Prapāṭhaka 4 (42 Anuvākas, 93 Kaṇḍikās) ist nun vollständig übersetzt. Inhaltlicher Bogen: Anuvāka 1 Vāc-/Madhu-Hymnus (motivisch verwandt mit der Madhu-Vidyā der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad und ṚV 1,90,6-8); 2 Makha-Konsekration; 3-4 Mitra/Varuṇa und Priesterämter; 5-20 ausführlicher Gharma-/Pravargya-Ritualkomplex: Gandharva-Anrufungen (Viśvāvasu, Prāsa), goldbeschwingter Sonnenvogel (hiraṇyapakṣaḥ śakunaḥ, K.47, vgl. ṚV 10,55), Zitat aus ṚV 1,164,31 (K.22 bzw. umliegende Kaṇḍikās), Gharma-Śiras-Identifikation mit Agni und Jahreslauf-Homologie (K.56-58); 21-39 lange Reihe von abhicāra-Fluch-/Bannformeln gegen Feinde und Dämonen (Agnis 'grausige Leiber', Wurmbannspruch mit Ṛṣi-Namen K.77, explizite 'Brahman-Fluch'-Formel K.79, Verbannungsformel K.80); 40-41 feuerkonsekratorische Vrata-Sequenz (Erde/Agni, Luftraum/Vāyu, Himmel/Āditya als Brennholz, verbunden mit Rivalenvernichtungs-Gelübde); 42 große Segenshymnen-Sequenz mit direkten Zitaten aus ṚV 10,137,3 (Windsegen), Anklang an ṚV 8,73 (Aśvin-Hymnen mit Sonnenvogel-Motiv), ṚV 10,9 (Wassersegen 'āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ') und dem berühmten Śānti-Hymnus mit 'paśyema śaradaḥ śatam' (K.93), abschließend eine im Scan kaum entzifferbare Rudra-Epitheta-/Zahlen-Litanei und die dreifache Schluss-Formel 'oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ'. WICHTIGER METHODEN-HINWEIS: Ab K.53 (Anuvāka 14) folgt eine lange Reihe sehr kurzer, oft nur eine Kaṇḍikā umfassender Anuvākas; die genaue Anuvāka-Zählung ist im dichten Kleindruck des Quellscans an mehreren Stellen nicht mit letzter Sicherheit zu lesen, während die fortlaufende Kaṇḍikā-Zählung durchgehend zuverlässig blieb und als primäre Gliederung diente. Die itx-Gegenprüfung über sanskritdocuments.org bleibt seit Prapāṭhaka 2 unzuverlässig; die Übersetzung stützt sich durchgehend auf die eigene Transkription der gescannten PDF-Vorlage. Prapāṭhaka 5 folgt als eigenes, neues Kapitel.
Homage sei [dir], [Ahnen,] mögt ihr euch mitfreuen [?]. Oṃ. Friede, Friede, Friede! — Homage der Rede, sowohl der ausgesprochenen als auch der unausgesprochenen; jener Rede Homage, Homage! Dem Herrn der Rede Homage. Homage den Ṛṣis, den Mantra-Schöpfern, den Mantra-Herren. Mögen mich die Ṛṣis, die Mantra-Schöpfer, die Mantra-Herren, nicht preisgeben [?]; möge er ebenso die Ṛṣis, die Mantra-Schöpfer, die Mantra-Herren, nicht preisgeben [?]. Die allgöttliche Rede will ich erheben/aussprechen; sie sei heilsam, den Göttern willkommen. Schutz sei mir der Himmel, Schutz die Erde, Schutz diese ganze Welt, Schutz Mond und Sonne, Schutz Brahman und Prajāpati. — Wisse das Getragene, wisse die Welt, wisse den Glanz, wisse den Ruhm, wisse die Askese, wisse das Brahman, wisse die Wahrheit. Für jenen [Zweck] breite ich diese Unterlage aus [?]; die Unterlage sei mir zu Nachkommenschaft und Vieh; ich selbst möge zur Unterlage für Nachkommenschaft und Vieh werden. O Prāṇa und Apāna, bewahret [mich] vor dem Tode; o Prāṇa und Apāna, verlasset [mich] nicht. Süße will ich denken, süß will ich geboren werden, Süßes will ich sprechen, Süßes will ich sagen; eine süße Rede will ich den Göttern erheben, eine gehorsame/wohlgefällige den Menschen. Diese [Rede] mögen die Götter mir behüten; zum Wohlgefallen mögen sich die Väter [Ahnen] mitfreuen. (TA 3,2,1 [Zählung nach mancher Tradition: Anfang von Prapāṭhaka 4]) Oṃ.
Wort für Wort
namo vāce yā coditā yā cānuditā
Homage der Rede, der ausgesprochenen wie der unausgesprochenen
vācaspataye namaḥ
dem Herrn der Rede Homage
vaiśvadevīṃ vācam udyāsaṃ
die allgöttliche Rede will ich erheben
śarma me dyauḥ, śarma pṛthivī
Schutz sei mir der Himmel, Schutz die Erde
bhṛtaṃ viddhi, bhuvanaṃ viddhi
wisse das Getragene, wisse die Welt
brahma viddhi, satyaṃ viddhi
wisse das Brahman, wisse die Wahrheit
prāṇāpānau mṛtyor mā pātam
o Prāṇa und Apāna, bewahret vor dem Tode
madhu maniṣye, madhu janiṣye
Süße will ich denken, süß will ich geboren werden [FUND, vgl. Bṛhadāraṇyaka-Madhu-Vidyā, ṚV 1,90,6-8]
madhu vakṣyāmi, madhu vadiṣyāmi
Süßes will ich sprechen, Süßes will ich sagen
tāṃ mā devā avantu
diese [Rede] mögen die Götter mir behüten
Erste Kaṇḍikā von Prapāṭhaka 4: ein Vāc-(Sprache-)Hymnus, der Rede und Redeherrschaft mit kosmischem Schutz (Himmel/Erde/Mond/Sonne/Brahman/Prajāpati) verbindet und in ein bemerkenswertes MADHU-(SÜSSE-)MOTIV mündet ("madhu maniṣye, madhu janiṣye...") – ein bedeutender Vorläufer der später in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad entfalteten Madhu-Vidyā und verwandt mit dem berühmten Süße-Hymnus ṚV 1,90,6-8 ("madhu vātā ṛtāyate madhu kṣaranti sindhavaḥ"). Mehrere Wendungen (v.a. um "parāduḥ/parādāt", "upastaraṇam") sind im dichten Scan nur mit Vorbehalt zu deuten und entsprechend [?] markiert.
Sie schirren den Geist an, und auch schirren sie die Gedanken an, die redekundigen [Priester], für den redekundigen, hohen, weisen [Gott]; einzig der Wissende ordnete die Hotṛ-Ämter; groß ist der Preis des Gottes Savitṛ. [Anm.: FUND — dies zitiert wörtlich den berühmten Savitṛ-Hymnus ṚV 5,81,1, 'yuñjate mana uta yuñjate dhiyaḥ'.] Für dich, unter dem Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den beiden Armen der Aśvin, mit den beiden Händen Pūṣans nehme ich [dies]; Agni ist ja der Mittelpunkt (Nabel); erhebe dich, Herr des Gebets (Bṛhaspati)! (TA 4,2,2) — Nach den Göttern verlangend wollen wir dich hierher fahren, [wir,] herantretend, die gabenschönen Maruts; sei du, geeint, der schnelle Vorkämpfer Indras, [und] auch entgegen dem Herrn des Gebets; die Wahrheitsliebe (Sunṛtā) trete voran; Himmel und Erde mögen sich mir fügen; ich möge Erfolg haben; [dies ist] das Haupt des Makha [der personifizierten Opferkraft]. (TA 4,2,3) — Für den Makha [weihe ich] dich, für des Makha Haupt [weihe ich] dich; so war es am Anfang; ich möge Erfolg haben; das Haupt des Makha. Für den Makha dich, für des Makha Haupt dich: die göttliche fruchtbare Flur, erstgeboren des Seienden, der kosmischen Ordnung folgend; ich möge Erfolg haben; das Haupt des Makha. (TA 4,2,4) — Für den Makha dich, für des Makha Haupt dich: du bist die Kraft Indras; ich möge Erfolg haben; das Haupt des Makha. Für den Makha dich, für des Makha Haupt dich: du bist aus Agni geboren, der Same Prajāpatis; ich möge Erfolg haben; das Haupt des Makha. (TA 4,2,5) — Für den Makha dich, für des Makha Haupt dich: verleihe Lebensalter, verleihe den Einatem, verleihe den Ausatem, verleihe den Zwischenatem, verleihe das Sehen, verleihe das Hören, verleihe den Verstand, verleihe die Rede, verleihe das Selbst, verleihe festen Stand, verleihe mir, verleihe [dies] in mir; es mache [alles] süß; du bist das Haupt des Makha. (TA 4,2,6) — Zwei sind die Stätten des Opfers; mit dem Gāyatrī-Versmaß gestalte ich dich, mit dem Triṣṭubh-Versmaß gestalte ich dich, mit dem Jagatī-Versmaß gestalte ich dich; du bist das Reich des Makha; Aditi empfange dich in [ihrer] Höhle; mit dem Paṅkti-Versmaß, mit dem Glanz der Sonne bekleide dich; du bist der Makha. (TA 4,2,7) Du bist das Haupt, das Haupt des Makha; neun [Glieder].
Wort für Wort
yuñjate mana uta yuñjate dhiyaḥ
sie schirren den Geist an und schirren die Gedanken an [FUND, ZITAT ṚV 5,81,1]
devasya tvā savituḥ prasave
für dich, unter dem Antrieb des Gottes Savitṛ
makhāya tvā, makhasya tvā śīrṣṇe
für den Makha dich, für des Makha Haupt dich [Refrain]
indrasyaujo 'si
du bist die Kraft Indras
agnijā asi prajāpateretaḥ
du bist aus Agni geboren, der Same Prajāpatis
āyur dhehi prāṇaṃ dhehi
verleihe Lebensalter, verleihe den Atem
cakṣur dhehi śrotraṃ dhehi, mano dhehi vācaṃ dhehi
verleihe Sehen, Hören, Verstand, Rede
gāyatreṇa tvā chandasā karomi
mit dem Gāyatrī-Versmaß gestalte ich dich
WICHTIGER FUND: Kaṇḍikā 2 zitiert wörtlich den berühmten Savitṛ-Hymnus ṚV 5,81,1 ('yuñjate mana uta yuñjate dhiyaḥ...'), einen der bekanntesten vedischen Savitṛ-Verse. Anuvāka 2 insgesamt (K.2-7) ist eine ausgedehnte Weiheformel für 'Makha' (die personifizierte Opferkraft/den Opfergott), verbunden mit einer Übertragungslitanei von Lebensfunktionen (Atem, Sehen, Hören, Verstand, Rede) und den drei Hauptversmaßen (Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī). Mehrere Einzelbegriffe im dichten Scan nur mit Vorbehalt identifiziert.
Du bist die Ruhestätte des mächtigen [Sonnen-]Rosses; Varuṇa, der Gelübde-Wächter, herrscht über dich, gemäß der festen [oder: erhabenen] Ordnung von Mitra und Varuṇa. Sei es durch Flamme, sei es durch Glut, sei es durch Licht, sei es durch Glut-Askese — [Mitra] hat mit Größe den Himmel durchdrungen; Mitra ward weitausgedehnt, und auch mit Ruhm die Erde. (TA 4,3,8) — Des Mitra, des Völkerhalters, Ruhm, das Gut bringende [Ansehen] des Gottes, den glanzvollsten, farbenreichsten Prunk; und vollendet ist des Gottes Savitṛ Himmel; wohlhändig, von schönem Opfer; wohlbeschult [?], auch mächtig; unerschüttert auf der Erde; die Himmelsrichtungen erfüllend, erhebe dich, werde gewaltig! (TA 4,3,9) [Anm.: FUND — die Epitheta 'mitraḥ carṣaṇīdhṛt' u.ä. entstammen dem bekannten Mitra-Sūkta-Umfeld, vgl. ṚV 3,59.] — Stehe aufwärts gerichtet, fest bist du; mit dem Auge der Sonne erblicke ich dich; für den Geraden [bestimme ich] dich, für den Rechtschaffenen dich, zu gutem Wohnsitz dich, zum Gedeihen dich; dies führe ich, von jenem Ort zu jenem hin, mit allen Tieren, durch geistliche Glut (Brahmavarcas), herbei. Mit dem Gāyatrī-Versmaß mache ich dich hörend [?], mit dem Triṣṭubh-Versmaß, mit dem Jagatī-Versmaß; die Rede erklinge dir, der Vers erklinge dir, die Opfergabe erklinge dir; o Gott, gehe voran, sei uns zugewandt. (TA 4,3,10) Werde [wie] die Erde [fest].
Wort für Wort
varuṇas tvā vratapā ādhipatyati
Varuṇa, der Gelübde-Wächter, herrscht über dich
mitro babhūva suprathāḥ
Mitra ward weitausgedehnt
mitrasya carṣaṇīdhṛtaḥ
des Mitra, des Völkerhalters [FUND, vgl. ṚV 3,59]
ūrdhvas tiṣṭha dhruvas tvam
stehe aufwärts gerichtet, fest bist du
gāyatreṇa tvā chandasā
mit dem Gāyatrī-Versmaß dich
Anuvāka 3 (K.8-10) preist Mitra und Varuṇa (mit dem bekannten Epitheton 'carṣaṇīdhṛt', 'Völkerhalter', vgl. ṚV 3,59) sowie Savitṛ, verbunden mit einer feierlichen Herbeiführungs- und Versmaß-Weiheformel. Mehrere Wendungen im dichten Scan nur mit Vorbehalt gedeutet.
brāhmaṇavaryeṇa pra carāmi, hotar dharmam abhi śṛṇuhi, agnīdhrau dhinau purodāśāv iṣau [?], pratiprasthātar avihitaḥ [?], prastotaḥ sāmāni gāya, yajur yuktaṃ sāmabhir ā kṛdhi [?], viśvedevaiḥ anumataṃ marudbhiḥ, dakṣiṇābhiḥ prataṃ paryāvarayasva [?], stubho vahantu sumanasyamānāḥ, sa no ruco dhehy ahṛṇīyamānaḥ, bhrūr bhuvaḥ, oṃ indro dravataḥ pra carata || (0.4.4.11) ahṛṇīyamāno dve ca || 4 ||
Mit brahmanischer Vortrefflichkeit schreite ich voran; o Hotṛ, höre auf die [rituelle] Ordnung. [Ihr,] Agnīdhra [Feueranzünder-Priester] und [Anm.: weitere Priesterbezeichnungen unsicher, evtl. Bezug auf Opferkuchen-Darbringungen], o Pratiprasthātṛ, [sei] eingesetzt; o Prastotṛ, singe die Sāman-Gesänge; das Yajus, mit den Sāmans verbunden, bringe hervor; von allen Göttern samt den Maruts gebilligt; mit den Priestergaben (Dakṣiṇā) umgib das Fortgeführte ringsum. Die Lobpreisungen mögen wohlgesinnt [den Wagen] ziehen; gewähre uns Glanz, ohne Groll. Die Erde, der Mittelraum — Oṃ, Indra, eilet voran! (TA 4,4,11) Nicht grollend; neun [Glieder].
Wort für Wort
brāhmaṇavaryeṇa pra carāmi
mit brahmanischer Vortrefflichkeit schreite ich voran
hotar dharmam abhi śṛṇuhi
o Hotṛ, höre auf die Ordnung
prastotaḥ sāmāni gāya
o Prastotṛ, singe die Sāman-Gesänge
oṃ indro dravataḥ pra carata
Oṃ, Indra, eilet voran
Ein Anruf an die verschiedenen Ritual-Priesterämter (Hotṛ, Agnīdhra, Pratiprasthātṛ, Prastotṛ), sie mögen ihre jeweilige Funktion im Opfer wahrnehmen – eine typische Ṛtvij-Anrufungsformel zu Beginn eines größeren Opferabschnitts. Mehrere Fachbegriffe im dichten Scan nur mit Vorbehalt identifiziert.
[Kaṇḍikā 12-15 wie zuvor, s. TA 4,5,12-15] ... supadā me bhūyāḥ, mā mā hiṃsīḥ, tapo brahma antarā mitrān, tapa samararuṣaḥ parasya, tapā vaso cikitāno acittān, vi te tiṣṭhantām ajaro ayāsaḥ, cittasya paricitaḥ, svāhā marudbhiḥ pariśrayasva, mā 'si, pramā 'si, pratimā 'si || (0.4.5.16) || saṃ asi, vi mā asi, u mā asi, antarikṣasyāntar dadhi asi, divaṃ tapasā śrayasva, ābhir gīrbhir dadato na ūnam, āpyāyaḥ hariṇo vardhamānaḥ, yadā stotṛbhyo mahi gotram rujāsi, bhūyiṣṭhabhājo atha syāma, śukraṃ te anyad yajataṃ te anyat || (0.4.5.17) || viśurūpe ahanī dyaur ivāsi [?], viśvā hi māyā avasi svabhāvāt, bhadraṃ te pṛṣṭham atirastu [?], gāyatram asi, śreṣṭham asi, jāgatam asi, madhu madhu madhu || (0.4.5.18) anaṅkasād uttaraḥ pāhi, pratimāsi, yajataṃ te anyaj, jagatam asy ekaṃ ca || 5 ||
[Kaṇḍikā 12-15: siehe die vorangehende Übersetzung TA 4,5,12-15.] — Wohlbefußt möge ich sein; verletze mich nicht, verletze mich nicht; die Glut [und] das Brahman [seien] zwischen [mir und] den Feinden; verbrenne die im Kampf Zürnenden, die feindlich Gesinnten; verbrenne, o Gütiger, die Unbedachten, die Unwissenden; deine [Feinde] mögen sich zerstreuen, alterslos, unermüdlich; von dem, der [dich] kennt, erkannt; Svāhā! Mit den Maruts umgib dich; du bist das Maß, du bist das Vor-Maß, du bist das Gegenbild [Anm.: Passage insgesamt unsicher]. (TA 4,5,16) — Du bist die Vereinigung, du bist das Auseinander, du bist das Empor; du bist im Innern des Mittelraums gegründet; stütze dich auf den Himmel durch Glut-Askese; mit diesen Lobreden, [uns] nicht mangelnd gebend; anschwellend, der goldgelbe, wachsende [Somasaft?]; wenn du den Lobsängern die große Sippe/Herde aufbrichst, mögen wir dann reichlich Anteil haben; das eine [Teil] ist dir hell/klar, das andere ist dir verehrungswürdig. (TA 4,5,17) — Ihr beiden verschiedengestaltigen Tage [Tag und Nacht] seid wie der Himmel [?]; denn alle Zaubermacht (Māyā) bewahrst du aus [deinem] eigenen Wesen; heilvoll sei dir fürderhin der Rücken [?]. Du bist die Gāyatrī, du bist die Vortrefflichste, du bist die Jagatī; Süße, Süße, Süße! (TA 4,5,18) Ohne Ornat [?], schütze den Höheren, du bist das Gegenbild; das eine ist dir verehrungswürdig, das andere ist dir die Jagatī, eines.
Wort für Wort
tapo brahma antarā mitrān
die Glut und das Brahman seien zwischen mir und den Feinden
divaṃ tapasā śrayasva
stütze dich auf den Himmel durch Glut-Askese
gāyatram asi, jāgatam asi
du bist die Gāyatrī, du bist die Jagatī
madhu madhu madhu
Süße, Süße, Süße [erneutes Madhu-Motiv]
Schluss von Anuvāka 5 (Kaṇḍikā 16-18): eine an Rudra/die Maruts gerichtete Schutz- und Abwehrformel gegen Feinde (K.16), gefolgt von einer weiteren Segens- und Versmaß-Weiheformel mit erneutem Madhu-(Süße-)Motiv am Schluss (K.18, vgl. bereits Prapāṭhaka 4 Anuv.1). Diese drei Kaṇḍikās sind im vorliegenden Scan außergewöhnlich schwer lesbar (ungewöhnliche, möglicherweise korrupte Komposita wie 'viśurūpe', 'anaṅkasād'); die Übersetzung bleibt hier mit erheblicher Zurückhaltung zu lesen und ist an mehreren Stellen nur ein Näherungsversuch. Anuvāka 5 insgesamt umfasst Kaṇḍikā 12-18 (7 Kaṇḍikās).
Zehn [Strahlen] gen Osten, zehn scheinst du gen Süden, zehn gen Westen, zehn scheinst du gen Norden, zehn scheinst du aufwärts — wohlgesinnt; gewähre uns Glanz, ohne Groll. Agni möge dich mit den Vasus von Osten her erleuchten, mit dem Gāyatrī-Versmaß; du, der Erleuchtete, erleuchte mich. Indra möge dich mit den Rudras von Süden her erleuchten, mit dem Triṣṭubh-Versmaß; du, der Erleuchtete, erleuchte mich. Varuṇa möge dich mit den Ādityas von Westen her erleuchten, mit dem Jagatī-Versmaß; du, der Erleuchtete, erleuchte mich. (TA 4,6,19) — Der Leuchtende [Vāyu] möge dich mit den Maruts von Norden her erleuchten, mit dem Anuṣṭubh-Versmaß; du, der Erleuchtete, erleuchte mich. Bṛhaspati möge dich mit allen Göttern in der Versammlung erleuchten, mit dem Paṅkti-Versmaß; du, der Erleuchtete, erleuchte mich. Werde erleuchtet, o Gott, glühend, mit den Göttern; ich möchte unter den Menschen leuchten; das Brahman [und] das Erleuchtetsein zusammen; von den Göttern her langlebig, glanzvoll, voller geistlicher Macht; ich, der Erleuchtete, möge unter den Menschen langlebig, glanzvoll, voller geistlicher Macht werden; du bist Glanz; verleihe mir Glanz. (TA 4,6,20) — In mir [sei] Glanz; zehn [Strahlen] scheinst du gen Osten, zehn gen Süden, zehn scheinst du aufwärts — wohlgesinnt; du, Allherrscher, verleihe uns Speisekraft zur Stärkung; du, der Rennende, reinige dich für den Rennenden; des Erleuchteten gesetzmäßigem [Glanz gemäß] möchte ich leuchten. (TA 4,6,21) Erleuchte, verleihe; neun [Glieder].
Wort für Wort
daśa prācī daśa bhāsi dakṣiṇā
zehn Strahlen gen Osten, zehn scheinst du gen Süden
agnis tvā vasubhiḥ purastāt rocayatu
Agni möge dich mit den Vasus von Osten erleuchten
indras tvā rudrair dakṣiṇataḥ rocayatu
Indra möge dich mit den Rudras von Süden erleuchten
varuṇas tvādityaiḥ pratīcyāṃ rocayatu
Varuṇa möge dich mit den Ādityas von Westen erleuchten
bṛhaspatis tvā viśvair devaiḥ rocayatu
Bṛhaspati möge dich mit allen Göttern erleuchten
rucaṃ mayi dhehi
verleihe mir Glanz
Eine ausgedehnte Richtungs-Erleuchtungsformel (Osten/Süden/Westen/Norden/oben, je zehn Strahlen), in der jede Himmelsrichtung einer Gottheit (Agni/Indra/Varuṇa/Vāyu-der-Leuchtende/Bṛhaspati) und einem der fünf Hauptversmaße (Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī/Anuṣṭubh/Paṅkti) zugeordnet wird – strukturell verwandt mit ähnlichen Dikpāla-Weiheformeln in anderen Teilen dieses Āraṇyaka-Korpus (vgl. Prapāṭhaka 1, Anuvāka 18-19).
apaśyaṃ gopām anipadyamānam, ā ca parā ca pathibhiś carantam, sa sadhrīcīḥ sa viṣūcīr vasānaḥ, āvarīvarti bhuvaneṣv antaḥ | atra prāvīḥ [?], madhu mādhvyābhyām [?], madhu mādhūcyābhyām [?], anu vāṃ devavītaye, samadriṃ agninā gaḥ [?], śaṃ gaṃ devena savitā, sūryo racate || (0.4.7.22) ||
Ich sah den Hirten (Wächter), der niemals rastet, hin und her wandelnd auf seinen Pfaden; er, der sich in das Zusammenströmende und das Auseinanderströmende kleidet, bewegt sich hin und her innerhalb der Welten. [Anm.: WICHTIGER FUND — dies ist ein wörtliches Zitat des berühmten Verses ṚV 1,164,31 aus dem großen Rätsel-Sūkta ṚV 1,164 (dem Dīrghatamas zugeschriebenen 'Rätsel der Rätsel'), das bereits mehrfach in Prapāṭhaka 3 dieses Āraṇyaka anklang (Kaṇḍikā 25 und 28) — hier nun als direktes Zitat.] — Hier hast du beschützt/gefördert [?]; Süße mit den beiden Süßen [?]; Süße mit den beiden Honigreichen [?]; euch beiden folgend, zum Göttermahl; [mit] Agni zum Berg/Stein [?]; Wohlergehen und Freude gewähre der Gott Savitṛ; die Sonne erstrahlt/gestaltet sich. (TA 4,7,22)
Wort für Wort
apaśyaṃ gopām anipadyamānam
ich sah den Hirten, der niemals rastet [FUND, ZITAT ṚV 1,164,31]
ā ca parā ca pathibhiś carantam
hin und her wandelnd auf seinen Pfaden
āvarīvarti bhuvaneṣv antaḥ
er bewegt sich hin und her innerhalb der Welten
WICHTIGER FUND: Kaṇḍikā 22 zitiert wörtlich den berühmten Vers ṚV 1,164,31 ('apaśyaṃ gopām anipadyamānam...') aus dem Rätsel-Sūkta ṚV 1,164 — demselben Hymnus, der bereits in Prapāṭhaka 3 dieses Āraṇyaka mehrfach anklang (das Faden-Bild in Kaṇḍikā 25, das siebennamige Pferd am dreinabigen Rad in Kaṇḍikā 28). Dies bestätigt eine durchgehende, bewusste Bezugnahme des Taittirīya-Āraṇyaka auf dieses zentrale vedische Rätsel-Sūkta über mehrere Prapāṭhakas hinweg. Der Rest der Kaṇḍikā (nach dem Zitat) ist im Scan schwer lesbar und bleibt überwiegend unsicher.
Svāhā! Vereint mit der Glut-Askese ging [er/es] hervor; mit dem Gott Savitṛ, mit Sūrya, erstrahlte [es]; du bist der Träger des Himmels, du erleuchtest den Luftraum; der Träger der Erde, der Träger des weiten Mittelraums, der Träger, der Gott der Götter, der Unsterbliche, aus Glut geboren; dir im Herzen, dir im Verstand, dir im Himmel, dir für Sūrya [sei dies geweiht]. (TA 4,7,23) — Mache dieses Opfer aufwärtsgerichtet; im Himmel, unter den Göttern, reiche das Priesteramt dar; dem Herrn aller Welten, dem Herrn allen Verstandes, dem Herrn aller Rede, dem Herrn aller Glut-Askese, dem Herrn allen Gebets — du, göttlich-berühmt, o Gott Gharma, gehe zu den Göttern; die aus Glut geborene Rede leite auf uns, die Gottgeneigte. (TA 4,7,24) [Anm.: 'Gharma' bezeichnet hier das im Pravargya-Ritus verwendete glühende Tongefäß, mit dem heiße Milch dargebracht wird — vgl. bereits die Pravargya-Anspielungen in Prapāṭhaka 1 dieses Āraṇyaka.] — Der Keim der Götter, der Vater der Gedanken, der Herr der Geschöpfe, der Gedanke der Seher; vereint mit dem Gott Savitṛ trat [er] hervor; verleihe uns Lebensalter, o Gharma, [du] voller Glanz; du bist unser Vater; sei unser Vater, erkenne [uns]; verleihe uns Lebensalter; gib Glanz, gib Fülle, gib das Erwählenswerte. (TA 4,7,25) — Im Mittelraum, weit ausgedehnt [?], suchten wir dich mit Bitten auf; verletze mich nicht, verletze mich nicht; du bist von Anfang an der Hausherr der Stämme, aller menschlichen [Stämme]. (TA 4,7,26)
Wort für Wort
dhartā divo vibhāsi rajasaḥ
der Träger des Himmels, du erleuchtest den Luftraum
devaśravas tvaṃ deva gharma
du, göttlich-berühmt, o Gott Gharma
garbho devānām
der Keim der Götter
pitā no 'si, pitā no bodha
du bist unser Vater, sei unser Vater, erkenne uns
Kaṇḍikā 23-26 setzen die Pravargya-nahe Gharma-(Glühgefäß-)Verehrung fort, die bereits in Prapāṭhaka 1 dieses Āraṇyaka angeklungen war (Regenbogen-Ätiologie im Pravargya-Kontext). Gharma wird hier als kosmischer Träger von Himmel, Erde und Mittelraum sowie als 'Vater' des Betenden gepriesen. Mehrere Wendungen im dichten Scan nur mit Vorbehalt gedeutet.
Du bist die Gāyatrī, du bist die Triṣṭubh, du bist die Jagatī; mit dem Anteil der Kraft [komm] zu mir; behütet den Gharma, ihr verehrungswürdigen Vasus; Svāhā dir, dem Strahl der Sonne, zum Regen; ich opfere; du bist die süße Opfergabe; der Hitze der Sonne Hitze; mit Himmel und Erde umfasse ich dich. (TA 4,8,30) — Im Mittelraum nahe ich mich dir [?]; von den Göttern und den Vätern gebilligt, möchte ich [dich] zu tragen vermögen; du bist Glanz, [gewähre] Glanz reichlich [?]; verletze nicht den Himmelsberührenden, verletze nicht den Mittelraum-Berührenden, verletze nicht den Erdberührenden; du bist das Sonnenlicht, gewähre Sonnenlicht; halte den Himmel, bewahre mich vor dem Himmel [d.h. vor dessen Gefahr]. (TA 4,8,31) Komm, bewahre, schwill an; ich ergreife; neun [Glieder].
Wort für Wort
madhu haviḥ asi
du bist die süße Opfergabe
dyāvāpṛthivībhyāṃ tvā parigṛhṇāmi
mit Himmel und Erde umfasse ich dich
divispṛg mā hiṃsīḥ
verletze nicht den Himmelsberührenden
divaṃ yaccha, divo mā pāhi
halte den Himmel, bewahre mich vor dem Himmel
Schluss von Anuvāka 8 (Kaṇḍikā 27-31): die Gharma-/Pravargya-Weihe kulminiert in einer Umfassungsformel mit Himmel und Erde und einer abschließenden Schutzbitte, den Gharma nicht zu verletzen, während er Himmel, Mittelraum und Erde berührt. Anuvāka 8 insgesamt umfasst Kaṇḍikā 27-31 (5 Kaṇḍikās).
Dem Meer, dir, dem Winde, Svāhā; dem Gewässer, dir, dem Winde, Svāhā; dem Unangreifbaren, dir, dem Winde, Svāhā; dem Unbezwingbaren, dir, dem Winde, Svāhā; dem Schutzsuchenden, dir, dem Winde, Svāhā; dem Standhaften, dir, dem Winde, Svāhā; dem Bemühten, dir, dem Winde, Svāhā; dem Ersten, dir, dem Vasu-reichen, Svāhā; dem Soma, dir, dem Rudra-reichen, Svāhā; dem Varuṇa, dir, dem Āditya-reichen, Svāhā. (TA 4,9,32) — Dem Bṛhaspati, dir, dem Allgötter-reichen, Svāhā; dem Savitṛ, dir, dem Erd-, All-, Herrschafts- und Kraftreichen, Svāhā; dem Yama, dir, dem Aṅgiras- und Väter-reichen, Svāhā; alle Götter habe ich verehrt; den Trank des süßen Gharma mögen sie genießen; Svāhā den ersten Opferwürdigen; Heil durch die Yajus-Sprüche; ihr beiden Aśvin, trinket den himmlischen Gharma. (TA 4,9,33) — Tag für Tag mit [euren] Hilfen; euch beiden mögen Himmel und Erde zugetan sein; Svāhā dem Indra, so [sei es]; den himmlischen Gharma tranket ihr beiden Aśvin; Tag für Tag mit [euren] Hilfen; euch beiden mögen Himmel und Erde zugetan sein; ihn erbittend, so [sei es]; Verehrung dem Himmel, Verehrung der Erde. (TA 4,9,34) — Im Himmel [ist] diese Opferstätte; dieses Opfer setze im Himmel fest; gehe zum Himmel, gehe zum Mittelraum, gehe zur Erde, gehe zu den fünf Himmelsrichtungen, gehe voran zu den Göttern, gehe voran zu den Vätern. (TA 4,9,35)
Wort für Wort
samudrāya tvā vātāya svāhā
dem Meer, dir, dem Winde, Svāhā [Refrain-Muster]
aśvinā gharmaṃ pātaṃ hārdivānam
ihr beiden Aśvin, trinket den himmlischen Gharma
divaṃ gaccha, antarikṣaṃ gaccha, pṛthivīṃ gaccha
gehe zum Himmel, zum Mittelraum, zur Erde
Anuvāka 9 (K.32-35) ist eine ausgedehnte Svāhā-Litanei an Vāta/Vāyu (den Wind) in verschiedenen Epitheta-Kombinationen, gefolgt von weiteren Gottheiten (Bṛhaspati/Savitṛ/Yama) und einer erneuten, für den Pravargya charakteristischen Aśvin-Gharma-Trinkformel, endend mit einer Entlassungsformel des Opfers in alle kosmischen Richtungen.
[Kaṇḍikā 36-37 wie zuvor, s. TA 4,10,36-37] ... amuṣmāt tvā prāṇe sādayāmi, amunā saha nirṛtiṃ gaccha, yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, pūṣṇe śarase svāhā, agravyas svāhā, pratigreyas svāhā, dyāvāpṛthivībhyāṃ svāhā, pitṛbhyo gharmapeyāya svāhā, rudrāya rudrahotre svāhā || (0.4.10.38) || aharjyotiḥ ketunā juṣatām, sujyotir jyotiṣāgra svāhā, rātrijyotiḥ ketunā juṣatām, sujyotir jyotiṣāgra svāhā, apiparo mādho rātriye mā pāhi, eṣā te agre samit, tayā samiddhasya, āyur me dāḥ, varcasā māñji [?] || (0.4.10.39) || eṣā te agre samit, tayā samindhasva, āyur me dāḥ, varcasā māñji [?], agnir jyotir jyotiṣāgniḥ svāhā, sūryo jyotir jyotiṣāḥ sūryaḥ svāhā, bhūḥ svāhā, hutaṃ haviḥ, madhu haviḥ || (0.4.10.40) || pitā no 'si, mā mā hiṃsīḥ, aśīmahi te deva gharma, madhumato vājavataḥ, pitumataḥ, aṅgirasvat svadhāvin, aśīmahi tvā mā mā hiṃsīḥ, svāhā tvā sūryasya raśmibhyaḥ, svāhā tvā nakṣatrebhyaḥ, brahmavarcasāya pīpihi || (0.4.10.41) sapta ca || 10 ||
Aus jenem [Zustand] setze ich dich in den Atem; mit jenem [Feind/Übel] zusammen gehe zum Verderben; wer uns hasst und den wir hassen [dem gelte dies]. Dem Pūṣan, dem Pfeilträger, Svāhā; dem Vorersten, Svāhā; dem Empfangenden, Svāhā; Himmel und Erde, Svāhā; den Vätern, zum Gharma-Trank, Svāhā; dem Rudra, dem Rudra-Hotṛ, Svāhā. (TA 4,10,38) — Das Tageslicht möge sich am Banner erfreuen; gutes Licht am Lichte zuerst, Svāhā; das Nachtlicht möge sich am Banner erfreuen; gutes Licht am Lichte zuerst, Svāhā; überfülle mich nicht bei Tag, bewahre mich nicht bei Nacht [?]; dies ist dein erstes Brennscheit; durch dieses entzündet, verleihe mir Lebensalter, mit Glanz [?]. (TA 4,10,39) — Dies ist dein erstes Brennscheit; durch dieses entzünde dich; verleihe mir Lebensalter, mit Glanz; Agni ist Licht, am Lichte Agni, Svāhā; Sūrya ist Licht, am Lichte Sūrya, Svāhā; der Erde, Svāhā; dargebracht die Opfergabe, die süße Opfergabe. (TA 4,10,40) — Du bist unser Vater, verletze mich nicht, verletze mich nicht; wir möchten dich erlangen, o Gott Gharma, süßereich, kraftreich, speisereich, aṅgiras-artig, eigenmächtig; wir möchten dich erlangen, verletze mich nicht, verletze mich nicht; Svāhā dir, den Sonnenstrahlen; Svāhā dir, den Sternbildern; schwill an zur geistlichen Glut. (TA 4,10,41) Sieben [Glieder].
Wort für Wort
yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ
wer uns hasst und den wir hassen
agnir jyotir jyotiṣāgniḥ svāhā
Agni ist Licht, am Lichte Agni, Svāhā
sūryo jyotir jyotiṣāḥ sūryaḥ svāhā
Sūrya ist Licht, am Lichte Sūrya, Svāhā
pitā no 'si, mā mā hiṃsīḥ
du bist unser Vater, verletze mich nicht
Schluss von Anuvāka 10 (Kaṇḍikā 36-41): eine Abwehrformel gegen Feinde/Hasser, gefolgt von einer Tag-Nacht-Lichter-Litanei (Agni/Sūrya als Licht) im Rahmen der fortgesetzten Gharma-Weihe. Anuvāka 10 insgesamt umfasst Kaṇḍikā 36-41 (6 Kaṇḍikās).
[Kaṇḍikā 42-45 wie zuvor, s. TA 4,11,42-45] ... ratnir nāma asi divyo gandharvaḥ, tasya te pradṛddhaṃ vidhānam [?], agrer dhvaṃsāḥ [?], rudro 'dhipatiḥ, sam āyuṣā, saṃ prāṇena, saṃ varcasā, saṃ payasā, saṃ gavya pūtyena [?], saḥ rāyaspoṣeṇa || (0.4.11.46) || 11 ||
[Kaṇḍikā 42-45: siehe die vorangehende Übersetzung TA 4,11,42-45.] — 'Ratnin' ('Schatzbringer') ist dein Name, du himmlischer Gandharva; dir [ist] die feste Zuordnung [?]; der Feuer-Zerfall [?]; Rudra der Oberherr; vereint mit Lebensalter, vereint mit Atem, vereint mit Glanz, vereint mit Milch/Kraft, vereint mit der Rinderreinigung [?]; er, mit Reichtumsfülle. (TA 4,11,46)
Wort für Wort
ratnir nāma asi divyo gandharvaḥ
'Schatzbringer' ist dein Name, du himmlischer Gandharva
sam āyuṣā, saṃ prāṇena, saṃ varcasā
vereint mit Lebensalter, Atem, Glanz
Schluss von Anuvāka 11 (Kaṇḍikā 42-46), mit einer abschließenden Anrufung eines himmlischen Gandharva namens 'Ratnin' ('Schatzbringer'). Anuvāka 11 insgesamt umfasst Kaṇḍikā 42-46 (5 Kaṇḍikās). Mehrere Wendungen der Schlusskaṇḍikā im Scan unsicher.
vyaṃsaḥ [?], yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, acikraddhṛṣā hariḥ, mahān mitro na darśataḥ, saḥ sūryaṃ rocate, cid asi samudrayoniḥ, ṛtāvā, hiraṇyapakṣaḥ śakuno bhuraṇyuḥ, mahān saṃdhasthe dhruva aniṣattaḥ || (0.4.12.47) || namas te astu, mā mā hiṃsīḥ, viśvāvasuṃ somagandharvam, āpo devīr abhi śundhata, tad anv aidayat [?], indro rārahāṇa āsām, pari sūryasya paridhir apaśyat, viśvāvasum abhi tan no gṛṇātu, divyo gandharvo rajaso vimānaḥ, yad dhā ghā satyam uta yat sma vidma || (0.4.12.48) || dhiyo hinvāno dhiya invanaḥ, prāso gandharvo amṛtāni vocat, indro dakṣaḥ pari jānād ahīnām [?], etat tvad deva gharma devavedaḥ, idam ahaṃ manuṣyo manuṣyān, somapīthāya mehi, saha prajayā, saha rāyaspoṣeṇa, sumitrā na āpa oṣadhayas santu || (0.4.12.49) || durmitrās tasmai bhūyāsuḥ, yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, ud u tyaṃ tamasas pari, ud u tyaṃ citram, gāyatraṃ navīyaḥ, sam agre deveṣu praveśam [?] || (0.4.12.50) || yaḥ īḍe tāṃ tad etenāvayaje svāhā [?], dharmaṇā śayudhāyāḥ [?] prāsiṣīmahi poṣeṇa niṣattaḥ [?], vidhma santvaṣṭe ca [?] || (0.4.12) || 12 ||
Ohne Schulter/Getrenntheit [?] — wer uns hasst und den wir hassen [dem gelte dies]. Der ungestüme Falbe [Sonnenross/-vogel] leuchtet unwidersprochen; groß, wie Mitra, unübersehbar [?] — er erstrahlt zur Sonne; du bist der Ozean-Ursprüngliche, der kosmischen Ordnung folgend, goldbeschwingter, geschäftiger Vogel; groß, an fester Stätte sitzend, unerschütterlich. (TA 4,12,47) [Anm.: FUND — die Beschreibung als 'goldbeschwingter Vogel' (hiraṇyapakṣaḥ śakunaḥ) reiht sich in die vedische Motivfamilie des goldenen Sonnenvogels ein, vgl. verwandte Bilder in ṚV 10,55 und die früheren Vogel-Bilder in Prapāṭhaka 3 dieses Āraṇyaka.] — Homage sei dir, verletze mich nicht, verletze mich nicht; den Viśvāvasu, den Soma-Gandharva; die göttlichen Gewässer reinigen [ihn]; das folgte [ihm nach]; Indra, sich freuend an ihnen, erblickte die Umhüllung der Sonne; Viśvāvasu möge uns dies zusprechen, der himmlische Gandharva, der Durchmesser des Staubkreises; was auch immer wahr ist und was wir wissen. (TA 4,12,48) — Die Gedanken antreibend, die Gedanken bewegend, verkündete der Gandharva Prāsa die unsterblichen [Wahrheiten]; Indra, der Geschickte, erkannte rings die [feindlichen Schlangen-Dämonen]; dies [empfange] von dir, Gott Gharma, Gottwissender; ich, der Mensch, [nahe] den Menschen; komm zum Soma-Trank, mit Nachkommenschaft, mit Reichtumsfülle; gute Freunde mögen uns die Gewässer und Heilkräuter sein. (TA 4,12,49) — Schlechte Freunde mögen dem werden, der uns hasst und den wir hassen; empor aus jener Finsternis, empor zu jenem Wunderbaren; das Gāyatram, aufs Neue; zu Anfang bei den Göttern der Einzug. (TA 4,12,50) — Wer [ihn] verehrt [?] — dem sei dies durch dieses Opfer geweiht, Svāhā; durch die [rechte] Ordnung [?] mögen wir uns an Nahrung erfreuen, in Fülle gegründet [?], und an Tvaṣṭṛ [gedenkend] [?]. (TA 4,12, Schlussformel) [Anm.: Diese kurze Schlussformel zwischen K.50 und K.51 ist im Quellscan an dieser Stelle nur sehr schwer lesbar (kleiner Druck); Transkription und Übersetzung entsprechend unsicher markiert. Damit schließt Anuvāka 12.]
der himmlische Gandharva, der Durchmesser des Staubkreises
dhiyo hinvāno dhiya invanaḥ
die Gedanken antreibend, die Gedanken bewegend
WICHTIGER FUND: Anuvāka 12 (K.47-50) enthält eine Reihe von Gandharva-Anrufungen (Viśvāvasu, Prāsa) verbunden mit dem Bild eines goldbeschwingten kosmischen Vogels (hiraṇyapakṣaḥ śakunaḥ) — motivisch verwandt mit ähnlichen Sonnenvogel-Bildern aus Prapāṭhaka 3 dieses Āraṇyaka (śyena/suparṇa/pataṅga) und aus ṚV 10,55. Die Gandharva-Gewässer-Verbindung setzt zudem den bereits in Prapāṭhaka 3 (K.30) gefundenen Gandharva-Vāc-Mythos-Komplex fort. Mehrere Wendungen im dichten Scan unsicher. Anuvāka 12 schließt mit einer im Scan schwer lesbaren Kurzformel (Anuvāka-Marke '12').
Du bist die Milch der großen [Wesen/Wasser], den Göttern zugeteilt; du bist der Lichtglanz der Waldbäume, der Saft der Heilkräuter; als [kraftvolles] Rennpferd mögen die Rennpferde dich fördern [?]; empor [strebe] der Geist zum Himmel. (TA 4,13,51) — Nicht fallend [aus] Himmel und Erde; nicht fallend entstehen die jungen Kühe; das Springende [Skandra] durchdringe [?] die Welten; das Springende [Opfer] zeuge; aus dem Gesprungenen entsteht Nachkommenschaft; aus dem Gesprungenen wird der Bulle erkannt; im Gesprungenen mögen wir geboren werden. (TA 4,13,52) [Anm.: Dichte Wortspiel-Litanei um die Wurzel √skand ('springen, spritzen, herabfallen') — vermutlich mit Bezug auf das Herabfließen des Soma-Safts oder auf Zeugung/Geburt; Übersetzung stark tentativ, mehrere Formen unsicher.]
Wort für Wort
mahīnāṃ payo 'si
du bist die Milch der großen [Wesen]
vanaspatīnām oṣadhīnāṃ rasaḥ
der Saft der Waldbäume [und] Heilkräuter
skandro yajñaḥ prajanayat
das Springende [Opfer] zeuge Nachkommenschaft
Anuvāka 13 (K.51-52): kurze Formeln — zunächst eine Milch/Licht-Formel (Bezug zu Bäumen/Heilkräutern), dann eine dichte Wortspiel-Litanei zur Wurzel √skand ('springen, spritzen'), evtl. mit Bezug auf das Herabfließen des Soma oder auf Zeugung. Schließt mit Anuvāka-Marke '13'.
Welcher Blitz nach vorn [Osten] fiel — dem sei dies durch dieses Opfer geweiht, Svāhā; welcher nach Süden, welcher nach hinten [Westen], welcher nach Norden, welcher von oben herab fiel — dem sei dies durch dieses Opfer geweiht, Svāhā. (TA 4,14,53) [Anm.: Apotropäische Formel, die den Blitz aus allen Himmelsrichtungen durch Svāhā-Opfer bannt — Fortsetzung der Schutz-Thematik des Gharma-Rituals.] — Dem Einatem sei Svāhā, dem Zwischenatem sei Svāhā, dem Ausatem sei Svāhā, dem Auge sei Svāhā, dem Ohr sei Svāhā, dem Denksinn sei Svāhā, der Sprache [und] Sarasvatī sei Svāhā. (TA 4,15,54) [Anm.: Lebensfunktions-Litanei — Weihung der Atemkräfte und Sinnesorgane.]
Wort für Wort
yā puraḥ tād vidyud apatat
welcher Blitz nach vorn (Osten) fiel
prāṇāya svāhā, vyānāya svāhā, apānāya svāhā
dem Ein-, Zwischen-, Ausatem sei Svāhā
vāce sarasvatyai svāhā
der Sprache (und) Sarasvatī sei Svāhā
Anuvāka 14 (K.53, einzelne Kaṇḍikā): Blitz-Richtungsformel. Anuvāka 15 (K.54, einzelne Kaṇḍikā): Svāhā-Litanei der Lebensatem-Funktionen und Sinne (prāṇa, vyāna, apāna, Auge, Ohr, Manas, Vāc/Sarasvatī). Beide kurze, formelhafte Einzel-Kaṇḍikā-Anuvākas.
Dem Verdienstvollen [puṇya, dem heilsam-Reinen] sei Svāhā; dem verdienstvollen Pfeil [?] sei Svāhā; dem verdienstvollen Weggeleit sei Svāhā; [weitere, im Scan schwer lesbare, orts-/eigennamenartige Epitheta] sei Svāhā; dem verdienstvollen Sāketa [?] sei Svāhā. (TA 4,16,55) [Anm.: Mehrere der aufgeführten puṇya-Epitheta sind im Scan schwer lesbar und wirken wie Orts- oder Eigennamen (vgl. 'Sāketa'); Übersetzung der mittleren Glieder unsicher.] — Aus seiner Kraft trägt der Lichtglanz, nicht ermattend [?], die Last, wie die Erde [ihre Last trägt]; es leuchte auf die göttliche Einsicht; unser ausgepresster [Somasaft, gleich] einem Wagen, [gleich] einem Rennpferd; die einen singend gedenken des großen Sāman; dadurch ließen sie die Sonne erstrahlen. Der Gharma [ist] das Haupt — das ist dieser Agni; du bist der Bodensatz [puriṣa], lieb, mit Nachkommenschaft und Vieh sei [dieser Platz]; Prajāpati möge dich niedersetzen; mit jener Gottheit, wie Aṅgiras sprechend, setze dich. (TA 4,17,56) [Anm.: Identifikation des Gharma-Gefäßbodensatzes (puriṣa) mit Agni, im Rahmen der Pravargya-Symbolik.] — Deine anfänglichen feuchten Mutterschöße, die nestbildenden — die Kräfte deines Leibes, o Agni, mit Namen; mit diesen, furchtlos [?] vereint, setze dich, o Agni, mit Nachkommenschaft [und] Besitz; Prajāpati möge dich niedersetzen; mit jener Gottheit, wie Aṅgiras sprechend, setze dich. (TA 4,18,57)
Wort für Wort
puṇye svāhā
dem Verdienstvollen (Heilsam-Reinen) sei Svāhā
gharmaḥ śiras tad ayam agniḥ
der Gharma ist das Haupt — das ist dieser Agni
puriṣam asi priyaṃ
du bist der (liebe) Bodensatz
yāḥ kulāyinīḥ
die nestbildenden (Mutterschöße)
Anuvāka 16 (K.55): puṇya-Svāhā-Litanei mit mehreren unsicher lesbaren, orts-/eigennamenartigen Epitheta. Anuvāka 17 (K.56): Identifikation des Gharma-Gefäßbodensatzes (puriṣa) mit Agni. Anuvāka 18 (K.57): Fortsetzung der Agni/Gharma-Anrede mit Geburts-/Nest-Bildern. Alle drei setzen die Pravargya-Symbolik der vorherigen Anuvākas fort.
Du bist Agni, du bist Vaiśvānara, du bist das Jahr, du bist das Umjahr [parivatsara]; du bist das Idāvatsara, du bist das Idvatsara [weitere Jahreszyklus-Bezeichnungen]; von dir ist der Frühling das Haupt, der Sommer der rechte [südliche] Flügel, die Regenzeit der Schwanz, der Herbst der linke [nördliche] Flügel, der Winter die Mitte; die ersten Monatshälften [sind] die drei [Vorderglieder], die zweite Monatshälfte der Bodensatz; Tag und Nacht die Achtzahl [Aṣṭakās]; die Monatshälften mögen sich fügen, die Jahreszeiten mögen sich fügen, das Jahr möge sich fügen, Tag und Nacht mögen sich fügen — so im Gehen, im Fortgehen, im Zusammensein, im Aufgehen [?]; Prajāpati möge dich niedersetzen; mit jener Gottheit, wie Aṅgiras sprechend, setze dich. (TA 4,19,58) [Anm.: Zeit-Identifikation des Gharma/Agni mit dem Jahreslauf — ein Beispiel der verbreiteten vedischen Homologie von Ritualobjekt und Kosmos/Zeit, vgl. ähnliche Jahres-Gliederungen im Śatapatha-Brāhmaṇa und in Agnicayana-Passagen anderer Āraṇyakas.] — Erde, Luftraum, Himmel; empor, ja wahrlich, zu unserer Hilfe; empor beschütze uns vor Bedrängnis; das Durchdringende eilt im Wettstreit der Vielen; jung seiend, ist [doch] der Graue [Alte] gealtert; schau die Dichterkraft des Gottes in [seiner] Größe — [im Scan an dieser Stelle nur bruchstückhaft lesbar] — vordem von hohem Alter geehrt; der Freigebige [Indra?] [ist] der Vorangehende [?]. (TA 4,20,59) [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist im vorliegenden Scan an mehreren Stellen nur sehr schwer lesbar; die Übersetzung bleibt in der zweiten Hälfte notwendig tentativ und lückenhaft. Das Bild vom 'jung seienden, doch gealterten' Wesen erinnert motivisch an ähnliche Rätselformulierungen wie in ṚV 1,164.] — Wiederhergestellt, [wenn auch] verschüttet [?] [ist er] wieder; wieder erhebe sich [?] mit Kraft; nicht soll uns der Gharma erschüttert schaden, nicht uns Schaden [bringen]; nicht soll er uns aus der Ferne, nicht durch Dunkel uns [treffen]; halte [uns] fern aus der Finsternis [?]; nicht sollen uns die Rudras zürnend [verletzen] [?]; nicht sollen uns die durch die Jahreszeiten verstimmten [Götter] als Hassende preisgeben; nicht soll uns Rudra, nicht Nirṛti verderben; nicht sollen Himmel und Erde uns verstimmt sein. (TA 4,20,60) [Anm.: Schutzformel, die den Abschluss des Gharma/Pravargya-Ritualkomplexes markiert — Bitte um Fernhaltung von Schaden durch das erhitzte Gharma-Gefäß sowie durch zürnende Götter (Rudra, Nirṛti). Mehrere Wortformen im Scan unsicher.]
Wort für Wort
agnir asi vaiśvānaro 'si saṃvatsaro 'si
du bist Agni, du bist Vaiśvānara, du bist das Jahr
tasya te vasantaḥ śiraḥ
von dir ist der Frühling das Haupt
bhūr bhuvaḥ suvaḥ
Erde, Luftraum, Himmel
mā no gharmo vyathito vyathir no naḥ
nicht soll uns der erschütterte Gharma schaden
mā no rudro nirṛtir no astā
nicht soll uns Rudra, nicht Nirṛti verderben
Anuvāka 19 (K.58): Identifikation von Agni/Gharma mit dem Jahreslauf und seinen Gliedern (Jahreszeiten, Monatshälften, Tag/Nacht) — kosmologische Zeit-Homologie. Anuvāka 20 (K.59-60): schließt den seit Anuvāka 5 laufenden Gharma/Pravargya-Ritualkomplex mit einer Schutz-/Segensformel gegen Schaden durch das erhitzte Gefäß und zürnende Götter ab. K.59 im Scan stark lückenhaft; Übersetzung entsprechend tentativ. [Methoden-Hinweis: Ab K.58 folgt eine Reihe sehr kurzer, oft nur eine Kaṇḍikā umfassender Anuvākas; die genaue Anuvāka-Zählung ist im dichten Kleindruck des Quellscans an mehreren Stellen nicht mit Sicherheit zu lesen. Die Kaṇḍikā-Zählung selbst (fortlaufend) bleibt zuverlässig und wird ab hier als primäre Gliederung verwendet; Anuvāka-Nummern werden, wo lesbar, ergänzend genannt.]
upa no mitrāvaruṇāv ihāvataṃ [?], anv adīdhyāthām iha nas sakhāyā, ādityānāṃ prasitir hetiḥ, ugrā śatapāśā gha viṣā pari no vṛṇaktu, imaṃ me varaṇaṃ [?] tat tvā yāmi, tvaṃ no agne sa tvaṃ no agne, tvam agne 'yāsi, udyaṃ tamas pari, ud u tyaṃ citram, vayas suparṇāḥ || (0.4.20.61) || bhūrbhuvassuvaḥ, mayi tyad indriyaṃ mahat, mayi dakṣo mayi kratuḥ, mayi dhāyaḥ suvīryam, triśuṅ gharmo vibhātu me, ākūtyā manasā saha, virājā jyotiṣā saha, yajñena payasā saha, brahmaṇā tejasā saha, kṣatreṇa yaśasā saha, satyena tapasā saha, tasya dohamaśīya, tasya sumbramaśīya [?], tasya bhakṣamaśīya, tasya te indrasya priyatamaṃ dhāma pratyupahasyopahūta bhakṣayāmi [?] || (0.4.21.62) || yās te agne ghorās tanvaḥ, kaśca tṛṇā ca [?], aśmagānā hutāśca [?], aśanayā ca pipāsā ca, sedikṣāmi tāḥ [?], etās te agne ghorās tanvaḥ, tābhir mum gacha, yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || (0.4.22.63) || sṛk sthirā sthitiśca, uṣṇā ca śītā ca, ugrā ca bhīmā ca, sadamriṣṭiḥ [?] sedeḍiraṇiḥ [?], etās te agne ghorās tanvaḥ, tābhir mum gacha, yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || (0.4.23.64) ||
Steht uns bei, Mitra und Varuṇa, hier; wendet euch uns hier zu, ihr Freunde; der Ādityas Griff [ist] das Wurfgeschoss; die gewaltige, hundertfesselige [Krankheit] und das Gift mögen an uns vorübergehen; um diese meine Wahl bitte ich dich; du für uns, Agni, ja du für uns, Agni; du, Agni, bist herbeigekommen; empor aus der Finsternis, empor zu jenem Wunderbaren, dem gutbeschwingten Vogel. (TA 4,20,61) — Erde, Luftraum, Himmel; in mir [sei] jene große Sinneskraft; in mir Geschick, in mir Tatkraft; in mir Kraft und gute Heldenhaftigkeit; das dreifache Gharma-Licht leuchte mir [?]; mit Absicht und Denksinn, mit dem Virāj und Lichtglanz, mit Opfer und Milch(-kraft), mit Priestertum und Glut, mit Adelsmacht und Ruhm, mit Wahrheit und Askese-Glut — dessen Melkung möge ich erlangen, dessen [Vollkommenheit? [?]] möge ich erlangen, dessen Anteil möge ich erlangen; jenes liebste Reich Indras, dazu eingeladen, verzehre ich. (TA 4,21,62) [Anm.: Segens-/Machtaneignungsformel; Übergang von der Gharma-Symbolik zur folgenden Reihe von Fluchformeln.] — Welche grausigen Leiber du hast, o Agni — Dornen und Gras, feurige Kohlen und Geworfenes [?], Hunger und Durst — diese wende ich ab [?]; diese deine grausigen Leiber, o Agni, mit ihnen gehe gegen den, der uns hasst und den wir hassen. (TA 4,22,63) — Blut [?], Starre und Stetigkeit, Heißes und Kaltes, Furchtbares und Schreckliches, [zwei weitere unsichere Epitheta] — diese deine grausigen Leiber, o Agni, mit ihnen gehe gegen den, der uns hasst und den wir hassen. (TA 4,23,64) [Anm.: Beginn der eigentlichen Fluch-/Abwehrformeln (abhicāra) gegen Feinde — Agnis 'grausige Leiber' (Dornen, Glut, Hunger, Durst, Hitze, Kälte) werden gegen den Hasser gerichtet.]
Wort für Wort
upa no mitrāvaruṇāv ihāvataṃ
steht uns bei, Mitra und Varuṇa, hier
mayi tyad indriyaṃ mahat
in mir sei jene große Sinneskraft
yās te agne ghorās tanvaḥ
welche grausigen Leiber du hast, o Agni
yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ
der uns hasst, und den wir hassen
K.61: Schutzanrufung an Mitra-Varuṇa und Agni. K.62: Selbstaneignung kosmischer Qualitäten, Übergang zur Fluchreihe. K.63-64: Beginn der abhicāra-Fluchformeln — Agnis 'grausige Leiber' (Dornen, Glut, Hitze/Kälte etc.) werden gegen den Hasser gerichtet. Diese Reihe markiert den Übergang vom Gharma/Pravargya-Komplex zu einer längeren Serie von Verfluchungs- und Abwehrformeln, die für den Rest von Prapāṭhaka 4 charakteristisch ist. Mehrere Wortformen im dichten Scan unsicher.
Der Tosende und der Umnachtende und der Dröhnende [?], der Bespritzende und der Beschmierende und der Zerstreuende [?]. (TA 4,24,65) — Der Gewaltige und der Tosende und der Umnachtende und der Dröhnende, der Tausendfach-Rufende [?] und der Bezwingende und der Kraftvolle und der Übermächtige — kommt herzu, geht fort, ihr Zerstreuenden [?]. (TA 4,25,66) [Anm.: K.65-66 reihen personifizierte, dämonenartige Kraft-/Krankheitsnamen aneinander; im Scan schwer lesbar, Übersetzung tentativ.] — Tag und Nacht mögen dich [zur Rechenschaft] erheben, die Monatshälften mögen dich erheben, die Monate mögen dich kochen [?], die Jahreszeiten mögen dich garen, das Jahr möge dich töten. (TA 4,26,67) [Anm.: eine Zeit-Verfluchungsformel — die Zeiteinheiten selbst werden angerufen, den Feind zu 'kochen' und zu töten.] — 'Schwert, zerhaue! Zerschneide, zerspalte, verletze, [triff]' — so lauten die grausamen Worte. (TA 4,27,68) [Anm.: Ausdrückliche Selbstbezeichnung als 'krūrāṇi vācaḥ', 'grausame Worte' — bestätigt den Charakter dieser Passage als rituelle Fluchsprüche (abhicāra) gegen Feinde.] — Indra, umherwandelnd, [sucht den Übeltäter (?)]; sucht den schlafenden Indra samt Vieh [d.h. wendet euch an ihn]; wecke jenen Übelgesinnten mit der Vajra; der Schlaf falle über seine Genüsse her; Agni, verbünde dich mit Agni [?]; Tod, verbünde dich mit dem Tod; Verehrung sei dir, Erhabener; einmal sei dir, Agni, Verehrung; zweimal Verehrung, dreimal, viermal, fünfmal, zehnmal, hundertmal, tausendmal, unbegrenzt-mal sei dir Verehrung; Verehrung sei dir — verletze mich nicht, verletze mich nicht. (TA 4,28,69) [Anm.: Stark dichte, im Scan an mehreren Stellen kaum entzifferbare Verfluchungs-/Anrufungsformel mit charakteristischer eskalierender namaḥ-Zählung (1-2-3-4-5-10-100-1000-unbegrenzt), abschließend als Bitte um eigene Verschonung.]
sakṛttvas te agni namaḥ ... aparimitakṛtvas te namaḥ
einmal ... bis unbegrenzt-mal sei dir Verehrung
K.65-66: dämonenartige Kraftnamen-Litanei. K.67: Zeit-Verfluchungsformel. K.68: explizite 'grausame Worte' (Schwert-Bildsprache). K.69: Anrufung Indras und des Todes gegen den schlafenden Feind, mit charakteristischer eskalierender Verehrungszählung (namaḥ 1× bis unbegrenzt) als Selbstschutzformel. Durchgehend dichter, schwer lesbarer Scan; mehrere Lesungen unsicher.
Blutschau-artig [?], mit Blut unkenntlich gemacht, dessen Bote als reißendes Tier auftritt [?]; der Geier, der Adler, ihn bereitend [?], sucht ihn heim; dessen Bote, o Bhava, an beide [Welten] gesandt ist [?]. (TA 4,29,70) [Anm.: Anrufung Bhavas (einer Erscheinungsform Rudras) mit Geier- und Blutbildern.] — Wenn du, dies geworden [zu einem Bären-artigen Wesen (?)], mit der göttlichen Rede herankommst — mit diesen Kräften kommst du an den Hasser heran; ihn, o Tod, führe dem Tode zu; er möge Not mit Not [vergelten (?)]. (TA 4,30,71) [Anm.: direkte Anrede an Mṛtyu, den Tod, den Feind 'dem Tode zuzuführen' — Kernformel der abhicāra-Verfluchung.] — Ob er gebeten wurde, oder ob aus eigenem Verlangen — falls einer allein jenes Wort ausspricht, so möge Indra, mit dem Priesterwort darin übereinstimmend, es uns und unseren Häusern heilsam machen. (TA 4,31,72) [Anm.: Absicherungsformel — falls die vorausgehenden Fluchworte fälschlich oder aus Bosheit gesprochen wurden, soll Indra sie ins Heilsame wenden.] — Langgesichtige Truggöttin [Druh, verwandt mit Nirṛti], sprich nicht von rechts her; wenn du von rechts her sprichst, dann halte den, der mich hasst, fern [?]. (TA 4,32,73) — Als tötender Uluka [Eulen-Dämon] kam er heran, goldäugig, eisenmündig; als Bote der Rakṣas ist er gekommen; den vertreiben wir von hier. (TA 4,33,74) [Anm.: Abwehrformel gegen einen dämonischen Boten in Eulengestalt, mit goldenen Augen und eisernem Mund — ein klassisches Rakṣas-Motiv.]
Wort für Wort
taṃ mṛtyo mṛtyave naya
ihn, o Tod, führe dem Tode zu
dīrghamukhī druhaṇi
langgesichtige Truggöttin (Druh)
hiraṇyākṣo ayomukhaḥ
goldäugig, eisenmündig
rakṣāṃsi dūtā āgataḥ
als Bote der Rakṣas ist er gekommen
K.70: Bhava/Rudra-Anrufung mit Geier-/Blutbildern. K.71: Kernformel der Todes-Verfluchung ('mṛtyo mṛtyave naya'). K.72: Absicherung gegen unrechtmäßig gesprochene Flüche. K.73: Anrede an eine Truggöttin (Druh, verwandt mit Nirṛti). K.74: Abwehr eines Rakṣas-Boten in Eulengestalt (Uluka), goldäugig und eisenmündig. Insgesamt eine dichte Reihe apotropäischer Formeln gegen dämonische Boten und feindliche Zauberworte.
yad etadbhūtānya āviśat [?], daivīṃ vācaṃ vadasi, dviṣato naḥ parāva [?], tām ārtyā ārtim ācchāntu, agnināgni saṃvadatām [?] || (0.4.34.75) || prasāya savyo pārtiḥ [?], savyamakṣi nipapi ca [?], mahaṃ kasya cana amat [?] || (0.4.35.76) || atriṇā tvā kṛmi hanmi [?], kaṇvena jamadagninā, viśvāvasor brāhmaṇā hataḥ [?], krimīṇā rājñā, aryamṇā [?] spardhitāḥ [?], atho mātā atho pitā, atho sthūrā atho kṣudrāḥ, atho kṛṣṇā atho śvetāḥ, atho āśātikā hatāḥ, śvetābhis saha sarve hatāḥ || (0.4.36.77) || āhārgavadhaḥ [?], śrutasya haviṣo yathā, tat satyam, yad amuṣya jambhayoḥ, ādadhāmi tathā hi tat, khamphamphrasi [?] || (0.4.37.78) || brahmaṇā tvā śapāmi, brahmāstvā śapathaṃ śapāmi, ghoreṇa tvāṅgirasā manasā dhyāyāmi, aghasya tvā dhārayā vidhyāmi, aparo mat pratyak svasau [?] || (0.4.38.79) || ud uttamaṃ [?] śimijāvari [?], tal ejat ala uttud [?], girer anupraveśaya, marīś cirasaṃsad [?], yāvad itaḥ purastād udayāti sūryaḥ, tāvad ito 'nu nāśaya, yo 'smān dveṣṭi, yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ || (0.4.39.80) 39 ||
[K.75, stark unsicher:] Wenn dieses [Wesen] in andere eingeht, sprichst du die göttliche Rede; unsere Hasser stoße fort; Not soll ihnen Not zufügen; Feuer verbünde sich mit Feuer. (TA 4,34,75) [Anm.: Übersetzung dieser Kaṇḍikā sehr tentativ.] — [K.76, im Scan kaum entzifferbar:] [Formel unklar, offenbar eine kurze, an eine Geste (linke Seite, linkes Auge) gebundene Anweisung innerhalb der Fluchreihe.] (TA 4,35,76) [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist im vorliegenden Scan nicht mit ausreichender Sicherheit zu lesen; eine verlässliche Übersetzung ist hier nicht möglich.] — Mit Atri töte ich dich, Wurm, mit Kaṇva, mit Jamadagni; durch das Priesterwort des Viśvāvasu bist du getötet, du Wurm, samt König; mit Aryaman im Streit liegend [?]; ferner die Mutter, ferner der Vater; ferner die Großen, ferner die Kleinen; ferner die Schwarzen, ferner die Weißen; ferner die Verwandten sind getötet; samt den Weißen sind alle getötet. (TA 4,36,77) [Anm.: FUND — ein Wurm-/Ungeziefer-Bannspruch (kṛmi-nāśana) über Rṣi-Namen (Atri, Kaṇva, Jamadagni) und Kategorien (groß/klein, schwarz/weiß, Mutter/Vater) hinweg — ein Formeltyp, der auch aus dem Atharvaveda bekannt ist.] — Herbeigebracht sei der Kuh-Tod [?], wie beim gehörten Opfer; das ist wahr; was in jenes Wesens Kiefern ist, das lege ich dort hinein, denn so ist es — [magische Lautgeste 'khamphamphrasi']. (TA 4,37,78) [Anm.: Die Lautfolge 'khamphamphrasi' ist offenbar eine magische Onomatopoesie ohne wörtliche Bedeutung.] — Mit dem Priesterwort verfluche ich dich, mit dem Brahman-Fluch verfluche ich dich als Fluch; mit dem furchtbaren, Aṅgiras-artigen Denksinn erwäge ich dich; mit dem Strahl des Übels durchbohre ich dich; ein anderer sei mir entgegen [von mir] zurückgewichen [?]. (TA 4,38,79) [Anm.: eine der direktesten Fluchformeln dieser Reihe — explizite Selbstbezeichnung als 'Brahman-Fluch' (brahmaśapatha).] — Empor, du Höchste, Śimijāvarī [?] — das Zitternde treibe hervor, lass ihn in den Berg eindringen, zur Wüste, zur langdauernden Verbannung [?]; solange von hier nach Osten die Sonne aufgeht, solange verjage ihn von hier weg — ihn, der uns hasst und den wir hassen. (TA 4,39,80) [Anm.: abschließende Verbannungsformel — der Feind soll für die gesamte Dauer des Sonnenlaufs, also für immer, vertrieben werden.]
Wort für Wort
atriṇā tvā kṛmi hanmi
mit Atri töte ich dich, Wurm
brahmaṇā tvā śapāmi
mit dem Priesterwort verfluche ich dich
yāvad itaḥ purastād udayāti sūryaḥ, tāvad ito 'nu nāśaya
solange von hier die Sonne aufgeht, solange verjage ihn von hier
K.75-76: sehr unsicher/kaum lesbar, tentative Übersetzung bzw. bei K.76 keine verlässliche Übersetzung möglich. K.77: FUND — klassischer Wurm-/Ungeziefer-Bannspruch mit Rṣi-Namen, Parallelen im Atharvaveda. K.78: magische Lautgeste 'khamphamphrasi'. K.79: explizite 'Brahman-Fluch'-Formel. K.80: abschließende Verbannungsformel ('für immer', gemessen am Sonnenlauf) — beschließt vorläufig diese dichte Reihe von abhicāra-Fluchformeln, die von K.63 bis K.80 reicht.
Erde, Luftraum, Himmel (dreifach); [die Kraft] ist herbeigebracht, herbeigebracht, herbeigebracht [?]; zur Stärke, Stärke, zur Stärke, Stärke; das Niedergelegte ist herbeigebracht, herbeigebracht, herbeigebracht [?]; o [Licht], zu uns, zu uns; goldenes Licht [ist es]. (TA 4,40,81) [Anm.: Eine dichte, kaum wörtlich übersetzbare Mantra-Silben-Litanei, aufbauend auf den drei Vyāhṛtis (bhūr bhuvaḥ svaḥ) und schließend mit dem Bild des 'goldenen Lichts'; Übersetzung notwendig nur annähernd, mehrere Formen im Scan unsicher.]
Wort für Wort
bhūrbhuvassuvaḥ
Erde, Luftraum, Himmel (die drei Vyāhṛtis)
suvarṇajyotiḥ
goldenes Licht
Kurzer, stark mantrischer Anuvāka (40) aus wiederholten Silben-Formeln um die drei Vyāhṛtis (bhūr bhuvaḥ svaḥ); Übergang von der Fluchreihe zu einer neuen, feuerkonsekratorischen Sequenz (Anuvāka 41).
[Eine sich mehrfach nahezu wortgleich wiederholende Feuerentzündungs- und Gelübde-Formel:] Die Erde ist Brennholz — sie entzündet Agni; auch ich entzünde sie; sie möge mich entzünden mit Lebensspanne, Glut, Glanz, Schönheit, Ruhm, priesterlicher Weisheitsglut und Speisegenuss, Svāhā. — Der Luftraum ist Brennholz — ihn entzündet Vāyu [derselbe Refrain]. — Der Himmel ist Brennholz — ihn entzündet Āditya [derselbe Refrain]. — Möge dies mir, dem Prājāpatya-Zugehörigen, entzündet sein, das die Rivalen vernichtet; du bist geweiht als Vernichterin der Vetternrivalen, Svāhā; während Agni [bzw. Vāyu, bzw. Āditya] als Herr des Gelübdes leuchtet, will ich das Gelübde erfüllen; das möge ich vermögen, das möge sich mir erfüllen. (TA 4,41,82-89) [Anm.: Diese acht Kaṇḍikās bilden zusammen Anuvāka 41 und bestehen aus einer drei- bis vierfach fast wortgleich wiederholten liturgischen Formel: die drei kosmischen Bereiche (Erde/Agni, Luftraum/Vāyu, Himmel/Āditya) werden nacheinander als 'Brennholz' identifiziert, das den jeweiligen Gott entzündet, verbunden mit der Bitte um Lebensspanne, Glut, Glanz, Ruhm und priesterliche Weisheitsglut sowie einem Gelübde (vrata) der Rivalenvernichtung. Aus Gründen der Lesbarkeit wird die mehrfache Wiederholung hier zusammengefasst statt wortgleich mehrfach wiedergegeben; die Wiederholungsstruktur selbst ist ein bekanntes Merkmal vedischer Konsekrationsliturgien, vgl. ähnliche samidh-Identifikationen im Śatapatha-Brāhmaṇa. Mehrere Einzelformen im dichten Scan unsicher.]
Wort für Wort
pṛthivī samit, tām agniḥ samindhe
die Erde ist Brennholz — sie entzündet Agni
prājāpatyā me samidhya sapatnakṣayaṇī
möge dies mir entzündet sein, das die Rivalen vernichtet
vrataṃ cariṣyāmi
ich will das Gelübde erfüllen
Anuvāka 41 (K.82-89): dreifache samidh-Konsekrationsformel (Erde/Agni, Luftraum/Vāyu, Himmel/Āditya), verbunden mit einem Gelübde (vrata) zur Vernichtung von Rivalen (sapatna, bhrātṛvya) — Übergang zu einer 'Vrata'-Thematik, die in Anuvāka 42 mit dem bekannten Wind- und Wasser-Segenshymnus fortgesetzt wird. Wegen der fast wortgleichen Wiederholung wird die Übersetzung zusammengefasst wiedergegeben.
śaṃ no vātaḥ pavatāṃ mātariśvā, śaṃ nastapatu sūryaḥ, ahāni śaṃ bhavantu naḥ śarvarī, rātrī prati dhīyatām [?], śamuṣā no vyucchatu, śam ādityaḥ udetu naḥ, śivā naḥ santamā bhava sumṛḍīkā sarasvatī, mā te vyoma saṃdṛśi [?], iḍāyai vāstoṣpate [?], bhūyāsma te vāstoś cicchagmayā vāstu [?], pratitiṣṭhāsi bhūyāsma, mā vāstoś cicchagmyā vāstuḥ sa bhūyāt yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, pratitiṣṭhāvanto bhūyāsma, mā pratiṣṭhāyāś cicchagmyāpratiṣṭhiḥ sa bhūyād yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, ā vātāvāhi bheṣajaṃ vi vātāvāhi yad rapaḥ, tvaṃ hi viśvabheṣajo devānāṃ dūta īyase, dyāvi mo vātā vāta āsi mo rāparāvaḥ || (0.4.42.90) || dyubhir aktubhiḥ pari pātam asmān ariṣṭebhir bhiḥ vā saubhagebhiḥ, mā mā hantām aditiḥ sindhuḥ pṛthivī uta dyauḥ, kayā naścitra ābhuvad ūtī sadāvṛdhaḥ sakhā, kayā śaciṣṭhayā vṛtā, kastvā satyo madānāṃ maṃhiṣṭho matsad andhasaḥ [?], abhi pra ṇaḥ sakhīnām avitā jaritṝṇām, śataṃ bhavāsy ūtibhiḥ, vayaṃ suparṇa upasedur indriyaṃ priyamedhā ṛṣayo nādhamānāḥ, apa dhvāntam ūrṇuhi puraścakṣur mugdhasya cin manasā dhīyate baddham || (0.4.42.91) || śaṃ no devīr āpo bhavantu pītaye, śaṃ yor abhi sravantu naḥ, iśānā vāryāṇām, āpo yācāmi bheṣajam, sumitrā na āpa oṣadhayas santu, durmitrās tasmai bhūyāsur yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmaḥ, āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ, tā na ūrje dadhātana, mahe raṇāya cakṣase, yo vaḥ śivatamo rasas tasya... [Text am Seitenende abgebrochen] || (0.4.42.92) ||
Heilsam wehe uns der Wind Mātariśvan; heilsam wärme uns die Sonne; heilsam mögen uns die Tage sein, heilsam sei uns die Nacht zugewandt; heilsam gehe uns [die Morgenröte] auf, heilsam die Sonne aufgehen; sei uns die gütigste, gnädigste Sarasvatī; nicht entziehe sich dir der Himmelsraum dem Anblick; o Herr der Wohnstatt Iḍā — mögen wir bei dir eine feste, gedeihliche Wohnstatt haben; wer gegen uns feindlich ist und den wir hassen, dem sei keine feste Wohnstatt. Mögen wir feststehend sein; wer gegen uns feindlich ist und den wir hassen, dem sei kein fester Stand. Herbei wehe, Wind, die Arznei, hinweg wehe, was an Übel ist; denn du, allheilender [Wind], gehst als Bote der Götter. Zwischen Himmel [und Erde] wehe der Wind nicht [schädlich], nicht bringe er uns Verletzung. (TA 4,42,90) [Anm.: FUND — die letzten drei Zeilen ('ā vātāvāhi bheṣajaṃ vi vātāvāhi yad rapaḥ, tvaṃ hi viśvabheṣajo devānāṃ dūta īyase') zitieren nahezu wörtlich ṚV 10,137,3, einen bekannten vedischen Heilungs-/Segensvers an den Wind (Vāta); der gesamte Abschnitt ist ein vedischer 'Friedens-/Wohlergehens-Hymnus' (Śānti-Vers), motivisch verwandt mit ṚV 10,186.] — Durch Tage und Nächte behütet uns, mit unversehrten, glückbringenden Hilfen; nicht soll uns Aditi preisgeben, noch der Ozean, die Erde, noch der Himmel. Wer kam uns wunderbar zu Hilfe, als stets fördernder Freund? Durch welche mächtigste Hilfe umgeben? Wer, wahrhaftig, der Freigebigste unter den Berauschten, möge sich am Somatrank erfreuen? Sei uns, der Freunde und Sänger Beschützer, hundertfach mit deinen Hilfen. Wir, gleich goldenen Adlern, haben uns der Sinneskraft genaht, wie die Priyamedha-Ṛṣis, dich anflehend. Enthülle das Dunkel, du Weitsichtiger — auch was dem Verblendeten im Denksinn gebunden erscheint [wird gelöst]. (TA 4,42,91) [Anm.: FUND — dichte Abfolge von Zitaten/Anklängen an Rigveda-Verse zu den Aśvins bzw. Viśvedevāḥ (motivisch verwandt mit ṚV 8,73 und weiteren Aśvin-Hymnen); das Bild der 'goldenen Adler' (suparṇa) setzt die bereits mehrfach in diesem Āraṇyaka begegnete Sonnenvogel-Motivik fort, vgl. K.47 (hiraṇyapakṣaḥ śakunaḥ).] — Heilsam seien uns die göttlichen Gewässer zum Trunk; heilsam mögen sie uns zuströmen; sie, die Herrinnen des Erwünschten; um Arznei bitte ich die Gewässer; gute Freunde mögen uns die Gewässer und Heilkräuter sein; schlechte Freunde mögen dem werden, der uns hasst und den wir hassen. Ihr Gewässer seid ja die Beglückenden; verleiht uns zur Stärkung, zu großem Genuss und Anschauen; wessen heilsamster Saft in euch [ist] ... [Text am Seitenende abgebrochen, Fortsetzung auf der nächsten Seite]. (TA 4,42,92) [Anm.: FUND — direkte Anknüpfung an den berühmten vedischen Wasser-Segenshymnus ṚV 10,9 ('āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ'), der in zahlreichen späteren Ritualen als Standard-Wassersegen verwendet wird.]
Wort für Wort
śaṃ no vātaḥ pavatāṃ mātariśvā
heilsam wehe uns der Wind Mātariśvan
ā vātāvāhi bheṣajaṃ vi vātāvāhi yad rapaḥ
herbei wehe die Arznei, hinweg wehe das Übel [FUND, ≈ ṚV 10,137,3]
vayaṃ suparṇa upasedur indriyam
wir, gleich goldenen Adlern, nahten der Sinneskraft
āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ
ihr Gewässer seid ja die Beglückenden [FUND, ≈ ṚV 10,9]
Anuvāka 42 (K.90-92, Fortsetzung folgt): eine Reihe von Śānti-/Segenshymnen an Vāta (Wind), die Aśvins/Viśvedevāḥ und die Gewässer (Āpaḥ) — mit direkten Zitaten aus ṚV 10,137,3 (Windsegen) und Anklang an ṚV 10,9 (Wassersegen, 'āpo hi ṣṭhā mayobhuvaḥ'); die Adler-/suparṇa-Bildsprache in K.91 setzt die Sonnenvogel-Motivkette dieses Āraṇyaka fort. K.92 bricht am Seitenende ab und wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
āpo janayathā ca naḥ, pṛthivī śāntā sāgninā śāntā sā me śāntā śucaṃ śamayatu, antarikṣaṃ śāntaṃ tadvāyunā śāntaṃ tanme śucaṃ śamayatu, dyauḥ śāntā sā'ādityena śāntā sā me śāntā śucaṃ śamayatu, pṛthivī śāntir antarikṣaṃ śāntir dyauḥ śāntiḥ, diśaḥ śāntir avāntaradiśaḥ śāntiḥ, agniḥ śāntir vāyuḥ śāntiḥ, sūryaḥ śāntiś candramāḥ śāntiḥ, nakṣatrāṇi śāntir āpaḥ śāntiḥ, oṣadhayaḥ śāntir vanaspatayaḥ śāntiḥ, gauḥ śāntir ajā śāntiḥ, aśvaḥ śāntiḥ puruṣaḥ śāntiḥ, brahma śāntir brāhmaṇaḥ śāntiḥ, śāntir eva śāntiḥ, sā me astu śāntiḥ, tayāhaṃ śāntyā sarvaśāntyā mahyaṃ dvipade catuṣpade ca śāntiṃ karomi, śāntir me astu, śāntiḥ [Wiederholung] [?] ... paśyema śaradaḥ śataṃ, jīvema śaradaḥ śataṃ, nandāma śaradaḥ śataṃ, modāma śaradaḥ śataṃ, bhavāma śaradaḥ śataṃ, śṛṇavāma śaradaḥ śataṃ, prabravāma śaradaḥ śataṃ, ajītāsyāma śaradaḥ śataṃ, jyok ca sūryaṃ dṛśe || (0.4.42.93) || [Es folgt ein im Scan sehr dicht gedruckter, kaum sicher entzifferbarer Schluss-Abschnitt mit Anklängen an Rudra-Epitheta (virūpākṣaḥ, lohitākṣaḥ, 'der Vielgestaltig-Äugige', 'der Rotäugige') sowie eine lange numerische Aufzählung ('namo yujyate vṛṣṇo aśvasya... daśa prācīḥ... daśāhargavaṃ brahmaṇā... śatam...'), vermutlich eine Dakṣiṇā-/Gabenzähl-Litanei [?].] namo 'nu madantu || oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Ihr Gewässer, erzeugt uns auch [Wohlergehen]; die Erde sei friedvoll, durch Agni friedvoll, sie sei mir friedvoll und stille den Kummer; der Luftraum sei friedvoll, durch Vāyu friedvoll, er sei mir friedvoll und stille mir den Kummer; der Himmel sei friedvoll, durch Āditya friedvoll, er sei mir friedvoll und stille mir den Kummer; Friede sei der Erde, Friede dem Luftraum, Friede dem Himmel; Friede den Richtungen, Friede den Zwischenrichtungen; Friede dem Agni, Friede dem Vāyu; Friede der Sonne, Friede dem Mond; Friede den Sternen, Friede den Gewässern; Friede den Heilkräutern, Friede den Waldbäumen; Friede der Kuh, Friede der Ziege; Friede dem Pferd, Friede dem Menschen; Friede dem heiligen Wort, Friede dem Priester; Friede ist eben Friede; mir sei Friede. Mit diesem Frieden, allem Frieden, bereite ich mir Frieden für Zweifüßler und Vierfüßler; Friede sei mir. ... Wir wollen hundert Herbste schauen, hundert Herbste leben, hundert Herbste uns freuen, hundert Herbste frohlocken, hundert Herbste sein, hundert Herbste hören, hundert Herbste sprechen, hundert Herbste ungebeugt [?] sein, und lange noch die Sonne schauen. (TA 4,42,93) [Anm.: FUND — der berühmte vedische Śānti-/Friedenshymnus mit der Aufzählung des Friedens für alle kosmischen Bereiche und Wesen, gefolgt vom weitverbreiteten Segensvers 'paśyema śaradaḥ śatam' ('hundert Herbste wollen wir schauen') — beide Textstücke gehören zu den bekanntesten vedischen Rezitationsformeln und finden sich in zahlreichen weiteren vedischen und späteren liturgischen Texten.] Es folgt ein im Scan sehr dicht gedruckter, kaum zuverlässig entzifferbarer Schluss-Abschnitt: er enthält erkennbare Rudra-Epitheta ('virūpākṣaḥ' — der Vielgestaltig-Äugige, 'lohitākṣaḥ' — der Rotäugige) sowie eine lange Zahlen-/Aufzählungs-Litanei (Zehnzahlen, Hundertzahlen, Tiernamen), vermutlich eine abschließende Dakṣiṇā- bzw. Gabenzähl-Formel, wie sie am Ende langer vedischer Liturgien gelegentlich steht [Anm.: Diese Litanei ist im vorliegenden Scan nicht mit ausreichender Sicherheit lesbar; eine verlässliche wörtliche Übersetzung ist hier nicht möglich.] — 'Sie mögen sich freuen.' Oṃ. Friede, Friede, Friede. [Anm.: Mit dieser dreifachen Friedensformel (oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ) schließt Prapāṭhaka 4 — dieselbe Schlussformel, die auch die vorangehenden Prapāṭhakas beschließt.]
Wort für Wort
śāntir eva śāntiḥ, sā me astu śāntiḥ
Friede ist eben Friede; mir sei Friede
paśyema śaradaḥ śataṃ jīvema śaradaḥ śatam
wir wollen hundert Herbste schauen, hundert Herbste leben [FUND, berühmter Segensvers]
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ
Oṃ, Friede, Friede, Friede
Abschluss von Prapāṭhaka 4: der berühmte Śānti-Hymnus (Friede für alle kosmischen Bereiche und Wesen) mit dem weitverbreiteten 'paśyema śaradaḥ śatam'-Segen, gefolgt von einem im Scan kaum entzifferbaren Rudra-Epitheta-/Zahlen-Abschnitt und der abschließenden dreifachen Śānti-Formel. Damit ist Prapāṭhaka 4 (42 Anuvākas, 93 Kaṇḍikās) vollständig übersetzt. Prapāṭhaka 4 behandelte in seinem Verlauf: den Vāc-/Madhu-Hymnus (Anuvāka 1), die Makha-Konsekration (2), Mitra/Varuṇa und Priesterämter (3-4), den ausführlichen Gharma-/Pravargya-Ritualkomplex mit Gandharva-Anrufungen und Sonnenvogel-Bildern (5-20), eine lange Reihe von abhicāra-Fluch-/Bannformeln gegen Feinde (21-39), eine feuerkonsekratorische Vrata-Sequenz (40-41) und schließlich die große Wind-/Aśvin-/Wasser-Segenshymnen-Sequenz mit direkten Zitaten aus ṚV 10,137 und ṚV 10,9 sowie dem abschließenden Śānti-Hymnus (42).