Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 27

Anuvāka 5 Dvidevatya-Becher als Atemkräfte; Idā; Āśvina-Becher als Gehör; Ordnung der Gefäße, Vertauschen von Gefäßen.

prāṇā vai dvidevatyās

Die Atem sind wahrlich die Zwei-Götter-Becher (dvidevatya).

ekapātrā gṛhyante

Sie werden in einem Gefäß geschöpft.

tasmāt prāṇā ekanāmānas

Darum haben die Atem einen (gemeinsamen) Namen.

te dvipātrā hūyante

Sie werden aus zwei Gefäßen geopfert.

tasmāt prāṇā dvandvam

Darum sind die Atem paarig.

yena yajuṣā prayacchati tena pratigṛhṇāti

Mit welchem Opferspruch er (den Becher) hingibt, mit dem nimmt er ihn entgegen.

prāṇānām̐ saṃtatyai pratijñātyai

Zur Fortsetzung der Atem, zur Wiedererkennung [?].

nānuvaṣaṭkaroti

Er spricht keinen Anuvaṣaṭ-Ruf.

yad anuvaṣaṭkuryāt prāṇān sam̐sthāpayet pramīyeta

Würde er den Anuvaṣaṭ-Ruf sprechen, brächte er die Atem zum Stillstand; er würde sterben.

yan nānuyajati

Dass er keine Nachopferformel spricht –

tasmāt prāṇā asam̐sthitā ā ca parā ca caranti

darum gehen die Atem unaufhörlich, herkommend und wegführend.

dvidevatyāḥ pūrve bhakṣayitavyā3 iḍopahūyā3 iti mīmām̐sante ‖

Man erörtert: „Sind die Dvidevatya-Becher zuerst zu genießen, oder ist zuerst Idā anzurufen?“

iḍaiva pūrvopahūyā

„Idā ist zuerst anzurufen“ –

yajñasya yathāpūrvatvāya

damit das Opfer der (rechten) Reihenfolge nach geschieht.

prāṇā vai dvidevatyāḥ paśava iḍā

Die Atem sind wahrlich die Dvidevatya-Becher, das Vieh ist Idā.

yad evaṃ kuryāt paśubhiḥ prāṇān antariyāt pramīyeta

Handelte man so, ginge man mit dem Vieh zwischen die Atem und würde sterben.

dvidevatyā eva pūrve bhakṣayitavyās

Die Dvidevatya-Becher sind (vielmehr) zuerst zu genießen.

antare vai prāṇāḥ pare paśavaḥ

Innen sind wahrlich die Atem, außen das Vieh.

prāṇān evātman dhitvā paśūn upahūte ‖

Die Atem eben in sich selbst gesetzt, ruft er dann das Vieh an.

ye vā ime puruṣe prāṇās te dvidevatyā vāk ca prāṇāś caindravāyavaś cakṣuś ca manaś ca maitrāvaruṇaś śrotraṃ cātmā cāśvinas

Die Atem im Menschen sind eben die Dvidevatya: Rede und Atem sind der Aindravāyava, Auge und Geist der Maitrāvaruṇa, Gehör und Selbst der Āśvina.

sa vaṣaṭkṛtyātāmyat

Er wurde durch das Vaṣaṭ-Rufen müde.

āhitāsyeḍāsīt

Idā war (ihm) als Zugelegte (Zugestellte) [?] da.

tasya devā dvidevatyair anvaundan

Die Götter machten ihn mit den Dvidevatya (wieder) nass/kräftig [?].

prāṇā vai dvidevatyāḥ

Die Atem sind wahrlich die Dvidevatya.

prāṇair evainaṃ tad abhyadhinvan

Mit den Atemkräften ließen sie ihn da gedeihen [?].

sa iḍopahūteti pratyapadyata

Er trat ein mit den Worten: „Idā ist angerufen.“

prāṇā vai dvidevatyās

Die Atem sind wahrlich die Dvidevatya.

yad dvidevatyān bhakṣayati

Indem er die Dvidevatya genießt,

prāṇair evātmānam abhidhinoti

stärkt er sich selbst mit den Atemkräften.

tasmād dvidevatyā eva pūrve bhakṣayitavyās

Darum sind die Dvidevatya zuerst zu genießen;

te hi pūrve bhakṣitās

denn sie sind vorher genossen worden.

āśvino daśamo gṛhyate ‖

Als zehnter wird der Āśvina geschöpft.

śira eva prāṇān abhisam̐harati

Im Kopf sammelt er die Atem zusammen.

samantaṃ parihṛtya bhakṣayati

Ringsum herumgeführt genießt er ihn.

śrotraṃ vā āśvinas

Der Āśvina ist wahrlich das Gehör.

tasmāt puruṣas sarvataś śṛṇoti

Darum hört der Mensch von allen Seiten.

rakṣām̐si vā etat pātram̐ sacante yad yajñe riktam avimuktaṃ bhavati

Dämonen (Rakṣas) haften wahrlich diesem Gefäß an, wenn im Opfer etwas leer, ungelöst bleibt.

puroḍāśam aindravāyavasya pātre 'vadadhāti payasyāṃ maitrāvaruṇasya dhānām āśvinasya

Er legt Reiskuchen (puroḍāśa) in das Gefäß des Aindravāyava, dicke Milch (payasyā) in das des Maitrāvaruṇa, geröstetes Korn (dhānā) in das des Āśvina.

tasmāt prāṇā adastā ariktās

Darum sind die Atemkräfte nicht beschädigt [?], nicht leer.

dakṣiṇasya havirdhānasyādhastāt sādayati

Unter dem südlichen Havirdhāna-Wagen stellt er (sie) ab.

etad vā etayor agnimad vīryāvat

Dies ist wahrlich bei ihnen das Feuerhafte, Manneskraft-Habende;

yad evāgnimad vīryāvat tasmin sādayati

was feuerhaft und kraftvoll ist, darauf stellt er (es) ab.

puruṣeṇa vai yajñas saṃmitaḥ

Das Opfer ist wahrlich dem Menschen gleichgemessen;

prāṇāpānaiḥ puruṣas saṃtatas

durch Ein- und Ausatem ist der Mensch zusammengefügt.

yad etāni prātassannāny ā tṛtīyasavanāc chere

Dass diese am Morgen eingesetzten (Gefäße) bis zum dritten Pressen liegen –

prāṇāpānair eva yajñam̐ saṃtanoti

durch Ein- und Ausatem fügt er das Opfer zusammen.

ekayā ca daśabhiś cety etāṃ prativimuñcati

„Mit einer und mit zehn“ – mit diesem (Spruch) löst er (sie) wieder.

yad arvāg vimuñcet prāṇān vicchindyāt

Löste er sie früher, so würde er die Atem zerschneiden;

yat paraḥ prāṇān atirecayet pramīyeta

ließe er sie darüber hinaus (zu lange) überstehen, so würde er sterben.

prāṇo vai vāyuḥ prāṇā dvidevatyāḥ

Der Atem ist wahrlich Vāyu, die Atem sind die Dvidevatya.

prāṇenaiva prāṇān vimuñcati

Mit dem Atem eben löst er die Atem.

bahu vāyavyaṃ prātassavane śasyata ekaiva tṛtīyasavane

Viel Vāyavya wird beim Morgenpressen rezitiert, nur eines beim dritten Pressen.

tasmād bahavo mukhaprāṇā eko 'vāṅ

Darum sind viele Atem am Mund (Kopf), einer unten.

yadi kāmayetāvagatam aparundhyur aparuddho 'vagacched itīdam aham amum āmuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putram amuṣyā viśa udūhāmīty adhvaryoḥ pātram udūhet

Wenn er wünscht: „Man möge einen (zunächst) Erreichten (zu Amt/Rang Gelangten) verdrängen; ein Verdrängter möge (wieder) gelangen“, so soll er das Gefäß des Adhvaryu (mit den Worten) wegheben: „Diesen da, den Sohn des N.N., der Sohn der N.N., aus dem Stamm des N.N. hebe ich heraus.“

idam aham amum āmuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putram amuṣyāṃ viśy adhyūhāmīti pratiprasthātuḥ pātram adhyūhet

„Diesen da, den Sohn der N.N., setze ich in den Stamm der N.N. hinein“ – so soll er das Gefäß des Pratiprasthātṛ hinaufsetzen [?].

adhvaryur vai śreyān pāpīyān aparuddhas

Der Adhvaryu ist wahrlich der Bessere; der Pratiprasthātṛ der Geringere, der Zurückgesetzte [?].

avagatam evāparuṇaddhy aparuddham avagamayati

Den Gelangten verdrängt er, den Verdrängten lässt er gelangen.

tājag vyavagacchete

Rasch [?] gelangen sie auseinander (jeder an seinen Ort).

vyatyūhet pātrāṇi

Er soll die Gefäße vertauschen,

yadi kāmayeta pāpavasīyasam̐ syād ity adhvaryoḥ pātrāṇāṃ loke pratiprasthātuḥ pātrāṇi sādayet pratiprasthātuḥ pātrāṇāṃ loke 'dhvaryoḥ pātrāṇi sādayet

wenn er wünscht: „Es soll ein Wechsel von Schlechter und Besser eintreten“ – an die Stelle der Gefäße des Adhvaryu soll er die des Pratiprasthātṛ stellen, an die Stelle der Gefäße des Pratiprasthātṛ die des Adhvaryu.

adhvaryur vai śreyān pāpīyān pratiprasthātā

Der Adhvaryu ist wahrlich der Bessere, der Pratiprasthātṛ der Geringere.

pāpīyām̐sam eva vasīyaso loke sādayati vasīyām̐saṃ pāpīyasaḥ

Den Geringeren setzt er an die Stelle des Besseren, den Besseren an die des Geringeren.

pāpavasīyasaṃ karoti

Einen Wechsel von Schlechter und Besser bewirkt er.

etad dha vai vipūjanas saurākiḥ pāpavasīyasaṃ vidām̐cakāra ‖

Dies wusste wahrlich Vipūjana Saurāki als (Mittel des) Wechsels von Schlechter und Besser.