athāto raktapittacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Behandlung des Raktapitta (der Blutungserkrankung, bei der erregtes Pitta mit dem Blut vermischt ist) darlegen.
Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das vierte Kapitel behandelt Raktapitta, eine durch erregtes Pitta verursachte Blutungserkrankung, deren Sitz in Milz und Leber verortet wird und die sich entweder nach oben – durch die sieben Kopföffnungen – oder nach unten ausbreiten kann, wobei ersteres als eher heilbar, letzteres als schwerer gilt. Bemerkenswert ist die präzise Differenzierung nach den drei Doṣas anhand von Farbe und Konsistenz des austretenden Blutes sowie die klare Warnung vor unheilbaren Verlaufsformen, etwa wenn Blut aus allen Körperöffnungen zugleich hervortritt. Therapeutisch kombiniert das Kapitel innere Reinigungsverfahren – milde Abführmittel wie Trivṛt und Harītakī, Brechmittel mit Madana – mit einer auffälligen Fülle kühlender äußerer Anwendungen: Sandelholz- und Lotusauflagen, Bäder in kühlen Pavillons, sogar beruhigende Erzählungen von Flüssen und Mondaufgängen sollen das „brennende“ Blut besänftigen. Diese ausgeprägte Kühl-Ästhetik macht das Kapitel zu einem anschaulichen Beispiel dafür, wie die Caraka-Saṃhitā Pharmakologie, Diätetik und psychologisch-atmosphärische Umgebungsgestaltung als gleichrangige Heilmittel begreift.
| Kategorie | Empfohlene Nahrungsmittel |
|---|---|
| Getreide | Śāli-Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Nīvāra, Koradūṣa, Praśātika sowie Śyāmāka- und Priyaṅgu-Hirse |
| Hülsenfrüchte | Mungbohnen, Linsen, Kichererbsen, Kuṣṭha-Bohnen, Adhakī-Hülsenfrüchte |
| Gemüse | Paṭola, Nimba, junge Rohr-Triebe, Plakṣa, Vetasa, Kirātatikta-Kraut, Gaṇḍīra, Kaṭhillaka; Blüten von Kovidāra, Kāśmarya und Śālmali |
| Fleisch/Wild | Ringeltauben und andere Tauben, Wachteln, Hasen, Frankoline, Antilopen, Hirsche, Kālapucchaka-Wild |
athāto raktapittacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Behandlung des Raktapitta (der Blutungserkrankung, bei der erregtes Pitta mit dem Blut vermischt ist) darlegen.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach einst der erhabene Ātreya.
viharantaṃ jitātmānaṃ pañcagaṅge punarvasum| praṇamyovāca nirmohamagniveśo'gnivarcasam
Agniveśa verneigte sich ehrfürchtig vor dem selbstbeherrschten, von Verblendung freien Punarvasu (Ātreya), der sich am Ort Pañcagaṅga aufhielt, und wandte sich, selbst von feurigem Glanz erfüllt, mit folgenden Worten an ihn.
bhagavan raktapittasya heturuktaḥ salakṣaṇaḥ| vaktavyaṃ yat paraṃ tasya vaktumarhasi tadguro
Erhabener, die Ursache (hetu) des Raktapitta samt seinen Kennzeichen (lakṣaṇa) wurde bereits genannt; was darüber hinaus noch zu sagen ist, das mögest du, o Lehrer, nun erklären.
mahāgadaṃ mahāvegamagnivacchīghrakāri ca| hetulakṣaṇavicchīghraṃ raktapittamupācaret
Raktapitta ist eine schwere Krankheit (mahāgada) von großer Wucht (mahāvega), die wie Feuer rasch wirkt; wer Ursache und Kennzeichen kennt, soll es daher rasch behandeln.
tasyoṣṇaṃ tīkṣṇamamlaṃ ca kaṭūni lavaṇāni ca| gharmaścānnavidāhaśca hetuḥ pūrvaṃ nidarśitaḥ
Als dessen Ursache wurden zuvor genannt: heiße, scharfe, saure, scharf-würzige und salzige Speisen, ferner übermäßige Hitze (gharma) sowie ein die Speisen verbrennendes, gestörtes Verdauungsfeuer (annavidāha).
tairhetubhiḥ samutkliṣṭaṃ pittaṃ raktaṃ prapadyate| tadyonitvāt prapannaṃ ca vardhatetat pradūṣayat
Durch diese Ursachen erregt (samutkliṣṭa), geht das Pitta in das Blut über, da dieses sein Ursprungsort (yoni) ist; und einmal dort eingedrungen, verdirbt es das Blut und wächst dabei weiter an.
tasyoṣmaṇā dravo dhāturdhātordhātoḥ prasicyate| svidyatastena saṃvṛddhiṃ bhūyastadadhigacchati
Durch dessen Hitze wird das verflüssigte Körpergewebe (dhātu) von einem Gewebe ins andere übergeführt, und indem es dabei gleichsam ausschwitzt, nimmt es immer mehr an Fülle zu.
saṃyogāddūṣaṇāttattu sāmānyādgandhavarṇayoḥ| raktasya pittamākhyātaṃ raktapittaṃ manīṣibhiḥ
Wegen der Verbindung (saṃyoga), der Verunreinigung (dūṣaṇa) und der Übereinstimmung von Geruch (gandha) und Farbe (varṇa) zwischen Blut und Pitta nennen die Weisen dieses in das Blut übergegangene Pitta 'Raktapitta'.
plīhānaṃ ca yakṛccaiva tadadhiṣṭhāya vartate| srotāṃsi raktavāhīni tanmūlāni hi dehinām
Es hat seinen Sitz in Milz (plīhan) und Leber (yakṛt), denn diese sind bei den verkörperten Wesen die Wurzel der blutführenden Kanäle (raktavāhī srotas).
sāndraṃ sapāṇḍu sasnehaṃ picchilaṃ ca kaphānvitam| śyāvāruṇaṃ saphenaṃ ca tanu rūkṣaṃ ca vātikam
Das mit Kapha verbundene Raktapitta ist dickflüssig, blass, ölig und schleimig; das mit Vāta verbundene ist bräunlich-rötlich, schaumig, dünnflüssig und trocken-rau.
raktapittaṃ kaṣāyābhaṃ kṛṣṇaṃ gomūtrasannibham| mecakāgāradhūmābhamañjanābhaṃ ca paittikam
Das durch Pitta bedingte Raktapitta erscheint kastanienfarben, schwarz, dem Kuhurin ähnlich, dunkelblau, wie Rauch vom Hausfeuer oder wie schwarze Augenschminke (añjana).
saṃsṛṣṭaliṅgaṃ saṃsargāttriliṅgaṃ sānnipātikam ekadoṣānugaṃ sādhyaṃ dvidoṣaṃ yāpyamucyate
Bei Vermischung zweier Doṣas zeigen sich gemischte Krankheitszeichen, bei Beteiligung aller drei Doṣas (sannipātika) treten alle drei Zeichen zugleich auf; ist nur ein Doṣa beteiligt, gilt das Raktapitta als heilbar (sādhya), sind zwei beteiligt, gilt es als beherrschbar (yāpya).
yattridoṣamasādhyaṃ tanmandāgnerativegavat|vyādhibhiḥ kṣīṇadehasya vṛddhasyānaśnataśca yat
Was von allen drei Doṣas herrührt, gilt als unheilbar (asādhya); ebenso das mit sehr großer Heftigkeit auftretende bei schwachem Verdauungsfeuer (mandāgni), das bei einem durch andere Krankheiten geschwächten Körper, bei einem Greis oder bei einem Fastenden auftritt.
gatirūrdhvamadhaścaiva raktapittasya darśitā| ūrdhvā saptavidhadvārā dvidvārā tvadharā gatiḥ
Es wurde gezeigt, dass sich Raktapitta nach oben (ūrdhva) und nach unten (adhas) ausbreiten kann; der obere Weg hat sieben Austrittsöffnungen, der untere zwei.
sapta cchidrāṇi śirasi dve cādhaḥ,sādhyamūrdhvagam| yāpyaṃ tvadhogaṃ, mārgau tu sādhyaṃ prapadyate
Die sieben Öffnungen liegen am Kopf, die zwei unten am Körper; das nach oben austretende Raktapitta ist heilbar, das nach unten austretende ist nur beherrschbar (yāpya); tritt es jedoch auf beiden Wegen zugleich auf, so gilt es dennoch als heilbar.
yadā tu sarvacchidrebhyo romakūpebhya eva tāmasaṅkhyeyāṃ gatiṃ tasyāhurāntikīm
Bricht es hingegen aus sämtlichen Körperöffnungen und sogar aus den Haarwurzeln (romakūpa) in unzählbarer Menge zugleich hervor, so nennt man diesen Verlauf 'todesnah' (āntikī), da er den nahenden Tod ankündigt.
yaccobhayābhyāṃ mārgābhyāmatimātraṃ pravartate| tulyaṃ kuṇapagandhena raktaṃ kṛṣṇamatīva ca
Ebenso todbringend ist es, wenn es auf beiden Wegen im Übermaß hervortritt und das austretende Blut dabei wie ein Leichnam riecht und äußerst schwarz gefärbt ist.
saṃsṛṣṭaṃ kaphavātābhyāṃ kaṇṭhe sajjati cāpi yat| yaccāpyupadravaiḥ sarvairyathoktaiḥ samabhidrutam
Ebenso ungünstig ist es, wenn das mit Kapha und Vāta vermischte Blut im Hals stecken bleibt, sowie wenn das Leiden von allen zuvor genannten Begleitkomplikationen (upadrava) zugleich befallen ist.
hāridranīlaharitatāmrairvarṇairupadrutam| kṣīṇasya kāsamānasya yacca na sidhyati
Ebenso ungünstig ist es, wenn Verfärbungen in Gelb, Blau, Grün oder Kupferrot hinzutreten, sowie wenn es bei einem bereits geschwächten, hustenden Kranken auf keine Behandlung anspricht.
yadvidoṣānugaṃ yadvā śāntaṃ śāntaṃ prakupyati| mārgānmārgaṃ caredyadvā yāpyaṃ pittamasṛk catat
Was von zwei Doṣas begleitet ist, was immer wieder von neuem aufflammt, obwohl es zuvor beruhigt schien, oder was von einem Austrittsweg zum anderen wechselt – dieses Pitta-Blut (pittāsṛj) gilt als [nur] beherrschbar (yāpya).
ekamārgaṃ balavato nātivegaṃ navotthitam| raktapittaṃ kāle sādhyaṃ syānnirupadravam
Raktapitta, das nur auf einem Weg auftritt, bei einem kräftigen Menschen, ohne übermäßige Heftigkeit, frisch entstanden, zur rechten Zeit behandelt und frei von Begleitkomplikationen, ist heilbar (sādhya).
snigdhoṣṇamuṣṇarūkṣaṃ ca raktapittasya kāraṇam| adhogasyottaraṃ prāyaḥ, pūrvaṃ syādūrdhvagasya tu
Öliges und Heißes sowie Heißes und Trockenes sind die Ursachen des Raktapitta; dem nach unten austretenden liegt meist die zweitgenannte, heiß-trockene Ursache zugrunde, dem nach oben austretenden hingegen meist die erstgenannte, öligheiße.
ūrdhvagaṃ kaphasaṃsṛṣṭamadhogaṃ mārutānugam| dvimārgaṃ kaphavātābhyāmubhābhyāmanubadhyate
Das nach oben austretende Raktapitta ist mit Kapha vermischt, das nach unten austretende von Vāta begleitet; das auf beiden Wegen zugleich auftretende wird von beiden, Kapha und Vāta, begleitet.
akṣīṇabalamāṃsasya raktapittaṃ yadaśnataḥ| taddoṣaduṣṭamutkliṣṭaṃ nādau stambhanamarhati
Tritt Raktapitta bei einem Menschen auf, dessen Kraft (bala) und Muskelfleisch (māṃsa) nicht geschwächt sind und der [noch mit gutem Appetit] isst, so beruht dies auf reichlich erregtem, verdorbenem Doṣa und verdient zu Beginn keine stopfende (stambhana) Behandlung.
galagrahaṃ pūtinasyaṃ mūrcchāyamaruciṃ jvaram| gulmaṃ plīhānamānāhaṃ kilāsaṃkṛcchramūtratām
Wird es dennoch von Anfang an vorschnell gestopft, so kann es Verschluss und Krampf im Hals (galagraha), übelriechenden Nasenausfluss, Ohnmacht, Appetitlosigkeit, Fieber, Bauchgeschwulst (gulma), Milzleiden, Blähungen mit Verstopfung, weiße Hautflecken (kilāsa) und erschwertes, schmerzhaftes Wasserlassen hervorrufen,
kuṣṭhānyarśāṃsi vīsarpaṃ varṇanāśaṃ bhagandaram| buddhīndriyoparodhaṃ ca kuryāt stambhitamāditaḥ
ebenso Hautkrankheiten (kuṣṭha), Hämorrhoiden, eine sich ausbreitende Entzündung (visarpa), Verlust der Hautfarbe, Analfisteln (bhagandara) sowie eine Beeinträchtigung von Verstand und Sinnesorganen – all dies kann das von Anfang an gestopfte Raktapitta bewirken.
tasmādupekṣyaṃ balino baladoṣavicāriṇā | raktapittaṃ prathamatapravṛddhaṃsiddhimicchatā
Deshalb soll der nach Heilerfolg strebende Arzt, der Kraft und Doṣa des Kranken sorgfältig abwägt, das zu Beginn stark hervorgetretene Raktapitta bei einem kräftigen Menschen zunächst unbeachtet lassen, das heißt nicht sogleich stopfen.
prāyeṇa hi samutkliṣṭamāmadoṣāccharīriṇām| vṛddhiṃ prayātipittāsṛktasmāttallaṅghyamāditaḥ
Denn meist entsteht das erregte Pitta-Blut (pittāsṛj) bei den Menschen durch unverdauten Speisebrei (āma) und nimmt dadurch weiter zu; deshalb soll man es zu Beginn durch eine entlastende Fastentherapie (laṅghana) behandeln.
mārgau doṣānubandhaṃ ca nidānaṃ prasamīkṣya ca| laṅghanaṃ raktapittādau tarpaṇaṃ vā prayojayet
Nachdem man die beiden Austrittswege, die Beteiligung der Doṣas und die Ursache sorgfältig geprüft hat, soll man zu Beginn des Raktapitta entweder eine entlastende Therapie (laṅghana) oder eine stärkende, sättigende Therapie (tarpaṇa) anwenden.
hrīberacandanośīramustaparpaṭakaiḥ śṛtam| kevalaṃ śṛtaśītaṃ vā dadyāttoyaṃ pipāsave
Dem durstigen Kranken gebe man Wasser, das mit Hrībera, rotem Sandelholz (candana), Ūśīra, Mustā und Parpaṭaka gekocht und danach abgekühlt wurde, oder auch einfach nur abgekochtes und abgekühltes Wasser.
ūrdhvage tarpaṇaṃ pūrvaṃ peyāṃ pūrvamadhogate| kālasātmyānubandhajño dadyāt prakṛtikalpavit
Bei nach oben austretendem Raktapitta gebe man zuerst eine stärkende Speise (tarpaṇa), bei nach unten austretendem zuerst einen dünnen Reisschleim (peyā); dabei soll der mit Jahreszeit, Gewohnheit und Begleitumständen sowie mit der Konstitution (prakṛti) vertraute Arzt entsprechend verordnen.
jalaṃ kharjūramṛdvīkāmadhūkaiḥ saparūṣakaiḥ| śṛtaśītaṃ prayoktavyaṃ tarpaṇārthe saśarkaram
Als stärkendes Getränk (tarpaṇa) verwende man mit Datteln, Weintrauben, Madhūka-Blüten und Parūṣaka gekochtes, dann abgekühltes und mit Zucker versetztes Wasser.
tarpaṇaṃ saghṛtakṣaudraṃ lājacūrṇaiḥ pradāpayet| ūrdhvagaṃ raktapittaṃ tat pītaṃ kāle vyapohati
Man reiche eine stärkende Zubereitung (tarpaṇa) aus geröstetem Reismehl (lāja) mit Ghee und Honig; getrunken zur rechten Zeit, beseitigt sie das nach oben austretende Raktapitta.
mandāgneramlasātmyāya tat sāmlamapi kalpayet| dāḍimāmalakairvidvānamlārthaṃcānudāpayet
Für einen Kranken mit schwachem Verdauungsfeuer, der an Saures gewöhnt ist, bereite der kundige Arzt diese Zubereitung auch angesäuert, indem er zu diesem Zweck Granatapfel (dāḍima) und Āmalakī beigibt.
śāliṣaṣṭikanīvārakoradūṣapraśāntikāḥ| śyāmākaśca priyaṅguśca bhojanaṃ raktapittinām
Śāli-Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Nīvāra, Koradūṣa, Praśātika sowie Śyāmāka- und Priyaṅgu-Hirse sind als Nahrung für Raktapitta-Kranke geeignet.
mudgā masūrāścaṇakāḥ samakuṣṭhāḍhakīphalāḥ| praśastāḥ sūpayūṣārthe kalpitā raktapittinām
Mungbohnen, Linsen, Kichererbsen zusammen mit Kuṣṭha-Bohnen und Adhakī-Hülsenfrüchten sind für die Zubereitung von Suppen (sūpa) und Brühen (yūṣa) für Raktapitta-Kranke empfohlen.
paṭolanimbavetrāgraplakṣavetasapallavāḥ| kirātatiktakaṃ śākaṃ gaṇḍīraḥ sakaṭhillakaḥ
Paṭola, Nimba, junge Triebe von Rohr (vetra), Plakṣa und Vetasa, das bittere Kirātatikta-Kraut sowie Gaṇḍīra und Kaṭhillaka eignen sich als Gemüse.
kovidārasya puṣpāṇi kāśmaryasyātha śālmaleḥ| annapānavidhau śākaṃyaccānyadraktapittanut
Auch die Blüten des Kovidāra-, des Kāśmarya- und des Śālmali-Baumes sowie jedes andere Gemüse, das Raktapitta lindert, sind bei der Zubereitung von Speise und Trank zu verwenden.
śākārthaṃ śākasātmyānāṃ tacchastaṃ raktapittinām| svinnaṃ vā sarpiṣā bhṛṣṭaṃ yūṣavadvā vipācitam
Für an Gemüse gewöhnte Raktapitta-Kranke ist dieses Gemüse empfehlenswert, ob gedünstet, in Ghee gebraten oder wie eine Brühe (yūṣa) zubereitet.
pārāvatān kapotāṃśca lāvān raktākṣavartakān| śaśān kapiñjalāneṇān hariṇānkālapucchakān
Ringeltauben und andere Tauben, Wachteln, Rotaugen- und Vartaka-Wachteln, Hasen, Frankoline, Antilopen, Hirsche und Kālapucchaka-Wild –
raktapitte hitān vidyādrasāṃsteṣāṃ prayojayet| īṣadamlānanamlān vā ghṛtabhṛṣṭān saśarkarān
diese soll man als für Raktapitta zuträglich erkennen und ihre Fleischsäfte (māṃsarasa) verwenden, leicht gesäuert oder ungesäuert, in Ghee gebraten und mit Zucker versetzt.
kaphānuge yūṣaśākaṃ dadyādvātānuge rasam| raktapitte yavāgūnāmataḥ kalpaḥ pravakṣyate
Bei mit Kapha verbundenem Raktapitta gebe man Brühe und Gemüse, bei mit Vāta verbundenem den Fleischsaft (rasa); nun soll die Zubereitung von Reisschleimen (yavāgū) für Raktapitta dargelegt werden.
padmotpalānāṃ kiñjalkaḥ pṛśniparṇī yaṅgukāḥ| jale sādhyā rase tasmin peyā syādraktapittinām
Die Staubfäden (kiñjalka) von Lotus (padma) und blauer Seerose (utpala), Pṛśniparṇī und Yaṅguka-Hirse werden in Wasser gekocht; in diesem Absud soll man einen dünnen Reisschleim (peyā) für Raktapitta-Kranke bereiten.
candanośīralodhrāṇāṃ rase tadvat nāgare| kirātatiktakośīramustānāṃ tadvadeva ca
Ebenso wird er im Absud von Sandelholz, Ūśīra und Lodhra unter Zugabe von Ingwer (nāgara) bereitet, und ebenso im Absud von Kirātatikta, Ūśīra und Mustā.
dhātakīdhanvayāsāmbubilvānāṃ vā rase śṛtā| masūrapṛśniparṇyorvā sthirāmudgarase'tha vā
Oder er wird gekocht im Absud von Dhātakī, Dhanvayāsa und Bilva, oder im Absud von Linsen und Pṛśniparṇī, oder im Absud von Sthirā (Śālaparṇī) und Mungbohnen.
rase hareṇukānāṃ vā saghṛte sabalārase| siddhāḥ pārāvatādīnāṃ rase vā syuḥ pṛthakpṛthak
Oder er wird im Absud von Hareṇukā mit Ghee, oder im Absud von Balā, oder jeweils einzeln im Fleischabsud von Ringeltauben und ähnlichem Geflügel zubereitet.
ityuktā raktapittaghnyaḥ śītāḥ samadhuśarkarāḥ| yavāgvaḥ kalpanā caiṣā kāryā māṃsaraseṣvapi
So wurden die Raktapitta beseitigenden Reisschleime beschrieben, die kalt und mit Honig und Zucker versetzt einzunehmen sind; diese Zubereitungsweise ist ebenso bei Fleischsäften (māṃsarasa) anzuwenden.
śaśaḥ savāstukaḥ śasto vibandhe raktapittinām| vātolbaṇe tittiriḥ syādudumbararase śṛtaḥ
Bei Verstopfung (vibandha) von Raktapitta-Kranken ist Hasenfleisch mit Vāstuka-Gemüse empfohlen; bei vorherrschendem Vāta ist Rebhuhn, gekocht im Absud der Udumbara-Feige, geeignet.
mayūraḥ plakṣaniryūhe nyagrodhasya ca kukkuṭaḥ| rase bilvotpalādīnāṃvartakakrakarau hitau
Pfau, gekocht im Absud von Plakṣa, und Haushahn, gekocht im Absud von Nyagrodha (der Banyan-Feige); Wachtel und der Krakara-Vogel, gekocht im Absud von Bilva, Utpala und ähnlichen Mitteln, sind ebenfalls zuträglich.
tṛṣyate tiktakaiḥ siddhaṃ tṛṣṇāghnaṃ vā phalodakam| siddhaṃ vidārigandhādyairathavāśṛtaśītalam
Dem von Durst geplagten Kranken gebe man mit Bitterstoffen gekochtes Wasser oder durststillendes Fruchtwasser, oder ein mit Vidārigandha und ähnlichen Kräutern gekochtes und danach abgekühltes Getränk.
jñātvā doṣāvanubalau balamāhārameva ca| jalaṃ pipāsave dadyādvisargādalpaśo'pi vā
Nachdem man die Stärke der beteiligten Doṣas, die Kraft und die gewohnte Nahrung des Kranken erkannt hat, gebe man dem Durstigen Wasser, bei Bedarf auch nach der Verdauungsperiode (visarga), jedoch nur in kleinen Mengen.
nidānaṃ raktapittasya yatkiñcit samprakāśitam| jīvitārogyakāmaistanna sevyaṃ raktapittibhiḥ
Was auch immer als Ursache (nidāna) des Raktapitta genannt wurde, das sollen Raktapitta-Kranke, die Leben und Gesundheit wünschen, künftig nicht mehr zu sich nehmen.
ityannapānaṃ nirdiṣṭaṃ kramaśo raktapittanut vakṣyate bahudoṣāṇāṃ kāryaṃ balavatāṃ ca yat
So wurde die Speise- und Trankordnung (annapāna) dargelegt, die Raktapitta der Reihe nach beseitigt; nun soll dargestellt werden, was bei Kranken mit reichlich erregten Doṣas und bei kräftigen Kranken zu tun ist.
akṣīṇabalamāṃsasya yasya santarpaṇotthitam| bahudoṣaṃ balavato raktapittaṃ śarīriṇaḥ
Entsteht bei einem Menschen, dessen Kraft und Muskelfleisch nicht geschwächt sind, durch übermäßige Sättigung (santarpaṇa) ein Raktapitta mit reichlich erregten Doṣas, und ist der Betroffene kräftig,
kāle saṃśodhanārhasya taddharennirupadravam| virecanenordhvabhāgamadhogaṃ vamanena ca
so soll man dieses Raktapitta, sofern der Kranke zur Reinigungstherapie (śodhana) geeignet ist, zur rechten Zeit und solange es frei von Begleitkomplikationen ist, beseitigen: das im oberen Bereich entstandene durch Abführmittel (virecana), das im unteren Bereich entstandene durch Brechmittel (vamana).
trivṛtāmabhayāṃ prājñaḥphalānyāragvadhasya vā| trāyamāṇāṃ gavākṣyā vā mūlamāmalakāni vā
Der kluge Arzt verordne Trivṛt (Operculina turpethum), Abhayā (Terminalia chebula, Haritakī), oder die Früchte des Āragvadha (Cassia fistula), Trāyamāṇā, oder die Wurzel der Gavākṣī, oder Āmalaka-Früchte (Emblica officinalis).
virecanaṃ prayuñjīta prabhūtamadhuśarkaram| rasaḥ śasyate teṣāṃ raktapitte viśeṣataḥ
Dies soll er als Abführmittel (Virecana) mit reichlich Honig und Zucker verabreichen; der Saft (Rasa) dieser Mittel wird besonders bei Raktapitta empfohlen.
vamanaṃ madanonmiśro manthaḥ sakṣaudraśarkaraḥ| saśarkaraṃ vā salilamikṣūṇāṃ rasa eva vā
Als Brechmittel (Vamana) dient ein mit Madana (Randia dumetorum) versetzter Getreidetrank (Mantha) zusammen mit Honig und Zucker, oder gezuckertes Wasser, oder auch reiner Zuckerrohrsaft.
vatsakasya phalaṃ mustaṃ madanaṃ madhukaṃ madhu| adhovahe raktapitte vamanaṃ paramucyate
Die Frucht des Vatsaka (Holarrhena antidysenterica), Musta (Cyperus rotundus), Madana, Madhuka (Süßholz) und Honig werden verwendet; bei nach unten fließendem (adhoga) Raktapitta wird das Erbrechen (Vamana) als das vorzüglichste Mittel bezeichnet.
ūrdhvage śuddhakoṣṭhasya tarpaṇādiḥ kramo hitaḥ| adhogate yavāgvādirna cetsyānmārutobalī
Bei nach oben gehender (ūrdhvaga) Blutung ist für den mit gereinigtem Verdauungstrakt (śuddha-koṣṭha) die Anwendung von Tarpaṇa (stärkenden, kühlenden Speisen) und Ähnlichem heilsam; bei nach unten gehender (adhoga) Blutung Yavāgū (dünner Reisschleim) und Ähnliches, sofern der Vāta-Doṣa nicht zu stark ist.
balamāṃsaparikṣīṇaṃ śokabhārādhvakarśitam| jvalanādityasantaptamanyairvā kṣīṇamāmayaiḥ
Wer durch Verlust an Kraft und Muskelfleisch ausgezehrt ist, wer durch Kummer, eine Last oder eine Reise abgemagert ist, wer durch Feuer oder Sonnenglut versengt wurde, oder wer durch andere Krankheiten geschwächt ist,
garbhiṇīṃ sthaviraṃ bālaṃ rūkṣālpapramitāśinam| avamyamavirecyaṃ vā yaṃ paśyedraktapittinam
eine Schwangere, ein Greis, ein Kind, oder wer von trockener, spärlicher und geringer Nahrung lebt – jeden solchen Raktapitta-Kranken erkenne man als für Brech- oder Abführtherapie ungeeignet,
śoṣeṇa sānubandhaṃ vā tasya saṃśamanī yā| śasyate raktapittasya paraṃ sā'tha pravakṣyate
ebenso wer von Schwindsucht (Śoṣa) begleitet ist; für diese wird bei Raktapitta die besänftigende, nicht-ausleitende Therapie (Saṃśamana) empfohlen, die im Folgenden dargelegt werden soll.
aṭarūṣakamṛdvīkāpathyākvāthaḥ saśarkaraḥ| madhumiśraḥ śvāsakāsaraktapittanibarhaṇaḥ
Ein mit Zucker und Honig versetzter Sud (Kvātha) aus Aṭarūṣaka (Adhatoda vasica, Vāsā), Mṛdvīkā (Weintrauben) und Pathyā (Terminalia chebula) vernichtet Atemnot (Śvāsa), Husten (Kāsa) und Raktapitta.
aṭarūṣakaniryūhe priyaṅguṃ mṛttikāñjane| vinīyalodhraṃ kṣaudraṃ ca raktapittaharaṃ pibet
In einem Absud (Niryūha) aus Aṭarūṣaka trinke man, versetzt mit Priyaṅgu, mineralischer Tonerde (Mṛttikā) und Añjana (Kollyrium-Mineral), sowie mit Lodhra (Symplocos racemosa) und Honig, ein Mittel, das Raktapitta beseitigt.
padmakaṃ padmakiñjalkaṃ dūrvāṃ vāstūkamutpalam| nāgapuṣpaṃ ca lodhraṃ ca tenaiva vidhinā pibet
Padmaka (Prunus cerasoides), Padmakiñjalka (Lotusstaubgefäße), Dūrvā-Gras, Vāstūka (Chenopodium album), Utpala (blaue Wasserlilie), Nāgapuṣpa (Mesua-ferrea-Blüten) und Lodhra trinke man nach derselben Zubereitungsweise.
prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ madhu cāśvaśakṛdrase| yavāsabhṛṅgarajasormūlaṃ vā gośakṛdrase
Prapauṇḍarīka (eine Lotusart), Madhuka (Süßholz) und Honig in einem Sud aus Pferdemist-Saft (Aśvaśakṛd-Rasa), oder die Wurzeln von Yavāsa (Alhagi) und Bhṛṅgarāja in Kuhmist-Saft (Gośakṛd-Rasa).
vinīya raktapittaghnaṃ peyaṃ syāttaṇḍulāmbunā| yuktaṃ vā maghusarpirbhyāṃ lihyādgośvaśakṛdrasam
Damit vermischt ergibt sich, mit Reiswasser (Taṇḍulāmbu) zubereitet, ein Raktapitta vernichtender Trank (Peyā); oder man lecke, mit Honig und Ghee versetzt, den Saft von Kuh- oder Pferdemist.
khadirasya priyaṅgūṇāṃ kovidārasya śālmaleḥ| puṣpacūrṇāni madhunā lihyānnā raktapittikaḥ
Die zu Pulver gemahlenen Blüten von Khadira (Acacia catechu), Priyaṅgu, Kovidāra (Bauhinia variegata) und Śālmali (Bombax ceiba) lecke der Raktapitta-Kranke mit Honig.
śṛṅgāṭakānāṃ lājānāṃ mustakharjūrayorapi| lihyāccūrṇāni madhunā padmānāṃ keśarasya ca
Die Pulver von Śṛṅgāṭaka (Wassernuss), geröstetem Reis (Lāja), Musta, Dattel (Kharjūra), Lotus (Padma) und Lotusstaubgefäßen (Keśara) lecke man mit Honig.
dhanvajānāmasṛglihyānmadhunā mṛgapakṣiṇām| sakṣaudraṃ grathite rakte lihyāt pārāvataṃ śakṛt
Man lecke, mit Honig versetzt, das Blut wild lebender Tiere und Vögel; bei geronnenem Blut lecke man den Kot der Taube (Pārāvata-Śakṛt), ebenfalls mit Honig versetzt.
uśīrakālīyakalodhrapadmakapriyaṅgukākaṭphalaśaṅkhagairikāḥ| pṛthak pṛthak candanatulyabhāgikāḥśarkarāstaṇḍuladhāvanāplutāḥ
Uśīra (Vetiver), Kālīyaka, Lodhra, Padmaka, Priyaṅgu, Kākaṭphala, Śaṅkha (Muschelschale) und Gairika (roter Ocker) werden jeweils zu gleichen Teilen mit Sandelholz (Candana) versehen und als mit Zucker versetzte, in Reiswaschwasser (Taṇḍula-Dhāvana) angerührte Trünke verabreicht.
raktaṃ sapittaṃ tamakaṃ pipāsāṃ dāhaṃ ca pītāḥ śamayanti sadyaḥ| kirātatiktaṃ kramukaṃ samustaṃ kamalotpale ca
Getrunken besänftigen sie sogleich Blutung mit Pitta, Tamaka-Atemnot, Durst und Brennen; ebenso wirken Kirātatikta (Swertia chirata), Kramuka (Areca-Nuss), Musta, Lotus (Kamala) und blaue Wasserlilie (Utpala).
hrīberamūlāni paṭolapatraṃ durālabhā parpaṭako mṛṇālam| dhanañjayodumbaravetasatvaṅnyagrodhaśāleyayavāsakatvak
Die Wurzeln von Hrībera, das Blatt des Paṭola (Trichosanthes dioica), Durālabhā, Parpaṭaka, Lotusfaser (Mṛṇāla), Dhanañjaya, sowie die Rinde von Udumbara (Ficus glomerata), Vetasa, Nyagrodha (Ficus benghalensis), Śāla und Yavāsaka –
tugālatāvetasataṇḍulīyaṃsasārivaṃmocarasaḥ samaṅgā| pṛthak pṛthak candanayojitāni tenaiva kalpena hitāni tatra
ebenso Tugā (Bambusmanna), Latā-Vetasa, Taṇḍulīya (Amaranthus), Sārivā, Mocarasa (Bombax-Harz) und Samaṅgā – jeweils zu gleichen Teilen mit Sandelholz versetzt, sind, nach derselben Zubereitung angewandt, in diesem Fall heilsam.
niśisthitā vā svarasīkṛtā vā kalkīkṛtāvā mṛditāḥ śṛtā vā| ete samastā gaṇaśaḥ pṛthagvā raktaṃ sapittaṃ śamayanti yogāḥ
Ob über Nacht eingeweicht, als frischer Presssaft (Svarasa), als angerührte Paste (Kalka), zerrieben oder gekocht (Śṛta) – alle diese Rezepturen besänftigen, ob als Gruppe oder einzeln angewandt, die Blutung mit Pitta.
mudgāḥ salājāḥsayavāḥ kṛṣṇāḥ sośīramustāḥsaha candanena| balājale paryuṣitāḥ kaṣāyā raktaṃ sapittaṃ śamayantyudīrṇam
Schwarze Mungbohnen mit geröstetem Reis (Lāja) und Gerste, zusammen mit Uśīra, Musta und Sandelholz über Nacht in Wasser eingeweicht, ergeben als kalter Aufguss (Śīta-Kaṣāya) ein Mittel, das erregtes Raktapitta besänftigt.
vaidūryamuktāmaṇigairikāṇāṃ mṛcchaṅkhahemāmalakodakānām| madhūdakasyekṣurasasya caiva pānācchamaṃ gacchati raktapittam
Durch das Trinken von Wasser, in dem Vaidūrya-Edelstein, Perle, Edelstein, Gairika-Ocker, Erde, Muschel, Gold oder Āmalaka eingelegt wurden, sowie von Honigwasser (Madhūdaka) oder Zuckerrohrsaft, kommt Raktapitta zur Ruhe.
uśīrapadmotpalacandanānāṃ pakvasya loṣṭasya ca yaḥ prasādaḥ saśarkaraḥ kṣaudrayutaḥ suśīto raktātiyogapraśamāya deyaḥ
Der geklärte, gekühlte Absud (Prasāda) aus Uśīra, Lotus, Wasserlilie und Sandelholz sowie aus gebranntem Lehmklumpen (Loṣṭa), mit Zucker und Honig versetzt und gut gekühlt, ist bei übermäßigem Blutandrang (Rakta-Atiyoga) zur Beruhigung zu verabreichen.
priyaṅgukācandanalodhrasārivāmadhūkamustābhayadhātakījalam| samṛtprasādaṃ saha yaṣṭikāmbunā saśarkaraṃ raktanibarhaṇaṃ param
Der geklärte Absud aus Priyaṅgu, Kālā, Sandelholz, Lodhra, Sārivā, Madhūka, Musta, Abhayā und Dhātakī-Blüten, zusammen mit Süßholzwasser (Yaṣṭī-Ambu) und Zucker, ist ein vorzügliches Mittel gegen Blutfluss.
kaṣāyayogairvividhairyathoktairdīpte'nale śleṣmaṇi nirjite ca| yadraktapittaṃ praśamaṃ na yāti tatrānilaḥsyādanu tatra kāryam
Wenn trotz der verschiedenen, wie beschrieben angewandten Absud-Rezepturen und trotz entfachtem Verdauungsfeuer (Agni) und besiegtem Kapha das Raktapitta nicht zur Ruhe kommt, ist dabei von einer Beteiligung des Vāta-Doṣa auszugehen, und danach ist entsprechend zu behandeln.
chāgaṃ payaḥ syāt paramaṃ prayoge gavyaṃ śṛtaṃ pañcaguṇe jale vā| saśarkaraṃ mākṣikasamprayuktaṃ vidārigandhādigaṇaiḥ śṛtaṃ vā
Für diese Anwendung ist Ziegenmilch (Chāga-Payas) am besten geeignet, oder Kuhmilch (Gavya), in der fünffachen Menge Wasser eingekocht, mit Zucker und Honig versetzt, oder ein Sud aus der Vidārigandhādi-Kräutergruppe.
drākṣāśṛtaṃ nāgarakaiḥśṛtaṃ vā balāśṛtaṃ gokṣurakaiḥ śṛtaṃ vā| sajīvakaṃ sarṣabhakaṃ sasarpiḥ payaḥ prayojyaṃ sitayā śṛtaṃ vā
Milch, gekocht mit Weintrauben (Drākṣā) und Ingwer (Nāgara), oder mit Balā (Sida cordifolia), oder mit Gokṣura (Tribulus terrestris) gekocht; ebenso Milch mit Jīvaka, Ṛṣabhaka und Ghee, oder mit Kandiszucker (Sitā) gekocht, ist anzuwenden.
śatāvarīgokṣurakaiḥ śṛtaṃ vā śṛtaṃ payo vā'pyatha parṇinībhiḥ| raktaṃ nihantyāśu viśeṣatastu yanmūtramārgāt sarujaṃ yāti
Milch, gekocht mit Śatāvarī und Gokṣura, oder gekocht mit Parṇinī-Kräutern, vernichtet rasch die Blutung, besonders wenn diese schmerzhaft über den Harnweg (Mūtra-Mārga) austritt.
viśeṣato viṭpathasampravṛtte payo mataṃ mocarasena siddham| vaṭāvarohairvaṭaśuṅgakairvā hrīberanīlotpalanāgarairvā
Besonders wenn die Blutung über den Stuhlweg (Viṭ-Patha) auftritt, gilt Milch, gekocht mit Mocarasa, mit den Luftwurzeln (Avaroha) des Banyanbaums (Vaṭa) oder seinen Knospen (Śuṅgaka), oder mit Hrībera, blauer Wasserlilie (Nīlotpala) und Ingwer, als heilsam.
kaṣāyayogān payasā purā vā pītvā'nu cādyāt payasaiva śālīn| kaṣāyayogairathavā vipakvametaiḥ pibet sarpiratisrave ca
Man trinke diese Absud-Rezepturen zuvor mit Milch und esse danach Reis (Śāli) ebenfalls mit Milch; oder man trinke bei starkem Blutfluss (Atisrāva) mit diesen Kräutern gekochtes Ghee.
vāsāṃ saśākhāṃ sapalāśamūlāṃ kṛtvā kaṣāyaṃ kusumāni cāsyāḥ| pradāya kalkaṃ vipacedghṛtaṃ tat sakṣaudramāśvevanihanti raktam
Aus Vāsā (Adhatoda vasica) samt Zweigen, Wurzel und Blättern bereite man einen Absud, gebe die Paste ihrer Blüten hinzu und koche daraus ein Ghee; dieses mit Honig versetzte Ghee vernichtet die Blutung äußerst rasch.
iti vāsāghṛtam| palāśavṛntasvarasena siddhaṃ tasyaiva kalkena madhudraveṇa| lihyādghṛtaṃ vatsakakalkasiddhaṃ tadvat samaṅgotpalalodhrasiddham
So entsteht das Vāsā-Ghṛta. Ebenso ein Ghee, gekocht mit dem Presssaft der Palāśa-Blütenstiele und deren mit Honig verflüssigter Paste; man lecke ferner ein mit der Paste von Vatsaka bereitetes Ghee, ebenso eines mit Samaṅgā, Utpala und Lodhra bereitetes.
syāttrāyamāṇāvidhireṣa eva sodumbare caiva paṭolapatre | sarpīṃṣi pittajvaranāśanāni sarvāṇi śastāni ca raktapitte
Ebenso wird nach demselben Verfahren Ghee mit Trāyamāṇā, mit Udumbara sowie mit Paṭola-Blatt bereitet; alle Ghees, die Pitta-Fieber vernichten, sind gleichfalls bei Raktapitta zu empfehlen.
abhyaṅgayogāḥ pariṣecanāni sekāvagāhāḥ śayanāni veśma| śīto vidhirbastividhānamagryaṃ pittajvare yat praśamāya diṣṭam
Einölungen (Abhyaṅga), Übergießungen (Pariṣecana), Berieselungen und Bäder, Lagerstätten und Wohnräume, sowie die kühlende Behandlungsweise und die vorzügliche Anwendung von Klistieren (Basti-Vidhāna), die bei Pitta-Fieber zur Besänftigung angeordnet werden,
tadraktapitte nikhilena kāryaṃ kālaṃ ca mātrāṃ ca purā samīkṣya| sarpirguḍā ye ca hitāḥ kṣatebhyaste raktapittaṃ śamayanti sadyaḥ
all dies ist ebenso vollständig bei Raktapitta anzuwenden, wobei zuvor Zeitpunkt und Dosierung sorgfältig abzuwägen sind; auch die Ghee- und Zuckerpräparate (Sarpi-Guḍa), die bei Wundverletzungen (Kṣata) heilsam sind, besänftigen Raktapitta sogleich.
kaphānubandhe rudhire sapitte kaṇṭhāgate syādgrathite prayogaḥ| yuktasya yuktyāmadhusarpiṣośca kṣārasya caivotpalanālajasya
Wenn bei Blutung mit Pitta eine Kapha-Beteiligung vorliegt und das Blut im Rachen sitzt oder geronnen ist, ist die geeignete Anwendung von Honig und Ghee sowie einer aus dem verkohlten Lotusstängel (Utpala-Nāla) gewonnenen Lauge (Kṣāra) angezeigt.
mṛṇālapadmotpalakeśarāṇāṃ tathā palāśasya tathā priyaṅgoḥ| tathā madhūkasya tathā'sanasya kṣārāḥ prayojyā vidhinaiva tena
Ebenso sind nach derselben Methode Laugen (Kṣāra) aus Lotusfaser, Lotus, Wasserlilie und deren Staubgefäßen sowie aus Palāśa, Priyaṅgu, Madhūka und Asana anzuwenden.
śatāvarīdāḍimatintiḍīkaṃ kākolimede madhukaṃ vidārīm| piṣṭvā ca mūlaṃ phalapūrakasya ghṛtaṃ pacet kṣīracaturguṇaṃ jñaḥ
Nachdem man die Wurzeln von Śatāvarī, Dāḍima (Granatapfel), Tintiḍīka (Tamarinde), Kākolī, Medā, Madhuka und Vidārī sowie die Wurzel der Zitrusfrucht Phalapūraka zerstoßen hat, koche der Kundige daraus ein Ghee mit der vierfachen Menge Milch.
kāsajvarānāhavibandhaśūlaṃ tadraktapittaṃ ca ghṛtaṃ nihanyāt| yat pañcamūlairatha pañcabhirvā siddhaṃ ghṛtaṃ tacca tadarthakāri
Dieses Ghee vernichtet Husten, Fieber, Blähungen, Verstopfung, Kolikschmerz und Raktapitta; ebenso wirkt ein mit den fünf großen oder den fünf kleinen Wurzeln (Pañcamūla) gekochtes Ghee zu demselben Zweck.
iti śatāvaryādighṛtam| kaṣāyayogā ya ihopadiṣṭāste cāvapīḍe bhiṣajā prayojyāḥ| ghrāṇāt pravṛttaṃ rudhiraṃ sapittaṃ yadā bhavenniḥsṛtaduṣṭadoṣam
So entsteht das Śatāvaryādi-Ghṛta. Die hier gelehrten Absud-Rezepturen soll der Arzt auch als Kopf-Einträufelung (Avapīḍa) anwenden, wenn aus der Nase Blut mit Pitta austritt, sobald die verdorbenen Doṣas ausgeschieden sind.
rakte praduṣṭe hyavapīḍabandhe duṣṭapratiśyāyaśirovikārāḥ| raktaṃ sapūyaṃ kuṇapaścagandhaḥ syād ghrāṇanāśaḥ kṛmayaścaduṣṭāḥ
Wird nämlich bei verdorbenem Blut die Kopf-Einträufelung unterlassen, entstehen bösartiger Schnupfen (Pratiśyāya) und Kopfkrankheiten; das Blut wird eitrig, nimmt Leichengeruch an, es kommt zum Verlust des Geruchssinns und zu bösartigen Würmern.
nīlotpalaṃ gairikaśaṅkhayuktaṃ sacandanaṃ syāttu sitājalena| nasyaṃ tathā''mrāsthirasaḥ samaṅgā sadhātakīmocarasaḥ salodhraḥ
Nasenträufel (Nasya) aus blauer Wasserlilie mit Gairika-Ocker und Muschelpulver, versetzt mit Sandelholz, in Zuckerwasser angerührt; ebenso aus dem Saft des Mangokerns (Āmrāsthi), Samaṅgā, Dhātakī, Mocarasa und Lodhra.
drākṣārasasyekṣurasasya nasyaṃ kṣīrasya dūrvāsvarasasya caiva| yavāsamūlāni palāṇḍumūlaṃ nasyaṃ tathā dāḍimapuṣpatoyam
Nasenträufel aus Traubensaft, Zuckerrohrsaft, Milch und dem Presssaft von Dūrvā-Gras; ebenso aus den Wurzeln von Yavāsa und Zwiebel (Palāṇḍu), sowie aus Granatapfelblütenwasser.
priyālatailaṃ madhukaṃ payaśca siddhaṃ ghṛtaṃ māhiṣamājikaṃ vā| āmrāsthipūrvaiḥ payasā ca nasyaṃ sasārivaiḥ syāt kamalotpalaiśca
Priyāla-Öl, Süßholz und Milch, sowie gekochtes Ghee aus Büffel- oder Ziegenmilch; Nasenträufel mit Mangokern-Saft und Milch, zusammen mit Sārivā, Lotus und Wasserlilie.
bhadraśriyaṃ lohitacandanaṃ ca prapauṇḍarīkaṃ kamalotpale ca| uśīravānīrajalaṃ mṛṇālaṃ sahasravīryā madhukaṃ payasyā
Bhadraśrī, rotes Sandelholz, Prapauṇḍarīka, Lotus und Wasserlilie, Uśīra- und Vānīra-Wasser, Lotusfaser, Sahasravīryā, Süßholz und Payasyā (ein Milchkraut) –
śālīkṣumūlāni yavāsagundrāmūlaṃ nalānāṃ kuśakāśayośca| kucandanaṃ śaivalamapyanantā kālānusāryā tṛṇamūlamṛddhiḥ
die Wurzeln von Reis (Śāli) und Zuckerrohr, die Wurzel von Yavāsa und Gundrā, von Schilfrohr (Nala), Kuśa- und Kāśa-Gras, rotes Sandelholz, Śaivala (Wasserlinse), Anantā, Kālānusāryā und die Wurzel des Ṛddhi-Grases –
mūlāpuṣpāṇi ca vārijānāṃ pralepanaṃ puṣkariṇīmṛdaśca| udumbarāśvatthamadhūkalodhrāḥ kaṣāyavṛkṣāḥ śiśirāśca sarve
sowie die Wurzeln und Blüten der Wasserpflanzen dienen als kühlende Auflage (Pralepana), ebenso Schlammerde aus Lotusteichen; Udumbara, Aśvattha (Ficus religiosa), Madhūka und Lodhra – alle diese adstringierenden (Kaṣāya-)Bäume wirken kühlend.
pradehakalpe pariṣecane ca tathā'vagāhe ghṛtatailasiddhau| raktasya pittasya ca śāntimicchan bhadraśriyādīni bhiṣak prayuñjyāt
Diese genannten Mittel, angefangen mit Bhadraśrī, soll der Arzt, der Blut und Pitta zur Ruhe bringen will, als Salbenauflage (Pradeha), Übergießung (Pariṣecana) und Bad (Avagāha) sowie zur Bereitung von Ghee und Öl anwenden.
dhārāgṛhaṃ bhūmigṛhaṃ suśītaṃ vanaṃ ca ramyaṃ jalavātaśītam| vaidūryamuktāmaṇibhājanānāsparśāśca dāhe śiśirāmbuśītāḥ
Ein Wasserfall-Pavillon (Dhārā-Gṛha), ein kühles Erdhaus (Bhūmi-Gṛha), ein lieblicher, von Wind und Wasser gekühlter Wald; Gefäße aus Vaidūrya-Edelstein, Perle und Edelstein sowie kühle, mit kaltem Wasser benetzte Berührungen sind bei Brennen (Dāha) heilsam.
patrāṇi puṣpāṇi ca vārijānāṃ kṣaumaṃ ca śītaṃ kadalīdalāni| pracchādanārthaṃ śayanāsanānāṃ padmotpalānāṃ ca dalāḥ praśastāḥ
Blätter und Blüten von Wasserpflanzen, kühles Leinen (Kṣauma), Bananenblätter zur Bedeckung von Lager und Sitz sowie Lotus- und Wasserlilienblätter werden empfohlen.
priyaṅgukācandanarūṣitānāṃ sparśāḥ priyāṇāṃ ca varāṅganānām| dāhe praśastāḥ sajalāḥ suśītāḥ padmotpalānāṃ ca kalāpavātāḥ
Berührungen durch geliebte, schöne Frauen, die mit Priyaṅgu und Sandelholz gesalbt sind, sowie feuchte, kühle, mit Wasser benetzte Fächerwedel aus Lotus- und Wasserlilienblättern sind bei Brennen zu empfehlen.
sariddhradānāṃ himavaddarīṇāṃ candrodayānāṃ kamalākarāṇām| mano'nukūlāḥ śiśirāśca sarvāḥ kathāḥ saraktaṃ śamayanti pittam
Erzählungen von Flüssen und Wasserfällen, von Himalaya-Höhlen, vom Mondaufgang und von Lotusteichen – alle dem Gemüt angenehmen und kühlenden Erzählungen besänftigen die Blutung mit Pitta.
hetuṃ vṛddhiṃ sañjñāṃ sthānaṃ liṅgaṃpṛthak praduṣṭasya| mārgau sādhyamasādhyaṃ yāpyaṃ kāryakramaṃ caiva
Ursache (Hetu), Zunahme (Vṛddhi), Kennzeichen (Saṃjñā), Sitz (Sthāna) und Symptome (Liṅga) der jeweils gesondert verdorbenen Doṣas, die Ausbreitungswege (Mārga), die heilbaren, unheilbaren und nur palliativ zu behandelnden Fälle sowie den Behandlungsablauf (Kārya-Krama),
pānānnamiṣṭameva ca varjyaṃ saṃśodhanaṃ ca śamanaṃ ca| gururuktavānyathāvaccikitsite raktapittasya
ferner die zu vermeidenden und die erlaubten Getränke und Speisen sowie die Ausleitungstherapie (Saṃśodhana) und die besänftigende Therapie (Śamana) – all dies hat der ehrwürdige Lehrer (Guru) in der Behandlung des Raktapitta der Reihe nach zutreffend dargelegt.