Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 25

Anuvāka 5 Umfassen der Vedi mit dem Holzschwert und den Metren, Besprengen, Streuen des Barhis, Niederlegen und Werfen des Prastara.

sphyena vediṃ parigṛhṇāti

Mit dem Holzschwert umfasst er die Vedi.

vajro vai sphyas

Ein Vajra ist fürwahr das Holzschwert.

etāvatī pṛthivī yāvatī vedir

So groß die Vedi, so groß ist die Erde.

vajreṇaiva pṛthivyā bhrātṛvyaṃ nirbhajya cchandobhir ātmane parigṛhṇāti

Nachdem er mit dem Vajra den Nebenbuhler von der Erde ausgeschlossen hat, umfasst er sie mit den Metren für sich selbst.

vasavas tvā parigṛhṇantu gāyatreṇa cchandaseti dakṣiṇatas

„Die Vasus sollen dich umfassen mit dem Gāyatra-Metrum“ (so) im Süden.

tejo vai brahma gāyatrī

Glanz fürwahr ist das heilige Wort, (ist) die Gāyatrī.

tejasaivaināṃ dakṣiṇataḥ parigṛhṇāti

Mit Glanz eben umfasst er sie im Süden.

rudrās tvā parigṛhṇantu triṣṭubhena cchandaseti paścāt

„Die Rudras sollen dich umfassen mit dem Triṣṭubh-Metrum“ (so) im Westen.

ojo vai vīryaṃ triṣṭub

Kraft fürwahr, Heldenkraft, ist die Triṣṭubh.

ojasaivaināṃ paścāt parigṛhṇāti

Mit Kraft eben umfasst er sie im Westen.

ādityās tvā parigṛhṇantu jāgatena cchandasety uttarāt

„Die Ādityas sollen dich umfassen mit dem Jagatī-Metrum“ (so) im Norden.

jāgatā vai paśava uttarādāyatanāḥ paśavaḥ

Der Jagatī zugehörig ist fürwahr das Vieh; der Norden ist der Sitz des Viehs [?].

paśubhya evaitad āyatanaṃ karoti

Dem Vieh eben schafft er damit einen Sitz.

atho tejasā cobhayataḥ paśūn parigṛhṇāti

Zudem umfasst er mit Glanz das Vieh von beiden Seiten.

purā krūrasya visṛpo virapśinn iti

„Bevor (er) der Grausamkeit, des Ausbreitens, o Überfließender [virapśin]…“ [Anm.: Formelfragment, Deutung unsicher] [?]

yad vā asyās tejo yajñiyaṃ tad adaś candramasi

Was fürwahr von ihrem (der Erde) opfertauglichem Glanz da ist, das ist dort im Mond.

idhmābarhiṣī prokṣati

Er besprengt Brennholz und Barhis.

śuṣkāṇī vā etāny amedhyāny āraṇyād āhṛtāny āpo medhyā yajñiyā

Trocken und unrein sind diese, aus dem Wald herbeigebracht; die Wasser sind rein und opfertauglich.

yad adbhiḥ prokṣati

Dass er mit Wasser besprengt,

medhye evaine yajñiye karoti

macht er diese beiden rein und opfertauglich.

medhyām evaināṃ yajñiyāṃ karoti

Rein und opfertauglich eben macht er sie.

atho yad evāsyā udghnantaḥ krūraṃ kurvanti tac chamayati

Zudem besänftigt er, was man ihr beim Aufgraben an Grausamem antut.

prajā vai barhiḥ pṛthivī vediḥ

Die Geschöpfe sind das Barhis, die Erde ist die Vedi.

prajā eva pṛthivyāṃ pratiṣṭhāpayati

Die Geschöpfe eben lässt er auf der Erde Halt finden.

sarvāṃ vedim anustṛṇāti

Er streut über die ganze Vedi hin.

tasmāt pṛthivīm̐ sarvām anv oṣadhayas

Daher (wachsen) die Pflanzen über die ganze Erde hin.

akṣodhuko yajamāno bhavaty anagnaṃbhāvuko 'dhvaryus

Der Opferherr wird nicht hungrig, der Adhvaryu nicht dem Nacktsein [?] (dem Mangel) verfallen.

barhiṣi prastaram̐ sādayati

Auf das Barhis setzt er das Prastara (Grasbündel) [Anm.: Prastara = Grasbüschel, das den Opferherrn vertritt].

yajamāno vai prastaraḥ prajā barhis

Der Opferherr ist fürwahr der Prastara, die Geschöpfe sind das Barhis.

yajamānam eva prajāsv adhisādayati

Den Opferherrn eben setzt er über die Geschöpfe.

uttaro hi yajamāno 'yajamānāt

Denn der Opferherr steht höher als der Nicht-Opferherr.

vyāvṛtto hi yajamāno 'yajamānena

Denn der Opferherr ist vom Nicht-Opferherrn abgesondert.

aktvā prastaraṃ praharati

Nachdem er (ihn) gesalbt hat, wirft er den Prastara (ins Feuer).

yajamāno vai prastaras

Der Opferherr ist fürwahr der Prastara.

havirbhūtam evainam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati

Als Opfergabe gewordenen lässt er ihn eben zur Himmelswelt gehen.

nātyagraṃ praharet

Er soll (ihn) nicht mit zu langer Spitze werfen.

yad atyagraṃ prahared vṛkṇakeśīr janayas syur abhyāsariṇīr nam̐śukās

Würde er ihn mit zu langer Spitze werfen, so würden (dem Opferherrn) Frauen mit abgeschnittenem Haar [?] und (Leute) mit kriechenden, sich zugesellenden [?] Gebrechen entstehen (Deutung unsicher).

agram agra ādīpayati

Spitze um Spitze bringt er zum Brennen.

agreṇaivāgram̐ samardhayati

Mit der Spitze eben bringt er die Spitze zum Gelingen.

ṛjuṃ praharet svargakāmasya

Gerade soll er (ihn) werfen für den, der den Himmel begehrt.

ṛjum evainam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati

Gerade lässt er ihn eben zur Himmelswelt gehen.

yaṃ dviṣyāt tasya hūrchayet

Bei dem, den man hasst, soll man (ihn) krumm (schief) [hūrchayet: krümmen] werfen [?].

svargād evainaṃ lokād dhūrchayati ‖

Von der Himmelswelt eben bringt er ihn zu Fall (krümmt ihn weg).

nyañcaṃ prahared vṛṣṭikāmasya

Nach unten gerichtet soll er (ihn) werfen für den, der Regen begehrt.

yā vā ita āhutir udayate sāmuto vṛṣṭiṃ cyāvayati

Die Opferspende, die von hier aufsteigt, die lässt von dort her Regen herabfallen.

svayaivāhutyā divo vṛṣṭiṃ ninayati

Mit ebendieser Spende führt er den Regen vom Himmel herab.

ūrdhvaṃ prahared yadi kāmayeta pumān asya putro jāyeteti

Aufwärts soll er (ihn) werfen, wenn er wünscht: „Ihm soll ein männlicher Sohn geboren werden.“

ūrdhva eva hi pumān

Denn der Mann ist eben aufgerichtet.

prathayitvā prahared yadi kāmayeta strī jāyeteti

Ausgebreitet soll er (ihn) werfen, wenn er wünscht: „Eine Tochter soll geboren werden.“

evam eva hi strī prathiteva

Denn ebenso ist die Frau gleichsam ausgebreitet.

yajamāno vai prastaras

Der Opferherr ist fürwahr der Prastara.

eti vā etad asmāl lokād yat prastaraṃ praharati

Er geht fürwahr aus dieser Welt hinweg, wenn er den Prastara wirft.

yat tṛṇam upagṛhṇāti

Dass er einen Halm zurückhält,

asminn evainaṃ loke yacchati

hält er ihn eben in dieser Welt fest.

yad evāsyāvamṛśantaḥ krūraṃ kurvanti yad vicchindantas tac chamayati

Was man ihm beim Berühren an Grausamem antut, was beim Zerschneiden, das besänftigt er.

agā3n agnī3d iti

„Ist er gegangen, Agnīdh?“ [Anm.: Ruf des Adhvaryu an den Agnīdh, gedehnt gesprochen]

agan svargaṃ lokam ity evaitad āha

„Er ist zur Himmelswelt gegangen“, eben dies sagt er damit.

śrāvaya śrauṣad iti

„Lass (den Ruf) hören!“ – „Śrauṣaṭ!“

svargam evainaṃ lokaṃ gatam̐ śrāvayati ‖

Als zur Himmelswelt Gegangenen lässt er ihn eben hören (verkündet ihn).