Kapitel 7: taittirīyāraṇyakam · saptamaḥ praśnaḥ (anuvāka 1–12) · śīkṣāvallī
Prapāṭhaka 7 (vollständig): Śīkṣāvallī der Taittirīya-Upaniṣad — Śānti-Mantra, die fünf Saṃhitās, Vyāhṛtis, Om-Lehre, die berühmte Abschiedsrede des Lehrers (TA 7,1–12)
Die ŚĪKṢĀVALLĪ (Prapāṭhaka 7 dieses Āraṇyaka, identisch mit dem ersten Kapitel der weltberühmten TAITTIRĪYA-UPANIṢAD) ist nun vollständig übersetzt (12 Anuvākas, 23 Kaṇḍikās). Inhaltlicher Bogen: Anuvāka 1-2 (K.1-2) Eröffnungs-Śānti-Mantra ('śaṃ no mitraḥ') und Definition der Phonetik (śīkṣā). Anuvāka 3 (K.3-6) die berühmte Lehre von den fünf 'großen Saṃhitās' (Sandhi-Prinzip übertragen auf Welt, Himmelslichter, Wissen, Nachkommenschaft, Selbst). Anuvāka 4-5 (K.7-12) das Brahmacārin-Gebet um Einsicht (Medhā-Sūkta-Tradition) und die klassische Vyāhṛti-Lehre (bhūḥ-bhuvaḥ-suvaḥ-mahaḥ). Anuvāka 6-8 (K.13-16) die Meditation über den Raum im Herzen und den Scheitelpunkt (mit Namensnennung Prācīnayogyas), das fünfgeteilte (pāṅkta) Kosmos-Leib-Schema, und die berühmte Om-Lehre ('oṃ iti brahma, oṃ itīdaṃ sarvam'). Anuvāka 9-10 (K.17-18) die Tugendliste mit drei konkurrierenden Lehrermeinungen (Satyavacas Rāthītara: Wahrheit; Taponitya Pauruśiṣṭi: Askese; Nāka Maudgalya: Selbststudium und Lehren) sowie Triśaṅkus persönliches Selbstverwirklichungs-Bekenntnis (FUND, Vorform der 'aham brahmāsmi'-Aussagen). Anuvāka 11 (K.19-22) DIE WELTBERÜHMTE ABSCHIEDS-/KONVOKATIONSREDE des Lehrers an den scheidenden Schüler — 'satyaṃ vada, dharmaṃ cara' und 'mātṛdevo bhava, pitṛdevo bhava, ācāryadevo bhava, atithidevo bhava', eine der meistzitierten Passagen der gesamten Sanskrit-Literatur, mit einer bemerkenswert undogmatischen ethischen Schlusshaltung (Vorbild-Orientierung statt starrer Regeln). Anuvāka 12 (K.23) Wiederholung des Eröffnungs-Śānti-Mantras (Ringkomposition) und ein Anukramaṇī-Merkvers. METHODEN-HINWEIS: wie bei allen Werken dieses Projekts wurde ausschließlich aus dem Sanskrit-Original übersetzt, ohne bestehende Übersetzungen zu konsultieren, trotz der außerordentlichen Bekanntheit dieses Textes; die itx-Gegenprüfung über sanskritdocuments.org blieb unzuverlässig, unsichere Lesungen sind mit [?] markiert. Die BRAHMĀNANDAVALLĪ (Prapāṭhaka 8, die berühmte Lehre von den fünf Ātman-Hüllen/kośas und der Ānanda-Mīmāṃsā) folgt als nächster Abschnitt.
oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ, śaṃ no bhavatv aryamā, śaṃ na indro bṛhaspatiḥ, śaṃ no viṣṇur urukramaḥ, namo brahmaṇe, namas te vāyo, tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi, tvām eva pratyakṣaṃ brahma vadiṣyāmi, ṛtaṃ vadiṣyāmi, satyaṃ vadiṣyāmi, tan mām avatu, tad vaktāram avatu, avatu mām, avatu vaktāram, oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || (0.7.1.1) || satyaṃ vadiṣyāmi pañca ca || 1 || oṃ śīkṣāṃ vyākhyāsyāmaḥ, varṇaḥ svaraḥ, mātrā balam, sāma santānaḥ, ity uktaḥ śīkṣādhyāyaḥ || (0.7.2.2) || śīkṣāṃ pañca || 2 ||
Oṃ. Heilsam sei uns Mitra, heilsam Varuṇa, heilsam möge uns Aryaman sein, heilsam uns Indra und Bṛhaspati, heilsam uns Viṣṇu, der weitschreitende. Verehrung dem Brahman! Verehrung dir, o Vāyu! Du allein bist das wahrnehmbare Brahman. Dich allein werde ich als das wahrnehmbare Brahman verkünden. Das Rechte (ṛta) werde ich verkünden, das Wahre (satya) werde ich verkünden. Das möge mich schützen, das möge den Sprecher schützen; es schütze mich, es schütze den Sprecher. Oṃ. Friede, Friede, Friede. (TA 7,1,1) [Anm.: Dies ist der weltberühmte ERÖFFNUNGS-ŚĀNTI-MANTRA der Taittirīya-Upaniṣad, bis heute in ganz Indien rezitiert.] — Oṃ. Wir wollen die Lehre der Phonetik (śīkṣā) erklären: Laut/Buchstabe (varṇa), Betonung (svara), Zeitmaß (mātrā), Kraft/Anstrengung (bala), Gleichmaß (sāma) und Verbindung/Fortsetzung (santāna) — so lautet das Kapitel über die Phonetik. (TA 7,2,2)
Wort für Wort
tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi
du allein bist das wahrnehmbare Brahman [an Vāyu gerichtet]
ṛtaṃ vadiṣyāmi, satyaṃ vadiṣyāmi
das Rechte werde ich verkünden, das Wahre werde ich verkünden
varṇaḥ svaraḥ mātrā balam sāma santānaḥ
Laut, Betonung, Zeitmaß, Kraft, Gleichmaß, Verbindung [die sechs Elemente der Phonetik]
K.1: der berühmte Eröffnungs-Śānti-Mantra der Taittirīya-Upaniṣad ('śaṃ no mitraḥ...'), der Vāyu als das 'wahrnehmbare Brahman' anruft. K.2: knappe Definition der sechs Grundbegriffe der vedischen Phonetik-Wissenschaft (śīkṣā).
Gemeinsam sei uns Ruhm, gemeinsam sei uns Glanz des Brahman (brahmavarcas). Nun wollen wir die Geheimlehre (upaniṣad) der Saṃhitā [Lautverbindung] erklären, in fünf Bereichen: bezogen auf die Welt (adhiloka), bezogen auf die Himmelslichter (adhijyotiṣa), bezogen auf das Wissen (adhividya), bezogen auf die Nachkommenschaft (adhiprajam), bezogen auf das Selbst (adhyātmam) — diese nennt man die großen Saṃhitās. Nun, bezogen auf die Welt: die Erde ist die vorangehende Form, der Himmel die folgende Form, der Luftraum (ākāśa) ist die Verbindungsfuge, der Wind ist das Verbindende — dies bezogen auf die Welt. (TA 7,3,3) Nun, bezogen auf die Himmelslichter: Agni ist die vorangehende Form, die Sonne (Āditya) die folgende Form, das Wasser ist die Verbindungsfuge, der Blitz (vaidyuta) ist das Verbindende — dies bezogen auf die Himmelslichter. Nun, bezogen auf das Wissen: der Lehrer (ācārya) ist die vorangehende Form, (TA 7,3,4) der Schüler die folgende Form, das Wissen (vidyā) ist die Verbindungsfuge, das [gemeinsame] Rezitieren (pravacana) ist das Verbindende — dies bezogen auf das Wissen. Nun, bezogen auf die Nachkommenschaft: die Mutter ist die vorangehende Form, der Vater die folgende Form, die Nachkommenschaft ist die Verbindungsfuge, die Zeugung ist das Verbindende — dies bezogen auf die Nachkommenschaft. (TA 7,3,5) Nun, bezogen auf das Selbst: der untere Kiefer ist die vorangehende Form, der obere Kiefer die folgende Form, die Sprache (vāc) ist die Verbindungsfuge, die Zunge ist das Verbindende — dies bezogen auf das Selbst. Dies sind die großen Saṃhitās. Wer diese großen Saṃhitās solchermaßen erklärt kennt, der wird verbunden mit Nachkommenschaft und Vieh, mit Glanz des Brahman, mit Speise und Nahrung, und mit der Himmelswelt. (TA 7,3,6) [Anm.: Dies ist die berühmte 'Saṃhitopaniṣad' der Taittirīya-Upaniṣad — eine der elegantesten Passagen des gesamten Textes: das phonetische Prinzip der Lautverbindung (sandhi, hier als vorangehende Form/folgende Form/Verbindungsfuge/Verbindendes analysiert) wird als universales Strukturprinzip auf Kosmos (Erde-Himmel-Luftraum-Wind), Himmelslichter (Agni-Sonne-Wasser-Blitz), Bildung (Lehrer-Schüler-Wissen-Rezitation), Fortpflanzung (Mutter-Vater-Nachkommen-Zeugung) und den eigenen Körper (Unterkiefer-Oberkiefer-Sprache-Zunge) übertragen — ein frühes Beispiel vedischen Analogiedenkens, das sprachliche, kosmische und leibliche Ordnung als strukturell identisch begreift.]
Unterkiefer vorangehende Form, Oberkiefer folgende Form, Sprache Verbindungsfuge, Zunge das Verbindende [adhyātmam]
Anuvāka 3 (K.3-6): die 'fünf großen Saṃhitās' — eine der bekanntesten Lehrpassagen der Taittirīya-Upaniṣad, die das Sandhi-Prinzip der Phonetik (vorangehende Form/folgende Form/Verbindungsfuge/Verbindendes) auf Welt, Himmelslichter, Wissen, Nachkommenschaft und den eigenen Leib überträgt.
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaḥ, chandobhyo'dhyamṛtāt saṃbabhūva, sa mendro medhayā spṛṇotu, amṛtasya deva dhāraṇo bhūyāsam, śarīraṃ me vicarṣaṇam, jihvā me madhumattamā, karṇābhyāṃ bhūri viśruvam, brahmaṇaḥ kośo'si medhayā pihitaḥ, śrutaṃ me gopāya, āvahantī vitanvānā || (0.7.4.7) || kurvāṇa ācaramātmanaḥ, vāsāṃsi mama gāvaśca, annapāne ca sarvadā, tato me śriyam āvaha, lomaśāṃ paśubhiḥ saha svāhā, ā mā yantu brahmacāriṇaḥ svāhā, vi mā yantu brahmacāriṇaḥ svāhā, pra mā yantu brahmacāriṇaḥ svāhā, damayantu brahmacāriṇaḥ svāhā, śamayantu brahmacāriṇaḥ svāhā || (0.7.4.8) || yaśo janeṣu asāni svāhā, śreyān vasyasoyasāni svāhā, taṃ tvā bhaga praviśāni svāhā, sa mā bhaga praviśa svāhā, tasmin sahasraśākhe, ni bhagāhaṃ tvayi mṛje svāhā, yathāpaḥ pravatā yanti, yathā māsā aharjaram, evaṃ māṃ brahmacāriṇaḥ, dhātarāyantu sarvataḥ svāhā, prati vedo'si, prati mā bhāhi, prati mā padyasva || (0.7.4.9) || vitanvānā śamayantu brahmacāriṇaḥ svāhā dhātarāyantu sarvataḥ svāhaikaṃ ca || 4 || bhūrbhuvassuvariti vā etāstisro vyāhṛtayaḥ, tāsām u ha smaitāṃ caturthīm, māhācamasyaḥ pravedayate, maha iti, tad brahma, sa ātmā, aṅgāny anyā devatāḥ, bhūr iti vā ayaṃ lokaḥ, bhuva ityantarikṣam, suvar ityasau lokaḥ || (0.7.5.10) || maha ityādityaḥ, ādityena vāva sarve lokā mahīyante, bhūriti agniḥ, bhuva iti vāyuḥ, suvarityādityaḥ, maha iti candramāḥ, candramasā vāva sarvāṇi jyotīṃṣi mahīyante, bhūriti ṛcaḥ, bhuva iti sāmāni, suvariti yajūṃṣi || (0.7.5.11) || maha iti brahma, brahmaṇā vāva sarve vedā mahīyante, bhūriti prāṇaḥ, bhuva ityapānaḥ, suvarityavyānaḥ, maha ityannam, annena vāva sarve prāṇā mahīyante, tā vā etāś catasraś caturdhā, catasraś catasro vyāhṛtayaḥ, tā yo veda, sa veda brahma, sarvasmai devā balim āvahanti || (0.7.5.12) || asau loko yajūṃṣi veda dve ca || 5 ||
[K.7:] Er, der Stier der Versmaße (chandas), der Allgestaltige, ist aus den Versmaßen, aus dem Unsterblichen (amṛta), hervorgegangen — er, Indra, möge mich mit Einsicht (medhā) sättigen. O Gott, ich möchte ein Träger der Unsterblichkeit werden. Mein Leib sei rege, meine Zunge überaus honigsüß, mit meinen beiden Ohren möge ich vieles hören. Du bist die Hülle (kośa) des Brahman, von Einsicht verhüllt — bewahre mir das Gehörte, [du], die [Einsicht] herbeiführende, ausbreitende. (TA 7,4,7) [K.8:] [Der Schüler spricht, für sich selbst wandelnd:] Meine Kleider, meine Rinder, stets Speise und Trank — daher bringe mir Wohlstand, wollreich, samt dem Vieh, svāhā. Zu mir mögen die Brahmacārin-Schüler kommen, svāhā. Von mir mögen sie ausgehen, svāhā. Zu mir mögen sie vorwärtsziehen, svāhā. Sie mögen sich [bei mir] bezähmen, svāhā. Sie mögen [bei mir] zur Ruhe kommen, svāhā. (TA 7,4,8) [K.9:] Ruhm möge ich unter den Menschen erlangen, svāhā; besser als die Wohlhabenden möge ich werden, svāhā. In dich, o Bhaga (Gott des Glücks), möge ich eingehen, svāhā; du, Bhaga, geh in mich ein, svāhā. In dir, dem Tausendästigen, reinige ich mich, Bhaga, svāhā. Wie die Wasser abwärts fließen, wie die Monate zu den Tagen [vergehen], so mögen die Brahmacārin-Schüler von überallher zu mir kommen, o Ordner (Dhātṛ), svāhā. Du bist die Erkenntnis (Veda) [selbst] — erstrahle mir entgegen, tritt mir entgegen. (TA 7,4,9) [Anm.: K.7-9 bilden ein zusammenhängendes Gebet des vedischen Schülers (brahmacārin) um Einsicht (medhā), Gedächtnis, Wohlstand und den Zulauf weiterer Schüler — eine der persönlichsten und am meisten rezitierten Passagen der Śīkṣāvallī, bis heute Teil der Medhā-Sūkta-Tradition.] — [K.10-12, die berühmte VYĀHṚTI-LEHRE:] Bhūḥ, Bhuvaḥ, Suvaḥ — dies sind wahrlich die drei Vyāhṛtis (Ausrufungen). Von diesen verkündete Māhācamasya wahrlich noch eine vierte: Mahaḥ. Das ist Brahman, das ist das Selbst (ātman); die übrigen [drei] sind [seine] Glieder [bzw. andere Gottheiten]. Bhūḥ ist wahrlich diese Welt [die Erde], Bhuvaḥ ist der Luftraum, Suvaḥ ist jene Welt [der Himmel]. (TA 7,5,10) Mahaḥ ist die Sonne (Āditya); durch die Sonne fürwahr werden alle Welten groß. Bhūḥ ist Agni, Bhuvaḥ ist Vāyu, Suvaḥ ist Āditya, Mahaḥ ist der Mond; durch den Mond fürwahr werden alle Himmelslichter groß. Bhūḥ sind die Ṛc-Verse, Bhuvaḥ sind die Sāman-Gesänge, Suvaḥ sind die Yajus-Sprüche. (TA 7,5,11) Mahaḥ ist das Brahman; durch das Brahman fürwahr werden alle Veden groß. Bhūḥ ist der Prāṇa (Einatem), Bhuvaḥ ist der Apāna (Ausatem), Suvaḥ ist der Vyāna (Zwischenatem), Mahaḥ ist die Speise; durch die Speise fürwahr werden alle Lebensatem groß. Dies sind also jene vier [Vyāhṛtis], die je vierfach sind — vier mal vier Vyāhṛtis. Wer diese kennt, der kennt das Brahman; ihm bringen alle Götter Tribut (bali) dar. (TA 7,5,12) [Anm.: Die Lehre von den vier Vyāhṛtis (bhūḥ-bhuvaḥ-suvaḥ-mahaḥ, mit Māhācamasyas Ergänzung der vierten) ist eine der einflussreichsten kosmologischen Klassifikationen der Upaniṣaden-Literatur: jede der vier Silben wird systematisch mit Welt, Himmelskörper, Veda-Textgattung und Lebensatem gleichgesetzt, wobei 'Mahaḥ' (Āditya/Mond/Brahman/Speise) jeweils als die alles andere 'groß machende' vierte Dimension erscheint — ein frühes Beispiel für die Reduktion vielfältiger kosmischer Ordnungen auf ein gemeinsames vierteiliges Schema.]
Wort für Wort
sa mendro medhayā spṛṇotu
er, Indra, möge mich mit Einsicht sättigen
brahmaṇaḥ kośo'si medhayā pihitaḥ
du bist die Hülle des Brahman, von Einsicht verhüllt
bhūrbhuvassuvariti vā etāstisro vyāhṛtayaḥ
Bhūḥ, Bhuvaḥ, Suvaḥ — dies sind die drei Vyāhṛtis
maha iti tad brahma sa ātmā
Mahaḥ — das ist Brahman, das ist das Selbst
ya evaṃ veda sa veda brahma
wer dies so kennt, der kennt das Brahman
Anuvāka 4 (K.7-9): das berühmte Brahmacārin-Gebet um Einsicht, Gedächtnis und Schülerzulauf (Medhā-Sūkta-Tradition). Anuvāka 5 (K.10-12): die klassische Lehre von den vier Vyāhṛtis (bhūḥ, bhuvaḥ, suvaḥ, mahaḥ) mit ihren systematischen Entsprechungen zu Welt, Himmelskörpern, Veden und Lebensatem — eine der wirkungsgeschichtlich bedeutendsten Passagen der gesamten Śīkṣāvallī.
[K.13-14, Meditation über den Raum im Herzen und den Scheitel:] Der Raum, der da im Innern des Herzens ist — in ihm [wohnt] jene Person, aus Geist bestehend (manomaya), unsterblich, aus Gold bestehend. Zwischen den beiden Gaumenzäpfchen, dort wo dieses [Zäpfchen] wie eine Brustwarze herabhängt, [dort ist] der Ursprungsort Indras. Dort, wo sich das Haar in einen Wirbel teilt, die Schädeldecke durchdringend, [dort] ist [der Vyāhṛti] 'bhūḥ' im Agni gegründet, 'bhuvaḥ' im Wind gegründet, (TA 7,6,13) 'suvaḥ' in der Sonne, 'mahaḥ' im Brahman. Er erlangt Selbstherrschaft (svārājya), er erlangt den Herrn des Denkens, den Herrn der Sprache, den Herrn des Auges, den Herrn des Gehörs, den Herrn der Erkenntnis. Danach wird er dies: das Brahman, dessen Leib der Raum ist, dessen Wesen die Wahrheit ist, das sich am Lebensatem erfreut, dessen Denken Wonne ist, das an Frieden reich, unsterblich ist — so, o Prācīnayogya, verehre [dies]! (TA 7,6,14) [Anm.: Eine berühmte physiologisch-mystische Beschreibung des 'Scheitelpunkts' (Nahtstelle der Schädelknochen, später als brahmarandhra bekannt) als Sitz des goldenen, unsterblichen 'geistgemachten' Puruṣa im Herzraum — mit Namensnennung des angeredeten Schülers/Lehrers Prācīnayogya, ein Hinweis auf eine ursprünglich mündliche Lehrer-Schüler-Situation.] — [K.15, das Fünfgeteilte:] Erde, Luftraum, Himmel, Himmelsrichtungen, Zwischenrichtungen; Agni, Wind, Sonne, Mond, Sternbilder; Wasser, Kräuter, Bäume, Raum, das Selbst — dies bezogen auf die Elemente (adhibhūtam). Nun bezogen auf das Selbst (adhyātmam): die fünf Lebensatem (Prāṇa, Vyāna, Apāna, Udāna, Samāna); Auge, Ohr, Denken, Sprache, Haut; Haut, Fleisch, Sehne, Knochen, Mark — nachdem er dies so [in Fünfergruppen] eingeteilt hatte, sprach der Seher: 'Fünfgeteilt (pāṅkta) fürwahr ist dies alles; mit dem Fünfgeteilten allein sättigt er das Fünfgeteilte.' (TA 7,7,15) — [K.16, die berühmte Om-Lehre:] Oṃ — das ist das Brahman. Oṃ — das ist dies alles. Oṃ — dies ist auch die Zustimmungsformel; wenn man 'höret her!' (āśrāvaya) ruft, antwortet man mit 'Oṃ'. Mit 'Oṃ' singen sie die Sāman-Gesänge. Mit 'Oṃ [Śom]' rezitieren sie die Śastra-Sprüche. Mit 'Oṃ' erwidert der Adhvaryu-Priester den Zuruf. Mit 'Oṃ' erteilt der Brahmán-Priester die Erlaubnis. Mit 'Oṃ' gestattet man das Agnihotra-Opfer. Ein Brahmane, der [etwas] vortragen will, spricht: 'Brahman möge ich erlangen' — und er erlangt eben das Brahman. (TA 7,8,16) [Anm.: Die berühmte, kompakte Om-Lehre: die Silbe Om wird sowohl als das Brahman selbst wie auch als das universelle Zustimmungs- und Vollzugswort des gesamten vedischen Rituals (Antwortformel, Gesang, Rezitation, Priester-Kommunikation, Opfererlaubnis) bestimmt.]
Wort für Wort
sa ya eṣo'ntarhṛdaya ākāśaḥ
der Raum, der im Innern des Herzens ist
tasminn ayaṃ puruṣo manomayaḥ, amṛto hiraṇmayaḥ
in ihm [wohnt] jene Person, aus Geist bestehend, unsterblich, aus Gold bestehend
pāṅktaṃ vā idaṃ sarvam
fünfgeteilt fürwahr ist dies alles
oṃ iti brahma. oṃ itīdaṃ sarvam
Oṃ — das ist das Brahman. Oṃ — das ist dies alles [FUND, berühmteste Om-Definition]
Anuvāka 6-8: die Meditation über den 'Raum im Herzen' und den Scheitelpunkt (K.13-14, mit Nennung des Prācīnayogya), die fünfgeteilte (pāṅkta) Korrespondenz von Kosmos und Leib (K.15), und die berühmte Om-Lehre (K.16: 'oṃ iti brahma, oṃ itīdaṃ sarvam').
ṛtaṃ ca svādhyāyapravacane ca, satyaṃ ca svādhyāyapravacane ca, tapaśca svādhyāyapravacane ca, damaśca svādhyāyapravacane ca, śamaśca svādhyāyapravacane ca, agnayaśca svādhyāyapravacane ca, agnihotraṃ ca svādhyāyapravacane ca, atithayaśca svādhyāyapravacane ca, mānuṣaṃ ca svādhyāyapravacane ca, prajā ca svādhyāyapravacane ca, prajanaśca svādhyāyapravacane ca, prajātiśca svādhyāyapravacane ca. satyam iti satyavacā rāthītaraḥ. tapa iti taponityaḥ pauruśiṣṭiḥ. svādhyāyapravacane eveti nāko maudgalyaḥ, tad dhi tapaḥ, tad dhi tapaḥ || (0.7.9.17) || prajā ca svādhyāyapravacane ca ṣaṭ ca || 9 || ahaṃ vṛkṣasya rerivā, kīrtiḥ pṛṣṭhaṃ girereva, ūrdhvapavitro vājinīva svamṛtamasmi, dravīṇaṃ savarcasam, sumedhā amṛtokṣitaḥ, iti triśaṅkorvedānuvacanam || (0.7.10.18) || ahaṃ ṣaṭ || 10 ||
[K.17, die berühmte Tugend-und-Studium-Liste:] Rechtes Handeln (ṛta) — und beides: [Veda-]Selbststudium und Lehren; Wahrheit (satya) — und beides; Askese (tapas) — und beides; Selbstbeherrschung (dama) — und beides; Gleichmut (śama) — und beides; die [heiligen] Feuer — und beides; das Agnihotra-Opfer — und beides; die Gäste — und beides; menschliche Pflichten — und beides; Nachkommenschaft — und beides; Zeugung — und beides; Fortpflanzung [des Geschlechts] — und beides. — 'Die Wahrheit [ist das Höchste]', so [sagt] Satyavacas Rāthītara. 'Die Askese [ist das Höchste]', so [sagt] Taponitya Pauruśiṣṭi. '[Nur] Selbststudium und Lehren [sind das Höchste]', so [sagt] Nāka Maudgalya — denn eben das ist [wahre] Askese, das ist [wahre] Askese. (TA 7,9,17) [Anm.: Eine der bekanntesten Tugendlisten der Upaniṣaden-Literatur: eine Reihe ethisch-ritueller Werte wird jeweils mit dem Doppelideal von 'Selbststudium und Lehren' (svādhyāya-pravacana) verbunden, gefolgt von drei konkurrierenden Lehrermeinungen darüber, welche Tugend die höchste sei — ein klassisches Beispiel des upaniṣadischen Stils, verschiedene Autoritäten mit Namen zu zitieren, ohne eine einzige verbindliche Antwort zu geben; Nāka Maudgalyas Votum für 'Selbststudium und Lehren' erhält das letzte, betonte Wort.] — [K.18, Triśaṅkus Bekenntnis:] 'Ich bin der [Erschütterer / die Wurzelkraft (?)] des Baumes, mein Ruhm ist wie der Gipfel eines Berges. Rein erhoben, wie [ein edler Siegespreis / ein starkes Ross (?)], bin ich [gleich] dem eigenen Unsterblichen; [mein] Besitz ist glanzvoll, von rechter Einsicht, mit Unsterblichkeit besprengt.' — so lautet die Veda-Rezitation des Triśaṅku. (TA 7,10,18) [Anm.: FUND — dies ist das berühmte 'Bekenntnis des Triśaṅku' (Triśaṅkor vedānuvacanam), in dem der (aus Purāṇa und Rāmāyaṇa als König Triśaṅku bekannte) Weise seine erlangte Selbstverwirklichung in überschwänglichen, teils dunklen Bildern (Baum, Berggipfel, gereinigtes Ross) verkündet — eine der persönlichsten 'Ich bin'-Aussagen der frühen Upaniṣaden-Literatur, die spätere 'aham brahmāsmi'-Formulierungen vorwegnimmt.]
Wort für Wort
ṛtaṃ ca svādhyāyapravacane ca
rechtes Handeln — und beides: Selbststudium und Lehren
satyam iti satyavacā rāthītaraḥ
'die Wahrheit [ist das Höchste]', so Satyavacas Rāthītara
svādhyāyapravacane eveti nāko maudgalyaḥ, tad dhi tapaḥ
'[nur] Selbststudium und Lehren', so Nāka Maudgalya — denn das ist [wahre] Askese
ahaṃ vṛkṣasya rerivā, kīrtiḥ pṛṣṭhaṃ girereva
ich bin [die Wurzelkraft] des Baumes, mein Ruhm wie der Gipfel eines Berges [Triśaṅkus Bekenntnis, FUND]
Anuvāka 9 (K.17): die berühmte Tugendliste mit drei konkurrierenden Lehrermeinungen (Satyavacas Rāthītara: Wahrheit; Taponitya Pauruśiṣṭi: Askese; Nāka Maudgalya: Selbststudium und Lehren). Anuvāka 10 (K.18, FUND): Triśaṅkus persönliches Selbstverwirklichungs-Bekenntnis, eine frühe Vorform der 'aham brahmāsmi'-Aussagen.
vedamanūcyācāryo'ntevāsinamanuśāsti, satyaṃ vada, dharmaṃ cara, svādhyāyānmā pramadaḥ, ācāryāya priyaṃ dhanamāhṛtya prajātantuṃ mā vyavacchetsīḥ, satyānna pramaditavyam, dharmānna pramaditavyam, kuśalānna pramaditavyam, bhūtyai na pramaditavyam, svādhyāyapravacanābhyāṃ na pramaditavyam || (0.7.11.19) || devapitṛkāryābhyāṃ na pramaditavyam, mātṛdevo bhava, pitṛdevo bhava, ācāryadevo bhava, atithidevo bhava, yānyanavadyāni karmāṇi, tāni sevitavyāni, no itarāṇi, yānyasmākaṃ sucaritāni, tāni tvayopāsyāni || (0.7.11.20) || no itarāṇi, ye ke cāsmacchreyāṃso brāhmaṇāḥ, teṣāṃ tvayāsanena praśvasitavyam, śraddhayā deyam, aśraddhayāadeyam, śriyā deyam, hriyā deyam, bhiyā deyam, saṃvidā deyam, atha yadi te karmavicikitsā vā vṛttavicikitsā vā syāt || (0.7.11.21) || ye tatra brāhmaṇāḥ saṃmarśinaḥ, yuktā āyuktāḥ, alūkṣā dharmakāmāḥ syuḥ, yathā te tatra varteran, tathā tatra vartethāḥ, athābhyākhyāteṣu, ye tatra brāhmaṇāḥ saṃmarśinaḥ, yuktā āyuktāḥ, alūkṣā dharmakāmāḥ syuḥ, yathā te teṣu varteran, tathā teṣu varthāḥ, eṣa ādeśaḥ, eṣa upadeśaḥ, eṣā vedopaniṣat, etadanuśāsanam, evamupāsitavyam, evamu caitadupāsyam || (0.7.11.22) || svādhyāyapravacanābhyāṃ na pramaditavyaṃ tāni tvayopāsyāni satyeṣu vartethāḥ ca ekādaśa || 11 || śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ, śaṃ no bhavatv aryamā, śaṃ na indro bṛhaspatiḥ, śaṃ no viṣṇur urukramaḥ, namo brahmaṇe, namas te vāyo, tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi, tvām eva pratyakṣaṃ brahma avādiṣam, ṛtam avādiṣam, satyam avādiṣam, tan māmāvīt, tad vaktāramāvīt, āvīnmām, āvīd vaktāram, oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || (0.7.12.23) || satyamavādiṣam pañca ca || 12 || [Anukramaṇī-Merkvers:] śaṃ naḥ śīkṣā saha nau yaśchandasāṃ ṛṣigyāḥ [?] pṛthivyor mitraṃ tvāhaṃ vedamanuṣya no dvādaśa || 1 || śaṃ no maha ityādityo no itarāṇi trayoviṃśatiḥ || 23 || śāntiḥ śāntiḥ || (śīkṣāvallī samāptā)
[K.19-22, die berühmte ABSCHIEDS-/KONVOKATIONSREDE des Lehrers an den scheidenden Schüler:] Nachdem er ihn im Veda unterwiesen hat, ermahnt der Lehrer den Schüler: 'Sprich die Wahrheit. Wandle in Rechtschaffenheit (dharma). Vernachlässige nicht das [Veda-]Selbststudium. Nachdem du dem Lehrer ein liebes Geschenk dargebracht hast, unterbrich nicht die Fortpflanzungslinie [d.h. gründe selbst eine Familie]. Von der Wahrheit weiche nicht ab. Von der Rechtschaffenheit weiche nicht ab. Vom heilsamen [Tun] weiche nicht ab. Vom Gedeihen weiche nicht ab. Von Selbststudium und Lehren weiche nicht ab. (TA 7,11,19) Von den Pflichten gegenüber Göttern und Ahnen weiche nicht ab. SEI EINER, DEM DIE MUTTER EIN GOTT IST (mātṛdevo bhava). SEI EINER, DEM DER VATER EIN GOTT IST. SEI EINER, DEM DER LEHRER EIN GOTT IST. SEI EINER, DEM DER GAST EIN GOTT IST. Die Werke, die untadelig sind, diese sollen [von dir] geübt werden, nicht die anderen. Was an uns [Lehrern] gutes Verhalten ist, das sollst du nachahmen, nicht das andere. (TA 7,11,20) Nicht die anderen. Welche Brahmanen auch immer besser sind als wir, ihnen sollst du durch Sitzangebot Erholung verschaffen [d.h. sie ehrerbietig bewirten]. Mit Glauben (śraddhā) soll gegeben werden, ohne Glauben soll nicht gegeben werden. Mit Wohlstand soll gegeben werden, mit Bescheidenheit soll gegeben werden, mit Furcht [vor Zurückweisung] soll gegeben werden, mit [gutem] Einverständnis soll gegeben werden. Solltest du nun Zweifel bezüglich einer Handlung oder Zweifel bezüglich [rechten] Verhaltens haben, (TA 7,11,21) [dann verhalte dich], wie sich dort jene Brahmanen verhalten würden, die urteilsfähig, hingebungsvoll, beflissen, nicht grob [und dem] Dharma zugetan sind — so sollst auch du dich dort verhalten. Und gegenüber [zu Unrecht] Angeklagten: wie sich dort jene Brahmanen, die urteilsfähig, hingebungsvoll, beflissen, nicht grob, dem Dharma zugetan sind, ihnen gegenüber verhalten würden, so sollst du dich ihnen gegenüber verhalten. Dies ist die Anweisung, dies ist die Unterweisung, dies ist die Geheimlehre des Veda, dies ist die Ermahnung. So soll man [leben und] verehren, ja, genau so soll man [dies] verehren. (TA 7,11,22) [Anm.: DIES IST DIE WELTBERÜHMTE 'KONVOKATIONSREDE' (Abschiedsansprache an den graduierenden vedischen Schüler) DER TAITTIRĪYA-UPANIṢAD — eine der meistzitierten ethischen Passagen der gesamten sanskritischen Literatur. Die Formeln 'satyaṃ vada, dharmaṃ cara' ('sprich die Wahrheit, wandle in Rechtschaffenheit') und 'mātṛdevo bhava, pitṛdevo bhava, ācāryadevo bhava, atithidevo bhava' ('sei einer, dem Mutter, Vater, Lehrer und Gast Götter sind') gehören bis heute zu den bekanntesten Sanskrit-Sentenzen überhaupt und werden in Indien vielfach im Schulunterricht rezitiert. Bemerkenswert ist auch die undogmatische Schlusshaltung: bei ethischen Zweifelsfällen wird nicht auf eine feste Regel, sondern auf das VORBILD urteilsfähiger, unparteiischer, dem Dharma zugetaner Menschen verwiesen — ein früher Beleg für ein am vorbildlichen Charakter statt an starren Vorschriften orientiertes Ethikverständnis.] — [K.23, Schluss-Śānti:] Heilsam sei uns Mitra, heilsam Varuṇa, heilsam möge uns Aryaman sein, heilsam uns Indra und Bṛhaspati, heilsam uns Viṣṇu, der weitschreitende. Verehrung dem Brahman! Verehrung dir, o Vāyu! Du allein bist das wahrnehmbare Brahman. Dich allein habe ich als das wahrnehmbare Brahman verkündet. Das Rechte habe ich verkündet, das Wahre habe ich verkündet. Das hat mich geschützt, das hat den Sprecher geschützt; es schützte mich, es schützte den Sprecher. Oṃ. Friede, Friede, Friede. (TA 7,12,23) [Anm.: Wiederholung des Eröffnungs-Śānti-Mantras (K.1) im Perfekt/Aorist statt Futur — 'ich HABE verkündet' statt 'ich WERDE verkünden' —, womit die Śīkṣāvallī in einer Ringkomposition abschließt: die eingangs angekündigte Rede ist nun vollbracht.] — [Es folgt ein kurzer ANUKRAMAṆĪ-MERKVERS, der die Anfangsworte der zwölf Anuvākas der Śīkṣāvallī auflistet (K.1 'śaṃ no', K.2 'śīkṣāṃ', K.3 'saha nau', usw. bis K.12), gefolgt von der Gesamtzahl '23' (Kaṇḍikās) und einer abschließenden Śānti-Formel.] Damit ist die ŚĪKṢĀVALLĪ (Prapāṭhaka 7, 12 Anuvākas, 23 Kaṇḍikās) der Taittirīya-Upaniṣad VOLLSTÄNDIG übersetzt.
Wort für Wort
satyaṃ vada, dharmaṃ cara
sprich die Wahrheit, wandle in Rechtschaffenheit [weltberühmte Formel]
sei einer, dem Mutter, Vater, Lehrer und Gast Götter sind [weltberühmte Formel]
yānyanavadyāni karmāṇi, tāni sevitavyāni, no itarāṇi
die untadeligen Werke sollen geübt werden, nicht die anderen
eṣa ādeśaḥ, eṣa upadeśaḥ, eṣā vedopaniṣat
dies ist die Anweisung, dies ist die Unterweisung, dies ist die Geheimlehre des Veda
Anuvāka 11 (K.19-22): die weltberühmte Abschieds-/Konvokationsrede des Lehrers an den scheidenden vedischen Schüler — 'satyaṃ vada, dharmaṃ cara' und 'mātṛdevo bhava, pitṛdevo bhava, ācāryadevo bhava, atithidevo bhava', eine der meistzitierten Passagen der gesamten Sanskrit-Literatur, mit einer undogmatischen ethischen Schlusshaltung (Orientierung am Vorbild urteilsfähiger Menschen statt an starren Regeln). Anuvāka 12 (K.23): Wiederholung des Eröffnungs-Śānti-Mantras im Rückblick (Ringkomposition) sowie ein Anukramaṇī-Merkvers. Mit K.23 ist die Śīkṣāvallī (Prapāṭhaka 7 der Taittirīya-Upaniṣad, 12 Anuvākas, 23 Kaṇḍikās) vollständig übersetzt. Die Brahmānandavallī (Prapāṭhaka 8) folgt als nächster Abschnitt.