Adhyāya 2
Der Vogel-Mythos und die geometrische Vermessung des Agni als Vogelgestalt, die Vedi-Maße und die siebenfache/hundertundeinfache Schichtungslehre, die Upasad-Tage und die Jahr-Jahreszeiten-Arithmetik, und die abschließende Lehre von Speise, Trank, Glanz, Licht und Unsterblichkeit als Sieg über den wiederholten Tod
Prajāpati wollte zur Svarga-Welt gelangen. Alle Tiere sind ja Prajāpati: der Mensch, das Pferd, das Rind, das Schaf, die Ziege. Mit diesen Gestalten vermochte er es nicht. Da sah er dieses lebensaltermessende Selbst: den Agni; den setzte er ein. Ohne die Schwingen zusammenzulegen, ohne die Federn zu ordnen, versuchte er emporzufliegen; er vermochte es nicht. Nachdem er sie zusammengelegt, geordnet hatte, flog er empor. Deshalb können auch jetzt noch die Vögel erst emporfliegen, wenn sie die Schwingen zusammenlegen, wenn sie die Federn ordnen.
Er misst diesen mit Fingerbreiten aus – der Mensch ist ja das Opfer; durch ihn wird all dies gemessen; sein kleinstes Maß sind die Fingerbreiten; was sein kleinstes Maß ist, das erlangt er damit; damit misst er diesen aus.
caturviṃśatyāṅgulibhirmimīte caturviṃśatyakṣarā vai gāyatrī gāyatro'gniryāvānagniryāvatyasya mātrā tāvataivainaṃ tanmimīte
Er misst mit vierundzwanzig Fingerbreiten – vierundzwanzigsilbig ist ja die Gāyatrī, gāyatrisch ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß misst er ihn eben damit aus.
sa caturaṅgulamevobhayato'ntarata upasamūhati caturaṅgulamubhayato bāhyato vyudūhati tadyāvadevopasamūhati tāvadvyudūhati tannāhaivātirecayati no kanīyaḥ karoti tathā pucasya tathottarasya pakṣasya
Er legt auf beiden Seiten je vier Fingerbreiten nach innen zusammen; er breitet auf beiden Seiten je vier Fingerbreiten nach außen aus. Wie viel er zusammenlegt, so viel breitet er aus; damit macht er es weder zu viel noch zu wenig. Ebenso für den Schwanz, ebenso für die andere Schwinge.
atha nirṇāmau pakṣayoḥ karoti nirṇāmau hi vayasaḥ pakṣayorbhavato vitṛtīye vitṛtīye hi vayasaḥ pakṣayornirṇāmau bhavato'ntare vitṛtīye'ntare hi vitṛtīye vayasaḥ pakṣayornirṇāmau bhavataḥ sa caturaṅgulameva purastādudūhati caturaṅgulam paścādupasamūhati tadyāvadevodūhati tāvadupasamūhati tannāhaivātirecayati no kanīyaḥ karoti
Dann macht er die beiden Gelenkknicke der Schwingen – Gelenkknicke haben ja die Schwingen der Vögel bei jedem Drittel; denn bei jedem Drittel haben die Schwingen der Vögel Gelenkknicke, in der Mitte, beim mittleren Drittel; denn beim mittleren Drittel haben die Schwingen der Vögel Gelenkknicke. Er breitet vorn vier Fingerbreiten aus, legt hinten vier Fingerbreiten zusammen. Wie viel er ausbreitet, so viel legt er zusammen; damit macht er es weder zu viel noch zu wenig.
sa tasminnirṇāme ekāmiṣṭakāmupadadhāti tadyeyaṃ vayasaḥ patato nirṇāmādekā nāḍyupaśete tāṃ tatkarotyatho idam
Er legt an diesem Gelenkknick einen Ziegel nieder – das entspricht jener einen Ader, die beim fliegenden Vogel am Gelenkknick liegt; die stellt er damit dar. Und auch dies [Anm.: Anschluss zum Folgenden im Quelltext unsicher].
atha vakrau karoti vakrau hi vayasaḥ pakṣau bhavataḥ sa caturaṅgulameva paścādudūhati caturaṅgulam purastādupasamūhati tadyāvadevodūhati tāvadupasamūhati tannāhaivātirecayati no kanīyaḥ karoti
Dann macht er die beiden Krümmungen – gekrümmt sind ja die Schwingen eines Vogels. Er breitet hinten vier Fingerbreiten aus, legt vorn vier Fingerbreiten zusammen. Wie viel er ausbreitet, so viel legt er zusammen; damit macht er es weder zu viel noch zu wenig.
Dann macht er die höchste, letzte Gestalt – hier ist dieser ganze Agni vollständig ausgestattet; auf ihn legten die Götter diese höchste Gestalt; ebenso legt er auch hier auf diesen diese höchste Gestalt. Er macht tausend mit geraden Linien gezeichnete Ziegel – mit „tausend“ beschriftet, mit „tausend“ beschriftet.
Dann, nachdem er die fünfte Schicht niedergelegt hat, teilt er den Agni in drei Teile. Im mittleren Drittel legt er die mit „tausend“ beschrifteten, gerade gezeichneten Ziegel nieder – das entspricht jenen Federn des Vogels, die gerade, rückwärts gerichtet vom Kopf bis zum Schwanz liegen; die stellt er damit dar.
Dann legt er die mit „tausend“ beschrifteten Ziegel auf der südlichen Seite nieder – das entspricht jenen Federn des Vogels, die auf der rechten Seite gekrümmt sind; die stellt er damit dar.
Dann legt er die mit „tausend“ beschrifteten Ziegel auf der nördlichen Seite nieder – das entspricht jenen Federn des Vogels, die auf der linken, nördlichen Seite gekrümmt sind; die stellt er damit dar. Mit dem Wort „tausend“ – alles ist ja „tausend“; mit dem Ganzen legt er damit diese höchste Gestalt auf diesen. Mit den drei Tausendern – dreifach ist Agni; so groß wie Agni ist, so groß wie dessen Maß ist, so groß legt er eben damit diese höchste Gestalt auf diesen.
yānvai tāntsapta puruṣān ekam puruṣamakurvantsa prajāpatirabhavatsa prajā asṛjata sa prajāḥ sṛṣṭvordhva udakrāmatsa etaṃ lokamagacadyatraiṣa etattapati no ha tarhyanya etasmādatra yajñiya āsa taṃ devā yajñenaiva yaṣṭumadhriyanta
Jene sieben Puruṣas, die sie zu einem Puruṣa machten – der wurde Prajāpati. Er schuf die Geschöpfe. Nachdem er die Geschöpfe geschaffen hatte, stieg er empor; er gelangte zu jener Welt, wo dieser [die Sonne] brennt. Da war damals kein anderes [Wesen] außer ihm hier opferwürdig; jene [Welt] setzten sich die Götter vor, allein durch das Opfer zu erlangen.
tasmādetadṛṣiṇābhyanūktam yajñena yajñamayajanta devā iti yajñena hi taṃ yajñamayajanta devāstāni dharmāṇi prathamānyāsanniti te hi dharmāḥ prathame'kriyanta te ha nākam mahimānaḥ sacanteti svargo vai loko nāko devā mahimānaste devāḥ svargaṃ lokaṃ sacanta ye taṃ yajñamayajannityetat
Deshalb ist dies vom Ṛṣi ausgesprochen worden: „Mit dem Opfer opferten die Götter das Opfer“ – denn mit dem Opfer eben opferten die Götter jenes Opfer. „Jene Ordnungen waren die ersten“ – denn jene Ordnungen wurden zuerst vollzogen. „Sie folgen dem gewölbelosen [Himmel], die Großen“ – Svarga ist ja die gewölbelose Welt, Nāka; jene großen Götter folgen der Svarga-Welt, [nämlich] die, welche jenes Opfer opferten – das ist damit gemeint.
„Wo die früheren Sādhya-Götter sind“ – die Sādhya-Götter sind ja die Atemkräfte; diese erlangten diese [Welt] zuerst eben so, danach strebend, dorthin zu gelangen; sie eben erlangen sie auch jetzt noch ebenso. „Später wurde dies andere opferwürdig, das Werden der unsterblichen Welt“ [Anm.: Verssinn unsicher] – denn später eben wurde dieses andere opferwürdig, was auch immer unsterblich ist.
suparṇo aṅgaṃ saviturgarutmān pūrvo jātaḥ sa u asyānu dharmeti prajāpatirvai suparṇo garutmāneṣa savitaitasya prajāpatiranu dharmanityetat
„Der Suparṇa, der Garutmān, ein Glied Savitṛs, zuerst geboren – er folgt ja dessen Ordnung“ – Prajāpati ist ja der Suparṇa, der Garutmān; dieser ist Savitṛ; Prajāpati folgt dessen, des Savitṛ, Ordnung – das ist damit gemeint.
sa vai saptapuruṣo bhavati saptapuruṣo hyayam puruṣo yaccatvāra ātmā trayaḥ pakṣapucāni catvāro hi tasya puruṣasyātmā trayaḥ pakṣapucāni
Er wird eben der Siebenmann, der Saptapuruṣa; denn dieser Puruṣa ist ein Siebenmann, insofern vier den Leib bilden, drei die Schwingen und den Schwanz; denn vier bilden den Leib jenes Puruṣa, drei die Schwingen und den Schwanz.
Ihn misst er ja mit dem Puruṣa mit erhobenen Armen aus; der Puruṣa ist ja das Opfer, durch ihn wird all dies gemessen; dies ist sein höchstes Maß, dass er die Arme erhoben hat; das ist sein höchstes Maß. Jenes [Maß] seiner erlangt er damit; damit misst er ihn aus. Dort, wo er sich beim Vorderfuß erhebt, erlangt er es durch die umkreisenden Wasser, die Pariśrit; deshalb soll man die äußere Linie eben für die Pariśrit-Wasser graben.
Dann legt er für die beiden Schwingen je einen Aratni-Ziegel nieder; damit legt er die Kraft in die Schwingen. Die beiden Arme sind ja die Schwingen, und mit den Armen wird ja die Speise gegessen; so schafft er ihr eben Raum für die Speise allein. Dass er für die Schwingen einen Aratni-Ziegel niederlegt: denn nach dem Maß eines Aratni [einer Elle] wird ja die Speise gegessen.
Dann legt er für den Schwanz einen Vitasti-Ziegel nieder; damit legt er die Kraft in den festen Stand, die Pratiṣṭhā. Der Schwanz ist ja der feste Stand, die Vitasti-Spanne ist die Hand, und mit der Hand wird ja die Speise gegessen; so schafft er ihr eben Raum für die Speise allein. Dass er für den Schwanz einen Vitasti-Ziegel niederlegt: dadurch verankert er ihn eben allein durch die Speise. Dass er dort etwas Kleineres niederlegt: dadurch verankert er ihn eben durch die Speise. Und so wird dies eben in diesem Maße ausgemessen; dass er so misst, geschieht eben zur Erlangung ebendieses [vollen Maßes].
Diese Vedi, das Opferbeet hier, gehört zum siebenfach [geschichteten Agni]; dies ist das Maß der Vedi. Nachdem er zur Opferstätte gegangen ist, durch die östliche Tür die Gattinnenhalle betreten hat, erhebt er sich zum Gārhapatya-Feuer hin und besprengt es mit Wasser; von der Erhebungsstelle beim Gārhapatya aus schreitet er sieben ostwärtige Schritte, Prakramas; dann misst er einen ostwärtigen Klafter, Vyāma, aus. In dessen Mitte erhebt er sich zum Āhavanīya-Feuer hin und besprengt es mit Wasser; von der östlichen Hälfte des Klafters aus schreitet er drei ostwärtige Schritte; das ist das Ende der Vedi.
te vā ete vyāmaikādaśāḥ prakramā antarā vedyantaṃ ca gārhapatyaṃ caikādaśākṣarā triṣṭubvajrastriṣṭubvīryaṃ triṣṭubvajreṇaivaitadvīryeṇa yajamānaḥ purastādyajñamukhādrakṣāṃsi nāṣṭrā apahanti
Diese elf Klafter-Schritte hier zwischen dem Ende der Vedi und dem Gārhapatya – elfsilbig ist die Triṣṭubh, die Triṣṭubh ist der Vajra, die Triṣṭubh ist Kraft; eben mit diesem Triṣṭubh-Vajra, mit dieser Kraft, schlägt der Opferer von vorn, vom Mund des Opfers her, die bösen Geister fort, sodass sie keinen Schaden anrichten.
saiṣā vederyoniḥ etasyai vai yonerdevā vedim prājanayannatha ya eṣa vyāmaḥ sā gārhapatyasya yoniretasyai vai yonerdevā gārhapatyam prājanayangārhapatyādāhavanīyam
Dies ist der Mutterschoß, die Yoni, der Vedi; aus diesem Mutterschoß eben erzeugten die Götter die Vedi. Und jener Klafter ist der Mutterschoß des Gārhapatya; aus diesem Mutterschoß eben erzeugten die Götter den Gārhapatya, aus dem Gārhapatya den Āhavanīya.
Vom Ende der Vedi aus misst er die ostwärts verlaufende Vedi aus: sechsunddreißig Schritte [lang]; dreißig hinten, quer; vierundzwanzig vorn; das macht neunzig. Dies ist die neunzig-Schritte messende Vedi; auf ihr schichtet er den siebenfachen Agni auf.
Dazu sagen sie: „Wie stimmt dieser siebenfache [Agni] mit dieser Vedi überein?“ – zehn Atemkräfte gibt es in diesem Puruṣa, vier Glieder, und das Selbst – fünfzehn; ebenso beim zweiten, ebenso beim dritten; bei sechs Puruṣas macht das neunzig, und ein Puruṣa geht darüber hinaus. Der Puruṣa ist fünffach, Pāṅkta: Haare, Haut, Fleisch, Knochen, Mark – fünffach. Fünffach ist auch diese Vedi: die vier Himmelsrichtungen und das Selbst, die Mitte, als fünftes. So stimmt dieser siebenfache [Agni] mit dieser Vedi überein.
taddhaike uttarā vidhā vidhāsyanta etāṃśca prakramānetaṃ ca vyāmamanuvardhayanti yonimanuvardhayāma iti na tathā kuryānna vai jātaṃ garbhaṃ yoniranuvardhate yāvadvāva yonāvantargarbho bhavati tāvadeva yonirvardhata etāvatyu vā atra garbhasya vṛddhiḥ
Dazu vergrößern manche, die weitere, höhere Schichtungen vornehmen wollen, auch diese Schritte und diesen Klafter entsprechend, mit den Worten: „Wir vergrößern den Mutterschoß entsprechend.“ So sollte man nicht verfahren; denn der Mutterschoß wächst nicht mit dem geborenen Kind mit; nur solange der Embryo im Mutterschoß ist, wächst der Mutterschoß; genau so groß ist eben hier das Wachstum des Embryos.
te ye ha tathā kurvanti etaṃ ha te pitaram prajāpatiṃ sampadaścyāvayanti ta iṣṭvā pāpīyāṃso bhavanti pitaraṃ hi prajāpatiṃ sampadaścyāvayanti sā yāvatyeṣā saptavidhasya vedistāvatīṃ caturdaśa kṛtva ekaśatavidhasya vediṃ vimimīte
Diejenigen, die so verfahren, die verdrängen eben damit ihren Vater Prajāpati aus seiner Entsprechung; sie werden, nachdem sie geopfert haben, schlechter, denn sie verdrängen den Vater Prajāpati aus seiner Entsprechung. So groß, wie diese Vedi des siebenfachen [Agni] ist, ebenso groß, vierzehnmal genommen, misst er die Vedi des hundertundeinfachen [Agni], des Ekaśatavidha, aus.
Dann misst er eine Schnur von sechsunddreißig Schritten aus; die faltet er siebenfach zusammen; davon legt er drei Teile auf der Ostseite nieder, vier lässt er frei.
Dann misst er [eine Schnur von] dreißig Schritten aus; die faltet er siebenfach zusammen; davon legt er drei Teile hinten, auf der Westseite, nieder, vier lässt er frei.
Dann misst er [eine Schnur von] vierundzwanzig Schritten aus; die faltet er siebenfach zusammen; davon legt er drei Teile vorn nieder, vier lässt er frei – dies nun ist die Vermessung, das Vimāna, der Vedi.
Nun zu den Schichtungen des Agni: achtundzwanzig Puruṣas [misst er] in der Länge, achtundzwanzig in der Breite; das ist der Leib, das Selbst, [zu] vierzehn Puruṣas; der rechte, südliche Flügel vierzehn, der nördliche vierzehn; der Schwanz vierzehn. Er legt vierzehn Aratni-Ziegel am südlichen Flügel nieder, vierzehn am nördlichen; vierzehn Vitasti-Ziegel am Schwanz – dies nun ist das Maß von achtundneunzig Puruṣas samt ihren zugehörigen Zusatzmaßen, den Sādhimānas [Anm.: genaue Zählweise nicht vollständig nachvollziehbar].
Dann misst er eine Schnur von drei Puruṣas Länge aus; die faltet er siebenfach zusammen; davon legt er vier Teile am Leib, dem Selbst, nieder, drei an Flügeln und Schwanz.
Dann misst er ein Aratni-Maß aus; das faltet er siebenfach zusammen; davon legt er drei Teile am südlichen Flügel nieder, ebenso drei am nördlichen, vier lässt er frei.
Dann misst er ein Vitasti-Maß aus; das faltet er siebenfach zusammen; davon legt er drei Teile am Schwanz nieder, vier lässt er frei. So stimmt dieser hundertundeinfache [Agni] mit dieser Vedi überein.
Dazu sagen sie: „Da dreizehn Puruṣas darüber hinausgehen, wie fallen diese nicht aus der Entsprechung heraus?“ – was eben die Entsprechung dieses siebten Puruṣa ist, eben das ist die Entsprechung all dieser [dreizehn].
Und ferner sagen sie: „Prajāpati selbst, nachdem er sich [in Schichten] geformt hatte, füllte, wo immer bei ihm ein Mangel war, diesen eben mit diesen [zusätzlichen Puruṣas] auf; dadurch eben erlangte er auch volle Entsprechung.“
Dazu legen manche zuerst eine einfache Schichtung nieder und dann, eine nach der anderen, ohne Begrenzung der Anzahl weitere – so sollte man nicht verfahren.
saptavidho vā agre prajāpatirasṛjyata sa ātmānaṃ vidadhāna aitsa ekaśatavidhe'tiṣṭhata sa yo'rvācīnaṃ saptavidhādvidhatta etaṃ ha sa pitaram prajāpatiṃ vicinatti sa iṣṭvā pāpīyānbhavati yathā śreyāṃsaṃ hiṃsitvātha sa ekaśatavidhamatividhatte'smātsa sarvasmādbahirdhā niṣpadyate sarvamu hīdam prajāpatistasmādu saptavidhameva prathamaṃ vidadhītāthaikottaramaikaśatavidhādekaśatavidhaṃ tu nātividadhīta nāhaitam pitaram prajāpatiṃ vicinatti no asmātsarvasmādbahirdhā niṣpadyate
Im Anfang wurde Prajāpati siebenfach geschaffen; sich selbst formend, schritt er fort und kam beim hundertundeinfachen [Agni] zum Stillstand. Wer eine Schichtung unterhalb der siebenfachen vornimmt, der zerstückelt damit eben seinen Vater Prajāpati; nachdem er geopfert hat, wird er schlechter, so als hätte er etwas Besseres verletzt. Und wer über die hundertundeinfache hinaus schichtet – aus diesem [Übertritt] fällt er heraus, aus allem heraus; denn all dies eben ist Prajāpati. Deshalb soll man die siebenfache Schichtung als erste vornehmen und dann, eine nach der anderen, bis zur hundertundeinfachen; über die hundertundeinfache hinaus aber soll man nicht schichten; denn so zerstückelt er diesen Vater Prajāpati nicht, und er fällt nicht aus diesem Ganzen heraus.
saṃvatsaro vai prajāpatiḥ agniru sarve kāmāḥ so'yaṃ saṃvatsaraḥ prajāpatirakāmayatāgniṃ sarvānkāmānātmānamabhisaṃcinvīyeti sa ekaśatadhātmānaṃ vyadhatta sa ekaśatadhātmānaṃ vidhāyāgniṃ sarvānkāmānātmānamabhisamacinuta sa sarve kāmā abhavattasmānna kaścana bahirdhā kāmo'bhavattasmādāhuḥ saṃvatsaraḥ sarve kāmā iti na ha saṃvatsarātkaścana bahirdhā kāmo'sti
Das Jahr, Saṃvatsara, ist ja Prajāpati; Agni ist alle Wünsche. Dieses Jahr, Prajāpati, wünschte: „Möge ich Agni, alle Wünsche, als mein Selbst aufschichten.“ Es formte sich hundertfach. Nachdem es sich hundertfach geformt hatte, schichtete es Agni, alle Wünsche, als sein Selbst auf; es wurde alle Wünsche. Deshalb blieb kein Wunsch außerhalb; deshalb sagen sie: „Das Jahr ist alle Wünsche“ – denn es gibt keinen Wunsch außerhalb des Jahres.
Ebenso schichtet auch hier dieser Opferer, nachdem er sich hundertfach geformt hat, Agni, alle Wünsche, als sein Selbst auf; er wird alle Wünsche. Deshalb bleibt kein Wunsch außerhalb.
sa yaḥ sa saṃvatsaro'sau sa ādityaḥ sa eṣa ekaśatavidhastasya raśmayaḥ śataṃ vidhā eṣa evaikaśatatamo ya eṣa tapatyasmintsarvasminpratiṣṭhitastathaivaitadyajamāna ekaśatadhātmānaṃ vidhāyāsmintsarvasminpratitiṣṭhati
Dieses Jahr, das ist jene Sonne; sie ist dieser hundertundeinfache [Agni]; ihre Strahlen sind die hundert Schichten, und sie selbst ist die hundertunderste, die hier brennt, in diesem ganzen [All] festgegründet. Ebenso wird auch hier dieser Opferer, nachdem er sich hundertfach geformt hat, in diesem ganzen [All] festgegründet.
atha vā ekaśatavidhaḥ saptavidhamabhisampadyata ekaśatadhā vā asāvādityo vihitaḥ saptasu devalokeṣu pratiṣṭhitaḥ sapta vai devalokāścatasro diśastraya ime lokā ete vai sapta devalokāsteṣveṣa pratiṣṭhitastathaivaitadyajamāna ekaśatadhātmānaṃ vidhāya saptasu devalokeṣu pratitiṣṭhati
Und ferner: der hundertundeinfache [Agni] entspricht dem siebenfachen: jene Sonne, hundertfach geformt, ist in den sieben Götterwelten festgegründet; denn sieben sind die Götterwelten: die vier Himmelsrichtungen und diese drei Welten hier – das sind die sieben Götterwelten; in ihnen ist sie festgegründet. Ebenso wird auch hier dieser Opferer, nachdem er sich hundertfach geformt hat, in den sieben Götterwelten festgegründet.
Und ferner, dass der hundertundeinfache [Agni] dem siebenfachen entspricht: jene Sonne, hundertfach geformt, ist festgegründet in den sieben Jahreszeiten, den sieben Stomas, den sieben Pṛṣṭha-Gesängen, den sieben Versmaßen, den sieben Atemkräften, den sieben Himmelsrichtungen. Ebenso wird auch hier dieser Opferer, nachdem er sich hundertfach geformt hat, in diesem ganzen [Gefüge] festgegründet.
yadvevaikaśatavidhaḥ saptavidhamabhisampadyata ekaśatadhā vā asāvādityo vihitaḥ saptākṣare brahmanpratiṣṭhitaḥ saptākṣaraṃ vai brahmargityekamakṣaraṃ yajuriti dve sāmeti dve atha yadato'nyadbrahmaiva taddvyakṣaraṃ vai brahma tadetatsarvaṃ saptākṣaram brahma tasminneṣa pratiṣṭhitastathaivaitadyajamāna ekaśatadhātmānaṃ vidhāya saptākṣare brahmanpratitiṣṭhati
Und ferner, dass der hundertundeinfache [Agni] dem siebenfachen entspricht: jene Sonne, hundertfach geformt, ist festgegründet im siebensilbigen heiligen Wort, dem Brahman; denn siebensilbig ist ja das Brahman: „ṛc“ ist eine Silbe, „yajus“ sind zwei, „sāman“ sind zwei; und was darüber hinaus Brahman selbst ist, das ist das zweisilbige „brahma“ – das alles zusammen ist das siebensilbige Brahman; in ihm ist sie festgegründet. Ebenso wird auch hier dieser Opferer, nachdem er sich hundertfach geformt hat, im siebensilbigen Brahman festgegründet.
tasmādu saptabhiḥ-saptabhiḥ pariśrayanti tasmādekaśatavidhaḥ saptavidhamabhisampadyate'tha vai saptavidha ekaśatavidhamabhisampadyate
Deshalb umgeben sie es eben mit je sieben und sieben [Ziegeln]; deshalb entspricht der hundertundeinfache [Agni] dem siebenfachen, und ebenso entspricht auch der siebenfache dem hundertundeinfachen.
saptavidho vā agre prajāpatirasṛjyata sa etamekaśatadhātmānaṃ vihitamapaśyatprāṇabhṛtsu pañcāśadiṣṭakāḥ pañcāśadyajūṃṣi tacataṃ sādanaṃ ca sūdadohāścaika=\atatame tatsamānaṃ sādayitvā hi sūdadohasādhivadati sa etenaikaśatavidhenātmanemāṃ jitimajayadimāṃ vyaṣṭiṃ vyāśnuta tathaivaitadyajamāna etenaikaśatavidhenātmanemāṃ jitiṃ jayatīmāṃ vyaṣṭiṃ vyaśnuta evamu saptavidha ekaśatavidhamabhisampadyate sa ya evaikaśatavidhaḥ sa saptavidho yaḥ saptavidhaḥ sa ekaśatavidha iti nu vidhānam
Im Anfang wurde Prajāpati siebenfach geschaffen; er sah dieses hundertfach geformte Selbst unter den atemtragenden [Wesen]: fünfzig Ziegel, fünfzig Yajus-Formeln – das macht hundert; und der Sitz, die Sādana, sowie die Sūdadoha-Opfergaben [Anm.: Textstelle im Quelltext beschädigt/unsicher] – nachdem er sie gleichmäßig gesetzt hatte, entsprach dies eben den Sūdadoha-Opfergaben. Mit diesem hundertundeinfachen Selbst gewann er diesen Sieg, die Eroberung; er erlangte diesen Anteil. Ebenso gewinnt auch hier dieser Opferer mit diesem hundertundeinfachen Selbst diesen Sieg, die Eroberung; er erlangt diesen Anteil. So entspricht eben der siebenfache dem hundertundeinfachen. Wer eben der hundertundeinfache ist, der ist der siebenfache; wer der siebenfache ist, der ist der hundertundeinfache – dies nun ist die Lehre von den Schichtungen, das Vidhāna.
athātaścayanasyaiva antaropasadau cinotyetadvai devā abibhayuryadvai na imamiha rakṣāṃsi nāṣṭrā na hanyuriti ta etāḥ puro'paśyannupasada imāneva lokānime vai lokāḥ purastāḥ prāpadyanta tāḥ prapadyābhaye'nāṣṭra etamātmānaṃ samaskurvata tathaivaitadyajamāna etāḥ puraḥ prapadyābhaye'nāṣṭra etamātmānaṃ saṃskurute
Nun schichtet er innerhalb der Aufschichtung selbst [Schichten für] die beiden Upasad-Tage. Die Götter fürchteten nämlich dies: „Mögen die bösen Geister diesen hier nicht ungeschützt schädigen.“ Sie sahen diese Vorbereitungsriten, die Upasads, als eben diese Welten an; diese Welten eben betraten sie zuerst; nachdem sie diese betreten hatten, bereiteten sie, furchtlos, unverletzt, dieses Selbst. Ebenso bereitet auch hier dieser Opferer, nachdem er diese Vorbereitungsriten betreten hat, furchtlos, unverletzt, dieses Selbst.
yadvevāntaropasadau cinoti etadvai devā abibhayuryadvai na imamiha rakṣāṃsi nāṣṭrā na hanyuriti ta etānvajrānapaśyannupasado vajrā vā upasadastānprāpadyanta tānprapadyābhaye'nāṣṭra etamātmānaṃ samaskurvata tathaivaitadyajamāna etānvajrānprapadyābhaye'nāṣṭra etamātmānaṃ saṃskurute
Und ferner, dass er innerhalb der Aufschichtung die beiden Upasad-Tage schichtet: Die Götter fürchteten nämlich dies: „Mögen die bösen Geister diesen hier nicht ungeschützt schädigen.“ Sie sahen diese als Blitzkeile, Vajras, an; die Upasads sind ja Vajras. Diese ergriffen sie; nachdem sie diese ergriffen hatten, bereiteten sie, furchtlos, unverletzt, dieses Selbst. Ebenso bereitet auch hier dieser Opferer, nachdem er diese Blitzkeile ergriffen hat, furchtlos, unverletzt, dieses Selbst.
Dies eben ist die Glut, das Tapas, im Opfer: die Upasads; die Upasads sind ja Tapas. Dass dabei im Tapas geschichtet wird, deshalb heißt er „Tāpaścit“, der Glut-Schichter. So lange sie eben mit den Upasads verfahren, so lange verfahren sie mit dem Pravargya; sie verfahren ein ganzes Jahr lang mit den Upasads, ein Jahr lang mit dem Pravargya.
Die Upasads sind ja die Tage und Nächte; der Pravargya ist die Sonne. Damit gründet er jene Sonne in den Tagen und Nächten fest; deshalb ist diese in den Tagen und Nächten festgegründet.
Und wenn es vierundzwanzig [Upasads] sind – vierundzwanzig sind ja die Halbmonate; der Pravargya ist die Sonne. Damit gründet er jene Sonne in den Halbmonaten fest; deshalb ist diese in den Halbmonaten festgegründet.
Und wenn es zwölf [Upasads] sind – zwölf sind ja die Monate; der Pravargya ist die Sonne. Damit gründet er jene Sonne in den Monaten fest; deshalb ist diese in den Monaten festgegründet.
Und wenn es sechs [Upasads] sind – sechs sind ja die Jahreszeiten; der Pravargya ist die Sonne. Damit gründet er jene Sonne in den Jahreszeiten fest; deshalb ist diese in den Jahreszeiten festgegründet.
atha yadi tisraḥ trayo vā ime lokā ime lokā upasada ādityaḥ pravargyo'muṃ tadādityameṣu lokeṣu pratiṣṭhāpayati tasmādeṣa eṣu lokeṣu pratiṣṭhitaḥ
Und wenn es drei [Upasads] sind – drei sind ja diese Welten; der Pravargya ist die Sonne. Damit gründet er jene Sonne in diesen Welten fest; deshalb ist diese in diesen Welten festgegründet.
Nun folgt die Betrachtung, die Mīmāṃsā, eben der Ziegelschichten und der Purīṣa-Erdschichten [im Verhältnis zur Zeit]: die erste Schicht [entspricht] einem Monat, die [erste] Purīṣa-Erde einem Monat; so groß ist der Wunsch in der Frühlingsjahreszeit – was immer an Wunsch in der Frühlingsjahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Die zweite [Schicht entspricht] einem Monat, [die zweite] Purīṣa-Erde einem Monat; so groß ist der Wunsch in der Sommerjahreszeit – was immer an Wunsch in der Sommerjahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Die dritte [Schicht entspricht] einem Monat, [die dritte] Purīṣa-Erde einem Monat; so groß ist der Wunsch in der Regenjahreszeit – was immer an Wunsch in der Regenjahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Die vierte [Schicht entspricht] einem Monat, [die vierte] Purīṣa-Erde einem Monat; so groß ist der Wunsch in der Herbstjahreszeit – was immer an Wunsch in der Herbstjahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Dann legt er für die fünfte Schicht die rivalitätslosen, die Asapatnā-Ziegel, und den Virāj-Ziegel nieder; am ersten Tag legt er [den ersten] nieder; die Stoma-Anteil-Ziegel je einen Tag für Tag; diese setzt er einmal fest, und dieses einmalige Setzen entspricht der Sūdadoha-Opfergabe [Anm.: Textstelle im Quelltext unsicher], schweigend. Einen Monat lang bringen sie die Stoma-Anteil-Ziegel und die Purīṣa-Erde zusammen; so groß ist der Wunsch in der Winterjahreszeit – was immer an Wunsch in der Winterjahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Die sechste [Schicht entspricht] einem Monat, [die sechste] Purīṣa-Erde einem Monat; so groß ist der Wunsch in der Tau-Jahreszeit, der Śaiśira – was immer an Wunsch in der Tau-Jahreszeit ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf. So groß eben ist der Wunsch in den zwölf Monaten, in den sechs Jahreszeiten – was immer an Wunsch in den zwölf Monaten, in den sechs Jahreszeiten ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
Dann fügt man noch drei Tage hinzu: den Tag, an dem er die Śatarudriya-Opferung darbringt, den Tag der Fastenvorbereitung, Upavasatha, und den Tag des Aufbruchs, Prasuta. Und was sie an jenen Tagen mit den Upasads verfahren, das sind die Tage und Nächte jenes [zusätzlichen] Monats; und was er mit dem Pravargya [vollzieht], damit gründet er die Sonne in jener [zusätzlichen] Jahreszeit fest. So groß eben ist der Wunsch in den dreizehn Monaten, in den sieben Jahreszeiten – was immer an Wunsch in den dreizehn Monaten, in den sieben Jahreszeiten ist, das alles schichtet er vollständig als sein Selbst auf.
sa saṃvatsaram prasutaḥ syāt sarvaṃ vai saṃvatsaraḥ sarvamekaśatavidhaḥ sarveṇaiva tatsarvamāpnoti yadi saṃvatsaraṃ na śaknuyādviśvajitā sarvapṛṣṭhenātirātreṇa yajeta tasmintsarvavedasaṃ dadyātsarvaṃ vai viśvajitsarvapṛṣṭho'tirātraḥ sarvaṃ sarvavedasaṃ sarvamekaśatavidhaḥ sarveṇaiva tatsarvamāpnoti
Er sollte einer sein, der ein ganzes Jahr lang zum Soma-Pressen aufgebrochen ist; denn das Jahr ist das All, der hundertundeinfache [Agni] ist das All; durch das All eben erlangt er jenes All vollständig. Wenn er es nicht ein ganzes Jahr lang vermag, so sollte er mit dem allumfassenden Sarvapṛṣṭha-Atirātra, verbunden mit dem Viśvajit, opfern; dabei sollte er seinen gesamten Besitz, das Sarvavedasa, [als Opferlohn] geben. Denn der Viśvajit, der Sarvapṛṣṭha, der Atirātra, ist das All; der gesamte Besitz ist das All; der hundertundeinfache [Agni] ist das All; durch das All eben erlangt er jenes All vollständig.
saṃvatsaro vai prajāpatirekaśatavidhaḥ tasyāhorātrāṇyardhamāsā māsā ṛtavaḥ ṣaṣṭirmāsasyāhorātrāṇi māsi vai saṃvatsarasyāhorātrāṇyāpyante caturviṃśatirardhamāsāstrayodaśa māsāstraya ṛtavastāḥ śataṃ vidhāḥ saṃvatsara evaikaśatatamī vidhā
Das Jahr, Saṃvatsara, ist ja Prajāpati, der Hundertundeinfache; ihm gehören als Schichtungen: die Tage und Nächte, die Halbmonate, die Monate, die Jahreszeiten. Sechzig sind die Tage-und-Nächte eines Monats [Anm.: symbolische, nicht dem realen Kalender entsprechende Zählweise] – nach dem Monat werden ja die Tage-und-Nächte des Jahres bemessen. Vierundzwanzig sind die Halbmonate, dreizehn die Monate, drei die Jahreszeiten; das sind hundert Schichtungen; das Jahr selbst ist die hundertunderste Schichtung.
sa ṛtubhireva saptavidhaḥ ṣaḍṛtavaḥ saṃvatsara eva saptamī vidhā tasyaitasya saṃvatsarasyaitattejo ya eṣa tapati tasya raśmayaḥ śataṃ vidhā maṇḍalamevaikaśatatamī vidhā
Es ist eben durch die Jahreszeiten siebenfach: sechs sind die Jahreszeiten, das Jahr selbst ist die siebte Schichtung. Der Glanz dieses Jahres aber ist eben dies: jene [Sonne], die hier brennt; ihre Strahlen sind hundert Schichtungen, und die Sonnenscheibe selbst ist die hundertunderste Schichtung.
sa digbhireva saptavidhaḥ ye prācyāṃ diśi raśmayaḥ saikā vidhā ye dakṣiṇāyāṃ saikā ye pratīcyāṃ saikā ya udīcyāṃ saikā ya ūrdhvāyāṃ saikā ye'vācyāṃ saikā maṇḍalameva saptamī vidhā
Sie ist eben durch die Himmelsrichtungen siebenfach: die Strahlen, die in der östlichen Richtung sind, sind eine Schichtung; die im Süden sind eine; die im Westen sind eine; die im Norden sind eine; die nach oben sind eine; die nach unten sind eine; die Sonnenscheibe selbst ist die siebte Schichtung.
tasyaitasya purastātkāmapro lokaḥ amṛtaṃ vai kāmapramamṛtamevāsya tatparastāttadyattadamṛtametattadyadetadarcirdīpyate
Vor dieser [Sonnenscheibe] liegt die wunscherfüllende Welt, die Kāmapra; die Kāmapra ist ja Unsterblichkeit; jenes Unsterbliche eben liegt jenseits von ihr. Das, was jenes Unsterbliche ist, das ist eben diese Flamme, die dort leuchtet.
Dies ist jener bunte Reichtum der Vasus, jene Gabe, das Rādhas; dieser Savitṛ verteilt sie an die zugeteilten Geschöpfe, sogar an die Pflanzen, sogar an die Bäume, die Herren des Waldes. Den einen gibt er gleichsam mehr, den anderen gleichsam weniger; denen, denen er mehr gibt, die leben am längsten; denen, denen weniger, die leben weniger lang.
tadetadṛcābhyuktaṃ vibhaktāraṃ havāmahe vasościtrasya rādhasaḥ savitāraṃ nṛcakṣasamiti tadetatsarvamāyurdīrghamanantaṃ hi tadyadidamāhurdīrghaṃ ta āyurastu sarvamāyurihītyeṣa te loka etatte'stviti haivaitat
Dies ist von einer Ṛc-Strophe ausgesagt: „Wir rufen den Verteiler des bunten Reichtums der Vasus, der Gabe, Savitṛ, der auf die Menschen blickt, herbei.“ Dies alles betrifft die Lebenszeit, das Āyus, das lange, das endlose. Denn wenn sie hier sagen: „Langes Leben sei dir, alles Leben hier“ – [das bedeutet:] „Dies ist deine Welt; das sei dein“ – eben das ist damit gemeint.
paśyantī vāgvadati tadetadekaśatavidhena vaivāptavyaṃ śatāyutayā vā ya evaikaśatavidhaṃ vidhatte yo vā śatam- varṣāṇi jīvati sa haivaitadamṛtamāpnoti tasmādye caitadvidurye ca na lokyā śatāyutetyevāhustasmādu ha na purāyuṣaḥ svakāmī preyādalokyaṃ haita u vāva lokā yadahorātrāṇyardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsaraḥ
Die schauende Rede spricht dies aus. Dies [die Unsterblichkeit] ist eben durch den hundertundeinfachen [Agni] zu erlangen, oder durch die Vollendung von hundert [Jahren] [Anm.: Bedeutung von „śatāyuta“ unsicher]. Wer eben den hundertundeinfachen [Agni] schichtet, oder wer hundert Jahre lebt, der erlangt eben diese Unsterblichkeit. Deshalb sagen sowohl die, die dies wissen, als auch die, die es nicht wissen, hinsichtlich der Welterlangung: „Die Vollendung von hundert [Jahren]“. Deshalb soll, wer für sich selbst wünscht, nicht vor Ablauf seiner Lebenszeit sterben; welterlos nämlich sind eben diese Welten hier: die Tage und Nächte, die Halbmonate, die Monate, die Jahreszeiten, das Jahr.
tadye'rvāgviṃśeṣu varṣeṣu prayanti ahorātreṣu te lokeṣu sajyante'tha ye paroviṃśeṣvarvākcatvāriṃśeṣvardhamāseṣu te'tha ye paraścatvāriṃśeṣvarvākṣaṣṭeṣu māseṣu te'tha ye paraḥṣaṣṭeṣvarvāgaśīteṣvṛtuṣu te'tha ye paro'śīteṣvarvākśateṣu saṃvatsare te'tha ya eva śataṃ varṣāṇi yo vā bhūyāṃsi jīvati sa haivaitadamṛtamāpnoti
Diejenigen, die innerhalb von zwanzig Jahren dahinscheiden, die bleiben in der Welt der Tage und Nächte gebunden. Und diejenigen, die jenseits von zwanzig, aber innerhalb von vierzig Jahren [dahinscheiden] – in der Welt der Halbmonate. Und diejenigen, die jenseits von vierzig, aber innerhalb von sechzig – in der Welt der Monate. Und diejenigen, die jenseits von sechzig, aber innerhalb von achtzig – in der Welt der Jahreszeiten. Und diejenigen, die jenseits von achtzig, aber innerhalb von hundert – in der Welt des Jahres. Wer aber volle hundert Jahre lebt, oder gar noch länger, der erlangt eben diese Unsterblichkeit.
bahubhirha vai yajñaiḥ ekamaharekā rātrirmitā sa ya evaikaśatavidhaṃ vidhatte yo vā śataṃ varṣāṇi jīvati sa haivainadaddhātamāmāpnotyeṣa vā ekaśatavidhaṃ vidhatte ya enaṃ saṃvatsaraṃ bibharti tasmādenaṃ saṃvatsarabhṛtameva cinvītetyadhidevatam
Durch viele Opfer eben wird ein einzelner Tag, eine einzelne Nacht bemessen. Wer eben den hundertundeinfachen [Agni] schichtet, oder wer hundert Jahre lebt, der erlangt eben diese Beständigkeit, das Addhātama. Der eben schichtet den hundertundeinfachen [Agni], der ihn ein Jahr lang trägt; deshalb soll man ihn eben als Jahr-Getragenen, Saṃvatsarabhṛt, aufschichten – so viel zu den Gottheiten, dem Adhidevatam.
athādhiyajñam yānamūnekaśatamudbāhūnpuruṣānmimīte sa vidhaikaśatavidhaḥ sa citibhireva saptavidhaḥ ṣaḍṛtavyavatyaścitayo'gnireva saptamī vidhā
Nun zum Opfer, dem Adhiyajña: die hundertundein Maße des Puruṣa mit erhobenen Armen, die er ausmisst – das ist die hundertundeinfache Schichtung. Es ist eben durch die Schichten siebenfach: sechs sind die durch die Jahreszeiten verlaufenden Schichten, Agni selbst ist die siebte Schichtung.
sa u vā iṣṭakaikaśatavidhaḥ yāḥ pañcāśatprathamā iṣṭakā yāścottamāstāḥ śataṃ vidhā atha yā etadantareṇeṣṭakā upadhīyante saivaikaśatatamī vidhā
Und es ist eben durch die Ziegel hundertundeinfach: die fünfzig ersten Ziegel und die letzten [fünfzig] – das sind hundert Schichtungen; und der Ziegel, der zwischen diesen niedergelegt wird, das ist die hundertunderste Schichtung.
sa u eva yajustejāḥ yajurekaśatavidho yāni pañcāśatprathamāni yajūṃṣi yāni cottamāni tāḥ śataṃ vidhā atha yānyetadantareṇa yajūṃṣi kriyante saivaikaśatatamī vidhaivamu saptavidha ekaśatavidho bhavati sa yaḥ śatāyutāyāṃ kāmo ya ekaśatavidhe sapt!vidhena haiva tamevaṃvidāpnoti
Und es ist eben der Yajus-Glanz: die Yajus-Formeln sind hundertundeinfach: die fünfzig ersten Yajus-Formeln und die letzten [fünfzig] – das sind hundert Schichtungen; und die Yajus-Formel, die zwischen diesen ausgeführt wird, das ist die hundertunderste Schichtung. So wird eben der Siebenfache zum Hundertundeinfachen. Was immer der Wunsch bei der Vollendung von hundert [Jahren] ist, was beim Hundertundeinfachen ist – durch den Siebenfachen eben erlangt das ein solcher Wissender.
Ebenso eben sind alle Opfer, angefangen beim Agnihotra, hundertundeinfach: durch die Ṛc-Verse, die Yajus-Formeln, die Wörter, die Silben, die Riten, die Sāman-Gesänge. Was immer der Wunsch bei der Vollendung von hundert [Jahren] ist, was beim Hundertundeinfachen ist, was beim Siebenfachen ist – durch Opfer um Opfer eben erlangt das ein solcher Wissender. So viel zum Opfer, dem Adhiyajña.
Nun zum Selbst, dem Adhyātmam: diese fünf [Finger] sind je vierfach [gegliedert]; die beiden Knöchel, das Schulterblatt und das Auge – das macht fünfundzwanzig; ebenso bei den übrigen Gliedern – das sind hundert Schichtungen; das Selbst selbst ist die hundertunderste Schichtung [Anm.: genaue anatomische Zählweise nicht vollständig nachvollziehbar] – dies ist zur Siebenfachheit ausgesagt.
sa u eva prāṇatejāḥ prāṇaikaśatavidho'nvaṅgamaṅge'ṅge hi prāṇaḥ sa yaḥ śatāyutāyāṃ kāmo ya ekaśatavidhe yaḥ saptavidhe yaḥ sarveṣu yajñeṣu vidyāyā haiva tamevaṃvidāpnoti sarvaurhi yajñairātmānaṃ sampannaṃ vide
Und es ist eben der Atemglanz: der Atem, Prāṇa, ist hundertundeinfach, Glied für Glied verteilt, denn in jedem einzelnen Glied ist Atem. Was immer der Wunsch bei der Vollendung von hundert [Jahren] ist, was beim Hundertundeinfachen ist, was beim Siebenfachen ist, was bei allen Opfern ist – durch Erkenntnis allein eben erlangt das ein solcher Wissender; denn durch alle Opfer zusammen wird das Selbst als vollendet erkannt.
Diese drei hier sind je fünffach: das Jahr, Agni, der Puruṣa; ihre fünf Formen sind: Speise, Trank, Glanz, das Licht, die Unsterblichkeit. Was im Jahr Speise ist, das ist Speise; was die Wasser sind, das ist Trank; die Nacht selbst ist der Glanz, die Śrī – denn in der Nacht eben wohnen alle Wesen im Glanz beisammen; der Tag ist das Licht; die Sonne ist die Unsterblichkeit – so viel zu den Gottheiten, dem Adhidevatam.
Nun zum Opfer: was da als Speise auf Agni gelegt wird, das ist Speise; was die Wasser sind, das ist Trank; das Umkreiste, die Pariśrit, ist eben der Glanz, denn das ist die Gestalt der Nächte; die Yajuṣmatī-Ziegel sind das Licht, denn das ist die Gestalt der Tage; Agni ist die Unsterblichkeit, denn das ist die Gestalt der Sonne – so viel zum Opfer, dem Adhiyajña.
Nun zum Selbst: was im Puruṣa Speise ist, das ist Speise; was die Körperflüssigkeiten sind, das ist Trank; die Knochen eben sind der Glanz, denn das ist die Gestalt der Pariśrit; das Mark ist das Licht, denn das ist die Gestalt der Yajuṣmatī-Ziegel; der Atem ist die Unsterblichkeit, denn das ist die Gestalt des Agni. „Der Atem ist Agni, der Atem ist Unsterblichkeit“ – so sagen manche.
annādvā aśanāyā nivartate pānātpipāsā śriyai pāpmā jyotiṣastamo'mṛtānmṛtyurni ha vā asmādetāni sarvāṇi vartante'pa punarmṛtyuṃ jayati sarvamāyureti ya evaṃ veda tadetadamṛtamityevāmutropāsītāyuritīha prāṇa iti haika upāsate prāṇo'gniḥ prāṇo'mṛtamiti vadanto na tathā vidyādadhruvaṃ vai tadyatprāṇastaṃ te viṣyāmyāyuṣo na madhyāditi hyapi yajuṣābhyuktaṃ tasmādenadamṛtamityevāmutropāsītāyuritīha tatho ha sarvamāyureti
Durch Speise wird ja der Hunger abgewehrt, durch Trank der Durst, durch den Glanz das Übel, durch das Licht die Finsternis, durch die Unsterblichkeit der Tod. All diese wenden sich fürwahr von ihm ab; er bezwingt den wiederholten Tod, den Punarmṛtyu; er erlangt die volle Lebenszeit, wer so weiß. Dies eben soll man dort, in jener Welt, als „das Unsterbliche“ verehren, hier aber als „Leben“. Manche verehren es als bloßen „Atem“, indem sie sagen: „Der Atem ist Agni, der Atem ist Unsterblichkeit“ – so sollte man es nicht wissen, denn unbeständig ist ja der Atem; [wie es heißt:] „Davon löse ich dich, aus der Mitte deiner Lebenszeit“ – so ist es ja auch mit einer Yajus-Formel ausgesagt. Deshalb soll man dies eben dort als „das Unsterbliche“ verehren, hier aber als „Leben“ – so erlangt man eben die volle Lebenszeit.