sich wiederum seinem Vater Varuṇa [und sprach]: 'Lehre mich, Verehrter, das Brahman.' Zu ihm sprach er: 'Durch Askese suche das Brahman zu erkennen. Askese ist Brahman.' Er übte Askese. Askese geübt habend, (TA 9,5,5) [Anm.: Dies ist der berühmte BHṚGU-VARUṆA-DIALOG, der in eigener, persönlicher Erkenntnis-Suche dieselben FÜNF STUFEN durchläuft, die in der vorangehenden Brahmānandavallī bereits systematisch als die fünf Ātman-Hüllen (Pañcakośa) dargestellt wurden — hier jedoch nicht als fertige Lehre präsentiert, sondern als schrittweiser, durch wiederholte Askese erarbeiteter Erkenntnisprozess eines einzelnen Schülers: Nahrung (anna) → Lebensatem (prāṇa) → Denken (manas) → Erkenntnis (vijñāna) → [im Folgenden:] Wonne (ānanda). Diese pädagogische Wiederholung derselben Stufenfolge in zwei aufeinanderfolgenden Prapāṭhakas unterstreicht deren zentrale Bedeutung für die gesamte Taittirīya-Upaniṣad.]

Wort für Wort
bhṛgurvai vāruṇiḥ, varuṇaṃ pitaram upasasāra
Bhṛgu, der Sohn Varuṇas, näherte sich seinem Vater Varuṇa [FUND, berühmter Dialog]
annaṃ brahmeti vyajānāt
'die Nahrung ist Brahman' — dies erkannte er
tapasā brahma vijijñāsasva, tapo brahmeti
durch Askese suche das Brahman zu erkennen — Askese ist Brahman
vijñānaṃ brahmeti vyajānāt
'die Erkenntnis ist Brahman' — dies erkannte er

Anuvāka 1-5: der berühmte Bhṛgu-Varuṇa-Dialog, in dem Bhṛgu durch wiederholte Askese nacheinander Nahrung, Lebensatem, Denken und Erkenntnis als 'das Brahman' erkennt — dieselbe Pañcakośa-Stufenfolge wie in der Brahmānandavallī, hier als persönlicher pädagogischer Erkenntnisprozess dargestellt.

[K.6:] ānando brahmeti vyajānāt, ānandāddhyeva khalvimāni bhūtāni jāyante, ānandena jātāni jīvanti, ānandaṃ prayanty abhisaṃviśantīti, saiṣā bhārgavī vāruṇī vidyā, parame vyoman pratiṣṭhitā, sa ya evaṃ veda pratitiṣṭhati, annavān annādo bhavati, mahān bhavati prajayā paśubhir brahmavarcasena, mahān kīrtyā || (0.9.6.6) || [K.7, erstes Gelübde:] annaṃ na nindyāt, tadvratam, prāṇo vā annam, śarīram annādam, prāṇe śarīraṃ pratiṣṭhitam, śarīre prāṇaḥ pratiṣṭhitaḥ, tad etad annam anne pratiṣṭhitam, sa ya etad annam anne pratiṣṭhitaṃ veda pratitiṣṭhati, annavān annādo bhavati, mahān bhavati prajayā paśubhir brahmavarcasena, mahān kīrtyā || (0.9.7.7) || [K.8, zweites Gelübde:] annaṃ na paricakṣīta, tadvratam, āpo vā annam, jyotir annādam, apsu jyotiḥ pratiṣṭhitam, jyotiṣy āpaḥ pratiṣṭhitāḥ, tad etad annam anne pratiṣṭhitam, sa ya etad annam anne pratiṣṭhitaṃ veda pratitiṣṭhati, annavān annādo bhavati, mahān bhavati prajayā paśubhir brahmavarcasena, mahān kīrtyā || (0.9.8.8) || [K.9, drittes Gelübde:] annaṃ bahu kurvīta, tadvratam, pṛthivī vā annam, ākāśo'nnādaḥ, pṛthivyām ākāśaḥ pratiṣṭhitaḥ, ākāśe pṛthivī pratiṣṭhitā, tad etad annam anne pratiṣṭhitam, sa ya etad annam anne pratiṣṭhitaṃ veda pratitiṣṭhati, annavān annādo bhavati, mahān bhavati prajayā paśubhir brahmavarcasena, mahān kīrtyā || (0.9.9.9) ||

[K.6:] Er erkannte: 'Die Wonne (ānanda) ist Brahman.' Denn aus Wonne fürwahr werden diese Wesen geboren; durch Wonne, geboren, leben sie; zur Wonne gehen sie ein, wenn sie vergehen. Dies ist die Lehre des Bhārgava Vāruṇi [Bhṛgu, Sohn Varuṇas], im höchsten Himmelsraum gegründet. Wer dies so weiß, wird selbst fest gegründet, wird reich an Nahrung und ein Esser der Nahrung, wird groß an Nachkommenschaft, Vieh und Glanz des Brahman, groß an Ruhm. (TA 9,6,6) [Anm.: Mit der Wonne (ānanda) als letzter, höchster Erkenntnisstufe schließt sich der Bogen zur Brahmānandavallī — Bhṛgus persönliche Erkenntnissuche mündet in dieselbe Fünfstufenlehre.] — [K.7, DAS ERSTE SPEISE-GELÜBDE:] Man soll die Nahrung nicht schmähen — das ist das Gelübde. Der Lebensatem fürwahr ist Nahrung, der Leib ist der Esser der Nahrung. Im Lebensatem ist der Leib gegründet, im Leib ist der Lebensatem gegründet. So ist diese Nahrung in der Nahrung gegründet. Wer dies so weiß, wird selbst fest gegründet, wird reich an Nahrung und ein Esser der Nahrung, wird groß an Nachkommenschaft, Vieh und Glanz des Brahman, groß an Ruhm. (TA 9,7,7) — [K.8, DAS ZWEITE GELÜBDE:] Man soll die Nahrung nicht zurückweisen — das ist das Gelübde. Die Wasser fürwahr sind Nahrung, das Licht ist der Esser der Nahrung. Im Wasser ist das Licht gegründet, im Licht sind die Wasser gegründet. So ist diese Nahrung in der Nahrung gegründet. [Segensformel wie zuvor.] (TA 9,8,8) — [K.9, DAS DRITTE GELÜBDE:] Man soll die Nahrung reichlich bereiten/vermehren — das ist das Gelübde. Die Erde fürwahr ist Nahrung, der Raum (ākāśa) ist der Esser der Nahrung. In der Erde ist der Raum gegründet, im Raum ist die Erde gegründet. [Segensformel wie zuvor.] (TA 9,9,9) [Anm.: Die drei ersten der vier berühmten SPEISE-GELÜBDE der Bhṛguvallī — 'die Nahrung nicht schmähen', 'nicht zurückweisen', 'reichlich bereiten' — jeweils mit einer kosmischen Nahrung-Esser-Paarbildung (Lebensatem/Leib, Wasser/Licht, Erde/Raum) begründet; das vierte, wichtigste Gelübde (Gastfreundschaft) folgt in K.10.]

Wort für Wort
ānando brahmeti vyajānāt
'die Wonne ist Brahman' — dies erkannte er [Abschluss der Pañcakośa-Stufen]
annaṃ na nindyāt, tadvratam
man soll die Nahrung nicht schmähen — das ist das Gelübde [1. Gelübde]
annaṃ na paricakṣīta, tadvratam
man soll die Nahrung nicht zurückweisen [2. Gelübde]
annaṃ bahu kurvīta, tadvratam
man soll die Nahrung reichlich bereiten [3. Gelübde]

Anuvāka 6: die Wonne als letzte Erkenntnisstufe Bhṛgus (Abschluss der Pañcakośa-Wiederholung). Anuvāka 7-9: die ersten drei der vier berühmten Speise-Gelübde der Bhṛguvallī (Nahrung nicht schmähen, nicht zurückweisen, reichlich bereiten), jeweils mit kosmischer Begründung.

na kañcana vasato pratyācakṣīta, tadvratam, tasmādyayā kayā ca vidhayā bahvannaṃ prāpnuyāt, arādhyasmā annamityācakṣate, etaddha sma vai tadannaṃ rādhyate, arāddhasmā annaṃ rādhyate, etaddha sma vai tadannaṃ rāddham, arāddhasmā annaṃ rādhyate, ya evaṃ veda, kṣamiti vāci, yogakṣema iti prāṇāpānayoḥ, karmeti hastayoḥ, gatiriti pādayoḥ, vimuktiriti pāyoḥ, iti mānuṣīḥ samājñāḥ, atha daivīḥ, tṛptiriti vṛṣṭau, balamiti vidyuti, yaśa iti paśuṣu, jyotiriti nakṣatreṣu, prajātiramṛtamānanda ityupasthe, sarvamityākāśe, tatpratiṣṭhetyupāsīta, tanmaha ityupāsīta, mahānbhavati, tannama ityupāsīta, namyantesmai kāmāḥ, tadbrahma ityupāsīta, brahmavānbhavati, tadbrahmaṇaḥ parimara ityupāsīta, paryeṇaṃ mriyante dviṣantaḥ sapatnāḥ, parimlāyante ye'sya bhrātṛvyāḥ, sa yaścāyaṃ puruṣe, yaścāsāvāditye, sa ekaḥ, sa ya evaṃ vit, asmāllokātpretya, etamannamayamātmānamupasaṃkramya, etaṃ prāṇamayamātmānam upasaṃkramya, etaṃ manomayamātmānamupasaṃkramya, etaṃ vijñānamayamātmānamupasaṃkramya, etamānandamayamātmānamupasaṃkramya, imāllokānkāmānnī kāmarūpyanusaṃcaran, etatsāma gāyannāste, hā3vu hā3vu hā3vu, ahamannamahamannamahamannam, ahamannādo'3hamannādo'3hamannādaḥ, ahagṃ ślokakṛdahagṃ ślokakṛdahagṃ ślokakṛt, ahamasmi prathamajā ṛtāsya, pūrvaṃ devebhyo 'mṛtasya nābhāyi, yo mā dadāti sa ideva māvāḥ, ahamannamannamadantamādmi, ahaṃ viśvaṃ bhuvanamabhyabhavāṃ suvarna jyotīḥ, ya evaṃ veda, ityupaniṣat || (0.9.10.10) || saha nāvavatu, saha nau bhunaktu, saha vīryaṃ karavāvahai, tejasvi nāvadhītam astu mā vidviṣāvahai, oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Man soll niemanden, der [bei einem] Zuflucht sucht, abweisen — das ist das VIERTE Gelübde (Gastfreundschaft). Deshalb soll man, auf welche Weise auch immer, reichlich Nahrung erwerben; [dann] sagt man von ihm: 'Für diesen ist Nahrung bereitgestellt.' Diese so bereitgestellte Nahrung wird [ihm im Jenseits ebenso] bereitgestellt; für den, der [für Gäste] keine Nahrung bereitgestellt hat, wird [dort] keine Nahrung bereitgestellt. Wer dies weiß — [dem gelten folgende Zuordnungen von Begriffen zu Körperteilen:] 'Sicherheit' (kṣema) [waltet] in der Sprache, 'Erwerb-und-Bewahrung' (yogakṣema) in Ein- und Ausatem, 'Handlung' (karma) in den Händen, 'Gehen' (gati) in den Füßen, 'Ausscheidung' (vimukti) im After — so [lauten] die menschlichen Bezeichnungen. Nun die göttlichen: 'Sättigung' im Regen, 'Kraft' im Blitz, 'Ruhm' im Vieh, 'Licht' in den Sternen, 'Nachkommenschaft, Unsterblichkeit, Wonne' im Zeugungsglied, 'Alles' im Raum. Dies als 'Stütze' verehre man — er wird [selbst fest] gestützt. Dies als 'das Große' (mahaḥ) verehre man — er wird groß. Dies als 'den Namen' verehre man — ihm beugen sich die Wünsche. Dies als 'Brahman' verehre man — er wird brahmanreich. Dies als 'das Sterben-rings-um-das-Brahman' verehre man — ringsum sterben ihm die hassenden Widersacher, dahin schwinden, die seine Rivalen sind. Und der, welcher in diesem Menschen [wohnt], und jener, welcher dort in der Sonne [wohnt] — das ist EIN UND DERSELBE. Wer dies so weiß, der geht, wenn er von dieser Welt geschieden ist, zu diesem aus Nahrung bestehenden Selbst über, zu diesem aus Lebensatem, zu diesem aus Denken, zu diesem aus Erkenntnis, zu diesem aus Wonne bestehenden Selbst über; [dann] durchwandert er, nach Belieben Gestalt annehmend, diese Welten, sich an [jeder gewünschten] Speise labend, und singt, während er so verweilt, dieses Sāman-Lied: 'HA, WIE WUNDERBAR! HA, WIE WUNDERBAR! HA, WIE WUNDERBAR! ICH BIN NAHRUNG, ICH BIN NAHRUNG, ICH BIN NAHRUNG! ICH BIN DER ESSER DER NAHRUNG, ICH BIN DER ESSER DER NAHRUNG, ICH BIN DER ESSER DER NAHRUNG! Ich bin der Verse-Schöpfer, ich bin der Verse-Schöpfer, ich bin der Verse-Schöpfer! Ich bin der Erstgeborene der [kosmischen] Ordnung (ṛta), früher als die Götter, im Nabel der Unsterblichkeit. Wer mich [als Nahrung] hingibt, gerade der hat mich [wahrhaft] bewahrt. ICH, DIE NAHRUNG, VERZEHRE DEN, DER DIE NAHRUNG ISST! Ich habe die ganze Welt überwältigt — [ich bin] goldglänzendes Licht!' Wer dies so weiß — dies ist die Geheimlehre (upaniṣad). (TA 9,10,10) [Schlussformel:] Gemeinsam möge er uns beide schützen. Gemeinsam möge er uns beide nähren. Gemeinsam wollen wir [unsere] Kraft erweisen. Kraftvoll sei unser gemeinsames Studium. Wir wollen einander nicht hassen. Oṃ. Friede, Friede, Friede. [Anm.: GROSSER FUND — dies ist das weltberühmte SCHLUSSLIED DER BHṚGUVALLĪ ('aham annam, ahamannādaḥ...'), eine der kühnsten Ich-Aussagen der gesamten Upaniṣaden-Literatur: der Wissende identifiziert sich zugleich mit der Nahrung, dem Esser der Nahrung, und paradox mit dem, der den Esser selbst verzehrt — eine radikale Formulierung der All-Einheit, die keine Grenze zwischen Subjekt und Objekt, Geber und Empfänger, Verzehrendem und Verzehrtem mehr kennt. Das vierte Gelübde (Gastfreundschaft gegenüber jedem Ankömmling) und die Körperteil-Zuordnungsliste (kṣema, yogakṣema, karma, gati, vimukti) gehören ebenfalls zu den meistzitierten Passagen dieses Prapāṭhaka. Mit diesem Schlusslied und der wiederholten Friedensformel endet die BHṚGUVALLĪ (Prapāṭhaka 9, 10 Anuvākas/Kaṇḍikās) — UND DAMIT IST DIE GESAMTE TAITTIRĪYA-UPANIṢAD (Prapāṭhaka 7-9: Śīkṣāvallī, Brahmānandavallī, Bhṛguvallī) VOLLSTÄNDIG ÜBERSETZT. Es folgt als letzter Abschnitt dieses Āraṇyaka die MAHĀNĀRĀYAṆA-/NĀRĀYAṆA-UPANIṢAD (Prapāṭhaka 10).]

Wort für Wort
na kañcana vasato pratyācakṣīta, tadvratam
man soll niemanden, der Zuflucht sucht, abweisen — das ist das [vierte] Gelübde
kṣamiti vāci, yogakṣema iti prāṇāpānayoḥ
'Sicherheit' in der Sprache, 'Erwerb-und-Bewahrung' in Ein- und Ausatem
ahamannamahamannamahamannam
ich bin Nahrung, ich bin Nahrung, ich bin Nahrung! [GROSSER FUND, berühmtestes Schlusslied]
ahamannamannamadantamādmi
ich, die Nahrung, verzehre den, der die Nahrung isst
ahaṃ viśvaṃ bhuvanamabhyabhavāṃ suvarna jyotīḥ
ich habe die ganze Welt überwältigt — goldglänzendes Licht

Anuvāka 10: das vierte und wichtigste Speise-Gelübde (Gastfreundschaft), die Körperteil-Begriffszuordnungen (kṣema, yogakṣema, karma, gati, vimukti; sowie die göttlichen Entsprechungen), und (GROSSER FUND) das weltberühmte Schlusslied 'aham annam, ahamannādaḥ...' — eine radikale All-Einheits-Aussage, in der sich der Wissende zugleich mit Nahrung, Esser und dem den Esser Verzehrenden identifiziert. Mit diesem Kaṇḍikā ist die Bhṛguvallī (Prapāṭhaka 9) und damit die GESAMTE TAITTIRĪYA-UPANIṢAD (Prapāṭhaka 7-9) vollständig übersetzt. Die Mahānārāyaṇa-/Nārāyaṇa-Upaniṣad (Prapāṭhaka 10) folgt als letzter Abschnitt dieses Āraṇyaka.

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