Adhyāya 5
Pavamāna-Stotras und Sāmans des neunten Tages (Fortsetzung)
Lange Reihe: Strophen mit ‚tvam‘, ‚pari‘, Akṣarapaṅkti, Gāyatrī/Jagatī-Vertauschung, dann Sāmans (Āśvasūkta, Śāmmada, Kāśīta, Hāviṣkṛta, Sauparṇa, Vaiśvamanasa, Gaurīvita, Nihava, Vāhiṣṭhīya, Āsita, Sādhra, Ākūpāra, Vidharma, Śrudhya) mit Legenden. Mehrere Sätze sind verderbt oder syntaktisch dunkel; viele Deutungen unsicher. Quellenzählung (GRETIL) an folgenden Stellen unregelmäßig, Originalzählung beibehalten: 13.
„Tvaṃ somāsi dhārayuḥ“ – das ist eine Gāyatrī: zur Festigkeit des Tages; das ‚tvam‘ ist die Form des Bṛhat, denn dieser Tag gehört dem Bṛhat [Anm.: Strophenanfang (pratīka), Fortsetzung nicht im Text].
''tvaṃ hy aṅga daivyā'' iti tvam iti bṛhato rūpaṃ bārhataṃ hy etad ahaḥ
„Tvaṃ hy aṅga daivyā“ – das ‚tvam‘ ist die Form des Bṛhat, denn dieser Tag gehört dem Bṛhat [Anm.: Strophenanfang (pratīka), Fortsetzung nicht im Text].
„Parityaṃ haryataṃ harim“ – diese sind mit ‚pari‘; der neunte Tag ist das Ende; diese sind zu seinem Umfassen [Anm.: Strophenanfang (pratīka), Fortsetzung nicht im Text].
„Pavasva soma mahe dakṣāya“ – das ist eine Akṣarapaṅkti, ein Überfluss an Stomas; auch ist dies jetzt das unverbrauchte Versmaß, nämlich die Akṣarapaṅkti; dadurch werden die Chandomas unverbraucht gemacht. Die Brahmavādins sagen: Da im Ṣaḍaha die Stomas und Versmaße erlangt werden, woraus stammen die Chandomas [an Versmaß]? Man soll sagen: Aus dem Versmaß, das diese Akṣarapaṅktis sind.
agniṃ vai pūrvair aharbhir ājuhoty athaitad ādityadaivatyam ahaḥ śukra āhuta ity asau vā ādityaḥ śukras tam evaitenājuhoti
Agni opfert er an den früheren Tagen [den Guss] zu; dieser Tag nun gehört dem Āditya: „Der Helle (śukra) ist geopfert“ – jener Āditya ist der Helle; ihn eben opfert er damit.
Śammad, der Aṅgirase, erblickte damit mühelos die Himmelswelt; zur Sichtbarmachung der Himmelswelt; er fällt nicht aus den Himmelswelten, wer es lobsingt.
Einen Segen erbittet er ihm damit; denn das Sāman ist ein wahr werdender Segen [Anm.: Satz aus dem Zusammenhang gelöst; Zählung n = 13, n = 12 fehlt [?]].
dāvasur vā etad āṅgirasaḥ paśukāmaḥ sāmāpaśyat tena sahasraṃ paśūn asṛjat yad etat sāma bhavati paśūnāṃ puṣṭyai
Dāvasu Āṅgirasa erblickte, Vieh wünschend, dieses Sāman; damit schuf er tausend Nutztiere; weil dieses Sāman vorkommt: zum Gedeihen der Nutztiere [Anm.: Name ‚dāvasu‘ unsicher [?]].
parācībhir vā anyābhir iḍābhī reto dadhad athaitat pratīcīneḍaṃ kāśītaṃ prajātyai tasmāt parāñco garbhāḥ sambhavanti pratyañcaḥ prajāyante tasmād ute 'vācīnabilebhyo nāvapadyanta etena hy eva te dhṛtāḥ
Mit den nach vorn gewandten Iḍās anderer Art legt man Samen hinein; dieses nun ist das Kāśīta mit rückwärts gewandtem Iḍā: zur Fortpflanzung; daher entstehen die Embryonen nach vorn gewandt, [und] rückwärts gewandt werden sie geboren; daher fallen sie nicht aus den nach unten [gewandten] Höhlungen; denn durch dieses sind sie gehalten [Anm.: Deutung des ganzen Abschnitts unsicher [?]].
viśvamanasaṃ vā ṛṣim adhyāyam udvrajitaṃ rakṣo 'gṛhṇāt tam indro 'cāyad ṛṣiṃ vai rakṣo 'grahīd iti tam abhyavadad ṛṣe kas tvaiṣa iti, sthāṇur iti brūhīti rakṣo 'bravīt, sa sthāṇur ity abravīt tasmai vā etena praharety asmā iṣīkāṃ vajraṃ prayacchann abravīt tenāsya sīmānam abhinat saiṣendreṇateṣīkā pāpmā vāva sa tam agṛhṇāt taṃ vaiśvamanasenāpāhatāpapāpmānaṃ hate vaiśvamanasena tuṣṭuvānaḥ
Den Ṛṣi Viśvamanas, der vom Studium fortgegangen war, ergriff ein Rakṣas. Indra sah es und [sagte]: „Ein Rakṣas hat den Ṛṣi ergriffen!“ Er sprach ihn an: „Ṛṣi, wer bist du da?“ – „Sage ‚ein Pfosten‘“, sagte das Rakṣas. Er sagte ‚ein Pfosten‘. [Indra sagte:] „Schlage damit zu!“ und gab ihm einen Rohrhalm (iṣīkā) als Donnerkeil; damit spaltete er dessen Scheitel; das ist der Indra-Rohrhalm. Das Übel war es eben, das ihn ergriff; es schlug er mit dem Vaiśvamanasa weg; er schlägt das Übel weg, wer mit dem Vaiśvamanasa lobsingt [Anm.: Erzählung verkürzt und zum Teil verderbt (‚saiṣendreṇateṣīkā‘, ‚apapāpmānaṃ‘) [?]].
ṛṣayo vā indraṃ pratyakṣa nāpaśyan sa vasiṣṭho 'kāmayata katham indraṃ pratyakṣaṃ paśyeyam iti sa etan nihavam apaśyat tato vai sa indraṃ pratyakṣam apaśyat, sa enam abravīd brāhmaṇaṃ te vakṣyāmi yathā tvatpurohitā bharatāḥ prajaniṣyante 'tha mānyebhya ṛṣibhyo mā pravoca iti tasmā etān stomabhāgān abravīt tato vai vasiṣṭhapurohitā bharatāḥ prājāyanta sendraṃ vā etat sāma yad etat sāma bhavati sendratvāya
Die Ṛṣis sahen Indra nicht sichtbar. Vasiṣṭha wünschte: Wie möchte ich Indra sichtbar sehen? Er erblickte dieses Nihava; dadurch sah er Indra sichtbar. Der sprach zu ihm: „Ich will dir ein Brāhmaṇa sagen, wie die Bharatas, dich als Hauspriester, sich fortpflanzen werden; doch sprich es nicht zu anderen Ṛṣis.“ Ihm sagte er diese Stoma-Anteile; darauf pflanzten sich die Bharatas mit Vasiṣṭha als Hauspriester fort. Dieses Sāman, das vorkommt, ist [mit] Indra [verbunden] (sendra): damit er Indra habe [Anm.: ‚sendratvāya‘ ‚damit es Indra-haltig sei‘ [?]].
Diese Sāmans bringen Brahmaruhm; sie sind mit der Ṛc zu hören; Brahmaruhm hat, wer mit dem Vāhiṣṭhīya lobsingt [Anm.: Wortlaut verderbt, ‚brahmāyaśasī‘ [?]].
Akūpāra Kaśyapa gelangte damit zu jemānischer Größe [Anm.: jemān ‚Überlegenheit‘, unsicher [?]]; er gelangt zur Jemān-Größe, wer mit dem Ākūpāra lobsingt.
Die Brahmavādins sagen: Da im Ṣaḍaha die Stomas und Versmaße erlangt werden, woraus stammen die Chandomas [an Versmaß]? Man soll sagen: Aus dem Versmaß der Person; die Person ist fünffältig, die Person ist zweifüßig: zur Unverbrauchtheit der Chandomas.
prajāpatiḥ paśūn asṛjata te 'smāt sṛṣṭā apākrāmaṃs tān etena sāmnā śrūdhiyā ehiyety anvahvayat ta enam upāvartanta yad etat sāma bhavati paśūnām upāvṛtyai
Prajāpati schuf die Nutztiere; sie gingen von ihm weg, als sie geschaffen waren; diese rief er mit diesem Sāman mit ‚śrūdhi‘, ‚ehi‘ [‚höre, komm‘] herbei; sie kehrten zu ihm zurück; weil dieses Sāman vorkommt: zur Rückkehr der Nutztiere.
gāyatrīṣu stuvanti pratiṣṭhāyai brahmavarcasāya yenaiva prāṇena prayanti tam abhyudyantīḍāntāḥ pavamānā bhavanti paśavo vā iḍā paśavaś chandomāḥ paśuṣv eva tat paśūn dadhāti stomaḥ
Sie lobsingen auf Gāyatrīs, zur Festigung, für Brahmaglanz; mit demselben Lebenshauch, mit dem sie ausziehen, mit dem steigen sie [wieder] auf. Die Pavamāna-Stotras haben Iḍā als Schluss; Nutztiere sind die Iḍā, Nutztiere sind die Chandomas: so legt er in die Nutztiere Nutztiere hinein. [Stoma.]