Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 25

Anuvāka 6 Die Uttaravedi (Oberaltar): ihr Ursprung aus dem Glanz der Erde, ihre Namen, Einbringen, Besprengen, Vyāghāraṇa-Formeln, Umlegehölzer (Paridhi) und Agnis Flucht.

devāś ca vā asurāś ca saṃyattā āsan

Die Götter und die Asuras standen fürwahr im Kampf.

tān yad asyās tejo yajñiyam āsīt tat sim̐hīrūpam iva mahiṣīrūpam iva bhūtvāntarātiṣṭhat

Der opfertaugliche Glanz dieser (Erde) stellte sich, gleichsam die Gestalt einer Löwin, gleichsam die einer Büffelin annehmend, zwischen sie (die Kämpfenden).

te 'vidur yatarān vā iyam upāvartsyati ta idaṃ bhaviṣyantīti

Sie wussten: „Zu welchen von uns diese sich hinwenden wird, die werden dies (alles) besitzen.“

tāṃ devā upāmantrayanta

Die Götter riefen sie an.

sābravīd vāryaṃ vṛṇai mām eva pūrvām agner āhutir aśnavātā atha mayā yūyam̐ sarvān kāmān vyaśnavātheti

Sie sprach: „Ich wähle eine Wunschgabe: mich zuerst soll die Opferspende vor Agni erreichen; dann sollt ihr durch mich alle Wünsche erlangen.“

sā devān upāvartata

Sie wandte sich den Göttern zu.

tato devā abhavan parāsurā abhavan

Da wurden die Götter (siegreich), die Asuras wurden besiegt.

yasyaivaṃ viduṣa uttaravedir nyupyate yaś caivaṃ vidvān nivapati bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati

Wem, der so weiß, die Uttaravedi eingelegt wird, und wer sie so wissend einlegt, der gedeiht selbst, sein Nebenbuhler wird besiegt.

daśa paścāt tiraścī padāni bhavanti daśobhayataḥ prācy aparimitā purastād virājā saṃmitā

Zehn Schritte sind es hinten in der Quere, zehn (Schritte) auf beiden Seiten in der Ostrichtung; vorn ist sie unbegrenzt [?], durch das Virāj bemessen.

yad vā asurāṇāṃ vittam āsīt tad devā vedyāvindanta

Was fürwahr den Asuras an Besitz gehörte, das fanden die Götter mittels der Vedi.

tad vedyā veditvam

Darin liegt das Vedi-Sein (die „Findigkeit“) der Vedi [Anm.: Etymologie vedi von vid „finden“].

yad vedyaṃ tad uttaravedyā

Was zu finden ist, das (findet man) durch die Uttaravedi [?].

tad uttaravedyā uttaraveditvam

Darin liegt das Uttaravedi-Sein der Uttaravedi.

yasyaivaṃ viduṣo vediś ca kriyata uttaravediś ca nyupyate vittaṃ caiva vedyaṃ ca bhrātṛvyasya vindate

Wer so wissend die Vedi anlegt und die Uttaravedi einlegt, der findet des Nebenbuhlers Besitz und das, was zu finden ist.

prajāpater vai nāsikāśīryata

Prajāpatis Nase fürwahr zerbrach [?].

yad uttaravediṃ nivapati

Dass er die Uttaravedi einlegt,

prajāpater eva nāsikāṃ mukhataḥ pratidadhāti

setzt er Prajāpati eben die Nase am Gesicht wieder ein.

catvāri vā etasyā nāmāni nāsikā kaśāris sim̐hy uttaravedis

Vier Namen hat sie: Nāsikā (Nase), Kaśāri [?], Siṃhī (Löwin), Uttaravedi.

taptāyany asīti

„Du bist ein Erhitzungsgang [taptāyanī] [?]“, (so sagt er).

taptā hy enānait

Denn sie hat sie (die Götter) erhitzt (erreicht) [?].

vittāyany asīti

„Du bist ein Fundgang [vittāyanī]“.

vittā hy enānait

Denn sie hat sie gefunden [?].

avatān mā nāthitam iti

„Ihr sollt mich, den Flehenden, beschützen!“

nāthitān hy enān āvat

Denn sie schützte diese, die Flehenden.

avatād vyathitam iti

„Ihr sollt (mich) beschützen, den Bedrängten!“

vyathitān hy enān āvat

Denn sie schützte diese, die Bedrängten.

agne aṅgiro yo 'syāṃ pṛthivyām asi yo dvitīyasyāṃ yas tṛtīyasyām iti

„O Agni Aṅgiras, der du auf dieser Erde bist, der du auf der zweiten bist, der du auf der dritten bist“.

yad evāsyaiṣu lokeṣu śliṣṭaṃ yan nyaktaṃ tad avarunddhe

Was in diesen Welten an ihm haftet und ausgestrichen (abgestreift) ist, das gewinnt er zurück [?].

vided agnir nabho nāmeti ‖

„Agni soll das Nabhas (Gut) mit Namen finden.“

yad vā agner vāmaṃ vasu tan nabhas

Was fürwahr Agnis liebliches Gut ist, das ist das Nabhas.

tenemāṃ pṛthivīṃ prāviśaj jānudaghnam adhas

Damit drang er in diese Erde ein, bis zum Knie hinab [?].

tasmāj jānudaghnaṃ kheyam

Daher soll man kniehoch graben.

tasyaiva vāmasya vasor anuvittyai

Um eben jenes liebliche Gut nachträglich zu finden.

sim̐hy asi mahiṣy asīti

„Du bist eine Löwin, du bist eine Büffelin.“

sim̐hīrūpam iva hi tan mahiṣīrūpam iva bhūtvāntarātiṣṭhat

Denn gleichsam Löwinnengestalt, gleichsam Büffelinnengestalt annehmend stellte es (jener Glanz) sich dazwischen.

devebhyaḥ prathasveti

„Breite dich aus für die Götter!“

devebhyaḥ kalpasveti

„Richte dich her für die Götter!“

devebhyaś śundhasveti

„Reinige dich für die Götter!“

devebhyaś śumbhasveti

„Schmücke dich für die Götter!“

vibhrāḍ bṛhat pibatu somyaṃ madhv ity antān kalpayati

„Der Strahlende, Große soll den Soma-Honig trinken“ – damit bereitet er die Enden (Ränder) zu [?].

devapātraṃ vā uttaravedis

Die Uttaravedi ist fürwahr das Trinkgefäß der Götter.

devapātreṇaiva devatās tarpayati

Mit dem Götter-Trinkgefäß eben sättigt er die Gottheiten.

atho devatābhya eva devapātraṃ nivedayati ‖

Zudem bietet er den Gottheiten das Götter-Trinkgefäß dar.

yatīn vai sālāvṛkeyā ādan

Die Yatis (Asketen) fraßen fürwahr die Wölfe [sālāvṛka] [Anm.: sālāvṛkeya = wolfsartige Wesen].

ta ādīyamānās saṃmṛśyamānā uttaravedim̐ samudakrāman

Als sie ergriffen und betastet wurden, stiegen sie zur Uttaravedi hinauf [?].

tān nābhyadhṛṣṇuvan

Die (Wölfe) wagten sie nicht anzugreifen.

teṣām eko 'smayata

Einer von ihnen (den Yatis) lachte.

tata enān abhyadhṛṣṇuvan

Da wagten sie (die Wölfe) sie anzugreifen.

teṣām ekaikam āvarham ādan

Von ihnen fraßen sie einen nach dem anderen (bei der Rückkehr) [?].

tasmān na moghahāsinā bhavyam

Daher soll man nicht (jemand sein), der grundlos lacht [?].

yad evāsyā abhimṛtam amedhyaṃ tan nissārayati

schafft er eben das an ihr Berührte, Unreine hinaus.

etāvatī vā iyaṃ pṛthivy āsīd yāvaty uttaravedis

So groß wie die Uttaravedi war fürwahr diese Erde.

tām̐ samantaṃ rakṣām̐si saṃprākampanta

Ringsum umschwärmten sie die Rakṣas [?].

tāni devā vinudyaitābhir devatābhis samantaṃ parinyadadhur

Die Götter vertrieben sie und umgaben (die Erde) ringsum mit diesen Gottheiten.

etaddevatyā vā imā diśas

(geschieht, weil) diese Himmelsrichtungen fürwahr diese (Gottheiten) zu Gottheiten haben [?].

rakṣām̐sy eva vinudyaitābhir devatābhis samantam ātmānaṃ parinidadhāti ‖

Die Rakṣas vertreibt er eben und umgibt sich selbst ringsum mit diesen Gottheiten.

etad vā etāṃ pūrvām agner āhutir aśnute yad vyāghārayati

Die Opferspende vor Agni erreicht sie (die Uttaravedi) eben zuerst, wenn er (Schmelzbutter) darüber ausgießt (vyāghāraṇa).

athādo 'bravīn mām eva pūrvām agner āhutir aśnavātā atha mayā yūyam̐ sarvān kāmān vyaśnavātheti

Nun jenes, was sie sagte: „Mich zuerst soll die Opferspende vor Agni erreichen; dann sollt ihr durch mich alle Wünsche erlangen.“

atha vā eṣāṃ tarhy asurās sapatnā āsan

Damals nun waren die Asuras ihre (der Götter) Gegner.

te 'kāmayanta sapatnān sahemahīti

Sie wünschten: „Wir wollen die Gegner überwältigen.“

sim̐hy asi sapatnasāhī svāheti

„Du bist die Löwin, die Gegner überwältigt – svāhā!“

saptnām̐s tenāsahanta

Die Gegner überwältigten sie damit.

te 'kāmayanta paśūn vindemahīti

Sie wünschten: „Wir wollen Vieh finden.“

sim̐hy asi rāyaspoṣavanis svāheti

„Du bist die Löwin, die Reichtum und Gedeihen gewinnt – svāhā!“

te 'kāmayanta prajāṃ vindemahīti

Sie wünschten: „Wir wollen Nachkommenschaft finden.“

sim̐hy asi suprajāvanis svāheti

„Du bist die Löwin, die gute Nachkommenschaft gewinnt – svāhā!“

prajāṃ tenāvindanta

Nachkommenschaft fanden sie damit.

te 'kāmayantādityās syāmeti

Sie wünschten: „Wir wollen Ādityas sein.“

sim̐hy asy ādityavanis svāheti

„Du bist die Löwin, die Ādityas gewinnt – svāhā!“

tasmād imā ādityāḥ prajās

Daher sind diese Geschöpfe Ādityas.

te 'kāmayanta yajñiyās syāmeti

Sie wünschten: „Wir wollen opferwürdig sein.“

sim̐hy asy āvaha devān devāyate yajamānāya svāheti

„Du bist die Löwin: führe die Götter herbei für den Opferherrn, der die Götter begehrt – svāhā!“

te 'kāmayanta svargaṃ lokam iyāmeti

Sie wünschten: „Wir wollen zur Himmelswelt gelangen.“

bhūtebhyas tveti ‖

„Für die Gewordenen (Wesen) dich!“

devā vai bhūtās

Die Götter sind fürwahr die Gewordenen [bhūta] (Gedeihenden).

svargam eva tena lokam āyan

Zur Himmelswelt eben gelangten sie damit.

yasyaivaṃ viduṣa uttaravedir vyāghāryate yaś caivaṃ vidvān vyāghārayati sarvān evaitayā kāmān vyaśnoti

Wem, der so weiß, die Uttaravedi mit Butter übergossen wird, und wer so wissend sie übergießt, der erlangt durch sie alle Wünsche.

ime vai lokā adhṛtā āsan

Diese Welten waren fürwahr ungefestigt.

tān devā etair yajurbhir vyaṣṭabhnuvan

Die Götter stützten sie mit diesen Opfersprüchen auseinander [?].

yad etaiḥ paridhīn paridadhāti

Dass er mit diesen (Sprüchen) die Umlegehölzer (paridhi) rings legt,

eṣāṃ lokānāṃ vidhṛtyai

(geschieht) zum Auseinanderhalten (Festigen) dieser Welten.

agnir vai devebhyo 'pākrāmat

Agni floh fürwahr vor den Göttern.

sa yāṃ prathamāṃ prāvasat tāṃ paśuṣv avasad vṛṣṇer antarāśṛṅgam

Die erste (Gestalt), in die er einging, ließ er unter den Tieren zurück: beim Widder zwischen den Hörnern [?] (Wolle).

tasmād ūrṇāstukā bhavati

Daher gibt es das Wollbüschel (ūrṇāstukā).

yāṃ dvitīyāṃ tāṃ vanaspatiṣu pītudārau

Die zweite ließ er unter den Bäumen zurück: in der Pītudāru(-Kiefer/Zeder) [?].

tasmāt pītudārur bhavati

Daher gibt es die Pītudāru.

yāṃ tṛtīyāṃ tām oṣadhiṣu sugandhitejane

Die dritte ließ er unter den Pflanzen zurück: im Sugandhitejana(-Gras) [?].

tasmāt sugandhitejano bhavati

Daher gibt es das Sugandhitejana.

yad ete saṃbhārā bhavanti

Dass es diese Zutaten (saṃbhāra) gibt:

yad evāsyātra śliṣṭaṃ yan nyaktaṃ tad etais saṃbharati

was hier an ihm haftet und ausgestrichen ist, das trägt er mit diesen zusammen.

sa punar upāvartamānaś śarīram adhūnuta

Als er (Agni) zurückkehrte, schüttelte er den Leib ab.

tasya yan mām̐sam āsīt tad gulgulv abhavat

Was sein Fleisch war, das wurde zum Gulgulu(-Harz) [?].

yad asthi sa pītudārur

Was sein Knochen war, das ist die Pītudāru.

yāni lokāni sa sugandhitejanas

Was seine Haare [loman] (?) waren, das ist das Sugandhitejana [?] [Anm.: Lesart lokāni überliefert; Deutung unsicher].

yad ete saṃbhārā bhavanti

Dass es diese Zutaten gibt:

yad evāsyātra śliṣṭaṃ yan nyaktaṃ tad etais saṃbharati

was hier an ihm haftet und ausgestrichen ist, das trägt er mit diesen zusammen.

agneḥ kulāyam asy agneḥ purīṣam asīti

„Du bist Agnis Nest, du bist Agnis Schutt (Erdaufschüttung).“

kulāyam iva hy etat purīṣam iva

Denn dies ist gleichsam ein Nest, gleichsam Aufschüttung.

yajñaḥ pratyaṣṭhād iti

„Das Opfer hat festen Stand gefunden.“

yajñasya pratiṣṭhityai ‖

Zum festen Stand des Opfers.