Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 24

Anuvāka 8 Gastopfer (ātithya) als Anfangsopfer: Verlösung der Zugstiere, Wahl der Opfergabe, Metren, Viṣṇu-Opferkuchen, Tieropfer, Reisig, Schalenzahl, Umfassungsscheite.

vimukto 'nyo 'naḍvān bhavaty avimukto 'nyas

Der eine Zugstier ist ausgespannt, der andere nicht ausgespannt.

athātithyaṃ nirupyate

Dann wird die Gastopfer-Gabe (ātithya) ausgeschüttet.

yajñasya saṃtatyā avicchedāya

Zur Zusammenfügung des Opfers, zur Nichtunterbrechung.

yad ubhau vimuktau syātāṃ pitṛdevatyam̐ havis syād vicchinno yajño 'saṃtato 'navaruddhas

Wären beide ausgespannt, so wäre die Gabe den Vätern zugehörig; das Opfer wäre zerrissen, nicht zusammenhängend, nicht gewonnen.

yad ubhā avimuktau vārtraghnam̐ havis syāt saṃtato yajño 'vicchinno 'varuddhas

Wären beide nicht ausgespannt, so wäre die Gabe Vṛtra-tötend; (dann wäre) das Opfer zusammenhängend, ungebrochen, gewonnen [?].

yad vimukto 'nyo bhavaty avimukto 'nyas

Dass der eine ausgespannt ist, der andere nicht,

vārtraghnam̐ havir bhavaty apitṛdevatyam̐ saṃtato yajño 'vicchinno 'varuddhaḥ

so wird die Gabe Vṛtra-tötend, nicht den Vätern gehörig; zusammenhängend, ungebrochen, gewonnen ist das Opfer.

patnīm anvārambhayitvā nirvapati

Nachdem er die Ehefrau (die Opfergabe) hat anfassen lassen, schüttet er (sie) aus.

patnī vai pārīṇahyasyeśe

Die Ehefrau ist ja Herrin des Hausrats (pārīṇahya).

anumatam eva prasūtaṃ devebhyo havir nirvapati

Mit Zustimmung gerade, angetrieben, schüttet er den Göttern die Gabe aus.

patnyā evaiṣa yajñasyānvārambhas

Durch die Ehefrau ist dies das Mitfassen des Opfers;

atho mithunam eva yajñamukhe dadhāti

und ein Paar gerade legt er an den Anfang des Opfers,

yāvanto vai puṇyam anvāyanti sarvebhyas tebhya ātithyaṃ kriyate

So viele dem Guten (dem Opfer) nachgehen, für alle diese wird das Gastopfer gemacht.

chandām̐si somaṃ rājānaṃ krītam anvāyanti

Die Metren folgen dem gekauften König Soma nach.

agnes tanūr asi viṣṇave tveti

„Agnis Leib bist du; für Viṣṇu dich“ –

gāyatryaitan nirvapati

mit der Gāyatrī schüttet er dies aus.

somasya tanūr asi viṣṇave tveti

„Somas Leib bist du; für Viṣṇu dich“ –

triṣṭubhaitan nirvapati

mit der Triṣṭubh schüttet er dies aus.

atither ātithyam asi viṣṇave tveti

„Des Gastes Gastgabe bist du; für Viṣṇu dich“ –

jagatyaitan nirvapati

mit der Jagatī schüttet er dies aus.

agnaye tvā rāyaspoṣade viṣṇave tveti

„Für Agni dich, den Reichtumsgedeihen-Gebenden; für Viṣṇu dich“ –

anuṣṭubhaitan nirvapati

mit der Anuṣṭubh schüttet er dies aus.

śyenāya tvā somabhṛte viṣṇave tveti

„Für den Falken dich, den Somabringer; für Viṣṇu dich“ –

gāyatryaitan nirvapati

mit der Gāyatrī schüttet er dies aus.

gāyatrī vā etam āharad amuṣmāl lokāt

Die Gāyatrī ja holte ihn von jener Welt herbei;

tasmāt sā punaryāmṇī

darum ist sie die, die wieder (zurück)kehrt [?].

tasmāt punaḥ prayujyate

Darum wird sie wiederum verwendet.

yac chandobhir nirvapati

Dass er mit den Metren ausschüttet,

cchandām̐sy eva bhāgadheyavanti karoti

macht er die Metren gerade zu solchen mit Anteil (bhāgadheya).

pañca kṛtvo nirvapati

Fünfmal schüttet er aus.

pāṅkto yajñas

Fünfteilig (pāṅkta) ist das Opfer;

yajñam evāvarunddhe

das Opfer gerade gewinnt er.

viṣṇave tvā viṣṇave tveti

„Für Viṣṇu dich, für Viṣṇu dich“ –

viṣṇur vā etarhi yajño yarhy aniruktas

Viṣṇu ist jetzt das Opfer, solange es noch unbestimmt (unausgesprochen) ist [?].

tasmād vaiṣṇavaḥ puroḍāśo bhavati

Darum ist der Opferkuchen (puroḍāśa) Viṣṇu zugehörig.

trikapālaḥ kāryas

Auf drei Schalen soll er gemacht werden.

sa hi vaiṣṇavas

Denn er ist Viṣṇu-gehörig,

yan navakapālas

der auf neun Schalen (bereitet wird);

tenaiva trikapālas

dadurch gerade (gilt er) als auf drei Schalen;

trayo hi te trikapālā navakapālo bhavati

denn drei dreischalige (Kuchen) sind das; er ist neunschalig.

nava prāṇāḥ

Neun sind die Hauche (Öffnungen);

prāṇair eva yajñamukhe praiti

mit den Hauchen gerade geht er am Anfang des Opfers voran.

atho teja eva trivṛtaṃ yajñamukhe 'dhiviyātayati

Und den dreifachen (trivṛt) Glanz gerade fügt er am Anfang des Opfers ein [?].

tena vaiṣṇavas

dadurch ist er Viṣṇu-gehörig.

tena cchandasāṃ tenobhayasmān naiti ‖

dadurch (gehört er) den Metren; dadurch geht er von keinem von beiden verloren [Anm.: Sinn lückenhaft überliefert] [?].

paśur ālabhyas somāya rājña ity āhur manuṣyarājāyen nvai paśur ālabhyata iti

„Ein Tier ist für König Soma zu ergreifen“, sagt man; „für einen Menschenkönig doch wird das Tier ergriffen.“ [?]

āgneyā vai paśavas

Agni-zugehörig ist ja das Vieh;

tad evāsmai paśum ālabhate

damit gerade ergreift er für ihn ein Tier.

sarvā eva devatās somāya ca cchandobhyaś cāgatebhyo janayati

alle Gottheiten gerade erzeugt er für den gekommenen Soma und die (mitgekommenen) Metren [?].

āśvavālaḥ prastāro bhavaty aikṣavā udyāvau

Aus Pferdehaar ist der Streubüschel (prastara), aus Zuckerrohr die Aufheber (udyāva) [?].

aśva iva vai prajāpatir āsīt

Prajāpati war gleichsam ein Pferd;

tasyaite vālā āsan yad aśvavālā etau bāhū yā udyāvau

dies waren seine Haare, nämlich die Pferdehaare; diese beiden Arme, das sind die Udyāvas.

taṃ devā anvārabhya svargaṃ lokam āyan

Ihn anfassend gelangten die Götter zur Himmelswelt.

yad āśvavālaḥ prastāro bhavaty aikṣavā udyāvau

Dass der Streubüschel aus Pferdehaar ist und die Aufheber aus Zuckerrohr,

prajāpatim evānvārabhate

fasst er gerade Prajāpati an;

svargasya lokasya samaṣṭyai

zur Erlangung der Himmelswelt.

prajāpater vā etāni pakṣmāṇi ye 'śvavālās

Prajāpatis Wimpern (Haarbüschel) sind dies, nämlich die Pferdehaare;

yad āśvavālaḥ prastāro bhavati

dass der Streubüschel aus Pferdehaar ist,

prajāpater evādhi yajñamukhaṃ pratanute ‖

von Prajāpati aus gerade spannt er den Anfang des Opfers.

rakṣām̐si vai devānāṃ yajñam ajighām̐san

Die Unholde wollten das Opfer der Götter erschlagen.

tāni kārṣmaryeṇāpāghnata

Diese erschlugen sie (die Götter) mit Kārṣmarya-Holz [Anm.: Holz des Gmelina-Baumes].

yat kārṣmaryamayāḥ paridhayo bhavanti

Dass die Umfassungsscheite (paridhi) aus Kārṣmarya-Holz sind,

rakṣasām apahatyai

(geschieht) zur Abwehr der Unholde.

yadyad vai devā etenākurvata tenārdhnuvan

Was immer die Götter hiermit machten, dadurch hatten sie Erfolg;

tad asya karmaṇyatvam

das ist dessen Eignung zum Werk (karmaṇyatva).

karmaṇyo vai nāmaiṣa

„Werktauglich“ ist ja dessen Name.

yajñamukha evaitenardhnoti

Am Anfang des Opfers gerade hat man damit Erfolg.

saptadaśa sāmidhenyo bhavanti

Siebzehn Entzündungsverse (sāmidhenī) gibt es.

saptadaśo vai saṃvatsaraḥ pañcartavo dvādaśa māsās

Siebzehnfach ist ja das Jahr: fünf Jahreszeiten, zwölf Monate;

eṣa vāva sa saṃvatsaras

dies ist eben jenes Jahr.

saṃvatsarād evādhi yajñamukhaṃ pratanute ‖

Vom Jahr aus gerade spannt er den Anfang des Opfers.

śiro vā etad yajñasya yad ātithyam

Das Haupt des Opfers ist dieses, nämlich das Gastopfer;

yat sam̐sthāpayen mukhato yajñam̐ sam̐sthāpayec chiro grīvābhyo yajñasyāvacchindyāt

Würde er es (das Gastopfer) abschließen, so würde er das Opfer vom Mund her abschließen, das Haupt des Opfers von den Nackenteilen abtrennen.

iḍāntaṃ bhavati

Es endet mit der Iḍā-Anrufung.

śira eva grīvāsu yajñasya pratidadhāti

Das Haupt des Opfers gerade setzt er auf den Nacken.

tasmān navadhā puruṣasya śiro viṣyūtam

Darum ist des Menschen Haupt neunfach (in neun Öffnungen) durchbohrt [?].

upasado vā etasyānuyājās tānūnaptam āśīs

Die Upasad-Feiern sind ja dessen Nachopfer (anuyāja); Tānūnaptra (Opfer) und Segensspruch (sind) dazu [?].

tasmād ananuyājaṃ bhavati ‖

Darum ist es ohne Nachopfer.