asadvā idamagra āsīt | tadāhuḥ kiṃ tadasadāsīdityṛṣayo vāva te gre sadāsīttadāhuḥ ke ta ṛṣaya iti prāṇā vā ṛṣayaste yatpurāsmātsarvasmādidamicantaḥ śrameṇa tapasāriṣaṃstasmādṛṣayaḥ dhyata indriyeṇainddha yadainddha tasmādindha indho ha vai tam
„Nichtseiendes war dies am Anfang.“ Dazu sagt man: „Was war das, dies Nichtseiende?“ – „Die Ṛṣis, fürwahr, waren jene am Anfang das Seiende.“ Dazu sagt man: „Wer waren diese Ṛṣis?“ – „Die Lebenshauche (prāṇāḥ) waren fürwahr die Ṛṣis, denn als sie früher, dies ganze All begehrend, sich durch Mühe (śrama) und Askese (tapas) abquälten (ariṣan), deshalb (heißen sie) Ṛṣis [Anm.: Volksetymologie ṛṣi ← √ṛṣ 'sich abmühen'].“ Sie entzündeten sich (aindhata) durch die Sinneskraft (indriya) [Anm.: Segmentierung des Textes „dhyata indriyeṇa“ unsicher, evtl. Textverderbnis]; weil sie sich entzündeten (aindha), deshalb (heißt es) „der Entzündete“ (indhaḥ); „Indha“ nämlich ist er.
sa yo yam madhye prāṇaḥ | eṣa evendrastāneṣa prāṇānmaindra ityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devāsta iddhāḥ sapta nānā puruṣānasṛjanta
Der Lebenshauch, der in der Mitte ist [Anm.: „yo yam“ vermutlich für „yo 'yam“], dieser eben ist Indra; diese Lebenshauche nennt man daher verhüllt „Maindra“ [Anm.: wohl aus madhya + indra], denn die Götter lieben das Verhüllte (parokṣam). Diese Entzündeten erschufen sieben verschiedene Männer (puruṣāḥ).
te 'bruvan | na vā itthaṃ santaḥ śakṣyāmaḥ prajanayitumimāntsapta puruṣānekam puruṣaṃ karavāmeti ta etāntsapta puruṣānekam puruṣamakurvanyadūrdhvaṃ nābhestau dvau samaubjanyadavāṅnābhestau dvau pakṣaḥ puruṣaḥ pakṣaḥ puruṣaḥ pratiṣṭhaika āsīt
Sie sprachen: „Solange wir so – getrennt – sind, werden wir nicht imstande sein, uns fortzupflanzen; lasst uns aus diesen sieben Männern einen einzigen Mann machen!“ Sie machten aus diesen sieben Männern einen einzigen Mann: was oberhalb des Nabels war, diese zwei vereinigten sie; was unterhalb des Nabels war, diese zwei (vereinigten sie ebenso) [Anm.: Verb im zweiten Satzteil elliptisch]. Ein Mann war ein Flügel, ein Mann war ein Flügel, einer allein war die Standfeste (pratiṣṭhā) [Anm.: Die Verrechnung mit den genannten sieben Männern bleibt im Text unklar].
Nun, was der Glanz (śrī) dieser sieben Männer war: den Saft (rasa), der da war, zogen sie nach oben; das wurde sein Haupt (śiras). Weil sie den Glanz (śriyam) nach oben zogen (samudauhan), deshalb heißt es Haupt (śiras) [Anm.: Volksetymologie śiras ← śrī]. In diesem Haupt nahmen die Lebenshauche ihren Sitz; deshalb eben ist dies das Haupt. Und weil die Lebenshauche dort ihren Sitz nahmen, deshalb sind die Lebenshauche der Glanz (śriyaḥ) [Anm.: weitere Volksetymologie]. Und weil sie sich im ganzen Leib niederließen, deshalb heißt es der Leib (śarīra) [Anm.: Etymologie unsicher].
sa eva puruṣaḥ prajāpatirabhavat | sa yaḥ sa puruṣaḥ prajāpatirabhavadayameva sa yo 'yamagniścīyate
Eben dieser (zusammengesetzte) Mann wurde Prajāpati. Dieser Mann, der Prajāpati wurde, ist eben derselbe, welcher hier als dieser Feueraltar (Agni) aufgeschichtet wird.
sa vai saptapuruṣo bhavati | saptapuruṣo hyayam puruṣo yacctvāra ātmā trayaḥ pakṣapucāni catvāro hi tasya puruṣasyātmā trayaḥ pakṣapucānyatha yadekena puruṣeṇātmānaṃ vardhayati tena vīryeṇāyamātmā pakṣapucānyudyacati
Er (der Feueraltar) besteht fürwahr aus sieben Männern [Anm.: saptapuruṣaḥ, wörtl. – Siebenmann-seiend –]; denn dieser Mann besteht aus sieben (Teilen): vier bilden den Rumpf (ātman) und drei die Flügel-und-Schwanz-Teile [Anm.: pakṣapucāni, Flügel (pakṣa) und Schwanz (puccha)]; denn vier sind der Rumpf dieses Mannes und drei die Flügel-und-Schwanz-Teile. Und weil er durch einen (weiteren) Mann den Rumpf verstärkt, hebt sich durch diese Kraft (vīrya) dieser Rumpf über Flügel und Schwanz empor.
Nun, was in den aufgeschichteten Feueraltar hineingelegt wird [Anm.: Bezug unklar, vermutlich die goldene Puruṣa-Figur]: eben das, was der Glanz und Saft dieser sieben Männer war, das ziehen sie wiederum nach oben; das ist sein Haupt. In diesem sind alle Götter angesiedelt, denn hier opfert man allen Göttern; deshalb eben ist dies das Haupt.
so 'yam puruṣaḥ prajāpatirakāmayata bhūyāntsyām prajāyeyeti so 'śrāmyatsa tapo 'tapyata sa śrāntastepāno brahmaiva prathamamasṛjata trayomeva vidyāṃ saivāsmai pratiṣṭhābhavattasmādāhurbrahmāsya sarvasya pratiṣṭheti tasmādanūcya pratitiṣṭhati pratiṣṭhā hyeṣā yadbrahma tasyām pratiṣṭhāyām pratiṣṭhito 'tapyata
Dieser Mann, Prajāpati, wünschte: „Möge ich mehr werden, möge ich mich fortpflanzen!“ Er mühte sich ab, er übte Askese (tapas). Als er sich abgemüht und Askese geübt hatte, erschuf er zuerst eben das Brahman (das heilige Wort), nämlich das Dreifach-Wissen (die drei Veden); das eben wurde ihm zur Standfeste. Deshalb sagt man: „Das Brahman ist die Standfeste von diesem Allem.“ Deshalb steht einer fest, nachdem er (die Veden) rezitiert hat, denn diese Standfeste ist eben das Brahman. Auf dieser Standfeste stehend übte er weiter Askese.
so 'po 'sṛjata | vāca eva lokādvāgevāsya sāsṛjyata sedaṃ sarvamāpnodyadidaṃ kiṃ ca yadāpnottasmādāpo yadavṛṇottasmādvāḥ
Er erschuf die Wasser (āpaḥ). Aus der Welt der Rede (vāc) heraus wurde ihm eben die Rede erschaffen; sie erfüllte (āpnot) dies Alles, was es auch gab. Weil sie es erfüllte (āpnot), deshalb heißen sie Wasser (āpaḥ) [Anm.: Etymologie āpaḥ ← √āp]; weil sie es bedeckte (avṛṇot), deshalb heißen sie – vāḥ – [Anm.: Etymologie vāḥ ← √vṛ, ein Synonym für Wasser].
Er wünschte: „Ausgehend von diesen Wassern möge ich mich fortpflanzen!“ Er ging mit diesem Dreifach-Wissen in die Wasser ein. Daraus entstand ein Ei (āṇḍa). Er berührte es und sprach: „Es sei! Es möge mehr werden!“ – so sprach er dazu. Daraus wurde zuerst eben das Brahman erschaffen, nämlich das Dreifach-Wissen. Deshalb sagt man: „Das Brahman ist das Erstgeborene von diesem Allem“, denn auch aus jenem Mann (puruṣa) wurde ja zuvor eben das Brahman erschaffen. Das wurde ihm zum Mund (mukha) erschaffen. Deshalb nennt man einen, der die Veden rezitiert hat, – feuerähnlich – (agnikalpa), denn der Mund des Feuers (Agni) ist eben dies Brahman.
atha yo garbho 'ntarāsīt | so 'grirasṛjyata sa yadasya sarvasyāgramasṛjyata tasmādagriragrirha vai tamagnirityācacate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devā atha yadaśru saṃkṣaritamāsītso 'śrurabhavadaśrurha vai tamaśva ityācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devā atha yadarasadiva sa rāsabho 'bhavadatha yaḥ kapāle raso lipta āsītso 'jo 'bhavadatha yatkapālamāsītsā pṛthivyabhavat
Nun, was als Keim (garbha) darin (im Ei) war, das wurde als – Agri – erschaffen [Anm.: lautliche Vorform zu – Agni – im Sinne einer Volksetymologie]; weil es als das Erste (agra) von diesem Allem erschaffen wurde, deshalb heißt es Agri; – Agri – nennt man ihn fürwahr verhüllt – Agni – [Anm.: Etymologie agni ← agra], denn die Götter lieben das Verhüllte. Und was als vergossene Träne (aśru) da war, das wurde – Aśru –; – Aśru – nennt man ihn fürwahr verhüllt – Aśva – (Pferd) [Anm.: Etymologie aśva ← aśru], denn die Götter lieben das Verhüllte. Und was gleichsam schmeckte (arasat iva) [Anm.: Bezug unklar], das wurde der Esel (rāsabha) [Anm.: Etymologie rāsabha ← ras]. Und was als Saft auf der Eierschale (kapāla) haftete, das wurde die Ziege (aja). Und was die Eierschale selbst war, das wurde die Erde (pṛthivī).
Er wünschte: „Von dieser Erde her, mich auf sie stützend [Anm.: Quelle liest hier fehlerhaft „saṃkL!śya“, offenbar ein Druck-/Lesefehler; vermutlich saṃśliṣya – sie zusammenfügend – oder saṃkliśya – sie zusammendrückend –], möge ich dies (Weltall) erzeugen!“ – er warf sie in die Wasser. Von ihr floss der nach unten gerichtete Saft ab; der wurde die Schildkröte (kūrma). Und was nach oben aufwallte, das wurde dies hier (die Erde), nämlich das, was hier oben aus den Wassern entsteht. Diese ganze (Erde) durchdrang das Wasser; da erschien dies Alles als eine einzige Gestalt: eben Wasser.
so 'kāmayata | bhūya eva syātprajāyeteti so 'śrāmyatsa tapo 'tapyata sa śrāntastepānaḥ phenamasṛjata so 'vedanyadvā etadrūpam bhūyo vai bhavati śrāmyāṇyeveti sa śrāntastepāno mṛdaṃ śuṣkāpamūṣasikataṃ śarkarāmaśmānamayo hiraṇyamoṣadhivanaspatyasṛjata tenemām pṛthivīm prācādayat
Er wünschte: „Möge dies mehr werden, möge es sich fortpflanzen!“ Er mühte sich ab, er übte Askese. Als er sich abgemüht und Askese geübt hatte, erschuf er den Schaum (phena). Er erkannte: „Fürwahr, diese Gestalt hier wird nur mehr, wenn ich mich weiter abmühe.“ Er mühte sich weiter ab und übte Askese, und so erschuf er Erde (mṛd), trockenes Land (śuṣka), Salzboden [Anm.: apāmuṣa, Bedeutung unsicher], Sand (sikatā), Kies (śarkarā), Stein (aśman), Erz (ayas), Gold (hiraṇya), Kräuter (oṣadhi) und Bäume (vanaspati). Damit bedeckte er diese Erde ringsum.
tā vā etā nava sṛṣṭayaḥ | iyamasṛjyata tasmādāhustrivṛdagniritīyaṃ hyagnirasyai hi sarvo 'gniścīyate
Dies sind fürwahr die neun Schöpfungen [Anm.: Die Zählung ist im Text unklar – die aufgezählten Elemente ergäben eher elf; möglicherweise sind einzelne Glieder zu einer Kategorie zusammengefasst], durch die diese Erde erschaffen wurde. Deshalb sagt man: „Dreifach (trivṛt) ist der Feueraltar“, denn diese Erde ist ja der Feueraltar; für sie wird ja der ganze Feueraltar aufgeschichtet.
„Dies ist fürwahr zur Standfeste geworden (abhūt)“ – (deshalb heißt sie) bhūmi (Erde) [Anm.: Etymologie bhūmi ← bhū]. Er breitete sie aus; sie wurde die Pṛthivī (die Ausgebreitete) [Anm.: Etymologie pṛthivī ← prath, ausbreiten]. Diese Erde, die sich als das ganze Vollständige (kṛtsna) dünkte, sang; weil sie sang, deshalb heißt dieses Versmaß Gāyatrī [Anm.: Etymologie gāyatrī ← gai, singen]. Und man sagt auch: „Der Feueraltar, sich auf ihrem Rücken als das ganze Vollständige dünkend, sang; weil er sang, deshalb heißt der Feueraltar gāyatra.“ Deshalb eben ist dies so: wer sich als das ganze Vollständige dünkt, der singt, oder er erfreut sich am Gesang.
so 'kāmayata prajāpatiḥ | bhūya eva syātprajāyeteti so 'gninā pṛthivīm mithunaṃ samabhavattata āṇḍaṃ samavartata tadabhyamṛśatpuṣyatviti puṣyatu bhūyo 'stvityeva tadabravīt
Prajāpati wünschte: „Möge dies mehr werden, möge es sich fortpflanzen!“ Er vereinigte sich mit Agni und der Erde als Paar (mithuna). Daraus entstand ein Ei. Er berührte es und sprach: „Möge es gedeihen!“ „Es möge gedeihen, es möge mehr werden!“ – so sprach er dazu.
sa yo garbho 'ntarāsīt | sa vāyurasṛjyatātha yadaśru saṃkṣaritamāsīttāni vayāṃsyabhavannatha yaḥ kapāle raso lipta āsīttā marīcayo 'bhavannatha yatkapālamāsīttadantarikṣamabhavat
Der Keim, der darin war, der wurde als Vāyu (Wind) erschaffen. Und was als vergossene Träne da war, das wurden die Vögel (vayāṃsi) [Anm.: Wortspiel vayas/vāyu]. Und was als Saft auf der Eierschale haftete, das wurden die Lichtstrahlen (marīcayaḥ). Und was die Eierschale war, das wurde der Luftraum (antarikṣa).
so 'kāmayata | bhūya eva syātprajāyeteti sa vāyunāntarikṣam mithunaṃ samabhavattata āṇḍaṃ samavartata tadabhyamṛśadyaśo bibhṛhīti tato 'sāvādityo 'sṛjyataiṣa vai yaśo 'tha yadaśru saṃkṣaritamāsītso 'śmā pṛśnirabhavadaśrurha vai tamaśmetyācakṣate paro 'kṣam paro 'kṣakāmā hi devā atha yaḥ kapāle raso lipta āsītte raśmayo 'bhavannatha yatkapālamāsītsā dyaurabhavat
Er wünschte: „Möge dies mehr werden, möge es sich fortpflanzen!“ Er vereinigte sich mit Vāyu und dem Luftraum als Paar. Daraus entstand ein Ei. Er berührte es und sprach: „Trage Glanz (yaśas)!“ Daraus wurde jene Sonne (āditya) erschaffen; sie ist eben der Glanz. Und was als vergossene Träne da war, das wurde der gesprenkelte Hagelstein; – Träne (aśru) – nennt man ihn fürwahr verhüllt – Stein (aśman) – [Anm.: Etymologie aśman ← aśru], denn die Götter lieben das Verhüllte. Und was als Saft auf der Eierschale haftete, das wurden die Strahlen (raśmayaḥ). Und was die Eierschale war, das wurde der Himmel (dyaus).
so 'kāmayata | bhūya eva syātprajāyeteti sa ādityena divam mithunaṃ samabhavattata āṇḍaṃ samavartata tadabhyamṛśadreto bibhṛhīti tataścandramā asṛjyataiṣa vai reto 'tha yadaśru saṃkṣaritamāsīttāni nakṣatrāṇyabhavannatha yaḥ kapāle raso lipta āsīttā avāntaradiśo 'bhavannatha yatkapālamāsīttā diśo 'bhavan
Er wünschte: „Möge dies mehr werden, möge es sich fortpflanzen!“ Er vereinigte sich mit Āditya und dem Himmel als Paar. Daraus entstand ein Ei. Er berührte es und sprach: „Trage Samen (retas)!“ Daraus wurde der Mond (candramas) erschaffen; er ist eben der Same. Und was als vergossene Träne da war, das wurden die Sternbilder (nakṣatrāṇi). Und was als Saft auf der Eierschale haftete, das wurden die Zwischenrichtungen. Und was die Eierschale war, das wurden die Himmelsrichtungen.
sa manasā vācam mithunaṃ samabhavat | so 'ṣṭau drapsāngarbhyabhavatte 'ṣṭau vasavo 'sṛjyanta tānasyāmupādadhāt
Er vereinigte sich mit der Rede (vāc) durch den Geist (manas) als Paar. Er wurde schwanger mit acht Tropfen (drapsāḥ); diese wurden als die acht Vasus erschaffen. Er legte sie in diese Erde hinein.
Wiederum vereinigte er sich durch den Geist allein mit der Rede als Paar. Er wurde schwanger mit elf Tropfen; diese wurden als die elf Rudras erschaffen. Er legte sie in den Luftraum.
Wiederum vereinigte er sich durch den Geist allein mit der Rede als Paar. Er wurde schwanger mit zwölf Tropfen; diese wurden als die zwölf Ādityas erschaffen. Er legte sie in den Himmel.
sa manasaiva | vācam mithunaṃ samabhavatsa garbhyabhavatsa viśvāndevānasṛjata tāndikṣūpādadhāt
Wiederum vereinigte er sich durch den Geist allein mit der Rede als Paar. Er wurde schwanger und erschuf die All-Götter (viśve devāḥ). Er legte sie in die Himmelsrichtungen.
Und man sagt auch: „Als Agni erschaffen war, wurden nach ihm die Vasus erschaffen; die legte er in diese Erde. Als Vāyu erschaffen war, wurden die Rudras erschaffen; die legte er in den Luftraum. Als Āditya erschaffen war, wurden die Ādityas erschaffen; die legte er in den Himmel. Als der Mond erschaffen war, wurden die All-Götter erschaffen; die legte er in die Himmelsrichtungen.“
atho āhuḥ | prajāpatirevemāṃlokāntsṛṣṭvā pṛthivyām pratyatiṣṭhattasmā imā oṣadhayo 'nnamapacyanta tadāśnātsa garbhyabhavatsa ūrdhvebhya eva prāṇebhyo devānasṛjata ye vāñcaḥ prāṇāstebhyo martyāḥ prajā ityato yatamathāsṛjata tathāsṛjata prajāpatistvevedaṃ sarvamasṛjata yadidaṃ kiṃ ca
Und man sagt auch: „Prajāpati, nachdem er eben diese Welten erschaffen hatte, stellte sich fest auf die Erde. Für ihn kochten diese Kräuter Speise; die aß er. Er wurde schwanger. Aus den nach oben gerichteten Lebenshauchen erschuf er die Götter; aus den nach unten gerichteten Lebenshauchen die sterblichen Geschöpfe.“ – (so heißt es); welche Reihenfolge man auch erschuf, so erschuf man sie; Prajāpati aber erschuf all dies, was es auch gibt.
Nachdem er die Geschöpfe erschaffen und alles bis ans Ende durchmessen hatte [Anm.: „sarvam ājim itvā“, wörtl. etwa „den Wettlauf ganz durchlaufen habend“, Sinn unsicher], zerfiel er. Deshalb eben zerfällt auch heute, wer alles bis ans Ende durchmisst. Da der Lebenshauch aus dem so Zerfallenen aus der Mitte entwich, verließen ihn, als er entwich, die Götter.
so 'gnimabravīt | tvam mā saṃdhehīti ki me tato bhaviṣyatīti tvayā mācakṣāntai yo vai putrāṇāṃ rādhyate tena pitaram pitāmaham putram pautramācakṣate tvayā mācakṣāntā atha mā saṃdhehīti tatheti tamagniḥ samadadhāttasmādetam prajāpatiṃ santamagnirityācakṣata ā ha vā enena pitaram pitāmaham putram pautraṃ cakṣate ya evaṃ veda
Er sprach zu Agni: „Füge mich zusammen!“ – „Was wird mir daraus?“ – „Durch dich soll man mich benennen: denn durch den, der bei den Söhnen Erfolg hat, benennt man Vater, Großvater, Sohn und Enkel; durch dich soll man mich benennen. So füge mich zusammen!“ – „So sei es“, sprach Agni, und fügte ihn zusammen. Deshalb nennt man diesen so zusammengefügten Prajāpati – Agni –. Ja, durch ihn benennt man wahrlich Vater, Großvater, Sohn und Enkel, wer solches weiß.
tamabravīt | kasmistvopadhāsyāmīti hita evetyabravītprāṇo vai hitam prāṇo hi sarvebhyo bhūtebhyo hitastadyadenaṃ hita upādadhāttasmādāhopadhāsyāmyupadadhāmiti
Er (Agni) sprach zu ihm: „Worauf soll ich dich legen?“ – „Auf das Zuträgliche (hita)!“ – sprach er. Der Lebenshauch nämlich ist das Zuträgliche, denn der Lebenshauch ist allen Wesen zuträglich. Weil er ihn auf das Zuträgliche legte, deshalb sagt man: – ich werde auflegen –, – ich lege auf – [Anm.: Etymologie upadhā ← upa-dhā, verknüpft mit hita].
Dazu sagt man: „Was ist das Zuträgliche (hita), was das darauf Gelegte (upahita)?“ – Der Lebenshauch eben ist das Zuträgliche, die Rede das darauf Gelegte, denn diese Rede ist ja gleichsam auf den Lebenshauch gelegt. Der Lebenshauch eben ist das Zuträgliche, die Glieder des Körpers das darauf Gelegte, denn diese Glieder sind ja gleichsam auf den Lebenshauch gelegt.
so >syaiṣa citya āsīt | cetavyo hyasyāsīttasmāccityaścitya u evāyaṃ yajamānasya bhavati cetavyo hyasya bhavati tasmādveva cityaḥ
Dieser (Agni) war sein, des Prajāpati, – Aufzuschichtender – (citya): denn er musste aufgeschichtet werden (cetavya); deshalb heißt er – citya –. Und ein citya ist er auch für den Opferer, denn auch für diesen muss er aufgeschichtet werden; deshalb eben heißt er citya.
tadetā vā asya tāḥ | pañca tanvo vyasraṃsanta loma tvaṅnāṃsamasthi majjā tā evaitāḥ pañca citayastadyatpañca citīścinotyetābhirevainaṃ tattanūbhiścinoti yaccinoti tasmāccitayaḥ
Dies nun sind fürwahr seine fünf Körperteile, die zerfielen: Haar (loman), Haut (tvac), Fleisch (māṃsa), Knochen (asthi), Mark (majjan). Eben diese sind die fünf Schichten (citayaḥ). Dass man fünf Schichten aufschichtet: eben mit diesen fünf Körperteilen schichtet man ihn dabei auf. Weil man ihn so aufschichtet (cinoti), deshalb heißen sie – citayaḥ –.
sa yaḥ sa prajāpatirvyasraṃsata | saṃvatsaraḥ so 'tha yā asyaitāḥ pañca tanvo vyaśraṃsanta 'rtavaste pañca vā ṛtavaḥ pañcaitāścitayastadyatpañca citīścinotyṛtubhirevainaṃ taccinoti yaccinoti tasmāccitayaḥ
Dieser Prajāpati, der zerfiel, ist das Jahr (saṃvatsara). Und diese seine fünf Körperteile, die zerfielen, sind die Jahreszeiten (ṛtavaḥ), denn es gibt fünf Jahreszeiten; diese sind die fünf Schichten. Dass man fünf Schichten aufschichtet: eben mit den Jahreszeiten schichtet man ihn dabei auf. Weil man ihn so aufschichtet, deshalb heißen sie Schichten.
sa yaḥ sa saṃvatsaraḥ prajāpatirvyasraṃsata | ayameva sa vāyuryo 'yam pavate 'tha yā asya tā ṛtavaḥ pañca tanvo vyasraṃsanta diśastṝḥ pañca vai diśaḥ pañcaitāścitayastadyatpañca citīścinoti digbhirevainaṃ taccinoti yaccinoti tasmāccitayaḥ
Dieser Prajāpati, der als das Jahr zerfiel, ist eben dieser Wind (vāyu), der hier weht. Und diese seine Jahreszeiten, die als fünf Körperteile zerfielen, sind die Himmelsrichtungen [Anm.: Lesung „diśas tṝḥ“ unklar, Bezug auf eine bestimmte Anzahl von Richtungen unsicher], denn es gibt fünf Himmelsrichtungen; diese sind die fünf Schichten. Dass man fünf Schichten aufschichtet: eben mit den Himmelsrichtungen schichtet man ihn dabei auf. Weil man ihn so aufschichtet, deshalb heißen sie Schichten.
atha yaścite 'gnirnidhīyate | asau sa ādityaḥ sa eṣa evaiṣo 'gniścita etāvannu tadyadenamagniḥ samadadhāt
Nun, was in den aufgeschichteten Feueraltar hineingelegt wird: jenes ist die Sonne dort; eben diese ist dieser aufgeschichtete Feueraltar. So viel nun ist es, dass Agni ihn zusammenfügte.
Und man sagt auch: „Prajāpati selbst, zerfallen, sprach zu den Göttern: Fügt mich zusammen! Da sprachen die Götter zu Agni: Lass uns durch dich diesen Vater, Prajāpati, heilen! – Ich aber will in dies ganze Weltall eingehen, – sprach Agni. – So sei es, – sprachen die Götter.“ Deshalb nennt man diesen so zusammengefügten Prajāpati – Agni –.
Diesen heilten die Götter durch Opferspenden (āhuti) im Feuer. Jede Opferspende, die sie ihm darbrachten, wurde ihm, zum gebrannten Ziegel geworden, angefügt. Weil sie aus dem Geopferten (iṣṭa) entstanden, deshalb heißen sie – iṣṭakāḥ – (Ziegel) [Anm.: Etymologie iṣṭakā ← iṣṭa]; deshalb brennt man mit Feuer Ziegel: man macht sie eben zu Opferspenden.
so 'bravīt | yāvadyāvadvai juhutha tāvattāvanma kam bhavatīti tadyadasmā iṣṭe kamabhavattasmādveveṣṭakāḥ
Er sprach: „Je mehr ihr mir opfert, desto mehr wird es mir zum Wohlsein (kam).“ Weil ihm bei diesem Opfer (iṣṭe) Wohlsein wurde, deshalb eben heißen sie – iṣṭakāḥ – [Anm.: weitere Volksetymologie, iṣṭakā ← iṣṭa + kam].
taddha smāhāktākṣyaḥ | ya eva yajuṣmatīrbhūvasīriṣṭakā vidyātso 'gniṃ cinuyādbhūya eva tatpitaram prajāpatim bhiṣajyatīti
Dazu pflegte Āktākṣya [Anm.: Eigenname eines Lehrers] zu sagen: „Wer die mit Yajus-Sprüchen versehenen, reichlich vorhandenen [Anm.: bhūvasīḥ, Bedeutung unsicher] Ziegel kennt, der möge den Feueraltar aufschichten; um so mehr heilt er damit jenen Vater, Prajāpati.“
atha ha smāha tāṇḍyaḥ | kṣatraṃ vai yajuṣmatya iṣṭakā viśo lokampṛṇā attā vai kṣatriyo 'nnaṃ viḍyatra vā atturanna bhūyo bhavati tadrāṣṭraṃ samṛddham bhavati tadedhate tasmāllokampṛṇā eva bhūyasīrupadadhyādityetadaha tayorvaco 'nyā tvevāta sthitiḥ
Und dazu pflegte Tāṇḍya [Anm.: Eigenname eines Lehrers] zu sagen: „Die mit Yajus-Sprüchen versehenen Ziegel sind der Adel (kṣatra), die 'Welt-füllenden' (lokampṛṇāḥ) das Volk (viś); denn der Adlige ist der Esser, das Volk die Speise; wo mehr gegessen wird, da gibt es mehr Speise; da gedeiht das Reich, da wächst es. Deshalb sollte man mehr 'welt-füllende' Ziegel auflegen.“ So sprach dieser. Doch abweichend ist deren beider Ausspruch; anders aber ist die feststehende Praxis.
Dieser (Prajāpati) ist zugleich Vater und Sohn: weil er zuerst diesen Agni erschuf, dadurch ist er der Vater des Agni; weil Agni ihn dann zusammenfügte, dadurch ist ihm Agni Vater. Weil er die Götter erschuf, dadurch ist er der Vater der Götter; weil die Götter ihn zusammenfügten, dadurch sind ihm die Götter Väter.
ubhayaṃ haitadbhavati | pitā ca putraśca prajāpatiścāgniścāgniśca prajāpatiśca prajāpatiśca devāśca prajāpatiśca ya evaṃ veda
Beides zugleich wird dies für den, der solches weiß: Vater und Sohn, Prajāpati und Agni, Agni und Prajāpati, Prajāpati und die Götter, die Götter und Prajāpati.
Er legt die Ziegel auf mit den Worten: „Mit dieser Gottheit“ – die Rede ist nämlich diese Gottheit. „Wie ein Aṅgiras“ [Anm.: aṅgirasvat, Bezug unklar] – der Lebenshauch ist nämlich ein Aṅgiras. „Fest sollst du sitzen“ – das bedeutet: unbeweglich sollst du sitzen; und auch: feststehend sollst du sitzen. Durch die Rede eben und durch den Lebenshauch schichtet er ihn dabei auf. Die Rede ist nämlich Agni, der Lebenshauch Indra; Indra-und-Agni-haft ist also der Feueraltar. So groß der Feueraltar ist, so groß sein Maß ist, in eben diesem Maß schichtet er ihn dabei auf. Indra und Agni sind aber zugleich alle Götter; allgöttlich ist also der Feueraltar. So groß der Feueraltar ist, so groß sein Maß ist, in eben diesem Maß schichtet er ihn dabei auf.
Dazu sagt man: „Weshalb wird für diese Erde der Feueraltar aufgeschichtet?“ – Wo jene Gottheit (Prajāpati) zerfiel, dort floss er mit seinem Saft eben auf diese Erde hinab; wo die Götter ihn dann wieder zusammenfügten, dort trugen sie ihn eben auf diese Erde zusammen. Diese Erde ist die erste Ziegel; diese hier ist es nämlich, denn diese Erde ist ja der Feueraltar, für sie wird ja der ganze Feueraltar aufgeschichtet. Diese Erde hat vier Ecken, denn die Himmelsrichtungen sind ihre Ecken; deshalb sind die Ziegel viereckig, denn nach ihrem Vorbild sind alle Ziegel.
Dazu sagt man: „Wenn der Altar so aus einer Art von Ziegel besteht, wie kommt es dann, dass man sagt, er bestehe aus fünferlei Ziegeln?“ – Diese Erde hier ist eben die erste, die aus Ton bestehende Ziegel; was auch immer man hier aus Ton auflegt, das ist die erste Ziegel. Und was man an Tierköpfen auflegt, das ist die Tier-Ziegel. Und was man an Goldplättchen-Menschenfigur auflegt, womit man mit Goldstückchen besprengt, das ist die Gold-Ziegel. Und was man mit dem Opferlöffel, was man an Mörser und Stößel auflegt, womit man Brennhölzer auflegt, das ist die Holz-Ziegel. Und was man an Lotosblatt auflegt, was an Schildkröte, was an Dickmilch, Honig, Ghee, was hier sonst noch an Speise auflegt, eben das ist die Speise als fünfte Ziegel. So besteht er also aus fünferlei Ziegeln.
Dazu sagt man: „Welches ist der Ziegel Haupt (śiras)?“ – Von dort aus, wo er berührend den Yajus-Spruch spricht – so sagen manche. Er solle, nachdem er die Ziegelreihe von der Hälfte der 'Selbstwachsenden' (svayamātṛṇā) [Anm.: ein bestimmter Ziegeltyp] aus berührt hat, den Yajus-Spruch sprechen; dann nämlich würden alle diese Ziegel sich auf die 'Selbstwachsenden' hin zurückwenden – so aber solle man es nicht machen. Denn diese Ziegel sind gleichsam seine Glieder und Gelenke; und wie man nicht an jedem einzelnen Glied, an jedem einzelnen Gelenk jeweils ein Haupt machen würde, ebenso ist es hier: was in den aufgeschichteten Feueraltar hineingelegt wird, eben das ist das Haupt von diesen allen.
Und man kann auch „eins“ sagen: „ein Schaf“ (avi) – diese Erde ist nämlich ein Schaf, denn sie beschützt (avati) all diese Geschöpfe hier; und diese Erde ist ja auch der Feueraltar, denn für sie wird ja der ganze Feueraltar aufgeschichtet. Deshalb kann man „eins“ sagen.
Und man kann auch „zwei“ sagen: „zwei Schafe“ – diese Erde hier und jener Himmel dort, denn diese beiden beschützen all diese Geschöpfe hier. Was hier Ton ist, das entspricht der Erde; was dort Wasser ist, das jenem Himmel; Ton und Wasser zusammen werden also zur Ziegel. Deshalb kann man „zwei“ sagen.
atho gauriti brūyāt | ime vai lokā gauryaddhi kiṃ ca gacatīmāṃstallokāngacatīma u lokā eṣo 'gniścitastasmādgauriti brūyāt
Und man kann auch „Kuh“ (go) sagen: diese Welten sind nämlich eine Kuh, denn was auch immer geht (gacchati), das geht letztlich zu diesen Welten; und diese Welten sind ja auch dieser aufgeschichtete Feueraltar. Deshalb kann man „Kuh“ sagen [Anm.: Etymologie go ← gam, gehen].
Dazu sagt man: „Für welchen Wunsch wird der Feueraltar aufgeschichtet?“ – „Er möge mich, zum schönbeflügelten Vogel geworden, zum Himmel tragen“ – so sagen manche; man sollte es aber nicht so verstehen. Denn in eben dieser Gestalt wurden die Lebenshauche zu Prajāpati; in eben dieser Gestalt erschuf Prajāpati die Götter; in eben dieser Gestalt wurden die Götter unsterblich. Weil eben dadurch die Lebenshauche das wurden, weil Prajāpati das wurde, weil die Götter das wurden – eben dadurch wird auch er, der Opferer, es.
prajāpatirvā idamagra āsīt | eka eva so 'kāmayata syām prajāyeyeti so 'śrāmyatsa tapo 'tapyata tasmācrāntāttepānādāpo 'sṛjyanta tasmātpuruṣāttaptādāpo jāyante
Prajāpati war fürwahr dies am Anfang, einzig allein. Er wünschte: „Möge ich sein, möge ich mich fortpflanzen!“ Er mühte sich ab, er übte Askese. Aus ihm, dem sich Abmühenden, der Askese Übenden, wurden die Wasser erschaffen. Deshalb entstehen aus dem sich abmühenden, erhitzten Manne Wasser (als Same) [Anm.: physiologische Beobachtung, an die Kosmogonie angeknüpft].
Die Wasser sprachen: „Was sollen wir werden?“ „Übt Askese!“ sprach er. Sie übten Askese; sie erschufen den Schaum (phena). Deshalb entsteht bei erhitztem Wasser Schaum.
pheno 'bravīt | kvāham bhavānīti tapyasvetyabravītso 'tapyata sa mṛdamasṛjataitadvai phenastapyate yadapsvāveṣṭamānaḥ plavate sa yadopahanyate mṛdeva bhavati
Der Schaum sprach: „Was soll ich werden?“ „Übe Askese!“ sprach er. Er übte Askese; er erschuf den Ton (mṛd). Eben dies ist es, wenn der Schaum sich abmüht: wenn er, im Wasser sich hin- und herwindend, treibt; wenn er dabei zusammengeschlagen wird, wird er gleichsam zu Ton.
Der Ton sprach: „Was soll ich werden?“ „Übe Askese!“ sprach er. Er übte Askese; er erschuf den Sand (sikatā). Eben dies ist es, wenn der Ton sich abmüht: wenn man ihn auseinanderzieht; deshalb wird, selbst wenn man sehr feinen Ton auseinanderzieht, er gleichsam sandig. Soviel eben geschieht hierbei: „Was soll ich werden, was soll ich werden?“
Aus dem Sand erschuf er den Kies (śarkarā). Deshalb wird Sand am Ende eben zu Kies. Aus dem Kies erschuf er den Stein (aśman). Deshalb wird Kies am Ende eben zu Stein. Aus dem Stein erschuf er das Erz (ayas). Deshalb schmilzt man aus Stein Erz. Aus dem Erz erschuf er das Gold (hiraṇya). Deshalb wird vielfach geschmolzenes Erz gleichsam goldähnlich.
Was da jeweils erschaffen wurde, das floss (davon, akṣarat). Weil es floss, deshalb heißt es die – Silbe – (akṣara) [Anm.: Etymologie akṣara ← kṣar, fließen]. Weil es achtmal floss, wurde eben dies die achtsilbige Gāyatrī.
abhūdvā iyam pratiṣṭheti | tadbhṛmirabhavattāmaprathayatsā pṛthivyabhavattasyāmasyām pratiṣṭhāyām bhūtāni ca bhūtānāṃ ca pratiḥ saṃvatsarāyādīkṣanta bhūtānām pratirgṛhapatirāsīduṣāḥ patnī
„Dies ist fürwahr zur Standfeste geworden“ – (deshalb heißt sie) bhūmi [Anm.: Etymologie bhūmi ← bhū, wie zuvor]. Er breitete sie aus; sie wurde die Pṛthivī. Auf ebendieser Standfeste weihten sich die Wesen (bhūtāni) und der Herr der Wesen für die Dauer eines Jahres zur Weihe (dīkṣā); der Herr der Wesen war der Hausherr (gṛhapati), Uṣas, die Morgenröte, seine Gattin.
tadyāni tāni bhūtāni | ṛtavaste 'tha yaḥ sa bhūtānām patiḥ saṃvatsaraḥ so 'tha yā soṣāḥ patnyauṣasī sā tānīmāni bhūtāni ca bhūtānāṃ ca patiḥ saṃvatsara uṣasi reto 'siñcantsa saṃvatsare kumāro 'jāyata so 'rodīt
Diese Wesen nun, das sind die Jahreszeiten; und der, der der Herr der Wesen war, das ist das Jahr (saṃvatsara); und jene Uṣas, die seine Gattin war, das ist eben diese Morgenröte. Diese Wesen also und der Herr der Wesen, das Jahr, ergoss in Uṣas den Samen; im Jahresverlauf wurde ein Knabe (kumāra) geboren; der weinte.
tam prajāpatirabravīt | kumāra kiṃ rodiṣi yacramāttapaso 'dhi jāto 'sīti so 'bravīdanapahatapāpmā vā asmyahitanāmā nāma ma dhehīti tasmātputrasya jātasya nāma kuryātpāpmānamevāsya tadapahantyapi dvitīyamapi tṛtīyamabhipūrvamevāsya tatpāpmānamapahanti
Zu ihm sprach Prajāpati: „Knabe, warum weinst du, da du doch aus Mühe und Askese geboren bist?“ Er sprach: „Ich bin fürwahr einer, dessen Übel nicht ausgetrieben ist, einer ohne Namen; gib mir einen Namen!“ Deshalb sollte man dem geborenen Sohn einen Namen geben; eben dadurch treibt man sein Übel aus. Auch einen zweiten, auch einen dritten Namen; immer weiter treibt man dadurch sein Übel aus.
tamabravīdrudro 'sīti | tadyadasya tannāmākarodagnistadrūpamabhavadagniva rudro yadarodīttasmādrudraḥ so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Rudra!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde Agni seine Gestalt: wie Agni ist Rudra. Weil er weinte (arodīt), deshalb heißt er Rudra [Anm.: Etymologie rudra ← rud, weinen]. Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravītsarvo 'sīti | tadyadasya tannāmākarodāpastadrūpamabhavannāpo vai sarvo 'dbhyo hīdaṃ sarvaṃ jāyate so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Sarva!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurden die Wasser seine Gestalt: die Wasser sind nämlich Sarva, denn aus den Wassern entsteht ja dies Alles (sarva). Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravītpaśupatirasīti | tadyadasya tannāmākarodoṣadhayastadrūpamabhavannoṣadhayo vai paśupatistasmādyadā paśava oṣadhīrlabhante 'tha patīyanti so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Paśupati, Herr der Tiere!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurden die Kräuter seine Gestalt: die Kräuter sind nämlich Paśupati, denn wenn die Tiere (paśu) Kräuter erlangen, dann gedeihen sie [Anm.: Wortspiel unklar]. Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravīdugro 'sīti | tadyadasya tannāmākarodvāyustadrūpambhavadvāyurvā ugrastasmādyadā balavadvāyugro vātotyāhuḥ so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Ugra, der Gewaltige!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde Vāyu, der Wind, seine Gestalt: Vāyu ist nämlich Ugra, denn wenn kräftig der Wind weht, sagt man – gewaltig weht er –. Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravīdaśanirasīti | tadyadasya tannāmākarodvidyuttadrūpamabhavadvidyudvā aśanistasmādyaṃ vidyuddhantyaśanirabadhīdityāhuḥ so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Aśani, der Blitzstrahl!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde der Blitz seine Gestalt: der Blitz ist nämlich Aśani, denn von wem der Blitz erschlagen wird, von dem sagt man – der Blitzstrahl hat ihn erschlagen –. Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravīdbhavo 'sīti | tadyadasya tannāmākarotparjanyastadrūpamabhavatparjanyo vai bhavaḥ parjanyāddhīdaṃ sarvam bhavati so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Bhava, das Werden!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde Parjanya, der Regengott, seine Gestalt: Parjanya ist nämlich Bhava, denn aus Parjanya wird ja dies Alles (bhavati). Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
tamabravīnmahāndevo 'sīti | tadyadasya tannāmākaroccandramāstadrūpamabhavatprajāpatirvai candramāḥ prajāpatirvai mahāndevaḥ so 'bravījjyāyānvā ato 'smi dhehyeva me nāmeti
Er sprach zu ihm: „Du bist Mahān Devaḥ, der Große Gott!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde der Mond seine Gestalt: Prajāpati ist nämlich der Mond, Prajāpati ist nämlich der Große Gott. Er sprach: „Größer bin ich fürwahr als dies; gib mir dennoch einen Namen!“
Er sprach zu ihm: „Du bist Īśāna, der Herrschende!“ Weil er ihm diesen Namen gab, wurde Āditya, die Sonne, seine Gestalt: Āditya ist nämlich Īśāna, denn Āditya herrscht (īṣṭe) ja über dies Alles. Er sprach: „So groß bin ich nun fürwahr; gib mir keinen Namen mehr über diesen hinaus!“
yadvevāṣṭāvagnirūpāṇi | aṣṭākṣarā gāyatrī tasmādāhurgāyatro 'gniriti so 'yaṃ kumāro rūpāṇyanuprāviśanna vā agniṃ kumāramiva paśyantyetānyevāsya rūpāṇi paśyantyetāni hi rūpāṇyanuprāviśat
Und weil es eben acht Gestalten des Agni sind: die Gāyatrī hat acht Silben, deshalb sagt man – gāyatra ist Agni –. Dieser Knabe ging in seine Gestalten ein; man sieht Agni nicht mehr wie einen Knaben, eben diese seine Gestalten sieht man, denn in diese Gestalten ist er eingegangen.
Diesen Feueraltar sollte man eben binnen eines Jahres aufschichten und dabei binnen eines Jahres die Sprüche rezitieren; „binnen zwei Jahren“ solle man es tun, so sagen manche. Denn: im Jahresverlauf ergoss er jenen Samen; im Jahresverlauf wurde der Knabe geboren; deshalb solle man binnen zwei Jahren aufschichten und binnen zwei Jahren rezitieren, so sagen sie. Doch binnen nur eines Jahres sollte man aufschichten, binnen eines Jahres rezitieren: denn was eben an Samen ausgegossen wird, das wird im selben Zeitraum eben geboren; es liegt dann im Mutterleib, sich verwandelnd, heranwachsend. Deshalb sollte man eben binnen eines Jahres aufschichten, binnen eines Jahres rezitieren. Er gibt dem so Aufgeschichteten einen Namen; eben dadurch treibt man sein Übel aus. Er gibt ihm den Namen – der Bunte – (citra): „du bist der Bunte“ – denn mannigfaltig ist der Feueraltar ganz und gar.