athāta ūrustambhacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung der Oberschenkelsteifheit (ūrustambha) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das 27. Kapitel behandelt ūrustambha, die „Oberschenkelsteifheit“ – eine Lähmungs- und Erstarrungserkrankung der Beine, die im Dialog zwischen Agniveśa und Ātreya bezeichnenderweise als jene Krankheit eingeführt wird, bei der die sonst universell wirksamen fünf Reinigungsverfahren (pañcakarma) versagen. Ursächlich ist eine Verbindung aus angehäuftem Unverdautem (āma) und Körperfett (medas), die durch falsche Ernährung – etwa gleichzeitig öliges, heißes und kaltes Essen sowie ungünstig kombinierte Milchprodukte – entsteht und den Weg des Vāta in Hüfte, Unterschenkel und Oberschenkel blockiert; dominierend beteiligt ist Kapha, dessen reglose Schwere mit einem stillen, tiefen See verglichen wird. Behandelt wird daher vorrangig mit entschlackenden, kapha- und āma-reduzierenden statt mit ölenden Maßnahmen. Als eigenständiger Sonderfall unter den Vāta-Erkrankungen bereitet das Kapitel inhaltlich die beiden folgenden, ausführlicheren Kapitel zu vātavyādhi und vātarakta vor.
athāta ūrustambhacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung der Oberschenkelsteifheit (ūrustambha) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
śriyā paramayā brāhmayā parayā ca tapaḥśriyā | ahīnaṃ candrasūryābhyāṃ sumerumiva parvatam
Ihn, der an höchster Fülle und brahmischer Pracht sowie an der Fülle der Askese (tapaḥśrī) niemals hinter Mond und Sonne zurückstand, gleich dem unerschütterlichen Berg Sumeru,
dhīdhṛtismṛtivijñānajñānakīrtikṣamālayam | agniveśo guruṃ kāle saṃśayaṃ paripṛṣṭavān
ihn, die Wohnstätte von Verstand (dhī), Standhaftigkeit (dhṛti), Erinnerungsvermögen (smṛti), Erkenntnis (vijñāna), Wissen (jñāna), Ruhm und Geduld — den Lehrer (guru) —, befragte Agniveśa zur rechten Zeit über einen Zweifel.
bhagavan pañca karmāṇi samastāni pṛthak tathā | nirdiṣṭānyāmayanāṃ hi sarveṣāmeva bheṣajam
„Ehrwürdiger, die fünf Reinigungsmaßnahmen (pañcakarma) wurden sowohl insgesamt als auch einzeln als Heilmittel (bheṣaja) für alle Krankheiten (āmaya) gelehrt.
doṣajo'styāmayaḥ kaścidyasya tāni bhiṣagvara! | na syuḥ śaktāni śamane sādhyasya kriyayā sataḥ
Gibt es, oh bester Arzt (bhiṣagvara), eine durch die Doṣas verursachte Krankheit, die zwar heilbar ist, bei der aber diese [fünf Maßnahmen] nicht imstande sind, sie durch Behandlung zu besänftigen?“
astyūrustambha ityukte guruṇā tasya kāraṇam | saliṅgabheṣajaṃ bhūyaḥ pṛṣṭastenābravīdguruḥ
„Es gibt die Oberschenkelsteifheit (ūrustambha)“, sprach der Lehrer; und als er weiter nach deren Ursache, den Krankheitszeichen (liṅga) und dem Heilmittel (bheṣaja) gefragt wurde, sagte der Lehrer Folgendes:
snigdhoṣṇalaghuśītāni jīrṇājīrṇe samaśnataḥ | dravaśuṣkadadhikṣīragrāmyānūpaudakāmiṣaiḥ
Wer öliges, heißes, leichtes und kaltes [Essen] gleichzeitig isst, gleichgültig ob die vorherige Mahlzeit verdaut ist oder nicht, wer flüssigen und getrockneten Joghurt (dadhi), Milch (kṣīra) sowie Fleisch von Haustieren, Sumpf- und Wassertieren zu sich nimmt,
piṣṭavyāpannamadyātidivāsvapnaprajāgaraiḥ | laṅghanādhyaśanāyāsabhayavegavidhāraṇaiḥ
wer Mehlspeisen und verdorbenen Alkohol (madya) genießt, übermäßig bei Tag schläft oder wach bleibt, wer fastet (laṅghana), übermäßig isst (adhyaśana), sich überanstrengt, sich fürchtet oder natürliche Dranges unterdrückt (vegavidhāraṇa) —
snehāccāmaṃ citaṃ koṣṭhe vātādīnmedasā saha | ruddhvā''śu gauravādūrū yātyadhogaiḥ sirādibhiḥ
— bei einem solchen Menschen versperrt das durch Öl (sneha) angesammelte Unverdaute (āma) im Bauch (koṣṭha), zusammen mit dem Fett (medas), den Weg des Windes (vāta) und der übrigen Doṣas und sinkt rasch, seiner Schwere wegen, über die abwärtsführenden Gefäße (sirā) und dergleichen in die Oberschenkel (ūru) hinab.
pūrayan sakthijaṅghoru doṣo medobalotkaṭaḥ | avidheyaparispandaṃ janayatyalpavikramam
Der durch das Fett (medas) übermäßig verstärkte Doṣa füllt Hüfte, Unterschenkel (jaṅghā) und Oberschenkel (ūru) und erzeugt eine unkontrollierbare, doch nur schwache Bewegung.
mahāsarasi gambhīre pūrṇe'mbu stimitaṃ yathā | tiṣṭhati sthiramakṣobhyaṃ tadvadūrugataḥ kaphaḥ
Wie das Wasser in einem großen, tiefen, vollen See regungslos, fest und unerschütterlich verharrt, so verhält sich auch der in die Oberschenkel eingedrungene Schleim (kapha).
gauravāyāsasaṅkocadāharuksuptikampanaiḥ | bhedasphuraṇatodaiśca yukto dehaṃ nihantyasūn
Begleitet von Schwere, Ermattung, Zusammenziehung, Brennen (dāha), Schmerz (ruj), Taubheit (supti) und Zittern (kampana) sowie von einem Gefühl des Auseinanderspaltens, von Zucken und Stechen, zerstört er den Körper und raubt die Lebenskraft.
ūrū śleṣmā samedasko vātapitte'bhibhūya tu | stambhayetsthairyaśaityābhyāmūrustambhastatastu saḥ
Wenn der mit dem Fett verbundene Schleim (śleṣman) Wind (vāta) und Galle (pitta) überwältigt, versteift er durch seine Eigenschaften der Festigkeit und Kälte die Oberschenkel — eben dies ist die Oberschenkelsteifheit (ūrustambha).
prāgrūpaṃ dhyānanidrātistaimityārocakajvarāḥ | lomaharṣaśca chardiśca jaṅghorvoḥ sadanaṃ tathā
Ihre Vorzeichen (prāgrūpa) sind: Grübeln, [übermäßiger] Schlaf, ein Gefühl von Schwere und Feuchtigkeit im Körper (staimitya), Appetitlosigkeit (arocaka), Fieber (jvara), Haarsträuben (lomaharṣa), Erbrechen (chardi) sowie ein Schwächegefühl in Unterschenkel und Oberschenkel.
vātaśaṅkibhirajñānāttasya syāt snehanāt punaḥ | pādayoḥ sadanaṃ suptiḥ kṛcchrāduddharaṇaṃ tathā
Hält man dies aus Unwissenheit fälschlich für eine Windkrankheit (vātaśaṅkā) und behandelt daher [den Patienten] mit öligen Mitteln (snehana), so entstehen Schwäche und Taubheit in den Füßen sowie ein nur mühsames Aufrichten [der Beine].
jaṅghoruglāniratyarthaṃ śaśvaccādāhavedanā | padaṃ ca vyathate nyastaṃ śītasparśaṃ na vetti ca
Es kommt zu äußerster Erschöpfung von Unterschenkel und Oberschenkel, zu anhaltendem Brennschmerz (dāha); der aufgesetzte Fuß schmerzt, und die Berührung von Kälte wird nicht mehr wahrgenommen.
saṃsthāne pīḍane gatyāṃ cālane cāpyanīśvaraḥ | anyaneyau hi sambhagnāvūrū pādau ca manyate
[Der Patient] ist unfähig zu stehen, [die Beine] zu belasten, zu gehen oder sich zu bewegen; er empfindet Oberschenkel und Füße, als seien sie gebrochen und müssten von einem anderen geführt werden.
yadā dāhārtitodārto vepanaḥ puruṣo bhavet | ūrustambhastadā hanyāt sādhayedanyathā navam
Wird der Mensch von Brennen, Schmerz und Stechen gequält und beginnt zu zittern, so führt die Oberschenkelsteifheit zum Tode; ist sie hingegen noch frisch [entstanden], so lässt sie sich heilen.
tasya na snehanaṃ kāryaṃ na bastirna virecanam | na caiva vamanaṃ yasmāttannibodhata kāraṇam
Bei ihr dürfen weder ölige Anwendungen (snehana) noch Klistiere (basti), noch Abführmittel (virecana), noch auch Brechmittel (vamana) angewendet werden; vernehmt nun den Grund dafür.
vṛddhaye śleṣmaṇo nityaṃ snehanaṃ bastikarma ca | tatsthasyoddharaṇe caiva na samarthaṃ virecanam
Ölige Anwendungen (snehana) und Klistiertherapie (bastikarma) vermehren stets den Schleim (kapha); und ein Abführmittel (virecana) ist nicht imstande, den dort [in den Oberschenkeln] sitzenden [Doṣa] herauszuholen.
kaphaṃ kaphasthānagataṃ pittaṃ ca vamanāt sukham | hartumāmāśayasthau ca sraṃsanāttāvubhāvapi
Brechmittel (vamana) können leicht den Schleim (kapha), der sich an seinem eigenen Sitz befindet, sowie die Galle (pitta) entfernen; ein mildes Abführmittel (sraṃsana) kann beide entfernen, solange sie sich noch im oberen Verdauungstrakt (āmāśaya) befinden.
pakvāśayasthāḥ sarve'pi bastibhirmūlanirjayāt | śakyā na tvāmamedobhyāṃ stabdhā jaṅghorusaṃsthitā
Auch alle Doṣas, die sich im unteren Verdauungstrakt (pakvāśaya) befinden, lassen sich durch Klistiere (basti) bezwingen, da diese an der Wurzel wirken; nicht aber das, was durch unverdauten Speisebrei (āma) und Fett (medas) in Unterschenkel und Oberschenkel festsitzt und dort erstarrt ist.
vātasthāne hi tacchaityāddvayoḥ stambhācca tadgatāḥ | na śakyāḥ sukhamuddhartuṃ jalaṃ nimnādiva sthalāt
Denn wegen der Kälte [des Schleims] am Sitz des Windes (vāta) und wegen der durch beide [Doṣas] bewirkten Erstarrung lassen sich die dorthin gelangten [Doṣas] nicht leicht herausholen — ebenso wenig wie Wasser leicht aus einer Senke auf trockenen Boden gehoben werden kann.
tasya saṃśamanaṃ nityaṃ kṣapaṇaṃ śoṣaṇaṃ tathā | yuktyapekṣī bhiṣak kuryādadhikatvātkaphāmayoḥ
Da bei dieser Krankheit der Schleim (kapha) überwiegt, soll der umsichtige Arzt (bhiṣaj) stets nur beruhigende (śamana), auszehrende (kṣapaṇa) und austrocknende (śoṣaṇa) Mittel anwenden.
sadā rūkṣopacārāya yavaśyāmākakodravān | śākairalavaṇairdadyājjalatailopasādhitaiḥ
Zur ständigen austrocknenden (rūkṣa) Behandlung gebe man Gerste (yava), Śyāmāka- und Kodrava-Hirse zusammen mit ungesalzenem Gemüse, das mit Wasser und [wenig] Öl zubereitet ist.
suniṣaṇṇakanimbārkavetrāragvadhapallavaiḥ | vāyasīvāstukairanyaistiktaiśca kulakādibhiḥ
[Man verwende dazu] die jungen Blätter von Suniṣaṇṇaka, Nimba, Arka, Vetra und Āragvadha sowie Vāyasī, Vāstuka und andere bittere [Kräuter] wie Kulaka.
kṣārāriṣṭaprayogāśca harītakyāstathaiva ca | madhūdakasya pippalyā ūrustambhavināśanāḥ
Auch die Anwendung von Laugenmitteln (kṣāra) und fermentierten Arzneiweinen (ariṣṭa), ebenso von Harītakī, von Honigwasser (madhūdaka) und von Pippalī zerstören die Oberschenkelsteifheit.
samaṅgāṃ śālmalīṃ bilvaṃ madhunā saha nā pibet | tathā śrīveṣṭakodīcyadevadārunatānyapi
Man trinke Samaṅgā, Śālmalī-[Rinde] und Bilva mit Honig, ebenso auch Śrīveṣṭaka, Udīcya, Devadāru und Natā.
candanaṃ dhātakīṃ kuṣṭhaṃ tālīsaṃ naladaṃ tathā mustaṃ harītakīṃ lodhraṃ padmakaṃ tiktarohiṇīm
[Ebenso trinke man] Candana, Dhātakī, Kuṣṭha, Tālīsa, Nalada, Musta, Harītakī, Lodhra, Padmaka und Tiktarohiṇī [mit Honig].
devadāru haridre dve vacāṃ kaṭukarohiṇīm | pippalīṃ pippalīmūlaṃ saralaṃ devadāru ca
[Ferner] Devadāru, beide Haridrā-Arten, Vacā, Kaṭurohiṇī, Pippalī, Pippalīmūla, Sarala und wiederum Devadāru,
cavyaṃ citrakamūlāni devadāru harītakīm | bhallātakaṃ samūlāṃ ca pippalīṃ pañca tān pibet
Cavya, die Wurzeln von Citraka, Devadāru, Harītakī, Bhallātaka und Pippalī samt ihrer Wurzel — man trinke diese fünf [Mittelgruppen jeweils mit Honig].
sakṣaudrānardhaślokoktān kalkānūrugrahāpahān śārṅgeṣṭāṃ madanaṃ dantīṃ vatsakasya phalaṃ vacām
Man nehme, mit Honig (kṣaudra) versetzt, die in dem [vorangegangenen] Halbvers genannten Breimittel (kalka), welche die Oberschenkelsteifheit (ūrugraha) beseitigen: Śārṅgeṣṭā, Madana, Dantī, die Frucht des Vatsaka und Vacā;
mūrvāmāragvadhaṃ pāṭhāṃ karañjaṃ kulakaṃ tathā | pibenmadhuyutaṃ tulyaṃ cūrṇaṃ vā vāriṇā''plutam
[ebenso] Mūrvā, Āragvadha, Pāṭhā, Karañja und Kulaka — man trinke diese zu gleichen Teilen als Pulver (cūrṇa), mit Honig vermischt oder in Wasser eingeweicht.
sakṣaudraṃ dadhimaṇḍairvā'pyūrustambhavināśanam | mūrvāmativiṣāṃ kuṣṭhaṃ citrakaṃ kaṭurohiṇīm
Auch [ein Pulver] aus Mūrvā, Ativiṣā, Kuṣṭha, Citraka und Kaṭurohiṇī, eingenommen mit Honig und Joghurtmolke (dadhimaṇḍa), zerstört die Oberschenkelsteifheit.
pūrvavadgugguluṃ mūtre rātristhitamathāpi vā | svarṇakṣīrīmativiṣāṃ mustaṃ tejovatīṃ vacām
Wie zuvor [nehme man] auch Guggulu, eine Nacht lang in Urin (mūtra) eingeweicht, oder [ein Pulver aus] Svarṇakṣīrī, Ativiṣā, Musta, Tejovatī und Vacā;
surāhvaṃ citrakaṃ kuṣṭhaṃ pāṭhāṃ kaṭukarohiṇīm | lehayenmadhunā cūrṇaṃ sakṣaudraṃ vā jalāplutam
[man lasse] Surāhva, Citraka, Kuṣṭha, Pāṭhā und Kaṭurohiṇī als Pulver mit Honig auflecken, oder mit Honig in Wasser eingeweicht trinken.
phalīṃ vyāghranakhaṃ hema pibedvā madhusaṃyutam | triphalāṃ pippalīṃ mustaṃ cavyaṃ kaṭukarohiṇīm
Man trinke auch Phalī, Vyāghranakha und Hema, mit Honig vermischt, [ebenso] Triphalā, Pippalī, Musta, Cavya und Kaṭurohiṇī.
lihyādvā madhunā cūrṇamūrustambhārdito naraḥ apatarpaṇajaścet syāddoṣaḥ santarpayeddhi tam
Der von Oberschenkelsteifheit geplagte Mensch lecke dieses Pulver mit Honig; ist der Doṣa jedoch durch Entkräftung/Abmagerung (apatarpaṇa) entstanden, so soll man ihn [den Patienten] stärkend ernähren (santarpaṇa),
yuktyā jāṅgalajairmāṃsaiḥ purāṇaiścaiva śālibhiḥ | rūkṣaṇādvātakopaścennidrānāśārtipūrvakaḥ
mit Bedacht durch Fleisch von Wildtieren des Trockenlandes (jāṅgala) und alten Śāli-Reis; wird hingegen durch die austrocknende Behandlung (rūkṣaṇa) der Wind (vāta) erregt, was sich zunächst in Schlaflosigkeit und Schmerz zeigt,
snehasvedakramastatra kāryo vātāmayāpahaḥ | pīluparṇī payasyā ca rāsnā gokṣurako vacā
so soll dort eine Abfolge von Ölbehandlung (sneha) und Schwitzbehandlung (sveda) durchgeführt werden, welche die Windkrankheit (vātāmaya) beseitigt — mit Pīluparṇī, Payasyā, Rāsnā, Gokṣuraka und Vacā,
saralāgurupāṭhāśca tailamebhirvipācayet | sakṣaudraṃ prasṛtaṃ tasmādañjaliṃ vā'pi nā pibet
sowie mit Sarala, Aguru und Pāṭhā koche man Öl (taila); davon trinke [der Patient] mit Honig eine Prasṛta- oder auch eine Añjali-Menge.
kuṣṭhaśrīveṣṭakodīcyasaralaṃ dāru keśaram | ajagandhā'śvagandhā ca tailaṃ taiḥ sārṣapaṃ pacet
Mit Kuṣṭha, Śrīveṣṭaka, Udīcya, Sarala, Dāru, Keśara, Ajagandhā und Aśvagandhā koche man Senföl (sārṣapa taila);
sakṣaudraṃ mātrayā taccāpyūrustambhārditaḥ pibet | (raukṣyānmukta ūrustambhāttataśca sa vimucyate )
dieses trinke der von Oberschenkelsteifheit Geplagte in angemessener Dosis mit Honig; ist er von der Austrocknung (raukṣya) befreit, so wird er dadurch auch von der Oberschenkelsteifheit befreit.
dve pale saindhavāt pañca śuṇṭhyā granthikacitrakāt | dve dve bhallātakāsthīni viṃśatirdve tathā''ḍhake
Zwei Pala Steinsalz (saindhava), fünf [Pala] Śuṇṭhī, je zwei [Pala] Granthika und Citraka, zwanzig Bhallātaka-Kerne und zwei Āḍhaka [Gärflüssigkeit] —
āranālāt pacet prasthaṃ tailasyaitairapatyadam | gṛdhrasyūrugrahārśortisarvavātavikāranut
mit Gärwasser (āranāla) koche man daraus einen Prastha Öl; dieses verleiht Nachkommenschaft (apatyada) und beseitigt Gṛdhrasī, Oberschenkelsteifheit (ūrugraha), Hämorrhoiden (arśas) und alle Winderkrankungen (vātavikāra).
palābhyāṃ pippalīmūlanāgarādaṣṭakaṭvaraḥ | tailaprasthaḥ samo dadhnā gṛdhrasyūrugrahāpahaḥ
Mit je zwei Pala Pippalīmūla und Nāgara sowie den [übrigen] acht scharfen Mitteln (aṣṭakaṭvara), einem Prastha Öl und einer gleichen Menge Joghurt (dadhi) zubereitet, beseitigt es Gṛdhrasī und Oberschenkelsteifheit.
ityaṣṭakaṭvaratailam | ityābhyantaramuddiṣṭamūrustambhasya bheṣajam | śleṣmaṇaḥ kṣapaṇaṃ tvanyadbāhyaṃ śṛṇu cikitsitam
So [lautet die Rezeptur für] das Aṣṭakaṭvara-Öl. Damit ist die innerlich anzuwendende Behandlung (ābhyantara bheṣaja) der Oberschenkelsteifheit dargelegt; höret nun die andere, äußerliche Behandlung (bāhya cikitsā) zur Auszehrung des Schleims (śleṣman).
valmīkamṛttikā mūlaṃ karañjasya phalaṃ tvacam | iṣṭakānāṃ tataścūrṇaiḥ kuryādutsādanaṃ bhṛśam
Mit Termitenhügel-Erde (valmīkamṛttikā), der Wurzel, Frucht und Rinde von Karañja sowie mit Ziegelpulver soll man eine kräftige Einreibung (utsādana) durchführen.
mūlairvā'pyaśvagandhāyā mūlairarkasya vā bhiṣak | picumardasya vā mūlairathavā devadāruṇāḥ
Oder der Arzt (bhiṣaj) verwende die Wurzeln von Aśvagandhā, die Wurzeln von Arka, die Wurzeln von Picumarda oder die von Devadāru,
kṣaudrasarṣapavalmīkamṛttikāsaṃyutairbhiṣak | gāḍhamutsādanaṃ kuryādūrustambhe pralepanam
zusammen mit Honig (kṣaudra), Senf (sarṣapa) und Termitenhügel-Erde; der Arzt soll bei der Oberschenkelsteifheit eine kräftige Einreibung (utsādana) und Salbung (pralepana) vornehmen.
dantīdravantīsurasāsarṣapaiścāpi buddhimān | tarkārīśigrusurasāviśvavatsakanimbajaiḥ
Der kluge [Arzt gebrauche] auch Dantī, Dravantī, Surasā und Senf, sowie [Blätter] von Tarkārī, Śigru, Surasā, Viśva, Vatsaka und Nimba,
patramūlaphalaistoyaṃ śṛtamuṣṇaṃ ca secanam | piṣṭaṃ tu sarṣapaṃ mūtre'dhyuṣitaṃ syāt pralepanam
deren Blätter, Wurzeln und Früchte, in Wasser gekocht, als warme Übergießung (secana) dienen; zermahlener, über Nacht in Urin (mūtra) eingeweichter Senf hingegen dient als Salbe (pralepana).
vatsakaḥ surasaṃ kuṣṭhaṃ gandhāstumburuśigrukau | hiṃsrārkamūlavalmīkamṛttikāḥ sakuṭherakāḥ
Vatsaka, Surasa, Kuṣṭha, Gandhā, Tumburu, Śigru, Hiṃsrā, die Wurzel von Arka, Termitenhügel-Erde und Kuṭheraka —
dadhisaindhavasaṃyuktaṃ kāryametaiḥ pralepanam | (ūrustambhavināśāya bhiṣajā jānatā kramam)
mit Joghurt (dadhi) und Steinsalz (saindhava) vermischt, soll aus diesen [Zutaten] von dem die richtige Vorgehensweise (krama) kennenden Arzt eine Salbe (pralepana) zur Beseitigung der Oberschenkelsteifheit bereitet werden.
śyonākaṃ khadiraṃ bilvaṃ bṛhatyau saralāsanau | śobhāñjanakatarkārīśvadaṃṣṭrāsurasārjakān
Śyonāka, Khadira, Bilva, die beiden Bṛhatī-Arten, Sarala und Asana, Śobhāñjana, Tarkārī, Śvadaṃṣṭrā, Surasa und Arjaka —
agnimanthakarañjau ca jalenotkvāthya secayet | pralepo mūtrapiṣṭairvā'pyūrustambhanivāraṇaḥ
sowie Agnimantha und Karañja koche man kräftig mit Wasser auf und übergieße [den betroffenen Bereich damit]; auch eine mit Urin (mūtra) angerührte Paste als Salbe (pralepa) verhindert die Oberschenkelsteifheit.
kaphakṣayārthaṃ śakyeṣu vyāyāmeṣvanuyojayet | sthalānyākrāmayet kalyaṃ śarkarāḥ sikatāstathā
Zur Verminderung des Schleims (kapha) leite man [den Patienten], soweit möglich, zu körperlicher Bewegung (vyāyāma) an; man lasse ihn frühmorgens über unebenes Gelände, Kies und Sand gehen,
pratārayet pratisroto nadīṃ śītajalāṃ śivām | saraśca vimalaṃ śītaṃ sthiratoyaṃ punaḥ punaḥ
ihn wiederholt gegen die Strömung einen wohltuenden Fluss mit kaltem Wasser durchqueren sowie einen klaren, kalten See mit ruhigem Wasser [durchschreiten].
tathā viśuṣke'sya kaphe śāntimūrugraho vrajet śleṣmaṇaḥ kṣapaṇaṃ yat syānna ca mārutamāvahet
Ist auf diese Weise der Schleim (kapha) [im Patienten] ausgetrocknet, so kommt die Oberschenkelsteifheit (ūrugraha) zur Ruhe; man wende daher an, was den Schleim auszehrt, ohne dabei den Wind (māruta) zu erregen.
tat sarvaṃ sarvadā kāryamūrustambhasya bheṣajam | śarīraṃ balamagniṃ ca kāryaiṣā rakṣatā kriyā
All dies soll stets als Heilmittel (bheṣaja) der Oberschenkelsteifheit angewendet werden; wer aber Körper, Kraft (bala) und Verdauungsfeuer (agni) [des Patienten] bewahren will, muss diese Behandlung entsprechend [umsichtig] durchführen.
hetuḥ prāgrūpaliṅgāni karmāyogyatvakāraṇam | dvividhaṃ bheṣajaṃ coktamūrustambhacikitsite
Damit sind in der Behandlung der Oberschenkelsteifheit (ūrustambhacikitsā) die Ursache (hetu), die Vorzeichen (prāgrūpa), die Krankheitszeichen (liṅga), der Grund für die Unwirksamkeit [bestimmter] Maßnahmen (karma) sowie die zweifache Heilmitteltherapie [innerlich und äußerlich] dargelegt worden.