Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 10: Apasmara Chikitsa Behandlung der Fallsucht (Apasmāra)

Das zehnte Kapitel behandelt Apasmāra, die Epilepsie, definiert als plötzlichen Verlust der Erinnerung (smṛti) und ein Versinken in geistige Dunkelheit (tamas) infolge eines Zusammenbruchs von Verstand (dhī) und innerer Klarheit (sattva). Wie beim eng verwandten, im vorangehenden Kapitel behandelten Unmāda unterscheidet Caraka vier Formen nach dem beteiligten Doṣa, erkennbar an der Farbe des Schaums bei den charakteristischen Krampfanfällen – rötlich bei Vāta, gelblich bei Pitta, weiß bei Kapha –, während die tridoṣische Form als unheilbar gilt. Die Therapie folgt zunächst reinigenden Prinzipien, Klistier bei Vāta, Abführung bei Pitta, Brechtherapie bei Kapha, und setzt danach auf beruhigende Ghee-Zubereitungen wie das berühmte Pañcagavya-Ghṛta sowie Präparate mit Brāhmī, Vacā und Śaṅkhapuṣpī – Pflanzen, die bis heute in der Ayurveda-Neurologie als geistesklärend gelten. Das Kapitel zeigt, wie eng körperliche und psychische Störungen im Cikitsāsthāna konzeptuell verzahnt sind.

DIE VIER DOṢA-FORMEN DES APASMĀRA (Vers 9–12)
TypFarbe des SchaumsWeitere Kennzeichen
vāta– (rötlich-raue Sinnestäuschungen)Zittern, Zähneknirschen, aufsteigender Schaum, schweres Atmen; sieht raue, rötliche und schwarze Gestalten
pittagelbgelber Schaum an Gliedern, Mund und Augen; Durst; sieht die Welt wie von Hitze und Feuer erfüllt
kaphaweißweißer Schaum, kühl, Körperhaare aufgerichtet, träge; Anfall löst sich nur langsam
sannipātaja (tridoṣa)alle Zeichen zugleichgilt als unheilbar, ebenso wie bei Erschöpften und Unbeherrschten
Grundbehandlung nach Vers 15: vāta-bedingter Apasmāra mit Klistieren (basti), pitta-bedingter mit Abführmitteln (virecana), kapha-bedingter mit Brechmitteln (vamana).

athāto'pasmāracikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir also die Behandlung (cikitsā) des Apasmāra (Fallsucht, Epilepsie) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

smṛterapagamaṃ prāhurapasmāraṃ bhiṣagvidaḥ| tamaḥpraveśaṃ bībhatsaceṣṭaṃ dhīsattvasamplavāt

Die Kenner der Heilkunst bezeichnen als Apasmāra den Verlust des Erinnerungsvermögens (smṛti), das Eintreten in Dunkelheit (tamas) mit abstoßenden Bewegungen, hervorgerufen durch den Zusammenbruch von dhī (Verstand) und sattva (Geist, innere Klarheit).

vibhrāntabahudoṣāṇāmahitāśucibhojanāt [1] | rajastamobhyāṃ vihate sattve doṣāvṛte hṛdi

[Er entsteht] bei denen, deren zahlreiche doṣas durch ungeeignete und unreine Nahrung in Verwirrung geraten sind, wenn das sattva durch rajas und tamas (die trübenden Eigenschaften des Geistes) beeinträchtigt und das Herz von den doṣas überdeckt ist,

cintākāmabhayakrodhaśokodvegādibhistathā| manasyabhihate nṝṇāmapasmāraḥ pravartate

sowie durch Sorge, Verlangen, Furcht, Zorn, Kummer, Erregung und Ähnliches – wenn bei den Menschen der Geist (manas) getroffen ist, dann entsteht Apasmāra.

dhamanībhiḥ śritā doṣā hṛdayaṃ pīḍayanti hi| sampīḍyamāno vyathate mūḍho bhrāntena cetasā

Die doṣas, die sich in den dhamanīs (Gefäßen) niedergelassen haben, bedrängen das Herz; bedrängt leidet der Betroffene, verwirrt, wie betäubt durch sein umnebeltes Bewusstsein.

paśyatyasanti rūpāṇi patati prasphuratyapi| jihvākṣibhrūḥ sravallālo hastau pādau ca vikṣipan

Er sieht nicht vorhandene Gestalten, stürzt zu Boden und zuckt heftig, wobei Zunge, Augen und Brauen verdreht werden, Speichel fließt, und er wirft Hände und Füße umher.

doṣavege ca vigate suptavat pratibuddhyate| pṛthagdoṣaiḥ samastaiśca vakṣyate sa caturvidhaḥ

Wenn der Anfall (vega) der doṣas vorüber ist, erwacht er wie aus dem Schlaf. Entsprechend den einzelnen doṣas und ihrer Gesamtheit wird [Apasmāra] als vierfach beschrieben werden.

kampate pradaśeddantān phenodvāmī śvasityapi| paruṣāruṇakṛṣṇāni paśyedrūpāṇi cānilāt

Bei dem durch vāta [verursachten Apasmāra] zittert der Kranke, beißt die Zähne zusammen, [sein Speichel] steigt schäumend auf, er atmet schwer und sieht raue, rötliche und schwarze Gestalten.

pītaphenāṅgavaktrākṣaḥ pītāsṛgrūpadarśanaḥ| satṛṣṇoṣṇānalavyāptalokadarśī ca paittikaḥ

Der durch pitta [verursachte Apasmāra-Kranke] hat gelben Schaum an Gliedern, Mund und Augen, sieht Gestalten in der Farbe von gelbem Blut, ist von Durst geplagt und sieht die Welt wie von Hitze und Feuer erfüllt.

śuklaphenāṅgavaktrākṣaḥ śīto hṛṣṭāṅgajo guruḥ| paśyañchuklāni rūpāṇi ślaiṣmiko mucyate cirāt

Der durch kapha [verursachte Apasmāra-Kranke] hat weißen Schaum an Gliedern, Mund und Augen, ist kühl, seine Körperhaare sind aufgerichtet, er ist schwer/träge, sieht weiße Gestalten, und [der Anfall] löst sich nur langsam.

sarvairetaiḥ samastaistu liṅgairjñeyastridoṣajaḥ| apasmāraḥ sa cāsādhyo yaḥ kṣīṇasyānavaśca yaḥ

Der durch alle drei doṣas gemeinsam entstandene Apasmāra ist an sämtlichen dieser Zeichen zugleich zu erkennen; er ist unheilbar, ebenso wie der Apasmāra eines Erschöpften und der eines Unbeherrschten (anavaśa).

pakṣādvā dvādaśāhādvā māsādvā kupitā malāḥ| apasmārāya kurvanti vegaṃ kiñcidathāntaram

Die erregten Ausscheidungsstoffe (mala, d. h. die doṣas) rufen den Anfall des Apasmāra entweder nach einer halben Monatsperiode, nach zwölf Tagen, nach einem Monat oder in einem anderen, unterschiedlichen Abstand hervor.

tairāvṛtānāṃ hṛtsrotomanasāṃ samprabodhanam| tīkṣṇairādau bhiṣak kuryāt karmabhirvamanādibhiḥ

Bei denen, deren Herz, srotas (Kanäle) und manas von diesen [doṣas] überdeckt sind, soll der Arzt zunächst mit scharfen Maßnahmen wie Brechtherapie (vamana) und Ähnlichem das Wiedererwachen [des Bewusstseins] bewirken.

vātikaṃ bastibhūyiṣṭhaiḥ paittaṃ prāyo virecanaiḥ| ślaiṣmikaṃ vamanaprāyairapasmāramupācaret

Den vāta-bedingten Apasmāra behandle man vorwiegend mit Klistieren (basti), den pitta-bedingten meist mit Abführmitteln (virecana), den kapha-bedingten meist mit Brechmitteln (vamana).

sarvataḥ suviśuddhasya samyagāśvāsitasya ca| apasmāravimokṣārthaṃ yogān saṃśamanāñchṛṇu

Höre nun die besänftigenden (śamana) Rezepturen zur Befreiung von Apasmāra für den, der von allen Seiten gründlich gereinigt und richtig beruhigt/gestärkt wurde.

gośakṛdrasadadhyamlakṣīramūtraiḥ samairghṛtam| siddhaṃ pibedapasmārakāmalājvaranāśanam

Ghee, gekocht mit zu gleichen Teilen Kuhdungsaft, saurer Dickmilch (dadhi), Milch und [Kuh-]Urin, soll getrunken werden; es beseitigt Apasmāra, Gelbsucht (kāmalā) und Fieber.

dve pañcamūlyau triphalā rajanyau kuṭajatvacam| saptaparṇamapāmārgaṃ nīlinīṃ kaṭurohiṇīm

Die beiden Pañcamūla-Gruppen [Bṛhat- und Laghu-Pañcamūla], Triphalā, die beiden Rajanīs (Haridrā und Dāruharidrā), Kuṭaja-Rinde,

śampākaṃ phalgumūlaṃ ca pauṣkaraṃ sadurālabham| dvipalāni jaladroṇe paktvā pādāvaśeṣite

Saptaparṇa, Apāmārga, Nīlinī, Kaṭurohiṇī, Śampāka, Phalgu-Wurzel und Pauṣkara zusammen mit Durālabhā – von jedem zwei Pala, in einer Droṇa Wasser gekocht, bis nur ein Viertel übrigbleibt,

bhārgīṃ pāṭhāṃ trikaṭukaṃ trivṛtāṃ niculāni ca| śreyasīmāḍhakīṃ mūrvāṃ dantīṃ bhūnimbacitrakau

dazu Bhārgī, Pāṭhā, Trikaṭu, Trivṛt, Nicula-Früchte, Śreyasī, Āḍhakī, Mūrvā, Dantī, Bhūnimba und Citraka,

dve sārive rohiṣaṃ ca bhūtīkaṃ madayantikām| kṣipetpiṣṭvā'kṣamātrāṇi tena prasthaṃ ghṛtāt pacet

die beiden Sārivās, Rohiṣa, Bhūtīka und Madayantikā – von diesen allen zerstoßen je ein Akṣa[-Maß] hinzugegeben; damit koche man eine Prastha Ghee.

gośakṛdrasadadhyamlakṣīramūtraiśca tatsamaiḥ| pañcagavyamiti khyātaṃ mahattadamṛtopamam

[Man koche es] zusammen mit gleichen Mengen von Kuhdungsaft, saurer Dickmilch, Milch und Urin – das ist als Pañcagavya bekannt, ein bedeutendes [Heilmittel], einem Nektar (amṛta) vergleichbar.

apasmāre tathonmāde śvayathāvudareṣu ca| gulmārśaḥpāṇḍurogeṣu kāmalāyāṃ halīmake

Bei Apasmāra, ebenso bei Unmāda (Geistesstörung), bei Schwellungen (śvayathu) und Unterleibserkrankungen (udara), bei Gulma, Hämorrhoiden (arśas), Blutarmut (pāṇḍuroga), bei Gelbsucht (kāmalā) und Halīmaka

śasyate ghṛtametattu prayoktavyaṃ dine dine| alakṣmīgraharogaghnaṃ cāturthakavināśanam

wird eben dieses Ghee empfohlen; es soll Tag für Tag angewendet werden. Es vertreibt Unglück (alakṣmī) und Grahas (dämonische Einflüsse) und beseitigt das Viertagefieber (cāturthaka).

brāhmīrasavacākuṣṭhaśaṅkhapuṣpībhireva ca| purāṇaṃ ghṛtamunmādālakṣmyapasmārapāpanut

Altes Ghee, gekocht mit dem Saft von Brāhmī, Vacā, Kuṣṭha und Śaṅkhapuṣpī, vertreibt Unmāda, Unglück, Apasmāra und Übel (pāpa).

ghṛtaṃ saindhavahiṅgubhyāṃ vārṣe bāste caturguṇe| mūtre siddhamapasmārahṛdgrahāmayanāśanam

Ghee, gekocht mit Saindhava-Salz und Hiṅgu im vierfachen Maß Urin einer einjährigen Ziege (bāsta), beseitigt Apasmāra, Hṛdgraha (Herzergreifung) und [andere] Krankheiten.

vacāśampākakaiṭaryavayaḥsthāhiṅgucorakaiḥ| siddhaṃ palaṅkaṣāyuktairvātaśleṣmātmake ghṛtam

Ghee, gekocht mit Vacā, Śampāka, Kaiṭarya, Vayaḥsthā, Hiṅgu und Coraka, versetzt mit Palaṅkaṣā, [ist geeignet] bei vāta-kapha-bedingtem [Apasmāra].

tailaprasthaṃ ghṛtaprasthaṃ jīvanīyaiḥ palonmitaiḥ| kṣīradroṇe pacet siddhamapasmāravināśanam

Eine Prastha Öl und eine Prastha Ghee koche man mit den Jīvanīya-Kräutern, je ein Pala von jedem, in einer Droṇa Milch; das so bereitete [Präparat] vernichtet Apasmāra.

kaṃse kṣīrekṣurasayoḥ kāśmarye'ṣṭaguṇe rase| kārṣikairjīvanīyaiśca ghṛtaprasthaṃ vipācayet

Eine Prastha Ghee koche man mit den Jīvanīya-Kräutern, je einen Karṣa von jedem, in einem Kaṃsa[-Maß] Milch und Zuckerrohrsaft sowie im achtfachen Maß von Kāśmarya-Saft.

vātapittodbhavaṃ kṣipramapasmāraṃ niyacchati| tadvat kāśavidārīkṣukuśakvāthaśṛtaṃ ghṛtam

Es bringt rasch den durch vāta und pitta entstandenen Apasmāra zum Stillstand; ebenso wirkt Ghee, gekocht mit einem Absud aus Kāśa, Vidārī, Zuckerrohr und Kuśa-Gras.

madhukadvipale kalke droṇe cāmalakīrasāt| tadvat siddho ghṛtaprasthaḥ pittāpasmārabheṣajam

Ebenso wirkt eine Prastha Ghee, gekocht mit zwei Pala Madhuka[-Paste] und einer Droṇa Āmalakī-Saft, als Heilmittel gegen den pitta-bedingten Apasmāra.

abhyaṅgaḥ sārṣapaṃ tailaṃ bastamūtre caturguṇe| siddhaṃ syādgośakṛnmūtraiḥ snānotsādanameva ca

Zur Einreibung (abhyaṅga) diene Senföl, gekocht im vierfachen Maß Ziegenurin; ebenso diene zum Bad und zur Abreibung [ein Präparat] mit Kuhdung und Kuh-Urin.

kaṭabhīnimbakaṭvaṅgamadhuśigrutvacāṃ rase| siddhaṃ mūtrasamaṃ tailamabhyaṅgārthe praśasyate

Öl, gekocht im Saft der Rinden von Kaṭabhī, Nimba, Kaṭvaṅga und Madhuśigru, zu gleichen Teilen mit Urin, wird zur Einreibung empfohlen.

palaṅkaṣāvacāpathyāvṛścikālyarkasarṣapaiḥ| jaṭilāpūtanākeśīnākulīhiṅgucorakaiḥ

Mit Palaṅkaṣā, Vacā, Pathyā (Harītakī), Vṛścikālī, Arka, Senfsamen, Jaṭilā, Pūtanā, Keśī, Nākulī, Hiṅgu und Coraka,

laśunātirasācitrākuṣṭhairviḍbhiśca pakṣiṇām| māṃsāśināṃ yathālābhaṃ bastamūtre caturguṇe

mit Knoblauch, Atirasā, Citraka, Kuṣṭha, sowie mit dem Kot fleischfressender Vögel – soweit erhältlich – im vierfachen Maß Ziegenurin

siddhamabhyañjanaṃ tailamapasmāravināśanam| etaiścaivauṣadhaiḥ kāryaṃ dhūpanaṃ sapralepanam

gekochtes Einreibeöl vernichtet Apasmāra. Mit eben diesen Heilmitteln sollen auch Räucherung (dhūpana) und Auflage (pralepa) durchgeführt werden.

pippalīṃ lavaṇaṃ citrāṃ hiṅgu hiṅguśivāṭikām| kākolīṃ sarṣapān kākanāsāṃ kaiṭaryacandane

Pippalī, Salz, Citrā, Hiṅgu, Hiṅguśivāṭikā, Kākolī, Senfsamen, Kākanāsā, Kaiṭarya und Sandelholz (candana),

śunaḥskandhāsthinakharān parśukāṃ ceti peṣayet| bastamūtreṇa puṣyarkṣe pradehaḥ syāt sadhūpanaḥ

sowie Schulterknochen, Krallen und Rippen eines Hundes zerstoße man mit Ziegenurin; unter dem Puṣya-Sternbild soll damit eine Salbenauflage samt Räucherung erfolgen.

apetarākṣasīkuṣṭhapūtanākeśicorakaiḥ| utsādanaṃ mūtrapiṣṭairmūtrairevāvasecanam

Mit Apetarākṣasī, Kuṣṭha, Pūtanā, Keśī und Coraka, mit Urin verrieben, erfolge die Abreibung; mit eben diesem Urin auch die Übergießung.

jalaukaḥśakṛtā tadvaddagdhairvā bastaromabhiḥ| kharāsthibhirhastinakhaistathā gopucchalomabhiḥ

Ebenso mit Blutegel-Kot, oder mit verbrannten Ziegenhaaren, Eselsknochen, Elefantenkrallen sowie Haaren aus dem Kuhschwanz,

kapilānāṃ gavāṃ mūtraṃ [1] nāvanaṃ paramaṃ hitam| śvaśṛgālabiḍālānāṃ siṃhādīnāṃ ca śasyate

vermischt mit dem Urin rotbrauner (kapila) Kühe – [dies] ist als Nasentropfen (nāvana) höchst zuträglich; auch [der Urin] von Hund, Schakal, Katze, Löwe und dergleichen wird empfohlen.

bhārgī vacā nāgadantī śvetā śvetā viṣāṇikā| jyotiṣmatī nāgadantī pādoktā mūtrapeṣitāḥ

Bhārgī, Vacā, Nāgadantī, Śvetā, Śvetaviṣāṇikā, Jyotiṣmatī und die schon genannte Nāgadantī, mit Urin verrieben,

yogāstrayo'taḥ ṣaḍ bindūn pañca vā nāvayedbhiṣak| triphalāvyoṣapītadruyavakṣāraphaṇijjhakaiḥ

ergeben daraus drei Rezepturen; der Arzt träufle sechs oder fünf Tropfen [davon in die Nase]. Mit Triphalā, Vyoṣa, Pītadru (Gelbholz), Yava-Salz (yavakṣāra) und Phaṇijjhaka,

śyāmāpāmārgakārañjaphalairmūtre'tha bastaje| sādhitaṃ nāvanaṃ tailamapasmāravināśanam

mit Śyāmā, Apāmārga und den Früchten von Kāraṇja, gekocht in Ziegenurin – dieses Öl als Nasentropfen (nāvana) vernichtet Apasmāra.

pippalī vṛścikālī ca kuṣṭhaṃ ca lavaṇāni ca| bhārgī ca cūrṇitaṃ nastaḥ kāryaṃ pradhamanaṃ param

Pippalī, Vṛścikālī, Kuṣṭha, Salze und Bhārgī, zu Pulver zerstoßen, sollen als Einblasung (pradhamana) durch die Nase angewendet werden.

kāyasthāṃ śāradānmudgānmustośīrayavāṃstathā| savyoṣān bastamūtreṇa piṣṭvā vartīḥ prakalpayet

Kāyasthā, herbstliche Mudga-Bohnen, Musta, Uśīra und Yava (Gerste), zusammen mit Vyoṣa, verreibe man mit Ziegenurin und forme daraus Räucherdochte (vartī).

apasmāre tathonmāde sarpadaṣṭe garārdite| viṣapīte jalamṛte caitāḥ syuramṛtopamāḥ

Bei Apasmāra, ebenso bei Unmāda, bei Schlangenbiss, bei [schleichender] Vergiftung (gara), bei [akuter] Giftaufnahme und bei Beinahe-Ertrunkenen sind diese [Dochte] einem Nektar vergleichbar.

mustaṃ vayaḥsthāṃ triphalāṃ kāyasthāṃ hiṅgu śādvalam| vyoṣaṃ māṣān yavānmūtrairbāstamaiṣārṣabhaistribhiḥ

Musta, Vayaḥsthā, Triphalā, Kāyasthā, Hiṅgu, Śādvala, Vyoṣa, Māṣa-Bohnen und Gerste – mit den drei Urinsorten von Ziege, Schaf und Rind,

piṣṭvā kṛtvā ca tāṃ vartimapasmāre prayojayet| kilāse ca tathonmāde jvareṣu viṣameṣu ca

verrieben und daraus ein Docht geformt, wende man bei Apasmāra an, ebenso bei Kilāsa (einer Hautkrankheit), bei Unmāda und bei unregelmäßigen Fiebern.

puṣyoddhṛtaṃ śunaḥ pittamapasmāraghnamañjanam| tadeva sarpiṣā yuktaṃ dhūpanaṃ paramaṃ matam

Unter dem Puṣya-Sternbild gewonnene Hundegalle ist als Augensalbe (añjana) Apasmāra-vernichtend; eben diese, mit Ghee versetzt, gilt als vorzügliches Räuchermittel.

nakulolūkamārjāragṛdhrakīṭāhikākajaiḥ| tuṇḍaiḥ [1] pakṣaiḥ purīṣaiśca dhūpanaṃ kārayedbhiṣak

Mit Schnabel, Federn und Kot von Mungo, Eule, Katze, Geier, [bestimmten] Insekten, Schlange und Krähe soll der Arzt eine Räucherung durchführen lassen.

ābhiḥ kriyābhiḥ siddhābhirhṛdayaṃ samprabudhyate| srotāṃsi cāpi śudhyanti tataḥ [2] sañjñāṃ sa vindati

Durch diese wirksamen Maßnahmen erwacht das Herz wieder, auch die srotas werden gereinigt, und daraufhin erlangt der Kranke sein Bewusstsein zurück.

yasyānubandhastvāganturdoṣaliṅgādhikākṛtiḥ| dṛśyeta tasya kāryaṃ syādāgantūnmādabheṣajam

Bei wem sich jedoch als Begleiterscheinung zusätzlich Zeichen und Erscheinungsformen eines āgantu-doṣa (von außen kommenden Faktors) zeigen, bei dem ist das Heilmittel für āgantu-Unmāda (exogen bedingte Geistesstörung) anzuwenden.

anantaramuvācedamagniveśaḥ kṛtāñjaliḥ| bhagavan! prāk samuddiṣṭaḥ ślokasthāne mahāgadaḥ

Daraufhin sprach Agniveśa mit gefalteten Händen: 'Erhabener! Zuvor wurde an der Stelle der Verse (ślokasthāna) bereits der Mahāgada erwähnt.

atattvābhiniveśo yastaddhetvākṛtibheṣajam| tatra noktamataḥ śrotumicchāmi tadihocyatām

Dessen Ursachen, Erscheinungsformen und Heilmittel – nämlich des atattvābhiniveśa (des Festhaltens an einer falschen Auffassung) – wurden dort nicht dargelegt. Ich möchte dies nun hören; möge es hier erklärt werden.'

śuśrūṣave vacaḥ śrutvā śiṣyāyāha punarvasuḥ| mahāgadaṃ saumya! śṛṇu sahetvākṛtibheṣajam

Nachdem Punarvasu die Worte seines lernbegierigen Schülers gehört hatte, sprach er: 'Höre, Sanftmütiger, die Lehre über den Mahāgada zusammen mit seinen Ursachen, Erscheinungsformen und Heilmitteln.

malināhāraśīlasya vegān prāptānnigṛhṇataḥ| śītoṣṇasnigdharūkṣādyairhetubhiścātisevitaiḥ

Bei dem, der eine unreine Lebensweise pflegt, der aufgetretene [natürliche] Dränge unterdrückt, sowie durch übermäßig genossene Ursachen wie Kälte, Hitze, Öligkeit, Trockenheit und dergleichen,

hṛdayaṃ samupāśritya manobuddhivahāḥ sirāḥ| doṣāḥ sandūṣya tiṣṭhanti rajomohāvṛtātmanaḥ

suchen die doṣas das Herz auf, verderben die manas und buddhi (Verstand) tragenden sirās (Gefäße) und verbleiben dort, während das Selbst von rajas und Verwirrung (moha) überdeckt wird.

rajastamobhyāṃ vṛddhābhyāṃ buddhau [1] manasi cāvṛte| hṛdaye vyākule doṣairatha mūḍho'lpacetanaḥ [2]

Wenn buddhi und manas durch die vermehrten [Eigenschaften] rajas und tamas überdeckt sind und das Herz von den doṣas in Aufruhr versetzt ist, wird [der Betroffene] verwirrt und von vermindertem Bewusstsein,

viṣamāṃ kurute buddhiṃ nityānitye hitāhite| atattvābhiniveśaṃ tamāhurāptā mahāgadam

und sein Verstand wird fehlerhaft in Bezug auf Beständiges und Unbeständiges, Zuträgliches und Unzuträgliches – dies nennen die Vertrauenswürdigen (āpta) atattvābhiniveśa, den Mahāgada.

snehasvedopapannaṃ taṃ saṃśodhya vamanādibhiḥ| kṛtasaṃsarjanaṃ medhyairannapānairupācaret

Diesen [Kranken], nachdem er mit Ölung (sneha) und Schwitzen (sveda) versehen und durch Brechmittel und Ähnliches gereinigt sowie einer stufenweisen Nachbehandlungsdiät (saṃsarjana) unterzogen wurde, behandle man weiter mit geistesfördernden (medhya) Speisen und Getränken.

brāhmīsvarasayuktaṃ yat pañcagavyamudāhṛtam| tat sevyaṃ śaṅkhapuṣpī ca yacca medhyaṃ rasāyanam

Das mit Brāhmī-Frischsaft versetzte Pañcagavya, das bereits erwähnt wurde, soll eingenommen werden, ebenso Śaṅkhapuṣpī und jedes geistesfördernde Rasāyana (Verjüngungsmittel).

suhṛdaścānukūlāstaṃ svāptā dharmārthavādinaḥ| saṃyojayeyurvijñānadhairyasmṛtisamādhibhiḥ [3]

Wohlgesinnte, zugetane, vertrauenswürdige Freunde, die von dharma und artha (Pflicht und Lebenszielen) sprechen, sollen ihn mit Wissen (vijñāna), Standhaftigkeit (dhairya), Erinnerungsvermögen (smṛti) und Sammlung (samādhi) [wieder] vertraut machen.'

prayuñjyāttailalaśunaṃ payasā vā śatāvarīm| brāhmīrasaṃ kuṣṭharasaṃ vacāṃ vā madhusaṃyutām

Man wende Knoblauchöl an, oder Śatāvarī mit Milch, Brāhmī-Saft, Kuṣṭha-Saft, oder Vacā mit Honig versetzt.

duścikitsyo hyapasmāraścirakārī kṛtāspadaḥ [1] | tasmādrasāyanairenaṃ prāyaśaḥ samupācaret

Apasmāra ist nämlich schwer zu behandeln, langwierig und, wenn er sich festgesetzt hat, hartnäckig; deshalb behandle man ihn meist mit Rasāyanas (Verjüngungsmitteln).

jalāgnidrumaśailebhyo viṣamebhyaśca taṃ sadā| rakṣedunmādinaṃ caiva sadyaḥ prāṇaharā hi te

Man beschütze ihn, den Kranken, ebenso den Unmāda-Kranken, stets vor Wasser, Feuer, Bäumen, Abgründen und [anderen] gefährlichen Orten, denn diese können augenblicklich das Leben rauben.

hetuṃ kurvantyapasmāraṃ doṣāḥ prakupitā yathā| sāmānyataḥ pṛthaktvācca liṅgaṃ teṣāṃ ca bheṣajam

Wie die erregten doṣas den Apasmāra verursachen, sowohl allgemein als auch je einzeln, sowie deren Zeichen und deren Heilmittel –

mahāgadasamutthānaṃ liṅgaṃ covāca sauṣadham| munirvyāsasamāsābhyāmapasmāracikitsite [1]

– all dies, einschließlich der Entstehung und der Zeichen des Mahāgada samt seinem Heilmittel, hat der Weise (muni) im Kapitel über die Behandlung des Apasmāra ausführlich und zusammenfassend dargelegt.

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