Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 27

Anuvāka 8 Śukra- und Manthin-Becher: Götter und Asuras, Śaṇḍa und Marka, Prajāpatis Auge, Sonne und Mond.

devāś ca vā asurāś ca saṃyattā āsan

Götter und Asuras waren wahrlich im Kampf begriffen.

bṛhaspatir devānāṃ purohita āsīc chaṇḍāmarkā asurāṇām

Bṛhaspati war der Hauspriester (purohita) der Götter, Śaṇḍa und Marka die der Asuras.

sa indro 'ved ubhaye hi vai brahmaṇvantas smas tan na vijayāmaha iti

Indra erkannte: „Beide (Parteien) haben wir ja das heilige Wort (Brahman) bei uns; darum siegen wir nicht.“

tā upāmantrayata tā abruvatāṃ vāryaṃ vṛṇāvahai somapītho nau deveṣv astu grahau nau gṛhyetām iti

Er rief die beiden (Śaṇḍa und Marka) heran; die beiden sprachen: „Wir wählen eine Wunschgabe: Bei den Göttern soll uns Somatrunk sein; zwei Becher sollen uns geschöpft werden.“

tābhyām etā indraś śukrāmanthinau prāyacchad ātmanas santau tad bhāgadheyam abhyaitāṃ tasmād rāṣṭram apurohitaṃ parābhāvukaṃ tasmād bhrātṛvyāyānṛtaṃ vadet

Diesen beiden gab Indra Śukra und Manthin; (obgleich) sie (doch) die Seinigen waren, kamen sie diesem Anteil zu [?]. Darum geht ein Reich ohne Hauspriester leicht zugrunde; darum soll man gegen den Nebenbuhler Unwahres sagen [?].

so 'manyata yad imā ābhyām asurabrahmābhyām̐ hoṣyāmi tad anv asurā ābhaviṣyanti yan na hoṣyāmi tad anv ābhaviṣyantīti

Er (Indra) dachte: „Wenn ich für diese beiden Asura-Brahman-Träger opfere, werden die Asuras danach erstarken; wenn ich nicht opfere, werden auch sie (danach) erstarken [?].“

tā ādadāno 'pānudatāpanuttā śaṇḍāmarkau saha tena yaṃ dviṣma iti

Er nahm die beiden (Becher) und stieß (sie) weg: „Weggestoßen sind Śaṇḍa und Marka samt dem, den wir hassen.“

tato devā abhavan parāsurā abhavan

Daraufhin wurden die Götter (mächtig), die Asuras unterlagen.

yasyaivaṃviduṣaś śukrāmanthinau juhvati yasyaivaṃvidvām̐sau juhuto bhrātṛvyasyāpanuttyai

Wessen (Opfer) Śukra und Manthin, für den so Wissenden, geopfert werden, (und) wenn zwei so Wissende (sie) opfern, so geschieht es zum Wegstoßen des Nebenbuhlers.

bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati

Er wird durch sich selbst (mächtig), sein Nebenbuhler geht unter.

prajāpater vā akṣy aśvayat

Prajāpatis Auge schwoll wahrlich (an/schwitzte) [?].

tasya kanīnikā parāpatat

Seine Pupille fiel heraus.

sā vikaṅkataṃ prāviśat

Sie trat in den Vikaṅkata-Baum ein.

tasmin nādhriyata

In diesem hielt sie nicht (blieb nicht).

vaikaṅkataṃ manthinaḥ pātraṃ bhavati

Das Gefäß des Manthin ist aus Vikaṅkata-Holz.

saktubhiś śrīṇāti

Er mischt mit Gerstenmehl (saktu).

prajāpater eva cakṣus saṃbharati

Prajāpatis Auge sammelt er zusammen.

yajamānadevatyo vai śukro bhrātṛvyadevatyo manthī

Der Śukra gehört wahrlich dem Opferherrn (als Gottheit), der Manthin dem Nebenbuhler.

hiraṇyena śukram̐ śrīṇāti

Den Śukra mischt er mit Gold.

tejasaiva yajamānam̐ samardhayati

Mit Glanz stattet er den Opferherrn aus.

tasmād anyatarac cakṣuṣos tejasvitaram

Darum ist das eine der beiden Augen glänzender.

saktubhir manthinam̐ śrīṇāti

Mit Gerstenmehl mischt er den Manthin.

teja eva bhrātṛvyasya vinayati

Den Glanz des Nebenbuhlers eben führt er hinweg (verringert er).

tasmād rātrī bahurūpā

Darum ist die Nacht vielgestaltig.

anabhidhvam̐sayann itarāṇi pātrāṇi śrīṇīyāt

Ohne (den Manthin) zu zerstören soll er die anderen Gefäße mischen [?].

yad abhidhvam̐sayed akṣyāmayaḥ prajā vinded andhambhāvuko yajamānas syāt

Zerstörte er (ihn), so würden die Geschöpfe von Augenkrankheit befallen; der Opferherr würde blind werden.

prajāpater vā ete cakṣuṣī yac chukrāmanthinau

Śukra und Manthin sind wahrlich die Augen Prajāpatis.

yat prāñcā uddrutya juhutas

Dass die beiden (Priester) nach vorn (ostwärts) hinauslaufend opfern,

savanamukhayor eva cakṣuṣī dhattas

setzen sie die Augen an die beiden Anfänge (Münder) der Pressungen.

tasmād dve savane śukravatī

Darum sind zwei Pressungen mit Śukra versehen.

asau vā ādityaś śukraś candramā manthī

Jene Sonne ist Śukra, der Mond der Manthin.

yad apigṛhya prāñcā uddravatas

Dass sie (die Becher) verdeckend nach Osten hinauslaufen,

tasmād etau prāñcau yantau na paśyanti

darum sehen sie (die Menschen) die beiden nicht, wenn sie nach Osten gehen.

yad anapigṛhya purastāt pratyañcau tiṣṭhantau juhutas

Dass sie unverdeckt, vorn nach Westen gewandt stehend, opfern,

tasmāt pratyañcau yantau paśyanti ‖

darum sehen sie (die Menschen) die beiden, wenn sie nach Westen gehen.

prācībhir vā āhutibhir devā anyān asurān prāṇudanta

Mit den nach Osten gerichteten Spenden stießen die Götter die einen Asuras fort,

pratīcībhir anyān pratyañcau tiṣṭhantau śukrāmanthinau juhutaḥ prācīr itarā āhutayo hūyante

mit den nach Westen gerichteten die anderen. Nach Westen gewandt stehend opfern die beiden Śukra und Manthin; nach Osten gerichtet werden die übrigen Spenden geopfert,

bhrātṛvyasya vinuttyai

zur Vertreibung des Nebenbuhlers.

na vā etau manuṣyāḥ pracyavam arhanti

Diese beiden dürfen die Menschen nicht zum Fallen bringen [?].

tutho 'si janadhāyā devās tvā śukrapāḥ praṇayantu tutho 'si janadhāyā devās tvā manthipāḥ praṇayantv iti

„Du bist Tutha [?], Menschen-Nährer; die Götter, die Śukra-Trinker, sollen dich hinführen; du bist Tutha, Menschen-Nährer; die Götter, die Manthin-Trinker, sollen dich hinführen.“

svayaivainau devatayā praṇayati

Mit ihrer eigenen Gottheit führt er sie hin.

suvīrāḥ prajāḥ prajanayan parīhi suprajāḥ prajāḥ prajanayan parīhīti

„Männerreiche Geschöpfe erzeugend geh herum“, „Kindersegen bringende Geschöpfe erzeugend geh herum“ –

vīram evātrīṣu prajāsu dhatto bhūmānam ādyāsu

Den Helden legen sie in die essenden (fressenden) Geschöpfe, die Fülle in die zu essenden (Beute-)Geschöpfe.

tasmād etāsu vīra ājāyate

Darum wird unter diesen (essenden) der Held geboren.

tasmād itarā adyamānā na kṣīyante ‖

Darum nehmen die anderen, obgleich gegessen, nicht ab.

śukraṃ vā anv atrīḥ prajāḥ prajāyante manthinam ādyās

Dem Śukra folgend werden die essenden Geschöpfe erzeugt, dem Manthin (folgend) die zu essenden.

yad abhito 'gniṃ viparidrutya juhutas

Dass die beiden um das Feuer herum nach beiden Seiten laufend opfern,

ubhayīr evaitad atrīś cādyāś ca prajāḥ prajanayatas

so erzeugen sie beide Arten von Geschöpfen, die essenden und die zu essenden.

avariphantā ivottaravediṃ parīyātām

Sie sollen um die Uttaravedi herumgehen, wie (ihr) nicht zu nahe kommend [?].

saparvāsya sūpakāśo jāyate

Ihm wird (ein Kind) mit (guten) Gliedern und schöner Erscheinung geboren [?].

prajāpater vā eṣā nāsikā yad uttaravediś cakṣūṣī śukrāmanthinau yajñaḥ prajāpatis

Die Uttaravedi ist wahrlich Prajāpatis Nase, Śukra und Manthin die Augen, das Opfer ist Prajāpati.

yat prāñcā uddrutya juhutas

Dass die beiden nach vorn (ostwärts) hinauslaufend opfern,

nāsikāyā eva purastāc cakṣuṣī dhattas

setzen sie vor die Nase die beiden Augen.

etad dhy etasyāḥ pūrvam

Denn dies ist das Vordere von jener [?].

abhitas tiṣṭhantau juhutas

Zu beiden Seiten stehend opfern sie;

tasmān nāsikām abhitaś cakṣuṣī

darum sind beiderseits der Nase die Augen.

anādhṛṣṭāsīti nigṛhṇītas

„Unbezwinglich bist du“ – so halten sie (die Becher) nieder.

tasmād akṣi dhāne nīpatamam ‖

Darum ist das Auge am tiefsten [?] gelegen in der Höhlung (dhāna).