Adhyāya 1
Die Rātri-Paryāyas, der Sandhi und der Āśvina-Śastra
Der Adhyāya behandelt die drei Paryāyas (Durchgänge) der Nachtfeier (Atirātra) und ihre Sāmans mit Nidhana, dann den Sandhi (Morgendämmerungs-Schnittstelle) und den Āśvina-Śastra samt Ursprungserzählung. Der Text ist teils verderbt (etwa „vītahavyaḥ … avagacchat“, „āśvinenāsaṃhāyyam“); die Deutungen von Nidhana-Angaben und von „ghṛtaścyut“ bleiben unsicher.
Die Götter hatten die Ukthyas (Uktha-Feiern) erobert, vermochten aber die Nacht nicht zu erobern. Sie sahen die Asuras, die in die Nacht, in die Finsternis, eingegangen waren, nicht mehr [Anm.: oder: konnten sie dort nicht ausmachen]. Da sahen sie diesen Pragātha mit einem Anuṣṭubh als Kopf, das Licht Virāj. Mit dem Licht Virāj sie ausspähend, stießen sie sie mit dem Anuṣṭubh, dem Donnerkeil, aus der Nacht hinab.
yad eṣo 'nuṣṭupśirāḥ pragātho bhavati virāḍ eva jyotiṣānupaśyann anuṣṭubhā vajreṇa rātrer bhrātṛvyaṃ nirhanti
Dass dieser Pragātha mit dem Anuṣṭubh als Kopf vorhanden ist: Indem er [der Opferer] mit dem Licht Virāj den Feind ausspäht, stößt er ihn mit dem Anuṣṭubh, dem Donnerkeil, aus der Nacht hinab.
tān samantaṃ paryāyaṃ prāṇudanta yat paryāyaṃ prāṇudanta tat paryāyāṇāṃ paryāyatvam
Sie [die Götter] vertrieben sie [die Asuras] ringsum in einem ganzen Umlauf (paryāya). Dass sie sie im Umlauf vertrieben (prāṇudanta), das ist das Wesen der Paryāyas als „Umläufe“ [Anm.: Etymologie paryāya – pari + Wurzel ā/i, mit Anklang an prāṇudanta].
Vītahavya Śrāyasa, aus dem Glück gefallen [jyog niruddha: „lange eingesperrt/behindert“ [?]], sah dieses Sāman. Er kam [wieder] zu sich [wörtlich: „gelangte hinunter/heim“ [?]] und fand Halt. Wer damit preist, kommt heim und findet Halt.
tam iva vā ete praviśantiye rātrim upayanti yad eko nidhanaṃ rātrer mukhe bhavati prajñātyai
Wie in diesen [Nidhana-Ton] gehen die ein, die in die Nacht eintreten [?]. Dass zu Beginn der Nacht ein einfaches (eka) Nidhana vorhanden ist, dient der Erkennbarkeit.
te madhyamaṃ paryāyam aśrayanta teṣām aurdhvasadmanena vācam avṛñjata
Sie nahmen ihre Zuflucht zum mittleren Paryāya. Mit dem Ūrdhvasadmana [Sāman] schnitten sie [den Feinden] die Rede ab [wörtlich: „nahmen sie die Rede weg“].
Wie die Mittagspressung des Tages der Sitz des Triṇidhana ist, so ist dieser mittlere Paryāya der Nacht der Sitz des Triṇidhana, zur Gleichheit der Welt (salokatva) [Anm.: der Sinn, „damit die Nacht dieselbe Welt/Stellung wie der Tag hat“, ist unsicher].
Die mittleren Pādas werden wieder aufgenommen, die des mittleren Paryāya; denn mit den mittleren Pādas, sie wieder aufnehmend, vertrieben sie sie aus der mittleren Nacht.
ta uttamaṃ paryāyam aśrayanta teṣāṃ ghṛtaścyun nidhanena paśūn avṛñjata paśavo vai ghṛtaścyutaḥ
Sie nahmen ihre Zuflucht zum letzten Paryāya. Mit dem Ghṛtaścyut, durch dessen Nidhana, nahmen sie [ihnen] das Vieh weg. Vieh ist nämlich „von Schmalz triefend“ (ghṛtaścyut).
Die letzten Pādas werden wieder aufgenommen, die des letzten Paryāya; denn mit den letzten Pādas, sie wieder aufnehmend, vertrieben sie sie aus der letzten Nacht.
Sie flohen ihnen [den Asuras] am Sandhi (der Nahtstelle [zwischen Nacht und Tag]) entgegen [ābhipalāyanta: „liefen auf sie zu/setzten ihnen nach“ [?]].
Mit dem Āśvina [Śastra] brachten sie sie dahin, dass sie nicht mehr zusammenzubringen [asaṃhāyya: „nicht wieder vereinigbar/nicht wieder zu erreichen“ [?]] waren.
Wie die Ukthas des Tages, so ist dieser Sandhi der Nacht; verschiedengestaltig sind die Ukthas des Tages, verschiedengestaltig sind diese [Ukthas des Sandhi]; sie werden mit einer Tṛca (Dreiversgruppe) gemacht [?].
prajāpatir vā etat sahasram asṛjata tad devebhyaḥ prāyacchat tasmin na samarādhayaṃs te sūryaṃ kāṣṭhāṃ kṛtvājim adhāvan
Prajāpati schuf [ein] Tausend. Er gab es den Göttern. Sie waren darin nicht erfolgreich [na samarādhayan: „erreichten es nicht gemeinsam/gewannen es nicht“ [?]]. Sie machten die Sonne zum Ziel und liefen einen Wettlauf.
teṣām aśvinau prathamāv adhāvatāṃ tāv anvavadan saha no 'stv iti tāv abrūtāṃ kiṃ tataḥ syād iti yat kāmayethe ity abruvaṃs tāv abrūtām asmaddevatyam idam uktham ucyātā iti tasmād āśvinam ucyate
Von ihnen liefen die beiden Aśvin zuerst. Sie riefen ihnen nach: „Es soll uns [auch] zugehören!“ Die beiden sagten: „Was soll uns daraus werden?“ „Was ihr wünscht“, sagten sie. Die beiden sagten: „Uns soll dieses Uktha geweiht sein, es soll gesprochen werden.“ Darum wird der Āśvina gesprochen.
kṣipraṃ śasyam ājim iva hy ete dhāvanty ā sūryasyodetoḥ śaṃset sūryaṃ hi kāṣṭhām akurvata
Schnell muss er rezitiert werden; denn diese [Götter] laufen gleichsam einen Wettlauf. Er soll rezitieren, bis die Sonne aufgeht [ā sūryasyodetoḥ]; denn sie machten die Sonne zum Ziel.