Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 10

Adhyāya 4 Die beiden Atirātra und der Dvādaśāha als Gāyatrī

Die Atirātra-Tage am Anfang und Ende des Dvādaśāha werden kosmisch gedeutet (Vergangenes/Künftiges, Erde/Himmel); Verbot des Schlafens; der Dvādaśāha als Gāyatrī mit Lichtflügeln; Rechtfertigung des dreimaligen Rathantara. Kaṇḍikā 1170 und 1171 enthalten verderbte Stellen („+jāgāra“, „svargṃ“).

bhūtaṃ pūrvo 'tirātro bhaviṣyad uttaraḥ pṛthivī pūrvo 'tirātro dyaur uttaro 'gniḥ pūrvo 'tirātra āditya uttaraḥ prāṇaḥ pūrvo 'tirātra udāna uttaraḥ

Das Vergangene ist der frühere Atirātra, das Künftige der spätere; die Erde ist der frühere Atirātra, der Himmel der spätere; Agni ist der frühere Atirātra, die Sonne (āditya) der spätere; der Prāṇa (Ausatem) ist der frühere Atirātra, der Udāna (Aufatem) der spätere.

cakṣuṣī atirātrau kanīnike agniṣṭomau yasmād antarā agniṣṭomāv atirātrābhyāṃ tasmād antare satyau kanīnike bhuṅktaḥ

Die beiden Augen sind die beiden Atirātra, die beiden Pupillen (kanīnike) die beiden Agniṣṭoma. Weil die beiden Agniṣṭoma zwischen den beiden Atirātra liegen, darum genießen die beiden Pupillen, die dazwischen liegen, das Wahre (satya) [?] [Anm.: Deutung unsicher].

saṃvatsarasya vā etau daṃṣṭrau yad atirātrau tayor na svaptavyaṃ saṃvatsarasya daṃṣṭrayor ātmānaṃ ned apidadhānīti

Die beiden Atirātra sind die beiden Hauer/Fangzähne (daṃṣṭrā) des Jahres; in ihnen soll man nicht schlafen, [in dem Gedanken:] „Damit ich mich nicht in die beiden Fangzähne des Jahres einschließe.“

tad āhuḥ ko 'svaptum arhati yad vāva prāṇo +jāgāra tad eva jāgaritam iti

Dazu sagt man: „Wer ist imstande, nicht zu schlafen?“ [Antwort:] Solange der Atem (prāṇa) wach ist, ist eben dies das Wachsein [Text: „+jāgāra“ verderbt] [?].

gāyatrīṃ vā etāṃ jyotiḥpakṣām āsate yad etaṃ dvādaśāham aṣṭau madhya ukthā agniṣṭomāv abhito māsā svargṃ lokam etyājarasaṃ brahmādyam annam atti dīpyamānaḥ

Als Gāyatrī mit Lichtflügeln sitzen sie [beim Opfer], nämlich diesen Dvādaśāha: acht Ukthya-Tage in der Mitte, die beiden Agniṣṭoma zu beiden Seiten; [so] gelangt er zur Himmelswelt und isst alterslos, glänzend, die Speise des Brahman [Text: „svargṃ“; „māsā“ ist dabei unübersetzt geblieben, vielleicht ‚Monate‘] [?].

triṣpurastād rathantaraṃ upayanti tryāvṛd vai vāk sarvām eva vācam avarudhya sarvam annādyaṃ dvādaśāhaṃ tanvate

Dreimal zuvor nehmen sie das Rathantara [das Sāman Rathantara] auf; dreifach ist die Rede; nachdem sie die ganze Rede gewonnen haben, dehnen sie den ganzen Dvādaśāha [als] Speise (annādya) aus.

jāmi vā etad yajñe kriyata ity āhur yat triṣpurastād rathantaram upayantīti saubharam ukthānāṃ brahmasāma bhavati tenaiva tad ajāmi

„Unpassend (jāmi) wird hier im Opfer verfahren“, sagt man, „dass sie dreimal zuvor das Rathantara aufnehmen.“ Das Saubhara ist das Brahmasāman der Ukthya-Tage; damit ist es nicht unpassend.

pratnavatyaḥ prāyaṇīyasyāhnaḥ pratipado bhavanti teno eva tad ajāmi

Die Pratipad-Strophen des Prāyaṇīya-Tages haben [das Wort] pratna („alt“); auch damit ist es nicht unpassend.

trir vevopariṣṭād rathantaram upayanti trāvṛd vai vāk sarvām eva vācam avarudhya sarvam annādyaṃ dvādaśāhād uttiṣṭhanti

Oder: dreimal nach [dem Hauptteil] nehmen sie das Rathantara auf; dreifach ist die Rede; nachdem sie die ganze Rede gewonnen haben, stehen sie [mit] der ganzen Speise vom Dvādaśāha auf [Anm.: „trāvṛd“ wohl für „tryāvṛt“ gelesen] [?].

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