Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 11

Adhyāya 6 Agnihotra: Bhṛgus Jenseitsschau, Janakas Belehrung durch Yājñavalkya und das Gespräch über die Götterzahl

Brāhmaṇa 1 (Bhṛgu-Erzählung): Bhṛgu, Sohn Varuṇas, hält sich für klüger als sein Vater und wird zur Schau der vier Himmelsrichtungen und einer Zwischenrichtung geschickt; er sieht Männer, die einander zerteilen oder verzehren, zwei Frauen und einen dunklen Mann mit Stab. Varuṇa deutet sie auf Bäume, Tiere, Pflanzen, Wasser, Glaube, Unglaube und Zorn und verbindet sie mit den Handlungen des Agnihotra (Brennholz, Milch, Grashalm, Wasser, erste und zweite Spende, Wasserausgießen). Brāhmaṇa 2 (Agnihotra-Streitgespräch): König Janaka fragt Śvetaketu, Somaśuṣma und Yājñavalkya nach ihrem Agnihotra; Yājñavalkya zeigt, wie die beiden Spenden durch Luftraum, Himmel, Erde, Mensch und Frau wandern; Janaka wird daraufhin Brahmane. Brāhmaṇa 3 (Śākalya-Gespräch): Beim Opfer Janakas beansprucht Yājñavalkya die tausend Kühe; Vidagdha Śākalya befragt ihn zur Zahl der Götter (3306, 33, 3, 2, 1½, 1); Yājñavalkya erklärt Vasus, Rudras, Ādityas, Indra und Prajāpati; Śākalya fragt zu weit und stirbt.

bhṛgurha vai vāruṇiḥ varuṇam pitaraṃ vidyayātimene taddha varuṇo vidāṃ cakārātivai mā vidyayā manyata iti

Bhṛgu, der Sohn Varuṇas, hielt sich seinem Vater Varuṇa durch (sein) Wissen für überlegen. Das bemerkte Varuṇa: „Er dünkt sich mir durch Wissen weit überlegen.“

sa hovāca prāṅ putraka vrajatāttatra yatpaśyetaddṛṣṭvā dakṣiṇā vrajatāttatra yatpaśyestaddṛṣṭvā pratyagvrajatāttatra yatpaśyestaddṛṣṭvodagvrajatāttatra yatpaśyestaddṛṣṭvaitayoḥ pūrvayoruttaramanvavāntaradeśaṃ vrajatāttatra yatpaśyestanma ācakṣīthā iti

Er sagte: „Geh nach Osten, mein Söhnchen; was du dort siehst, das sieh dir an (und berichte). Nachdem du es gesehen hast, geh nach Süden; was du dort siehst, (sieh dir an). Nachdem du es gesehen hast, geh nach Westen; was du dort siehst, (sieh dir an). Nachdem du es gesehen hast, geh nach Norden; was du dort siehst, (sieh dir an). Nachdem du es gesehen hast, geh im Anschluss an die nördliche dieser beiden früheren (Richtungen) in die Zwischenrichtung [Anm.: Lesart und Bezug von „uttaram anu“ unsicher; gemeint ist wohl die nordöstliche Zwischenrichtung [?]]. Was du dort siehst, das sollst du mir berichten.“

sa ha tata eva prāṅ pravavrāja edu puruṣaiḥ puruṣānparvāṇyeṣām parvaśaḥ saṃvraścam parvaśo vibhajamānānidaṃ tavedam mameti sa hovāca bhīṣmam bata bhoḥ puruṣānnvā etatpuruṣāḥ parvāṇyeṣāṃ saṃvraścam parvaśo vyabhakṣateti te hocuritthaṃ vā ime'smānamuṣmiṃloke'sacanta tānvayamidamiha pratisacāmahā iti sa hovācāstīha prāyaścittī3rityastīti kā-ti pitā te vedeti

Da ging er von dort geradewegs nach Osten. Er kam (dort) zu Männern [Anm.: „edu“ als „da kam er zu“ gedeutet [?]], die Männer Glied für Glied zerschnitten und Glied für Glied zerteilten (und dabei sagten): „Dies ist dein, dies ist mein.“ Er sagte: „Furchtbar, ihr Herren! Männer also zerteilen Männer, Glied für Glied zerschnitten!“ Sie sprachen: „So haben diese uns in jener Welt (angegangen/zugesetzt) [asacanta: Bedeutung unsicher [?]]; wir gehen hier (nun) ihnen entsprechend zu Leibe.“ Er sagte: „Gibt es hier einen Sühnekundigen (prāyaścittin, einen, der eine Sühne weiß)?“ – „Es gibt ihn.“ – „Wen?“ – „Dein Vater weiß es.“

sa ha tata eva dakṣiṇā pravavrāja edu puruṣaiḥ puruṣānparvāṇyeṣām parvaśaḥ saṃkartam parvaśo vibhajamānānidaṃ tavedam mameti sa hovāca bhīṣmam bata bhoḥ puruṣānnvā etatpuruṣāḥ parvāṇyeṣām parvaśaḥ saṃkartam parvaśo vyabhakṣateti te hocuritthaṃ vā ime'smānamuṣmiṃloke'sacanta tānvayamidamiha pratisacāmahā iti sa hovācāstīha prāyaścittī3rityastīti kā-ti pitaiva te vedeti

Da ging er von dort geradewegs nach Süden. Er kam (dort) zu Männern, die Männer Glied für Glied durchschnitten und Glied für Glied zerteilten (und dabei sagten): „Dies ist dein, dies ist mein.“ Er sagte: „Furchtbar, ihr Herren! Männer also zerteilen Männer, Glied für Glied durchschnitten!“ Sie sprachen: „So haben diese uns in jener Welt (angegangen/zugesetzt) [?]; wir gehen hier (nun) ihnen entsprechend zu Leibe.“ Er sagte: „Gibt es hier einen Sühnekundigen?“ – „Es gibt ihn.“ – „Wen?“ – „Dein Vater eben weiß es.“

sa ha tata eva pratyaṅ pravavrāja edu puruṣaiḥ puruṣāṃstūṣṇīmāsīnāṃstūṣṇīmāsīnairadyamānāntsa hovāca bhīṣmam bata bhoḥ puruṣānnvā etatpuruṣāstūṣṇīmāsīnāṃstūṣṇīmāsīnā adantīti te hocuritthaṃ vā ime'smānamuṣmiṃloke'sacanta tānvayamidamiha pratisacāmahā iti sa hovācāstīha prāyaścittī3rityastīti kā-ti pitaiva te vedeti

Da ging er von dort geradewegs nach Westen. Er kam (dort) zu Männern, die schweigend dasaßen und von schweigend dasitzenden (Männern) verzehrt wurden. Er sagte: „Furchtbar, ihr Herren! Männer also, die schweigend dasitzen, werden von schweigend dasitzenden (Männern) verzehrt!“ Sie sprachen: „So haben diese uns in jener Welt (angegangen/zugesetzt) [?]; wir gehen hier (nun) ihnen entsprechend zu Leibe.“ Er sagte: „Gibt es hier einen Sühnekundigen?“ – „Es gibt ihn.“ – „Wen?“ – „Dein Vater eben weiß es.“

sa ha tata evodaṅ pravavrāja edu puruṣaiḥ puruṣānākrandayata ākrandayadbhiradyamānāntsa hovāca bhīṣmam bata bhoḥ puruṣānnvā etatpuruṣā ākrandayata ākrandayanto'dantīti te hocuritthaṃ vā ime'smānamu

Da ging er von dort geradewegs nach Norden. Er kam (dort) zu Männern, die laut schrien und von laut schreienden (Männern) verzehrt wurden. Er sagte: „Furchtbar, ihr Herren! Männer also, die laut schreien, werden von laut schreienden (Männern) verzehrt!“ Sie sprachen: „So haben diese uns in jener Welt …“ [Anm.: Der überlieferte Text bricht hier mitten im Satz ab (nach „asmānamu“); der Rest ist nach Analogie von 1.3–1.5 zu ergänzen: „… (angegangen/zugesetzt); wir gehen hier (nun) ihnen entsprechend zu Leibe. – Gibt es hier einen Sühnekundigen? – Es gibt ihn. – Wen? – Dein Vater eben weiß es.“ [?]]

sa ha tata evaitayoḥ pūrvayoḥ uttaramanvavāntaradeśam pravavrājedu striyau kalyāṇīṃ cātikalyāṇīṃ ca te antareṇa puruṣaḥ kṛṣṇaḥ piṅgākṣo daṇḍapāṇistasthau taṃ hainaṃ dṛṣṭvā bhīrviveda sa hetya saṃviveśa taṃ ha pitovācādhīṣva svādhyāyaṃ kasmānnu svādhyāyaṃ nādhīṣa iti sa hovāca kimadhyeṣye na kiṃ canāstīti taddha varuṇo vidāṃ cakārādrāgvā iti

Da ging er von dort geradewegs in die Zwischenrichtung im Anschluss an die beiden früheren [?]. Er kam (dort) zu zwei Frauen, einer schönen und einer überaus schönen. Zwischen ihnen stand ein Mann, schwarz, mit gelbbraunen Augen, den Stab in der Hand. Als er ihn erblickte, ergriff ihn Furcht; er ging (heim) und legte sich nieder [„saṃviveśa“, wörtlich „ging hinein/legte sich hin“]. Ihm sagte der Vater: „Studiere den Veda (svādhyāya, das Eigenstudium). Warum nur studierst du den Veda nicht?“ Er sagte: „Was soll ich studieren? Es gibt nichts.“ Da erkannte Varuṇa: „Er hat (es) gesehen!“

sa hovāca yānvai tatprācyāṃ diśyadrākṣīḥ puruṣaiḥ pu ruṣānparvāṇyeṣām parvaśaḥ saṃvraścam parvaśo vibhajamānānidaṃ tavedam mameti vanaspatayo vai te abhūvantsa yadvanaspatīnāṃ samidhamādadhāti tena vanaspatīnavarunddhe tena vanaspatīnāṃ lokaṃ jayati

Er sagte: „Jene, die du in der östlichen Himmelsrichtung gesehen hast, die Männer, die Männer Glied für Glied zerschnitten und Glied für Glied zerteilten (und sagten): ‚Dies ist dein, dies ist mein‘ – das waren die Bäume (vanaspati, „Herren des Waldes“). Indem man nun ein Brennholzscheit (samidh) auflegt, gewinnt man damit die Bäume und erobert damit die Welt der Bäume.“

atha yānetataddakṣiṇāyāṃ diśyadrākṣīḥ puruṣaiḥ puruṣānparvāṇyeṣām parvaśaḥ saṃkartam parvaśo vibhajamānānidaṃ tavedam mameti paśavo vai te abhūvantsa yatpayasā juhoti tena paśūnavarundhe tena paśūnāṃ lokaṃ jayati

„Ferner jene, die du in der südlichen Himmelsrichtung gesehen hast, die Männer, die Männer Glied für Glied durchschnitten und zerteilten (und sagten): ‚Dies ist dein, dies ist mein‘ – das waren die Tiere. Indem man nun mit Milch opfert, gewinnt man damit die Tiere und erobert damit die Welt der Tiere.“

atha yānetatpratīcyāṃ diśyadrākṣīḥ puruṣaiḥ puruṣāṃstūṣṇīmāsīnāṃstūṣṇīmāsīnairadyamānānoṣadhayo vai tā abhūvantsa yattṛṇenāvajyotayati tenauṣadhīravarunddhe tenauṣadhīnāṃ lokaṃ jayati

„Ferner jene, die du in der westlichen Himmelsrichtung gesehen hast, die Männer, die schweigend dasaßen und von schweigend dasitzenden verzehrt wurden – das waren die Pflanzen. Indem man nun mit einem Grashalm (das Feuer) aufleuchten lässt, gewinnt man damit die Pflanzen und erobert damit die Welt der Pflanzen.“

atha yānetadudīcyāṃ diśyadrākṣīḥ puruṣaiḥ puruṣānākrandayata ākrandayadbhiradyamānānāpo vai tā abhūvantsa yadapaḥ pratyānayati tenāpo'varunddhe tenāpāṃ lokaṃ jayati

„Ferner jene, die du in der nördlichen Himmelsrichtung gesehen hast, die Männer, die laut schrien und von laut schreienden verzehrt wurden – das waren die Wasser. Indem man nun Wasser zurückbringt [Anm.: gemeint ist das Wasser, das nach der Spende ans Feuer/um das Feuer zurückgeführt wird [?]], gewinnt man damit die Wasser und erobert damit die Welt der Wasser.“

atha ye ete striyāvadrākṣīḥ kalyāṇīṃ cātikalyāṇīṃ ca sā yā kalyāṇī sā śraddhā sa yatpūrvāmāhutiṃ juhoti tena śraddhāmavarunddhe tena śraddhāṃ jayatyatha yātikalyāṇī sāśraddhā sa yaduttarāmāhutiṃ juhoti tenāśraddhāmavarunddhe tenāśraddhāṃ jayati

„Ferner die beiden Frauen, die du gesehen hast, eine schöne und eine überaus schöne: Die schöne, das ist der Glaube (śraddhā). Indem man nun die erste Spende (āhuti) darbringt, gewinnt man damit den Glauben und erobert den Glauben. Die überaus schöne aber ist der Unglaube (aśraddhā). Indem man nun die zweite Spende darbringt, gewinnt man damit den Unglauben (d. h. überwindet ihn) und erobert den Unglauben.“

atha ya ene so'ntareṇa puruṣaḥ kṛṣṇaḥ piṅgākṣo daṇḍapāṇirasthātkrodho vai so'bhūtsa yatsrucyapa ānīya ninayati tena krodhamavarunddhe tena krodhaṃ jayati sa ya evaṃ vidvānagnihotraṃ juhoti tena sarvaṃ jayati sarvamavarunddhe

„Ferner jener Mann, der zwischen ihnen stand, schwarz, gelbbraunäugig, den Stab in der Hand – das war der Zorn (krodha). Indem man nun Wasser in den Opferlöffel (sruc) bringt und (ihn damit) ausgießt, gewinnt man damit den Zorn und erobert den Zorn. Wer so wissend das Agnihotra opfert, der erobert damit alles, der gewinnt alles für sich.“

janako ha vai vaideho brāhmaṇairdhāvayadbhiḥ samājagāma śvetaketunāruṇeyena somaśuṣmeṇa sātyayajñinā yājñavalkyena tānhovāca kathaṃ-kathamagnihotraṃ juhutheti

Janaka von Videha traf mit Brahmanen zusammen, die (ihre Wagen) jagten [Anm.: „dhāvayadbhiḥ“, „eilend/umherjagend“, Deutung unsicher [?]], mit Śvetaketu Āruṇeya, Somaśuṣma Sātyayajñi und Yājñavalkya. Er sagte zu ihnen: „Wie, wie (jeweils) opfert ihr das Agnihotra (das tägliche Feueropfer)?“

sa hovāca śvetaketurāruṇeyo gharmāveva samrāḍahamajasrau yaśasā viṣyandamānāvanyo'nyasminjuhomīti kathaṃ tadityādityo vai gharmastaṃ sāyamagnau juhomyagnirvai gharmastam prātarāditye juhomīti kiṃ sa bhavati ya evaṃ juhotyajasra eva śriyā yaśasā bhavatyetayośca devatayoḥ sāyujyaṃ salokatāṃ jayatīti

Śvetaketu Āruṇeya sagte: „Zwei Gharmas (Gluten), Herrscher, opfere ich, unversiegbar, im Glanz (Ruhm) ineinander fließend, den einen in den anderen.“ – „Wie das?“ – „Āditya (die Sonne) ist ein Gharma; den opfere ich abends im Feuer. Agni ist ein Gharma; den opfere ich morgens in der Sonne.“ – „Was wird der, der so opfert?“ – „Unversiegbar wird er an Glück und Ruhm, und er gewinnt die Vereinigung (sāyujya) und Weltgemeinschaft (salokatā) mit diesen beiden Gottheiten.“

atha hovāca śomaśuṣmaḥ sātyayajñiḥ teja eva samrāḍahaṃ tejasi juhomīti kathaṃ tadityādityo vai tejastaṃ sāyamagnau juhomyagnirvai tejastam prātarāditye juhomīti kiṃ sa bhavati ya evaṃ juhotīti tejasvī yaśasvyannādo bhavatyetayoścaiva devatayoḥ sāyujyaṃ salokatāṃ jayatīti

Darauf sagte Somaśuṣma Sātyayajñi: „Glanz (teja) eben, Herrscher, opfere ich in den Glanz.“ – „Wie das?“ – „Āditya ist Glanz; den opfere ich abends im Feuer. Agni ist Glanz; den opfere ich morgens in der Sonne.“ – „Was wird der, der so opfert?“ – Er wird glänzend, ruhmreich, ein Speiseesser, und er gewinnt die Vereinigung und Weltgemeinschaft mit diesen beiden Gottheiten.

atha hovāca yājñavalkyaḥ yadahamagnimuddharāmyagnihotrameva tadudyacāmyādityaṃ vā astaṃ yantaṃ sarve devā anuyanti te ma etamagnimuddhṛtaṃ dṛṣṭvopāvartante'thāham pātrāṇi nirṇijyopavāpyāgnihotrīṃ dohayitvā paśyanpaśyatastarpayāmīti tvaṃ nediṣṭhaṃ yājñavalkyāgnihotrasyāmīmāṃsiṣṭhā dhenuśataṃ dadāmīti hovāca na tvevainayostvamutkrātriṃ na gatiṃ na pratiṣṭhāṃ na tṛptiṃ na punarāvṛttiṃ na lokam pratyutthāyinamityuktvā rathamāsthāya pradhāvayāṃ cakāra

Darauf sagte Yājñavalkya: „Wenn ich das Feuer (aus der Feuerstätte) aufnehme, so hebe ich eben das Agnihotra empor. Wenn die Sonne untergeht, folgen ihr alle Götter; sie kehren zu mir zurück, wenn sie dieses Feuer aufgenommen sehen. Dann reinige ich die Gefäße, lasse (das Kalb) [Anm.: „upavāpya“ unsicher, wohl „das Kalb zulassen/heranbringen“ [?]] zu, lasse die Agnihotra-Kuh melken und sättige (sie) vor ihren Augen.“ – „Du bist dem Agnihotra am nächsten gekommen in deinem Nachsinnen, Yājñavalkya; ich gebe dir hundert Kühe“, sagte (Janaka). (Yājñavalkya sprach:) „Doch von diesen beiden (Spenden) kennst du weder das Hinausgehen [utkrātri, ein sonst nicht belegtes Wort; „Aufbruch/Hinausgang“ nach dem Zusammenhang [?]], noch den Weg, noch den Halt, noch die Sättigung, noch die Wiederkehr, noch die Welt, die (für den Opferer) aufsteht [pratyutthāyin; Bezug unsicher [?]].“ Nachdem er das gesagt hatte, stieg er auf seinen Wagen und fuhr davon. [Anm.: Wer „iti hovāca“ vor „na tv evainayoḥ“ spricht, ist nicht ausdrücklich gesagt; nach dem Zusammenhang Yājñavalkya.]

te hocuḥ ati vai no'yaṃ rājanyabandhuravādīddhantainam brahmodyamāhvayāmahā iti sa hovāca yājñavalkyo brāhmaṇā vai vayaṃ smo rājanyabandhurasau yadyamuṃ vayaṃ jayema kamajaiṣmeti brūyāmātha yadyasāvasmānjayedbrāhmaṇānrājanyabandhurajaiṣīditi no brūyurmedamādṛḍhvamiti taddhāsya jajñuratha ha yājñavalkyo rathamāstāyānupradhāvayāṃ cakāra taṃ hānvājagāma sa hovācāgnihotraṃ yājñavalkya veditū3mityagnihotraṃ samrāḍiti

Jene (Brahmanen) sagten: „Dieser Kṣatriya-Anverwandte (rājanya-bandhu, ein bloß dem Namen nach Adliger) hat uns übertroffen. Wohlan, fordern wir ihn zu einem Brahmarätsel-Wettstreit (brahmodya) heraus!“ Yājñavalkya sagte: „Wir sind Brahmanen, jener ist ein Kṣatriya-Anverwandter. Wenn wir jenen besiegen, wen hätten wir (dann) besiegt, müssten wir sagen. Wenn uns aber jener besiegte, würden sie sagen: ‚Ein Kṣatriya-Anverwandter hat Brahmanen besiegt.‘ Lasst euch darauf nicht ein!“ Sie gaben ihm darin Recht [„taddhāsya jajñuḥ“, wörtlich „das erkannten sie von ihm an“ [?]]. Da bestieg Yājñavalkya seinen Wagen und fuhr weiter. Janaka holte ihn ein und sagte: „Kennst du das Agnihotra, Yājñavalkya?“ – „Das Agnihotra, Herrscher.“

te vā ete āhutī hute utkrāmataḥ te antarikṣamāviśataste antarikṣamevāhavanīyaṃ kurvāte vāyuṃ samidham marīcīreva śukrāmāhutiṃ te antarikṣaṃ tarpayataste tata utkrāmataḥ

„Diese beiden Spenden, wenn sie dargebracht sind, steigen auf. Sie treten in den Luftraum ein; den Luftraum machen sie zum Ahavanīya (Opferfeuer, in das geopfert wird), den Wind zum Brennholz, die Lichtstrahlen zur hellen (śukra) Spende. Sie sättigen den Luftraum, und von dort steigen sie (weiter) auf.“

te divamāviśataḥ te divamevāhavanīyaṃ kurvāte ādityaṃ samidhaṃ candramasameva śukrāmāhutiṃ te divaṃ tarpayataste tata āvartete

„Sie treten in den Himmel ein; den Himmel machen sie zum Ahavanīya, die Sonne zum Brennholz, den Mond zur hellen Spende. Sie sättigen den Himmel, und von dort kehren sie zurück.“

te imāmāviśataḥ te imāmevāhavanīyaṃ kurvāte agniṃ samidhamoṣadhīreva śukrāmāhutiṃ te imāṃ tarpayataste tata utkrāmataḥ

„Sie treten in diese (Erde) ein; diese Erde machen sie zum Ahavanīya, Agni zum Brennholz, die Pflanzen zur hellen Spende. Sie sättigen diese (Erde), und von dort steigen sie (wieder) auf.“

te puruṣamāviśataḥ tasya mukhamevāhavanīyaṃ kurvāte jihvāṃ samidhamannameva śukrāmāhutiṃ te puruṣaṃ tarpayataḥ sa ya evaṃ vidvānaśnātyagnihotramevāsya hutam bhavati te tata utkrāmataḥ

„Sie treten in den Menschen ein; seinen Mund machen sie zum Ahavanīya, die Zunge zum Brennholz, die Speise zur hellen Spende. Sie sättigen den Menschen. Wer so wissend isst, dessen Agnihotra ist eben damit dargebracht. Von dort steigen sie (weiter) auf.“

te striyamāviśataḥ tasyā upasthamevāhavanīyaṃ kurvāte dhārakāṃ samidhaṃ dhārakā ha vai nāmaiṣaitayā ha vai prajāpatiḥ prajā dhārayāṃ cakāra reta eva śukrāmāhutiṃ te striyaṃ tarpayataḥ sa ya evaṃ vidvānmithunamupaityagnihotramevāsya hutam bhavati yastataḥ putro jāyate sa lokaḥ pratyutthāyyetadagnihotraṃ yājñavalkya nātaḥ paramastīti hovāca tasmai ha yājñavalkyo varaṃ dadau sa hovāca kāmapraśna eva me tvayi yājñavalkyāsaditi tato brahmā janaka āsa

„Sie treten in die Frau ein; ihre Scham (upastha) machen sie zum Ahavanīya, die Dhārakā („Trägerin“) zum Brennholz – Dhārakā ist nämlich der Name hierfür; mit ihr hat Prajāpati die Geschöpfe getragen –, den Samen zur hellen Spende. Sie sättigen die Frau. Wer so wissend den Beischlaf vollzieht, dessen Agnihotra ist eben damit dargebracht. Der Sohn, der daraus geboren wird, ist die Welt, die (nach dem Tod) aufsteht [„pratyutthāyin“ [?]].“ – „Das ist das Agnihotra, Yājñavalkya; darüber hinaus gibt es nichts“, sagte (Janaka). Yājñavalkya gewährte ihm einen Wunsch. Er sagte: „Das Fragen nach Belieben (kāmapraśna) sei mir bei dir gewährt, Yājñavalkya.“ Von da an war Janaka ein Brahmane [Anm.: „brahmā āsa“ wörtlich „wurde Brahman“; gemeint wohl: wurde als Brahmane (Wissender) anerkannt, nicht der Priester Brahman [?]].

janako ha vaideho bahudakṣiṇena yajñeneje sa ha gavāṃ sahasramavarundhannuvācaitā vo brāhmaṇā yo brahmiṣṭhaḥ sa udajatāmiti

Janaka von Videha opferte mit einem Opfer mit reichen Opfergaben (bahudakṣiṇa). Er hatte tausend Kühe (im Pferch) eingehegt und sagte: „Diese (Kühe) gehören euch, ihr Brahmanen: Wer von euch der Brahmiṣṭha (der im Brahman Erfahrenste) ist, der soll sie forttreiben.“

sa hovāca yājñavalkyo 'rvācīretā iti te hocustvaṃ svinno yājñavalkya brahmiṣṭho'sī3 iti sa hovāca namo'stu brahmiṣṭhāya gokāmā eva vayaṃ sma iti

Da sagte Yājñavalkya (zu seinen Schülern): „Treibt sie hierher!“ Jene sagten: „Bist du etwa, Yājñavalkya, der Brahmiṣṭha?“ Er sagte: „Verehrung dem Brahmiṣṭha! Wir wollen eben nur Kühe.“

te hocuḥ ko na imam prakṣyatīti sa hovāca vidagdhaḥ śākalyo'hamiti taṃ ha pratikhyāyovāca tvāṃ svicākalya brāhmaṇā ulmukāvakṣayaṇamakratā3iti

Sie sagten: „Wer wird ihn befragen?“ Da sagte er: „Ich, Vidagdha Śākalya.“ Der (Yājñavalkya) blickte ihn an und sagte: „Śākalya, machen dich etwa die Brahmanen zu ihrem Feuerbrand-Löscher [„ulmuka-avakṣayaṇa“, wörtlich „Ort des Verzehrens/Herabbrennens der Feuerbrände“, d. h. wohl zu ihrem Handlanger, der die Kohlen aus dem Feuer holt; Deutung unsicher [?]]?“

sa hovāca kati devā yājñavalkyeti trayaśca trī ca śatā trayaśca trī ca sahasretyomiti hovāca katyeva devā yājñavalkyeti trayastriṃśadityomiti hovāca katyeva devā yājñavalkyeti traya ityomiti hovāca katyeva devā yājñavalkyeti dvāvityomiti hovāca katyeva devā yājñavalkyetyadhyardha ityomiti hovāca katyeva devā yājñavalkyetyeka ityomiti hovāca katame te trayaśca trī ca śatā trayaśca trī ca sahasreti

Er sagte: „Wie viele Götter gibt es, Yājñavalkya?“ – „Dreihundert und drei, und dreitausend und drei.“ – „Om (ja)“, sagte er. „Wie viele Götter gibt es eigentlich, Yājñavalkya?“ – „Dreiunddreißig.“ – „Om“, sagte er. „Wie viele Götter gibt es eigentlich, Yājñavalkya?“ – „Drei.“ – „Om“, sagte er. „Wie viele Götter gibt es eigentlich, Yājñavalkya?“ – „Zwei.“ – „Om“, sagte er. „Wie viele Götter gibt es eigentlich, Yājñavalkya?“ – „Anderthalb (adhyardha).“ – „Om“, sagte er. „Wie viele Götter gibt es eigentlich, Yājñavalkya?“ – „Einen.“ – „Om“, sagte er. „Welches sind die dreihundert und drei und die dreitausend und drei?“

sa hovāca mahimāna evaiṣāmete trayastriṃśattveva devā iti katame te trayastriṃśadityaṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśādityāsta ekatriṃśadindraścaiva prajāpatiśca trayastrṃśāviti

Er sagte: „Das sind nur ihre Machtentfaltungen (mahiman); es gibt eben dreiunddreißig Götter.“ – „Welches sind die dreiunddreißig?“ – „Acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas: das sind einunddreißig; Indra und Prajāpati sind der zweiunddreißigste und dreiunddreißigste.“

katame vasava iti agniśca pṛthivī ca vāyuścāntarikṣaṃ cādityaśca dyauśca candramāśca nakṣatrāṇi caite vasava ete hīdaṃ sarvaṃ vāsayante te yadidaṃ sarvaṃ vāsayante tasmādvasava iti

„Welches sind die Vasus?“ – „Agni und die Erde, Vāyu (der Wind) und der Luftraum, Āditya (die Sonne) und der Himmel, der Mond und die Sternbilder: das sind die Vasus. Diese lassen ja dieses All wohnen (vāsayante); weil sie dieses All wohnen lassen, heißen sie Vasus.“

katame rudrā iti daśeme puruṣe prāṇā ātmaikādaśaste yadāsmānmartyācarīrādutkrāmantyatha rodayanti tadyadrodayanti tasmādrudrā iti

„Welches sind die Rudras?“ – „Diese zehn Lebenshauche (prāṇa) im Menschen, der Selbst (ātman) ist der elfte. Wenn sie aus diesem sterblichen Körper hinausgehen, dann machen sie weinen (rodayanti); weil sie weinen machen, heißen sie Rudras.“

katama ādityā iti dvādaśa māsāḥ saṃvatsarasyaita ādityā ete hīdaṃ sarvamādadānā yanti te yadidaṃ sarvamādadānā yanti tasmādādityā iti

„Welches sind die Ādityas?“ – „Die zwölf Monate des Jahres: das sind die Ādityas. Diese gehen ja dahin, alles an sich nehmend (ādadānāḥ); weil sie dahingehen, dieses All an sich nehmend, heißen sie Ādityas.“

katama indraḥ katamaḥ prajāpatiriti stanayitnurevendro yajñaḥ prajāpatiriti katama stanayitnurityaśaniriti katamo yajña iti paśava iti

„Wer ist Indra, wer ist Prajāpati?“ – „Der Donner (stanayitnu) ist Indra, das Opfer ist Prajāpati.“ – „Was ist der Donner?“ – „Der Blitzstrahl (aśani).“ – „Was ist das Opfer?“ – „Die Tiere.“

katame te trayo devā iti ima eva trayo lokā eṣu hīme sarve devā iti katamau tau dvau devāvityannaṃ caiva prāṇaśceti katamo'dhyardha iti yo'yam pavata iti katama eko deva iti prāṇa iti

„Welches sind die drei Götter?“ – „Eben diese drei Welten; denn in ihnen sind alle diese Götter.“ – „Welches sind die beiden Götter?“ – „Die Speise und der Lebenshauch (prāṇa).“ – „Welcher ist der Anderthalbte?“ – „Der, der hier weht (der Wind).“ – „Welcher ist der eine Gott?“ – „Der Lebenshauch.“

sa hovāca anatipraśnyām mā devatāmatyaprākṣīḥ puretithyai mariṣyasi na te'sthīni cana gṛhānprāpsyantīti sa ha tathaiva mamāra tasya hāpyanyanmanyamānāḥ parimoṣiṇo'sthīnyapajahrustasmānnopavādī syāduta hyevaṃvitparo bhavati

Er (Yājñavalkya) sagte: „Du hast nach einer Gottheit gefragt, die man nicht überfragen darf (anatipraśnya); du wirst sterben, noch bevor …“ [Anm.: „puretithyai“ unklar, vielleicht „bevor (du) zur Gastung/zum Ziel gelangst“ [?]]. „Nicht einmal deine Knochen werden (wieder) nach Hause gelangen.“ Und so starb er tatsächlich. Räuber nahmen seine Knochen weg, weil sie etwas anderes (Wertvolles) darin vermuteten. Deshalb soll man kein Schmäher sein; denn auch ein solcher Wissender kann (einem) überlegen sein [„paro bhavati“ [?]].

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