puruṣo ha nārāyaṇo'kāmayata atitiṣṭheyaṃ sarvāṇi bhūtānyahamevedaṃ sarvaṃ syāmiti sa etam puruṣamedham pañcarātram yajñakratumapaśyattamāharattenāyajata teneṣṭvātyatiṣṭhatsarvāṇi bhūtānīdaṃ sarvamabhavadatitiṣṭhati sarvāṇi bhūtānīdaṃ sarvam bhavati ya evam vidvānpuruṣamedhena yajate yo vaitadevam veda
Puruṣa Nārāyaṇa wünschte fürwahr: „Alle Wesen möchte ich überragen, ich selbst möchte dies alles hier sein.“ Er erblickte diesen fünfnächtigen Puruṣamedha-Opferritus; er holte ihn herbei; mit ihm opferte er. Nachdem er damit geopfert hatte, überragte er alle Wesen, wurde er dies alles hier. Er überragt alle Wesen, wird dies alles hier, wer, dies so wissend, mit dem Puruṣamedha opfert, wer eben dies so weiß.
tasya trayoviṃśatirdīkṣāḥ dvādaśopasadaḥ pañca sutyāḥ sa eṣa catvāriṃśadrātraḥ sadīkṣopasatkaścatvāriṃśadakṣarā virāṭtadvirājamabhisampadyate tato virāḍajāyata virājo adhi pūruṣa ityeṣā vai sā virāḍetasyā evaitadvirājo yajñam puruṣaṃ janayati
Für ihn gelten: dreiundzwanzig Tage Weihe, zwölf Vorbereitungstage, fünf Preßtage; das macht zusammen vierzig Nächte mit Weihe und Vorbereitungstagen; die Virāj hat vierzig Silben; das entspricht damit der Virāj. „Daraus wurde die Virāj geboren, aus der Virāj der Puruṣa“ – das ist ja jene Virāj; von eben dieser Virāj erzeugt er das Opfer, den Puruṣa.
Diese vierzig Nächte werden ja zu vier Zehnergruppen; dass sie zu vier Zehnergruppen werden, dient eben der Erlangung dieser Welten und der Himmelsrichtungen: mit der ersten Zehnergruppe erlangten sie eben diese Welt hier, mit der zweiten den Luftraum, mit der dritten den Himmel, mit der vierten die Himmelsrichtungen. Ebenso erlangt der Opferherr mit der ersten Zehnergruppe eben diese Welt hier, mit der zweiten den Luftraum, mit der dritten den Himmel, mit der vierten die Himmelsrichtungen; so viel ist ja dies alles hier, wie es diese Welten und Himmelsrichtungen gibt; alles ist der Puruṣamedha – zur Erlangung von allem, zur vollständigen Gewinnung von allem.
Elf dem Agni-und-Soma geweihte Opfertiere am Vorabendtag (Upavasatha); für sie gilt die gleiche Handlung; elf Opferpfähle; elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr im Voraus das Übel ab.
Elffache Gruppen sind die Opfertiere an den Preßtagen; elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr im Voraus das Übel ab.
Oder auch: dass es elffache Gruppen sind: elffach ist ja dies alles hier, denn Prajāpati ist elffach, und Prajāpati ist ja alles; alles ist der Puruṣamedha – zur Erlangung von allem, zur vollständigen Gewinnung von allem.
sa vā eṣa puruṣamedhaḥ pañcarātro yajñakraturbhavati pāṅkto yajñaḥ pāṅktaḥ paśuḥ pañcartavaḥ samvatsaro yatkiṃ ca pañcavidhamadhidevatamadhyātmaṃ tadenena sarvamāpnoti
Dieser Puruṣamedha ist fürwahr ein fünfnächtiger Opferritus; fünfgliedrig (Pāṅkta) ist das Opfer, fünfgliedrig das Opfertier; fünf Jahreszeiten hat das Jahr; was immer fünffacher Art ist, auf die Gottheiten oder auf das Selbst bezogen, das alles erlangt er damit.
tasyāgniṣṭomaḥ prathamamaharbhavati athokthyo'thātirātro'thokthyo'thāgniṣṭomaḥ sa vā eṣa ubhayatojyotirubhayataukthyaḥ
Für ihn ist der erste Tag der Agniṣṭoma; dann der Ukthya; dann der Atirātra; dann wieder der Ukthya; dann der Agniṣṭoma; das ist fürwahr ein Ritus, der auf beiden Seiten Licht hat, auf beiden Seiten den Ukthya.
yavamadhyaḥ pañcarātro bhavati ime vai lokāḥ puruṣamedha ubhayatojyotiṣo vā ime lokā agnineta ādityenāmutastasmādubhayatojyotirannamukthya ātmātirātrastadyadetā ukthyāvatirātramabhito bhavatastasmādayamātmānnena parivṛḍho'tha yadeṣa varṣiṣṭo'tirātro'hnāṃ sa madhye tasmādyavamadhyo yute ha vai dviṣantam bhrātrṛvyamayamevāsti nāsya dviṣanbhrātṛvya ityāhurya evam veda
'Gerstenkorn-förmig-in-der-Mitte' [Anm.: yavamadhya, wörtl. 'in der Mitte verengt wie ein Gerstenkorn'] ist der Fünfnächtige; diese Welten sind ja der Puruṣamedha, auf beiden Seiten lichtvoll sind ja diese Welten – diese Welt durch Agni, jene dort durch Āditya; deshalb ist das 'auf beiden Seiten Lichtvolle' die Speise, der Ukthya das Selbst, der Atirātra ebenfalls die Speise – dass diese beiden Ukthya-Tage den Atirātra umgeben, deshalb ist dieses Selbst durch die Speise umwachsen. Dass aber dieser höchste Tag, der Atirātra, in der Mitte der Tage steht, deshalb ist es das 'Gerstenkorn-in-der-Mitte'. [Anm.: der folgende Satzteil im Quelltext ist inhaltlich schwer nachvollziehbar und wird nur sinngemäß, mit Vorbehalt, wiedergegeben:] Wenn zwei sich im Streit vereinigen, ist fürwahr der hassende Nebenbuhler eben nur einer allein da – so sagt man von dem, der dies so weiß.
Für ihn ist diese Welt hier [die Erde] der erste Tag, diese Welt seine entsprechende Jahreszeit der Frühling; was oberhalb dieser Welt und unterhalb des Luftraums ist, das ist der zweite Tag, dessen Jahreszeit der Sommer; der Luftraum selbst ist sein mittlerer Tag, des Luftraums Jahreszeiten sind Regenzeit und Herbst; was oberhalb des Luftraums und unterhalb des Himmels ist, das ist der vierte Tag, dessen Jahreszeit der Winter; der Himmel selbst ist sein fünfter Tag, des Himmels Jahreszeit der Spätwinter – so auf die Gottheiten bezogen.
Nun auf das Selbst bezogen: der feste Stand [die Füße] ist eben sein erster Tag, dessen Jahreszeit der Frühling; was oberhalb des festen Standes und unterhalb der Mitte ist, das ist der zweite Tag, dessen Jahreszeit der Sommer; die Mitte selbst ist sein mittlerer Tag, der Mitte Jahreszeiten sind Regenzeit und Herbst; was oberhalb der Mitte und unterhalb des Kopfes ist, das ist der vierte Tag, dessen Jahreszeit der Winter; der Kopf selbst ist sein fünfter Tag, des Kopfes Jahreszeit der Spätwinter. So entsprechen diese Welten, das Jahr und das Selbst dem Puruṣamedha; alles sind ja diese Welten, alles das Jahr, alles das Selbst, alles der Puruṣamedha – zur Erlangung von allem, zur vollständigen Gewinnung von allem.
Nun, warum er 'Puruṣamedha' heißt: diese Welten sind ja eine Burg (Pur); der Puruṣa, der da weht/läutert [Anm.: Wortspiel pavate/Puruṣa], liegt eben in dieser Burg; deshalb heißt er Puruṣa [Anm.: Wortspiel puri-śete → puruṣa]. Was diesem in diesen Welten an Speise zukommt, das ist seine Speise, sein Opfersaft (Medha) – dass ihm diese Speise Opfersaft ist, deshalb heißt es Puruṣamedha. Und weil man dabei opfer-würdige Menschen (Puruṣa) darbringt, deshalb eben heißt es Puruṣamedha.
tānvai madhyame'hannālabhate antarikṣam vai madhyamamaharantarikṣamu vai sarveṣām bhūtānāmāyatanamatho annam vā ete paśava udaram madhyamamaharudare tadannaṃ dadhāti
Diese Menschen bringt er fürwahr am mittleren Tag dar; der Luftraum ist ja der mittlere Tag, der Luftraum ist ja die Wohnstatt aller Wesen; und diese Opfertiere sind ja Speise; der Bauch ist der mittlere Tag – in den Bauch legt er damit die Speise.
Elf pro Zehnergruppe bringt er dar; elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr aus der Mitte das Übel ab.
Achtundvierzig bringt er am mittleren Opferpfahl dar; achtundvierzigsilbig ist die Jagatī, der Jagatī zugehörig sind die Opfertiere – mit der Jagatī erlangt er für sich die Opfertiere.
Elf, je elf bei den übrigen Pfählen; elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr von allen Seiten das Übel ab.
Acht bringt er als letzte dar; achtsilbig ist die Gāyatrī, die Gāyatrī ist das Brahman – eben das Brahman macht er damit zum Höchsten von diesem allem; deshalb sagt man: das Brahman ist das Höchste von diesem allem.
sa vai paśūnupākariṣyan etāstisraḥ sāvitrīrāhutīrjuhoti deva savitastatsaviturvareṇyam viśvāni deva savitariti savitāram prīṇāti so'smai prīta etānpuruṣānprasauti tena prasūtānālabhate
Im Begriff, die Opfertiere heranzuführen, opfert er diese drei dem Savitṛ geweihten Spenden: „O Gott Savitṛ“ – „Jenes Erstrebenswerte des Savitṛ“ – „Alle diese, o Gott Savitṛ“ – damit erfreut er Savitṛ; dieser, erfreut, treibt für ihn diese Menschen an; von ihm angetrieben, bringt er sie dar.
brahmaṇe brāhmaṇamālabhate brahma vai brāhmaṇo brahmeva tadbrahmaṇā samardhayati kṣatrāya rājanyaṃ kṣatram vai rājanyaḥ kṣatrameva tatkṣatreṇa samardhayati marudbhyo vaiśyamm viśo vai maruto viśameva tadviśā samardhayati tapase śūdram tapo vai śūdrastapa eva tattapasā samardhayatyevametā devatā yathārūpam paśubhiḥ samardhayati tā enaṃ samṛddhāḥ samardhayanti sarvaiḥ kāmaiḥ
Dem Brahman bringt er einen Brahmanen dar; Brahman ist ja der Brahmane – eben das Brahman stärkt er damit durch das Brahman. Der Kriegerkraft (Kṣatra) bringt er einen Krieger (Rājanya) dar; die Kriegerkraft ist ja der Krieger – eben die Kriegerkraft stärkt er damit durch die Kriegerkraft. Den Marut bringt er einen Vaiśya dar; die Untertanenschaft (Viś) sind ja die Marut – eben die Untertanenschaft stärkt er damit durch die Untertanenschaft. Der Askese (Tapas) bringt er einen Śūdra dar; Askese ist ja der Śūdra – eben die Askese stärkt er damit durch die Askese. So stärkt er diese Gottheiten, jede ihrer eigenen Gestalt gemäß, durch die Opfertiere; diese, gestärkt, stärken ihn mit allen Wünschen.
Man opfert mit Schmalz; Schmalz ist ja Glanz – eben mit Glanz legt er den Glanz in ihn hinein. Man opfert mit Schmalz; das ist ja die liebe Wohnstatt der Götter, nämlich das Schmalz – mit dieser lieben Wohnstatt stärkt er sie eben; diese, gestärkt, stärken ihn mit allen Wünschen.
Die angebundenen Menschen preist der Brahman-Priester von Süden her mit dem Puruṣa-Nārāyaṇa-Hymnus: „Tausendhäuptig ist der Puruṣa, tausendäugig, tausendfüßig“ – mit diesem sechzehnversigen Hymnus; sechzehnteilig ist ja dies alles hier, alles der Puruṣamedha – zur Erlangung von allem, zur vollständigen Gewinnung von allem. „So bist du, so bist du“ – damit lobpreist er ihn eben, ehrt ihn eben; und wie dieser Hymnus lautet, so spricht er es ihm; danach wurden diese Opfertiere um das Feuer herumgeführt, aber nicht rituell getötet.
atha hainam vāgabhyuvāda puruṣa mā santiṣṭhipo yadi saṃsthāpayiṣyasi puruṣa eva puruṣamatsyatīti tānparyagnikṛtānevodasṛjattaddevatyā āhutīrajuhottābhistā devatā aprīṇāttā enam prītā aprīṇantsarvaiḥ kāmaiḥ
Da sprach ihn die Rede an: „O Mensch, bringe ihn nicht zum Stillstand! Würdest du ihn zur Ruhe bringen, würde fürwahr ein Mensch einen Menschen essen“ [Anm.: sinngemäß, eine warnende mythische Rede]. Da entließ er sie, nachdem sie nur um das Feuer herumgeführt worden waren und nicht getötet; er opferte für sie an ihrer Stelle den entsprechenden Gottheiten geweihte Spenden; mit diesen erfreute er jene Gottheiten; diese, erfreut, erfreuten ihn mit allen Wünschen.
Mit elffachen Tiergruppen schließt er das Opfer ab; elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr aus der Mitte das Übel ab.
udayanīyāyāṃ saṃsthitāyām ekādaśa vaśā anūbandhyā ālabhate maitrāvaruṇīrvaiśvadevīrbārhaspatyā etāsāṃ dev atānāmāptyai tadyadbārhaspatyā antyā bhavanti brahma vai bṛhaspatistadu brahmaṇyevāntataḥ pratitiṣṭhati
Nachdem das Udayanīya-Abschlussopfer beendet ist, bringt er elf unfruchtbare Kühe dar, dem Mitra-und-Varuṇa, den Viśve Devāḥ, dem Bṛhaspati geweiht, zur Erlangung dieser Gottheiten. Dass die dem Bṛhaspati geweihten die letzten sind, bedeutet: Brahman ist ja Bṛhaspati – eben im Brahman findet er damit am Ende festen Halt.
Dass es elf sind: elfsilbig ist die Triṣṭubh, der Vajra; die Triṣṭubh ist die Kraft, der Vajra – eben mit dieser Kraft des Vajra stößt der Opferherr aus der Mitte das Übel ab. 'Dreifach-elementar' [Anm.: unsichere Deutung] ist das Udavasānīya-Schlussopfer; jenes [die Sonne] eben ist die Verwandtschaft dazu.
athāto dakṣiṇānām madhyam prati rāṣṭrasya yadanyadbhūmeśca brāhmaṇasya ca vittātsatpuruṣam prācī digghortudakṣiṇā brahmaṇaḥ pratīcyadhvaryorudīcyudgātustadeva hotṛkā anvābhaktāḥ
Nun zur Aufteilung der Dakṣiṇā-Gaben, was das Reich betrifft, außer dem, was Grund und Boden und Besitz des Brahmanen betrifft, die guten Menschen [Anm.: unsichere Konstruktion]: die östliche Himmelsrichtung ist die Dakṣiṇā des Hotṛ, die südliche die des Brahman-Priesters, die westliche die des Adhvaryu, die nördliche die des Udgātṛ; eben das übrige wird unter den Hotṛ-Gehilfen aufgeteilt.
Wenn aber ein Brahmane opfert, solle er seinen gesamten Besitz als Dakṣiṇā geben; alles ist ja der Brahmane, alles der gesamte Besitz, alles der Puruṣamedha – zur Erlangung von allem, zur vollständigen Gewinnung von allem.
Dann, nachdem er die beiden Feuer in sich selbst aufgenommen hat, mit dem Uttaranārāyaṇa-Hymnus die Sonne verehrt hat, solle er, ohne zurückzublicken, in die Wildnis ziehen – das bedeutet, sich den Menschen zu entziehen. Wollte er aber im Dorf verweilen, solle er, nachdem er die Feuer in sich selbst aufgenommen und mit eben dem Uttaranārāyaṇa die Sonne verehrt hat, in seinem Haus niederlassen; dann solle er diejenigen Opferriten aufsuchen, die er erreichen kann. Dies aber solle nicht jedem verkündet werden, denn der Puruṣamedha ist ja alles, und nicht jedem sollte man alles sagen; wen er als würdig erkannt hat, dem solle er es sagen – und wer belesen ist, oder wer ihm lieb ist – aber eben nicht jedem, wie wenn es allen zugänglich wäre.