Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 24

Anuvāka 9 Tānūnaptra-Bund der Götter und Deutung des Somaspendens, Wachsen des Soma, Weihe und Gürtel, Feuer und Gelübde des Geweihten.

devā vā anyo'nyasya śrauṣṭhyāya nātiṣṭhanta

Die Götter fügten sich einander nicht in den Vorrang (rivalisierten um den Vorrang) [?].

te caturdhā vyudakrāmann agnir vasubhis somo rudrair indro marudbhir varuṇa ādityais

Sie gingen in vier Gruppen auseinander: Agni mit den Vasus, Soma mit den Rudras, Indra mit den Maruts, Varuṇa mit den Ādityas.

te devāḥ pāpīyām̐so 'bhavan vasīyām̐so 'surās

Diese Götter wurden schlechter (schwächer), die Asuras besser (mächtiger).

te 'viduḥ pāpīyām̐so vai tye bhavanti vasīyām̐so 'surā iti

Sie erkannten: „Schwächer werden ja diese (Götter), mächtiger die Asuras.“

te priyās tanvas samavādyanta

Sie vereinbarten sich gegenseitig (im Eid) über ihre lieben Leiber [Anm.: tanū-naptra, „Leib-Verwandtschaft/Eidbund“; Etymologie hier über samavādyanta].

te 'bruvann eṣāṃ nas tan na pārayād yo no 'nyo'nyasmai druhyād iti

Sie sagten: „Wer von uns dem anderen Schaden zufügt, dem soll dies (der Bund) von unseren (Leibern) nicht zum Ziel gelangen [?].“

tasmāt satānūnaptriṇe na drogdhavai

Darum darf man einem, der mit einem Tānūnaptra (Eidbund) verbunden ist, nicht Schaden zufügen.

yad druhyati priyāyai tanvai druhyati

Wenn er Schaden zufügt, schädigt er den eigenen lieben Leib.

yat tanvas samavādyanta tat tānūnaptrasya tānūnaptratvam

Dass sie sich über die Leiber vereinbarten, das ist das Wesen (die Namensdeutung) des Tānūnaptra.

tato devā abhavan parāsurā abhavan

Daraufhin wurden die Götter (siegreich), die Asuras unterlagen.

ya evaṃ vidvām̐s tānūnaptram upaiti bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati

Wer, dies wissend, sich dem Tānūnaptra zuwendet, wird selbst (siegreich), sein Rivale unterliegt.

asau vā āditya indras

Jener Āditya (die Sonne) ist ja Indra;

tasya te śraiṣṭhyāyātiṣṭhanta

diese (Götter) fügten sich in seinen Vorrang [?].

tiṣṭhante 'sya samānāś śraiṣṭhyāya ya evaṃ veda

Ihm fügen sich seine Ebenbürtigen im Vorrang, wer dies weiß.

etasmin vai te tās tanvas saṃnyadadhata

In diesen ja legten sie jene Leiber zusammen.

tasmād eṣa tejiṣṭhaṃ tapati

Darum brennt dieser am glanzvollsten.

tasmāt sūryadevatyās somā bhūyiṣṭhā hūyante

Darum werden die meisten Soma-Spenden (Somaopfer) der Sonne als Gottheit dargebracht [?].

ājyena vai vajreṇa devā vṛtram aghnan srugbhyāṃ bāhubhyām

Mit dem Schmalz als Vajra erschlugen die Götter den Vṛtra, (mit) den Opferlöffeln als Armen.

ghnanti vā etat somaṃ yad asyājyenāntikaṃ juhvati

Sie erschlagen diesen Soma, indem sie in seiner Nähe mit Schmalz opfern.

am̐śuram̐śus te deva somāpyāyatām iti

„Stengel um Stengel von dir, Gott Soma, soll anschwellen“ –

yad evāsya ghnanti yan nitamayanti tad āpyāyayanti

was sie von ihm erschlagen, was sie niederdrücken (auspressen), das lassen sie (so) anschwellen [?].

yanti vā ete 'smāl lokād ye somam āpyāyayanti

Von dieser Welt scheiden diese, die den Soma anschwellen lassen [?].

eṣṭā rāyaḥ preṣe bhagāyeti

„Ihr seid gewollt (gesucht), zum Reichtum, zum Antrieb, zum Glück“ –

asminn eva loke pratitiṣṭhanti

in dieser Welt gerade finden sie Halt.

pitaraṃ ca vā eṣa mātaraṃ ca hinasti yo garbham̐ hanti

Vater und Mutter schädigt, wer eine Leibesfrucht tötet.

anayor garbhas somo rājā

Deren beider Leibesfrucht ist König Soma [Anm.: d.h. Himmel und Erde] [?].

namo dive namaḥ pṛthivyā iti

„Verehrung dem Himmel, Verehrung der Erde“ –

ābhyām eva nihnute

diesen beiden gerade neigt er sich [?].

kiṃ dīkṣayā spṛṇotīty āhuḥ kim avāntaradīkṣayeti

„Was erlangt er durch die Weihe (dīkṣā)?“ sagt man, „was durch die Zwischenweihe (avāntaradīkṣā)?“

ātmānam eva dīkṣayā spṛṇoti prajām avāntaradīkṣayā

Sich selbst gerade erlangt er durch die Weihe, die Nachkommenschaft durch die Zwischenweihe.

saṃtarāṃ mekhalām āyacchate ‖

Er zieht den Gürtel (mekhalā) fest an, dicht [?].

kanīyo vratam upaiti

Er tritt zu dem geringeren Gelübde (Vrata) hin [?].

tasmād ātmanaḥ prajām̐hīyasī

Darum ist die Nachkommenschaft geringer als das Selbst [?].

yat paras satyāṃ visṛjate tasmāt parovarīyaḥ prajayā putreṇa pautreṇa prathate

Dass er (den Gürtel) am Ende lockert, darum breitet er sich (in der Nachwelt) über Kinder, Söhne, Enkel aus, immer weiter [?].

madantīnāṃ mārjayate

Mit den (Wassern, den) sprudelnden [madantī] reinigt er sich [?].

madantīnāṃ vratayati

Mit den sprudelnden hält er das Gelübde (er nimmt die Milch/das Vrata) [?].

aśāntyai

Zur Nichtberuhigung (um es nicht zu löschen) [?].

atho teja evātman bhūyas samādhatte

und Glanz gerade legt er reichlicher in sich.

na vā etena hutaṃ vratayitavyaṃ nāhutaṃ yo dīkṣitas

Nicht soll der Geweihte das Gelübde mit Geopfertem halten noch mit Ungeopfertem.

agninaiṣa tanvaṃ viparidhatte

mit Agni umgibt dieser seinen Leib (Schutz) [?].

yā te agne rudriyā tanūr iti vratayati

„Dein Rudra-artiger Leib, Agni“ – (so sprechend) hält er das Gelübde.

svāyām eva devatāyām̐ hutaṃ vratayati

In der eigenen Gottheit gerade Geopfertes verzehrt (hält) er im Gelübde.

tenāsya na hutaṃ bhavati nāhutam ‖

Dadurch ist ihm weder Geopfertes noch Ungeopfertes.