Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa) · Prapāṭhaka 9

Adhyāya 1 Die Rātri-Paryāyas, der Sandhi und der Āśvina-Śastra

Der Adhyāya behandelt die drei Paryāyas (Durchgänge) der Nachtfeier (Atirātra) und ihre Sāmans mit Nidhana, dann den Sandhi (Morgendämmerungs-Schnittstelle) und den Āśvina-Śastra samt Ursprungserzählung. Der Text ist teils verderbt (etwa „vītahavyaḥ … avagacchat“, „āśvinenāsaṃhāyyam“); die Deutungen von Nidhana-Angaben und von „ghṛtaścyut“ bleiben unsicher.

devā vā ukthāny abhijitya rātriṃ nāśaknuvann abhijetuṃ te 'surān rātriṃ tamaḥ praviṣṭāṃ nānuvyapaśyaṃs ta etam anuṣṭupśirasaṃ pragāthm apaśyan virājaṃ jyotiḥ tān virājā jyotiṣānupaśyanto 'nuṣṭubhā vajreṇa rātrer nirāghnan

Die Götter hatten die Ukthyas (Uktha-Feiern) erobert, vermochten aber die Nacht nicht zu erobern. Sie sahen die Asuras, die in die Nacht, in die Finsternis, eingegangen waren, nicht mehr [Anm.: oder: konnten sie dort nicht ausmachen]. Da sahen sie diesen Pragātha mit einem Anuṣṭubh als Kopf, das Licht Virāj. Mit dem Licht Virāj sie ausspähend, stießen sie sie mit dem Anuṣṭubh, dem Donnerkeil, aus der Nacht hinab.

yad eṣo 'nuṣṭupśirāḥ pragātho bhavati virāḍ eva jyotiṣānupaśyann anuṣṭubhā vajreṇa rātrer bhrātṛvyaṃ nirhanti

Dass dieser Pragātha mit dem Anuṣṭubh als Kopf vorhanden ist: Indem er [der Opferer] mit dem Licht Virāj den Feind ausspäht, stößt er ihn mit dem Anuṣṭubh, dem Donnerkeil, aus der Nacht hinab.

tān samantaṃ paryāyaṃ prāṇudanta yat paryāyaṃ prāṇudanta tat paryāyāṇāṃ paryāyatvam

Sie [die Götter] vertrieben sie [die Asuras] ringsum in einem ganzen Umlauf (paryāya). Dass sie sie im Umlauf vertrieben (prāṇudanta), das ist das Wesen der Paryāyas als „Umläufe“ [Anm.: Etymologie paryāya – pari + Wurzel ā/i, mit Anklang an prāṇudanta].

prathamāni padāni punarādīni bhavanti prathamasya paryāyasya

Die ersten Pādas (Versviertel) werden wieder aufgenommen, die des ersten Paryāya.

prathamair hi padaiḥ punar ādāya prathamarātrāt prāṇudanta

Denn mit den ersten Pādas, sie wieder aufnehmend, vertrieben sie sie aus der ersten Nacht.

pāntam ā vo andhasa iti prastauti

Mit „pāntam ā vo andhasaḥ“ [Anm.: Strophenanfang (pratīka), Fortsetzung nicht im Text] stimmt er [der Prastotṛ] das Stotra an.

ahar vai pāntam andho rātrir ahnaiva tad rātrim ārabhante

Der Tag ist wahrlich das Trinkenswerte (pāntam andhaḥ), die Nacht [ist es nicht]; mit dem Tag also beginnen sie die Nacht.

tāsu vaitahavyam

In diesen [Stotras] das Vaitahavya [Sāman].

vītahavyaḥ śrāyaso jyog niruddha etat sāmāpaśyat so 'vagacchat pratyatiṣṭhad avagacchati pratitiṣṭhaty etena tuṣṭuvānaḥ

Vītahavya Śrāyasa, aus dem Glück gefallen [jyog niruddha: „lange eingesperrt/behindert“ [?]], sah dieses Sāman. Er kam [wieder] zu sich [wörtlich: „gelangte hinunter/heim“ [?]] und fand Halt. Wer damit preist, kommt heim und findet Halt.

tam iva vā ete praviśantiye rātrim upayanti yad eko nidhanaṃ rātrer mukhe bhavati prajñātyai

Wie in diesen [Nidhana-Ton] gehen die ein, die in die Nacht eintreten [?]. Dass zu Beginn der Nacht ein einfaches (eka) Nidhana vorhanden ist, dient der Erkennbarkeit.

yadā vai puruṣaḥ svam oka āgacchati sarvaṃ tarhi prajānāti sarvam asmai divā bhavati

Wenn ein Mann in sein eigenes Heim (oka) gelangt, dann kennt er alles; alles wird ihm dann Tag.

te madhyamaṃ paryāyam aśrayanta teṣām aurdhvasadmanena vācam avṛñjata

Sie nahmen ihre Zuflucht zum mittleren Paryāya. Mit dem Ūrdhvasadmana [Sāman] schnitten sie [den Feinden] die Rede ab [wörtlich: „nahmen sie die Rede weg“].

vācaṃ bhrātṛvyasya vṛṅkte ya evaṃv veda

Die Rede des Feindes schneidet er ab, wer dies so weiß.

yathā vā ahno mādhyandinaṃ savanaṃ triṇidhanāyatanam evam eṣa rātrer madhyamaḥ paryāyas triṇidhanāyatanaḥ salokatvāya

Wie die Mittagspressung des Tages der Sitz des Triṇidhana ist, so ist dieser mittlere Paryāya der Nacht der Sitz des Triṇidhana, zur Gleichheit der Welt (salokatva) [Anm.: der Sinn, „damit die Nacht dieselbe Welt/Stellung wie der Tag hat“, ist unsicher].

madhyamāni padāni punarādīni bhavanti madhyamasya paryāyasya madhyamair hi padaiḥ punar ādāyaṃ madhyamarātrāt prāṇudanta

Die mittleren Pādas werden wieder aufgenommen, die des mittleren Paryāya; denn mit den mittleren Pādas, sie wieder aufnehmend, vertrieben sie sie aus der mittleren Nacht.

ta uttamaṃ paryāyam aśrayanta teṣāṃ ghṛtaścyun nidhanena paśūn avṛñjata paśavo vai ghṛtaścyutaḥ

Sie nahmen ihre Zuflucht zum letzten Paryāya. Mit dem Ghṛtaścyut, durch dessen Nidhana, nahmen sie [ihnen] das Vieh weg. Vieh ist nämlich „von Schmalz triefend“ (ghṛtaścyut).

paśūn bhrātṛvyasya vṛṅkte ya evaṃv veda

Das Vieh des Feindes schneidet er ab, wer dies so weiß.

uttamāni padāni punarādīni bhavanty uttamasya paryāyasyottamair hi padaiḥpunar ādāyam uttamarātrāt prāṇudanta

Die letzten Pādas werden wieder aufgenommen, die des letzten Paryāya; denn mit den letzten Pādas, sie wieder aufnehmend, vertrieben sie sie aus der letzten Nacht.

tān sandhinābhipalāyanta

Sie flohen ihnen [den Asuras] am Sandhi (der Nahtstelle [zwischen Nacht und Tag]) entgegen [ābhipalāyanta: „liefen auf sie zu/setzten ihnen nach“ [?]].

tān āśvinenāsaṃhāyyam agamayan

Mit dem Āśvina [Śastra] brachten sie sie dahin, dass sie nicht mehr zusammenzubringen [asaṃhāyya: „nicht wieder vereinigbar/nicht wieder zu erreichen“ [?]] waren.

asaṃhāyyaṃ bhrātṛvyaṃ gamayati ya evaṃv veda

Den Feind bringt er dahin, dass er nicht wieder zusammenkommt, wer dies so weiß.

eṣā vā agniṣṭomasya saṃmā yad rātriḥ

Dies ist das Maß (saṃmā) des Agniṣṭoma, nämlich die Nacht.

dvādaśa stotrāṇy agniṣṭomo dvādaśa strotrāṇi rātriḥ

Zwölf Stotras hat der Agniṣṭoma, zwölf Stotras hat die Nacht.

eṣā vā ukthasya saṃmā yad rātriḥ

Dies ist das Maß des Uktha, nämlich die Nacht.

trīṇy ukthāni tridevatyaḥ sandhiḥ

Drei Ukthas [gibt es]; der Sandhi hat drei Gottheiten.

yathā vā ahna ukthāny evam eṣa rātreḥ sandhir nānārūpāṇy ahna ukthāni nānārūpā ete tṛcā bhavanti

Wie die Ukthas des Tages, so ist dieser Sandhi der Nacht; verschiedengestaltig sind die Ukthas des Tages, verschiedengestaltig sind diese [Ukthas des Sandhi]; sie werden mit einer Tṛca (Dreiversgruppe) gemacht [?].

rathantaraṃ pratiṣṭhākāmāya sandhiṃ kuryāt

Das Rathantara soll man für den, der Halt begehrt, als Sandhi-Sāman machen.

iyaṃ vai rathantaram asyām eva pratitiṣṭhati

Denn dieses [Erde] ist das Rathantara; auf ihr eben findet er Halt.

bṛhat svargakāmāya sandhiṃ kuryāt

Das Bṛhat soll man für den, der den Himmel begehrt, als Sandhi machen.

svargo loko bṛhat svarga eva loke pratitiṣṭhati

Der Himmelsraum ist das Bṛhat; im Himmelsraum eben findet er Halt.

vāravantīyaṃ vā vāmadevyaṃ vā śruddhyaṃ vai teṣām ekaṃ paśukāmāya sandhiṃ kuryāt

Das Vāravantīya oder das Vāmadevya oder das Śruddhya [?] – eines von diesen soll man für den, der Vieh begehrt, als Sandhi machen.

paśavo vā etāni sāmāni paśuṣv eva pratitiṣṭhati

Vieh sind nämlich diese Sāmans; im Vieh eben findet er Halt.

āśvinaṃ hotānuśaṃsati

Der Hotṛ rezitiert den Āśvina [Śastra] nach.

prajāpatir vā etat sahasram asṛjata tad devebhyaḥ prāyacchat tasmin na samarādhayaṃs te sūryaṃ kāṣṭhāṃ kṛtvājim adhāvan

Prajāpati schuf [ein] Tausend. Er gab es den Göttern. Sie waren darin nicht erfolgreich [na samarādhayan: „erreichten es nicht gemeinsam/gewannen es nicht“ [?]]. Sie machten die Sonne zum Ziel und liefen einen Wettlauf.

teṣām aśvinau prathamāv adhāvatāṃ tāv anvavadan saha no 'stv iti tāv abrūtāṃ kiṃ tataḥ syād iti yat kāmayethe ity abruvaṃs tāv abrūtām asmaddevatyam idam uktham ucyātā iti tasmād āśvinam ucyate

Von ihnen liefen die beiden Aśvin zuerst. Sie riefen ihnen nach: „Es soll uns [auch] zugehören!“ Die beiden sagten: „Was soll uns daraus werden?“ „Was ihr wünscht“, sagten sie. Die beiden sagten: „Uns soll dieses Uktha geweiht sein, es soll gesprochen werden.“ Darum wird der Āśvina gesprochen.

sarvāḥ khalu devatāḥ śasyante

Alle Gottheiten werden ja [darin] gepriesen.

kṣipraṃ śasyam ājim iva hy ete dhāvanty ā sūryasyodetoḥ śaṃset sūryaṃ hi kāṣṭhām akurvata

Schnell muss er rezitiert werden; denn diese [Götter] laufen gleichsam einen Wettlauf. Er soll rezitieren, bis die Sonne aufgeht [ā sūryasyodetoḥ]; denn sie machten die Sonne zum Ziel.

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