Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Mahāprasthānikaparva

Kapitel 3 Der Hundetest und der Aufstieg in den Himmel

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ saṃnādayañ śakro divaṃ bhūmiṃ ca sarvaśaḥ rathenopayayau pārtham ārohety abravīc ca tam

Vaiśaṃpāyana sprach: Dann kam Śakra, Himmel und Erde ringsum erschallen lassend, mit dem Wagen zu dem Pārtha heran und sprach zu ihm: „Steig ein!“

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
tataḥ saṃnādayan śakraḥ divaṃ bhūmiṃ ca sarvaśaḥ
dann, Himmel und Erde ringsum erschallen lassend, Śakra (Part.+Nom.)
rathena upayayau pārtham āroha iti abravīt ca tam
kam mit dem Wagen zum Pārtha und sprach zu ihm: „steig ein!“ (Instr.+3.Sg.Perf.+Imp.+direkte Rede)

sa bhrātṝn patitān dṛṣṭvā dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ abravīc chokasaṃtaptaḥ sahasrākṣam idaṃ vacaḥ

Er, seine gefallenen Brüder sehend, der Rechtskönig Yudhiṣṭhira, sprach, von Kummer versengt, dieses Wort zum Tausendäugigen:

Wort für Wort
sa bhrātṝn patitān dṛṣṭvā dharmarājaḥ yudhiṣṭhiraḥ
er, seine gefallenen Brüder sehend, der Rechtskönig Yudhiṣṭhira (Abs.+Nom.)
abravīt śokasaṃtaptaḥ sahasrākṣam idaṃ vacaḥ
sprach, von Kummer versengt, zum Tausendäugigen dieses Wort (3.Sg.Impf.+Nom.Part.+Akk.)

bhrātaraḥ patitā me 'tra āgaccheyur mayā saha na vinā bhrātṛbhiḥ svargam icche gantuṃ sureśvara

„Meine hier gefallenen Brüder - sie sollen mit mir kommen; nicht ohne meine Brüder wünsche ich, in den Himmel zu gehen, Herr der Götter.

Wort für Wort
bhrātaraḥ patitāḥ me atra āgaccheyuḥ mayā saha
meine hier gefallenen Brüder sollen mit mir kommen (Nom.Part.+3.Pl.Opt.)
na vinā bhrātṛbhiḥ svargam icche gantuṃ sureśvara
nicht ohne meine Brüder wünsche ich, in den Himmel zu gehen, Herr der Götter (Instr.+1.Sg.Präs.+Inf.+Vok.)

sukumārī sukhārhā ca rājaputrī puraṃdara sāsmābhiḥ saha gaccheta tad bhavān anumanyatām

Und die zarte, des Glücks würdige Königstochter, Bezwinger der Festungen - sie soll mit uns gehen; das mögest du gewähren.“

Wort für Wort
sukumārī sukhārhā ca rājaputrī puraṃdara
die zarte, des Glücks würdige Königstochter, Bezwinger der Festungen (Nom.+Vok.)
sā asmābhiḥ saha gaccheta tad bhavān anumanyatām
sie soll mit uns gehen; das mögest du gewähren (Instr.+3.Sg.Opt.+2.Sg.Opt.)

[Anm.: Puraṃdara = Beiname Indras.]

indra uvāca bhrātṝn drakṣyasi putrāṃs tvam agratas tridivaṃ gatān kṛṣṇayā sahitān sarvān mā śuco bharatarṣabha

Indra sprach: „Du wirst deine Brüder und Söhne sehen, die schon vor dir in den dritten Himmel gegangen sind, alle zusammen mit Kṛṣṇā vereint; gräme dich nicht, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
indraḥ uvāca
Indra sprach (3.Sg.Perf.)
bhrātṝn drakṣyasi putrān tvam agrataḥ tridivaṃ gatān
du wirst deine Brüder und Söhne sehen, die schon vor dir in den dritten Himmel gegangen sind (2.Sg.Fut.+Akk.Part.)
kṛṣṇayā sahitān sarvān mā śucaḥ bharatarṣabha
alle mit Kṛṣṇā vereint; gräme dich nicht, Stier der Bharatas (Instr.+Akk.Part.+Inj.)

nikṣipya mānuṣaṃ dehaṃ gatās te bharatarṣabha anena tvaṃ śarīreṇa svargaṃ gantā na saṃśayaḥ

Den menschlichen Körper abgelegt habend, sind sie gegangen, Stier der Bharatas; du aber wirst mit eben diesem Körper in den Himmel gehen, ohne Zweifel.“

Wort für Wort
nikṣipya mānuṣaṃ dehaṃ gatāḥ te bharatarṣabha
den menschlichen Körper abgelegt habend, sind sie gegangen, Stier der Bharatas (Abs.+Nom.Part.)
anena tvaṃ śarīreṇa svargaṃ gantā na saṃśayaḥ
du aber wirst mit eben diesem Körper in den Himmel gehen, ohne Zweifel (Instr.+Nom.Part.Fut.)

yudhiṣṭhira uvāca ayaṃ śvā bhūtabhavyeśa bhakto māṃ nityam eva ha sa gaccheta mayā sārdham ānṛśaṃsyā hi me matiḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Dieser Hund, Herr des Gewesenen und Künftigen, ist mir stets ergeben; er soll mit mir zusammen gehen, denn auf Mitleid ist mein Sinn gerichtet.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
ayaṃ śvā bhūtabhavyeśa bhaktaḥ māṃ nityam eva ha
dieser Hund, Herr des Gewesenen und Künftigen, ist mir stets ergeben (Nom.Part.+Vok.)
sa gaccheta mayā sārdham ānṛśaṃsyāt hi me matiḥ
er soll mit mir zusammen gehen, denn auf Mitleid ist mein Sinn gerichtet (3.Sg.Opt.+Nom.)

indra uvāca amartyatvaṃ matsamatvaṃ ca rājañ śriyaṃ kṛtsnāṃ mahatīṃ caiva kīrtim saṃprāpto 'dya svargasukhāni ca tvaṃ tyaja śvānaṃ nātra nṛśaṃsam asti

Indra sprach: „Unsterblichkeit, Gleichheit mit mir, o König, vollkommenes, großes Glück und Ruhm, sowie die Freuden des Himmels hast du heute erlangt; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß.“

Wort für Wort
amartyatvaṃ matsamatvaṃ ca rājan
Unsterblichkeit und Gleichheit mit mir, o König (Akk.+Vok.)
śriyaṃ kṛtsnāṃ mahatīṃ ca eva kīrtim saṃprāptaḥ adya svargasukhāni ca tvam
vollkommenes, großes Glück und Ruhm, sowie die Freuden des Himmels hast du heute erlangt (Akk.+Nom.Part.+Nom.)
tyaja śvānaṃ na atra nṛśaṃsam asti
verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß (Imp.+3.Sg.Präs.)

yudhiṣṭhira uvāca anāryam āryeṇa sahasranetra śakyaṃ kartuṃ duṣkaram etad ārya mā me śriyā saṃgamanaṃ tayāstu yasyāḥ kṛte bhaktajanaṃ tyajeyam

Yudhiṣṭhira sprach: „Unedles durch einen Edlen zu tun, Tausendäugiger - das ist schwer zu vollbringen, Edler. Nicht soll mir die Vereinigung mit jenem Glück zuteilwerden, um dessentwillen ich einen mir ergebenen Menschen verlassen müsste.“

Wort für Wort
anāryam āryeṇa sahasranetra śakyaṃ kartuṃ duṣkaram etad ārya
Unedles durch einen Edlen zu tun, Tausendäugiger - das ist schwer zu vollbringen, Edler (Akk.+Instr.+Inf.+Vok.)
mā me śriyā saṃgamanaṃ tayā astu yasyāḥ kṛte bhaktajanaṃ tyajeyam
nicht soll mir die Vereinigung mit jenem Glück zuteilwerden, um dessentwillen ich einen mir ergebenen Menschen verlassen müsste (Inj.+Instr.+3.Sg.Opt.+Gen.+1.Sg.Opt.)

indra uvāca svarge loke śvavatāṃ nāsti dhiṣṇyam iṣṭāpūrtaṃ krodhavaśā haranti tato vicārya kriyatāṃ dharmarāja tyaja śvānaṃ nātra nṛśaṃsam asti

Indra sprach: „In der Welt des Himmels gibt es keinen Platz für Hundebesitzer; die dem Zorn Verfallenen rauben [dort] das Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst. Bedenke dies daher, Rechtskönig, und handle danach; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß.“

Wort für Wort
svarge loke śvavatāṃ na asti dhiṣṇyam
in der Welt des Himmels gibt es keinen Platz für Hundebesitzer (Lok.+3.Sg.Präs.+Nom.)
iṣṭāpūrtaṃ krodhavaśā haranti
die dem Zorn Verfallenen rauben das Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst (Akk.+Nom.Part.+3.Pl.Präs.)
tataḥ vicārya kriyatām dharmarāja tyaja śvānaṃ na atra nṛśaṃsam asti
bedenke dies daher, Rechtskönig, und handle danach; verlasse den Hund - darin liegt kein Mitleidsverstoß (Abs.+Imp.Pass.+Imp.)

[Anm.: iṣṭāpūrta = der Verdienst aus Opferhandlungen (iṣṭa) und aus gemeinnuetzigen Werken wie Brunnen- oder Teichbau (pūrta).]

yudhiṣṭhira uvāca bhaktatyāgaṃ prāhur atyantapāpaṃ tulyaṃ loke brahmavadhyākṛtena tasmān nāhaṃ jātu kathaṃ canādya tyakṣyāmy enaṃ svasukhārthī mahendra bhītaṃ bhaktaṃ nānyad astīti cārtaṃ prāptaṃ kṣīṇaṃ rakṣaṇe prāṇalipsum prāṇatyāgād apy ahaṃ nota moktuṃ yateyaṃ vai nityam etad vrataṃ me

Yudhiṣṭhira sprach: „Man sagt, die Verlassung eines Ergebenen sei eine äußerste Sünde, gleich der Tötung eines Brahmanen in der Welt; deshalb werde ich ihn heute auf keinen Fall verlassen, aus Verlangen nach eigenem Glück, großer Indra. Den Furchtsamen, den Ergebenen, für den es nichts anderes gibt, und den Bedrängten, den Schutzsuchenden, den Erschöpften, der nach Rettung seines Lebens verlangt - selbst um den Preis der Aufgabe meines eigenen Lebens werde ich ihn nicht preisgeben; dies ist stets mein Gelübde.“

Wort für Wort
bhaktatyāgaṃ prāhuḥ atyantapāpaṃ tulyaṃ loke brahmavadhyākṛtena
man sagt, die Verlassung eines Ergebenen sei eine äußerste Sünde, gleich der Tötung eines Brahmanen in der Welt (Akk.+3.Pl.Perf.+Instr.)
tasmāt na aham jātu kathaṃ cana adya tyakṣyāmi enaṃ svasukhārthī mahendra
deshalb werde ich ihn heute auf keinen Fall verlassen, aus Verlangen nach eigenem Glück, großer Indra (1.Sg.Fut.+Nom.Part.+Vok.)
bhītaṃ bhaktaṃ na anyat asti iti ca ārtaṃ prāptaṃ kṣīṇaṃ rakṣaṇe prāṇalipsum
den Furchtsamen, den Ergebenen, für den es nichts anderes gibt, und den Bedrängten, den Schutzsuchenden, den Erschöpften, der nach Rettung seines Lebens verlangt (Akk.Part.)
prāṇatyāgāt api aham na uta moktuṃ yateyam vai nityam etad vrataṃ me
selbst um den Preis der Aufgabe meines eigenen Lebens werde ich ihn nicht preisgeben; dies ist stets mein Gelübde (Abl.+1.Sg.Opt.+Inf.+Nom.)

indra uvāca śunā dṛṣṭaṃ krodhavaśā haranti yad dattam iṣṭaṃ vivṛtam atho hutaṃ ca tasmāc chunas tyāgam imaṃ kuruṣva śunas tyāgāt prāpsyase devalokam

Indra sprach: „Was vom Hund gesehen wird, das rauben die dem Zorn Verfallenen - sei es Gegebenes, Geopfertes, Offenbartes oder Dargebrachtes. Deshalb vollziehe diese Verlassung des Hundes; durch die Verlassung des Hundes wirst du die Götterwelt erlangen.

Wort für Wort
śunā dṛṣṭaṃ krodhavaśā haranti
was vom Hund gesehen wird, das rauben die dem Zorn Verfallenen (Instr.+Akk.Part.+Nom.Part.+3.Pl.Präs.)
yad dattam iṣṭaṃ vivṛtam atho hutaṃ ca
sei es Gegebenes, Geopfertes, Offenbartes oder Dargebrachtes (Akk.Part.)
tasmāt śunaḥ tyāgam imaṃ kuruṣva śunaḥ tyāgāt prāpsyase devalokam
deshalb vollziehe diese Verlassung des Hundes; durch die Verlassung des Hundes wirst du die Götterwelt erlangen (Gen.+Imp.Med.+Abl.+2.Sg.Fut.Med.)

tyaktvā bhrātṝn dayitāṃ cāpi kṛṣṇāṃ prāpto lokaḥ karmaṇā svena vīra śvānaṃ cainaṃ na tyajase kathaṃ nu tyāgaṃ kṛtsnaṃ cāsthito muhyase 'dya

Nachdem du die Brüder verlassen hast und auch die geliebte Kṛṣṇā, hast du diese Welt durch deine eigene Tat erlangt, Held; warum verlässt du denn diesen Hund nicht? Du hast schon die vollständige Entsagung auf dich genommen und bist heute [dabei] verwirrt.“

Wort für Wort
tyaktvā bhrātṝn dayitāṃ ca api kṛṣṇāṃ prāptaḥ lokaḥ karmaṇā svena vīra
nachdem du die Brüder und auch die geliebte Kṛṣṇā verlassen hast, hast du diese Welt durch deine eigene Tat erlangt, Held (Abs.+Nom.Part.+Instr.+Vok.)
śvānaṃ ca enaṃ na tyajase kathaṃ nu
warum verlässt du denn diesen Hund nicht (Akk.+2.Sg.Präs.Med.)
tyāgaṃ kṛtsnaṃ ca āsthitaḥ muhyase adya
du hast schon die vollständige Entsagung auf dich genommen und bist heute verwirrt (Akk.+Nom.Part.+2.Sg.Präs.Med.)

yudhiṣṭhira uvāca na vidyate saṃdhir athāpi vigraho mṛtair martyair iti lokeṣu niṣṭhā na te mayā jīvayituṃ hi śakyā tasmāt tyāgas teṣu kṛto na jīvatām

Yudhiṣṭhira sprach: „Mit den Toten gibt es weder Bündnis noch Streit - das ist die feste Gewissheit der Sterblichen in den Welten; sie konnten von mir nicht wieder lebendig gemacht werden, deshalb geschah die Trennung von ihnen, den nicht mehr Lebenden.

Wort für Wort
na vidyate saṃdhiḥ atha api vigrahaḥ mṛtaiḥ martyaiḥ iti lokeṣu niṣṭhā
mit den Toten gibt es weder Bündnis noch Streit - das ist die feste Gewissheit der Sterblichen in den Welten (3.Sg.Präs.Pass.+Nom.+Instr.+Lok.+Nom.)
na te mayā jīvayituṃ hi śakyāḥ tasmāt tyāgaḥ teṣu kṛtaḥ na jīvatām
sie konnten von mir nicht wieder lebendig gemacht werden, deshalb geschah die Trennung von ihnen, den nicht mehr Lebenden (Instr.+Inf.+Nom.Part.+Nom.Part.+Gen.Part.)

pratipradānaṃ śaraṇāgatasya striyā vadho brāhmaṇasvāpahāraḥ mitradrohas tāni catvāri śakra bhaktatyāgaś caiva samo mato me

Die Auslieferung eines Schutzsuchenden, die Tötung einer Frau, der Raub des Eigentums eines Brahmanen, der Verrat an einem Freund - diese vier, Śakra, und ebenso die Verlassung eines Ergebenen gelten mir als gleich [schwerwiegend].“

Wort für Wort
pratipradānaṃ śaraṇāgatasya striyā vadhaḥ brāhmaṇasvāpahāraḥ
die Auslieferung eines Schutzsuchenden, die Tötung einer Frau, der Raub des Eigentums eines Brahmanen (Nom.+Gen.)
mitradrohaḥ tāni catvāri śakra bhaktatyāgaḥ ca eva samaḥ mataḥ me
der Verrat an einem Freund - diese vier, Śakra, und ebenso die Verlassung eines Ergebenen gelten mir als gleich (Nom.+Vok.+Nom.Part.)

vaiśaṃpāyana uvāca tad dharmarājasya vaco niśamya dharmasvarūpī bhagavān uvāca yudhiṣṭhiraṃ prītiyukto narendraṃ ślakṣṇair vākyaiḥ saṃstavasaṃprayuktaiḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er diese Worte des Rechtskönigs vernommen hatte, sprach der Erhabene, der die Gestalt des Dharma selbst trug, voller Zuneigung zu dem Herrscher Yudhiṣṭhira mit sanften, lobenden Worten:

Wort für Wort
tad dharmarājasya vacaḥ niśamya
als er diese Worte des Rechtskönigs vernommen hatte (Abs.)
dharmasvarūpī bhagavān uvāca yudhiṣṭhiraṃ prītiyuktaḥ narendram
sprach der Erhabene, der die Gestalt des Dharma trug, voller Zuneigung, zum Herrscher Yudhiṣṭhira (Nom.+3.Sg.Perf.+Nom.Part.)
ślakṣṇaiḥ vākyaiḥ saṃstavasaṃprayuktaiḥ
mit sanften, lobenden Worten (Instr.)

[Anm.: Hier enthuellt sich der Hund als der Gott Dharma selbst, Yudhiṣṭhiras goettlicher Vater, der ihn auf die Probe gestellt hatte.]

abhijāto 'si rājendra pitur vṛttena medhayā anukrośena cānena sarvabhūteṣu bhārata

„Du bist wahrhaft geboren, Herrscher der Könige, durch das Verhalten deines Vaters, durch Weisheit und durch dieses Mitleid gegenüber allen Wesen, Bhārata.

Wort für Wort
abhijātaḥ asi rājendra pituḥ vṛttena medhayā
du bist wahrhaft geboren, Herrscher der Könige, durch das Verhalten deines Vaters, durch Weisheit (Nom.Part.+2.Sg.Präs.+Instr.)
anukrośena ca anena sarvabhūteṣu bhārata
und durch dieses Mitleid gegenüber allen Wesen, Bhārata (Instr.+Lok.+Vok.)

purā dvaitavane cāsi mayā putra parīkṣitaḥ pānīyārthe parākrāntā yatra te bhrātaro hatāḥ

Einst wurdest du von mir im Dvaitavana geprüft, mein Sohn, dort, wo deine nach Wasser strebenden Brüder getötet wurden.

Wort für Wort
purā dvaitavane ca asi mayā putra parīkṣitaḥ
einst wurdest du von mir im Dvaitavana geprüft, mein Sohn (Lok.+2.Sg.Präs.+Instr.+Nom.Part.)
pānīyārthe parākrāntāḥ yatra te bhrātaraḥ hatāḥ
dort, wo deine nach Wasser strebenden Brüder getötet wurden (Lok.+Nom.Part.+Nom.Part.)

[Anm.: Bezug auf die Yakṣa-Praśna-Episode im Vanaparva, wo Yudhiṣṭhiras Bruedern nacheinander beim Versuch, Wasser zu holen, der Tod widerfuhr, bis er selbst die Fragen des Yakṣa (in Wahrheit seines Vaters Dharma) richtig beantwortete.]

bhīmārjunau parityajya yatra tvaṃ bhrātarāv ubhau mātroḥ sāmyam abhīpsan vai nakulaṃ jīvam icchasi

Wo du, Bhīma und Arjuna, beide Brüder, beiseite lassend, aus Wunsch nach Gleichheit zwischen den beiden Müttern, das Leben des Nakula erbatest.

Wort für Wort
bhīmārjunau parityajya yatra tvaṃ bhrātarau ubhau
wo du, Bhīma und Arjuna, beide Brüder, beiseite lassend (Abs.+Akk.)
mātroḥ sāmyam abhīpsan vai nakulaṃ jīvam icchasi
aus Wunsch nach Gleichheit zwischen den beiden Müttern, das Leben des Nakula erbatest (Gen.+Nom.Part.+Akk.+2.Sg.Präs.)

ayaṃ śvā bhakta ity eva tyakto devarathas tvayā tasmāt svarge na te tulyaḥ kaś cid asti narādhipa

‚Dieser Hund ist mir ergeben‘ - so [dachtest du], und hast deswegen den Götterwagen zurückgewiesen; daher gibt es im Himmel niemanden, der dir gleich ist, Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
ayaṃ śvā bhaktaḥ iti eva tyaktaḥ devarathaḥ tvayā
„dieser Hund ist ergeben“ - so, deswegen hast du den Götterwagen zurückgewiesen (direkte Rede+Nom.Part.+Instr.)
tasmāt svarge na te tulyaḥ kaḥ cit asti narādhipa
daher gibt es im Himmel niemanden, der dir gleich ist, Herrscher der Menschen (Lok.+Nom.+3.Sg.Präs.+Vok.)

atas tavākṣayā lokāḥ svaśarīreṇa bhārata prāpto 'si bharataśreṣṭha divyāṃ gatim anuttamām

Deshalb sind dir unvergängliche Welten [beschieden]; mit eigenem Körper, Bhārata, hast du den unübertrefflichen himmlischen Weg erlangt, Bester der Bharatas.“

Wort für Wort
ataḥ tava akṣayāḥ lokāḥ svaśarīreṇa bhārata
deshalb sind dir unvergängliche Welten [beschieden], mit eigenem Körper, Bhārata (Nom.+Instr.+Vok.)
prāptaḥ asi bharataśreṣṭha divyāṃ gatim anuttamām
hast du den unübertrefflichen himmlischen Weg erlangt, Bester der Bharatas (Nom.Part.+2.Sg.Präs.+Akk.+Vok.)

[Anm.: Yudhiṣṭhira gilt als einziger Pāṇḍava, der mit seinem eigenen, sterblichen Koerper (nicht erst nach dem Tod) den Himmel erreicht.]

tato dharmaś ca śakraś ca marutaś cāśvināv api devā devarṣayaś caiva ratham āropya pāṇḍavam

Dann ließen Dharma und Śakra, die Maruts und auch die beiden Aśvins, die Götter und die Götterweisen den Pāṇḍava den Wagen besteigen,

Wort für Wort
tataḥ dharmaḥ ca śakraḥ ca marutaḥ ca aśvinau api
dann Dharma und Śakra, die Maruts und auch die beiden Aśvins (Nom.)
devāḥ devarṣayaḥ ca eva ratham āropya pāṇḍavam
die Götter und die Götterweisen ließen den Pāṇḍava den Wagen besteigen (Nom.+Caus.Abs.+Akk.)

prayayuḥ svair vimānais te siddhāḥ kāmavihāriṇaḥ sarve virajasaḥ puṇyāḥ puṇyavāgbuddhikarmiṇaḥ

und zogen fort, jene Vollendeten, die nach Belieben umherwandeln, mit ihren eigenen Flugwagen - alle staublos, heilig, von reiner Rede, reinem Denken und reinem Handeln.

Wort für Wort
prayayuḥ svaiḥ vimānaiḥ te siddhāḥ kāmavihāriṇaḥ
und zogen fort mit ihren eigenen Flugwagen, jene Vollendeten, die nach Belieben umherwandeln (3.Pl.Perf.+Instr.+Nom.Part.)
sarve virajasaḥ puṇyāḥ puṇyavāgbuddhikarmiṇaḥ
alle staublos, heilig, von reiner Rede, reinem Denken und reinem Handeln (Nom.Part.)

sa taṃ rathaṃ samāsthāya rājā kurukulodvahaḥ ūrdhvam ācakrame śīghraṃ tejasāvṛtya rodasī

Er, der König, der Träger des Kuru-Geschlechts, jenen Wagen besteigend, stieg rasch nach oben, Himmel und Erde mit seinem Glanz umhüllend.

Wort für Wort
sa taṃ rathaṃ samāsthāya rājā kurukulodvahaḥ
er, der König, der Träger des Kuru-Geschlechts, jenen Wagen besteigend (Abs.+Nom.)
ūrdhvam ācakrame śīghraṃ tejasā āvṛtya rodasī
stieg rasch nach oben, Himmel und Erde mit seinem Glanz umhüllend (3.Sg.Perf.Med.+Instr.+Abs.+Akk.Dual)

tato devanikāyastho nāradaḥ sarvalokavit uvācoccais tadā vākyaṃ bṛhadvādī bṛhattapāḥ

Dann sprach Nārada, der in der Götterschar weilte, der Alleswissende, der Redegewaltige, von großer Askese, da mit lauter Stimme dieses Wort:

Wort für Wort
tataḥ devanikāyasthaḥ nāradaḥ sarvalokavit
dann Nārada, der in der Götterschar weilte, der Alleswissende (Nom.Part.+Nom.)
uvāca uccaiḥ tadā vākyaṃ bṛhadvādī bṛhattapāḥ
sprach da mit lauter Stimme dieses Wort, der Redegewaltige, von großer Askese (3.Sg.Perf.+Adv.+Akk.+Nom.)

ye 'pi rājarṣayaḥ sarve te cāpi samupasthitāḥ kīrtiṃ pracchādya teṣāṃ vai kururājo 'dhitiṣṭhati

„Selbst alle jene königlichen Weisen, die hier versammelt sind - ihren Ruhm überstrahlend, steht der König der Kurus über ihnen.

Wort für Wort
ye api rājarṣayaḥ sarve te ca api samupasthitāḥ
selbst alle jene königlichen Weisen, die hier versammelt sind (Nom.Part.)
kīrtiṃ pracchādya teṣāṃ vai kururājaḥ adhitiṣṭhati
ihren Ruhm überstrahlend, steht der König der Kurus über ihnen (Abs.+Gen.+Nom.+3.Sg.Präs.)

lokān āvṛtya yaśasā tejasā vṛttasaṃpadā svaśarīreṇa saṃprāptaṃ nānyaṃ śuśruma pāṇḍavāt tejāṃsi yāni dṛṣṭāni bhūmiṣṭhena tvayā vibho veśmāni karmadevānāṃ paśyāmūni sahasraśaḥ

Die Welten mit Ruhm, Glanz und dem Reichtum seines Wandels überstrahlend, ist er mit eigenem Körper hier angekommen - von keinem anderen als diesem Pāṇḍava haben wir solches gehört. Die Lichtglanzstätten, die du, als du noch auf der Erde weiltest, gesehen hast, Erhabener - sieh diese Wohnstätten der durch Verdienst zu Göttern gewordenen Menschen, zu Tausenden.“

Wort für Wort
lokān āvṛtya yaśasā tejasā vṛttasaṃpadā
die Welten mit Ruhm, Glanz und dem Reichtum seines Wandels überstrahlend (Abs.+Akk.+Instr.)
svaśarīreṇa saṃprāptaṃ na anyaṃ śuśruma pāṇḍavāt
mit eigenem Körper angekommen - von keinem anderen als diesem Pāṇḍava haben wir solches gehört (Instr.+Nom.Part.+Abl.+1.Pl.Perf.)
tejāṃsi yāni dṛṣṭāni bhūmiṣṭhena tvayā vibho
die Lichtglanzstätten, die du, als du noch auf der Erde weiltest, gesehen hast, Erhabener (Akk.+Akk.Part.+Instr.+Vok.)
veśmāni karmadevānāṃ paśya amūni sahasraśaḥ
sieh diese Wohnstätten der durch Verdienst zu Göttern gewordenen Menschen, zu Tausenden (Akk.+Gen.+Imp.+Adv.)

nāradasya vacaḥ śrutvā rājā vacanam abravīt devān āmantrya dharmātmā svapakṣāṃś caiva pārthivān

Nāradas Worte vernehmend, sprach der König, der Rechtschaffene, die Götter anredend und auch die Könige seiner eigenen Partei, dieses Wort:

Wort für Wort
nāradasya vacaḥ śrutvā rājā vacanam abravīt
Nāradas Worte vernehmend, sprach der König dieses Wort (Abs.+Nom.+3.Sg.Impf.)
devān āmantrya dharmātmā svapakṣān ca eva pārthivān
die Götter anredend, der Rechtschaffene, und auch die Könige seiner eigenen Partei (Abs.+Akk.)

śubhaṃ vā yadi vā pāpaṃ bhrātṝṇāṃ sthānam adya me tad eva prāptum icchāmi lokān anyān na kāmaye

„Sei es heilvoll oder sei es unheilvoll, der Ort meiner Brüder - genau dorthin wünsche ich heute zu gelangen; andere Welten begehre ich nicht.“

Wort für Wort
śubhaṃ vā yadi vā pāpaṃ bhrātṝṇāṃ sthānam adya me
sei es heilvoll oder sei es unheilvoll, der Ort meiner Brüder heute (Akk.+Gen.+Nom.)
tad eva prāptum icchāmi lokān anyān na kāmaye
genau dorthin wünsche ich zu gelangen; andere Welten begehre ich nicht (Inf.+1.Sg.Präs.+Akk.+1.Sg.Präs.Med.)

rājñas tu vacanaṃ śrutvā devarājaḥ puraṃdaraḥ ānṛśaṃsyasamāyuktaṃ pratyuvāca yudhiṣṭhiram

Als er aber die Worte des Königs vernommen hatte, erwiderte der Götterkönig Puraṃdara, von Mitleid erfüllt, dem Yudhiṣṭhira:

Wort für Wort
rājñaḥ tu vacanaṃ śrutvā devarājaḥ puraṃdaraḥ
als er aber die Worte des Königs vernommen hatte, der Götterkönig Puraṃdara (Abs.+Gen.+Nom.)
ānṛśaṃsyasamāyuktaṃ pratyuvāca yudhiṣṭhiram
von Mitleid erfüllt, erwiderte er dem Yudhiṣṭhira (Nom.Part.+3.Sg.Perf.+Akk.)

sthāne 'smin vasa rājendra karmabhir nirjite śubhaiḥ kiṃ tvaṃ mānuṣyakaṃ sneham adyāpi parikarṣasi

„Weile an diesem Ort, Herrscher der Könige, der durch heilvolle Taten errungen wurde; warum trägst du noch heute die menschliche Zuneigung mit dir herum?

Wort für Wort
sthāne asmin vasa rājendra karmabhiḥ nirjite śubhaiḥ
weile an diesem Ort, Herrscher der Könige, der durch heilvolle Taten errungen wurde (Lok.+Imp.+Vok.+Instr.+Lok.Part.)
kiṃ tvaṃ mānuṣyakaṃ sneham adya api parikarṣasi
warum trägst du noch heute die menschliche Zuneigung mit dir herum (Akk.+2.Sg.Präs.)

siddhiṃ prāpto 'si paramāṃ yathā nānyaḥ pumān kva cit naiva te bhrātaraḥ sthānaṃ saṃprāptāḥ kurunandana

Du hast die höchste Vollendung erlangt, wie sonst kein Mensch irgendwo; nicht einmal deine Brüder haben diesen Ort erreicht, Freude der Kurus.

Wort für Wort
siddhiṃ prāptaḥ asi paramāṃ yathā na anyaḥ pumān kva cit
du hast die höchste Vollendung erlangt, wie sonst kein Mensch irgendwo (Akk.+Nom.Part.+2.Sg.Präs.+Nom.)
na eva te bhrātaraḥ sthānaṃ saṃprāptāḥ kurunandana
nicht einmal deine Brüder haben diesen Ort erreicht, Freude der Kurus (Nom.+Akk.+Nom.Part.+Vok.)

adyāpi mānuṣo bhāvaḥ spṛśate tvāṃ narādhipa svargo 'yaṃ paśya devarṣīn siddhāṃś ca tridivālayān

Noch heute berührt dich die menschliche Beschaffenheit, Herrscher der Menschen; dies ist der Himmel - sieh die Götterweisen und die Vollendeten, die Bewohner des dritten Himmels.“

Wort für Wort
adya api mānuṣaḥ bhāvaḥ spṛśate tvāṃ narādhipa
noch heute berührt dich die menschliche Beschaffenheit, Herrscher der Menschen (Nom.+3.Sg.Präs.Med.+Akk.+Vok.)
svargaḥ ayaṃ paśya devarṣīn siddhān ca tridivālayān
dies ist der Himmel - sieh die Götterweisen und die Vollendeten, die Bewohner des dritten Himmels (Nom.+Imp.+Akk.)

yudhiṣṭhiras tu devendram evaṃvādinam īśvaram punar evābravīd dhīmān idaṃ vacanam arthavat

Yudhiṣṭhira aber, der Weise, sprach wiederum zu dem so redenden Herrscher, dem Götterkönig, dieses bedeutsame Wort:

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ tu devendram evaṃvādinam īśvaram
Yudhiṣṭhira aber zu dem so redenden Herrscher, dem Götterkönig (Nom.+Akk.)
punaḥ eva abravīt dhīmān idaṃ vacanam arthavat
sprach wiederum, der Weise, dieses bedeutsame Wort (3.Sg.Impf.+Nom.+Akk.)

tair vinā notsahe vastum iha daityanibarhaṇa gantum icchāmi tatrāhaṃ yatra me bhrātaro gatāḥ

„Ohne sie vermag ich nicht, hier zu weilen, Bezwinger der Daityas; dorthin wünsche ich zu gehen, wohin meine Brüder gegangen sind.

Wort für Wort
taiḥ vinā na utsahe vastum iha daityanibarhaṇa
ohne sie vermag ich nicht, hier zu weilen, Bezwinger der Daityas (Instr.+1.Sg.Präs.Med.+Inf.+Vok.)
gantum icchāmi tatra aham yatra me bhrātaraḥ gatāḥ
dorthin wünsche ich zu gehen, wohin meine Brüder gegangen sind (Inf.+1.Sg.Präs.+Nom.Part.)

yatra sā bṛhatī śyāmā buddhisattvaguṇānvitā draupadī yoṣitāṃ śreṣṭhā yatra caiva priyā mama

Wohin jene Große, Dunkle, mit den Eigenschaften von Weisheit und Wesensgüte begabte, Draupadī, die Beste der Frauen, gegangen ist - dorthin, wohin auch sie, die mir lieb ist.“

Wort für Wort
yatra sā bṛhatī śyāmā buddhisattvaguṇānvitā
wohin jene Große, Dunkle, mit den Eigenschaften von Weisheit und Wesensgüte begabte (Nom.)
draupadī yoṣitāṃ śreṣṭhā yatra ca eva priyā mama
Draupadī, die Beste der Frauen, gegangen ist - dorthin, wohin auch sie, die mir lieb ist (Nom.)

[Anm.: Ende des Kapitels und zugleich des Mahāprasthānikaparva; Fortsetzung in Buch 18, Svargārohaṇaparva.]

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