Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 22: Trishna Chikitsa Behandlung des krankhaften Durstes (Tṛṣṇā)

Das zweiundzwanzigste Kapitel behandelt den krankhaften Durst (tṛṣṇā), den Caraka auf ein durch Vāta und Pitta ausgetrocknetes Wasserelement (ab-dhātu) im Körper zurückführt und in fünf Formen unterscheidet, darunter den besonders bedrohlichen, aus Auszehrung entstehenden Durst. Die Behandlung setzt auf kühlende, süße Mittel wie Zuckerrohrsaft, Weintrauben (drākṣā), Sandelholz (candana), Honig und Milch, ergänzt durch äußere Anwendungen wie Umschläge und Bäder. Auffällig ist die ausdrückliche Empfehlung sinnlich-psychologischer Linderung: Die Erinnerung an schneebedeckte Berge, kühle Seen und die Berührung geliebter Menschen gilt als ebenso heilsam wie Arzneien – ein frühes Zeugnis ganzheitlichen Denkens. Zugleich warnt der Text eindringlich davor, einem durstigen Kranken Wasser zu verweigern, da dies rasch tödlich enden könne.

DIE FÜNF ARTEN DES KRANKHAFTEN DURSTES (TṚṢṆĀ) (Vers 11–17)
NameEntstehungKennzeichen
Vāta-tṛṣṇāErregter Wind trocknet das Wasserelement (ab-dhātu) im Körper ausSchlaflosigkeit, Kopfschwindel, trockener, geschmackloser Mund, Verstopfung der Körperkanäle
Pitta-tṛṣṇāErregtes, feuriges Pitta erhitzt das WasserelementBitterer Mundgeschmack, Kopfbrennen, Verlangen nach Kälte, Ohnmacht, gelbliche Augen, Urin und Stuhl
Āma-tṛṣṇāAus unverdautem, saurem Pitta (āmapitta) hervorgerufenAppetitlosigkeit, Blähung, vermehrter Speichelfluss
Kṣaya-tṛṣṇāDurch Schwund des Nährsafts (rasa) und damit des WasserelementsSchwache, klagende Stimme, Erschöpfung, ausgetrocknetes Herz, Kehle und Gaumen
Upasarga-tṛṣṇāAls Begleitsymptom bei Fieber, Diabetes (meha), Auszehrung, Schwindsucht oder AtemnotAuszehrend und bedrohlich; bei anhaltendem Auftreten mit Begleiterscheinungen als todbringend erkannt
Der Text warnt ausdrücklich davor, einem durstigen Kranken Wasser zu verweigern, da dies rasch tödlich enden könne (V60).

athātastṛṣṇācikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung des krankhaften Durstes (tṛṣṇā) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der ehrwürdige Ātreya.

jñānapraśamatapobhiḥ khyāto'trisuto jagaddhite'bhirataḥ | tṛṣṇānāṃ praśamārthaṃ cikitsitaṃ prāha pañcānām

Der Sohn des Atri, berühmt durch Wissen, Gelassenheit (praśama) und Askese (tapas), dem Wohl der Welt zugetan, verkündete die Behandlung zur Besänftigung der fünf Arten des Durstes (tṛṣṇā).

kṣobhādbhayācchramādapi śokātkrodhādvilaṅghanānmadyāt | kṣārāmlalavaṇakaṭukoṣṇarūkṣaśuṣkānnasevābhiḥ

Durch Erregung (kṣobha), Furcht, Erschöpfung, Kummer, Zorn, Fasten (vilaṅghana), Alkohol (madya) sowie durch den Genuss von alkalischer (kṣāra), saurer, salziger, scharfer, heißer, rauer und trockener Speise,

dhātukṣayagadakarṣaṇavamanādyatiyogasūryasantāpaiḥ | pittānilau pravṛddhau saumyāndhātūṃśca śoṣayataḥ

durch Erschöpfung der Körpergewebe (dhātu), durch Krankheit, Abmagerung, übermäßiges Erbrechen und Ähnliches sowie durch Sonnenhitze werden Pitta und Vāta vermehrt und trocknen die milden (saumya) Gewebe aus.

rasavāhinīśca nālīrjihvāmūlagalatālukaklomnaḥ | saṃśoṣya nṛṇāṃ dehe kurutastṛṣṇāṃ mahābalāvetau

Diese beiden, von großer Kraft, trocknen die rasa-führenden Kanäle (rasavāhinī nāḍī) sowie Zungenwurzel, Kehle, Gaumen und Klom (die Kehlkopfregion) im Körper der Menschen aus und erzeugen so den Durst.

pītaṃ pītaṃ hi jalaṃ śoṣayatastāvato na yāti śamam | ghoravyādhikṛśānāṃ prabhavatyupasargabhūtā sā

Denn sie trocknen das immer wieder getrunkene Wasser stets erneut aus, sodass der Durst nicht zur Ruhe kommt; bei Menschen, die durch schwere Krankheiten abgemagert sind, tritt dieser Durst als Begleitsymptom (upasarga) auf.

prāgrūpaṃ mukhaśoṣaḥ, svalakṣaṇaṃ sarvadā'mbukāmitvam | tṛṣṇānāṃ sarvāsāṃ liṅgānāṃ lāghavamapāyaḥ

Das Vorzeichen (prāgrūpa) ist Mundtrockenheit; das eigentliche Kennzeichen (svalakṣaṇa) ist das stete Verlangen nach Wasser. Bei allen Arten des Durstes zeigt sich das Abklingen der Krankheitszeichen durch ein Gefühl von Leichtigkeit (lāghava).

mukhaśoṣasvarabhedabhramasantāpapralāpasaṃstambhān | tālvoṣṭhakaṇṭhajihvākarkaśatāṃ cittanāśaṃ ca

Mundtrockenheit, veränderte Stimme, Schwindel (bhrama), Hitzegefühl, wirres Reden (pralāpa), Erstarrung (saṃstambha), Rauheit von Gaumen, Lippen, Kehle und Zunge sowie Bewusstseinsverlust

jihvānirgamamaruciṃ bādhiryaṃ marmadūyanaṃ sādam | tṛṣṇodbhūtā kurute, pañcavidhāṃ liṅgataḥ śṛṇu tām

sowie Herausstrecken der Zunge, Appetitlosigkeit (aruci), Schwerhörigkeit (bādhirya), Schmerzen an den vitalen Punkten (marman) und Erschöpfung (sāda) verursacht der entstandene Durst. Höre nun seine fünf Arten nach ihren Kennzeichen (liṅga).

abdhātuṃ dehasthaṃ kupitaḥ pavano yadā viśoṣayati | tasmiñśuṣke śuṣyatyabalastṛṣyatyatha viśuṣyan

Wenn der erregte Wind (pavana, Vāta) das im Körper befindliche Wasserelement (ab-dhātu) austrocknet, wird der Mensch, sobald dieses vertrocknet ist, kraftlos, vertrocknet zunehmend selbst und leidet an Durst.

nidrānāśaḥ śiraso bhramastathā śuṣkavirasamukhatā ca sroto'varodha iti ca syālliṅgaṃ vātatṛṣṇāyāḥ

Schlaflosigkeit, Kopfschwindel, ein trockener und geschmackloser Mund sowie eine Verstopfung der Körperkanäle (srotas) sind die Kennzeichen des windbedingten Durstes (vātatṛṣṇā).

pittaṃ matamāgneyaṃ kupitaṃ cettāpayatyapāṃ dhātum | santaptaḥ sa hi janayettṛṣṇāṃ dāholbaṇāṃ nṝṇām

Pitta gilt als feurig (āgneya); ist es erregt, so erhitzt es das Wasserelement, und dieses erhitzte Element erzeugt in den Menschen einen von starkem Brennen (dāha) begleiteten Durst.

tiktāsyatvaṃ śiraso dāhaḥ śītābhinandatā mūrcchā | pītākṣimūtravarcastvamākṛtiḥ pittatṛṣṇāyāḥ

Bitterer Geschmack im Mund, Kopfbrennen, Verlangen nach Kälte, Ohnmacht (mūrcchā) sowie gelbliche Färbung von Augen, Urin und Stuhl kennzeichnen den pittabedingten Durst (pittatṛṣṇā).

tṛṣṇā yā''maprabhavā sā'pyāgneyā''mapittajanitatvāt | liṅgaṃ tasyāścārucirādhmānakaphaprasekau ca

Auch der aus unverdauter Nahrung (āma) entstehende Durst ist feuriger Natur, da er von unverdautem, saurem Pitta (āmapitta) hervorgerufen wird; seine Kennzeichen sind Appetitlosigkeit, Blähung (ādhmāna) und vermehrter Speichelfluss (kaphapraseka).

deho rasajo'mbubhavo rasaśca tasya kṣayācca tṛṣyeddhi | dīnasvaraḥ pratāmyan saṃśuṣkahṛdayagalatāluḥ

Der Körper entsteht aus rasa (Nährflüssigkeit), rasa wiederum aus Wasser; durch Schwund von rasa leidet der Mensch an Durst, hat eine schwache, klagende Stimme und ist erschöpft (pratāmyan), mit ausgetrocknetem Herzen, Kehle und Gaumen.

bhavati khalu yopasargāttṛṣṇā sā śoṣiṇī kaṣṭā | jvaramehakṣayaśoṣaśvāsādyupasṛṣṭadehānām

Der Durst, der als Begleitsymptom (upasarga) auftritt, ist der auszehrende (śoṣiṇī) und bedrohliche; er befällt Menschen, deren Körper von Fieber (jvara), Diabetes (meha), Auszehrung (kṣaya), Schwindsucht (śoṣa), Atemnot (śvāsa) und Ähnlichem heimgesucht ist.

sarvāstvatiprasaktā rogakṛśānāṃ vamiprasaktānām | ghoropadravayuktāstṛṇā maraṇāya vijñeyāḥ

Alle Arten des Durstes, die anhaltend (atiprasakta) auftreten bei durch Krankheit Abgemagerten oder von ständigem Erbrechen Geplagten und die von schrecklichen Begleiterscheinungen (upadrava) begleitet sind, sind als todbringend zu erkennen.

nāgniṃ vinā hi tarṣaḥ pavanādvā tau hi śoṣaṇe hetū | abdhātorativṛddhāvapāṃ kṣaye tṛṣyate naro hi

Durst entsteht nicht ohne die Beteiligung von Feuer (agni) oder Wind (pavana), denn diese beiden sind bei übermäßiger Vermehrung die Ursachen für das Austrocknen; auch bei bloßem Schwund des Wasserelements leidet der Mensch an Durst.

gurvannapayaḥsnehaiḥ sammūrcchadbhirvidāhakāle ca | yastṛṣyedvṛtamārge tatrāpyanilānalau hetū

Auch wer durch schwer verdauliche Speisen, Milch und Fette, die sich vermengen und zur Zeit ihrer Umwandlung Brennen (vidāha) verursachen, oder auf dem regulären Weg (vṛtamārga) Durst bekommt, dem liegen ebenfalls Wind und Feuer als Ursache zugrunde.

tīkṣṇoṣṇarūkṣabhāvānmadyaṃ pittānilau prakopayati | śoṣayato'pāṃ dhātuṃ tāveva hi madyaśīlānām

Alkohol (madya) erregt durch seine scharfe, heiße und trockene Natur Pitta und Vāta; und eben diese beiden sind es, die bei Trinkern (madyaśīla) das Wasserelement austrocknen.

taptāsviva sikatāsu hi toyamāśu śuṣyati kṣiptam | teṣāṃ santaptānāṃ himajalapānādbhavati śarma

Wie auf erhitzten Sand gegossenes Wasser rasch versiegt, so ergeht es den von Vāta und Pitta Erhitzten; ihnen bringt das Trinken von eiskaltem Wasser Linderung (śarma).

śiśirasnātasyoṣmā ruddhaḥ koṣṭhaṃ prapadya tarṣayati | tasmānnoṣṇaklānto bhajeta sahasā jalaṃ śītam

Bei jemandem, der in Kälte gebadet hat, wird die Körperwärme zurückgehalten, dringt in den Bauchraum (koṣṭha) ein und verursacht Durst; deshalb soll ein von Hitze Erschöpfter nicht plötzlich kaltes Wasser zu sich nehmen.

liṅgaṃ sarvāsvetāsvanilakṣayapittajaṃ bhavatyatha tu | pṛthagāgamāccikitsitamataḥ pravakṣyāmi tṛṣṇānām

In all diesen genannten Formen treten Zeichen auf, die von Vāta, von Gewebeschwund (kṣaya) und von Pitta herrühren; da sie jedoch aus verschiedenen Ursachen entstehen, werde ich nun die Behandlung der einzelnen Durstarten getrennt darlegen.

apāṃ kṣayāddhi tṛṣṇā saṃśoṣya naraṃ praṇāśayedāśu | tasmādaindraṃ toyaṃ samadhu pibettadguṇaṃ vā'nyat

Der durch Schwund des Wasserelements entstehende Durst kann den Menschen rasch austrocknen und vernichten; deshalb trinke man Regenwasser (aindra, „Wasser Indras“) mit Honig oder ein anderes Wasser gleicher Eigenschaft.

kiñcittuvarānurasaṃ tanu laghu śītalaṃ sugandhi surasaṃ ca | anabhiṣyandi ca yattatkṣitigatamapyaindravajjñeyam

Wasser, das einen leicht adstringierenden Nachgeschmack hat, fein, leicht, kühl, wohlriechend, wohlschmeckend und nicht verschleimend (anabhiṣyandi) ist, gilt, auch wenn es der Erde entstammt, als dem Regenwasser gleichwertig.

śṛtaśītaṃ sasitopalamathavā śarapūrvapañcamūlena | lājāsaktusitāhvāmadhuyutamaindreṇa vā mantham

Man gebe abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser mit Kandiszucker (sitā), oder mit den fünf Wurzeln der Śara-Gruppe (śarapañcamūla) bereitetes Wasser, oder einen Trank (mantha) aus geröstetem Reis (lāja), Gerstenmehl (saktu) und Zucker mit Honig, vermischt mit Regenwasser.

vāṭyaṃ vā''mayavānāṃ śītaṃ madhuśarkarāyutaṃ dadyāt | peyāṃ vā śālīnāṃ dadyādvā koradūṣāṇām

Oder man gebe ein kaltes Getränk (vāṭya) aus rohen Gerstenkörnern mit Honig und Zucker vermischt, oder man gebe einen dünnen Reisschleim (peyā) aus Śāli-Reis oder aus Koradūṣa-Getreide.

payasā śṛtena bhojanamathavā madhuśarkarāyutaṃ yojyam | pārāvatādikarasairghṛtabhṛṣṭairvā'pyalavaṇāmlaiḥ

Oder man verordne eine mit gekochter Milch bereitete, mit Honig und Zucker versetzte Speise, oder in Ghee gebratene Fleischsäfte (rasa) von Taubenfleisch (pārāvata) und Ähnlichem, ungesalzen und ohne Säure.

tṛṇapañcamūlamuñjātakaiḥ priyālaiśca jāṅgalāḥ sukṛtāḥ | śastā rasāḥ payo vā taiḥ siddhaṃ śarkarāmadhumat

Fleischsäfte von Wildlandtieren (jāṅgala), gut zubereitet mit den fünf Graswurzeln (tṛṇapañcamūla), Muñjāta-Gräsern und Priyāla-Früchten, sind zu empfehlen, ebenso Milch, damit gekocht und mit Zucker und Honig versetzt.

śatadhautaghṛtenāktaḥ payaḥ pibecchītatoyamavagāhya | mudgamasūracaṇakajā rasāstu bhṛṣṭā ghṛte deyāḥ

Mit hundertfach gewaschenem Ghee (śatadhautaghṛta) eingerieben und in kaltem Wasser badend, trinke man Milch; Suppen (rasa) aus Mungbohnen (mudga), Linsen (masūra) und Kichererbsen (caṇaka), in Ghee geröstet, sollen gegeben werden.

madhuraiḥ sajīvanīyaiḥ śītaiśca satiktakaiḥ śṛtaṃ kṣīram | pānābhyañjanasekeṣviṣṭaṃ madhuśarkarāyuktam

Milch, gekocht mit süßen, der Jīvanīya-Gruppe [lebenskraftfördernde Kräuter] angehörigen, kühlenden und leicht bitteren Mitteln, mit Honig und Zucker versetzt, ist zum Trinken, zum Einreiben (abhyañjana) und zum Übergießen (seka) geeignet.

tajjaṃ vā ghṛtamiṣṭaṃ pānābhyaṅgeṣu nasyamapi ca syāt | nārīpayaḥ saśarkaramuṣṭryā api nasyamikṣurasaḥ

Auch das daraus gewonnene Ghee ist zum Trinken und Einreiben geeignet, ebenso als Nasentropfen (nasya); Frauenmilch mit Zucker sowie Kamelmilch (uṣṭrī) können ebenfalls als Nasentropfen dienen, ebenso Zuckerrohrsaft (ikṣurasa).

kṣīrekṣurasaguḍodakasitopalākṣaudrasīdhumārdvīkaiḥ | vṛkṣāmlamātuluṅgairgaṇḍūṣāstāluśoṣaghnāḥ

Mundspülungen (gaṇḍūṣa) mit Milch, Zuckerrohrsaft, Melassewasser (guḍodaka), Kandiszucker, Honig, süßem Wein (sīdhu), Weintrauben (mārdvīka), Tamarinde (vṛkṣāmla) und Zitronensaft (mātuluṅga) beseitigen die Gaumentrockenheit.

jambvāmrātakabadarīvetasapañcavalkapañcāmlaiḥ | hṛnmukhaśiraḥpradehāḥsaghṛtā mūrcchābhramatṛṣṇāghnāḥ syuḥ

Mit Ghee versetzte Pasten (pradeha) aus Jambolan (jambu), Amraphrucht (āmrātaka), Jujube (badarī), Rattan (vetasa), der Fünf-Rinden-Gruppe (pañcavalka) und den fünf sauren Früchten (pañcāmla), auf Herz, Mund und Kopf aufgetragen, beseitigen Ohnmacht, Schwindel und Durst.

dāḍimadadhitthalodhraiḥ savidārībījapūrakaiḥ śirasaḥ | lepo gaurāmalakairghṛtāranālāyutaiśca hitaḥ

Eine Salbe (lepa) für den Kopf aus Granatapfel (dāḍima), Dadhittha-Frucht, Lodhra-Rinde, mit Vidārī-Samen und Zitrusfrucht (bījapūraka) sowie hellen Amla-Früchten (gaurāmalaka), vermischt mit Ghee und saurem Reiswasser (āranāla), ist heilsam.

śaivalapaṅkāmburuhaiḥ sāmlaiḥ saghṛtaiśca śaktubhirlepaḥ | mastvāranālārdravasanakamalamaṇihārasaṃsparśāḥ

Eine Salbe aus Wasserlinsen (śaivala), Schlamm (paṅka) und Lotus (amburuha), mit saurem Zusatz, Ghee und Gerstenmehl (śaktu), wird angewendet; ebenso die Berührung mit Buttermilch (mastu), saurem Reiswasser, feuchten Tüchern, Lotusblüten und Perlenketten (maṇihāra).

śiśirāmbucandanārdrastanataṭapāṇitalagātrasaṃsparśāḥ | kṣaumārdranivasanānāṃ varāṅganānāṃ priyāṇāṃ ca

Ebenso wirkt die Berührung mit kühlem Wasser, mit Sandelpaste befeuchteten Brüsten, Handflächen und Körpern schöner, in feuchte Leinengewänder gekleideter, geliebter Frauen.

himavaddarīvanasaritsaro'mbujapavanendupādaśiśirāṇām | ramyaśiśirodakānāṃ smaraṇaṃ kathāśca tṛṣṇāghnāḥ

Auch die Erinnerung an schneebedeckte Berghöhlen, Wälder, Flüsse und lotusbedeckte Seen, an kühle Brisen, Mondlicht und liebliche, kühle Gewässer sowie Erzählungen darüber vertreiben den Durst.

vātaghnamannapānaṃ mṛdu laghu śītaṃ ca vātatṛṣṇāyām | kṣayakāsanucchṛtaṃ kṣīraghṛtamūrdhvavātatṛṣṇāghnam

Bei windbedingtem Durst (vātatṛṣṇā) gebe man windbesänftigende (vātaghna), milde, leichte und kühlende Speisen und Getränke; bei Durst, der mit nach oben steigendem Wind einhergeht, wie bei Auszehrung und Husten, ist erwärmte Milch mit Ghee heilsam.

syājjīvanīyasiddhaṃ kṣīraghṛtaṃ vātapittaje tarṣa paitte drākṣācandanakharjūrośīramadhuyutaṃ toyam

Bei Vāta-Pitta-bedingtem Durst gebe man Milch und Ghee, mit der Jīvanīya-Gruppe bereitet; bei pittabedingtem Durst Wasser, versetzt mit Weintrauben (drākṣā), Sandelholz (candana), Datteln (kharjūra), Ūśīra-Wurzel und Honig.

lohitaśālitaṇḍulakharjūraparūṣakotpaladrākṣāḥ | madhu pakvaloṣṭameva ca jale sthitaṃ śītalaṃ peyam

Rote Śāli-Reiskörner, Datteln, Parūṣaka-Beeren, blaue Lotusblüten (utpala) und Weintrauben, dazu Honig und ein gebrannter Tonklumpen (loṣṭa), in Wasser eingelegt und abgekühlt, sollen als Getränk dienen.

lohitaśāliprasthaḥ salodhramadhukāñjanotpalaḥ kṣuṇṇaḥ | pakvāmaloṣṭajalamadhusamāyuto mṛnmaye peyaḥ

Ein Prastha [Hohlmaß] roter Śāli-Reis, zerstoßen mit Lodhra, Süßholz (madhuka), Añjana (Antimon) und blauem Lotus, mit dem Wasser eines gebrannten Tongefäßes und mit Honig versetzt, soll aus einem Tongefäß getrunken werden.

vaṭamātuluṅgavetasapallavakuśakāśamūlayaṣṭyāhvaiḥ | siddhe'mbhasyagninibhāṃ kṛṣṇamṛdaṃ kṛṣṇasikatāṃ vā

In Wasser, das mit Banyan-Trieben (vaṭa), Zitrus- und Rattan-Blättern, Kuśa- und Kāśa-Graswurzeln sowie Süßholz (yaṣṭyāhva) gekocht wurde, tauche man feuerheiß gemachten schwarzen Ton oder schwarzen Sand;

tatpāni navakapālānyathavā nirvāpya pāyayetāccham | āpākaśarkaraṃ vā'mṛtavallyudakaṃ tṛṣāṃ hanti

damit lösche man neue, gebrannte Tonscherben ab und gebe das klare Wasser zu trinken; auch ungekochtes Zuckerwasser (āpākaśarkara) oder ein Sud aus Guḍūcī (amṛtavallī) vertreibt den Durst.

kṣīravatāṃ madhurāṇāṃ śītānāṃ śarkarāmadhuvimiśrāḥ | śītakaṣāyā mṛdbhṛṣṭasaṃyutāḥ pittatṛṣṇāghnāḥ

Kalte Absude (śītakaṣāya) aus milchsafthaltigen, süßen, kühlenden Pflanzen, mit Zucker und Honig vermischt und mit gebranntem Ton versetzt, beseitigen den pittabedingten Durst.

vyoṣavacābhallātakatiktakaṣāyāstathā''matṛṣṇāghnāḥ | yaccoktaṃ kaphajāyāṃ vamyāṃ taccaiva kāryaṃ syāt

Bittere und adstringierende Absude aus den drei Gewürzen (vyoṣa: Pfeffer, langer Pfeffer, Ingwer), Vacā (Kalmus) und Bhallātaka (Tintenbaumfrucht) beseitigen den durch unverdaute Nahrung (āma) bedingten Durst; ebenso wende man an, was bereits beim kaphabedingten Erbrechen (kaphajā vami) genannt wurde.

stambhārucyavipākālasyacchardiṣu kaphānugāṃ tṛṣṇām | jñātvā dadhimadhutarpaṇalavaṇoṣṇajalairvamanamiṣṭam

Erkennt man bei Steifheit (stambha), Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung, Trägheit (ālasya) und Erbrechen einen von Kapha begleiteten Durst, so ist Brechtherapie (vamana) mit Joghurt, Honig, Mehlbrei (tarpaṇa), Salz und heißem Wasser angezeigt.

dāḍimamamlaphalaṃ vā'pyanyat sakaṣāyamatha leham | peyamathavā pradadyādrajanīśarkarāyuktam

Man gebe Granatapfel oder eine andere saure, adstringierende Frucht, als Latwerge (leha) oder als Trank, versetzt mit Kurkuma (rajanī) und Zucker.

kṣayakāsena tu tulyā kṣayatṛṣṇā sā garīyasī nṝṇām | kṣīṇakṣataśoṣahitaistasmāttāṃ bheṣajaiḥ śamayet

Der durch Gewebeschwund (kṣaya) bedingte Durst gleicht dem Husten bei Auszehrung und ist für die Menschen besonders schwerwiegend; deshalb behandle man ihn mit den Mitteln, die auch bei Erschöpfung, inneren Verletzungen und Schwindsucht heilsam sind.

pānatṛṣārtaḥ pānaṃ tvardhodakamamlalavaṇagandhāḍhyam | śiśirasnātaḥ pānaṃ madyāmbu guḍāmbu vā tṛṣitaḥ

Wer durch übermäßigen Alkoholkonsum (pāna) von Durst geplagt ist, trinke ein mit halb so viel Wasser verdünntes, saures, salziges und aromatisches Getränk; wer sich in Kälte gebadet hat und dennoch Durst empfindet, trinke mit Wasser verdünnten Alkohol oder Melassewasser (guḍāmbu).

bhaktoparodhatṛṣitaḥ snehatṛṣārto'thavā tanuyavāgūm | prapibedguruṇā tṛṣito bhuktena taduddharedbhuktam

Wer durch übermäßiges Essen (bhaktoparodha) Durst hat oder durch Öl beziehungsweise Fett (sneha) gequält Durst empfindet, trinke einen dünnen Getreideschleim (yavāgū); wer durch schwer verdauliche Speise Durst bekommen hat, beseitige diesen durch geeignete Nahrung.

madyāmbu vā'mbu koṣṇaṃ balavāṃstṛṣitaḥ samullikhet pītvā | māgadhikāviśadamukhaḥ saśarkaraṃ vā pibenmantham

Ein kräftiger, durstiger Mensch trinke mit Wasser verdünnten Alkohol oder lauwarmes Wasser und reinige sich danach durch Erbrechen (samullikhet); oder er trinke, mit langem Pfeffer (māgadhikā) den Mund gereinigt, einen mit Zucker versetzten Trank (mantha).

balavāṃstu tāluśoṣe pibeddhṛtaṃ tṛṣyamadyācca | sarpirbhṛṣṭaṃ kṣīraṃ māṃsarasāṃścābalaḥ snigdhān

Ein kräftiger Mensch mit Gaumentrockenheit und Durst trinke Ghee und esse feste Speise; ein geschwächter Mensch trinke in Ghee gekochte Milch und ölige Fleischsäfte.

atirūkṣadurbalānāṃ tarṣaṃ śamayennṛṇāmihāśu payaḥ | chāgo vā ghṛtabhṛṣṭaḥ śīto madhuro raso hṛdyaḥ

Bei allzu ausgetrockneten, geschwächten Menschen beseitigt Milch den Durst rasch, ebenso ein mit Ghee zubereiteter, gekühlter, süßer und herzstärkender (hṛdya) Fleischsaft (rasa) von der Ziege (chāga).

snigdhe'nne bhukte yā tṛṣṇā syāttāṃ guḍāmbunā śamayet | tarṣaṃ mūrcchābhihatasya raktapittāpahairhanyāt

Den Durst, der nach dem Verzehr fettiger Speise entsteht, besänftige man mit Melassewasser; den Durst dessen, der von Ohnmacht (mūrcchā) befallen ist, behandle man mit Mitteln, die auch gegen Blutungs-Pitta (raktapitta) wirken.

tṛṭdāhamūrcchābhramaklamamadātyayāsraviṣapitte | śastaṃ svabhāvaśītaṃ, śṛtaśītaṃ sannipāte'mbhaḥ

Bei Durst, Brennen, Ohnmacht, Schwindel, Erschöpfung, Alkoholvergiftung (madātyaya), Blutkrankheit (asra), Vergiftung (viṣa) und Pitta-Störung ist von Natur aus kühles Wasser zu empfehlen; bei Sannipāta (Störung aller drei Doṣas gleichzeitig) hingegen abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser.

hikkāśvāsanavajvarapīnasaghṛtapītapārśvagalaroge | kaphavātakṛte styāne sadyaḥśuddhe ca hitamuṣṇam

Bei Schluckauf (hikkā), Atemnot, frischem Fieber, Schnupfen (pīnasa), nach dem Trinken von Ghee, bei Erkrankungen von Flanke und Kehle, bei durch Kapha und Vāta verursachter Stagnation (styāna) sowie bei frisch Gereinigten (nach Pañcakarma) ist heißes Wasser heilsam.

pāṇḍūdarapīnasamehagulmamandānalātisāreṣu | plīhni ca toyaṃ na hitaṃ kāmamasahye pibedalpam

Bei Blutarmut (pāṇḍu), Bauchwassersucht (udara), Schnupfen, Diabetes (meha), Bauchtumor (gulma), schwachem Verdauungsfeuer, Durchfall (atisāra) und Milzerkrankung (plīhan) ist Wasser nicht zuträglich; ist der Durst unerträglich, trinke man nur wenig davon.

pūrvāmayāturaḥ san dīnastṛṣṇārdito jalaṃ kāṅkṣan | na labheta sa cenmaraṇamāśvevāpnuyāddīrgharogaṃ vā

Wenn ein bereits von einer früheren Krankheit Geplagter, elend und von Durst gequält, nach Wasser verlangt und es nicht erhält, erleidet er entweder rasch den Tod oder eine langwierige Krankheit.

tasmāddhānyāmbu pibettṛṣyan rogī saśarkarākṣaudram | yadvā tasyānyatsyāt sātmyaṃ rogasya tacceṣṭam

Deshalb trinke ein durstiger Kranker Getreidewasser (dhānyāmbu), mit Zucker und Honig versetzt, oder was ihm sonst zuträglich (sātmya) ist und der jeweiligen Krankheit entspricht — das ist angezeigt.

tasyāṃ vinivṛttāyāṃ tajjanya upadravaḥ sukhaṃ jetum | tasmāttṛṣṇāṃ pūrvaṃ jayedbahubhyo'pi rogebhyaḥ

Ist der Durst erst einmal besänftigt, lassen sich die durch ihn verursachten Begleiterscheinungen (upadrava) leicht überwinden; deshalb soll man den Durst zuerst besiegen, noch vor vielen anderen Krankheiten.

hetū yathā'gnipavanau kurutaḥ sopadravāṃ ca pañcānām | tṛṣṇānāṃ pṛthagākṛtirasādhyatā sādhanaṃ coktam

So wurde dargelegt, wie Feuer (agni) und Wind (pavana) als Ursachen die von Begleiterscheinungen begleiteten fünf Arten des Durstes hervorbringen, sowie die jeweils unterschiedliche Erscheinungsform, die Unheilbarkeit und die Behandlung dieser fünf Durstarten.

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