Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 9: Unmada Chikitsa Behandlung des Wahnsinns (Unmāda)

Das neunte Kapitel widmet sich Unmāda, psychischen Störungen im weiten Sinn, die Caraka in zwei Gruppen teilt: körpereigen entstandene (nija), verursacht durch Vāta, Pitta, Kapha oder alle drei Doṣas zugleich, und von außen kommende (āgantu), ausgelöst durch das Eindringen von Göttern, Weisen, Ahnen oder anderen Wesenheiten (bhūta, graha) in die „geistestragenden Kanäle“ (manovaha srotas). Bemerkenswert ist die minutiöse Beschreibung von acht Besessenheitsformen mit jeweils typischem Verhalten und charakteristischem Auftrittszeitpunkt nach dem Mondkalender – ein früher Versuch systematischer Differentialdiagnostik zwischen somatischen und als übersinnlich gedeuteten Ursachen. Entsprechend kombiniert die Behandlung reinigende Verfahren wie Emesis, Abführung und Nasenmittel mit Opfergaben und Ritualen für die betreffende Wesenheit. Zentrale pflanzliche Wirkstoffe sind Vacā, Brāhmī und Knoblauch (laśuna), meist in Ghee-Zubereitungen wie dem Mahāpaiśācika-Ghṛta, das zugleich Gedächtnis und Verstand stärken soll.

DIE ACHT ERGREIFER (GRAHA) BEIM ĀGANTU-UNMĀDA (Vers 20–21)
WesenheitBevorzugter MondtagAnfällige Person
deva (Götter)1. oder 13. Tag der hellen Mondhälftereiner, asketischer, vedakundiger Mensch
ṛṣi (Weise)6. oder 9. Tagreinlicher, badender, zurückgezogener Kenner von Dharmaśāstra und Śruti
pitṛ (Ahnen)10. Tag oder Neumondwer Eltern, Lehrer und Alte verehrt
gandharva12. oder 14. Tagreinlebender Liebhaber von Gesang, Musik, Düften und fremden Frauen
yakṣa11. Tag der hellen Hälfte oder 7. Tagkraftvoller, stolzer, tapferer, geschwätziger Mensch
brahmarākṣasa5. Tag der hellen Hälfte oder Vollmondwer vedisches Studium, Askese und Reinheit vernachlässigt hat (auch falscher Brahmane)
rakṣas2., 3. oder 8. Tagschwacher, verleumderischer, habgieriger Mensch
piśāca2., 3. oder 8. Tagebenso; Zeichen: Tanzen, Singen, nacktes Umherlaufen, gebrochene Stimme (Vers 20)
Als unheilbar gilt, wer im Zorn sich selbst oder andere schlägt, oder wer tränende Augen, blutigen Ausfluss, Wundhaut und übermäßigen Durst zeigt (Vers 22).

athāta unmādacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung des Unmāda (Geistesgestörtheit, Wahnsinn) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach einst der erhabene Ātreya.

buddhismṛtijñānataponivāsaḥ punarvasuḥ prāṇabhṛtāṃ śaraṇyaḥ| unmādahetvākṛtibheṣajāni kāle'gniveśāya śaśaṃsa pṛṣṭaḥ

Punarvasu, die Wohnstätte von Verstand (buddhi), Erinnerung (smṛti), Wissen (jñāna) und Askese (tapas), Zuflucht aller Lebewesen, verkündete, danach gefragt, zur rechten Zeit dem Agniveśa die Ursachen, Erscheinungsformen und Heilmittel des Unmāda.

viruddhaduṣṭāśucibhojanāni pradharṣaṇaṃ devagurudvijānām| unmādaheturbhayaharṣapūrvo mano'bhighāto viṣamāśca ceṣṭāḥ

Der Genuss unverträglicher (viruddha), verdorbener und unreiner Speisen, die Missachtung von Göttern, Lehrern und Brahmanen, eine durch Angst oder übermäßige Freude ausgelöste Erschütterung des Geistes sowie unangemessenes Verhalten sind Ursachen des Unmāda.

tairalpasattvasya malāḥ praduṣṭā buddhernivāsaṃ hṛdayaṃ pradūṣya| srotāṃsyadhiṣṭhāya manovahāni pramohayantyāśu narasya cetaḥ

Bei einem Menschen mit schwacher psychischer Widerstandskraft (sattva) werden durch diese Ursachen die Körpersäfte (doṣa) verdorben; sie verunreinigen das Herz, den Sitz des Verstandes, befallen die geistestragenden Kanäle (manovaha srotas) und verwirren so rasch das Bewusstsein des Menschen.

dhīvibhramaḥ sattvapariplavaśca paryākulā dṛṣṭiradhīratā ca| abaddhavāktvaṃ hṛdayaṃ ca śūnyaṃ sāmānyamunmādagadasya liṅgam

Verwirrung des Verstandes, ein Schwanken der psychischen Kraft, ein unstet umherirrender Blick, Ruhelosigkeit, zusammenhangloses Reden und ein wie leer wirkendes, innerlich verstörtes Herz sind die allgemeinen Zeichen der Unmāda-Krankheit.

sa mūḍhacetā na sukhaṃ na duḥkhaṃ nācāradharmau kuta eva śāntim| vindatyapāstasmṛtibuddhisañjño bhramatyayaṃ ceta itastataśca

Mit verwirrtem Geist empfindet der Kranke weder Freude noch Leid, kennt weder rechtes Verhalten noch Pflicht (dharma) und erst recht keinen inneren Frieden; da Erinnerung, Verstand und Bewusstsein verloren sind, irrt sein Geist ziellos hierhin und dorthin.

samudbhramaṃ buddhimanaḥsmṛtīnāmunmādamāgantunijotthamāhuḥ| tasyodbhavaṃ pañcavidhaṃ pṛthak tu vakṣyāmi liṅgāni cikitsitaṃ ca

Man nennt Unmāda die Verwirrung von Verstand, Geist und Erinnerung, die entweder von außen (āgantu) oder aus dem Körper selbst (nija) entsteht; ich werde nun ihre fünf Arten der Entstehung sowie jeweils einzeln ihre Zeichen und ihre Behandlung darlegen.

rūkṣālpaśītānnavirekadhātukṣayopavāsairanilo'tivṛddhaḥ| cintādijuṣṭaṃ hṛdayaṃ pradūṣya buddhiṃ smṛtiṃ cāpyupahanti śīghram

Durch trockene, zu geringe, kalte Nahrung, übermäßiges Abführen, Erschöpfung der Körpergewebe (dhātu), Fasten und anhaltende Sorgen wird Vāta übermäßig vermehrt; er verunreinigt das ohnehin bekümmerte Herz und zerstört rasch Verstand und Erinnerung.

asthānahāsasmitanṛtyagītavāgaṅgavikṣepaṇarodanāni| pāruṣyakārśyāruṇavarṇatāśca jīrṇe balaṃ cānilajasya rūpam

Unangebrachtes Lachen und Lächeln, Tanzen, Singen, Reden, Umherwerfen der Glieder und Weinen, Rauheit der Haut, Abmagerung, eine rötliche Hautfarbe sowie wiederkehrende Kraft nach dem Essen sind die Zeichen des durch Vāta verursachten Unmāda.

ajīrṇakaṭvamlavidāhyaśītairbhojyaiścitaṃ pittamudīrṇavegam| unmādamatyugramanātmakasya hṛdi śritaṃ pūrvavadāśu kuryāt

Durch unverdaute, scharfe, saure, brennende und dabei kühlende Speisen angehäuft, gerät Pitta in heftige Bewegung; im Herzen sitzend, verursacht es rasch, wie zuvor beschrieben, einen überaus heftigen Unmāda, der den Kranken jeder Selbstbeherrschung beraubt.

amarṣasaṃrambhavinagnabhāvāḥ santarjanātidravaṇauṣṇyaroṣāḥ | pracchāyaśītānnajalābhilāṣāḥ pītā ca bhāḥ pittakṛtasya liṅgam

Unduldsamkeit, Erregung, Nacktheit, Drohgebärden, übermäßiges Umherlaufen, Hitzegefühl und Zorn, das Verlangen nach Schatten, kalter Speise und kaltem Wasser sowie eine gelbliche Hautfarbe sind die Zeichen des durch Pitta verursachten Unmāda.

sampūraṇairmandaviceṣṭitasya soṣmā kapho marmaṇi sampravṛddhaḥ| buddhiṃ smṛtiṃ cāpyupahatya cittaṃ pramohayan sañjanayedvikāram

Durch Überfüllung des Magens bei einem Menschen mit ohnehin trägen Bewegungen vermehrt sich das erhitzte (soṣma) Kapha stark, setzt sich an den lebenswichtigen Körperstellen (marman) fest, schädigt Verstand und Erinnerung, verwirrt den Geist und erzeugt so die Krankheit.

vākceṣṭitaṃ mandamarocakaśca nārīviviktapriyatā'tinidrā| chardiśca lālā ca balaṃ ca bhuṅkte nakhādiśauklyaṃ ca kaphātmakasya

Träge Sprache und Bewegung, Appetitlosigkeit, Vorliebe für Frauen und Einsamkeit, übermäßiger Schlaf, Erbrechen, Speichelfluss bei zugleich fortbestehender Kraft sowie weißliche Nägel und Ähnliches kennzeichnen den durch Kapha verursachten Unmāda.

yaḥ sannipātaprabhavo'tighoraḥ sarvaiḥ samastaiḥ sa ca hetubhiḥ syāt| sarvāṇi rūpāṇi bibharti tādṛgvirudghabhaiṣajyavidhirvivarjyaḥ

Der Unmāda, der aus dem gleichzeitigen Zusammenwirken aller drei Doṣas (sannipāta) entsteht, ist überaus gefährlich; er entsteht durch sämtliche genannten Ursachen zugleich und zeigt alle ihre Zeichen gemeinsam, weshalb eine für die einzelnen Doṣas widersprüchliche Behandlung bei ihm zu vermeiden ist.

devarṣigandharvapiśācayakṣarakṣaḥpitṝṇāmabhidharṣaṇāni| āgantuheturniyamavratādi mithyākṛtaṃ karma ca pūrvadehe

Die Bedrängung durch Götter, Weise (ṛṣi), Gandharvas, Piśācas, Yakṣas, Rakṣas und Ahnen (Pitṛ) sowie ein in einem früheren Leben fehlerhaft ausgeführtes Gelübde, Ritual oder eine sonstige Handlung sind die Ursachen des von außen kommenden (āgantu) Unmāda.

amartyavāgvikramavīryaceṣṭo jñānādivijñānabalādibhiryaḥ| unmādakālo'niyataśca yasya bhūtotthamunmādamudāharettam

Wessen Rede, Kraft, Tapferkeit und Handlungen übermenschlich erscheinen, wer über außergewöhnliches Wissen, Erkenntnis und Stärke verfügt und wessen Anfallszeiten unregelmäßig sind, bei dem soll man einen durch Wesenheiten (bhūta) verursachten Unmāda diagnostizieren.

adūṣayantaḥ puruṣasya dehaṃ devādayaḥ svaistu guṇaprabhāvaiḥ| viśantyadṛśyāstarasā yathaiva cchāyātapau darpaṇasūryakāntau

Ohne den Körper des Menschen unmittelbar zu schädigen, dringen die Götter und die übrigen Wesenheiten kraft ihrer eigenen Eigenschaften (guṇa) unsichtbar und blitzschnell in ihn ein, so wie Schatten und Sonnenlicht in einen Spiegel oder in einen Sonnenstein (Kristall) eindringen.

āghātakālo hi sa pūrvarūpaḥ prokto nidāne'tha surādibhiśca| unmādarūpāṇi pṛthaṅnibodha kālaṃ ca gamyān puruṣāṃśca teṣām

Der Zeitpunkt des Befalls selbst gilt, wie in der Krankheitslehre dargelegt, als Vorzeichen (pūrvarūpa); vernimm nun im Einzelnen die Erscheinungsformen des durch Götter und andere Wesenheiten verursachten Unmāda, die Zeit ihres Auftretens sowie die Menschen, die für einen solchen Befall empfänglich sind.

asvasthacittaṃ sthānamalabhamānaṃ nṛtyagītahāsinaṃ baddhābaddhapralāpinaṃsaṅkarakūṭamalinarathyācelatṛṇāśmakāṣṭhādhirohaṇaratiṃ bhinnarūkṣasvaraṃ nagnaṃ vidhāvantaṃ naikatra tiṣṭhantaṃ duḥkhānyāvedayantaṃnaṣṭasmṛtiṃ ca piśāconmattaṃ vidyāt

Man erkenne den durch einen Piśāca Besessenen an folgenden Zeichen: ein unruhiger Geist, der keine Ruhe findet; Tanzen, Singen und Lachen; ein Wechsel von zusammenhängendem und wirrem Reden; die Vorliebe, auf Müllhaufen, schmutzigen Straßen, Lumpen, Gras, Steinen und Holzstößen umherzuklettern; eine gebrochene, raue Stimme; nacktes Umherlaufen; Ruhelosigkeit, die an keinem Ort verweilt; das Klagen über Schmerzen; und der Verlust der Erinnerung.

tatra caukṣācāraṃ tapaḥsvādhyāyakovidaṃ naraṃ prāyaḥ śuklapratipadi trayodaśyāṃ ca chidramavekṣyābhidharṣayanti devāḥ,snānaśuciviviktasevinaṃ dharmaśāstraśrutivākyakuśalaṃ prāyaḥ ṣaṣṭhyāṃ navamyāṃ carṣayaḥ, mātṛpitṛguruvṛddhasiddhācāryopasevinaṃ prāyodaśamyāmamāvasyāyāṃ ca pitaraḥ, gandharvāḥ stutigītavāditraratiṃ paradāragandhamālyapriyaṃ caukṣācāraṃ prāyo dvādaśyāṃ caturdaśyāṃ ca,sattvabalarūpagarvaśauryayuktaṃ mālyānulepanahāsyapriyamativākkaraṇaṃ prāyaḥ śuklaikādaśyāṃ saptamyāṃ ca yakṣāḥ,svādhyāyataponiyamopavāsabrahmacaryadevayatigurupūjā'ratiṃ bhraṣṭaśaucaṃ brāhmaṇamabrāhmaṇaṃ vā brāhmṇavādinaṃ śūramāninaṃdevāgārasalilakrīḍanaratiṃ prāyaḥ śuklapañcamyāṃ pūrṇacandradarśane ca brahmarākṣasāḥ, rakṣaḥpiśācāstu hīnasattvaṃ piśunaṃ straiṇaṃ lubdhaṃśaṭhaṃ prāyo dvitīyātṛtīyāṣṭamīṣu; ityaparisaṅkhyeyānāṃ grahāṇāmāviṣkṛtatamā hyaṣṭāvete vyākhyātāḥ

Dabei befallen die Götter meist einen Menschen von reiner Lebensführung, der in Askese und vedischem Studium bewandert ist, sobald sie eine Schwachstelle an ihm erkennen, gewöhnlich am ersten Tag der hellen Mondhälfte oder am dreizehnten Tag; die Weisen (ṛṣi) befallen meist am sechsten oder neunten Tag denjenigen, der Reinheit, Bäder und Zurückgezogenheit pflegt und in den Lehren von Dharmaśāstra und Śruti bewandert ist; die Ahnen (Pitṛ) befallen meist am zehnten Tag oder am Neumondtag denjenigen, der Mutter, Vater, Lehrer, Alte, Vollkommene (siddha) und Meister verehrt; die Gandharvas befallen meist am zwölften oder vierzehnten Tag den Reinlebenden, der sich an Lobgesang, Musik und Instrumenten erfreut und eine Vorliebe für fremde Frauen, Düfte und Blumenkränze hat; die Yakṣas befallen meist am elften Tag der hellen Mondhälfte oder am siebten Tag denjenigen, der Charakterstärke, Kraft, Schönheit, Stolz und Tapferkeit besitzt und Blumenkränze, Salben und Scherz liebt, dabei aber vielredend ist; die Brahmarākṣasas befallen meist am fünften Tag der hellen Mondhälfte oder bei Vollmond denjenigen, dessen Freude an vedischem Studium, Askese, Gelübden, Fasten, Keuschheit sowie der Verehrung von Göttern, Asketen und Lehrern erloschen ist, dessen Reinheit verfallen ist – sei er nun Brahmane oder ein Nicht-Brahmane, der sich fälschlich als Brahmane oder als tapfer ausgibt –, und der sich am Spielen in Tempelteichen erfreut; die Rakṣas und Piśācas befallen meist am zweiten, dritten oder achten Tag denjenigen von schwacher psychischer Kraft, der verleumderisch, den Frauen zugeneigt, habgierig und hinterlistig ist; von den zahllosen Ergreifern (graha) wurden hiermit diese acht als die am deutlichsten erkennbaren erläutert.

sarveṣvapi tu khalveṣu yo hastāvudyamya roṣasaṃrambhānniḥśaṅkamanyeṣvātmani vā nipātayet sa hyasādhyo jñeyaḥ; tathā yaḥ sāśrunetromeḍhrapravṛttaraktaḥ kṣatajihvaḥ prasrutanāsikaśchidyamānacarmā'pratihanyamānavāṇiḥ satataṃ vikūjan durvarṇastṛṣārtaḥ pūtigandhaśca sahiṃsārthinonmatto jñeyaḥ; taṃ parivarjayet

Bei all diesen Formen jedoch gilt derjenige als unheilbar, der in Zorn und Erregung ohne jedes Zögern die Hände gegen andere oder gegen sich selbst erhebt und zuschlägt; ebenso gilt als unheilbar und daher zu meiden, wer tränende Augen hat, aus dessen Glied Blut fließt, dessen Zunge verletzt ist, dessen Nase Ausfluss zeigt, dessen Haut wie aufgerissen wirkt, dessen Stimme sich nicht zurückhalten lässt, der ständig wimmert, eine schlechte Hautfarbe hat, von Durst gequält wird, übel riecht und erkennbar auf Schaden aus ist; einen solchen Kranken soll man nicht behandeln.

ratyarcanākāmonmādinau tu bhiṣagabhiprāyācārābhyāṃ buddhvā tadaṅgopahārabalimiśreṇa| mantrabhaiṣajyavidhinopakramet

Bei den beiden Formen des Unmāda, die aus dem Verlangen nach Liebesgenuss beziehungsweise nach Verehrung der ergreifenden Wesenheit entstehen, soll der Arzt, nachdem er deren Absicht und Verhalten erkannt hat, mit einer Behandlung beginnen, die Opfergaben für deren Gefolge und Opferspenden (bali) mit Mantras und Arzneimitteln verbindet.

tatra dvayorapi nijāgantunimittayorunmādayoḥ samāsavistarābhyāṃ bheṣajavidhimanuvyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir für beide Formen des Unmāda – die körpereigene (nija) und die von außen verursachte (āgantu) – die Behandlungsweise sowohl in Kürze als auch ausführlich darlegen.

unmāde vātaje pūrvaṃ snehapānaṃ viśeṣavit| kuryādāvṛtamārge tu sasnehaṃ mṛdu śodhanam

Bei dem durch Vāta verursachten Unmāda soll der kundige Arzt zunächst das Trinken von Ölungsmitteln (sneha) verordnen; sind die Kanäle jedoch verstopft, soll er eine milde, mit Öl versehene Reinigungstherapie (śodhana) anwenden.

kaphapittodbhave'pyādau vamanaṃ savirecanam| snigdhasvinnasya kartavyaṃ śuddhe saṃsarjanakramaḥ

Bei dem durch Kapha und Pitta entstandenen Unmāda soll man zunächst, nach vorheriger Ölung und Schwitzbehandlung, Erbrechen zusammen mit Abführmitteln anwenden; nach der Reinigung ist das stufenweise Wiederaufbau-Diätschema (saṃsarjana krama) einzuhalten.

nirūhaṃ snehabastiṃ ca śirasaśca virecanam| tataḥ kuryādyathādoṣaṃ teṣāṃ bhūyastvamācaret

Danach soll man einen Dekokt-Einlauf (nirūha), einen Öl-Einlauf (sneha basti) sowie eine abführende Kopfbehandlung (śirovirecana) anwenden und diese Maßnahmen, je nach vorherrschendem Doṣa, wiederholen.

hṛdindriyaśiraḥkoṣṭhe saṃśuddhe vamanādibhiḥ| manaḥprasādamāpnoti smṛtiṃ sañjñāṃ ca vindati

Wenn Herz, Sinnesorgane, Kopf und Bauchraum durch Erbrechen und die übrigen Reinigungsmaßnahmen gründlich gereinigt sind, erlangt der Kranke geistige Klarheit zurück und gewinnt Erinnerung und Bewusstsein wieder.

śuddhasyācāravibhraṃśe tīkṣṇaṃ nāvanamañjanam| tāḍanaṃ ca manobuddhidehasaṃvejanaṃ hitam

Zeigt der bereits gereinigte Kranke weiterhin gestörtes Verhalten, sind scharfe Nasenmittel (nasya) und Augensalben (añjana) sowie ein maßvolles Züchtigen zuträglich, das Geist, Verstand und Körper aufrüttelt.

yaḥ sakto'vinaye paṭṭaiḥ saṃyamya sudṛḍhaiḥ sukhaiḥ| apetalohakāṣṭhādye saṃrodhyaśca tamogṛhe

Wer weiterhin an ungehörigem Verhalten festhält, soll mit festen, aber schonenden Bändern gefesselt und in einem dunklen, von Metall-, Holz- und ähnlichen Gegenständen freien Raum eingeschlossen werden.

tarjanaṃ trāsanaṃ dānaṃ harṣaṇaṃ sāntvanaṃ bhayam| vismayo vismṛterhetornayanti prakṛtiṃ manaḥ

Bedrohen, Erschrecken, Beschenken, Erfreuen, Trösten, Angsteinflößen sowie das Hervorrufen von Erstaunen als Auslöser des Vergessens der krankhaften Fixierung führen den Geist zu seinem natürlichen Zustand zurück.

pradehotsādanābhyaṅgadhūmāḥ pānaṃ ca sarpiṣaḥ| prayoktavyaṃ manobuddhismṛtisañjñāprabodhanam

Salbenauflagen, Einreibungen mit Pulvern (utsādana), Ölmassagen, Räucherungen sowie das Trinken von geklärter Butter (ghṛta) sollen angewandt werden, um Geist, Verstand, Erinnerung und Bewusstsein wieder zu erwecken.

sarpiḥpānādirāgantormantrādiśceṣyate vidhiḥ ataḥ siddhatamānyogāñchṛṇūnmādavināśanān

Für den von außen verursachten (āgantu) Unmāda werden das Trinken von geklärter Butter und Ähnliches sowie Mantras und dergleichen empfohlen; höre nun die bewährtesten Rezepturen, die den Unmāda vernichten.

hiṅgusauvarcalavyoṣairdvipalāṃśairghṛtāḍhakam| caturguṇe gavāṃ mūtre siddhamunmādanāśanam

Ein Āḍhaka geklärte Butter, gekocht mit je zwei Pala Asant (hiṅgu) und Sauvarcala-Salz sowie den drei Scharfstoffen (vyoṣa – Pfeffer, langer Pfeffer, Ingwer) in der vierfachen Menge Kuhurin, vernichtet den Unmāda.

viśālā triphalā kauntī devadārvelavālukam| sthirā nataṃ rajanyau dve sārive dve priyaṅgukā

Viśālā, Triphalā, Kuṣṭha (kauntī), Devadāru, Elā, Uśīra (vālaka), Sthirā, Tagara (nata), die beiden Rajanī (Haridrā und Dāruharidrā), die beiden Sārivā sowie Priyaṅgu –

nīlotpalailāmañjiṣṭhādantīdāḍimakeśaram| tālīśapatraṃ bṛhatī mālatyāḥ kusumaṃ navam

Nīlotpala (blauer Lotus), Elā, Mañjiṣṭhā, Dantī, Granatapfelblüte (dāḍima-keśara), Tālīśapatra, Bṛhatī sowie frische Mālatī-Blüten –

viḍaṅgaṃ pṛśniparṇī ca kuṣṭhaṃ candanapadmakau| aṣṭāviṃśatibhiḥ kalkairetairakṣasamanvitaiḥ

Viḍaṅga, Pṛśniparṇī, Kuṣṭha, Candana und Padmaka: mit diesen achtundzwanzig, jeweils zu einem Akṣa (Karṣa) bemessenen und zu einer Paste (kalka) verriebenen Drogen

caturguṇe jale samyagghṛtaprasthaṃ vipācayet| apasmāre jvare kāse śoṣe mande'nale kṣaye

soll man ein Prastha geklärte Butter mit der vierfachen Menge Wasser sorgfältig kochen; dieses Ghee ist wirksam bei Epilepsie (apasmāra), Fieber, Husten, Auszehrung (śoṣa), schwachem Verdauungsfeuer und allgemeiner Erschöpfung (kṣaya),

vātarakte pratiśyāye tṛtīyakacaturthake| chardyarśomūtrakṛcchreṣu visarpopahateṣu ca

bei Gicht/Blutstörung (vātarakta), Schnupfen, Drei- und Vierstagefieber, Erbrechen, Hämorrhoiden, schmerzhaftem Harnlassen sowie bei den von Visarpa (Wundrose/Erysipel) Befallenen,

kaṇḍūpāṇḍvāmayonmādaviṣamehagadeṣu ca| bhūtopahatacittānāṃ gadgadānāmacesām

bei Juckreiz, Blutarmut/Gelbsucht (pāṇḍu), Unmāda, den unregelmäßigen Formen der Harnkrankheiten (viṣamameha) sowie für Menschen, deren Geist von Wesenheiten (bhūta) befallen ist, für Stotternde und für Sprachlose,

śastaṃ strīṇāṃ ca vandhyānāṃ dhanyamāyurbalapradam| alakṣmīpāparakṣoghnaṃ sarvagrahavināśanam

es ist empfohlen für unfruchtbare Frauen, bringt Wohlstand, Langlebigkeit und Kraft, vertreibt Unglück (alakṣmī), Verfehlung und Dämonen (rakṣas) und vernichtet alle Ergreifer (graha) – dies ist das eben beschriebene Ghee.

ebhya eva sthirādīni jale paktvaikaviṃśatim

Von eben diesen Drogen ausgehend soll man einundzwanzig, beginnend mit Sthirā, in Wasser kochen und so einen Dekokt bereiten.

rase tasmin pacet sarpirgṛṣṭikṣīre caturguṇe| vīrārdramāṣakākolīsvayaṅguptarṣabhardhibhiḥ

In diesem Dekokt soll man geklärte Butter zusammen mit der vierfachen Menge Milch einer Kuh, die einmal gekalbt hat (gṛṣṭi), kochen, unter Zugabe der zu einer Paste verriebenen Vīrā, frischem Ingwer, Māṣa-Bohnen, Kākolī, Svayaṅguptā (Kapikacchu) und Ṛddhi/Ṛṣabhaka,

medayā ca samaiḥ kalkaistat syāt kalyāṇakaṃ mahat| bṛṃhaṇīyaṃ viśeṣeṇa sannipātaharaṃ param

sowie Medā, alle zu gleichen Teilen als Paste – so entsteht das große Kalyāṇaka-Ghee; es ist besonders kräftigend (bṛṃhaṇa) und ein hervorragendes Mittel gegen den durch alle drei Doṣas gemeinsam verursachten (sannipātaja) Unmāda.

jaṭilāṃ pūtanāṃ keśīṃ cāraṭīṃ markaṭīṃ vacām| trāyamāṇāṃ jayāṃ vīrāṃ corakaṃ kaṭurohiṇīm

Jaṭilā, Pūtanā, Keśī, Cāraṭī, Markaṭī, Vacā, Trāyamāṇā, Jayā, Vīrā, Coraka und Kaṭurohiṇī,

vayaḥsthāṃ śūkarīṃ chatrāmaticchatrāṃ palaṅkaṣām| mahāpuruṣadantāṃ ca kāyasthāṃ nākulīdvayam

Vayaḥsthā, Śūkarī, Chatrā, Aticchatrā, Palaṅkaṣā, Mahāpuruṣadantā, Kāyasthā sowie beide Nākulī-Arten,

kaṭambharāṃ vṛścikālīṃ sthirāṃ cāhṛtya tairghṛtam| siddhaṃ cāturthakonmādagrahāpasmāranāśanam

Kaṭambharā, Vṛścikālī und Sthirā – mit all diesen Drogen bereitete geklärte Butter (ghṛta) vernichtet das Vierstagefieber, den Unmāda, das Ergriffensein durch Wesenheiten (graha) und die Epilepsie (apasmāra).

mahāpaiśācikaṃ nāma ghṛtametadyathā'mṛtam| buddhismṛtikaraṃ caiva bālānāṃ cāṅgavardhanam

Dieses Ghee namens Mahāpaiśācika wirkt wie Amṛta, der Unsterblichkeitstrank; es stärkt Verstand und Erinnerung und fördert bei Kindern das Wachstum der Glieder.

laśunānāṃ śataṃ triṃśadabhayāstryūṣaṇāt palam| gavāṃ carmamasīprastho dvyāḍhakaṃ kṣīramūtrayoḥ

Hundert Knoblauchzehen (laśuna), dreißig Abhayā (Harītakī), ein Pala der drei Scharfstoffe (tryūṣaṇa), ein Prastha Ruß von verbrannter Kuhhaut (carma-masī) sowie je zwei Āḍhaka Milch und Kuhurin —

purāṇasarpiṣaḥ prastha ebhiḥ siddhaṃ prayojayet| hiṅgucūrṇapalaṃ śīte dattvā ca madhumāṇikām

Ein Prastha altes Ghee (purāṇa sarpis), mit diesen [zuvor genannten Drogen] gekocht, soll angewendet werden; nach dem Erkalten gebe man ein Pala Asant-Pulver (hiṅgucūrṇa) und eine Māṇikā Honig hinzu.

taddoṣāgantusambhūtānunmādān viṣamajvarān| apasmārāṃśca hantyāśu pānābhyañjananāvanaiḥ

Dieses [Ghee] beseitigt rasch den durch die Doṣas oder durch äußere Einflüsse (āgantu) entstandenen Wahnsinn (unmāda), unregelmäßige Fieber (viṣamajvara) und die Epilepsie (apasmāra), sei es durch Trinken, Einreibung (abhyañjana) oder Nasenapplikation (nāvana).

iti laśunādyaṃ ghṛtamlaśunasyāvinaṣṭasya tulārdhaṃ nistuṣīkṛtam| tadardhaṃ daśamūlasya dvyāḍhake'pāṃ vipācayet

So [endet die Beschreibung] des Knoblauch-Ghees (laśunādya ghṛta): Ein halbes Tula unverdorbenen, von der Schale befreiten Knoblauchs sowie die Hälfte davon an Daśamūla (der Gruppe der zehn Wurzeln) sollen in zwei Āḍhaka Wasser gekocht werden.

pādaśeṣe ghṛtaprasthaṃ laśunasya rasaṃ tathā| kolamūlakavṛkṣāmlamātuluṅgārdrakai rasaiḥ

Wenn [der Sud] auf ein Viertel eingekocht ist, gebe man ein Prastha Ghee sowie den Saft von Knoblauch hinzu, dazu die Säfte von Kola (Brustbeere), Mūlaka (Rettich), dem sauren Vṛkṣāmla-Baum, Mātuluṅga (Zitronatzitrone) und frischem Ingwer (ārdraka).

dāḍimāmbusurāmastukāñjikāmlaistadardhikaiḥ| sādhayettriphalādārulavaṇavyoṣadīpyakaiḥ

Mit Granatapfelwasser, Surā (vergorenem Getränk), Mastu (Molke) und saurem Kāñjika, jeweils zur Hälfte davon, koche man es weiter, zusammen mit Triphalā, Devadāru (Zeder), Salz, Vyoṣa (den drei Scharfstoffen) und Dīpyaka (Ajowan-Samen).

yavānīcavyahiṅgvamlavetasaiśca palārdhikaiḥ| siddhametat pibecchūlagulmārśojaṭharāpaham

Mit Yavānī (Ajowan), Cavya, Asant (hiṅgu) und Amlavetasa, jeweils ein halbes Pala, [versetzt], trinke man dieses fertig zubereitete [Ghee]; es beseitigt kolikartige Schmerzen (śūla), Bauchgeschwülste (gulma), Hämorrhoiden (arśas) und Verdauungsstörungen (jaṭharā-Erkrankungen).

bradhnapāṇḍvāmayaplīhayonidoṣajvarakṛmīn| vātaśleṣmāmayān sarvānunmādāṃścāpakarṣati

Es beseitigt Skrotalschwellungen (bradhna), Blutarmut/Gelbsucht (pāṇḍu), Milzleiden (plīhā), Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Fieber, Befall mit pathogenen Mikroorganismen (kṛmi), alle durch Vāta und Kapha bedingten Krankheiten sowie Fälle von Wahnsinn (unmāda).

hiṅgunā hiṅguparṇyā ca sakāyasthavayaḥsthayā| siddhaṃ sarpirhitaṃ tadvadvayaḥsthāhiṅgucorakaiḥ

Ghee, das mit Asant (hiṅgu) und Hiṅguparṇī zusammen mit Kāyastha und Vayaḥsthā zubereitet wurde, ist ebenso heilsam wie das mit Vayaḥsthā, Asant und Coraka bereitete.

kevalaṃ siddhamebhirvā purāṇaṃ pāyayedghṛtam| pāyayitvottamāṃ mātrāṃ śvabhre rundhyādgṛhe'pi vā

Man gebe entweder dieses allein mit ihnen bereitete oder altes Ghee zu trinken; nachdem man die höchste [verträgliche] Dosis verabreicht hat, soll man den Kranken in einer Grube (śvabhra) oder auch in einem [geschlossenen] Raum absondern.

viśeṣataḥ purāṇaṃ ca ghṛtaṃ taṃ pāyayedbhiṣak| tridoṣaghnaṃ pavitratvādviśeṣādgrahanāśanam

Besonders altes Ghee soll der Arzt zu trinken geben; wegen seiner reinigenden Kraft besänftigt es die drei Doṣas und vernichtet insbesondere die dämonischen Ergreifer (graha).

guṇakarmādhikaṃ pānādāsvādāt kaṭutiktakam| ugragandhaṃ purāṇaṃ syāddaśavarṣasthitaṃ ghṛtam

Ghee, das zehn Jahre gelagert wurde, besitzt beim Trinken überlegene Wirkkraft; im Geschmack ist es scharf-bitter und von starkem, durchdringendem Geruch.

lākṣārasanibhaṃ śītaṃ taddhi sarvagrahāpaham| medhyaṃ virecaneṣvagryaṃ prapurāṇamataḥ param

Es gleicht in der Farbe dem Saft der Lackharze (lākṣā), ist kühlend und beseitigt in der Tat alle Ergreifer (graha); es fördert den Verstand (medhya) und ist unter den Abführmitteln (virecana) das vorzüglichste – noch älteres Ghee ist diesem sogar überlegen.

nāsādhyaṃ nāma tasyāsti yat syādvarṣaśatasthitam| dṛṣṭaṃ spṛṣṭamathāghrātaṃ taddhi sarvagrahāpaham

Für ein Ghee, das hundert Jahre gelagert wurde, gibt es nichts, was unheilbar wäre; allein durch Anblick, Berührung oder Geruch beseitigt es bereits alle Ergreifer (graha).

apasmāragrahonmādavatāṃ śastaṃ viśeṣataḥ etānauṣadhayogān vā vidheyatvamagacchati

Es ist besonders zu empfehlen für Epilepsie-, Besessenheits- und Wahnsinnskranke; oder auch diese [zuvor genannten] Arzneikombinationen werden zur geeigneten Behandlung dieser Zustände.

añjanotsādanālepanāvanādiṣu yojayet| śirīṣo madhukaṃ hiṅgu laśunaṃ tagaraṃ vacā

Man wende [folgende Mittel] als Kollyrium (añjana), als Reibsalbe (utsādana), als Einreibung (ālepana), als Nasenmittel (nāvana) und dergleichen an: Śirīṣa, Süßholz (madhuka), Asant (hiṅgu), Knoblauch, Tagara und Vacā (Kalmus).

kuṣṭhaṃ ca bastamūtreṇa piṣṭaṃ syānnāvanāñjanam| tadvadvyoṣaṃ haridre dve mañjiṣṭhāhiṅgusarṣapāḥ

Und Kuṣṭha, mit Ziegenharn (bastamūtra) zerrieben, ergibt ein Nasen- und Augenmittel; ebenso können Vyoṣa, die beiden Haridrā (Kurkumaarten), Mañjiṣṭhā, Asant und Senfsamen [gleichartig verwendet werden].

śirīṣabījaṃ conmādagrahāpasmāranāśanam| piṣṭvā tulyamapāmārgaṃ hiṅgvālaṃ hiṅgupatrikām

Śirīṣa-Samen, die Wahnsinn, dämonische Besessenheit und Epilepsie vertreiben, sollen zerrieben werden mit gleichen Teilen Apāmārga, ausreichend Asant und dem Blatt der Asant-Pflanze (hiṅgupatrikā).

vārtiḥ syānmaricārdhāṃśā pittābhyāṃ gośṛgālayoḥ| tayā'ñjayedapasmārabhūtonmādajvarārditān

Mit halb so viel schwarzem Pfeffer sowie mit der Galle von Rind und Schakal versetzt, wird daraus ein Kollyriumstäbchen (vartī); damit bestreiche man die Augen derer, die von Epilepsie, Geisterbesessenheit, Wahnsinn oder Fieber gequält werden.

bhūtārtānamarārtāṃśca narāṃścaiva dṛgāmaye| maricaṃ cātape māṃsaṃ sapittaṃ sthitamañjanam

Für die von Geistern (bhūta) Geplagten, für die von überirdischen Wesen (amara) Heimgesuchten sowie für Menschen mit Augenkrankheiten wird schwarzer Pfeffer, in der Sonne getrocknet, zusammen mit Fleisch und Galle als beständiges Kollyrium verwendet.

vaikṛtaṃ paśyataḥ kāryaṃ doṣabhūtahatasmṛteḥ| siddhārthako vacā hiṅgu karañjo devadāru ca

Für jemanden, der Verzerrtes sieht [d. h. Sinnestäuschungen hat] und dessen Gedächtnis durch die Doṣas oder durch Geister zerstört ist, ist folgende Zubereitung angezeigt: weißer Senf (siddhārthaka), Vacā, Asant, Karañja und Devadāru.

mañjiṣṭhā triphalā śvetā kaṭabhītvak kaṭutrikam| samāṃśāni priyaṅguśca śirīṣo rajanīdvayam

Mañjiṣṭhā, die weiße Śvetā-Pflanze, Triphalā, die Rinde des Kaṭabhī-Baumes und die drei Scharfstoffe (kaṭutrika), zu gleichen Teilen, zusammen mit Priyaṅgu, Śirīṣa und den beiden Rajanī (Kurkumaarten),

bastamūtreṇa piṣṭo'yamagadaḥ pānamañjanam| nasyamālepanaṃ caiva snānamudvartanaṃ tathā

dies, mit Ziegenharn zerrieben, ergibt ein Heilmittel (agada), das als Trank, als Kollyrium, als Nasenmittel, als Einreibung, als Bad sowie als Abriebmittel (udvartana) angewendet wird.

apasmāraviṣonmādakṛtyālakṣmījvarāpahaḥ| bhūtebhyaśca bhayaṃ hanti rājadvāre ca śasyate

Es beseitigt Epilepsie, Vergiftung, Wahnsinn, Behexung (kṛtyā), Unglück (alakṣmī) und Fieber; es vertreibt auch die Furcht vor Geistern und wird selbst am Königshof (rājadvāra) hoch geschätzt.

sarpiretena siddhaṃ vā sagomūtraṃ tadarthakṛt| praseke pīnase gandhairdhūmavartiṃ kṛtāṃ pibet

Auch Ghee, das mit diesem [Mittel] zusammen mit Rinderharn zubereitet wurde, erfüllt denselben Zweck; bei übermäßigem Speichelfluss (praseka) und bei Schnupfen (pīnasa) inhaliere man ein aus wohlriechenden Substanzen bereitetes Rauchstäbchen (dhūmavartī).

vairecanikadhūmoktaiḥ śvetādyairvā sahiṅgubhiḥ| śallakolūkamārjārajambūkavṛkabastajaiḥ

[Dieses Räucherwerk stelle man her] mit den für das abführende Räuchermittel genannten Ingredienzien, oder mit Śvetā und anderen Kräutern zusammen mit Asant, sowie mit Bestandteilen von Stachelschwein, Eule, Katze, Schakal, Wolf und Ziege.

mūtrapittaśakṛllomanakhaiścarmabhireva ca| sekāñjanaṃ pradhamanaṃ nasyaṃ dhūmaṃ ca kārayet

Mit deren Harn, Galle, Kot, Haaren, Krallen und auch Häuten soll man eine Besprengung (seka), ein Kollyrium, ein Einblasemittel (pradhamana), ein Nasenmittel und ein Räucherverfahren (dhūma) herstellen.

vātaśleṣmātmake prāyaḥ ... ... paittike tu praśasyate| tiktakaṃ jīvanīyaṃ ca sarpiḥ snehaśca miśrakaḥ

Bei überwiegend durch Vāta und Kapha bedingtem [Wahnsinn wird meist … angewendet]; bei dem durch Pitta bedingten hingegen wird Ghee empfohlen, das mit bitteren (tikta) und lebenskräftigenden (jīvanīya) Kräutern sowie mit gemischten Ölsubstanzen (sneha) zubereitet ist.

śītāni cānnapānāni madhurāṇi mṛdūni ca| śaṅkhakeśāntasandhau vā mokṣayejjño bhiṣak sirām| unmāde viṣame caiva jvare'pasmāra eva ca

Kühlende, süße und milde Speisen und Getränke [sollen gegeben werden]; oder der kundige Arzt lasse an der Verbindungsstelle von Schläfe und Haaransatz (śaṅkhakeśāntasandhi) zur Ader – dies bei Wahnsinn, bei unregelmäßigem Fieber und ebenso bei Epilepsie.

ghṛtamāṃsavitṛptaṃ vā nivāte sthāpayet sukham| tyaktvā matismṛtibhraṃśaṃ sañjñāṃ labdhvā pramucyate

Nachdem man [den Kranken] mit Ghee und Fleisch gesättigt hat, lagere man ihn bequem an einem windgeschützten Ort; hat er den Verlust von Verstand und Gedächtnis überwunden und das Bewusstsein wiedererlangt, so ist er geheilt.

āśvāsayet suhṛdvā taṃ vākyairdharmārthasaṃhitaiḥ| brūyādiṣṭavināśaṃ vā darśayedadbhutāni vā

Ein Freund soll ihn mit Worten trösten, die Recht und Nutzen (dharma und artha) verbinden; man erzähle ihm vom Verlust einer geliebten Sache oder zeige ihm erstaunliche Dinge [um ihn abzulenken].

baddhaṃ sarṣapatailāktaṃ nyasedvottānamātape| kapikacchvā'thavā taptairlohatailajalaiḥ spṛśet

Gefesselt und mit Senföl eingerieben, lege man ihn rücklings in die Sonne; oder man berühre ihn mit Kapikacchū (Juckbohne) oder mit erhitztem Eisen, Öl und Wasser.

kaśābhistāḍayitvā vā subaddhaṃ vijane gṛhe| rundhyācceto hi vibhrāntaṃ vrajatyasya tathā śamam

Oder man peitsche ihn, gut gefesselt, in einem einsamen Haus mit Riemen; dadurch wird sein verwirrter Geist zur Ruhe gebracht.

sarpeṇoddhṛtadaṃṣṭreṇa dāntaiḥ siṃhairgajaiśca tam| trāsayecchastrahastairvā taskaraiḥ śatrubhistathā

Man erschrecke ihn mit einer Schlange, der die Giftzähne gezogen wurden, mit gezähmten Löwen und Elefanten, oder mit bewaffneten Räubern und Feinden.

athavā rājapuruṣā bahirnītvā susaṃyatam| trāsayeyurvadhenainaṃ tarjayanto nṛpājñayā

Oder die Diener des Königs sollen ihn, gut gebändigt, hinausführen und ihn, indem sie ihm auf königlichen Befehl mit der Hinrichtung drohen, in Schrecken versetzen.

dehaduḥkhabhayebhyo hi paraṃ prāṇabhayaṃ smṛtam| tena yāti śamaṃ tasya sarvato viplutaṃ manaḥ

Denn die Furcht um das Leben (prāṇabhaya) gilt als stärker als körperliche Schmerzen und andere Ängste; dadurch kommt sein in jeder Hinsicht verwirrter Geist zur Ruhe.

iṣṭadravyavināśāttu mano yasyopahanyate| tasya tatsadṛśaprāptisāntvāśvāsaiḥ śamaṃ nayet

Wessen Geist jedoch durch den Verlust eines geliebten Gegenstandes geschädigt ist, dessen Geist bringe man durch tröstende Zuspräche und dadurch, dass man ihm etwas Vergleichbares verschafft, zur Ruhe.

kāmaśokabhayakrodhaharṣerṣyālobhasambhavān| parasparapratidvandvairebhireva śamaṃ nayet

[Formen des Wahnsinns], die aus Begierde, Kummer, Furcht, Zorn, Erregung, Eifersucht und Habgier entstehen, bringe man zur Ruhe, indem man eben diese [Gefühle] gegeneinander als Gegenspieler ausspielt.

buddhvā deśaṃ vayaḥ sātmyaṃ doṣaṃ kālaṃ balābale| cikitsitamidaṃ kuryādunmāde bhūtadoṣaje

Nachdem man Gegend, Lebensalter, Gewohnheit (sātmya), den [maßgeblichen] Doṣa, die Jahreszeit sowie Kraft und Schwäche [des Patienten] erkannt hat, soll man diese Behandlung bei dem durch Geister und Doṣas verursachten Wahnsinn anwenden.

devarṣipitṛgandharvairunmattasya tu buddhimān| varjayedañjanādīni tīkṣṇāni krūrakarma ca

Bei dem, der von Göttern, Weisen (ṛṣi), Ahnen (pitṛ) oder Gandharven wahnsinnig gemacht wurde, soll der kluge [Arzt] jedoch scharfe Kollyrien und dergleichen sowie grausame Maßnahmen vermeiden.

sarpiṣpānādi tasyeha mṛdu bhaiṣajyamācaret| pūjāṃ balyupahārāṃśca mantrāñjanavidhīṃstathā

Bei ihm wende man milde Heilmittel wie das Trinken von Ghee an, sowie Verehrung (pūjā), Opfergaben (bali) und Geschenke, ferner Riten mit Mantras und Kollyrien.

śāntikarmeṣṭihomāṃśca japasvastyayanāni ca| vedoktān niyamāṃścāpi prāyaścittāni cācaret

Man vollziehe besänftigende Riten (śāntikarma), Opferhandlungen (iṣṭi) und Feueropfer (homa), Mantrarezitation (japa) und Segensriten (svastyayana), ebenso die in den Veden gelehrten Observanzen (niyama) und Sühneriten (prāyaścitta).

bhūtānāmadhipaṃ devamīśvaraṃ jagataḥ prabhum| pūjayan prayato nityaṃ jayatyunmādajaṃ bhayam

Wer beständig und geläutert den Gott verehrt, der Herr aller Wesen, der Beherrscher, der Gebieter der Welt ist [Śiva/Īśvara], überwindet die aus dem Wahnsinn entstehende Furcht.

rudrasya pramathā nāma gaṇā loke caranti ye| teṣāṃ pūjāṃ ca kurvāṇa unmādebhyaḥ pramucyate

Wer die Verehrung jener Rudra-Scharen erweist, die Pramathas genannt werden und in der Welt umherziehen, wird von Wahnsinnsanfällen befreit.

balibhirmaṅgalairhomairoṣadhyagadadhāraṇaiḥ| satyācāratapojñānapradānaniyamavrataiḥ

Durch Opfergaben (bali), heilbringende Riten, Feueropfer, das Tragen von Kräutern und Heilmitteln als Amulett, durch Wahrhaftigkeit, guten Lebenswandel, Askese (tapas), Wissen, Freigebigkeit, Observanzen und Gelübde,

devagobrahmaṇānāṃ ca gurūṇāṃ pūjanena ca| āgantuḥ praśamaṃ yāti siddhairmantrauṣadhaistathā

sowie durch die Verehrung von Göttern, Kühen, Brahmanen und Lehrern (guru), ferner durch wirksame Mantras und Heilmittel, kommt der durch äußere Einflüsse (āgantu) bedingte Wahnsinn zur Ruhe.

yaccopadekṣyate kiñcidapasmāracikitsite| unmāde tacca kartavyaṃ sāmānyāddhetudūṣyayoḥ

Und was auch immer in der Behandlung der Epilepsie gelehrt werden wird, das soll ebenso beim Wahnsinn angewendet werden, da Ursache (hetu) und verdorbene Substanz (dūṣya) bei beiden Krankheiten übereinstimmen.

nivṛttāmiṣamadyo yo hitāśī prayataḥ śuciḥ| nijāgantubhirunmādaiḥ sattvavān na sa yujyate

Wer auf Fleisch und Rauschmittel verzichtet, sich zuträglich ernährt, diszipliniert und rein lebt und über starke geistige Kraft (sattva) verfügt, wird weder von innerem (dosha-bedingtem) noch von äußerem (āgantu-bedingtem) Wahnsinn befallen.

prasādaścendriyārthanāṃ buddhyātmamanasāṃ tathā| dhātūnāṃ prakṛtisthatvaṃ vigatonmādalakṣaṇam

Die Klarheit (prasāda) der Sinnesorgane und ihrer Objekte, ebenso des Verstandes, des Selbst und des Geistes, sowie die Rückkehr der Körpergewebe (dhātu) in ihren natürlichen Zustand – dies sind die Kennzeichen dafür, dass der Wahnsinn gewichen ist.

unmādānāṃ samutthānaṃ lakṣaṇaṃ sacikitsitam| nijāgantunimittānāmuktavān bhiṣaguttamaḥ

So hat der beste der Ärzte die Entstehung (samutthāna), die Symptome (lakṣaṇa) und die Behandlung der durch innere sowie durch äußere Ursachen bedingten Formen des Wahnsinns dargelegt.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks