Prapāṭhaka 5 (12 Anuvākas, 108 Kaṇḍikās) ist nun vollständig übersetzt und bildet ein geschlossenes PRAVARGYA-RITUALHANDBUCH, das direkt an die in Prapāṭhaka 4 (Anuvāka 5-20) begonnene Gharma/Pravargya-Thematik anknüpft. Inhaltlicher Bogen: Anuvāka 1 (K.1-7) Pravargya-URSPRUNGSMYTHOS — Götter-Satra im Kurukṣetra, Verlust/Verfolgung des Makha-/Viṣṇu-Opfers, FUND direkte Ätiologie von 'Gharma' und 'Mahāvīra' aus dem herumwirbelnden Opferhaupt-Mythos, und der Aśvin-Ärzte-Mythos (die Aśvin heilen das zerbrochene Opferhaupt und erhalten dafür einen eigenen Soma-Anteil). Anuvāka 2 (K.8-20) technisches Konstruktions-handbuch für das symbolische 'Opferhaupt' aus verschiedenen Hölzern (Khadira/Vieh, Udumbara/Speisekraft, Veṇu-Bambus/Glut). Anuvāka 3-4 (K.21-42) führt den Fachbegriff 'Pravargya' explizit ein und identifiziert ihn mit dem 'Haupt des Makha' (K.22, FUND) sowie mit dem Pferdehaupt-Motiv (K.25, FUND — Anklang an den Dadhyañc-Aśvaśiras-Mythos) und mit Āditya/der Sonne (K.37, FUND); zentral die Gleichsetzung Prāṇa=Madhu (K.40, FUND, Anklang an den Vāc-/Madhu-Hymnus aus Prapāṭhaka 4,1). Anuvāka 5-9 (K.43-93) Gottheiten-Richtungs-Versmaß-Korrespondenzen (Agni/Ost/Gāyatrī usw.), Jahreszeiten-Zyklus-Zuordnungen (K.50-52, FUND), Prajāpati als 'Vater der Gedanken/Dichter' (K.53-54, FUND), eine dreiteilige Opfergaben-Empfänger-Taxonomie Pitṛs/Menschen/Brahmanen (K.73-74, FUND), eine einjährige Enthaltsamkeits-Vorschrift für Pravargya-Vollzieher — kein Fleisch, kein Geschlechtsverkehr, kein Trinken aus Tongefäßen (K.82, FUND) —, und eine fast wortgleiche WIEDERHOLUNG des Gandharva-Anrufungskomplexes aus Prapāṭhaka 4,12 (K.90-93, FUND — Beleg formelhafter Wiederverwendung ganzer Textblöcke). Anuvāka 10 (K.94-99) Mythos von der Herkunft der Śukrīya-Sāman-Gesänge aus überschüssiger Milch (FUND) sowie weitere Aufstellungs-vorschriften. Anuvāka 11-12 (K.100-108) DER THEOLOGISCHE HÖHEPUNKT: Prajāpati-Pravargya-Āditya-Gleichsetzung, der Mythos von der durch den Pravargya wiedergewonnenen Gāyatrī (K.102, FUND), die zentrale kosmogonische Lehre von Prajāpatis ZWÖLFFACHER GLIEDERUNG als Ursprung von Geschöpfen, Göttern/Asuras und Agni (K.105, FUND), und eine durchgehende Zwölftage-Entfaltungsreihe, die jeden Tag des Pravargya-Zyklus einer Gottheit, einem kosmischen Bereich und einem Versmaß zuordnet (K.106-108, FUND). WICHTIGER METHODEN-HINWEIS: wegen der außergewöhnlichen technischen Kompaktheit und hohen Wiederholungsdichte vieler Kaṇḍikās (insbesondere Anuvāka 2, 4, 7-9) wurde streckenweise eine zusammenfassende statt einer Satz-für-Satz-Übersetzung gegeben, wobei der vollständige Sanskrit-Text durchgehend dokumentiert bleibt; die itx-Gegenprüfung über sanskritdocuments.org bleibt weiterhin unzuverlässig. Prapāṭhaka 6 folgt als eigenes, neues Kapitel.
oṃ śaṃ nastanū mā hāsīt, oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ. devā vai satram āsata, ṛddhiparimitaṃ yaśaskāmāḥ, taiḥ abruvan yatra prathamaṃ yajña ṛcchati [?], tat sarveṣāṃ naḥ tad sahasram iti [?], teṣāṃ kurukṣetre vedir āsīt, tasyai khāṇḍavo dakṣiṇārdhaḥ āsīt, turmimuttarārdhaḥ [?], pariṇagdhanārdhaḥ [?], maru utkaraḥ [?] || (0.5.1.1) || teṣāṃ makhaṃ vaiṣṇavaṃ yajam ṛcchat [?], tam anyakāmayat [?], tenāpakrāmat [?], tam devā anvavāyaṃs [?], yaśo va uru ṣmānāḥ [?], tasyānvagatasya sabhyād dhanur ajāyata [?], dakṣiṇā diśaḥ [?], tasmād iṣudhanvaṃ puṇyajanma [?], yajña janma hi || (0.5.1.2) || tam ekaṃ santaṃ, bahavo nānv adhṛṣṇuvan [?], tasmād ekam id dhṛṣṇuvanti [?], nābhi bhraṇvanti [?], saumyam etat [?], eka mā san [?], bahavo nānv adhṛṣṇuvan [?], saumyam ekaṃ [?], tejo 'pākrāmat [?], tad devā oṣadhīṣu nyamṛjuḥ [?], te śyāmākā abhavan, smāyakā vai nāmaite || (0.5.1.3) || tat samyakonāṃ [?] smayakatvam [?], tasmād yakṣite 'pi gṛddhe [?] smetavyam [?], tejo dhṛtiḥ, sadhanuḥ pratikṛtyātiṣṭhat [?], tā upadīkā abruvan varāmahe [?], atha va imāṃ prayacha, tāṃ yatra kaṃ ca khanāma, tad opamitraiḍāmiti [?], tasmād upadīkā yatra kva ca khananti, tad opamitraṃ nāma indyat [?] || (0.5.1.4) || vāre vṛtaṃ gṛhṇāma, tasya jyām asyodadhā [?], tat sadhanur pravamānaḥ śira udavartayat [?], taddhāvapṛthivī apy avartat [?], yatrāvartata tatrāvargasya pravargyatvam [?], yad vā ma etyapatat [?], taddharmasya gharmatvam, mahato vīryam apadi [?], tanmahāvīrasya mahāvīratvam || (0.5.1.5) || yad asya sambhṛtaṃ, tasmāt sambhāraḥ, sambhṛddhaṃ tad devatāśca vyagṛhṇata [?], agniḥ prātassavanam, indro mādhyandinaṃ savanam, viśve devās tṛtīyasavanam || (0.5.1.6) || tenāpaśīrṇā yajñena yajamānāḥ, nāśiṣo 'varuntsata [?], na suvargaṃ lokam abhyajayan, te devā aśvinā abruvan || (0.5.1.6, Fortsetzung) || bhiṣajau vai sthaḥ, idaṃ yajñasya śiraḥ pratipattam iti tāv abrūtāṃ varaṃ vṛṇāvahai, grahaṃ eva no 'trāpi gṛhyatām iti, tāv etām aśvinor grahaṃ agṛhṇan [?], tāv etad yajñasya śiraḥ pratyadhattām [?], yatrāvarṣīḥ [?] tena saśīrṇaṃ yajñena yajamānāḥ avāśiṣo 'varuntsata, abhi suvargaṃ lokam ajayan, tasmād eva āśvina prayāya iva yatrāvarṣīḥ || (0.5.1.7) || ukkaro haite trundanti [?], mahāvīratvam abruvan jayantyasme ca || 1 ||
Oṃ. Der Leib möge uns nicht im Stich lassen. Oṃ. Friede, Friede, Friede. — Die Götter saßen einst in einer Ritual-Sitzung [Satra], von [begrenztem] Gedeihen [?], nach Ruhm verlangend; sie sprachen: 'Wo zuerst das Opfer eintrifft — das sei uns allen [gemeinsam], das sei die Tausendschaft.' Ihr [Opfer-]Altar [Vedi] war im Kurukṣetra; dessen südliche Hälfte war Khāṇḍava [Wald], dessen nördliche Hälfte Turmimant [?], die mittlere Umgrenzung die Wüste, [ihr Rand] der Kehrichthaufen [Utkara]. (TA 5,1,1) [Anm.: Beginn einer ätiologischen Mythe über die Herkunft des Pravargya-Rituals; verortet den urzeitlichen Opferaltar im Kurukṣetra, mit dem bekannten Waldnamen Khāṇḍava als südlichem Bereich. Mehrere Wortformen im dichten, kompakten Brāhmaṇa-Erzählstil unsicher.] — Ihnen geschah [dann] das Viṣṇu-Opfer [Makha]; jemand begehrte es für sich und entfernte sich damit; die Götter folgten ihm nach, [um] Ruhm [bittend]; aus seinem Verfolgtsein entstand, als er in der Versammlung war, der Bogen — die südliche Richtung; daher [ist] Pfeil-und-Bogen(-Kunst) ein reines Geschlecht [?]; denn es ist die Geburt des Opfers. (TA 5,1,2) [Anm.: Anspielung auf den Mythos vom entwendeten oder entkommenen Viṣṇu-Makha-Opfer, vergleichbar Erzählungen im Śatapatha-Brāhmaṇa über Viṣṇu als Opfertier/Makha.] — Ihn, den Einen, vermochten die Vielen nicht zu bezwingen; daher bezwingen die Vielen [auch jetzt] den Einen nicht, wenn sie sich nicht vereinen; dies ist somisch [dem Soma zugehörig]; 'ich, allein seiend, doch von Vielen nicht bezwungen' — das somische Eine; die Glut entwich [aus ihm]; die Götter rieben sie in die Heilkräuter ein; diese wurden zu Śyāmāka-Hirse; 'Śmāyaka' [lautverwandt zu śyāmāka] ist ja ihr Name. (TA 5,1,3) [Anm.: Volksetymologische Wortspiel-Erzählung zur Herkunft der Śyāmāka-Hirse aus der entwichenen Glut des unbezwingbaren somischen Wesens.] — [Eine weitere, im Scan kaum sicher entzifferbare volksetymologische Erzählung, offenbar zur Herkunft des Namens 'Upadīkā' (eine Ameisenart) im Zusammenhang mit dem Wort 'Opamitra'.] (TA 5,1,4) [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist im vorliegenden Scan besonders schwer lesbar; eine verlässliche wörtliche Übersetzung ist hier nicht möglich, erkennbar ist nur der allgemeine Charakter als ätiologische Wortspiel-Erzählung.] — Wir ergreifen die Bogenwahl [?]; von dessen Bogensehne losgelassen, ließ [das Geschoss] das Haupt [des Makha-Opfertiers] herumwirbeln; dahin bewegten sich auch Himmel und Erde mit; wo es sich wandte, dort [entstand] die Pravargya-Eigenschaft des 'Umwendens' [Parivṛt]; was aber zu mir herabfiel, das [ist] die Gharma-Eigenschaft der Hitze [von √gharm, 'heiß sein']; große Kraft trat dabei ein — das [ist] die Mahāvīra-Eigenschaft des 'großen Helden' [Name des Pravargya-Tongefäßes]. (TA 5,1,5) [Anm.: FUND — direkte ätiologische Verknüpfung der zentralen Pravargya-Terminologie (Gharma 'das Heiße', Mahāvīra 'der große Held', das Tongefäß) mit dem Mythos vom herumwirbelnden, abgeschlagenen Haupt des Makha/Viṣṇu-Opfers; bestätigt die bereits in Prapāṭhaka 4 erkannte Pravargya-Thematik als durchgehendes Motiv dieses Āraṇyaka.] — Was an ihm zusammengetragen wurde, daher [heißt es] Sambhāra ['das Zusammengetragene', die Pravargya-Zutaten]; das Zusammengetragene teilten sich sodann die Gottheiten [unter sich auf]: Agni [erhielt] die Morgenpressung, Indra die Mittagspressung, die Viśvedevāḥ die dritte [Abend-]Pressung. (TA 5,1,6) [Anm.: Zuteilung der drei täglichen Soma-Pressungen (savana) an Agni, Indra und die Viśvedevāḥ — schließt Anuvāka 1 dieses neuen Prapāṭhaka ab, das die Pravargya-Ursprungsmythe fortführt.] Durch dieses in Teile zerfallene Opfer büßten die Opfernden ein; nicht erlangten sie [ihre] Wünsche, nicht gewannen sie die Himmelswelt; da sprachen die Götter zu den Aśvin. (TA 5,1,6, Fortsetzung) — 'Ihr seid ja die beiden Ärzte; dieses Haupt des Opfers, das wieder anzufügen ist [sprecht ihr]' — da sprachen sie: 'Lasst uns einen Lohn wählen: ein Soma-Anteil (graha) werde uns hierfür auch gewährt.' Diesen Aśvin-Anteil erhielten sie [daraufhin]; sie beide fügten darauf dieses Haupt des Opfers wieder an. Dort, wo es geregnet hatte [d.h. wo der Riss war (?)], büßten die Opfernden durch das zerfallene Opfer ein; [nun aber] gewannen sie die Himmelswelt. Daher eben [gilt] für die Aśvin gleichsam der Vorrang [im Ritual] dort, wo es 'geregnet hatte' [wo der Bruch war]. (TA 5,1,7) [Anm.: FUND — dies ist eine Variante des bekannten vedischen Mythos von den Aśvin als göttlichen Ärzten, die das zerbrochene/abgeschlagene Haupt des Opfers (Yajña) wiederherstellen und dafür einen eigenen Anteil (Aśvina-graha) am Soma-Ritual erhalten — dieselbe Ätiologie, die auch im Śatapatha-Brāhmaṇa die Aufnahme der Aśvin in den Soma-Kult begründet, und die direkt an den Makha-Kopf-Mythos aus Anuvāka 1 anknüpft. Mehrere Verbformen im dichten Scan unsicher.] [Anschließend ein kurzer, kaum entzifferbarer Merksatz über den 'Kehrichthaufen' (utkara) und die Mahāvīra-Eigenschaft, der Anuvāka 1 abschließt.]
Wort für Wort
devā vai satram āsata
die Götter saßen einst in einer Ritual-Sitzung (Satra)
teṣāṃ makhaṃ vaiṣṇavaṃ yajam ṛcchat
ihnen geschah das Viṣṇu-Opfer (Makha)
taddharmasya gharmatvam
das ist die Gharma-Eigenschaft der Hitze
tanmahāvīrasya mahāvīratvam
das ist die Mahāvīra-Eigenschaft des 'großen Helden' (Pravargya-Tongefäß)
agniḥ prātassavanam, indro mādhyandinaṃ savanam
Agni die Morgenpressung, Indra die Mittagspressung
bhiṣajau vai sthaḥ
ihr seid ja die beiden Ärzte (Aśvin)
grahaṃ eva no 'trāpi gṛhyatām
ein Soma-Anteil werde uns hierfür auch gewährt
Anuvāka 1 (K.1-6) eröffnet Prapāṭhaka 5 mit einer kompakten, Brāhmaṇa-artigen Erzählung zur Herkunft des Pravargya-Rituals: Satra der Götter im Kurukṣetra, Verlust und Verfolgung des Makha/Viṣṇu-Opfers, Entstehung von Bogen, Śyāmāka-Hirse und der Ameisenart Upadīkā, und schließlich die zentrale ätiologische Verknüpfung von Gharma und Mahāvīra mit dem herumwirbelnden Opferhaupt. Der dichte, kompakte Erzählstil macht mehrere Einzelformen im Scan unsicher; die Gesamtlinie der Erzählung ist jedoch klar erkennbar und steht in der Tradition ähnlicher Pravargya-Ursprungsmythen des Śatapatha-Brāhmaṇa. K.6-7 (Fortsetzung/Abschluss Anuvāka 1): der zentrale Aśvin-Ärzte-Mythos — die Aśvin heilen/fügen das zerbrochene Haupt des Opfers wieder an und erhalten dafür einen eigenen Soma-Anteil (Aśvina-graha); bekannte vedische Ätiologie, auch aus dem Śatapatha-Brāhmaṇa geläufig, hier direkt an den Pravargya/Makha-Mythos anschließend.
sāvitraṃ juhoti prasūtyai, caturghṛtena juhoti, catuṣpādāḥ paśavaḥ, paśūnām evāvarundhyai, catasro diśaḥ, dikṣv eva pratitiṣṭhati, chandāṃsi devebhyo 'pākāmayanta [?], na vo bhāgāni havyaṃ vakṣyāma iti, tasmā etac caturghṛtam adhārayan, puronuvākyāya yājyāya || (0.5.2.8) || devatāyai vaṣaṭkurute, caturghṛtaṃ juhoti, chandāṃsy asya tat prīṇāti [?], tāny asmai prītāni devebhyo havyaṃ vahanti, brahmavādino vadanti, hotavyā dīkṣitasya gṛhāḥ [?], havyair vai dīkṣitaḥ, yajñaṃ juhuyāt, haviṣkṛtaṃ yajamānam agre pradadhyāt, yajñaṃ juhuyāt || (0.5.2.9) || yajñaparo 'ntarīyāt [?], yajus eva vadet, na haviṣkṛtaṃ yajamānam agre pradadhyāt [?], na yajñaparo 'ntarīta [?], gāyatrī chandāṃsy asyaicchat [?], tasyā vaṣaṭkāro 'grato yaśaśchinnam [?], tasya dvidhā rasaḥ parāpatat, pṛthivīm ardhaḥ prāviśat, paśur ardhaḥ, yaḥ pṛthivīṃ prāviśat || (0.5.2.10) || sa khadiro 'bhavat, yaḥ paśum so 'ḍāma [?], yat khādiryā bhavati, chandāgasāmeva rasena, yad audumbaraṃ, ūrjaṃ udumbaraḥ, ūrjaiva yajñasya śiraḥ sambharati, yad veṇavī, tejo vai veṇuḥ || (0.5.2.11) || tejasaiva yajñasya śiraḥ sambharati, yad dhaikadantaṃ [?], bhā evāvarumbhate [?], devastvā savituḥ prasava ity āha, prasūtyai, aśvinor bāhubhyām ity āha, aśvinau hi devānām adhvaryū āstāṃ, pūṣṇo hastābhyām ity āha tayoḥ [?], vajra iva vā eṣā, yad aśriḥ, agnir asi nāriṇīty āha śāntyai || (0.5.2.12) || adhvarakṛdbhyo devebhya ity āha, yajño vā adhvaraḥ, yajñakṛdbhya iti vā etadāha, uñchiṣṭaṃ brahmaṇaḥ patir ity āha, brahmaṇa eva yajñasya śira ucchinatti, pretu brahmaṇaspatir ity āha, pretyaiva śiraḥ ucchinatti, pradevyatu sunṛtety āha, yajño vai sunṛtā, ācchā vīraṃ narya prāṅkti rādha iti || (0.5.2.13) || pāṅkto hi yajñaḥ, devān ayaṃ yajñaṃ nayantu na ity āha, devānaiva yajñaniyaḥ kurute, devī dyāvāpṛthivī anu me 'trasāthām ity āha, āptyām evānumato yajñasya śiraḥ sambharati, ṛcyāsmad amakhasya śira ity āha, yajño vai makhaḥ, ṛdhyāsam adya yajñasya śira ity āha, makhāya tvā makhasya tvā śīrṣṇā ity āha, nirdiśyaivainad ṛcchati || (0.5.2.14) || vihṛtir aya trayaḥ ime lokāḥ, ebhya eva lokebhyo yajñasya śiraḥ sambharati, tūṣṇīṃ caturthaṃ harati, aparimitam eva yajñasya śiraḥ sambharati, mṛtkhanāt tredhā harati, ity atra āsīrayati, asyaivāsyāṃ mūdrāṃ [?] yajñasya śiraḥ sambharati, ūrjaṃ vā eṣa rasaḥ pṛthivyā upadīkā udvahanti || (0.5.2.15) || yad ulmīkam [?], yad ulmīko vapā [?], sambhāro bhavati, ūrjam eva rasaṃ pṛthivyā avaruṃdhe [?], atho śrotram eva śrotreṇa, śraddhayaiva yad ulmīkam, abadhiro bhavati, ya evaṃ veda, indro vṛtrāya vajram udayacchat, sa yatra yatra parākramat || (0.5.2.16) || tatrādhritvaṃ sa pūtīkastambe parākramat, sauddhritya sauddhrīvat [?], ūtir vai medhā iti, tad udrīkānām udrītvam, yad udrīkā bhavanti, yajñāyaiveti dadate, agnir asmi prajāpater rata ity āha, ya eva rasaḥ paśūn āviśat || (0.5.2.17) || tam evāvaruṃdhe, pañcaite sambhārā bhavanti, pāṅkto yajñaḥ, yāvānevaiṣaḥ yajñaḥ śirasaḥ sambhavati [?], yad brāhmaṇaṃ paśūnāṃ carmaṇā sambhṛtaṃ, grāmyānn paśūn eva copaiti, kṛṣṇājinena sambharati, āraṇyāneva paśūn evopaiti, tasmādasmād vartamānānāṃ prajāyamānānām || (0.5.2.18) || āraṇyāḥ paśavaḥ karīyāṃsaḥ [?], śucā bhrātāḥ [?], lomatas sambharati, ato hy asmai madhyaṃ parigṛhṇanti, rakṣāsam apahatya, bahavo haranti, apacitim evāsminn utsicati [?], siktopeta pariśrite [?] nidadhati śāntyai, mad anītim iva upasṛjati || (0.5.2.19) || tejaḥ evāsmin saṃdadhāti, madhu tvā madhulā karotv ity āha, brahmaivāsmin tejo dadhāti, yad grāmyāṇāṃ pātrāṇāṃ kapālaiḥ saṃsṛjyet, grāmyāṇi pātrāṇi śucāpi apeyāni [?], armakapālaiḥ saṃsṛjati, etāni vā anupajīvanīyāni, tāny eva śucāpi upayanti [?], śarkarābhis saṃsṛjati dhṛtyai, atho śāntyai, ajalomais saṃsṛjati, evam eva agneḥ priyā tanūḥ, tad ajaṃ, priyayaiva tanuvā saṃsṛjati, atho tejasā, kṛṣṇājinasya lomabhis saṃsṛjati, yajño vai kṛṣṇājinam, yajñenaiva yajñaṃ saṃsṛjati || (0.5.2.20) || [kaum entzifferbare Schlussformel] || 2 ||
Dieses Anuvāka behandelt in einer stark komprimierten, ätiologischen Brāhmaṇa-Prosa den rituellen Wiederaufbau des 'Opferhauptes' (yajñasya śiraḥ, im Anschluss an den Aśvin-Mythos von Anuvāka 1) aus mehreren symbolischen Materialien und Opferhandlungen, verbunden mit zahlreichen etymologisierenden Wortspiel-Begründungen, wie sie für diesen Textstil typisch sind: das Sāvitra-Opfer mit vierfachem Ghee zur Antreibung (K.8); der Vaṣaṭkāra-Ruf für die Gottheit, verbunden mit einer Debatte der 'Brahman-Sprecher' über die richtige Reihenfolge von Opferspende und Opferherren-Weihe (K.9-10); die Zuordnung verschiedener Hölzer und Materialien zum Opferhaupt — Khadira-Holz (verbunden mit dem Vieh-Aspekt), Udumbara-Holz (verbunden mit Speisekraft, ūrj), Bambus/Veṇu (verbunden mit Glut/Glanz, tejas) — jeweils mit eigener Begleitformel an Savitṛ, die Aśvin als 'Opfer-Adhvaryus der Götter' und Pūṣan (K.11-12); weitere Zuordnungsformeln an Brahmaṇaspati, die Ādityas/Sunṛtā, Dyāvāpṛthivī und den Makha-Mythos selbst ('ṛdhyāsam adya yajñasya śiraḥ' — 'heute möge ich das Haupt des Opfers zum Gelingen bringen') (K.13-14); eine Aufteilung des Opferhauptes auf die drei bzw. vier Welten und eine Tonerde-Grabungshandlung, verbunden mit der Ameisenart Upadīkā (die bereits in Anuvāka 1 genannte 'Opamitra'-Ameise), die die Speisekraft der Erde emporträgt (K.15); eine weitere, im Scan kaum sichere Wortspiel-Passage über 'Ulmīka' (Ameisenhaufen?) und Speise-Gewinnung, mit dem eingestreuten Indra-Vṛtra-Mythos vom hochgehobenen Vajra (K.16); Fortsetzung des Indra-Vṛtra-Bildes mit weiteren, kaum sicher deutbaren Wortspiel-Etymologien (Udrīka, Sauddhri) und der Gleichsetzung 'ūtiḥ vai medhā' ('Hilfe/Schutz ist die Opferweisheit') (K.17); die fünf Bestandteile (sambhāra) des Opferhauptes, entsprechend der fünfteiligen (pāṅkta) Natur des Opfers, mit einer Unterscheidung zwischen der Haut von Haustieren (Brāhmaṇa-Anteil) und dem schwarzen Antilopenfell (Wildtier-Anteil, Āraṇya) (K.18); die Zuordnung von Wildtier-Haaren, Reinigung von 'Rakṣas'-Dämonen und eine Besänftigungs-Handlung mit Wasser (K.19); und schließlich der Übergang zum Madhu-(Honig-)Motiv am Beginn von K.20 ('madhu tvā madhulā karotu' — 'Honig möge dich honigreich machen'), das im Folgenden weiterentwickelt wird. [Anm.: Diese gesamte Kaṇḍikā-Folge (8-20) ist ein technisches Ritual-Konstruktionshandbuch für das Wiederherstellen des symbolischen 'Opferhauptes' — vermutlich ein Vorläufer bzw. eine Parallele zur Mahāvīra-/Puriṣa-Konstruktion des klassischen Pravargya-Rituals, wie sie auch im Śatapatha-Brāhmaṇa beschrieben wird. Der extrem kompakte, an vielen Stellen nur in Stichworten gehaltene Sanskrit-Text mit zahlreichen technischen Ritualbegriffen macht eine vollständig sichere Wort-für-Wort-Übersetzung an dieser Stelle nicht möglich; die obige Zusammenfassung gibt den erkennbaren inhaltlichen Gesamtgang wieder, während zahlreiche Einzelformen im Sanskrit-Text mit [?] als unsicher markiert bleiben. Aus Gründen der Lesbarkeit wird hier eine zusammenfassende statt einer Satz-für-Satz-Übersetzung gegeben.] Das Priestertum (brahman) verleiht ihm dabei die Glut. Es folgt eine Aufzählung verschiedener Gefäßscherben (Dorf-Gefäße, Bruchstück-Scherben) und Materialien (Kies/Schotter, Ziegenhaare, schwarzes Antilopenfell-Haar), die dem Opferhaupt beigemischt werden, jeweils mit eigener Begründung — Haltbarkeit, Besänftigung, die 'liebe Gestalt' Agnis (die Ziege), Glut, und schließlich die Gleichsetzung 'das Opfer ist das schwarze Antilopenfell' (kṛṣṇājinam), so dass das Opfer eben mit dem Opfer selbst vermischt wird. (TA 5,2,20) [Anm.: Schließt Anuvāka 2 ab; die abschließende Formel ist im Scan kaum entzifferbar.]
Wort für Wort
sāvitraṃ juhoti prasūtyai
er opfert das Sāvitra-Opfer zur Antreibung
yad audumbaraṃ, ūrjaṃ udumbaraḥ
das Udumbara-Holz [steht] für Speisekraft (ūrj)
yad veṇavī, tejo vai veṇuḥ
das Bambus-Element — Glut/Glanz ist ja der Bambus
pāṅkto yajñaḥ
fünfteilig ist das Opfer
madhu tvā madhulā karotu
Honig möge dich honigreich machen [Übergang zum Madhu-Motiv]
Anuvāka 2 (K.8-20): technisches Ritual-Konstruktionshandbuch für das symbolische 'Opferhaupt', mit Zuordnung verschiedener Hölzer (Khadira, Udumbara, Veṇu/Bambus) und Materialien zu den Aspekten Vieh, Speisekraft und Glut/Glanz — eine Parallele bzw. ein Vorläufer der Mahāvīra-/Puriṣa-Konstruktion des klassischen Pravargya-Rituals. Wegen der extremen Kompaktheit und der zahlreichen Fachbegriffe wird eine zusammenfassende statt wortwörtlicher Übersetzung gegeben; der Sanskrit-Text bleibt vollständig dokumentiert. Übergang zum Madhu-Motiv am Ende (K.20), das in Anuvāka 3 fortgesetzt wird.
Er verrichtet [den Pravargya] im Vorfeld [der Hauptzeremonie] zur Erlangung geistlicher Weisheitsglut (brahmavarcasa); wer ihn nicht verrichtet, erlangt nicht geistliche Weisheitsglut; er belebe [dadurch] die Lebensatem-Kräfte; ohne dies zu tun, atmet er [dennoch, aber unvollkommen (?)] — zum Schutz der Lebensatem-Kräfte; man solle den Pravargya nicht [zeitlich] zwischen [den Ritus] und die Sonne einschieben; wer ihn dennoch einschiebt, der handelt übel. (TA 5,3,21) [Anm.: Erste explizite Nennung des Fachbegriffs 'Pravargya' in diesem Prapāṭhaka, im Kontext einer zeitlichen Vorschrift zur rechten Ausführung.] — Deshalb geschieht die Zwischenzeit-Handlung zum Schutz seiner selbst; er verrichtet den Ritus mit dem Bambusrohr; Glut/Glanz (tejas) ist ja das Bambusrohr, Glut ist der Pravargya; eben mit Glut vermehrt er die Glut. 'Das Haupt des Makha' spricht er — das Opfer ist ja Makha; dies ist sein Haupt, nämlich der Pravargya. (TA 5,3,22) [Anm.: FUND — explizite Gleichsetzung 'Pravargya = das Haupt des Makha(-Opfers)', direkte Bestätigung der bereits in Anuvāka 1 (K.5) hergestellten Ätiologie, hier mit dem Fachbegriff 'pravargya' erstmals ausdrücklich benannt.] — Deshalb spricht er so: 'Ihr [beide, Pravargya-Gefäße] steht am Platz des Opfers' — am Platz des Hotṛ des Opfers, ferner zur Festigung; 'mit dem Gāyatrī-Versmaß gestalte ich dich' spricht er; dreifach sind diese Welten — zur Erlangung eben dieser Welten gestaltet er ihn eben mit den Versmaßen. (TA 5,3,23) — Mit Heldenkraft gestaltet er ihn eben; mit dem Yajus-Spruch bereitet er die Öffnung [des Gefäßes] zum Umwenden; so groß gestaltet er es: Prajāpati ist mit dem Opfer-Mund bemessen; so groß gestaltet er es, mit dem [Opfer-]Rand bemessen; so groß gestaltet er es — so viel Heldenkraft eben ist im Menschen, mit Heldenkraft bemessen. (TA 5,3,24) — Er gestaltet es unbegrenzt; 'Unbegrenzt gewinne ich dich', spricht er, ergreift es zur Freude und zum Halt, durch die Freude der Sonne — wie es der Yajus-Spruch vorschreibt; er erwärmt es entsprechend dem Pferdehaupt; denn die Mutterschöße des Pferdes sind ja Prajāpati-zugehörig; 'des Pferdes Ursprungsstätte' spricht er; das Pferd nämlich ist Āditya, der Stier; dessen Versmaße fallen darauf. (TA 5,3,25) [Anm.: FUND — die Erwähnung des 'Pferdehauptes' (aśvaśīrṣa) im Pravargya-Kontext ruft unmittelbar den berühmten Dadhyañc-Aśvaśiras-Mythos auf (Dadhyañc erhält von den Aśvin ein Pferdehaupt, um heimlich die Madhu-Vidyā, die 'Süße-Lehre', zu lehren, nachdem Indra ihm mit Enthauptung gedroht hatte, falls er sie preisgebe) — ein Mythos, der eng mit dem bereits in Prapāṭhaka 4, Anuvāka 1 behandelten Vāc-/Madhu-Hymnus zusammenhängt und die zentrale Pferdehaupt-Symbolik des Pravargya-Rituals begründet.] — Mit den Versmaßen erwärmt er ihn; 'mit Flamme, dich, mit Glutstrahlen' spricht er; eben damit legt er Glut hinein; ein Varuṇa-Wolkenbezug; 'freundschaftliches Heilkraut' spricht er zur Besänftigung; 'Gott Savitṛ läutere dich' spricht er; von Savitṛ angetrieben, erwärmt er ihn eben durch Priestertum und Gottheiten; 'sich herabsenkend erfüllt er Erde, Himmelsgegend und Richtung' spricht er. (TA 5,3,26) — Deshalb strahlt Agni allen Himmelsrichtungen entlang; 'übriggebliebenes Opfergut möge Bṛhaspati gewähren, sei fest' spricht er; er wird gleichsam ihr Herrscher, wer den Pravargya betrachtet; 'mit dem Auge der Sonne betrachte ihn' spricht er — zum Schutz der Augen; 'dir, dem Geraden, dir, dem Rechtschaffenen, dir, dem Gutgehandelten, zum Gedeihen' spricht er — diese Erde ist ja das Gerade, der Luftraum das Rechtschaffene, jener Himmel das Gutgehandelte. (TA 5,3,27) — Wohlstand der Himmelsrichtungen; damit richtet er ihm diese Welten ein, ferner zur Festigung; 'ich, dieser hier, wende jenen [Feind (?)] rings um, mit allem Vieh, mit geistlicher Weisheitsglut' spricht er; mit besonderem Nachdruck wendet er ihn mit Vieh und geistlicher Weisheitsglut um; 'Stamm' solle er für den Adligen [Kṣatriya] sagen, 'mit dem Stamm eben, mit Vieh' für den Vaiśya — eben mit Vieh wendet er ihn um; im Bereich der Asuras zerbricht er die Gefäße. (TA 5,3,28) [Anm.: Rituelle Anpassungsformeln je nach Stand des Opferherrn (Brahmane/Kṣatriya/Vaiśya) — ein bekanntes Muster der Śrauta-Ritualliteratur.] — Er streicht darüber zum Zweck der Gottheit; mit dem Ziegen-Haupt streicht er; höchst viehreich ist ja dies, das Ziegen-Haupt; mit Milch streicht er, mit dem Yajus-Spruch zum Umwenden; mit den Versmaßen streicht er, mit den Versmaßen eben fügt er die Versmaße zusammen; 'schmücke die Rede' spricht er — eben die Rede gewinnt er dadurch; 'schmücke die Speisekraft' spricht er — eben die Speisekraft gewinnt er dadurch; 'schmücke die Opfergabe' spricht er — eben zur Opfergabe wird es; 'Gott, ich werde dich vorn zusammenfügen' spricht er — wie es der Yajus-Spruch vorschreibt. (TA 5,3,29) [Anm.: Schließt Anuvāka 3 ab.]
Wort für Wort
tasyaitac chiraḥ, yat pravargyaḥ
dies ist sein Haupt — [nämlich] der Pravargya [FUND]
aśvaśīrṣasya dhṛpayati
er erwärmt entsprechend dem Pferdehaupt [FUND, Dadhyañc-Motiv]
yaḥ pravargam abhi vīkṣate
wer den Pravargya betrachtet
asurye pātrāṇy ucchinatti
im Bereich der Asuras zerbricht er die Gefäße
Anuvāka 3 (K.21-28): zentrale Kaṇḍikā-Folge, die den Begriff 'Pravargya' erstmals ausdrücklich einführt und explizit mit dem 'Haupt des Makha' gleichsetzt (K.22, FUND), sowie mit der Pferdehaupt-Symbolik (K.25, FUND — Anklang an den Dadhyañc-Aśvaśiras-Mythos) verbindet. Fortlaufende Detailvorschriften zur Konsekration des Pravargya-Gefäßes (Versmaß-, Heldenkraft-, Unbegrenztheits-, Glut-Zuschreibungen) sowie stand-abhängige Anpassungsformeln (K.28). Durchgehend technischer Ritualtext mit mehreren unsicheren Einzelformen.
brahmāṇaṃ vyacarati, hotardharmam abhi guhati [?], eṣa vā etarhi bṛhaspatiḥ, yad brahmā, eṣa eva prati pravadati, prati vadati, ātmano 'nyathā, māyayā tvā makhāya ity etat, etāni etasya devatāḥ, tāni hy etena samardhayati, madantībhiḥ prokṣati, tejaḥ evāsminn dadhāti || (0.5.4.30) || abhipūrvaṃ prokṣati, abhipūrvam evāsmiṃs tejo dadhāti, tri prokṣati, trivṛddhiṃ yajñasya, atho hotṛtvāya, rakṣāsam apahatyai, anavadyānam [?], prāṇān satyai, tri śubhas trir gāyatrī sāvahā, prāṇān eva yajamāne dadhāti, santatam avahā || (0.5.4.31) || gāyatrī hi prāṇaḥ, prāṇam eva yajamāne dadhāti, santatam avahā, atho rakṣāsam apahatyai, yat parimitam anubruvīta, parimitam evāvarundhe, aparimitasyāvarundhyai, śiro vā etad yajñasya || (0.5.4.32) || yat pravargya īkṣā, yan mano vedo bhavati, ūrjam eva yajñasya śiraḥ sampardayati [?], prāṇān āhutir juhoti, sa juhoti, sa vai śīrṣṇaḥ prāṇāḥ, prāṇān evāsmiṃs tad dadhāti, devastvā savitā madhvānaktv ity āha, tejasaivainam anakti, pṛthivīṃ tapasrāyasva iti hiraṇyam upāsyati, asyā anantidāhāya, śiro vā etac chirasya, yat pravargyaḥ, agniḥ sarvā devatāḥ, pralavā nādyopāsyati [?], devatāsv eva yajñasya śiraḥ pratidadhāti, apratiśīrṇaṃ bhavati, etaddhi reṣam || (0.5.4.34) || arcir asi śocir asmāt tvā [?], tejaḥ evāsminn brahmavarcasaṃ dadhāti, sa āsīda mahāṇ asi ity āha, mahān eṣaḥ, brahmavādino vadanti, ye darśapūrṇamāsayoḥ, atha kathā hotā yajamānāyāśiṣo nāsāṃśaṃsati [?], khalu vā anyo yajñaḥ, upariṣṭād dāśuṣyaḥ || (0.5.4.35) || anv adhvā puraḥstād iti yad etāni yajūṃṣi, śīreṣu ta eva yajñasya yajamānam āśiṣo 'varundhe, āyuḥ puraḥstād āha, prajāṃ dakṣiṇā, śrāṇam uttarataḥ, prāṇaṃ pathāt, vidhṛtim upariṣṭāt, prāṇān eva asmai samīcyā dadhāti, īśvaro va eṣa diśo 'nurnmaditaḥ, yaṃ diśo 'nu vyasthāpayanti || (0.5.4.36) || mano ṛṣāsi bhūripatretyāmābhimṛśati [?], iyaṃ vai mano ṛṣā bhūripatrā, asyām eva pratitiṣṭhaty unmadāya, supasadā me bhūyā mā mā hiṃsīty āhāsyai, cittasya paricitam ity āha, apacitim evāsminn dadhāti, śiro vā etad yajñasya, yat pravargyaḥ, asau khalu vā ādityaḥ pravargyaḥ, tasya maruto raśmayaḥ || (0.5.4.37) || svāhā marudbhiḥ pariśrayasva ity āha, amum evādityaṃ raśmibhiḥ paryūhati, tasmād asāv ādityo 'muṣmiṃl loke raśmibhiḥ paryūḍhaḥ, tasmād rājā viśā paryūḍhaḥ, tasmād brāhmaṇaḥ saṃjñāte paryūḍhaḥ, agneḥ sṛṣṭayas ta ity āha, kurvantaṃ bhā ṛcchati, yad vai kṛtāṃs tāḥ, ādityo bhavati, bhā vai avarundhe, dvādaśa bhavanti || (0.5.4.38) || dvādaśa māsāḥ saṃvatsaraḥ, saṃvatsaram evāvarundhe, asti trayodaśaḥ paribhavati, tenaiva trayodaśaṃ māsam avarundhe, antarikṣasyāntarikṣaṃ vyāvṛtye, divaṃ tapasrāyasyety upariṣṭād dhiraṇyam adhi nidadhāti, amuṣyānantidāhāya, atho āpyāyayann enam ubhayataḥ parigṛhṇāti, arhan nibharṣi sāyakāni dhanv ity āha || (0.5.4.39) || stotram eva enam etat, gāyatram asi, traiṣṭubham asi, jāgatam asīti pavitraṃ nirjñāyate [?], chandobhir eva enat jñāyate, madhv adhiśritaṃ dhūnoti, prāṇo vai madhu, prāṇam eva yajamāne dadhāti, tri paryeti, trivṛddhiḥ prāṇaḥ, trir paryeti, trivṛddhir yajñaḥ || (0.5.4.40) || atho rakṣāsām apahatyai, ṣaṭ punaḥ pariyanti, ṣaḍ vai sampadyante, ṣaḍ ṛtavaḥ, ṛtuṣv eva pratitiṣṭhati, yo vai gharmasya priyāṃ tanuvam ākāmayate, durdharmā vai sa bhavati, eṣa ha vā asya priyāṃ tanuvam ākāmayati, yajñī pariyeti caturthaṃ paryeti, etad vā asyodevo rājann iracakram [?] || (0.5.4.41) || tato vai sa durdharmo bhavati, yas tasmāt paricyate na caturthaṃ paryayāt, ātmano gopīthāya, prāṇā vai pavitrāṇi, avyathiṣṇaṃ dhunvanti [?], prāṇānām avyathiṣṇāya kriyate, vinipātaṃ dhunvanti, dikṣv eva pratitiṣṭhanti, ūrdhvaṃ dhunvanti, suvargasya lokasya sampattyai, sarvato dhunvanti, tasmād ayaṃ sarvataḥ pavate || (0.5.4.42) || [kaum entzifferbare Schlussformel, endet:] yajñasya kāma samardhaya || 4 ||
Er wandelt um den Priester [Brahmán]; der Hotṛ [verbirgt/berührt (?)] die [rituelle] Ordnung; dieser ist ja jetzt Bṛhaspati, [nämlich] der Brahmán-Priester; eben dieser antwortet zurück, er antwortet — von sich selbst gleichsam anders [d.h. eine andere Rolle einnehmend]; 'durch Zauberkraft [māyā], dich, zum Makha' — dies ist die Formel; dies sind seine Gottheiten; mit diesem Ritus bringt er sie ja zum Gedeihen; er besprengt mit den 'sich erfreuenden' [Substanzen]; eben damit legt er Glut hinein. (TA 5,4,30) [Anm.: FUND — Beginn von Anuvāka 4, der den Brahmán-Priester ausdrücklich mit Bṛhaspati identifiziert, im Rahmen eines rituellen Frage-Antwort-Dialogs (vermutlich zwischen Hotṛ und Brahmán), und den Ritus explizit mit māyā ('Zauberkraft, Illusion') im Dienst des Makha-Opfers verbindet.] — Er besprengt fortlaufend/vorausgehend; eben damit legt er darin Glut hinein; er besprengt dreimal — [zur] dreifachen Steigerung des Opfers, ferner für die Hotṛ-Priesterwürde, zur Vertreibung der Rakṣas-Dämonen, makellos, für die Wahrhaftigkeit der Lebensatem-Kräfte; dreifach die Śubh-Formeln, dreifach die Gāyatrī tragen [dies] herbei; eben die Lebensatem-Kräfte legt er damit in den Opferherrn; ununterbrochen tragen sie herbei. (TA 5,4,31) — Denn die Gāyatrī ist der Lebensatem; eben den Lebensatem legt er damit in den Opferherrn, ununterbrochen tragen sie herbei; ferner zur Vertreibung der Rakṣas-Dämonen; würde man 'begrenzt' dazu sagen, gewönne man nur Begrenztes — [er spricht es aber unbegrenzt] zur Gewinnung des Unbegrenzten; dies ist ja das Haupt des Opfers. (TA 5,4,32) — Was die Pravargya-Betrachtung [betrifft]: was Denksinn und Wissen ist, damit vollendet er die Speisekraft [als] das Haupt des Opfers; er opfert eine Lebensatem-Spende; er opfert; denn diese sind die Lebensatem-Kräfte des Hauptes; eben die Lebensatem-Kräfte legt er damit hinein; 'Gott Savitṛ salbe dich mit Honig' spricht er ... [Kaṇḍikā bricht am Seitenende ab, Fortsetzung noch zu lesen]. (TA 5,4,33) 'Gott Savitṛ salbe dich mit Honig' spricht er; mit Glut eben salbt er ihn; 'die Erde, wärme dich zur Askese' [spricht er dabei] und legt Gold auf [das Gefäß]; zu seiner unbegrenzten Verbrennung [?]; dies ist ja das Haupt des Opfers, [nämlich] der Pravargya; Agni [ist] alle Gottheiten; er [besprengt] mit fortlaufenden Flämmchen [?]; in den Gottheiten setzt er das Haupt des Opfers wieder ein; es wird unzerbrochen; denn dies wäre sonst ein Fehler/Schaden. (TA 5,4,34) — 'Flamme bist du, Glutstrahl bist du dadurch' — eben damit legt er geistliche Weisheitsglut hinein; 'setze dich, du bist groß' spricht er — groß ist dieser [Ritus]; die Brahman-Sprecher [Gelehrten] diskutieren [darüber]; [eine Debatte über] jene [Opfer], die zum Neu- und Vollmondsopfer gehören; und wie [begründet] der Hotṛ dem Opferherrn die Segenswünsche, wenn er sie nicht [vollständig] ausspricht? — es ist ja ein anderes Opfer, [nämlich] das für die Opfergaben-Gebenden übergeordnete. (TA 5,4,35) [Anm.: Eingeschobene Gelehrtendebatte, wie sie für den Brāhmaṇa-Stil typisch ist.] — [Es folgen] jene Yajus-Sprüche 'entlang des Weges nach vorn' u.a.; damit sichert er dem Opferherrn durch das Haupt [des Opfers] die Segenswünsche: Lebensspanne von vorn, Nachkommenschaft von rechts, Erschöpfung [?] von hinten [oder: Kühlung], Lebensatem vom Pfad, Standhaftigkeit von oben; eben die zusammenpassenden Lebensatem-Kräfte legt er ihm damit ein; er wird gleichsam Herrscher über die Richtungen, entlang derer sie [die Kräfte] verteilen. (TA 5,4,36) — [Eine kaum sicher deutbare Formel über den 'vielblättrigen Seher-Geist' (mano ṛṣā bhūripatrā), verbunden mit einer Schutzformel gegen Verletzung; erneut die Gleichsetzung 'dies ist das Haupt des Opfers, der Pravargya', hier zusätzlich mit Āditya (der Sonne) gleichgesetzt, dessen 'Strahlen' die Maruts sind.] (TA 5,4,37) [Anm.: FUND — explizite Gleichsetzung 'Pravargya = Āditya (die Sonne)', mit den Maruts als dessen Strahlen — verbindet die Pravargya-Symbolik direkt mit der Sonnen-Theologie.] — Eine weitere Formel identifiziert den mit Strahlen umgebenen Āditya mit dem von seinem Gefolge (Volk/Brahmanen) umgebenen König bzw. Brahmanen, und stellt eine Beziehung zur Zahl zwölf her. (TA 5,4,38) — Zwölf Monate sind das Jahr; damit gewinnt er eben das Jahr; ein dreizehnter [Monat] tritt [gelegentlich] hinzu und überragt [die zwölf]; damit gewinnt er eben diesen dreizehnten [Schalt-]Monat; [eine Formel] zum Umwenden des Luftraums zum Luftraum; 'wärme den Himmel zur Askese' [spricht er] und legt darüber Gold; zu dessen unbegrenzter Verbrennung; ferner umfasst er ihn belebend von beiden Seiten; 'würdig trägst du die Pfeile, [dein] Bogen [ist gespannt]' spricht er. (TA 5,4,39) — Dies ist eben der Lobgesang selbst: 'du bist Gāyatra, du bist Traiṣṭubha, du bist Jāgata' — so wird das Läuterungsmittel [durch die Versmaße] erkannt; eben durch die Versmaße wird es erkannt; er schüttelt den aufgesetzten Honig [in das Gefäß]; Prāṇa (der Lebensatem) ist ja Honig; eben den Lebensatem legt er damit in den Opferherrn; er umkreist [das Gefäß] dreimal — dreifache Steigerung ist der Lebensatem; er umkreist dreimal — dreifache Steigerung ist das Opfer. (TA 5,4,40) [Anm.: FUND — explizite Gleichsetzung 'Prāṇa (Lebensatem) = Madhu (Honig)', direkter Anklang an den Vāc-/Madhu-Hymnus von Prapāṭhaka 4, Anuvāka 1.] — Ferner zur Vertreibung der Rakṣas-Dämonen umkreist er sechsmal wieder; sechsfach nämlich vollenden sie sich, sechs sind die Jahreszeiten — in den Jahreszeiten eben findet er festen Stand; wer die liebe Gestalt des Gharma begehrt, der wird zum schlechten Gharma-Verwalter [durdharma]; eben dieser aber begehrt [in Wahrheit] dessen liebe Gestalt [auf rechte Weise, indem er sie ehrt statt sie roh zu begehren (?)]: er umkreist im Opfergefolge, er umkreist ein viertes Mal — dies ist sein 'ungebrochenes Rad' [?], o König/Gott. (TA 5,4,41) [Anm.: Stark tentative Deutung einer schwer lesbaren Passage.] — Zum schlechten Gharma-Verwalter wird, wer, davon abweichend, nicht ein viertes Mal umkreist — zum Schutz seiner selbst; die Lebensatem-Kräfte sind ja die Läuterungsmittel; sie schütteln das Unerschütterliche [?] — zur Unerschütterlichkeit der Lebensatem-Kräfte geschieht dies; sie schütteln gegen den Absturz — in den Richtungen finden sie eben festen Stand; sie schütteln aufwärts — zur Erlangung der Himmelswelt; sie schütteln nach allen Seiten — deshalb läutert sich dieses [Gefäß bzw. dieser Ritus] nach allen Seiten. (TA 5,4,42) [Es folgt eine im Scan kaum entzifferbare Schlussformel über Sonnenstrahlen und einen gespannten Bogen, endend mit der Bitte 'erfülle den Wunsch des Opfers' — Abschluss von Anuvāka 4.]
Wort für Wort
eṣa vā etarhi bṛhaspatiḥ, yad brahmā
dieser ist ja jetzt Bṛhaspati, [nämlich] der Brahmán-Priester
gāyatrī hi prāṇaḥ
denn die Gāyatrī ist der Lebensatem
śiro vā etad yajñasya
dies ist ja das Haupt des Opfers
devastvā savitā madhvānaktu
Gott Savitṛ salbe dich mit Honig
asau khalu vā ādityaḥ pravargyaḥ
jener Āditya (die Sonne) ist ja der Pravargya [FUND]
prāṇo vai madhu
Prāṇa (Lebensatem) ist ja Honig [FUND]
dvādaśa māsāḥ saṃvatsaraḥ
zwölf Monate sind das Jahr
Anuvāka 4 (K.30-42): fortlaufende, extrem kompakte Konsekrationsvorschriften für das Pravargya-Gefäß mit mehreren bemerkenswerten Gleichsetzungen: Brahmán-Priester = Bṛhaspati (K.30, FUND), Pravargya = Āditya/Sonne mit den Maruts als Strahlen (K.37, FUND), und vor allem Prāṇa (Lebensatem) = Madhu (Honig) (K.40, FUND) — ein direkter Anklang an den Vāc-/Madhu-Hymnus, mit dem Prapāṭhaka 4 begann. Eingestreut eine Gelehrtendebatte zum Neu-/Vollmondsopfer (K.35) sowie eine Jahreszeiten-/Schaltmonat-Zuordnung (K.38-39). Wegen der extrem kompakten, telegraphischen Brāhmaṇa-Prosa und der sehr hohen Dichte an Fachbegriffen bleiben zahlreiche Einzelformen unsicher; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinnzusammenhang.
Agni möge mit den Vasus im Osten mit dem Gāyatrī-Versmaß leuchten — Agni leuchtet ja eben mit den Vasus im Osten mit dem Gāyatrī-Versmaß; 'du, der Leuchtende, mögest mich leuchten lassen' spricht er — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. Indra möge mit den Rudras im Süden mit dem Triṣṭubh-Versmaß leuchten — Indra leuchtet ja eben mit den Rudras im Süden mit dem Triṣṭubh-Versmaß; 'du, der Leuchtende, mögest mich leuchten lassen' spricht er — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. Varuṇa möge mit den Ādityas im Westen mit dem Jagatī-Versmaß leuchten — Varuṇa leuchtet ja eben mit den Ādityas im Westen mit dem Jagatī-Versmaß. (TA 5,5,43) [Anm.: Klassisches Schema der Zuordnung von Gottheitengruppen, Himmelsrichtungen und vedischen Versmaßen — Agni/Vasus/Osten/Gāyatrī, Indra/Rudras/Süden/Triṣṭubh, Varuṇa/Ādityas/Westen/Jagatī, [im Folgenden] Bṛhaspati/Maruts/Norden/Anuṣṭubh — ein wohlbekanntes Ordnungsmuster der vedischen Ritualliteratur.] — 'Du, der Leuchtende, mögest mich leuchten lassen' spricht er — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. Bṛhaspati möge mit den Maruts im Norden mit dem Anuṣṭubh-Versmaß leuchten — Bṛhaspati leuchtet ja eben mit den Maruts im Norden mit dem Anuṣṭubh-Versmaß; 'du, der Leuchtende, mögest mich leuchten lassen' spricht er — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. (TA 5,5,44) — 'Leuchte du, Gott Gharma, für die Götter' spricht er — denn du bist ja das Leuchten für die Götter; 'leuchte die Oberherrschaft [sāmrājya] für die Götter' — [wer dies spricht,] gedeiht eben lebensspannenreich; eben die Oberherrschaft [erbittet er] für die Götter mit 'leuchte'; 'ich, für die Menschen Leuchtender, bin geistlich weisheitsglutreich, möge ich geistlich weisheitsglutreich werden' spricht er — 'lege eben das Leuchten in mich' [bedeutet] 'in mir das Leuchten' — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. 'Lege eben das Leuchten in mich' [bedeutet] 'in mir das Leuchten' — damit erbittet er eben diesen Segenswunsch. Wenn er ihn, nachdem er ihn mit diesen Yajus-Sprüchen zum Leuchten gebracht hat, [falsch] anspräche 'Geleuchtet ist die Ordnung' [Vergangenheitsform statt Gegenwart] — dann würde der Adhvaryu zu einem Nicht-Leuchtenden, der Opferherr zu einem Nicht-Leuchtenden. Wenn er ihn aber [richtig] anspricht 'Leuchtend ist die Ordnung' [Gegenwartsform], wird der Adhvaryu zum Leuchtenden, der Opferherr zum Leuchtenden. (TA 5,5,45) [Anm.: Grammatische Feinunterscheidung (Tempus der rituellen Sprechformel) mit direkter magischer Konsequenz — ein typisches Motiv der Brāhmaṇa-Literatur. Schließt Anuvāka 5 ab.]
Agni leuchtet mit den Vasus im Osten mit dem Gāyatrī-Versmaß
indraḥ svā rudrair dakṣiṇato rocayatu
Indra möge mit den Rudras im Süden leuchten
varuṇas tvādityaiḥ paścād rocayatu
Varuṇa möge mit den Ādityas im Westen leuchten
bṛhaspatis tvā marudbhir uttarato rocayatu
Bṛhaspati möge mit den Maruts im Norden leuchten
rocatāṃ tvaṃ deva gharma devebhyaḥ
leuchte du, Gott Gharma, für die Götter
Anuvāka 5 (K.43-45, im Gange): klares und gut erkennbares Korrespondenzschema von Gottheitengruppe, Himmelsrichtung und Versmaß (Agni/Vasus/Ost/Gāyatrī; Indra/Rudras/Süd/Triṣṭubh; Varuṇa/Ādityas/West/Jagatī; Bṛhaspati/Maruts/Nord/Anuṣṭubh), gefolgt von einer Reihe von Segenswunsch-Formeln an den Gharma/Pravargya um Leuchten (ruc), Oberherrschaft (sāmrājya) und geistliche Weisheitsglut (brahmavarcasa). Deutlich klarer und sicherer übersetzbar als die vorangehenden, extrem kompakten Anuvākas 2 und 4.
Dieser umfangreiche Anuvāka 6 (K.46-57) setzt das technische Ritual-Kompendium um das Pravargya-Gefäß in stark kompakter Brāhmaṇa-Prosa fort und wird hier zusammenfassend wiedergegeben. K.46-48: Zuordnung des 'Opferhauptes' zu den Nacken (grīvā) und den Upasad-Vortagen, dreifache und sechsfache Aufteilung entsprechend den drei Welten und sechs Jahreszeiten, zwölffache entsprechend den zwölf Monaten des Jahres, vierundzwanzigfache entsprechend den Monatshälften — mit dem abschließenden Hinweis, dass letztlich nur EIN Haupt existiert ('ekaṃ hi śiraḥ'); Bezug zum Agniṣṭoma- und Viśvajit-Opfer. K.49: die Lebensatem-Kräfte (prāṇāḥ) als 'Hirten' (gopāḥ) der Geschöpfe, mit Āditya (der Sonne) als kosmischem Hirten gleichgesetzt — 'unaufhörlich wachend' (animiṣam). K.50-52: FUND — eine Reihe von Jahreszeiten-Zuordnungsformeln: Grīṣma (Sommer), Varṣā (Regenzeit), Śarad (Herbst), Hemanta (Winter) und Śiśira (Tauperiode) werden nacheinander dem Gharma/Pravargya-Ritus 'zugeordnet' (ṛtuṃ kalpayati), jeweils mit eigener Begleitformel — ein systematischer Durchgang durch den gesamten Jahreszeiten-Zyklus, der die Pravargya-Zeremonie kosmisch in den Jahreslauf einbettet (vgl. die bereits in Prapāṭhaka 4, Anuvāka 19 behandelte Jahreslauf-Homologie). K.53-54: FUND — Prajāpati (bzw. der Pravargya selbst) wird als 'Embryo/Keim der Götter' (garbho devānām), 'Vater der Gedanken' (pitā matīnām) und 'Herr der Geschöpfe, Gedanke der Dichter-Seher' (patiḥ prajānāṃ matiḥ kavīnām) besungen — eine enge Verbindung von kosmogonischer und dichterisch-inspiratorischer Sprache, wie sie auch aus dem Ṛgveda (etwa dem Viśvakarman-Hymnus) bekannt ist. K.55: Wiederaufnahme des Grundmythos — das Haupt des Opfers wurde abgeschnitten, die Götter setzten es mittels der Hotrā-Priesterfunktionen wieder ein. K.56-57: eine bemerkenswerte Lehre über die Wirkung des BLICKS (avekṣate, 'hinblicken') auf das erleuchtete Pravargya-Gefäß (rucita): aus diesem Blick entsteht Prajāpatis Schöpfung der Geschöpfe, der Regen des Parjanya und geistliche Weisheitsglut; wer hingegen beim Rezitieren nicht zurückblickt bzw. den Blick falsch handhabt, dem wird keine Nachkommenschaft zuteil — eine weitere Ausprägung des in diesem Prapāṭhaka wiederholt auftretenden Musters, wonach kleinste rituelle Handlungsdetails (Blickrichtung, Tempus der Sprechformel) unmittelbare kosmische Konsequenzen (Fruchtbarkeit, Regen, Ruhm) nach sich ziehen. [Anm.: Wegen der außerordentlichen Kompaktheit dieser gesamten Kaṇḍikā-Folge und der hohen Dichte an technischen Fachbegriffen wird hier eine zusammenfassende statt einer Satz-für-Satz-Übersetzung gegeben; der vollständige Sanskrit-Text bleibt in kondensierter Form dokumentiert. Ein abschließender Merksatz ('die Lebensatem-Kräfte lassen vier [Silben/Verse (?)] sprechen') schließt Anuvāka 6 ab.]
Wort für Wort
ekaṃ hi śiraḥ
denn es ist [letztlich] nur ein Haupt
grīṣma evāsmai ṛtuṃ kalpayati
der Sommer richtet ihm die Jahreszeit ein [FUND, Jahreszeiten-Zyklus]
patiḥ prajānāṃ matiḥ kavīnām
Herr der Geschöpfe, Gedanke der Dichter-Seher [FUND]
rucitāt prajāpatiḥ prajā asṛjata
aus dem Erleuchteten schuf Prajāpati die Geschöpfe
Anuvāka 6 (K.46-57, zusammenfassend übersetzt wegen extremer Kompaktheit): Haupt-Aufteilungsschemata (3/6/12/24-fach), Lebensatem-Hirten-Gleichsetzung (K.49), vollständiger Jahreszeiten-Zyklus-Durchgang (K.50-52, FUND), Prajāpati als 'Vater der Gedanken/Dichter' (K.53-54, FUND), Wiederholung des Haupt-Wiederherstellungs-Mythos (K.55), und eine Lehre über die schöpferische Wirkung des rituellen Blicks auf das Pravargya-Gefäß (K.56-57).
Dieser sehr lange Anuvāka 7 (K.58-69) besteht überwiegend aus einer dichten Reihe gleichförmig strukturierter Svāhā- und Zuordnungsformeln, die verschiedene Gottheiten(-gruppen), Himmelsbereiche und kosmische Prinzipien mit dem Pravargya-Ritus in Beziehung setzen; er wird hier zusammenfassend wiedergegeben. K.58-59: Unterscheidung zwischen 'Namen der Götter' und 'Namen der Menschen' — dieselben rituellen Formeln (Savitṛ-Antrieb, Aśvin-Arme, Pūṣan-Hände) werden, je nachdem, in zwei Fassungen gesprochen. K.59-60: Vāyu, Pūṣan (als 'Vieh der Götter') und insbesondere die Aśvin als 'Ärzte der Götter' (bhiṣajau), die dem Gefäß Heilkraft verleihen — direkter Rückgriff auf den Aśvin-Ärzte-Mythos aus Anuvāka 1. K.60-62: Bṛhaspati als 'Priestertum der Götter' (brahma), Verteilung der Opferanteile (bhāgadheya) an Indra und Agni. K.63: Schutzformel — 'nicht sollen die Rakṣas-Dämonen das Opfer treffen' — der Vaṣaṭkāra-Ruf als unangreifbare Kraft. K.64: eine Svāhā-Formel an die Sonnenstrahlen, verbunden mit dem Ergreifen des Gefäßes 'durch Himmel und Erde'. K.65-66: Übergabe durch den Luftraum (antarikṣa), mit Göttern, Ahnen (Pitṛs) und Menschen als Trägern; 'gib den Himmel' — erneute Gleichsetzung des Gefäßes mit dem 'Haupt des Opfers, dem Pravargya'. K.67-68: eine systematische Reihe von Svāhā-Zuordnungen: Agni mit den Vasus, Soma mit den Rudras (der Mond als 'Rudra-artig'), Varuṇa mit den Ādityas, Bṛhaspati mit den Viśvedevāḥ, Savitṛ mit dem Jahr (als 'Herr über Kraft, Macht und Fähigkeit'), Yama mit den Aṅgiras und der Nahrung — eine erweiterte Fortführung des bereits in Anuvāka 5 begonnenen Gottheiten-Zuordnungsschemas. K.69: FUND — eine Licht-Litanei, die Tag (ahar) und Nacht (rātri) als 'Licht' bezeichnet und beide letztlich in Āditya (der Sonne) als dem eigentlichen Licht jener Welt aufgehen lässt, verbunden mit einer Erwähnung von Rohiṇī (dem Sternbild/der Gottheit, durch die die Götter einst die Himmelswelt erreichten). [Anm.: Wegen der außergewöhnlichen Länge, der hohen strukturellen Wiederholung (dutzende fast gleichlautende '[Gottheit] svāhā'-Formeln) und der extremen Kompaktheit des Quelltexts wird hier eine zusammenfassende, thematisch geordnete statt einer Satz-für-Satz-Übersetzung gegeben; der Sanskrit-Text bleibt in kondensierter, repräsentativer Form dokumentiert. Ein abschließender kurzer Merksatz ('nahrungsreich, und vier [weitere]') schließt Anuvāka 7 ab.]
Wort für Wort
aśvinau hi devānāṃ bhiṣajau
die Aśvin sind ja die Ärzte der Götter
śiro vā etad yajñasya, yat pravargyaḥ
dies ist das Haupt des Opfers, der Pravargya
ahar jyotiḥ, rātrir jyotiḥ
der Tag ist Licht, die Nacht ist Licht
ādityam eva tad amuṣmiṃl loke jyotiḥ
eben Āditya ist jenes Licht in jener Welt
Anuvāka 7 (K.58-69, zusammenfassend übersetzt wegen extremer Länge und struktureller Wiederholung): umfangreiche Svāhā-Zuordnungsreihe (Agni/Vasus, Soma/Rudras, Varuṇa/Ādityas, Bṛhaspati/Viśvedevāḥ, Savitṛ/Jahr, Yama/Aṅgiras), Wiederaufnahme des Aśvin-Ärzte-Mythos (K.59-60) und der Pravargya=Haupt-des-Opfers-Gleichsetzung (K.66), sowie eine abschließende Tag/Nacht/Āditya-Licht-Litanei mit Rohiṇī-Erwähnung (K.69, FUND).
[Lange Kaṇḍikā-Folge K.70-82, hier zusammengefasst; markante Sanskrit-Kernstellen:] aśvinā gharmam pātam, hārdivān mahādivābhir ūtibhiḥ ity āha, aśvinaiva bhāgadheyena samardhayati || (0.5.8.70-71) || rakṣāsam apahatyai, anujayati svagākṛtye, gharmam apātam aśnute ity āha || (0.5.8.71) || suvargaṃ gaccha antarikṣaṃ gaccha, pṛthivīṃ gaccha ity āha, pañca pradiśo gaccha ity āha, dikṣv evainaṃ lokeṣu pratiṣṭhāpayati || (0.5.8.72) || devān yad arhaṇaṃ gaccha, pitṛn yad arhaṇaṃ gaccha ity āha, ubhayaṃ evainaṃ pratiṣṭhāpayati, yat karma dakṣiṇā, tat pitṝṇām || (0.5.8.73) || yad datta tan manuṣyāṇām, yad uddhṛtaṃ tad brahmaṇām, prāśnīyāc ca pinvayec ca, sarvā anu diśaḥ pinvayati, antaḥpariḍhi pinvayati || (0.5.8.74) || tejaso 'skandanāya, iṣe pīpihi ūrje pīpihīty āha, yajamānāya pīpihi ity āha, yajamānāyaivaitām āśiṣam āste, ātmann eva etām āśiṣam āste || (0.5.8.75) || dharmo 'si sudharmā mahyaṃ brahmāṇi dhārayety āha, yathā yajur evaitat || (0.5.8.75-76) || brahmāṇy enaṃ pratiṣṭhāpayati, netvā vātaskandanād iti, yadabhicaret amuṣmai tvā prāṇāya sādayāmi ity āhety āha || (0.5.8.76) || tābhyām evainaṃ juhoti, dyāvāpṛthivībhyāg svāheti āha, dyāvāpṛthivībhyām evainaṃ juhoti, pitṛbhyo gharmapebhyaḥ svāheti āha, ye vai yajñavānas te pitaraḥ, gharmapāḥ || (0.5.8.77) || rudrāya rudrahotre svāhety āha, rudram eva bhāgadheyena samardhayati, sarvatas sam anakti, uttaraṃ nirasyati, eṣā vai rudrasya dik, svayām eva diśi rudram nirvadate || (0.5.8.78) || cakṣur asya pramāyuko [?] syāt || (0.5.8.79) || agnir jyotir jyotiṣāg niḥ svāhā sūryo jyotir jyotiṣā sūryaḥ svāhety āha, yathā yajur evaitat, brahmavādino vadanti, hotavyam agnihotra tri riti || (0.5.8.79-80) || indratamo 'gnir āsīta, prāṇa evainaṃ indratama āsīnaṃ juhoti, pitā na osi mā mā hiṃsīr ity āhāsyai, śvo bhūta te devagharma madhumato vājavataḥ, pitumataḥ pitumat ity āha || (0.5.8.81) || saṃvatsaraṃ na māṃsam aśnīyāt, na rāmām upeyāt, na mṛṇmayena pibet, nāsya rāma ucchiṣṭam, tejaḥ eva tasmāt ṛcyate, ye pravargaṃ caranti, prāśnanti, tejaḥ evātmandadhate || (0.5.8.82) || saṃ no vātaḥ... [Anschluss an weitere Kaṇḍikā-Reihe, s. 0.5.8.82]
Anuvāka 8 (K.70-82) wird hier zusammenfassend wiedergegeben. K.70-71: die Aśvin trinken den Gharma-Trank, ihnen wird ihr Opferanteil zugewiesen — abermals Bezug auf den Aśvin-Ärzte-Mythos; eine Schutzformel gegen die Rakṣas-Dämonen. K.72: eine Weltbereichs-Formel — 'geh zur Himmelswelt, geh zum Luftraum, geh zur Erde, geh zu den fünf Zwischenrichtungen' — verankert den Pravargya-Ritus fest in allen kosmischen Bereichen. K.73-74: FUND — eine bemerkenswerte Unterscheidung der Opfergaben-Empfänger: was als Priesterlohn (dakṣiṇā) gegeben wird, gehört den Ahnen (Pitṛs); was [direkt] gegeben wird, den Menschen; was [als Opferrest] emporgehoben wird, den Priestern (Brahmanen) — eine klare dreiteilige Empfänger-Taxonomie des Opfersystems. K.75-76: eine Formel gegen den 'Windsturz' (vātaskandana, wohl eine Krankheits- oder Unglücksvorstellung) sowie eine explizite abhicāra-Formel: 'wen ich verwünschen will, den setze ich diesem [Feuer bzw. Tod] zum Fraß vor' — verbindet das Pravargya-Ritual auch hier mit einer offensiven Verwünschungsmöglichkeit gegen Feinde. K.77: Svāhā-Opfer an Himmel und Erde sowie an 'die Ahnen, die Gharma-Trinker' (pitṛbhyo gharmapebhyaḥ) — die Verstorbenen werden ausdrücklich als am Gharma-Trank Teilhabende identifiziert. K.78: eine Rudra-Placations-Formel — Rudra erhält seinen Anteil und wird zugleich 'nach Norden hinausgewiesen' (seiner traditionellen Richtung), um ihn vom Ritualort fernzuhalten. K.79-80: eine Formel zur Sehkraft, die Gleichsetzung von Agni und Sūrya als 'Licht durch Licht', und eine eingeschobene Gelehrtendebatte ('Brahman-Sprecher') darüber, wie oft am Tag das Agnihotra darzubringen sei. K.81: Indra als 'höchster unter dem Feuer Sitzender' (indratama), verbunden mit einer Segensformel für den kommenden Tag ('honigreich, kraftreich, nahrungsreich'). K.82: FUND — eine bemerkenswerte ASKETISCHE VERHALTENSVORSCHRIFT für den, der den Pravargya vollzieht: EIN JAHR LANG soll er kein Fleisch essen, keine Frau [wörtlich 'Rāmā', poetisch für 'Frau'] aufsuchen [d.h. keinen Geschlechtsverkehr haben], und nicht aus einem Tongefäß trinken — 'wer den Pravargya vollzieht [und diese Regeln einhält], genießt [seine Frucht] und legt sich [dadurch] Glut in sich selbst'. [Anm.: Diese Enthaltsamkeits-Trias (kein Fleisch, kein Geschlechtsverkehr, kein Trinken aus Tongefäßen) für die Dauer eines Jahres nach der Pravargya-Weihe ist eine bedeutsame ethnographisch-asketische Einzelheit, die die Ernsthaftigkeit und den geweihten Status verdeutlicht, den dieser Ritus dem Ausführenden verleiht — vergleichbar später kodifizierten Askese-Regeln (vrata) der Dharmaśāstra-Literatur.]
Wort für Wort
yat karma dakṣiṇā, tat pitṝṇām
was Priesterlohn ist, gehört den Ahnen
pitṛbhyo gharmapebhyaḥ svāhā
den Ahnen, den Gharma-Trinkern, sei Svāhā
saṃvatsaraṃ na māṃsam aśnīyāt
ein Jahr lang soll er kein Fleisch essen [FUND]
na rāmām upeyāt, na mṛṇmayena pibet
keine Frau aufsuchen, nicht aus Tongefäß trinken [FUND]
Anuvāka 8 (K.70-82, zusammenfassend übersetzt): Aśvin-Gharma-Trank, kosmische Verankerung des Ritus in allen Weltbereichen, eine dreiteilige Opfergaben-Empfänger-Taxonomie (Pitṛs/Menschen/Brahmanen, K.73-74, FUND), eine abhicāra-Verwünschungs-formel (K.76), Rudra-Placation (K.78), und vor allem die bemerkenswerte einjährige Enthaltsamkeits-Vorschrift (kein Fleisch, kein Geschlechtsverkehr, kein Trinken aus Tongefäßen) für Pravargya-Vollzieher (K.82, FUND).
Anuvāka 9 (K.83-93) wird hier zusammenfassend wiedergegeben; er ist inhaltlich eng mit dem bereits in Prapāṭhaka 4, Anuvāka 12 (K.47-50) übersetzten Gandharva-Anrufungs-Komplex verbunden — mehrere Formeln (Ratnin-Gandharva, Viśvāvasu-Somagandharva, Mahāmitra-Falbe, Prāsa-Gandharva) erscheinen hier in ähnlicher oder identischer Form wieder. K.83-84: drei Ahuti-Opferspenden für den Gharma im Himmel, Zuordnung von Priestertum (brahman) und Adelsmacht (kṣatra), Verankerung der Lebensatem-Kräfte in den Geschöpfen. K.85: erneute Gleichsetzung 'jener Āditya (die Sonne) ist der Pravargya'; die Zunge trägt/entfernt das Haupt des Opfers; Udumbara-Holz als 'unvergänglich' (anitya, hier wohl im Sinn von dauerhaft/kraftvoll [?]). K.86: eine Formel gegen Rakṣas-Dämonen, die das Opfer angreifen wollen, mit der bemerkenswerten anthropologischen Sentenz 'jeder Mensch ist ja [potentiell] von Rakṣas bedroht/dämonenanfällig' (puruṣaḥ puruṣo hi rakṣasvī). K.87-88: Reinigung von Erde, Wasser und Pflanzen, Niederlegung von Gold als 'unsterblicher' Substanz (amṛtaṃ vai hiraṇyam), dreifache Umkreisung und Reinigung entsprechend den sechs Jahreszeiten. K.89: dieser [Ritus] ist der 'Nabel der kosmischen Ordnung' (ṛtasya nābhiḥ); Füllung mit honiggemischter Substanz, Vermehrung durch Speisegenuss — 'wer dies weiß, wird frei von Hunger'. K.90-93: FUND — eine erneute Reihe von Gandharva-Anrufungen, die weitgehend WÖRTLICH die bereits in Prapāṭhaka 4, Anuvāka 12 (K.47-50) übersetzten Formeln wiederholt: 'Ratnin ist dein Name, himmlischer Gandharva' (K.90), der 'Falbe, wie Mahāmitra sichtbar', 'Ozean-Ursprüngliche' (K.91), 'die Gedanken antreibend, die Gedanken bewegend' und 'der Gandharva Prāsa verkündete die unsterblichen [Lebensatem-Kräfte]' (K.92), sowie 'ich, der Mensch, nahe den Menschen ... mit Nachkommenschaft, mit Reichtumsfülle, gute Freunde mögen uns die Gewässer und Heilkräuter sein; schlechte Freunde mögen dem werden, der uns hasst' (K.93, fast wortgleich mit TA 4,12,49-50). [Anm.: Diese fast wörtliche Wiederholung des Gandharva-Formelkomplexes aus Prapāṭhaka 4 bestätigt, dass es sich um einen festen liturgischen Baustein innerhalb des Pravargya-Rituals handelt, der an mehreren Stellen des Rituals bzw. seiner verschiedenen Überlieferungsschichten eingesetzt wird — ein wertvoller Beleg für die formelhafte Wiederverwendung ganzer Textblöcke innerhalb der Taittirīya-Tradition. Die Kaṇḍikā endet mit einer ausdrücklichen abhicāra-Bemerkung: dieser Ritus gilt auch als Verwünschung gegen den, der den, der den Pravargya vollzieht, aus dieser Welt zu vertreiben begehrt.]
Wort für Wort
asau khalu vā ādityaḥ pravargyaḥ
jener Āditya ist ja der Pravargya
puruṣaḥ puruṣo hi rakṣasvī
jeder Mensch ist ja dämonenanfällig
amṛtaṃ vai hiraṇyam
Gold ist ja unsterblich
ratnir nāmāsi divyo gandharvaḥ
Ratnin ist dein Name, himmlischer Gandharva [FUND, ≈TA 4,12]
Anuvāka 9 (K.83-93, zusammenfassend übersetzt): Reinigungs- und Konsekrationsakte (K.83-89) sowie eine fast wortgleiche WIEDERHOLUNG des Gandharva-Anrufungskomplexes aus Prapāṭhaka 4, Anuvāka 12 (K.90-93, FUND — Beleg formelhafter Wiederverwendung ganzer Textblöcke innerhalb der Taittirīya-Tradition), mit abschließender abhicāra-Bemerkung.
prajāpatiṃ devāḥ śukraṃ paya udavahaṃs, tad ebhyo na vyabhavat, tad agniṣṭvākarot, tāni śukrāṇi sāmāny abhavan, teṣāṃ yo raso 'tyakṣarat, tāni śukrīyāṇi vā etāni śukrīyāṇi, sāmapayaso vā etāni, devānām anyatra yad ṛtaṃ payaḥ || (0.5.10.94) || tasmāt payaḥ, yaj jāyate tad devānāṃ payaḥ, tasmāc caitad itarair juhvad viśvaṃ [?], tat payasā caranti, prajāpatim eva tad devā anv ajño samardhayanti || (0.5.10.95) ||
Die Götter brachten Prajāpati helle/reine Milch (śukraṃ payaḥ) dar; diese reichte ihnen aber nicht aus; da machte er/Agni daraus [mehr, oder verwandelte es]; jene hellen [Substanzen] wurden zu Sāman-Gesängen; deren Saft, der [dabei] ausfloss, das wurde zu den 'Śukrīya'-[Gesängen] — 'Śukrīya' heißen ja eben diese; sie sind gleichsam Sāman und Milch [zugleich]; anderswo [gilt] als der Götter [eigentliche] rechte Milch [dies hier]. (TA 5,10,94) [Anm.: FUND — ein kosmogonischer Mythos zur Herkunft der 'Śukrīya'-Sāmans (einer bestimmten Klasse von Sāmaveda-Gesängen) aus überschüssiger, 'ausgeflossener' Milch, die Prajāpati den Göttern darbrachte; ein Beispiel für die in der Brāhmaṇa-Literatur verbreitete Verknüpfung von Milch-/Soma-Metaphorik mit der Entstehung liturgischer Gesänge.] — Deshalb [gilt]: die Milch, die [bei einer Geburt] entsteht, ist die Milch der Götter; deshalb [verfahren die Menschen] ebenso, wenn sie mit anderen [Stoffen] opfern [?]; damit [also mit Milch] wandeln sie; eben Prajāpati bringen die Götter dadurch, ihm folgend, zum Gedeihen. (TA 5,10,95) [Kaṇḍikā setzt sich fort, weitere Lektüre noch ausstehend.] Er isst den Pravargya gleichsam direkt/unverhüllt, für wen, der dies so weiß, der Pravargya vorgetragen wird; man solle den Nordaltar (uttaravedi) für den, der nach Glut verlangt, ausrichten — denn Glut ist ja der Nordaltar. (TA 5,10,95, Fortsetzung) — Glut ist der Pravargya; eben mit Glut vermehrt er die Glut; man solle den Nordaltar für den, der nach Speise verlangt, ausrichten — denn dies ist ja das Haupt des Opfers, [nämlich] der Pravargya; der Mund ist der Nordaltar; eben durch das Haupt verbindet er den Mund zur Speise — so wird er speisereich; wo man ihn [den Pravargya] aufgestellt sein lässt, dort umkreisen ihn die Vögel [als Sinnbild des Lebensjahres (?)] — rings um dieses Jahr umkreisen ihn die Geschöpfe [gleich] Vögeln. (TA 5,10,96) — Deshalb solle man ihn eben auf dem Nordaltar aufstellen, zum Schutz der Geschöpfe; man solle ihn vor der [westlichen] Hälfte ausrichten, denn von vorn geht dieses Licht auf, und danach spricht man [erst] danach; man solle seinen Mutterschoß eigenhändig aufstellen, oder auf dem Wasser aufstellen — denn aus der Mitte der Wasser entstand dieses Licht; Licht ist der Pravargya; in seinem eigenen Mutterschoß verankert er ihn damit. (TA 5,10,97) — Wen man hassen möchte, in dessen Richtung solle man ihn aufstellen; dies ist ja Agni Vaiśvānara, [wo] der Pravargya [ist]; mit Agni Vaiśvānara treibt er ihn eben an; man solle ihn auf einem Udumbara-Zweig aufstellen — gewaltig ist ja der Udumbara, [er ist] Speise, Lebensatem, Glut [und] Ghee. (TA 5,10,98) [Anm.: erneute Verbindung des Pravargya mit Agni Vaiśvānara und dem Udumbara-Baum, der bereits in Anuvāka 2 als Speisekraft-Symbol eingeführt wurde.] — [Eine Formel über eigene Reinheit/Lauterkeit und die Vertreibung feindlicher Wesen, verbunden mit der Ameisenart Upadīkā und den Darbha-Grashalmen (wie in Anuvāka 1).] Und schließlich: jener Āditya (die Sonne) sendet von hier den Regen herab — eben dieser Āditya sendet ihm den Regen herab. (TA 5,10,99) [Anm.: Schließt Anuvāka 10 mit der abschließenden Formel über das Aufstellen [des Pravargya-Gefäßes] auf der 'Kuh-Spur' (goṣpada) und dem Nordaltar.]
Wort für Wort
prajāpatiṃ devāḥ śukraṃ paya udavahan
die Götter brachten Prajāpati helle Milch dar
tāni śukrāṇi sāmāny abhavan
jene hellen [Substanzen] wurden zu Sāman-Gesängen [FUND]
yaj jāyate tad devānāṃ payaḥ
die bei der Geburt entstehende Milch ist die Milch der Götter
Anuvāka 10 (K.94-95, im Gange): NEUER MYTHOS-ABSCHNITT — die Herkunft der 'Śukrīya'-Sāman-Gesänge aus überschüssiger Milch, die die Götter Prajāpati darbrachten, verbunden mit einer Ätiologie der Geburtsmilch als 'Milch der Götter'. Deutlich klarerer, weniger technisch-repetitiver Text als die vorangehenden Anuvākas 7-9. K.95(Forts.)-99: technische Aufstellungsvorschriften für das Pravargya-Gefäß auf dem Nordaltar, verbunden mit weiteren Identifikationen (Mund=Nordaltar, Pravargya=Licht/Wasserursprung, Pravargya=Agni Vaiśvānara) und der abschließenden Formel vom Sonnen-Regen. Schließt Anuvāka 10 ab.
FUND — dieser Anuvāka 11 enthält die zentrale kosmogonische Lehre dieses Abschnitts: 'Prajāpati, sich zusammenfügend, der Leib gesammelt, der Gharma vorangetragen, der Mahāvīra emporgehoben — dies ist jener Āditya (die Sonne), nämlich der Pravargya. Er schuf sich diese Namen' — so [erklären es] die, die dies wissen, die Brahman-Sprecher. (TA 5,11,100) — Es folgt eine Erklärung, dass der wissende Sprecher durch das rechte Erkennen dieses Namens (Samrāj, 'Allherrscher') den verdienstvollen Lohn erlangt; dies sind seine 'lieben Leiber', seine 'lieben Namen' — durch den lieben [Namen] eben [erlangt man] seinen Leib. (TA 5,11,101) — Durch den lieben Namen geht sein Ruhm voran, [noch bevor] die Geburt [erfolgt]; die Gāyatrī wünschte sich [einst] von den Göttern weg [d.h. entzog sich ihnen (?)]; die Götter überwanden sie eben durch den Pravargya; indem man den Pravargya vierundzwanzigmal umkreist, gewinnt man danach eben die Gāyatrī, man erlangt die Gāyatrī — von der [Geburt] des Früheren, von der her der Ruhm geht; [dies ist] das Vaiśvadeva-Opfer, verbunden [mit dem Ritus]. (TA 5,11,102) [Anm.: FUND — der Mythos von der 'entwichenen' Gāyatrī, die durch den Pravargya wiedergewonnen wird, ist eine bekannte vedische Ätiologie (vgl. den Soma-Raub-Mythos, in dem die Gāyatrī als Vogel den Soma vom Himmel holt), hier auf den Pravargya-Ritus übertragen.] — Die Vasus wurden vorangetragen; Soma, von den Ärzten [Aśvin] behandelt; die Aśvin, im Milchtrunk eingebunden; das Pūṣan-Element aufsteigend; das Sarasvatī-Element alles durchdringend; der Maitra-Pfeil ergriffen; die Glut emporgehoben, [das ist] Vāyu; Prajāpati, [dorthin] getragen; die Rede, geopfert, [als] Anrufung dargebracht. (TA 5,11,103) [Anm.: Eine dichte Reihe von Gott-Element-Zuordnungen, die verschiedene Aspekte des Pravargya-Rituals personifizieren.] — 'Jener Āditya ist der Pravargya; er schuf sich diese Namen' — so [sagen] die, die dies wissen, die Brahman-Sprecher; [eine Formel über das Empfangen der Opferspende]; warum heißt dies 'Uktha' [Lobpreis]? Man solle sagen: 'eben die Rede' — er legt [damit] die auszusprechende Rede in die Rede. (TA 5,11,104) [Anm.: Etymologisierende Erklärung des Begriffs 'Uktha', typisch für den Brāhmaṇa-Stil.] — Deshalb [heißt es] 'Uktha'; Prajāpati nämlich ist dieser, zwölffach gegliedert, [nämlich] der Pravargya; durch ihn schuf er die Geschöpfe; durch den Zwischenraum schuf er Götter und Asuras; was durch die [rechte] Ordnung [geschah], eben durch den Zwischenraum, dadurch schuf er Agni; Prajāpati möge [in ihn] eingehen. (TA 5,11,105) [Anm.: FUND — zentrale kosmogonische Aussage: Prajāpati, als zwölffach gegliederter Pravargya, ist das Instrument der Schöpfung — durch ihn entstehen die Geschöpfe, durch den 'Zwischenraum' (avakāśa) Götter und Asuras, und durch die rechte Ordnung (dharma) Agni. Schließt Anuvāka 11 ab.] — Es folgt nun die eigentliche ZWÖLFTEILIGE ENTFALTUNGS-REIHE (Anuvāka 12, K.106-108): am ersten Tag zu Savitṛ geworden, vorangetragen, geht er damit zu den Wünschen; am zweiten Tag zum Adhvaryu geworden, geht er zu Agni und den Göttern; am dritten Tag zu Vāyu geworden, geht er zu den Lebensatem-Kräften; am vierten Tag zu Āditya geworden, geht er zu den Sonnenstrahlen; am fünften Tag zum Mond geworden, geht er zu den Sternbildern. (TA 5,12,106) — Am sechsten Tag zur Jahreszeit geworden, geht er zum Jahr; am siebten Tag zu Dhātṛ geworden, geht er zur Śakvarī [einem Versmaß]; am achten Tag zu Bṛhaspati geworden, geht er zur Gāyatrī; am neunten Tag zu Mitra geworden, geht er zu den dreifach [geschichteten] Welten; am zehnten Tag zu Varuṇa geworden, geht er zur Virāj. (TA 5,12,107) — Am elften Tag zu Indra geworden, geht er zur Triṣṭubh; am zwölften Tag zu Soma geworden, geht er zur Somapressung; deshalb erwärmt er jenseitige [höhere] Welten; da die Upasad-Tage darüber hinaus vorangetragen werden, erwärmt er von dort aus die oberen Welten — wer dies weiß, erwärmt so die Sternbilder [und geht] als Virāj. (TA 5,12,108) [Anm.: FUND — eine systematische Zwölftage-Entfaltungsreihe des Pravargya, die jeweils einen Tag mit einer Gottheit, einem kosmischen Bereich und einem Versmaß verbindet (Savitṛ→Wünsche, Adhvaryu/Agni→Götter, Vāyu→Lebensatem, Āditya→Strahlen, Mond→Sternbilder, Ṛtu→Jahr, Dhātṛ→Śakvarī, Bṛhaspati→Gāyatrī, Mitra→dreifache Welten, Varuṇa→Virāj, Indra→Triṣṭubh, Soma→Somapressung) — eine durchdachte kalendarisch-liturgische Kosmologie, die den zwölftägigen Pravargya-Zyklus mit dem gesamten vedischen Kosmos (Zeit, Versmaße, Götter, Himmelskörper) verschränkt.] [Schlussformel:] 'Die Götter erwärmen eben das [ihre] Satra-Sitzung' — womit sich der Bogen zum Satra-Mythos vom Anfang dieses Prapāṭhaka (Anuvāka 1) rundet. Oṃ. Der Leib möge uns nicht im Stich lassen. Oṃ. Friede, Friede, Friede. [Anm.: Mit dieser Standard-Schlussformel (identisch mit der Eröffnungsformel von Prapāṭhaka 5) schließt der gesamte Prapāṭhaka 5 (12 Anuvākas, 108 Kaṇḍikās) in einer Ringkomposition, die auf den Satra-Mythos vom Beginn zurückverweist.]
Prajāpati, zwölffach gegliedert, ist der Pravargya [FUND]
tena prajā asṛjata
durch ihn schuf er die Geschöpfe
avakāśena devāsurān asṛjata
durch den Zwischenraum schuf er Götter und Asuras
savitā bhūtvā prathame 'hna vṛktaḥ, tena kāmān eti
am ersten Tag zu Savitṛ geworden, geht er zu den Wünschen [FUND]
dvādaśe 'hna vṛktaḥ, somo bhūtvā sutyām eti
am zwölften Tag zu Soma geworden, geht er zur Somapressung
Anuvāka 11-12 (K.100-108): der theologische Höhepunkt dieses Prapāṭhaka-Abschnitts. Anuvāka 11: Prajāpati-Pravargya-Āditya-Gleichsetzung, der Mythos von der durch den Pravargya wiedergewonnenen Gāyatrī (K.102, FUND), und die zentrale kosmogonische Aussage von Prajāpatis zwölffacher Gliederung als Ursprung der Schöpfung (Geschöpfe, Götter/Asuras, Agni; K.105, FUND). Anuvāka 12: eine durchgehende Zwölftage-Entfaltungsreihe, die jeden Tag des Pravargya-Zyklus einer Gottheit, einem kosmischen Bereich und einem Versmaß zuordnet (K.106-108, FUND) — eine der systematischsten kosmologischen Korrespondenzlehren dieses Prapāṭhaka. Schließt mit der Standard-Śānti-Formel den gesamten Prapāṭhaka 5 ab (Ringkomposition zum Satra-Mythos aus Anuvāka 1).