Indra sprach: „Du wirst deine Brüder und Söhne sehen, die schon vor dir in den dritten Himmel gegangen sind, alle zusammen mit Kṛṣṇā vereint; gräme dich nicht, Stier der Bharatas.
nikṣipya mānuṣaṃ dehaṃ gatās te bharatarṣabha anena tvaṃ śarīreṇa svargaṃ gantā na saṃśayaḥ
Den menschlichen Körper abgelegt habend, sind sie gegangen, Stier der Bharatas; du aber wirst mit eben diesem Körper in den Himmel gehen, ohne Zweifel.“
Wort für Wort
nikṣipya mānuṣaṃ dehaṃ gatāḥ te bharatarṣabha
den menschlichen Körper abgelegt habend, sind sie gegangen, Stier der Bharatas (Abs.+Nom.Part.)
anena tvaṃ śarīreṇa svargaṃ gantā na saṃśayaḥ
du aber wirst mit eben diesem Körper in den Himmel gehen, ohne Zweifel (Instr.+Nom.Part.Fut.)
yudhiṣṭhira uvāca ayaṃ śvā bhūtabhavyeśa bhakto māṃ nityam eva ha sa gaccheta mayā sārdham ānṛśaṃsyā hi me matiḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Dieser Hund, Herr des Gewesenen und Künftigen, ist mir stets ergeben; er soll mit mir zusammen gehen, denn auf Mitleid ist mein Sinn gerichtet.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
ayaṃ śvā bhūtabhavyeśa bhaktaḥ māṃ nityam eva ha
dieser Hund, Herr des Gewesenen und Künftigen, ist mir stets ergeben (Nom.Part.+Vok.)
sa gaccheta mayā sārdham ānṛśaṃsyāt hi me matiḥ
er soll mit mir zusammen gehen, denn auf Mitleid ist mein Sinn gerichtet (3.Sg.Opt.+Nom.)
indra uvāca amartyatvaṃ matsamatvaṃ ca rājañ śriyaṃ kṛtsnāṃ mahatīṃ caiva kīrtim saṃprāpto 'dya svargasukhāni ca tvaṃ tyaja śvānaṃ nātra nṛśaṃsam asti
Indra sprach: „Unsterblichkeit, Gleichheit mit mir, o König, vollkommenes, großes Glück und Ruhm, sowie die Freuden des Himmels hast du heute erlangt; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß.“
Wort für Wort
amartyatvaṃ matsamatvaṃ ca rājan
Unsterblichkeit und Gleichheit mit mir, o König (Akk.+Vok.)
śriyaṃ kṛtsnāṃ mahatīṃ ca eva kīrtim saṃprāptaḥ adya svargasukhāni ca tvam
vollkommenes, großes Glück und Ruhm, sowie die Freuden des Himmels hast du heute erlangt (Akk.+Nom.Part.+Nom.)
tyaja śvānaṃ na atra nṛśaṃsam asti
verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß (Imp.+3.Sg.Präs.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Unedles durch einen Edlen zu tun, Tausendäugiger - das ist schwer zu vollbringen, Edler. Nicht soll mir die Vereinigung mit jenem Glück zuteilwerden, um dessentwillen ich einen mir ergebenen Menschen verlassen müsste.“
Unedles durch einen Edlen zu tun, Tausendäugiger - das ist schwer zu vollbringen, Edler (Akk.+Instr.+Inf.+Vok.)
mā me śriyā saṃgamanaṃ tayā astu yasyāḥ kṛte bhaktajanaṃ tyajeyam
nicht soll mir die Vereinigung mit jenem Glück zuteilwerden, um dessentwillen ich einen mir ergebenen Menschen verlassen müsste (Inj.+Instr.+3.Sg.Opt.+Gen.+1.Sg.Opt.)
indra uvāca svarge loke śvavatāṃ nāsti dhiṣṇyam iṣṭāpūrtaṃ krodhavaśā haranti tato vicārya kriyatāṃ dharmarāja tyaja śvānaṃ nātra nṛśaṃsam asti
Indra sprach: „In der Welt des Himmels gibt es keinen Platz für Hundebesitzer; die dem Zorn Verfallenen rauben [dort] das Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst. Bedenke dies daher, Rechtskönig, und handle danach; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß.“
Wort für Wort
svarge loke śvavatāṃ na asti dhiṣṇyam
in der Welt des Himmels gibt es keinen Platz für Hundebesitzer (Lok.+3.Sg.Präs.+Nom.)
iṣṭāpūrtaṃ krodhavaśā haranti
die dem Zorn Verfallenen rauben das Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst (Akk.+Nom.Part.+3.Pl.Präs.)
tataḥ vicārya kriyatām dharmarāja tyaja śvānaṃ na atra nṛśaṃsam asti
bedenke dies daher, Rechtskönig, und handle danach; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß (Abs.+Imp.Pass.+Imp.)
[Anm.: iṣṭāpūrta = der Verdienst aus Opferhandlungen (iṣṭa) und aus gemeinnuetzigen Werken wie Brunnen- oder Teichbau (pūrta).]
Yudhiṣṭhira sprach: „Man sagt, die Verlassung eines Ergebenen sei eine äußerste Sünde, gleich der Tötung eines Brahmanen in der Welt; deshalb werde ich ihn heute auf keinen Fall verlassen, aus Verlangen nach eigenem Glück, großer Indra. Den Furchtsamen, den Ergebenen, für den es nichts anderes gibt, und den Bedrängten, den Schutzsuchenden, den Erschöpften, der nach Rettung seines Lebens verlangt - selbst um den Preis der Aufgabe meines eigenen Lebens werde ich ihn nicht preisgeben; dies ist stets mein Gelübde.“
deshalb werde ich ihn heute auf keinen Fall verlassen, aus Verlangen nach eigenem Glück, großer Indra (1.Sg.Fut.+Nom.Part.+Vok.)
bhītaṃ bhaktaṃ na anyat asti iti ca ārtaṃ prāptaṃ kṣīṇaṃ rakṣaṇe prāṇalipsum
den Furchtsamen, den Ergebenen, für den es nichts anderes gibt, und den Bedrängten, den Schutzsuchenden, den Erschöpften, der nach Rettung seines Lebens verlangt (Akk.Part.)
prāṇatyāgāt api aham na uta moktuṃ yateyam vai nityam etad vrataṃ me
selbst um den Preis der Aufgabe meines eigenen Lebens werde ich ihn nicht preisgeben; dies ist stets mein Gelübde (Abl.+1.Sg.Opt.+Inf.+Nom.)
Indra sprach: „Was vom Hund gesehen wird, das rauben die dem Zorn Verfallenen - sei es Gegebenes, Geopfertes, Offenbartes oder Dargebrachtes. Deshalb vollziehe diese Verlassung des Hundes; durch die Verlassung des Hundes wirst du die Götterwelt erlangen.
Wort für Wort
śunā dṛṣṭaṃ krodhavaśā haranti
was vom Hund gesehen wird, das rauben die dem Zorn Verfallenen (Instr.+Akk.Part.+Nom.Part.+3.Pl.Präs.)
yad dattam iṣṭaṃ vivṛtam atho hutaṃ ca
sei es Gegebenes, Geopfertes, Offenbartes oder Dargebrachtes (Akk.Part.)
Nachdem du die Brüder verlassen hast und auch die geliebte Kṛṣṇā, hast du diese Welt durch deine eigene Tat erlangt, Held; warum verlässt du denn diesen Hund nicht? Du hast schon die vollständige Entsagung auf dich genommen und bist heute [dabei] verwirrt.“
Wort für Wort
tyaktvā bhrātṝn dayitāṃ ca api kṛṣṇāṃ prāptaḥ lokaḥ karmaṇā svena vīra
nachdem du die Brüder und auch die geliebte Kṛṣṇā verlassen hast, hast du diese Welt durch deine eigene Tat erlangt, Held (Abs.+Nom.Part.+Instr.+Vok.)
śvānaṃ ca enaṃ na tyajase kathaṃ nu
warum verlässt du denn diesen Hund nicht (Akk.+2.Sg.Präs.Med.)
tyāgaṃ kṛtsnaṃ ca āsthitaḥ muhyase adya
du hast schon die vollständige Entsagung auf dich genommen und bist heute verwirrt (Akk.+Nom.Part.+2.Sg.Präs.Med.)
yudhiṣṭhira uvāca na vidyate saṃdhir athāpi vigraho mṛtair martyair iti lokeṣu niṣṭhā na te mayā jīvayituṃ hi śakyā tasmāt tyāgas teṣu kṛto na jīvatām
Yudhiṣṭhira sprach: „Mit den Toten gibt es weder Bündnis noch Streit - das ist die feste Gewissheit der Sterblichen in den Welten; sie konnten von mir nicht wieder lebendig gemacht werden, deshalb geschah die Trennung von ihnen, den nicht mehr Lebenden.
Wort für Wort
na vidyate saṃdhiḥ atha api vigrahaḥ mṛtaiḥ martyaiḥ iti lokeṣu niṣṭhā
mit den Toten gibt es weder Bündnis noch Streit - das ist die feste Gewissheit der Sterblichen in den Welten (3.Sg.Präs.Pass.+Nom.+Instr.+Lok.+Nom.)
na te mayā jīvayituṃ hi śakyāḥ tasmāt tyāgaḥ teṣu kṛtaḥ na jīvatām
sie konnten von mir nicht wieder lebendig gemacht werden, deshalb geschah die Trennung von ihnen, den nicht mehr Lebenden (Instr.+Inf.+Nom.Part.+Nom.Part.+Gen.Part.)
pratipradānaṃ śaraṇāgatasya striyā vadho brāhmaṇasvāpahāraḥ mitradrohas tāni catvāri śakra bhaktatyāgaś caiva samo mato me
Die Auslieferung eines Schutzsuchenden, die Tötung einer Frau, der Raub des Eigentums eines Brahmanen, der Verrat an einem Freund - diese vier, Śakra, und ebenso die Verlassung eines Ergebenen gelten mir als gleich [schwerwiegend].“
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er diese Worte des Rechtskönigs vernommen hatte, sprach der Erhabene, der die Gestalt des Dharma selbst trug, voller Zuneigung zu dem Herrscher Yudhiṣṭhira mit sanften, lobenden Worten:
Wort für Wort
tad dharmarājasya vacaḥ niśamya
als er diese Worte des Rechtskönigs vernommen hatte (Abs.)
„Du bist wahrhaft geboren, Herrscher der Könige, durch das Verhalten deines Vaters, durch Weisheit und durch dieses Mitleid gegenüber allen Wesen, Bhārata.
Wort für Wort
abhijātaḥ asi rājendra pituḥ vṛttena medhayā
du bist wahrhaft geboren, Herrscher der Könige, durch das Verhalten deines Vaters, durch Weisheit (Nom.Part.+2.Sg.Präs.+Instr.)
anukrośena ca anena sarvabhūteṣu bhārata
und durch dieses Mitleid gegenüber allen Wesen, Bhārata (Instr.+Lok.+Vok.)
purā dvaitavane cāsi mayā putra parīkṣitaḥ pānīyārthe parākrāntā yatra te bhrātaro hatāḥ
Einst wurdest du von mir im Dvaitavana geprüft, mein Sohn, dort, wo deine nach Wasser strebenden Brüder getötet wurden.
Wort für Wort
purā dvaitavane ca asi mayā putra parīkṣitaḥ
einst wurdest du von mir im Dvaitavana geprüft, mein Sohn (Lok.+2.Sg.Präs.+Instr.+Nom.Part.)
pānīyārthe parākrāntāḥ yatra te bhrātaraḥ hatāḥ
dort, wo deine nach Wasser strebenden Brüder getötet wurden (Lok.+Nom.Part.+Nom.Part.)
[Anm.: Bezug auf die Yakṣa-Praśna-Episode im Vanaparva, wo Yudhiṣṭhiras Bruedern nacheinander beim Versuch, Wasser zu holen, der Tod widerfuhr, bis er selbst die Fragen des Yakṣa (in Wahrheit seines Vaters Dharma) richtig beantwortete.]
ayaṃ śvā bhakta ity eva tyakto devarathas tvayā tasmāt svarge na te tulyaḥ kaś cid asti narādhipa
‚Dieser Hund ist mir ergeben‘ - so [dachtest du], und hast deswegen den Götterwagen zurückgewiesen; daher gibt es im Himmel niemanden, der dir gleich ist, Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
ayaṃ śvā bhaktaḥ iti eva tyaktaḥ devarathaḥ tvayā
„dieser Hund ist ergeben“ - so, deswegen hast du den Götterwagen zurückgewiesen (direkte Rede+Nom.Part.+Instr.)
tasmāt svarge na te tulyaḥ kaḥ cit asti narādhipa
daher gibt es im Himmel niemanden, der dir gleich ist, Herrscher der Menschen (Lok.+Nom.+3.Sg.Präs.+Vok.)
Deshalb sind dir unvergängliche Welten [beschieden]; mit eigenem Körper, Bhārata, hast du den unübertrefflichen himmlischen Weg erlangt, Bester der Bharatas.“
Wort für Wort
ataḥ tava akṣayāḥ lokāḥ svaśarīreṇa bhārata
deshalb sind dir unvergängliche Welten [beschieden], mit eigenem Körper, Bhārata (Nom.+Instr.+Vok.)
prāptaḥ asi bharataśreṣṭha divyāṃ gatim anuttamām
hast du den unübertrefflichen himmlischen Weg erlangt, Bester der Bharatas (Nom.Part.+2.Sg.Präs.+Akk.+Vok.)
[Anm.: Yudhiṣṭhira gilt als einziger Pāṇḍava, der mit seinem eigenen, sterblichen Koerper (nicht erst nach dem Tod) den Himmel erreicht.]
prayayuḥ svair vimānais te siddhāḥ kāmavihāriṇaḥ sarve virajasaḥ puṇyāḥ puṇyavāgbuddhikarmiṇaḥ
und zogen fort, jene Vollendeten, die nach Belieben umherwandeln, mit ihren eigenen Flugwagen - alle staublos, heilig, von reiner Rede, reinem Denken und reinem Handeln.
Wort für Wort
prayayuḥ svaiḥ vimānaiḥ te siddhāḥ kāmavihāriṇaḥ
und zogen fort mit ihren eigenen Flugwagen, jene Vollendeten, die nach Belieben umherwandeln (3.Pl.Perf.+Instr.+Nom.Part.)
sarve virajasaḥ puṇyāḥ puṇyavāgbuddhikarmiṇaḥ
alle staublos, heilig, von reiner Rede, reinem Denken und reinem Handeln (Nom.Part.)
Die Welten mit Ruhm, Glanz und dem Reichtum seines Wandels überstrahlend, ist er mit eigenem Körper hier angekommen - von keinem anderen als diesem Pāṇḍava haben wir solches gehört. Die Lichtglanzstätten, die du, als du noch auf der Erde weiltest, gesehen hast, Erhabener - sieh diese Wohnstätten der durch Verdienst zu Göttern gewordenen Menschen, zu Tausenden.“
Wort für Wort
lokān āvṛtya yaśasā tejasā vṛttasaṃpadā
die Welten mit Ruhm, Glanz und dem Reichtum seines Wandels überstrahlend (Abs.+Akk.+Instr.)
svaśarīreṇa saṃprāptaṃ na anyaṃ śuśruma pāṇḍavāt
mit eigenem Körper angekommen - von keinem anderen als diesem Pāṇḍava haben wir solches gehört (Instr.+Nom.Part.+Abl.+1.Pl.Perf.)
tejāṃsi yāni dṛṣṭāni bhūmiṣṭhena tvayā vibho
die Lichtglanzstätten, die du, als du noch auf der Erde weiltest, gesehen hast, Erhabener (Akk.+Akk.Part.+Instr.+Vok.)
veśmāni karmadevānāṃ paśya amūni sahasraśaḥ
sieh diese Wohnstätten der durch Verdienst zu Göttern gewordenen Menschen, zu Tausenden (Akk.+Gen.+Imp.+Adv.)
„Weile an diesem Ort, Herrscher der Könige, der durch heilvolle Taten errungen wurde; warum trägst du noch heute die menschliche Zuneigung mit dir herum?
Noch heute berührt dich die menschliche Beschaffenheit, Herrscher der Menschen; dies ist der Himmel - sieh die Götterweisen und die Vollendeten, die Bewohner des dritten Himmels.“
Wort für Wort
adya api mānuṣaḥ bhāvaḥ spṛśate tvāṃ narādhipa
noch heute berührt dich die menschliche Beschaffenheit, Herrscher der Menschen (Nom.+3.Sg.Präs.Med.+Akk.+Vok.)
svargaḥ ayaṃ paśya devarṣīn siddhān ca tridivālayān
dies ist der Himmel - sieh die Götterweisen und die Vollendeten, die Bewohner des dritten Himmels (Nom.+Imp.+Akk.)
Wohin jene Große, Dunkle, mit den Eigenschaften von Weisheit und Wesensgüte begabte, Draupadī, die Beste der Frauen, gegangen ist - dorthin, wohin auch sie, die mir lieb ist.“
Wort für Wort
yatra sā bṛhatī śyāmā buddhisattvaguṇānvitā
wohin jene Große, Dunkle, mit den Eigenschaften von Weisheit und Wesensgüte begabte (Nom.)
draupadī yoṣitāṃ śreṣṭhā yatra ca eva priyā mama
Draupadī, die Beste der Frauen, gegangen ist - dorthin, wohin auch sie, die mir lieb ist (Nom.)
[Anm.: Ende des Kapitels und zugleich des Mahāprasthānikaparva; Fortsetzung in Buch 18, Svargārohaṇaparva.]