Adhyāya 11
Die Chandoma-Tage: Sāmans, Stotriyas und Stoma-Regelungen
Reihe von Chandoma-Sāmans (Bhāsa, Kākṣīvata, Āsita, Aiṣira, Nāthavindu, Gaurīvita, Kautsa, Śuddhāśuddhīya, Krauñca, Rayiṣṭha, Audala, Viśoviśīya) mit ihren Legitimationslegenden. Einige Sāman-Namen und Etymologien (Bhāsa, Nāthavindu, Kautsa-Erzählung) sind unsicher; die Überlieferung weist Zählungslücken (n = 90, 12 doppelt) und offensichtliche Verderbnisse auf, daher mehrere [?]. Quellenzählung (GRETIL) an folgenden Stellen unregelmäßig, Originalzählung beibehalten: 3, 90, 12, 12, 22, 36.
''pavasva deva āyuṣag indraṃ gacchatu te mada'' iti gāyatrī bhavati madavad vai rasavat tṛtīyasavanaṃ madam eva tad rasaṃ dadhāti
„Pavasva deva āyuṣag indraṃ gacchatu te madaḥ“ – das ist eine Gāyatrī; das Drittpressungs-Soma ist berauschend, saftreich: so legt er Rausch und Saft hinein.
„Pavasva soma mahān samudraḥ“ – das ist eine Akṣarapaṅkti, ein Überfluss an Stomas; auch ist dies jetzt das unverbrauchte (ayātayāma) Versmaß, nämlich die Akṣarapaṅkti; dadurch werden die Chandomas unverbraucht gemacht. Die Brahmavādins sagen: Da im Ṣaḍaha die Stomas und Versmaße erlangt werden, woraus stammen die Chandomas [an Versmaß]? Man soll sagen: Aus dem Versmaß, das diese Akṣarapaṅktis sind.
„Hinvanti sūram usrayaḥ“ – das sind Gāyatrīs, die der Form nach Jagatīs sind; daher werden sie in der Welt der Jagatīs gemacht [= an Stelle der Jagatīs].
svarbhānur vā āsura ādityaṃ tamasāvidhyat sa na vyarocata tasyātrir bhāsena tamo 'pāhan sa vyarocata yad vai tad bhā abhavat tad bhāsasya bhāsatvam
Svarbhānu, der Asura, durchbohrte die Sonne (āditya) mit Finsternis; sie strahlte nicht. Atri vertrieb die Finsternis durch Glanz (bhāsa); sie strahlte. Weil dies Glanz (bhāḥ) wurde, [heißt es] Bhāsa – das ist die Bhāsa-Natur des Bhāsa.
Asita Devala erblickte damit den Anblick der drei Welten; zur Gewinnung der drei Wünsche wird das Āsita gemacht [Anm.: Zahl ‚drei‘ nach dem Text; Bezug unsicher [?]].
Das Sāman ‚Nāthavindu‘ findet Schutz (nātha); Nāthavindu sind diese Tage, die Chandoma sind: durch diese findet er Schutz [Anm.: Etymologie von nātha ‚Zuflucht, Hilfe‘ unsicher [?]].
etena vai kutso 'ndhaso vipānam apaśyat sa ha sma vai surādṛtinopavasathaṃ dhārayaty ubhayasyānnādyasyāvarudhyai kautsaṃ kriyate
Damit erblickte Kutsa den Trank des Andhas [Soma]; er hielt, so heißt es, mit Surā [Branntwein] den Fastentag (upavasatha) ein; zur Gewinnung beider Speisenfülle wird das Kautsa gemacht [Anm.: Passage dunkel, Deutung von ‚surādṛtinā‘ unsicher [?]].
indro yatīn sālāvṛkebhyaḥ prāyacchat tam aślīlā vāg abhyavadat so 'śuddho 'manyata sa etac chuddhāśuddhīyam apaśyat tenāśudhyac chudhyati śuddhāśuddhīyena tuṣṭuvānaḥ
Indra gab die Yatis den Sālāvṛkas [Wölfen] hin; ihn beschimpfte die anstößige Rede; er hielt sich für unrein. Er erblickte dieses Śuddhāśuddhīya; dadurch war er unrein und wurde rein; wer mit dem Śuddhāśuddhīya lobsingt, wird rein [Anm.: Wortlaut ‚tenāśudhyac chudhyati‘ eigentümlich [?]].
Die Brahmavādins sagen: Da im Ṣaḍaha die Stomas und Versmaße erlangt werden, woraus stammen die Chandomas [an Versmaß]? Man soll sagen: Aus dem Versmaß der Person (puruṣa): die Person ist fünffältig (pāṅkta), die Person ist zweifüßig; [dies] für die Unverbrauchtheit der Chandomas [Anm.: Satzbau des Schlusses unklar, ‚ayātayāmatayau‘ ungewöhnliche Form [?]].
agnir akāmayata viśo viśo 'tithis syāṃ viśo viśa ātithyam aśnuvīyeti sa tapo 'tapyata sa etad viśoviśīyam apaśyat tena viśo viśo 'tithir abhavat viśo viśa ātithyam aśnuta viśo viśo 'tithir bhavati viśo viśa ātithyam aśnute viśoviśīyena tuṣṭuvānaḥ
Agni wünschte: Möchte ich bei Clan um Clan Gast sein, möchte ich bei Clan um Clan die Gastfreundschaft erlangen. Er übte Askese. Er erblickte dieses Viśoviśīya; damit wurde er bei Clan um Clan Gast, erlangte er bei Clan um Clan die Gastfreundschaft. Wer dies weiß, wird bei Clan um Clan Gast, erlangt bei Clan um Clan die Gastfreundschaft, wenn er mit dem Viśoviśīya lobsingt.
iḍāntāḥ pavamānā bhavanti paśavo vā iḍā paśavaś chandomāḥ paśuṣv eva tat paśūn dadhāti stomaḥ
Die Pavamāna-Stotras haben Iḍā als Schluss; Nutztiere sind die Iḍā, Nutztiere sind die Chandomas: so legt er in die Nutztiere Nutztiere hinein. [Stoma.]