Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 25

Anuvāka 10 Die Sadas-Halle als Bauch des Opfers: Udumbara-Pfosten, Graben, Besprengen, Bedachung mit Dachplatten und Schlussvermerk des fünfundzwanzigsten Abschnitts.

śiro vā etad yajñasya yad dhavirdhānam

Der Kopf des Opfers ist fürwahr das Havirdhāna.

grīvā āgnīdhram udaram̐ sadas

Der Nacken ist der Āgnīdhra(-Raum), der Bauch das Sadas (die Halle).

ūrg udumbaras

Die Nahrungskraft (ūrj) ist der Udumbara(-Feigenbaum).

yat sadasy audumbarīṃ minoti

Dass er in der Sadas-Halle den Udumbara-Pfosten aufstellt,

ūrjam eva madhyato dadhāti yajamāne ca prajāsu ca

setzt er die Nahrungskraft eben in die Mitte, in den Opferherrn und in die Geschöpfe.

tasmān madhyataḥ prajā ūrg ūrjayati

Daher stärkt die Nahrungskraft die Geschöpfe von der Mitte her.

asmai vai lokāyaudumbarī mīyate 'muṣmai yūpas

Für diese Welt fürwahr wird der Udumbara-Pfosten aufgestellt, für jene der Opferpfosten.

tasmād itaḥ parāñcaṃ yūpaṃ prokṣaty amuto 'rvācīm audumbarīm

Daher besprengt er den Opferpfosten von hier aus nach vorn (abgewandt), den Udumbara-Pfosten von dort her nach hierher.

anayor lokayor vidhṛtyai

Zur Auseinanderhaltung dieser beiden Welten.

ūrg vā udumbaras

Nahrungskraft ist fürwahr der Udumbara.

yad amuto 'rvācīm audumbarīṃ prokṣati

Dass er den Udumbara-Pfosten von dort her (nach hierher) besprengt,

amuta evārvācīm ūrjaṃ cyāvayati

lässt er die Nahrungskraft eben von dort hierher herabkommen.

asminn eva loka ūrjaṃ nyanakti

In dieser Welt eben setzt er die Nahrungskraft fest [?].

prajāpater vā udgātorg

Prajāpatis, des Udgātṛ, Nahrungskraft [?] [Anm.: Lesung „udgātor“ ist unsicher; ūrg folgt zugleich]:

udumbaryām̐ śrayate

Sie lehnt sich an den Udumbara-Pfosten.

prajāsv evorjaṃ nyanakti

In den Geschöpfen eben setzt er die Nahrungskraft fest.

devasya tvā savituḥ prasava ity abhrim ādatte

Mit „Auf Antrieb des Gottes Savitṛ“ nimmt er die Grabschaufel.

savitṛprasūta evainaṃ devatābhir ādatte

Von Savitṛ angetrieben nimmt er sie eben mit den Gottheiten.

idam ahaṃ rakṣaso grīvā apikṛntāmīti

„Hiermit schneide ich der Rakṣas-Gestalt die Nacken ab.“

bhrātṛvyo vai rakṣas

Der Nebenbuhler ist fürwahr das Rakṣas.

bhrātṛvyasyaiva grīvā apikṛntati ‖

Des Nebenbuhlers Nacken eben schneidet er ab.

śundhantāṃ lokāḥ pitṛṣadanā iti

„Rein sollen die Welten sein, die Sitze der Väter.“

atho yad evāsya khanantaḥ krūraṃ kurvanti tac chamayati

Zudem besänftigt er, was man ihr beim Graben an Grausamem antut.

yavamatīr avasiñcati

Er begießt (sie) mit Gerstenwasser (Wasser mit Gerste).

annaṃ vai yavā ūrg udumbaras

Speise sind fürwahr die Gerstenkörner, Nahrungskraft ist der Udumbara.

anna evorjaṃ dadhāti

In die Speise eben setzt er die Nahrungskraft.

pitṛṣadanaṃ tvā lokam āstṛṇāmīti

„Als Sitz der Väter bestreue ich dich, o Welt.“

yad vā etām apabarhiṣaṃ minuyur gartamit syāt

Würde man diesen (Pfosten) ohne Barhis (Grasunterlage) aufstellen, so wäre er in ein Loch gestellt.

asyā uttarārdha oṣadhayo 'syā evainam uttarārdhe minoti

Im oberen Teil dieser (Erde) sind die Pflanzen; im oberen Teil eben dieser stellt er ihn auf.

agartamitam evākar

Nicht in ein Loch gestellt hat er ihn eben gemacht.

ud dyām̐ stabhānāntarikṣaṃ pṛṇa dṛm̐hasva pṛthivyām iti

„Stütze den Himmel empor, fülle den Luftraum, festige dich auf der Erde!“

nitānas tvā māruto nihantv iti

„Der Nitāna der Maruts soll dich einschlagen!“ [Anm.: nitāna = „Zug, Spannung“ oder Name; unsicher]

mano vai nitānaḥ prāṇā mārutās

Der Geist ist fürwahr der Nitāna, die Lebenshauche sind die Maruts.

svayaivaināṃ devatayāvaharati ‖

Durch die eigene Gottheit eben treibt er ihn ein [?].

nitāno ha sma vai māruto devānām audumbarīṃ minoti

Der Marut Nitāna stellte, so heißt es, den Udumbara-Pfosten der Götter auf.

tenaivaināṃ minoti

Durch ihn eben stellt er ihn auf.

mitrāvaruṇayor dhruveṇa dharmaṇeti

„Nach der festen Ordnung von Mitra und Varuṇa.“

mitreṇa vā imāḥ prajāś śāntā varuṇena vidhṛtāḥ

Durch Mitra sind diese Geschöpfe besänftigt, durch Varuṇa auseinandergehalten.

kḷptyā eva vidhṛtyai

Zur Ordnung eben und zur Festigung.

brahmavaniṃ tvā kṣatravanim iti

„Dich, Sieger für das Brahman, Sieger für die Kṣatra-Macht.“

āśiṣam evāśāste

Einen Segenswunsch eben spricht er aus.

brahma dṛm̐ha kṣatraṃ dṛm̐heti

„Festige das Brahman, festige die Kṣatra-Macht!“

āśiṣam evāsmā āśiṣṭāṃ dṛm̐hati

Den erbetenen Segen festigt er ihm.

ghṛtena dyāvāpṛthivī āpṛṇethām iti

„Mit Schmelzbutter füllt Himmel und Erde!“

ghṛtena dyāvāpṛthivī vyunatti

Mit Schmelzbutter benetzt er Himmel und Erde.

tasmād oṣadhayo 'nabhyaktā rebhante

Daher tönen die Pflanzen (verdorren), wenn sie nicht benetzt sind [?].

ghṛtenaudumbarīm abhijuhoti

Mit Schmelzbutter opfert er auf den Udumbara-Pfosten.

tejo vai ghṛtam annam udumbaras

Glanz ist fürwahr die Schmelzbutter, Speise ist der Udumbara.

anna eva tejo dadhāti

In die Speise eben setzt er den Glanz.

āntam eva vanaspatiṣu cauṣadhiṣu ca rasaṃ dadhāti ‖

Den Saft eben setzt er innen in die Bäume und in die Pflanzen [?].

viśvajanasya cchāyāsīti

„Du bist der Schatten des ganzen Volkes.“

viśvajanasya hy eṣā chāyā

Denn dies ist der Schatten des ganzen Volkes.

gotrādgotrād dhy etat saṃprasarpanti

Denn aus jedem Geschlecht kommen sie hier zusammen.

audumbarīm abhi cchadīm̐ṣi saṃmukhāni kuryāt

Die Dachplatten [chadis] soll er dem Udumbara-Pfosten zugewandt anbringen.

daivīr vā etā viśo yad oṣadhayas

Göttliche Stämme (Volksgruppen) sind fürwahr diese, die Pflanzen.

oṣadhayaś chadīm̐ṣi

Die Pflanzen sind die Dachplatten.

yajamāna audumbarī

Der Opferherr ist der Udumbara-Pfosten.

yajamānam eva prajā abhi saṃmukhāḥ karoti

Dem Opferherrn eben macht er die Geschöpfe zugewandt.

athāntarvartas

Dann (kommen) die inneren Balken [antarvarta] [?].

tasmāt puruṣasya mām̐sam

Daher hat der Mensch Fleisch.

udaraṃ vā etad yajñasya yat sadas

Der Bauch des Opfers ist fürwahr das Sadas.

tasmāt puruṣe 'śitaṃ dhriyate

Daher wird im Menschen das Gegessene festgehalten.

yad anvaṅ minuyur na puruṣe 'śitaṃ dhriyeta

Würden sie sie der Länge nach aufstellen, so würde im Menschen das Gegessene nicht festgehalten.

puruṣeṇa vai yajñas saṃmito yajñena puruṣas

Mit dem Menschen ist das Opfer fürwahr bemessen, mit dem Opfer der Mensch.

yat sada ubhayataśchidram

Dass das Sadas auf beiden Seiten durchbrochen (offen) ist,

tasmāt puruṣa ubhayataśchidras

(darum) ist der Mensch auf beiden Seiten durchbrochen (hat zwei Körperöffnungen).

tasmāt puruṣo 'ntarato viṣyūtas

Daher ist der Mensch innen zusammengenäht.

indrasya syūr asīndrasya dhruvo 'sīti

„Du bist Indras Naht, du bist Indras fester (Halt).“

aindraṃ vai sadas

Indra zugehörig ist fürwahr das Sadas.

svayaiva devatayā sīvyati

Durch die eigene Gottheit eben näht er.

svayā devatayā granthiṃ grathnāti

Durch die eigene Gottheit knüpft er den Knoten.

aindram asīndrāya tveti saṃmitam abhimantrayate

Mit „Du bist Indras, für Indra dich“ spricht er über das Zusammengefügte.

aindraṃ vai sadas

Indra zugehörig ist fürwahr das Sadas.

svayaivainaṃ devatayā samardhayati ‖

Durch die eigene Gottheit eben bringt er es zum Gelingen.

nava cchadīm̐ṣi kuryād yady agniṣṭomas syāt

Neun Dachplatten soll er anbringen, wenn es ein Agniṣṭoma ist.

tejasā trivṛtā saṃmitam

Mit dem dreifachen Stoma-Glanz [trivṛt] ist es bemessen [?].

pañcadaśa yady ukthyaḥ

Fünfzehn, wenn es ein Ukthya ist.

pañcadaśena saṃmitam

Mit dem Fünfzehnfachen (Stoma) ist es bemessen.

vajraḥ pañcadaśas

Der Fünfzehnfache ist der Vajra.

saptadaśa yady atirātras

Siebzehn, wenn es ein Atirātra ist.

saptadaśena saṃmitam

Mit dem Siebzehnfachen ist es bemessen.

prajāpatis saptadaśaḥ

Prajāpati ist der Siebzehnfache.

prajāpatinā saṃmitam

Mit Prajāpati ist es bemessen.

ekavim̐śatiṃ pratiṣṭhākāmasya kuryāt

Einundzwanzig soll er anbringen für den, der festen Halt begehrt.

ekavim̐śo vai stomānāṃ pratiṣṭhā

Der Einundzwanzigfache ist fürwahr der feste Halt unter den Stomas.

atho yajñakratūnām eva vyāvṛttyai

Zudem zur Unterscheidung der Opfer-Riten [?].

yā antatas sthūṇās tāḥ kradhiṣṭhāḥ kuryād yadi kāmayeta varṣed iti

Die (Dachplatten), die am Ende bei den Pfosten liegen, soll er ganz kurz machen, wenn er wünscht: „Es soll regnen.“

nīcair iva hi dyaur varṣiṣyantī bhavati

Denn der Himmel ist gleichsam niedrig, wenn er regnen wird.

tā varṣiṣṭhāḥ kuryād yadi kāmayeta na varṣed iti

Diese soll er lang [oder: hoch] machen, wenn er wünscht: „Es soll nicht regnen.“

uccair iva hi dyaur avarṣiṣyantī bhavati

Denn der Himmel ist gleichsam hoch, wenn er nicht regnen wird.

yāni dakṣiṇāni cchadīm̐ṣi tāny uttarāṇi kuryāt

Die Dachplatten, die südlich sind, soll er nach Norden legen [oder: höher machen] [?].

yajamānaloke vā etāni yāni dakṣiṇāni bhrātṛvyaloka uttarāṇi

Im Bereich des Opferherrn liegen fürwahr die südlichen, im Bereich des Nebenbuhlers die nördlichen.

uttaram eva yajamānam ayajamānād bhrātṛvyāt karoti

Höher eben macht er den Opferherrn als den Nicht-Opferherrn, den Nebenbuhler.

uttaro hi yajamāno 'yajamānāt ‖

Denn der Opferherr steht höher als der Nicht-Opferherr.

iti śrīyajurvedakāṭhake carakaśākhāyāṃ madhyamikāyāmiṣusthānakaṃ nāma pañcaviṃśaṃ saṃpūrṇam ‖

Damit ist im ehrwürdigen Yajurveda, im Kāṭhaka, in der Caraka-Schule, in der mittleren Abteilung, der Abschnitt namens Iṣusthānaka (Pfeil-Abschnitt), der fünfundzwanzigste, vollendet.