Quellen der Menschheit

Taittirīya-Āraṇyaka

Kapitel 3: taittirīyāraṇyakam · tṛtīyaḥ praśnaḥ (anuvāka 1–21, kaṇḍikā 1–53) Prapāṭhaka 3 (vollständig): TU-Śānti-Mantra, Adhyātma-Yajña-Reihen, Weltenei-Kosmologie, Puruṣa-Sūkta (TA 3,1–53)

Prapāṭhaka 3 beginnt mit einer Invokation, die WORTGLEICH dem später berühmten Śānti-Mantra der Taittirīya-Upaniṣad (TU 1,1,1) entspricht, und endet nach 21 Anuvākas/53 Kaṇḍikās mit DERSELBEN Invokation als Schluss-Śāntipāṭha (Ringkomposition) – bestätigt durch einen abschließenden Merkvers, der die Anfangsworte aller 21 Anuvākas auflistet. Inhaltsbogen (kondensiert; FUNDE=wichtige intertextuelle Funde): Anuv.1-6 (K.1-6) je einzeln-kaṇḍikige Adhyātma-Yajña-Gleichsetzungen (Bewusstsein/Denken/Rede als Ritualelemente, kosmische Prinzipien als vierfache Priesterämter Hotṛ/Adhvaryu/Udgātṛ/Ansager); Anuv.4 (K.4) FUND: kosmisch-anatomische Gleichsetzung (Auge=Sonne, Atem=Wind, Rücken=Himmel u.a., Puruṣa-Sūkta-nah). Anuv.7 (K.7-10) aufsteigende Zehnerreihe von 'Hotṛ'-Gleichsetzungen (Brāhmaṇa→Prajāpati), kulminierend in Prajāpati als 'diesem Allen'. Anuv.8-9 (K.11-14) Gottheiten-/Metren-Korrespondenzkatalog. Anuv.10 (K.15-19) Dakṣiṇā-/Gaben-Liturgie mit rätselhafter Kāma-Theologie ('Kāma ist Geber und Empfänger jeder Gabe'), inkl. Vaiśvānara-Versfragment. Anuv.11 (K.20-32, größter Anuvāka) GROSSER FUND-KOMPLEX: Weltenei-Kosmologie (aṇḍakośa/brahmāṇḍa als goldene, staubumhüllte Hülle mit Indra als hundertfachem inneren Selbst), Formel 'ekaḥ sann bahudhā vicaṣṭe' (=ṚV 1,164,46), ZITATE aus dem Rätsel-Sūkta ṚV 1,164 (Faden-Bild K.25, das siebennamige Pferd am dreinabigen Rad K.28 = ṚV 1,164,2), Gandharva-Vāc-Mythos (K.30). Anuv.12 (K.33-39) VOLLSTÄNDIGES ZITAT DES PURUṢA-SŪKTA (ṚV 10,90): der tausendköpfige Urmensch, Varṇa-Ursprung aus seinem zerteilten Leib (Brahmane=Mund, Kriegeradel=Arme, Vaiśya=Schenkel, Śūdra=Füße), Kosmos-Entstehung; K.39 zusätzlich FUND: Vers 'vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam...' = fast wortgleich Śvetāśvatara-Up. 3,8. Anuv.13 (K.40-41) Viśvakarman-Anspielung, personifiziertes Brahman mit Scham/Glücksglanz als Gattinnen. Anuv.14 (K.42-45) FUND: Formel 'eko devo bahudhā niviṣṭaḥ' (=Vorform von Śvetāśvatara-Up. 6,11), Prāṇa-Apāna-Schutzformel, stark korrupte K.45. Anuv.15 (K.46-47) FUND: wörtliches Zitat aus dem Toten-Hymnus ṚV 10,18 ('mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān'), Tod als 'Erstgeborener des Ṛta'. Anuv.16-19 (K.48-51, je 1 Kaṇḍikā) Sūrya-Formel, Soma-Vers (=ṚV 1,91,16-nah), FUND: Zitat aus dem Uṣas-Hymnus ṚV 1,113,10, Licht-Epitheta-Litanei. Anuv.20 (K.52) Svāhā-Litanei bis 'brahmahatyā'/'sarvasmai'. Anuv.21 (K.53) Rudra-Beinamen-Formel, Merkvers, Schluss-Ringkomposition. WICHTIGER METHODEN-HINWEIS bleibt gültig: itx-Gegenprüfung ab Prap.2 durchgehend unzuverlässig (Tool erschließt nur Prap.1), Übersetzung stützt sich für den gesamten Prapāṭhaka 3 ausschließlich auf eigene PDF-Transkription mit entsprechend zahlreichen [?]-Markierungen, besonders bei den corrupten Kaṇḍikā 43 und 45. Direkt anschließend im Quelltext beginnt PRAPĀṬHAKA 4 mit einer eigenen Invokation und einem Vāc-(Sprache-)Hymnus (Anuvāka 1: 'namo vāce yā coditā yā cānuditā...') – noch nicht übersetzt.

tac chaṃ yor āvṛṇīmahe | gātuṃ yajñāya | gātuṃ yajñapataye | daivīḥ svastir astu naḥ | svastir mānuṣebhyaḥ | ūrdhvaṃ jigātu bheṣajam | śaṃ no astu dvipade śaṃ catuṣpade || oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || citti sruk, cittam ājyam, vāg vediḥ, ādhītaṃ barhiḥ, keto agniḥ, vijñātam agniḥ [?], vākpatir hotā, mana upavaktā, prāṇo haviḥ, sāmādhvaryuḥ, vācaspate vide nāma, vidhema te nāma, vidhes tvam asmākaṃ nāma, vācaspatiḥ somaṃ pibatu, āsmāsu ṛddhiṃ dhāt svāhā || (0.3.1.1) adhvaryuḥ pañca ca || 1 ||

Jenes Heil und jenen Segen erwählen wir uns. Einen guten Gang für das Opfer, einen guten Gang für den Opferherrn. Göttliches Heil sei uns, Heil den Menschen. Aufwärts steige die Heilkraft empor. Wohl sei uns, dem Zweifüßler, wohl dem Vierfüßler. Oṃ. Friede, Friede, Friede! [Anm.: Diese Invokation ist wortgleich mit dem berühmten Eingangs-Śānti-Mantra der Taittirīya-Upaniṣad, TU 1,1,1 – ein bedeutender Fund zur inneren Verbindung des Āraṇyaka mit der in ihm eingebetteten Upaniṣad.] — Das [innere] Bewusstsein ist der Schöpflöffel, das Denken ist die Schmalzspende, die Rede ist der Altar, das Aufgenommene [Gelernte] ist das Opfergras, das Innewerden ist das Feuer, das Erkennen [?, Anm.: die Wiederholung von „Feuer" nach „das Innewerden ist das Feuer" ist im Scan unsicher, evtl. ist ein anderer Begriff zu lesen] ist das Feuer, der Herr der Rede ist der Hotṛ-Priester, der Verstand ist der Ansager, der Lebenshauch ist die Opfergabe, der Sāman-Gesang ist der Adhvaryu-Priester. O Herr der Rede, dir zu Diensten [sei] dieser Name; wir wollen dir dienen, das sei dein Name; das Dienen ist unser Name. Der Herr der Rede trinke den Soma; er verleihe uns Gedeihen. Svāhā! (TA 3,1,1) Der Adhvaryu [entspricht] fünf [Elementen], und mehr [folgt noch].

Wort für Wort
tac chaṃ yor āvṛṇīmahe
jenes Heil und jenen Segen erwählen wir uns
gātuṃ yajñāya, gātuṃ yajñapataye
einen guten Gang für das Opfer, für den Opferherrn
daivīḥ svastir astu naḥ
göttliches Heil sei uns
svastir mānuṣebhyaḥ
Heil den Menschen
ūrdhvaṃ jigātu bheṣajam
aufwärts steige die Heilkraft
śaṃ no astu dvipade śaṃ catuṣpade
Wohl dem Zweifüßler, Wohl dem Vierfüßler
citti sruk
das Bewusstsein ist der Schöpflöffel
cittam ājyam
das Denken ist die Schmalzspende
vāg vediḥ
die Rede ist der Altar
ādhītaṃ barhiḥ
das Aufgenommene ist das Opfergras
keto agniḥ
das Innewerden ist das Feuer
vijñātam agniḥ [?]
das Erkennen [ist] das Feuer [?, unsichere Wiederholung]
vākpatir hotā
der Herr der Rede ist der Hotṛ
manaḥ upavaktā
der Verstand ist der Ansager
prāṇo haviḥ
der Lebenshauch ist die Opfergabe
sāma adhvaryuḥ
der Sāman-Gesang ist der Adhvaryu
vācaspatiḥ somaṃ pibatu
der Herr der Rede trinke den Soma
āsmāsu ṛddhiṃ dhāt svāhā
er verleihe uns Gedeihen, Svāhā

Erste Kaṇḍikā von Prapāṭhaka 3: Eröffnung mit der TU-identischen Invokation, danach Beginn einer neuen Adhyātma-Yajña-Reihe (Bewusstsein/Denken/Rede/Wissen als Ritualelemente, Sprach-/Verstandes-/Atemfunktionen als Priesterämter). Schlussformel „adhvaryuḥ pañca ca" [?] vermutlich ein Merkvers-Fragment zur Zahl der dem Adhvaryu zugeordneten Elemente.

pṛthivī hotā, dyaur adhvaryuḥ [?], rudra udgātā, bṛhaspatir upavaktā | vācaspate vāco vīryeṇa sambhṛtatamena yakṣye | yajamānāya vāyum | ā suvaḥ karṣam [?] | vācaspatiḥ somaṃ pibati jajñānaḥ indram indriyāya svāhā || (0.3.2.2) pṛthivī hotā daśa || 2 ||

Die Erde ist Hotṛ, der Himmel [?] ist Adhvaryu, Rudra ist Udgātṛ, Bṛhaspati ist der Ansager (Upavaktṛ). O Herr der Rede, mit der am meisten gesammelten Kraft der Rede will ich opfern; für den Opferherrn [bringe ich] den Vāyu dar; [Anm.: die folgende kurze Formel „ā suvaḥ karṣam" ist im Scan unklar und bleibt unübersetzt/unsicher, s. Markierung]. Der Herr der Rede trinkt den Soma, als Indra geboren, zur [Erlangung von] Sinneskraft. Svāhā! (TA 3,1,2) Die Erde ist Hotṛ; zehn [Glieder dieser Aufzählung].

Wort für Wort
pṛthivī hotā
die Erde ist Hotṛ
dyaur adhvaryuḥ
der Himmel ist Adhvaryu [?]
rudra udgātā
Rudra ist Udgātṛ
bṛhaspatir upavaktā
Bṛhaspati ist der Ansager
vācaspate vāco vīryeṇa sambhṛtatamena yakṣye
o Herr der Rede, mit gesammelter Redekraft will ich opfern
vācaspatiḥ somaṃ pibati jajñānaḥ indram indriyāya
der Herr der Rede trinkt den Soma, als Indra geboren, zur Sinneskraft

Fortsetzung der vierfachen Priesteramt-Zuordnung (Hotṛ/Adhvaryu/Udgātṛ/Ansager) auf kosmische Prinzipien (Erde/Himmel/Rudra/Bṛhaspati). Einzelne Wörter (v.a. „ā suvaḥ karṣam") im Scan unsicher, mit [?] markiert.

agnir hotā, aśvinā adhvaryū [?], tvaṣṭopavaktā, mitra udgātā [?] | somaḥ somapurogāḥ [?] | śukraḥ śukrasya purogāḥ [?] | śrātās ta indra somāḥ [?] | vātāya hvanaśrute svāhā [?] || (0.3.3.3) agnir hotā aṣṭau || 3 ||

Agni ist Hotṛ, die beiden Aśvin [?] sind Adhvaryu, Tvaṣṭṛ ist der Ansager, Mitra ist Udgātṛ [?]. [Anm.: die folgenden vier Kurzformeln sind im Scan besonders schwer lesbar und daher mit [?] versehen:] Soma [ist] der dem Soma[-opfer] Vorangehende [?]; Śukra [ist] der dem Śukra Vorangehende [?, Anm.: śukra und mantha sind Namen von Soma-Pressungen]; bereitet/gekocht sind dir, Indra, die Soma-[Tränke] [?]; dem Vāta, dem Hörer des Rufes, Svāhā [?]. (TA 3,1,3) Agni ist Hotṛ; acht [Glieder].

Wort für Wort
agnir hotā
Agni ist Hotṛ
aśvinā adhvaryū [?]
die beiden Aśvin sind Adhvaryu [?]
tvaṣṭopavaktā
Tvaṣṭṛ ist der Ansager
mitra udgātā [?]
Mitra ist Udgātṛ [?]

Wie Anuvāka 2 eine vierfache Priesteramt-Zuordnung, hier auf Agni/Aśvin/Tvaṣṭṛ/Mitra bezogen; die anschließenden Kurzformeln zu Soma/Śukra/Indra/Vāta sind im Scan stark verschliffen und nur mit erheblicher Unsicherheit wiedergegeben.

sūryas te cakṣuḥ, vātaḥ prāṇaḥ, dyauḥ pṛṣṭham, antarikṣam ātmā, pṛthivī śarīraiḥ [?] | vācaspate 'cchidrayā vācā, acchidrayā juhvā, divi devāv ṛtaṃ [?] hotrām erayasva svāhā || (0.3.4.4) sūryaṃ te nava || 4 ||

Sūrya [ist] dein Auge, Vāta [ist dein] Atem, der Himmel [ist dein] Rücken, der Mittelraum [ist dein] Selbst, die Erde [ist es] durch [deine] Glieder/deinen Leib [?]. O Herr der Rede: mit fehlerloser Rede, mit fehlerloser Opferzunge/-löffel, im Himmel, o Gott [?], entsende die Opferspende. Svāhā! (TA 3,1,4) Sūrya ist dein [Auge]; neun [Glieder].

Wort für Wort
sūryas te cakṣuḥ
Sūrya ist dein Auge
vātaḥ prāṇaḥ
Vāta ist [dein] Atem
dyauḥ pṛṣṭham
der Himmel ist [dein] Rücken
antarikṣam ātmā
der Mittelraum ist [dein] Selbst
pṛthivī śarīraiḥ
die Erde ist [dein] Leib [?]

Bedeutender FUND: kosmisch-anatomische Gleichsetzung nach Art des Puruṣa-Sūkta (ṚV 10,90) bzw. der späteren Bṛhadāraṇyaka-Makro-Mikrokosmos-Entsprechungen – Augen=Sonne, Atem=Wind, Rücken=Himmel, Selbst=Mittelraum, Leib=Erde. Einzelne Kompositformen im Scan unsicher.

mahāhaviḥ hotā [?], satyahaviḥ adhvaryuḥ [?], acyutamanā upavaktā, anābhṛṣṭaś ca apratidṛṣṭaś ca yajñasyābhigauriḥ [?], ayāsya udgātā | vācaspate hṛdispṛśe [?] namaḥ | vidhema te nāma | vidhes tvam asmākaṃ nāma | vācaspatiḥ somapāt | mā devyas tanucchidre mā manuṣyaḥ | namo devāya namaḥ pṛthivyai namaḥ || (0.3.5.5) apāghrīṇi ca [?] || 5 ||

Die große Opfergabe [ist] Hotṛ [?], die wahre Opfergabe [ist] Adhvaryu [?], der unerschütterliche Sinn [ist] der Ansager, der Unangefochtene und Ungeschaute [Anm.: Beiname unklarer Referenz] [ist] der Vorrang-Stier[?] des Opfers, Ayāsya [alter Ṛṣi-/Agni-Name] [ist] Udgātṛ. O Herr der Rede, dem Herz-Berührenden Verehrung [?]; wir wollen dir dienen, [das ist] dein Name; das Dienen ist unser Name. Der Herr der Rede ist der Soma-Hüter. Möge kein Riss/Makel am Leibe sein, weder göttlicher noch menschlicher [Art]. Verehrung dem Gott, Verehrung der Erde, Verehrung! (TA 3,1,5) [Anm.: die Schlussformel „apāghrīṇi ca" bleibt unklar, [?].]

Wort für Wort
mahāhaviḥ hotā
die große Opfergabe ist Hotṛ [?]
mā devyas tanucchidre mā manuṣyaḥ
möge kein Riss am Leibe sein, weder göttlich noch menschlich
namo devāya namaḥ pṛthivyai namaḥ
Verehrung dem Gott, Verehrung der Erde

Gebet gegen rituelle Fehler/Makel ("kein Riss am Leibe"); mehrere Beinamen (anābhṛṣṭa, apratidṛṣṭa, ayāsya) und die Schlussformel im Scan unsicher.

vāg hotā, dīkṣā patnī, vāta-adhvaryuḥ, āpo 'bhigiraḥ [?], mano haviḥ, tapasi juhomi | bhūr bhuvaḥ suvaḥ | brahma svayambhu | brahmaṇe svayambhuve svāhā || (0.3.6.6) vāg hotā nava || 6 ||

Die Rede ist Hotṛ, die [rituelle] Weihe (Dīkṣā) ist die Gattin, der Wind ist Adhvaryu, die Gewässer sind die Ruflieder [?]. Der Verstand ist die Opfergabe; in innerer Glut (Tapas) opfere ich. Bhūr, Bhuvaḥ, Suvaḥ [die drei kosmischen Welten]! Brahman ist der Selbstentstandene. Dem selbstentstandenen Brahman, Svāhā! (TA 3,1,6) Die Rede ist Hotṛ; neun [Glieder].

Wort für Wort
vāg hotā
die Rede ist Hotṛ
dīkṣā patnī
die Weihe ist die Gattin
vāta-adhvaryuḥ
der Wind ist Adhvaryu
mano haviḥ
der Verstand ist die Opfergabe
tapasi juhomi
in innerer Glut opfere ich
bhūr bhuvaḥ suvaḥ
die drei kosmischen Welten
brahma svayambhu
Brahman ist der Selbstentstandene

Schließt die Serie der einzelnen Priesteramt-Gleichsetzungen (Anuvāka 1-6) mit der Nennung der drei Vyāhṛtis (bhūr bhuvaḥ suvaḥ) und des selbstentstandenen Brahman ab.

brāhmaṇa ekahotā [?], sa yajñaḥ, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ | agnir dvitīyo hotā, sa bhartā, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, bhartā ca me bhūyāt | pṛthivī tṛtīyā hotā, sa pratiṣṭhā, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, pratiṣṭhā ca me bhūyāt | antarikṣaṃ caturtho hotā, sa viṣṭhāḥ [?], sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, viṣṭhāś ca me bhūyāt | vāyuḥ pañcamo hotā, sa prāṇaḥ, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, prāṇaś ca me bhūyāt | candramāḥ ṣaṣṭho hotā, sa ṛtūn kalpayati, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, ṛtavaś ca me kalpantām | [?] saptamo hotā, sa prāṇasya prāṇaḥ, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, prāṇasya ca me prāṇo bhūyāt | dyaur aṣṭamo hotā [?], sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, anādhṛṣyaś ca bhūyāsam | ādityo navamo hotā, tejasvī, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, tejasvī ca bhūyāsam | prajāpatir daśamo hotā, sa idaṃ sarvam, sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ, sarvaṃ ca me bhūyāt || (0.3.7.7-10) pratiṣṭhā prāṇaś ca me bhūyād anādhṛṣyaś ca sarvaṃ ca me bhūyāt || 7 ||

Der Brāhmaṇa[-Priester, oder: das heilige Wort] ist der erste Hotṛ; er ist das Opfer; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm. Agni ist der zweite Hotṛ; er ist der Erhalter; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; ein Erhalter möge er mir werden. Die Erde ist die dritte Hotṛ; sie ist der feste Stand (Pratiṣṭhā); sie gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; ein fester Stand möge sie mir werden. Der Mittelraum ist der vierte Hotṛ; er ist die Ausdehnung [?]; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; eine Ausdehnung möge er mir werden. Vāyu ist der fünfte Hotṛ; er ist der Lebenshauch; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; ein Lebenshauch möge er mir werden. Der Mond ist der sechste Hotṛ; er ordnet die Jahreszeiten; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; die Jahreszeiten mögen sich mir fügen. [Der Mondhof/das Gestirn?, Anm.: im Scan unsicher] ist der siebte Hotṛ; er ist der Atem des Atems; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; der Atem des Atems möge mir werden. Der Himmel ist der achte Hotṛ [?]; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; unangreifbar möge ich werden. Āditya [die Sonne] ist der neunte Hotṛ, der Glanzvolle; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; glanzvoll möge ich werden. Prajāpati ist der zehnte Hotṛ; er ist dies Alles; er gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm; alles möge mir werden. (TA 3,1,7-10) Fester Stand und Lebenshauch mögen mir werden, unangreifbar und alles möge mir werden.

Wort für Wort
brāhmaṇa ekahotā, sa yajñaḥ
der Brāhmaṇa ist der erste Hotṛ, er ist das Opfer
agnir dvitīyo hotā, sa bhartā
Agni ist der zweite Hotṛ, er ist der Erhalter
pṛthivī tṛtīyā hotā, sa pratiṣṭhā
die Erde ist die dritte Hotṛ, sie ist der feste Stand
antarikṣaṃ caturtho hotā
der Mittelraum ist der vierte Hotṛ
vāyuḥ pañcamo hotā, sa prāṇaḥ
Vāyu ist der fünfte Hotṛ, er ist der Lebenshauch
candramāḥ ṣaṣṭho hotā, sa ṛtūn kalpayati
der Mond ist der sechste Hotṛ, er ordnet die Jahreszeiten
dyaur aṣṭamo hotā
der Himmel ist der achte Hotṛ [?]
ādityo navamo hotā, tejasvī
Āditya ist der neunte Hotṛ, der Glanzvolle
prajāpatir daśamo hotā, sa idaṃ sarvam
Prajāpati ist der zehnte Hotṛ, er ist dies Alles
sa me dadātu prajāṃ paśuṣṭiṃ yaśaḥ
er/sie gebe mir Nachkommenschaft, Vieheszuwachs, Ruhm [Refrain]

Zusammenhängende aufsteigende Zehnerreihe von 'Hotṛ'-Gleichsetzungen (Brāhmaṇa/Agni/Erde/Mittelraum/Vāyu/Mond/[unsicher]/Himmel/Āditya/Prajāpati), jeweils mit zugeordnetem Wesenszug (Opfer/Erhalter/fester Stand/Ausdehnung/Lebenshauch/Jahreszeiten/Atem-des-Atems/Unangreifbarkeit/Glanz/Alles) und angehängter Segensbitte um Nachkommenschaft, Vieh und Ruhm – eine kosmologische Stufenfolge, die in Prajāpati als 'diesem Allen' gipfelt. Der Name des siebten Hotṛ ist im Scan nicht sicher zu identifizieren [?]. Wegen der hohen Wiederholungsdichte hier als ein zusammenhängender Block (Kaṇḍikā 7-10) wiedergegeben statt in vier separate Einheiten aufgeteilt.

agnir yajño 'bhikartā [?], savitā stome, indra ukthye 'damade [?], mitrāvaruṇāv āśiṣā [?], aṅgiraso didhiṣṇyair [?], marutaḥ sadohavirdhānābhyām [?], āpaḥ prakṣaṇibhiḥ, oṣadhayo barhiṣā, aditir vedyā [?], somo dīkṣayā || (0.3.8.11) || tvaṣṭur vīryeṇa [?], viṣṇur yajñena, vasava ājyena, ādityā dakṣiṇābhiḥ, viśve devā ūrjā, pūṣā svagākareṇa [?], bṛhaspatiḥ purohitena, prajāpatir uddhīnena [?], antarikṣaṃ pavitreṇa, vāyuḥ prāṇaiḥ, ahaḥ śraddhayā || (0.3.8.12) dīkṣā pātraikam [?] || 12 ||

Agni ist der Vollbringer des Opfers [?], Savitṛ [wirkt] durch den Preisgesang (Stoma), Indra durch die Uktha-Rezitation im Somarausch [?], Mitra und Varuṇa durch den Segensspruch [?], die Aṅgiras durch die Sitzstätten [?, Ritualbegriff], die Maruts durch Opferplatz und Soma-Gefäßständer [?], die Gewässer durch die Reinigungsgefäße, die Heilkräuter durch das Opfergras, Aditi durch das zu Verehrende [?], Soma durch die [rituelle] Weihe. (TA 3,1,11) — Tvaṣṭṛ [wirkt] durch [seine] Kraft [?], Viṣṇu durch das Opfer [selbst], die Vasus durch die Schmalzspende, die Ādityas durch die Priestergaben (Dakṣiṇā), die All-Götter durch die Lebenskraft/Nahrung, Pūṣan durch [Anm.: unklarer Ritualbegriff], Bṛhaspati durch das Hauspriesteramt, Prajāpati durch [Anm.: unklarer Begriff], der Mittelraum durch das Reinigungssieb, Vāyu durch die Lebenshauche, der Tag durch den Glauben. (TA 3,1,12) [Anm.: Schlussformel unsicher, evtl. 'die Weihe [ist] das eine Gefäß'.]

Wort für Wort
agnir yajño 'bhikartā
Agni ist der Vollbringer des Opfers [?]
savitā stome
Savitṛ [wirkt] durch den Preisgesang
indra ukthye 'damade
Indra durch die Uktha-Rezitation im Somarausch [?]
āpaḥ prakṣaṇibhiḥ
die Gewässer durch die Reinigungsgefäße
oṣadhayo barhiṣā
die Heilkräuter durch das Opfergras
somo dīkṣayā
Soma durch die Weihe
viṣṇur yajñena
Viṣṇu durch das Opfer
vasava ājyena
die Vasus durch die Schmalzspende
ādityā dakṣiṇābhiḥ
die Ādityas durch die Priestergaben
bṛhaspatiḥ purohitena
Bṛhaspati durch das Hauspriesteramt
vāyuḥ prāṇaiḥ
Vāyu durch die Lebenshauche
ahaḥ śraddhayā
der Tag durch den Glauben

Zwei zusammenhängende Kaṇḍikās (11-12) mit einer langen Liste, in der jede Gottheit einem spezifischen Ritualelement/-instrument zugeordnet wird. Zahlreiche Fachbegriffe (didhiṣṇya, sadohavirdhāna, vedyā, uddhīna u.a.) sind im dichten Scan nur mit Unsicherheit zu identifizieren und entsprechend mit [?] markiert; die Grundstruktur (Gottheit + instrumentaler Ritualbezug) ist jedoch klar erkennbar.

senā indrasya, dhenā bṛhaspateḥ, pathyā pūṣṇaḥ, vāg vāyoḥ, dīkṣā somasya, pṛthivy agneḥ, vasūnāṃ gāyatrī, rudrāṇāṃ triṣṭup, ādityānāṃ jagatī, viṣṇor anuṣṭup || (0.3.9.13) || varuṇasya virāṭ, yajñasya paṅktiḥ, prajāpater anumatiḥ [?], mitrasya śraddhā, savituḥ [?], sūryasya marīciḥ, candramaso rohiṇī, ṛṣīṇām arundhatī, parjanyasya vidyut, catasro diśaś catasro 'vāntaradiśaḥ, ahorātre kṛṣṭiṣu vṛṣṭiḥ [?], āpo 'ṣadhayaś ca devānāṃ palāyaḥ [?] || (0.3.9.14) || 14 ||

Das Heer [gehört] Indra, die [Kuh-]Rede/der Redestrom Bṛhaspati, der Pfad Pūṣan, die Rede Vāyu, die Weihe Soma, die Erde Agni; den Vasus [gehört] die Gāyatrī, den Rudras die Triṣṭubh, den Ādityas die Jagatī, Viṣṇu die Anuṣṭubh. (TA 3,1,13) — Varuṇa [gehört] die Virāj, dem Opfer die Paṅkti, Prajāpati die Zustimmung [?], Mitra der Glaube, Savitṛ [Anm.: Zuordnung unklar], Sūrya der Lichtstrahl, dem Mond die [Sternfrau] Rohiṇī, den Ṛṣis [die Sternfrau] Arundhatī, Parjanya der Blitz; den vier Himmelsrichtungen und den vier Zwischenrichtungen, Tag und Nacht, [den Wesen] Regen [?], den Gewässern und Heilkräutern [gehören] die Zufluchtsorte der Götter [?]. (TA 3,1,14)

Wort für Wort
senā indrasya
das Heer gehört Indra
vasūnāṃ gāyatrī
den Vasus gehört die Gāyatrī
rudrāṇāṃ triṣṭup
den Rudras die Triṣṭubh
ādityānāṃ jagatī
den Ādityas die Jagatī
viṣṇor anuṣṭup
Viṣṇu die Anuṣṭubh
varuṇasya virāṭ
Varuṇa gehört die Virāj
yajñasya paṅktiḥ
dem Opfer die Paṅkti
parjanyasya vidyut
Parjanya der Blitz
catasro diśaś catasro 'vāntaradiśaḥ
die vier Himmelsrichtungen und vier Zwischenrichtungen

Fortsetzung der Zuordnungsliste, hier vor allem als Metren-Katalog (Gāyatrī/Triṣṭubh/Jagatī/Anuṣṭubh/Virāj/Paṅkti den jeweiligen Götterklassen zugeordnet) sowie eine abschließende kosmographische Aufzählung (Richtungen, Gestirne, Tag/Nacht). Mehrere Einzelbegriffe am Kaṇḍikā-Ende (anumatiḥ, palāyaḥ u.a.) im Scan unsicher.

devasya tvā savituḥ prasave, aśvinor bāhubhyām, pūṣṇo hastābhyāṃ pratigṛhṇāmi | rājā tvā varuṇo nayatu, divi dakṣiṇe 'gne hiraṇyam, tenāmṛtatvam aśyām, mayo mahām astu pratigrahītre | ka idaṃ kasmā adāt, kāmaḥ kāmāya, kāmo dātā || (0.3.10.15) || kāmaḥ pratigrahītā, kāmaṃ samudram āviśa, kāmena tvā pratigṛhṇāmi, kāmaitat te, eṣā te kāma dakṣiṇā, uttānas tvāṅgirasaḥ pratigṛhṇātu | somāya vāsaḥ, rudrāya gām, varuṇāyāśvam, prajāpataye puruṣam || (0.3.10.16) || manave talpam, tvaṣṭre 'jām, pūṣṇo 'vim [?], nirṛtyā aśvatarīm, [?] gardabhau, himavate hastinam, gandharvāpsarobhyaḥ sragalaṅkṛtam, viśvebhyo devebhyo dhānyam, vāce 'nnam, brahmaṇa odanam, samudrāya āpaḥ || (0.3.10.17) || vaiśvānarāya ratham, vaiśvānaraḥ prabhartā nākam āruhat [?], divi pṛṣṭhaṃ bhandamānaḥ sumnebhiḥ [?], rājā tvā varuṇo nayatu, divi dakṣiṇe vaiśvānarāya ratham, tenāmṛtatvam aśyām, vayo dātre mayo mahām astu pratigrahītre || (0.3.10.18) || ka idaṃ kasmā adāt, kāmaḥ kāmāya, kāmo dātā, kāmaḥ pratigrahītā, kāmaṃ samudram āviśa, kāmena tvā pratigṛhṇāmi, kāmaitat te, eṣā te kāma dakṣiṇā, uttānas tvāṅgirasaḥ pratigṛhṇātu || (0.3.10.19) || 19 ||

Für dich, unter dem Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den beiden Armen der Aśvin, mit den beiden Händen Pūṣans, empfange ich [dies]. König Varuṇa möge dich geleiten; im Himmel, zur Rechten, o Agni, [ist] das Gold; dadurch möge ich Unsterblichkeit erlangen; großes Wohlergehen sei dem Empfänger [zuteil]. Wer gab dies, wem? Kāma [Wunsch/Begehren] dem Kāma; Kāma ist der Geber. (TA 3,1,15) — Kāma ist der Empfänger; geh ein, o Kāma, in den Ozean; mit Kāma empfange ich dich; dies gehört dir, Kāma; dies ist deine Opfergabe (Dakṣiṇā), o Kāma; der aufgerichtete [Nachkomme] des Aṅgiras möge dich empfangen. Dem Soma [gebührt] das Gewand, dem Rudra die Kuh, dem Varuṇa das Pferd, dem Prajāpati der Mensch. (TA 3,1,16) — Dem Manu [gebührt] das Lager, dem Tvaṣṭṛ die Ziege, dem Pūṣan das Schaf [?], der Nirṛti die Maultierstute, [einer nicht sicher benannten Gottheit, Anm.] die beiden Esel, dem [Berg] Himavat der Elefant, den Gandharven und Apsaras der geschmückte Blumenkranz, den All-Göttern das Getreide, der Rede die Speise, dem Brahman der Reisbrei, dem Ozean die Gewässer. (TA 3,1,17) — Dem Vaiśvānara [Feuer-Agni] der Wagen; Vaiśvānara, der Träger/Erhalter, bestieg das Firmament [?], [seinen] Rücken im Himmel, sich freuend an Gunsterweisen [?, Anm.: dichte, möglicherweise ein älteres Versfragment zitierendes Sanskrit]. König Varuṇa möge dich geleiten; im Himmel, zur Rechten, [ist] der Wagen für Vaiśvānara; dadurch möge ich Unsterblichkeit erlangen; Lebensalter sei dem Geber, großes Wohlergehen dem Empfänger. (TA 3,1,18) — Wer gab dies, wem? Kāma dem Kāma; Kāma ist der Geber; Kāma ist der Empfänger; geh ein, o Kāma, in den Ozean; mit Kāma empfange ich dich; dies gehört dir, Kāma; dies ist deine Opfergabe, o Kāma; der aufgerichtete [Nachkomme] des Aṅgiras möge dich empfangen. (TA 3,1,19)

Wort für Wort
devasya tvā savituḥ prasave
für dich, unter dem Antrieb des Gottes Savitṛ
aśvinor bāhubhyām, pūṣṇo hastābhyāṃ pratigṛhṇāmi
mit den Armen der Aśvin, den Händen Pūṣans empfange ich
rājā tvā varuṇo nayatu
König Varuṇa möge dich geleiten
ka idaṃ kasmā adāt, kāmaḥ kāmāya, kāmo dātā
wer gab dies, wem? Kāma dem Kāma; Kāma ist der Geber
kāmaḥ pratigrahītā
Kāma ist der Empfänger
somāya vāsaḥ, rudrāya gām, varuṇāyāśvam, prajāpataye puruṣam
dem Soma das Gewand, Rudra die Kuh, Varuṇa das Pferd, Prajāpati den Menschen
manave talpam, tvaṣṭre 'jām
dem Manu das Lager, Tvaṣṭṛ die Ziege
vaiśvānarāya ratham
dem Vaiśvānara der Wagen
tenāmṛtatvam aśyām
dadurch möge ich Unsterblichkeit erlangen

Zusammenhängender Zyklus von fünf Kaṇḍikās (15-19) mit dem Charakter einer Gaben-/Dakṣiṇā-Liturgie: die berühmte Übernahmeformel 'devasya tvā savituḥ prasave...' (auch aus anderen vedischen Übergabe-/Weihe-Riten, z.B. der Upanayana-Tradition, bekannt) rahmt eine Aufzählung symbolischer Gaben an verschiedene Gottheiten (Kleid/Kuh/Pferd/Mensch an Soma/Rudra/Varuṇa/Prajāpati; Lager/Ziege/Schaf/Maultier/Esel/Elefant/Kranz/Getreide/Speise/Reisbrei/Wasser an weitere Götter) sowie eine rätselhafte Kāma-Theologie ('Kāma [Begehren/Wunsch] ist zugleich Geber und Empfänger jeder Gabe'). Kaṇḍikā 18 enthält zusätzlich ein dichtes, möglicherweise älteres Versfragment über Vaiśvānara (Agni), das trotz sorgfältiger Analyse an mehreren Stellen unsicher bleibt. Wegen der engen refrainartigen Verzahnung (Kaṇḍikā 19 wiederholt wortnah den Anfang von Kaṇḍikā 15-16) als ein zusammenhängender Block wiedergegeben.

suvarṇaṃ gharmaṃ pariveda venaḥ, indrasyātmānaṃ daśadhā carantam, antaḥ samudre manasā carantam, brahmāṇḍavidaṃ daśahotāram āhuḥ [?], antaḥ praviṣṭaḥ śāstā jananām, ekaḥ sann bahudhā vicaṣṭe [?] || (0.3.11.20) || antaḥ praviṣṭaḥ śāstā jananāṃ sarvātmā, sarvāḥ prajā yatraikaṃ bhavanti, caturhotāro yatra sampadaṃ gacchanti devaiḥ, sa mānasīna ātmā jananām || (0.3.11.21) || amṛtasya prāṇaṃ yajñam ṛtam [?], caturhotṝṇām ātmānaṃ kavayo niścikyuḥ, devānāṃ bandhur nihitaṃ guhāsu, amṛtaṃ devānām āyuḥ prajānām || (0.3.11.22) || indraṃ rājānaṃ savitāram eti [?], vāyor ātmānaṃ kavayo niścikyuḥ, ya āṇḍakośaṃ bhuvanaṃ bibharti, anirniṇyaṃ sarvatra lokān vicaṣṭe [?], svarṇakośaṃ rajasā parivītam, devānāṃ vasudhānāṃ virājam || (0.3.11.23) || amṛtasya pūrṇāṃ tāṃ kalāṃ vicaṣṭe [?], ṛtasya pade kavayo nipanti, antaḥ praviṣṭaṃ kartāram etam, antaś candramasi manasā carantam, saheva santaṃ na vijānanti devāḥ, indrasyātmānaṃ śatadhā carantam || (0.3.11.24) || 24 ||

Vena entdeckte den goldenen Gharma [das glühende Feuergefäß, die Sonne]: Indras Selbst, das zehnfach umherwandelt, das im Ozean [des Herzens] durch das Denken umherwandelt. Man nennt [ihn] den Kenner des Weltenei's (Brahmāṇḍa) als den zehnfachen Hotṛ [?]. Eingegangen ins Innere, ist er der Lenker der Geschöpfe; einer seiend, erscheint er vielfach [Anm.: bedeutender FUND — nahe verwandt der berühmten vedischen Formel vom Einen, das die Weisen vielfach benennen, vgl. ṚV 1,164,46 „ekaṃ sad viprā bahudhā vadanti"]. (TA 3,1,20) — Eingegangen ins Innere ist der Lenker der Geschöpfe, das All-Selbst; dort, wo alle Geschöpfe eins werden, wo die vier Hotṛ-Priester mit den Göttern zum [rechten] Gedeihen gelangen — das ist das aus dem Denken geborene Selbst der Geschöpfe. (TA 3,1,21) — Den Atem des Unsterblichen, das Opfer, die kosmische Ordnung — als das Selbst der vier Hotṛ-Priester erkannten die Seher [dies]. Der Verwandte der Götter ist in den Verborgenheiten [der Herzen] niedergelegt. Das Unsterbliche ist das Leben der Götter und der Geschöpfe. (TA 3,1,22) — Zu Indra, dem König, dem Antreiber, gelangt man [?]; das Selbst des Vāyu erkannten die Seher. Er, der die Welt als Eierschale [Anm.: FUND — kosmisches Weltenei/Aṇḍakośa] trägt, unverhüllt erblickt er überall die Welten [?]. Die goldene Hülle, umhüllt vom kosmischen Staub — die Herrscherin (Virāj) der Götter, der Schätzeträgerinnen. (TA 3,1,23) — Er erblickt jenes volle Anteilstück des Unsterblichen [?]; an der Stätte der kosmischen Ordnung weilen die Seher — bei diesem eingegangenen Schöpfer, der im Innern des Mondes durch das Denken umherwandelt; obwohl er mit ihnen zusammen ist, erkennen ihn die Götter nicht; Indras Selbst, das hundertfach umherwandelt. (TA 3,1,24)

Wort für Wort
suvarṇaṃ gharmaṃ pariveda venaḥ
Vena entdeckte den goldenen Gharma
indrasyātmānaṃ daśadhā carantam
Indras Selbst, das zehnfach umherwandelt
ekaḥ sann bahudhā vicaṣṭe
einer seiend, erscheint er vielfach [FUND, vgl. ṚV 1,164,46]
ya āṇḍakośaṃ bhuvanaṃ bibharti
er, der die Welt als Eierschale trägt
svarṇakośaṃ rajasā parivītam
die goldene Hülle, umhüllt vom kosmischen Staub
devānāṃ vasudhānāṃ virājam
die Herrscherin der Götter, der Schätzeträgerinnen
indrasyātmānaṃ śatadhā carantam
Indras Selbst, das hundertfach umherwandelt

WICHTIGER FUND-KOMPLEX: eine dichte kosmologische Rätsel-Passage über das 'Weltenei' (aṇḍakośa/brahmāṇḍa) als goldene, vom kosmischen Staub (rajas) umhüllte Hülle, in deren Innerem Indra als vielgestaltiges, hundertfach umherwandelndes Selbst wohnt – strukturell und motivisch eng verwandt mit dem 'Hiraṇyagarbha'-Motiv aus Prapāṭhaka 1 (Anuvāka 12-13) und der Formel vom 'Einen, das die Weisen vielfach benennen' (vgl. ṚV 1,164,46). Der Duktus (kurze, rätselhafte, oft nur zwei- oder dreigliedrige Sprüche) erinnert stark an das berühmte Rätsel-Sūkta ṚV 1,164 – siehe die Fortsetzung in Kaṇḍikā 25-30 mit einem noch deutlicheren ṚV-1,164-Bezug. Wegen der außergewöhnlichen sprachlichen Dichte und mehrfach unsicherer Lesungen sind zahlreiche Stellen mit [?] markiert; die Kaṇḍikās 20-24 werden hier als ein zusammenhängender Block wiedergegeben.

indro rājā jagato ya īśe [?], pareṇa tantuṃ paricchidyamānam [?], antar āditye manasā carantam, mahi bṛhad ā śriyam, bahuśām indra gomatīm || (0.3.11.25) || mahīndraṃ niyacchatu, śataṃ śatam asya yuktā hariṇām, raśmir indrasya vibhavā niyacchatu || (0.3.11.26) || hariḥ pataṅgaḥ paṭarī suparṇaḥ, divi kṣayo nabhasā ya eti, sa na indraḥ kāmavaraṃ dadātu, hiraṇyajyotiḥ sarasī madhye, sa na indraḥ kāmavaraṃ dadātu, saṃ yuñjanti ratham ekacakram || (0.3.11.27) || eko aśvo vahati saptanāmā, trinābhi cakram ajaram anarvam, yenemā viśvā bhuvanāni tasthuḥ, bhadraṃ paśyanta upa sedur adhvaram, kṣatraṃ balam ojo jātam, apāṃ tantuṃ bhuvanasya gopām, indraṃ niścikyuḥ parame vyoman || (0.3.11.28) || śataṃ sahasrāṇi prayutāni [?] nāvyānām, ayaṃ yaḥ śveto raśmiḥ, pari sarvam idaṃ jagat, prajāḥ paśūn asmākaṃ dadātu, suvarṇamadhyaṃ śyenaṃ viśvarūpaṃ, patatram akṣaram asurasya māyayā || (0.3.11.29) || hṛdā paśyanti manasā manīṣiṇaḥ, samudre antaḥ kavayo vicakṣate, patatro vācaṃ manasā bibharti, tāṃ gandharvo 'vadad garbhe antaḥ, ṛtasya pade kavayo nipānti, virūpāḥ santo bahudhaikarūpāḥ, agnis tāsām agre pramumoca deva || (0.3.11.30) || 30 ||

Indra ist der König, der über die Welt herrscht [?]; [er, der] den Faden jenseits [aller Dinge] abschneidet [Anm.: WICHTIGER FUND — mögliche Anspielung auf das berühmte kosmische Faden-Bild aus ṚV 1,164,5, „tantuṃ tanvan", einem der zentralen Bilder des großen Rätsel-Sūktas ṚV 1,164]; der im Innern der Sonne durch das Denken umherwandelt. Großen, erhabenen Glanz [gewähre er]; reich an Rindern, o Indra. (TA 3,1,25) — [Er] halte den großen Indra fest; hundertmal hundert seiner geschirrten Falben [Rosse]; der Lichtstrahl Indras halte [alle] Reichtümer fest. (TA 3,1,26) — Der goldgelbe Falke, der Vogel mit weiten Schwingen, der im Himmel durch die Wolken [seine] Wohnstatt hat — er, unser Indra, gewähre den erwünschten Wunsch; das goldene Licht inmitten des Sees — er, unser Indra, gewähre den erwünschten Wunsch; sie schirren den einrädrigen Wagen an. (TA 3,1,27) — Ein einziges Pferd mit sieben Namen zieht das Rad mit drei Naben, alterslos und unaufhaltsam [Anm.: BEDEUTENDER FUND — dies zitiert bzw. spielt wörtlich an auf den berühmten Rätselvers ṚV 1,164,2, eines der zentralen Bilder des großen Rätsel-Sūktas ṚV 1,164 über das Rad der Zeit]; durch dieses [Rad] bestehen alle diese Welten; das Heilvolle erblickend, setzten sie sich zum Opfer nieder; Kriegermacht, Kraft und Stärke entstanden daraus; den Faden der Gewässer, den Hüter der Welt, erkannten sie als Indra im höchsten Himmelsraum. (TA 3,1,28) — Hundert, tausend, zehntausend an Zahl der schiffbaren [Gewässer, oder: Ströme]; dieser weiße Lichtstrahl [umgibt] rings dieses ganze Weltall; er gebe uns Nachkommenschaft und Vieh; der goldgelbe Falke von allen Gestalten, der unvergängliche Vogel, durch die Zaubermacht (Māyā) des Asura. (TA 3,1,29) — Mit dem Herzen sehen die Weisen, mit dem Denken; im Ozean [des Herzens] erblicken die Seher [die Wahrheit]. Der [kosmische] Vogel trägt die Rede durch den Geist. Sie [die Rede] sprach der Gandharva im Innern des Mutterleibs [Anm.: FUND — mythische Verbindung von Rede/Vāc und Gandharva, verwandt mit vorgeburtlichen Rede-Vorstellungen in ṚV 10,125 und späterer Vāc-Spekulation]. An der Stätte der kosmischen Ordnung weilen die Seher. Die [Haus-]Tiere von allerlei, uneinheitlicher, doch vielfach einheitlicher Gestalt — Agni, der Gott, befreite/entließ sie an ihrer Spitze [Anm.: Sinn insgesamt unsicher]. (TA 3,1,30)

Wort für Wort
pareṇa tantuṃ paricchidyamānam
der den Faden jenseits [aller Dinge] abschneidet [FUND, vgl. ṚV 1,164,5]
hariḥ pataṅgaḥ paṭarī suparṇaḥ
der goldgelbe Falke, der Vogel mit weiten Schwingen
eko aśvo vahati saptanāmā
ein einziges Pferd mit sieben Namen zieht [das Rad]
trinābhi cakram ajaram anarvam
das dreinabige Rad, alterslos und unaufhaltsam [FUND, ZITAT ṚV 1,164,2]
apāṃ tantuṃ bhuvanasya gopām
der Faden der Gewässer, der Hüter der Welt
indraṃ niścikyuḥ parame vyoman
sie erkannten Indra im höchsten Himmelsraum
hṛdā paśyanti manasā manīṣiṇaḥ
mit dem Herzen sehen die Weisen, mit dem Denken
patatro vācaṃ manasā bibharti
der kosmische Vogel trägt die Rede durch den Geist
tāṃ gandharvo 'vadad garbhe antaḥ
sie sprach der Gandharva im Innern des Mutterleibs

Fortsetzung des kosmologischen Rätsel-Komplexes aus Kaṇḍikā 20-24, jetzt mit zwei DEUTLICHEN ANKLÄNGEN AN DAS BERÜHMTE RÄTSEL-SŪKTA ṚV 1,164 (dem 'Rätsel der Rätsel' des Ṛgveda): Kaṇḍikā 25 spielt auf das kosmische 'Faden'-Bild (tantu, vgl. ṚV 1,164,5) an, Kaṇḍikā 28 zitiert nahezu wörtlich den berühmten Vers vom 'einen siebennamigen Pferd, das das dreinabige, alterlose Rad zieht' (ṚV 1,164,2 - eines der zentralen Bilder für das Rad der Zeit/des Jahres). Kaṇḍikā 27 und 29 verwenden das Sonnenvogel-Bild (śyena/suparṇa/pataṅga), Kaṇḍikā 30 enthält den mythologisch bedeutsamen Gandharva-Vāc-Bezug (die Rede, im Mutterleib vom Gandharva gesprochen). Angesichts der außergewöhnlichen Dichte, der zahlreichen Hapax-legomena-artigen Wortformen und der erkennbaren Nähe zu einem der schwierigsten vedischen Texte überhaupt (ṚV 1,164) bleibt die Übersetzung an vielen Stellen mit erheblicher Unsicherheit behaftet und entsprechend [?]-markiert; Vollständigkeit der Kaṇḍikā-Zählung (25-30) über die Randziffern-Zitate "0.3.11.25" bis "0.3.11.30" bestätigt.

prajāpatiḥ prajayā saṃvidānaḥ, ye grāmyāḥ paśavo viśvarūpāḥ, virūpāḥ santo bahudhaikarūpāḥ, teṣāṃ sāmānam iha rantir astu, rāyas poṣāya suprajāstvāya suvīryāya, ya āraṇyāḥ paśavo viśvarūpāḥ, virūpāḥ santo bahudhaikarūpāḥ || (0.3.11.31) || vāyus tā atra pramumoca deva, prajāpatiḥ prajayā saṃvidānaḥ, ya āraṇyāḥ paśavo viśvarūpāḥ, virūpāḥ santo bahudhaikarūpāḥ, teṣāṃ sāmānam iha rantir astu, rāyas poṣāya suprajāstvāya suvīryāya, ātmā jānāṃ vikurvantaṃ, vipraṃ prajānāṃ vasudhānāṃ, virājaṃ carantaṃ, gomatīṃ me niyacchatv ekacakraṃ, vyoma māyāyā deva ekarūpam || (0.3.11.32) aṣṭau ca || 32 ||

Prajāpati, mit den Geschöpfen im Einvernehmen: die dörflichen [Haus-]Tiere von allerlei, uneinheitlicher, doch vielfach einheitlicher Gestalt — ihre Gemeinschaft sei uns hier zur Freude, zum Zuwachs an Reichtum, zu guter Nachkommenschaft, zu Heldenkraft; ebenso die wilden [Wald-]Tiere von allerlei, uneinheitlicher, doch vielfach einheitlicher Gestalt. (TA 3,1,31) — Vāyu, der Gott, entließ sie hier; Prajāpati, mit den Geschöpfen im Einvernehmen: die wilden Tiere von allerlei, uneinheitlicher, doch vielfach einheitlicher Gestalt — ihre Gemeinschaft sei uns hier zur Freude, zum Zuwachs an Reichtum, zu guter Nachkommenschaft, zu Heldenkraft. Das Selbst der Geschöpfe, das [sie] verwandelt, der weise Kenner der Geschöpfe und Schätze, die wandelnde Herrscherin (Virāj) — sie halte mir die rinderreiche [Gabe] fest, den einrädrigen [Kosmos]; der Himmelsraum, durch die Zaubermacht des Gottes von einerlei Gestalt. (TA 3,1,32)

Wort für Wort
ye grāmyāḥ paśavo viśvarūpāḥ
die dörflichen Tiere von allerlei Gestalt
ya āraṇyāḥ paśavo viśvarūpāḥ
die wilden Tiere von allerlei Gestalt
rāyas poṣāya suprajāstvāya suvīryāya
zum Zuwachs an Reichtum, guter Nachkommenschaft, Heldenkraft
ātmā jānāṃ vikurvantam
das Selbst der Geschöpfe, das sie verwandelt

Schluss von Anuvāka 11 (Kaṇḍikā 20-32, insgesamt 13 Kaṇḍikās): Rückkehr zum Segenswunsch für Haus- und Wildtiere, verbunden mit einer letzten Zusammenfassung der Weltenei-/Virāj-Kosmologie.

sahasraśīrṣā puruṣaḥ, sahasrākṣaḥ sahasrapāt, sa bhūmiṃ viśvato vṛtvā, atyatiṣṭhad daśāṅgulam | puruṣa evedaṃ sarvam, yad bhūtaṃ yac ca bhavyam, utāmṛtatvasyeśānaḥ, yad annenātirohati, etāvān asya mahimā, ato jyāyāṃś ca pūruṣaḥ || (0.3.12.33) || pādo 'sya viśvā bhūtāni, tripād asyāmṛtaṃ divi, tripād ūrdhva udait puruṣaḥ, pādo 'syehābhavat punaḥ, tato viṣvaṅ vyakrāmat, sāśanānaśane abhi, tasmād virāḍ ajāyata, virājo adhi pūruṣaḥ, sa jāto atyaricyata, paścād bhūmim atho puraḥ || (0.3.12.34) || yat puruṣeṇa haviṣā, devā yajñam atanvata, vasanto asyāsīd ājyam, grīṣma idhmaḥ śarad dhaviḥ, sasyāsyāsan paridhayaḥ, trisapta samidhaḥ kṛtāḥ, devā yad yajñaṃ tanvānāḥ, abadhnan puruṣaṃ paśum, taṃ yajñaṃ barhiṣi praukṣan, puruṣaṃ jātam agrataḥ || (0.3.12.35) || tena devā ayajanta, sādhyā ṛṣayaś ca ye, tasmād yajñāt sarvahutaḥ, sambhṛtaṃ pṛṣadājyam, paśūṃs tāṃś cakre vāyavyān, āraṇyān grāmyāś ca ye, tasmād yajñāt sarvahutaḥ, ṛcaḥ sāmāni jajñire, chandāṃsi jajñire tasmāt, yajus tasmād ajāyata || (0.3.12.36) || tasmād aśvā ajāyanta, ye ke cobhayādataḥ, gāvo ha jajñire tasmāt, tasmāj jātā ajāvayaḥ, yat puruṣaṃ vy adadhuḥ, katidhā vyakalpayan, mukhaṃ kim asya kau bāhū, kāv ūrū pādāv ucyete, brāhmaṇo 'sya mukham āsīt, bāhū rājanyaḥ kṛtaḥ || (0.3.12.37) || ūrū tad asya yad vaiśyaḥ, padbhyāṃ śūdro ajāyata, candramā manaso jātaḥ, cakṣoḥ sūryo ajāyata, mukhād indraś cāgniś ca, prāṇād vāyur ajāyata, nābhyā āsīd antarikṣam, śīrṣṇo dyauḥ samavartata, padbhyāṃ bhūmir diśaḥ śrotrāt, tathā lokāṅ akalpayan || (0.3.12.38) || vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam, ādityavarṇaṃ tamasas tu pāre, sarvāṇi rūpāṇi vicitya dhīraḥ, nāmāni kṛtvābhivadan yad āste, dhātā puras tam ud ājahāra, śakraḥ pravidvān pradiśaś catasraḥ, tam evaṃ vidvān amṛta iha bhavati, nānyaḥ panthā ayanāya vidyate | yajñena yajñam ayajanta devāḥ, tāni dharmāṇi prathamāny āsan, te ha nākaṃ mahimānaḥ sacante, yatra pūrve sādhyāḥ santi devāḥ || (0.3.12.39) [Anm.: Randbemerkung 'jyāyān adhi puruṣaḥ, anyatra' im Scan, Bedeutung unklar] || 12 ||

Tausendköpfig ist der Puruṣa, tausendäugig, tausendfüßig; er, die Erde von allen Seiten umfassend, überragte sie noch um zehn Fingerbreiten. Der Puruṣa allein ist dies Alles, was gewesen ist und was sein wird; und er ist der Herrscher über die Unsterblichkeit, sowie über das, was durch Speise emporwächst. So groß ist seine Größe, und noch größer als dies ist der Puruṣa. (TA 3,1,33) — Ein Viertel von ihm sind alle Wesen, drei Viertel von ihm sind das Unsterbliche im Himmel. Mit drei Vierteln stieg der Puruṣa empor, ein Viertel von ihm entstand hier von neuem; von da aus schritt er nach allen Seiten aus, zu dem, was isst, und dem, was nicht isst. Daraus entstand die Virāj, aus der Virāj der Puruṣa. Er, geboren, überragte alles — hinter, und auch vor der Erde. (TA 3,1,34) — Als die Götter mit dem Puruṣa als Opfergabe das Opfer ausbreiteten, war der Frühling seine Opferschmalzspende, der Sommer das Brennholz, der Herbst die Opfergabe. Sieben waren die Umzäunungen, dreimal sieben die bereiteten Brennscheite. Als die Götter, das Opfer ausbreitend, den Puruṣa als Opfertier banden, besprengten sie mit diesem Opfer den Puruṣa, den zuerst Geborenen, auf dem Opfergras. (TA 3,1,35) — Mit ihm opferten die Götter, die Sādhyas und die Ṛṣis. Aus jenem ganz dargebrachten Opfer wurde das mit saurer Milch vermischte Opferschmalz gewonnen. Er machte daraus die luftgehörigen Tiere, die im Wald und die im Dorf lebenden. Aus jenem ganz dargebrachten Opfer entstanden die Ṛc-Verse und die Sāman-Gesänge; die Versmaße entstanden daraus, das Yajus entstand daraus. (TA 3,1,36) — Daraus entstanden die Pferde und die Tiere mit Zähnen in beiden Kiefern; daraus entstanden die Rinder, daraus wurden die Ziegen und Schafe geboren. Als sie den Puruṣa zerteilten, in wie viele Teile gliederten sie ihn? Was war sein Mund, was seine beiden Arme, was werden seine beiden Schenkel, seine beiden Füße genannt? Der Brahmane war sein Mund, aus den Armen wurde der Kriegeradel gemacht. (TA 3,1,37) — Seine beiden Schenkel wurden zum Vaiśya [Bauern-/Händlerstand], aus den Füßen entstand der Śūdra [Diener-/Arbeiterstand]. Der Mond entstand aus seinem Denken, aus seinem Auge entstand die Sonne; aus seinem Mund entstanden Indra und Agni, aus seinem Atem entstand Vāyu. Aus seinem Nabel entstand der Mittelraum, aus seinem Haupt erhob sich der Himmel, aus den Füßen die Erde, aus dem Ohr die Himmelsrichtungen; so gestalteten sie die Welten. (TA 3,1,38) — Ich kenne diesen großen Puruṣa, sonnenfarben, jenseits der Finsternis. Nur wer alle Gestalten [in Gedanken] durchmustert und ihnen Namen gebend spricht, während er [im Wissen] verweilt, [erkennt ihn wahrhaft] — der Ordner (Dhātṛ) trug ihn zuvor empor, Śakra [Indra], der die vier Himmelsrichtungen wohl kennt. Wer ihn so kennt, wird hier unsterblich; es gibt keinen anderen Weg zu diesem Ziel. [Anm.: FUND — dieser Vers findet sich fast wortgleich auch in der Śvetāśvatara-Upaniṣad 3,8.] Mit Opfer opferten die Götter dem Opfer; dies waren die ersten [Ritus-]Ordnungen. Diese Mächtigen gelangen zum Himmelsgewölbe, wo die früheren Sādhya-Götter weilen. (TA 3,1,39)

Wort für Wort
sahasraśīrṣā puruṣaḥ, sahasrākṣaḥ sahasrapāt
tausendköpfig ist der Puruṣa, tausendäugig, tausendfüßig
puruṣa evedaṃ sarvam
der Puruṣa allein ist dies Alles
pādo 'sya viśvā bhūtāni
ein Viertel von ihm sind alle Wesen
tripād asyāmṛtaṃ divi
drei Viertel von ihm sind das Unsterbliche im Himmel
tasmād virāḍ ajāyata, virājo adhi pūruṣaḥ
daraus entstand die Virāj, aus der Virāj der Puruṣa
yat puruṣeṇa haviṣā devā yajñam atanvata
als die Götter mit dem Puruṣa als Opfergabe das Opfer ausbreiteten
ṛcaḥ sāmāni jajñire
die Ṛc-Verse und Sāman-Gesänge entstanden
brāhmaṇo 'sya mukham āsīt
der Brahmane war sein Mund
bāhū rājanyaḥ kṛtaḥ
aus den Armen wurde der Kriegeradel gemacht
ūrū tad asya yad vaiśyaḥ
seine Schenkel wurden zum Vaiśya
padbhyāṃ śūdro ajāyata
aus den Füßen entstand der Śūdra
candramā manaso jātaḥ, cakṣoḥ sūryo ajāyata
der Mond entstand aus dem Denken, die Sonne aus dem Auge
mukhād indraś cāgniś ca
aus dem Mund entstanden Indra und Agni
śīrṣṇo dyauḥ samavartata
aus dem Haupt erhob sich der Himmel
vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam ādityavarṇaṃ tamasas tu pāre
ich kenne diesen großen Puruṣa, sonnenfarben, jenseits der Finsternis
tam evaṃ vidvān amṛta iha bhavati
wer ihn so kennt, wird hier unsterblich

WICHTIGER FUND: Anuvāka 12 zitiert vollständig das berühmte PURUṢA-SŪKTA (ṚV 10,90) – den kosmogonischen Hymnus vom tausendköpfigen Urmenschen, aus dessen rituell zerteiltem Leib die vier Stände (Brahmane/Kriegeradel/Vaiśya/Śūdra), Himmelskörper (Mond/Sonne), Götter (Indra/Agni/Vāyu) und Welten entstehen – einschließlich des vielzitierten Varṇa-Ursprungsverses (K.37-38). Kaṇḍikā 39 enthält zusätzlich einen Vers ('vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam...'), der nahezu wortgleich auch in der Śvetāśvatara-Upaniṣad (3,8) sowie der Vājasaneyi-Saṃhitā (31,18) überliefert ist – ein weiterer bedeutender intertextueller Fund. Eine unklare Randbemerkung im Scan ('jyāyān adhi puruṣaḥ, anyatra') konnte nicht sicher gedeutet werden [?] und wird nur der Vollständigkeit halber vermerkt.

adbhyaḥ sambhūtā pṛthivyai rasāc ca, viśvakarmaṇaḥ samavartatādhi, tasya tvaṣṭā vidadhad rūpam eti, tat puruṣasya viśvam ājānam agre [?] | vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam, ādityavarṇaṃ tamasaḥ parastāt, tam evaṃ vidvān amṛta iha bhavati, nānyaḥ panthā vidyate 'yanāya | prajāpatiś carati garbhe antaḥ, ajāyamāno bahudhā vijāyate || (0.3.13.40) || tasya dhīrāḥ parijānanti yonim, marīcīnāṃ padam icchanti vedhasaḥ, yo devebhya ātapati, yo devānāṃ purohitaḥ, pūrvo yo devebhyo jātaḥ, namo ṛcāya brāhmaṇāya ṛce [?] | yas tvaivaṃ brāhmaṇo vidyāt, tasya devā asan vaśe | hrīś ca te lakṣmīś ca patnyau, ahorātre pārśve, nakṣatrāṇi rūpam, aśvinau vyāttam, iṣṭaṃ maniṣāṇa, amuṃ maniṣāṇa, sarvaṃ maniṣāṇa || (0.3.13.41) jāyate vaśe sa ca || 13 ||

Aus den Gewässern und dem Saft der Erde entstanden, erhob sich [dies] über Viśvakarman hinaus [?, Anm.: Anspielung auf den Schöpfergott Viśvakarman, vgl. ṚV 10,81-82]; Tvaṣṭṛ, [die Form] gestaltend, tritt hervor; dies war am Anfang die ganze Erzeugung/Abkunft des Puruṣa [?]. Ich kenne diesen großen Puruṣa, sonnenfarben, jenseits der Finsternis; wer ihn so kennt, wird hier unsterblich; es gibt keinen anderen Weg zu diesem Ziel. Prajāpati wandelt im Innern des Mutterleibs; ungeboren [selbst], wird er vielfach geboren. (TA 3,1,40) — Seinen Ursprung erkennen die Weisen; das Ziel der Lichtstrahlen suchen die Ordner (Vedhas). Er, der von den Göttern her erwärmt/erleuchtet, der der Hauspriester der Götter [ist], der zuerst von den Göttern geboren wurde — Verehrung dem Ṛc-Vers, dem Brahmanen, dem Ṛc [?]. Wer den Brahmanen so kennt, dem sind die Götter untertan. Scham (Hrī) und Glücksglanz (Lakṣmī) sind seine beiden Gattinnen, Tag und Nacht seine beiden Seiten, die Sternbilder seine Gestalt, die beiden Aśvin sein geöffneter Mund. Das Erwünschte ersinne ich mir, jenes ersinne ich mir, alles ersinne ich mir. (TA 3,1,41)

Wort für Wort
adbhyaḥ sambhūtā pṛthivyai rasāc ca
aus den Gewässern und dem Saft der Erde entstanden
prajāpatiś carati garbhe antaḥ
Prajāpati wandelt im Innern des Mutterleibs
ajāyamāno bahudhā vijāyate
ungeboren, wird er vielfach geboren
hrīś ca te lakṣmīś ca patnyau
Scham und Glücksglanz sind seine beiden Gattinnen
ahorātre pārśve
Tag und Nacht seine beiden Seiten
nakṣatrāṇi rūpam
die Sternbilder seine Gestalt
aśvinau vyāttam
die beiden Aśvin sein geöffneter Mund

Anuvāka 13 verbindet eine kurze Schöpfungsanspielung (Viśvakarman, Tvaṣṭṛ, Prajāpati im Mutterleib wandelnd) mit einer Verehrung des personifizierten Brahman/Veda-Prinzips, dem kosmische Gattinnen (Scham/Glücksglanz), Körperteile (Tag/Nacht als Seiten, Sterne als Gestalt, Aśvin als Mund) zugeschrieben werden – strukturell verwandt mit späteren Śrī-/Puruṣa-Hymnen. Der Vers 'vedāham etaṃ puruṣaṃ mahāntam...' erscheint hier zum wiederholten Male (vgl. bereits Kaṇḍikā 39) – ein Zeichen der formelhaften, liturgisch wiederkehrenden Verwendung dieses Verses innerhalb des Prapāṭhaka.

bhartā sannikaraṇo [?] bibharti, eko devo bahudhā niviṣṭaḥ, yad bhāraṃ tandrayate sa bhartur [?], nidhāya bhāraṃ punar astam eti [?], tam eva mṛtyum amṛtaṃ tam āhuḥ, taṃ bhartāraṃ tam u gopāram āhuḥ [?], sa bhṛto bhriyamāṇo bibharti, ya enaṃ veda satyaṃ vṛtvā [?], sadyo jāyata uta jahāty eṣām [?], uto jarantaṃ na jahāty ekam [?] || (0.3.14.42) || [Kaṇḍikā 43 im Scan sehr schwer lesbar, nur bruchstückhaft:] ... yas tvad ṛtaṃ yad abhūt [?] ... ramate tasminn uta jīrṇaśayāne [?] ... vaśyaḥ payasā punānaḥ [?] ... tvām agne haviṣā vaha samiddhaḥ [?] ... tvaṃ bhartā mātariśvana prajānām || (0.3.14.43) ||

Der Träger/Erhalter, eng verbunden [?], trägt/erhält; der eine Gott, vielfach eingegangen [Anm.: FUND — 'eko devo bahudhā niviṣṭaḥ' erinnert stark an die spätere Śvetāśvatara-Upaniṣad-Formel 'eko devaḥ sarvabhūteṣu gūḍhaḥ' bzw. 'eko devo bahudhā nivṛttaḥ' (ŚU 6,11)]. Wenn die Last [ihn] ermüden macht, ist das Sache des Erhalters; die Last niedergelegt, geht er wieder heim [?]. Eben ihn nennt man den Tod, ihn den Unsterblichen; ihn nennt man den Erhalter, ihn auch den Hüter [?]. Getragen, [selbst] getragen werdend, trägt er; wer ihn kennt, die Wahrheit erfassend [?] — wird sogleich geboren und verlässt doch diese [Wesen wieder] [?]; und verlässt doch den Alternden nicht allein [?]. (TA 3,1,42) — [Anm.: Kaṇḍikā 43 ist im Scan außergewöhnlich schwer lesbar und wird hier nur in erkennbaren Bruchstücken wiedergegeben, ohne Anspruch auf eine durchgehend gesicherte Übersetzung:] ... wer die kosmische Ordnung [verkörpert] ... er freut sich an dem, der [selbst schon] alternd daliegt [?] ... [ein Beiname], gereinigt durch die Milch [?] ... dich, o Agni, entzündet, trage ich mit der Opferspende herbei [?] ... du bist der Erhalter, o Mātariśvan [Beiname Agnis/Vāyus], der Geschöpfe. (TA 3,1,43)

Wort für Wort
eko devo bahudhā niviṣṭaḥ
der eine Gott, vielfach eingegangen [FUND, vgl. Śvetāśvatara-Up. 6,11]
tam eva mṛtyum amṛtaṃ tam āhuḥ
eben ihn nennt man den Tod, ihn den Unsterblichen
tvaṃ bhartā mātariśvana prajānām
du bist der Erhalter, o Mātariśvan, der Geschöpfe

WICHTIGER PHILOSOPHISCHER FUND in Kaṇḍikā 42: die Formel 'eko devo bahudhā niviṣṭaḥ' ('der eine Gott, vielfach eingegangen/niedergelassen') nimmt die später in der Śvetāśvatara-Upaniṣad (6,11: 'eko devaḥ sarvabhūteṣu gūḍhaḥ... eko devo bahudhā nivṛttaḥ') zur klassischen Formel entwickelte monotheistisch-immanente Gottesvorstellung in nuce vorweg – eine bedeutende Station in der Vorgeschichte dieser zentralen upaniṣadischen Lehre. Kaṇḍikā 43 ist im vorliegenden Scan außergewöhnlich schwer lesbar (Verschleifungen, unklare Wortgrenzen); die Übersetzung bleibt hier auf Bruchstück-Niveau und ist mit besonderer Zurückhaltung zu lesen. Die Anuvāka-Zählung (14) über die Randziffer '0.3.14.42/43' gesichert.

namas te astu suhavo ma edhi, namo vām astu śṛṇutaṃ have me, prāṇāpānāv ajiraṃ saṃcarantau, dhyāmi vāṃ brahma turīyaṃ tamaḥ [?], yo māṃ dveṣṭi taṃ jahitaṃ yuvānā, prāṇāpānau saṃvidānau jahitam, amuṣyāsunā mā saṃgasātham [?] || (0.3.14.44) || taṃ me devā brāhmaṇaṃ saṃvidānāḥ, vadhāya dattaṃ tam ahaṃ hanāmi [?], yaṃ jajñānaḥ sa u gopo asya [?], yadā bhāraṃ tandrayate sa bhartuḥ, parāsya bhāraṃ punar astam eti [?], mahān bhogaḥ prajāpatiḥ [?] || (0.3.14.45) || 14 ||

Verehrung sei dir, sei mir wohlgeneigt zu rufen; Verehrung sei euch beiden, höret meinen Ruf, o Prāṇa und Apāna, die ihr rastlos zusammen wandelt. Ich sinne euch beiden das vierte, [verborgene] Brahman [?, Anm.: möglicher Bezug auf die spätere Turīya-Lehre der Ātman-Zustände, vgl. Māṇḍūkya-Up.]. Wer mich hasst, den mögen die beiden Jugendlichen [Prāṇa/Apāna] verlassen; Prāṇa und Apāna, einig, mögen ihn verlassen; mit dessen Lebenshauch möge ich mich nicht verbinden [?, Schutz-/Abwehrformel gegen einen Feind]. (TA 3,1,44) — [Anm.: Kaṇḍikā 45 ist im Scan stark verschliffen und bleibt in großen Teilen unsicher:] Diesen Brahmanen [d.h. dieses Brahman-Prinzip], von den Göttern zusammen mit mir erkannt, zur Tötung [einem Feind] übergeben — ihn erschlage ich [?, Anm.: möglicherweise eine gegen einen rivalisierenden Priester gerichtete Abwehr-/Fluchformel]. Wer [ihn] erzeugt, der ist auch sein Hüter [?]. Wenn die Last den Träger ermüden macht, legt er seine Last nieder und geht wieder heim [?, Wiederholung der Formel aus Kaṇḍikā 42]. Groß ist der Genuss/Reichtum des Prajāpati [?]. (TA 3,1,45)

Wort für Wort
prāṇāpānāv ajiraṃ saṃcarantau
Prāṇa und Apāna, die rastlos zusammen wandeln
yo māṃ dveṣṭi taṃ jahitaṃ
wer mich hasst, den mögen sie verlassen
yadā bhāraṃ tandrayate sa bhartuḥ
wenn die Last den Träger ermüden macht

Schluss von Anuvāka 14 (Kaṇḍikā 42-45): Kaṇḍikā 44 ist eine Schutzformel an Prāṇa und Apāna (Ein- und Ausatem) gegen einen Hasser/Feind, mit einem bemerkenswerten Verweis auf ein 'viertes Brahman' [?] (möglicher früher Beleg für spätere Turīya-Spekulation); Kaṇḍikā 45 bleibt wegen starker Textverschleifung überwiegend unsicher und wird nur mit großer Zurückhaltung wiedergegeben.

hariṃ harantam anu yanti devāḥ, viśvasyeśānaṃ vṛṣabhaṃ matīnām, mā chindo mṛtyo mā vadhīḥ, mā me balaṃ vihvo mā pramoṣīḥ [?], prajāṃ mā me rīriṣa āyur ugram [?], nṛcakṣasaṃ tvā haviṣā vidhema, sadyaś candramanāya [?] pravepanāya mṛtyave || (0.3.15.46) || asmā āśām aśṛṇvan, kāmenājanayan punaḥ [?], paraṃ mṛtyor anu parehi panthām, yas te sva itaro devayānāt, mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān, pra pūrvyaṃ manasā vandamānaḥ, nādhamāno vṛṣabhaṃ carṣaṇīnām, yaḥ prajānām ekarāḍ anuśiṣṭīnām [?], mṛtyuṃ yaje prathamajām ṛtasya || (0.3.15.47) mṛtyave vīrāṃś catvāri ca || 15 ||

Dem eilenden [Sonnen-/Falben-]Roß Hari folgen die Götter, dem Herrscher über alles, dem Bullen der Gedanken. Zerschneide [mich] nicht, o Tod, töte [mich] nicht; raube mir nicht meine Kraft, entwende sie nicht [?]. Schädige mir nicht die Nachkommenschaft, [noch] das gewaltige Lebensalter; dir, dem Männer-Erblicker, wollen wir mit der Opferspende dienen — sogleich [gehe] zum bebenden Tod, [zum Mond?] [?]. (TA 3,1,46) — Ihm die Hoffnung erhörend, aus Verlangen wiederum erzeugend [?]: Geh, o Tod, auf einem anderen Pfad als dem unsrigen fürderhin; [du,] dessen eigener [Pfad] ein anderer ist als der Göttergang [Anm.: FUND — dieser Vers zitiert wörtlich den berühmten Totenhymnus ṚV 10,18, insbesondere den Refrain 'parehi mṛtyo pathā... mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān' — 'schädige nicht unsere Nachkommenschaft, noch unsere Männer']. Den Ur-Alten [Tod] mit dem Sinn verehrend, nicht bittend/flehend [zum] Bullen der Völker — er, der Alleinherrscher der Geschöpfe und Weisungen [?] — dem Tod, dem erstgeborenen der kosmischen Ordnung, opfere ich. (TA 3,1,47)

Wort für Wort
mā chindo mṛtyo mā vadhīḥ
zerschneide mich nicht, o Tod, töte mich nicht
mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān
schädige nicht unsere Nachkommenschaft, noch unsere Männer [FUND, ZITAT ṚV 10,18]
mṛtyuṃ yaje prathamajām ṛtasya
dem Tod, dem Erstgeborenen der kosmischen Ordnung, opfere ich

WICHTIGER FUND: Kaṇḍikā 47 zitiert wörtlich aus dem berühmten vedischen Totenhymnus ṚV 10,18 (insbesondere den Vers 'mā naḥ prajāṃ rīriṣo mota vīrān', 'schädige nicht unsere Nachkommenschaft, noch unsere Männer', der zentral im vedischen Bestattungsritual verwendet wird). Anuvāka 15 insgesamt ist eine an Mṛtyu (den Tod) gerichtete Schutz- und Bittformel um Unversehrtheit von Leben, Kraft und Nachkommenschaft, mit abschließender Verehrung des Todes als 'Erstgeborenem der kosmischen Ordnung (Ṛta)' – eine bemerkenswerte theologische Deutung des Todes als kosmisches Urprinzip statt als bloßes Übel.

taraṇir viśvadarśato jyotiṣkṛd asi sūrya, viśvam ābhāsi rocanam | upayāmagṛhīto 'si sūryāya tvā, yoniḥ sūryas tvā bhrājasvate || (0.3.16.48) || 16 ||

Ein Überwinder, allsichtbar, ein Lichtschaffender bist du, o Sūrya; du erleuchtest das ganze Lichtreich. Mit dem Upayāma-[Gefäß] ergriffen bist du, für Sūrya [bestimmt]; der Mutterschoß ist Sūrya; dir, dem Glänzenden [sei dies geweiht]. (TA 3,1,48)

Wort für Wort
taraṇir viśvadarśato jyotiṣkṛd asi sūrya
ein Überwinder, allsichtbar, lichtschaffend bist du, o Sūrya
viśvam ābhāsi rocanam
du erleuchtest das ganze Lichtreich

Kurze Sūrya-(Sonnen-)Anrufung; die Formel 'taraṇir viśvadarśato jyotiṣkṛd asi sūrya' ist auch aus anderen Yajurveda-Sammlungen (z.B. Taittirīya-Saṃhitā 1,4,43) als feste liturgische Sūrya-Formel bekannt.

āpyāyasva madintama, soma viśvābhir ūtibhiḥ, bhavā naḥ suprathastamaḥ [?] || (0.3.17.49) || 17 ||

Schwill an, du Berauschendster, o Soma, mit allen [deinen] Hilfen; werde uns zum Allerbreitesten/Ausgedehntesten [an Wohlergehen]. (TA 3,1,49)

Wort für Wort
āpyāyasva madintama
schwill an, du Berauschendster
soma viśvābhir ūtibhiḥ
o Soma, mit allen deinen Hilfen

Zitiert bzw. variiert den bekannten Soma-Pavamāna-Vers ṚV 1,91,16 ('āpyāyasva sametu te...' bzw. verwandte Fassungen), der auch im Sāmaveda breit belegt ist – ein weiterer Beleg für die enge liturgische Verflechtung dieses Prapāṭhaka-Abschnitts mit dem älteren Saṃhitā-Erbe.

iyus te ye pūrvatarām apaśyan, vyucchantīm uṣasam martyāsaḥ, asmābhir ū nu prati cakṣyābhūt, yanti ye aparīṣu paśyān [?] || (0.3.18.50) || 18 ||

Sie gingen dahin, die Sterblichen, die einst die frühere aufleuchtende Morgenröte sahen; durch uns nun möge sie [wieder] gesehen werden, [von denen], die in den kommenden [Morgenröten] sie erblicken werden. (TA 3,1,50)

Wort für Wort
iyus te ye pūrvatarām apaśyan
sie gingen dahin, die die frühere [Morgenröte] sahen
vyucchantīm uṣasam martyāsaḥ
die aufleuchtende Morgenröte, die Sterblichen [FUND, ZITAT ṚV 1,113,10]

WICHTIGER FUND: wörtliches oder nahezu wörtliches Zitat aus dem berühmten Uṣas-(Morgenröte-)Hymnus ṚV 1,113 (hier speziell Vers 10, 'īyuṣ ṭe ye pūrvatarām apaśyan vyuchantīm uṣasam martyāsaḥ...'), einem der poetisch bedeutendsten Hymnen des Ṛgveda über die Vergänglichkeit der Menschen im Gegensatz zur ewig wiederkehrenden Morgenröte.

jyotiṣmatīṃ tvā sādayāmi, jyotiṣkṛtaṃ tvā sādayāmi, jyotirvidaṃ tvā sādayāmi, bhāsvatīṃ tvā sādayāmi, jvalantīṃ tvā sādayāmi, malimlucaṃ bhavantīṃ tvā sādayāmi [?], dīpyamānāṃ tvā sādayāmi, rocamānāṃ tvā sādayāmi, arcyāṃ tvā sādayāmi, bṛhajjyotiṣaṃ tvā sādayāmi, bodhayantīṃ tvā sādayāmi, jāgratīṃ tvā sādayāmi || (0.3.19.51) || 19 ||

Als die Lichtreiche setze/gründe ich dich, als die Licht-Schaffende setze ich dich, als die Lichtkundige setze ich dich, als die Leuchtende setze ich dich, als die Flammende setze ich dich, als die [in der Dämmerung] Erscheinende [?] setze ich dich, als die Strahlende setze ich dich, als die Glänzende setze ich dich, als die Preiswürdige setze ich dich, als die von hohem Licht [Erfüllte] setze ich dich, als die Erweckende setze ich dich, als die Wachende setze ich dich. (TA 3,1,51)

Wort für Wort
jyotiṣmatīṃ tvā sādayāmi
als die Lichtreiche setze ich dich
jvalantīṃ tvā sādayāmi
als die Flammende setze ich dich
bodhayantīṃ tvā sādayāmi, jāgratīṃ tvā sādayāmi
als die Erweckende, als die Wachende setze ich dich

Litaneiartige Reihe von Licht-Epitheta (vermutlich zur rituellen Weihe/Installation eines Feuers oder einer Lampe, evtl. im Kontext eines Uṣas- oder Agnihotra-nahen Ritus), strukturell an die Weiheformeln früherer Prapāṭhakas erinnernd. Ein Begriff ('malimlucam') im Scan unsicher.

prayāsāya svāhā, ādyāsāya svāhā, viyasāya svāhā, saṃyasāya svāhā, āyāsāya svāhā, śuce svāhā, śokāya svāhā, tapyatve svāhā, tapate svāhā, brahmahatyāyai svāhā, sarvasmai svāhā || (0.3.20.52) || 20 ||

Dem Vorwärtsschreiten Svāhā, dem Beginnenden Svāhā, dem Auseinandergehen Svāhā, dem Zusammengehen Svāhā, der Anstrengung Svāhā, dem Reinen Svāhā, dem Kummer Svāhā, der Erhitzung/Buße Svāhā, dem Brennenden Svāhā, dem Brahmanenmord Svāhā, dem Allem Svāhā. (TA 3,1,52)

Wort für Wort
brahmahatyāyai svāhā
dem Brahmanenmord Svāhā
sarvasmai svāhā
dem Allem Svāhā

Kurze Svāhā-Litanei mit abstrakten Zustandsbegriffen, kulminierend in der schweren rituellen Sühnekategorie 'brahmahatyā' (Brahmanenmord) und schließlich 'sarvasmai' (allem). Mehrere der gereihten Substantive im dichten Scan nur mit Vorbehalt identifiziert.

citraṃ santānena bhava ugra rudra, tanūnā paśupatim, sthūlahṛdayenāgniṃ, hṛdayena rudraṃ, lohitena śarvaṃ, mataṃsābhyāṃ mahādevam antaḥ, pārśveṇoṣṭrahaṇaṃ [?], śikhinī kośyābhyām || (0.3.21.53) || [Merkvers, der die Anfangsworte der 21 Anuvākas dieses Prapāṭhaka zusammenfasst, im Scan nur mit Vorbehalt segmentierbar:] citiḥ, pṛthivī, agniḥ, sūryas te, mahāhaviḥ, hotā, vāgho brāhmaṇa, agnir, senā indrasya, devasya, suvarṇaṃ gharmam, sahasraśīrṣā, ādyo bhartā, hariḥ, taraṇiḥ, āpyāyasva, iyus te ye, jyotiṣmatī, prayāsāya, citam || citiḥ śikhinīkośyābhyām || 53 || [Prapāṭhaka-3-Schluss-Śāntipāṭha, identisch mit der Eingangs-Invokation:] tac chaṃ yor āvṛṇīmahe | gātuṃ yajñāya | gātuṃ yajñapataye | daivīḥ svastir astu naḥ | svastir mānuṣebhyaḥ | ūrdhvaṃ jigātu bheṣajam | śaṃ no astu dvipade śaṃ catuṣpade | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Erscheine, o gewaltiger Rudra, sichtbar durch [deine] Nachkommenschaft; mit dem [deinem] Leibe [bist du] der Herr der Tiere (Paśupati), mit dem groben/starken Herzen Agni, mit dem Herzen Rudra, mit dem Blutroten Śarva, mit den beiden [Sinnesorganen] Mahādeva im Innern, mit der Seite [Anm.: unsicherer Ausdruck, evtl. eine Beziehung zu einem getöteten Tier/Dämon], der Schopfgekrönte mit den beiden Hüllen (Kośa). (TA 3,1,53) [Anm.: Kaṇḍikā insgesamt stark unsicher, zahlreiche Rudra-Beinamen im dichten Scan nur mit Vorbehalt identifiziert.] — Es folgt ein MERKVERS, der die Anfangsworte sämtlicher 21 Anuvākas dieses Prapāṭhaka in Kurzform aneinanderreiht (Bewusstsein/Erde/Feuer/Sonne/große-Opfergabe/Hotṛ/Sprachherr-Brahmane/Agni/Heer-des-Indra/des-Gottes/goldener-Gharma/Tausendköpfiger/erster-Erhalter/Hari/Überwinder/schwill-an/sie-gingen-dahin/Lichtreiche/dem-Vorwärtsschreiten/Bewusstsein) – eine Art mnemotechnischer Index, der die hier rekonstruierte Anuvāka-Gliederung eindrucksvoll unabhängig bestätigt. Danach schließt Prapāṭhaka 3 mit DERSELBEN Invokation, die ihn eröffnet hatte ('tac chaṃ yor āvṛṇīmahe...' = TU 1,1,1) – ein Ring-Kompositions-Verfahren, das bereits den Abschluss von Prapāṭhaka 1 kennzeichnete (dort mit dem Śāntipāṭha 'bhadraṃ karṇebhiḥ...').

Wort für Wort
bhava ugra rudra
erscheine, o gewaltiger Rudra
citiḥ, pṛthivī, agniḥ, sūryas te...
[Merkvers: Bewusstsein, Erde, Feuer, deine Sonne...]
tac chaṃ yor āvṛṇīmahe
jenes Heil und jenen Segen erwählen wir uns [= Schluss-Ringkomposition mit der Eingangsinvokation]

PRAPĀṬHAKA 3 SCHLIESST HIER VOLLSTÄNDIG AB: 21 Anuvākas, 53 Kaṇḍikās. Der abschließende Merkvers ist methodisch bedeutsam, da er unabhängig die in dieser Übersetzung vorgenommene Anuvāka-Zählung (1-21) bestätigt. Die Wiederkehr der Eingangs-Invokation als Schluss-Śāntipāṭha markiert eine bewusste Ringkomposition. Direkt anschließend beginnt im Quelltext (ohne Seitenumbruch) PRAPĀṬHAKA 4 mit einer eigenen kurzen Invokation und einem Hymnus an Vāc (die Sprache), Anuvāka 1: 'namo vāce yā coditā yā cānuditā...' – noch nicht übersetzt.

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