Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 11

Adhyāya 1 Das Jahr ist das Opfer

Brāhmaṇa 1 (Die Neumondnacht als Tor der Feuerlegung): Das Jahr (saṃvatsara) wird mit dem Opfer und mit Prajāpati gleichgesetzt; die Neumondnacht gilt als dessen Tür, der Mond selbst als Türverschluss. Wer die Feuer bei Neumond legt, gelangt wie durch eine offene Tür geradewegs zur Himmelswelt; wer dies unter einem beliebigen Mondhaus (nakṣatra) tut, sucht dagegen vergeblich auf Umwegen hineinzugelangen. Brāhmaṇa 2 (Die Vollzähligkeit des Opfers): Behandelt wird die Vollständigkeit des Opfers als Voraussetzung seines Gelingens, veranschaulicht am Bild des Auspressens des Soma-Königs und der rituellen Tötung des Opfertiers, die beide als notwendige, wenn auch gleichsam gewaltsame Bestandteile des Opfers gedeutet werden. Brāhmaṇa 3 (Die Nachopferspenden für Indra und Aditi): Dieses Brāhmaṇa erörtert die Nachopferspende (anunirvapaṇa) an Aditi bei Neumond bzw. an Indra bei Vollmond, die zugehörige Dakṣiṇā und die Regel, wann eine solche Nachspende zu unterbleiben hat, mit Rückgriff auf den alten Sieg Indras über Vṛtra. Brāhmaṇa 4 (Der ungewiss erschienene Mond und die Vratacaryā): Für den Fall, dass der Neumond zunächst nicht sichtbar zu sein scheint und die Opferer fälschlich zu fasten beginnen, wird die Gelübde-Beobachtung (vratacaryā) geregelt: die bereits zubereiteten Opfergaben werden am folgenden Tag verwendet, die zum Melken angebundenen Kälber wieder von den Müttern gelöst, oder es wird ersatzweise ein Opferkuchen aus Reis für Agni als 'Geber' dargebracht. Brāhmaṇa 5 (Der himmlische Hund und die Sühne beim verspäteten Mondaufgang): Geht der Mond noch später auf, gilt dies als Werk eines 'himmlischen Hundes', der durch eine besondere Sühnehandlung – unter anderem die Gabe mehrerer Bögen als Dakṣiṇā – vertrieben werden muss, damit das Opfer dennoch ordnungsgemäß vollzogen werden kann. Brāhmaṇa 6 (Von den Wassern zu Prajāpati: die Geburt des Jahres und des Opfers): Die kosmogonische Erzählung von den Uranfänglichen Wassern (āpaḥ), die sich nach Fortpflanzung sehnten und durch ihre Askese (tapas) ein goldenes Ei hervorbrachten, aus dem nach einem Jahr Prajāpati als Mensch (puruṣa) geboren wurde; von Prajāpati werden sodann die Götter Agni, Indra, Soma und Parameṣṭhin (der Prājāpatya) sowie zuletzt Prajāpati selbst als fünfte Gottheit unterschieden, die alle mit demselben wunscherfüllenden Opfer opfern und sich dadurch nacheinander aus einem Wasser- bzw. Windzustand lösen; eingelagert ist die Erzählung vom Devāsura-Kampf, in dem Prajāpati das von ihm selbst geschaffene Übel (pāpman) gegen die Asuras wendet und sie damit besiegt. Brāhmaṇa 7 (Das Vrata-Essen und das Agnihotra als Ausweg): Behandelt werden Sonderregeln für das Essen während des Opfergelübdes sowie das Agnihotra als Möglichkeit, im Zweifelsfall dennoch dem rituellen Erfordernis Genüge zu tun. Brāhmaṇa 8 (Das Opfer als Selbstauslösung Prajāpatis): Den Abschluss bildet die Deutung des Opfers als jener Akt, durch den sich Prajāpati selbst aus seiner Erschöpfung nach der Schöpfung der Wesen wiederherstellt und auslöst – eine Vorstellung, die zugleich das gesamte im ersten Adhyāya entfaltete Beziehungsgeflecht von Jahr, Opfer und Prajāpati zusammenführt.

saṃvatsaro vai yajñaḥ prajāpatiḥ tasyaitaddvāraṃ yadamāvāsyā candramā eva dvārapidhānaḥ

Das Jahr (saṃvatsara) ist wahrlich das Opfer (yajña), ist Prajāpati. Seine Tür ist die Neumondnacht (amāvāsyā), und der Mond selbst ist ihr Riegel.

sa yo'māvāsyāyāmagnī ādhatte yathā vivṛtāyāṃ dvāri dvārā puram prapadyeta sa tata eva svargaṃ lokamiyādevaṃ tadyo'māvāsyāyāmādhatte

Wer am Neumondstag die Feuer legt (agnī ādhatte), gleicht einem, der bei offener Tür durch ebendiese Tür in die Burg gelangt: von dort aus gelangt er geradewegs in die Himmelswelt (svargaloka). Ebenso ergeht es dem, der am Neumondstag die Feuer legt.

atha yo nakṣatra ādhatte yathāpihitāyāṃ dvāryadvārā puram prapitsetsa jihmaḥ puraḥ syādevaṃ tadyo nakṣatra ādhatte tasmānna nakṣatra ādadhīta

Wer dagegen unter einem beliebigen Mondhaus (nakṣatra) die Feuer legt, gleicht einem, der bei verschlossener Tür nicht durch sie, sondern auf Umwegen in die Burg zu gelangen sucht: ein solcher bleibt schief vor der Burg stehen. Ebenso ergeht es dem, der unter einem Nakṣatra die Feuer legt. Darum lege man die Feuer nicht unter einem beliebigen Nakṣatra.

yadaharevaiṣaḥ na purastānna paścāddṛśyeta tadaharupavasettarhi hyeṣa imaṃ lokamāgacati tasminniha vasati

An dem Tag, an dem der Mond weder vorher noch nachher sichtbar ist, soll man fasten (upavasati); denn gerade dann kommt er in diese Welt und nimmt hier Wohnung.

sarve devā vasanti sarvāṇi bhūtāni sarvā devatāḥ sarva ṛtavaḥ sarve stomāḥ sarvāṇi pṛṣṭhāni sarvāṇi candāṃsi

An diesem Tag wohnen hier alle Götter, alle Wesen, alle Gottheiten, alle Jahreszeiten (ṛtu), alle Stomas, alle Pṛṣṭhas, alle Versmaße (chandas).

sarveṣu ha vā asya deveṣu sarveṣu bhūteṣu sarvāsu devatāsu sarveṣvṛtuṣu sarveṣu stomeṣu sarveṣu pṛṣṭheṣu sarveṣu candaḥsvagnī āhitau bhavato yo'māvāsyāyāmādhatte tasmādamāvāsyāyāmevāgnī ādadhīta

In allen seinen Göttern, allen Wesen, allen Gottheiten, allen Jahreszeiten, allen Stomas, allen Pṛṣṭhas und allen Versmaßen sind die Feuer gelegt bei dem, der sie am Neumondstag legt. Darum lege man die Feuer eben am Neumondstag.

yo'sau vaiśākhasyāmāvāsyā tasyāmādadhīta sā rohiṇyā sampadyata ātmā vai prajā paśavo rohiṇyātmanyevaitatprajāyām paśuṣu pratitiṣṭhatyamāvāsyā vā agnyādheyarūpaṃ tasmādamāvāsyāyāmevāgnī ādadhīta paurṇamāsyāmanvārabhetāmāvāsyāyāṃ dīkṣeta

Jene Neumondnacht, die auf den Monat Vaiśākha fällt, ist die rechte, an der man die Feuer legen soll; sie trifft mit dem Nakṣatra Rohiṇī zusammen. Nachwuchs (prajā) und Vieh (paśu) sind das Selbst (ātman); durch Rohiṇī, das Selbst, gewinnt dies eben in der Nachkommenschaft, im Vieh, seinen festen Halt (pratitiṣṭhati). Die Neumondnacht ist ja die eigentliche Form der Feuerlegung (agnyādheya). Darum lege man die Feuer eben am Neumondstag; an der Vollmondnacht (paurṇamāsī) knüpfe man an, an der Neumondnacht empfange man die Weihe (dīkṣā).

ghnanti vā etadyajñam yadenaṃ tanvate yannveva rājānamabhiṣuṇvanti tattaṃ ghnanti yatpaśuṃ saṃjñapayanti viśāsati tattaṃ ghnantyulūkhalamusalābhyāṃ dṛṣadupalābhyāṃ haviryajñaṃ ghnanti

Man erschlägt dieses Opfer (yajña) gewissermaßen schon dadurch, dass man es ausspannt (tanute): Indem man nämlich den König (Soma) presst (abhiṣuṇvanti), erschlägt man ihn eben damit; indem man das Opfertier betäubt (saṃjñapayati) und zerlegt (viśāsati), erschlägt man es eben damit; und mit Mörser und Stößel, mit den beiden Presssteinen, erschlägt man die Opfergabe (havis) – so erschlägt man das Opfer.

taṃ hatvā yajñam agnāveva yonau reto bhūtaṃ siñcatyagnirvai yoniryajñasya sa tataḥ prajāyate taddaśa tā āhutīḥ sampādayedyābhyo vaṣaṭkriyate

Nachdem man dieses Opfer erschlagen hat, gießt man es, zu Samen (retas) geworden, eben in den Schoß (yoni), in Agni; denn Agni ist der Schoß des Opfers, aus ihm wird es wiedergeboren. Darum bringe man jene zehn Opferspenden (āhuti) vollständig dar, bei denen der Vaṣaṭ-Ruf (vaṣaṭkāra) erfolgt.

ayaṃ vai yajño yo'yam pavate so'yameka ivaiva pavate so'yam puruṣe'ntaḥ praviṣṭo daśadhāvihitaḥ sa evam kḷptaiḥ prāṇairagneryoneradhijāyate saiṣā daśākṣarā virāṭ saiṣā sampatsa yajñaḥ

Dieses Opfer ist das, was hier weht (pavate); es weht wie ein Einziges. In den Menschen (puruṣa) eingegangen, ist es zehnfach verteilt; so wird es, mit den zehn so bereiteten Lebenshauchen (prāṇa) versehen, aus dem Schoß Agnis wiedergeboren. Das ist jene zehnsilbige Virāj – das ist die rechte Vollzähligkeit (sampad), das ist das Opfer.

atho api nava syuḥ tannyūnāṃ virājaṃ karoti prajananāya nyūnādvā imāḥ prajāḥ prajāyante saiṣā sampatsa yajñaḥ

Wären es aber nur neun Spenden, so machte das die Virāj mangelhaft (nyūna) – zum Zweck der Fortpflanzung (prajanana); denn aus dem Mangelhaften werden diese Geschöpfe geboren. Das ist die rechte Vollzähligkeit, das ist das Opfer.

atho apyekātiriktā syāt sā prajāpatimabhyatiricyate saiṣā sampatsa yajñaḥ

Wäre aber eine Spende überzählig, so ginge sie über auf Prajāpati hinaus. Das ist die rechte Vollzähligkeit, das ist das Opfer.

atho api dve atirikte syātām dvandvaṃ vai mithunam prajananam mithunamevaitatprajananaṃ kriyate saiṣā sampatsa yajñaḥ

Wären aber zwei überzählig – ein Paar (dvandva) ist ja das Mittel der Paarung und Fortpflanzung (mithuna, prajanana); eben ein Paar, ein Fortpflanzungsmittel, wird damit geschaffen. Das ist die rechte Vollzähligkeit, das ist das Opfer.

atho api tisro'tiriktā syuḥ dvandvamaha mithunam prajananamatha yajjāyate tattṛtīyaṃ saiṣā sampatsa yajñaḥ

Wären aber drei überzählig – ein Paar (dvandva) ist ja das Paarungsmittel der Fortpflanzung, und was daraus geboren wird, ist das Dritte. Das ist die rechte Vollzähligkeit, das ist das Opfer.

atho api catasro'tiriktāḥ syuḥ tadyathaikaivaṃ catasrastrayo vā ime lokāstadimāneva lokāṃstisṛbhirāpnoti prajāpatirvā atīmāṃlokāṃścaturthastatprajāpatimeva caturthyāpnoti saiṣā sampatsa yajñaḥ

So gilt auch, wenn vier Spenden überzählig wären, Entsprechendes wie bei einer überzähligen: Diese vier nämlich sind eigentlich drei – denn drei sind diese Welten (loka); mit den dreien erlangt er eben diese Welten, Prajāpati aber ist der Vierte, jenseits dieser Welten – mit der vierten Spende erlangt er eben Prajāpati selbst. Das ist die rechte Vollzähligkeit, das ist das Opfer.

sa yaddvābhyāmūnaṃ tadūnaṃ so'yajño yatpañcabhiratiriktaṃ tadatiriktaṃ so'yajñaḥ saiṣaiva daśatyadhi sampadeṣā viṃśatyāmeṣā sahasrāt

Fehlen zwei, so ist das ein Mangel (ūna) – dann ist es kein Opfer (ayajña); sind fünf zu viel, so ist das ein Überschuss (atirikta) – auch dann ist es kein Opfer. Eben diese Zahl von zehn bildet die Vollzähligkeit, die sich darüber hinaus bis zur Zwanzig, ja bis zum Tausend fortsetzt.

ājiṃ vā ete dhāvanti ye darśapūrṇamāsābhyāṃ yajante sa vai pañcadaśa varṣāṇi yajeta teṣām pañcadaśānāṃ varṣāṇāṃ trīṇi ca śatāni ṣaṣṭiśca paurṇamāsyaścāmāvāsyāśca trīṇi ca vai śatāni ṣaṣṭiśca saṃvatsarasya rātrayastadrātrīrāpnoti

Ein Wettrennen (āji) laufen gewissermaßen alle, die mit dem Neu- und Vollmondopfer (darśapūrṇamāsa) opfern. Man opfere nun fünfzehn Jahre lang; in diesen fünfzehn Jahren gibt es dreihundertsechzig Vollmond- und Neumondnächte, und ebenso viele, dreihundertsechzig, hat das Jahr (saṃvatsara) an Nächten – diese Nächte erlangt er damit.

athāparāṇi pañcadaśaiva varṣāṇi yajeta teṣām pañcadaśānāṃ varṣāṇāṃ trīṇi caiva śatāni ṣaṣṭiśca paurṇamāsyaścāmāvāsyāśca trīṇi ca vai śatāni ṣaṣṭiśca saṃvatsarasyāhāni tadahānyāpnoti tadveva saṃvatsaramāpnoti

Dann opfere er weitere fünfzehn Jahre; in diesen fünfzehn Jahren gibt es wiederum dreihundertsechzig Vollmond- und Neumondtage, und ebenso viele Tage hat auch das Jahr – diese Tage erlangt er damit; damit erlangt er eben das ganze Jahr.

martyā ha vā agre devā āsuḥ sa yadaiva te saṃvatsaramāpurathāmṛtā āsuḥ sarvaṃ vai saṃvatsaraḥ sarvaṃ vā akṣayyameteno hāsyākṣayyaṃ sukṛtam bhavatyakṣayyo lokaḥ

Sterblich waren die Götter anfangs. Als sie aber das Jahr erlangt hatten, wurden sie unsterblich (amṛta). Das Jahr ist ja das Ganze (sarva), und das Ganze ist unvergänglich (akṣayya); dadurch wird auch sein Wohlgetanes (sukṛta) unvergänglich, unvergänglich wird die Welt (loka).

sa ājisṛtāmekaḥ ya evaṃ vidvāṃstriṃśataṃ varṣāṇi yajate tasmādu triṃśatameva varṣāṇi yajeta yadyu dākṣāyaṇayajñī syādatho api pañcadaśaiva varṣāṇi yajetātra hyeva sā sampatsampadyate dve hi paurṇamāsyau yajate dve amāvāsye atro eva khalu sā sampadbhavati

Der einzige wahre Wettläufer (āji-sṛt) ist, wer, dies wissend, dreißig Jahre lang opfert. Darum opfere man eben dreißig Jahre. Ein Dākṣāyaṇa-Opferer aber opfere auch nur fünfzehn Jahre; denn schon dabei kommt jene Vollzähligkeit (sampad) zustande, da er dann zwei Vollmond- und zwei Neumondopfer darbringt – eben dabei stellt sich jene Vollzähligkeit ein.

paurṇamāseneṣṭvā indrāya vimṛdhe'nunirvapati tena yatheṣṭyaivaṃ yajata āmāvāsyeneṣṭvādityai carumanunirvapati tena yatheṣṭyaivaṃ yajate

Nachdem er mit dem Vollmondopfer (paurṇamāsa) geopfert hat, bringt er dem Indra Vimṛdh eine Nachopferspende (anunirvapati) dar; damit opfert er so, wie es dem Hauptopfer entspricht. Nachdem er mit dem Neumondopfer (amāvāsya) geopfert hat, bringt er der Aditi einen Caru als Nachopferspende dar; auch damit opfert er, wie es dem Hauptopfer entspricht.

sa yatpaurṇamāseneṣṭvā indrāya vimṛdhe'nunirvapatīndro vai yajñasya devatāthaidagnīṣomīyam paurṇamāsaṃ havirbhavati tatra nendrāya tveti kiṃ cana kriyata eteno hāsyaitatsendraṃ havirbhavatyetena sendro yajño'tha yadvimṛdhe tveti sarvā u hi mṛdho nāṣṭrāḥ paurṇamāsena hanti

Dass er nun, nachdem er mit dem Vollmondopfer geopfert hat, dem Indra Vimṛdh eine Nachopferspende darbringt: Indra ist ja die Gottheit des Opfers schlechthin; die Vollmondopfergabe aber gehört Agni und Soma (agnīṣomīya), und Indra selbst wird dabei nichts dargebracht. Dadurch also erhält diese Opfergabe Anteil an Indra, dadurch ist das Opfer mit Indra versehen. Was aber das 'dem Vimṛdh' betrifft: Mit dem Vollmondopfer erschlägt er ja alle Bedränger (mṛdh), die Nāṣṭra-Dämonen.

atha yadāmāvāsyeneṣṭvā adityai carumanunirvapatyeṣa vai somo rājā devānāmannaṃ yaccandramāḥ sa yatraiṣa etāṃ rātriṃ na purastānna paścāddadṛśe tenaitadanaddheva havirbhavati tenāpratiṣṭhitamiyaṃ vai pṛthivyaditiḥ seyamaddhā seyam pratiṣṭhitaiteno hāsyaitadaddheva havirbhavatyetena pratiṣṭhitametannu tadyasmādanunirvapatyatha yasmānnānunirvapet

Dass er aber, nachdem er mit dem Neumondopfer geopfert hat, der Aditi einen Caru als Nachopferspende darbringt: Der Mond (candramas) ist ja König Soma, die Speise der Götter. Da er nun in dieser Nacht weder vorher noch nachher gesehen wird, ist diese Opfergabe dadurch gleichsam ungebunden (anaddha) und ohne festen Halt (apratiṣṭhita). Diese Erde (pṛthivī) aber ist Aditi; sie ist wahrhaftig (addhā) und hat festen Halt (pratiṣṭhita). Dadurch also wird diese Opfergabe gleichsam wahrhaftig und erhält festen Halt. Das ist der Grund, weshalb er die Nachopferspende darbringt. Nun aber sei erklärt, weshalb man sie eigentlich nicht darbringen sollte.

sa yatpaurṇamāseneṣṭvā indrāya vimṛdhe'nunirvapati sendro me yajño'saditi sarvo vai yajña indrasyaiva sa yatsarvo yajña indrasyaivaiteno hāsyetatsendraṃ havirbhavatyetena sendro yajñaḥ

Dass er nun, nachdem er mit dem Vollmondopfer geopfert hat, dem Indra Vimṛdh eine Nachopferspende darbringt mit dem Gedanken 'Mit Indra versehen sei mein Opfer' – das ganze Opfer gehört ja ohnehin Indra; und eben weil das ganze Opfer Indra gehört, wird diese Opfergabe dadurch mit Indra versehen, dadurch ist das Opfer mit Indra versehen.

atha yadāmāvāsyeneṣṭvā adityai carumanunirvapatyāmāvāsyaṃ vā anunirvāpyam paurṇamāsena vā indro vṛtramahaṃstasmā etadvṛtraṃ jaghnuṣe devā etaddhaviranuniravapanyadāmāvāsyaṃ kimanunirvāpye'nunirvapediti tasmānnānunirvapet

Was aber den Grund betrifft, weshalb man, nachdem man mit dem Neumondopfer geopfert hat, der Aditi eigentlich keinen Caru als Nachopferspende darbringen sollte: Das Neumondopfer ist selbst schon eine Nachopferspende, oder es gehört doch zum Vollmondopfer – Indra hat den Vṛtra erschlagen, und ihm, der diesen Vṛtra erschlagen hatte, brachten die Götter jene Opfergabe als Nachopferspende dar. Ist nun das Neumondopfer selbst schon eine Nachopferspende, sollte man dann bei etwas, das ohnehin schon eine Nachopferspende ist, noch einmal nachspenden? Darum soll man nicht nachspenden.

sa yatpaurṇamāseneṣṭvā athānyaddhaviranunirvapatyāmāvāsyeneṣṭvāthānyaddhaviranunirvapati dviṣantaṃ ha sa bhrātṛvyaṃ pratyucrayate'tha yaḥ paurṇamāsīṃ yajata āmāvāsyenāmāvāsyāmasapatnā haivāsyānupabādhā śrīrbhavati

Wer nun, nachdem er mit dem Vollmondopfer geopfert hat, danach noch eine andere Opfergabe als Nachopferspende darbringt, und ebenso, nachdem er mit dem Neumondopfer geopfert hat, danach noch eine andere Opfergabe als Nachopferspende darbringt, richtet sich damit einen feindseligen Nebenbuhler (bhrātṛvya) auf. Wer aber die Vollmondnacht mit dem der Vollmondnacht Eigenen und die Neumondnacht mit dem der Neumondnacht Eigenen opfert, dessen Glanz (śrī) bleibt ohne Nebenbuhler (asapatna) und ungestört (anupabādha).

paurṇamāsena vai devāḥ paurṇamāsīṃ yajamānā āmāvāsyenāmāvāsyāṃ kṣipra eva pāpmānamapāghnata kṣipre prājāyanta sa yo haivaṃ vidvānpaurṇamāsenaiva paurṇamāsīṃ yajata āmāvāsyenāmāvāsyāṃ kṣipra eva pāpmānamapahate kṣipre prajāyate sa yadyanunirvapeddadyāddakṣiṇāṃ nādakṣiṇaṃ haviḥ syāditi hyāhurdarśapūrṇamāsayorhyevaiṣā dakṣiṇā yadanvāhārya iti nvanunirvāpyasyāthābhyuditasya

Indem sie mit dem Vollmondopfer die Vollmondnacht und mit dem Neumondopfer die Neumondnacht opferten, schlugen die Götter rasch das Übel (pāpman) von sich ab und pflanzten sich rasch fort. Wer nun, dies wissend, ebenso mit dem Vollmondopfer die Vollmondnacht und mit dem Neumondopfer die Neumondnacht opfert, der schlägt rasch das Übel von sich ab und pflanzt sich rasch fort. Bringt er die Nachopferspende dar, so gebe er dabei auch eine Dakṣiṇā; denn man sagt: Die Opfergabe soll nicht ohne Dakṣiṇā bleiben. Für das Neu- und Vollmondopfer gilt ja eben jene Dakṣiṇā, die in Gestalt des Anvāhārya gegeben wird – dies betrifft nun die Nachopferspende; nun aber zum Fall des schon aufgegangenen Mondes.

taddhaike dṛṣṭvopavasanti śvo nodetetyabhrasya vā hetoranirjñāya vāthotopavasantyathainamutābhyudeti sa yadyagṛhītaṃ havirabhyudiyātprajñātameva tadeṣaiva vratacaryā yatpūrvedyurdugdhaṃ dadhi havirātañcanaṃ tatkurvanti pratipramuñcanti vatsāṃstānpunarapākurvanti

Dabei fasten manche, nachdem sie den Mond gesehen haben, in der Meinung 'Morgen wird er nicht aufgehen' – sei es wegen einer Wolke, sei es ohne dies genau erkannt zu haben; sie fasten dennoch. Dann aber geht er ihnen doch noch einmal auf. Geht nun die noch nicht ergriffene Opfergabe ihnen entgegen auf, so gilt das eben als erkannt, das heißt als gültig; dies eben ist die Gelübde-Beobachtung (vratacaryā): Was sie am Vortag an gemolkener Milch und Dickmilch als Opfergabe und Gerinnungsmittel bereitet haben, das verwenden sie; die Kälber binden sie den Müttern wieder an, und diese (die Kälber) lösen sie dann wieder ab.

tānaparāhṇe parṇaśākhayāpākaroti tadyathaivādaḥ prajñātamāmāvāsyaṃ havirevameva tadyadyu vratacaryāṃ vā nodāśaṃseta gṛhītaṃ vā havirabhyudiyāditaratho tarhi kuryādetāneva taṇḍulāntsuphalīkṛtānkṛtvā sa ye'ṇīyāṃsastānagnaye dātre'ṣṭākapālam puroḍāśaṃ śrapayati

Diese Kälber binden sie am Nachmittag mit einem Blätterzweig wieder ab. Wie das eben Genannte als erkanntes Neumondopfer gilt, so verhält es sich auch hier. Möchte er die Gelübde-Beobachtung aber nicht fortsetzen, oder geht die schon ergriffene Opfergabe dem Mond entgegen auf, so verfahre er anders: Aus den kleineren, gut ausgereiften Reiskörnern bereitet er dann dem Agni dem Geber (dātṛ) einen aus acht Scherben bestehenden Opferkuchen (puroḍāśa).

atha yatpūrvedyuḥ dugdhaṃ dadhi tadindrāya pradātre'tha tadānīṃdugdhe viṣṇave śipiviṣṭāyaitāṃstaṇḍulāñcūte caruṃ śrapayati caruru hyeva sa yatra kva ca taṇḍulānāvapanti

Was er nun am Vortag an gemolkener Dickmilch bereitet hat, bringt er dem Indra dem Ausgeber (pradātṛ) dar; von der zu jener Zeit frisch gemolkenen Milch aber bereitet er dem Viṣṇu Śipiviṣṭa aus den größeren Reiskörnern einen Caru [Anm.: Die genaue Bedeutung von 'cūte' im Sanskrit-Original ist unsicher.] – denn ein Caru ist es ja schon, wo immer man Reiskörner in Milch einstreut.

tadyadevam bhavati eṣa vai somo rājā devānāmannaṃ yaccandramāstametadupaitsīttamapārātsīttamasmā agnirdātā dadātīndraḥ pradātā prayacati tamasmā indrāgnī yajñaṃ dattastenendrāgnibhyāṃ dattena yajñena yajate'tha yadviṣṇave śipiviṣṭāyeti yajño vai viṣṇuratha yacipiviṣṭāyeti yamupaitsīttamapārātsīttacipitamiva yajñasya bhavati tasmācipiviṣṭāyeti tatro yacaknuyāttaddadyānnādakṣiṇaṃ haviḥ syāditi hyāhuratha yadaiva nodiyādathopavaset

Dass es sich nun so verhält, sei erklärt: Der Mond (candramas) ist ja König Soma, die Speise der Götter; ihn ist dieser Opferer angegangen, über ihn ist er hinausgegangen. Ihm gibt Agni der Geber (dātṛ), ihm gibt Indra der Ausgeber (pradātṛ); ihm ist von Indra und Agni das Opfer gegeben – mit diesem von Indra und Agni gegebenen Opfer opfert er. Was aber das 'dem Viṣṇu Śipiviṣṭa' betrifft: Viṣṇu ist ja das Opfer; und was das 'Śipiviṣṭa' betrifft: Wen er angegangen, über wen er hinausgegangen ist, der wird für das Opfer gleichsam zerknittert (śipita) – daher der Name 'Śipiviṣṭa'. Was er dabei sonst noch erlangen könnte, das gebe er als Dakṣiṇā; denn man sagt: Die Opfergabe soll nicht ohne Dakṣiṇā bleiben. Geht der Mond aber überhaupt nicht auf, dann faste man weiter.

adyāmāvāsyeti manyamāna upavasati athaiṣa paścāddadṛśe sa haiṣa divyaḥ śvā sa yajamānasya paśūnabhyavekṣate tadapaśavyaṃ syādaprāyaścittikṛta etasmādu haitadbhīṣāvacandramasāditi

In der Meinung 'Heute ist Neumond' fastet er; doch dann wird der Mond nachträglich noch gesehen. Dieser ist nämlich der himmlische Hund (divyaḥ śvā); er blickt nach dem Vieh (paśu) des Opferherrn (yajamāna). Das wäre schädlich fürs Vieh (apaśavya), vollzöge man nicht eine Sühnehandlung (prāyaścitti). Deshalb eben heißt es: 'aus Furcht vor dem Mond'.

cāyāmupasarpanti eteno haitadupatapadācakṣate śvalucitamityetamu haivaitadācakṣate

Bei Einbruch der Dämmerung nähert man sich dem Schatten (chāyām upasarpanti); deshalb nennt man dies 'in der Dämmerung Fastende'. Auch als 'upatapad' bezeichnet man dies [Anm.: Die genaue Bedeutung von 'upatapad' im Sanskrit-Original ist unsicher.]; 'vom Hund beleckt' (śvalucita) nennt man dies ebenfalls.

śaśaścāndramasa iti candramā vai somo devānāmannaṃ tam paurṇamāsyāmabhiṣuṇvanti so'parapakṣe'pa oṣadhīḥ praviśati paśavo vā apa oṣadhīradanti tadenametāṃ rātrīm paśubhyaḥ saṃnayati

'Der Hase des Mondes' (śaśa candramasa), heißt es; der Mond ist ja Soma, die Speise der Götter. Ihn pressen sie am Vollmondtag; in der abnehmenden Monatshälfte (aparapakṣa) geht er in die Pflanzen (oṣadhi) ein – das Vieh nämlich frisst die Pflanzen; so vereinigt man ihn in dieser Nacht mit dem Vieh.

so'dyāmāvāsyeti manyamāna upavasati athaiṣa paścāddadṛśe tadyajamāno yajñapathādeti tadāhuḥ kathaṃ kuryāditvā yajñapathādyajetā3 na yajetā3 iti yajeta haiva na hyanyadapakramaṇam bhavati śvaḥ śva evaiṣa jyāyānudeti sa āmāvāsyavidhenaiveṣṭvātheṣṭimanunirvapati tadaharvaiva śvo vā

In der Meinung 'Heute ist Neumond' fastet er; doch dann wird der Mond nachträglich noch gesehen. Dabei tritt der Opferherr vom Opferweg (yajñapatha) ab. Dazu sagt man: 'Wie soll man verfahren? Soll er, vom Opferweg abgetreten, opfern oder nicht opfern?' Er opfere jedenfalls, denn ein weiteres Zurücktreten gibt es nicht mehr – Tag für Tag geht der Mond ja größer werdend auf. Er opfert also nach der Neumondvorschrift und bringt danach das Hauptopfer als Nachopferspende dar, sei es am selben Tag, sei es am folgenden.

tasya trīṇi havīṃṣi bhavanti agnaye pathikṛte'ṣṭākapālam puroḍāśamindrāya vṛtraghna ekādaśakapālamagnaye vaiśvānarāya dvādaśakapālam puroḍāśam

Dabei gibt es drei Opfergaben: dem Agni dem Wegbereiter (pathikṛt) einen aus acht Scherben bestehenden Opferkuchen, dem Indra dem Vṛtratöter (vṛtraghna) einen aus elf Scherben bestehenden Opferkuchen, dem Agni Vaiśvānara einen aus zwölf Scherben bestehenden Opferkuchen.

sa yadagnaye pathikṛte nirvapati agnirvai pathaḥ kartā sa yasmādevādo yajamāno yajñapathādeti tamenamagniḥ panthānamāpādayati

Dass er nun dem Agni dem Wegbereiter die Opfergabe darbringt: Agni ist ja der Wegbereiter schlechthin; und da eben deshalb jener Opferherr vom Opferweg abgetreten ist, bringt Agni ihn wieder auf den Weg.

atha yadindrāya vṛtraghne pāpmā vai vṛtro yo bhūtervārayitvā tiṣṭhati kalyāṇātkarmaṇaḥ sādhostametadindreṇaiva vṛtraghnā pāpmānaṃ vṛtraṃ hanti tasmādindrāya vṛtraghne

Was aber das 'dem Indra dem Vṛtratöter' betrifft: Vṛtra ist ja das Übel (pāpman), das einen, indem es das Gedeihen (bhūti) hemmt, von guter, heilvoller Handlung abhält. Damit erschlägt er eben mit Indra dem Vṛtratöter das Übel, den Vṛtra. Darum bringt er dem Indra dem Vṛtratöter die Gabe dar.

atha yadagnaye vaiśvānarāya dvādaśakapālam puroḍāśaṃ nirvapati yatra vā indro vṛtramahaṃstamagninā vaiśvānareṇa samadahattadasya sarvam pāpmānaṃ samadahattatho evaiṣa etadindreṇaiva vṛtraghnā pāpmānaṃ vṛtraṃ hatvā tamagninā vaiśvānareṇa saṃdahati tadasya sarvam pāpmānaṃ saṃdahati sa yo haivaṃ vidvānetayeṣṭyā yajate na hāsyālpaścana pāpmā pariśiṣyate

Dass er aber dem Agni Vaiśvānara den aus zwölf Scherben bestehenden Opferkuchen darbringt: Als Indra den Vṛtra erschlagen hatte, verbrannte er ihn zusammen mit Agni Vaiśvānara und verbrannte damit dessen ganzes Übel. Ebenso verbrennt auch dieser Opferer, nachdem er mit Indra dem Vṛtratöter das Übel, den Vṛtra, erschlagen hat, ihn mit Agni Vaiśvānara und verbrennt damit dessen ganzes Übel. Wer, dies wissend, mit diesem Opfer opfert, dem bleibt kein Übel mehr übrig.

tasyai saptadaśa sāmidhenyo bhavanti upāṃśu devatā yajati yāḥ kāmayate tā yājyānuvākyāḥ karotyevamājyabhāgāvevaṃ saṃyājye

Dabei gibt es siebzehn Sāmidhenī-Verse; leise (upāṃśu) opfert er der Gottheit. Welche Verse er will, macht er zu Yājyā- und Anuvākyā-Versen; ebenso verfährt er mit den beiden Ājyabhāga-Spenden und mit den Saṃyājyā-Spenden.

tisṛdhanvaṃ dakṣiṇāṃ dadāti dhanvanā vai śvānam bādhante tadetamevaitadbādhate yattisṛdhanvaṃ dakṣiṇāṃ dadāti

Er gibt dabei drei Bögen (tisṛdhanva) als Dakṣiṇā; mit dem Bogen vertreibt man ja den Hund. Damit vertreibt er eben diesen himmlischen Hund, indem er drei Bögen als Dakṣiṇā gibt.

daṇḍaṃ dakṣiṇāṃ dadāti daṇḍena vai śvānam bādhante tadetamevaitadbādhate yaddaṇḍaṃ dakṣiṇāṃ dadātyeṣā nvādiṣṭā dakṣiṇā dadyāttvevāsyāmapyanyadyā itarā dakṣiṇāstāsāṃ yatsampadyeta sā haiṣā paśavyeṣṭistayāpyanabhyuddṛṣṭo yajetaiva

Er gibt einen Stock (daṇḍa) als Dakṣiṇā; mit dem Stock vertreibt man ja den Hund. Damit vertreibt er eben diesen Hund, indem er einen Stock als Dakṣiṇā gibt. Dies ist die vorgeschriebene Dakṣiṇā; doch soll er bei dieser Opferung auch noch etwas anderes geben, was den sonst üblichen Dakṣiṇās entspricht. Dies ist nämlich eine dem Vieh zuträgliche Opferhandlung (paśavyā iṣṭi); man opfere sie auch dann, wenn man vom Mond nicht so beobachtet worden ist.

āpo ha vā idamagre salilamevāsa tā akāmayanta kathaṃ nu prajāyemahīti tā aśrāmyaṃstāstapo'tapyanta tāsu tapastapyamānāsu hiraṇmayamāṇḍaṃ sambabhūvājāto ha tarhi saṃvatsara āsa tadidaṃ hiraṇmayamāṇḍaṃ yāvatsaṃvatsarasya velā tāvatparyaplavata

Die Wasser (āpaḥ) waren dies anfangs, nichts als Flut (salila). Sie wünschten: 'Wie mögen wir uns wohl fortpflanzen?' Sie mühten sich ab, sie übten Askese (tapas). Während sie Askese übten, entstand ein goldenes Ei (hiraṇmaya āṇḍa); das Jahr (saṃvatsara) war damals noch nicht geboren. Dieses goldene Ei trieb umher, solange ein Jahr währt.

tataḥ saṃvatsare puruṣaḥ samabhavat sa prajāpatistasmādu saṃvatsara eva strī vā gaurvā vaḍabā vā vijāyate saṃvatsare hi prajāpatirajāyata sa idaṃ hiraṇmayamāṇḍaṃ vyarujannāha tarhi kā cana pratiṣṭhāsa tadenamidameva hiraṇmayamāṇḍaṃ yāvatsaṃvatsarasya velāsīttāvadbibhratparyaplavata

Danach entstand nach Ablauf eines Jahres ein Mensch (puruṣa) daraus; das ist Prajāpati. Darum gebiert eine Frau, eine Kuh oder eine Stute eben nach Ablauf eines Jahres; denn nach einem Jahr wurde Prajāpati geboren. Er zerbrach dieses goldene Ei. Es gab damals noch keinerlei festen Halt (pratiṣṭhā); da trug ihn eben dieses goldene Ei, solange ein Jahr währte, und trieb dabei umher.

sa saṃvatsare vyājihīrṣat sa bhūriti vyāharatseyam pṛthivyabhavadbhuva iti taditamantarikṣamabhavatsvariti sāsau dyaurabhavattasmādu saṃvatsara eva kumāro vyājihīrṣati saṃvatsare hi prajāpatirvyāharat

Nach Ablauf eines Jahres wollte er zu sprechen beginnen. Er sprach 'bhūḥ' – das wurde diese Erde. Er sprach 'bhuvaḥ' – das wurde jener Luftraum (antarikṣa). Er sprach 'svaḥ' – das wurde jener Himmel (dyaus). Darum beginnt auch ein Kind (kumāra) eben nach Ablauf eines Jahres zu sprechen; denn nach einem Jahr sprach Prajāpati.

sa vā ekākṣaradvyakṣarāṇyeva prathamaṃ vadanprajāpatiravadattasmādekākṣaradvyakṣarāṇyeva prathamaṃ vadankumāro vadati

Zunächst einsilbige und zweisilbige Wörter sprechend, sprach Prajāpati; darum spricht auch das Kind zuerst nur einsilbige und zweisilbige Wörter.

tāni vā etāni pañcākṣarāṇi tānpañcartūnakuruta ta ime pañcartavaḥ sa evamimāṃlokānjātāntsaṃvatsare prajāpatirabhyudatiṣṭhattasmādu saṃvatsara eva kumāra uttiṣṭhāsati saṃvatsare hi prajāpatirudatiṣṭhat

Diese Silben sind fünf; aus ihnen machte er die fünf Jahreszeiten (ṛtu) – das sind eben diese fünf Jahreszeiten. So erhob sich Prajāpati, nachdem diese Welten (loka) nach Ablauf eines Jahres entstanden waren. Darum will auch ein Kind erst nach Ablauf eines Jahres aufstehen; denn nach einem Jahr erhob sich Prajāpati.

sa sahasrāyurjajñe sa yathā nadyai pāram parāpaśyedevaṃ svasyāyuṣaḥ pāram parācakhyau

Er wurde mit tausend Jahren Lebensdauer (āyus) geboren. Wie man das jenseitige Ufer eines Flusses in der Ferne sieht, so erblickte er das jenseitige Ende seiner Lebensdauer in der Ferne.

so'rcañcrāmyaṃścacāra prajākāmaḥ sa ātmanyeva prajātimadhatta sa āsyenaiva devānasṛjata te devā divamabhipadyāsṛjyanta taddevānāṃ devatvaṃ yaddivamabhipadyāsṛjyanta tasmai sasṛjānāya divevāsa tadveva devānāṃ devatvaṃ yadasmai sasṛjānāya divevāsa

Preisend und sich abmühend wandelte er umher, nach Nachkommenschaft (prajā) verlangend. Er legte die Zeugungskraft in sich selbst, in sein Selbst (ātman). Mit dem Mund allein erschuf er die Götter; diese Götter wurden erschaffen, indem sie zum Himmel (div) gelangten. Das ist die Gottheit (devatva) der Götter, dass sie, zum Himmel gelangend, erschaffen wurden; ihm, dem so Schaffenden, war dabei zumute wie am hellen Tag. Eben das ist die Gottheit der Götter: dass ihm, dem so Schaffenden, war wie am hellen Tag.

atha yo'yamavāṅ prāṇaḥ tenāsurānasṛjata ta imāmeva pṛthivīmabhipadyāsṛjyanta tasmai sasṛjānāya tama ivāsa

Mit dem abwärtsgerichteten Atem (avāṅ prāṇa) aber erschuf er die Asuras; diese wurden erschaffen, indem sie zu eben dieser Erde gelangten; ihm, dem so Schaffenden, war dabei zumute wie in Finsternis (tamas).

so'vet pāpmānaṃ vā asṛkṣi yasmai me sasṛjānāya tama ivābhūditi tāṃstata eva pāpmanāvidhyatte tata eva parābhavaṃstasmādāhurnaitadasti yaddaivāsuraṃ yadidamanvākhyāne tvadudyata itihāse tvattato hyeva tānprajāpatiḥ pāpmanāvidhyatte tata eva parābhavanniti

Er erkannte: 'Ein Übel (pāpman) habe ich da geschaffen, da mir, dem so Schaffenden, war wie in Finsternis.' Da durchbohrte er sie eben mit diesem Übel, und deshalb unterlagen sie. Darum sagt man: 'Dieser Devāsura-Kampf, von dem hier in dieser Nacherzählung, in dieser vorgetragenen Erzählung berichtet wird [Anm.: Die grammatische Konstruktion mit doppeltem tvad-/tvattas- ist im Sanskrit-Original ungewöhnlich und die genaue Bedeutung unsicher.], hat sich eigentlich nicht so zugetragen; vielmehr geschah es so, dass Prajāpati sie eben deshalb mit dem Übel durchbohrte und sie deshalb unterlagen.'

tasmādetadṛṣiṇābhyanūktam na tvaṃ yuyutse katamaccanāharna te'mitro maghavankaścanāsti māyetsā te yāni yuddhānyāhurnādya śatruṃ na nu purā yuyutsa iti

Darum ist dies von einem Ṛṣi besungen worden: 'Du begehrst an keinem Tag zu kämpfen; keinen Feind hast du, o Freigebiger (maghavan), nicht den geringsten – Täuschung (māyā) ist es, was man deine Kämpfe nennt; weder heute kämpfst du gegen einen Feind, noch hast du je zuvor gekämpft.'

sa yadasmai devāntsasṛjānāya divevāsa tadaharakurutātha yadasmā asurāntsasṛjānāya tama ivāsa tāṃ rātrimakuruta te ahorātre

Dass ihm, als er die Götter erschuf, zumute war wie am hellen Tag, daraus machte er den Tag (ahar); dass ihm aber, als er die Asuras erschuf, zumute war wie in Finsternis, daraus machte er jene Nacht (rātri). Das sind Tag und Nacht (ahorātra).

sa aikṣata prajāpatiḥ sarvaṃ vā atsāriṣaṃ ya imā devatā asṛkṣīti sa saṃvatsaro'bhavatsaṃvatsaro ha vai nāmaitadyatsaṃvatsara iti sa yo haivametatsaṃvatsarasya saṃvatsaratvaṃ veda yo hainam pāpmā māyayā tsarati na hainaṃ so'bhibhavatyatha yamabhicaratyabhi haivainam bhavati ya evametatsaṃvatsarasya saṃvatsaratvaṃ veda

Prajāpati erblickte: 'Ich habe wahrlich alles durchschritten, indem ich diese Gottheiten erschuf.' So wurde er zum Jahr (saṃvatsara) – 'saṃvatsara' heißt er ja eben davon, dass man durchwandernd durchschreitet (sam-tsarati). Wer so die Beschaffenheit des Jahres als Durchschreiten kennt, den überwältigt kein Übel, das ihn mit List (māyā) zu überschreiten sucht; und wen er selbst behext, den überwältigt er gerade, wer eben so diese Beschaffenheit des Jahres als Durchschreiten kennt.

sa aikṣata prajāpatiḥ imaṃ vā ātmanaḥ pratimāmasṛkṣi yatsaṃvatsaramiti tasmādāhuḥ prajāpatiḥ saṃvatsara ityātmano hyetam pratimāmasṛjata yadveva caturakṣaraḥ saṃvatsaraścaturakṣaraḥ prajāpatisteno haivāsyaiṣa pratimā

Prajāpati erblickte: 'Dieses Abbild (pratimā) meiner selbst habe ich geschaffen, nämlich das Jahr.' Darum sagt man: 'Prajāpati ist das Jahr' – denn dieses Abbild seiner selbst hat er geschaffen. Und ebenso: viersilbig (caturakṣara) ist 'saṃvatsara', und viersilbig ist 'prajāpati' – auch dadurch ist dies sein Abbild.

tā vā etāḥ prajāpateradhi devatā asṛjyantāgnirindraḥ somaḥ parameṣṭhī prājāpatyaḥ

Diese Gottheiten wurden von Prajāpati aus erschaffen: Agni, Indra, Soma und Parameṣṭhin, der Prājāpatya (der Prajāpati-Sohn).

tāḥ sahasrāyuṣo jajñire tā yathā nadyai pāram parāpaśyedevaṃ svasyāyuṣaḥ pāram parācakhyuḥ

Sie wurden mit tausend Jahren Lebensdauer geboren; wie man das jenseitige Ufer eines Flusses in der Ferne sieht, so erblickten sie das jenseitige Ende ihrer Lebensdauer in der Ferne.

tā arcantyaḥ śrāmyantyaśceruḥ tata etam parameṣṭhī prājāpatyo yajñamapaśyadyaddarśapūrṇamāsau tābhyāmayajata tābhyāmiṣṭvākāmayatāhamevedaṃ sarvaṃ syāmiti sa āpo'bhavadāpo vā idaṃ sarvaṃ tā yatparame sthāne tiṣṭhanti yo hīhābhikhanedapa evābhivindetparamādvā etatsthānādvarṣati yaddivastasmātparameṣṭhī nāma

Preisend und sich abmühend wandelten sie umher. Da erblickte Parameṣṭhin Prājāpatya jenes Opfer, nämlich das Neu- und Vollmondopfer (darśapūrṇamāsa); mit diesen beiden opferte er. Nachdem er damit geopfert hatte, wünschte er: 'Ich allein möge dieses Ganze (sarva) sein.' Da wurde er zu Wasser; Wasser ist ja dieses Ganze. Diese Wasser stehen dort, wo sie an der höchsten Stätte (parama sthāna) stehen; denn wer hier gräbt, der findet eben Wasser. Von jener höchsten Stätte aus regnet es ja, nämlich vom Himmel; darum heißt er 'Parameṣṭhin', der an der höchsten Stätte Stehende.

sa parameṣṭhī prajāpatim pitaramabravīt kāmapraṃ vā ahaṃ yajñamadarśaṃ tena tvā yājayānīti tatheti tamayājayatsa iṣṭvākāmayatāhamevedaṃ sarvaṃ syāmiti sa prāṇo'bhavatprāṇo vā idaṃ sarvamayaṃ vai prāṇo yo'yam pavate sa prajāpatistasya dṛṣṭiryadeva vedetthādvātīti yadvai kiṃ ca prāṇi sa prajāpatiḥ sa yo haivametām prajāpaterdṛṣṭiṃ vedāviriva haiva bhavati

Parameṣṭhin sagte zu seinem Vater Prajāpati: 'Ich habe ein wunscherfüllendes Opfer (kāmapra) erblickt; mit diesem will ich dich opfern lassen.' 'So sei es', sagte jener, und ließ sich damit opfern. Nachdem er damit geopfert hatte, wünschte er: 'Ich allein möge dieses Ganze sein.' Da wurde er zum Atem (prāṇa); Atem ist ja dieses Ganze. Dieser Wind hier, der weht, das ist Prajāpati; sein Anblick (dṛṣṭi) besteht eben darin, dass man erkennt: 'So weht er von dorther.' Denn was immer atmet, das ist Prajāpati. Wer so diesen Anblick Prajāpatis kennt, der wird gleichsam offenkundig/offenbar (āviḥ).

sa prajāpatirindram putramabravīt anena tvā kāmapreṇa yajñena yājayāni yena māmidam parameṣṭhyayīyajaditi tatheti tamayājayatsa iṣṭvākāmayatāhamevedaṃ sarvaṃ syāmiti sa vāgabhavadvāgvā idaṃ sarvaṃ tasmādāhurindro vāgiti

Prajāpati sagte zu seinem Sohn Indra: 'Mit diesem wunscherfüllenden Opfer will ich dich opfern lassen, mit dem mich mein Sohn Parameṣṭhin hat opfern lassen.' 'So sei es', sagte jener, und ließ sich damit opfern. Nachdem er damit geopfert hatte, wünschte er: 'Ich allein möge dieses Ganze sein.' Da wurde er zur Rede (vāc); Rede ist ja dieses Ganze. Darum sagt man: 'Indra ist die Rede.'

sa indro'gnīṣomau bhrātarāvabravīt anena vāṃ kāmapreṇa yajñena yājayāni yena māmidam pitā prajāpatirayīyajaditi tatheti tāvayājayattāviṣṭvākāmayetāmāvamevedaṃ sarvaṃ syāveti tayorannāda evānyataro'bhavadannamanyataro'nnāda evāgnirabhavadannaṃ somo'nnādaśca vā idaṃ sarvamannaṃ ca

Indra sagte zu seinen beiden Brüdern Agni und Soma: 'Mit diesem wunscherfüllenden Opfer will ich euch beide opfern lassen, mit dem mich mein Vater Prajāpati hat opfern lassen.' 'So sei es', sagten jene, und ließen sich beide damit opfern. Nachdem sie beide damit geopfert hatten, wünschten sie: 'Wir beide allein mögen dieses Ganze sein.' Von den beiden wurde der eine zum Esser (annāda), der andere zur Speise (anna); Agni wurde zum Esser, Soma zur Speise. Esser und Speise nämlich ist dieses Ganze.

tā vā etāḥ pañca devatā etena kāmapreṇa yajñenāyajanta tā yatkāmā ayajanta sa ābhyaḥ kāmaḥ samārdhyata yatkāmo ha vā etena yajñena yajate so'smai kāmaḥ samṛdhyate

Diese fünf Gottheiten also opferten mit diesem wunscherfüllenden Opfer; welchen Wunsch sie auch hegten, als sie opferten, er ging ihnen in Erfüllung. Wer, welchen Wunsch auch immer hegend, mit diesem Opfer opfert, dem geht dieser Wunsch in Erfüllung.

ta iṣṭvā prācīṃ diśamapaśyan tām prācīmevākurvata seyam prācyeva diktasmādimāḥ prajāḥ prācyaḥ sarpanti prācīṃ hyetāmakurvatopaināmitaḥ kurvīmahīti tāmūrjamakurvatemāṃ khalūrjam paśyemeti sāsau dyaurabhavat

Nachdem sie geopfert hatten, erblickten sie die östliche Richtung (prācī diś); sie machten sie eben zur östlichen Richtung – das ist diese östliche Richtung. Darum kriechen diese Geschöpfe nach Osten; denn sie machten diese Richtung zur östlichen mit dem Gedanken: 'Lasst uns sie von hier aus dazu machen.' Sie machten sie zur Kraftfülle (ūrj) mit dem Gedanken: 'Diese Kraftfülle wollen wir sehen.' Das wurde jener Himmel (dyaus).

atha dakṣiṇāṃ diśamapaśyan tāṃ dakṣiṇāmevākurvata seyaṃ dakṣiṇaiva diktasmādu dakṣiṇata eva dakṣiṇā upatiṣṭhante dakṣiṇato'bhyavājanti dakṣiṇāṃ hyetāmakurvatopaināmitaḥ kurvīmahīti taṃ lokamakurvatemaṃ khalu lokam paśyemeti tadidamantarikṣamabhavadeṣa vai lokaḥ sā yathā haiveyam pratiṣṭhāvirasmiṃloke pṛthivyevamu haivaiṣā pratiṣṭhāviramuṣmiṃloka idamantarikṣaṃ sa yadiha sannamuṃ lokaṃ na paśyati tasmādāhuḥ paro'kṣamasau loka iti

Dann erblickten sie die südliche Richtung (dakṣiṇā diś); sie machten sie eben zur südlichen – das ist diese südliche Richtung. Darum treten die Dakṣiṇā-Gaben von der Südseite heran, treibt man das Vieh von der Südseite heran; denn sie machten diese Richtung zur südlichen mit dem Gedanken: 'Lasst uns sie von hier aus dazu machen.' Sie machten diese Welt (loka) mit dem Gedanken: 'Diese Welt wollen wir sehen.' Das wurde dieser Luftraum (antarikṣa) – das ist ja jene Welt. Wie diese Erde hier in dieser Welt fest steht (pratiṣṭhāvat), so steht auch jene Welt, dieser Luftraum, fest in jener Welt. Da man aber, hier befindlich, jene Welt nicht sieht, sagt man: 'Jene Welt ist unsichtbar (parokṣa).'

atha pratīcīṃ diśamapaśyan tāmāśāmakurvata tasmādyatprāṅ sṛtvā vindata etāmeva tena diśametyāśāṃ hyetāmakurvatopaināmitaḥ kurvīmahīti tāṃ śriyamakurvatemāṃ khalu śriyam paśyemeti seyam pṛthivyabhavacrīrvā iyaṃ tasmādyo'syai bhūyiṣṭhaṃ vindate sa eva śreṣṭho bhavati

Dann erblickten sie die westliche Richtung (pratīcī diś); sie machten sie zur Hoffnungsrichtung (āśā). Darum gelangt man, nach Osten fortgeschritten, eben in dieser westlichen Richtung zu dem, was man sich erhofft hat; denn sie machten diese Richtung zur Hoffnung mit dem Gedanken: 'Lasst uns sie von hier aus dazu machen.' Sie machten sie zum Glanz (śrī) mit dem Gedanken: 'Diesen Glanz wollen wir sehen.' Das wurde diese Erde – sie ist ja Glanz. Darum wird, wer von ihr am meisten erlangt, eben der Vorzüglichste (śreṣṭha).

athodīcīṃ diśamapaśyan tāmapo'kurvatopaināmitaḥ kurvīmahīti taṃ dharmamakurvata dharmo vā āpastasmādyademaṃ lokamāpa āgacanti sarvamevedaṃ yathādharmam bhavatyatha yadāvṛṣṭirbhavati balīyāneva tarhyabalīyasa ādatte dharmo hyāpaḥ

Dann erblickten sie die nördliche Richtung (udīcī diś); sie machten sie zu Wasser mit dem Gedanken: 'Lasst uns sie von hier aus dazu machen.' Sie machten sie zur Rechtsordnung (dharma): Wasser ist ja Dharma; darum geschieht, wenn die Wasser in diese Welt gelangen, dies alles der Rechtsordnung gemäß. Herrscht aber Dürre, so nimmt der Stärkere dem Schwächeren etwas weg; denn Dharma sind ja die Wasser.

tā vā etāḥ ekādaśa devatāḥ pañca prayājā dvāvājyabhāgau sviṣṭakṛttrayo'nuyājā

Diese elf Gottheiten sind es: die fünf Prayāja-Opferungen, die beiden Ājyabhāga-Spenden, der Sviṣṭakṛt, die drei Anuyāja-Opferungen.

tā ekādaśāhutayaḥ etābhirvā āhutibhirdevā ihāṃlokānajayannetā diśastatho evaiṣa etābhirāhutibhirimāṃlokānjayatyetā diśaḥ

Diese sind die elf Opferspenden (āhuti). Mit diesen Opferspenden gewannen die Götter einst diese Welten, diese Himmelsrichtungen; ebenso gewinnt auch dieser Opferer mit diesen Opferspenden diese Welten, diese Himmelsrichtungen.

catasro'vāntaradiśaḥ ta eva catvāraḥ patnīsaṃyājā avāntaradiśo vai devāścaturbhiḥ patnīsaṃyājairajayannavāntaradiśa u evaiṣa etairjayati

Die vier Zwischenrichtungen (avāntaradiś) sind eben die vier Patnīsaṃyāja-Opferungen. Die Zwischenrichtungen gewannen die Götter mit den vier Patnīsaṃyāja-Opferungen; ebenso gewinnt auch dieser Opferer die Zwischenrichtungen mit eben diesen.

atheḍā annādyamevaitayā devā ajayaṃstatho evaiṣa etayānnādyameva jayatyeṣā nu devatrā darśapūrṇamāsayoḥ sampat

Die Iḍā aber ist die Speise (annādya) selbst; mit ihr gewannen die Götter eben die Speise, und ebenso gewinnt auch dieser Opferer mit ihr die Speise. Dies ist nun die Vollzähligkeit (sampad) des Neu- und Vollmondopfers auf göttlicher Seite.

athādhyātmam pañceme puruṣe prāṇā ṛte cakṣurbhyāṃ ta eva pañca prayājā cakṣuṣī ājyabhāgau

Auf das Selbst (ādhyātma) bezogen aber gilt: Diese fünf Atemhauche (prāṇa) im Menschen, außer den beiden Augen, sind eben die fünf Prayāja-Opferungen; die beiden Augen sind die beiden Ājyabhāga-Spenden.

ayamevāvāṅ prāṇaḥ sviṣṭakṛt sa yattamabhyardha ivetarābhya āhutibhyo juhoti tasmādetasmātprāṇātsarve prāṇā bībhatsante'tha yatsviṣṭakṛte sarveṣāṃ haviṣāmavadyati tasmādyatkiṃ cemānprāṇānāpadyata etameva tatsarvaṃ samavaiti

Dieser abwärtsgerichtete Atem selbst ist der Sviṣṭakṛt. Dass man ihm gleichsam mehr als die Hälfte im Vergleich zu den anderen Opferspenden opfert – weil sich vor diesem Atemhauch alle anderen Atemhauche ekeln –, deshalb schneidet man bei der Sviṣṭakṛt-Spende von allen Opfergaben etwas ab (avadyati); darum kommt eben, was immer diesen Atemhauchen an Übel widerfährt, insgesamt bei diesem einen Atemhauch zusammen.

trīṇi śiśnāni ta eva trayo'nuyājāḥ sa yo'yaṃ varṣiṣṭho'nuyājastadidaṃ varṣiṣṭhamiva śiśnaṃ taṃ vā anavānanyajedityāhustatho hāsyaitadamṛdhram bhavatīti

Die drei Geschlechtsglieder sind eben die drei Anuyāja-Opferungen. Der höchste (varṣiṣṭha) der Anuyāja entspricht dem obersten Glied; man sagt, man solle diesen Anuyāja ohne Unterbrechung darbringen; dadurch werde dieses Opfer für ihn nicht fehlerhaft (amṛdhra).

sa vai sakṛdavānyāt ekaṃ hyetasya parvātha yadaparvakaṃ syātpratṛṇaṃ vaiva tiṣṭhellambeta vā tasmādetaducca tiṣṭati padyate ca tasmātsakṛdavānyāt

Er soll dabei auf einmal einschneiden; denn dieses Glied hat nur ein Gelenk (parvan). Wäre es gelenklos, so stünde es gleichsam nur grasartig da oder hinge herab; darum steht dieses Glied aufrecht und fällt zugleich auch wieder herab; darum soll man auf einmal einschneiden.

dvau bāhū dvā ūrū ta eva catvāraḥ patnīsaṃyājāḥ pratiṣṭhāyameva prāṇa iḍā yattāṃ nāgnau juhoti yatsāpradagdheva tasmādayamanavatṛṇaḥ prāṇaḥ

Die beiden Arme, die beiden Schenkel sind eben die vier Patnīsaṃyāja-Opferungen. Die Iḍā ist der Atem im festen Halt (pratiṣṭhā); dass man sie nicht ins Feuer gießt, ist so, als bliebe sie unverbrannt; darum ist dieser Atem 'nicht grasartig' (an-avatṛṇa), das heißt nicht hinwelkend.

asthyeva yājyānuvākyāḥ māṃsaṃ havistanmitaṃ cando yadyājyānuvākyāstasmādu samāvantyevāsthīni medyataśca kṛśyataśca bhavantyatha yadbhūya iva ca havirgṛhṇāti kanīya iva ca tasmādu māṃsānyeva medyato medyanti māṃsāni kṛśyataḥ kṛśyanti tenaitena yajñena yāṃ kāmayate devatāṃ tāṃ yajati yasyai havirbhavati

Wie Knochen sind die Yājyā- und Anuvākyā-Verse; die Opfergabe (havis) ist das Fleisch (māṃsa). Bemessen ist das Versmaß (chandas), das die Yājyā- und Anuvākyā-Verse bilden; darum bleiben die Knochen bei denen, die fett werden, wie bei denen, die abmagern, gleich an Zahl. Da man aber die Opfergabe bald mehr, bald weniger nimmt, werden bei dem, der fett wird, nur die Fleischteile fett, und bei dem, der abmagert, magern nur die Fleischteile ab. Mit diesem Opfer verehrt man die Gottheit, die man begehrt, nämlich die, welcher die Opfergabe gilt.

tā vā etāḥ anapoddhāryā āhutayo bhavanti sa yaddhaitāsāmapoddharedyathaikamaṅgaṃ śṛṇīyātprāṇaṃ vā nirhaṇyādevaṃ tadanyānyeva havīṃṣyupa cāhriyante'pa ca hriyante

Diese Opferspenden dürfen nicht aus ihrer Reihenfolge herausgenommen werden. Nähme man eine von ihnen heraus, so wäre das, als bräche man ein Glied (aṅga) oder triebe einen Atemhauch aus. Andere Opfergaben aber werden durchaus sowohl hinzugefügt als auch weggelassen.

tā vā etāḥ ṣoḍaśāhutayo bhavanti ṣoḍaśakalo vai puruṣaḥ puruṣo yajñastasmātṣoḍaśāhutayo bhavanti

Diese Opferspenden sind sechzehn an Zahl; sechzehnteilig (ṣoḍaśakala) ist ja der Mensch (puruṣa), und der Mensch ist das Opfer; darum sind es sechzehn Opferspenden.

tadvā ado vratopāyana udyate yadi nāśnāti pitṛdevatyo bhavati yadyu aśnāti devānatyaśnātīti tadāraṇyamaśnīyāditi tatra sthāpayanti

Dabei wird nun zur Sprache gebracht, was beim Herantreten an das Gelübde (vratopāyana) gilt: Isst man nichts, wird man den Vätern und Göttern zugehörig (pitṛdevatya); isst man aber, überisst man gleichsam die Götter. 'Da soll man Wildwachsendes (āraṇya) essen' – dabei bleiben manche stehen.

sa yadi grāmyā oṣadhīraśnāti puroḍāśasya medhamaśnāti yadyāraṇyā oṣadhīraśnāti barhiṣo medhamaśnāti yadi vānaspatyamaśnātīdhmasya medhamaśnāti yadi payaḥ pibati sāṃnāyyasya cājyasya ca medhamaśnāti yadyapaḥ pibati praṇītānām medhamaśnāti yadi nāśnāti pitṛdevatyo bhavati

Isst er nun Feldpflanzen, isst er das Wesen (medha) des Opferkuchens (puroḍāśa); isst er Wildpflanzen, isst er das Wesen des Barhis; isst er etwas Baumgewachsenes, isst er das Wesen des Brennholzes (idhma); trinkt er Milch, isst er das Wesen des Sāṃnāyya und des Ājya; trinkt er Wasser, isst er das Wesen der Praṇītā-Wasser. Isst er nichts, wird er den Vätern und Göttern zugehörig.

tadāhuḥ kimayanamiti svayaṃ haivaite rātrī agnihotraṃ juhuyātsa yaddhutvā prāśnāti tenāpitṛdevatyo bhavatyāhutirvā eṣā sa yadevaitāmātmannāhutiṃ juhoti teno eteṣām medhānāṃ nāśnāti

Dazu sagt man: 'Was ist dann noch ein Ausweg (ayana)?' Er soll eben selbst in dieser Nacht das Agnihotra darbringen; isst er, nachdem er es dargebracht hat, davon, wird er dadurch nicht den Vätern und Göttern zugehörig. Diese Speise ist ja eine Opferspende (āhuti); indem er eben diese Opferspende in sich selbst darbringt, isst er dadurch nicht von jenen anderen Wesenheiten.

ete ha vai rātrī sarvā rātrayaḥ samavayanti yā āpūryamāṇapakṣasya rātrayastāḥ sarvāḥ paurṇamāsīṃ samavayanti yā apakṣīyamāṇapakṣasya rātrayastāḥ sarvā amāvāsyāṃ samavayanti sa yo haivaṃ vidvāntsvayamupavasathe juhoti sarvadā haivāsya svayaṃ hutam bhavati

In dieser Nacht nämlich vereinigen sich alle Nächte: die Nächte der zunehmenden Monatshälfte vereinigen sich alle in der Vollmondnacht, die Nächte der abnehmenden Monatshälfte alle in der Neumondnacht. Wer, dies wissend, am Vorabend (upavasatha) selbst das Agnihotra darbringt, dessen Opfer ist damit für immer gleichsam von ihm selbst dargebracht.

devāśca vā asurāśca ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire tato'surā atimānenaiva kasminnu vayaṃ juhuyāmeti sveṣvevāsyeṣu juhvataśceruste'timānenaiva parābabhūvustasmānnātimanyeta parābhavasya haitanmukhaṃ yadatimānaḥ

Die Götter und die Asuras, beide Nachkommen Prajāpatis, stritten miteinander. Da dachten die Asuras aus lauter Überheblichkeit (atimāna): 'In wem sollten wir überhaupt noch opfern?' Und sie opferten fortan in ihren eigenen Mündern; eben durch diese Überheblichkeit unterlagen sie. Darum sei man nicht überheblich; die Überheblichkeit ist ja der Anfang (mukha) des Unterliegens (parābhava).

atha devāḥ anyo'nyasminneva juhvataścerustebhyaḥ prajāpatirātmānam pradadau yajño haiṣāmāsa yajño hi devānāmannaṃ

Die Götter aber opferten fortan einer im anderen; ihnen gab Prajāpati sich selbst hin – das Opfer (yajña) war ja der ihrige, denn das Opfer ist die Speise der Götter.

sa devebhya ātmānam pradāya athaitamātmanaḥ pratimāmasṛjata yadyajñaṃ tasmādāhuḥ prajāpatiryajña ityātmano hyetam pratimāmasṛjata

Nachdem er sich den Göttern hingegeben hatte, schuf er sich dieses Abbild (pratimā) seiner selbst, nämlich das Opfer. Darum sagt man: 'Prajāpati ist das Opfer' – denn dieses Abbild seiner selbst hat er geschaffen.

sa etena yajñena devebhya ātmānaṃ nirakrīṇīta sa yadvratamupaiti yathaiva tatprajāpatirdevebhya ātmānam prāyacadevamevaiṣa etaddevebhya ātmānam prayacati tasmādu saṃyata evaitāṃ rātriṃ cicariṣedyathā haviṣā caredevaṃ havirhyeṣa devānām bhavati

Mit diesem Opfer löste er sich den Göttern gegenüber wieder aus (nirakrīṇīta). Nimmt nun der Opferer das Gelübde (vrata) auf sich, so gibt auch er sich den Göttern hin, ebenso wie sich damals Prajāpati den Göttern hingab. Darum soll man sich in dieser Nacht durchaus zurückhaltend (saṃyata) verhalten, so wie man sich als Opfergabe (havis) verhalten würde; denn er ist dann ja selbst die Opfergabe der Götter.

atha yadyajñaṃ tanute yajñenaivaitaddevebhya ātmānaṃ niṣkrīṇīte yathaiva tatprajāpatirnirakrīṇītaivamatha yaddhavirnirvapati haviṣaivaitadyajñaṃ niṣkrīṇāti haviranuvākyayānuvākyāmavadānenāvadānaṃ yājyayā yājyāṃ vaṣaṭkāreṇa vaṣaṭkāramāhutyā tasyāhutirevāniṣkrītā bhavati

Wenn er aber nachher das Opfer ausspannt (tanute), löst er sich damit eben durch das Opfer den Göttern gegenüber aus, ebenso wie sich damals Prajāpati auslöste. Und wenn er die Opfergabe darbringt, löst er damit eben durch die Opfergabe das Opfer aus: die Opfergabe durch den Anuvākyā-Vers, den Anuvākyā-Vers durch das Avadāna, den Ausschnitt, das Avadāna durch den Yājyā-Vers, den Yājyā-Vers durch den Vaṣaṭ-Ruf, den Vaṣaṭ-Ruf durch die Opferspende (āhuti) – deren Auslösung bleibt allein die Opferspende selbst unausgelöst.

sa yathāgrapraśīrṇo vṛkṣaḥ evamasyaiṣa yajño bhavatyāhutimevānvāhāryeṇa niṣkrīṇāti tadyadetaddhīnaṃ yajñasyānvāharati tasmādanvāhāryo nāmaivamu hāsyaiṣa sarva eva yajño niṣkrīto bhavatyeṣa ha vai yajamānasyāmuṣmiṃloka ātmā bhavati yadyajña sa ha sarvatanūreva yajamāno'muṣmiṃloke sambhavati ya evaṃ vidvānniṣkrītyā yajate

Wie ein an der Spitze verdorrter Baum, so ist dann dieses sein Opfer; darum löst er eben die Opferspende durch das Anvāhārya-Opfer wieder aus. Dass er damit das dem Opfer Fehlende nachträgt (anvāharati), daher kommt eben der Name 'Anvāhārya'. So wird dieses ganze Opfer vollständig wieder ausgelöst. Dieses Opfer ist ja das Selbst (ātman) des Opferherrn in jener Welt; als Opfer entsteht der Opferherr mit seinem ganzen Leib (sarvatanu) in jener Welt, wer, dies wissend, durch die Auslösung (niṣkrīti) opfert.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks