Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 25

Anuvāka 9 Die Uparava-Gruben unter dem Havirdhāna, Graben gegen die Valaga, Besprengen und Legen der Pressbretter; das Havirdhāna als Kopf des Opfers und die Virāj-Kuh.

śiro vā etad yajñasya yad dhavirdhānaṃ prāṇā uparavās

Der Kopf des Opfers ist fürwahr das Havirdhāna, die Lebenshauche sind die Uparavas (Resonanzgruben) [Anm.: uparava = Gruben unter dem Pressstein, die den Klang widerhallen lassen].

dakṣiṇasya havirdhānasyādhastāt parilikhati

Unter dem südlichen Havirdhāna zieht er ringsum (Furchen).

etad vā etayoḥ pūrvam

Dies ist fürwahr von den beiden das frühere.

mukhata eva yajñasya prāṇān pratidadhāti

Am Mund des Opfers eben setzt er die Lebenshauche ein.

tasmān mukhataḥ prāṇās

Daher sind die Lebenshauche am Mund.

caturaḥ parilikhati

Vier (Linien) zieht er ringsum.

catvāro hi prāṇāḥ

Denn vier sind die Lebenshauche.

prādeśaṃprādeśaṃ viparilikhati

Spanne um Spanne zieht er (sie) auseinander.

etāvadetāvad dhīme 'bhi prāṇā asaṃbhindantaḥ khananti

Denn so weit jeweils graben diese Lebenshauche, ohne sich zu vermischen [?].

prāṇānām asaṃbhedāya

Damit die Lebenshauche sich nicht vermischen.

yat saṃbhindyāt prāṇān saṃbhindyāt pramīyeta

Würde er sie vermischen, so würde er die Lebenshauche vermischen; er würde sterben.

tān para ekadhā saṃtṛndanti

Diese durchstoßen sie oben in eins zusammen [?].

tasmāt prāṇāḥ para ekadhā saṃtṛṇṇās

Daher sind die Lebenshauche oben in eins durchbohrt (verbunden).

devasya tvā savituḥ prasava ity abhrim ādatte

Mit „Auf Antrieb des Gottes Savitṛ“ nimmt er die Grabschaufel (abhri).

savitṛprasūta evaināṃ devatābhir ādatte

Von Savitṛ angetrieben nimmt er sie eben mit den Gottheiten.

idam ahaṃ rakṣaso grīvā apikṛntāmīti

„Hiermit schneide ich der Rakṣas-Gestalt die Nacken ab.“

bhrātṛvyo vai rakṣas

Der Nebenbuhler ist fürwahr das Rakṣas.

bhrātṛvyasyaiva grīvā apikṛntati

Des Nebenbuhlers Nacken eben schneidet er ab.

idam ahaṃ yo nas samāno yo 'samāno 'rātīyati tasya grīvā apikṛntāmīti ‖

„Hiermit schneide ich dessen Nacken ab, der uns feindlich ist, sei er ein Gleichgestellter oder Ungleicher.“

prāṇā vā uparavāḥ

Die Lebenshauche sind fürwahr die Uparavas.

prāṇebhya eva bhrātṛvyam antareti tājak pradhanvati

Von den Lebenshauchen eben trennt er den Nebenbuhler ab; jäh [tājak] rennt er (er) fort [?].

bṛhann asi bṛhadgrāvā bṛhatīm indrāya vācaṃ vadeti

„Du bist groß, du hast einen großen Stein; sprich eine große Rede für Indra!“

bṛhatīm̐ hy eṣa indrāya vācaṃ vadati

Denn dieser (Stein) spricht eine große Rede für Indra.

rakṣohaṇaṃ valagahanaṃ vaiṣṇavīm iti

„(Du bist) Rakṣas-Töterin, Valaga-Töterin, Viṣṇu zugehörig“ [Anm.: valaga = vergrabener Zauberstoff / Schadenszauber].

rakṣasām apahatyai

Zur Vertreibung der Rakṣas.

yad vaiṣṇavīm iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörig“:

yajño vai viṣṇus

Viṣṇu ist fürwahr das Opfer.

svayaivaināṃ devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie zum Gelingen.

devāś ca vā asurāś ca vyabhyacaranta

Die Götter und die Asuras stellten einander nach.

te 'surā devānāṃ prāṇeṣu valagān nyakhanan

Die Asuras vergruben Valagas in den Lebenshauchen der Götter.

tān bāhumātre 'nvavindan

Die fanden sie (die Götter) in Armlänge.

tasmād bāhumātrāḥ kheyāḥ

Daher soll man in Armlänge graben.

prāṇānām anuvittyai

Um die Lebenshauche nachträglich zu finden (wiederzugewinnen).

idam ahaṃ tān valagān udvapāmi yān nas samāno yān asamāno nicakhāneti

„Ich streue diese Valagas heraus, die uns ein Gleichgestellter, die ein Ungleicher vergraben hat.“

yad evāsyātra śaptaṃ yad abhicaritaṃ tad anuvidyodvapati

Was an ihm hier verflucht, was durch Zauber verhext ist, das findet er und streut es hinaus.

tasmād ete bhiṣajyās

Daher sind diese (Sprüche) heilkräftig.

tasmād āmayāvinam anumarśayanti ‖

Daher lässt man den Kranken (sie) nachsprechen [?].

samrāḍ asi svarāḍ asīti

„Du bist Allherrscher, du bist Selbstherrscher.“

sāmrājyam evaitair upaiti

Die Allherrschaft erlangt er mit diesen (Sprüchen).

gāyatreṇa cchandasāvabāḍho yaṃ dviṣmas traiṣṭubhena jāgateneti

„Mit dem Gāyatra-Metrum ist zurückgedrängt, den wir hassen, mit dem Traiṣṭubha, mit dem Jāgata.“ [?]

etāvanti vai chandām̐si

So viele Metren gibt es fürwahr.

cchandobhir eva bhrātṛvyam avabādhate

Mit den Metren eben drängt er den Nebenbuhler zurück.

kim atra bhadraṃ tan nau saheti

„Was hier Glück ist, das (sei) uns beiden gemeinsam.“

āśiṣam evāśāste

Einen Segenswunsch eben spricht er aus.

nirasto valago 'vabāḍho durasyur iti

„Ausgestoßen ist der Valaga, zurückgedrängt der Übelwollende!“

rakṣoghno valagaghnaḥ prokṣāmi vaiṣṇavān iti

„Die Rakṣas-Töter, Valaga-Töter, Viṣṇu zugehörigen besprenge ich.“

yad vaiṣṇavān iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörigen“:

svayaivainān devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie zum Gelingen.

rakṣoghno valagaghno 'vasiñcāmi vaiṣṇavān iti

„Die Rakṣas-Töter, Valaga-Töter, Viṣṇu zugehörigen begieße ich.“

atho yad evaiṣāṃ khanantaḥ krūraṃ kurvanti tac chamayati

Zudem besänftigt er, was man ihnen beim Graben an Grausamem antut.

yad vaiṣṇavān iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörigen“:

svayaivainān devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie zum Gelingen.

rakṣoghno valagaghno 'vastṛṇāmi vaiṣṇavān iti

„Die Rakṣas-Töter, Valaga-Töter, Viṣṇu zugehörigen bestreue ich.“

yad vaiṣṇavān iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörigen“:

svayaivainān devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie zum Gelingen.

avasiñcaty ava ca stṛṇāti

Er begießt und bestreut (sie).

tasmāt prāṇā antarato lomaśā udanvantas

Daher sind die Lebenshauche innen behaart und feucht [udanvant] [?].

rakṣohaṇau valagahanau prokṣāmi vaiṣṇavī iti

„Die beiden Rakṣas-Töterinnen, Valaga-Töterinnen, Viṣṇu zugehörigen (Pressbretter) besprenge ich.“

yad vaiṣṇavī iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörig“:

svayaivaine devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie beide zum Gelingen.

ṛkṣe vā ete taṣṭe amedhye

Kahl [?] und rein zugehauen, aber unrein sind diese beiden.

āpo medhyā yajñiyās

Die Wasser sind rein und opfertauglich.

medhye evaine yajñiye karoti

macht er sie beide rein und opfertauglich.

hanū vā ete yajñasya yad adhiṣavaṇe

Die Kinnladen des Opfers sind fürwahr diese beiden Pressbretter (adhiṣavaṇa).

avitṛṇṇe bhavatas

Sie sind nicht durchbohrt [avitṛṇṇa].

tasmād dhanū avitṛṇṇe

Daher sind die Kinnladen nicht durchbohrt (geschlossen).

purastād am̐hīyasī paścād varīyasī

Vorn schmaler, hinten breiter.

dvyaṅgulam antarādhiṣavaṇe bhavati

Zwei Fingerbreit ist der Zwischenraum zwischen den Pressbrettern.

tasmād iyam antarā hanū rāsnākeva

Daher ist diese (Lücke) zwischen den Kinnladen gleichsam wie ein Gürtel [?] [Anm.: rāsnā; Deutung unsicher].

rakṣohaṇau valagahanā upadadhāmi vaiṣṇavī iti

„Die beiden Rakṣas-Töterinnen, Valaga-Töterinnen, Viṣṇu zugehörigen lege ich hin.“

yad vaiṣṇavī iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörig“:

yajño vai viṣṇus

Viṣṇu ist fürwahr das Opfer.

svayaivaine devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie beide zum Gelingen.

rakṣohaṇau valagahanau paryūhāmi vaiṣṇavī iti

„Die beiden Rakṣas-Töter, Valaga-Töter, Viṣṇu zugehörigen umschichte ich.“

yad vaiṣṇavī iti

Dass (er sagt) „Viṣṇu zugehörig“:

yajño vai viṣṇus

Viṣṇu ist fürwahr das Opfer.

svayaivaine devatayā samardhayati ‖

Durch die eigene Gottheit eben bringt er sie beide zum Gelingen.

tasmād dhanū anagne amuṣite barsvair oṣṭhābhyām̐ sṛkkābhyām̐ śmaśrubhis

Daher sind die Kinnladen nicht nackt, nicht beraubt: durch Bart [?], Lippen, Mundwinkel und Schnurrbart [?].

śiro vā etad yajñasya yad dhavirdhānaṃ prāṇā uparavā hanū adhiṣavaṇe dantā grāvāṇo jihvādhiṣavaṇaṃ carma mūrdhā droṇakalaśas

Der Kopf des Opfers ist fürwahr das Havirdhāna; die Lebenshauche sind die Uparavas, die Kinnladen die beiden Pressbretter, die Zähne die Pressteine, die Zunge das (Zunge-)Pressbrett, das Fell (die Haut) der Schädel(-Scheitel), der Droṇakalaśa (Holzzuber) [?].

mukhato vā idaṃ prajāpates somaṃ niṣpibanti

Am Mund Prajāpatis trinken sie diesen Soma aus.

tasmād ṛjīṣaṃ jagdham iva psātam iva

Daher ist der Ṛjīṣa (Presskuchen) gleichsam gegessen, gleichsam zerkaut.

evam̐ hi dadbhiḥ psātaṃ bhavati

Denn so wird (es) von den Zähnen zerkaut.

yo virājaṃ yajñamukhe dohyāṃ veda duha enām

Wer die Virāj-Kuh am Mund des Opfers als melkbare kennt, der melkt sie.

iyaṃ vāva virāṭ

Diese (Erde) hier ist eben die Virāj.

tasyā etad ūdho yad adhiṣavaṇe stanā uparavā vatsā grāvāṇas tvag adhiṣavaṇaṃ carma

Ihr Euter ist dies: die Pressbretter; die Zitzen die Uparavas, die Kälber die Pressteine, die Haut das (Leder-)Pressbrett, das Fell.

ya evaṃ virājaṃ yajñamukhe dohyāṃ veda duha enām ‖

Wer so die Virāj-Kuh am Mund des Opfers als melkbare kennt, der melkt sie.