āho svic chāśvataṃ sthānaṃ teṣāṃ tatra dvijottama ante vā karmaṇaḥ kāṃ te gatiṃ prāptā nararṣabhāḥ etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ procyamānaṃ tvayā dvija
Oder ist ihre Stätte dort ewig, o Bester der Zweifachgeborenen? Oder welchen Gang haben diese Stiere unter den Männern am Ende ihres Wirkens erlangt? Dies möchte ich hören, von dir dargelegt, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
āho svit śāśvataṃ sthānaṃ teṣāṃ tatra dvijottama
oder ist ihre Stätte dort ewig, o Bester der Zweifachgeborenen (Part.+Akk.+Akk.+Gen.+Vok.)
ante vā karmaṇaḥ kāṃ te gatiṃ prāptāḥ nararṣabhāḥ
oder welchen Gang haben diese Stiere unter den Männern am Ende ihres Wirkens erlangt (Lok.+Gen.+Akk.+Nom.+Akk.+Nom.+Nom.)
etat icchāmi ahaṃ śrotuṃ procyamānaṃ tvayā dvija
dies möchte ich hören, von dir dargelegt, o Zweifachgeborener (Akk.+1.Sg.Präs.+Inf.+Akk.Part.+Instr.+Vok.)
vaiśaṃpāyana uvāca gantavyaṃ karmaṇām ante sarveṇa manujādhipa śṛṇu guhyam idaṃ rājan devānāṃ bharatarṣabha yad uvāca mahātejā divyacakṣuḥ pratāpavān
Vaiśaṃpāyana sprach: Am Ende der Taten muss ein jeder gehen, o Herrscher der Menschen. Höre dieses Geheimnis der Götter, o König, Stier der Bharatas, das der von großer Glut, mit göttlichem Auge, der Machtvolle,
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca gantavyaṃ karmaṇām ante sarveṇa manujādhipa
Vaiśaṃpāyana sprach: am Ende der Taten muss ein jeder gehen, o Herrscher der Menschen (Nom.+3.Sg.Perf.+Ger.+Gen.+Lok.+Instr.+Vok.)
śṛṇu guhyam idaṃ rājan devānāṃ bharatarṣabha
höre dieses Geheimnis der Götter, o König, Stier der Bharatas (Imp.+Akk.+Akk.+Vok.+Gen.+Vok.)
yat uvāca mahātejāḥ divyacakṣuḥ pratāpavān
das der von großer Glut, mit göttlichem Auge, der Machtvolle verkündet hat (Akk.Rel.+3.Sg.Perf.+Nom.+Nom.+Nom.)
der uralte Weise, o Kaurava, der Sohn Parāśaras von großen Gelübden, von unergründlichem Verstand, der Allwissende, der Kenner der Gänge aller Taten, verkündet hat:
Wort für Wort
muniḥ purāṇaḥ kauravya pārāśaryaḥ mahāvrataḥ
der uralte Weise, o Kaurava, der Sohn Parāśaras von großen Gelübden (Nom.+Nom.+Vok.+Nom.+Nom.)
agādhabuddhiḥ sarvajñaḥ gatijñaḥ sarvakarmaṇām
von unergründlichem Verstand, der Allwissende, der Kenner der Gänge aller Taten (Nom.+Nom.+Nom.+Gen.)
[Anm.: V007-008 leiten das im Folgenden (V009-025) wiedergegebene Wort des Weisen Vyāsa (,Pārāśarya', Sohn des Parāśara) ein, das Vaiśaṃpāyana hier zitierend berichtet.]
sa yuddhvā kṣatradharmeṇa yathā nānyaḥ pumān kva cit viveśa somaṃ dharmātmā karmaṇo 'nte mahārathaḥ
und er, der gemäß dem Kriegerdharma kämpfte wie kein anderer Mann irgendwo, ging, der Rechtschaffene, der große Wagenkämpfer, am Ende seines Wirkens in Soma ein.
Wort für Wort
saḥ yuddhvā kṣatradharmeṇa yathā na anyaḥ pumān kva cit
und er, der gemäß dem Kriegerdharma kämpfte wie kein anderer Mann irgendwo (Nom.+Abs.+Instr.+Adv.+Neg.+Nom.+Nom.+Adv.)
viveśa somaṃ dharmātmā karmaṇaḥ ante mahārathaḥ
ging, der Rechtschaffene, der große Wagenkämpfer, am Ende seines Wirkens in Soma ein (3.Sg.Perf.+Akk.+Nom.+Gen.+Lok.+Nom.)
Alle Söhne Dhṛtarāṣṭras, gewaltige Yātudhānas von überragender Kraft, machtvoll und großherzig, durch Waffen geläutert, gingen zum Himmel ein; Kṣattṛ aber ging ein in Dharma – ebenso wie König Yudhiṣṭhira selbst.
alle Söhne Dhṛtarāṣṭras, gewaltige Yātudhānas von überragender Kraft, machtvoll und großherzig (Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.)
śastrapūtāḥ divaṃ gatāḥ dharmam eva āviśat kṣattā rājā ca eva yudhiṣṭhiraḥ
durch Waffen geläutert, gingen zum Himmel ein; Kṣattṛ aber ging ein in Dharma - ebenso wie König Yudhiṣṭhira selbst (Nom.+Akk.+Nom.+Akk.+3.Sg.Impf.+Nom.+Nom.+Nom.)
[Anm.: yātudhāna = Bezeichnung für Rākṣasas; Kṣattṛ = Beiname Viduras. Dass hier auch König Yudhiṣṭhira - der zur Erzählzeit noch im Himmel weilt und diese Rede hört - als dereinst in Dharma eingehend genannt wird, ist eine vorausschauende Aussage: Vidura wie Yudhiṣṭhira gelten beide als mit dem Gott Dharma verbunden, Vidura als dessen Inkarnation, Yudhiṣṭhira als dessen Sohn.]
Die sechzehntausend Frauen, die Gattinnen Vāsudevas, versanken mit der Zeit in der Sarasvatī, o Janamejaya; und auch sie gingen, zu Apsaras geworden, zu Vāsudeva.
hatās tasmin mahāyuddhe ye vīrās tu mahārathāḥ ghaṭotkacādayaḥ sarve devān yakṣāṃś ca bhejire
Die Helden aber, die großen Wagenkämpfer, die in jener großen Schlacht erschlagen wurden, Ghaṭotkaca und alle die anderen, gelangten zu den Göttern und den Yakṣas.
Wort für Wort
hatāḥ tasmin mahāyuddhe ye vīrāḥ tu mahārathāḥ
die Helden aber, die großen Wagenkämpfer, die in jener großen Schlacht erschlagen wurden (Nom.+Lok.+Lok.+Nom.+Nom.+Nom.)
ghaṭotkacādayaḥ sarve devān yakṣān ca bhejire
Ghaṭotkaca und alle die anderen gelangten zu den Göttern und den Yakṣas (Nom.+Nom.+Akk.+Akk.+3.Pl.Perf.)
Sūta sprach: Als er dies von dem Besten der Zweifachgeborenen gehört hatte, geriet König Janamejaya darüber in höchstes Erstaunen, während der Unterbrechungen des Opferwerks.
Heilig ist diese Erzählung, genannt Itihāsa, und rein und höchst vortrefflich ist sie, o Brahmane, verfasst von dem gesammelten, wahrredenden Weisen Kṛṣṇa,
Wort für Wort
puṇyaḥ ayam itihāsākhyaḥ pavitraṃ ca idam uttamam
heilig ist diese Erzählung, genannt Itihāsa, und rein und höchst vortrefflich ist sie (Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.)
kṛṣṇena muninā vipra niyataṃ satyavādinā
o Brahmane, verfasst von dem gesammelten, wahrredenden Weisen Kṛṣṇa (Instr.+Instr.+Vok.+Nom.+Instr.)
[Anm.: Ab hier spricht der äußerste Rahmenerzähler Sūta (Ugraśravas) unmittelbar zu Śaunaka und den Weisen im Naimiṣa-Wald - vgl. den Vokativ ,śaunaka' in V044. ,Kṛṣṇa' bezeichnet hier Kṛṣṇa-Dvaipāyana, d.h. Vyāsa.]
dem Allwissenden, dem Kenner der Ordnung, dem im Dharma-Wissen Bewanderten, dem Redlichen, dem Übersinnlichen, dem Reinen, dem durch Askese geläuterten Selbst,
Wort für Wort
sarvajñena vidhijñena dharmajñānavatā satā
dem Allwissenden, dem Kenner der Ordnung, dem im Dharma-Wissen Bewanderten, dem Redlichen (Instr.+Instr.+Instr.+Instr.)
atīndriyeṇa śucinā tapasā bhāvitātmanā
dem Übersinnlichen, dem Reinen, dem durch Askese geläuterten Selbst (Instr.+Instr.+Instr.+Instr.)
dem in Herrschermacht Weilenden und ebenso dem Kenner von Sāṃkhya und Yoga, dem in vielfachen Lehren Erweckten, der all dies mit göttlichem Auge geschaut hat,
Wort für Wort
aiśvarye vartatā ca eva sāṃkhyayogavidā tathā
dem in Herrschermacht Weilenden und ebenso dem Kenner von Sāṃkhya und Yoga (Lok.+Instr.+Instr.+Adv.)
na ekatantravibuddhena dṛṣṭvā divyena cakṣuṣā
dem in vielfachen Lehren Erweckten, der geschaut hat mit göttlichem Auge (Neg.+Instr.+Abs.+Instr.+Instr.)
Und wer dies bei einem Totenopfer den Brahmanen vortragen lässt, und sei es auch nur ein Viertelvers am Ende, dem stehen unvergängliche Speise und Trank für seine Ahnen bereit.
Wort für Wort
yaḥ ca idaṃ śrāvayet śrāddhe brāhmaṇān pādam antataḥ
und wer dies bei einem Totenopfer den Brahmanen vortragen lässt, und sei es auch nur ein Viertelvers am Ende (Nom.+Akk.+3.Sg.Opt.+Lok.+Akk.+Akk.+Adv.)
akṣayyam annapānaṃ vai pitṝn tasya upatiṣṭhate
dem stehen unvergängliche Speise und Trank für seine Ahnen bereit (Nom.+Nom.+Partikel+Akk.+Gen.+3.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: śrāddha = das rituelle Totenopfer für die Ahnen (Pitṛs).]
Welche Schuld ein Mensch tagsüber begeht, mit den Sinnen oder auch mit dem Geist, davon wird er, nachdem er das Mahābhārata vorgetragen hat, zur Abenddämmerung befreit.
Wort für Wort
ahnā yat enaḥ kurute indriyaiḥ manasā api vā
welche Schuld ein Mensch tagsüber begeht, mit den Sinnen oder auch mit dem Geist (Instr.+Akk.+Akk.+3.Sg.Präs.+Instr.+Instr.)
mahābhāratam ākhyāya paścāt saṃdhyāṃ pramucyate
davon wird er, nachdem er das Mahābhārata vorgetragen hat, zur Abenddämmerung befreit (Akk.+Abs.+Adv.+Akk.+3.Sg.Präs.Pass.)
Diese Erzählung, genannt Jaya – das heißt: Sieg –, sollte hören, wer nach Wohlergehen strebt: der König, ebenso die Königssöhne, und auch die schwangere Frau.
Wer den Himmel begehrt, erlangt den Himmel; wer den Sieg begehrt, erlangt den Sieg; die Schwangere erlangt einen Sohn oder eine Tochter von großem Glücksanteil.
Wort für Wort
svargakāmaḥ labhet svargaṃ jayakāmaḥ labhet jayam
wer den Himmel begehrt, erlangt den Himmel; wer den Sieg begehrt, erlangt den Sieg (Nom.+3.Sg.Opt.+Akk.+Nom.+3.Sg.Opt.+Akk.)
garbhiṇī labhate putraṃ kanyāṃ vā bahubhāginīm
die Schwangere erlangt einen Sohn oder eine Tochter von großem Glücksanteil (Nom.+3.Sg.Präs.Med.+Akk.+Akk.+Akk.)
ūrdhvabāhur viraumy eṣa na ca kaś cic chṛṇoti me dharmād arthaś ca kāmaś ca sa kimarthaṃ na sevyate
Mit erhobenen Armen rufe ich dies aus, und doch hört mich niemand: Aus dem Dharma kommen ja Reichtum und Lust – warum wird er, der Dharma, dann nicht gepflegt?
Wort für Wort
ūrdhvabāhuḥ viraumi eṣa na ca kaḥ cit śṛṇoti me
mit erhobenen Armen rufe ich dies aus, und doch hört mich niemand (Nom.+1.Sg.Präs.+Nom.+Neg.+Nom.+3.Sg.Präs.+Gen.)
dharmāt arthaḥ ca kāmaḥ ca saḥ kimartham na sevyate
aus dem Dharma kommen ja Reichtum und Lust - warum wird er dann nicht gepflegt (Abl.+Nom.+Nom.+Nom.+Adv.+Neg.+3.Sg.Präs.Pass.)
[Anm.: Dieser berühmte Klageruf gilt der Tradition nach als das eigene Wort Vyāsas, obwohl der Vers selbst kein Zitatverb (,er sprach') trägt; er wird hier daher nicht als wörtliche Rede markiert, sondern als überliefertes Sprichwort des Rahmenerzählers wiedergegeben. [?]]
na jātu kāmān na bhayān na lobhād dharmaṃ tyajej jīvitasyāpi hetoḥ nityo dharmaḥ sukhaduḥkhe tv anitye jīvo nityo hetur asya tv anityaḥ
Niemals sollte man, sei es aus Verlangen, aus Furcht oder aus Gier, den Dharma aufgeben – selbst nicht um des Lebens willen. Ewig ist der Dharma, Glück und Leid aber sind vergänglich; die Seele ist ewig, ihr Grund aber ist vergänglich.
Wort für Wort
na jātu kāmān na bhayān na lobhāt dharmaṃ tyajet jīvitasya api hetoḥ
niemals sollte man, sei es aus Verlangen, aus Furcht oder aus Gier, den Dharma aufgeben, selbst nicht um des Lebens willen (Neg.+Adv.+Akk.+Neg.+Akk.+Neg.+Abl.+Akk.+3.Sg.Opt.+Gen.+Adv.+Abl.)
nityaḥ dharmaḥ sukhaduḥkhe tu anitye jīvaḥ nityaḥ hetuḥ asya tu anityaḥ
ewig ist der Dharma, Glück und Leid aber sind vergänglich; die Seele ist ewig, ihr Grund aber ist vergänglich (Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Nom.+Gen.+Nom.)
[Anm.: ,jīva' = die individuelle Seele; ,hetu' hier im Sinne des vergänglichen Körpers/Grundes ihrer Erfahrung.]
der erlangt die Frucht des Bhārata und gelangt zum höchsten Brahman (Nom.+Akk.+Abs.+Akk.+Akk.+3.Sg.Präs.)
[Anm.: ,Bhārata-Sāvitrī' bezeichnet traditionell die vorangehenden Verse (insbesondere V050) als heiligen Kernspruch des Werks, nach Analogie zum berühmten Sāvitrī-Mantra des Ṛgveda.]
dvaipāyanoṣṭhapuṭaniḥsṛtam aprameyaṃ puṇyaṃ pavitram atha pāpaharaṃ śivaṃ ca yo bhārataṃ samadhigacchati vācyamānaṃ kiṃ tasya puṣkarajalair abhiṣecanena
Wer das Bhārata, das den Lippen Dvaipāyanas entströmte, unermesslich, heilig, rein, sündentilgend und heilbringend, während es vorgetragen wird, in sich aufnimmt – was nützt für ihn da noch die Besprengung mit Lotuswasser?
das den Lippen Dvaipāyanas entströmte, unermesslich, heilig, rein (Akk.+Akk.+Akk.+Akk.)
atha pāpaharaṃ śivaṃ ca yaḥ bhārataṃ samadhigacchati vācyamānaṃ
und sündentilgend und heilbringend - wer das Bhārata, während es vorgetragen wird, in sich aufnimmt (Adv.+Akk.+Akk.+Nom.+Akk.+3.Sg.Präs.+Akk.Part.)
kim tasya puṣkarajalaiḥ abhiṣecanena
was nützt für ihn da noch die Besprengung mit Lotuswasser (Interr.+Gen.+Instr.+Instr.)
[Anm.: Letzter Vers des gesamten Mahābhārata. Dvaipāyana = Beiname Vyāsas als Verfasser des Werks. Die rhetorische Schlussfrage stellt das Hören/Aufnehmen des Werks über jedes äußere Reinigungsritual.]