Adhyāya 1
Brahmasāman-Riten: Traikakubha und Traiśoka
Der Adhyāya nennt Brahmasāmans für Wünsche (Abhicāra, Vieh, Heilung von Krankheit) und gibt ätiologische Erzählungen zu Traikakubha und Traiśoka. Der Beginn von 8.1.1 ist syntaktisch schwer (Nidhana-Vorschriften); die Deutung ist unsicher. Auch 8.1.10 zu den drei Gestalten, in die der Kummer eindrang (puṃścalī, klība, sainasvin), ist dunkel.
Ein Brahmasāman mit Āṣkāra als Nidhana, das Kāṇva-Sāman [?], mit Vaṣaṭkāra als Nidhana soll man für den ausführen, der Abhicāra (Schadenszauber) betreibt: beim Mādhyandina-Pavamāna mit Abhinidhana [?].
Ein Pfeil der Götter [?] ist dieser Vaṣaṭkāra. „Abhi“ (‚hin, gegen‘): indem Indra gegen Vṛtra den Donnerkeil schleuderte, sagte er „abhi“; so schleudert er ihm damit den Donnerkeil und durchbohrt (ihn) unter den Göttern [?] mit dem Vaṣaṭkāra.
Das Traikakubha soll man als Brahmasāman für den ausführen, der Vieh wünscht, auf die (Strophen) „tvam aṅga praśaṃsiṣaḥ“ [Anm.: Strophenanfang (pratīka), Fortsetzung nicht im Text].
indro yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyacchat teṣāṃ traya udaśiṣyanta rāyovājo bṛhadgiriḥ pṛthuraśmis te 'bruvan ko naḥ putrān bhariṣyantīty aham intīndro 'bravīt tāṃs trikakub adhinidhāyācarat sa etat sāmāpaśyad yat trikakub apaśyat tasmāt traikakubham
Indra gab die Yatis den Sālāvṛkas (Wölfen). Von ihnen blieben drei übrig: Rāyovāja, Bṛhadgiri und Pṛthuraśmi. Diese sprachen: „Wer wird uns, seine Söhne, unterhalten?“ „Ich“, sagte Indra. Er legte die Trikakubh (Strophe) hin [?] und ging umher; er erblickte dieses Sāman, weil er die Trikakubh erblickte; daher (heißt es) Traikakubha.
sa ātmānam eva punar upādhāvat tvam aṅga praśaṃsiṣo devaḥ śaviṣṭha martyaṃ na tvad anyo maghavann asti ca marḍitendra bravīmi te vaca iti sa etena ca pragāthenaitena sāmnā sahasraṃ paśūn asṛjata tān ebhyaḥ prāyacchat te pratyatiṣṭhan
Er lief wieder zu sich selbst [?]: „tvam aṅga praśaṃsiṣo devaḥ śaviṣṭha martyam, na tvad anyo maghavann asti mardita, indra bravīmi te vacaḥ“ [Anm.: Strophenanfang (pratīka): „Du hast, o Gott, kraftvollster, den Sterblichen gepriesen; kein anderer als du, o Maghavan, ist ein Gnadenspender, o Indra, ich spreche dir das Wort“; der Text ist teilweise verderbt]. Mit diesem Pragātha und mit diesem Sāman erschuf er tausend Stück Vieh; die gab er ihnen, und sie standen fest.
Wer Vieh wünschen sollte, wer festen Stand wünschen sollte, der soll bei diesem Pragātha mit diesem Sāman preisen: er erlangt tausend Stück Vieh (und) steht fest.
Dreifach an Mannesstärke ist dieses Sāman, dreifach an Indra-Kraft: indrisch ist die Ṛc, indrisch das Sāman, „aindra“ das Nidhana; er steht fest in der Indra-Kraft, in der Mannesstärke.
ime vai lokāḥ sahāsaṃs te 'śocantaṃs teṣām indra etena sāmnā śucam apāhan yat trayāṇāṃ śocatām apāhaṃs tasmāt traiśokam
Diese Welten waren einst beisammen; sie litten Kummer (śoka). Indra vertrieb mit diesem Sāman ihren Kummer: weil er den Kummer der dreien, die trauerten, vertrieb, daher (heißt es) Traiśoka.
Was sie von dieser (Welt) vertrieben, drang in die Dirne (puṃścalī) ein; was aus dem Luftraum, in den Impotenten; was von jener (Welt), in den Sündigen [?] (sainasvin).
diveti nidhanam upayanti vyuṣṭir vai divā vy evāsmai vāsayati
Sie nähern sich (dem Sāman) mit „divā“ (‚bei Tag‘) als Nidhana; Vyuṣṭi (Morgenglanz) ist der Tag; so lässt er ihm das Licht des Morgens aufleuchten [?].