Adhyāya 7
Das Tieropfer (paśubandha): Sinn, Art, Dakṣiṇā, Opferpfosten (yūpa), Netzfett (vapā)
Brāhmaṇa 1 (Sinn des Paśubandha): Vieh und Häuser; Erneuerung der alternden Feuer; Selbst-Loskauf mit dem Tier als Mann für den Mann; Fleisch als höchste Speise. Brāhmaṇa 2 (Art des Opfers): Paśubandha als Havis-Opfer-artig und Soma-Pressungs-artig; Entsprechung von Prayājas, Puroḍāśa und Anuyājas zu den drei Pressungen; Zeitpunkt der Dakṣiṇā; Ersatz des Abschlussbades (avabhṛtha) durch den Ṣaḍḍhotṛ und den Herzspieß; Soma und der Palāśa-Pfosten. Brāhmaṇa 3 (Holz und Gestalt des Pfostens): welche Pfosten Vieh, Leben und Nahrung bringen oder schaden. Brāhmaṇa 4 (Pfostenlänge und Vorgehen): Ellenmaße und Welten; Ājyabhāgas als Augen des Opfers; Garen des Herzens; die fünffache Vapā.
paśubandhena yajate paśavo vai paśubandhaḥ sa yatpaśubandhena yajate paśumānasānīti tena gṛheṣu yajeta gṛheṣu paśūnbadhnā iti tena suyavase yajeta suyavase paśūnbadhnā iti jīryanti ha vai juhvato yajamānasyāgnayo'gnīnjīryato'nu yajamāno yajamānamanu gṛhāśca paśavaśca
Er opfert mit dem Tieropfer (paśubandha). Die Tiere sind nämlich das Paśubandha. Dass er mit dem Paśubandha opfert (bedeutet): „Ich möchte Tierbesitzer werden.“ Darum soll er in den Häusern opfern: „In den Häusern will ich Tiere binden.“ Darum soll er auf guter Weide (suyavasa) opfern: „Auf guter Weide will ich Tiere binden.“ Denn es altern dem Opferer, der opfert, die Feuer; wenn die Feuer altern, altern dem Opferer folgend, dem Opferer folgend, auch die Häuser und die Tiere.
sa yatpaśubandhena yajate agnīnevaitatpunarṇavānkurute'gnīnām punarṇavatāmanu yajamānamanu gṛhāśca paśavaścāyuṣyo ha vā asyaiṣa ātmaniṣkrayaṇo bhavati māṃsīyanti ha vai juhvato yajamānasyāgnayaste yajamānameva dhyāyanti yajamānaṃ saṃkalpayanti pacanti vā anyeṣvagniṣu vṛthāmāṃsamathaiteṣāṃ nāto'nyā māṃsāśā vidyate yasyo caite bhavanti
Indem er mit dem Paśubandha opfert, macht er eben die Feuer wieder neu (punarṇava). Wenn die Feuer wieder neu sind, (werden) dem Opferer folgend auch die Häuser und die Tiere (wieder neu). Lebenserhaltend ist ihm dies, ein Loskauf seiner selbst (ātmaniṣkrayaṇa). Die Feuer des Opferers, der (dauernd) opfert, verlangen nämlich nach Fleisch; sie sinnen nur auf den Opferer, sie trachten nach ihm [?; ‚saṃkalpayanti‘ unsicher]. Denn in den anderen Feuern kocht man nutzloses Fleisch [?; ‚vṛthāmāṃsa‘ unsicher]. Es gibt aber für diese (Feuer) keine andere Fleisch-Erwartung als diese (Paśubandha), für den, dem diese (Feuer) gehören.
sa yatpaśubandhena yajate ātmānamevaitanniṣkrīṇīte vīreṇa vīraṃ vīro hi paśurvīro yajamāna etadu ha vai paramannādyaṃ yanmāṃsaṃ sa paramasyaivānnādyasyāttā bhavati taṃ vai saṃvatsaro nānījanamatīyādāyurvai saṃvatsara āyurevaitadamṛtamātmandhatte
Indem er mit dem Paśubandha opfert, löst er eben sich selbst aus: einen Mann (vīra) mit einem Mann; denn das Tier ist ein Mann (männlich), der Opferer ist ein Mann. Fleisch aber ist die höchste Speise; er wird Esser der höchsten Speise. Das Jahr soll ihn nicht als Nicht-Opfernden übergehen [?; ‚anījanam‘ unsicher: ‚ohne geopfert zu haben‘]. Das Jahr ist nämlich Lebensdauer; so setzt er sich eben die unsterbliche Lebensdauer ein.
haviryajñavidho ha vā anyaḥ paśubandhaḥ savavidho'nyaḥ sa haiṣa haviryajñavidho yasminvratamupanayati yasminnapaḥ praṇayati yasminpūrṇapātraṃ ninayati yasminviṣṇukramānkramayatyatha haiṣa savavidho yasminnetāni na kriyante
Von zweierlei Art nämlich ist das Paśubandha: das eine ist nach Art eines Havis-Opfers (haviryajña), das andere nach Art einer Soma-Pressung (sava). Nach Art des Havis-Opfers ist das, bei dem er das Gelübde (vrata) einführt, bei dem er die Wasser herbeiführt, bei dem er das volle Gefäß ausgießt, bei dem er die Viṣṇu-Schritte machen lässt. Nach Art der Soma-Pressung ist das, bei dem diese (Handlungen) nicht ausgeführt werden.
tadāhuḥ iṣṭiḥ paśubandhā3 mahāyajñā3 iti mahāyajña iti ha brūyādiṣṭiṃ vai tarhi paśubandhamakarvyenamakṛkṣathā ityenam brūyāt
Da sagen sie: „Ist das Paśubandha eine Iṣṭi (Opferhandlung) oder ein großes Opfer (mahāyajña)?“ Er soll sagen: „Ein großes Opfer.“ Dem, der ‚Iṣṭi‘ sagt, soll er entgegnen: „Dann hast du das Paśubandha zu einer Iṣṭi gemacht und es zerstückelt [?; ‚vyenam akṛkṣathā‘ unsicher].“
tasya prayājā eva prātaḥsavanam anuyājāstṛtīyasavanam puroḍāśa eva mādhyandinaṃ savanam
Dessen Vor-Opfer (prayāja) sind eben die Morgenpressung (prātaḥsavana), die Nach-Opfer (anuyāja) die Dritte Pressung, der Reiskuchen (puroḍāśa) eben die Mittagspressung.
taddhaike vapāyāṃ hutāyāṃ dakṣiṇā nayanti tadu tathā na kuryādyo hainaṃ tatra brūyādbahirdhā nvā ayam prāṇebhyo dakṣiṇā anaiṣīnna prāṇānadadakṣadandho vā srāmo vā badhiro vā pakṣahato vā bhaviṣyatītīśvaro ha tathaiva syāt
Darüber (ist zu sagen): Manche führen die Dakṣiṇā(-Geschenke) nach dem Darbringen des Netzfetts (vapā). Man soll es aber nicht so tun. Wenn einer ihn da so anspräche: „Nach außen von den Lebenshauchen hat dieser die Dakṣiṇās geführt; den Lebenshauchen hat er nicht geschenkt; er wird blind, lahm, taub oder gelähmt werden“, dann könnte es tatsächlich so kommen.
So soll man es tun: Erst nachdem die Iḍā (Opferanteil) vom Reiskuchen herbeigerufen (upahūta) ist, soll man die Dakṣiṇā führen. Dies ist der indrische Hauch in der Mitte; diesen indrischen Hauch in der Mitte beschenkt er (macht er gedeihen) mit den Dakṣiṇās. Indrisch ist die Mittagspressung; bei der Mittagspressung werden die Dakṣiṇās geführt. Darum soll man die Dakṣiṇā erst nach dem Herbeirufen der Iḍā beim Reiskuchen führen.
Da sagen sie: „Adhvaryu, wenn dem Geweihten (dīkṣita) ohne Abschlussbad (avabhṛtha) (das Opfer) nicht passt – wo wurde er dann geweiht?“ Bis zum Abschlussbad sollen sie (ihn) stärken: der Adhvaryu, der Pratiprasthātṛ, der Hotṛ, der Maitrāvaruṇa, der Brahman und der Āgnīdhra. Durch diese ist er der Sechs-Hotṛ (ṣaḍḍhotṛ) [?; Deutung des Satzes unsicher]. Diesem nacheilend opfert er den Ṣaḍḍhotṛ(-Spruch), indem er eine Spende macht und (dazu) fünf Butter(spenden) [?; ‚pañca vājyā‘ unsicher]: „Himmel (als) Rücken, Luftraum, das Selbst; mit den Gliedern das Opfer, die Erde mit den Körpern; Herr der Rede, mit unversehrter Rede, mit unversehrtem Löffel hat er im Himmel das götterfördernde Hotṛ-Amt erregt (?), svāhā“ [?; Mantra-Verständnis unsicher]. Das eben ist die Weihe.
tadāhuḥ adhvaryo yaddīkṣitasya nānavabhṛtho'vakalpate kvainamavabhṛthamavaneṣyasīti sa yaddhṛdayaśūlena caranti sa haivaitasyāvabhṛthaḥ
Da sagen sie: „Adhvaryu, wenn dem Geweihten ohne Abschlussbad (das Opfer) nicht passt – wohin wirst du ihm das Abschlussbad führen?“ Wenn sie mit dem Herzspieß (hṛdayaśūla) verfahren, so ist eben das sein Abschlussbad.
Madhuka Paiṅgya sagte: „Die einen opfern das Paśubandha ohne Soma, die anderen mit Soma. Im Himmel war der Soma; ihn holte die Gāyatrī, zum Vogel geworden. Was von ihm als Blatt (parṇa) abgeschnitten wurde, das ist die Blatt-heit (parṇatva) des Parṇa(-Baumes). Das wird in diesem Brāhmaṇa vorgetragen. Die einen opfern das Paśubandha ohne Soma, die anderen mit Soma. Der opfert das Paśubandha ohne Soma, der einen anderen Pfosten als aus Palāśa-Holz macht; der aber opfert das Paśubandha mit Soma, der einen Palāśa-Pfosten macht. Darum soll man eben einen Palāśa-Pfosten machen.“
sa ya eṣa bahusāraḥ sa hāpaśavyastasmāttādṛśam paśukāmo yūpaṃ na kurvītātha ya eṣa phalguprāsahaḥ sa ha paśavyastasmāttādṛśam paśukāmo yūpaṃ kurvīta
Der, der viel Kernholz (bahusāra) hat, der ist nicht dem Vieh zuträglich (apaśavya); darum soll einer, der Vieh begehrt, keinen solchen Pfosten (yūpa) machen. Der aber, der (mit) weichem (phalgu) Holz widerstandsfähig (prāsaha) ist [?; ‚phalguprāsaha‘ unsicher], der ist dem Vieh zuträglich; darum soll einer, der Vieh begehrt, einen solchen Pfosten machen.
atha yasyaitadvakrasya sataḥ śūla-ivāgram bhavati sa ha kapotī nāma sa yo ha tādṛśaṃ yūpaṃ kurute purā hāyuṣo'muṃ lokameti tasmāttādṛśamāyuṣkāmo yūpaṃ na kurvīta
Der aber, der krumm ist und an dessen Spitze es wie ein Spieß (śūla) ist, der heißt Kapotī [?; wörtlich ‚Täubin‘]. Wer einen solchen Pfosten macht, geht vor seiner Lebenszeit in jene Welt; darum soll einer, der langes Leben begehrt, keinen solchen Pfosten machen.
atha ya eṣa ānataḥ upariṣṭādapanato madhye so'śanāyai rūpaṃ sa yo ha tādṛśaṃ yūpaṃ kurute'śanāyukā hāsya bhāryā bhavanti tasmāttādṛśamannādyakāmo yūpaṃ na kurvītātha ya eṣa ānata upariṣṭādupanato madhye so'nnādyasya rūpaṃ tasmāttādṛśamannādyakāmo yūpaṃ kurvīta
Der aber, der (an den Enden) gebogen, oben (aber) abgewendet in der Mitte ist [?; ‚ānataḥ upariṣṭād apanato madhye‘ unsicher], der ist die Gestalt des Hungers (aśanāyā); wer einen solchen Pfosten macht, dessen Frauen werden hungrig; darum soll einer, der Nahrung (annādya) begehrt, keinen solchen Pfosten machen. Der aber, der gebogen, oben (aber) hingeneigt in der Mitte ist [?], der ist die Gestalt der Nahrung; darum soll einer, der Nahrung begehrt, einen solchen Pfosten machen.
sa yatpaśunā yakṣyamāṇaḥ ekāratniṃ yūpaṃ kuruta imameva tena lokaṃ jayatyatha yaddvyaratnimantarikṣalokameva tena jayatyatha yattryaratniṃ divameva tena jayatyatha yaccaturartniṃ diśa eva tena jayati sa vā eṣa tryaratnirvaiva caturaratnirvā paśubandhayūpo bhavatyatha yo'ta ūrdhvaḥ saumyasyaiva so'dhvarasya
Wenn er, im Begriff, mit einem Tier zu opfern, einen Pfosten von einer Elle (aratni) macht, so gewinnt er damit eben diese Welt; wenn von zwei Ellen, so gewinnt er damit eben die Welt des Luftraums; wenn von drei Ellen, so gewinnt er damit eben den Himmel; wenn von vier Ellen, so gewinnt er damit eben die Himmelsrichtungen. Dieser Paśubandha-Pfosten ist entweder von drei oder von vier Ellen. Was darüber hinausgeht, gehört nur zum Soma-Opfer (saumya adhvara).
tadāhuḥ yajedājyabhāgau nā3 iti yajedityāhuścakṣuṣī vā ete yajñasya yadājyabhāgau kimṛte puruṣaścakṣurbhyāṃ syāditi yāvadvai bhāginaṃ svena bhāgadheyena na nirbhajantyanirbhakto vai sa tāvanmanyate'tha yadaiva taṃ svena bhāgadheyena nirbhajantyathaiva sa nirbhakto manyate sa yatraitaddhotānvāhāsnā rakṣaḥ saṃsṛjatāditi tadenaṃ svena bhāgadheyena nirbhajati
Da sagen sie: „Soll man die beiden Ājyabhāga(-Spenden) opfern oder nicht?“ „Man soll opfern“, sagen sie. „Die beiden Augen des Opfers sind nämlich die Ājyabhāgas; wie sollte ein Mensch ohne Augen sein?“ Solange man einen Anteilsberechtigten nicht mit seinem eigenen Anteil abfindet, meint er, nicht abgefunden zu sein; sobald man ihn aber mit seinem Anteil abfindet, meint er abgefunden zu sein. Wenn der Hotṛ da (nachspricht): „Mit Blut (asnā) möge sich das Rakṣas verbinden“, so findet er damit eben diesen (den Rakṣas) mit seinem Anteil ab [Anm.: Bezug von ‚enam‘ auf die Rakṣas ist Deutung; die Verbindung zu den Ājyabhāgas bleibt unsicher].
Dies (nämlich): Beim Tier, das man zum Ersticken bringt (saṃjñapyamāna), geht das Herz eingetrocknet [?] ein: der Herzspieß (hṛdayaśūla). Wenn sie das Tier zusammen mit dem Herzen garen, könnte dem Tier wieder Kummer (śuc) nachzucken [?; ‚śug anuviṣpandeta‘ unsicher]; so soll er es (das Herz) seitlich auf einem Holz durchstochen garen.
Er streut die Schmelzbutter unter: damit macht er die Gestalt der Erde. Er legt ein Goldstückchen (hiraṇyaśakala) darauf: damit macht er die Gestalt Agnis. Er legt das Netzfett (vapā) darauf: damit macht er die Gestalt des Luftraums. Er legt ein Goldstückchen darauf: damit macht er die Gestalt der Sonne (āditya). Dass er oben (Butter) darübergießt (abhighārayati): damit macht er die Gestalt des Himmels. Diese Vapā ist so eine, von der fünfmal genommen wird (pañcāvattā); fünffach ist das Opfer, fünffach das Tier, fünf sind die Jahreszeiten des Jahres; darum ist die Vapā eine, von der fünfmal genommen wird.