Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 24: Madatyaya Chikitsa Behandlung der Trunksucht (Madātyaya)

Das vierundzwanzigste und letzte der hier behandelten Kapitel widmet sich der Trunksucht (madātyaya) und eröffnet ungewöhnlich feierlich mit einer Lobpreisung des Weins (surā) als vedisch verankertem Ritualgetränk, das einst Indra nach dem Sautrāmaṇī-Opfer seine Kraft zurückgab – ein aufschlussreicher Einblick in die religiös-kulturelle Stellung von Alkohol im alten Indien. Der Text beschreibt zunächst den rechten, kunstvoll zelebrierten Weingenuss je nach Konstitution, bevor er zur eigentlichen Krankheit übergeht: Die von Kapha über Pitta bis Vāta fortschreitende Alkoholvergiftung wird paradoxerweise oft mit fein dosiertem Wein selbst behandelt, bei schweren Verlaufsformen wie Dhvaṃsaka und Vikṣaya jedoch mit Milch, Ghee und Einläufen (basti). Damit verbindet das Kapitel medizinisches Krankheitsverständnis mit kulturhistorisch wertvollen Aussagen über Trinkgewohnheiten und Maßhaltung im klassischen Indien.

Die drei Stufen der Berauschung (mada) (Vers 41–48)
StufeKennzeichen
prathama madaErfreulich und wohltuend, regt zu Musik, Gesang und Erzählungen an; Verstand und Erinnerung bleiben erhalten, Schlaf und Erwachen sind angenehm
madhyama madaErinnerung und Verwirrung wechseln ab, Sprache wird undeutlich und stockend, sinnvolles und sinnloses Reden, Schwanken; Wahrnehmung von Ort, Speise und Gesprächsthema gerät durcheinander
uttama madaHandlungsunfähig wie zerbrochenes Holz, Geist von Verwirrung umhüllt, nimmt weder angenehme Sinnesobjekte noch Freunde wahr – den Toten gleich
Die drei Doṣa-Formen der krankhaften Trunkenheit (madātyaya) (Vers 89–97)
FormAuslösende UrsachenSymptome
vātika madātyayaSchwächung durch Frauen, Kummer, Furcht, Lasttragen, Reisen oder Arbeit; trockene, knappe Speise; trockener, nachts getrunkener WeinSchluckauf, Atemnot, Kopfzittern, Flankenschmerz, Schlaflosigkeit, irres Reden
paittika madātyayaScharfer, heißer, saurer Wein im Übermaß; scharfe, saure, heiße Speisen; Zorn, SonnenhitzeDurst, Brennen, Fieber, Schweiß, Ohnmacht, Durchfall, grünlich-gelbe Hautfarbe
ślaiṣmika madātyayaJunger, süßer, aus Melasse oder Mehl bereiteter Wein im Übermaß; süße, ölige, schwere Speisen; Bewegungsmangel, TagesschlafErbrechen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Benommenheit, Schwere und Verklebtheit der Brust
Bei Beteiligung aller drei Doṣas (sannipāta) zeigen sich Mischsymptome aller drei Typen.

athāto madātyayacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir also die Behandlung der Trunksucht (madātyaya) darlegen.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der ehrwürdige Ātreya.

suraiḥ sureśasahitairyā purā [1] paripūjitā | sautrāmaṇyāṃ hūyate yā karmibhiryā pratiṣṭhitā

Der Wein (surā), der einst von den Göttern zusammen mit ihrem Herrscher Indra verehrt wurde, der beim Opfer Sautrāmaṇī von den Opferpriestern dargebracht wird und der in der heiligen Überlieferung fest verankert ist,

yajñauhī yā yayā śakraḥ somātipatito bhṛśam | nirojastamasā''viṣṭastasmāddurgāt samuddhṛtaḥ

der das Opfer trägt (yajñauhī) und durch den Śakra (Indra), der durch übermäßigen Soma-Genuss schwer zu Fall gekommen war, seiner Kraft beraubt und von Dunkelheit (tamas) überwältigt, aus jener Notlage wieder emporgehoben wurde,

vidhibhirvedavihitairvā yajadbhirmahātmabhiḥ | dṛśyā spṛśyā prakalpayā ca yajñīyā yajñasiddhaye

der von großherzigen Opfernden nach den im Veda vorgeschriebenen Riten dargebracht wird, sichtbar und berührbar ist und durch seine Zubereitung (prakalpā) zum Gelingen des Opfers opfertauglich ist,

yonisaṃskāranāmādyairviśeṣairbahudhā ca yā | bhūtvā bhavatyekavidhā sāmānyānmadalakṣaṇāt

der Wein, der durch besondere Merkmale wie Ausgangsstoff (yoni), Zubereitung (saṃskāra) und Namen vielfältig erscheint, wird durch das gemeinsame Merkmal der Berauschung (mada) doch zu einer einzigen Art;

yā devānamṛtaṃ bhūtvā svadhā bhūtvā pittṝṃśca yā | somo bhūtvā dvijātīn yā yuṅkte śreyobhiruttamaiḥ

der Wein, der für die Götter zu Amṛta (Ambrosia), für die Ahnen (pitṛ) zu Svadhā (Ahnenopfergabe) und, als Soma geworden, die Zweifachgeborenen (dvijāti) mit den höchsten Segnungen verbindet,

āśvinaṃ yā mahattejo balaṃ sārasvataṃ ca yā | vīryamaindraṃ ca yā siddhā somaḥ sautrāmaṇau ca yā

der als das gewaltige Leuchten (tejas) der Aśvin-Zwillinge, als die Kraft der Sarasvatī und, wenn er vollendet ist, als die Manneskraft (vīrya) Indras gilt — der Soma im Sautrāmaṇī-Opfer —,

śokāratibhayodveganāśinī yā mahābalā | yā prītiryā ratiryā vāgyā puṣṭiryā ca nirvṛtiḥ

der, von großer Kraft, Kummer, Unlust, Furcht und innere Erregung vertreibt und der Freude, Lust, Sprachvermögen, Nahrhaftigkeit und innere Zufriedenheit (nirvṛti) verleiht —

yā surā suragandharvayakṣarākṣasamānuṣaiḥ | ratiḥ suretyabhihitā tāṃ surāṃ vidhinā pibet

dieser Wein (surā), der von Göttern, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Menschen als „gute Lust“ (su-rā) bezeichnet wird — diesen Wein soll man nach der vorgeschriebenen Methode (vidhi) trinken.

śarīrakṛtasaṃskāraḥ śuciruttamagandhavān | prāvṛto nirmalairvastrairyathartūddāmagandhibhiḥ

Man soll, nachdem man den Körper gereinigt und geschmückt (saṃskāra) hat, rein und von vorzüglichem Wohlgeruch sein und in makellose, der Jahreszeit entsprechend duftende Gewänder gehüllt sein,

vicitravividhasragvī ratnābharaṇabhūṣitaḥ | devadvijātīn sampūjya spṛṣṭvā maṅgalamuttamam

geschmückt mit bunten, vielfältigen Blumengirlanden und mit Juwelenschmuck versehen; nachdem man Götter und Zweifachgeborene (dvijāti) verehrt und ein vorzügliches Glückszeichen (maṅgala) berührt hat,

deśe yathartuke śaste kusumaprakarīkṛte | sarasāsammate [1] mukhye dhūpasammodabodhite

an einem der Jahreszeit gemäßen, lobenswerten, mit Blumen bestreuten, anmutigen, angenehmen und vorzüglichen Ort, der durch Räucherwerk (dhūpa) mit Wohlgeruch erfüllt ist,

sopadhāne susaṃstīrṇe vihite śayanāsane | upaviṣṭo'thavā tiryak svaśarīrasukhe sthitaḥ

auf einem wohlgepolsterten, gut hergerichteten Lager oder Sitz mit Kissen (upadhāna), sitzend oder liegend, in einer für den eigenen Körper angenehmen Haltung —

sauvarṇai rājataiścāpi tathā maṇimayairapi | bhājanairvimalaiścānyaiḥ sukṛtaiśca pibet sadā

soll man stets aus makellosen, gut gearbeiteten Gefäßen aus Gold, aus Silber oder auch aus Edelstein und anderen erlesenen Materialien trinken.

rūpayauvanamattābhiḥ śikṣitābhirviśeṣataḥ | vastrābharaṇamālyaiśca bhūṣitābhiryathartukaiḥ

Umgeben von Frauen, die durch Schönheit und Jugend berauschend wirken und besonders kundig geschult sind, mit der Jahreszeit entsprechenden Gewändern, Schmuck und Girlanden geschmückt,

śaucānurāgayuktābhiḥ pramadābhiritastataḥ | saṃvāhyamāna iṣṭābhiḥ [2] pibenmadyamanuttamam

die von Reinlichkeit und Zuneigung erfüllt sind, soll man, von solchen reizenden Frauen (pramadā) hierhin und dorthin begleitet und von geliebten Frauen massiert (saṃvāhana), den vorzüglichsten Wein (madya) trinken.

madyānukūlairvividhaiḥ phalairharitakaiḥ śubhaiḥ | lavaṇairgandhapiśunairavadaṃśairyathartukaiḥ

begleitet von verschiedenen, dem Wein zuträglichen Früchten, von frischem grünem Gemüse, wohlschmeckend, von salzigen, wohlriechenden Beilagen (avadaṃśa), die der Jahreszeit entsprechen,

bhṛṣṭairmāṃsairbahuvidhairbhūjalāmbaracāriṇām | paurogavargavihitairbhakṣyaiśca vividhātmakaiḥ

mit gebratenem Fleisch vielerlei Art von Tieren, die auf der Erde, im Wasser und in der Luft leben, sowie mit mannigfaltigen, von der Gruppe der Vorspeisenbereiter (paurogava) zubereiteten Speisen (bhakṣya).

pūjayitvā [3] surān pūrvamāśiṣaḥ prāk prayujya ca | pradāya sajalaṃ madyamarthibhyo vasudhātale

Nachdem man zuvor die Götter verehrt, zuerst Segenswünsche ausgesprochen und mit Wasser vermischten Wein an Bedürftige auf dem Boden ausgegeben hat,

abhyaṅgotsādanasnānavāsodhūpānulepanaiḥ | snigdhoṣṇairbhāvitaścānnairvātiko madyamācaret

soll ein Mensch mit vorherrschendem Vāta (vātika), vorbereitet durch Ölmassage (abhyaṅga), Einreibung (utsādana), Bad, parfümierte Kleidung, Räucherwerk und Salben sowie durch ölige, warme Speisen, Wein zu sich nehmen.

śītopacārairvividhairmadhurasnigdhaśītalaiḥ | paittiko bhāvitaścānnaiḥ pibanmadyaṃ na sīdati

Ein Mensch mit vorherrschendem Pitta (paittika), der durch verschiedene kühlende Maßnahmen sowie durch süße, ölige, kühle Speisen vorbereitet wurde, erleidet beim Weintrinken keinen Schaden.

upacārairaśiśirairyavagodhūmabhuk pibet | ślaiṣmiko dhanvajairmāṃsairmadyaṃ māricakaiḥ saha

Ein Mensch mit vorherrschendem Kapha (ślaiṣmika) soll, mit nicht kühlenden Maßnahmen behandelt und Gerste und Weizen essend, den Wein zusammen mit Fleisch von Steppentieren (dhanvaja) und mit Pfeffer (marica) trinken.

vidhirvasumatāmeṣa bhaviṣyadvibhavāśca ye | yathopapatti tairmadyaṃ pātavyaṃ mātrayā hitam

Diese Vorgehensweise gilt für die Wohlhabenden; wer erst noch zu Wohlstand gelangen wird, soll den Wein entsprechend dem, was verfügbar ist (yathopapatti), in einer zuträglichen Menge (mātrā) trinken.

vātikebhyo hitaṃ madyaṃ prāyo gauḍikapaiṣṭikam | kaphapittādhikebhyastu mārdvīkaṃ mādhavaṃ ca yat

Für Vāta-Typen ist meist der aus Zuckerrohrmelasse (gauḍika) oder aus Getreidemehl (paiṣṭika) bereitete Wein zuträglich; für Menschen mit überwiegendem Kapha und Pitta hingegen der aus Trauben bereitete Wein (mārdvīka) und der Honigwein (mādhava).

bahudravyaṃ bahuguṇaṃ bahukarma madātmakam | guṇairdoṣaiśca tanmadyamubhayaṃ copalakṣyate

Der Wein besteht aus vielen Bestandteilen (dravya), besitzt viele Eigenschaften (guṇa) und viele Wirkungen und ist von der Natur der Berauschung (mada); er zeichnet sich sowohl durch gute Eigenschaften als auch durch Fehler (doṣa) aus.

vidhinā mātrayā kāle hitairannairyathābalam | prahṛṣṭo yaḥ pibenmadyaṃ tasya syādamṛtaṃ yathā

Wer den Wein freudig, nach der rechten Methode (vidhi), in der rechten Menge (mātrā), zur rechten Zeit, mit zuträglicher Nahrung und entsprechend seiner Kraft trinkt, für den wird er wie Ambrosia (amṛta).

yathopetaṃ punarmadyaṃ prasaṅgādyena pīyate | rūkṣavyāyāmanityena viṣavadyāti tasya tat

Wird der Wein hingegen aus bloßer Gewohnheit (prasaṅga) und unpassend getrunken, von jemandem, der ständig austrocknenden Tätigkeiten und übermäßiger körperlicher Anstrengung (vyāyāma) nachgeht, so wirkt er für ihn wie Gift.

madyaṃ hṛdayamāviśya svaguṇairojaso guṇān | daśabhirdaśa saṅkṣobhya ceto nayati vikriyām

Der Wein dringt in das Herz ein und bringt, indem er mit seinen zehn Eigenschaften die zehn Eigenschaften des Ojas (der Lebensessenz) erregt, den Geist (cetas) in einen gestörten Zustand.

laghūṣṇatīkṣṇasūkṣmāmlavyavāyyāśugameva ca | rūkṣaṃ vikāśi viśadaṃ madyaṃ daśaguṇaṃ smṛtam

Der Wein gilt als von zehnfacher Eigenschaft: leicht (laghu), heiß (uṣṇa), scharf (tīkṣṇa), fein (sūkṣma), sauer (amla), durchdringend (vyavāyin), schnell wirkend (āśugāmin), austrocknend (rūkṣa), zerstreuend (vikāśin) und klärend (viśada).

guru śītaṃ mṛdu ślakṣṇaṃ bahalaṃ madhuraṃ sthiram | prasannaṃ picchilaṃ snigdhamojo daśaguṇaṃ smṛtam

Das Ojas hingegen gilt als von zehnfacher Eigenschaft: schwer (guru), kühl (śīta), weich (mṛdu), glatt (ślakṣṇa), dicht (bahala), süß (madhura), beständig (sthira), klar (prasanna), schleimig-zäh (picchila) und ölig (snigdha).

gurutvaṃ lāghavācchaityamauṣṇādamlasvabhāvataḥ | mādhuryaṃ mārdavaṃ taikṣṇyātprasādaṃ cāśubhāvanāt

Durch seine Leichtigkeit überwindet der Wein die Schwere des Ojas, durch seine Hitze dessen Kühle, durch seine saure Natur (svabhāva) dessen Süße, durch seine Schärfe dessen Weichheit und durch seine schnelle Wirkung dessen Klarheit;

raukṣyāt snehaṃ vyavāyitvāt sthiratvaṃ ślakṣṇatāmapi | vikāsibhāvātpaicchilyaṃ vaiśadyātsāndratāṃ tathā

durch seine Trockenheit (raukṣya) überwindet er dessen Öligkeit, durch seine Durchdringungskraft (vyavāyitva) dessen Beständigkeit und Glätte, durch seine zerstreuende Natur dessen Zähigkeit und ebenso durch seine Klärungskraft (vaiśadya) dessen Dichte.

saukṣmyānmadyaṃ nihantyevamojasaḥ svaguṇairguṇān | sattvaṃ tadāśrayaṃ cāśu saṅkṣobhya janayenmadam

Durch seine Feinheit (saukṣmya) also zerstört der Wein mit seinen eigenen Eigenschaften die Eigenschaften des Ojas und erregt dabei rasch das darauf beruhende Sattva (den Geist), wodurch die Berauschung (mada) entsteht.

rasavātādimārgāṇāṃ [1] sattvabuddhīndriyātmanām | pradhānasyaujasaścaiva hṛdayaṃ sthānamucyate

Das Herz gilt als der Sitz der Bahnen (mārga) von Rasa (Körpersaft), Vāta und dergleichen, ebenso wie des Geistes (sattva), des Verstandes (buddhi), der Sinnesorgane (indriya), des Selbst (ātman), des Grundprinzips (pradhāna) und des Ojas.

atipītena madyena vihatenaujasā ca tat | hṛdayaṃ yāti vikṛtiṃ tatrasthā ye ca dhātavaḥ

Durch übermäßig getrunkenen Wein und das dadurch geschädigte Ojas gerät dieses Herz in Unordnung, ebenso die dort befindlichen Körpergewebe (dhātu).

ojasyavihate pūrvo hṛdi ca pratibodhite | madhyamo vihate'lpe ca vihate tūttamo madaḥ

Solange das Ojas noch nicht geschädigt und das Herz noch ansprechbar (pratibodhita) ist, tritt die erste Stufe der Berauschung ein; ist es geringfügig geschädigt, die mittlere; ist es stark geschädigt, die höchste Stufe der Berauschung.

naivaṃ vighātaṃ janayenmadyaṃ paiṣṭikamojasaḥ | vikāśirūkṣaviśadā guṇāstatra hi nolbaṇāḥ

Der aus Getreidemehl bereitete Wein (paiṣṭika) verursacht eine solche Schädigung des Ojas nicht, denn in ihm sind die zerstreuenden, austrocknenden und klärenden Eigenschaften nicht übermäßig ausgeprägt.

hṛdi madyaguṇāviṣṭe harṣastarṣo ratiḥ sukham | vikārāśca yathāsattvaṃ citrā rājasatāmasāḥ

Ist das Herz von den Eigenschaften des Weins durchdrungen, entstehen Freude, Verlangen (tarṣa), Lust und Wohlbefinden sowie mannigfaltige Störungen entsprechend der jeweiligen Geistesart (sattva) — von der Natur des Rajas oder des Tamas.

jāyante mohanidrāntā madyasyātiniṣevaṇāt | sa madyavibhramo nāmnā ‘mada’ ityabhidhīyate

Sie entstehen, in Verwirrung (moha) und Schlaf endend, durch übermäßigen Weingenuss; diese durch den Wein hervorgerufene Verwirrung wird mit dem Namen „Mada“ (Rausch) bezeichnet.

pīyamānasya madyasya vijñātavyāstrayo madāḥ | prathamo madhyamo'ntyaśca lakṣaṇaistān pracakṣmahe

Beim Trinken von Wein sind drei Stufen der Berauschung (mada) zu unterscheiden: die erste, die mittlere und die letzte; wir wollen sie anhand ihrer Kennzeichen (lakṣaṇa) beschreiben.

praharṣaṇaḥ prītikaraḥ pānānnaguṇadarśakaḥ | vādyagītaprahāsānāṃ kathānāṃ ca pravartakaḥ

Die erste Stufe ist hoch erfreulich, wohltuend, lässt die guten Eigenschaften von Speise und Trank hervortreten und regt zu Musik, Gesang, Gelächter und Erzählungen an;

na ca buddhismṛtiharo viṣayeṣu na cākṣamaḥ | sukhanidrāprabodhaśca prathamaḥ sukhado madaḥ

sie raubt weder Verstand (buddhi) noch Erinnerung (smṛti), noch macht sie unfähig gegenüber den Sinnesobjekten (viṣaya); Schlaf und Erwachen sind angenehm — so ist die erste, wohltuende Stufe der Berauschung.

muhuḥ smṛtirmuhurmoho(')vyaktā [1] sajjati vāṅmuhuḥ | yuktāyuktapralāpaśca pracalāyanameva ca

In der zweiten Stufe wechseln Erinnerung und Verwirrung immer wieder ab; die Sprache wird undeutlich und stockt wiederholt, man redet abwechselnd Sinnvolles und Sinnloses (pralāpa) und beginnt zu schwanken (pracalāyana).

sthānapānānnasāṅkathyayojanā saviparyayā | liṅgānyetāni jānīyādāviṣṭe madhyame made

Die richtige Zuordnung von Ort, Getränk, Speise und Gesprächsthema (sāṅkathya) gerät durcheinander — dies sind die Kennzeichen, an denen man erkennen soll, dass jemand von der mittleren Stufe der Berauschung (madhyama mada) ergriffen ist.

madhyamaṃ madamutkramya madamāprāpya [2] cottamam | na kiñcinnāśubhaṃ kuryurnarā rājasatāmasāḥ

Ist die mittlere Stufe der Berauschung überschritten, die höchste (uttama) aber noch nicht erreicht, so gibt es nichts Unheilvolles, das von Rajas und Tamas beherrschte Menschen in diesem Zustand nicht täten.

ko madaṃ tādṛśaṃ vidvānunmādamiva dāruṇam | gacchedadhvānamasvantaṃ bahudoṣamivādhvagaḥ

Wer, wohl wissend, dass eine solche Berauschung schrecklich ist wie Wahnsinn (unmāda), würde diesen Weg weitergehen — so wenig wie ein Reisender einen endlosen, gefahrvollen Pfad beschreiten würde?

tṛtīyaṃ tu madaṃ prāpya bhagnadārviva niṣkriyaḥ | madamohāvṛtamanā jīvannapi mṛtaiḥ samaḥ

Hat man aber die dritte Stufe der Berauschung erreicht, wird man handlungsunfähig wie ein zerbrochenes Stück Holz; der Geist ist von der Verwirrung des Rausches (madamoha) umhüllt, und obwohl man noch lebt, ist man den Toten gleich.

ramaṇīyān sa viṣayānna vetti na suhṛjjanam | yadarthaṃ pīyate madyaṃ ratiṃ tāṃ ca na vindati

Ein solcher Mensch nimmt weder angenehme Sinnesobjekte (viṣaya) noch liebe Freunde wahr, und er erlangt nicht einmal jene Lust (rati), um derentwillen der Wein getrunken wird.

kāryākāryaṃ sukhaṃ duḥkhaṃ loke yacca hitāhitam | yadavastho na jānāti ko'vasthāṃ tāṃ vrajedbudhaḥ

Welcher Kluge würde sich in einen Zustand begeben, in dem man weder erkennt, was zu tun und was zu unterlassen ist, was Glück und was Leid ist, noch was in der Welt zuträglich und schädlich ist?

sa dūṣyaḥ sarvabhūtānāṃ nindyaścāgrāhya eva ca | vyasanitvādudarke ca sa duḥkhaṃ vyādhimaśnute

Ein solcher Mensch ist von allen Wesen verachtet, tadelnswert und wird nicht als Gesellschaft akzeptiert; wegen seines Lasters (vyasana) erleidet er auch in der Folge (udarka) Leid und Krankheit.

pretya ceha ca yacchreyaḥ śreyo mokṣe ca yat param | manaḥsamādhau tat sarvamāyattaṃ sarvadehinām

Was im Jenseits und im Diesseits gut ist, und was das höchste Gut in der Befreiung (mokṣa) darstellt — all dies hängt für alle verkörperten Wesen von der Sammlung des Geistes (manaḥsamādhi) ab.

madyena manasaścāsya saṅkṣobhaḥ kriyate mahān | mahāmārutavegena taṭasthasyeva śākhinaḥ

Durch den Wein wird eine gewaltige Erregung dieses Geistes verursacht — wie bei einem am Flussufer stehenden Baum durch die gewaltige Wucht des Windes.

madyaprasaṅgaṃ taṃ cājñā mahādoṣaṃ mahāgadam | sukhamityadhigacchanti rajomohaparājitāḥ

Diese Gewöhnung an den Wein (madyaprasaṅga), einen großen Fehler und eine schwere Krankheit, halten die Unwissenden, von Rajas und Verblendung (moha) überwältigt, für Glück.

madyopahatavijñānā viyuktāḥ sāttvikairguṇaiḥ | śreyobhirviprayujyante madāndhā madalālasāḥ

Wer durch den Wein das Unterscheidungsvermögen (vijñāna) verloren hat, wird der sattvischen Eigenschaften beraubt; von Trunkenheit verblendet und nach Rausch begierig, entfernt sich ein solcher Mensch vom wahren Guten (śreyas).

madye moho bhayaṃ śokaḥ krodho mṛtyuśca saṃśritaḥ | sonmādamadamūrcchāyāḥ sāpasmārāpatānakāḥ

Im Wein wohnen Verwirrung, Furcht, Kummer, Zorn und sogar der Tod; er ist begleitet von Wahnsinn (unmāda), Ohnmacht durch Rausch, Epilepsie (apasmāra) und Krämpfen (apatānaka).

yatraikaḥ smṛtivibhraṃśastatra sarvamasādhuvat | ityevaṃ madyadoṣajñā madyaṃ garhanti yatnataḥ

Wo schon der bloße Verlust der Erinnerung eintritt, dort ist alles Weitere wie das Handeln eines Schlechten — daher tadeln diejenigen, die die Fehler des Weins kennen, ihn mit Nachdruck.

satyamete mahādoṣā madyasyoktā na saṃśayaḥ | ahitasyātimātrasya pītasya vidhivarjitam

Wahrlich, diese großen Fehler des Weins sind, ohne Zweifel, richtig geschildert — doch sie gelten für schädlichen Wein, der im Übermaß und ohne die vorgeschriebene Methode (vidhi) getrunken wird.

kintu madyaṃ svabhāvena yathaivānnaṃ tathā smṛtam | ayuktiyuktaṃ rogāya yuktiyuktaṃ yathā'mṛtam

Doch von Natur aus gilt der Wein ebenso wie die Speise: unsachgemäß angewendet führt er zu Krankheit, sachgemäß (yuktiyukta) angewendet ist er wie Ambrosia (amṛta).

prāṇāḥ prāṇabhṛtāmannaṃ tadayuktyā nihantyasūn | viṣaṃ prāṇaharaṃ tacca yuktiyuktaṃ rasāyanam

Nahrung ist der Lebensatem (prāṇa) der Lebewesen, doch unsachgemäß verwendet vernichtet sie das Leben; und selbst Gift, das Leben raubt, wird sachgemäß angewendet zu einem verjüngenden Heilmittel (rasāyana).

harṣamūrjaṃ mudaṃ puṣṭimārogyaṃ pauruṣaṃ param [1] | yuktyā pītaṃ karotyāśu madyaṃ sukhamadapradam

Der Wein, sachgemäß (yuktyā) getrunken, bewirkt rasch Freude, Vitalkraft (ūrja), Wonne, Nahrhaftigkeit, Gesundheit und höchste Manneskraft (pauruṣa) und schenkt einen angenehmen Rausch.

rocanaṃ dīpanaṃ hṛdyaṃ svaravarṇaprasādanam | prīṇanaṃ bṛṃhaṇaṃ balyaṃ bhayaśokaśramāpaham

Er regt den Appetit an (rocana), entfacht das Verdauungsfeuer (dīpana), ist dem Herzen zuträglich, klärt Stimme und Hautfarbe, stimmt zufrieden, nährt und stärkt (bṛṃhaṇa) den Körper und vertreibt Furcht, Kummer und Erschöpfung.

svāpanaṃ naṣṭanidrāṇāṃ mūkānāṃ vāgvibodhanam | bodhanaṃ cātinidrāṇāṃ vibaddhānāṃ vibandhanut

Er verschafft Schlaf denjenigen, die ihren Schlaf verloren haben, weckt die Sprache bei Stummen, erweckt jene, die übermäßig schlafen, und löst Verstopfung (vibandha) bei Verstopften.

vadhabandhaparikleśaduḥkhānāṃ cāpyabodhanam | madyotthānāṃ ca rogāṇāṃ madyameva prabādhakam

Er betäubt auch den Schmerz von Hinrichtung, Gefangenschaft, Quälerei und Leid; und ebenso ist es der Wein selbst, der die durch Wein entstandenen Krankheiten bekämpft.

ratirviṣayasaṃyoge prītisaṃyogavardhanam | api pravayasāṃ madyamutsavāmodakārakam

Er schafft Lust (rati) bei der Verbindung mit Sinnesobjekten und steigert die Freude gesellschaftlicher Verbundenheit; selbst für ältere Menschen bereitet der Wein festliche Freude (utsava).

pañcasvartheṣu kānteṣu yā ratiḥ prathame made | yūnāṃ vā sthavirāṇāṃ vā tasya nāstyupamā bhuvi

Die Lust, die in den fünf angenehmen Sinnesobjekten (pañcārtha) während der ersten Stufe der Berauschung entsteht, sei es bei Jungen oder Alten, findet auf Erden nicht ihresgleichen.

bahuduḥkhahatasyāsya śokenopahatasya ca | viśrāmo jīvalokasya madyaṃ yuktyā niṣevitam

Für diese von vielem Leid geplagte und von Kummer heimgesuchte Welt der Lebewesen ist der sachgemäß genossene Wein (yuktyā niṣevita) eine Erholung (viśrāma).

annapānavayovyādhibalakālatrikāṇi ṣaṭ | trīndoṣāṃstrividhaṃ sattvaṃ jñātvā madyaṃ pibetsadā

Man soll den Wein stets erst trinken, nachdem man die sechs Faktoren — Speise und Trank, Lebensalter und Krankheit, Kraft und Jahreszeit —, die drei Doṣas sowie die dreifache Geistesart (sattva) erkannt hat.

teṣāṃ trikāṇāmaṣṭānāṃ yojanā yuktirucyate | yayā yuktyā pibanmadyaṃ madyadoṣairna yujyate

Die richtige Verknüpfung dieser Faktorengruppen wird als die rechte Methode (yukti) bezeichnet; wer den Wein nach dieser Methode trinkt, wird von den Fehlern des Weins (madyadoṣa) nicht betroffen.

madyasya ca guṇān sarvān yathoktān sa samaśnute | dharmārthayorapīḍāyai naraḥ sattvaguṇocchritaḥ

Und ein solcher Mensch, dessen sattvische Eigenschaft (sattvaguṇa) erhöht ist, erlangt alle zuvor genannten guten Eigenschaften des Weins, ohne dass Dharma (Pflichterfüllung) und Artha (weltlicher Erfolg) dabei beeinträchtigt werden.

sattvāni tu prabudhyante prāyaśaḥ prathame made | dvitīye'vyaktatāṃ yānti madhye cottamamadhyayoḥ

Die Geistesarten (sattva) treten in der ersten Stufe der Berauschung meist deutlich zutage; in der zweiten Stufe hingegen, die zwischen der höchsten und der mittleren liegt, werden sie undeutlich (avyakta).

sasyasambodhakaṃ varṣaṃ, hemaprakṛtidarśakaḥ | hutāśaḥ, sarvasattvānāṃ madyaṃ tūbhayakārakam

So wie der Regen (varṣa) die Saat erweckt und das Feuer (hutāśa) die wahre Natur des Goldes offenbart, so bringt der Wein (madya) bei allen Lebewesen (sattva) beides zugleich hervor: Erweckung und Offenbarung.

pradhānāvaramadhyānāṃ rūpāṇāṃ [1] vyaktidarśakaḥ | yathā'gnirevaṃ sattvānāṃ madyaṃ prakṛtidarśakam

Wie das Feuer (agni) die sichtbaren Formen der hochwertigen, geringwertigen und mittleren Metalle zutage bringt, so offenbart der Wein die wahre Natur (prakṛti) der Lebewesen (sattva).

sugandhimālyagandharvaṃ supraṇītamamākulam | miṣṭānnapānaviśadaṃ sadā madhurasaṅkatham

Ein solches Trinkgelage ist von gutem Duft, Blumengirlanden und Musik (gandharva) begleitet, wohlbereitet und ungestört, rein durch süße Speisen und Getränke und stets von angenehmen, süßen Gesprächen erfüllt.

sukhaprapānaṃ [1] sumadaṃ harṣaprītivivardhanam | svantaṃ sāttvikamāpānaṃ na cottamamadapradam

Ein solches Trinken bereitet Freude, führt zu maßvollem Rausch, mehrt Heiterkeit und Zuneigung und geht mit gutem Herzen (svānta) einher – dies ist das reine (sāttvika) Trinkgelage, das nicht zum höchsten Grad der Trunkenheit führt.

vaiguṇyaṃ sahasā yānti madyadoṣairna sāttvikāḥ | madyaṃ hi balavatsattvaṃ gṛhṇāti sahasā na tu [2]

Menschen von reiner Wesensart (sāttvika) geraten nicht plötzlich durch die Fehler des Weins (madyadoṣa) aus dem Gleichgewicht, denn der Wein ergreift einen starken Geist (sattva) nicht mit einem Mal.

saumyāsaumyakathāprāyaṃ viśadāviśadaṃ kṣaṇāt | citraṃ rājasamāpannaṃ prāyeṇāsvantakākulam

Beim leidenschaftlichen (rājasa) Trinken herrschen abwechselnd sanfte und schroffe Reden vor, die von einem Augenblick zum anderen bald klar, bald trüb sind; es ist bunt und meist von einem unruhigen, aufgewühlten Gemüt begleitet.

harṣaprītikathāpetamatuṣṭaṃ pānabhojane | sammohakrodhanidrāntamāpānaṃ tāmasaṃ smṛtam

Das träge (tāmasa) Trinkgelage ist frei von Heiterkeit, Zuneigung und gutem Gespräch, bringt keine Zufriedenheit an Trank und Speise und endet in Verwirrung (sammoha), Zorn und Schlaf.

āpāne sāttvikān buddhvā tathā rājasatāmasān | jahyātsahāyān yaiḥ pītvā madyadoṣānupāśnute

Wer beim Trinken die Gefährten als rein (sāttvika), leidenschaftlich (rājasa) oder träge (tāmasa) erkannt hat, sollte jene Gefährten meiden, in deren Gesellschaft man beim Trinken die schädlichen Wirkungen des Weins (madyadoṣa) erfährt.

sukhaśīlāḥ susambhāṣāḥ sumukhāḥ sammatāḥ satām | kalāsvabāhyā viśadā viṣayapravaṇāśca ye

Man wähle Trinkgefährten, die von angenehmem Wesen, guter Rede und freundlichem Antlitz sind, von den Rechtschaffenen geachtet werden, in den Künsten (kalā) nicht unbewandert, klaren Geistes und den feinen Sinnesfreuden zugeneigt sind.

parasparavidheyā ye yeṣāmaikyaṃ suhṛttayā | praharṣaprītimādhuryairāpānaṃ vardhayanti ye

Man wähle solche, die einander gefällig sind, deren Einigkeit auf herzlicher Freundschaft beruht und die das Trinkgelage durch große Heiterkeit, Zuneigung und Liebenswürdigkeit bereichern.

utsavādutsavataraṃ yeṣāmanyonyadarśanam | te sahāyāḥ sukhāḥ pāne taiḥ pibansaha modate

Deren gegenseitiges Wiedersehen einem Fest gleicht, das jedes vorherige Fest noch übertrifft – solche Gefährten machen das Trinken angenehm, und mit ihnen zu trinken bereitet Freude.

rūpagandharasasparśaiḥ śabdaiścāpi manoramaiḥ | pibanti susahāyā ye te vai sukṛtibhiḥ samāḥ

Wer mit solch guten Gefährten inmitten reizvoller Formen, Düfte, Geschmäcker, Berührungen und bezaubernder Klänge trinkt, gleicht den Tugendhaften (sukṛtin) selbst.

pañcabhirviṣayairiṣṭairupetairmanasaḥ [1] priyaiḥ | deśe kāle pibenmadyaṃ prahṛṣṭenāntarātmanā

Man trinke Wein am rechten Ort und zur rechten Zeit, umgeben von den fünf erwünschten, dem Geist lieben Sinnesobjekten (viṣaya), mit heiterem inneren Selbst.

sthirasattvaśarīrā ye pūrvānnā madyapānvayāḥ | bahumadyocitā ye ca mādyanti sahasā na te

Wer von fester Wesensart (sattva) und festem Körper ist, wer vor dem Trinken gegessen hat und an den Weingenuss gewöhnt ist sowie an große Mengen Wein gewöhnt ist, wird nicht plötzlich trunken.

kṣutpipāsāparītāśca [2] durbalā vātapaittikāḥ | rūkṣālpapramitāhārā viṣṭabdhāḥ sattvadurbalāḥ

Wer hingegen von Hunger und Durst geplagt ist, geschwächt, von gestörtem Vāta und Pitta, wer trockene, geringe, knapp bemessene Speise isst, wer verstopft (viṣṭabdha) und von schwachem Geist (sattva) ist –

krodhino'nucitāḥ kṣīṇāḥ pariśrāntā madakṣatāḥ | svalpenāpi madaṃ śīghraṃ yānti madyena mānavāḥ

wer zornmütig, ungewohnt, abgemagert, erschöpft oder bereits vom Rausch geschwächt ist – solche Menschen werden selbst durch eine geringe Menge Wein rasch trunken.

ūrdhvaṃ madātyayasyātaḥ sambhavaṃ svasvalakṣaṇam | agniveśa! cikitsāṃ ca pravakṣyāmi yathākramam

Nachdem nun dies dargelegt ist, will ich, o Agniveśa, im Folgenden der Reihe nach die Entstehung der krankhaften Trunkenheit (madātyaya) mit ihren jeweiligen Kennzeichen sowie deren Behandlung darlegen.

strīśokabhayabhārādhvakarmabhiryo'tikarśitaḥ | rūkṣālpapramitāśī ca yaḥ pibatyatimātrayā

Wer durch Frauen, Kummer, Furcht, das Tragen von Lasten, Reisen oder Arbeit übermäßig geschwächt ist, wer trockene, geringe, knapp bemessene Speise isst und Wein im Übermaß trinkt –

rūkṣaṃ pariṇataṃ madyaṃ niśi nidrāṃ vihatya ca | karoti tasya tacchīghraṃ vātaprāyaṃ madātyayam

bei einem solchen Menschen erzeugt trockener, ausgereifter (pariṇata) Wein, nachts getrunken und den Schlaf störend, rasch eine von Vāta geprägte krankhafte Trunkenheit (madātyaya).

hikkāśvāsaśiraḥkampapārśvaśūlaprajāgaraiḥ | vidyādbahupralāpasya vātaprāyaṃ madātyayam

An Schluckauf (hikkā), Atemnot (śvāsa), Kopfzittern, Flankenschmerz (pārśvaśūla), Schlaflosigkeit und vielem irrem Reden (pralāpa) soll man die von Vāta geprägte Form der krankhaften Trunkenheit erkennen.

tīkṣṇoṣṇaṃ madyamamlaṃ ca yo'timātraṃ niṣevate | amloṣṇatīkṣṇabhojī ca krodhano'gnyātapapriyaḥ

Wer scharfen, heißen und sauren Wein im Übermaß genießt, wer saure, heiße und scharfe Speisen isst, wer zornmütig ist und Feuer sowie Sonnenhitze liebt –

tasyopajāyate pittādviśeṣeṇa madātyayaḥ | sa [1] tu vātolbaṇasyāśu praśamaṃ yāti hanti vā

bei einem solchen entsteht die krankhafte Trunkenheit vor allem aus Pitta; diese Form geht, im Unterschied zu der von Vāta beherrschten, rasch entweder in Genesung über oder führt zum Tod.

tṛṣṇādāhajvarasvedamūrcchātīsāravibhramaiḥ | vidyāddharitavarṇasya pittaprāyaṃ madātyayam

An Durst (tṛṣṇā), Brennen (dāha), Fieber, Schweiß, Ohnmacht (mūrcchā), Durchfall (atisāra) und Verwirrtheit sowie an einer grünlich-gelben Hautfarbe erkennt man die von Pitta geprägte krankhafte Trunkenheit.

taruṇaṃ madhuraprāyaṃ gauḍaṃ paiṣṭikameva vā | madhurasnigdhagurvāśī yaḥ pibatyatimātrayā

Wer jungen (taruṇa), überwiegend süßen, aus Melasse (gauḍa) oder aus Mehl (paiṣṭika) bereiteten Wein im Übermaß trinkt und dabei süße, ölige (snigdha) und schwere (guru) Speisen isst –

avyāyāmadivāsvapnaśayyāsanasukhe rataḥ | madātyayaṃ kaphaprāyaṃ sa śīghramadhigacchati

wer keine Bewegung sucht, tagsüber schläft und sich an der Bequemlichkeit von Bett und Sitz erfreut, bei dem entsteht rasch die von Kapha geprägte krankhafte Trunkenheit.

chardyarocakahṛllāsatandrāstaimityagauravaiḥ | vidyācchītaparītasya kaphaprāyaṃ madātyayam

An Erbrechen (chardi), Appetitlosigkeit (arocaka), Übelkeit (hṛllāsa), Benommenheit (tandrā), einem Gefühl von Schwere und Verklebtheit (staimitya) in der Brust sowie an allgemeiner Schwere erkennt man bei einem von Kälte übermannten Menschen die von Kapha geprägte krankhafte Trunkenheit.

viṣasya ye guṇā dṛṣṭāḥ sannipātaprakopaṇāḥ | ta eva madye dṛśyante viṣe tu balavattarāḥ

Dieselben Eigenschaften, die man beim Gift (viṣa) als Auslöser einer gleichzeitigen Störung aller drei Doṣas (sannipāta) beobachtet, zeigen sich auch beim Wein – nur sind sie beim Gift stärker ausgeprägt.

hantyāśu hi viṣaṃ kiñcit kiñcidrogāya kalpate | yathā viṣaṃ tathaivāntyo jñeyo madyakṛto madaḥ

Manches Gift tötet rasch, manches führt nur zu Krankheit; ebenso ist die äußerste, durch Wein hervorgerufene Trunkenheit (mada) wie ein Gift zu verstehen.

tasmāt tridoṣajaṃ liṅgaṃ sarvatrāpi madātyaye | dṛśyate rūpavaiśeṣyāt pṛthaktvaṃ cāsya [1] lakṣyate

Daher zeigt sich bei jeder krankhaften Trunkenheit stets ein Zeichen aller drei Doṣas zugleich; dennoch lässt sich aufgrund der Besonderheit der hervortretenden Symptome (rūpa) auch eine Unterscheidung zwischen den Formen erkennen.

śarīraduḥkhaṃ balavat sammoho [1] hṛdayavyathā | aruciḥ pratatā [2] tṛṣṇā jvaraḥ śītoṣṇalakṣaṇaḥ

Heftiges körperliches Unwohlsein, Verwirrung (sammoha), Schmerz im Herzen, anhaltende Appetitlosigkeit (aruci) und Durst sowie Fieber mit wechselndem Kälte- und Hitzegefühl –

śiraḥpārśvāsthisandhīnāṃ vidyuttulyā [3] ca vedanā | jāyate'tibalā jṛmbhā sphuraṇaṃ vepanaṃ śramaḥ

blitzartiger Schmerz in Kopf, Flanken, Knochen und Gelenken tritt auf, dazu heftiges Gähnen (jṛmbhā), Zucken, Zittern (vepana) und Erschöpfung.

urovibandhaḥ kāsaśca hikkā śvāsaḥ prajāgaraḥ | śarīrakampaḥ karṇākṣimukharogastrikagrahaḥ

Enge in der Brust, Husten (kāsa), Schluckauf, Atemnot, Schlaflosigkeit, Zittern des Körpers sowie Erkrankungen von Ohr, Auge und Mund und ein Verkrampfen im Kreuzbeinbereich (trika) –

chardyatīsārahṛllāsā vātapittakaphātmakāḥ | bhramaḥ pralāpo rūpāṇāmasatāṃ caiva darśanam

Erbrechen, Durchfall und Übelkeit, die von Vāta, Pitta und Kapha herrühren, Schwindel (bhrama), irres Reden (pralāpa) sowie das Sehen nicht wirklich vorhandener Gestalten [Halluzinationen] –

tṛṇabhasmalatāparṇapāṃśubhiścāvapūraṇam | pradharṣaṇaṃ vihaṅgaiśca bhrāntacetāḥ sa manyate

der geistig verwirrte Kranke glaubt sich mit Gras, Asche, Ranken, Blättern und Staub bedeckt und von Vögeln angegriffen.

vyākulānāmaśastānāṃ svapnānāṃ darśanāni ca | madātyayasya rūpāṇi sarvāṇyetāni lakṣayet

Auch das Sehen wirrer und unheilvoller Träume ist zu beobachten – all diese Erscheinungen sind als Zeichen (rūpa) der krankhaften Trunkenheit zu erkennen.

sarvaṃ madātyayaṃ vidyāt tridoṣamadhikaṃ tu yam | doṣaṃ madātyaye paśyet tasyādau pratikārayet

Man muss wissen, dass jede krankhafte Trunkenheit alle drei Doṣas betrifft; welchen Doṣa man jedoch als vorherrschend erkennt, den soll man bei der Behandlung zuerst angehen.

kaphasthānānupūrvyā ca kriyā kāryā madātyaye | pittamārutaparyantaḥ prāyeṇa hi madātyayaḥ

Die Behandlung der krankhaften Trunkenheit soll der Reihenfolge der Kapha-Sitze folgen, denn diese Krankheit verläuft in der Regel so, dass sie über Pitta bis hin zu Vāta fortschreitet.

mithyātihīnapītena yo vyādhirupajāyate | samapītena tenaiva sa madyenopaśāmyati

Die Krankheit, die durch falsch oder in zu geringer Menge getrunkenen Wein entsteht, wird eben durch denselben Wein, in richtigem Maß getrunken, wieder geheilt.

jīrṇāmamadyadoṣāya madyameva pradāpayet | prakāṅkṣālāghave jāte yadyadasmai hitaṃ bhavet

Bei einer Störung durch unverdauten (āma), gärenden Wein soll man wiederum Wein verabreichen, sobald sich Appetit und Leichtigkeit einstellen, zusammen mit allem, was dem Kranken sonst zuträglich ist.

sauvarcalānusaṃviddhaṃ śītaṃ sabiḍasaindhavam | mātuluṅgārdrakopetaṃ jalayuktaṃ pramāṇavit [1]

Der kundige Arzt gebe [den Wein] gekühlt, vermischt mit Sauvarcala-Salz, zusammen mit Biḍa-Salz und Steinsalz (saindhava), versetzt mit Zitronatzitrone (mātuluṅga) und frischem Ingwer (ārdraka) sowie mit Wasser verdünnt.

tīkṣoṣṇenātimātreṇa pītenāmlavidāhinā | madyenānnarasotkledo vidagdhaḥ kṣāratāṃ gataḥ

Durch scharfen, heißen, im Übermaß getrunkenen, sauren und brennenden Wein gerät der Nahrungssaft (annarasa) in Gärung (utkleda), verdirbt (vidagdha) und nimmt eine ätzend-alkalische Beschaffenheit (kṣāratā) an.

antardāhaṃ jvaraṃ tṛṣṇāṃ pramohaṃ vibhramaṃ madam | janayatyāśu tacchāntyai madyameva pradāpayet

Dies erzeugt rasch inneres Brennen, Fieber, Durst, Bewusstseinstrübung und Verwirrung sowie Trunkenheit; um dies zu beruhigen, soll man wiederum eben Wein verabreichen.

kṣāro hi yāti mādhuryaṃ śīghramamlopasaṃhitaḥ | śreṣṭhamamleṣu madyaṃ ca yairguṇaistān paraṃ śṛṇu

Denn das Ätzend-Alkalische (kṣāra) wird, mit Saurem verbunden, rasch zu Süße; und unter den sauren Dingen ist der Wein das Beste – höre nun weiter, durch welche Eigenschaften dies so ist.

madyasyāmlasvabhāvasya catvāro'nurasāḥ smṛtāḥ | madhuraśca kaṣāyaśca tiktaḥ kaṭuka eva ca

Vom Wein, dessen Grundwesen (svabhāva) sauer ist, sind vier Nebengeschmäcker (anurasa) überliefert: süß, herb-zusammenziehend (kaṣāya), bitter (tikta) und scharf (kaṭu).

guṇāśca daśa pūrvoktāstaiścaturdaśabhirguṇaiḥ | sarveṣāṃ madyamamlānāmuparyupari tiṣṭhati

Dazu kommen die zehn zuvor genannten Eigenschaften; durch diese vierzehn Eigenschaften zusammen steht der Wein unter allen sauren Dingen ganz zuoberst.

madyotkliṣṭena doṣeṇa ruddhaḥ [1] srotaḥsu mārutaḥ | karoti vedanāṃ tīvrāṃ śirasyasthiṣu sandhiṣu

Durch den vom Wein aufgewühlten Doṣa in den Körperkanälen (srotas) blockiert, erzeugt Vāta (māruta) heftigen Schmerz in Kopf, Knochen und Gelenken.

doṣaviṣyandanārthaṃ hi tasmai [2] madyaṃ viśeṣataḥ | vyavāyitīkṣṇoṣṇatayā deyamamle(nye)ṣu satsvapi

Um den Doṣa zu verflüssigen und zum Fließen zu bringen (viṣyandana), soll man diesem Kranken eben Wein geben, und zwar wegen seiner durchdringenden (vyavāyi), scharfen und heißen Eigenschaft – vor allen anderen sauren Mitteln, so gut sie auch sein mögen.

srotovibandhanunmadyaṃ mārutasyānulomanam | rocanaṃ dīpanaṃ cāgnerabhyāsāt sātmyameva ca

Wein löst die Verstopfung der Körperkanäle, bringt Vāta in seine normale abwärts gerichtete Bewegung (anulomana), regt den Appetit (rocana) an, entfacht das Verdauungsfeuer (dīpana) und wird durch gewohnheitsmäßigen Gebrauch dem Körper zuträglich (sātmya).

rujaḥ [3] srotaḥsvaruddheṣu mārute cānulomite | nivartante vikārāśca śāmyantyasya madodayāḥ

Sind die verstopften Körperkanäle geöffnet und Vāta wieder in seine normale Bahn gebracht, so lassen die Schmerzen nach, die Störungen weichen und die aus der Trunkenheit entstandenen Beschwerden dieses Kranken kommen zur Ruhe.

bījapūrakavṛkṣāmlakoladāḍimasaṃyutam | yavānīhapuṣājājīśṛṅgaverāvacūrṇitam

[Man verabreiche Wein] verbunden mit Zitronatzitrone (bījapūraka), Tamarinde (vṛkṣāmla), Brustbeere (kola) und Granatapfel (dāḍima), bestreut mit dem Pulver von Ajowan (yavānī), Hapuṣā, Kreuzkümmel (ājājī) und Ingwer (śṛṅgavera) –

sasnehaiḥ śaktubhiryuktamavadaṃśairvirocitam [4] | dadyāt salavaṇaṃ madyaṃ paiṣṭikaṃ vātaśāntaye

verbunden mit geröstetem Getreidemehl (śaktu), das mit Fett vermengt ist, verfeinert mit würzigen Beilagen (avadaṃśa) – gesalzenen, aus Mehl bereiteten (paiṣṭika) Wein soll man zur Beruhigung von Vāta geben.

dṛṣṭvā vātolbaṇaṃ liṅgaṃ rasaiścainamupācaret | lāvatittiradakṣāṇāṃ snigdhāmlaiḥ śikhināmapi

Hat man die Zeichen eines stark erregten Vāta erkannt, so behandle man den Kranken mit öligen, sauren Fleischbrühen (rasa) von Wachtel (lāva), Rebhuhn (tittira), Frankolin (dakṣa) und auch von Pfau (śikhin).

pakṣiṇāṃ mṛgamatsyānāmānūpānāṃ ca saṃskṛtaiḥ | bhūśayaprasahānāṃ ca rasaiḥ śālyodanena ca

mit zubereiteten Brühen von [anderen] Vögeln, von Wildtieren (mṛga), Fischen (matsya), Sumpftieren (ānūpa) sowie von in Erdlöchern lebenden und von Raubtieren, zusammen mit gekochtem Śāli-Reis.

snigdhoṣṇalavaṇāmlaiśca veśavārairmukhapriyaiḥ | citrairgaudhūmikaiścānnairvāruṇīmaṇḍasaṃyutaiḥ [5]

mit öligen, heißen, salzigen und sauren Fleischgerichten (veśavāra), die dem Gaumen zusagen, mit bunten, aus Weizen (godhūma) bereiteten Speisen, verbunden mit dem Schaum der Vāruṇī-Reisgärung (vāruṇīmaṇḍa).

piśitārdrakagarbhābhiḥ snigdhābhiḥ pūpavartibhiḥ | māṣapūpalikābhiśca vātikaṃ samupācaret

Mit öligen, mit frischem Ingwer gefüllten Fleischröllchen (pūpavarti) und mit Kuchen aus Urdbohnenmehl (māṣapūpalikā) soll man den von Vāta geprägten Kranken behandeln.

nātisnigdhaṃ na cāmlena yuktaṃ samaricārdrakam | medyaṃ prāguditaṃ māṃsaṃ dāḍimasvarasena vā

[Man gebe] Fleisch, das nicht allzu ölig und nicht mit Saurem verbunden ist, gewürzt mit Pfeffer und frischem Ingwer, nahrhaft, wie zuvor beschrieben, oder mit frischem Granatapfelsaft.

pṛthaktrijātakopetaṃ sadhānyamaricārdrakam | rasapralepi [6] sampūpaiḥ sukhoṣṇaiḥ sampradāpayet

Verbunden mit den drei Gewürzen (trijātaka), zugleich mit Koriander (dhānya), Pfeffer und Ingwer, mit Fleischsaft überzogen, reiche man dies mit angenehm warmen Kuchen (pūpa).

bhukte [7] tu vāruṇīmaṇḍaṃ dadyāt pātuṃ pipāsave | dāḍimasya rasaṃ vā'pi jalaṃ vā pāñcamūlikam

Nach dem Essen gebe man dem Durstigen den Schaum der Vāruṇī-Reisgärung zu trinken, oder Granatapfelsaft, oder mit den fünf Wurzeln (pañcamūla) bereitetes Wasser.

dhānyanāgaratoyaṃ ca dadhimaṇḍamathāpi vā | amlakāñjikamaṇḍaṃ vā śuktodakamathāpi vā

oder Wasser, das mit Koriander und trockenem Ingwer (nāgara) gekocht ist, oder die wässrige Molke des Quarks (dadhimaṇḍa), oder sauren Reisschleim (kāñjika), oder fermentiertes Essigwasser (śuktodaka).

karmaṇā'nena siddhena vikāra upaśāmyati | mātrākālaprayuktena balaṃ varṇaśca vardhate

Durch diese richtig ausgeführte Behandlung, in rechter Menge und zur rechten Zeit angewandt, wird die Störung besänftigt, und Kraft (bala) sowie Hautfarbe (varṇa) nehmen zu.

rāgaṣāḍavasaṃyogairvividhairbhaktarocanaiḥ | piśitaiḥ śākapiṣṭānnairyavagodhūmaśālibhiḥ

mit vielfältigen, den Appetit anregenden Mahlzeiten aus süß-sauren Saucen (rāga) und Ṣāḍava-Würzmischungen, mit Fleisch, Gemüse und Mehlspeisen aus Gerste, Weizen und Reis,

abhyaṅgotsādanaiḥ snānairuṣṇaiḥ prāvaraṇairghanaiḥ | ghanairagurupaṅkaiśca dhūpaiścāgurujairghanaiḥ

mit Ölmassage (abhyaṅga), Einreibungen (utsādana), warmen Bädern, dicken Decken, dicken Pasten aus Adlerholz (aguru) und dichten Räucherungen aus Adlerholz –

nārīṇāṃ yauvanoṣṇānāṃ nirdayairupagūhanaiḥ | śroṇyūrukucabhāraiśca saṃrodhoṣṇasukhāvahaiḥ

mit den leidenschaftlichen Umarmungen junger, von Jugend erhitzter Frauen und der Wärme und Nähe, die das Gewicht ihrer Hüften, Schenkel und Brüste vermittelt,

śayanācchādanairuṣṇairuṣṇaiścāntargṛhaiḥ sukhaiḥ | mārutaprabalaḥ śīghraṃ praśāmyati madātyayaḥ

mit warmen Betten und Decken sowie mit behaglich warmen Innenräumen wird die von Vāta beherrschte krankhafte Trunkenheit rasch besänftigt.

bhavyakharjūramṛdvīkāparūṣakarasairyutam [1] | sadāḍimarasaṃ śītaṃ saktubhiścāvacūrṇitam

[Man bereite ein Getränk] aus den Säften von Bhavya, Dattel (kharjūra), Weintraube (mṛdvīkā) und Parūṣaka, verbunden mit kaltem Granatapfelsaft und bestreut mit geröstetem Mehl (saktu),

saśarkaraṃ śārkaraṃ vā mārdvīkamathavā'param | dadyādbahūdakaṃ kāle pātuṃ pittamadātyaye

mit Zucker (śarkarā) versetzt oder ganz aus Zucker bereitet, oder auch Traubenwein (mārdvīka) – dies gebe man, reichlich mit Wasser verdünnt, zur rechten Zeit dem an Pitta-bedingter krankhafter Trunkenheit Leidenden zu trinken.

śaśān kapiñjalāneṇāṃllāvānasitapucchakān | madhurāmlān prayuñjīta bhojane śāliṣaṣṭikān

Man verwende bei der Mahlzeit süß-saures Fleisch von Hase (śaśa), Frankolin (kapiñjala), Antilope (eṇa), Wachtel (lāva) und Schwarzschwanzvögeln (asitapucchaka), zusammen mit Śāli- und Ṣaṣṭika-Reis.

paṭolayūṣamiśraṃ vā chāgalaṃ kalpayedrasam | satīnamudgamiśraṃ vā dāḍimāmalakānvitam

Man bereite eine Ziegenfleischbrühe (chāgala rasa), vermischt mit Paṭola-Suppe, oder eine Brühe, vermischt mit Tīna- und Mungbohnen (mudga), verbunden mit Granatapfel und Āmalaka.

drākṣāmalakakharjūraparūṣakarasena vā | kalpayettarpaṇān yūṣān rasāṃśca vividhātmakān

oder man bereite nährende (tarpaṇa) Suppen (yūṣa) und vielerlei Brühen (rasa) mit dem Saft von Weintrauben, Āmalaka, Dattel und Parūṣaka.

āmāśayasthamutkliṣṭaṃ kaphapittaṃ madātyaye | vijñāya bahudoṣasya dahyamānasya [2] tṛṣyataḥ

Nachdem man erkannt hat, dass im Magen (āmāśaya) aufgewühltes Kapha und Pitta bei krankhafter Trunkenheit vorliegen, bei einem Kranken mit reichlich vorhandenen Doṣas, der von innerem Brennen und Durst gequält wird –

madyaṃ drākṣārasaṃ toyaṃ dattvā tarpaṇameva vā | niḥśeṣaṃ vāmayecchīghramevaṃ rogādvimucyate

Nachdem man dem Kranken Wein (madya), Traubensaft (drākṣārasa) oder Wasser, oder auch eine kräftigende Speise (tarpaṇa), gegeben hat, soll man rasch ein vollständiges Erbrechen (vamana) herbeiführen; auf diese Weise wird er von der Krankheit befreit.

kāle punastarpaṇādyaṃ kramaṃ kuryāt prakāṅkṣite | tenāgnirdīpyate tasya doṣaśeṣānnapācakaḥ

Danach soll man, sobald der Patient wieder Verlangen zeigt, zur rechten Zeit erneut mit der Tarpaṇa-Behandlung und dem folgenden Stufenplan (krama) beginnen; dadurch wird sein Verdauungsfeuer (agni) entfacht, welches die verbliebenen Doṣas und die Nahrung verarbeitet.

kāse saraktaniṣṭhīve pārśvastanarujāsu ca | tṛṣyate savidāhe ca sotkleśe hṛdayorasi

Bei Husten (kāsa) mit blutigem Auswurf, bei Schmerzen in Flanke und Brust, bei Durst mit brennendem Gefühl (vidāha) sowie bei Übelkeit (utkleśa) in Herz und Brustraum,

guḍūcībhadramustānāṃ paṭolasyāthavā bhiṣak | rasaṃ sanāgaraṃ dadyāt tittiripratibhojanam [3]

soll der Arzt (bhiṣaj) den Saft von Guḍūcī, Bhadramustā und Paṭola, versetzt mit Ingwer (nāgara), geben, gefolgt von einer Mahlzeit mit Rebhuhnfleisch (tittiri).

tṛṣyate cātibalavadvātapitte samuddhate | dadyāddrākṣārasaṃ pātuṃ śītaṃ doṣānulomanam

Besteht starker Durst und sind Vāta und Pitta heftig erregt, soll man kühlen Traubensaft (drākṣārasa) zu trinken geben, der die Doṣas in ihre natürliche Richtung lenkt (anulomana).

jīrṇe samadhurāmlena chāgamāṃsarasena tam | bhojanaṃ bhojayenmadyamanutarṣaṃ ca pāyayet

Ist dieser Saft verdaut, soll man dem Kranken eine Mahlzeit mit süß-saurer Ziegenfleischbrühe (chāgamāṃsarasa) geben und ihn dann Wein trinken lassen, der den Durst nur mäßig lindert (anutarṣa).

anutarṣasya mātrā sā yayā no dūṣyate [4] manaḥ | tṛṣyate madyamalpālpaṃ pradeyaṃ syādbahūdakam

Die richtige Dosis der durstlindernden Weingabe ist jene, bei der der Geist (manas) nicht getrübt wird; besteht der Durst weiter, soll nur wenig, stark mit Wasser verdünnter Wein gegeben werden.

tṛṣṇā yenopaśāmyeta madaṃ yena ca nāpnuyāt | parūṣakāṇāṃ pīlūnāṃ rasaṃ śītamathāpi [5] vā

Wodurch der Durst gestillt wird, ohne dass erneut Berauschung (mada) eintritt: dazu eignet sich der kühle Saft der Parūṣaka- oder Pīlu-Früchte.

parṇinīnāṃ catasṝṇāṃ pibedvā śiśiraṃ jalam | mustadāḍimalājānāṃ [6] tṛṣṇāghnaṃ vā pibedrasam

Oder man trinke kühles Wasser, in dem die vier Parṇinī-Kräuter eingelegt wurden, oder einen durststillenden Absud aus Mustā, Granatapfel (dāḍima) und geröstetem Reis (lāja).

koladāḍimavṛkṣāmlacukrīkācukrikārasaḥ | pañcāmlako mukhālepaḥ sadyastṛṣṇāṃ niyacchati

Der Saft aus Kola, Granatapfel, Vṛkṣāmla, Cukrikā und Cukrī – den fünf sauren Früchten (pañcāmlaka) – sowie eine daraus bereitete Gesichtssalbe (mukhālepa) stillen den Durst augenblicklich.

śītalānyannapānāni śītaśayyāsanāni [7] ca | śītavātajalasparśāḥ śītānyupavanāni ca

Kühle Speisen und Getränke, ein kühles Lager und kühle Sitzgelegenheiten, die Berührung von kühlem Wind und Wasser sowie kühle Gartenanlagen,

kṣaumapadmotpalānāṃ ca maṇīnāṃ mauktikasya ca | candanodakaśītānāṃ sparśāścandrāṃśuśītalāḥ

die Berührung von Leinenstoff (kṣauma), von Lotus- und Utpala-Blüten, von Edelsteinen und Perlen, von mit Sandelwasser gekühlten Gegenständen sowie das kühle Licht des Mondes (candrāṃśu),

hemarājatakāṃsyānāṃ pātrāṇāṃ śītavāribhiḥ | pūrṇānāṃ himapūrṇānāṃ dṛtīnāṃ pavanāhatāḥ

die Berührung von Gefäßen aus Gold, Silber und Bronze, gefüllt mit kaltem Wasser oder Eis, sowie von Wasserschläuchen (dṛti), die vom Wind bewegt werden,

saṃsparśāścandanārdrāṇāṃ nārīṇāṃ ca samārutāḥ | candanānāṃ ca mukhyānāṃ śastāḥ pittamadātyaye [8]

die Berührung von mit Sandelpaste befeuchteten Frauen, die vom Wind umweht sind, sowie von erlesenem Sandelholz – all dies ist bei der Pitta-bedingten Alkoholvergiftung (pittamadātyaya) heilsam.

śītavīryaṃ yadanyacca tat sarvaṃ viniyojayet | kumudotpalapatrāṇāṃ siktānāṃ candanāmbunā

Alles andere, was kühlende Wirkkraft (śītavīrya) besitzt, soll man ebenso anwenden – so auch Blätter des Kumuda- und des Utpala-Lotus, die mit Sandelwasser besprengt sind.

hitāḥ sparśā manojñānāṃ dāhe madyasamutthite | kathāśca vividhāḥ śastāḥ [9] śabdāśca śikhināṃ śivāḥ

Bei dem durch Wein entstandenen Brennen (dāha) sind Berührungen angenehmer Menschen wohltuend, ebenso mancherlei erzählte Geschichten und das freundliche Rufen der Pfauen (śikhin).

toyadānāṃ ca śabdā hi śamayanti madātyayam | jalayantrābhivarṣīṇi vātayantravahāni ca

Auch das Geräusch von Regenwolken lindert die Alkoholvergiftung (madātyaya); ebenso Wasseranlagen, die künstlichen Regen versprühen, und Windvorrichtungen (vātayantra),

kalpanīyāni bhiṣajā dāhe dhārāgṛhāṇi ca | phalinīsevyalodhrāmbuhemapatraṃ kuṭannaṭam

sowie Wasserfallhäuser (dhārāgṛha) soll der Arzt bei Brennen (dāha) einrichten lassen. Eine Auflage (pralepana) aus Phalinī, Sevya, Lodhra, Wasser, Hemapatra und Kuṭannaṭa,

kālīyakarasopetaṃ dāhe śastaṃ pralepanam | badarīpallavotthaśca tathaivāriṣṭakodbhavaḥ

zusammen mit Kālīyaka-Saft, ist bei Brennen als Auflage heilsam; ebenso eine Auflage aus jungen Sprossen der Jujube (badarī) und eine aus Ariṣṭaka.

phenilāyāśca yaḥ phenastairdāhe lepanaṃ śubham | surā samaṇḍā dadhyamlaṃ mātuluṅgaraso madhu

Der Schaum der Phenilā-Pflanze ergibt bei Brennen eine wohltuende Salbe. Surā-Wein mit seinem Bodensatz (maṇḍa), saure Dickmilch (dadhi), Zitronensaft (mātuluṅga) und Honig,

seke pradehe śasyante dāhaghnāḥ sāmlakāñjikāḥ | pariṣekāvagāheṣu vyañjanānāṃ ca sevane

mit saurem Kāñjika versetzt, werden als brennungslindernde Übergießungen (seka) und Salben empfohlen, ebenso bei Übergießungen, Tauchbädern und dem Gebrauch würziger Gewürzmischungen (vyañjana).

śasyate śiśiraṃ toyaṃ dāhatṛṣṇāpraśāntaye | mātrākālaprayuktena karmaṇā'nena śāmyati [10]

Kühles Wasser wird zur Beruhigung von Brennen und Durst empfohlen; durch diese in richtiger Dosis (mātrā) und zur rechten Zeit (kāla) angewandte Behandlung wird der Zustand gestillt.

dhīmato vaidyavaśyasya śīghraṃ pittamadātyayaḥ śaśān kapiñjalānēṇāmṃllāvānasitapucchakān| ullekhanopavāsābhyāṃ jayet kaphamadātyayam

Bei einem klugen, dem Arzt folgsamen Patienten weicht die Pitta-bedingte Alkoholvergiftung rasch, unterstützt durch das Fleisch von Hasen (śaśa), Frankolinhühnern (kapiñjala), Antilopen (eṇa), Wachteln (lāva) und Schwarzschwanzvögeln; durch provoziertes Erbrechen (ullekhana) und Fasten (upavāsa) besiege man die Kapha-bedingte Alkoholvergiftung (kaphamadātyaya).

tṛṣyate salilaṃ cāsmai dadyāddhrīberasādhitam | balayā pṛśniparṇyā vā kaṇṭakāryā'thavā śṛtam

Bei Durst soll man dem Kranken Wasser geben, das mit Hrīvera-Saft angesetzt ist, oder einen Absud aus Balā, Pṛśniparṇī oder Kaṇṭakārī.

sanāgarābhiḥ sarvābhirjalaṃ vā śṛtaśītalam | duḥsparśena samustena mustaparpaṭakena vā

...oder aus all diesen Kräutern zusammen mit Ingwer (nāgara), abgekocht und wieder abgekühlt; oder aus Duḥsparśā und Mustā, oder aus Mustā und Parpaṭaka.

jalaṃ mustaiḥ śṛtaṃ vā'pi dadyāddoṣavipācanam | etadeva ca pānīyaṃ sarvatrāpi madātyaye

Auch mit Mustā abgekochtes Wasser, das die Doṣas ausreifen lässt (vipācana), soll man geben; ebendieses Getränk ist überall bei der Alkoholvergiftung (madātyaya) anwendbar.

niratyayaṃ pīyamānaṃ pipāsājvaranāśanam | nirāmaṃ kāṅkṣitaṃ kāle sakṣaudraṃ [1] pāyayettu tam

Gefahrlos getrunken, beseitigt es Durst und Fieber; ist der Zustand frei von unverdauten Stoffresten (āma) und besteht Verlangen danach, soll man es zur rechten Zeit mit Honig (kṣaudra) versetzt zu trinken geben.

śārkaraṃ madhu vā jīrṇamariṣṭaṃ sīdhumeva vā | rūkṣatarpaṇasaṃyuktaṃ [2] yavānīnāgarānvitam

Oder man gebe Zuckerhonig, gereiften Ariṣṭa- oder Sīdhu-Wein, verbunden mit trockener, kräftigender Kost (tarpaṇa), versetzt mit Ajowan (yavānī) und Ingwer (nāgara).

yāvagaudhūmikaṃ cānnaṃ rūkṣayūṣeṇa bhojayet | kulatthānāṃ suśuṣkāṇāṃ mūlakānāṃ rasena vā

Man reiche Gersten- oder Weizenspeise mit trockener Suppe (yūṣa), oder mit dem Saft gut getrockneter Kulattha-Bohnen oder von Rettich (mūlaka),

tanunā'lpena laghunā kaṭvamlenālpasarpiṣā | paṭolayūṣamamlaṃ vā yūṣamāmalakasya vā

dünn, in geringer Menge, leicht, scharf-sauer und mit wenig Ghee zubereitet, oder eine saure Suppe aus Paṭola, oder eine Suppe aus Āmalakī.

prabhūtakaṭusaṃyuktaṃ sayavānnaṃ pradāpayet | vyoṣayūṣamathāmlaṃ vā yūṣaṃ vā sāmlavetasam

Man gebe reichlich mit Scharfstoffen versetzte Gerstenspeise, oder eine Suppe mit den drei Scharfmitteln (vyoṣa), oder eine saure Suppe mit Amlavetasa.

chāgamāṃsarasaṃ rūkṣamamlaṃ vā jāṅgalaṃ rasam | sthālyāṃ vā'tha kapāle vā bhṛṣṭaṃ nirdravavartitam [3]

...trockene, saure Ziegenfleischbrühe oder Brühe von Wildlandtieren (jāṅgala), im Topf oder auf einer Scherbe geröstet und ohne überschüssige Flüssigkeit zu Klößchen geformt.

kaṭvamlalavaṇaṃ māṃsaṃ bhakṣayan vṛṇuyānmadhu | vyaktamārīcakaṃ māṃsaṃ mātuluṅgarasānvitam

Wer scharf-sauer-salziges Fleisch isst, soll dazu Honig wählen; deutlich mit Pfeffer (marīca) gewürztes Fleisch, versetzt mit Zitronensaft (mātuluṅga),

prabhūtakaṭusaṃyuktaṃ yavānīnāgarānvitam | bhṛṣṭaṃ dāḍimasārāmlamuṣṇapūpopaveṣṭitam

reichlich mit Scharfstoffen versehen, mit Ajowan und Ingwer verbunden, geröstet, mit dem sauren Extrakt des Granatapfels versetzt und in warmes Fladenbrot (pūpa) eingewickelt,

yathāgni bhakṣayet kāle prabhūtārdrakapeśikam | pibecca nigadaṃ madyaṃ kaphaprāye madātyaye

soll man je nach Verdauungskraft (agni) zur rechten Zeit essen, reichlich mit Stücken frischen Ingwers (ārdraka) versehen; und man trinke den vorgeschriebenen Wein bei überwiegend Kapha-bedingter Alkoholvergiftung.

sauvarcalamajājī ca vṛkṣāmlaṃ sāmlavetasam | tvagelāmaricārdhāṃśaṃ śarkarābhāgayojitam

Sauvarcala-Salz, Kreuzkümmel (ajājī), Vṛkṣāmla und Amlavetasa, Zimt (tvac), Kardamom (elā) und Pfeffer je zur Hälfte, verbunden mit einem Anteil Zucker (śarkarā),

etallavaṇamaṣṭāṅgamagnisandīpanaṃ param | madātyaye kaphaprāye dadyāt srotoviśodhanam

dieses achtgliedrige Gewürzsalz (aṣṭāṅgalavaṇa), das die Verdauungskraft vortrefflich entfacht, soll man bei der überwiegend Kapha-bedingten Alkoholvergiftung geben; es reinigt die Körperkanäle (srotas).

etadeva punaryuktyā madhurāmlairdravīkṛtam | godhūmānnayavānnānāṃ māṃsānāṃ cātirocanam

Ebendieses Gewürzsalz, auf geeignete Weise mit süß-sauren Zutaten verflüssigt, macht Weizenspeise, Gerstenspeise und Fleisch überaus schmackhaft (rocana).

peṣayet kaṭukairyuktāṃ śvetāṃ bījavivarjitām | mṛdvīkāṃ mātuluṅgasya dāḍimasya rasena vā

Man zerreibe weiße, entkernte Weintrauben (mṛdvīkā), versetzt mit Scharfstoffen, zusammen mit dem Saft von Zitrone (mātuluṅga) oder Granatapfel (dāḍima).

sauvarcalailāmaricairajājībhṛṅgadīpyakaiḥ | sa rāgaḥ kṣaudrasaṃyuktaḥ śreṣṭho rocanadīpanaḥ [4]

Mit Sauvarcala-Salz, Kardamom, Pfeffer, Kreuzkümmel, Bhṛṅgarāja und Dīpyaka versehen und mit Honig (kṣaudra) verbunden, ist diese Chutney-Zubereitung (rāga) die beste, appetitanregend (rocana) und verdauungsfördernd (dīpana).

mṛdvīkāyā vidhānena kārayet kāravīmapi | śuktamatsyaṇḍikopetaṃ rāgaṃ dīpanapācanam

Nach demselben Verfahren wie bei den Weintrauben soll man auch aus Kāravī (Kümmel) eine mit fermentierter Flüssigkeit (śukta) und Zuckerkonfekt (matsyaṇḍikā) versehene Chutney-Zubereitung herstellen, die verdauungsfördernd und -anregend wirkt.

āmrāmalakapeśīnāṃ rāgān kuryāt pṛthak pṛthak | dhānyasauvarcalājājīkāravīmaricānvitān

Man bereite aus Mangostücken (āmra) und Āmalakī-Stücken jeweils gesonderte Chutneys (rāga), versehen mit Koriander (dhānya), Sauvarcala-Salz, Kreuzkümmel, Kāravī und Pfeffer,

guḍena [5] madhuyuktena vyaktāmlalavaṇīkṛtān | tairannaṃ rocate digdhaṃ samyagbhuktaṃ ca jīryati

sowie mit Rohzucker (guḍa) samt Honig, deutlich sauer-salzig abgeschmeckt. Damit bestrichene Speise schmeckt gut und wird, richtig gegessen, gut verdaut.

rūkṣoṣṇenānnapānena [6] snānenāśiśireṇa ca | vyāyāmalaṅghanābhyāṃ ca yuktyā jāgaraṇena ca

Durch trockene, warme Speisen und Getränke, durch nicht-kühlendes Baden, durch Körperübung (vyāyāma) und Fasten (laṅghana) sowie durch maßvolles Wachbleiben (jāgaraṇa),

kālayuktena rūkṣeṇa snānenodvartanena ca | prāṇavarṇakarāṇāṃ ca [7] pragharṣāṇāṃ ca sevayā

durch zeitgerechtes, trockenes Baden und trockene Einreibung (udvartana), durch den Gebrauch kraft- und hautfarbenfördernder, kräftig reibender Mittel,

sevayā vasanānāṃ ca gurūṇāmagurorapi | saṅkocoṣṇasukhāṅgīnāmaṅganānāṃ ca sevayā

durch das Tragen schwerer wie auch leichter Kleidung sowie durch die Gesellschaft von Frauen mit warmen, wohlgeformten, angenehmen Körpern,

sukhaśikṣitahastānāṃ strīṇāṃ saṃvāhanena ca | madātyayaḥ kaphaprāyaḥ śīghramevopaśāmyati

und durch die geschickte, wohltuende Massage (saṃvāhana) mit den Händen erfahrener Frauen wird die überwiegend Kapha-bedingte Alkoholvergiftung rasch besänftigt.

yadidaṃ karma nirdiṣṭaṃ pṛthagdoṣabalaṃ prati | sannipāte daśavidhe tadvikalpyaṃ bhiṣagvidā

Diese Behandlung, die für die einzelnen Doṣa-Stärken jeweils gesondert dargelegt wurde, soll der kundige Arzt (bhiṣagvid) bei den zehn Arten der Sannipāta-Alkoholvergiftung (bei Beteiligung aller drei Doṣas) entsprechend kombinieren und anpassen.

yastu doṣavikalpajño yaścauṣadhivikalpavit | sa sādhyānsādhayedvyādhīn sādhyāsādhyavibhāgavit

Nur wer die Variationen der Doṣas und der Heilmittel (auṣadha) kennt und die Unterscheidung zwischen heilbaren und unheilbaren Krankheiten beherrscht, kann heilbare Krankheiten auch tatsächlich heilen.

vanāni ramaṇīyāni sapadmāḥ salilāśayāḥ | viśadānyannapānāni sahāyāśca praharṣaṇāḥ

Liebliche Wälder, Lotosteiche und Gewässer, klare, reine Speisen und Getränke sowie erfreuende Gefährten,

mālyāni gandhayogāśca vāsāṃsi vimalāni ca | gāndharvaśabdāḥ kāntāśca goṣṭhyaśca hṛdayapriyāḥ

Blumengirlanden und wohlriechende Salben, makellose Gewänder, liebliche Musik (gāndharvaśabda) und dem Herzen angenehme Geselligkeit (goṣṭhī),

saṅkathāhāsyagītānāṃ viśadāścaiva yojanāḥ | priyāścānugatā nāryo nāśayanti madātyayam

heitere Unterhaltungen (saṅkathā), Gelächter und Gesang in reiner, unbeschwerter Form sowie liebevoll ergebene Frauen (nārī) – all dies vertreibt die Alkoholvergiftung (madātyaya).

nākṣobhya hi mano madyaṃ śarīramavihatya ca | kuryānmadātyayaṃ tasmādeṣṭavyā harṣaṇī kriyā

Denn Wein (madya) kann, ohne den Geist (manas) zu erregen und den Körper zu schädigen, keine Alkoholvergiftung hervorrufen; deshalb ist eine erfreuende, aufheiternde Behandlung (harṣaṇī kriyā) anzustreben.

ābhiḥ kriyābhiḥ siddhābhiḥ śamaṃ yāti madātyayaḥ | na cenmadyavidhiṃ muktvā kṣīramasya prayojayet

Durch diese wirksamen Maßnahmen kommt die Alkoholvergiftung zur Ruhe; gelingt dies nicht, soll man unter Aufgabe der üblichen Weinregeln (madyavidhi) dem Kranken Milch (kṣīra) verabreichen.

laṅghanaiḥ pācanairdoṣaśodhanaiḥ śamanairapi | vimadyasya kaphe kṣīṇe jāte daurbalyalāghave

Durch Fasten (laṅghana), verdauungsfördernde und doṣareinigende sowie besänftigende Mittel – wenn bei dem vom Wein Befreiten der Kapha vermindert ist und Schwäche (daurbalya) sowie Leichtheit des Körpers (lāghava) eingetreten sind,

tasya madyavidagdhasya vātapittādhikasya ca | grīṣmopataptasya taroryathā varṣaṃ tathā payaḥ

dann wirkt für ihn, den vom Wein Verbrannten, bei dem Vāta und Pitta überwiegen, die Milch (payas) wie der Regen für einen von der Sommerhitze versengten Baum.

payasā'bhihṛte roge bale jāte nivartayet | kṣīraprayogaṃ madyaṃ ca krameṇālpālpamācaret

Ist die Krankheit durch die Milch beseitigt und die Kraft (bala) wiederhergestellt, soll man die Milchbehandlung beenden und stufenweise, in kleinen Mengen, wieder mit Wein (madya) beginnen.

vicchinnamadyaḥ sahasā yo'timadyaṃ niṣevate | dhvaṃsako [1] vikṣayaścaiva rogastasyopajāyate

Wer, nachdem er den Weingenuss unterbrochen hatte, plötzlich wieder übermäßig Wein zu sich nimmt, bei dem entstehen die Krankheiten Dhvaṃsaka und Vikṣaya.

vyādhyupakṣīṇadehasya duścikitsyatamau hi tau | tayorliṅgaṃ cikitsā ca yathāvadupadekṣyate

Bei einem durch Krankheit geschwächten Körper sind diese beiden Leiden besonders schwer zu behandeln; ihre Zeichen (liṅga) und ihre Behandlung (cikitsā) werden nun der Reihe nach dargelegt.

śleṣmaprasekaḥ kaṇṭhāsyaśoṣaḥ śabdāsahiṣṇutā | tandrānidrātiyogaśca jñeyaṃ dhvaṃsakalakṣaṇam

Vermehrter Schleimfluss (śleṣmaprasekaḥ), Trockenheit von Kehle und Mund, Geräuschempfindlichkeit sowie übermäßige Benommenheit (tandrā) und Schläfrigkeit (nidrā) – dies sind die Kennzeichen des Dhvaṃsaka.

hṛtkaṇṭharogaḥ sammohaśchardiraṅgarujā jvaraḥ | tṛṣṇā kāsaḥ śiraḥśūlametadvikṣayalakṣaṇam

Erkrankung von Herz und Kehle, Bewusstseinstrübung (sammoha), Erbrechen, Gliederschmerzen, Fieber, Durst, Husten und Kopfschmerz – dies sind die Kennzeichen des Vikṣaya.

tayoḥ karma tadeveṣṭaṃ vātike yanmadātyaye | tau hi prakṣīṇadehasya jāyete durbalasya vai

Für beide Leiden gilt dieselbe Behandlung, wie sie bei der Vāta-bedingten Alkoholvergiftung angegeben wurde; denn beide entstehen bei einem geschwächten, kraftlosen Körper.

bastayaḥ sarpiṣaḥ pānaṃ prayogaḥ kṣīrasarpiṣoḥ | abhyaṅgodvartanasnānānyannapānaṃ ca vātanut

Einläufe (basti), das Trinken von Ghee, die Anwendung von Milch und Ghee zusammen, Ölmassage (abhyaṅga), trockene Einreibung (udvartana) und Bäder sowie Vāta-beruhigende Speisen und Getränke,

dhvaṃsako vikṣayaścaiva karmaṇā'nena śāmyati | yuktamadyasya madyottho na vyādhirupajāyate

durch diese Behandlung werden Dhvaṃsaka und Vikṣaya besänftigt. Bei einem, der Wein maßvoll (yukta) genießt, entsteht keine durch Wein verursachte Krankheit.

nivṛttaḥ sarvamadyebhyo naro yaśca jitendriyaḥ | śārīramānasairdhīmān vikārairna sa yujyate

Der Mensch, der sich von allem Wein zurückgehalten hat und seine Sinne (indriya) beherrscht, der Kluge (dhīmant), wird von körperlichen und geistigen Erkrankungen nicht befallen.

yatprabhāvā bhagavatī surā peyā yathā ca sā | yaddravyā yasya yā ceṣṭā yogaṃ cāpekṣate yathā

Von welcher Wirkkraft (prabhāva) die erhabene Surā ist, wie sie zu trinken ist, aus welchen Stoffen (dravya) sie besteht, welche Wirkung sie für wen hat und welche Zubereitung (yoga) sie jeweils erfordert,

yathā madayate yaiśca guṇairyuktā mahāguṇā | yo mado madabhedāśca ye trayaḥ svasvalakṣaṇāḥ

wie sie berauscht und mit welchen bedeutenden Eigenschaften (guṇa) die hochwertige Surā versehen ist, was der Rausch (mada) ist und welches die drei Arten des Rausches mit ihren jeweils eigenen Kennzeichen sind,

ye ca madyakṛtā doṣā guṇā ye ca madātmakāḥ | yacca trividhamāpānaṃ yathāsattvaṃ ca lakṣaṇam

welche Nachteile (doṣa) und welche Vorzüge (guṇa) durch den Wein entstehen, was die dreifache Art des Weintrinkens (āpāna) ist und wie sie sich je nach der geistigen Verfassung (sattva) kennzeichnet,

ye sahāyāḥ sukhāḥ pāne [1] cirakṣipramadā narāḥ | madātyayasya yo heturlakṣaṇaṃ yad yathā ca yat

welche Gefährten beim Trinken angenehm sind, welche Menschen langsam und welche schnell in Rausch geraten, was die Ursache (hetu) der Alkoholvergiftung (madātyaya) ist, was ihr Kennzeichen (lakṣaṇa) ist und wie es beschaffen ist,

madyaṃ madyotthitān rogān hanti yaśca kriyākramaḥ | sarvaṃ taduktamakhilaṃ madātyayacikitsite madātyayacikitsitaṃ nāma caturviṃśo'dhyāyaḥ

sowie die Behandlungsabfolge (kriyākrama), durch die Wein und die durch Wein entstandenen Krankheiten beseitigt werden – all dies wurde vollständig im Kapitel über die Behandlung der Alkoholvergiftung (Madātyayacikitsita) dargelegt. So endet das vierundzwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Die Behandlung der Alkoholvergiftung' (Madātyayacikitsitam).

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks