Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 24

Anuvāka 7 Heimführen des Soma, Aufstellen auf dem Thronsessel, Tieropfer für Agni-Soma (Mythos von deren Lieblingsstätte: Butter, Schmalz, Ziege) und Regel, vom Opfertier nicht zu essen.

pracyavasva bhuvanaspata iti

„Setz dich in Bewegung, Herr der Wesen“ –

bhūtānām̐ hy eṣa patis

denn dieser ist der Herr der Wesen;

viśvāny abhi dhāmānīti

„zu allen Stätten hin“ –

devatā vai viśvā dhāmāni

die Gottheiten sind ja alle Stätten;

devatā evainam abhi pracyāvayati

zu den Gottheiten gerade lässt er ihn hinziehen.

śyeno bhūtvā parāpateti

„Zum Falken geworden, flieg fort“ –

śyeno vai vayasāṃ kṣepiṣṭhas

der Falke ist ja der schnellste der Vögel;

śyenam evainaṃ kṛtvā rakṣām̐ṣy atisṛjati

ihn gerade zum Falken machend, lässt er (ihn) an den Unholden vorbeischießen [?].

yajamānasya no gṛhe sam̐skṛtam iti

„Im Haus unseres Opferherrn, zubereitet (geweiht)“ –

yajamānāyatanam evainaṃ karoti

zur Heimstatt des Opferherrn gerade macht er ihn.

atho yajamānasyaiva gṛhe devatābhis sam̐skṛtaṃ kurute

Und im Haus des Opferherrn gerade macht er (ihn) von den Gottheiten zubereitet.

namo mitrasya varuṇasya cakṣasa iti

„Verehrung dem Auge Mitras und Varuṇas“ –

varuṇo vā eṣa bhūtvā yajamānam abhyeti

als Varuṇa nämlich tritt dieser zum Opferherrn heran;

mitram evainaṃ kurute

zum Mitra gerade macht er ihn.

āsandīm udgṛhṇanti

Sie heben den Thronsessel (āsandī) auf.

yathā manuṣyarājāyāvasthitāyāsandīm udgṛhṇanty evam eva tat

Wie man einem Menschenkönig, der herangetreten ist, den Thronsessel aufrichtet, gerade so ist dies.

agninā pratitiṣṭhate

Durch Agni findet er Halt.

devatābhir evainaṃ pratitiṣṭhate

durch die Gottheiten gerade lässt er ihn Halt finden [?].

agnīṣomau vā etarhi yajamānam abhi saṃdhattas

Agni und Soma fassen jetzt den Opferherrn zusammen (binden ihn an sich),

yat paśunā pratitiṣṭhate

wenn er durch ein Tier Halt findet.

tam evābhyām apidadhāti

Ihn gerade deckt er diesen beiden zu (übergibt er ihnen).

agnīṣomābhyāṃ vā eṣa ātmānaṃ medhāyālabhate yo dīkṣate

Für Agni und Soma ergreift dieser sich selbst zum Opfer (Opferstärkung), wer die Weihe (dīkṣā) nimmt.

yat paśum ālabhate

Dass er ein Tier ergreift (zum Opfer weiht),

ātmānaṃ tena niṣkrīṇāti

damit kauft er sich selbst los.

yas tūparaś śmaśruṇo dvidevatyasya rūpaṃ lomaśaḥ pīvā puruṣarūpas tam ālabheta

Doch der (Bock), der (mit) bartähnlichem Fell, die Gestalt (des Tieres) für zwei Gottheiten, behaart, fett, menschengestaltig ist, den soll er ergreifen [?].

tasya yo 'śnāti puruṣam atti

Wer von ihm isst, isst einen Menschen.

tasmāt tasya nāśitavyam

Darum soll man davon nicht essen.

kṣudhyati vai dīkṣitaḥ

Hungrig ist ja der Geweihte;

kṣudha eṣa niṣkrayaṇa ālabhyate

als Loskauf vom Hunger wird dieser (Bock) ergriffen.

tasya yo 'śnāti kṣodhuko bhavati

Wer davon isst, wird hungrig (gierig).

tasmāt tasya nāśitavyam

Darum soll man davon nicht essen.

agnīṣomābhyāṃ vai vīryeṇendro vṛtram ahan

Durch die Kraft Agnis und Somas erschlug Indra den Vṛtra;

sa eṣa vārtraghnaḥ paśur vijityā ālabhyate

dieses Vṛtra-tötende Tier wird zum Sieg (Siegesbeute) ergriffen.

tasmād asyāśitavyam

Darum soll man von ihm (nicht) essen [?].

devatā vā enaṃ pūrvedyur ālabhyamānaṃ nābhiprācyavanta parasmād yajñakrator nirariṣyāma iti

Die Gottheiten waren ihm, dem am Vortag ergriffenen, nicht zugetan (wichen nicht zu ihm hin): „Wir würden vom höheren Opferwerk verlassen (ausfallen).“ [?]

tam agnīṣomā evābhiprācyavetāṃ parācīr itarā yajñam abhyatyasṛjanta

Nur Agni und Soma traten zu ihm hin; die anderen (Gottheiten), abgewandt, gaben das Opfer preis [?].

tasmād eṣo 'gnīṣomīya ālabhyate

Darum wird dieses (Tier) Agni und Soma geweiht und ergriffen.

tasmād agnīṣomābhyāṃ graho na gṛhyate ‖

Darum wird für Agni und Soma kein Schöpfbecher (graha) geschöpft.

tau devān upāvartamānau tayor yat priyaṃ dhāmāsīt tad apanyadadhātām

Als diese beiden sich den Göttern zuwandten, legten sie das, was ihre Lieblingsstätte gewesen war, beiseite.

tad devā anveṣṭum adhriyanta

Die Götter wagten (übernahmen es), danach zu suchen.

te prabāhug icchanta āyan

Sie, mit ausgestrecktem Arm suchend (Hand in Hand [?]), kamen heran.

te navaṃ vā idam̐ sṛptam ity abhyavāyan

Sie gingen darauf zu: „Dies ist (etwas) Neues, Herangeglittenes.“

yan navam ity abruvam̐s tan navanītasya navanītatvam

Dass sie „neu“ sagten – das ist die Neuheit (Namensherkunft) der frischen Butter (navanīta);

yat sṛptam iti tat sarpiṣas sarpiṣṭvam

dass „herangeglitten“ – das ist die Eigenschaft des Schmelzbutters (sarpis) [Anm.: Etymologie sṛp-/sarpis].

yad ajo 'vindat tad ājyasyājyatvam

Dass die Ziege (aja) es fand – das ist die Eigenschaft des Schmalzes (ājya).

sa ghṛṅṅ akarot

Sie machte „ghṛṅ“ [Anm.: lautmalend].

tad ghṛtasya ghṛtatvam

Das ist die Eigenschaft des Schmalzes (ghṛta).

tasmād ajo ghṛṅkarikrac carati

Darum geht die Ziege unter fortwährendem „ghṛṅ“-Machen umher [?].

tat paśūn anvākurvan

Da machten sie es dem Vieh nach (schufen sie es unter dem Vieh) [?].

tat paśavas samabharan

Das trugen die Tiere zusammen (brachten sie hervor).

tenaitena paśubhyo 'dhijāyante

Dadurch werden aus dem Vieh (Milch etc.) hervorgebracht [?].

tā abruvatāṃ vāryaṃ vṛṇāvahā ayam eva nau bhāgadheyam astu yo nau priyaṃ dhāmāvidad iti

Die beiden sagten: „Wir wollen uns eine Gabe wählen: dies (Tier) soll unser beider Anteil sein, das unsere Lieblingsstätte gefunden hat.“

tasmād eṣo 'gnīṣomīya ālabhyate

Darum wird dieses (Tier) Agni und Soma geweiht und ergriffen.

tasmād asyāśitavyam

Darum soll man von ihm (essen) [?].

vāryavṛto hi ‖

Denn es ist als Gabe erwählt.