Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 21: Visarpa Chikitsa Behandlung des Erysipels (Visarpa)

Das einundzwanzigste Kapitel behandelt Visarpa, das rasch „kriechende“, sich ausbreitende Hautleiden, das der Text – eingebettet in eine Rahmenerzählung auf dem Berg Kailāsa – ausdrücklich mit dem Gift einer Schlange vergleicht und in sieben Formen nach den beteiligten Doṣas und Geweben (Blut, Lymphe, Haut, Fleisch) gliedert. Weil Blut und Pitta bei jeder Form beteiligt sind, gilt der gezielte Aderlass (raktamokṣaṇa) – mittels Horn, Blutegel oder Kürbisschröpfung – als tragende Säule der Therapie, ergänzt durch kühlende äußere Auflagen (pradeha) aus Sandelholz (candana), Lotus-Bestandteilen und Süßholz (madhuka). Bei verhärteten Knoten (granthi) empfiehlt der Text sogar Ätzung oder chirurgische Eröffnung. Damit gehört das Kapitel zu den Schnittstellen zwischen innerer Medizin und der bei Suśruta ausführlicher entwickelten Chirurgie.

DIE SIEBEN FORMEN DES VISARPA (Vers 13–41)
NameBeteiligte DoṣasKennzeichenPrognose
Vāta-visarpaVātaSchwindel, Übelkeit, Durst, stechende Schmerzen, Fieber, Tamaka-Atemnot, Husten; Haut bläulich-rötlich, geschwollen, mit rasch platzenden Bläschen und dünnem, klarem Ausflussheilbar (sādhya)
Pitta-visarpaPittaFieber, Durst, Ohnmacht, Erbrechen, Delirium, Kopfschmerz; Haut kupferfarben, grün, gelb, blau oder rot, mit brennenden, aufplatzenden Bläschenheilbar (sādhya)
Kapha-visarpa (Śleṣma-visarpa)KaphaFrösteln, Fieber mit Kälteempfinden, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, süßlicher Mundgeschmack; Haut blass geschwollen, langsam reifende Bläschen mit weißer, schleimiger, öliger Flüssigkeitheilbar (sādhya)
Agni-visarpa (der „feurige“)Vāta + PittaGefühl, mit glühenden Kohlen überschüttet zu sein; Erbrechen, Durchfall, Ohnmacht, Brennen, Tamaka-Atemnot; Haut wie erloschene Kohle, verbrannte Bläschenheilbar, solange kein marman betroffen; sonst unheilbar
Kardama-visarpa (der „schlammartige“)Pitta + KaphaFieber mit Kälteempfinden, Kopfschwere, Brennen, Delirium; Haut mit roten, gelben, blassen Pusteln, dunkelbläulich, faulig-fleischig, Leichengeruchunheilbar
Granthi-visarpa (der „knotige“)Kapha + VātaKette von Knoten (granthimālā) im Kapha-Sitz oder in Blutgefäßen, Sehnen, Fleisch und Haut, groß oder klein, mit heftigen Schmerzenheilbar ohne Begleiterscheinungen; mit Komplikationen unbehandelbar
Sannipāta-visarpaVāta + Pitta + KaphaEntsteht in allen Körperbereichen zugleich, vereint alle Krankheitszeichen, durchdringt alle Gewebe, wirkt sehr raschunheilbar
Zusätzlich unterscheidet der Text den Ort der Ausbreitung (V23–25): äußerlich gelegener Visarpa gilt als heilbar, innerlich gelegener als schwer, aber heilbar, beiderseits gelegener als unheilbar.

athāto visarpacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung des Visarpa (Visarpa, der “kriechenden”, sich ausbreitenden Hauterkrankung, dem Erysipel) erläutern.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

kailāse kinnarākīrṇe bahuprasravaṇauṣadhe | pādapairvividhaiḥ snigdhairnityaṃ kusumasampadā

Auf dem Berg Kailāsa, der von Kinnaras (Kinnara, halbgöttlichen Wesen) bevölkert ist, reich an Quellen und Heilkräutern, mit vielfältigen, saftig-glänzenden Bäumen, die stets in Blütenpracht stehen,

vamadbhirmadhurān gandhān sarvataḥ svabhyalaṅkṛte | viharantaṃ jitātmānamātreyamṛṣivanditam

die überall süße Düfte ausströmen und den Ort auf jede Weise schmücken – dort weilte der selbstbeherrschte (jitātman) Ātreya, von den Weisen (ṛṣi) verehrt,

maharṣibhiḥ parivṛtaṃ sarvabhūtahite ratam | agniveśo guruṃ kāle vinayādidamuktavān

umgeben von großen Weisen (maharṣi), dem Wohl aller Wesen zugetan. Zu gegebener Zeit sprach Agniveśa ehrerbietig zu seinem Lehrer (guru) folgende Worte:

bhagavan! dāruṇaṃ rogamāśīviṣaviṣopamam | visarpantaṃ śarīreṣu dehināmupalakṣaye

„Erhabener! Ich beobachte eine schreckliche Krankheit, die dem Gift einer giftigen Schlange (āśīviṣa) gleicht und sich in den Körpern der Lebewesen ausbreitet (visarpant, ‘kriechend ausbreitend‘).“

sahasaiva narāstena parītāḥ śīghrakāriṇā | vinaśyantyanupakrāntāstatra naḥ saṃśayo mahān

Plötzlich von dieser schnell wirkenden Krankheit ergriffen, gehen Menschen zugrunde, wenn sie nicht behandelt werden – darüber hegen wir große Zweifel.

sa nāmnā kena vijñeyaḥ sañjñitaḥ kena hetunā | katibhedaḥ kiyaddhātuḥ kinnidānaḥ kimāśrayaḥ

Unter welchem Namen ist sie zu erkennen, aus welchem Grund wird sie so benannt? Wie viele Arten (bheda) gibt es, wie viele Gewebe (dhātu) sind beteiligt, was ist ihre Ursache (nidāna) und worauf beruht sie (āśraya)?

sukhasādhyaḥ kṛcchrasādhyo jñeyo yaścānupakramaḥ | kathaṃ kairlakṣaṇaiḥ kiṃ ca bhagavan! tasya bheṣajam

Welche Form ist leicht heilbar (sukhasādhya), welche schwer heilbar (kṛcchrasādhya) und welche unbehandelbar (anupakrama) zu erkennen? Woran und an welchen Zeichen (lakṣaṇa) erkennt man sie, und welches, o Erhabener, ist ihr Heilmittel (bheṣaja)?

tadagniveśasya vacaḥ śrutvā''treyaḥ punarvasuḥ | yathāvadakhilaṃ sarvaṃ provāca munisattamaḥ

Nachdem Ātreya Punarvasu, der Beste der Weisen (muni), diese Worte Agniveśas gehört hatte, erklärte er alles der Reihe nach vollständig.

vividhaṃ sarpati yato visarpastena sa smṛtaḥ | parisarpo'thavā nāmnā sarvataḥ parisarpaṇāt

Weil sie sich auf vielfältige Weise ausbreitet (sarpati, ‘kriecht‘), wird sie Visarpa genannt; oder, weil sie sich nach allen Seiten ausbreitet, auch Parisarpa.

sa ca saptavidho doṣairvijñeyaḥ saptadhātukaḥ | pṛthak trayastribhiścaiko visarpo dvandvajāstrayaḥ

Sie ist als siebenfach zu erkennen, entsprechend den Doṣas (Doṣa, den drei Körpersäften) und sieben Geweben (dhātu): drei entstehen einzeln aus je einem Doṣa, drei aus der Verbindung zweier (dvandvaja), und einer aus allen dreien zusammen.

vātikaḥ paittikaścaiva kaphajaḥ sānnipātikaḥ | catvāra ete visarpā vakṣyante dvandvajāstrayaḥ

Der durch Vāta (Vāta, den Wind-Doṣa) bedingte, der durch Pitta (Pitta, den Feuer-Doṣa) bedingte, der aus Kapha (Kapha, dem Schleim-Doṣa) entstehende und der durch alle drei Doṣas zugleich (sānnipātika) verursachte – diese vier Formen des Visarpa werden dargelegt, ebenso die drei aus je zwei Doṣas entstehenden (dvandvaja).

āgneyo vātapittābhyāṃ granthyākhyaḥ kaphavātajaḥ | yastu kardamako ghoraḥ sa pittakaphasambhavaḥ

Der „feurige“ (āgneya) entsteht aus Vāta und Pitta, der als „knotig“ (granthi) bezeichnete aus Kapha und Vāta, und der schreckliche „schlammartige“ (kardamaka) aus Pitta und Kapha.

raktaṃ lasīkātvaṅmāṃsaṃ dūṣyaṃ doṣāstrayo malāḥ | visarpāṇāṃ samutpattau vijñeyāḥ sapta dhātavaḥ

Blut (rakta), Lymphe (lasīkā), Haut (tvac) und Muskelfleisch (māṃsa) sind die zu verunreinigenden Gewebe (dūṣya), dazu die drei Doṣas und die Ausscheidungsstoffe (mala) – diese sieben Bestandteile (dhātu) sind bei der Entstehung der Visarpa-Formen zu erkennen.

lavaṇāmlakaṭaṣṇānāṃ rasānāmatisevanāt | dadhyamlamastuśuktānāṃ surāsauvīrakasya ca

Durch übermäßigen Genuss (atisevana) salziger, saurer, scharfer und heißer Substanzen, von saurer Dickmilch (dadhi), saurer Molke (mastu), vergärten Getränken (śukta), Bier (surā) und Sauergetränk (sauvīraka),

vyāpannabahumadyoṣṇarāgaṣāḍavasevanāt | śākānāṃ haritānāṃ ca sevanācca vidāhinām

durch den Genuss von verdorbenem, übermäßigem alkoholischem Getränk (madya), heißen Gewürzsoßen (rāga) und Ṣāḍava-Gewürzmischungen, sowie durch den Genuss grüner Gemüse (śāka) und anderer brennend wirkender (vidāhin) Speisen,

kūrcikānāṃ kilāṭānāṃ sevanānmandakasya ca | dadhnaḥ śāṇḍākipūrvāṇāmāsutānāṃ ca sevanāt

durch den Genuss von geronnener Milch (kūrcikā), Kilāṭa (einer Milchspeise), von Mandaka (einem leichten Getränk), von Dickmilch (dadhi) mit Śāṇḍākī und anderen fermentierten Zubereitungen (āsuta),

tilamāṣakulatthānāṃ tailānāṃ paiṣṭikasya ca | grāmyānūpaudakānāṃ ca māṃsānāṃ laśunasya ca

durch den Genuss von Sesam (tila), schwarzen Bohnen (māṣa) und Kulattha-Hülsenfrüchten, von Ölen (taila) und Mehlspeisen (paiṣṭika), sowie von Fleisch (māṃsa) domestizierter, sumpf- und wasserbewohnender Tiere und von Knoblauch (laśuna),

praklinnānāmasātmyānāṃ viruddhānāṃ ca sevanāt | atyādānāddivāsvapnādajīrṇādhyaśanāt kṣatāt

durch den Genuss verdorbener, unbekömmlicher (asātmya) und unverträglicher (viruddha) Speisen, durch übermäßiges Essen (atyādāna), Schlaf am Tag (divāsvapna), Essen bei unverdauter Nahrung (ajīrṇa) und erneutes Essen darüber (adhyaśana), durch Verletzungen (kṣata),

kṣatabandhaprapatanāddharmakarmātisevanāt [1] | viṣavātāgnidoṣācca visarpāṇāṃ samudbhavaḥ

durch das Verbinden von Wunden, durch Stürze, durch übermäßige Anstrengung bei religiösen Pflichten (dharma) und Tätigkeiten (karma), sowie durch die Einwirkung von Gift (viṣa), Wind (vāta) und Feuer (agni) – aus all dem entsteht das Auftreten der Visarpa-Formen.

etairnidānairvyāmiśraiḥ kupitā mārutādayaḥ | dūṣyān sandūṣya raktādīn visarpantyahitāśinām

Durch diese vermischt wirkenden Ursachen (nidāna) erregt, verunreinigen Vāta (Wind) und die anderen Doṣas das Blut und die übrigen zu verunreinigenden Gewebe und breiten sich bei denen, die sich schädlich ernähren, als Visarpa aus.

bahiḥśritaḥ śritaścāntastathā cobhayasaṃśritaḥ | visarpo balameteṣāṃ jñeyaṃ guru yathottaram

Man unterscheidet den äußerlich gelegenen (bahiḥśrita), den innerlich gelegenen (antaḥśrita) und den beiderseits gelegenen (ubhayasaṃśrita) Visarpa; ihre Schwere nimmt in dieser Reihenfolge zu.

bahirmārgāśritaṃ sādhyamasādhyamubhayāśritam | visarpaṃ dāruṇaṃ vidyāt sukṛcchraṃ tvantarāśrayam

Der Visarpa, der sich auf dem äußeren Weg befindet, ist heilbar (sādhya); der beiderseits gelegene ist unheilbar (asādhya); der innerlich gelegene gilt als schwer, aber noch heilbar (sukṛcchra), man erkenne ihn als besonders schrecklich (dāruṇa).

antaḥprakupitā doṣā visarpantyantarāśraye | bahirbahiḥprakupitāḥ sarvatrobhayasaṃśritāḥ

Innerlich erregte Doṣas breiten sich innerlich aus, äußerlich erregte äußerlich, und in beiden Bereichen erregte breiten sich überallhin, beiderseitig gelegen, aus.

marmopaghātāt sammohādayanānāṃ vighaṭṭanāt | tṛṣṇātiyogādvegānāṃ viṣamāṇāṃ pravartanāt

Durch Verletzung lebenswichtiger Punkte (marman), durch Bewusstseinstrübung (sammoha), durch Erschütterung der Gelenke (ayana), durch übermäßigen Durst (tṛṣṇā), durch das gewaltsame Unterdrücken natürlicher Körperdränge (vega) und durch die Wirkung von Giften (viṣama),

vidyādvisarpamantarjamāśu cāgnibalakṣayāt | ato viparyayādbāhyamanyairvidyāt svalakṣaṇaiḥ

erkenne man den Visarpa als innerlich entstanden, ebenso durch raschen Verfall der Verdauungskraft (agnibala); im umgekehrten Fall, durch andere Ursachen, erkenne man ihn als äußerlich, jeweils an seinen eigenen Merkmalen (svalakṣaṇa).

yasya sarvāṇi liṅgāni balavadyasyakāraṇam | yasya copadravāḥ kaṣṭā marmago yaśca hanti saḥ

Derjenige Visarpa, bei dem alle Zeichen (liṅga) vorhanden sind, dessen Ursache kräftig ist, der schmerzhafte Begleiterscheinungen (upadrava) hervorruft und lebenswichtige Punkte (marman) befällt, ist derjenige, der tötet.

rūkṣoṣṇaiḥ kevalo vāyuḥ pūraṇairvā samāvṛtaḥ | praduṣṭo dūṣayan dūṣyān visarpati yathābalam

Wenn Vāta (Wind) allein, durch trockene und heiße Faktoren, oder umschlossen von blähenden Substanzen erregt wird, verunreinigt er die zu verunreinigenden Gewebe und breitet sich entsprechend seiner Kraft aus.

tasya rūpāṇi- bhramadavathupipāsānistodaśūlāṅgamardodveṣṭanakampajvaratamakakāsāsthisandhibhedaviśleṣaṇavepanārocakāvipākāścakṣuṣorākulatvamasrāgamanaṃ pipīlikāsañcāra iva cāṅgeṣu, yasmiṃścāvakāśe visarpo visarpati [1] so'vakāśaḥ śyāvāruṇābhāsaḥ śvayathumān nistodabhedaśūlāyāmasaṅkocaharṣasphuraṇairatimātraṃ prapīḍyate, anupakrāntaścopacīyate śīghrabhedaiḥ sphoṭakaistanubhiraruṇābhaiḥ śyāvairvā tanuviśadāruṇālpāsrāvaiḥ, vibaddhavātamūtrapurīṣaśca bhavati, nidānoktāni cāsya nopaśerate viparītāni copaśerata iti vātavisarpaḥ

Ihre Kennzeichen sind: Schwindel (bhrama), Übelkeit (avathu), Durst (pipāsā), stechende Schmerzen (nistoda), Gliederreißen (śūla), Zerschlagenheit des Körpers (aṅgamarda), Verdrehungsgefühl (udveṣṭana), Zittern (kampa), Fieber (jvara), Tamaka-artige Atemnot, Husten (kāsa), Brechen der Knochen und Gelenke, Auseinanderweichen (viśleṣaṇa), Beben (vepana), Appetitlosigkeit (arocaka), unvollständige Verdauung (avipāka), Getrübtheit der Augen sowie ein Gefühl, als ob Ameisen über die Glieder liefen. An der Stelle, an der sich der Visarpa ausbreitet, ist die Haut bläulich-rötlich verfärbt (śyāvāruṇa), geschwollen (śvayathumat) und wird über die Maßen von stechenden, reißenden, ziehenden, zusammenziehenden, kribbelnden und zuckenden Schmerzen gequält; unbehandelt vergrößert sie sich, indem sich schnell aufbrechende, dünne, rötliche oder bläuliche Bläschen (sphotaka) mit dünnem, klarem, spärlichem Ausfluss (āsrāva) bilden. Auch Wind (vāta), Harn (mūtra) und Stuhl (purīṣa) sind verhalten (vibaddha). Die nach der Ursachenlehre (nidāna) genannten Faktoren bessern den Zustand nicht, wohl aber die entgegengesetzten – dies ist der Vāta-Visarpa.

pittamuṣṇopacāreṇa vidāhyamlāśanaiścitam | dūṣyān sandūṣya dhamanīḥ [1] pūrayan vai visarpati

Pitta, das durch hitzige Behandlung (upacāra) und den Genuss brennender (vidāhin) und saurer Speisen angehäuft wird, verunreinigt die zu verunreinigenden Gewebe, füllt die Blutgefäße (dhamanī) und breitet sich als Visarpa aus.

tasya rūpāṇi- jvarastṛṣṇā mūrcchā mohaśchardirarocako'ṅgabhedaḥ svedo'timātramantardāhaḥ pralāpaḥ śiroruk cakṣuṣorākulatvamasvapnamaratirbhramaḥ śītavātavāritarṣo'timātraṃ haritahāridranetramūtravarcastvaṃ haritahāridrarūpadarśanaṃ ca, yasmiṃścāvakāśe visarpo'nusarpati so'vakāśastāmraharitahāridranīlakṛṣṇaraktānāṃ varṇānāmanyatamaṃ puṣyati, sotsedhaiścātimātraṃ dāhasambhedanaparītaiḥ sphoṭakairupacīyate tulyavarṇāsrāvaiścirapākaiśca, nidānoktāni cāsya nopaśerate viparītāni copaśerata iti pittavisarpaḥ

Ihre Kennzeichen sind: Fieber (jvara), Durst (tṛṣṇā), Ohnmacht (mūrcchā), Bewusstseinstrübung (moha), Erbrechen (chardi), Appetitlosigkeit (arocaka), Gliederschmerz, übermäßiges Schwitzen, inneres Brennen (antardāha), Delirium (pralāpa), Kopfschmerz, Getrübtheit der Augen, Schlaflosigkeit, Unruhe (arati), Schwindel, ein übermäßiges Verlangen nach Kühlem, Wind und Wasser, sowie eine Grün- oder Gelbfärbung (harita-hāridra) von Augen, Harn und Stuhl und das Sehen grüner oder gelber Erscheinungen. An der Stelle, an der sich der Visarpa fortsetzt, nimmt die Haut eine kupferfarbene, grüne, gelbe, blaue, schwarze oder rote Färbung an; sie wird über die Maßen von erhabenen, brennenden und aufplatzenden Bläschen (sphotaka) mit gleichfarbenem Ausfluss und langsamer Reifung befallen. Die nach der Ursachenlehre genannten Faktoren bessern den Zustand nicht, wohl aber die entgegengesetzten – dies ist der Pitta-Visarpa.

svādvamlalavaṇasnigdhagurvannasvapnasañcitaḥ | kaphaḥ sandūṣayan dūṣyān kṛcchramaṅge visarpati

Kapha, das durch süße, saure, salzige, ölige und schwere Speisen sowie durch übermäßigen Schlaf angehäuft wird, verunreinigt die zu verunreinigenden Gewebe und breitet sich mühsam (kṛcchra) im Körper aus.

tasya rūpāṇi- śītakaḥ śītajvaro gauravaṃ nidrā tandrā'rocako madhurāsyatvamāsyopalepo niṣṭhīvikā chardirālasyaṃ staimityamagnināśo daurbalyaṃ ca, yasmiṃścāvakāśe visarpo'nusarpati so'vakāśaḥ śvayathumān pāṇḍurnātiraktaḥ snehasuptistambhagauravairanvito'lpavedanaḥ kṛcchrapākaiścirakāribhirbahulatvagupalepaiḥ sphoṭaḥ śvetapāṇḍubhiranubadhyate, prabhinnastu śvetaṃ picchilaṃ tantumaddhanamanubaddhaṃ snigdhamāsrāvaṃ sravati, ūrdhvaṃ ca gurubhiḥ sthirairjālāvatataiḥ snigdhairbahulatvagupalepairvraṇairanubadhyate'nuṣaṅgī ca bhavati, śvetanakhanayanavadanatvaṅmūtravarcastvaṃ, nidānoktāni cāsya nopaśerate viparītāni copaśerata iti śleṣmavisarpaḥ

Ihre Kennzeichen sind: Frösteln (śītaka), Fieber mit Kälteempfinden, Schweregefühl, Schläfrigkeit (nidrā), Benommenheit (tandrā), Appetitlosigkeit, ein süßlicher Geschmack im Mund, ein Belag im Mund, vermehrter Speichelfluss (niṣṭhīvikā), Erbrechen, Trägheit (ālasya), ein Gefühl der Verklebtheit (staimitya), Erlöschen der Verdauungskraft (agni) und Schwäche. An der Stelle, an der sich der Visarpa fortsetzt, ist die Haut geschwollen, blass, wenig gerötet, begleitet von Taubheit durch Öligkeit (sneha), Erstarrung (stambha) und Schwere, mit geringen Schmerzen; es bilden sich langsam reifende, lang anhaltende Bläschen (sphota) mit dicker Hautbedeckung, weiß-blass gefärbt. Bricht ein Bläschen auf, sondert es eine weiße, schleimige, fadenziehende, dichte, ölige Flüssigkeit (āsrāva) ab. Darüber hinaus bilden sich schwere, feste, netzartig ausgedehnte, ölige Wunden (vraṇa) mit dicker Hautbedeckung, die sich fortwährend ausbreiten (anuṣaṅgin); Nägel, Augen, Gesicht, Haut, Harn und Stuhl erscheinen weißlich. Die nach der Ursachenlehre genannten Faktoren bessern den Zustand nicht, wohl aber die entgegengesetzten – dies ist der Kapha-Visarpa (Śleṣma-Visarpa).

vātapittaṃ prakupitamatimātraṃ svahetubhiḥ | parasparaṃ labdhabalaṃ dahadgātraṃ visarpati

Vāta und Pitta, durch ihre eigenen Ursachen übermäßig erregt und sich gegenseitig verstärkend, verbrennen den Körper (dahat) und breiten sich als Visarpa aus.

tadupatāpādāturaḥ sarvaśarīramaṅgārairivākīryamāṇaṃ manyate, chardyatīsāramūrcchādāhamohajvaratamakārocakāsthisandhibhedatṛṣṇāvipākāṅgabhedādibhiścābhibhūyate, yaṃ yaṃ cāvakāśaṃ visarpo'nusarpati so'vakāśaḥ śāntāṅgāraprakāśo'tirakto vā bhavati, agnidagdhaprakāraiśca sphoṭairupacīyate, sa śīghragatvādāśveva marmānusārī bhavati, marmaṇi copatapte pavano'tibalo bhinattyaṅgānyatimātraṃ pramohayati sañjñāṃ, hikkāśvāsau janayati, nāśayati nidrāṃ, sa naṣṭanidraḥ pramūḍhasañjño vyathitacetā na kvacana sukhamupalabhate, aratiparītaḥ sthānādāsanācchayyāṃ krāntumicchati, kliṣṭabhūyiṣṭhaścāśu nidrāṃ bhajati, durbalo duḥkhaprabodhaśca bhavati; tamevaṃvidhamagnivisarpaparītamacikitsyaṃ vidyāt

Durch diese quälende Hitze fühlt sich der Kranke, als würde sein ganzer Körper mit glühenden Kohlen (aṅgāra) überschüttet; er wird von Erbrechen (chardi), Durchfall (atīsāra), Ohnmacht (mūrcchā), Brennen (dāha), Bewusstseinstrübung (moha), Fieber, Tamaka-Atemnot, Appetitlosigkeit, Brechen der Knochen und Gelenke, Durst, unvollständiger Verdauung und Gliederschmerz überwältigt. An jeder Stelle, an der sich der Visarpa fortsetzt, erscheint die Haut wie erloschene Kohle oder stark gerötet, und es bilden sich Bläschen (sphota), als seien sie durch Feuer verbrannt. Wegen seiner schnellen Ausbreitung erreicht er rasch die lebenswichtigen Punkte (marman); ist ein Marman betroffen, zerreißt der übermäßig starke Wind (pavana, Vāta) die Glieder, trübt das Bewusstsein (sañjñā) über die Maßen, verursacht Schluckauf (hikkā) und Atemnot (śvāsa) und raubt den Schlaf. So um den Schlaf gebracht, mit getrübtem Bewusstsein und gequältem Geist, findet der Kranke nirgends Ruhe; von Unruhe (arati) ergriffen, will er ständig seinen Platz, seinen Sitz und sein Lager wechseln, gerät bald in einen unruhigen, gequälten Schlaf, ist geschwächt und erwacht nur mühsam. Einen solchen, vom Feuer-Visarpa (Agni-Visarpa) Ergriffenen erkenne man als unheilbar (acikitsya).

kaphapittaṃ prakupittaṃ balavat svena hetunā | visarpatyekadeśe tu prakledayati dehinam

Kapha und Pitta, durch ihre eigene Ursache kräftig erregt, breiten sich als Visarpa aus und durchfeuchten (prakledayati) den Körper des Lebewesens an einer bestimmten Stelle (ekadeśa).

tadvikārāḥ- śītajvaraḥ śirogurutvaṃ dāhaḥ staimityamaṅgāvasadanaṃ nidrā tandrā moho'nnadveṣaḥ pralāpo'gnināśo daurbalyamasthibhedo mūrcchā pipāsā srotasāṃ pralepo jāḍyamindriyāṇāṃ prāyopaveśanamaṅgavikṣepo'ṅgamardo'ratirautsukyaṃ copajāyate, prāyaścāmāśaye visarpatyalasaka ekadeśagrāhī ca, yasmiṃścāvakāśe visarpo visarpati so'vakāśo raktapītapāṇḍupiḍakāvakīrṇa iva mecakābhaḥ kālo malinaḥ snigdho bahūṣmā guruḥ stimitavedanaḥ śvayathumān gambhīrapāko nirāsrāvaḥ śīghrakledaḥ svinnaklinnapūtimāṃsatvak krameṇālparuk parāmṛṣṭo'vadīryate kardama ivāvapīḍito'ntaraṃ prayacchatyupaklinnapūtimāṃsatyāgī sirāsnāyusandarśī kuṇapagandhī ca bhavati sañjñāsmṛtihantā ca; taṃ kardamavisarpaparītamacikitsyaṃ vidyāt

Seine Erscheinungen (vikāra) sind: Fieber mit Kälteempfinden, Schwere des Kopfes, Brennen (dāha), Verklebtheitsgefühl, Erschlaffen der Glieder, Schläfrigkeit, Benommenheit, Bewusstseinstrübung, Abneigung gegen Nahrung, Delirium, Erlöschen der Verdauungskraft, Schwäche, Knochenschmerz, Ohnmacht, Durst, ein Belag der Körperkanäle (srotas), Steifheit der Sinnesorgane, ein Verlangen, beständig zu sitzen (prāyopaveśana), unwillkürliches Zucken der Glieder, Zerschlagenheit, Unruhe und Rastlosigkeit (autsukya). Meist breitet er sich im Magen (āmāśaya) aus wie eine Verdauungslähmung (alasaka) und befällt eine begrenzte Stelle (ekadeśagrāhin). An der Stelle, an der er sich ausbreitet, erscheint die Haut wie mit roten, gelben und blassen Pusteln übersät, dunkelbläulich (mecaka), schwarz, schmutzig, ölig glänzend, sehr warm, schwer, mit dumpfem, taubem Schmerzgefühl, geschwollen, tief reifend, ohne Ausfluss, aber rasch feucht werdend; die Haut wird schwitzig, durchfeuchtet und faulig-fleischig; nach und nach, bei geringem Schmerz, löst sie sich bei Berührung ab und bricht auseinander wie zerdrückter Schlamm (kardama); sie entlässt durchfeuchtetes, faulendes Fleisch, lässt Blutgefäße (sirā) und Sehnen (snāyu) sichtbar werden, verströmt Leichengeruch (kuṇapagandha) und zerstört Bewusstsein (sañjñā) und Gedächtnis (smṛti). Einen solchen, vom Schlamm-Visarpa (Kardama-Visarpa) Ergriffenen erkenne man als unheilbar.

sthiragurukaṭhinamadhuraśītasnigdhānnapānābhiṣyandisevināmavyāyāmādisevināmapratika rmaśīlānāṃ śleṣmā vāyuśca prakopamāpadyate, tāvubhau duṣṭapravṛddhāvatibalau pradūṣya dūṣyān visarpāya kalpete; tatra vāyuḥ śleṣmaṇā vibaddhamārgastameva śleṣmāṇamanekadhā bhindan krameṇa granthimālāṃ kṛcchrapākasādhyāṃ kaphāśaye sañjanayati, utsannaraktasya vā pradūṣya raktaṃ sirāsnāyumāṃsatvagāśritaṃ granthīnāṃ mālāṃ kurute tīvrarujānāṃ sthūlānāmaṇūnāṃ vā dīrghavṛttaraktānāṃ, tadupatāpājjvarātisārakāsahikkāśvāsaśoṣapramohavaivarṇyārocakāvipākaprasekaccha rdirmūrcchāṅgabhaṅganidrāratisadanādyāḥ prādurbhavantyupadravāḥ; sa etairupadrutaḥ sarvakarmaṇāṃ viṣayamatipatito vivarjanīyo bhavatīti granthivisarpaḥ

Bei denen, die feste, schwere, harte, süße, kühle und ölige Speisen und Getränke sowie stopfende (abhiṣyandin) Nahrung zu sich nehmen und die auf Bewegung (vyāyāma) und andere Gegenmaßnahmen verzichten, geraten Kapha und Vāta in Erregung; beide, verdorben und übermäßig verstärkt, verunreinigen die zu verunreinigenden Gewebe und werden zur Ursache des Visarpa. Dabei blockiert der Vāta, dessen Weg durch Kapha versperrt ist, ebendiesen Kapha auf vielfache Weise und lässt so allmählich im Kapha-Sitz (kaphāśaya) eine Kette von Knoten (granthimālā) entstehen, die nur schwer zur Reifung kommt. Oder er verunreinigt angesammeltes Blut und bildet, in Blutgefäßen (sirā), Sehnen (snāyu), Muskelfleisch (māṃsa) und Haut (tvac) gelegen, eine Kette von Knoten mit heftigen Schmerzen, groß oder klein, länglich, rund oder rötlich. Durch diese Qual treten als Begleiterscheinungen (upadrava) Fieber, Durchfall, Husten, Schluckauf, Atemnot, Auszehrung (śoṣa), Bewusstseinstrübung, Verfärbung (vaivarṇya), Appetitlosigkeit, unvollständige Verdauung, vermehrter Speichelfluss, Erbrechen, Ohnmacht, Gliederschmerz, Schlaflosigkeit, Unruhe und Erschöpfung auf. Ein von diesen Begleiterscheinungen Befallener übersteigt den Bereich jeder Behandlung und ist aufzugeben (vivarjanīya) – dies ist der Knoten-Visarpa (Granthi-Visarpa).

upadravastu khalu rogottarakālajo rogāśrayo roga eva sthūlo'ṇurvā, rogāt paścājjāyata ityupadravasañjñaḥ| tatra pradhāno vyādhiḥ, vyādherguṇabhūta [1] upadravaḥ, tasya prāyaḥ pradhānapraśame praśamo bhavati | sa tu pīḍākarataro bhavati paścādutpadyamāno vyādhiparikliṣṭaśarīratvāt; tasmādupadravaṃ tvaramāṇo'bhibādheta

Eine Begleiterscheinung (upadrava) ist eine Krankheit, die zeitlich nach der Grundkrankheit entsteht, auf ihr beruht und selbst eine Krankheit ist, ob groß oder klein; weil sie nach der Grundkrankheit entsteht, wird sie „Upadrava“ genannt. Dabei ist die Grundkrankheit (vyādhi) das Wesentliche (pradhāna), die Begleiterscheinung ihr untergeordnetes Merkmal (guṇabhūta); meist klingt sie ab, wenn die Grundkrankheit abklingt. Da sie jedoch erst später, an einem durch die Grundkrankheit bereits geschwächten Körper, entsteht, ist sie umso quälender; deshalb sollte man die Begleiterscheinung rasch bekämpfen.

sarvāyatanasamutthaṃ sarvaliṅgavyāpinaṃ sarvadhātvanusāriṇamāśukāriṇaṃ mahātyayikamiti sannipātavisarpamacikitsyaṃ vidyāt

Den Sannipāta-Visarpa, der aus allen Körperbereichen (āyatana) zugleich entsteht, alle Krankheitszeichen (liṅga) in sich vereint, alle Gewebe (dhātu) durchdringt, rasch wirkt und höchst lebensbedrohlich (mahātyayika) ist, erkenne man als unheilbar.

tatra vātapittaśleṣmanimittā visarpāstrayaḥ sādhyā bhavanti; agnikardamākhyau punaranupasṛṣṭe marmaṇi anupagate vā sirāsnāyumāṃsaklede sādhāraṇakriyābhirubhāvevābhyasyamānau praśāntimāpadyeyātām, anādaropakrāntaḥ punastayoranyataro hanyāddehamāśvevāśīviṣavat; tathā granthivisarpamajātopadravamārabheta cikitsitum, upadravopadrutaṃ tvenaṃ pariharet; sannipātajaṃ tu sarvadhātvanusāritvādāśukāritvādviruddhopakramatvāccāsādhyaṃ vidyāt

Von diesen sind die drei durch Vāta, Pitta und Kapha einzeln verursachten Visarpa-Formen heilbar (sādhya). Die als Agni- und Kardama-Visarpa bezeichneten Formen können, solange kein lebenswichtiger Punkt (marman) betroffen und keine Durchfeuchtung (kleda) von Blutgefäßen, Sehnen und Muskelfleisch eingetreten ist, durch eine für beide gemeinsame Behandlung (sādhāraṇakriyā) zur Ruhe gebracht werden; wird jedoch eine der beiden nachlässig behandelt, so kann sie den Körper so rasch wie eine giftige Schlange töten. Ebenso behandle man den Knoten-Visarpa (Granthi-Visarpa), solange noch keine Begleiterscheinungen (upadrava) aufgetreten sind; ist er hingegen von Begleiterscheinungen befallen, meide man ihn als unbehandelbar. Den durch alle drei Doṣas zugleich (sannipātaja) entstandenen Visarpa erkenne man als unheilbar, da er alle Gewebe durchdringt, rasch fortschreitet und seine Behandlung einander widersprechende Maßnahmen erfordern würde.

tatra sādhyānāṃ sādhanamanuvyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung (sādhana) der heilbaren Visarpa-Formen im Einzelnen erklären.

laṅghanollekhane śaste tiktakānāṃ ca sevanam | kaphasthānagate sāme rūkṣaśītaiḥ pralepayet

Fasten (laṅghana) und Erbrechen-Auslösen (ullekhana) sind empfohlen, ebenso der Genuss bitterer Mittel (tikta); wenn sich unverdaute Doṣas (sāma) im Sitz des Kapha befinden, salbe man die betroffene Stelle mit trockenen und kühlenden Mitteln ein.

pittasthānagate'pyetat sāme kuryāccikitsitam | śoṇitasyāvasekaṃ ca virekaṃ ca viśeṣataḥ

Auch wenn sich unverdaute Doṣas im Sitz des Pitta befinden, wende man diese Behandlung an, insbesondere aber den Aderlass (avaseka) und die Abführung (vireka).

mārutāśayasambhūte'pyāditaḥ syādvirūkṣaṇam | raktapittānvaye'pyādau snehanaṃ na hitaṃ matam

Auch bei einem im Sitz des Vāta entstandenen Visarpa sei zunächst eine austrocknende Behandlung (virukṣaṇa) angezeigt; ist hingegen Blut (rakta) mit Pitta verbunden, gilt eine ölige Behandlung (snehana) am Anfang als nicht heilsam.

vātolbaṇe tiktaghṛtaṃ paittike ca praśasyate | laghudoṣe, mahādoṣe paittike syādvirecanam

Bei überwiegendem Vāta wird bitteres geklärtes Butterfett (tiktaghṛta) empfohlen, ebenso bei Pitta-bedingtem Visarpa bei geringer Doṣa-Menge; bei starker Doṣa-Menge des Pitta-Typs ist hingegen die Abführung (virecana) angezeigt.

na ghṛtaṃ bahudoṣāya deyaṃ yanna [1] virecayet | tena doṣo hyupaṣṭabdhastvaṅmāṃsarudhiraṃ pacet

Bei starker Doṣa-Menge sollte man kein geklärtes Butterfett (ghṛta) geben, das nicht abführend wirkt; denn dadurch würde der Doṣa nur zurückgehalten und Haut, Muskelfleisch und Blut schädlich „verkochen“.

tasmādvirekamevādau śastaṃ vidyādvisarpiṇaḥ | rudhirasyāvasekaṃ ca taddhyasyāśrayasañjñitam

Deshalb gelte für den an Visarpa Erkrankten zuerst die Abführung (virecana) als empfohlen, sowie der Aderlass (avaseka); denn dieser gilt als eigentliche Grundlage (āśraya) der Behandlung dieser Krankheit.

iti vīsarpanut proktaṃ samāsena cikitsitam | etadeva punaḥ sarvaṃ vyāsataḥ sampravakṣyate

So wurde die Behandlung, die den Visarpa beseitigt, in Kürze dargelegt; nun soll dasselbe noch einmal ausführlich (vyāsataḥ) erläutert werden.

madanaṃ madhukaṃ nimbaṃ vatsakasya phalāni ca | vamanaṃ sampradātavyaṃ visarpe kaphapittaje

Madana-Frucht, Süßholz (madhuka), Nimba und die Früchte der Vatsaka-Pflanze sollen bei einem durch Kapha und Pitta entstandenen Visarpa zum Erbrechen-Auslösen (vamana) gegeben werden.

paṭolapicumardābhyāṃ pippalyā madanena ca | visarpe vamanaṃ śastaṃ tathā cendrayavaiḥ saha

Mit Paṭola und Picumarda, mit Pippalī (langem Pfeffer) und Madana, sowie zusammen mit Indrayava-Samen, wird bei Visarpa das Erbrechen-Auslösen empfohlen.

yāṃśca yogān pravakṣyābhi kalpeṣu kaphapittinām | visarpiṇāṃ prayojyāste doṣanirharaṇāḥ śivāḥ

Die Heilmittel-Kombinationen (yoga), die im Kapitel über die Zubereitungen (kalpa) für Kapha- und Pitta-Erkrankte dargelegt werden, sollen auch bei Visarpa-Kranken angewendet werden; sie sind heilsam und entfernen die Doṣas.

mustanimbapaṭolānāṃ candanotpalayorapi | sārivāmalakośīramustānāṃ vā vicakṣaṇaḥ

Der kundige Arzt (vicakṣaṇa vaidya) verabreiche einen aus Mustā, Nimba und Paṭola, oder aus Sandelholz (candana) und blauer Lotusblume (utpala), oder aus Sārivā, Amalaka (Amla-Frucht), Uśīra (Vetiver-Wurzel) und Mustā bereiteten Sud (kaṣāya).

kaṣāyān pāyayedvaidyaḥ siddhān vīsarpanāśanān | kirātatiktakaṃ lodhraṃ candanaṃ sadurālabham

Man verabreiche fertig zubereitete, den Visarpa beseitigende Sude (kaṣāya); man gebe [einen weiteren Sud] aus Kirātatikta, Lodhra, Sandelholz (candana) und Durālabha,

nāgaraṃ padmakiñjalkamutpalaṃ sabibhītakam | madhukaṃ nāgapuṣpaṃ ca dadyādvīsarpaśāntaye

sowie aus Nāgara (Ingwer), Lotus-Staubgefäßen (padmakiñjalka), blauer Lotusblume (utpala), Bibhītaka, Süßholz (madhuka) und Nāgapuṣpa, zur Beruhigung des Visarpa (vīsarpaśānti).

prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ padmakiñjalkamutpalam | nāgapuṣpaṃ ca lodhraṃ ca tenaiva vidhinā pibet

Ebenso trinke man, nach demselben Verfahren zubereitet, einen Sud aus Pauṇḍarīka, Süßholz, Lotus-Staubgefäßen, blauer Lotusblume, Nāgapuṣpa und Lodhra.

drākṣāṃ parpaṭakaṃ śuṇṭhīṃ guḍūcīṃ dhanvayāsakam | niśāparyuṣitaṃ dadyāttṛṣṇāvīsarpaśāntaye

Man gebe einen über Nacht angesetzten (niśāparyuṣita) Sud aus Rosinen (drākṣā), Parpaṭaka, getrocknetem Ingwer (śuṇṭhī), Guḍūcī und Dhanvayāsaka zur Linderung von Durst und Visarpa.

paṭolaṃ picumardaṃ ca dārvīṃ kaṭukarohiṇīm | yaṣṭyāhvāṃ trāyamāṇāṃ ca dadyādvīsarpaśāntaye

Man gebe einen Sud aus Paṭola, Picumarda, Dārvī, Kaṭukarohiṇī, Süßholz (yaṣṭyāhvā) und Trāyamaṇā zur Beruhigung des Visarpa.

paṭolādikaṣāyaṃ vā pibettriphalayā saha | masūravidalairyuktaṃ ghṛtamiśraṃ pradāpayet

Oder man trinke den Sud aus Paṭola und anderen Kräutern zusammen mit Triphalā; verbunden mit gespaltenen Linsen (masūra) und vermischt mit geklärtem Butterfett (ghṛta) reiche man ihn.

paṭolapatramudgānāṃ rasamāmalakasya ca | pāyayeta ghṛtonmiśraṃ naraṃ vīsarpapīḍitam

Man gebe dem von Visarpa geplagten Menschen den mit geklärtem Butterfett vermischten Saft (rasa) von Paṭola-Blättern, Mungbohnen (mudga) und Amalaka-Frucht zu trinken.

yacca sarpirmahātiktaṃ pittakuṣṭhanibarhaṇam | nirdiṣṭaṃ tadapi prājño dadyādvīsarpaśāntaye

Auch das „Mahātikta-Ghṛta“ genannte, sehr bittere geklärte Butterfett, das gegen Pitta-bedingte Hautkrankheiten (kuṣṭha) angezeigt ist, gebe der kundige Arzt zur Beruhigung des Visarpa.

trāyamāṇāghṛtaṃ siddhaṃ gaulmike yadudāhṛtam | visarpāṇāṃ praśāntyarthaṃ dadyāttadapi buddhimān

Auch das mit Trāyamaṇā bereitete geklärte Butterfett, das bei Bauchgeschwülsten (gulma) genannt wird, gebe der weise Arzt zur Beruhigung der Visarpa-Formen.

trivṛccūrṇaṃ samāloḍya sarpiṣā payasā'pi vā | gharmāmbunā vā saṃyojya mṛdvīkānāṃ rasena vā

Man vermenge das Pulver der Trivṛt-Wurzel mit geklärtem Butterfett oder Milch, oder verbinde es mit heißem Wasser (gharmāmbu) oder mit dem Saft von Weintrauben (mṛdvīkā),

virekārthaṃ prayoktavyaṃ siddhaṃ vīsarpanāśanam | trāyamāṇāśṛtaṃ vā'pi payo dadyādvirecanam

und wende es zur Abführung an – es ist ein bewährtes Mittel gegen Visarpa. Oder man gebe mit Trāyamaṇā gekochte Milch als Abführmittel (virecana).

triphalārasasaṃyuktaṃ sarpistrivṛtayā saha | prayoktavyaṃ virekārthaṃ visarpajvaranāśanam

Geklärtes Butterfett, verbunden mit dem Saft der Triphalā zusammen mit Trivṛt, ist zur Abführung anzuwenden; es beseitigt Visarpa und das damit verbundene Fieber.

rasamāmalakānāṃ vā ghṛtamiśraṃ pradāpayet | sa eva gurukoṣṭhāya trivṛccūrṇayuto hitaḥ

Oder man reiche den mit geklärtem Butterfett vermischten Saft der Amalaka-Frucht; für Menschen mit trägem Verdauungstrakt (gurukoṣṭha) ist eben dieser, mit Trivṛt-Pulver versetzt, heilsam.

doṣe koṣṭhagate bhūya etat kuryāccikitsitam śākhāduṣṭe tu rudhire raktamevādito haret

Solange sich der Doṣa im Verdauungstrakt (koṣṭha) befindet, wende man wiederholt diese Behandlung an; ist jedoch das Blut in den Gliedmaßen (śākhā) verdorben, entziehe man von Anfang an das Blut selbst durch Aderlass.

bhiṣagvātānvitaṃ raktaṃ viṣāṇena vinirharet | pittānvitaṃ jalaukobhiḥ, kaphānvitamalābubhiḥ

Der Arzt (bhiṣaj) entziehe mit Vāta verbundenes Blut mittels eines Horns (viṣāṇa), mit Pitta verbundenes mittels Blutegeln (jalaukā) und mit Kapha verbundenes mittels einer Fläschenkürbis-Schröpfvorrichtung (alābu).

yathāsannaṃ vikārasya vyadhayedāśu vā sirām | tvaṅmāṃsasnāyusaṅkledo raktakledāddhi jāyate

Je nach Nähe zur erkrankten Stelle (vikāra) steche man rasch die entsprechende Vene (sirā) an; denn die Durchfeuchtung (saṅkleda) von Haut, Muskelfleisch und Sehnen entsteht durch die Durchfeuchtung des Blutes.

antaḥśarīre [1] saṃśuddhe doṣe tvaṅmāṃsasaṃśrite | ādito vā'lpadoṣāṇāṃ kriyā bāhyā pravakṣyate

Ist der Doṣa im Körperinneren gereinigt (saṃśuddha) und nur noch in Haut und Muskelfleisch (tvaṅmāṃsa) verankert, oder liegt von Anfang an nur eine geringe Doṣa-Menge vor, so wird nun die äußere Behandlung (bāhyā kriyā) dargelegt.

udumbaratvaṅmadhukaṃ padmakiñjalkamutpalam | nāgapuṣpaṃ priyaṅguśca pradehaḥ saghṛto hitaḥ

Eine Salbenpackung (pradeha) aus der Rinde des Udumbara-Baumes, Süßholz (madhuka), Lotus-Staubgefäßen, blauer Lotusblume, Nāgapuṣpa und Priyaṅgu, mit geklärtem Butterfett vermengt, ist heilsam.

nyagrodhapādāstaruṇāḥ kadalīgarbhasaṃyutāḥ | bisagranthiśca lepaḥ syācchatadhautaghṛtāplutaḥ

Auch eine Salbe (lepa) aus jungen Luftwurzeln (pāda) des Banyanbaums (nyagrodha), verbunden mit dem inneren Mark der Bananenpflanze (kadalīgarbha) und Lotus-Wurzelknoten (bisagranthi), getränkt mit hundertfach gewaschenem geklärtem Butterfett (śatadhautaghṛta), ist heilsam.

kālīyaṃ madhukaṃ hema vanyaṃ candanapadmakau | elā mṛṇālaṃ phalinī pralepaḥ syāddhṛtāplutaḥ

Kālīya, Madhuka (Süßholz), Hema, wildwachsendes Candana (Sandelholz) und Padmaka, Elā (Kardamom), Mṛṇāla (Lotusfaser) und Phalinī – mit Ghee (ghṛta) getränkt, ergeben diese eine kühlende Salbenauflage (pralepa).

śādvalaṃ ca mṛṇālaṃ ca śaṅkhaṃ candanamutpalam | vetasasya ca mūlāni pradehaḥ syāt sataṇḍulaḥ

Śādvala (junges Gras), Mṛṇāla (Lotusfaser), Śaṅkha (Muschelpulver), Candana, Utpala (blaue Lotusblüte) und die Wurzeln von Vetasa (Rohrweide), zusammen mit Reismehl (taṇḍula) verrieben, ergeben eine Salbenauflage (pradeha).

sārivā padmakiñjalkamuśīraṃ nīlamutpalam | mañjiṣṭhā candanaṃ lodhramabhayā ca pralepanam

Sārivā, die Staubfäden des Lotus (padmakiñjalka), Uśīra (Vetiwer), das blaue Utpala, Mañjiṣṭhā (Krappwurzel), Candana, Lodhra und Abhayā ergeben, verrieben, eine Salbe (pralepana).

naladaṃ ca hareṇuśca lodhraṃ madhukapadmakau [2] | dūrvā sarjarasaścaiva saghṛtaṃ syāt pralepanam

Nalada, Hareṇu, Lodhra, Madhuka und Padmaka, Dūrvā-Gras sowie Sarjarasa (Harz des Sāla-Baumes) ergeben, mit Ghee vermengt, eine Salbenauflage.

yāvakāḥ saktavaścaiva sarpiṣā saha yojitāḥ | pradeho madhukaṃ vīrā saghṛtā yavasaktavaḥ

Gerstengrütze (yāvaka) und geröstetes Gerstenmehl (saktu), mit Ghee (sarpis) vermengt, bilden eine Auflage (pradeha); ebenso Madhuka und Vīrā zusammen mit Ghee und Gerstenmehl.

balāmutpalaśālūkaṃ vīrāmagurucandanam | kuryādālepanaṃ vaidyo mṛṇālaṃ ca bisānvitam

Der Arzt (vaidya) bereite eine Salbe (ālepana) aus Balā, Utpala, Śālūka (Lotuswurzelknolle), Vīrā, Aguru und Candana, versetzt mit Mṛṇāla und Bisa (Lotusfasern).

yavacūrṇaṃ samadhukaṃ saghṛtaṃ ca pralepanam | hareṇavo masurāśca samudgāḥ śvetaśālayaḥ

Gerstenmehl mit Süßholz (madhuka) und Ghee ergibt eine Salbe (pralepana); ebenso Hareṇu, Linsen (masūra), Mudga-Bohnen (samudga) und weißer Reis (śvetaśāli).

pṛthak pṛthak pradehāḥ syuḥ sarve vā sarpiṣā saha | padminīkardamaḥ śīto mauktikaṃ piṣṭameva vā

Jede Droge einzeln oder alle zusammen mit Ghee sollen als Auflagen (pradeha) dienen; ebenso kühler Lotusteich-Schlamm (padminīkardama) oder zerriebene Perlen (mauktika).

śaṅkhaḥ pravālaḥ śuktirvā gairikaṃ vā ghṛtāplutam | (pṛthagete pradehāśca hitā jñeyā visarpiṇām [3] ) | prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ balā śālūkamutpalam

Muschelpulver (śaṅkha), Koralle (pravāla), Perlmutt (śukti) oder roter Ocker (gairika), mit Ghee getränkt – jede dieser Auflagen für sich gilt als heilsam für Visarpa-Kranke; ebenso Prapauṇḍarīka, Madhuka, Balā, Śālūka und Utpala.

nyagrodhapatradugdhīke saghṛtaṃ syāt pralepanam | bisāni ca mṛṇālaṃ ca saghṛtāśca kaśerukāḥ

Blätter des Nyagrodha (Banyanbaum) und Dugdhikā, mit Ghee vermengt, ergeben eine Salbe (pralepana); ebenso Bisa, Mṛṇāla und Kaśeruka-Knollen mit Ghee.

śatāvarīvidāryośca kandau dhautaghṛtāplutau | śaivālaṃ nalamūlāni gojihvā vṛṣakarṇikā

Die gewaschenen, mit geklärtem Ghee getränkten Knollen von Śatāvarī (Spargelwurzel) und Vidārī; ferner Śaivāla (Wasseralge), die Wurzeln des Schilfrohrs (nala), Gojihvā und Vṛṣakarṇikā [dienen ebenso als Auflage].

indrāṇiśākaṃ saghṛtaṃ śirīṣatvagbalāghṛtam [4] | nyagrodhodumbaraplakṣavetasāśvatthapallavaiḥ

Indrāṇī-Gemüse mit Ghee, die Rinde des Śirīṣa mit Balā und Ghee; ferner die jungen Triebe (pallava) von Nyagrodha, Udumbara, Plakṣa, Vetasa und Aśvattha.

tvakkalkairbahusarpirbhiḥ śītairālepanaṃ hitam | pradehāḥ sarva evaite vātapittolbaṇe [5] śubhāḥ

Deren zu Brei verriebene Rinde (tvakkalka), reichlich mit kühlem Ghee versetzt, gilt als heilsame Salbe (ālepana). All diese Auflagen (pradeha) sind bei überwiegender Störung von Vāta und Pitta wohltuend.

sakaphe [6] tu pravakṣyāmi pradehānaparān hitān | triphalāṃ padmakośīraṃ samaṅgāṃ karavīrakam

Für den Fall mit Kapha-Beteiligung will ich nun weitere heilsame Auflagen (pradeha) nennen: Triphalā, Padmaka, Uśīra, Samaṅgā und Karavīra.

nalamūlānyanantāṃ ca pradehamupakalpayet | khadiraṃ saptaparṇaṃ ca mustamāragvadhaṃ dhavam

Man bereite eine Auflage aus den Wurzeln des Schilfs (nala) und aus Anantā; ebenso aus Khadira, Saptaparṇa, Musta, Āragvadha und Dhava.

kuraṇṭakaṃ devadāru dadyādālepanaṃ bhiṣak | āragvadhasya patrāṇi tvacaṃ śleṣmātakasya ca

Der Arzt gebe eine Salbe (ālepana) aus Kuraṇṭaka und Devadāru (Himalaya-Zeder); ebenso aus den Blättern des Āragvadha und der Rinde des Śleṣmātaka.

indrāṇiśākaṃ kākāhvāṃ śirīṣakusumāni ca | śaivālaṃ nalamūlāni vīrāṃ gandhapriyaṅgukām

Indrāṇī-Gemüse, Kākāhvā, die Blüten des Śirīṣa, Śaivāla, Nala-Wurzeln, Vīrā und die duftende Priyaṅgu [dienen als Salbe].

triphalāṃ madhukaṃ vīrāṃ śirīṣakusumāni ca | prapauṇḍarīkaṃ hrīberaṃ dārvītvaṅmadhukaṃ balām

Triphalā, Madhuka, Vīrā und die Blüten des Śirīṣa; ferner Prapauṇḍarīka, Hrīvera, die Rinde von Dārvī, wieder Madhuka und Balā.

pṛthagālepanaṃ kuryāddvandvaśaḥ sarvaśo'pi vā | pradehāḥ sarva evaite deyāḥ svalpaghṛtāplutāḥ

Man bereite die Salbe aus jeder Droge einzeln, paarweise (dvandvaśas) oder aus allen zusammen; all diese Auflagen sollen mit wenig Ghee getränkt verabreicht werden.

vātapittolbaṇe ye tu pradehāste ghṛtādhikāḥ | ghṛtena śatadhautena pradihyāt kevalena vā

Bei überwiegendem Vāta und Pitta sollen diese Auflagen reichlicher mit Ghee versetzt sein, oder man bestreiche die Stelle allein mit hundertfach gewaschenem Ghee (śatadhauta ghṛta).

ghṛtamaṇḍena śītena payasā madhukāmbunā | pañcavalkakaṣāyeṇa secayecchītalena vā

Man begieße (secana) die Stelle mit kühlem Ghee-Rahm (ghṛtamaṇḍa), mit Milch, mit Süßholzwasser oder mit dem kühlen Sud (kaṣāya) der fünf Rindenbäume (pañcavalka).

vātāsṛkpittabahulaṃ visarpaṃ bahuśo bhiṣak | secanāste pradehā ye ta eva ghṛtasādhanāḥ

Bei einem Visarpa, in dem Vāta, Blut (asṛj) und Pitta stark überwiegen, wende der Arzt (bhiṣaj) wiederholt diese Übergießungen (secana) an; dieselben Drogen, mit Ghee zubereitet, dienen ebenso als Auflagen.

te cūrṇayogā vīsarpavraṇānāmavacūrṇanāḥ | dūrvāsvarasasiddhaṃ ca ghṛtaṃ syādvraṇaropaṇam

Diese Drogen dienen, zu Pulver verarbeitet, auch als Streupulver (avacūrṇana) für die Wunden des Visarpa; und das mit frisch ausgepresstem Saft (svarasa) von Dūrvā-Gras gekochte Ghee wirkt wundheilend (vraṇaropaṇa).

dārvītvaṅūmadhukaṃ lodhraṃ keśaraṃ cāvacūrṇanam | paṭolaḥ picumardaśca triphalā madhukotpale

Die Rinde von Dārvī, Madhuka, Lodhra und Keśara dienen, zu Pulver verrieben, als Streumittel; Paṭola, Picumarda, Triphalā, Madhuka und Utpala liefern einen weiteren Sud.

etat prakṣālanaṃ sarpirvraṇacūrṇaṃ pralepanam | pradehāḥ sarva evaite kartavyāḥ samprasādanāḥ [1]

Dieser Sud dient als Wundwaschung (prakṣālana), das damit gekochte Ghee als Wundpulver und Salbe (pralepana). Alle diese Auflagen sollen der Beruhigung (samprasādana) der Wunde dienen.

kṣaṇe kṣaṇe prayoktavyāḥ pūrvamuddhṛtya lepanam | adhāvanoddhṛte pūrve pradehā bahuśo'ghanāḥ

Sie sind von Zeit zu Zeit (kṣaṇe kṣaṇe) anzuwenden, wobei die vorherige Salbenschicht jeweils zuerst entfernt werden muss; wird die frühere Auflage entfernt, ohne die Stelle abzuwaschen, sollen die neuen Auflagen häufig und dünnflüssig sein.

deyāḥ pradehāḥ kaphaje paryādhānoddhṛte ghanāḥ | tribhāgāṅguṣṭhamātraḥ syāt pralepaḥ kalkapeṣitaḥ

Bei Kapha-bedingtem Visarpa sollen, nachdem die umhüllende Schicht (paryādhāna) abgenommen wurde, dickere Auflagen gegeben werden; die zu Brei (kalka) verriebene Salbe soll etwa ein Drittel Daumendicke betragen.

nātisnigdho na rūkṣaśca na piṇḍo na dravaḥ samaḥ | na ca paryuṣitaṃ lepaṃ kadācidavacārayet

Sie darf weder zu ölig noch zu trocken, weder zu fest noch zu flüssig sein, sondern ausgewogen (sama); und niemals soll man eine über Nacht gestandene, verdorbene Salbe (paryuṣita lepa) auftragen.

na ca tenaiva lepena punarjātu pralepayet | kledavīsarpaśūlāni soṣṇābhāvāt pravartayet

Auch soll man niemals mit derselben, bereits aufgetragenen Salbe erneut bestreichen; denn durch das Warmwerden verursacht sie Nässen (kleda), Ausbreitung des Übels und Schmerzen.

lepo hyupari paṭṭasya kṛtaḥ svedayati vraṇam | svedajāḥ piḍakāstasya kaṇḍūścaivopajāyate

Wird die Salbe über einem Verbandstuch (paṭṭa) aufgetragen, erzeugt sie in der Wunde Schwitzen (sveda); daraus entstehen Schweißbläschen (piḍakā) und Juckreiz (kaṇḍū).

uparyupari lepasya lepo yadyavacāryate | tāneva doṣāñjanayet paṭṭasyopari yān kṛtaḥ

Wird eine Salbenschicht immer wieder über die vorherige aufgetragen, erzeugt sie dieselben Übel wie eine über einem Tuch aufgetragene Salbe.

atisnigdho'tidravaśca lepo yadyavacāryate | tvaci na śliṣyate samyaṅna doṣaṃ śamayatyapi

Wird eine allzu ölige und allzu flüssige Salbe aufgetragen, haftet sie nicht richtig an der Haut und beruhigt auch die Doṣas nicht.

tanvāliptaṃ na kurvīta saṃśuṣko hyāpuṭāyate | na cauṣadhiraso vyādhiṃ prāpnotyapi ca śuṣyati

Man soll auch nicht zu dünn bestreichen, denn eine völlig eingetrocknete Salbe reißt auf (āpuṭāyate); der Wirkstoffsaft der Droge (auṣadhirasa) erreicht dann die Krankheit nicht mehr und vertrocknet nur.

tanvāliptena ye doṣāstāneva janayedbhṛśam | saṃśuṣkaḥ pīḍayedvyādhiṃ niḥsneho hyavacāritaḥ

Eine zu dünn aufgetragene Salbe verstärkt eben diese Übel noch; eine ausgetrocknete, ölfreie (niḥsneha) Auflage verschlimmert die Krankheit.

annapānāni vakṣyāmi visarpāṇāṃ nivṛttaye | laṅghitebhyo hito mantho rūkṣaḥ sakṣaudraśarkaraḥ

Nun will ich Speisen und Getränke (annapāna) zur Heilung des Visarpa nennen. Für Patienten, die zuvor gefastet (laṅghana) haben, ist ein trockener Manthā-Trank (Gerstenschrotgetränk), mit Honig (kṣaudra) und Zucker (śarkarā) versetzt, zuträglich.

madhuraḥ kiñcidamlo vā dāḍimāmalakānvitaḥ | saparūṣakamṛdvīkaḥ sakharjūraḥ śṛtāmbunā

...süß oder leicht sauer, mit Granatapfel (dāḍima) und Āmalaka versetzt, ferner mit Parūṣaka, Weintrauben (mṛdvīkā) und Datteln (kharjūra), zubereitet mit abgekochtem Wasser.

tarpaṇairyavaśālīnāṃ sasnehā cāvalehikā | jīrṇe purāṇaśālīnāṃ yūṣairbhuñjīta bhojanam

Mit Stärkungsgetränken (tarpaṇa) aus Gerste und Reis sowie einem geölten Lecktrank (avalehikā); ist dies verdaut, nehme man Speise mit Suppen (yūṣa) aus altem Reis ein.

mudgānmasūrāṃścaṇakān yūṣārthamupakalpayet | anamlān dāḍimāmlān vā paṭolāmalakaiḥ saha

Man bereite aus Mudga-Bohnen, Linsen (masūra) und Kichererbsen (caṇaka) eine Suppe (yūṣa), nicht sauer oder mit Granatapfelsäure versetzt, zusammen mit Paṭola und Āmalaka.

jāṅgalānāṃ ca māṃsānāṃ rasāṃstasyopakalpayet | rūkṣān parūṣakadrākṣādāḍimāmalakānvitān

Man bereite ihm auch fettarme Fleischbrühen (māṃsarasa) von Wildtieren des trockenen Landes (jāṅgala), versetzt mit Parūṣaka, Weintrauben, Granatapfel und Āmalaka.

raktāḥ śvetā mahāhvāśca śālayaḥ ṣaṣṭikaiḥ saha | bhojanārthe praśasyante purāṇāḥ suparisrutāḥ

Roter, weißer und Mahāhva-Reis (śāli) zusammen mit Ṣaṣṭika-Reis werden, wenn alt und gut geschält (suparisruta), als Speise empfohlen.

yavagodhūmaśālīnāṃ sātmyānyeva pradāpayet | yeṣāṃ nātyucitaḥ śālirnarā ye ca kaphādhikāḥ

Man gebe von Gerste (yava), Weizen (godhūma) und Reis (śāli) nur das, was dem jeweiligen Menschen zuträglich (sātmya) ist – besonders solchen, denen Reis nicht sonderlich bekommt, und solchen mit überwiegendem Kapha.

vidāhīnyannapānāni viruddhaṃ svapanaṃ divā | krodhavyāyāmasūryāgnipravātāṃśca vivarjayet

Man meide brennend-scharfe (vidāhin) Speisen und Getränke, unverträgliche Nahrungskombinationen (viruddha), Schlaf am Tage, Zorn, körperliche Anstrengung, Sonne, Feuer und starken Wind.

kuryāccikitsitādasmācchītaprāyāṇi paittike | rūkṣaprāyāṇi kaphaje snaihikānyanilātmake

Von dieser Behandlung wende man bei Pitta-bedingtem Visarpa überwiegend kühlende Mittel an, bei Kapha-bedingtem überwiegend trockene, bei Vāta-bedingtem überwiegend ölige (snaihika).

vātapittapraśamanamagnivīsarpaṇe hitam | kaphapittapraśamanaṃ prāyaḥ kardamasañjñite

Beim sogenannten Feuer-Visarpa (agnivisarpa) ist die Besänftigung von Vāta und Pitta zuträglich, beim sogenannten Schlamm-Visarpa (kardamavisarpa) meist die Besänftigung von Kapha und Pitta.

raktapittottaraṃ dṛṣṭvā granthivīsarpamāditaḥ | rūkṣaṇairlaṅghanaiḥ sekaiḥ pradehaiḥ pāñcavalkalaiḥ

Erkennt man beim knotigen Visarpa (granthivisarpa) von Anfang an ein Überwiegen von Blut und Pitta, so behandle man mit trocknenden Maßnahmen, mit Fasten (laṅghana), mit Übergießungen (seka) und mit Auflagen aus den fünf Rindenbäumen (pañcavalkala).

sirāmokṣairjalaukobhirvamanaiḥ savirecanaiḥ | ghṛtaiḥ kaṣāyatiktaiśca kālajñaḥ samupācaret

Der zeitkundige Arzt (kālajña) behandle ferner mit Aderlass (sirāmokṣa), mit Blutegeln (jalaukā), mit Brechmitteln (vamana) samt Abführmitteln (virecana) sowie mit adstringierend-bitteren Ghee-Zubereitungen.

ūrdhvaṃ cādhaśca śuddhāya rakte cāpyavasecite | vātaśleṣmaharaṃ karma granthivīsarpiṇe hitam

Ist der Patient nach oben und unten gereinigt und das Blut abgelassen, so ist eine Behandlung, die Vāta und Kapha beseitigt, für den knotigen Visarpa zuträglich.

utkārikābhiruṣṇābhirupanāhaḥpraśasyate| snigdhābhirveśavārairvā granthivīsarpaśūlinām

Für Schmerzen bei knotigem Visarpa (granthivisarpaśūlin) wird ein warmer Breiumschlag (upanāha) aus heißen Getreidebrei-Kuchen (utkārikā) oder aus geölten Fleischbrei-Umschlägen (veśavāra) empfohlen.

daśamūlopasiddhena tailenoṣṇena secayet | kuṣṭhatailena coṣṇena pākyakṣārayutena ca

Man begieße die Stelle mit warmem, mit Daśamūla gekochtem Öl, oder mit warmem Kuṣṭha-Öl, dem das Pākya-Alkali (kṣāra) beigemischt ist.

gomūtraiḥ patraniryūhairuṣṇairvā pariṣecayet | sukhoṣṇayā pradihyādvā piṣṭayā cāśvagandhayā

Man begieße auch mit warmem Kuhurin (gomūtra) und Blattabkochungen; oder man bestreiche mit angenehm warmem, zerriebenem Aśvagandhā-Brei.

śuṣkamūlakakalkena naktamālatvacā'pi vā | bibhītakatvacāṃ vā'pi kalkenoṣṇena lepayet

Man bestreiche warm mit dem Brei aus getrockneter Rettichwurzel (mūlaka), oder mit der Rinde des Naktamāla, oder mit dem Brei der Bibhītaka-Rinde.

balāṃ nāgabalāṃ pathyāṃ bhūrjagranthiṃ bibhītakam | vaṃśapatrāṇyagnimanthaṃ kuryādgranthipralepanam

Man bereite eine Salbe für die Knoten (granthipralepana) aus Balā, Nāgabalā, Pathyā, den Knoten der Bhūrja-Birke, Bibhītaka, Bambusblättern (vaṃśapatra) und Agnimantha.

dantī citrakamūlatvak sudhārkapayasī guḍaḥ | bhallātakāsthi kāsīsaṃ lepo bhindyācchilāmapi

Eine Salbe aus Dantī, der Wurzelrinde von Citraka, dem Milchsaft von Sudhā und Arka, Rohrzucker (guḍa), dem Kern der Bhallātaka-Frucht und Kāsīsa (Eisenvitriol) vermag sogar Gesteinshartes (śilā) aufzulösen.

bahirmārgāsthitaṃ granthiṃ kiṃ punaḥ kaphasambhavam | dīrghakālasthitaṃ granthiṃ bhindyādvā bheṣajairimaiḥ

Diese Salbe löst einen im äußeren Gewebe (bahirmārga) sitzenden Knoten – wie viel mehr erst einen aus Kapha entstandenen; auch einen lange bestehenden Knoten kann man mit diesen Heilmitteln (bheṣaja) zum Aufbrechen bringen.

mūlakānāṃ kulatthānāṃ yūṣaiḥ sakṣāradāḍimaiḥ | godhūmānnairyavānnairvā sasīdhumadhuśarkaraiḥ

Man behandle ferner mit Suppen aus Rettich (mūlaka) und Kulattha-Bohnen, versetzt mit Alkali (kṣāra) und Granatapfel; mit Weizen- oder Gerstenspeisen, zusammen mit Sīdhu (Zuckerrohrwein), Honig und Zucker.

sakṣaudrervāruṇīmaṇḍairmātuluṅgarasānvitaiḥ | triphalāyāḥ prayogaiśca pippalīkṣaudrasaṃyutaiḥ

...mit Honig und dem Bodensatz des Vāruṇī-Weins, versetzt mit dem Saft der Zitrusfrucht Mātuluṅga; mit Anwendungen von Triphalā, verbunden mit Pippalī und Honig.

mustabhallātaśaktūnāṃ prayogairmākṣikasya ca | devadāruguḍūcyośca prayogairgirijasya ca

...mit Anwendungen von Musta- und Bhallātaka-Mehl (śaktu) sowie von Honig (mākṣika); mit Anwendungen von Devadāru und Guḍūcī sowie von 'Bergentstandenem' (girija, mineralischen Stoffen).

dhūmairvirekaiḥ śirasaḥ pūrvoktairgulmabhedanaiḥ | ayolavaṇapāṣāṇahematāmraprapīḍanaiḥ

...mit Räucherungen (dhūma), mit den zuvor bei Gulma (Bauchgeschwulst) genannten kopfreinigenden Mitteln (śiroviraika) zum Aufbrechen, sowie mit Auflagen (prapīḍana) aus erhitztem Eisen, Salz, Stein, Gold und Kupfer.

ābhiḥ kriyābhiḥ siddhābhirvividhābhirbalī sthiraḥ | granthiḥ pāṣāṇakaṭhino yadā naivopaśāmyati

Wenn durch diese vielfältigen, bewährten Maßnahmen ein kräftiger, feststehender, steinhart gewordener Knoten (granthi) dennoch nicht zur Rückbildung kommt...

athāsya dāhaḥ kṣāreṇa śarairhemnā'tha vā hitaḥ | pākibhiḥ pācayitvā vā pāṭayitvā samuddharet

...dann ist für ihn eine Ätzung (dāha) mit Alkali (kṣāra), mit Pfeilspitzen (śara) oder mit erhitztem Gold angezeigt; oder man lasse ihn mit reifenden Mitteln (pākin) zur Reife bringen, öffne ihn und entferne den Inhalt.

mokṣayedbahuśaścāsya raktamutkleśamāgatam | punaścāpahṛte rakte vātaśleṣmajidauṣadham

Man lasse wiederholt das darin angestaute, in Aufruhr geratene (utkleśa) Blut ab; und nachdem das Blut entfernt ist, gebe man erneut ein Vāta und Kapha beseitigendes Heilmittel.

dhūmo virekaḥ śirasaḥ svedanaṃ parimardanam | apraśāmyati doṣe ca pācanaṃ vā praśasyate

Räucherung, kopfreinigende Mittel, Schwitzbehandlung (svedana) und Massage (parimardana) sind angezeigt; besänftigt sich der Doṣa dennoch nicht, wird auch ein reifendes Mittel (pācana) empfohlen.

praklinnaṃ dāhapākābhyāṃ bhiṣak śodhanaropaṇaiḥ | bāhyaiścābhyantaraiścaiva vraṇavat samupācaret

Ist der Knoten durch Ätzung und Reifung bereits aufgeweicht (praklinna), behandle der Arzt (bhiṣaj) ihn wie eine gewöhnliche Wunde (vraṇa), mit reinigenden (śodhana) und wundheilenden (ropaṇa) Mitteln, sowohl äußerlich als auch innerlich.

kampillakaṃ viḍaṅgāni dārvīṃ kārañjakaṃ phalam | piṣṭvā tailaṃ vipaktavyaṃ granthivraṇacikitsitam

Kampillaka, Viḍaṅga, Dārvī und die Frucht des Kāraṅja soll man zerreiben und damit ein Öl kochen; dies ist die Behandlung für die Wunde des knotigen Visarpa (granthivraṇa).

dvivraṇīyopadiṣṭena karmaṇā cāpyupācaret | deśakālavibhāgajño vraṇān vīsarpajān budhaḥ

Der weise Arzt, der Ort und Zeit (deśakāla) zu unterscheiden weiß, behandle die aus Visarpa entstandenen Wunden auch nach dem im Kapitel über die zwei Wundarten (dvivraṇīya) gelehrten Vorgehen.

iti granthivisarpacikitsā | ya eva vidhiruddiṣṭo granthīnāṃ vinivṛttaye | sa eva galagaṇḍānāṃ kaphajānāṃ nivṛttaye

So die Behandlung des knotigen Visarpa (granthivisarpacikitsā). Eben dieselbe Methode, die zur Beseitigung der Knoten (granthi) gelehrt wurde, dient auch zur Beseitigung der aus Kapha entstandenen Kropfgeschwülste (galagaṇḍa).

galagaṇḍāstu vātotthā ye kaphānugatā nṛṇām | ghṛtakṣīrakaṣāyāṇāmabhyāsānna bhavanti te

Kropfgeschwülste (galagaṇḍa) jedoch, die bei Menschen aus Vāta entstehen und von Kapha begleitet sind, verschwinden durch regelmäßigen Gebrauch (abhyāsa) von Ghee, Milch und adstringierenden Abkochungen (kaṣāya).

yānīhoktāni karmāṇi visarpāṇāṃ nivṛttaye | ekatastāni sarvāṇi raktamokṣaṇamekataḥ

Von allen hier zur Beseitigung des Visarpa genannten Maßnahmen bildet die Gesamtheit der übrigen Verfahren die eine Seite und der Blutentzug (raktamokṣaṇa) allein die andere Seite von gleichem Gewicht.

visarpo na hyasaṃsṛṣṭo raktapittena jāyate | tasmāt sādhāraṇaṃ sarvamuktametaccikitsitam

Denn Visarpa entsteht niemals, ohne dass Blut und Pitta daran beteiligt sind (asaṃsṛṣṭa); deshalb wurde diese gesamte Behandlung als für alle Formen des Visarpa allgemeingültig (sādhāraṇa) dargelegt.

viśeṣo doṣavaiṣamyānna ca noktaḥ samāsataḥ | samāsavyāsanirdiṣṭāṃ kriyāṃ vidvānupācaret

Ein Unterschied ergibt sich aus dem jeweiligen Ungleichgewicht (vaiṣamya) der Doṣas und wurde hier nur zusammenfassend (samāsa), nicht im Einzelnen genannt. Der Kundige wende die sowohl zusammenfassend als auch ausführlich (vyāsa) dargelegte Behandlung an.

niruktaṃ nāmabhedāśca doṣā dūṣyāṇi hetavaḥ | āśrayo mārgataścaiva visarpagurulāghavam

In diesem Kapitel wurden dargelegt: die Wortableitung (nirukta) und die Namensarten (nāmabheda) des Visarpa, die beteiligten Doṣas, die geschädigten Gewebe (dūṣya), die Ursachen (hetu), der Sitz (āśraya), die Ausbreitungswege (mārga) sowie die Schwere und Leichtigkeit (gurulāghava) des Visarpa.

liṅgānyupadravā ye ca yallakṣaṇa upadravaḥ | sādhyatvaṃ, na ca, sādhyānāṃ sādhanaṃ ca yathākramam

Ferner die Krankheitszeichen (liṅga), die Begleitkomplikationen (upadrava) und deren Kennzeichen, die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit (sādhyatva) sowie die Behandlung der heilbaren Fälle – alles der Reihe nach (yathākrama).

iti piprakṣave siddhimagniveśāya dhīmate | punarvasuruvācedaṃ visarpāṇāṃ cikitsitam visarpacikitsitaṃ nāmaikaviṃśo'dhyāyaḥ

So sprach Punarvasu Ātreya diese vollendete Lehre (siddhi) von der Behandlung des Visarpa zu dem wissbegierigen (piprakṣu) und weisen (dhīmat) Agniveśa. Dies ist das einundzwanzigste Kapitel mit dem Namen 'Visarpacikitsita' (Die Behandlung des Visarpa).

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