Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 25

Anuvāka 8 Das Havirdhāna (Soma-Karren-Gespann): Bestreichen, Salben der Achse, Viṣṇu-Formeln, Bespannung und Dach; die Wagen als Weg zur Himmelswelt.

havirdhāne praṇenekti

Er wäscht (reinigt) die beiden Havirdhāna(-Karren) [Anm.: Havirdhāna = Karren, die die Opfergaben/Somapflanzen tragen].

medhye evaine yajñiye karoti

Rein und opfertauglich macht er sie eben.

devagranthīn eva granthiṣyanto manuṣyagranthīn vicṛtanti

Sie lösen die Menschen-Knoten, da sie eben Götter-Knoten knüpfen werden.

havir vai havirdhāne

Die Opfergabe ist fürwahr in den Havirdhānas.

stīrṇe barhiṣi havir āsādayanti

Auf dem gestreuten Barhis stellen sie die Opfergabe nieder.

tasmāt stīrṇe barhiṣi havirdhāne pravartayanti

Daher rollen sie die Havirdhānas auf das gestreute Barhis.

patny upānakti

Die Gattin (des Opferherrn) salbt (die Achse).

patnyā evaiṣa yajñasyānvārambhas

Dies ist der Anschluss der Gattin an das Opfer.

atho mithunam eva yajñamukhe dadhāti

Zudem setzt er ein Paar an den Beginn des Opfers.

triḥ prācīnam upānakti

Dreimal salbt sie in Ostrichtung.

asaṃkhyātam̐ hi tiraścīnaṃ manuṣyā upāñjanti

Denn die Menschen salben quer und ohne zu zählen.

ayajuṣā hi manuṣyā upāñjanti

Denn die Menschen salben ohne Opferspruch.

dakṣiṇata upānakti

Von der Südseite her salbt sie.

dakṣiṇato hy ete udīcī manuṣyalokam upāvartete

Denn von Süden her wenden sich diese beiden nach Norden zur Menschenwelt hin.

mānuṣam evainayor uttaraṃ karoti ‖

Das Menschliche macht er bei diesen beiden zum Oberen (Höheren).

yad uttarād upāñjyān nānyataraṃ cana lokam upāvarteyātām

Würde man von Norden her salben, so würden sich die beiden keiner der beiden Welten zuwenden [?].

svargāya vā ete lokāya pravartete yad dhavirdhāne

Zur Himmelswelt fürwahr rollen diese beiden, die Havirdhānas.

yuñjate mana iti sāvitryā juhoti

Mit einem Savitṛ-Vers („Sie schirren den Geist an“) opfert er.

savitṛprasūte evaine svargaṃ lokaṃ gamayati

Von Savitṛ angetrieben lässt er sie zur Himmelswelt gehen.

havir vai havirdhāne

Die Opfergabe ist fürwahr in den Havirdhānas.

na havir anabhighṛtaṃ medham aśnute

Keine nicht mit Schmelzbutter begossene Opfergabe erlangt Reinheit.

abhy evaine ghārayati

lässt er sie eben mit Butter begießen (übergießen).

śuṣko vā eṣa nirṛtigṛhīto yad akṣo nabhyābhyām ubhayato baddha upadhibhyām̐ saṃdaṣṭas

Trocken und von Nirṛti ergriffen ist fürwahr diese Achse, die an beiden Seiten an den Naben festgebunden und von den Felgen [?] eingeklemmt ist.

medhyam evainaṃ yajñiyaṃ karoti

macht er sie eben rein und opfertauglich.

ghoṣo vai nāmāsura āsīt

Ein Asura namens Ghoṣa (Lärm) war fürwahr (einst da).

taṃ devā gṛhītvobhayato 'badhnan

Die Götter ergriffen ihn und banden ihn auf beiden Seiten fest.

yat kṣveded asuryā vāg yajñam avavaded rakṣām̐si yajñam anvavetya hanyur

Würde (der Karren) knarren [?], so würde die asurische Rede das Opfer schädigen und die Rakṣas würden, dem Opfer nachgehend, (es) zerschlagen.

anugṛhṇanto yanti

Sie fahren, (die Havirdhānas) ergreifend (unterstützend) [?].

rakṣasām ananvavāyāya

Damit die Rakṣas nicht folgen.

vartmanā vai yajñaṃ rakṣām̐sy anvavetya jighām̐santi

Auf der Spur nämlich, dem Opfer nachgehend, wollen die Rakṣas (es) erschlagen.

vaiṣṇavyā vartmañ juhoti

Mit einem Viṣṇu-Vers opfert er auf der Wagenspur.

viṣṇur vai yajñas

Viṣṇu ist fürwahr das Opfer.

viṣṇunaiva yajñād rakṣām̐sy apahanti

Durch Viṣṇu eben schlägt er die Rakṣas vom Opfer weg.

vyṛddhā vā eṣāhutir yām anagnau juhoti

Verfehlt ist fürwahr diese Opferspende, die man nicht ins Feuer opfert.

yad dhiraṇyam upāsya juhoti

Dass er, Gold hineingelegt, opfert,

agnimaty eva juhoti

opfert er eben in etwas, das Feuer hat [Anm.: Gold gilt als Agnis Same].

svargaṃ vā ete lokaṃ preto yad dhavirdhāne

Zur Himmelswelt fürwahr gehen diese beiden hin, die Havirdhānas.

gāyatryā dakṣiṇasya vartmañ juhoti

Mit der Gāyatrī opfert er auf der Spur des südlichen (Karrens).

asyām evaine ākramayati

Auf dieser (Erde) eben lässt er sie aufschreiten.

triṣṭubhottarasya

Mit der Triṣṭubh (auf der Spur) des nördlichen.

āhavanīyaṃ gamayati

Er lässt (sie) zum Āhavanīya gehen.

svargam evaine lokaṃ gamayati

Zur Himmelswelt eben lässt er sie gehen.

svargo hi loka āhavanīyas

Denn der Āhavanīya ist die Himmelswelt.

trīn purastāt prakramān ucchim̐ṣati

Drei Schritte lässt er im Osten übrig.

imān evāsmai lokān ucchim̐ṣati ‖

Diese Welten eben lässt er ihm übrig.

divo vā viṣṇa uta vā pṛthivyā iti dakṣiṇasya havirdhānasya methīm upaminoti

Mit „Aus dem Himmel, o Viṣṇu, oder von der Erde“ setzt er den Pfosten [methī] des südlichen Havirdhāna ein.

mukhata eva yajñasyāśiṣam avarunddhe

Am Mund eben gewinnt er den Segen des Opfers.

tāṃ paruṣiparuṣy āśāsāna eti

Diesen (Pfosten) begleitet er Glied um Glied Segen erbittend.

viṣṇor nu kaṃ vīryāṇi pravocam ity uttarasya

„Viṣṇus Heldentaten will ich nun verkünden“ – (so) beim nördlichen.

vaiṣṇavaṃ vai havirdhānam

Viṣṇu zugehörig ist fürwahr das Havirdhāna.

svayaivainad devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er es zum Gelingen.

viṣṇoḥ pṛṣṭham asīti cchadir upariṣṭād adhinidadhāti

Mit „Du bist Viṣṇus Rücken“ legt er das Dach obenauf.

idam eva tena karoti yad idam uttarārdham̐ śīrṣṇas

Damit macht er eben dies (Dach), (nämlich) diesen oberen Teil des Kopfes [?].

viṣṇo rarāṭam asīti purastāt

Mit „Du bist Viṣṇus Stirn“ (legt er es) vorn.

rarāṭam eva tena karoti

Die Stirn eben macht er damit.

viṣṇoś śnaptre stha ity abhitas

Mit „Ihr seid Viṣṇus Ecken (Schläfen)“ beidseits.

śnaptre eva tena karoti ‖

Die Schläfen eben macht er damit.

tiryañcaṃ purastād vam̐śaṃ viṣīvyanti

Sie nähen vorn einen Querbalken (Bambus) fest [?].

tasmāt tiraścī puruṣasya bhruvau

Daher sind die Brauen beim Menschen quer.

viṣṇos syūr asi viṣṇor dhruvo 'sīti

„Du bist Viṣṇus Naht, du bist Viṣṇus fester (Halt).“

vaiṣṇavaṃ vai havirdhānam

Viṣṇu zugehörig ist fürwahr das Havirdhāna.

svayaiva devatayā sīvyati

Durch die eigene Gottheit eben näht er.

svayā devatayā granthiṃ grathnāti

Durch die eigene Gottheit knüpft er den Knoten.

yaṃ prathamaṃ granthiṃ grathnīyāt taṃ prathamaṃ vicṛtet

Den Knoten, den er zuerst knüpft, den soll er zuerst lösen.

yad anyaṃ pūrvaṃ vicṛted amehenādhvaryuḥ pramīyeta

Würde er einen anderen zuerst lösen, so würde der Adhvaryu am Harnleiden [ameha] sterben [?].

upariṣṭāc chamyās saṃnahyanti paścād upaminvanti

Sie binden die Jochpflöcke [śamyā] oben zusammen und stecken (sie) hinten ein.

adhastād dhi manuṣyā yuñjanti purastād upaminvanti

Denn die Menschen schirren von unten an und stecken vorn ein.

śiro vā etad yajñasya yad dhavirdhānam

Der Kopf des Opfers ist fürwahr das Havirdhāna.

purastād varṣīyo bhavati paścāt kradhīyas

Vorn ist es höher (länger), hinten kürzer [?].

tasmāt purastāt puruṣasya śiro varṣīyaḥ paścāt kradhīyas

Daher ist der Kopf des Menschen vorn höher, hinten kürzer.

vaiṣṇavam asi viṣṇave tveti saṃmitam abhimantrayate

Mit „Du bist Viṣṇus, für Viṣṇu dich“ spricht er über das (Gespann) Zusammengefügte.

vaiṣṇavaṃ vai havirdhānam

Viṣṇu zugehörig ist fürwahr das Havirdhāna.

svayaivainad devatayā samardhayati

Durch die eigene Gottheit eben bringt er es zum Gelingen.

pra tad viṣṇus stavate vīryeṇeti trīn prakramān yajamānaṃ prāñcaṃ prakramayati

Mit „Das preist Viṣṇu durch seine Heldenkraft“ lässt er den Opferherrn drei Schritte nach Osten tun.

viṣṇum evainaṃ bhūtam imāṃl lokān gamayati ‖

Als zu Viṣṇu Gewordenen lässt er ihn eben durch diese Welten gehen.