Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 27

Anuvāka 2 Die Erde als Götter-Gefäß; Upāṃśu und Antaryāma, Sonnenfinsternis und Läuterungsseihe, Ein- und Ausatem, Schlaf.

devā vai somāyābhiṣutāya pātraṃ nāvindanta yenemaṃ vigṛhṇīmahīti

Die Götter fanden für den gepressten Soma kein Gefäß, womit sie ihn fassen könnten –

ta imām eva devapātram apaśyan

sie sahen in dieser (Erde) das Götter-Gefäß.

tam anayaiva vyagṛhṇata

Mit ihr eben fassten sie ihn (den Soma) auf.

iyaṃ vāva devapātram

Diese (Erde) ist wahrlich das Götter-Gefäß.

asyās sthālīḥ kurvanty asyā vāyavyāni

Aus ihr (Ton) macht man Töpfe, aus ihr die Vāyavya-Gefäße [?].

pra śreyasaḥ pātram āpnoti ya evaṃ veda

Er gelangt zum Gefäß (Halt) des Besseren, wer so weiß.

brāhmaṇaṃ pātre ṇa mīmām̐seta

Einen Brahmanen soll man nicht (nach Art der Gefäße) prüfen/bemängeln [?] –

upayāmagṛhīto 'sīti

„Mit Untersatz (upayāma) genommen bist du“ –

iyaṃ vā upayāmas

diese (Erde) ist wahrlich der Upayāma (Untersatz).

yad atra skandaty anayā tad yatam

Was hier verspritzt wird, das ist durch sie zurückgehalten (gebändigt).

nāsya somas skandati ya evaṃ veda

Ihm verspritzt kein Soma, wer so weiß.

upayāmagṛhīto 'sīti

„Mit Untersatz genommen bist du“ –

upayāmagṛhītā hy atas somā bhavanti

denn von hier an sind die Soma(-Schöpfungen) mit Untersatz genommen.

pavitraṃ vitanvanti

Die Läuterungsseihe spannen sie aus;

pavitrapūtā hy atas somā bhavanti

denn von hier an sind die Soma-Säfte durch die Seihe geläutert.

svarbhānur vā āsuras sūryaṃ tamasāvidhyat

Svarbhānu, der Asura, durchbohrte wahrlich die Sonne mit Finsternis.

tasmād devās tamo 'pālumpan

Da schnitten die Götter die Finsternis (von ihr) ab [?].

yat prathamam apālumpan sāviṣ kṛṣṇābhavat

Was sie zuerst abschnitten, das wurde die schwarze [?] (Wolle/Seihe).

yad dvitīyam̐ sā phalgur

Was (sie) zum zweiten (abschnitten), das ist die Phalgu (die Rötliche/Schwächere) [?],

yat tṛtīyam̐ sā balakṣī ‖

was zum dritten, das ist die Weiße (balakṣī) [?].

tasmāt tasyāḥ pavitraṃ kurvanti

Darum macht man aus ihr die Läuterungsseihe.

ādityasyaivainaṃ tanvā pāvayati

Mit dem Leib der Sonne (Āditya) eben läutert er ihn.

antar yaccha maghavan pāhi somam iti

„Halte (ihn) innen, Maghavan, schütze den Soma“ –

ebhya eva lokebhyo bhrātṛvyam antardhatte

von diesen Welten eben verbirgt (schließt) er den Nebenbuhler ab.

madhumatīr na iṣas kṛdhīti

„Süße Labungen mache uns“ –

devatā vā iṣas

die Labungen sind wahrlich die Gottheiten;

devebhya evainaṃ madhumantaṃ karoti

für die Götter macht er ihn honigsüß.

svaṃkṛto 'sīti

„Du bist der Selbstgemachte“ –

apānam eva svaṃ kurute

den Ausatem macht er sich zu eigen.

urv antarikṣaṃ vīhīti

„Durch den weiten Luftraum geh hin“ –

antarikṣadevatyo hy eṣa etarhi

denn dieser (Becher) gehört jetzt dem Luftraum als Gottheit.

viśvebhya indriyebhya iti

„Für alle Sinneskräfte“ –

deveṣu caiva manuṣyeṣu cāpānaṃ dadhāti

unter Göttern wie unter Menschen legt er den Ausatem nieder.

manas tvaṣṭeti

„Der Geist möge dich (zurecht)bilden“ –

manasā hy apāno dhṛtas

denn durch den Geist wird der Ausatem gehalten.

svāhā tvā subho sūryāyeti

„Svāhā, dich (weihe ich) dem Sūrya, dem Glanzvollen [?]“ –

somo vai subhūr

Soma ist wahrlich der „Wohlgeratene“ [?];

amuṣminn āditye devānāṃ priyās tanvas tā eva tarpayati

in jener Sonne sind die lieben Leiber der Götter; eben diese sättigt er.

atho svāhākāreṇaivāsminn āhutīś śrīṇāti ‖

Zudem mischt er mit dem Svāhā-Ruf die Opferspenden in ihn.

sūdi kuryād antaryāmapātram

Als „Sūdi“ [?] (Milch-/Saftmischung) soll er das Antaryāma-Gefäß machen.

ūrg vai somo 'ntarikṣam antaryāmas

Soma ist wahrlich Kraftsaft (ūrj), der Luftraum ist der Antaryāma;

antarikṣa eva rasaṃ dadhāty ūrjaṃ paśuṣu

im Luftraum eben legt er den Saft nieder, den Kraftsaft im Vieh.

upām̐śvantaryāmau vai paśavo 'nuprajāyanta itarān grahān anv anyāḥ prajās

Dem Upāṃśu und dem Antaryāma folgend wurden wahrlich die Tiere erzeugt, den anderen Schöpfbechern folgend die übrigen Geschöpfe.

tā asannau juhoti

Diese (Tiere) opfert er (im Becher), wenn sie nicht (mehr) sitzen [?] –

tasmād asannāḥ paśavas sadadi prajāyante

darum werden Tiere, ohne zu sitzen [?], geboren –

tasmāt sadyo jātāḥ paśavaḥ pratitiṣṭhanti saṃvatsare puruṣaḥ

darum stehen sofort nach der Geburt die Tiere fest, der Mensch (erst) im Jahr.

prāṇāya tvety upām̐śupātram̐ sādayati

„Dem Einatem dich“ – so setzt er das Upāṃśu-Gefäß ab.

vyānāya tvety upām̐śusavanam

„Dem Zwischenatem dich“ – (so) den Upāṃśu-Pressstein.

apānāya tvety antaryāmapātram

„Dem Ausatem dich“ – (so) das Antaryāma-Gefäß.

vyānena vā imau prāṇāpānau vidhṛtau prāṅ ca pratyaṅ ca na kṣīyete

Durch den Zwischenatem sind wahrlich diese beiden, Ein- und Ausatem, auseinandergehalten; vorwärts und rückwärts (gehend) nehmen sie nicht ab.

nāyam ūrdhva utkrāmati netaro 'vāṅ saṃkrāmati

Weder geht dieser (Einatem) nach oben hinaus, noch tritt der andere nach unten über.

vyānam eva madhyato dadhāti

Den Zwischenatem legt er in die Mitte;

prāṇāpānayor vidhṛtyai ‖

zum Auseinanderhalten von Ein- und Ausatem.

śṛṅgam upām̐śureto 'ntaryāma indriyaṃ prajās somapīthas

Das Horn, der Upāṃśu: Same; der Antaryāma: Sinneskraft; die Geschöpfe; der Somatrunk [?].

etau ha sma vai tad rajanaḥ kauṇeyo grahau dhayan manyate yac chṛṅgaṃ dhayati

Rajana Kauṇeya meinte, diese beiden Becher „saugend“, er sauge das Horn [?].

yad etau pūrvārdhe yajñasya kriyete

Dass diese beiden in der vorderen Hälfte des Opfers vollzogen werden,

mithunam eva yajñamukhe dadhāti

so legt er ein Paar an den Anfang (Mund) des Opfers,

tasmād āhuḥ prāṇāpānau vai prajā anuprajāyanta iti

Darum sagt man: „Ein- und Ausatem folgend werden die Geschöpfe wahrlich erzeugt.“

puruṣeṇa vai yajñas saṃmitaḥ

Das Opfer ist wahrlich dem Menschen gleichgemessen;

prāṇāpānābhyāṃ puruṣas saṃtatas

durch Ein- und Ausatem ist der Mensch zusammengefügt.

yad ete prātassanne ā tṛtīyasavanāc chayāte

Dass diese beiden, am Morgenpressen eingesetzt, bis zum dritten Pressen liegen bleiben –

prāṇāpānābhyām eva yajñam̐ saṃtanoti

durch Ein- und Ausatem eben fügt er das Opfer zusammen.

tasmāt puruṣāt suptāt prāṇāpānau nāpakrāmatas

Darum weichen von einem schlafenden Menschen Ein- und Ausatem nicht fort;

te punas tṛtīyasavane prayujyete

sie werden beim dritten Pressen wieder angeschirrt.

tasmāt suptvā prabudhyate

Darum erwacht man nach dem Schlaf.

tasmād dvā avāñcau prāṇau ‖

Darum (gibt es) zwei nach unten (und vorn) gerichtete Atem [?].