Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 4

Adhyāya 1 Gavām ayana: Schöpfung durch Ahorātra, Ṣaḍaha und Jahr

Mythos vom Sattra der Kühe, deren Hörner nach zehn bzw. zwölf Monaten wachsen, und Erzählung, wie Prajāpati durch Atirātra, Jyotiṣṭoma, Ṣaḍahas und den Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha Tage, Jahreszeiten, Monate und Halbmonate erzeugt. Der Text ist teils elliptisch; unklar ist der Bezug von „tūparāḥ“ (hornlos).

gāvo vā etat sattram āsata tāsāṃ daśasu māssu śṛṅgaṇy ajāyanta tā abruvannarāḥ smottiṣṭhāmopaśā no 'jñateti tā udatiṣṭhan

Die Kühe fürwahr saßen [im] Sattra. Ihnen wuchsen in zehn Monaten Hörner. Sie sagten: „Wir sind hornlos (arāḥ) [?], wir wollen aufstehen; ihr sollt uns [den Lohn] zuerkennen (?)“ [Anm.: „upaśā no ’jñata“ unsicher [?]]. Da standen sie auf.

tāsāṃ tv evābruvann āsāmahā evemau dvādaśau māsau saṃsaṃvvatsaram āpayāmeti tāsāṃ dvādaśasu māḥsu śṛṅgāṇi prāvartanta tāḥ sarvam annādyam āpnuvaṃs tā etās tūparās tasmāt tāḥ sarvān dvādaśamāsaḥ prerate sarvaṃ hi tā annādyam āpnuvan

Von ihnen aber sagten sie: „Wir wollen diese beiden zwölf Monate hindurch bis zum Jahr sitzen (āsāmahai) und es [so] erreichen.“ Ihnen wuchsen in den zwölf Monaten Hörner hervor. Sie erlangten alle Speisefülle. Diese aber sind die Hornlosen (tūparāḥ) [Anm.: tūpara = hornlos, hier auf die zehn-monatigen Kühe bezogen [?]]; deshalb erreichen sie alle zwölf Monate; denn sie erlangten alle Speisefülle.

sarvam annādyam āpnoti ya evaṃv veda

Alle Speisefülle erlangt, wer so weiß.

prajāpatir vā idam eka āsīt so 'kāmayata bahu syāṃ prajāyeyeti sa etam atirātram apaśyat tam āharat tenāhorātre prājanayat

Prajāpati war fürwahr dies [All] allein. Er wünschte: „Ich möchte viel sein, ich möchte mich fortpflanzen.“ Er erblickte diesen Atirātra, er holte ihn herbei; mit ihm erzeugte er Tag und Nacht.

yad eṣo 'tirātro bhavaty ahorātre eva prajanayanty ahorātrayoḥ pratitiṣṭhanty etāvān vāva saṃvvatsaro yad ahas ca rātriś cāhorātrābhyām eva tat saṃvvatsaram āpnuvanti

Dass dieser Atirātra stattfindet: sie erzeugen Tag und Nacht; sie gründen sich in Tag und Nacht. So groß ist das Jahr, wie Tag und Nacht [es sind]; durch Tag und Nacht erlangen sie eben das Jahr.

yaj jyotiṣṭomo bhavati yajñamukhaṃ tad ṛdhnuvanti yad uktho yajñakrator anantarayāya yad rātriḥ sarvasyāptyai

Dass der Jyotiṣṭoma stattfindet: sie lassen den Mund des Opfers gelingen. Dass der Ukthya [stattfindet] von dem Yajñakratu: [das dient] dem unmittelbaren Anschluss. Dass die Nacht [folgt]: der Erlangung von allem.

sa etān stomān apaśyat jyotir gaur aur itīme vai lokā ete stomā ayam eva jyotir ayaṃ madhyamo gaur asāv uttama āyuḥ

Er erblickte diese Stomas: „Jyotis, Gau, Āyus“. Diese Welten sind fürwahr diese Stomas: diese [Welt] ist das Jyotis, die mittlere ist der Gau, jene oberste ist der Āyus [Anm.: Jyotis, Gau, Āyus = Namen von Tagen/Stoma-Gruppen des Ṣaḍaha/Abhiplava; Zuordnung zu den Welten nach dem Text].

yad ete stomā bhavantīmān eva lokān prajanayanty eṣu lokeṣu pratitiṣṭhanti

Dass diese Stomas stattfinden: sie erzeugen eben diese Welten; sie gründen sich in diesen Welten.

sa etaṃ tryahaṃ punaḥ prāyauṅkta tena ṣaḍahena ṣaṭkratūn prājanayat

Er wandte diesen Tryaha wieder an; damit, [dem] Ṣaḍaha, erzeugte er die sechs Jahreszeiten.

yad eṣa ṣaḍaho bhavati ṛtūn eva prajanayanti ṛtuṣu pratitiṣṭhanti

Dass dieser Ṣaḍaha stattfindet: sie erzeugen eben die Jahreszeiten; sie gründen sich in den Jahreszeiten.

sa etaṃ ṣaḍahaṃ punaḥ prāyuṅkta tābhyāṃ dvābhyāṃ ṣaḍahābhyāṃ dvādaśamasaḥ prājanayat

Er wandte diesen Ṣaḍaha wieder an; durch diese zwei Ṣaḍahas erzeugte er die zwölf Monate [Anm.: dvādaśamasaḥ, „Zwölfmonatiges“, Bedeutung von -masaḥ als Monat angenommen [?]].

yad etau ṣaḍahau bhavato māsān eva prajanayanti māseṣu pratitiṣṭhanti

Dass diese beiden Ṣaḍahas stattfinden: sie erzeugen eben die Monate; sie gründen sich in den Monaten.

sa etau dvau ṣaḍahau punaḥ prayuṅkta taiś caturbhiḥ ṣaḍahaiś caturviṃśatim ardhamāsān prājanayat

Er wandte diese zwei Ṣaḍahas wieder an; durch diese vier Ṣaḍahas erzeugte er die vierundzwanzig Halbmonate.

yad ete catvāraḥ ṣaḍahā bhavanty ardhamāsān eva prajanayanty ardhamāseṣu pratitiṣṭhanti

Dass diese vier Ṣaḍahas stattfinden: sie erzeugen eben die Halbmonate; sie gründen sich in den Halbmonaten.

sa idaṃ bhuvanaṃ prajanayitva pṛṣṭhyena ṣaḍahena vīryam ātmany adhatta

Nachdem er diese Welt erzeugt hatte, legte er durch den Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha Kraft in sich selbst.

yad eṣaḥ pṛṣṭhyaḥ ṣaḍaho bhavati vīrya evāntataḥ pratitiṣṭhanti

Dass dieser Pṛṣṭhya-Ṣaḍaha stattfindet: sie gründen sich am Ende in der Kraft.

tena māsān saṃvvatsaraṃ prājanayad yad eṣa māso bhavati saṃvvatsaram eva prajanayanti saṃvvatsare pratitiṣṭhanti

Damit erzeugte er die Monate [und] das Jahr. Dass dieser Monat stattfindet: sie erzeugen eben das Jahr; sie gründen sich im Jahr.

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