Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 24

Anuvāka 5 Das Abmessen des Soma mit Gold, der Schmalz-Gewinn und das Einlegen des Goldes in das Schmalz; Fragen der Zahl und der Zeugungskraft.

haste hiraṇyaṃ kṛtvā mimīte

Nachdem er Gold in die Hand genommen hat, bemisst er (den Soma-Preis).

satyaṃ vai hiraṇyam

Wahrheit ist ja das Gold;

satyenaivainaṃ mimīte

mit der Wahrheit gerade bemisst er ihn.

amṛtaṃ vai hiraṇyam

Unsterblichkeit (Unsterbliches) ist ja das Gold;

amṛtenaivainaṃ mimīte

mit dem Unsterblichen gerade bemisst er ihn.

āsmāko 'sīti

„Zu uns gehörig bist du“ –

svam evainaṃ kurute

zum Eigenen gerade macht er ihn.

śukras te graha iti

„Der Helle ist dein Schöpfbecher (graha)“ –

śukram evāsya gṛhṇāti

den hellen (Śukra-Becher) gerade schöpft er für ihn.

abhi tyaṃ devam̐ savitāram iti

„Auf jenen Gott Savitṛ (hin)“ –

savitṛprasūta evainaṃ devatābhir mimīte

von Savitṛ angetrieben bemisst er ihn gerade mit den Gottheiten.

aticchandasā mimīte

Mit einem Aticchandas-Spruch bemisst er.

varṣma vā eṣā chandasāṃ yad aticchandās

Der Gipfel (das Höchstmaß) der Metren ist ja der Aticchandas;

varṣmaivainau gamayati yajñaṃ ca yajamānaṃ ca

zum Gipfel gerade führt er diese beiden, das Opfer und den Opferherrn.

ekaikayā mimīte

Mit je einer (Silbe/Zeile) bemisst er.

āsām eva vīryāṇy āpnoti

Von diesen (Kühen [?]) gerade erlangt er die Kräfte.

tasmād imāḥ kāmaṃ nyacāmaḥ kāmaṃ prasārayāmas

Darum können wir diese nach Belieben einziehen (senken), nach Belieben ausstrecken [Anm.: von den Fingern/Gliedern gesagt ?] [?].

yat sarvābhis saha mimīta hastam āsāṃ vīryam abhisamiyāt

Wenn er mit allen zugleich bemäße, so würde die Hand deren Kraft zusammenziehen [?].

aṅguṣṭhena pratimimīte

Mit dem Daumen misst er dagegen.

tasmād eṣa etāsāṃ vīryāṇi prati

Darum (wirkt) dieser (Daumen) den Kräften dieser (Finger) entgegen [?].

ud eva sṛjen

Er soll (sie) nur wieder loslassen (ausstrecken).

na nyacet

Er soll (die Hand) nicht einziehen (geschlossen halten).

yan nyacet pāśaṃ kuryād varuṇyaḥ pāśo varuṇa enaṃ grāhukas syāt

Würde er sie einziehen, so würde er eine Schlinge machen, die Schlinge Varuṇas; Varuṇa würde ihn packen.

varuṇapāśād evātmānaṃ parivṛṇakti ‖

davor bewahrt er sich gerade vor Varuṇas Schlinge.

dve hi śukriye savane

denn zwei sind die Pressungen des Śukra.

virājy evānnādye pratitiṣṭhati

in der Virāj, im Speiseessen, gerade findet er Halt.

yat parimitaṃ mimīta parimitaṃ jīvanam̐ syāt

Bemäße er begrenzt, so wäre das Leben begrenzt;

tasmād idam aparimitaṃ jīvanam

Darum ist dies Leben unbegrenzt [?].

yat parimitaṃ mimīta yajamānāyaiva syād

Bemäße er begrenzt, so würde es nur für den Opferherrn sein;

tena sadasyebhyo 'pi kriyate

Dadurch wird es auch für die Mitglieder der Sitzung (sadasya) getan.

prajābhyas tvā prajās tvānuprāṇantv iti

„Für die Geschöpfe (nehme ich) dich; die Geschöpfe sollen dir nachatmen“ –

prajā vā am̐śavaḥ

die Geschöpfe sind ja die Somastengel (aṃśu);

prajāsv eva prāṇaṃ dadhāti

in die Geschöpfe gerade legt er Atem.

caturgṛhītam ājyaṃ bhavati

Viermal geschöpft ist das Schmalz (ājya).

paśūn evāsmai gṛhṇāti

das Vieh gerade nimmt er für ihn auf.

etadrūpā vai paśavas

Von dieser Gestalt ist ja das Vieh,

sarūpān eva paśūn avarunddhe ‖

gleichgestaltetes Vieh gerade gewinnt er.

iyaṃ te śukra tanūr idaṃ varca iti hiraṇyaṃ ghṛte 'vadadhāti

„Dies ist dein Leib, Śukra, dies dein Glanz“ – (so sprechend) legt er das Gold in das Schmalz.

eṣā vā agneḥ priyā tanūr yad ghṛtam

Das ist ja Agnis liebster Leib, nämlich das Schmalz;

priyām evāsya tanvaṃ tejasā samardhayati

seinen lieben Leib gerade stattet er mit Glanz aus.

yad dhiraṇyaṃ ghṛte 'vadadhāti

dass er das Gold in das Schmalz legt,

paśuṣv eva reto dadhāti

legt er gerade in das Vieh Same.

tasmād anasthakād retaso 'sthanvanto garbhāḥ prajāyante

Darum werden aus knochenlosem Samen knochenhaltige Leibesfrüchte geboren.

baddhvāvadadhāti

Nachdem er (das Gold) gebunden hat, legt er es hinein;

garbhāṇāṃ dhṛtyai

zum Festhalten der Leibesfrüchte.

aprapādāya

Damit sie nicht (vorzeitig) abfallen [?].

niṣṭarkyaṃ badhnāti

Er bindet (es) mit einer Schlinge zum Lösen [Anm.: niṣṭarkya, Bedeutung unsicher: „auflösbar/lösbarer Knoten“] [?].

tasmād yoner garbhā mucyante

Darum werden die Leibesfrüchte aus dem Schoß gelöst.

yad aniṣṭarkyaṃ badhnīyān na yoner garbhā mucyeran

Bände er (es) nicht lösbar, so würden die Leibesfrüchte nicht aus dem Schoß gelöst.

yajuṣāvadadhāti yajuṣoddharati

Mit einem Opferspruch legt er (es) hinein, mit einem Opferspruch nimmt er (es) heraus.

yajuṣaiva yunakti yajuṣā vimuñcati

Mit einem Opferspruch gerade schirrt er an, mit einem Opferspruch löst er ab.

tasmāt parācīḥ prajā reto dadhate 'rvācīḥ prajāyante ‖

Darum legen die Geschöpfe, (vom Mann) abgewandt, Samen ein; zugewandt werden sie geboren [?].