athāto rājayakṣmacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung des Rājayakṣma (der „Königskrankheit“, der Schwindsucht) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das achte Kapitel behandelt Rājayakṣma, die „Königskrankheit“ – eine schwindsuchtartige Auszehrung, die Caraka in einen mythologischen Rahmen einbettet: Der Mondgott Soma, von seinem Schwiegervater Prajāpati verflucht, weil er seine Gattin Rohiṇī allen anderen vorzog, verfällt der Krankheit und wird erst durch die Aśvin-Zwillinge geheilt – daher der Name, weil sie zuerst den „König“, den Mond, befiel. Als Ursachen benennt der Text Überanstrengung, das Unterdrücken natürlicher Körperdränge, Auszehrung und unregelmäßige Ernährung, die Vāta erregen und Husten, Fieber und Stimmverlust hervorrufen. Da die Kranken meist stark geschwächt sind, steht kräftigende (bṛṃhaṇa) Therapie im Vordergrund: zahlreiche Ghee-Rezepturen mit Daśamūla, Pippalī, Balā und Śatāvarī sollen Gewebe und Lebenskraft (ojas) wiederaufbauen. Philologisch bemerkenswert ist, dass dem eigentlichen medizinischen Lehrstoff hier – ungewöhnlich für die Saṃhitā – eine ausführliche mythologische Erzählung vorangestellt wird.
| Nr. | Symptom | In der Kurzliste (6) |
|---|---|---|
| 1 | Husten (kāsa) | ja |
| 2 | Brennen in der Schulter | nein |
| 3 | Stimmverlust (svarakṣaya) | ja |
| 4 | Fieber (jvara) | ja |
| 5 | Flankenschmerz | ja |
| 6 | Kopfschmerz | nein |
| 7 | Erbrechen von Blut | nein |
| 8 | Erbrechen von Schleim | nein |
| 9 | Atemnot (śvāsa) | nein |
| 10 | Durchfall | ja |
| 11 | Appetitlosigkeit | ja |
athāto rājayakṣmacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung des Rājayakṣma (der „Königskrankheit“, der Schwindsucht) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
divaukasāṃ kathayatāmṛṣibhirvai śrutā kathā| kāmavyasanasaṃyuktā paurāṇī śaśinaṃ prati
Von den Weisen wurde eine alte, unter den Himmelsbewohnern erzählte Geschichte überliefert, die von Begierde und Verhängnis handelt und den Mond (Śaśin) betrifft.
rohiṇyāmatisaktasya śarīraṃ nānurakṣataḥ| ājagāmālpatāmindordehaḥ snehaparikṣayāt
Weil der Mond (Indu), übermäßig an seine Gattin Rohiṇī gebunden, seinen Körper nicht pflegte, schwand sein Leib durch den Verlust seiner Leibesfülle (sneha) mehr und mehr dahin.
duhitṝṇāmasambhogāccheṣāṇāṃ ca prajāpateḥ| krodho niḥśvāsarūpeṇa mūrtimān niḥsṛto mukhāt
Weil er sich den übrigen Töchtern des Prajāpati nicht zuwandte, entstieg aus dem Mund des Prajāpati in Gestalt eines Atemzuges verkörperter Zorn.
prajāpaterhi duhitṝraṣṭāviṃśatimaṃśumān| bhāryārthaṃ pratijagrāha na ca sarvāsvavartata
Der strahlende Mond (Aṃśumān) hatte alle achtundzwanzig Töchter des Prajāpati zu Frauen genommen, verhielt sich aber nicht ihnen allen gegenüber gleich.
guruṇā tamavadhyātaṃ bhāryāsvasamavartinam| rajaḥparītamabalaṃ yakṣmā śaśinamāviśat
Von seinem Schwiegervater (guru) verflucht, weil er sich seinen Frauen gegenüber nicht gleich verhielt, wurde der von Leidenschaft (rajas) ergriffene, kraftlos gewordene Mond von der Schwindsucht (yakṣman) befallen.
so'bhibhūto'timahatā gurukrodhena niṣprabhaḥ| devadevarṣisahito jagāma śaraṇaṃ gurum
Von dem übergroßen Zorn seines Schwiegervaters überwältigt und seines Glanzes beraubt, suchte er, begleitet von Göttern und göttlichen Sehern, Zuflucht bei ebendiesem Schwiegervater.
atha candramasaḥ śuddhāṃ matiṃ buddhvā prajāpatiḥ| prasādaṃ kṛtavān somastato'śvibhyāṃ cikitsitaḥ
Als Prajāpati daraufhin die geläuterte Gesinnung des Mondes erkannte, gewährte er ihm Gnade; darauf wurde Soma von den beiden Aśvin-Göttern geheilt.
sa vimuktagrahaścandro virarāja viśeṣataḥ| ojasā [2] vardhito'śvibhyāṃ śuddhaṃ sattvamavāpa ca
Der so von seiner Verfinsterung befreite Mond erstrahlte nun besonders hell; von den Aśvins mit Ojas (Vitalkraft) gemehrt, gewann er seine reine Wesensnatur (sattva) zurück.
krodho yakṣmā jvaro roga ekārtho duḥkhasañjñakaḥ| yasmāt sa rājñaḥ prāgāsīdrājayakṣmā tato mataḥ
Zorn (krodha), Schwindsucht (yakṣman), Fieber (jvara) und Krankheit (roga) bezeichnen ein und dasselbe leidvolle Übel; weil es zuerst den König, den Mond, befiel, wird es seither Rājayakṣma, „Königskrankheit“, genannt.
sa yakṣmā huṅkṛto'śvibhyāṃ mānuṣaṃ lokamāgataḥ| labdhvā caturvidhaṃ hetuṃ samāviśati mānavān
Diese Schwindsucht, von den Aśvins mit dem Ruf „hum“ vertrieben, gelangte in die Welt der Menschen und befällt seither die Menschen, sobald sie eine von vier Ursachen vorfindet.
ayathābalamārambhaṃ vegasandhāraṇaṃ kṣayam| yakṣmaṇaḥ kāraṇaṃ vidyāccaturthaṃ viṣamāśanam
Als Ursachen der Schwindsucht gelten: eine die eigene Kraft übersteigende Anstrengung (ayathābalārambha), das Unterdrücken natürlicher Körperdränge (vegasandhāraṇa), Auszehrung (kṣaya) und als vierte eine unregelmäßige, falsche Ernährung (viṣamāśana).
yuddhādhyayanabhārādhvalaṅghanaplavanādibhiḥ| patanairabhighātairvā sāhasairvā tathā'paraiḥ
Durch Kämpfen, übermäßiges Studium, Lasttragen, weite Wege, Springen, Schwimmen und Ähnliches, durch Stürze, Verletzungen oder andere gewaltsame, überstürzte Handlungen (sāhasa) –
ayathābalamārambhairjantorurasi vikṣate| vāyuḥ prakupito doṣāvudīryobhau pradhāvati
– durch solche die eigene Kraft übersteigenden Anstrengungen wird, wenn dabei die Brust des Betroffenen geschädigt wird, der Wind (vāta) erregt; er reizt die beiden anderen Doṣas auf und durchzieht mit ihnen den ganzen Körper.
sa śiraḥsthaḥ śiraḥśūlaṃ karoti galamāśritaḥ| kaṇṭhoddhvaṃsaṃ ca kāsaṃ ca svarabhedamarocakam
Im Kopf sitzend verursacht er Kopfschmerz, im Hals sitzend Zerstörung der Kehle, Husten, Stimmbruch und Appetitlosigkeit.
pārśvaśūlaṃ ca pārśvastho varcobhedaṃ gude sthitaḥ| jṛmbhāṃ jvaraṃ ca sandhistha uraḥsthaścoraso rujam
In der Flanke sitzend verursacht er Flankenschmerz, im After sitzend Durchfall, in den Gelenken sitzend Gähnen und Fieber, in der Brust sitzend Brustschmerz.
kṣaṇanādurasaḥ kāsāt kaphaṃ ṣṭhīvet saśoṇitam| jarjareṇorasā kṛcchramuraḥśūlātipīḍitaḥ
Durch das Zerreißen der Brust beim Husten spuckt der Kranke blutigen Schleim (kapha) aus; mit geschwächter, wie zerrissener Brust leidet er, von heftigem Brustschmerz gequält, große Not.
iti sāhasiko yakṣmā rūpairetaiḥ prapadyate| ekādaśabhirātmajño bhajettasmānna sāhasam
So zeigt sich die durch Übermaß (sāhasa) entstandene Schwindsucht mit diesen elf Merkmalen; wer sich selbst kennt, meide daher gewaltsame Überanstrengung.
hrīmattvādvā ghṛṇitvādvā bhayādvā vegamāgatam| vātamūtrapurīṣāṇāṃ nigṛhṇāti yadā naraḥ
Wenn ein Mensch aus Scham, Ekel oder Furcht den natürlichen Drang von Blähung, Harn und Stuhl unterdrückt,
tadā vegapratīghātāt kaphapitte samīrayan| ūrdhvaṃ tiryagadhaścaiva vikārān kurute'nilaḥ
dann verursacht der Wind (anila), durch das Zurückhalten des Dranges aufgeregt und Schleim (kapha) sowie Galle (pitta) in Bewegung setzend, nach oben, zur Seite und nach unten hin Krankheiten.
pratiśyāyaṃ ca kāsaṃ ca svarabhedamarocakam| pārśvaśūlaṃ śiraḥśūlaṃ jvaramaṃsāvamardanam
Schnupfen (pratiśyāya), Husten, Stimmbruch, Appetitlosigkeit, Flankenschmerz, Kopfschmerz, Fieber und schmerzhafte Zerschlagenheit im Fleisch,
aṅgamardaṃ muhuśchardiṃ varcobhedaṃ trilakṣaṇam| rūpāṇyekādaśaitāni yakṣmā yairucyate mahān
Gliederschmerz, wiederholtes Erbrechen und Durchfall mit dreifacher Erscheinungsform – dies sind die elf Merkmale, durch die die „große Schwindsucht“ bezeichnet wird.
īrṣyotkaṇṭhābhayatrāsakrodhaśokātikarśanāt| ativyavāyānaśanācchukramojaśca hīyate
Durch Eifersucht, Sehnsucht, Angst, Schrecken, Zorn und die durch übermäßige Trauer verursachte Abmagerung sowie durch übermäßigen Geschlechtsverkehr und Fasten schwinden Samen (śukra) und Ojas (Lebenskraft).
tataḥ snehakṣayādvāyurvṛddho doṣāvudīrayan| pratiśyāyaṃ jvaraṃ kāsamaṅgamardaṃ śirorujam
Dadurch, durch den Verlust der Körperfeuchtigkeit (sneha), wird der Wind vermehrt und erregt, indem er die beiden anderen Doṣas aufreizt, Schnupfen, Fieber, Husten, Gliederschmerz und Kopfschmerz.
śvāsaṃ viḍbhedamaruciṃ pārśvaśūlaṃ svarakṣayam| karoti cāṃsasantāpamekādaśagadānimān [1]
Er verursacht ferner Atemnot (śvāsa), Durchfall, Appetitlosigkeit, Flankenschmerz, Stimmverlust und Brennen in der Schulter – diese elf Krankheitszeichen entstehen so.
liṅgānyāvedayantyetānyekādaśa mahāgadam| samprāptaṃ rājayakṣmāṇaṃ kṣayāt prāṇakṣayapradam
Diese elf Zeichen verkünden, dass die große Krankheit, der Rājayakṣma, eingetreten ist, der durch Auszehrung (kṣaya) zum Schwund der Lebenskraft (prāṇa) führt.
vividhānyannapānāni vaiṣamyeṇa samaśnataḥ| janayantyāmayān ghorānviṣamānmārutādayaḥ
Wer verschiedenartige Speisen und Getränke in ungeordneter, unpassender Weise zu sich nimmt, bei dem erzeugen Wind (vāta) und die übrigen Doṣas, aus dem Gleichgewicht geraten, schreckliche, regellose Krankheiten.
srotāṃsi rudhirādīnāṃ vaiṣamyādviṣamaṃ gatāḥ| ruddhvā rogāya kalpante puṣyanti ca na dhātavaḥ
Die durch dieses Ungleichgewicht selbst ungleichmäßig gewordenen Doṣas verstopfen die Kanäle (srotas) des Blutes und der übrigen Gewebe; sie führen so zu Krankheit, während die Körpergewebe (dhātus) nicht mehr genährt werden.
pratiśyāyaṃ prasekaṃ ca kāsaṃ chardimarocakam| jvaramaṃsābhitāpaṃ ca chardanaṃ rudhirasya ca
Schnupfen, vermehrten Speichelfluss, Husten, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fieber, Brennen im Fleisch und das Erbrechen von Blut,
pārśvaśūlaṃ śiraḥśūlaṃ svarabhedamathāpi ca| kaphapittānilakṛtaṃ liṅgaṃ vidyādyathākramam
sowie Flankenschmerz, Kopfschmerz und Stimmbruch – man erkenne diese Zeichen der Reihe nach als durch Schleim (kapha), Galle (pitta) und Wind (anila) verursacht.
iti vyādhisamūhasya rogarājasya hetujam| rūpamekādaśavidhaṃ hetuścoktaścaturvidhaḥ
So wurden für diese Ansammlung von Krankheiten, den „König der Krankheiten“, die elf aus den Ursachen entstehenden Symptome sowie die vier Arten seiner Ursachen dargelegt.
pūrvarūpaṃ pratiśyāyo daurbalyaṃ doṣadarśanam| adoṣeṣvapi bhāveṣu kāye bībhatsadarśanam
Als Vorzeichen (pūrvarūpa) gelten: Schnupfen, Schwäche, das trügerische Wahrnehmen von Krankheitszeichen sowie Abscheu gegenüber dem eigenen Körper selbst bei an sich unbedenklichen Dingen,
ghṛṇitvamaśnataścāpi balamāṃsaparikṣayaḥ| strīmadyamāṃsapriyatā priyatā cāvaguṇṭhane
Ekel beim Essen, Schwund von Kraft und Fleisch, Vorliebe für Frauen, Wein und Fleisch sowie die Neigung, sich einzuhüllen und zu verstecken,
makṣikāghuṇakeśānāṃ tṛṇānāṃ patanāni ca| prāyo'nnapāne keśānāṃ nakhānāṃ cābhivardhanam
das (eingebildete) Herabfallen von Fliegen, Holzwürmern, Haaren und Grashalmen, meist in Speise und Trank, sowie ein auffälliges Wachstum von Haaren und Nägeln,
patatribhiḥ pataṅgaiśca śvāpadaiścābhidharṣaṇam| svapne keśāsthirāśīnāṃ bhasmanaścādhirohaṇam
das Träumen, von Vögeln, Insekten oder Raubtieren angegriffen zu werden, sowie das Träumen, Haufen von Haaren, Knochen oder Asche zu besteigen,
jalāśayānāṃ śailānāṃ vanānāṃ jyotiṣāmapi| śuṣyatāṃ kṣīyamāṇānāṃ patatāṃ yacca darśanam
und das Träumen vom Vertrocknen, Schwinden oder Herabstürzen von Gewässern, Bergen, Wäldern und Gestirnen.
prāgrūpaṃ bahurūpasya tajjñeyaṃ rājayakṣmaṇaḥ rūpaṃ tvasya yathoddeśaṃ nirdekṣyāmi [1] sabheṣajam
Dies sind die Vorzeichen des vielgestaltigen Rājayakṣma; seine eigentlichen Symptome werde ich nun der Reihe nach zusammen mit ihrer Behandlung darlegen.
yathāsvenoṣmaṇā pākaṃ śārīrā yānti dhātavaḥ| srotasā ca yathāsvena dhātuḥ puṣyati dhātutaḥ
Durch die ihm jeweils eigene Verdauungswärme (ūṣma) reift jedes Körpergewebe (dhātu), und durch den ihm jeweils eigenen Kanal (srotas) wird ein Gewebe aus dem vorangehenden Gewebe ernährt.
srotasāṃ sannirodhācca raktādīnāṃ ca saṅkṣayāt| dhātūṣmaṇāṃ cāpacayādrājayakṣmā pravartate
Durch Verstopfung dieser Kanäle, durch den Schwund von Blut und den übrigen Geweben sowie durch die Abnahme der Gewebewärme entsteht der Rājayakṣma.
tasmin kāle pacatyagniryadannaṃ koṣṭhasaṃśritam| malībhavati tat prāyaḥ kalpate kiñcidojase
In dieser Zeit verdaut das Verdauungsfeuer (agni) die im Darm befindliche Nahrung so, dass daraus größtenteils Abfallstoffe entstehen und nur ein geringer Teil dem Ojas (der Lebenskraft) zugutekommt.
tasmāt purīṣaṃ saṃrakṣyaṃ viśeṣādrājayakṣmiṇaḥ| sarvadhātukṣayārtasya balaṃ tasya hi viḍbalam
Deshalb muss der Stuhl (purīṣa) sorgsam bewahrt werden, besonders bei dem an Rājayakṣma Leidenden, der unter dem Schwund aller Gewebe leidet – denn seine Kraft ist die Kraft seines Stuhlgangs.
rasaḥ srotaḥsu ruddheṣu svasthānastho vidahyate [2] | sa ūrdhvaṃ kāsavegena bahurūpaḥ pravartate
Sind die Kanäle verstopft, so wird der Gewebesaft (rasa) an seinem eigenen Ort überhitzt und verdorben; durch die Kraft des Hustens steigt er nach oben und tritt in vielfältiger Gestalt hervor.
jāyante vyādhayaścātaḥ ṣaḍekādaśa vā punaḥ| yeṣāṃ saṅghātayogena rājayakṣmeti kathyate
Daraus entstehen sechs oder auch elf Krankheitszeichen, deren Zusammentreffen als Rājayakṣma bezeichnet wird.
kāsoṃ'satāpo vaisvaryaṃ jvaraḥ pārśvaśirorujā| chardanaṃ raktakaphayoḥ śvāsavarcogado'ruciḥ
Husten, Brennen in der Schulter, Stimmverlust, Fieber, Flanken- und Kopfschmerz, das Erbrechen von Blut und Schleim, Atemnot, Durchfall und Appetitlosigkeit –
rūpāṇyekādaśaitāni yakṣmaṇaḥ ṣaḍimāni vā| kāso jvaraḥ pārśvaśūlaṃ svaravarcogado'ruciḥ
dies sind die elf Symptome der Schwindsucht, oder, in verkürzter Form, diese sechs: Husten, Fieber, Flankenschmerz, Stimmstörung, Durchfall und Appetitlosigkeit.
sarvairardhaistribhirvā'pi liṅgairmāṃsabalakṣaye| yukto varjyaścikitsyastu sarvarūpo'pyato'nyathā
Wer bei Schwund von Fleisch und Kraft mit allen, mit der Hälfte oder mit nur drei dieser Symptome behaftet ist, gilt entsprechend als unheilbar, als schwer behandelbar oder als heilbar; zeigen sich hingegen alle Symptome, ist er in jedem Falle als unheilbar aufzugeben.
ghrāṇamūle sthitaḥ śleṣmā rudhiraṃ pittameva vā| mārutādhmātaśiraso mārutaṃ śyāyate prati
Bei einem Menschen, dessen Kopf vom Wind aufgebläht ist, setzen sich Schleim (śleṣman), Blut oder Galle (pitta) an der Nasenwurzel fest, wodurch der Wind sich dort staut und verdichtet.
pratiśyāyastato ghoro jāyate dehakarśanaḥ| tasya rūpaṃ śiraḥśūlaṃ gauravaṃ ghrāṇaviplavaḥ
Daraus entsteht ein schwerer, den Körper auszehrender Schnupfen (pratiśyāya); seine Symptome sind Kopfschmerz, Schweregefühl und Störung des Geruchssinns,
jvaraḥ kāsaḥ kaphotkleśaḥ svarabhedo'ruciḥ klamaḥ| indriyāṇāmasāmarthyaṃ yakṣmā cātaḥ [1] prajāyate
Fieber, Husten, durch Schleim verursachte Übelkeit, Stimmbruch, Appetitlosigkeit, Erschöpfung und geschwächte Sinnesorgane – daraus entsteht dann die eigentliche Schwindsucht.
picchilaṃ bahalaṃ visraṃ haritaṃ śvetapītakam| kāsamāno rasaṃ yakṣmī niṣṭhīvati [1] kaphānugam
Der an Schwindsucht Leidende hustet und spuckt dabei schleimigen, dickflüssigen, übelriechenden, grünlichen oder weißlich-gelben, von Schleim (kapha) durchsetzten Gewebesaft (rasa) aus.
aṃsapārśvābhitāpaśca santāpaḥ karapādayoḥ| jvaraḥ sarvāṅgagaśceti lakṣaṇaṃ rājayakṣmaṇaḥ
Brennen in Schultern und Flanken, Brennen in Händen und Füßen sowie Fieber, das den ganzen Körper ergreift – dies sind weitere Kennzeichen des Rājayakṣma.
vātātpittātkaphādraktāt kāsavegāt sapīnasāt| svarabhedo bhavedvātādrūkṣaḥ kṣāmaścalaḥ svaraḥ
Der Stimmbruch (svarabheda) kann durch Wind, Galle, Schleim, Blut, heftigen Husten oder Schnupfen mit Nasenverstopfung verursacht sein: Wird er durch Wind hervorgerufen, klingt die Stimme rau, schwach und zitternd.
tālukaṇṭhapariploṣaḥ pittādvaktumasūyate| kaphādbhedo vibaddhaśca svaraḥ khurakhurāyate
Durch Galle (pitta) verursacht, brennen Gaumen und Kehle, sodass der Kranke kaum sprechen kann; durch Schleim (kapha) verursacht, ist die Stimme gebrochen, verstopft und macht ein raues, kratzendes Geräusch.
sanno raktavibaddhatvāt svaraḥ kṛcchrāt pravartate| kāsātivegāt kaṣaṇaḥ pīnasātkaphavātikaḥ
Durch Blutstauung ist die Stimme unterdrückt und kommt nur mühsam hervor; durch übermäßig heftigen Husten entsteht ein reibendes Kratzen, und bei Schnupfen ist die Stimme von Schleim und Wind gefärbt.
pārśvaśūlaṃ tvaniyataṃ saṅkocāyāmalakṣaṇam| śiraḥśūlaṃ sasantāpaṃ yakṣmiṇaḥ syātsagauravam
Der Flankenschmerz des Schwindsüchtigen ist wandernd und durch abwechselndes Zusammenziehen und Dehnen gekennzeichnet; sein Kopfschmerz geht mit Brennen und Schweregefühl einher.
abhisanne śarīre tu yakṣmiṇo viṣamāśanāt| kaṇṭhātpravartate raktaṃ śleṣmā cotkliṣṭasañcitaḥ
Ist der Körper des Schwindsüchtigen durch unregelmäßige Ernährung geschwächt, so tritt aus der Kehle Blut hervor, zusammen mit aufgewühltem, angesammeltem Schleim.
raktaṃ vibaddhamārgatvānmāṃsādīnnānupadyate | āmāśayasthamutkliṣṭaṃ bahutvāt kaṇṭhameti ca
Da seine Bahnen verstopft sind, gelangt das Blut nicht mehr zur Ernährung von Fleisch und den übrigen Geweben; im Magen (āmāśaya) aufgewühlt, steigt es in großer Menge zur Kehle empor.
vātaśleṣmavibaddhatvādurasaḥ śvāsamṛcchati| doṣairupahate cāgnau sapicchamatisāryate
Da Brust und Atemwege durch Wind und Schleim verstopft sind, gerät der Kranke in Atemnot; und ist das Verdauungsfeuer (agni) von den Doṣas geschädigt, kommt es zu schleimigem, übermäßigem Durchfall.
pṛthagdoṣaiḥ samastairvā jihvāhṛdayasaṃśritaiḥ| jāyate'rucirāhāre dviṣṭairarthaiśca mānasaiḥ
Durch die einzeln oder alle zusammen in Zunge und Herz sitzenden Doṣas entsteht Appetitlosigkeit gegenüber der Nahrung, ebenso durch seelisch verabscheute Dinge.
kaṣāyatiktamadhurairvidyānmukharasaiḥ kramāt| vātādyairaruciṃ jātāṃ mānasīṃ doṣadarśanāt
Man erkenne die durch Wind, Galle beziehungsweise Schleim der Reihe nach entstehende Appetitlosigkeit an einem herben, bitteren oder süßlichen Mundgeschmack; die seelisch bedingte Appetitlosigkeit erkenne man daran, dass sich keine Dosha-Zeichen zeigen.
arocakāt kāsavegāddoṣotkleśādbhayādapi| chardiryā sā vikārāṇāmanyeṣāmapyupadravaḥ
Das Erbrechen, das aus Appetitlosigkeit, heftigem Husten, Aufwallen der Doṣas oder auch aus Furcht entsteht, ist zugleich eine Begleiterscheinung (upadrava) auch anderer Krankheiten.
sarvastridoṣajo yakṣmā doṣāṇāṃ tu balābalam| parīkṣyāvasthikaṃ vaidyaḥ śoṣiṇaṃ samupācaret
Die Schwindsucht entsteht stets aus allen drei Doṣas zusammen; der Arzt soll jedoch die jeweilige Stärke und Schwäche der Doṣas sowie das Krankheitsstadium prüfen und den Auszehrungskranken (śoṣin) danach behandeln.
pratiśyāye śiraḥśūle kāse śvāse svarakṣaye| pārśvaśūle ca vividhāḥ kriyāḥ sādhāraṇīḥ śṛṇu
Höre nun die verschiedenen allgemeinen Behandlungsmaßnahmen bei Schnupfen, Kopfschmerz, Husten, Atemnot, Stimmverlust und Flankenschmerz.
pīnase svedamabhyaṅgaṃ dhūmamālepanāni ca| pariṣekāvagāhāṃśca yāvakaṃ [1] vāṭyameva ca
Bei Schnupfen (pīnasa) wende man Schwitzen (sveda), Einölung (abhyaṅga), Rauchinhalation (dhūma) und Einreibungen (ālepana), Übergießungen (pariṣeka) und Bäder (avagāha) an, ebenso Gerstenbrei (yāvaka) und die Vāṭya-Speise.
lavaṇāmlakaṭūṣṇāṃśca rasān snehopabṛṃhitān| lāvatittiridakṣāṇāṃ vartakānāṃ ca kalpayet
Man bereite salzige, saure, scharfe und heiße Fleischsäfte (rasa), angereichert mit Fett (sneha), aus Wachtel (lāva), Rebhuhn (tittiri), dem Dakṣa-Vogel und der Vartaka-Wachtel.
sapippalīkaṃ sayavaṃ sakulatthaṃ sanāgaram| dāḍimāmalakopetaṃ snigdhamājaṃ rasaṃ pibet
Man trinke einen öligen (snigdha) Ziegenfleischsaft mit langem Pfeffer (pippalī), Gerste (yava), Pferdebohnen (kulattha), Ingwer (nāgara), Granatapfel (dāḍima) und Amalaki versetzt.
tena ṣaḍvinivartante vikārāḥ pīnasādayaḥ| mūlakānāṃ kulatthānāṃ yūṣairvā sūpakalpitaiḥ [2]
Dadurch werden die sechs mit Schnupfen (pīnasa) beginnenden Störungen beseitigt, ebenso durch Suppen (yūṣa) aus Rettich (mūlaka) oder Pferdebohnen (kulattha), als Sūpa zubereitet.
yavagodhūmaśālyannairyathāsātmyamupācaret| pibetprasādaṃ vāruṇyā jalaṃ vā pāñcamūlikam
Man behandle entsprechend der individuellen Verträglichkeit (sātmya) mit Speisen aus Gerste, Weizen und Reis; man trinke den geklärten Anteil (prasāda) von Vāruṇī-Wein oder Wasser, das mit den fünf Wurzeln (pañcamūla) versetzt ist.
dhānyanāgarasiddhaṃ vā tāmalakyā'thavā śṛtam| parṇinībhiścatasṛbhistena cānnāni kalpayet
Oder man trinke Wasser, das mit Koriander und Ingwer (nāgara) gekocht wurde, oder mit Tāmalakī, oder mit den vier Parṇī-Pflanzen gekocht ist; damit bereite man auch die Speisen zu.
kṛśarotkārikāmāṣakulatthayavapāyasaiḥ| saṅkarasvedavidhinā kaṇṭhaṃ pārśvamuraḥ śiraḥ
Mit Kṛśara (Reis-Bohnen-Brei), Utkārikā, Urdbohnen (māṣa), Pferdebohnen (kulattha), Gerste und Milchreis (pāyasa) bähe man nach der gemischten Schwitzmethode (saṅkarasveda) Hals, Flanke, Brust und Kopf,
svedayet patrabhaṅgeṇa śiraśca pariṣecayet| balāguḍūcīmadhukaśṛtairvā vāribhiḥ sukhaiḥ
man bähe sie mit einem Blätterbündel (patrabhaṅga) und übergieße den Kopf mit angenehmem Wasser, das mit Balā, Guḍūcī und Süßholz (madhuka) gekocht wurde.
bastamatsyaśirobhirvā nāḍīsvedaṃ prayojayet| kaṇṭhe śirasi pārśve ca payobhirvā savātikaiḥ
Oder man wende die Röhrenbähung (nāḍīsveda) mit Ziegen- oder Fischköpfen an, an Hals, Kopf und Flanke, auch mit Milch, die mit windvertreibenden Kräutern versetzt ist.
audakānūpamāṃsāni salilaṃ pāñcamūlikam| sasnehamāranālaṃ vā nāḍīsvede prayojayet
Für die Röhrenbähung (nāḍīsveda) verwende man Fleisch von Wasser- und Sumpftieren, Wasser mit den fünf Wurzeln (pañcamūla) oder ölig zubereitetes saures Reiswasser (āranāla).
jīvantyāḥ śatapuṣpāyā balāyā madhukasya ca| vacāyā veśavārasya vidāryā mūlakasya ca
Aus Jīvantī, Dill (śatapuṣpā), Balā und Süßholz (madhuka), aus Kalmus (vacā), Veśavāra, Vidārī und Rettich (mūlaka)
audakānūpamāṃsānāmupanāhāḥ susaṃskṛtāḥ| śasyante sacatuḥsnehāḥ śiraḥpārśvāṃsaśūlinām
sowie aus dem Fleisch von Wasser- und Sumpftieren bereite man gut zubereitete Breiumschläge (upanāha), versehen mit den vier Fetten (catuḥsneha); diese werden bei Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz (śiraḥpārśvāṃsaśūla) empfohlen.
śatapuṣpā samadhukaṃ kuṣṭhaṃ tagaracandane| ālepanaṃ syāt saghṛtaṃ śiraḥpārśvāṃsaśūlanut
Eine Salbe (ālepana) aus Dill mit Süßholz, Kuṣṭha, Tagara und Sandelholz (candana), mit Ghee versetzt, vertreibt Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz.
balā rāsnā tilāḥ sarpirmadhukaṃ nīlamutpalam| palaṅkaṣā devadāru candanaṃ keśaraṃ ghṛtam
Balā, Rāsnā, Sesam, Ghee, Süßholz, blauer Lotus (utpala), Palaṅkaṣā, Zeder (devadāru), Sandelholz, Safran (keśara) und Ghee bilden einen weiteren Umschlag.
vīrā balā vidārī ca kṛṣṇagandhā punarnavā| śatāvarī payasyā ca kattṛṇaṃ madhukaṃ ghṛtam
Vīrā, Balā, Vidārī, Kṛṣṇagandhā, Punarnavā, Śatāvarī, Payasyā, Kattṛṇa, Süßholz und Ghee bilden einen weiteren Umschlag.
catvāra ete ślokārdhaiḥ pradehāḥ parikīrtitāḥ| śastāḥ saṃsṛṣṭadoṣāṇāṃ śiraḥpārśvāṃsaśūlinām
Diese vier, in halben Versen genannten Umschläge (pradeha) werden bei gemischten Doṣa-Störungen (saṃsṛṣṭadoṣa) mit Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz empfohlen.
nāvanaṃ dhūmapānāni snehāścauttarabhaktikāḥ| tailānyabhyaṅgayogīni [1] bastikarma tathā param
Nasenträufelung (nāvana), Rauchinhalationen (dhūmapāna), nach der Mahlzeit einzunehmende Ölzubereitungen (uttarabhaktika sneha), zur Einölung geeignete Öle (abhyaṅga-taila) sowie außerdem die Klistierbehandlung (basti) sind angezeigt.
śṛṅgālābujalaukobhiḥ praduṣṭaṃ vyadhanena vā| śiraḥpārśvāṃsaśūleṣu rudhiraṃ tasya nirharet
Bei Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz entferne man das verdorbene Blut mittels Horn-Schröpfung (śṛṅga), Kürbis-Schröpfung (alābu), Blutegeln (jalaukā) oder Aderlass (vyadhana).
pradehaḥ saghṛtaśceṣṭaḥ padmakośīracandanaiḥ| dūrvāmadhukamañjiṣṭhākeśarairvā ghṛtāplutaiḥ
Empfohlen ist ein mit Ghee versetzter Umschlag aus Padmaka, Vetiver (uśīra) und Sandelholz, oder aus Hundszahngras (dūrvā), Süßholz, Färberröte (mañjiṣṭhā) und Safran, in Ghee getränkt.
prapauṇḍarīkanirguṇḍīpadmakeśaramutpalam [2] | kaśerukāḥ payasyā ca sasarpiṣkaṃ pralepanam
Aus weißer Seerose (prapauṇḍarīka), Nirguṇḍī, Padmaka, Safran, Lotus, Kaśeruka und Payasyā, mit Ghee versetzt, bereite man eine Salbe (pralepana).
candanādyena tailena śatadhautena sarpiṣā| abhyaṅgaḥ, payasā sekaḥ śastaśca madhukāmbunā
Empfohlen sind Einölung (abhyaṅga) mit dem Öl 'Candanādi' und mit hundertfach gewaschenem Ghee (śatadhauta ghṛta), sowie Übergießung (seka) mit Milch und mit Süßholzwasser.
māhendreṇa suśītena candanādiśṛtena vā| pariṣekaḥ prayoktavya iti saṃśamanī kriyā
Man wende Übergießung mit sehr kühlem Regenwasser (māhendra) oder mit Wasser, das mit den Candanādi-Kräutern gekocht wurde, an - dies ist die besänftigende (śamana) Behandlung.
doṣādhikānāṃ vamanaṃ śasyate savirecanam| snehasvedopapannānāṃ sasnehaṃ yanna karśanam
Bei überwiegender Doṣa-Belastung wird Erbrechenstherapie (vamana) zusammen mit Abführung (virecana) empfohlen, nach vorheriger Ölung und Schwitzen durchgeführt und mit Fett versehen, sofern es nicht zur Abmagerung (karśana) führt.
śoṣī muñcati gātrāṇi purīṣasraṃsanādapi| abalāpekṣiṇīṃ mātrāṃ kiṃ punaryo viricyate
Der an Schwindsucht (śoṣa) Leidende verliert schon durch bloßes Lösen des Stuhlgangs (purīṣasraṃsana) mit einer seiner Schwäche angemessenen milden Dosis an Kraft in den Gliedern - wieviel mehr erst, wenn er regelrecht abgeführt wird!
yogān saṃśuddhakoṣṭhānāṃ kāse śvāse svarakṣaye| śiraḥpārśvāṃsaśūleṣu siddhānetānprayojayet
Bei denen, deren Verdauungstrakt (koṣṭha) gereinigt ist, wende man bei Husten (kāsa), Atemnot (śvāsa), Stimmverlust (svarakṣaya) sowie bei Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz die folgenden bewährten Rezepturen (yoga) an.
balāvidārigandhādyairvidāryā [1] madhukena vā| siddhaṃ salavaṇaṃ sarpirnasyaṃ syātsvaryamuttamam
Ein mit Balā, den Vidārigandhādi-Kräutern oder mit Vidārī und Süßholz zubereitetes, gesalzenes Ghee ist als Nasenmittel (nasya) das beste Mittel bei Stimmverlust.
prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ pippalī bṛhatī balā| kṣīraṃ [2] sarpiśca tatsiddhaṃ svaryaṃ syānnāvanaṃ param
Weiße Seerose, Süßholz, langer Pfeffer, Bṛhatī und Balā, damit gekochte Milch und Ghee - dies ist ein hervorragendes Nasenmittel (nāvana) bei Stimmverlust.
śiraḥpārśvāṃsaśūlaghnaṃ kāsaśvāsanibarhaṇam| prayujyamānaṃ bahuśo ghṛtaṃ cauttarabhaktikam
Wiederholt nach der Mahlzeit eingenommenes Ghee (uttarabhaktika ghṛta) beseitigt Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz sowie Husten und Atemnot.
daśamūlena payasā siddhaṃ māṃsarasena ca| balāgarbhaṃ ghṛtaṃ sadyo rogānetān prabādhate
Mit den zehn Wurzeln (daśamūla), mit Milch und mit Fleischbrühe zubereitetes, mit Balā angereichertes Ghee (balāgarbha ghṛta) beseitigt diese Krankheiten sofort.
bhaktasyopari madhye vā yathāgnyabhyavacāritam| rāsnāghṛtaṃ vā sakṣīraṃ sakṣīraṃ vā balāghṛtam
Je nach Verdauungskraft (agni), nach oder in der Mitte der Mahlzeit eingenommen, helfen Rāsnā-Ghee mit Milch oder Balā-Ghee mit Milch.
lehān kāsāpahān svaryāñ śvāsahikkānibarhaṇān| śiraḥpārśvāṃsaśūlaghnān snehāṃścātaḥ paraṃ śṛṇu
Höre nun ferner von Lecksäften (leha), die Husten beseitigen, Stimmverlust bessern, Atemnot (śvāsa) und Schluckauf (hikkā) unterdrücken sowie Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz vertreiben, und von weiteren Ölzubereitungen (sneha).
ghṛtaṃ kharjūramṛdvīkāśarkarākṣaudrasaṃyutam [3] | sapippalīkaṃ vaisvaryakāsaśvāsajvarāpaham
Ghee, verbunden mit Datteln, Weintrauben, Zucker, Honig und langem Pfeffer, beseitigt Heiserkeit (vaisvarya), Husten, Atemnot und Fieber.
daśamūlaśṛtāt kṣīrāt sarpiryadudiyānnavam| sapippalīkaṃ sakṣaudraṃ tat paraṃ svarabodhanam
Das frisch aus der mit den zehn Wurzeln gekochten Milch gewonnene Ghee, mit langem Pfeffer und Honig versetzt, ist das beste Mittel zur Wiederherstellung der Stimme.
śiraḥpārśvāṃsaśūlaghnaṃ kāsaśvāsajvarāpaham| pañcabhiḥ pañcamūlairvā śṛtādyadudiyādghṛtam
Das Ghee, das aus der mit den fünf mal fünf Wurzeln (pañca-pañcamūla) gekochten Milch gewonnen wird, beseitigt Kopf-, Flanken- und Schulterschmerz sowie Husten, Atemnot und Fieber.
pañcānāṃ pañcamūlānāṃ rase kṣīracaturguṇe| siddhaṃ sarpirjayatyetadyakṣmaṇaḥ saptakaṃ balam
Dieses in einem Sud der fünf mal fünf Wurzeln (pañca-pañcamūla) mit der vierfachen Menge Milch gekochte Ghee überwindet selbst die stärkste, siebenfache Kraft der Schwindsucht (yakṣma).
kharjūraṃ pippalī drākṣā pathyā śṛṅgī durālabhā| triphalā pippalī mustaṃ śṛṅgāṭaguḍaśarkarāḥ
Dattel, langer Pfeffer, Weintraube, Myrobalane (pathyā), Śṛṅgī, Durālabhā, die drei Myrobalanen (triphalā), langer Pfeffer, Nussgras (mustā), Wasserkastanie (śṛṅgāṭaka), Rohzucker und Kandiszucker,
vīrā śaṭī puṣkarākhyaṃ surasaḥ śarkarā guḍaḥ| nāgaraṃ citrako lājāḥ pippalyāmalakaṃ guḍaḥ
Vīrā, Śaṭī, Puṣkara, Basilikum (surasa), Zucker, Rohzucker, Ingwer, Citraka, geröstete Gerste (lājā), langer Pfeffer, Amalaki und Rohzucker,
ślokārdhairvihitānetāṃllihyānnā madhusarpiṣā| kāsaśvāsāpahānsvaryānpārśvaśūlāpahāṃstathā
diese in den halben Versen genannten Zutaten lasse man den Kranken mit Honig und Ghee als Lecksaft (leha) einnehmen - sie beseitigen Husten, Atemnot und Stimmverlust sowie Flankenschmerz.
sitopalāṃ tugākṣīrīṃ pippalīṃ bahulāṃ tvacam| antyādūrdhvaṃ dviguṇitaṃ lehayenmadhusarpiṣā
Kandiszucker, Bambusmanna, langen Pfeffer - von der zuletzt genannten Zutat an aufwärts jeweils verdoppelt - und Zimtrinde lasse man mit Honig und Ghee als Lecksaft einnehmen.
cūrṇitaṃ prāśayedvā tacchvāsakāsakaphāturam [1] | suptajihvārocakinamalpāgniṃ pārśvaśūlinam
Oder man gebe dieselben Zutaten pulverisiert (cūrṇa) dem an Atemnot, Husten und übermäßigem Schleim (kapha) Leidenden, dem mit tauber Zunge, Appetitlosigkeit (arocaka), schwacher Verdauungskraft und Flankenschmerz.
hastapādāṅgadāheṣu jvare rakte tathordhvage| vāsāghṛtaṃ śatāvaryā siddhaṃ vā paramaṃ hitam
Bei Brennen in Händen, Füßen und Gliedern, bei Fieber und bei nach oben gerichtetem Bluttritt (ūrdhvaga rakta, etwa Bluthusten) ist Vāsā-Ghee oder mit Śatāvarī zubereitetes Ghee überaus zuträglich.
durālabhāṃ śvadaṃṣṭrāṃ ca catasraḥ parṇinīrbalām| bhāgānpalonmitān kṛtvā palaṃ parpaṭakasya ca
Man nehme Durālabhā, Śvadaṃṣṭrā, die vier Parṇī-Pflanzen und Balā, jeweils zu einem Pala abgemessene Anteile, sowie ein Pala Parpaṭaka,
paceddaśaguṇe toye daśabhāgāvaśeṣite| rase supūte dravyāṇāmeṣāṃ kalkān samāvapet
und koche dies in der zehnfachen Menge Wasser ein, bis ein Zehntel übrigbleibt; in den gut geklärten Sud (rasa) gebe man dann die Pasten (kalka) folgender Substanzen hinzu:
śaṭyāḥ puṣkaramūlasya pippalītrāyamāṇayoḥ| tāmalakyāḥ kirātānāṃ tiktasya kuṭajasya ca
Śaṭī, Puṣkaramūla, langer Pfeffer, Trāyamāṇā, Tāmalakī, Kirātatikta sowie Kuṭaja,
phalānāṃ sārivāyāśca supiṣṭān karṣasammitān| tatastena ghṛtaprasthaṃ kṣīradviguṇitaṃ pacet
dessen Früchte, und Sārivā, fein zerrieben, jeweils zu einem Karṣa abgemessen; damit koche man dann einen Prastha Ghee zusammen mit der doppelten Menge Milch.
jvaraṃ dāhaṃ bhramaṃ kāsamaṃsapārśvaśirorujam| tṛṣṇāṃ chardimatīsārametat sarpirvyapohati
Dieses Ghee beseitigt Fieber, Brennen, Schwindel (bhrama), Husten, Schmerzen in Fleisch, Flanke und Kopf, Durst, Erbrechen und Durchfall (atisāra).
jīvantīṃ madhukaṃ drākṣāṃ phalāni kuṭajasya ca| śaṭīṃ puṣkaramūlaṃ ca vyāghrīṃ gokṣurakaṃ balām
Man nehme Jīvantī, Süßholz, Weintrauben, Kuṭaja-Früchte, Śaṭī, Puṣkaramūla, Vyāghrī, Gokṣuraka und Balā,
nīlotpalaṃ tāmalakīṃ trāyamāṇāṃ durālabhām| pippalīṃ ca samaṃ piṣṭvā ghṛtaṃ vaidyo vipācayet
sowie blauen Lotus, Tāmalakī, Trāyamāṇā, Durālabhā und langen Pfeffer zu gleichen Teilen, zerreibe sie und koche daraus Ghee - so bereite es der Arzt zu.
etadvyādhisamūhasya rogeśasya samutthitam| rūpamekādaśavidhaṃ sarpiragryaṃ vyapohati
Dieses hervorragende Ghee beseitigt die elf Erscheinungsformen (rūpa), die aus der Krankheitsgesamtheit des 'Königs der Krankheiten' (rogeśa, d.h. der Schwindsucht) entstanden sind.
balāṃ sthirāṃ pṛśniparṇīṃ bṛhatīṃ sanidigdhikām| sādhayitvā rase tasminpayo gavyaṃ sanāgaram
Man koche Balā, Sthirā, Pṛśniparṇī, Bṛhatī und Nidigdhikā zu einem Sud; in diesem Sud koche man dann Kuhmilch mit Ingwer,
drākṣākharjūrasarpirbhiḥ pippalyā ca śṛtaṃ saha| sakṣaudraṃ jvarakāsaghnaṃ svaryaṃ caitat prayojayet
zusammen mit Weintrauben, Datteln, Ghee und langem Pfeffer gekocht und mit Honig versetzt; man wende dies bei Fieber und Husten an - es hilft auch bei Stimmverlust.
ājasya payasaścaivaṃ prayogo jāṅgalā rasāḥ| yūṣārthe caṇakā mudgā makuṣṭhāścopakalpitāḥ
Ebenso ist die Anwendung mit Ziegenmilch möglich; auch Fleischbrühen von Wildtieren des Trockenlandes (jāṅgala) sowie Kichererbsen, Mungbohnen und Makuṣṭha, als Suppe (yūṣa) zubereitet, sind geeignet.
jvarāṇāṃ śamanīyo yaḥ pūrvamuktaḥ kriyāvidhiḥ| yakṣmiṇāṃ jvaradāheṣu sasarpiṣkaḥ praśasyate
Die zuvor dargelegte, fieberbesänftigende Behandlungsvorschrift wird, mit Ghee versehen, auch bei Fieber und Brennen der an Schwindsucht Erkrankten empfohlen.
kaphapraseke balavāñ ślaiṣmikaśchardayennaraḥ| payasā phalayuktena mādhukena [1] rasena vā
Ein kräftiger Mensch mit übermäßigem Schleimausfluss (kaphapraseka) und Schleim-Konstitution (ślaiṣmika) werde zum Erbrechen gebracht, mit Milch, die mit Madana-Früchten versetzt ist, oder mit Süßholzsaft,
sarpiṣmatyā yavāgvā vā vamanīyopasiddhayā| vānto'nnakāle laghvannamādadīta sadīpanam
oder mit einer geölten Gerstensuppe (yavāgū), die mit einem Brechmittel versetzt zubereitet wurde. Nach dem Erbrechen nehme er zur Essenszeit leichte, verdauungsanregende Kost zu sich.
yavagodhūmamādhvīkasidhvariṣṭasurāsavān| jāṅgalāni ca śūlyāni sevamānaḥ kaphaṃ jayet
Wer Gerste, Weizen, Mādhvīka-, Sidhu-, Ariṣṭa- und Surā-Āsava-Getränke sowie am Spieß gebratenes Fleisch von Wildtieren des Trockenlandes zu sich nimmt, überwindet den Kapha-Überschuss.
śleṣmaṇo'tiprasekena vāyuḥ śleṣmāṇamasyati| kaphaprasekaṃ taṃ vidvān snigdhoṣṇenaiva nirjayet
Durch übermäßigen Schleimausfluss treibt der Wind (vāyu) den Schleim weiter aus; diesen Kapha-Fluss überwinde der Kundige eben mit öligen und warmen (snigdhoṣṇa) Mitteln.
kriyā kaphapraseke yā vamyāṃ saiva praśasyate| hṛdyāni cānnapānāni vātaghnāni laghūni ca
Die Behandlung, die bei gewöhnlichem Kapha-Ausfluss durch Erbrechen angezeigt ist, wird auch hier empfohlen, zusammen mit herzstärkenden, windberuhigenden und leichten Speisen und Getränken.
prāyeṇopahatāgnitvāt sapicchamatisāryate| prāpnoti cāsyavairasyaṃ na cānnamabhinandati
Da meist die Verdauungskraft (agni) geschädigt ist, hat der Kranke mit Schleim vermischten Durchfall (sapiccha atisāra); er bekommt einen unangenehmen Mundgeschmack und hat keine Freude mehr am Essen.
tasyāgnidīpanān yogānatīsāranibarhaṇān| vaktraśuddhikarān kuryādarucipratibādhakān
Für ihn wende man Rezepturen (yoga) an, die die Verdauungskraft anregen, den Durchfall unterdrücken, den Mund reinigen und die Appetitlosigkeit (aruci) bekämpfen.
sanāgarānindrayavān pāyayettaṇḍulāmbunā| siddhāṃ yavāgūṃ jīrṇe ca cāṅgerītakradāḍimaiḥ
Man gebe ihm mit Ingwer versetzte Kuṭaja-Samen (indrayava) in Reiswasser zu trinken; und, sobald diese verdaut sind, eine mit Sauerklee (cāṅgerī), Buttermilch und Granatapfel zubereitete Gerstensuppe.
pāṭhā bilvaṃ yamānī ca pātavyaṃ takrasaṃyutam| durālabhā śṛṅgaveraṃ pāṭhā ca surayā saha
Pāṭhā, Bilva-Frucht und Ajowan, mit Buttermilch versetzt, sollen getrunken werden; ebenso Durālabhā, frischer Ingwer (śṛṅgavera) und Pāṭhā zusammen mit Surā (Gärgetränk).
jambvāmramadhyaṃ bilvaṃ ca sakapitthaṃ sanāgaram| peyāmaṇḍena pātavyamatīsāranivṛttaye
Das Fruchtfleisch von Jambu und Mango, Bilva zusammen mit Kapittha und Ingwer soll, mit dem Sud der Reissuppe (peyāmaṇḍa) versetzt, zur Beendigung des Durchfalls getrunken werden.
etāneva ca yogāṃstrīn pāṭhādīn kārayet khaḍān| sasūpyadhānyānsasnehān [2] sāmlānsaṅgrahaṇān param
Eben diese drei, mit Pāṭhā beginnenden Rezepturen lasse man auch als saure Gemüsesuppe (khaḍa) zubereiten, versetzt mit Hülsenfrüchten, Fett und Säure - dies ist das beste stopfende Mittel (saṅgrahaṇa) gegen Durchfall.
vetasārjunajambūnāṃ mṛṇālīkṛṣṇagandhayoḥ| śrīparṇyā madayantyāśca yūthikāyāśca pallavān
Man nehme die jungen Triebe (pallava) von Vetasa (Rohrweide), Arjuna, Jambū, von der Lotoswurzel (mṛṇālī) und von Kṛṣṇagandhā sowie von Śrīparṇī, Madayantī und Yūthikā als Zutaten für ein stopfendes Gemüsegericht.
mātuluṅgasya dhātakyā dāḍimasya ca kārayet| snehāmlalavaṇopetān khaḍān sāṅgrāhikān param
Ebenso bereite man aus Zitronatzitrone (mātuluṅga), Dhātakī und Granatapfel (dāḍima) [zusammen mit den zuvor genannten Blättern] ein Khaḍa-Gericht, das mit Fett, Säure und Salz versehen ist und vor allem stuhlfestigend (sāṅgrāhika) wirkt.
cāṅgeryāścukrikāyāśca dugdhikāyāśca kārayet| khaḍāndadhisaropetān sasarpiṣkānsadāḍimān
Ebenso bereite man aus Cāṅgerī, Cukrikā und Dugdhikā Khaḍa-Gerichte, die mit dem Rahm der Dickmilch (dadhisāra), mit geklärter Butter (sarpis) und mit Granatapfel versehen sind.
māṃsānāṃ laghupākānāṃ rasāḥ sāṅgrāhikairyutāḥ| vyañjanārthaṃ praśasyante bhojyārthaṃ raktaśālayaḥ
Fleischbrühen (rasa) von leicht verdaulichem Fleisch, mit stuhlfestigenden Mitteln versetzt, werden als Beilage (vyañjana) empfohlen, als Hauptspeise dagegen roter Reis (raktaśāli).
sthirādipañcamūlena pāne śastaṃ śṛtaṃ jalam| takraṃ surā sacukrīkā dāḍimasyāthavā rasaḥ
Als Getränk wird mit der Sthirā-Wurzelgruppe (sthirādi-pañcamūla) gekochtes Wasser empfohlen, ferner Buttermilch (takra), Reiswein (surā) mit Cukrikā oder Granatapfelsaft.
ityuktaṃ bhinnaśakṛtāṃ dīpanaṃ grāhi bheṣajam paraṃ mukhasya vairasyanāśanaṃ rocanaṃ śṛṇu [3]
So wurde das appetitanregende (dīpana) und stuhlfestigende (grāhi) Heilmittel für Patienten mit Durchfall beschrieben; höre nun das vorzügliche Mittel, das den schlechten Geschmack im Mund beseitigt und den Appetit anregt (rocana).
dvau kālau dantapavanaṃ bhakṣayenmukhadhāvanam| tadvat prakṣālayedāsyaṃ dhārayet kavalagrahān
Zweimal täglich kaue man ein Zahnreinigungsstäbchen (dantapavana) und benutze ein Mundspülmittel (mukhadhāvana); ebenso spüle man den Mund aus und halte Mundwässer (kavalagraha) im Mund.
pibeddhūmaṃ tato mṛṣṭamadyāddīpanapācanam| bheṣajaṃ pānamannaṃ ca hitamiṣṭopakalpitam
Danach inhaliere man medizinischen Rauch (dhūma), nehme reine, wohlschmeckende Speise zu sich und gebrauche appetit- und verdauungsanregende Mittel, Getränke und Speisen, die zuträglich und angenehm zubereitet sind.
tvaṅmustamelā dhānyāni mustamāmalakaṃ tvacam| dārvītvaco yavānī ca tejohvā pippalī tathā
Rinde des Zimtbaums (tvac), Mustā, Kardamom (elā) und Koriandersamen; ferner Mustā, Āmalakī und Zimtrinde; ferner Dārvī-Rinde und Ajowan (yavānī); ferner Nelken (tejohvā) und langer Pfeffer (pippalī) —
yavānī tintiḍīkaṃ ca pañcaite mukhadhāvanāḥ| ślokapādeṣvabhihitā rocanā mukhaśodhanāḥ
— sowie Ajowan mit Tamarinde (tintiḍīka): diese fünf [Zubereitungen], wie in den Versvierteln genannt, dienen als Mundspülungen (mukhadhāvana), die den Appetit anregen (rocana) und den Mund reinigen (mukhaśodhana).
guṭikāṃ dhārayedāsye cūrṇairvā śodhayenmukham| eṣāmāloḍitānāṃ vā dhārayet kavalagrahān
Man halte eine daraus geformte Pille (guṭikā) im Mund oder reinige den Mund mit den Pulvern (cūrṇa) dieser Mittel, oder halte diese, in Flüssigkeit angerührt, als Mundwasser (kavalagraha) im Mund.
surāmādhvīkasīdhūnāṃ tailasya madhusarpiṣoḥ| kavalān dhārayediṣṭān kṣīrasyekṣurasasya ca
Nach Belieben halte man als Mundwasser (kavala) Reiswein, Mādhvīka und Sīdhu [Gärgetränke], ferner Öl, Honig und geklärte Butter, sowie Milch und Zuckerrohrsaft im Mund.
yavānīṃ tintiḍīkaṃ ca nāgaraṃ sāmlavetasam| dāḍimaṃ badaraṃ cāmlaṃ kārṣikaṃ copakalpayet
Man nehme Ajowan und Tamarinde, getrockneten Ingwer (nāgara) zusammen mit Amlavetasa, Granatapfel und saure Brustbeere (badara), je einen Karṣa [an Maß],
dhānyasauvarcalājājīvarāṅgaṃ cārdhakārṣikam| pippalīnāṃ śataṃ caikaṃ dve śate maricasya ca
ferner Koriandersamen, Sauvarcala-Salz, Kreuzkümmel (ājājī) und Varāṅga, je einen halben Karṣa, sowie hundert Früchte langen Pfeffers (pippalī) und zweihundert Körner schwarzen Pfeffers (marica),
śarkarāyāśca catvāri palānyekatra cūrṇayet| jihvāviśodhanaṃ hṛdyaṃ taccūrṇaṃ bhaktarocanam
und vier Pala Zucker – all dies werde zusammen zu Pulver zermahlen; dieses Pulver reinigt die Zunge, ist herzstärkend (hṛdya) und regt den Appetit auf Speise an (bhaktarocana).
hṛtplīhapārśvaśūlaghnaṃ vibandhānāhanāśanam| kāsaśvāsaharaṃ grāhi grahaṇyarśovikāranut
Es beseitigt Schmerzen in Herz, Milz und Flanke, löst Verstopfung (vibandha) und Blähungen (ānāha), lindert Husten und Atemnot (kāsa-śvāsa), wirkt stuhlfestigend (grāhi), heilt Störungen der Verdauungskraft (grahaṇī) und Hämorrhoiden (arśas).
tālīśapatraṃ maricaṃ nāgaraṃ pippalī śubhā| yathottaraṃ bhāgavṛddhyā tvagele cārdhabhāgike
Tālīśa-Blatt, schwarzer Pfeffer, getrockneter Ingwer und feiner langer Pfeffer werden in jeweils steigender Menge genommen, Zimtrinde und Kardamom dagegen nur zur Hälfte davon;
pippalyaṣṭaguṇā cātra pradeyā sitaśarkarā| kāsaśvāsāruciharaṃ taccūrṇaṃ dīpanaṃ param
weißer Zucker soll dabei in achtfacher Menge des langen Pfeffers zugegeben werden; dieses Pulver beseitigt Husten, Atemnot und Appetitlosigkeit und ist ein vorzüglicher Verdauungsanreger (dīpana).
hṛtpāṇḍugrahaṇīdoṣaśoṣaplīhajvarāpaham| vamyatīsāraśūlaghnaṃ mūḍhavātānulomanam
Es beseitigt Herzleiden, Blutarmut (pāṇḍu), Störungen der Verdauungskraft (grahaṇī), Auszehrung (śoṣa), Milzleiden und Fieber, beendet Erbrechen, Durchfall und Schmerzen und lenkt gestauten Wind (vāta) nach unten (anulomana).
kalpayedguṭikāṃ caitaccūrṇaṃ paktvā sitopalām| guṭikā hyagnisaṃyogāccūrṇāllaghutarāḥ smṛtāḥ
Dieses Pulver soll, mit gekochtem Kandiszucker (sitopalā) vermengt, zu Pillen (guṭikā) geformt werden; denn Pillen gelten durch die Feuereinwirkung [bei ihrer Herstellung] als leichter verdaulich als bloßes Pulver.
śuṣyatāṃ kṣīṇamāṃsānāṃ kalpitāni vidhānavit| dadyānmāṃsādamāṃsāni bṛṃhaṇāni viśeṣataḥ
Für abgemagerte Patienten mit schwindendem Fleisch soll der kundige Arzt insbesondere das Fleisch fleischfressender Tiere (māṃsāda) als kräftigendes (bṛṃhaṇa) Nahrungsmittel verordnen.
śoṣiṇe bārhiṇaṃ dadyādbarhiśabdena cāparān| gṛdhrānulūkāṃścāṣāṃśca vidhivat sūpakalpitān
Dem an Auszehrung Leidenden gebe man Pfauenfleisch (bārhiṇa); unter der Bezeichnung „barhi“ [Pfau] versteht man dabei auch andere [ähnliche Vögel] wie Geier, Eulen und Blauhäher, vorschriftsmäßig als Suppe zubereitet.
kākāṃstittiriśabdena varmiśabdena coragān| bhṛṣṭān matsyāntraśabdena dadyādgaṇḍūpadānapi
Unter der Bezeichnung „tittiri“ [Rebhuhn] können auch Krähen eingeschlossen sein, unter „varmī“ [der Gepanzerte] Schlangen, und unter „matsyāntra“ [Fischeingeweide] darf man geröstete Regenwürmer (gaṇḍūpada) geben.
lopākān sthūlanakulān biḍālāṃścopakalpitān| śṛgālaśāvāṃśca bhiṣak śaśaśabdena dāpayet
Unter der Bezeichnung „śaśa“ [Hase] soll der Arzt Schakale, fette Mungos, Katzen und junge Schakale zubereiten und verabreichen lassen.
siṃhānṛkṣāṃstarakṣūṃśca vyāghrānevaṃvidhāṃstathā| māṃsādān mṛgaśabdena dadyānmāṃsābhivṛddhaye
Ebenso gibt man unter der Bezeichnung „mṛga“ [Wildtier] das Fleisch von Löwen, Bären, Hyänen (tarakṣu), Tigern und ähnlichen fleischfressenden Tieren (māṃsāda), um den Fleischaufbau zu fördern.
gajakhaḍgituraṅgāṇāṃ veśavārīkṛtaṃ bhiṣak| dadyānmahiṣaśabdena māṃsaṃ māṃsābhivṛddhaye
Unter der Bezeichnung „mahiṣa“ [Büffel] soll der Arzt das zu einer gewürzten Hackspeise (veśavāra) verarbeitete Fleisch von Elefant, Nashorn (khaḍgin) und Pferd geben, um den Fleischaufbau zu fördern.
māṃsenopacitāṅgānāṃ māṃsaṃ māṃsakaraṃ param| tīkṣṇoṣṇalāghavācchastaṃ viśeṣānmṛgapakṣiṇām
Das Fleisch von Tieren, deren Glieder durch Fleischnahrung kräftig geworden sind, ist ein besonders wirksamer Fleischbildner (māṃsakara); wegen seiner scharfen, heißen und leichten Eigenschaften wird vor allem das Fleisch von Wildtieren und Vögeln empfohlen.
māṃsāni yānyanabhyāsādaniṣṭāni prayojayet| teṣūpadhā, sukhaṃ bhoktuṃ tathā śakyāni tāni hi
Fleischsorten, die dem Patienten aus Ungewohnheit unangenehm sind, soll man mit einer List (upadhā) darreichen, damit er sie ohne Widerwillen essen kann.
jānañjugupsannaivādyājjagdhaṃ vā punarullikhet| tasmācchadmopasiddhāni māṃsānyetāni dāpayet
Wer erkennt, was es ist, empfindet Abscheu und würde entweder gar nicht essen oder das Gegessene wieder erbrechen; deshalb soll man solches Fleisch verdeckt, unter einem Vorwand (chadman), verabreichen lassen.
barhitittiridakṣāṇāṃ haṃsānāṃ śūkaroṣṭrayoḥ| kharagomahiṣāṇāṃ ca māṃsaṃ māṃsakaraṃ param
Das Fleisch von Pfau, Rebhuhn, Hahn und Gans, von Schwein und Kamel sowie von Esel, Rind und Büffel ist ein besonders wirksamer Fleischbildner.
yoniraṣṭavidhā coktā māṃsānāmannapānike| tāṃ parīkṣya bhiṣagvidvān dadyānmāṃsāni śoṣiṇe
Achtfach ist die Einteilung (yoni) der Fleischsorten im Abschnitt über Speise und Trank (annapānika) genannt worden; diese soll der gelehrte Arzt prüfen und danach dem Patienten mit Auszehrung geeignetes Fleisch geben.
prasahā bhūśayānūpavārijā vāricāriṇaḥ| āhārārthaṃ pradātavyā mātrayā vātaśoṣiṇe
Tiere der Klassen prasaha (Raubtiere), bhūśaya (Höhlenbewohner), ānūpa (Sumpfland) und vārija (Wassertiere) sollen dem an windbedingter Auszehrung (vātaśoṣa) Leidenden in angemessener Menge als Nahrung gegeben werden.
pratudā viṣkirāścaiva dhanvajāśca mṛgadvijāḥ| kaphapittaparītānāṃ prayojyāḥ śoṣarogiṇām
Tiere der Klassen pratuda (Hackende), viṣkira (Scharrvögel), dhanvaja (in trockenem Land geboren) und andere Wildtiere und -vögel sollen bei Auszehrungspatienten eingesetzt werden, deren Leiden von Kapha und Pitta bestimmt ist.
vidhivatsūpasiddhāni manojñāni mṛdūni ca| rasavanti sugandhīni māṃsānyetāni bhakṣayet
Dieses Fleisch soll vorschriftsmäßig als Suppe gekocht, angenehm, weich, wohlschmeckend (rasavat) und wohlriechend gegessen werden.
māṃsamevāśnataḥ śoṣo mādhvīkaṃ pibato'pi ca| niyatānalpacittasya ciraṃ kāye na tiṣṭhati
Bei dem, der ausschließlich Fleisch isst und dazu Mādhvīka-Wein trinkt, dabei diszipliniert lebt und frei von Unruhe des Geistes ist, hält sich die Auszehrung (śoṣa) nicht lange im Körper.
vāruṇīmaṇḍanityasya bahirmārjanasevinaḥ| avidhāritavegasya yakṣmā na labhate'ntaram
Bei dem, der gewohnheitsmäßig den klaren Überstand des Vāruṇī-Weins (vāruṇīmaṇḍa) trinkt, äußere Reinigung und Einreibung (bahirmārjana) pflegt und natürliche Körperbedürfnisse nicht unterdrückt, findet die Schwindsucht (yakṣmā) keinen Angriffspunkt.
prasannāṃ vāruṇīṃ sīdhumariṣṭānāsavānmadhu| yathārhamanupānārthaṃ pibenmāṃsāni bhakṣayan
Klaren Vāruṇī-Wein, Sīdhu, Ariṣṭa und Āsava [gegorene Getränke] oder Honigwein soll man je nach Eignung als Begleitgetränk (anupāna) trinken, während man Fleisch isst.
madyaṃ taikṣṇyauṣṇyavaiśadyasūkṣmatvāt srotasāṃ mukham| pramathya vivṛṇotyāśu tanmokṣāt sapta dhātavaḥ
Der Wein (madya) durchdringt und öffnet durch seine scharfen, heißen, klärenden (vaiśadya) und feinstofflichen (sūkṣma) Eigenschaften rasch die Mündungen der Körperkanäle (srotas); durch deren Öffnung
puṣyanti dhātupoṣācca śīghraṃ śoṣaḥ praśāmyati| māṃsādamāṃsasvarase siddhaṃ sarpiḥ prayojayet
werden die sieben Körpergewebe (dhātu) genährt, und durch diese Nährung der Gewebe wird die Auszehrung rasch besänftigt. [Ferner] soll geklärte Butter verwendet werden, die in der Fleischbrühe fleischfressender Tiere (māṃsāda) gekocht wurde,
sakṣaudraṃ, payasā siddhaṃ sarpirdaśaguṇena vā| siddhaṃ madhurakairdravyairdaśamūlakaṣāyakaiḥ
mit Honig versetzt, oder geklärte Butter, die mit der zehnfachen Menge Milch gekocht wurde, oder mit süßen Substanzen (madhura dravya) sowie mit einem Sud der Daśamūla-Wurzelgruppe gekocht wurde,
kṣīramāṃsarasopetairghṛtaṃ śoṣaharaṃ param| pippalīpippalīmūlacavyacitrakanāgaraiḥ
mit Milch und Fleischbrühe versetztes geklärtes Butterfett ist ein vorzügliches Mittel gegen Auszehrung. [Ferner Ghee, gekocht] mit langem Pfeffer, Pippalī-Wurzel, Cavya, Citraka und getrocknetem Ingwer,
sayāvaśūkaiḥ sakṣīraiḥ srotasāṃ śodhanaṃ ghṛtam| rāsnābalāgokṣurakasthirāvarṣābhusādhitam
mit Yāvaśūka und Milch: dieses Ghee reinigt die Körperkanäle (srotas). [Ferner Ghee], zubereitet mit Rāsnā, Balā, Gokṣura, Śālaparṇī (sthirā) und Punarnavā (varṣābhū),
jīvantīpippalīgarbhaṃ sakṣīraṃ śoṣanudghṛtam| yavāgvā vā pibenmātrāṃ lihyādvā madhunā saha
mit dem Mark von Jīvantī und langem Pfeffer, zusammen mit Milch: dieses Ghee beseitigt die Auszehrung. Man trinke davon eine angemessene Menge mit Reisschleim (yavāgū) oder lecke es zusammen mit Honig.
siddhānāṃ sarpiṣāmeṣāmadyādannena vā saha| śuṣyatāmeṣa nirdiṣṭo vidhirābhyavahārikaḥ
Diese zubereiteten Ghee-Sorten soll man auch zusammen mit Speise einnehmen. Dies ist die vorgeschriebene Regelung der oralen Einnahme (ābhyavahārika vidhi) für Patienten mit Auszehrung.
bahiḥsparśanamāśritya vakṣyate'taḥ paraṃ vidhiḥ| snehakṣīrāmbukoṣṭheṣu svabhyaktamavagāhayet
Nun wird im Folgenden die Behandlung erläutert, die sich auf die äußere Anwendung (bahiḥsparśana) bezieht: Man lasse den Patienten, nachdem er sich selbst eingeölt hat, in Wannen (koṣṭha) mit Öl, Milch oder Wasser baden.
srotovibandhamokṣārthaṃ balapuṣṭyarthameva ca| uttīrṇaṃ miśrakaiḥsnehaiḥ punarāktaiḥ sukhaiḥ karaiḥ
Um die Verstopfung der Körperkanäle (srotovibandha) zu lösen sowie um Kraft und Nährung zu fördern, soll man ihn, wenn er [aus dem Bad] heraussteigt, erneut mit gemischten, wohltemperierten Ölen einölen lassen, angenehm aufgetragen von geschickten Händen.
mṛdnīyāt sukhamāsīnaṃ sukhaṃ cotsādayennaram| jīvantīṃ śatavīryāṃ ca vikasāṃ sapunarnavām
Man knete ihn sanft, während er bequem sitzt, und trage ihm angenehm eine Kräuterpaste (utsādana) auf. [Man bereite eine Paste aus] Jīvantī, Śatavīryā, Vikasā und Punarnavā,
aśvagandhāmapāmārgaṃ tarkārīṃ madhukaṃ balām| vidārīṃ sarṣapaṃ kuṣṭhaṃ taṇḍulānatasīphalam
Aśvagandhā, Apāmārga, Tarkārī, Süßholz (madhuka) und Balā, ferner Vidārī, Senfsamen (sarṣapa), Kuṣṭha, Reiskörner und Leinsamen (atasī),
māṣāṃstilāṃśca kiṇvaṃ ca sarvamekatra cūrṇayet| yavacūrṇatriguṇitaṃ dadhnā yuktaṃ samākṣikam
schwarze Bohnen (māṣa), Sesam (tila) und Gärhefe (kiṇva) – all dies werde zusammen zu Pulver vermahlen, mit der dreifachen Menge Gerstenmehl vermengt und mit Dickmilch (dadhi) sowie Honig versetzt.
etadutsādanaṃ kāryaṃ puṣṭivarṇabalapradam| gaurasarṣapakalkena kalkaiścāpi sugandhibhiḥ
Diese Einreibungspaste (utsādana) soll angewendet werden; sie verleiht Nährung, Hautfarbe und Kraft. [Man kann sie auch] mit einer Paste aus weißem Senf oder mit anderen wohlriechenden Pasten [zubereiten].
snāyādṛtusukhaistoyairjīvanīyauṣadhaiḥ śṛtaiḥ gandhaiḥ samālyairvāsobhirbhūṣaṇaiśca vibhūṣitaḥ
Man bade mit Wasser, das der Jahreszeit entsprechend angenehm temperiert und mit lebensfördernden (jīvanīya) Kräutern gekocht ist; geschmückt mit Wohlgerüchen, Kränzen, Kleidung und Schmuck gleichermaßen —
spṛśyān saṃspṛśya sampūjya devatāḥ sabhiṣagdvijāḥ| iṣṭavarṇarasasparśagandhavat pānabhojanam
— soll er reine Personen berühren und, nachdem er die Götter zusammen mit Ärzten und Brahmanen ehrfürchtig verehrt hat, Speise und Trank zu sich nehmen, die angenehme Farbe, Geschmack, Beschaffenheit und Duft besitzen.
iṣṭamiṣṭairupahitaṃ sukhamadyāt [1] sukhapradam| samātītāni dhānyāni kalpanīyāni śuṣyatām
Er esse Angenehmes, begleitet von angenehmen Dingen, bequem und wohltuend. Für den Auszehrungspatienten sollen der Jahreszeit entsprechende, nicht überlagerte Getreidesorten zubereitet werden.
laghūnyahīnavīryāṇi svādūni gandhavanti ca| yāni praharṣakārīṇi tāni pathyatamāni hi
Speisen, die leicht [verdaulich], nicht kraftlos, wohlschmeckend und wohlriechend sind und die Freude bereiten – diese sind wahrhaft am zuträglichsten (pathyatama).
yaccopadekṣyate pathyaṃ [2] kṣatakṣīṇacikitsite| yakṣmiṇastat prayoktavyaṃ balamāṃsābhivṛddhaye
Und was an zuträglicher Behandlung im Kapitel über die Behandlung von Kṣata-Kṣīṇa (Verletzungs- und Erschöpfungsauszehrung) noch dargelegt werden wird, das soll auch beim Schwindsuchtpatienten (yakṣmin) angewandt werden, um Kraft und Fleisch zu mehren.
abhyaṅgotsādanaiścaiva vāsobhirahataiḥ priyaiḥ| yathartuvihitaiḥ snānairavagāhairvimārjanaiḥ
Durch Ölmassage (abhyaṅga) und Einreibungspaste (utsādana), durch frische, angenehme Gewänder, durch der Jahreszeit entsprechend vorgeschriebene Bäder, Tauchbäder und Reinigungen (vimārjana),
bastibhiḥ kṣīrasarpirbhirmāṃsairmāṃsarasaudanaiḥ| iṣṭairmadyairmanojñānāṃ gandhānāmupasevanaiḥ
durch Klistiere (basti), durch Milch und geklärte Butter, durch Fleisch und Fleischbrühe mit Reis, durch gewünschte Weine, durch den Genuss angenehmer Wohlgerüche,
suhṛdāṃ ramaṇīyānāṃ pramadānāṃ ca darśanaiḥ| gītavāditraśabdaiśca priyaśrutibhireva ca
durch den Anblick lieber Freunde und bezaubernder Frauen, durch die Klänge von Gesang und Musikinstrumenten sowie durch angenehm zu Hörendes,
harṣaṇāśvāsanairnityaṃ gurūṇāṃ samupāsanaiḥ| brahmacaryeṇa dānena tapasā devatārcanaiḥ
durch beständige Freude und Ermutigung, durch das Aufwarten bei Lehrern und Älteren (guru), durch Enthaltsamkeit (brahmacarya), durch Spenden (dāna), durch Askese (tapas), durch Götterverehrung,
satyenācārayogena maṅgalyairapyahiṃsayā| vaidyaviprārcanāccaiva rogarājo nivartate
durch Wahrhaftigkeit, durch rechtschaffenes Verhalten, durch heilbringende Handlungen sowie durch Gewaltlosigkeit (ahiṃsā), durch die Verehrung von Ärzten und Brahmanen – durch all dies wird der König der Krankheiten (rogarāja, d.h. rājayakṣmā) zurückgedrängt.
yayā prayuktayā ceṣṭyā rājayakṣmā purā jitaḥ| tāṃ vedavihitāmiṣṭimārogyārthī prayojayet
Jenes vom Veda vorgeschriebene Opfer (iṣṭi), durch dessen Vollzug die Schwindsucht (rājayakṣmā) einst [beim Mondgott] besiegt wurde, soll derjenige vollziehen, der Gesundheit erlangen will.
prāgutpattirnimittāni prāgrūpaṃ rūpasaṅgrahaḥ| samāsād vyāsataścoktaṃ bheṣajaṃ rājayakṣmaṇaḥ
So wurden Entstehung, Ursachen, Vorzeichen (prāgrūpa), die Zusammenstellung der Symptome (rūpasaṅgraha) und die Behandlung der Schwindsucht (rājayakṣmā) sowohl in Kürze (samāsa) als auch ausführlich (vyāsa) dargelegt.
nāmaheturasādhyatvaṃ sādhyatvaṃ kṛcchrasādhyatā| ityuktaḥ saṅgrahaḥ kṛtsno rājayakṣmacikitsite
Namen, Ursache, Unheilbarkeit, Heilbarkeit und schwere Heilbarkeit (kṛcchrasādhyatā) [der Schwindsucht] – damit ist die vollständige Zusammenfassung im Kapitel über die Behandlung der Schwindsucht (rājayakṣma-cikitsā) dargelegt.