vācaspataye pavasveti
„Für den Herrn der Rede läutere dich“ (so der Spruch) –
Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 27
vācaspataye pavasveti
„Für den Herrn der Rede läutere dich“ (so der Spruch) –
vāca ādhipatyāya pavasvety evaitad āha
„zur Herrschaft über die Rede läutere dich“, das eben sagt er damit.
tasmād etayā kāmaṃ vadāmaś ca pra cānimaḥ
Darum sprechen wir mit dieser (Rede) nach Belieben und atmen (auch) aus.
prajāpatir vā idam āsīt
Prajāpati war wahrlich dieses (All).
tasya vāg dvitīyāsīt
Ihm war die Rede (Vāc) die Zweite.
tāṃ mithunam̐ samabhavat
Mit ihr ging er die Paarung ein.
sā garbham adhatta
Sie empfing einen Keim.
sāsmād apākrāmat
Sie wich von ihm weg.
semāḥ prajā asṛjata
Sie brachte diese Geschöpfe hervor.
sā prajāpatim eva punaḥ prāviśat
Sie trat wieder in Prajāpati selbst ein.
vācaspataye pavasveti
„Für den Herrn der Rede läutere dich“ –
etasmād eva mithunāt prajayā ca paśubhiś ca prajāyate
aus eben diesem Paar wird (der Opferherr) an Nachkommenschaft und Vieh fruchtbar.
vācaspataye pavasveti
„Für den Herrn der Rede läutere dich“ –
brahma vai vācaspatis
der Herr der Rede ist wahrlich das heilige Wort (Brahman);
brahmaṇaivainaṃ pāvayati
mit dem heiligen Wort läutert er ihn (den Soma).
vṛṣṇo am̐śubhyāṃ gabhastipūta iti
„Vom Stier her, mit (deinen) Stängeln, durch die Arme (gabhasti) geläutert“ –
indro vai vṛṣā tasya hastau gabhastī
Indra ist wahrlich der Stier; seine Hände sind die beiden „Arme“ (gabhasti).
tābhyām evainaṃ pāvayati ‖
Mit diesen läutert er ihn.
devo devānāṃ pavitram asīti
„Du bist, Gott, das Läuterungsmittel der Götter“ –
devatābhya evainaṃ nidiśati
den Gottheiten weist er ihn damit zu.
madhumatīr na iṣa iti
„Süße Labungen (schaffe) uns“ –
somena hi somaṃ punanti
denn mit Soma läutert man den Soma.
yeṣāṃ bhāgo 'sīti
„Du bist der Anteil derer, …“ –
devatābhya evainaṃ nidiśati
den Gottheiten weist er ihn damit zu.
madumatīr na iṣas kṛdhīti
„Süße Labungen mache uns“ –
devatā vā iṣas
die Labungen sind wahrlich die Gottheiten;
devebhya evainaṃ madhumantaṃ karoti
für die Götter macht er ihn damit honigsüß.
svaṃkṛto 'sīti
„Du bist der Selbstgemachte (Eigens-Zubereitete)“ –
prāṇam eva svaṃ kurute
den Einatem macht er sich damit zu eigen.
urv antarikṣaṃ vīhīti
„Durch den weiten Luftraum geh hin“ –
antarikṣadevatyo hy eṣa etarhi
denn dieser (Becher) gehört jetzt dem Luftraum als Gottheit.
viśvebhya indriyebhya iti
„Für alle Sinneskräfte“ –
deveṣu caiva manuṣyeṣu ca prāṇaṃ dadhāti
unter Göttern wie unter Menschen legt er (so) den Atem nieder.
manas tvāṣteti
„Der Geist möge dich (zurecht)bilden“ –
manasā hi prāṇo dhṛtas
denn durch den Geist wird der Atem gehalten.
svāhā tvā subho sūryāyeti
„Svāhā, dich (weihe ich) dem Sūrya, dem Glanzvollen [?]“ –
somo vai subhūr
Soma ist wahrlich der „Wohlgeratene“ (subhū) [?];
amuṣminn āditye devānāṃ priyās tanvas
in jener Sonne (Āditya) sind die lieben Leiber der Götter;
tā eva tarpayati
eben diese sättigt er.
atho svāhākāreṇaivāsminn āhutīś śrīṇāti ‖
Zudem mischt er mit dem Svāhā-Ruf die Opferspenden in ihn (den Soma).
sarvahutaṃ juhoti
Er opfert es als Ganzopfer (sarvahuta).
tasmāt parāṅ prāṇas
Darum (geht) der Atem nach außen.
ṛjus tiṣṭhañ juhoti
Gerade stehend opfert er,
puruṣeṇaiva yajñas saṃmitaḥ
denn das Opfer ist dem Menschen (puruṣa) gleichgemessen;
prāṇāpānābhyāṃ puruṣas saṃtataḥ
durch Ein- und Ausatem ist der Mensch zusammengefügt (fortlaufend gemacht).
prāṇāpānayor asam̐śarāya
Damit Ein- und Ausatem nicht zerbrechen [?],
nādhvaryur vihūrchati ya evaṃ veda
kommt der Adhvaryu nicht zu Fall, wer so weiß.
uttarād upām̐śuṃ juhuyād dakṣiṇato 'ntaryāmam
Vom Norden her (nördlich) soll er den Upāṃśu opfern, vom Süden her den Antaryāma.
devaratho vā eṣa yad yajñas
Das Opfer ist wahrlich der Götterwagen;
tasyaitau raśmī yad upām̐śvantaryāmau
seine beiden Zügel sind Upāṃśu und Antaryāma.
devarathasyaiva purastād raśmī viharati
Vor dem Götterwagen führt er die beiden Zügel auseinander (spannt sie).
saṃvatsarasya kḷptyai svargasya lokasya prajñātyai
Zur Ordnung des Jahres und zur Erkenntnis der Himmelswelt –
tām anukṛtiṃ manuṣyarathasya raśmī vihriyete
in dieser Nachbildung werden auch beim Menschenwagen die beiden Zügel auseinandergezogen.
ṛjū hotavyau
Gerade (aufrecht) sind beide zu opfern,
prāṇānām avyatihārāya
damit die Atemkräfte nicht durcheinandergeraten.
ūrdhvam unmṛjyād yadi kāmayeta na varṣed iti
Aufwärts soll er (den Löffel) abwischen, wenn er wünscht: „Es möge nicht regnen.“
amutraiva vṛṣṭiṃ parigṛhṇāti
Dann hält er den Regen dort (oben) fest.
avācīnam avamṛjyād yadi kāmayeta varṣed iti
Abwärts soll er abwischen, wenn er wünscht: „Es möge regnen.“
yā vā ita žHhutir udayate sāmuto vṛṣṭiṃ cyāvayati
Die Spende, die von hier (der Erde) aufsteigt, die lässt von dort den Regen herabfallen.
saumyaivāhutyā divo vṛṣṭiṃ ninayati ‖
Eben durch die Soma-Spende führt er den Regen vom Himmel herab.
devebhyas tvā marīcipebhya iti paridhau nimārṣṭi
„Dich (weihe ich) den Göttern, den Lichtstrahlen-Trinkern“ – so streicht er (den Rest) am Umfassungsholz (paridhi) ab.
prāṇā vai devā marīcipās
Die Götter, die Marīcipa („Strahlentrinker“), sind wahrlich die Lebensatem;
tān eva prīṇāti
eben diese erfreut er.
atho paridhīnām evaiṣa somapīthas
Zudem ist dies der Somatrunk der Umfassungshölzer;
antarato nimārṣṭi
nach innen hin streicht er ab.
tasmāt prāṇā antaratas
Darum sind die Atem im Inneren.
vi vā etad yajñaṃ cchinatti yat purābhiṣotos sam̐sthāṃ gamayati
Er zerschneidet dieses Opfer wahrlich, wenn er (es) vor dem Pressen zum Abschluss bringt.
yad am̐śūn anabhiṣutān apisṛjati
Indem er die ungepressten Stängel hinzufügt,
yajñasya saṃtatyā avicchedāya
(geschieht es) zur Fortsetzung des Opfers, damit es nicht abreißt.
ṣaḍ am̐śūn apisṛjati
Sechs Stängel fügt er hinzu;
tasmāt ṣaṭ prāṇās
darum (gibt es) sechs Atem (Sinnesöffnungen des Kopfes) [?],
dvandvam
paarweise.
tasmāt prāṇā dvandvam
Darum sind die Atem paarig.
ārdrās santo 'sam̐śliṣṭā bhavanti
Feucht seiend, sind sie doch nicht aneinandergeklebt.
tasmāt prāṇā ārdrās santo 'sam̐śliṣṭās
Darum sind die Atem, obwohl feucht, nicht verklebt.
yo ha vai somasya somapīthaṃ veda na somapīthāc chidyate nāsya prajās
Wer wahrlich den Somatrunk des Soma kennt, der wird vom Somatrunk nicht abgeschnitten, und seine Nachkommen (werden es) nicht.
yat te somādābhyaṃ nāma jāgṛvi tasmai te soma somāya svāheti
„Der Name von dir, Soma, der unverletzlich (und) wach ist – dem, Soma, dir dem Soma, Svāhā!“
eṣa vai somasya somapīthas
Dies ist wahrlich der Somatrunk des Soma;
somam evaitat somasya tarpayati
Soma sättigt er damit durch (einen Teil) des Soma.
na somapīthāc chidyate nāsya prajā ya evaṃ veda
Vom Somatrunk wird nicht abgeschnitten, und seine Nachkommen nicht, wer so weiß.
yady abhicaret ‖ devasya tvā savituḥ prasave 'śvinor bāhubhyāṃ pūṣṇo hastābhyām ādada ity ādadīta
Wenn er Abwehr-/Schadenszauber (abhicāra) treiben will, soll er (den Soma) nehmen mit den Worten: „Auf Antrieb des Gottes Savitṛ nehme ich dich mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan.“
praharṣiṇo madirasya made mṛṣāsā astv atha tvā hoṣyāmīti
„Im Rausch des erregenden, berauschenden (Somas) sei es wirkungslos [?]; dann will ich dich opfern.“
mṛṣaivainaṃ karoti
Ins Leere (wirkungslos) macht er ihn damit.
sarvadevatyo vai somas
Soma gehört wahrlich allen Göttern,
sarvā vā etarhy etasmin devatā āśam̐sante mahyam̐ hoṣyati mahyam̐ hoṣyatīti
alle Götter hoffen jetzt auf ihn: „Mir wird er opfern, mir wird er opfern.“
devatā evainam āhutim abhīpsantīr uddahanti
Die Gottheiten, die nach der Spende trachten, verbrennen ihn geradezu (den Opferherrn/Gegner) [?].
ā tamitos tiṣṭhati
Bis zur Erschöpfung [?] steht er da.
prāṇasyaivāsyāntaṃ gacchati
Zum Ende des Atems eben dieses (Gegners) geht er.
yad yajur vadati
Indem er den Opferspruch spricht,
devebhya evainam āvṛścati
schneidet er ihn (den Gegner) von den Göttern ab.
upām̐śunābhicarati
Mit dem Upāṃśu (leise) treibt er den Schadenszauber.
prāṇo vā upām̐śuḥ
Der Upāṃśu ist wahrlich der Atem.
prāṇenaivāsya prāṇam abhicarati
Mit dem Atem eben verhext er dessen Atem.
tājak pradhanvati ‖
Rasch [?] läuft (er) hin (der Gegner) dahin [?].