athātaśchardicikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung des Erbrechens (chardi) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das vergleichsweise kurze zwanzigste Kapitel behandelt das Erbrechen (chardi) in fünf Formen – drei doṣabedingte, eine aus dem Zusammenwirken aller drei Körpersäfte und eine, die durch den Kontakt mit Ekelerregendem oder seelisch Belastendem (dviṣṭārthayoga) entsteht. Gerade diese letzte Form zeigt ein bemerkenswert frühes Verständnis psychosomatischer Zusammenhänge: Behandelt wird sie nicht mit Arzneien, sondern mit tröstenden Worten, angenehmen Düften und der Gesellschaft geliebter Menschen. Bei den doṣabedingten Formen setzt der Text auf Fasten, milde Abführ- oder Brechmittel sowie kühlende, herzstärkende Zubereitungen mit Weintrauben (drākṣā), Koriander (dhānyaka), Sandelholz (candana) und Granatapfel (dāḍima). Trotz seiner Kürze verknüpft das Kapitel damit somatische und mentale Krankheitsursachen auf engstem Raum.
| Name | Ursache | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Vāta-chardi | Übermäßige körperliche Anstrengung, scharfe Arzneien, Kummer, Krankheit, Angst, Fasten | Schmerzen in Herz und Flanke, Mundtrockenheit, Kopf-/Nabelschmerz, Husten; Erbrochenes mit lautem Aufstoßen, schaumig, unterbrochen, schwärzlich, dünnflüssig, herb, nur wenig unter starkem Drang |
| Pitta-chardi | Unverdaute, scharfe, saure, brennende, nicht kühlende Speisen | Ohnmacht, Durst, Mundtrockenheit, Brennen in Kopf/Gaumen/Augen, Benommenheit, Schwindel; Erbrochenes gelb, sehr heiß, grünlich, bitter, rauchfarben, mit Sodbrennen |
| Kapha-chardi | Fettige, sehr schwere, unverdauliche Speisen, übermäßiger Schlaf | Mattigkeit, süßlicher Mundgeschmack, Speichelfluss, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, Schweregefühl; Erbrochenes fettig, dickflüssig, süß; danach Erleichterung mit Gänsehaut |
| Sannipāta-chardi | Fortwährender Genuss aller Geschmacksrichtungen zusammen, unverdaute Fehler (āmapradoṣa), jahreszeitliche Umkehrungen | Anhaltende, starke Stiche, Verdauungsstörung, Appetitlosigkeit, Brennen, Durst, Atemnot, Bewusstseinstrübung; Erbrochenes salzig, sauer, bläulich, dickflüssig, heiß, blutig |
| Dviṣṭārthayoga-chardi | Anblick oder Geruch von Unangenehmem, Widerwärtigem, Unreinem, Übelriechendem, Ekelerregendem – seelisch bedingt | Entsteht bei einem seelisch gequälten Menschen ohne körperliche Doṣa-Ursache; wird mit tröstenden Worten, angenehmen Düften und der Gesellschaft geliebter Menschen behandelt, nicht mit Arzneien |
athātaśchardicikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung des Erbrechens (chardi) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
yaśasvinaṃ brahmatapodyutibhyāṃ jvalantamagnyarkasamaprabhāvam| punarvasuṃ bhūtahite niviṣṭaṃ papraccha śiṣyo'trijamagniveśaḥ
Agniveśa, der Schüler des Ātri-Sohnes, befragte den ruhmreichen Punarvasu, der durch heiliges Wissen (brahma) und Askese (tapas) erstrahlte, dessen Kraft der von Feuer und Sonne glich und der dem Wohl der Lebewesen zugetan war.
yāśchardayaḥ pañca purā tvayoktā rogādhikāre bhiṣajāṃ variṣṭha!| tāsāṃ cikitsāṃ sanidānaliṅgāṃ yathāvadācakṣva nṛṇāṃ hitārtham
„O Bester der Ärzte! Erkläre mir zum Wohle der Menschen der Wahrheit gemäß die Behandlung der fünf Arten des Erbrechens (chardi), die du zuvor im Kapitel über die Krankheiten genannt hast, samt ihren Ursachen (nidāna) und Symptomen (liṅga).“
tadagniveśasya vaco niśamya prīto bhiṣakśreṣṭha idaṃ jagāda| yāśchardayaḥ pañca purā mayoktāstā vistareṇa bruvato nibodha
Nachdem der beste der Ärzte die Worte Agniveśas vernommen hatte, sprach er erfreut: „Höre, wie ich die fünf Arten des Erbrechens, die ich zuvor genannt habe, nun ausführlich darlege.“
doṣaiḥ pṛthaktriprabhavāścatasro [1] dbiṣṭārthayogādapi pañcamī syāt| tāsāṃ hṛdutkleśakaphaprasekau dveṣo'śane caiva hi pūrvarūpam
Vier Arten entstehen jeweils einzeln aus den drei Doṣas (Vāta, Pitta, Kapha) und aus allen dreien zusammen; eine fünfte entsteht durch den Kontakt mit Unliebsamem (dviṣṭārthayoga). Als Vorzeichen (pūrvarūpa) gelten bei ihnen: Unbehagen im Herzen (hṛt), Übelkeit (utkleśa), vermehrter Speichelfluss (kaphapraseka) und Abneigung gegen Nahrung.
vyāyāmatīkṣṇauṣadhaśokarogabhayopavāsādyatikarśitasya| vāyurmahāsrotasi sampravṛddha utkleśya doṣāṃstata ūrdhvamasyan
Bei jemandem, der durch übermäßige körperliche Anstrengung (vyāyāma), scharfe Arzneien, Kummer (śoka), Krankheit, Angst oder Fasten und Ähnliches sehr geschwächt ist, verstärkt sich der Wind (vāyu) im großen Kanal (mahāsrotas, dem Verdauungstrakt), bringt die Doṣas zum Aufsteigen (utkleśa) und schleudert sie nach oben.
āmāśayotkleśakṛtāṃ ca marma prapīḍayaṃśchardimudīrayettu| hṛtpārśvapīḍāmukhaśoṣamūrdhanābhyartikāsasvarabhedatodaiḥ
Indem er die vom erregten Magen (āmāśaya) betroffenen lebenswichtigen Punkte (marma) bedrängt, ruft er das Erbrechen hervor, begleitet von Schmerzen in Herz und Flanke, Mundtrockenheit, Schmerzen in Kopf und Nabelgegend, Husten, Stimmveränderung und stechenden Schmerzen.
udgāraśabdaprabalaṃ saphenaṃ vicchinnakṛṣṇaṃ tanukaṃ kaṣāyam| kṛcchreṇa cālpaṃ mahatā ca vegenārto'nilācchardayatīha duḥkham
Der von Wind (anila, Vāta) Geplagte erbricht hier unter Qualen: mit lautem Aufstoßen, schaumig, unterbrochen, schwärzlich, dünnflüssig, herb schmeckend (kaṣāya), nur wenig und mit Mühe, doch mit starkem Drang.
ajīrṇakaṭvamlavidāhyaśītairāmāśaye pittamudīrṇavegam| rasāyanībhirvisṛtaṃ prapīḍya marmordhvamāgamya vamiṃ karoti
Durch unverdaute (ajīrṇa), scharfe, saure, brennende und nicht kühlende Speisen wird das Pitta im Magen (āmāśaya) mit verstärktem Drang erregt; über die Nährstoffkanäle (rasāyanī) verbreitet, bedrängt es die lebenswichtigen Punkte, steigt nach oben und verursacht das Erbrechen.
mūrcchāpipāsāmukhaśoṣamūrdhatālvakṣisantāpatamobhramārtaḥ| pītaṃ bhṛśoṣṇaṃ haritaṃ satiktaṃ dhūmraṃ ca pittena vamet sadāham
Geplagt von Ohnmacht (mūrcchā), Durst, Mundtrockenheit, Brennen in Kopf, Gaumen und Augen, Benommenheit (tamas) und Schwindel (bhrama) erbricht er durch Pitta [Erbrochenes], das gelb, sehr heiß, grünlich, bitter (tikta) und rauchfarben ist, begleitet von Sodbrennen (dāha).
snigdhātigurvāmavidāhibhojyaiḥ svapnādibhiścaiva kapho'tivṛddhaḥ| uraḥ śiro marma rasāyanīśca sarvāḥ samāvṛtya vamiṃ karoti
Durch fettige (snigdha), sehr schwere, unverdauliche (āma), brennend wirkende Speisen sowie durch übermäßigen Schlaf und Ähnliches wird Kapha stark vermehrt; er umhüllt Brust, Kopf, die lebenswichtigen Punkte und alle Nährstoffkanäle und verursacht das Erbrechen.
tandrāsyamādhuryakaphaprasekasantoṣanidrārucigauravārtaḥ| snigdhaṃ ghanaṃ svādu kaphādviśuddhaṃ salomaharṣo'lparujaṃ vamettu
Geplagt von Mattigkeit (tandrā), süßlichem Mundgeschmack, Speichelfluss, [übermäßiger] Zufriedenheit, Schläfrigkeit, mangelndem Appetit und Schweregefühl erbricht er durch Kapha [Erbrochenes], das fettig, dickflüssig und süß ist; danach fühlt er sich von Kapha gereinigt, mit Gänsehaut (romaharṣa) und nur geringem Schmerz.
samaśnataḥ sarvarasān prasaktamāmapradoṣartuviparyayaiśca| sarve prakopaṃ yugapat prapannāśchardiṃ tridoṣāṃ janayanti doṣāḥ
Bei jemandem, der fortwährend alle Geschmacksrichtungen (rasa) zusammen zu sich nimmt, verursachen durch unverdaute Fehler (āmapradoṣa) und jahreszeitliche Umkehrungen alle drei Doṣas, gleichzeitig erregt, das Erbrechen aus allen drei Doṣas (tridoṣaja).
śūlāvipākārucidāhatṛṣṇāśvāsapramohaprabalā prasaktam| chardistridoṣāllavaṇāmlanīlasāndroṣṇaraktaṃ vamatāṃ nṛṇāṃ syāt
Begleitet von starken, andauernden Stichen (śūla), Verdauungsstörung (avipāka), Appetitlosigkeit, Brennen, Durst, Atemnot und Bewusstseinstrübung ist das Erbrechen aus den drei Doṣas fortwährend; das von den Betroffenen Erbrochene ist dabei salzig, sauer, bläulich, dickflüssig, heiß und blutig (rakta).
viṭsvedamūtrāmbuvahāni vāyuḥ srotāṃsi saṃrudhya yadordhvameti| utsannadoṣasya samācitaṃ taṃ doṣaṃ samuddhūya narasya koṣṭhāt
Wenn der Wind (vāyu) die Kanäle, die Kot, Schweiß, Harn und Wasser transportieren, verschließt und nach oben steigt, wirbelt er den angesammelten, vermehrten Doṣa aus dem Leibesinneren (koṣṭha) des Menschen auf.
viṇmūtrayostat samavarṇagandhaṃ tṛṭśvāsahikkārtiyutaṃ prasaktam| pracchardayedduṣṭamihātivegāttayā'rditaścāśu vināśameti
[Der Betroffene] erbricht dabei mit sehr starkem Drang fortwährend [Erbrochenes], das in Farbe und Geruch dem Kot und Harn gleicht, verunreinigt ist und von Durst, Atemnot und Schluckauf (hikkā) begleitet wird; von diesem Zustand gequält, geht er rasch zugrunde.
dviṣṭapratīpāśucipūtyamedhyabībhatsagandhāśanadarśanaiśca| yacchardayettaptamanā manodhnairdviṣṭārthasaṃyogabhavā matā sā
Jenes Erbrechen, das ein seelisch gequälter (taptamanas) Mensch durch den Anblick oder Geruch von Unangenehmem, Widerwärtigem, Unreinem, Übelriechendem, Ekelerregendem oder Ungenießbarem – also durch geistschädigende (manodhna) Dinge – hervorbringt, gilt als aus dem Kontakt mit Unliebsamem (dviṣṭārthasaṃyoga) entstanden.
kṣīṇasya yā chardiratipravṛddhā sopadravā śoṇitapūyayuktā| sacandrikāṃ tāṃ pravadantyasādhyāṃ sādhyāṃ cikitsedanupadravāṃ ca
Das übermäßig heftige Erbrechen eines geschwächten Menschen, das von Komplikationen (upadrava) begleitet wird, Blut und Eiter enthält und einen mondscheinartigen Glanz (candrikā) zeigt, gilt als unheilbar (asādhya); das ohne Komplikationen soll man als heilbar (sādhya) behandeln.
āmāśayotkleśabhavā hi sarvāśchardyo matā laṅghanameva tasmāt| prākkārayenmārutajāṃ vimucya saṃśodhanaṃ vā kaphapittahāri
Da man annimmt, dass alle Arten des Erbrechens aus der Erregung des Magens (āmāśaya) entstehen, soll man zunächst eine Abmagerungs-/Fastentherapie (laṅghana) durchführen – ausgenommen bei der windbedingten (vāta) Form – oder eine reinigende Therapie (śodhana), die Kapha und Pitta beseitigt.
cūrṇāni lihyānmadhunā'bhayānāṃ hṛdyāni vā yāni virecanāni| madyaiḥ payobhiśca yutāni yuktyā nayantyadho doṣamudīrṇamūrdhvam
Man lecke Pulver von Myrobalanen (abhayā, Terminalia chebula) mit Honig, oder herzstärkende (hṛdya) Abführmittel (virecana), passend mit Wein oder Milch kombiniert; diese führen den aufsteigenden, erregten Doṣa nach unten ab.
vallīphalādyairvamanaṃ pibedvā yo durbalastaṃ śamanaiścikitset| rasairmanojñairlaghubhirviśuṣkairbhakṣyaiḥ sabhojyairvividhaiśca pānaiḥ
Oder man trinke ein Brechmittel (vamana) aus Früchten von Kletterpflanzen (vallī) und Ähnlichem; wer aber schwach ist, den behandle man mit besänftigenden Mitteln (śamana) – mit angenehmen, leichten, trockenen Fleischbrühen (rasa), mit festen und weichen Speisen sowie mit verschiedenen Getränken.
susaṃskṛtāstittiribarhilāvarasā vyapohantyanilapravṛttām| chardiṃ tathā kolakulatthadhānyabilvādimūlāmlayavaiśca yūṣaḥ
Gut zubereitete Fleischbrühen von Rebhuhn (tittiri), Pfau (barhi) und Wachtel (lāva) beseitigen das windbedingte (anila) Erbrechen, ebenso Suppen (yūṣa) aus Brustbeere (kola), Pferdebohne (kulattha), Koriander (dhānya), der Wurzel des Bilva-Baumes und Ähnlichem, mit Säure und Gerste (yava).
vātātmikāyāṃ hṛdayadravārto naraḥ pibet saindhavavaddhṛtaṃ tu| siddhaṃ tathā dhānyakanāgarābhyāṃ dadhnā ca toyena ca dāḍimasya
Bei der windbedingten (vātātmikā) Form trinke ein von Herzschwäche (hṛdayadrava) geplagter Mann geklärte Butter (ghṛta) mit Steinsalz (saindhava), zubereitet mit Koriander (dhānyaka) und trockenem Ingwer (nāgara), sowie mit Joghurt (dadhi) und dem Wasser des Granatapfels (dāḍima).
vyoṣeṇa yuktāṃ lavaṇaistribhiśca ghṛtasya mātrāmathavā vidadhyāt| snigdhāni hṛdyāni ca bhojanāni rasaiḥ sayūṣairdadhidāḍimāmlaiḥ
Oder man verabreiche eine Dosis geklärter Butter, vermischt mit den drei Gewürzen (vyoṣa: Pfeffer, langer Pfeffer, Ingwer) und den drei Salzen, sowie fettige, herzstärkende Speisen mit Fleischbrühen und Suppen, gesäuert mit Joghurt und Granatapfel.
pittātmikāyāmanulomanārthaṃ drākṣāvidārīkṣurasaistrivṛt syāt| kaphāśayasthaṃ tvatimātravṛddhaṃ pittaṃ haret svādubhirūrdhvameva
Bei der pittabedingten (pittātmikā) Form gebe man zur Regulierung des Windflusses (anulomana) Trivṛt (Operculina turpethum) zusammen mit dem Saft von Weintrauben (drākṣā), Vidārī (einer süßen Knollenpflanze) und Zuckerrohr; das im Sitz des Kapha befindliche, übermäßig vermehrte Pitta hingegen beseitige man mit süßen Mitteln nach oben, durch Erbrechen.
śuddhāya kāle madhuśarkarābhyāṃ lājaiśca manthaṃ yadi vā'pi peyām| pradāpayenmudgarasena vā'pi śālyodanaṃ jāṅgalajai rasairvā
Dem [durch Reinigung] Gereinigten gebe man zur rechten Zeit einen gerührten Trank (mantha) mit Honig, Zucker und geröstetem Reis, oder einen Reisschleim (peyā), oder Mungbohnensuppe (mudgarasa), oder gekochten Reis (śālyodana) mit Fleischbrühen von Wildtieren (jāṅgala).
sitopalāmākṣikapippalībhiḥ kulmāṣalājāyavasaktugṛñjān| kharjūramāṃsānyatha nārikelaṃ drākṣāmatho vā badarāṇi lihyāt
Man lecke [eine Mischung aus] Kandiszucker (sitopalā), Honig und langem Pfeffer (pippalī) mit halbgekochten Bohnen (kulmāṣa), geröstetem Reis, Gerstenmehl (saktu) und Zwiebeln (gṛñjana), oder Datteln, Fleisch, Kokosnuss, Weintrauben oder Brustbeeren (badara).
srotojalājotpalakolamajjacūrṇāni lihyānmadhunā'bhayāṃ ca| kolāsthimajjāñjanamakṣikāviḍlājāsitāmāgadhikākaṇān vā
Man lecke mit Honig Pulver aus Wasserlotos (utpala) und dem Mark der Brustbeerkerne (kolamajja) sowie Myrobalane (abhayā), oder das Mark des Brustbeerkerns, Augensalbe (añjana), Bienenhonig, Fladen aus geröstetem Reis, Zucker und Körner von langem Pfeffer (māgadhikā).
drākṣārasaṃ vā'pi pibet suśītaṃ mṛdbhṛṣṭaloṣṭaprabhavaṃ jalaṃ vā| jambvāmrayoḥ pallavajaṃ kaṣāyaṃ pibet suśītaṃ madhusaṃyutaṃ vā
Oder man trinke gut gekühlten Traubensaft, oder Wasser, das durch eine gebrannte Tonscherbe (bhṛṣṭaloṣṭa) gewonnen wurde, oder man trinke einen aus den jungen Blättern von Jambu (Jambolan) und Mango gewonnenen, gut gekühlten Absud (kaṣāya), mit Honig vermischt.
niśi sthitaṃ vāri samudgakṛṣṇaṃ sośīradhānyaṃ caṇakodakaṃ vā| gavedhukāmūlajalaṃ guḍūcyā jalaṃ pibedikṣurasaṃ payo vā
Man trinke über Nacht gestandenes Wasser mit schwarzer Mungbohne (mudga) und Ähnlichem, versetzt mit Uśīra-Wurzel (Vetiver) und Koriander, oder Kichererbsenwasser, oder Wasser aus der Wurzel des Gavedhukā-Grases, oder Guḍūcī-Wasser (Tinospora cordifolia), oder Zuckerrohrsaft, oder Milch.
sevyaṃ pibet kāñcanagairikaṃ vā sabālakaṃ taṇḍuladhāvanena| dhātrīrasenottamacandanaṃ vā tṛṣṇāvamighnāni samākṣikāṇi
Man trinke, mit Reiswaschwasser (taṇḍuladhāvana), gelbes Ockerpigment (kāñcanagairika) zusammen mit Bālaka (einer duftenden Wurzel), oder feinstes Sandelholz (candana) mit dem Saft der Amla-Frucht (dhātrī), mit Honig vermischt; diese Mittel vertreiben Durst und Erbrechen.
kalkaṃ tathā candanacavyamāṃsīdrākṣottamābālakagairikāṇām| śītāmbunā gairikaśālicūrṇaṃ mūrvāṃ tathā taṇḍuladhāvanena
Ebenso [nehme man] eine Paste (kalka) aus Sandelholz, Cavya (Piper chaba), Narde (māṃsī), feinsten Weintrauben, Bālaka und Ockerpigment; mit kaltem Wasser [trinke man] Ockerpigment und feines Reismehl, ebenso Mūrvā (eine Kletterpflanze) mit Reiswaschwasser.
kaphātmikāyāṃ vamanaṃ praśastaṃ sapippalīsarṣapanimbatoyaiḥ| piṇḍītakaiḥ saindhavasamprayuktairvamyāṃ kaphāmāśayaśodhanārtham
Bei der kaphabedingten (kaphātmikā) Form ist ein Brechmittel (vamana) empfohlen: mit langem Pfeffer, Senf und Neem-Wasser versetzt, mit der Frucht Piṇḍītaka und Steinsalz kombiniert – zum Zweck der Reinigung des von Kapha [belasteten] Magens durch Erbrechen.
godhūmaśālīn sayavān purāṇān yūṣaiḥ paṭolāmṛtacitrakāṇām| vyoṣasya nimbasya ca takrasiddhairyūṣaiḥ phalāmlaiḥ kaṭubhistathā'dyāt
Man esse Weizen und alten Reis mit Gerste, mit Suppen (yūṣa) aus Paṭola (einer Kürbisgewächsfrucht), Guḍūcī (amṛtā) und Citraka (Plumbago), sowie mit Suppen, die mit den drei Gewürzen (vyoṣa), Neem und Buttermilch (takra) zubereitet und mit Fruchtsäure und scharfen Mitteln versetzt sind.
rasāṃśca śūlyāni ca jāṅgalānāṃ māṃsāni jīrṇānmadhusīdhvariṣṭān| rāgāṃstathā ṣāḍavapānakāni drākṣākapitthaiḥ phalapūrakaiśca
[Man gebe] Fleischbrühen und am Spieß gebratenes (śūlya) Fleisch von Wildtieren, gereifte alkoholische Getränke (madhu, sīdhu, ariṣṭa), fruchtige Kompotte (rāga) und den Ṣāḍava-Trank sowie Getränke mit Weintrauben, Kapittha (Elefantenapfel) und Zitrusfrüchten (phalapūraka).
mudgānmasūrāṃścaṇakān kalāyān bhṛṣṭān yutānnāgaramākṣikābhyām| lihyāttathaiva triphalāviḍaṅgacūrṇaṃ viḍaṅgaplavayoratho [1] vā
Man esse geröstete Mungbohnen, Linsen, Kichererbsen und Erbsen, mit trockenem Ingwer und Honig versetzt; ebenso lecke man Pulver aus Triphalā (den drei Myrobalanen) und Viḍaṅga (Embelia), oder aus Viḍaṅga und Plava (einer Heilpflanze).
sajāmbavaṃ vā badarāmlacūrṇaṃ [2] mustāyutāṃ karkaṭakasya śṛṅgīm| durālabhāṃ vā madhusamprayuktāṃ lihyāt kaphacchardivinigrahārtham
Oder man lecke, mit Honig vermischt, saures Pulver aus Jambolan (jāmbava) und Brustbeere (badara) zusammen mit Mustā (Cyperus), oder Karkaṭakaśṛṅgī (ein Krebsschalen-Mineralmittel), oder Durālabhā (Fagonia arabica), zur Unterdrückung des kaphabedingten Erbrechens.
manaḥśilāyāḥ phalapūrakasya rasaiḥ kapitthasya ca pippalīnām| kṣaudreṇa cūrṇaṃ maricaiśca yuktaṃ lihañjayecchardimudīrṇavegām
Wer ein Pulver aus rotem Arsensulfid (manaḥśilā) mit den Säften von Zitrusfrucht und Kapittha sowie von langem Pfeffer, mit Honig (kṣaudra) und schwarzem Pfeffer vermischt, leckt, besiegt das Erbrechen mit heftigem Drang.
yaiṣā pṛthaktvena mayā kriyoktā tāṃ sannipāte'pi samasya [1] buddhyā| doṣarturogāgnibalānyavekṣya prayojayecchāstravidapramattaḥ
Diese Behandlung, die ich für jede [Doṣa-Form] einzeln genannt habe, wende man mit Klugheit auch bei der Form aus allen drei Doṣas zugleich (sannipāta) an; dabei soll der schriftkundige, aufmerksame [Arzt] Doṣa, Jahreszeit, Krankheit, Verdauungskraft (agni) und Kräfte [des Patienten] berücksichtigen.
manobhighāte tu manonukūlā vācaḥ samāśvāsanaharṣaṇāni| lokaprasiddhāḥ śrutayo vayasyāḥ śṛṅgārikāścaiva hitā vihārāḥ
Bei der durch seelische Erschütterung (manobhighāta) verursachten [Form] hingegen sind dem Gemüt zuträgliche, tröstende und erfreuende Worte, allgemein bekannte [heilige] Überlieferungen (śruti), gleichaltrige Freunde (vayasya) und liebevolle Zeitvertreibe (śṛṅgārika vihāra) heilsam.
gandhā vicitrā manaso'nukūlā mṛtpuṣpaśuktāmlaphalādikānām| śākāni bhojyānyatha pānakāni susaṃskṛtāḥ ṣāḍavarāgalehāḥ
[Ebenso heilsam sind] vielfältige, dem Gemüt zuträgliche Düfte von Erde, Blüten, Perlmuscheln (śukti), sauren Früchten und Ähnlichem, ferner Gemüse, feste Speisen, Getränke sowie gut zubereitete Ṣāḍava-Getränke, Fruchtkompotte (rāga) und Leckmittel (leha).
yūṣā rasāḥ kāmbalikā khaḍāśca māṃsāni dhānā vividhāśca bhakṣyāḥ| phalāni mūlāni ca gandhavarṇarasairupetāni vamiṃ jayanti
Suppen, Fleischbrühen, Kāmbalika- und Khaḍa-Gerichte, Fleisch, geröstetes Getreide (dhānā) und vielerlei feste Speisen, Früchte und Wurzeln, die durch angenehmen Duft, Farbe und Geschmack ausgezeichnet sind, besiegen das Erbrechen.
gandhaṃ rasaṃ sparśamathāpi śabdaṃ rūpaṃ ca yadyat priyamapyasātmyam| tadeva dadyāt praśamāya tasyāstajjo hi rogaḥ sukha eva jetum
Welchen Duft, Geschmack, Berührungsreiz, Klang oder Anblick auch immer [der Patient] liebt, selbst wenn er ihm nicht zuträglich (asātmya) ist – eben diesen gebe man ihm zur Beruhigung [des Erbrechens]; denn eine aus [seelischer Zuneigung] entstandene Krankheit lässt sich mit Leichtigkeit (sukha) besiegen.
chardyutthitānāṃ ca cikitsitāt svāccikitsitaṃ kāryamupadravāṇām| atipravṛttāsu virecanasya karmātiyoge vihitaṃ vidheyam
Für die aus dem Erbrechen entstandenen Komplikationen (upadrava) ist die jeweils eigene, dafür vorgesehene Behandlung anzuwenden; bei übermäßig starkem Erbrechen infolge zu starker Wirkung eines Abführmittels (virecana) ist die dafür vorgeschriebene Behandlung anzuwenden.
vamiprasaṅgāt pavano'pyavaśyaṃ dhātukṣayāddhṛddhimupaiti tasmāt| cirapravṛttāsvanilāpahāni kāryāṇyupastambhanabṛṃhaṇāni
Durch anhaltendes Erbrechen (vamiprasaṅga) gerät notwendigerweise auch der Wind (pavana, Vāta) durch den Schwund der Körpergewebe (dhātukṣaya) in Vermehrung; daher sind bei lang andauerndem [Erbrechen] windbeseitigende, stützende (upastambhana) und stärkende (bṛṃhaṇa) Maßnahmen anzuwenden.
sarpirguḍāḥ kṣīravidhirghṛtāni kalyāṇakatryūṣaṇajīvanāni| vṛṣyāstathā māṃsarasāḥ salehāściraprasaktāṃ ca vamiṃ jayanti
Geklärte Butter (sarpis), [medizinische] Kugeln (guḍa), Milchzubereitungen (kṣīravidhi), Ghee-Präparate wie Kalyāṇaka sowie [Mittel mit] den drei Gewürzen (tryūṣaṇa) und belebenden (jīvana) Kräutern, ebenso potenzsteigernde (vṛṣya) Fleischbrühen und Leckmittel (leha) besiegen das lang anhaltende Erbrechen.
hetuṃ saṅkhyāṃ lakṣaṇamupadravān sādhyatāṃ na yogāṃśca| chardīnāṃ praśamārthaṃ prāha cikitsitaṃ munivaryaḥ
Ursache (hetu), Anzahl (saṅkhyā), Symptome (lakṣaṇa), Komplikationen (upadrava), Heilbarkeit und Unheilbarkeit sowie die Heilmittel (yoga) der verschiedenen Arten des Erbrechens – all dies legte der beste der Weisen (munivarya) zu deren Beruhigung als Behandlung (cikitsita) dar.